10, 3[1-6] Sommer-Herbst 1882
3 [1]
Auf hoher See.
Ein Sentenzen-Buch
von
Friedrich Nietzsche.
Schweigsame Reden
Ein Sentenzen-Buch.
“Jenseits von gut und böse.”
Sentenzen-Buch.
1. A: Was bedeutet die Gerechtigkeit? B: Meine Gerechtigkeit ist Liebe mit sehenden Augen. A: Aber bedenke, was du sagst: diese Gerechtigkeit spricht Jeden frei, ausgenommen den Richtenden! Diese Liebe trägt nicht nur alle Strafe, sondern auch alle Schuld! B: So soll es sein!
2. Spät jung erhält lang jung. Man muß die Jugend nicht bei den Jungen suchen.
3. Wenn die Talente eines Menschen nachlassen, werden seine moralischen Eigenschaften sichtbarer; und nicht immer sind es Sterne, die bei dieser einbrechenden Nacht sichtbarer werden.
4. Wer das Hohe eines Menschen nicht zu sehen vermag, hat gerade deshalb ein Luchsauge für dessen Niedriges.
5. Es giebt auch eine Zudringlichkeit des Erkennenden: sie ist verurtheilt, von allen Dingen nur den Vordergrund zu sehen.
6. Wenn fünf Menschen zusammen reden, muß immer ein sechster sterben.
7. Gott erstickte an der Theologie; und die Moral an der Moralität.
8. Die, welche bisher den Menschen am meisten liebten, thaten dem Menschen immer am wehesten: sie forderten von ihm das Unmögliche, gleich allen Liebenden.
9. So sprach ein Heiliger: “ich liebe Gott—denn der Mensch ist eine zu unvollkommene Sache. Liebe zu einem Menschen würde mich zerstören.”
10. Die Zeit ist da, in der der Teufel der Advokat Gottes sein muß: wenn anders er selber fortbestehen will.
11. “Du bist gegen Alles, was bisher Werth hatte, kalt geworden, du bist kälter als Eis—aber wer dich jetzt anrührt, sagt du seist glühend geworden: und zieht schnell seinen Finger zurück, im Glauben, du habest ihn verbrannt. Und es wird bald Menschen geben, welche dich aufsuchen, um sich an dir zu wärmen.”
12. Es ist verrätherisch, wenn Jemand nach Größe strebt. Die Menschen der besten Qualität streben nach Kleinheit.
13. Wer uns nicht fruchtbar macht, wird uns sicher gleichgültig. Wen wir aber fruchtbar machen, den lieben wir deshalb noch lange nicht.
14. Der Dritte ist immer der Kork, welcher verhindert, daß das Gespräch von Zweien in die Tiefe sinkt: was, unter Umständen, ein Vortheil ist.
15. Wirf deine Worte deinen Thaten voraus: verpflichte dich selber durch die Scham vor gebrochnen Worten.
16. Es ist Weiber-Art, seine Nächsten zu einer guten Meinung über sich zu verführen und dann an diese Meinung wie an eine Autorität zu glauben.
17. Im Verneinen, Zerstören, Hassen, Sich-Rächen ist das Weib barbarischer als der Mann.
18. Die Opfer, die wir bringen, beweisen nur, wie wenig werth uns jedes andre Ding wird, wenn wir Etwas lieben.
19. Was wir am liebsten thun, von dem möchten wir, daß es als, das gelte, was uns am schwersten werde.
20. Die Weiber haben im Hintergrunde alles ihres Ehrgeizes als Weiber immer noch die Verachtung für “das Weib.”
21. Das, was wir an einem Menschen erkennen, das entzünden wir an ihm auch; und wer nur die niedrigen Eigenschaften eines Menschen erkennt, hat auch eine anreizende Kraft für dieselben und bringt sie zur Entladung. Die Affekte deiner Nächsten gegen dich sind die Kritik deiner Erkenntniß, nach Höhe und Niedrigkeit.
22. Seinem Affekte einen Namen geben ist schon ein Schritt über den Affekt hinaus. Die tiefste Liebe z. B. weiß sich nicht zu benennen und fragt sich wohl: “bin ich nicht Haß?”
23. Die männlichen und, die weiblichen Affekte sind im Tempo verschieden: deshalb hören Mann und Weib nie auf, sich mißzuverstehen.
Mit aller Kenntniß anderer Menschen kommt man nicht aus sich hinaus, sondern immer mehr in sich hinein.
24. Wir machen es auch im Wachen wie im Traum: immer erfinden und erdichten wir erst die Menschen, mit denen wir verkehren—und vergessen sofort, daß sie erfunden und erdichtet sind.
25. Man wird auch für seine Tugenden bestraft.
26. Das Bedürfniß des Gemüths ist nicht zu verwechseln mit dem Bedürfniß nach Gemüth, das einige kalte Personen haben.
27. Wer nicht nöthig hat, zu lügen, thut sich etwas darauf zu Gute, nicht zu lügen.
28. Die Weiber verstehen die Kinder besser, aber die Männer sind kindlicher als die Weiber.
29. Der Gläubige hat seinen natürlichen Widersacher nicht im Freigeiste, sondern im religiösen Menschen.
30. Am meisten werden die Schaffenden gehaßt: denn es sind die gründlichsten Vernichter.
31. Der Pharisäismus ist nicht eine Entartung an den guten Menschen, sondern eine Bedingung von, deren Gut-Sein.
32. Wir lieben das Leben, nicht weil wir leben, sondern weil wir an’s Leben gewöhnt sind.
33. Man soll auch von Zeit zu Zeit seine Tugenden schlafen lassen.
34. Du glaubst an dein “Leben nach dem Tode”? So mußt du lernen, während deines Lebens todt zu sein.
35. Unsere Mängel sind unsere besten Lehrer: aber gegen die besten Lehrer ist man immer undankbar.
36. “Reden wir nicht davon!”— “Freund, hiervon dürfen wir nicht einmal schweigen.”
37. Was weiß der von Liebe, der nicht gerade das verachten mußte, was er liebte!
38. Von sich absehen ist nöthig, um gut zu sehen.
39. “Die Menschen sind nicht gleich!”— So spricht—die Gerechtigkeit.
Man glaubt an vieles nur deshalb nicht, weil man nicht an die Erklärung glaubt, die im Schwange ist.
40. Wer die Leidenschaft zur Gerechtigkeit hat, empfindet auch seinen schmerzhaftesten Affekt noch als eine Erleichterung.
41. Schwere, schwermüthige Menschen werden gerade durch das was Andere schwer macht wie Haß und Liebe leichter und kommen an ihre Oberfläche herauf.
42. Seifenblasen und Schmetterlinge und was ihrer Art unter Menschen ist scheinen mir am meisten vom Glücke zu wissen, diese, leichten, thörichten, beweglichen zierlichen Seelchen flattern zu sehen—das rührt mich zu Thränen und Versen.
43. “Hast du deinen Teufel gesehen?”— “Ja, schwer ernst tief gründlich pathetisch: so stand er da, recht als genius gravitationis, durch den alle Wesen und Dinge—fallen.”
44. Wer mit dem ganzen Geschlechte Mitleid hätte, müßte von jedem Einzelnen als hart und tyrannisch empfunden werden.
45. Eine Sache, die sich aufklärt, hört auf, uns zu interessiren. Nimm dich also in Acht, daß du dir nicht selber zu aufgeklärt wirst!
46. Man muß verstehen Schwamm zu sein, wenn man von einem vollen übervollen Menschen geliebt sein will.
Hier steckt die häufigste Art der Unredlichkeit der Erkennenden: sie leugnen die Facta.
47. Wer, das Ideal eines Menschen geschaut hat, empfindet den wirklichen Menschen als dessen Carikatur.
48. Der Eine sucht einen Geburtshelfer für seine Gedanken, der Andre einen, dem er helfen kann: so entsteht ein gutes Gespräch. Wehe aber, wenn zwei Geburtshelfer zusammen stoßen! Sie haben nicht umsonst ihre Zangen!
49. Wer den Weg zu seinem Ideale nicht zu finden vermag, lebt leichtsinniger und frecher als der, welcher gar kein Ideal hat.
50. Der Teufel hat die besten Perspektiven für Gott: deshalb hält er sich von ihm so ferne—er ist nämlich ein Freund der Erkenntniß.
51. “Soll das Band nicht reissen,
Mußt du mal drauf beißen.”
Die Ehe, die verlogenste und heuchlerischeste Art des Geschlechter-Verkehrs, mag für solche recht sein, welche weder der Liebe noch der Freundschaft fähig sind und sich und Andere gerne über diesen Mangel täuschen möchten: dazu haben ja Staat und Religion die Ehe heilig gesprochen, und welche, weil sie in Beidem keine Erfahrung haben, auch durch die Ehe nicht enttäuscht werden können.
52. Die Gefahr des Weisen liegt darin, daß er gerade am meisten verführt ist, sich in das Unvernünftige zu verlieben.
53. Liebe zum Weibe! Wenn sie nicht Mitleiden mit einem leidenden Gotte ist, so ist sie der Instinkt, welcher nach dem im Weibe verborgenen Thiere sucht.
54. Die moralische Entrüstung ist die perfideste Art der Rache.
55. Fröhlich inmitten aller gemeinen Trübsal sein ist Sache des Helden: und nicht aus Mitleiden, sondern aus Reichthum giebt er ab und “opfert sich,”—wie man es nennt.
56. Eigennutz und Leidenschaft sind mit einander verheiratet: diese Ehe nennt man Selbstsucht: diese unglückliche Ehe!
57. Wie? du willst nicht nach deinen Wirkungen, sondern nach deinen Absichten gemessen werden? Aber deine Absichten selber stammen aus deinen Wirkungen.
58. Alles, was lange bedacht wird, wird bedenklich.
59. Fürchterliche Erlebnisse geben zu rathen, Ob der, welcher sie erlebt, nicht etwas Fürchterliches ist: vielleicht ohne daß er es weiß.
60. Die Ehe ist die verlogenste Form des Geschlechter-Verkehrs; und eben deshalb hat sie das gute Gewissen auf ihrer Seite.
61. Für seinen guten Ruf opfert man gewöhnlich zu viel: nämlich sich selber.
Wer ein Führer der Menschen werden will, muß ihnen eine gute Zeit als ihr gefährlichster Feind gelten wollen.
62. Die Menschen laufen Jedem nach, der ihnen einzureden weiß, sie hätten ihren Weg verloren: es schmeichelt sie so, zu hören, daß sie überhaupt einen Weg haben.
63. Die großen Gedanken, die “aus dem Herzen,” die kleinen die aus dem Unterleibe kommen: schlecht gedacht sind sie Beide.
64. “Große Gedanken”? Mein Freund, das sind Gedanken, die dich aufblasen und groß machen: der Blasebalg ist nichts Großes!
Nicht, wie Jemand liebt verräth das Gemeine oder Hohe seiner innersten Natur—die Liebe ist nämlich in allen Stücken vielmehr Lügnerin als Verrätherin! Aber man gebe Acht, wie Einer sich benimmt, wenn er geliebt wird!— Und für Manche, die Grund hatten unerkannt zu bleiben, war es die Feinheit ihres Schicksals, daß sie nie geliebt wurden.
65. Das Leben um der Erkenntniß willen ist vielleicht etwas Tolles: aber doch ein Zeichen von Frohmüthigkeit. Der Mensch dieses Willens ist so lustig anzusehen wie ein Elephant, welcher versucht auf seinem Kopfe zu stehen.
66. “Aber wie konntest du so handeln!—sagte ein Freund zu einem sehr klugen Menschen—es war eine Dummheit!”— Es ist mir auch schwer genug geworden, entgegnete dieser.
67. Jesus von Nazareth liebte die Bösen, aber nicht die Guten: der Anblick von deren moralischer Entrüstung brachte selbst ihn zum Fluchen. Überall wo gerichtet wurde, nahm er Partei gegen die Richtenden: er wollte der Vernichter der Moral sein.
68. Jesus sagte zu den Menschen: “liebt Gott, wie ich ihn liebe, als sein Sohn: was geht uns Söhne Gottes die Moral an!”
69. Ihr meint, ihr suchtet “die Wahrheit”! Ihr sucht einen Führer und wollt euch gerne commandiren lassen!
70. Warum so abseits?— “Ich fand Keinen, dem ich noch gehorchen könnte und Niemanden, dem ich befehlen möchte.”
71. Ein Hirt hat immer auch noch einen Leithammel nöthig.
72. Die Liebe bringt die hohen und seltenen Eigenschaften eines Menschen ans Licht; insofern täuscht sie über ihn (ihn selber am meisten). Aber, wer nicht getäuscht sein will, habe Acht, was geschieht, wenn ein Mensch sich geliebt weiß, aber nicht liebt: da verräth eine Seele selbst ihren Bodensatz.
73. Über seine Wahrhaftigkeit kam noch Niemand ganz zur Erkenntniß.
74. Man hat den Blitz unschädlich gemacht. aber das genügt nicht, er soll lernen, für uns zu arbeiten.— So denke ich über alles “Böse,” in dir und in mir.
75. Der christliche Gott, der Gott der Liebe und Grausamkeit, ist eine sehr klug und ohne moralische Vorurtheile ausgedachte Person: recht ein Gott für Europäer, welche sich die Erde unterthan machen wollen.
76. Was eine Zeit als böse empfindet, worin sie den Widerspruch mit ihrem Ideale erkennt, das ist in Wahrheit ein Nachschlag dessen, was ehemals als gut galt und gleichsam der Atavismus eines alten Ideals. Erbsünde—das ist unter allen Umständen = Erbtugend.
77. Aus dem Auge aller Richtenden blickt der Henker.
78. Wenn man sich über gut und böse erhoben hat, sieht man auch in der Tragödie nur eine unfreiwillige Komödie.
79. Philosophische Systeme sind die bescheidenste Form, in der Jemand von sich selber reden kann—eine undeutliche und stammelnde Form von Memoiren.
80. Die tragischen Naturen zu Grunde gehen sehen und noch lachen können, über das tiefste Verstehen, Fühlen und Mitleiden mit ihnen hinweg—ist göttlich.
81. “Es ist kein Zweifel, von den Gläubigen dieser Sache wird viel gelogen und betrogen: folglich ist Alles an dieser Sache Betrügerei und Lüge”—so schließen die Oberflächlichen. Wer den Menschen tiefer kennt, wird umgekehrt schließen: “folglich ist an dieser Sache etwas Wahres: ihre Gläubigen verrathen so, wie sicher sie sich fühlen, und wie ihnen jeder Köder gut dünkt, wofern er nur Jemanden zu ihrer Sache lockt.”
82. Die Unschuld der Lüge ist das Zeichen des guten Glaubens an eine Sache.
83. Man muß einen Menschen schlafend gesehen haben: sonst weiß man nicht, wie er aussieht. Das Gesicht deines Freundes, das du zu kennen glaubst, ist dein Gesicht, auf einem unvollkommenen und rauhen Spiegel.
84. Was macht es, ob ihr einem Gotte oder Teufel schmeichelt, ob ihr vor einem Gotte oder Teufel winselt? Ihr seid nur Schmeichler und Winsler!
85. Wer von Grund aus feige ist, ist gewöhnlich klug genug, sich die sogenannte Liebenswürdigkeit anzueignen.
86. Die Folgen unsrer Handlungen fassen uns am Schopfe, sehr gleichgültig dagegen, daß wir uns inzwischen “gebessert” haben.
87. Befehlerische Menschen werden auch ihrem Gotte befehlen, so sehr sie ihm zu dienen glauben.
88. Es wäre eine hochmoralische Verlogenheit denkbar, in der der Mensch seinen Geschlechtstrieb sich nur als die Pflicht, Kinder zu zeugen, zum Bewußtsein bringt.
89. Er nennt es Treue gegen seine Partei: aber es ist nur seine Bequemlichkeit welche ihn nicht mehr aus diesem Bette aufstehen läßt.
90. Wenn uns eine Tugend endlich gewohnt wird, sollte man auch den guten Geschmack haben, sie nun nicht mehr Tugend, sondern “Geschmack” zu nennen.
91. Es giebt Kameradschaft: möge es auch Freundschaft geben!
92. Wenn die Mitleidigen die Scham vor sich verlieren und uns sagen, Mitleid sei die Tugend selber: so hat man mit ihnen Mitleid.
93. Ein edler Mensch steht den Guten immer im Wege: sie beseitigen ihn oft gerade dadurch, daß sie sagen, er sei gut.
94. Um den Helden herum wird alles Tragödie; um den Halbgott herum— Alles Satyrspiel.
95. Grausamkeit ist eine versetzte und geistiger gewordene Sinnlichkeit.
96. Verbrecher werden von den moralischen Menschen als Zubehör Einer einzigen That behandelt—und sie selber behandeln sich so, je mehr diese Eine That die Ausnahme ihres Wesens war: sie wirkt wie der Kreidestrich um die Henne.— Es giebt in der moralischen Welt sehr viel Hypnotismus.
97. Hohe “Empfindungen,” “erhabene Gesinnung” nennt ihr es: ich sehe nicht mehr als Lüsternheit nach Höhe und die Krämpfe eines moralischen Ehrgeizes.
98. Dein Schritt verräth, daß du noch nicht auf deiner Bahn schreitest, man müßte dir ansehen, daß du Lust zu tanzen hättest. Der Tanz ist der Beweis der Wahrheit.
99. “Ernst,” “streng,” “moralisch”—so nennt ihr ihn. Mir scheint er böse und ungerecht gegen sich selber, immer bereit, uns dafür zu strafen und an uns den Henker zu spielen—und verdrossen darüber, daß wir es ihm nicht erlauben.
100. “Hohe Empfindungen”!— In der Höhe fühlt man sich nicht hoch, sondern tief und endlich einmal auf festem Grunde: sofern man wirklich die Unschuld der Höhe hat.
101. Durch, den, guten Willen zu helfen, mit zu leiden, sich zu unterwerfen, persönliche Ansprüche aufzugeben, werden auch die unbedeutenden und oberflächlichen Menschen vielleicht für das Auge etwas Erträgliches: man soll ihnen ja nicht ausreden, dieser Wille sei “die Tugend selber.”
102. Moral ist jetzt die Ausrede für die überflüssigen und Zufälligen, für das geistes- und kraftarme Gewürm, was nicht leben sollte—Moral ist insofern Barmherzigkeit: denn sie sagt zu Jedem “du bist doch etwas sehr Wichtiges”: was freilich eine Lüge ist.
103. Daß “ein thörichtes Weib mit Güte des Herzens hoch über dem Genie steht,” das klingt sehr artig—im Munde des Genie’s. Es ist seine Höflichkeit—es ist auch seine Klugheit.
104. Die Eitelkeit Anderer geht uns dann wider unseren Geschmack, wenn sie wider unsere Eitelkeit geht.
105. Man liebt immer nur seine Begierde und nicht das Begehrte.
106. Die natürlichen Folgen einer Handlung werden wenig erwogen, so lange öffentliche Strafen und Beschimpfungen unter diesen Folgen sind. Hier fließt die große Quelle aller Oberflächlichkeit.
107. Die Frauen gehen mit ihrer Liebe auf den los, der ihnen Furcht einflößt: das ist ihre Art von Tapferkeit.
108. “Einer ist doch noch zuviel um mich”—denkt der Einsame. Einmal eins ist zwei.
109. Wir lieben den Nutzen nur als das Fuhrwerk unserer Neigungen: und finden eigentlich den Lärm seiner Räder unausstehlich.
110. “Sich ganz so geben, wie man ist”: das mag die Auszeichnung bleiben, die wir unserem Freunde vorbehalten—mit dem Erfolge, daß er uns deswegen zum Teufel wünscht.
111. Man ist oft zwar seiner Handlung gewachsen, aber nicht seinem Bilde der gethanen Handlung.
112. Die schönsten Farben, in denen die Tugenden leuchten, sind die Erfindung derer, welche ihrer ermangelten. Woher stammt z. B. der sammtene Glanz der Güte und des Mitleides?— Gewiß nicht von den Guten und Mitleidigen.
113. Es kommt in der Welt-Geschichte nur auf die großen Verbrecher an, eingerechnet jene Vielen, welche eines großen Verbrechens fähig waren, aber durch Zufall es nicht thaten.
114. “Religiöser Mensch,” “Narr,” “Genie,” “Verbrecher,” “Tyrann”—das sind schlechte Namen und Einzelheiten an Stelle eines Unnennbaren.
115. Das schlechte Gewissen ist die Steuer, welche die Erfindung des guten Gewissens den Menschen auflegt.
116. Du willst gerecht sein? Unglückseliger, wie willst du Jedem das Seine geben? Nein, das will ich nicht. Ich gebe Jedem das Meine das ist genug für einen, der nicht der Reichste ist.
117. Die Einsamkeit macht uns härter gegen uns und sehnsüchtiger gegen die Menschen: in Beidem verbessert sie den Charakter.
118. Man ist am strengsten gegen seinen Gott: er darf nicht sündigen!
Gott erdachte die Teleologie der Schwangerschaft: da erdachte er das Weib.
119. “Ich glaube an nichts mehr.”— Dies ist die richtige Denkweise eines schöpferischen Menschen.
120. La Rochefoucauld blieb auf halbem Wege stehen: er leugnete die “guten” Eigenschaften des Menschen—er hätte auch die “bösen” leugnen sollen.
Wenn der moralische Skeptiker beim Mißtrauen gegen die Moral angelangt ist, so bleibt ihm noch ein Schritt zu thun—die Skepsis gegen sein Mißtrauen. Leugnen und Vertrauen—das giebt einander die Hände.
121. Der Glaube in der Form, der Unglaube im Inhalt—das macht den Reiz der Sentenz aus—also eine moralische Paradoxie.
122. Wir verzeihen unseren Gegnern von Grund aus ihre—Fehlgriffe.
123. Wie? Du willst dich selber erkennen? Lerne vielmehr dein Glück erkennen!
124. Wünsche will ich, nichts als Wünsche: und immer an Stelle der Erfüllung einen neuen Wunsch.
125. Der kostspieligste Luxus, dem sich bisher die Menschheit hingab, ist der Glaube an etwas Unwirkliches, an die Selbstlosigkeit. Denn er entwerthete das Wirklichste, die Selbstsucht.— Seitdem ist alles Glück Sehnsucht.
126. Der tiefe Haß ist auch ein Idealist: ob wir aus unserem Gegner dabei einen Gott oder einen Teufel bilden, jedenfalls thun wir ihm damit zu viel Ehre an.
127. Auch im Hasse giebt es Eifersucht: wir wollen unseren Feind für uns allein haben.
128. Die Lösung für das Räthsel “Weib” ist nicht die Liebe, sondern die Schwangerschaft.
129. Unser Glaube an Andere verräth, worin wir gern an uns selber glauben möchten.
130. “Das Herz gehört zu den Eingeweiden”—sagte Napoleon. Die Eingeweide des Kopfes liegen im Herzen.
131. Jede heftige Erwartung überlebt ihre Erfüllung, wenn sie eher eintritt, als man erwartete. Dieser Freund kam zwei Tage zu früh: seine Anwesenheit ist mir unglaubwürdig.
132. Der Reiz der Erkenntniß wäre gering, wenn nicht auf dem Wege zu ihr so viel Scham zu überwinden wäre.
133. “Die Erkenntniß um ihrer selber willen”—das ist der letzte Fallstrick, den die Moral legt: damit verwickelt man sich noch einmal vollständig mit ihr.
“Alle Frauen sind entweder Vögel oder Katzen oder Kühe”—man sehe ihren Blick darauf an.
Was ist das beste Leben? Zu Tode gekitzelt werden.
134. Wo der Baum der Erkenntniß steht, ist immer noch das Paradies.
135. “Die Moral selber war der erste Sündenfall: die Moral selber ist die Erbsünde”—so denkt jeder Erkennende.
136. Er hat gelernt, sich auszudrücken—aber man glaubt ihm seitdem nicht mehr. Man glaubt nur den Stammelnden.
137. Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde.
138. Gewissensbisse erziehn zum Beißen.
139. Den kalten Menschen glaubt man ihre Torheiten nicht.
Pfui über das gebildete Gesindel, welches sich zu sagen schämt: “Hier fühle ich nichts!” “Hier weiß ich nichts.”
Der Erkennende lebt unter Menschen nicht wie unter Thieren, sondern als unter Thieren.
140. Die Neigung zum Tragischen nimmt mit der Sinnlichkeit ab oder zu: sie gehört jedem Jüngling und jungen Manne.
141. Im Lobe ist viel mehr Zudringlichkeit als im Tadel.
142. Viel guter Wille zum Leben—aber zu wenig Wille zum Leiden—das macht den Behaglichen.
143. Der Einwand, das Mißtrauen, der Seitensprung sind Anzeichen der Gesundheit: alles unbedingte Streben gehört in die Pathologie.
144. Wer die Unfreiheit des Willens fühlt, ist geisteskrank: wer sie leugnet, ist dumm.
145. Was aus Liebe gethan wird, das ist nicht moralisch, sondern religiös.
146. Ein Talent haben ist nicht genug: man muß auch die Erlaubniß haben, es zu haben.
147. Man nehme sich vor den Menschen der moralischen Entrüstung in Acht: sie haben den Stachel der feigen, vor sich selber maskirten Bösartigkeit.
148. Der christliche Gott, der “die Liebe” ist, entstand in Zeiten, wo die Liebe noch zu wenig göttlich war.
149. Gute und böse Menschen—das ist mir gleich: aber die Feiglinge und die Liebenswürdigen verachte ich.
Die Stärke eines Guten liegt nicht in seiner Güte, sondern darin, daß sein Böses stark ist.
150. Wer von Grund aus Lehrer ist, nimmt alle Dinge nur in Bezug auf seine Schüler ernst—sogar sich selber.
151. “Sei wenigstens mein Feind”: so spricht die wahre Ehrfurcht, die nicht um Freundschaft zu bitten wagt.
Wenn du nicht zuerst und unter allen Umständen Furcht einflößest, so wird dich Niemand so ernst nehmen, um dich endlich zu lieben.
152. Für den Erkennenden hört alles Eigenthums-Recht auf.
Wenn die Guten moralisiren, erregen sie Ekel: wenn die Bösen moralisiren, so erregen sie Furcht.
153. Nach dem Rausch des Sieges entsteht immer ein Gefühl des großen Verlustes: unser Feind, unser Feind ist todt! Wir beklagen selbst den Verlust eines Freundes nicht so tief und daher lauter!
154. Der Mensch der Erkenntniß muß nicht nur seine Feinde lieben, sondern auch seine Freunde hassen können.
155. Es ist ein Fehler des Geschmacks, wenn der Mensch der Erkenntniß sich noch als “moralischer Mensch” aufputzt: ihm soll man gerade ansehen, daß er die Moral “nicht nöthig hat.”
156. Alles ist bei ihm ernte-reif: aber ihm fehlt die Sichel—und so rauft er Ähren und ist ärgerlich.
157. Der Eine reist, weil er sich sucht, und der Andere, weil er sich verlieren möchte .
158. Nicht durch Zorn, sondern durch Lachen tödtet man.
159. Der Irrsinn ist selten bei Einzelnen—aber bei Gruppen, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel:—und deshalb redeten bisher die Historiker nicht vom Irrsinn. Aber irgend wann werden die Ärzte Geschichte schreiben.
160. Wenn wir lieben, schaffen wir Menschen nach dem Ebenbilde unseres Gottes: und dann erst hassen wir unseren Teufel von Grund aus.
161. Es ist nicht leicht möglich, ein Buch zu finden, das uns so viel lehrte wie das Buch, welches wir machen.
162. Wer “den Leser” kennt, schreibt gewiß nicht mehr für Leser—sondern für sich, den Schreiber.
163. Im Gebirge ist der nächste Weg von Gipfel zu Gipfel: aber du mußt dazu lange Beine haben!— Sentenzen sind Gipfel.
164. Es genügt nicht etwas wieder gut zu machen, man muß auch sich selber wieder gut machen, sich selber wieder gut werden, zum Beispiel durch eine kleine überflüssige Bosheit oder Wohlthat.
165. Jedem das Seine geben: das wäre die Gerechtigkeit wollen und das Chaos erreichen.
166. Hier diese Beiden haben im Grunde denselben schlechten Geschmack: aber der Eine von ihnen möchte sich und uns überreden, das es der beste sei. Und der Andere schämt sich seines Geschmacks und möchte sich und uns überreden, daß er einen anderen und besseren habe—unseren Geschmack. Von einer dieser zwei Arten sind alle Bildungs-Philister.
Wo nur immer man freiwillig Leiden auf sich nimmt, hat man damit auch den freien Willen, sich wohlzuthun: und wer dies leugnet
167. Wehe, wenn die Guten, die ewigen Pharisäer, Geschichte treiben! Sie überpinseln die großen Menschen der Vergangenheit so lange, bis sie dick und brav wie gute Menschen aussehen.
Die Moral brüstet sich die Bekämpferin des Übels zu sein
168. Noch ein Jahrhundert Zeitungen—und alle Worte stinken.
169. Nicht wenn die Wahrheit schmutzig ist, sondern wenn sie seicht ist, steigt der Erkennende ungern ins Wasser.
170. An die Sceptiker. Wer zu müde wird, legt sich zuletzt auch auf Schnee schlafen hüte dich zu weit zu gehen.
171. — Wer hohe Berge steigt, lacht über alle tragischen Gebärden.
172. Die Luft dünn, und rein, die Gefahr nahe—und der Geist voll einer fröhlichen Bosheit: so paßt es gut zu einander.
173. Der Muth vernichtet Gespenster, aber schafft Kobolde.
174. Der Gedanke an den Selbstmord ist ein sehr starkes Trostmittel. Man kommt damit gut über die “böse Nacht” hinweg.
175. Es giebt Gefühle, die uns tödten wollen; gelingt es ihnen aber nicht, so müssen sie selber sterben.
176. Unserem stärksten Triebe, dem Tyrannen in uns, unterwirft sich nicht nur unsere Vernunft, sondern auch unser Gewissen. Haben wir aber unter den Trieben keinen solchen Tyrannen, so bewerben sich die einzelnen Triebe ebenso um die Gunst der Vernunft als um die Gunst des Gewissens—: und Vernunft und Gewissen werden fast souverän.
177. Unsere Selbstmörder machen den Selbstmord verrufen,—nicht umgekehrt!
178. Es ist vornehmer, sich Unrecht zu geben als Recht zu behalten—namentlich wenn man Recht hat.
179. Die Lüge kann die Menschenfreundlichkeit des Erkennenden sein.
180. Der Wahrhaftige endet damit, zu begreifen, daß er immer lügt.
181. Bei vielen Frauen ist wie bei Hypnotischen der Intellekt nur plötzlich und stoßweise da und in unerwarteter Kraft: der Geist kommt dann “über sie” und scheinbar nicht aus ihnen. Daher ihre dreiäugige Klugheit in verflochtenen Dingen—, daher auch ihr Glaube an Inspiration.
182. Es giebt Vieles an den Bösen, das mich ekelt, aber auch Vieles an den Guten: und wahrlich nicht eben ihr “Böses”!
183. “Es ist nicht genug den Verbrecher zu strafen, wir sollten ihn auch noch mit uns versöhnen und ihn segnen: oder liebten wir ihn nicht, als wir ihm wehe thaten? Litten daran, ihn als Werkzeug zur Abschreckung benutzen zu müssen?”
184. Ob nicht überall wo eine Freundschaft durchaus nicht in Liebe übergehen will, ein Natur-Gegensatz wie zwischen Hund und Katze zu Grunde liegt?
185. Man muß vergelten, Gutes und Schlimmes: aber warum gerade an der Person, die uns Gutes oder Schlimmes that?
186. Die Strafe sollte so beschaffen sein, daß man sie nach einer Übertretung als sein Recht und seine Ehre in Anspruch nimmt.
187. Nicht nur der lügt, welcher wider sein Wissen redet, sondern erst recht der, welcher wider sein Nicht-Wissen redet.— Die zweite Art der Lüge ist so gewöhnlich, daß man nicht einmal mehr über sie stolpert: der menschliche Verkehr ist auf sie eingerichtet.
188. Erziehen: das heißt für gewöhnlich “zum Lügen erziehen.”
189. Wer Gott liebt, der züchtigt ihn.
190. Die eigentlich gerechten Menschen sind unbeschenkbar: sie geben Alles zurück. Weshalb sie den Liebenden ein Greuel sind.
191. Man liebt seine Erkenntniß nicht genug mehr, sobald man sie mittheilt.
192. Die Hündin Sinnlichkeit, die ein Stück Fleisch abhaben will, weiß gar artig um ein Stück Geist zu betteln.
193. Die Dichter sind gegen ihre Erlebnisse schamlos; sie beuten sie aus.
194. Ob du dich oder mich verräthst, du gehörst zu den Verräthern. An die Schriftsteller.
195. Nimm dich vor dem in Acht: er redet nur, um nachher hören zu dürfen,—und du hörst eigentlich nur, weil es nicht angeht, immerfort zu reden: d. h. du hörst schlecht, und er hört nur zu gut.
196. Von unsren eigentlichen Feinden wollen wir nicht geschont werden: und ebensowenig von denen, die wir von Grund aus lieben.
197. Unglückseliger, dein Gott ist zerborsten und zerbrochen, und die Schlangen hausen in ihm—und nun liebst du gar noch diese Schlangen um seinetwillen!
198. Wer aus sich kein Hehl macht, empört.
199. Das Eisen haßt den Magneten, wenn der Magnet das Eisen nicht ganz an sich ziehen kann—und, doch zieht.
200. Nicht was uns hindert geliebt zu werden, sondern was uns hindert ganz zu lieben, hassen wir am meisten.
Man haßt an seinem Nächsten, daß er nicht unser Ideal haben kann.
201. Wenn wir unser selber satt werden und nicht mehr lieben mögen, so ist zur Kur die Nächstenliebe anzurathen: insofern die Nächsten sehr bald uns nöthigen werden, an unsere “Liebenswürdigkeit” zu glauben.
202. “Unser Nächster ist nicht unser Nachbar”: so denken alle Politiker und Völker.
203. Du würdest an dieser Tugend zu Grunde gehen, mein Freund: aber der Himmel schenkte dir eine zweite, die dich bisweilen der ersten untreu macht.
204. Mit der Liebe zu einer Person will man den Neid gegen sie überspringen.
205. Wir stellen uns alle einfältiger als wir sind—und zwar auch vor uns selber.
206. Große Verbindlichkeiten machen uns nicht dankbar, sondern rachsüchtig.
207. Man lädt sich gerne einen Zeugen ein, wenn man von sich selber reden will: das nennt man “Umgang mit Menschen.”
208. Wir gewöhnen uns das Böse verächtlich zu finden, wenn wir nur in der Gesellschaft schwacher und kleinlicher Personen leben: an großen Menschen hat das Böse etwas Begeisterndes.
209. Armut an Liebe verkleidet sich gern als Entbehrung des Liebens-Würdigen.
210. Vermöge der Liebe sucht der Mann die unbedingte Sklavin, das Weib die unbedingte Sklaverei. Liebe ist das Verlangen nach einer vergangenen Cultur und Gesellschaft—sie weist nach dem Orient zurück.
211. Das Unrecht soll der auf sich nehmen, der es tragen kann: so will es die Menschlichkeit.
212. Getheiltes Unrecht ist halbes Recht.
Die giftigsten Pfeile werden dem nachgesandt, der von einem Freunde sich losmacht, ohne ihn selbst nur zu beleidigen.
213. Nach einem Zwiespalt.— “Man mag mir sagen, was man will, um mir wehe zu thun: man kennt mich zu wenig, um zu wissen, was mir am meisten wehe thut.”
214. Die Liebe zu Einem ist eine Barbarei, ausgeübt auf Unkosten aller Übrigen und ein Schaden der Erkenntniß. Sondern Viele sollst du lieben:—da zwingt dich die Liebe zur Gerechtigkeit gegen Jeden: und folglich zur Erkenntniß eines Jeden. Die Liebe zu Vielen ist der Weg zur Erkenntniß.
215. Die Grausamkeit des Gefühllosen ist der Gegensatz des Mitleidens; die Grausamkeit des Gefühlvollen ist die höhere Potenz des Mitleidens.
216. Was wir ohne Gründe glauben gelernt haben, ist am schwersten durch Gründe zu erschüttern.
217. Wer von Natur keusch ist, denkt nicht hoch von der Keuschheit, einige Eitelkeits-Narren abgerechnet. Ihre Vergötterer sind die, welche Gründe haben zu wünschen, sie möchten keusch sein oder gewesen sein—die Schweine der Circe.
218. Wem die Keuschheit sehr schwer fällt, dem ist sie gewiß auch zu widerrathen.
219. Herzensbedürfnisse.— Die Thiere, welche eine Brunstzeit haben, verwechseln nicht so leicht ihr Herz und ihre Begierde: wie es die Menschen und namentlich die Weibchen thun.
220. Das Weib will es vor sich selber nicht Wort haben, wie sehr sie in einem Geliebten “den Mann” (einen Mann) liebt: deshalb vergöttlicht sie “den Menschen” in ihm—vor sich und Andern.
Das “Ich” unterjocht raubt tödtet und thut jede Gewaltthat: mit alledem will es nichts als seiner Schwangerschaft dienen: damit es einen Gott gebäre und alle Menschheit ihm zu Füßen sehe.
221. An diesem Menschen ist nicht sein Äußeres, sondern sein Inneres hinzugelogen: er will durchaus nicht Schein und Oberfläche scheinen, was er doch ist.
222. Der heroische Mensch der Erkenntniß vergöttert seinen Teufel: und auf dem Wege dazu macht er den Zustand des Ketzers der Hexe des Wahrsagers, des Skeptikers, des Weisen Inspirirten und überwältigten durch, und ertrinkt zuletzt in seinem eignen Meere.
223. Wenn man erst den Willen zum Leiden hat, so ist es nur ein Schritt, um auch den Willen zur Grausamkeit zu haben—und zwar sowohl als Recht wie als Pflicht.
224. Es dauert lange, bis man zum zweiten Male stirbt: das gilt von Jedem, der nach seinem Tode wieder zum Leben kam.
225. Auch wenn ein Volk rückwärts geht, läuft es einem Ideale nach: es glaubt immer an ein Vorwärts.
226. Die Neigung, sich herab zu setzen, sich bestehlen belügen und ausbeuten zu lassen, kurz die Demuth kann die Scham eines Gottes unter Menschen sein.
227. Wer als Gott das Gute neu schafft, den haben die Bewahrer des alten Guten immer für einen Teufel ausgegeben.
228. Nur der Lasterhafte ist unglücklich, bei dem das Bedürfniß zum Laster zusammen mit dem Ekel vor dem Laster wächst—und niemals von ihm überwachsen wird.
229. Man hat schlecht dem Leben zugeschaut, wenn man noch nicht die Hand gesehen hat, die auf eine schonende Weise—tödten wollte.
Nicht was du im Leben alles gethan hast, sondern was du jedesmal über das Gethane gedacht hast, bestimmt deine jetzige Zufriedenheit und Unzufriedenheit mit dir selber.
230. Eine kleine Rache ist zumeist etwas Menschlicheres als gar keine Rache.
231. Wer sich selber verachtet, ehrt sich doch immer noch mit dem Gedanken, daß er sich jetzt wenigstens nicht belügt.
232. Freund, alles, was du liebtest, hat dich enttäuscht: die Enttäuschung wurde endlich deine Gewohnheit: und deine letzte Liebe, die du “Liebe zur Wahrheit” nennst, ist vielleicht eben die Liebe zur Enttäuschung.
Das Unvermögen zu lügen ist durchaus noch nicht Liebe zur Wahrheit. Vielmehr ist in jeder Liebe das Vermögen zu lügen—auch in der Liebe zur Wahrheit.
233. Er schüttelt sich, blickt um sich, streicht mit der Hand über den Kopf—und man nennt ihn immer einen Erkennenden. Aber Freiheit vom Fieber ist noch nicht Erkenntniß.
234. “Wo ist ein Meer, in dem man wirklich noch ertrinken kann? nämlich ein Mensch!”—dieser Schrei klingt durch unsere Zeit.
Der Besitz der Wahrheit ist nicht schrecklich sondern langweilig wie jeder Besitz.
235. In der Bosheit begegnet sich der Übermüthige mit dem Schwächling: aber sie mißverstehen sich.
236. Wem ein Widerwille gegen das Erhabene zu eigen ist, findet nicht nur das ja, sondern auch das Nein schon zu pathetisch:—er gehört nicht zu den verneinenden Geistern, und wenn er auf deren Wege geräth, so macht er plötzlich einmal Halt und läuft fort—in die Büsche der Skepsis.
237. Im Kampfe giebt man wohl sein Leben dran; aber der Siegende ist versucht, sein Leben wegzuwerfen. In jedem Sieg ist Verachtung des Lebens.
238. “Ich fliehe nicht die Nähe der Menschen: gerade die Ferne, die ewige Ferne zwischen Mensch und Mensch treibt mich in die Einsamkeit.”
Unbezwingliches Bedürfniß nach etwas und zugleich Ekel davor—das macht das Gefühl des Lasterhaften.
239. Auch die Wahrheit verlangt, gleich allen Weibern, daß ihr Liebhaber um ihretwillen zum Lügner werde,—aber nicht ihre Eitelkeit verlangt dies, sondern ihre Grausamkeit.
240. “Das habe ich gethan” sagt mein Gedächtniß; “das kann ich nicht gethan haben” sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Endlich giebt das Gedächtniß nach —
241. Kalt auf die Dinge sehen, so, daß sie nackt und ohne Flaum und Farbe daliegen,—das nennt sich “Liebe zur Wahrheit,” und ist nur die Ohnmacht zu lügen.
242. Die Fieberkranken sehn nur Gespenster der Dinge, und die Fieberlosen nur Schatten der Dinge: und Beide brauchen die gleichen Worte.
243. “Ich horchte nach Widerhall—und ich hörte nur Lob.”
244. Gegenliebe entdecken sollte uns eigentlich über das geliebte Wesen ernüchtern: wie kann es so thöricht sein, an dich zu glauben?
245. “Was man lieben muß, warum muß man das immer zugleich auch hassen? Ist nicht Liebe die größte aller Qualen?” Deshalb muß, der Mensch überwunden werden.
246. Hast du die dumpfe Gleichgültigkeit des Negers gesehen, mit derer seine schweren inneren Krankheiten aushält, während du durch dieselben fast zur Verzweiflung gebracht würdest: dies gibt dir zu denken, daß, abseits von dem oberen Zehntausend des Geistes, überhaupt in der Menschheit wenig Schmerz vorhanden ist.
247. “Mein Glück beginnt, wenn ich mich unter mir, als ein Wesen neben anderen Wesen, sehe.”
248. Unser Zeitalter ist ein aufgeregtes Zeitalter, und eben deshalb kein Zeitalter der Leidenschaft; es erhitzt sich fortwährend, weil es fühlt, daß es nicht warm ist—es friert im Grunde. Ich glaube nicht an die Größe aller dieser “großen Ereignisse,” von denen ihr sprecht.
249. Der Erkennende fühlt sich als die Thierwerdung Gottes.
250. Jetzt ist es erst der Widerhall, durch den die Ereignisse “Größe” bekommen—der Widerhall, der Zeitungen.
251. Arme Künstler! Was verlangt denn das nervöse Gesindel von euch? Nicht auferbaut sondern umgeworfen will es werden!
252. Nicht die Stärke, sondern die Andauer der hohen Empfindung macht die hohen Menschen: sie sollen nicht mit den Menschen der moralischen Krämpfe verwechselt werden!
253. Und nochmals.— Redlich gegen uns selber, und wer sonst uns Freund ist, muthig gegen den Feind, großmüthig gegen die Besiegten, höflich gegen Alle.
254. Wer keinen eignen Willen hat, will wenigstens alles besser wissen.
255. Ursprünglich Heerde und Heerden-Instinkt; das Selbst als Ausnahme, Unsinn, Wahnsinn von der Heerde empfunden.
256. Der Weise als Astronom.— So lange du die Sterne noch fühlst als ein “Über-dir,” fehlt dir noch der Blick der Erkenntniß: für, diese giebt es kein über und Unter mehr.
257. Man kann mit Jemandem so verwandt sein, daß man alles, was jener wirklich thut und erleidet, in seinem Traum ihn thun und erleiden sieht: weil man es selber thun und erleiden könnte.
258. Hat man Charakter, so hat man auch sein typisches Erlebniß, das immer wieder kommt.
Die Menschen zerfallen in solche, welche einer fürchterlichen Handlung fähig sind und in solche die es nicht sind.
259. Es sind grundverschiedene Menschen: diese, welche Scham bei der Ebbe ihres Gefühls (in Freundschaft oder Liebe) empfinden, und jene, welche sich der Fluth schämen.
Eben dadurch daß die Passion des Einen von zwei Liebenden ihren Höhepunkt überschreitet und sinkt, steigt die des Anderen etwas länger aufwärts als sie sonst gestiegen sein würde: die Curve des länger Liebenden.
260. Ob jemand zu den Guten oder Bösen gehört, das liegt durchaus nicht an seinen Handlungen,—sondern an seiner Meinung über diese Handlungen.
261. Wenn die Selbstsucht erst einmal größer klüger feiner erfinderischer geworden ist, wird die Welt “selbstloser” aussehen.
262. Wer das Auge des Denkers stark zu empfinden vermag, der hat dabei jenen schrecklichen Eindruck, welchen jene Thiere machen, deren Auge sich langsam wie an einem Stiele aus dem Kopfe herausschiebt und um sich blickt.
263. Auch der Heilige bedarf der Vernichtung der Moral: damit er thun kann, wozu er Lust hat.
264. Wer sein Ideal erreicht, kommt eben damit über dasselbe—hinaus.
265. Ein Mensch mit Genie ist unausstehlich, wenn er nicht mindestens noch zweierlei besitzt: Dankbarkeit und Reinlichkeit.
266. Das, was die Liebe giebt, darf man nicht zurückgeben und vergelten wollen: im Meere der Liebe soll aller Trieb zur Vergeltung ertrunken sein.
267. Wie wolltet ihr gegen mich gerecht sein?—sagte der Heilige. Ich erwähle eure Ungerechtigkeit als den mir angemessenen Theil.
268. Der Mensch des Erhabenen wird beim Anblick des Erhabenen frei, fest, breit, ruhig, heiter: aber der Anblick des vollkommenen Schönen erschüttert ihn und wirft ihn um: vor ihm verneint er sich selber.
269. Wer im Erhabenen nicht zu Hause ist, fühlt das Erhabene als etwas Unheimliches und Falsches.
270. Mancher Pfau versteckt vor Aller Augen seinen Pfauenschweif: und nennt es seinen “Stolz.”
271. Seltsam! Sobald ich mir einen Gedanken verschweigen und fernhalten will, kommt mir gewiß dieser Gedanke in leibhafter Gestalt, als Mensch, entgegen, und ich muß nun mit diesem “Engel Gottes” artig thun!
272. Es ist unmenschlich, da zu segnen, wo Einem geflucht wird. Lieber doch ein wenig mitfluchen!
273. Ich sah manche Wahrheit siegen, aber stets durch die wohlwollende Unterstützung von hundert Irrthümern.
274. Wenn Skepsis und Sehnsucht sich begatten, entsteht die Mystik.
Wessen Gedanke nur Ein Mal die Brücke zur Mystik überschritten hat, kommt nicht davon ohne ein Stigma auf allen seinen Gedanken.
275. Grad und Art, der Geschlechtlichkeit eines Menschen reicht bis in, die letzte Höhe seines Geistes hinauf.
276. Mit seinen Grundsätzen will man seine Gewohnheiten tyrannisiren, oder rechtfertigen, oder ehren, oder beschimpfen, oder verbergen. Menschen mit gleichen Grundsätzen wollen damit doch wahrscheinlich noch etwas ganz Verschiedenes.
277. Wille—das ist eine Annahme, welche mir nichts mehr erklärt. Für den Erkennenden giebt es kein Wollen.
278. Immer noch fehlt der umgekehrte La Rochefoucauld: der, welcher zeigt, wie die Eitelkeit und Selbstsucht der Guten gewisse Eigenschaften des Menschen verrufen und endlich böse und schädlich—gemacht hat.
279. Vergilt nicht Böses mit Gutem: denn das würde beschämen, sondern beweise, daß man dir etwas Gutes angethan hat.
280. In aller Bewunderung ist etwas Schrecken und Flucht vor uns selber—ja mitunter sogar Selbstverleugnung, Selbst-Leugnung.
281. Wer sich selber verachtet mag erwägen, daß er nicht nur der Verachtete, sondern auch der Verächter ist: er mag sich also als Verächter ächten!
282. So du weißt, was du thust, bist du selig. So du es aber nicht weißt, bist du verflucht und ein Frevler am—sagte Jesus zu einem, der den Sabbat brach—ein Wort für alle Brecher und Verbrecher.
283. Unser plötzlich ausbrechender Widerwille gegen uns selber kann ebensogut das Resultat eines verfeinerten Geschmacks—als eines verdorbenen Geschmacks sein.
284. “Wille zur Wahrheit!” Reden wir nicht mehr so einfältig und großthuerisch! Wir wollen die Welt uns denkbar, womöglich sichtbar machen—ja machen!— Alle Physik ist auf Sichtbar-Machung aus.
285. Wille und Intellekt (oder wie man sagt, Herz und Kopf)—daß ist Mann und Weib; zwischen ihnen handelt es sich immer um Liebe, Zeugung, Schwangerschaft. Und wohlgemerkt, das Herz ist hierbei der Mann, und der Kopf das Weib!
286. Er ist einsam und hat nichts als seine Gedanken: was Wunder, daß er oft gegen sie zärtlich und neckisch ist und sie an den Ohren zupft!— Aber ihr Plumpen sagt, er sei ein Skeptiker.
287. “Die Liebe Gottes zu den Menschen ist seine Hölle”—sagte der Teufel. “Wie kann man sich aber auch in die Menschen verlieben!”
288. Indem wir fortwährend uns üben, es mit allerlei Mitmenschen auszuhalten, üben wir uns unbewußt darin, uns selber auszuhalten: was eigentlich die unbegreiflichste Leistung des Menschen ist.
289. Nicht die Größe des menschlichen Egoismus ist das Schwert, das über der Menschheit hängt, sondern umgekehrt dessen Schwäche, vermöge deren die Menschheit gar zu leicht ihrer selber satt werden könnte.
290. Unter friedlichen Umständen fällt der kriegerische Mensch über sich selber her—in Ermangelung von anderen Feinden.
291. Schaffen: das heißt etwas aus uns hinausstellen, uns leerer, ärmer und liebender machen. Als Gott die Welt geschaffen hatte, da war er nichts mehr als ein hohler Begriff—und Liebe zum Geschaffenen.
292. “Hier ist die Insel des Einsamen. Und alles Werdende Schweifende Suchende Flüchtige soll mir hier willkommen sein! Gastfreundschaft ist nunmehr meine einzige Freundschaft! Ich liebe alles Werdende!”
293. Die Liebe zum Leben ist beinahe der Gegensatz der Liebe zum Lang-Leben. Alle Liebe denkt an den Augenblick und die Ewigkeit—aber nie an “die Länge.”
294. “Meine Liebe erregt Furcht, sie ist so anspruchsvoll! Ich kann nicht lieben, ohne zu glauben, der, den ich liebe sei bestimmt, etwas Unsterbliches zu thun. Und er erräth was ich glaube—was ich fordere!”
295. Der Erkennende vermeidet die Selbsterkenntniß und läßt seine Wurzeln in der Erde stecken.
296. Das Verständlichste an der Sprache ist nicht das Wort selber, sondern Ton, Stärke, Modulation, Tempo, mit denen eine Reihe von Worten gesprochen werden—kurz die Musik hinter den Worten, die Leidenschaft hinter dieser Musik, die Person hinter dieser Leidenschaft: alles das also, was nicht geschrieben werden kann. Deshalb ist es nichts mit Schriftstellerei.
297. Gang und Gangart.— Ich habe gehen gelernt: seitdem lasse ich mich laufen.
298. Der freie Geist.— Wer fliegen kann, weiß daß er sich zum Fortfliegen nicht erst stoßen lassen muß; wie alle ihr festgesessenen Geister es nöthig habt, um überhaupt “fort zu kommen.”
299. Sich seiner Unmoralität schämen: das ist eine Stufe auf dem Wege, an dessen Ende man sich auch seiner Moralität schämt.
300. Man liebt von Grund aus und dauernd allein seine Kinder oder Werke: und die Liebe zu sich selber ist immer ein Symptom.
301. Manche Naturen wird man nie entdecken, es sei denn, daß man sie zuerst erfindet.
302. “Der Umgang mit den Menschen verdirbt den Charakter, namentlich wenn man keinen hat”—sagte Timon.
303. “Du kennst die W nicht: wie kommt es, daß du bisweilen über sie recht hast?”—Bei den W ist kein Ding unmöglich
304. Es fehlt noch überall an Selbstsucht.
305. Wer Sentenzen schreibt, will nicht gelesen, sondern auswendig gelernt werden.
306. Auch noch in der Befriedigung ihrer Begierde (nach Nahrung Weib Besitz, Ehre Macht) handeln die meisten Menschen als Heerdenvieh und nicht als Personen—selbst wenn sie Personen sind.
307. Es gereicht mir Alles zum Besten: wer hat Lust mein Schicksal zu sein? Ich liebe jedes Schicksal.
308. Das Zeitalter der größten Ereignisse wird trotz alledem das Zeitalter der kleinsten Wirkungen sein, wenn die Menschen von Gummi und allzu elastisch sind.
309. “Vor jeder Handlung quält es mich, daß ich nur ein Würfelspieler bin—ich weiß nichts mehr von Freiheit des Wollens. Und nach jeder Handlung quält es mich, daß die Würfel nun zu meinen Gunsten fallen: bin ich denn ein falscher Spieler?”— Skrupel eines Erkennenden.
310. Mit der Rache würde man auch die Dankbarkeit verlernen müssen, aber nicht die Liebe.
311. Lieben-Wollen verräth Selbstmüdigkeit und Sattheit an sich, Geliebt-werden-wollen aber Selbst-Verlangen, Selbst-Sucht. Der Liebende schenkt sich weg; der welcher geliebt werden will, möchte sich selber geschenkt bekommen.
312. Mit den Gründen, durch die man die Strafe eines Verbrechens rechtfertigt, kann man auch das Verbrechen rechtfertigen.
313. Reife des Mannes: das heißt den Ernst wiedergefunden zu haben, den man als Kind hatte, beim Spielen.
“Ella guardava suso, ed io in lei” Dante. Und ich in ihr!
314. Jetzt erst bin ich einsam: ich verlangte nach Menschen, ich suchte nach Menschen—ich fand immer nur mich—und nach mir verlangt mich nicht mehr!
Kleine Menschen sind des Bösen unfähig: sie können folglich weder gute noch böse Menschen werden. (Das Gute aber ist ein verkleinertes Böses?)
Etwas wollen und es durchsetzen: gilt als Zeichen des starken Charakters. Aber etwas nicht einmal wollen und es doch durchsetzen, ist den Stärksten eigenthümlich, welche sich als fleischgewordenes Fatum fühlen.
Wer immer Kind bleibt, bleibt damit auch der unschuldige Egoist, und wird mehr gehaßt als ein Gegenstand des Neides und Hasses für die “schuldigen” Egoisten.
315. Ich liebe die Menschen: und am meisten dann, wenn ich diesem Triebe widerstrebe.
316. Das Weib versucht zu lieben, wo es fühlt, gehorchen und dienen zu müssen: es ist sein Kunststück, um das Joch leichter zu tragen.
317. “Liebe mich!”—ein Gott, der so zu dem Menschen redet, ist toll geworden—vor Eifersucht.
318. Man haßt nicht, wenn man gering schätzt, sondern nur indem man gleich und hoch schätzt.
319. Man erschrickt bei der Vorstellung, plötzlich erschreckt zu werden.
320. Nicht das Verbrechen des Verbrechers, sondern seine Feigheit und Albernheit nach dem Verbrechen läßt uns überhaupt verächtlich von Verbrechern denken.
321. Das Böse kommt erst dann in Verruf, wenn es mit dem Niedrigen und Ekelhaften verwechselt wird. Bis dahin zieht es an und reizt zur Nachahmung.
322. Allen Frauen, denen die Sitte und die Scham die Befriedigung des Geschlechtstriebes untersagt, ist die Religion, als eine geistigere Auslösung erotischer Bedürfnisse, etwas Unersetzbares.
Meine Liebe zum Menschen hat Ebbe und Fluth: und jeder einzelne geliebte Mensch ist für diese Liebe nur eine Gelegenheits-Ursache. Dies zu erkennen betrübt.
324. Man umarmt aus Menschenliebe mitunter einen Einzelnen, weil man nicht Alle umarmen kann: aber man darf das dem Einzelnen nicht verrathen!
Das Gute ist das kleine Böse: deshalb ist es kleinen Menschen so leicht, gute Menschen zu werden.
325. Man liebt den Nächsten immer auf Unkosten des Ferneren.
“Der schwächere Mensch ist der bessere”—sagen unsere Moralprediger.
Die schwachen Menschen sagen “ich muß” die starken “es muß.”
Das Weib begeht zehnmal weniger Verbrechen als der Mann—folglich ist es moralisch zehnmal besser: sagt die Statistik.
326. Die Unschuld des Egoismus ist dem Kinde eigen: und so ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nie in dies Himmelreich kommen.
327. Man sollte vom Leben scheiden, wie Odysseus von Nausicaa schied—mehr segnend als verliebt.
328. Man handelt wohl für seinen Nächsten, aber man schafft nicht für ihn: so sagt die Ehrlichkeit aller Schaffenden.
329. Höher als die Nächstenliebe steht, die Liebe zu den Fernen, Zukünftigen: und höher als alle Liebe zu Personen steht die Liebe zu Sachen.
330. “Feind” will ich sagen, aber nicht “Verbrecher”: “Gewürm” will ich sagen, aber nicht “Schuft”: “Kranker” will ich sagen, aber nicht “Ungeheuer”; “Narr” will ich sagen, aber nicht “Sünder.”
331. Allen Feiglingen die Fortpflanzung verhindern: daß sollte die Moral der Weiber sein.
332. Nicht die Menschen—aber der Mensch ist es, den der Einsame liebt: und wenn diese Menschen-Liebe in ihm sich angehäuft und gestaut hat, dann stürzt sie wie ein Strom über irgend einen Menschen her, der ihm in den Sinn kommt—gleichgültig ob es Feind oder Freund ist.
333. Du sagst “ich liebe mich,” “ich verachte mich,” “ich bedaure mich”—mein Freund und Gottesleugner, ich will dir dein “Ich” nicht streitig machen, aber dies dein Mich ist ebenso erdichtet und erfunden, wie irgend ein Gott es ist—du mußt es auch leugnen.
334. Mitleid und zartes Gefühl für den Nächsten unter die Moral (oder gar als die Moral) zu rechnen, ist ein Zeichen von Eitelkeit, vorausgesetzt daß man selber von Natur mitleidig und zartfühlend ist,—also ein Mangel an Stolz und Vornehmheit der Seele.
Der Cultus des Mitleidens ist unanständig für Menschen, welche es nicht aus ihrer Erfahrung kennen.
335. Wenn man sein Gewissen dressirt, so küßt es uns zugleich wenn es beißt.
336. Die Moral ist die Wichtigthuerei des Menschen vor der Natur.
337. “Vielleicht erfand ein Teufel die Moral, um die Menschen durch Stolz zu quälen: und ein zweiter Teufel nimmt sie ihnen irgendwann einmal, um sie durch Selbst-Verachtung zu quälen.”
338. “Es giebt keinen Menschen, denn es gab keinen ersten Menschen”: so schließen die Thiere.
339. Die Vertraulichkeit des überlegenen erbittert, weil sie nicht zurückgegeben werden darf. Dagegen ist Höflichkeit ihm anzurathen, d. h. der beständige Anschein, als ob er etwas zu ehren habe.
340. Ich begreife nicht, wozu man nöthig hat zu verleumden. Will man Jemandem schaden, so braucht man ja nur über ihn irgend eine Wahrheit zu sagen.
341. Man weiß von Jedermann immer etwas zu viel.
342. Wir loben nur, was nach unserem Geschmack ist—d. h. wir loben, wenn wir loben, immer nur unseren Geschmack—was auch wider allen guten Geschmack geht.
343. Der Mensch allein widerstrebt der Richtung der Gravitation: er möchte beständig nach oben—fallen.
344. Die Leiter meiner Gefühle ist lang, und ich sitze gar nicht ungern auf ihren niedrigsten Stufen, gerade weil ich oft zu lange auf den höchsten sitzen muß: da bläst nämlich der Wind scharf und das Licht ist oft zu hell.
345. Die Eifersucht ist die geistreichste Leidenschaft und trotzdem noch die größte Thorheit.
346. In der Flamme der Eifersucht wendet man gleich dem Skorpione den vergifteten Stachel gegen sich selber—doch ohne den Erfolg des Skorpions.
347. Nicht daß du mich belogst, sondern daß ich dir nicht mehr glaubte, hat mich erschüttert.
348. Ich soll vergeben? Aber ich mache dir nicht zum Vorwurfe, was du dir vorwirfst: wie könnte ich dir also vergeben?
349. Viel von sich reden ist auch ein Mittel sich zu verbergen.
350. Es ist leichter seinem Feinde zu vergeben als seinem Freunde.
351. Der Haß gegen das Böse ist der Prunkmantel, mit dem der Pharisäer seine persönlichen Antipathien verkleidet.
Musik ist bei Frauen eine Form der Sinnlichkeit.
Die Frauen sind viel sinnlicher als die Männer, gerade weil sie sich der Sinnlichkeit als solcher bei weitem nicht so bewußt werden wie diese.
352. In der Musik von heute giebt es eine tönende Einheit von Religion und Sinnlichkeit: und folglich mehr Weib als jemals in der Musik war.
Ich und Mich sind immer zwei verschiedene Personen.
353. Seit ich das Meer im Sturme und über ihm einen reinen leuchtenden Himmel sah, mag ich alle die sonnenlosen, umwölkten Leidenschaften nicht mehr, die kein anderes Licht kennen, als den Blitz.
354. Alle Menschen des Erfolgs verstehen sich auf die schwere Kunst, zur rechten Zeit zu—gehen.
Man gefällt durch den Geist, den man zu kosten giebt: aber man wird gefürchtet um des Geistes willen, den man verschluckt. In dem Augenblick, wo du gefällst, erwäge, wie nah der Augenblick ist, wo du
355. Nicht ihre Menschenliebe, sondern die Ohnmacht ihrer Menschenliebe verhindert die Christen von heute, Scheiterhaufen für die Ketzer aufzurichten.
356. Ihr glaubt, wie ihr sagt, an die Nothwendigkeit der Religion! Seid ehrlich! Ihr glaubt nur an die Nothwendigkeit der Polizei, und fürchtet euch vor Räubern und Dieben für euer Geld und eure Ruhe!
357. Wie moralisch und erhaben wird man, jedesmal wenn man gute Aussicht hat, damit wehe zu thun!
358. Vornehmheit im Gehorchen, Freiheit unter Zwang und Gesetz, Verachtung gegen die sich aufbäumenden Gelüste des Sklaven: das sind die Abzeichen der ersten Kaste “Mensch.”
359. Elf Zwölftel aller großen Männer der Geschichte waren nur Repräsentanten einer großen Sache.
Der Blick der Menschheit war bisher zu stumpf, zu erkennen, daß die mächtigsten Menschen große Schauspieler waren.
360. Bei Lebzeiten wird man nur berühmt, wenn man auch der Schauspieler seiner Tugend ist.
361. “Er mißfällt mir.”— Warum?— “Ich bin ihm nicht gewachsen.”— Hat je ein Mensch so geantwortet?
362. Auch bei seinem Hunger nach Menschen sucht man vor Allem eine bequeme Nahrung, wenn sie auch nur wenig nahrhaft ist: gleich den Kartoffeln.
364. Die Auflehnung ist die vornehmste Attitüde des Sklaven.
365. Man muß aufhören, sich essen zu lassen, wenn man am besten schmeckt—so heißt das Geheimniß der Frauen, welche lange geliebt werden.
366. Schauspieler des Großen ohne Bewußtsein der Schauspielerei wirken wie echte Größen und haben vor ihnen sogar—den Glanz voraus.
367. Du gehst zu Frauen? Vergiß die Peitsche nicht!
In der Art, wie und was man ehrt, zieht man immer eine Distanz um sich.
368. Nicht, was er des Tages gegen mich thut und aussinnt, beunruhigt mich: aber daß ich Nachts in seinen Träumen vorkomme—das macht mir Grauen.
369. Vermöge der Musik genießen sich die Affekte selber.
370. Die Probe des starken Charakters besteht darin, daß er, wenn der Entschluß einmal gefaßt ist, auch den besten Vernunft-Gründen dagegen unzugänglich bleibt: also ein periodischer Wahnsinn.
371. “Was ist Freiheit?— Euer gutes Gewissen”—sagte Periander, der siebente Weise.
“Ich könnte dies oder das oder jenes thun, alles würde lehrreich sein, zumal wenn es mir mißriethe und mich in Noth brächte”—so denkt und redet der freie Geist, der Liebhaber der Erkenntniß: er lacht darüber, wenn man ihm deshalb Willens-Schwäche und Unvernunft vorwirft.
372. Hatte ich je einen Gewissensbiß?— mein Gedächtniß schweigt auf diese Anfrage still.
373. Moral ist eine vorwissenschaftliche Form, sich mit der Erklärung unserer Affekte und Zustände abzufinden. Moral verhält sich zu einer einstmaligen Pathologie der Gemeingefühle, wie Alchemie zu Chemie.
374. Es giebt gar keine moralischen Phänomene; sondern nur eine moralische Interpretation gewisser Phänomene (—eine irrthümliche Interpretation!)
375. Der Verbrecher ist gewöhnlich seiner That nicht gewachsen, er widerruft und verleumdet sie.
376. “Lieber zu Bett liegen und sich krank fühlen, als etwas thun müssen”—nach diesem heimlichen Grundsatze leben alle Selbstquäler.
377. Die Wahrnehmung, daß ich mit Anderen übereinstimme, macht mich leicht mißtrauisch gegen das, worüber wir übereinstimmen.
378. Dem Erkennenden ist die pia fraus noch mehr wider den Geschmack als die impia fraus.
379. Man nehme sich vor der sancta simplicitas in Acht: sie ist es, die das Holz zu allen Scheiterhaufen gehäuft hat.
380. Einst vertrat die religiöse Erklärung die naturwissenschaftliche: und noch jetzt vertritt die moralische Erklärung die physiologische. Wer wenig denkt und gelernt hat, schiebt Alles zurück in die Moral, seine Verstimmungen durch Wetter, Unverdaulichkeit, Blutarmut, seine Bedürfnisse nach Entleerung oder Ersatz, seinen Mißerfolg, Überdruß, Unzufriedenheit, Unsicherheit.
381. Wenn du laut sagen wolltest, was du Alles schon in Gedanken gethan hast, so würde Jedermann schreien: “weg mit diesem ekelhaften Gewürme! Es schändet die Erde”—und Jedermann würde vergessen haben, daß er ganz dasselbe in seinen Gedanken gethan habe.— So moralisch macht uns Offenherzigkeit.
In der Moralität äußert sich, physiologisch zu reden, der Assimilationstrieb der Schwachen hin zu den Starken.
382. “Ich liebe sie und deshalb wünsche ich, daß sie liebt—aber warum gerade mich? ich liebe mich selber nicht genug dazu”—so spricht die göttliche Liebe aus dem Manne.
Du willst ihn bezaubern? So stelle dich vor ihm verlegen.
383. Das Verlangen nach Gegenliebe ist Eitelkeit und Sinnlichkeit.
384. Menschen, die gegen sich mißtrauisch sind, wollen mehr noch geliebt sein als lieben, um einmal, für einen Augenblick wenigstens, an sich glauben zu dürfen.
Ein Gott, der liebt, ist es nicht würdig, sich lieben zu lassen: lieber will er noch gehaßt werden.
385. Die Liebe zum Übermenschen ist das Heilmittel gegen das Mitleid mit den Menschen: an letzterem müßte die Menschheit sehr schnell zu Grunde gehen.
386. Ein kleines Mehr von Mitleid unter den Menschen, und die Verzweiflung am Leben stünde vor der Thür.
387. “Liebe deinen Nächsten”—d. h. zu alleroberst: “laß deinen Nächsten laufen!”— Und gerade dieser Theil der Tugend ist der schwerste!
388. Das kleine Leiden verkleinert uns, das große vergrößert uns. Der Wille zum großen Leiden sollte also eine Forderung der Selbstsucht sein.
389. Lieber böse Gesellschaft als kleine!
390. Ein bezauberndes Werk! Aber wie unausstehlich, daß sein Schöpfer uns immer daran erinnert, es sei sein Werk. Weiß er denn nicht, daß “der Vater” immer eine komische Person ist?
391. Vieles kleines Glück beschenkt uns mit vielem kleinen Elend: und verdirbt damit den Charakter.
392. Alle Behaglichkeit sollte man nur benutzen wie ein Kranker das Bett: zur Genesung.
393. Sehr klugen Personen glaubt man ihre Verlegenheit nicht.
394. “Ich bin zum Schauen und nicht zum Glauben vorherbestimmt, alle Gläubigen sind mir etwas Fremdes und Lärmendes.”
395. Es giebt einen Übermuth der Güte, welcher sich wie Bosheit ausnimmt. Unsere Eitelkeit ist gerade dann am schwersten zu verletzen, wenn eben unser Stolz verletzt worden ist.
396. Diese zwei Weibspersonen, Vergangenheit und Zukunft, machen jetzt einen solchen Lärm, daß die Gegenwart vor ihnen davonläuft.
397. Aus einem “ich habe Lust” ein “du sollst” machen, die Gewohnheit zur Tugend, die Sitte zur Sittlichkeit umprägen: das ist eine feine alte uralte Falschmünzerei—und ich verstehe mich heute noch auf sie.
398. “Du sollst” klingt den Meisten angenehmer als “ich will”: in ihren Ohren sitzt immer noch der Heerden-Instinkt.
399. In einem bestimmten krankhaften Zustand kann man gar nicht anders, als geizig sein. Geiz ist ein Affekt. Ihr liebt mir die Nüchternheit des Geistes zu sehr: auch dieser Geiz ist Krankheit.
400. Wir werden mißtrauisch, nicht weil wir einen Grund dazu finden, sondern “wir finden immer einen Grund dazu” mißtrauisch zu sein, wenn wir mißtrauisch werden.
401. Unter Umständen ist der allgemeine Schaden geringer, wenn einer seine Affekte an Anderen als wenn er sie an sich selber ausläßt: namentlich gilt dies von den schöpferischen Menschen, deren Nutzen in die Ferne geht.
402. Wehe wenn die Menschen nicht ihre kleinen boshaften Gedanken hätten! Wie viel Lust mehr haben sie dabei, wie viel Wehe-Thun ersparen sie dabei!
403. Der Mensch ist immer noch mehr Affe als irgend ein Affe.
404. Das Herz ist es, das begeistert: und der Geist ist es, der beherzt und kalt in der Gefahr macht. Oh über die Sprache!
405. Wie? Ein großer Mann? Ich sehe in ihm nur den Schauspieler seines eignen Ideals.
Die Selbstsucht ist bei Dieben, Räubern, Wucherern und Spekulanten im Grunde anspruchslos und bescheiden genug: man kann ja nicht leicht weniger von den Menschen wollen als wenn man nur ihr Geld will.
406. Faust, die Tragödie der Erkenntniß? Wirklich? Ich lache über Faust.
407. Die höchsten tragischen Motive sind bisher unbenutzt geblieben: Die Dichter wissen von den 100 Tragödien des Gewissens nichts aus Erfahrung.
408. Man spricht von den Ursachen der Affekte und meint ihre Gelegenheiten.
409. Er hat seiner Erkenntniß Menschen geopfert und ist auf nichts so stolz als auf diese Grausamkeit gegen sich selber.
410. Mitleid wirkt an dem Erkennenden beinahe zum Lachen, wie zarte Haut an einem Riesen.
411. Lange und große physische Schmerzen erziehen zum Tyrannen.
412. Man muß sowohl mitleidig als grausam sein, um eins von beiden sein zu können.
413. Nicht Wenige, die ihren Teufel austreiben wollten, fuhren dabei selber in die Säue.
414. Der “Lobende” stellt sich meistens, als gäbe er zurück: in Wahrheit will er beschenkt werden.
415. Im Affekt enthüllt sich nicht der Mensch, sondern sein Affekt.
Unsere Augen hören feiner als unsere Ohren: wir verstehen und schmecken lesend besser als hörend—bei Büchern wie bei Musik.
416. Das Concubinat ist corrumpirt durch—die Ehe.
417. Das Christenthum vergiftete den Eros: er starb zwar nicht daran, aber entartete zum “Laster.”
Voller Leidenschaften aber herzlos und schauspielerisch: so waren die Griechen, so waren selbst die griechischen Philosophen, wie Plato.
418. Nur bei herzlosen Menschen ist die Innigkeit ächt und beinahe eine Sache der Scham.
419. Ein Bischen Neid im Ursprunge—und hinterdrein eine große Liebe? So entsteht eine Explosion durch die Reibung eines Zündhölzchens.
420. Wenn die Göttin Musik in Worten, statt in Tönen, reden wollte, so würde man sich die Ohren zuhalten.
421. Sich über ein Lob freuen ist bei diesen eine Eitelkeit des Geistes, bei jenen ein Merkmal von Höflichkeit des Herzens.
422. Man lügt mit der Zunge, aber mit dem Munde und Maule sagt man die Wahrheit—so entsteht der Physiognomiker.
423. Die Sinnlichkeit übereilt das Wachsthum der Liebe, so daß die Wurzel schwach bleibt und die ganze Pflanze leicht auszureißen ist.
424. In einigen Menschen ist ein tiefes Bedürfniß nach ihrem Feinde: bei ihm allein giebt es auch einen Haß auf den ersten Blick.
425. Mein Auge sieht die Ideale anderer Menschen, und dieser Anblick entzückt mich oft: aber ihr Kurzsichtigen denkt dann, es seien meine Ideale!
426. Die Moral aller Gesellschaft lautet, daß Vereinsamung Schuld sei.
427. Fast in jedem Lebenden steckt ein Parasit.
428. Wenn man über einen Menschen umlernen muß, so rechnet man ihm die Unbequemlichkeit, die er einem damit macht, hart an.
429. In der Leutseligkeit ist nichts von Menschenhaß, aber eben deshalb allzuviel Menschenverachtung.
430. Man vergilt einem Lehrer schlecht, wenn man immer “der Schüler” bleibt.
431. Es ist wie mit einem Baum: je mehr er hinauf in die Höhe und Helle will, um so stärker streben seine Wurzeln nach der entgegengesetzten Richtung: einwärts, abwärts, ins Dunkle, Tiefe, Breite—in’s “Böse,” wie man sagt.
432. Ihr nennt es die Selbstzersetzung Gottes: es ist aber nur seine Häutung:—er zieht seine moralische Haut aus! Und ihr sollt ihn bald wiedersehn, jenseits von gut und böse.
433. Ein Volk ist der Umweg der Natur, zu 5, 6 großen Männern.
434. Bei patriotischen Festen gehören auch noch die Zuschauer zu den Schauspielern.
435. Auch das Häßliche hat sein häßliches Prunkmäntelchen: es heißt “das Erhabene.”
436. Was ist gut?— “Das, was zugleich hübsch und rührend ist”—antwortete ein kleines Mädchen.
Wenn Gott ein Gott der Liebe ist, so müßte der Gewissensbiß ein Gottesbiß und folglich ein Biß aus Liebe sein.
437. Muthig, unbekümmert, spöttisch und sogar etwas gewaltthätig: so will uns die Weisheit: sie ist ein Weib und—liebt immer nur einen Kriegsmann.
438. Viel Soldaten und doch wenig Männer! Viel Uniform und noch viel mehr Uniformität.
439. “Die Erntezeit ist wieder vorüber: der Wind weht über die leeren Felder, und jetzt scheint mir auch die glücklichste Ernte ein ungeheurer Verlust”—so empfindet jeder schöpferische Mensch.
440. Zweierlei will der ächte Mann: Gefahr und Spiel. Deshalb will er das Weib, als das gefährlichste Spielzeug.
441. Die Aufgabe des Weibes ist, das Kind im Manne zu entdecken und zu erhalten.
442. Man will die Emancipation des Weibes und erreicht dabei nur die Entmännlichung des Mannes.
443. Der Mann soll zum Kriege erzogen werden, und das Weib dazu, die Erholung des Kriegers zu sein: alles Andere ist Thorheit.
444. Mit dem Wort “Gelehrter” bezeichnet man sowohl die Soldaten des Geistes als—leider—auch die Strumpfwirker des Geistes.
Keine erbärmlichere Gesellschaft giebt es als die von Gelehrten: jene Wenigen abgerechnet, die militärische Gelüste im Leibe und Kopfe haben.
Es giebt zu wenig Männer: und daher vermännlichen sich die Weiber.
445. Es ist eine Feinheit, daß Gott griechisch lernte, als er Schriftsteller werden wollte, und ebenso dies, daß er es nicht besser lernte!
Dieser Denker ist kälter als Eis, folglich verbrennt man sich an ihm die Finger und hält ihn leicht für glühend.
3 [2]
Pinie und Blitz.
Hoch wuchs ich über Mensch und Thier;
Und sprech ich—Niemand spricht mit mir.
* *
Zu einsam wuchs ich und zu hoch:
Ich warte: worauf wart’ ich doch?
* *
Zu nah ist mir der Wolken Sitz, —
Ich warte auf den ersten Blitz.
* *
3 [3]
Portofino.
Hier sitz ich wartend—wartend? Doch auf nichts,
Jenseits von gut und böse, und des Lichts
Nicht mehr gelüstend als der Dunkelheit,
Dem Mittag Freund und Freund der Ewigkeit.
* *
3 [4]
Auf hohem Meere.
Freundin—sprach Columbus—traue
Keinem Genuesen mehr!
Immer starrt er in das Blaue,
Fernstes zieht ihn allzusehr!
* *
Wen er liebt, den lockt er gerne
Weit hinaus aus Raum und Zeit — —
Über uns glänzt Stern bei Sterne,
Um uns braust die Ewigkeit.
* *
3 [5]
Ich bin entweder Geist oder Körper, aber nimmermehr Geist und Körper—das sind zwei verschiedene Arten der Betrachtung —
Mein Geist sei es, der philosophirt: Ich fand immer, daß es mein Körper sei: er denkt über seinen Weg zur Gesundheit nach und nimmt dabei die Freude der Gesundheit vorweg.
Unsere Gedanken sind wie unser Denken selber in jedem Falle instinktiv gewählte Mittel zu einem bestimmten körperlichen Zustande: und zwar sehr feine Mittel!
3 [6]
Rossini nach der ersten Vorstellung der Hugenotten “Nun Meister, was halten Sie von dieser Musik?” Musik? Ich habe nichts davon gehört
Jahrelange Rivalität zwischen Rachel und einer Fl. Maxime zwischen Talma und Hr. Lafon.
10, 3[1-6] Sommer-Herbst 1882
3 [1]
В открытом море.
Книга афоризмов
Фридриха Ницше.
Молчаливые речи
Книга афоризмов.
«По ту сторону добра и зла»
Книга афоризмов.
1. А: Что означает справедливость? Б: Моя справедливость — любовь со зрячими глазами. А: Но подумай, что ты говоришь: эта справедливость оправдывает всякого, кроме того, кто судит! Эта любовь выносит не только все наказания, но и всякую вину! Б: Да будет так!
2. Кто поздно юн, остается юным надолго. Не нужно искать юность среди юношей.
3. Когда ослабевают таланты, отпущенные человеку, виднее становятся его моральные качества, и не всегда это звезды, становящиеся виднее в наступающей ночи.
4. Кто не способен видеть высокое в человеке, у того зоркий глаз для его низменного.
5. Есть и назойливость познающего: ей определено видеть лишь показную суть вещей.
6. Когда пятеро говорят вместе, шестой всегда должен умереть.
7. Бог задохнулся от теологии, а мораль — от нравственности.
8. Те, кто до сих пор больше всего любили человека, причиняли ему самую сильную боль: они требовали от него невозможного, как и все любящие.
9. Так говорил святой: «Я люблю бога — ибо человек нечто слишком несовершенное. Любовь к человеку разрушила бы меня».
10. Настало время, когда дьявол должен быть адвокатом бога — если он хочет продлить и собственное существование.
11. «Ты стал холодным ко всему, что раньше было ценным, ты холоднее льда. Но если теперь к тебе кто-то прикоснется, он скажет, что ты раскален добела, и он отдернет руку, думая, что ты его обжег. И скоро появятся люди, которые станут искать тебя, чтобы погреться».
12. Стремиться к великому — предательство. Люди лучшего качества стремятся к малому.
13. Тот, кто не делает нас продуктивным, становится нам безразличен. Кого же мы делаем продуктивным, еще не удостаивается нашей любви.
14. Третий всегда пробка, мешающая разговору двоих погрузиться вглубь; при определенных обстоятельствах это является достоинством.
15. Предваряй дела твои словами: обяжи самого себя стыдом перед нарушенным словом.
16. Это женское свойство — сначала соблазнить кого-либо к хорошему мнению о себе, а потом поверить в это мнение как в авторитет.
17. В отрицании, разрушении, ненависти, мести женщина проявляет больше варварства, чем мужчина.
18. Жертвы, которые мы приносим, доказывают лишь, сколь малоценно для нас все остальное, когда мы что-то любим.
19. То, что мы больше всего любим делать, мы хотели бы считать самым трудным для нас.
20. В глубине всякого женского тщеславия всегда таится презрение к «бабе».
21. То, что мы узнаем в человеке, воспламеняем мы в нем; способные узнавать в человеке лишь низменные свойства возбуждают их и вызывают их разрядку. Аффекты твоих близких, направленные против тебя, суть критика твоей способности познания низкого и высокого.
22. Дать имя своему аффекту — это уже шаг за границы аффекта. Так, самая глубокая любовь не знает себе названия и, быть может, спрашивает себя: «не ненависть ли я?»
23. Мужские и женские аффекты отличаются друг от друга по своему темпу, поэтому мужчина и женщина никогда не понимают друг друга.
При всем знании других людей люди не выходят из себя, а напротив, все больше входят в себя.
24. Мы и когда бодрствуем, ведем себя как во сне: постоянно придумываем и воображаем себе людей, с которыми общаемся, — и тут же забываем, что они придуманы.
25. Человек может быть наказан и за добродетели.
26. Потребности души не надо путать с потребностью в душе, которую испытывают некоторые холодные люди.
27. Кому не нужно лгать, тот гордится тем, что не лжет.
28. Женщина понимает детей лучше мужчины, но мужчина больше ребенок, чем женщина.
29. Естественный противник человека верующего — не свободный ум, а религиозный человек.
30. Больше всего ненавидят созидающих, ибо они самые глубокие разрушители.
31. Фарисейство — это не вырождение добрых людей, а условие их доброты.
32. Мы любим жизнь не потому, что живем, а потому, что привыкли жить.
33. Следует время от времени отправлять и свои добродетели спать.
34. Ты веришь в свою «жизнь после смерти»? Значит, ты должен учиться быть мертвым при жизни.
35. Наши недостатки — наши лучшие учителя: но как раз по отношению к своим лучшим учителям люди всегда неблагодарны.
36. «Не будем об этом говорить!» — «Друг мой, об этом нельзя даже молчать!»
37. Что знает о любви тот, кто не должен был презирать именно то, что любил!
38. Нужно не замечать себя — чтобы хорошо видеть.
39. «Люди не равны!» — так говорит справедливость.
Во многое не верят только потому, что не верят в общепринятое объяснение.
40. У кого есть страсть к справедливости, тот ощущает даже свой самый болезненный аффект как облегчение.
41. Тяжелые, унылые люди становятся легче и всплывают к своей поверхности от того, что отягощает других, в том числе от любви и ненависти.
42. Мне кажется, что всякого рода мыльные пузыри или мотыльки и те, кто похож на них среди людей, больше всех знают о любви: смотреть, как порхают эти легкие, неразумные, подвижные, изящные созданьица, — это доводит меня до слез и стихов.
43. «Ты видел своего демона?» — «Да, тяжелый, серьезный, основательный, патетический — таким предстал он, как genius gravitationis, из-за которого падают все существа и вещи».
44. Того, кто сострадал бы всему человечеству, каждый отдельный человек воспринимал бы как жестокого тирана.
45. Все до конца объясненное перестает нас интересовать. Смотри, не покажись самому себе до конца объясненным.
46. Надо уметь быть губкою, если хочешь чтобы тебя любили те, кто переполнен.
Здесь кроется самый распространенный вид нечестности познающих: они отрицают факты.
47. Кто увидел идеал человека, воспринимает реального человека как карикатуру на него.
48. Один ищет акушера своим мыслям, а другой — человека, которому мог бы помочь: так возникает добрая беседа. Но горе, если сойдутся два акушера! Недаром в руках у них щипцы!
49. Кто не находит дороги к своему идеалу, живет более легкомысленно и дерзко, чем тот, у кого вообще нет никакого идеала.
50. Дьяволу открывается лучший вид на бога, поэтому он и держится от него подальше: ведь он друг познания.
51. Если узелок не рвется,
Раскусить его придется.
Брак, этот самый лживый и лицемерный способ половой связи, годится для тех, кто не способен ни на любовь, ни на дружбу и хотел бы скрыть этот недостаток от других: именно для этого государство и религия освятили брак. Годится он и для тех, у кого нет опыта ни в любви, ни в дружбе, так что брак не может их разочаровать.
52. Опасность для мудреца заключается в том, что он чаще других впадает в соблазн влюбиться в глупость.
53. Любовь к женщине! Если это не сострадание страдающему богу, то инстинкт, ищущий скрытого в женщине зверя.
54. Нравственное возмущение — самый коварный вид мести.
55. Веселиться посреди всеобщего уныния — вот дело героя, и не из сострадания, а из преизбытка отдает он и, как принято говорить, «жертвует собой».
56. Корыстолюбие и страсть повенчаны друг с другом; этот брак называют себялюбием: этот несчастный брак!
57. Как? Ты хочешь, чтобы тебя оценивали не по делам, а по намерениям твоим? Но ведь сами твои намерения происходят из твоих дел.
58. Все, о чем долго думают, становится подозрительным.
59. Ужасные переживания позволяют угадать, не ужасен ли тот, кто их переживает, — хотя, может быть, он ничего не ведает об этом.
60. Брак — самая лживая форма половой связи, и именно по этой причине на его стороне чистая совесть.
61. За свою хорошую репутацию обычно жертвуют слишком многим: самим собой.
Кто хочет быть предводителем людей, должен быть готов долгое время слыть их опаснейшим врагом.
62. Люди охотно бегут за каждым, кто умеет внушить им, что они сбились с пути: им так льстит слышать, что у них вообще есть путь.
63. Великие мысли — «из сердца», маленькие — из брюха; плохо помыслены и те, и другие.
64. «Великие мысли»? Друг мой, это всего лишь мысли, которые раздувают и делают тебя великим: в мыльном пузыре нет ничего великого!
Пошлость или возвышенность внутренней природы проявляется не в том, как любят: ведь любовь всегда скорее обманывает, а не выдает! Но обратите внимание, как ведут себя те, кого любят! — И некоторые, имевшие основание оставаться незаметными, считали удачей судьбы то, что их никогда не любили.
65. Жить познания ради, может быть, и сумасбродство, но это признак веселого нрава. Смотреть на такого человека столь же весело, как на слона, пытающегося стоять на голове.
66. «Но как мог ты поступить так! — сказал друг очень умному человеку — Это была глупость!» «Она дорого обошлась мне», — ответил тот.
67. Иисус из Назарета любил злых, а не добрых: вид их морального возмущения выводил из себя даже его. Всюду, где вершился суд, он выступал против судей: он хотел уничтожить мораль.
68. Иисус говорил людям: «Любите Бога, как люблю Его я, сын Божий: какое дело нам, сыновьям Божьим, до морали!»
69. Вы думаете, что ищете «истину»! Вы ищете предводителя и желаете, чтобы вами командовали!
70. Почему ты в стороне? — «Я пока не нашел никого, кому мог бы подчиняться, и никого, кем бы хотел повелевать».
71. Пастуху необходим еще и баран-вожак.
72. Любовь высвечивает высокие и редкие качества в человеке, оттого-то она и вводит в заблуждение (и больше всего — его самого). Но да будет осторожен не желающий быть обманутым, на то, что происходит, если человек знает, что любим, но сам не любит: тогда душа выказывает всю муть, осевшую на ее дне.
73. Через правдивость еще никто не достиг познания.
74. Молнию сделали безвредной, но этого недостаточно, она должна научиться работать на нас. — Так я думаю и о всяком «зле» — в тебе и во мне.
75. Христианский бог, бог любви и жестокости, придуман очень умно и без моральных предрассудков: поистине это бог для европейцев, которые хотят подчинить себе землю.
76. То, что какое-либо время ощущается как зло, т.е. нечто расходящееся с идеалами этого времени, есть на самом деле последствие того, что некогда казалось добром, атавизм древнего идеала. Первородный грех — всегда и первородная добродетель.
77. Во взоре всякого судьи сидит палач.
78. Кто возвысился над добром и злом, тот и в трагедии видит лишь невольную комедию.
79. Философские системы — самая скромная форма, в которой кто-либо может говорить о себе самом, — расплывчатая и заикающаяся форма мемуаров.
80. Видеть, как погибают трагические натуры, и еще быть способным смеяться, все глубоко понимая, чувствуя и сострадая им, — это божественное свойство.
81. «Нет сомнений, что среди сторонников этого дела много лжецов и обманщиков, следовательно, само это дело есть ложь и обман» — так заключают поверхностные. Кто знает человека глубже, скажет: «следовательно, в этом деле есть что-то истинное, раз сторонники его чувствуют себя уверенно и им кажется, что хороша любая приманка, привлекающая к их делу».
82. Невинность лжи есть признак благой веры в какое-либо дело.
83. Нужно увидеть человека спящим, чтобы знать, как он выглядит. Лицо твоего друга, которое кажется тебе знакомым, — это твое лицо в грубом и несовершенном зеркале.
84. Какая разница, льстите вы богу или дьяволу, визжите перед богом или перед дьяволом? Вы лишь льстецы и визгуны!
85. Кто труслив до глубины души, тот обычно вполне умен, чтобы усвоить так называемую любезность.
86. Последствия наших поступков хватают нас за волосы, не обращая ни малейшего внимания на то, что мы с тех пор «стали лучше».
87. Люди приказывающие станут приказывать и своему богу, думая, что так усердно ему служат.
88. Можно было бы представить высоконравственную ложь, при которой человек осознает половой инстинкт лишь как обязанность рожать детей.
89. Он называет это верностью своей позиции, но это лишь лень, не дающая ему встать с кровати.
90. Если мы наконец-то привыкли к какой-нибудь добродетели, нужно еще и обладать хорошим вкусом, чтобы впредь называть ее не добродетелью, а «вкусом».
91. Существует товарищество — пусть будет и дружба!
92. Если сострадательные теряют стыд перед собой и говорят нам, что сострадание есть сама добродетель, — они вызывают сострадание.
93. Благородный человек всегда стоит добрым поперек дороги; часто они отстраняют его, говоря, что он добр.
94. Вокруг героя всё становится трагедией, вокруг полубога — сатировской драмой.
95. Жестокость — это эксцентричная и ставшая более духовной чувственность.
96. Нравственные люди обходятся с преступниками как с принадлежностью одного-единственного поступка — и так же они обходятся с самими собой, в зависимости от того, чем менее свойствен этот поступок им самим: он действует как меловая черта на курицу. — В мире морали очень много гипнотического.
97. «Высокими чувствами», «возвышенными мыслями» называете вы это; я вижу лишь вожделение высоты и судороги морального честолюбия.
98. Твой шаг выдает, что ты еще не идешь по своей колее; по тебе должно быть видно, что ты хочешь танцевать. Танец — доказательство истины.
99. «Серьезный», «строгий», «моральный» — так вы его называете. Мне же он представляется злым и несправедливым по отношению к самому себе, всегда готовым наказывать нас за это, играть роль палача, — и раздраженным оттого, что мы этого ему не позволяем.
100. «Высокие чувства»! — На высоте чувствуешь себя не высоко, а в глубине и наконец-то на твердой почве, — если и в самом деле обладаешь невинностью высоты.
101. Благодаря доброй воле помочь, посочувствовать, подчиниться, отказаться от личных претензий даже самые незначительные и поверхностные люди могут стать вполне выносимыми для глаза; не надо их разубеждать, что эта добрая воля есть «сама добродетель».
102. Ныне мораль — оправдание всех случайных и лишних, кишения обделенных духом и силой, которого не должно было быть. Мораль в этом отношении милосердна, ибо говорит каждому: «Но ведь ты очень важен», — что, разумеется, ложь.
103. «Глупая женщина с добрым сердцем стоит выше любого гения» — это звучит учтиво из уст гения. В этом его вежливость — и его мудрость.
104. Чужое тщеславие приходится нам не по вкусу только тогда, когда оно задевает наше тщеславие.
105. Мы всегда любим наше собственное вожделение, а не предмет его.
106. Естественные последствия поступка мало взвешиваются, пока среди этих последствий есть публичное наказание и осуждение. Здесь сокрыт большой источник всего поверхностного.
107. Женщины атакуют своей любовью того, кто внушает им страх: это их храбрость.
108. «Один около меня — это слишком много», — думает одинокий. Одиножды один — два.
109. Мы любим пользу только как повозку для наших склонностей — и на самом деле не выносим скрипа ее колес.
110. «Давать себя таким, каков ты есть»: это может быть наградой, которую мы бережем для друга, — с тем результатом, что из-за этого он пошлет нас к дьяволу.
111. Иной раз бывают наравне со своим поступком, но не с образом содеянного.
112. Красивые краски, в которых светятся добродетели, суть изобретения тех, кому добродетелей не хватает. Откуда, к примеру, берется весь блеск доброты и сострадания? — Уж точно не от добрых и сострадательных.
113. В мировой истории речь идет лишь о великих преступниках, в том числе о тех, кто был способен на великие преступления, но по случайности не совершил их.
114. «Религиозный человек», «шут», «гений», «преступник», «тиран» — всё это дурные имена и частности вместо того, что не имеет названия.
115. Нечистая совесть — это налог, которым облагает людей изобретение чистой совести.
116. Ты хочешь быть справедливым? Несчастный, как хочешь ты воздать каждому свое? — Нет, этого я не хочу. Я отдаю каждому мое. достаточно для того, кто не слишком богат.
117. Одиночество делает нас более жесткими к себе самим и заставляет больше тосковать по людям; в обоих случаях оно улучшает характер.
118. Всего строже люди относятся к своему богу: ему нельзя грешить!
Бог придумал телеологию беременности, когда придумал женщину.
119. «Я больше ни во что не верю». Вот правильный образ мыслей творческого человека.
120. Ларошфуко остановился на полпути: он отрицал «добрые» свойства человека; ему следовало бы отрицать и «злые» свойства.
Если моральный скептик достиг недоверия к морали, ему остается еще один шаг — скепсис по отношению к своему недоверию. Отрицание и доверие — подают руки друг другу.
121. Вера по форме, неверие по содержанию — это и составляет прелесть сентенции, т.е. моральная парадоксальность.
122. Своим противникам мы искренне прощаем — их ошибки.
123. Что такое? Ты хочешь познать самого себя? Лучше научись познавать свое счастье!
124. Я хочу желаний, ничего кроме желаний, и всякий раз вместо исполнения — новое желание.
125. Самая большая роскошь, которую позволяло себе человечество, — это вера в нечто нереальное, в самоотверженность. Ибо эта вера лишила ценности самое реальное, себялюбие. — С тех пор всякое счастье превратилось в тоску.
126. Глубокая ненависть — тоже идеалист; превращаем ли мы при этом своего противника в бога или в дьявола, в любом случае мы оказываем ему слишком много чести.
127. И в ненависти есть ревность: мы хотели бы, чтобы наш противник был только нашим.
128. Решение загадки «женщина» — не любовь, а беременность.
129. Наша вера в других людей выдает, в чем мы хотели бы верить себе самим.
130. «Сердце принадлежит утробе» — сказал Наполеон. Утроба тела лежит в сердце.
131. Всякое напряженное ожидание переживет и свое исполнение, если оно случается скорее, чем ожидаешь. Этот друг прибыл на два дня раньше срока: его присутствие кажется мне невероятным.
132. Привлекательность познания была бы невелика, если бы на пути к нему не нужно было преодолевать столько стыда.
133. «Познание ради познания» — это последний силок, расставленный моралью: с его помощью снова запутываются в ней.
«Все женщины — либо птицы, либо кошки, либо коровы»: это видно по их взгляду.
Что есть лучшая жизнь? Быть защекоченным до смерти.
134. Там, где растет древо познания, все еще находится рай.
135. «Сама мораль была первым грехопадением: мораль и есть первородный грех» — так думает всякий познающий.
136. Он научился выражать себя — но с тех пор люди больше не верят ему. Верят только заике.
137. Я поверил бы только в такого бога, который умел бы танцевать.
138. Угрызения совести учат кусаться.
139. Никто не верит сумасбродствам холодных людей.
Плевать на образованную чернь, стесняющуюся сказать: «Я этого не чувствую!», «Я этого не знаю».
Познающий живет среди людей не как среди зверей, а как будто среди зверей.
140. Склонность к трагическому ослабевает или усиливается вместе с чувственностью: она свойственна каждому юноше и молодому человеку.
141. В похвале гораздо больше навязчивости, чем в порицании.
142. Много доброй воли жить, но слишком мало доброй воли страдать — в этом сущность человека покладистого.
143. Возражение, недоверие, окольный путь — все это признаки здоровья, а всякое безоговорочное стремление есть патология.
144. Кто чувствует несвободу воли, тот душевнобольной; кто ее отрицает, тот глупец.
145. Что делается из любви, то не морально, а религиозно.
146. Иметь талант недостаточно, нужно еще иметь разрешение на талант.
147. Следует опасаться людей, возмущающихся нарушениями морали: они носят в себе жало трусливой, от себя самой прячущейся злобы.
148. Христианский бог, который есть «любовь», возник во времена, когда в любви еще было слишком мало божественного.
149. Добрые и злые люди мне безразличны, но я презираю трусов и любезничающих.
Сила доброго заключена не в его добре, а в том, что сильно его зло.
150. Тот, кто учитель до мозга костей, рассматривает все вещи лишь применительно к своим ученикам, — в том числе и самого себя.
151. «Будь по крайней мере моим врагом» — так говорит истинное почитание, которое не осмеливается просить о дружбе.
Если ты не будешь всегда внушать страх, тебя никто не станет воспринимать настолько всерьез, чтобы в конце концов полюбить.
152. Для познающего прекращается действие всякого права собственности.
Когда морализируют добрые, они внушают отвращение; когда морализируют злые, они внушают страх.
153. После опьянения победой всегда появляется чувство великой потери: наш враг, наш враг мертв! Даже утрату друга мы не переживаем столь глубоко — и столь громко!
154. Человек познания должен уметь не только любить своих врагов, но и ненавидеть своих друзей.
155. Это ошибка вкуса, если человек познания продолжает рядиться в одежды «морального человека»: по нему должно быть заметно, что он «не нуждается» в морали.
156. Всё созрело у него для жатвы, но у него нет серпа — и потому рвет он колосья и негодует.
157. Один путешествует, потому что ищет себя, а другой — потому что хотел бы себя потерять.
158. Убивают не гневом, а смехом.
159. Безумие единиц — исключение, а безумие целых групп, партий, народов, эпох — правило, потому-то историки до сих пор избегали о нем говорить. Но когда-нибудь историю будут писать врачи.
160. Когда мы любим, мы создаем человека по подобию нашего бога, — и вот тогда-то мы начинаем глубоко ненавидеть нашего дьявола.
161. Трудно найти книгу, которая научила бы нас больше, чем та, которую мы создаем.
162. Кто знает «читателя», пишет уже не для читателя — а для себя, писателя.
163. В горах кратчайший путь — с вершины на вершину, но для этого надо иметь длинные ноги! Афоризмы суть вершины.
164. Недостаточно исправить что-либо, нужно при этом исправить самого себя, самому стать лучше — к примеру, посредством какой-нибудь небольшой и чрезмерной злой выходки или благодеяния.
165. Давать каждому свое значило бы желать справедливости и достичь хаоса.
166. В этом отношении у обоих в сущности один и тот же дурной вкус. Но один из них хотел бы убедить нас и себя, что вкус у него самый отменный. А другой стыдится своего вкуса и хотел бы убедить нас и себя, что на самом деле у него другой, лучший вкус — такой, как у нас. Оба представляют собой тип образованного филистера.
Кто добровольно берет на себя боль, тот обладает и свободной волей, чтобы делать себе приятное; кто это отрицает — —
167. Беда, если добрые, эти вечные фарисеи, станут делать историю! Они красят великих людей прошлого, пока те не начинают выглядеть толстыми и славными, как добрые люди.
Мораль хвастается тем, что борется со злом —
168. Еще одно столетие газет — и все слова провоняют.
169. Познающий неохотно вступает в воду истины не тогда, когда грязна она, но когда мелка.
170. Скептикам. Кто слишком устал, в конце концов ложится спать и на снегу; не заходите слишком далеко.
171. Кто поднимается на высокие горы, смеется над любыми трагическими жестами.
172. Воздух разреженный и чистый, близкая опасность и дух, полный радостной язвительности, — всё это хорошо подходит друг другу.
173. Мужество уничтожает призраков, но создает себе горных духов.
174. Мысль о самоубийстве — сильное утешительное средство. С нею легче преодолевать «тяжелую ночь».
175. Есть чувства, которые хотят нас убить; но если им это не удается, они сами должны умереть.
176. Нашему сильнейшему инстинкту, тирану в нас подчиняется не только наш разум, но и наша совесть. Но если среди наших инстинктов не находится такого тирана, отдельные инстинкты все равно добиваются благосклонности разума и совести, а разум и совесть становятся почти суверенными.
177. Наши самоубийцы порочат самоубийство — а не наоборот!
178. Благороднее признать себя неправым, чем оказаться правым, — особенно если ты прав!
179. Ложь может быть человеколюбием познающего.
180. Правдивый в конце концов понимает, что постоянно лжет.
181. У многих женщин, как и у людей под гипнозом, интеллект периодически проявляется с неожиданной силой: тогда дух «находит» на них, а не выходит из них. Отсюда их необыкновенный ум в запутаннейших вещах и их вера во вдохновение.
182. Есть многое в злых, что вызывает во мне отвращение, но много такого и в добрых; и поистине, вовсе не их «зло»!
183. «Недостаточно покарать преступника, мы должны были примирить его с нами и благословить: разве мы не любили его, когда делали ему больно? Не страдали ли мы оттого, что должны были его использовать как средство для устрашения?»
184. Везде, где дружба отказывается переходить в любовь, не лежит ли в основе такое же природное противоречие, как между собакой и кошкой?
185. Следует отплачивать за добро и зло, — но почему именно тому, кто сделал нам добро или причинил зло?
186. Наказание должно быть таким, чтобы нарушение воспринимали как свое право и свою честь.
187. Лжет не только тот, кто говорит вопреки своему знанию, но прежде всего тот, кто говорит вопреки своему незнанию. — Второй род лжи столь обычен, что об него даже не спотыкаются: человеческое общение построено на нем.
188. Воспитывать означает обыкновенно «воспитывать лгать».
189. Кто любит бога, тот карает его.
190. Истинно справедливых людей нельзя одарить: они отдают всё назад. Поэтому они и вызывают отвращение у тех, кто их любит.
191. Мы охладеваем к тому, что познали, как только поделимся этим с другими.
192. Сука-чувственность, желающая заполучить кусок плоти, хорошо умеет клянчить кусок духа.
193. Поэты бесстыдны по отношению к своим переживаниям: они эксплуатируют их.
194. Предаешь ли ты себя или меня, все равно ты предатель. Писателям.
195. Будь осторожен с ним: он говорит лишь для того, чтобы потом ему было позволено слушать, а ты слушаешь на самом деле лишь потому, что невозможно все время говорить, — т. е. ты слушаешь плохо, а он слушает очень хорошо.
196. От наших врагов мы не хотим пощады, — как и от тех, кого мы любим до глубины души.
197. Несчастный, твой бог разорван и разбит, и змеи поселились в нем, — и теперь ты полюбил и этих змей ради него!
198. Кто не скрывает себя, возмущает этим других.
199. Железо ненавидит магнит, когда он не может полностью притянуть к себе железо — и всё же притягивает.
200. Больше всего мы ненавидим не то, что препятствует нам быть любимыми, но то, что препятствует полноте нашей любви.
В ближнем ненавидят то, что он не может обладать нашим идеалом.
201. Когда мы приелись сами себе и не можем больше любить себя, можно посоветовать лечение любовью к ближнему: ибо ближние очень быстро заставят нас поверить в то, что мы «достойны любви».
202. «Наш ближний — это не наш сосед»: так думают все политики и народы.
203. Друг мой, эта добродетель погубила бы тебя, но небо одарило тебя другой, с которой ты изменяешь первой.
204. С помощью любви к кому-либо желают перескочить через зависть.
205. Мы все притворяемся наивнее, чем мы есть, — в том числе перед собой.
206. Большие одолжения рождают не благодарных, а мстительных.
207. Свидетелей охотно приглашают, когда хотят говорить о себе самих; это называют «общением с людьми».
208. Мы привыкаем презирать зло, когда вращаемся в кругу слабых и малых: в великих людях зло вызывает восхищение.
209. Тот, кто беден любовью, охотно делает вид, что нет никого достойного ее.
210. Посредством любви мужчина ищет беспрекословную рабыню, женщина — беспрекословное рабство. Любовь — это потребность в ушедшей культуре и обществе: она возвращает нас к Востоку.
211. Несправедливость должен взять на себя тот, кто может ее нести: так хочет человечность.
212. Разделенная несправедливость — уже наполовину справедливость.
Самые ядовитые стрелы посылают вслед тому, кто избавляется от друга, даже не обидев его.
213. После размолвки. — «Говорите, что хотите, чтобы причинить мне боль: меня слишком плохо знают, чтобы понимать, что причиняет мне самую сильную боль».
214. Любовь к кому-нибудь одному — это варварство, ущемляющее всех остальных и наносящее вред познанию. Напротив, ты должен любить многих: тогда любовь заставит тебя быть справедливым по отношению к каждому и, следовательно, принудит к познанию каждого. Любовь ко многим — это путь к познанию.
215. Жестокость бесчувственного — это противоположность сострадания, жестокость переполненного чувствами — это более высокое сострадание.
216. То, во что мы научились верить без всяких оснований, труднее всего сокрушить основаниями.
217. Кто целомудрен от природы, тот не слишком высокого мнения о целомудрии, за исключением некоторых тщеславных глупцов. Обожествляют целомудрие те, у кого есть причины желать его для себя в настоящем или в прошлом, — свиньи Цирцеи.
218. Кому целомудрие дается слишком тяжело, тому следует его отсоветовать.
219. Потребности сердца. — Животные в брачный период не путают сердце с вожделением так легко, как это делают люди и особенно бабы.
220. Женщина боится признаться себе, насколько она любит в возлюбленном «мужчину» (какого-нибудь мужчину): поэтому она боготворит в нем «человека» — перед другими и перед собой.
«Я» человека порабощает, грабит, убивает и совершает любое насилие — и все должно служить не чему иному, как беременности: чтобы породить бога, в ногах у которого было бы все человечество.
221. В этом человеке лжива не внешность, а нутро: он ни в коем случае не желает выглядеть поверхностным, каковым он и является.
222. Героический человек познания боготворит своего дьявола и на этом пути он оказывается грешником, ведьмой, пророком, скептиком, мудрецом, вдохновленным, победителем и, в конце концов, захлебывается в собственном море.
223. Если есть воля к страданию, от нее остается лишь шаг до воли к жестокости — понимаемой и как право, и как долг.
224. Во второй раз умирают не скоро: это о тех, кто после смерти вернулся к жизни.
225. Даже когда народ движется вспять, он следует своему идеалу: он всегда верит в движение вперед.
226. Стремление унизиться, дать себя обворовать, оболгать и эксплуатировать, — короче говоря, смирение может быть стыдливостью бога среди людей.
227. Кто как бог заново создает добро, того ревнители старого добра всегда выдавали за дьявола.
228. Лишь тот порочный человек несчастлив, у кого потребность в пороке растет вместе с отвращением к нему — и никогда не заглушается им.
229. Мы плохо всматриваемся в жизнь, если не замечаем в ней той руки, которая щадя — убивает.
Твою нынешнюю удовлетворенность и неудовлетворенность собой определяет не то, что ты всё сделал в жизни, а то, что ты каждый раз думал о сделанном.
230. Маленькая месть чаще всего более человечна, чем отсутствие всякой мести.
231. Кто презирает самого себя, тот все равно постоянно льстит себе мыслью, что хотя бы сейчас он не лжет.
232. Друг, ты разочаровался во всем, что любил; разочарование в конце концов стало твоею привычкой — и твоя последняя любовь, которую ты называешь «любовью к истине», есть, быть может, как раз любовь к разочарованию.
Невозможность солгать совсем не обязательно есть любовь к истине. Скорее во всякой любви заключена возможность солгать — в том числе в любви к истине.
233. Он трясется, оглядывается, проводит рукой по голове — и его всегда называют познающим. Но избавление от лихорадки еще не есть познание.
234. «Где ещё есть море, в котором действительно можно утонуть? где человек?» — Этот крик разносится по нашей эпохе.
Обладание истиной не ужасно, а скучно, как всякое обладание.
235. В злобе встречается высокомерный со слабым — но они не понимают друг друга.
236. Кому отвратительно все возвышенное, тот находит не только «да», но и «нет» слишком патетическим: он не принадлежит к отрицающим и если все же вступает на этот путь, то вдруг останавливается и бежит прочь — в заросли скепсиса.
237. В сражении могут жертвовать своей жизнью, но победителя ждет искушение отринуть свою жизнь. Во всякой победе есть презрение к жизни.
238. «Я бегу от близости людей: отдаленность, вечная отдаленность человека от человека загоняет меня в одиночество».
Непроизвольная потребность в чем-то и в то же время отвращение к этому — вот что составляет чувство порочного.
239. Истина, как и всякая женщина, тоже требует лжи от своего любовника — но этого требует не тщеславие ее, а жестокость.
240. «Я это сделал» — говорит моя память. «Я не мог это сделать» — говорит моя гордость, и она остается непреклонной. В конце концов память уступает —
241. Холодно взирать на вещи, так что они являются перед тобой нагими, бесцветными и неоперившимися, — это зовется любовью к истине, хотя это всего лишь бессилие лгать.
242. Больные в лихорадке видят лишь призраки вещей, а те, у кого лихорадки нет, — лишь тени вещей: и те, и другие употребляют одинаковые слова.
243. «Я прислушивался к эху — а услышал лишь похвалу».
244. То, что тебе ответили взаимностью, должно бы тебя отрезвить: как может он быть столь глуп, чтобы в тебя верить?
245. «Почему мы должны еще и ненавидеть то, что любим? Разве любовь не величайшая из всех мук?» Поэтому человек должен быть преодолен.
246. Видел ли ты, с каким тупым безразличием переносит негр даже тяжелые болезни, которые тебя привели бы почти в отчаяние: это наводит на мысль, что — если не считать немногочисленной элиты духа — в человечестве мало страдания?
247. Счастье мое начинается тогда, когда я вижу себя внизу, как существо среди других существ.
248. Наша эпоха — неспокойная эпоха и поэтому не эпоха страсти: она постоянно подогревает себя, потому что чувствует, что в ней мало тепла — по сути она замерзает. Я не верю в значительность всех тех «великих событий», о которых вы говорите.
249. Познающий чувствует себя богом, воплотившемся в звере.
250. Ныне лишь благодаря эху события приобретают «значительность», — благодаря газетному эху.
251. Бедные художники! Чего требует от вас эта взбудораженная чернь? Не возведения, а разрушения желает она!
252. Не сила, а продолжительность высших ощущений создает высших людей: не надо путать их с людьми, корчащимися в путах морали!
253. И еще раз. — Быть честным по отношению к самим себе и тем, кто нам друг, мужественным по отношению к врагу, великодушным — к побежденным, вежливым со всеми.
254. У кого нет собственной воли, тот желает хотя бы знать всё лучше остальных.
255. Изначально — стадо и стадное чувство; самость как исключение, глупость, безумие — с точки зрения стада.
256. Мудрец в роли астронома. — Пока ты еще чувствуешь, что звезды «над тобой», тебе еще не хватает взгляда познания: для него больше нет «над» или «под».
257. Можно настолько сродниться с кем-нибудь, что будешь видеть во сне все, что он делает и претерпевает, потому что и ты сам мог бы это делать и претерпевать.
258. Если имеешь характер, то имеешь и свое типичное переживание, которое постоянно повторяется.
Люди делятся на тех, кто способен на ужасный поступок, и тех, кто на него не способен.
259. Есть совершенно разные люди: кто испытывает стыд при отливе чувств (в дружбе и любви) и кто стыдится их прилива.
Из-за того, что страсть одного из любящих преодолевает высшую точку и падает вниз, страсть другого идет вверх несколько дольше, чем могла бы: кривая любящих дольше.
260. Принадлежит ли тот или иной человек к добрым или к злым, определяют вовсе его не поступки, а его мнение о них.
261. Лишь когда себялюбие станет больше, умнее, тоньше, изобретательнее, мир станет выглядеть «более самоотверженным».
262. Кто сможет пристально всмотреться в глаз мыслителя, у того возникнет ужасное ощущение, какое бывает при наблюдении за животным, чей глаз, будто на стержне, медленно выдвигается из орбиты и смотрит вокруг.
263. Святой также нуждается в уничтожении морали: чтобы совершать то, что желает.
264. Кто достигает своего идеала, тем самым идет дальше.
265. Человек гениальный невыносим, если у него нет по крайней мере еще двух качеств: благодарности и чистоты.
266. То, что дает любовь, нельзя вернуть или оплатить: в море любви утонет всякий порыв благодарения.
267. Как намеревались вы быть ко мне справедливыми? — спросил святой. Я выбираю вашу несправедливость как предназначенный мне удел.
268. Человек возвышенный при виде возвышенного становится свободен, крепок, широк, спокоен, весел, но вид совершенной красоты потрясает и опрокидывает его — тогда он отвергает себя самого.
269. Тот, кто не чувствует себя в возвышенном как дома, воспринимает возвышенное как что-то жуткое и фальшивое.
270. Иной павлин прячет от всех свой хвост и называет это своей «гордостью».
271. Странно! Едва я хочу умолчать о какой-нибудь мысли и держать ее в отдалении, как она является мне в телесном облике, как человек, и я вынужден вести себя учтиво с этим «ангелом божьим»!
272. Это не по-человечески: благословлять там, где тебя проклинают. Лучше также немного проклясть!
273. Мне приходилось видеть, как истина побеждает, — но всегда при благосклонной поддержке сотен заблуждений.
274. Когда обручаются скепсис и тоска, возникает мистика.
Чья мысль хоть раз перешла через мост к мистике, не уходит от нее без стигмы на всех своих мыслях.
275. Степень и характер сексуальности человека достигают высочайших вершин его духа.
276. Своими принципами люди желают обуздать или оправдать, почтить, обругать или скрыть свои привычки. При этом люди с одними и теми же принципами желают совершенно разного.
277. Воля — лишь предположение, которое ничего больше не объясняет мне. Для познающего не существует воления.
278. До сих пор не появился Ларошфуко наоборот, который показал бы, что тщеславие и себялюбие добрых опорочили некоторые качества людей и в конце концов — сделали их злыми и вредными.
279. Не плати за зло добром, ибо это устыжает, но доказывай, что тебе сделали нечто доброе.
280. Во всяком восхищении есть ужас и бегство от самих себя — и даже самоотверженность, само-отрицание.
281. Кто презирает самого себя, должен принять во внимание, что он не только презираемый, но и презирающий, — и уважать себя как презирающего!
282. Блажен ты, если ведаешь, что творишь. Если же не ведаешь, ты проклят и преступаешь закон. Так сказал Иисус тому, кто нарушил субботу, — слово всем нарушителям и преступникам.
283. Наше внезапное недовольство самими собой может быть следствием как утонченного, так и испорченного вкуса.
284. «Воля к истине!» Не будем больше изъясняться так упрощенно и высокомерно! Мы желаем сделать мир мыслимым и, где возможно, видимым для нас — именно сделать! Вся физика сводится к тому, чтобы делать видимым.
285. Воля и интеллект (или, как говорят, сердце и голова) — это мужчина и женщина; речь между ними всегда идет о любви, зачатии, беременности. Следует заметить, что сердце при этом — мужчина, а голова — женщина!
286. Он одинок, и у него нет ничего, кроме мыслей; стоит ли удивляться, что он иногда нежен и игрив с ними и теребит их за уши! А вы, невежи, говорите, что он скептик.
287. «Любовь бога к людям — это его ад» — сказал дьявол. «Но как же можно влюбляться в людей!»
288. Постоянно учась выдерживать окружающих, мы бессознательно учимся выносить самих себя — что самым непостижимым успехом человека.
289. Вовсе не величина человеческого эгоизма есть меч, нависающий над человечеством, а напротив, слабость эгоизма, из-за которой человечество может легко надоесть самому себе.
290. В мирной обстановке человек воинственный нападает на самого себя — за отсутствием других врагов.
291. Создавать значит вынимать что-то из самих себя, опустошать себя, обеднять, делать более любящими. Когда бог создал мир, он был не более чем пустым понятием — и любовью к созданному.
292. «Вот остров одиноких. И я приветствую здесь все становящееся, блуждающее, ищущее, мимолетное! Гостеприимство — вот отныне единственная дружба моя! Я люблю все становящееся!»
293. Любовь к жизни почти противоположна любви к долгой жизни. Всякая любовь думает о мгновении и о вечности — но никогда о «длительности».
294. «Моя любовь внушает ужас, столь требовательна она! Я не могу любить, не веря, что тот, кого я люблю, призван совершить нечто бессмертное. И он догадывается, во что я верю — что я требую от него!»
295. Познающий избегает самопознания и оставляет свои корни в земле.
296. Самое понятное в языке — это не слово, а тон, громкость, модуляция, темп, с которыми произносится ряд слов, — т. е. словесная музыка, музыкальная страсть, страстная личность, все то, что не может быть написано. Поэтому писательство ничего собой не представляет.
297. Ходьба и виды ходьбы. Я научился ходить; с тех пор я позволяю себе бегать.
298. Свободный ум. Кто может летать, знает, что для полета ему не нужен толчок, в котором вы, застрявшие души, нуждаетесь просто чтобы «идти дальше».
299. Стыдиться своей безнравственности — первый шаг на пути, в конце которого стыдятся и своей нравственности.
300. Постоянно и всем сердцем любят или своих детей, или свои дела; любовь к себе самому всегда симптом.
301. Некоторые натуры никогда не будут открыты, разве что их сперва выдумают.
302. «Общение с людьми портит характер, особенно когда его нет» — сказал Тимон.
303. «Ты не знаешь женщин, так почему же ты верно говоришь о них?» — У женщин нет ничего невозможного.
304. Везде все еще недостает себялюбия.
305. Кто пишет афоризмы, тот хочет, чтобы его не читали, а заучивали наизусть.
306. Даже в удовлетворении своих страстей (к пище, женщинам, собственности, почестям, власти) большинство людей действуют как стадный скот, а не как личности — даже если они личности.
307. Мне все идет на пользу: кто хочет стать моею судьбой? Я люблю всякую судьбу.
308. Эпоха самых больших событий станет, несмотря ни на что, эпохой самых малых результатов, если люди сделаны из резины и слишком эластичны.
309. «Перед любым поступком меня мучает мысль о том, что я лишь игрок в кости — мне неведома больше свобода воли. А после каждого поступка меня мучает мысль, что кости выпадают в мою пользу: может быть, я нечестный игрок?» — угрызения совести познающего.
310. Месть могла бы заставить отучиться от благодарности, но не от любви.
311. Желание любить выдает усталость от самого себя и пресыщенность собой, а желание быть любимым — потребность в себе, себялюбие. Любящий раздаривает себя, а желающий быть любимым хотел бы получить в подарок себя самого.
312. Аргументами, оправдывающими наказание за преступление, можно оправдать и само преступление.
313. Зрелость мужчины — это новое обретение той серьезности в игре, которая была у ребенка.
«Ella guardava suso, ed io in lei». Данте. А я в нее!
314. Теперь я одинок: я жаждал людей, я искал людей и находил только себя, — а себя самого я больше не жажду!
Маленькие люди не способны на зло: поэтому они не могут быть ни добрыми, ни злыми. (Но доброта — уменьшенное зло?)
Желать чего-либо и добиваться этого считается признаком сильного характера. Но добиваться чего-либо, даже не желая этого, присуще самым сильным, ощущающим себя воплощенным фатумом.
Кто всегда остается ребенком, остается невинным эгоистом и становится объектом зависти и ненависти даже больше, чем «виновный» эгоист.
315. Я люблю людей, и больше всего тогда, когда сопротивляюсь этому инстинкту.
316. Женщина пытается любить, когда чувствует потребность в послушании и служении: это ее уловка, чтобы легче выносить бремя.
317. «Люби меня!» — бог, который так говорит человеку, сошел с ума — от ревности.
318. Ненавидят не когда мало ценят, а когда считают равным себе или выше себя.
319. Человек пугается, представив себе внезапный испуг.
Она смотрела вверх, а я в нее.
320. Не преступление преступника, а его трусость и глупость после преступления заставляют нас думать о преступниках с презрением.
321. Зло лишь тогда пользуется дурной славой, когда его путают с низменным и отвратительным. А до этого оно притягательно и побуждает к подражанию.
322. Для всех женщин, которым обычаи и стыдливость отказывают в удовлетворении половой потребности, религия незаменима как более духовное высвобождение эротических потребностей.
323. Моя любовь к человеку знает приливы и отливы, и всякий отдельный любимый человек является для этой любви лишь случайным поводом. Сознавать это горько.
324. Иной раз из любви к человечеству обнимаешь отдельного человека, потому что не можешь обнять всех, — но нельзя признаваться в этом отдельному человеку!
Добро — это маленькое зло: потому-то маленьким людям так легко стать людьми добрыми.
325. Ближнего всегда любят ценою дальнего.
«Более слабый человек — лучший человек» — говорят наши проповедники морали.
Слабые люди говорят «я должен», а сильные — «нужно».
Женщина совершает преступлений в десять раз меньше, чем мужчина; следовательно, она в десять раз нравственнее — утверждает статистика.
326. Невинность эгоизма свойственна ребенку, и поскольку вы никогда не будете как дети, вы никогда не вступите в это царство небесное.
327. С жизнью следует расставаться, как Одиссей с Навсикаей — скорее благословляя, чем любя.
328. Ради ближнего действуют, но не созидают: так говорит честность всех созидающих.
329. Выше любви к ближнему любовь к дальнему, будущему; выше, чем всякая любовь к человеку, любовь к вещам.
330. Я хочу сказать «враг», а не «преступник»; «червь» хочу я сказать, а не «негодяй»; «больной» хочу я сказать, а не «чудовище»; «сумасшедший» хочу я сказать, а не «грешник».
331. Препятствовать всем трусам в размножении: такой должна быть мораль женщин.
332. Не людей, а человека любит одинокий; и если эта любовь скапливается и переполняет его, она обрушивается потоком на кого-то одного — не важно, друга или врага.
333. Ты говоришь «я люблю себя», «я презираю себя», «я жалею себя»; друг мой, отрицающий бога, я не хочу оспаривать твое «Я», но твое «Себя» такой же плод фантазии и выдумки, как какой-нибудь бог — и поэтому ты должен его отрицать.
334. Сочувствие и нежность к ближнему причислять к морали (или даже считать моралью) есть признак тщеславия, если ты сам от природы сострадателен и нежен, — т. е. свидетельство недостатка гордости и благородства души.
Культ сострадания не приличествует людям, которым он неведом по собственному опыту.
335. Если дрессировать свою совесть, она будет целовать, — когда кусает.
336. Мораль — это чванство человека перед природой.
337. «Возможно, мораль выдумал дьявол, чтобы мучить людей гордостью, а другой дьявол отнимет ее когда-нибудь, чтобы мучить их презрением к самим себе.
338. «Не существует человека, ибо не было первого человека» — так считают звери.
339. Доверие сильнейшего раздражает, потому что за него нельзя отплатить той же монетой. Напротив, ему можно посоветовать вежливость, т.е. постоянную иллюзию, будто ему есть что почитать.
340. Не понимаю, что за нужда в клевете. Если хочешь навредить кому-нибудь — скажи о нем правду.
341. О каждом всегда известно слишком много.
342. Мы хвалим лишь то, что нам по вкусу, т.е., хваля, мы хвалим всякий раз лишь наш собственный вкус — что по сути является дурным вкусом.
343. Лишь человек сопротивляется направлению гравитации, он всегда хочет падать — вверх.
344. Лестница моих чувств длинна, и я люблю сидеть на ее самых низких ступенях, потому что слишком часто мне приходится сидеть и на самом верху, а там часто бывает резкий ветер и слишком яркий свет.
345. Ревность — самая одухотворенная страсть и, несмотря на это, — еще и величайшее безумие.
346. В пламени ревности обращают, подобно скорпиону, жало на самих себя — но без успеха скорпиона.
347. Меня потрясло не то, что ты меня обманул, но то, что я тебе больше не верю.
348. Я должен простить? Но ведь я не упрекаю тебя в том, в чем ты упрекаешь себя сам; как же я могу тебя простить?
349. Много говорить о себе — тоже способ себя скрывать.
350. Легче простить врагу, чем другу.
351. Ненависть к злу — это парадный наряд, в который фарисей одевает свои личные антипатии.
Музыка — это форма чувственности у женщин.
Женщины намного чувственнее мужчин, прежде всего, потому, что в отличие от мужчин, не отдают себе такого отчета в своей чувственности.
352. В современной музыке звучит единство религии и чувственности; следовательно, в ней больше женского, чем когда-либо.
Я и Меня — всегда две разные личности.
353. С тех пор как я увидел шторм на море, а над ним ясное, яркое небо, я больше не люблю лишенные солнца, затянутые тучами страсти, которые не ведают другого света, кроме молнии.
354. Все люди успеха знают толк в трудном искусстве — уйти вовремя.
Люди нравятся благодаря духу, который дают попробовать, но их начинают бояться из-за духа, который они проглотили. В тот момент, когда ты нравишься, подумай, сколь близок другой момент — —
355. Не человеколюбие, а бессилие их человеколюбия мешает нынешним христианам предавать нас сожжению.
356. Вы верите, как вы говорите, в необходимость религии? Будьте же честны! Вы верите лишь в необходимость полиции и страшитесь разбойников и воров ваших денег и вашего покоя.
357. Какими высокоморальными и торжественными становятся люди, когда есть возможность причинить этим боль!
358. Благородство в послушании, свобода в условиях принуждения и закона, презрение к бунтующим рабским страстям — все это отличительные свойства высшей касты «человека».
359. Одиннадцать двенадцатых всех великих исторических личностей были лишь представителями какого-нибудь великого дела.
Взгляд человечества был до сих пор слишком слаб, чтобы разглядеть, что самые могущественные люди были великими актерами.
360. При жизни можно стать знаменитым лишь в том случае, если ты хороший актер своих добродетелей.
361. «Он мне не нравится». — Почему? — «Я не дорос до него». Ответил ли так хоть кто-нибудь?
362. Даже испытывая голод по людям, все равно ищут пищу поудобнее, пусть и не очень питательную — вроде картофеля.
364. Восстание — самое благородное поведение раба.
365. Нужно перестать позволять себя есть, когда находят вас особенно вкусными, — так гласит тайна женщин, которые долго любимы.
366. Актеры великого, не осознающие своего актерства, производят впечатление действительно великих — и перед истинно великими у них даже есть преимущество особого блеска.
367. Ты идешь к женщинам? Не забудь плетку!
Тем, как и что мы почитаем, мы обозначаем дистанцию вокруг себя.
368. То, что он делает и замышляет против меня днем, не беспокоит меня, но что я являюсь ему во сне по ночам — внушает мне ужас.
369. Посредством музыки аффекты услаждают сами себя.
370. Испытание сильного характера состоит в том, что он, однажды приняв решение, становится недоступен для самых лучших доводов разума — т. е. периодически впадает в безумие.
371. «Что есть свобода? — Ваша чистая совесть» — утверждает Периандр, седьмой мудрец.
«Что бы я ни делал, это учило бы меня, особенно если бы не удавалось мне» — так говорит свободный ум, любитель познания: он смеется, когда его из-за этого упрекают в слабости воли и неразумии.
372. Знал ли я угрызения совести? — Моя память молчит в ответ.
373. Мораль — это донаучная форма объяснения наших аффектов и состояний. Мораль относится к прежней патологии чувств как алхимия к химии.
374. Нет никаких моральных феноменов, а только моральная интерпретация определенных феноменов (ложная интерпретация!).
375. Преступник, как правило, не дорос до своего деяния, он отрекается и порочит его.
376. «Лучше уж лежать в постели и чувствовать себя больным, чем быть вынужденным что-либо делать» — вот тайный принцип всех самоистязателей.
377. Заметив, что я совпадаю во мнении с другими, я начинаю слегка сомневаться в том, в чем мы совпадаем.
378. Человеку познающему pia fraus еще меньше по вкусу, чем impia fraus.
379. Следует опасаться святой простоты: именно она подбрасывала дрова во все костры, на которых сжигали.
380. Некогда религиозные объяснения заменяли естественнонаучные; и теперь еще моральные объяснения заменяют физиологические. Кто мало думает и мало учился, списывает все на мораль: свое дурное настроение из-за погоды, несварение, малокровие, потребности в опорожнении и восполнении, свои неуспехи, раздражительность, неудовлетворенность, неуверенность.
381. Если бы ты решил громко высказать всё, что уже совершил в мыслях, каждый закричал бы: «Долой этого отвратительного червя! Он позорит землю» — и каждый забыл бы, что совершил то же самое в собственных мыслях. — Такими моралистами делает нас чистосердечность.
В моральности, говоря физиологически, находит выражение ассимиляционный инстинкт слабых по отношению к сильным.
382. «Я люблю ее и потому хочу, чтобы она тоже любила, — но почему именно меня? Я недостаточно люблю себя для этого» — так говорит устами мужчины божественная любовь.
Хочешь очаровать его? Притворись смущенной.
383. Требование ответной любви есть тщеславие и чувственность.
384. Люди, которые с сомнением относятся к самим себе, еще больше хотят быть любимыми, чем любить, — чтобы им можно было хоть на миг поверить в себя.
Бог, который любит, недостоин быть еще и любимым — скорее он хочет, чтобы его ненавидели.
385. Любовь к сверхчеловеку есть лекарство против сострадания человеку, от которого человечество должно бы очень быстро погибнуть.
386. Еще немного сострадания среди людей — и придет отчаяние перед жизнью.
387. «Люби ближнего своего», т.е. прежде всего «дай своему ближнему уйти»! И как раз эта часть добродетели всего труднее.
388. Маленькое страдание делает нас меньше, большое — больше. Воля к большому страданию, таким образом, должна быть требованием себялюбия.
389. Лучше злое общество, чем маленькое!
390. Чарующее произведение! Однако сколь невыносимо, что его создатель все время напоминает нам: это его творение. Неужели он не знает, что «отец» — всегда комическая фигура?
391. Много маленького счастья одаривает нас многими мелкими несчастьями — и этим портит характер.
392. Всякое удобство надо использовать лишь так, как больной использует кровать, — для выздоровления.
393. Смущению очень умных людей не верят.
394. «Я призван созерцать, а не верить; все верующие для меня чужды и шумны».
395. Бывает, что заносчивость добра выглядит как злоба. Наше тщеславие уязвить труднее всего именно тогда, когда уязвлена наша гордость.
396. Эти две бабенки, прошлое и будущее, так шумят, что настоящее убегает от них.
397. Сделать из «мне хочется» «ты должен», перечеканить привычку в добродетель, нравы в нравственность — это старое доброе фальшивомонетничество, которым я все еще владею.
398. «Ты должен» для многих звучит приятнее, чем «я хочу»: в их ушах все еще стадный инстинкт.
399. В определенном болезненном состоянии нельзя не быть скупым. Скупость — это аффект. Вы слишком любите трезвость духа, и эта скупость тоже болезнь.
400. Мы становимся недоверчивыми не потому, что находим для этого причину, но если мы стали недоверчивыми, «мы всегда найдем причину», чтобы быть недоверчивыми.
401. При определенных обстоятельствах общий вред бывает меньшим, если кто-нибудь вымещает свои аффекты на других, а не на себе самом: в частности, это относится к творческим натурам, чья польза долговечна.
402. Какая была бы жалость, если бы у людей не было их мелких злых мыслей! Насколько больше удовольствий они им приносят, сколь много боли они им экономят!
403. Человек всегда гораздо больше обезьяна, чем иная из обезьян.
404. Это сердце воодушевляет и это дух дает сердцу мужество и хладнокровие перед лицом опасности. Что за язык!
405. Что? Великий человек? Я вижу в нем лишь актера своего идеала.
Себялюбие воров, разбойников, ростовщиков и спекулянтов довольно непритязательно и скромно: нелегко желать от людей меньшего, чем их деньги.
406. «Фауст» — трагедия познания? В самом деле? Я смеюсь над «Фаустом».
407. Самые высокие трагические мотивы остаются до сих неиспользованными: поэтам неведомы 100 трагедий совести.
408. Говорят о причинах аффектов, а имеют в виду сопровождающие их обстоятельства.
409. Он пожертвовал людьми ради своего познания и ничем так не гордится, как этой жестокостью по отношению к самому себе.
410. Сострадание в познающем почти что смешно — как нежная кожа у великана.
411. Продолжительная и сильная физическая боль воспитывает тирана.
412. Нужно быть и сострадательным, и жестоким, чтобы иметь возможность быть одним из двух.
413. Немало желавших изгнать своего дьявола сами вошли при этом в свиней.
414. Тот, кто «хвалит», обычно делает вид, будто воздает; на самом деле он хочет, чтобы его отблагодарили.
415. В аффекте раскрывается не человек, а его аффект.
Наши глаза слышат лучше ушей: мы понимаем и наслаждаемся больше при чтении, чем слушая, и это относится не только к книгам, но и к музыке.
416. Конкубинат испорчен — браком.
417. Христианство отравило эрос; хотя он от этого и не погиб, но выродился в «порок».
Полными страстей, но бессердечными и актерствующими — такими были греки и даже греческие философы, например Платон.
418. Только у бессердечных людей искренность честна и почти стыдлива.
419. Немножко зависти в начале — а следом великая любовь? Так от трения спички случается взрыв.
420. Если бы богиня Музыка желала говорить словами, а не звуками, пришлось бы затыкать уши.
421. Радоваться похвале у одних считается тщеславием духа, у других — признаком вежливости сердца.
422. Лгут языком, а губами и ртом говорят правду — так рождается физиономист.
423. Чувственность опережает рост любви, так что корни остаются слабыми и все растение легко вырвать.
424. Некоторые люди глубоко нуждаются в своем враге: только у него сквозит ненависть с первого взгляда.
425. Глаз мой различает идеалы других людей, а их вид часто восхищает меня, но вы, близорукие, думаете, что это мои идеалы!
426. Мораль любого общества гласит, что уединение — это грех.
427. Почти во всяком живущем кроется паразит.
428. Если относительно какого-либо человека приходится менять свое мнение, то на его счет записывают причиняемые этим неудобства.
429. В снисходительности к людям нет ненависти, но именно поэтому — много презрения.
430. Плохо отплачивает учителю тот, кто всегда остается «учеником».
431. Это так же, как с деревом: чем больше оно стремится в высоту и к свету, тем глубже устремляются корни его в землю, вниз, во мрак, в глубину, вширь, как говорится, к «злу».
432. Вы называете это саморазложением бога, но он всего лишь сдирает с себя кожу — кожу морали! И вскоре вы увидите его снова — по ту сторону добра и зла.
433. Народ — это окольный путь природы к пяти-шести великим людям.
434. На патриотических праздниках зрители тоже актеры.
435. Безобразное тоже имеет свой безобразный наряд: он называется «возвышенным».
436. Что хорошо? — «То, что мило и трогательно» — ответила маленькая девочка.
Если бог — это бог любви, то угрызение совести должно быть божественным угрызением и, следовательно, угрызением любви.
437. Мужественными, беззаботными, насмешливыми и даже немного насильниками — такими хочет видеть нас мудрость: она женщина и любит всегда только воина.
438. Много солдат, но мало мужей! Много униформ и намного больше однообразия.
439. «Жатва снова кончилась, ветер носится над пустыми полями — и теперь даже самый счастливый урожай показался бы мне огромной утратой» — так чувствует всякий творческий человек.
440. Двух вещей хочет настоящий мужчина: опасности и игры. Поэтому хочет он женщины, как самой опасной игрушки.
441. Женщина должна открыть и сохранить в мужчине ребенка.
442. Желая эмансипации женщины, добиваются лишь размужествления мужчины.
443. Мужчина должен быть воспитан для войны, а женщина для отдохновения воина; все остальное — глупость.
444. Словом «ученый» обозначают как солдат духа, так и — к сожалению — чулочников духа.
Нет более жалкого общества, чем ученые, — исключая тех немногих, у кого в теле и в голове сохранились воинственные желания.
Слишком мало мужчин — и поэтому женщины становятся мужеподобными.
445. Тонкость в том, что, решив стать писателем, бог выучил греческий, — и что он не выучил его получше.
Этот мыслитель холоднее льда, поэтому об него обжигают пальцы и легко признают его пламенным.
3 [2]
Пиния и молния.
Прочь от людей расту, все выше;
Заговорю — и не услышат.
* *
Туда, где тучи, одиноко
Расту я в вышине.
* *
Они все гуще, и вот-вот
Их сумрак молния пробьет.
* *
3 [3]
Портофино.
Здесь, по ту сторону добра и зла,
Я ждал. (Я ждал ли?) И душа была
Равно доверчива и к тьме, и к свету,
И к звездам вечности, и к полдню лета.
* *
3 [4]
В открытом море.
Знай, дитя, что генуэзцу —
Веры нет, сказал Колумб, —
За предел он рвется сердцем,
Далью занят взгляд и ум.
* *
Тех, кто мил ему, он манит
Сквозь пространства и века — —
Вдаль, где к звездам в океане
Вечности бежит река.
3 [5]
Я либо разум, либо тело, но никогда не разум и тело — это два разных способа рассмотрения.
Пусть это мой дух философствует: я всегда считал, что это мое тело: оно размышляет о своем пути к здоровью и при этом предвкушает радость здоровья.
Наши мысли, как и само наше мышление, в любом случае являются инстинктивно выбранными средствами для достижения определенного физического состояния: и притом очень тонкими средствами!
3 [6]
Россини после первой постановки «Гугенотов»: «Ну, маэстро, что вы думаете об этой музыке?» Музыке? Я ничего не слышал
Многолетнее соперничество между Rachel и Fl. Maxime между Talma и Hr. Lafon.