11, 34[1-272] April-Juni 1885
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Gai saber.
Selbst-Bekenntnisse.
Von
Friedrich Nietzsche.
S: Im Grunde ist mir das Wort zu feierlich: ich glaube bei mir weder an das Bekennen noch an das Selbst.
Im Grunde ist das Wort mir zu feierlich: wollte ich das Buch aber so nennen, wie es mir besser gefiele, “500 000 Meinungen,” so würde es meinen Lesern zu possenhaft klingen. In Rücksicht also auf meine Leser
Hohe Erziehung.
Die höchste Erziehung.
Gedanken über die Philosophen der Zukunft.
Vermuthungen über die Ph der Zukunft.
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Ich werde Jahr für Jahr offenherziger, in dem Maaße, in welchem mein Blick für dieses neunzehnte Jahrhundert, für dies Jahrhundert der großen mor Tartüfferie, tiefer und tiefer wird: ich finde immer weniger Gründe, heute—hinter dem Berge zu halten. Welche Meinungen könnten heute gefährlich sein! wo nichts mehr “in tiefe Brunnen” fällt! Und wären sie gefährlich und zerstörerisch: es ist wünschenswerth daß Vieles umfällt, damit Vieles gebaut werden muß
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In meiner Jugend hatte ich Unglück: es lief mir ein sehr zweideutiger M über den Weg: als ich ihn als das erkannte, was er ist, nämlich ein großer Schauspieler, der zu keinem Ding ein ächtes Verhältniß hat (selbst zur Musik nicht): war ich so angeekelt und krank, daß ich glaubte, alle berühmten M seien Schauspieler gewesen sonst wären sie nicht berühmt geworden, und an dem, was ich “Künstler” nannte, sei eben das Hauptsächliche die schauspielerische Kraft.
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Wie verkleidet hatte ich das zum Vortrag gebracht, was ich als “dionysisch” empfand! Wie gelehrtenhaft und eintönig, wie bei weitem nicht gelehrt genug, um auch nur die Wirkung hervorzubringen, einigen Generationen von Philologen ein neues Feld der Arbeit zu eröffnen! Dieser Zugang zum Alterthum ist nämlich am besten verschüttet; und wer sich eingebildet hat, besonders über die Griechen weise zu sein, Goethe z. B. und Winckelmann, hat von dorther nichts gerochen. Es Scheint, die griechische Welt ist hundertmal verborgener und fremder, als sich die zudringliche Art heutiger Gelehrten wünschen mag. Wenn hier je erkannt werden soll, so gewiß nur das Gleiche durch das Gleiche. Und wiederum—nur Erlebnisse aus aufspringenden Quellen—die geben auch jenes neue große Auge, das Gleiche in der vergangenen Welt wiederzuerkennen.
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NB. Die größten Ereignisse gelangen am schwersten den Menschen zum Gefühl: z. B. die Thatsache, daß der christliche Gott “todt ist,” daß in unseren Erlebnissen nicht mehr eine himmlische Güte und Erziehung, nicht mehr eine göttliche Gerechtikeit, nicht überhaupt eine immanente Moral, sich ausdrückt. Das ist eine furchtbare Neuigkeit, welche noch ein paar Jahrhunderte bedarf, um den Europäern zum Gefühl zu kommen: und dann wird es eine Zeitlang scheinen, als ob alles Schwergewicht aus den Dingen weg sei. —
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Ich habe mich durch das glänzende Erscheinen des deutschen Reichs nicht täuschen lassen. Ich nahm als Hintergrund, als ich meinen Zarathustra schrieb, einen Zustand in Europa, bei dem auch in Deutschland dasselbe schauerliche und schmutzige Parteitreiben herrscht, welches wir heute schon in Frankreich finden.
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Hat man je schon einem Weibskopfe “Tiefe” zugestanden? Ich habe vor keinem Weibskopfe bisher Respekt gehabt. D’Epinay im Vergleich mit Galiani!
Und Gerechtigkeit,—ist jemals diese
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Die Italiäner allein in der blutigen Satire ächt und ursprünglich. Von Buratti an, der dem Genie Byron die entscheidende Wendung gab. Selbst an Carducci ist nichts, was nicht Deutsche oder Franzosen besser gemacht hätten.
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Ich kenne mich nicht: die Aufforderung zur Selbst-Erkenntniß scheint mir ein göttlicher Spaaß oder eine griechische Kinderei (niaiserie): sie sind reich daran!— Hat Einer aber über 500 Dinge seine Meinungen gesagt, so ist es möglich, daß Andere ihn “erkennen.” Wohlan!
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Affectation der “Wissenschaftlichkeit” z. B. “Femininisme,” aber auch: deutscher Zeitschriften-“Revuen-Styl”
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Unsere Zeit zehrt und lebt von der Moralität früherer Zeiten.
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Pascal beleidigt durch die Vorstellung daß das Wetter, daß helle und heitere Himmel auf ihn Einfluß habe. Jetzt—ist die Theorie des Milieu am bequemsten! alles übt Einfluß, das Resultat ist der Mensch selber.
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Dinge, mit denen mein Magen schlecht oder gar nicht fertig wird: Kartoffeln, Schinken, Senf, Zwiebeln, Pfeffer, alles in Fett gebackene, Blätterteig, Blumenkohl, Kohl, Salat, alle geschmälzten Gemüse, Wein, Würste, Buttersauce am Fleisch, Schnittlauch, frische Brotkrume, alles gesäuerte Brod
Alles auf dem Rost Gebratene, alles Fleisch saignant, Kalb, Rostbeef, Gigot, Lamm, Eidotter Milch auch Schlagsahne, Reis, Gries, gekochte warme Äpfel, grüne Erbsen Bohnen Carotten Wurzeln Fisch, frische Butter braune Weiß-Brodkruste.
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Die Art offener und herzhafter Vertraulichkeit, wie man sie heute, in einem demokratischen Zeitalter, nöthig hat, um beliebt und geachtet zu sein—kurz das, worauf hin man heute als “rechtschaffener Mensch” behandelt wird: das giebt einem Moralisten viel zu lachen. Alle tiefen Menschen genießen hier ihre Art Erleichterung; es macht so viel Vergnügen, Komödie zu spielen und
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Die Alten lasen laut.
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Unter unmäßigen Menschen, z.B. engländischem Pöbel, gewinnt natürlich die Lehre der Enthaltsamkeit ungeheure Kraft. Unter Mäßigen ist sie eine Sache zum Lachen.
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Dionysisch. Welche unglückliche Schüchternheit, von einer Sache als Gelehrter zu reden, von der ich hätte als “Erlebter” reden können. Und was geht den, der zu dichten hat, die “Ästhetik” an! Man soll sein Handwerk treiben, und die Neugierde zum Teufel jagen!
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Das XX. Jahrhundert.
Der Abbé Galiani sagt einmal da ich nun durchaus nicht die unkriegerischen Ansichten meines verstorbenen Freundes Galiani theile, so fürchte ich mich nicht davor, Einiges vorherzusagen und also, möglicherweise, damit die Ursache von Kriegen heraufzubeschwören.
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Eine ungeheure Besinnung, nach dem schrecklichsten Erdbeben: mit neuen Fragen.
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NB. Die vorletzten Jahrhunderte lehnten die Gothik als eine Barbarei ab (der Gothe war damals synonym mit dem Barbaren): das vorletzte Jahrhundert lehnte Homer ab. Darin liegt ein Geschmack: ein starker Wille zu seinem Ja und seinem Nein.— Die Fähigkeit, Homer wieder genießen zu können, ist vielleicht die größte Errungenschaft des europäischen Menschen,—aber sie ist theuer genug bezahlt.
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Baudelaire, ganz deutsch bereits, eine gewisse hyper-erotische Ankränkelung abgerechnet, welche nach Paris riecht
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Taine, der die Kühnheit der Erfindung hatte, zwischen Hegel und Henri Beyle das Typische zu finden, seine Methode, welche wesentlich heißt: die Geschichte kann nur durch Begriffe begriffen werden; die Begriffe aber muß der historische Mensch schaffen: und die Geschichte, wo es nur 4, 5 Faktoren giebt, ist am begreiflichsten.
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die Maskerade des bourgeois, z. B. als Salambô und als heiliger Antonius
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Manche, im Grunde flache und leichte Wesen—Völker sowohl wie Einzelne—haben ihre schätzenswerthesten und höchsten Augenblicke, wenn sie einmal, zu ihrer Verwunderung, schwer und schwermüthig werden. Ebenso ist vielleicht für das Vieh von Pöbel, welches ehemals im englischen Puritanismus oder heute als englische Heils-Armee moralisch zu grunzen anfieng—der Bußkrampf ihre höchste Leistung von “Humanität”; das soll man billig anerkennen. —
Aber Andere werden höher, wenn sie leichter werden! Es ist kein Zweifel: wenn eine Art Mensch ganze Geschlechter hindurch als Lehrer Ärzte Seelsorger und Vorbilder gelebt hat, und ohne beständig nach Geld oder Ehre oder Stellungen auszublicken: so entsteht endlich ein höherer feinerer und geistigerer Typus. Insofern ist der Priester, vorausgesetzt daß er sich durch kräftige Weiber fortpflanzt, eine Art der Vorbereitung für die einstmalige Entstehung höherer Menschen.
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Solche dogmatische Menschen wie Dante und Plato sind am fernsten und vielleicht dadurch am reizvollsten: die in einem zurechtgezimmerten und festgeglaubten Hause der Erkenntniß wohnen. Der Erste in seinem eigenen, der Andere im christlich-patristischen.
Es gehört eine ganz verschiedene Kraft und Beweglichkeit dazu, in einem unvollendeten System, mit freien unabgeschlossenen Aussichten, sich festzuhalten: als in einer dogmatischen Welt. Leonardo da Vinci steht höher als Michelangelo, Michelangelo höher als Rafael.
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Man lobt unter den Gebildeten von Heute (welche alle pro pudor! Zeitungen lesen) die tiefen Menschen. Aber was dürften die, welche tiefe Menschen zu loben im Stande sind, selber von der Tiefe wissen!— Es sind gefährliche Menschen: daran ist gar nicht zu zweifeln. Man pflegt doch sonst die Abgründe nicht zu loben!
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Briefe
an einen philosophischen Freund.
Bei Gelegenheit
von Also sprach Zarathustra.
Von
Friedrich Nietzsche.
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Aberglaube: an das Seiende zu glauben, an das Unbedingte, an den reinen Geist, an die absolute Erkenntniß, an den absoluten Werth, an das Ding an sich! In diesen Ansätzen steckt überall eine contradictio.
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Skeptische Einreden.
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Die Wahrnehmung der Sinne geschieht uns unbewußt: alles, was uns bewußt wird, sind schon bearbeitete Wahrnehmungen
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Die große Loslösung macht er für sich—nicht, daß er sie von Anderen verlangt oder gar seine Pflicht drin sähe, sie Anderen mitzutheilen und aufzudringen
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Die große Ebbe seit Jahrtausenden in der Erfindung von Werthen
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| Die Gesetzgeber der Zukunft. |
| 1. Die Herkunft |
| 2. Der gebundenste Geist. |
| 3. Die grosse Loslösung. |
| 4. Das Leiden am Menschen. |
| 5. Der neue Wille. |
| 6. Der Hammer. |
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Acedia bei mir—umgekehrt wie bei den Mönchen. Ich ärgere mich über das übergroße Mitleiden bei mir: ich freue mich, wenn mein ego wach und guter Dinge ist.
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1. Abälard wollte in die kirchliche Autorität Vernunft bringen: schließlich fand Descartes, daß alle Autorität nur in der Vernunft sei.
2. Die Selbst-Überwindung der Vernunft inneres Problem Pascals—zu Gunsten des christlichen “Glaubens.”
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Das Problem des “Glaubens” ist eigentlich: ob der Instinkt mehr Werth hat als das Räsonnement, und warum!
Unter den vielen Streiten über “Wissen und Glauben,” Util und Intuitionismus verbirgt sich diese Frage der Werthschätzung.
Socrates hatte sich naiv auf Seiten der Vernunft gestellt, gegen den Instinkt. (Im Grunde aber war er doch allen moralischen Instinkten gefolgt, nur mit einer falschen Motivirung: als ob die Motive aus der Vernunft kämen. Ebenso Plato usw.)
Unwillkürlich suchte Plato, daß die Vernunft und der Instinkt dasselbe wollen. Ebenso bis auf heute Kant, Schopenhauer, die Engländer.
Im “Glauben” ist der Instinkt des Gehorsams gegen die höchste Autorität vorangestellt, also Ein Instinkt. Der kategorische Imperativ ist ein gewünschter Instinkt, wo dieser Instinkt und die Vernunft Eins sind.
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Kant, ein feiner Kopf, eine pedantische Seele
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NB. Man vergebe mir diese anmaaßliche Behauptung: genau weil ich eine höhere und tiefere, auch wissenschaftlichere Auffassung des Weibes habe, als die Emancipatoren und Emancipatricen desselben, wehre ich mich gegen die Emancipation: ich weiß besser, wo ihre Stärke ist, und sage zu ihnen: “sie wissen nicht, was sie thun.” Sie lösen ihre Instinkte auf! mit ihren jetzigen Bestrebungen.
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Bentham und der Utilitarismus ist abhängig von Helvétius—der ist das letzte große Ereigniß der Moral. In der deutschen Philosophie (Kant Schopenhauer) ist es immer noch “Pflicht” oder “Instinkt des Mitleidens”—die alten Probleme seit Sokrates (d. h. Stoicismus oder Christenthum, Aristokratie des Individuums oder Heerden-Güte)
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Ich brauche
| a) | Jemanden, der meinen Magen überwacht | |
| b) | Jemanden, der mit mir lachen kann und einen ausgelassenen Geist hat. | |
| c) | Jemanden, der stolz auf meine Gesellschaft ist u “der Andere” auch die richtige façon des Respekts gegen mich erhält | |
| d) | Jemanden, der mir vorliest, ohne ein Buch zu verdummen |
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Plaire—das große Geheimniß des französischen Willens, und im Grunde der Heerden-Moral. “Mitleid-haben,” Altruismus, ist die hypokritische Ausdrucksweise dafür.
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NB. Bisher gehörten die meisten Künstler (eingerechnet die Historiker), selbst einige der größten, unter die Bedienten (sei es von Ständen oder Fürsten oder Frauen oder “Massen”), nicht zu reden von ihrer Abhängigkeit von Kirche und Moralgesetz. So hat Rubens die vornehme Welt seiner Zeit porträtirt, aber nach einem ihr vorschwebenden Geschmack, nicht nach seinem Maaß der Schönheit,—im Ganzen also wider seinen Geschmack. Darin war van Dyk vornehmer: welcher allen denen, die er malte, etwas von dem beilegte, was er selber bei sich am höchsten ehrte: er stieg nicht hinab, sondern zu sich herauf, wenn er “Wiedergab.”
Die sklavische Unterthänigkeit des Künstlers vor seinem Publikum (wie sie selbst Sebastian Bach in unsterblich beleidigenden Worten dem Widmungsschreiben seiner Hohen Messe anvertraut hat) ist aus der Musik heraus vielleicht schwerer zu erkennen, aber sie steckt um so tiefer und gründlicher darin. Man würde es nicht aushalten, mir zuzuhören, wenn ich hierüber meine Beobachtungen mittheilen wollte.
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NB. Das langsame Hervortreten und Emporkommen der mittleren und niederen Stände (eingerechnet der niederen Art Geist und Leib), welches schon vor der französischen Revolution reichlich präludirt und ohne Revolution ebenfalls seinen Weg vorwärts gemacht hätte, im Ganzen also das Übergewicht der Heerde über alle Hirten und Leithämmel, bringt mit sich
1) Verdüsterung des Geistes: Das Beieinander eines stoischen und frivolen Anscheins von Glück, wie es vornehmen Culturen eigen ist, nimmt ab: man läßt viel Leiden sehn und hören, welche man früher ertrug und verbarg.
2) die moralische Hypokrisie, eine Art, sich durch Moral auszeichnen zu wollen, aber durch die Heerden-Tugenden Mitleid Fürsorge Wohlthaten, welche nicht außer dem Heerden-Vermögen erkannt und gewürdigt zu werden
3) die wirkliche große Menge von Mitleiden und Mitfreude, das Wohlgefallen im großen Beieinander, wie es alle Heerden haben—“Gemeinsinn,” “Vaterland,” alles, wo das Individuum nicht in Betracht kam
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Diderot zeigte sich, nach Goethe’s Urtheil, wahrhaft deutsch (Saint Ogan p. 248) in Allem, was die Franzosen tadelten. Aber auch die Neapolitaner, nach Galiani, acceptirten seinen Geschmack vollständig.
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Baudelaire, von deutschem Geschmack, wenn ihn irgend ein Pariser haben kann, empfindet deutsch, wenn er Victor Hugo nicht aushält und ihn einen “Esel von Genie” nennt.
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Wenn ich etwas von einer Einheit in mir habe, so liegt sie gewiß nicht in dem bewußten Ich und dem Fühlen Wollen Denken, sondern wo anders: in der erhaltenden aneignenden ausscheidenden überwachenden Klugheit meines ganzen Organismus, von dem mein bewußtes Ich nur ein Werkzeug ist.— Fühlen Wollen Denken zeigt überall nur Endphänomene, deren Ursachen uns gänzlich unbekannt sind: das Aufeinanderfolgen dieser Endphänomene, wie als ob eines aus dem anderen folgte, ist wahrscheinlich nur ein Schein: in Wahrheit mögen vielleicht die Ursachen solchergestalt an einander gebunden sein, daß die End-Ursachen nur den Eindruck logischen oder psychologischen Verbandes machen. Ich leugne, daß ein geistiges oder seelisches Phänomen direkte Ursache ist von einem anderen geistigen oder seelischen Phänomen: ob es gleich so scheint. Die wahre Welt der Ursachen ist uns verborgen: sie ist unsäglich complicirter. Der Intellekt und die Sinne sind ein vor allem vereinfachender Apparat. Unsere falsche, verkleinerte, logisirte Welt der Ursachen ist aber die Welt, in welcher wir leben können. Wir sind soweit “erkennend,” daß wir unsere Bedürfnisse befriedigen können.
Das Studium des Leibes giebt einen Begriff von den unsäglichen Complikationen.
Wenn unser Intellekt nicht einige feste Formen hätte, so wäre nicht zu leben. Aber damit ist für die Wahrheit aller logischen Thatsachen nichts bewiesen.
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Die listige Selbst-Verkleinerung des Socrates, um damit seinen Gegner arglos und sicher zu machen, so daß er sich gehn läßt und gerade heraus sagt, was er denkt: ein Kunstgriff des Pöbel-manns! Die Logik war nicht zu Hause in Athen.
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NB. Etwas hellerer Kopf und etwas guter Wille: und man hält es nicht mehr aus, aus Gründen des Geschmacks, seine Erlebnisse “zu Ehren Gottes” zurecht zu deuten, ich meine, überall die Spuren seiner Fürsorge, Warnung, Bestrafung, Erziehung zu sehn. Ebenso wie ein guter Philologe (und überhaupt jeder philologisch geschulte Gelehrte) einen Widerwillen gegen falsche Text-Ausdeutungen (z. B. die der protestantischen Prediger auf den Kanzeln—weshalb die gelehrten Stände nicht mehr in die K gehn—) hat, ebenso, und nicht infolge großer “Tugend” “Redlichkeit” usw., geht einem die Falschmünzerei der religiösen Interpretation aller Erlebnisse gegen den Geschmack.—
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Unsere Lust an Einfachheit, Übersichtlichkeit, Regelmäßigkeit, Helligkeit, woraus zuletzt ein deutscher “Philosoph” so etwas wie einen kategorischen Imperativ der Logik und des Schönen entnehmen könnte—davon gestehe ich einen starken Instinkt als vorhanden zu. Er ist so stark, daß er in allen unseren Sinnesthätigkeiten waltet und uns die Fülle wirklicher Wahrnehmungen (der unbewußten—) reduzirt, regulirt, assimilirt usw. und sie erst in dieser zurechtgemachten Gestalt unserem Bewußtsein vorführt. Dies “Logische,” dies “Künstlerische” ist unsere fortwährende Thätigkeit. Was hat diese Kraft so souverain gemacht? Offenbar, daß ohne sie, vor Wirrwarr der Eindrücke, kein lebendes Wesen lebte.
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(Ich sehe nicht ein, warum das Organische überhaupt einmal entstanden sein muß— —)
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In der Chemie zeigt sich, daß jeder Stoff seine Kraft so weit treibt als er kann, da entsteht etwas Drittes.
Die Eigenschaften eines Kindes sind aus der allergenauesten Kenntniß von Vater und Mutter nicht abzuleiten. Denn es sind die Wirkungen des Dritten auf uns, diese Eigenschaften: die Wirkungen des Ersten aber und die Wirkungen des Zweiten d. h. ihre Eigenschaften sind unmöglich zu addiren, als “Wirkungen des Dritten”
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Die Kette der Ursachen ist uns verborgen: und der Zusammenhang und die Abfolge der Wirkungen giebt nur ein Nacheinander: mag dasselbe auch noch so regelmäßig sein, damit begreifen wir es nicht als nothwendig.— Doch können wir hinter einander verschiedene Reihen, solcher Aufeinanderfolgen constatiren: z. B. beim Klavierspiel das Aufeinander der angeschlagenen Tasten, das Aufeinander der angeschlagenen Saiten, das Aufeinander der erklingenden Töne.
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Kritik des Instinkts der Ursächlichkeit.
Der Glaube, daß eine Handlung auf ein Motiv hin geschieht, ist instinktiv allmählig generalisirt worden, zu den Zeiten, wo man alles Geschehen nach Art bewußter lebender Wesen imaginirte. “Jedes Geschehn geschieht auf Grund eines Motivs: die causa finalis ist die causa efficiens” —
Dieser Glaube ist irrthümlich: der Zweck, das Motiv sind Mittel, uns ein Geschehn faßlich praktikabel zu machen.— Die Verallgemeinerung war ebenfalls irrthümlich und unlogisch.
Kein Zweck.
Kein Wille.
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Die umgekehrte Zeitordnung.
Die “Außenwelt” wirkt auf uns: die Wirkung wird ins Gehirn telegraphirt, dort zurechtgelegt, ausgestaltet und auf seine Ursache zurückgeführt: dann wird die Ursache projicirt und nun erst kommt uns das Factum zum Bewußtsein. D. h. die “Erscheinungswelt” erscheint uns erst als Ursache, nachdem “sie” gewirkt hat und die Wirkung verarbeitet worden ist. D.h. wir kehren beständig die Ordnung des Geschehenden um.— Während “ich” sehe, sieht es bereits etwas Anderes. Es steht wie bei dem Schmerz.
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Der Glaube an die Sinne. Ist eine Grundthatsache unseres Intellekts, er nimmt von ihnen entgegen das Roh-Material, welches er auslegt. Dies Verhalten zum Rohmaterial, welches die Sinne bieten, ist, moralisch betrachtet, nicht geleitet von der Absicht auf Wahrheit, sondern rein von einem Willen zur Überwältigung, Assimilation, Ernährung. Unsere beständigen Funktionen sind absolut egoistisch, machiavellistisch, unbedenklich, fein. Befehlen und Gehorchen auf’s Höchste getrieben, und damit vollkommen “gehorcht” werden kann, hat das einzelne Organ viel Freiheit.
Der Irrthum im Glauben an Zwecke.
Wille—eine überflüssige Annahme.
Die umgekehrte Zeit-Ordnung.
Kritik des Glaubens an Ursächlichkeit.
Der Glaube an die Sinne, als Grundthatsache unseres Wesens.
Die Central-Gewalt—darf nicht wesentlich verschieden sein von dem, was sie beherrscht.
Die Geschichte der Entstehung erklärt die Eigenschaften nicht. Letztere müssen schon bekannt sein. Historische Erklärung ist Reduktion auf ein uns gewohntes Aufeinander: durch Analogie.
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Die mechanistische Welt-Erklärung ist ein Ideal: mit so wenig als möglich möglichst viel zu erklären, d. h. in Formeln zu bringen. Nöthig noch: die Leugnung des leeren Raumes; der Raum bestimmt und begrenzt zu denken; ebenso wie die Welt als ewig sich wiederholend.
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Wie ein Volks-Charakter, eine “Volks-Seele” entsteht, das giebt Aufschluß über die Entstehung der Individual-Seele. Zunächst wird eine Reihe von Thätigkeiten ihm aufgezwungen, als Existenz-Bedingungen, an diese gewöhnt es sich, sie werden fester und gehen mehr in die Tiefe. Völker, welche große Wandelungen erleben und unter neue Bedingungen gerathen, zeigen eine neue Gruppirung ihrer Kräfte: dies und jenes tritt heraus und bekommt Übergewicht, weil es jetzt nöthiger ist zur Existenz, z. B. der praktische nüchterne Sinn am jetzigen Deutschen. Aller Charakter ist erst Rolle. Die “Persönlichkeit” der Philosophen—im Grunde persona.
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Die Zahl ist unser großes Mittel, uns die Welt handlich zu machen. Wir begreifen so weit als wir zählen können d. h. als eine Constanz sich wahrnehmen läßt.
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Durch moralische Hinterabsichten ist der Gang der Philos bisher am meisten aufgehalten worden.
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Auch innerhalb unserer Welt der Sinne, wenn wir sie nur verschärfen oder verschärft denken, ergiebt sich eine Welt, welche ganz anders auf unser Gefühl wirkt
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| Das Vorurtheil der Ursächlichkeit |
| das Vorurtheil des Willens |
| das Vorurtheil des Zwecks |
| das Vorurtheil der Persönlichkeit |
| Erkenntniß: ein falscher Begriff d. h. ein Begriff, zu dessen Aufstellung wir kein Recht haben. |
| Beseitigung | 1) | des Willens | ||
| 2) | der Zwecke als “wozu” und “wodurch” | |||
| 3) | folglich auch der Ursächlichkeit (welche aus Beidem sich ableitet) |
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“Wie sind synthetische Urtheile a priori möglich?”—“durch ein Vermögen dazu” war die berühmte Kantische Antwort, welche Vielen solche Genugthuung gegeben hat.
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Die nützlichsten Begriffe sind übrig geblieben: wie falsch sie auch immer entstanden sein mögen.
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Im ersten Buche der Glaube an die Wahrheit zu erschüttern: Wahrhaftigkeit ist nützlich, aber nur in einem kleinen Quantum, vor allem bei solchen, welche nichts zu verantworten haben. Ebenso die Achtung vor den Philosophen.
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Die allgemeine Vergröberung des europäischen Geistes, ein gewisses täppisches Geradezu, welches sich gerne als Geradheit, Redlichkeit oder Wissenschaftlichkeit rühmen hört: das gehört der Herrschaft des Gedankens des demokratischen Zeitgeistes und seiner feuchten Luft: noch bestimmter—es ist die Wirkung des Zeitungslesens. Bequemlichkeit will man oder Betrunkenheit, wenn man liest: bei weitem das Meiste, was gelesen wird, ist Zeitung oder Zeitungs-Art. Man sehe unsere Revuen, unsere gelehrten Zeitschriften an: jeder, der da schreibt, redet wie vor “ungewählter Gesellschaft” und läßt sich gehn, oder vielmehr sitzen, auf seinem Lehnstuhle.— Da hat es Einer schlimm, welcher am meisten Werth auf die Hintergedanken legt und mehr als alles Ausgesprochene die Gedankenstriche in seinen Büchern liebt.— Die Freiheit der Presse richtet den Stil zu Grunde und schließlich den Geist: das hat vor 100 Jahren schon Galiani gewußt.— Die “Freiheit des Gedankens” richtet die Denker zu Grunde.— Zwischen Hölle und Himmel, und in der Gefahr von Verfolgungen Verbannungen ewigen Verdammnissen und ungnädigen Blicken der Könige und Frauen war der Geist biegsam und verwegen geworden: wehe, wozu wird heute der “Geist”!
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Immer ironice: es ist eine köstliche Empfindung, einem solchen wahrhaftigen Denker zuzusehn. Aber es ist noch angenehmer, zu entdecken, daß dies Alles Vordergrund ist, und daß er im Grunde etwas Anderes will und auf sehr verwegene Weise will. Ich glaube, daß der Zauber des Socrates der war: er hatte eine Seele und dahinter noch eine und dahinter noch eine. In der vordersten legte sich Xenophon schlafen, auf der zweiten Plato und auf der dritten noch einmal Plato, aber Plato mit seiner eigenen zweiten Seele. Plato selber ist ein Mensch mit vielen Hintertheilen und Vordergründen.
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NB. Unser Zeitalter ist in seinen wesentlichsten Instinkten skeptisch: fast alle feineren Gelehrten und Künstler sind es, ob sie es sich schon nicht gerne zugeben. Der Pessimismus, des Nein-sagens ist nur für die Bequemlichkeit des Geistes leichter: unser feuchtes Zeitalter mit demokratischer Luft ist vor allem bequem. Wo der Geist delikater ist, sagt er: “ich weiß nicht”; und “ich traue mir und Niemandem mehr” und “ich weiß nicht mehr, wo aus, noch ein,” und “hoffen—das ist eine Phrase für Verlogene oder für demagogische Redner und Künstler.” Skepsis—ist der Ausdruck einer gewissen physiologischen Beschaffenheit, wie sie bei einer großen Kreuzung vieler Rassen nothwendig entsteht: die vielen vererbten Werthschätzungen sind mit einander im Kampf, stören sich gegenseitig am Wachsen. Die Kraft, welche hier am meisten abhanden kommt, ist der Wille: deshalb große Furcht vor der Verantwortlichkeit, weil Niemand für sich selber gut sagen kann. Versteck unter Gemeinschaften, “Eine Hand deckt die andere” heißt es da. So bildet sich eine Heerden-Art aus: und wer einen starken befehlerischen und verwegenen Willen hat, kommt unbedingt auch zur Herrschaft in solchen Zeiten.
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Man klagt, wie schlimm es bisher die Philosophen gehabt haben: die Wahrheit ist, daß zu allen Zeiten die Bedingungen zur Erziehung eines mächtigen verschlagenen verwegenen unerbittlichen Geistes günstiger waren als heute. Heute hat der Demagogen-Geist, wie auch der Gelehrten-Geist günstige Bedingungen. Aber man sehe doch unsere Künstler an: ob sie an einer Zuchtlosigkeit fast nicht alle zu Grunde gehen. Sie werden nicht mehr tyrannisirt, so lernen sie auch nicht mehr, sich selber tyrannisiren. Wann war das Weib so gering, wie heute! Alles wird schwächer, weil Alles es bequem haben will.— Ich bin durch die härteste Schule körperlicher Schmerzen gegangen: und das Bewußtsein, darunter mich selber festgehalten zu haben und schweigsam — —
34 [69]
Die feinsten Köpfe des vorigen Jahrhunderts, Hume und Galiani, alle mit Staatsdiensten vertraut: ebenso Stendhal Tocqueville
34 [70]
Hume fordert (um mit Kants Worten zu reden) die Vernunft auf, ihm Rede und Antwort zu geben, mit welchem Rechte sie sich denkt: daß etwas so beschaffen sein könne, daß, wenn es gesetzt ist, dadurch auch etwas anderes nothwendig gesetzt werden müsse, denn das sagt der Begriff der Ursache. Er bewies unwidersprechlich, daß es der Vernunft ganz unmöglich sei, a priori und aus Begriffen eine solche Verbindung zu denken usw.— Aber die Thorheit war, nach Gründen für das Recht der Begründung zu fragen. Er that das Thun, welches er eben prüfen wollte.
34 [71]
Die Lüge des Erziehers z. B. bei Kants kategorischem Imperativ. “Sollte Gott doch ein Betrüger sein, trotz Descartes?”
34 [72]
NB. Wahrhaftig, moralisch-streng und häßlich gehört zusammen: das hat das Christenthum gut gefühlt. Der schöne Mensch kann weder wahrhaftig, noch gütig sein, nur ausnahmsweise.
34 [73]
Was uns ebenso von Kant, wie von Plato und Leibnitz trennt: wir glauben an das Werden allein auch im Geistigen, wir sind historisch durch und durch. Dies ist der große Umschwung. Lamarek und Hegel—Darwin ist nur eine Nachwirkung. Die Denkweise Heraklit’s und Empedokles’ ist wieder erstanden. Auch Kant hat die contradictio in adjecto “reiner Geist” nicht überwunden: wir aber.
34 [74]
Der menschliche Horizont. Man kann die Philosophen auffassen als solche, welche die äußerste Anstrengung machen, zu erproben, wie weit sich der Mensch erheben könne, besonders Plato: wie weit seine Kraft reicht. Aber sie thun es als Individuen; vielleicht war der Instinkt der Cäsar, der Staatengründer usw. größer, welche daran denken, wie weit der Mensch getrieben werden könne, in der Entwicklung und unter “günstigen Umständen.” Aber sie begriffen nicht genug, was “günstige Umstände” sind. Große Frage: wo bisher die Pflanze “Mensch” am prachtvollsten gewachsen ist. Dazu ist das vergleichende Studium der Historie nöthig.
34 [75]
Es ist merkwürdig, wie die Stoiker und fast alle Philosophen keinen Blick für die Ferne haben. Und dann wieder die Dummheit der Socialisten, welche immer nur die Bedürfnisse der Heerde repräsentiren.
34 [76]
Die mechanistische Vorstellung, als regulatives Princip der Methode voranzustellen. Nicht als die bewiesenste Weltbetrachtung, sondern als die, welche die größte Strenge und Zucht nöthig macht und am meisten alle Sentimentalität bei Seite wirft. Zugleich eine Probe für das physische und seelische Gedeihen: mißrathene willensschwache Rassen gehen daran zu Grunde, durch Sinnlichkeit oder durch Melancholie oder, wie Inder, durch Beides.
34 [77]
Großes Lob auf das Christenthum als die ächte Heerden-Religion.
34 [78]
Mittag und Ewigkeit.
- Frei zum “wahr” und “unwahr”
- frei zum “gut” und “böse”
- frei zum “Schön” und “häßlich”
- der höhere Mensch als der mächtigere, und die bisherigen Versuche: “es ist die rechte Zeit.”
- der Hammer—eine Gefahr, an der der Mensch zerbrechen kann.
34 [79]
Kant meinte, mit seiner Kategorien-Tafel in der Hand “das ist das Schwerste was jemals zum Behufe der Metaphysik unternommen werden konnte.”— man mißverstehe doch ja nicht, wo er seinen Stolz hatte.
34 [80]
Derbheit und Delikatesse zusammen bei Petronius, auch bei Horaz: mir am angenehmsten. Es gehört zum griechischen Geschmack. Homer war den Menschen um La Rochefoucauld herum zu derb, sie konnten das Triviale nicht genießen. Sie hielten eine gewisse hohe Empfindung bei sich fest, wie jetzt viele Deutsche, und verachten sich, wenn etwas ein Genuß an niederen Sphären in ihnen sich regt. Aristophanes ist das Gegenstück: nihil humani—ist antik.
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An die Spitze zu stellen: auch die Instinkte sind geworden, sie beweisen nicht für das Übersinnliche, nicht einmal für das Animalische, nicht einmal für das typisch-Menschliche.
Daß der Geist geworden ist und noch wird, daß, unter zahllosen Arten des Schließens und Urtheilens, die uns jetzt geläufigste irgendwie uns am nützlichsten ist und sich vererbt hat, weil die so denkenden Individuen günstigere Chancen hatten: daß damit Nichts über “wahr” und “unwahr” bewiesen ist,
34 [82]
— Anti-Kant.
“Vermögen, Instinkt, Vererbung, Gewohnheit” wer mit solchen Worten etwas zu erklären meint, muß heute bescheiden und überdies schlecht geschult sein. Aber am Ausgange des vorigen Jahrhunderts wüthete es. Galiani erklärte alles aus Gewohnheiten und Instinkten. Hume erklärte den Causalitätssinn aus der Gewohnheit; Kant, mit großer Ruhe sagte: “es ist ein Vermögen.” Alle Welt war glücklich, besonders als er auch noch ein moralisches Vermögen entdeckte. Hier lag der Zauber seiner Philosophie: die jungen Theologen des Tübinger Stifts giengen in die Büsche—alle suchten nach “Vermögen.” Und was fand man nicht Alles! Schelling taufte es “die intellektuale Anschauung,” ein Vermögen für’s “Übersinnliche.” Schopenhauer meinte an einem schon bereits genügend geschätzten Vermögen, am Willen, dasselbe gefunden zu haben und mehr, nämlich “das Ding an sich.” In England entstanden die Instinktivisten und Intuitionisten der Moral. Es war die alte Sache vom Glauben und Wissen, eine Art “formaler Glaube” welcher irgend einen Inhalt in Anspruch nahm. Die Geschichte geht wesentlich die Theologen an. Im Stillen wird Leibnitz wieder lebendig, und hinter Leibnitz—Plato. Die Begriffe als usw. Diese skeptisch beginnende Bewegung ist in der That gegen die Scepsis gerichtet, sie hat einen Genuß in der Unterwerfung
34 [83]
NB. Das Lästigste, was die Schriften unklarer, schlecht geschulter und unphilologischer Geister an sich haben, ist noch nicht einmal ihre mangelhafte Schlußfähigkeit und der unfeste wackelnde Gang ihrer Logik. Es ist die Unfestigkeit der Begriffe selber, für welche sie sich der Worte bedienen: diese Menschen haben nur ungestaltete schwimmende Kleckse von Begriffen im Kopfe.— Den guten Autor aber zeichnet nicht nur die Kraft und Bündigkeit seiner Satz-Form aus: sondern man erräth, man riecht, falls man der Mensch feiner Nüstern ist, daß ein solcher Schriftsteller sich beständig zwingt und übt, vorerst seine Begriffe auf strenge Weise festzustellen und fester zu machen, also mit seinen Worten eindeutige Begriffe zu verbinden: und, bevor das nicht gethan ist, nicht schreiben mag!— Übrigens giebt es manchen Zauber auch im Unsicheren, Dämmernden, Halblichten: so wirkte vielleicht Hegel auf das Ausland am meisten durch seine Kunst, in der Weise eines Betrunkenen von den aller nüchternsten und kältesten Dingen zu reden. Dies war wirklich in dem großen Reiche der Berauschungen eine der seltsamsten, die je erfunden wurden,—und recht eigentlich eine Sache der deutschen Genialität! Denn wir haben, wohin nur Deutsche und deutsche “Tugenden” gedrungen sind, überall auch die Lust und Begierde der groben und feinen Alcoholica hingetragen und mitgebracht.— Vielleicht gehört hierhin auch die berückende Gewalt unserer deutschen Musik.
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NB. Was Plato und im Grunde alle Nach-Sokratiker thaten: das war eine gewisse Gesetzgebung der Begriffe:—sie stellten für sich und ihre Jünger fest “das und das soll unter uns bei diesem Worte gedacht und gefühlt werden”:—damit lösten sie sich am bestimmtesten aus ihrer Zeit und Umgebung los. Es ist dies eine der Arten feinen Ekels, mit dem sich höhere, anspruchsvollere Naturen gegen die unklare Menge und ihren Begriffs-Wirrwarr empören:
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Was ist denn diese ungeheure Macht, welche dermaaßen seit 2 Jahrtausenden die Philosophen narrt und die Vernunft der Vernünftigen zu Falle bringt? Jener Instinkt, jener Glaube, wie ihn das Christenthum verlangt: das ist der Heerden-Instinkt selber, der Heerden-Glaube des Thiers “Mensch,” das Heerden-Verlangen nach der vollkommenen Unterwerfung unter eine Autorität—(dasselbe, was aus dem deutschen Heerden-Instinkte heraus Kant den “kategorischen Imperativ” getauft hat.) In der That ist es die größte Erleichterung und Wohlthat, für gefährdete schwankende zarte schwache Heerden-Thiere, einen absolut Befehlenden, einen Leithammel zu bekommen: es ist ihre erste Lebensbedingung. Die Brahmanen verstanden sich auf diese Erleichterung, die Jesuiten ebenfalls, fast in allen Klöstern ist der Grund-Hang dieser: endlich einmal der ewigen Agitation, welche das Selbst-Sich-Befehlen mit sich bringt, los zu werden. Dieser Instinkt zum Glauben ist auch der eigentlich weibliche Instinkt; und wenn die Weiber Einen unerbittlichen Lehrer finden, der von ihnen Gehorsam und Niederwerfung will, oder auch nur einen Künstler, der das Weib in der Attitüde seiner “Vollkommenheit,” als; anbetendes hingebendes hingegebenes Geschöpf, als Opfer zeigt, wie z. B. R W, da sind sie vor Glück “außer sich”: nämlich in ihrem letzten Instinkte vor sich selber bestätigt und befriedigt.— In schwächerer Form sieht man es an den Franzosen, die, als die liebenswürdigsten Europäer, auch die heerdenmäßigsten sind: es wird ihnen nur wohl, wenn sie vor ihrem esprit es sich erlauben dürfen, einmal “unbedingt zu gehorchen”: wie vor dem Napoleon. Oder auch vor “den Ideen der französischen Revolution”—oder auch vor Victor Hugo (welcher sein langes Leben lang diesem allerschönsten Heerden-Instinkte immer im Namen der Freiheit schöne Worte und Prunkmäntel umgehängt hat).— Das Alterthum war, als das Christenthum kam, inwendig durch Gegensätze der Werthschätzungen hin- und hergerissen (in Folge der physiologischen Bedingung des unsinnigen Gleichheits-Begriffs civis Romanus oder von jener unsinnigen Staats-Erweiterung des imperium Romanum) und das Christenthum gab die große Erleichterung.
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Worte sind Tonzeichen für Begriffe: Begriffe aber sind mehr oder weniger sichere Gruppen wiederkehrender zusammen kommender Empfindungen. Daß man sich versteht, dazu gehört noch nicht, daß man dieselben Worte gebraucht: man muß dieselben Worte auch für dieselbe Gattung innerer Erlebnisse brauchen—und man muß diese gemeinsam haben. Deshalb verstehen sich die Menschen Eines Volkes besser: oder, wenn Menschen lange in ähnlichen Bedingungen des Climas, der Thätigkeiten, der Bedürfnisse zusammen gelebt haben, so gewinnt eine gewisse Gattung von solchen ihnen allen nächst verständlichen Erlebnissen die Oberhand: das schnelle Sich-Verstehn ist die Folge. Und das Sich-Verheirathen, und die Vererbung ist wieder die Folge davon. Es ist das Bedürfniß, schnell und leicht seine Bedürfnisse verstehn zu geben, was Menschen am festesten an einander bindet. Andererseits hält Nichts eine Freundschaft, Liebschaft fest, wenn man dahinter kommt, daß man bei den Worten Verschiedenes meint. Welche Gruppen von Empfindungen im Vordergrund stehn, das bedingt nämlich die Werthschätzungen: die Werthschätzungen aber sind die Folge unserer innersten Bedürfnisse. —
Dies ist gesagt, um zu erklären, warum es schwer ist, solche Schriften wie die meinigen zu verstehen: die inneren Erlebnisse, Werthschätzungen und Bedürfnisse sind bei mir anders. Ich habe Jahre lang mit Menschen Verkehr gehabt und die Entsagung und Höflichkeit so weit getrieben, nie von Dingen zu reden, die mir am Herzen lagen. Ja ich habe fast nur so mit Menschen gelebt. —
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Wir bilden uns ein, daß das Befehlende, Oberste in unserem Bewußtsein stecke. Zuletzt haben wir ein doppeltes Gehirn: die Fähigkeit, etwas von unserem Wollen, Fühlen, Denken selber zu wollen, zu fühlen und zu denken fassen wir mit dem Wort “Bewußtsein” zusammen.
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NB. Jene gesetzgeberischen und tyrannischen Geister, welche im Stande sind, einen Begriff fest zu setzen, fest zu halten, Menschen mit dieser geistigen Willenskraft, welche das Flüssigste, den Geist, für lange Zeit zu versteinern und beinahe zu verewigen wissen, sind befehlende Menschen im höchsten Sinne: sie sagen “ich will das und das gesehen wissen, ich will es genau so, ich will es dazu und nur dazu.” Diese Art gesetzgeberischer Menschen hat nothwendig zu allen Zeiten den stärksten Einfluß ausgeübt: ihnen verdankt man alle typischen Ausgestaltungen des Menschen: sie sind die Bildner—und der Rest (“die Allermeisten” M in diesem Falle—) sind gegen sie gehalten nur Thon.
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Die festgesetztesten Bewegungen unseres Geistes, unsere gesetzmäßige Gymnastik z. B. in Raum- und Zeit-Vorstellungen, oder in dem Bedürfniß nach “Begründung”: dieser philosophische habitus des menschlichen Geistes ist unsere eigentliche Potenz: also daß wir in vielen geistigen Dingen nicht mehr anders können: was man psychologische Nothwendigkeit nennt. Diese ist geworden: und zu glauben, unser Raum, unsere Zeit, unser Causalitäts-Instinkt sei etwas, das auch abgesehn vom Menschen Sinn habe, ist nachgerade eine Kinderei.
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Ich bin feindselig 1) gegen die Entsinnlichung: sie stammt von den Juden, von Plato, der durch Aegypter und Pythagoreer verdorben war (und diese durch Buddhisten)
Dem provençalischen Geiste, der heidnisch geblieben ist, ich meine “nicht germanisch,” verdankt man die Vergeistigung des amor der Geschlechtsliebe: während es das Alterthum nur zu einer Vergeistigung der Päderastie gebracht hat.
2) gegen alle Lehren, welche ein Ende, eine Ruhe, einen “Sabbat aller Sabbate” ins Auge fassen. Solche Denkweisen kennzeichnen gährende, leidende, oft auch absterbende Rassen, z.B. solche Verse, wie bei R W “Nibelungen”
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“Gewohnheit”: das bedeutet bei einem sklavisch gesinnten Menschen etwas Anderes als bei einem Vornehmen.
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Man verdankt der christlichen Kirche
1) eine Vergeistigung der Grausamkeit: die Vorstellung der Hölle, die Foltern und Ketzergerichte, die Autodafés sind doch ein großer Fortschritt gegen die prachtvolle aber halb blödsinnige Abschlächterei in den römischen Arenen. Es ist viel Geist, viel Hintergedanke in die Grausamkeit gekommen.— Sie hat viele Genüsse erfunden.
2) sie hat den Europäer-Geist fein und geschmeidig gemacht, durch ihre “Intoleranz.” Man sieht es sofort, wie in unserem demokratischen Zeitalter, mit der Freiheit der Presse, der Gedanke plump wird. Die Deutschen haben das Pulver erfunden—alle Achtung! Aber sie haben es wieder quitt gemacht: sie erfanden die Presse. Die antike Polis war ganz ebenso gesinnt. Das römische Reich ließ umgekehrt große Freiheit im Glauben und Nichtglauben: mehr als heute irgend ein Reich läßt: die Folge war sofort die allergrößte Entartung Vertölpelung und Vergröberung des Geistes.— Wie gut nimmt sich Leibnitz und Abälard, Montaigne, Descartes und Pascal aus! Die geschmeidige Verwegenheit solcher Geister zu sehn ist ein Genuß, welchen man der Kirche verdankt.— Der intellektuelle Druck der Kirche ist wesentlich die unbeugsame Strenge, vermöge deren die Begriffe und Werthschätzungen als festgestellt, als aeternae behandelt werden. Dante giebt einen einzigen Genuß dadurch: man braucht unter einem absoluten Regimente keineswegs beschränkt zu sein. Wenn es Schranken gab, so waren sie um einen ungeheuren Raum gespannt, Dank Plato: und man konnte sich darin bewegen, wie Bach in den Formen des Contrapunkts, sehr frei.— Baco und Shakespeare widern fast an, wenn man diese “Freiheit unter dem Gesetz” gründlich schmecken gelernt hat. Ebenso die neueste Musik im Vergleich zu Bach und Händel.
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Wie sich Friedrich der Grosse beständig über den “féminisme” in der Regentschaft seiner Nachbarstaaten lustig macht, so Bismarck über den “Parlamentarismus”: es ist ein neues Mittel, zu machen, was man will.
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Der Anblick des jetzigen Europäers giebt mir viele Hoffnung: es bildet sich da eine verwegene herrschende Rasse, auf der Breite einer äußerst intelligenten Heerden-Masse. Es steht vor der Thür, daß die Bewegungen zur Bindung der letzteren nicht mehr allein im Vordergrunde stehn.
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Gegen den falschen Idealismus, wo durch übertriebene Feinheit sich die besten Naturen der Welt entfremden. Wie schade, daß der ganze Süden Europas um die Vererbung jener gebändigten Sinnlichkeit gekommen ist, durch die Abstinenz der Geistlichen! Und daß solche Shelleys, Hölderlins, Leopardis zu Grunde gehn, ist billig, ich halte nicht gar viel von solchen Menschen. Es ergötzt mich, an die Revanchen zu denken, welche die derbe Natürlichkeit der Natur bei solcher Art Menschen nimmt z. B. wenn ich höre, daß L früher On trieb, später impotent war.
34 [96]
NB. Ein großer Mensch, ein Mensch, welchen die Natur in großem Stile aufgebaut und erfunden hat, was ist das? Erstens: er hat in seinem gesamten Thun eine lange Logik, die ihrer Länge wegen schwer überschaubar, folglich irreführend ist, eine Fähigkeit, über große Flächen seines Lebens hin seinen Willen auszuspannen und alles kleine Zeug an sich zu verachten und wegzuwerfen, seien darunter auch die schönsten “göttlichsten” Dinge von der Welt. Zweitens: er ist kälter, härter, unbedenklicher und ohne Furcht vor der “Meinung”; es fehlen ihm die Tugenden, welche mit der “Achtung” und dem Geachtetwerden zusammenhängen, überhaupt alles, was zur “Tugend der Heerde” gehört. Kann er nicht führen, so geht er allein; es kommt dann vor, daß er Manches, was ihm auf dem Wege begegnet, angrunzt. 3) er will kein “theilnehmendes” Herz, sondern Diener, Werkzeuge, er ist, im Verkehre mit Menschen, immer darauf aus, etwas aus ihnen zu machen. Er weiß sich unmittheilbar: er findet es geschmacklos, wenn er “vertraulich” wird; und er ist es gewöhnlich nicht, wenn man ihn dafür hält. Wenn er nicht zu sich redet, hat er seine Maske. Er lügt lieber, als daß er die Wahrheit redet: es kostet mehr Geist und Willen. Es ist eine Einsamkeit in ihm, als etwas Unerreichbares für Lob und Tadel, als eine eigene Gerichtsbarkeit, welche keine Instanz über sich hat.
34 [97]
Was ich an dem Deutschen gerne wahrnehme, das ist seine Mephistopheles-Natur: aber, die Wahrheit zu sagen, man muß sich einen höheren Begriff vom d M machen, als Goethe, nöthig hatte, um seinen “innewendigen Faust” zu vergrößern, seinen M zu verkleinern. Der wahre deutsche Mephistopheles ist viel gefährlicher, kühner, böser, verschlagener und folglich offenherziger: man denke sich das Innewendige von Friedrich dem Großen. Oder von jenem viel größeren Friedrich, von jenem Hohenstaufen Friedrich 2.— Der ächte deutsche Mephistopheles steigt über die Alpen, glaubt, daß ihm dort Alles zugehört. Deshalb wird ihm wohl, wie es Winckelmann wohl wurde, wie Mozarten. Er betrachtet Faust und Hamlet als Carikaturen, die zum Lachen erfunden sind, insgleichen Luther. Goethe hatte gute deutsche Augenblicke, wo er über das Alles innewendig lachte. Aber dann fiel er selber wieder in die feuchten Stimmungen zurück.
Das Erstaunen Napoleon’s, als er einen deutschen Dichter sah und—einen Mann fand! Er hatte erwartet, einen deutschen Dichter zu finden! —
Der Deutsche ist umfänglich: an die eine Seele hat sich eine zweite angebaut, es giebt Höhlen, Zwischengänge, er kann oberflächlich scheinen, die Offenheit und Biederkeit gehört zu den Kunstfertigkeiten des Deutschen.— “Gutmüthig und tückisch” ist bei anderen M eine Unmöglichkeit; aber man lebe nur eine Zeitlang unter Schwaben! —
34 [98]
Ein Zeitalter der Demokratie treibt den Schauspieler auf die Höhe, in Athen, ebenso wie heute. R W hat bisher Alles darin überboten, und einen hohen Begriff vom Schauspieler erweckt, der Schauder erwecken kann. Musik, Poesie, Religion, Cultur, Buch, Familie, Vaterland, Verkehr—alles vorerst Kunst, will sagen Bühnen-Attitüde!
34 [99]
Schweine-Deutsch! Verzeihung! Zeitungs-deutsch! Da lese Friedrich Albert Lange, ein braves Thier, welches man sogar, in Ermangelung braverer Thiere, deutschen Jünglingen anempfehlen darf: aber er schreibt zum Beispiel: “Mit dem Lobe der Gegenwart verbindet sich der Cultus der Wirklichkeit. Das Ideale hat keinen Cours; was sich nicht naturwissenschaftlich und geschichtlich legitimiren kann, wird zum Untergang verurtheilt.” Wozu lernt man eigentlich auf deutschen Schulen lateinisch und griechisch: wenn man nicht einmal den Ekel vor einem solchen schmutzigen Mischmasch lernt! Und welche Begeisterung haben gerade die eigentlichen Deutsch-Verderber erregt, ehemals Hegel, neuerdings Richard Wagner, allerjüngst Eugen Dühring!
34 [100]
Schrecklich zu denken, wenn ich durch meine Gedanken über das Weib irgend eine Schriftstellerin, nachdem sie sich und die Welt schon genugsam mit ihren Büchern gequält hat, zu dem Rachegedanken treiben könnte, zu Kindern zu kommen!
34 [101]
“Wenn ein Weib zu Kindern kommen will, läßt es gewöhnlich nicht die Kindlein zu sich kommen, sondern die Männer!” sagte eine alte Hebamme.
34 [102]
— Man gebe Acht darauf, ob das, was die Deutschen ihre Litteratur nennen, nicht zum besten Theile auf Pfarrerssöhne zurückgeht.— Nun liegt in dieser Abkunft der deutschen Prosa von vornherein die Wahrscheinlichkeit, daß die feierlichen, würdevollen, langsamen, gravitätischen Gattungen am besten gepflegt sind: daß es am Allegro oder gar am Presto fehlen wird. Die außerordentliche Munterkeit eines Stils, wie il principe (ganz abgesehn vom Ernste seiner Angelegenheit), die Kürze Kraft, eine Art Lust am Gedräng schwerer Gedanken, giebt einen Nachhall florentinischer Beredsamkeit, namentlich der Advokaten. Auch in Voltaire ist Advokaten-Geschick höchsten Ranges, Advokaten-tempo. Das schnellste tempo das ich vorfand bei einem Schriftsteller, ist bei Petronius: der läuft wie ein geschwinder Wind und ist folglich nicht lüstern: er ist zu lustig dazu.
34 [103]
Die Deutschen.
Vermuthungen und Wünsche
von
F. N.
34 [104]
NB. Die Deutschen, von denen ich hier nur rede, sind etwas Junges und Werdendes: ich trenne sie ab von den Deutschen der Reformation und des dr Krieges und will nicht an der Geschichtsfälscherei Antheil haben, welche über diese Kluft hinwegspringt: wie als ob damals nichts geschehen wäre. Daß sich in dem 16. Jahrhundert etwas mit ihnen zugetragen hat, was dem Untergang einer früheren Rasse gleich kommt, wird sich schwerlich leugnen lassen: diese Erscheinung der Entmuthigung, der Feigheit, der Greisenhaftigkeit, des chinesischen Zopfes, im Bilde zu reden—das muß im Ganzen die Folge einer furchtbaren Blutverderbniß gewesen sein, hinzugerechnet, daß die männlichen Männer fort und fort in’s Ausland giengen und im Auslande starben oder verdarben. Andererseits hat damals eine unfreiwillige Mischung mit wenig verwandten Rassen stattgefunden: die Unzucht des Krieges war, nach allen Beschreibungen, über die Maaßen unheilvoll. Es gab wohl hier und da noch Reste einer stärkeren Rasse: z. B. ist der Musiker Händel, unser schönster Typus eines Mannes im Reiche der Kunst, ein Zeugniß davon: oder, um ein Weib zu nennen—Frau Professor Gottsched, welche mit Fug und Recht eine gute Zeit lang über die deutschen Professoren das Scepter geführt hat,—man sehe sich doch die Bilder von Beiden an! Manche Gegenden reinigten sich schneller und kamen zur Gesundheit im Ganzen zurück, z. B. Hannover Westphalen Holstein,—da sitzt auch heute noch eine brave bäuerliche und phlegmatische Rasse.— Am schlimmsten stand es wohl mit dem deutschen Adel: der war am tiefsten geschädigt. Was davon zu Hause blieb, litt am Alcoholismus, was hinaus gieng und zurückkam, an der Syphilis. Bis heute hat er in geistigen Dingen wenig mitgeredet; und selbst was Bismarck betrifft, so ist seine Urgroßmutter aus dem Leipziger Professorenstande. —
34 [105]
Der Deutsche—nicht zu reden von den blödsinnigen deutschthümelnden Jünglingen, welche auch heute noch von “germanischen Tugenden” faseln—seine mystische Natur. Es gab noch keine deutsche Bildung: es gab Einsiedler, welche sich mit erstaunlichem Geschick verborgen zu halten wußten, inmitten der gröbsten Barbarei.
34 [106]
Der deutsche Schreibe-stil.
Mephistopheles.
34 [107]
Brutalität und dicht dabei krankhafte Zärtlichkeit des sinnlichen Gefühls bei R W—ist höchst Pariserisch.
34 [108]
Ich nehme die demokratische Bewegung als etwas Unvermeidliches: aber als etwas, das nicht unaufhaltsam ist, sondern sich verzögern läßt. Im Großen aber nimmt die Herrschaft des Heerden-Instinkts und Heerden-Werthschätzungen, der Epicureisme und das Wohlwollen mit einander zu: der Mensch wird schwach, aber gut und gemüthlich.
34 [109]
NB. Die Parlamente mögen für einen starken und biegsamen Staatsmann äußerst nützlich sein, er hat da etwas, worauf er sich stützen kann—jedes solche Ding muß widerstehn können!— wohin er viele Verantwortung abwälzen kann! Im Ganzen aber wünschte ich, daß der Zahlen-Blödsinn und der Aberglaube an Majoritäten sich noch nicht in D wie bei den lateinischen Rassen festsetzte; und daß man endlich auch noch etwas in politicis erfinde! Es hat wenig Sinn und viel Gefahr, die noch so kurze und leicht wieder ausrottbare Gewohnheit des allgemeinen Stimmrechts tiefer Wurzel schlagen zu lassen: während seine Einführung doch nur eine Noth- und Augenblicks-Maaßregel war.
34 [110]
Mir scheint das erfinderische Vermögen und die Anhäufung von Willens-Kraft am größten und unverbrauchtesten bei den Slaven zu sein, Dank einem absoluten Regimente: und ein slavisches Erd-Regiment gehört nicht zu dem Unwahrscheinlichsten. Die Engländer wissen die Consequenzen ihrer eigenen starrköpfigen “Selbst-Herrlichkeit” nicht zu überwinden, sie bekommen auf die Dauer immer mehr die homines novi ans Ruder und zuletzt die Weiber ins Parlament. Aber Politik treiben ist zuletzt auch Sache der Vererbung: es fängt keiner an, aus einem Privatmann ein Mensch mit ungeheurem Horizonte zu werden.
34 [111]
Die Deutschen sollten eine herrschende Kaste züchten: ich gestehe, daß den Juden Fähigkeiten innewohnen, welchen ihre Ingredienz bei einer Rasse, die Weltpolitik treiben soll, unentbehrlich ist. Der Sinn für Geld will gelernt, vererbt und tausendfach vererbt sein: jetzt noch nimmt es der Jude mit dem Amerikaner auf.
34 [112]
Ich zeige auf etwas Neues hin: gewiß, für ein solches demokratisches Wesen giebt es die Gefahr des Barbaren, aber man sieht sie nur in der Tiefe. Es giebt auch eine andere Art Barbaren, die kommen aus der Höhe: eine Art von erobernden und herrschenden Naturen, welche nach einem Stoffe suchen, den sie gestalten können. Prometheus war ein solcher Barbar. —
34 [113]
Kein Volk von “Politikern von Beruf,” von Zeitungslesern!
34 [114]
Die Kleinheit und Erbärmlichkeit der deutschen Seele war und ist ganz und gar nicht eine Folge der Kleinstaaterei: man ist bekanntlich in noch viel kleineren Staaten stolz und selbstherrlich gewesen und nicht die Großstaaterei an sich macht die Seele freier und männlicher. In wessen Seele ein sklavischer Imperativ “du sollst und mußt knieen!” eine unfreiwillige Nackenbeugung gebietet vor Ehren-Titeln, Orden, gnädigen Blicken von Oben hinunter, der wird sich in einem “Reiche” nur noch tiefer bücken und den Staub vor dem großen Landesvater nur noch inbrünstiger auflecken, als er es vor dem kleinen that: daran ist nicht zu zweifeln.— Man sieht den Italiänern der unteren Stände es heute noch an, daß aristokratische Selbstgenugsamkeit und männliche Zucht und Gewißheit ihrer selber zur längsten Geschichte ihrer Stadt gehört und ihnen am besten vorgemacht worden ist; ein armer Gondoliere in Venedig ist immer noch eine bessere Figur als ein Berliner wirklicher Geheimrath, und zuletzt gar noch ein besserer Mann: das greift man mit den Fingern. Man frage darüber bei den Weibern an.
34 [115]
Die Bedienten-Seele.
Die Blut-Verderbniß.
Die moralische Tartüfferie.
Das “Gemüth.”
Die Unklarheit.
Die Verzögernden.
Muthmaßung über das Südländische.
Die Häßlichkeit.
Die Hinter-Seele.
Die Abhängigkeit von Frankreich.
Der deutsche Professor und der Offizier.
Die niaiserie allemande. .]
Der deutsche Schreibestil.
Die Einsiedler.
Das “Ewig-Weibliche” am deutschen Manne.
Der Rausch und die Musik.
Der “historische Sinn.”
Der Schauspieler.
Die Bequemlichkeit (Philister) und der Krieg.
Die Philosophen.
Der Pessimismus. (Vergleich mit Frankreich).
Mehr Heerdenthier als je—aber es giebt günstige Bedingungen auch für Einzelne.
34 [116]
Das Achtbarste an Kant ist, daß er über die Leibnitzische Verführung hinwegkam und das Beste vom vorigen Jahrhundert, den Sensualismus festhielt.
34 [117]
NB. Schopenhauer, in seiner Jugend durch die Romantiker verführt und von seinen besten Instinkten abgelenkt, war im Grunde Voltairianer mit Kopf und Eingeweiden, und recht ein Kind des vorigen Jahrhunderts—im Übrigen aber durch die Griechen und durch Goethe über den französischen Geschmack hinausgeführt—und vor allem—kein Theolog! Die “Unveränderlichkeit des Charakters,” auf deutsch vielleicht die Faulheit, und andererseits der Glaube an die Unfehlbarkeit des Genie’s (auf deutsch vielleicht die Eitelkeit) brachte ihn dazu, seine “Jugendsünde,” ich meine seine Metaphysik des Willens, vorzeitig heilig zu sprechen; und sich selber nicht mehr zu “entwickeln.” Ein M von seiner Begabung und inneren discordia hatte das Zeug zu fünf “besseren” Systems im Kopfe, und eines immer wahrer und falscher als das andre.
34 [118]
Wir verstehn einen “causalen” Zusammenhang nicht, wir sehen aber, daß ein Factum, um constatirt zu werden, mehrere Facta in sich begreifen. Unsere Analyse stellt ein Nacheinander auf. Die Zahlen, die sich dabei ergeben, bedeuten nichts für den Zusammenhang jener Erscheinungen unter sich, sondern können irreführen: weil der Mensch in manchen Instinkten festgestellt ist, ergiebt sich eine Ähnlichkeit der Zahlenverhältnisse im Bezug zu ihm.
34 [119]
Stehen unsere Gedanken in einem causalen unmittelbaren Verhältnisse zu anderen? Oder ist deren logische Verbindung ein Schein? Ich meine, eine Folge davon, daß die veranlassenden Vorgänge jedes dieser Gedanken in einer Verbindung stehn, welche sich uns als “Schluß” und dergleichen darstellt. Es sind lauter Endglieder?— Oder giebt es ein unmittelbares Einwirken eines Gedankens auf einen anderen? Ein “Verursachen” hier wenigstens?
34 [120]
Die Erscheinungswelt “leerer Schein und Trug,” das Causalltäts-Bedürfniß, welches zwischen Erscheinungen Verbindungen herstellt, ebenfalls “leerer Schein und Trug”—damit kommt die moralische Verwerfung des Trügerischen und Scheinbaren zu Wort. Man muß darüber hinweg gehn. Es giebt keine Dinge an sich, auch kein absolutes Erkennen, der perspektivische, täuschende Charakter gehört zur Existenz.
34 [121]
Daß meine Werthschätzung oder Verurtheilung eines Menschen noch keinem anderen Menschen ein Recht giebt zu der gleichen Werthschätzung oder Verurtheilung:— es sei denn, daß er mir gleich steht und gleichen Ranges ist. Die entgegengesetzte Denkweise ist die der Zeitungen: daß die Werthschätzungen von Menschen und Sachen Etwas “an sich” seien, zu denen Jeder wie nach seinem Eigenthume greifen dürfe. Hier ist eben die Voraussetzung, das Alle gleichen Ranges sind.— Wahrhaftig sein ist eine Auszeichnung
34 [122]
Daß Etwas Entstandenes nicht erkannt ist, wenn man seine Entstehung (Vater und Mutter) kennt: sondern daß man es schon kennen muß, um in den Entstehungs-Bedingungen etwas “Verwandtes” zu entdecken—und daß dies meist ein Schein ist:—in Wahrheit ist ja das Wiedererkennen des väterlichen und mütterlichen Elements im Kinde nur bei einem Aggregat möglich, und unwillkürlich suchen wir, um zu erklären, etwas Neues nur als ein Aggregat, eine Zusammenordnung zu fassen d. h. die Analyse bezieht sich nicht auf die wirkliche Entstehung, sondern auf eine fingirte, gar nicht geschehene “mechanische” Zusammenordnung und Addition. Der Erklärende nimmt die Thatsachen dümmer und einfacher als sie sind.
34 [123]
Daß der Mensch eine Vielheit von Kräften ist, welche in einer Rangordnung stehen, so daß es Befehlende giebt, aber daß auch der Befehlende den Gehorchenden alles schaffen muß, was zu ihrer Erhaltung dient, somit selber durch deren Existenz bedingt ist. Alle diese lebendigen Wesen müssen verwandter Art sein, sonst könnten sie nicht so einander dienen und gehorchen: die Dienenden müssen, in irgend einem Sinne, auch Gehorchende sein, und in feineren Fällen muß die Rolle zwischen ihnen vorübergehend wechseln, und der, welcher sonst befiehlt, einmal gehorchen. Der Begriff “Individuum” ist falsch. Diese Wesen sind isolirt gar nicht vorhanden: das centrale Schwergewicht ist etwas Wandelbares; das fortwährende Erzeugen von Zellen usw. giebt einen fortwährenden Wandel der Zahl dieser Wesen. Und mit Addiren ist überhaupt nichts gemacht. Unsere Arithmetik ist etwas zu Grobes für diese Verhältnisse und nur eine Einzel-Arithmetik.
34 [124]
Die Logik unseres bewußten Denkens ist nur eine grobe und erleichterte Form jenes Denkens, welches unser Organismus, ja die einzelnen Organe desselben, nöthig hat. Ein Zugleich-denken z. B. ist nöthig, von dem wir kaum eine Ahnung haben. Vielleicht ein Künstler der Sprache: das Zurückrechnen mit der Schwere und Leichtigkeit der Silben, das Vorausrechnen, zugleich das Analogie-suchen von der Schwere des Gedankens mit den lautlichen resp. den physiologischen Kehlkopf-Bedingungen, geschieht zugleich—aber freilich nicht als bewußt.
Unser Causal-Gefühl ist etwas ganz Grobes und Vereinzeltes gegen die wirklichen Causal-Gefühle unseres Organismus. Namentlich ist das “Vorher” und “Nachher” eine große Naivetät.
Zuletzt: wir mußten alles erst erwerben für das Bewußtsein, einen Zeit-sinn, Raum-sinn, Causal-sinn: nachdem es ohne Bewußtsein lange schon viel reicher existirt hatte. Und zwar eine gewisse einfachste schlichteste reduzirteste Form: unser bewußtes Wollen, Fühlen, Denken ist im Dienste eines viel umfänglicheren Wollens Fühlens und Denkens.— Wirklich?
Wir wachsen fortwährend noch, unser Zeit- Raumsinn usw. entwickelt sich noch.
34 [125]
Es läßt sich nichts voraussagen, aber bei einer gewissen Erhöhung des Typus Mensch kann eine neue Kraft sich offenbaren, von der wir bisher nichts wußten. (Nämlich eine Synthesis von Gegensätzen?)
34 [126]
Der Seufzer Kleist’s über die schließliche Unerkennbarkeit —
34 [127]
Wir sind Anfänger im Lernen z. B. mit unserer Art Logik. Oder unseren Leidenschaften. Oder unserer Mechanik. Oder unserer Atomistik, welche der ehrlichste Versuch ist, die Welt für das Auge zu construiren, und für den zählenden arithmetischen Verstand (also anschaulich und berechenbar)
34 [128]
Unsere “Mittel und Zwecke” sind sehr nützliche Abbreviaturen, uns Vorgänge handlich, überschaulich zu machen.
34 [129]
| 1. Der Wille zur Wahrheit. |
| 2. Jenseits von Gut und Böse. |
| 3. Der Mensch als Künstler. |
| 4. Von der hohen Politik. |
| 5. Der züchtende Gedanke. |
34 [130]
Das abstrakte Denken ist für Viele eine Mühsal, für mich, an guten Tagen, ein Fest und ein Rausch.
34 [131]
Wie ein Feldherr von vielen Dingen nichts erfahren will und erfahren darf, um nicht die Gesamt-Überschau zu verlieren: so muß es auch in unserem bewußten Geiste vor Allem einen ausschließenden wegscheuchenden Trieb geben, einen auslesenden, welcher nur gewisse facta sich vorführen läßt. Das Bewußtsein ist die Hand, mit der der Organismus am weitesten um sich greift: es muß eine feste Hand sein. Unsere Logik, unser Zeitsinn, Raumsinn sind ungeheure Abbreviatur-Fähigkeiten, zum Zwecke des Befehlens. Ein Begriff ist eine Erfindung, der nichts ganz entspricht; aber Vieles ein wenig: ein solcher Satz “2 Dinge, einem dritten gleich, sind sich selber gleich” setzt 1) Dinge 2) Gleichheiten voraus: beides giebt es nicht. Aber mit dieser erfundenen starren Begriffs- und Zahlenwelt gewinnt der Mensch ein Mittel, sich ungeheurer Mengen von Thatsachen wie mit Zeichen zu bemächtigen und seinem Gedächtnisse einzuschreiben. Dieser Zeichen-Apparat ist seine Überlegenheit, gerade dadurch, daß er sich von der Einzel-Thatsache möglichst weit entfernt. Die Reduktion der Erfahrungen auf Zeichen, und die immer größere Menge von Dingen, welche also gefaßt werden kann: ist seine höchste Kraft. “Geistigkeit” als Vermögen, über eine ungeheure Menge von Thatsachen in Zeichen Herr zu sein. Diese geistige Welt, diese Zeichen-Welt ist lauter “Schein und Trug,” ebenso schon wie jedes “Erscheinungsding”—und der “moral M empört sich wohl! (wie für Napoleon nur die wesentl Instinkte des Menschen bei seinen Rechnungen in Betracht kamen und er von den ausnahmsweisen ein Recht hatte, keine Notiz zu nehmen z. B. vom Mitleiden—auf die Gefahr hin, hier und da sich zu verrechnen)
34 [132]
Was ist denn “wahrnehmen”? Etwas-als-wahr-nehmen: Ja sagen zu Etwas.
34 [133]
NB. Es ist etwas Krankhaftes am ganzen bisherigen Typus der Philosophen, es mag viel an ihm mißrathen sein. Statt sich und die Menschen höher zu führen, gehen die Philosophen am liebsten bei Seite und suchen, ob es nicht einen anderen Weg gäbe: das ist vielleicht an sich schon das Anzeichen eines entartenden Instinkts. Der wohlgerathene Mensch freut sich an der Thatsache “Mensch” und am Wege des Menschen: aber—er geht weiter!
34 [134]
Was mein Werth-Urtheil ist, ist es nicht für einen Anderen. Das Annehmen von Werth-Urtheilen wie von Kleidungsstücken ist trotzdem die häufigste Thatsache: so entsteht von außen her erst Haut, dann Fleisch, endlich Charakter: die Rolle wird Wahrheit.
34 [135]
Diesen deutschen Idealisten habe ich oft zugesehn, sie aber nicht mir!— sie wissen und riechen nichts davon, was ich weiß, sie gehen ihren sanften Schlendergang, sie haben das Herz voll anderer Begierden als ich: sie suchen andere Luft, andere Nahrung, anderes Behagen. Sie sehen hinauf, ich sehe hinaus,—wir sehen nie das Gleiche.
— Mit ihnen umzugehn ist mir verdrießlich. Sie mögen an ihrem Leibe schon die Reinlichkeit lieben: aber ihr Geist ist ungewaschen, ihr “folglich” riecht mir faul, sie entrüsten sich, wo bei mir die fröhliche Neugierde anhebt, sie haben sich die Ohren nicht ausgewischt, wenn ich bereit bin, mein Lied zu singen.
34 [136]
— Dieser Sokrates, der schlaue Gründe dafür suchte, so zu handeln, wie die Sitte anbefahl, war ganz nach dem Herzen der “delphischen Priesterschaft”! und seine Bekehrung des Plato war das Meisterstück seiner Verführungs-Kunst. Die angelernten Begriffe als göttlichen Ursprungs, die volksthümlichen Werthschätzungen als die ewigen und unvergänglichen:—aber sie, für ein feineres Geschlecht, neu aufzuputzen, ihnen den Pfeffer und Beifuß der dialektischen Freude beizugesellen, sie unter einer geschwätzigen und verliebten Jugend zur Entzündung Rede- und That-Wetteifer zu benutzen —
34 [137]
— Sie sind mir so fremd: ich müßte ihnen, um mit ihnen zu leben, immer gerade das Entgegengesetzteste lehren, von dem, was ich für wahr halte und was mir erquicklich scheint: und unter ihnen erdachte ich das Sprüchwort “nicht nur das Gold, auch das Leder glänzt.”
34 [138]
In Deutschland hat es immer an Geist gefehlt, und die mittelmäßigen Köpfe kommen da schon zu den höchsten Ehren, weil sie schon selten sind. Was am besten geschätzt wird, das ist Fleiß und Beharrlichkeit und ein gewisser kaltblütiger kritischer Blick; und um solcher Eigenschaften willen ist deutsche Philologie, deutsches Kriegswesen über Europa Meister geworden.
34 [139]
NB. Für feinere und klügere Ohren klingt fast jedes Lob einer Tugend lächerlich: sie hören noch keine Tugend heraus z. B. wenn einer “bescheiden” genannt wird (falls er sich richtig abschätzt!) oder daß einer “wahrhaftig” heißt (falls er nicht getäuscht sein will!) oder “mitleidig” (falls er ein weiches nachgebendes Herz hat) keusch (falls er ein Frosch ist und andererseits doch nicht gern an Sümpfen lebt)
34 [140]
NB. Es giebt Arglosigkeit der wiss M, welche an Blödsinn grenzt: sie haben keinen Geruch davon, wie gefährlich ihr Handwerk ist, sie glauben im Grunde ihres Herzens, daß “Liebe zur Wahrheit” und “das Gute, Schöne und Wahre” ihre eigentliche Angelegenheit sei. Ich meine nicht “gefährlich” in Hinsicht auf die auflösenden Wirkungen, sondern in Hinsicht auf das ungeheure Schwergewicht der Verantwortlichkeit, welches Einer auf sich fühlt, welcher zu merken beginnt, daß alle Werthschätzungen, nach denen die Menschen leben, auf die Dauer den Menschen zu Grunde richten.
34 [141]
NB. Die entmännlichende und vielleicht entmannende Wirkung des vielen Betens gehört auch unter die Schädigungen des deutschen Wesens seit der Reformation. Es ist eine Sache schlechten Geschmacks unter allen Umständen, viel zu bitten, statt viel zu geben: die Mischung demüthiger Servilität mit einer hoffärtig-pöbelhaften Zudringlichkeit, mit der sich z. B. der heilige Augustin in seinen confessiones vor Gott wälzt, erinnert daran, daß der Mensch vielleicht nicht allein unter den Thieren das religiöse Gefühl hat- der Hund hat für den Menschen ein ähnliches “religiöses Gefühl.”— Der betende Verkehr mit G züchtet die erniedrigende Stimmung und Attitüde, welche auch in unfrommen Zeiten, durch Vererbung, noch ihr Recht behauptet: die Deutschen erstarben bekanntlich vor Fürsten oder vor Parteiführern oder vor der Phrase “als unterthänigster Knecht.” Es soll damit vorüber sein.
34 [142]
NB. Es ist mir nie in den Sinn gekommen, sämmtliche Tugenden aus dem Egoismus “abzuleiten.” Ich will erst bewiesen haben, daß es “Tugenden” sind und nicht nur zeitweilige Erhaltungs-Instinkte bestimmter Heerden und Gemeinden.
34 [143]
Diese weichliche Angst vor dem “gräßlichen Fanatismus”
34 [144]
NB.— er bewegte und schloß wieder die Lippen und blickte wie Einer, der noch Etwas zu sagen hat und zögert, es zu sagen. Und es dünkte denen, welche ihm zusahen, daß sein Gesicht dabei leise erröthet sei. Dies dauerte eine kleine Weile: dann aber, mit Einem Male, schüttelte er den Kopf, schloß freiwillig die Augen—und starb. —
Also geschah es, daß Zarathustra untergieng.
34 [145]
Er führt seine Freunde immer höher, auch an seine Höhle und endlich auf den hohen Berg: da stirbt er.
segnend: Gräberinsel Höhle.
Die Stationen: und jedes Mal Reden.
Mittag und Ewigkeit
Von
Friedrich Nietzsche.
Erster Theil:
die Heroldsrufe.
Zweiter Theil:
die Verkündigung.
Dritter Theil:
die Gelobenden.
Vierter Theil:
Aufgang und Untergang.
34 [146]
Einem, dem daran gelegen ist, unter welchen Bedingungen die Pflanze “Mensch” am kräftigsten in die Höhe wächst,—einem solchermaaßen Beschäftigten ist das Erscheinen einer neuen politischen Macht, falls sie nicht auf neue Gedanken sich stellt, noch kein Ereigniß: er hat kaum Zeit, näher zuzusehn.
Man mißverstehe mich nicht: ich wollte mit diesem Buche erklären, weshalb die Entstehung des deutschen Reiches mir gleichgültig geblieben ist: ich sehe einen Schritt weiter in der Demokratisirung Europas und auch einen Schritt weiter in der moral Verlogenheit Europas.— nichts mehr, nichts Neues. Die Demokratie aber ist die Form eines Verfalls des Staates, einer Entartung der Rassen, eines Übergewichts der Mißrathenden: das habe ich schon Ein Mal gesagt.
34 [147]
Ein Mensch, dem fast alle Bücher oberflächlich geworden sind, der vor wenigen Menschen der Vergangenheit noch den Glauben übrig hat, daß sie Tiefe genug besessen haben, um—nicht zu schreiben, was sie wußten.
Ich habe so viele verbotene Dinge gedacht und bin dort guter Dinge und immer zu Hause gewesen, wo auch rechtschaffenen und tüchtigen Geistern der Athem ausgeht: so sehe ich es immer mit Erstaunen, wenn ich noch etwas mitzutheilen finde. Ob ich gleich recht gut weiß, daß mir meine Gedankenstriche lieber sind als meine mitgetheilten Gedanken.
Wie viele Gelehrte könnte ich beschäftigen; und wenn ich vielleicht in einzelnen Fällen dies gethan habe —
Der Übelstand, den es hat, Gelehrte auf Gebiete zu treiben, wo Freiheit, Feinheit und Unbedenklichkeit noth thun, liegt darin, daß sie nicht über sich hinaus sehen können—daß sie dort keine Augen haben, wo sie keine Erlebnisse Um z. B. darzustellen, was das moralische Gewissen ist, dazu müßte Einer tief und verwundet und ungeheuer sein wie das Gewissen Pascals und dann noch jenen ausgespannten Himmel von heller und boshafter Geistigkeit besitzen, welche von oben herab dieses Gewimmel von Erlebnissen übersieht, ordnet und auslacht.
Als ich jünger war, meinte ich, daß mir einige hundert Gelehrte fehlten, welche ich wie Spürhunde in die Gebüsche—ich meine in die Geschichte der menschlichen Seele—treiben könnte, mir mein Wild aufzujagen. Inzwischen lernte ich, daß zu den Dingen, welche meine Neugierde reizen, auch Gehülfen schwer zu finden sind.
34 [148]
Ich glaube zu fühlen, daß Socrates tief war—seine Ironie war vor Allem die Nöthigung, sich oberflächlich zu geben, um überhaupt mit Menschen verkehren zu können—; daß Caesar Tiefe hatte: insgleichen vielleicht jener Hohenstaufe Friedrich der Zweite: sicherlich Leonardo da Vinci; in nicht geringem Grade Pascal, der nur dreißig Jahr zu früh starb, um aus seiner prachtvollen bitterbösen Seele heraus über das Christenthum selber hohnzulachen, wie er es früher und jünger über die Jesuiten gethan hat.
34 [149]
NB. Ich ehre M Angelo höher als Raffael, weil er, durch alle christlichen Schleier und Befangenheiten seiner Zeit hindurch, die Ideale einer vornehmeren Cultur gesehn hat, als es die christlich-raffaelische ist: während Raffael treu und bescheiden nur die ihm gegebenen Werthschätzungen verherrlichte und keine weitersuchenden, sehnsüchtigen Instinkte in sich trug. M Angelo aber sah und empfand das Problem des Gesetzgebers von neuen Werthen: ebenso das Problem des Siegreich-Vollendeten, der erst nöthig hatte, auch “den Helden in sich” zu überwinden; den zu Höchstem gehobenen Menschen, der auch über sein Mitleiden erhaben ward und erbarmungslos das ihm Unzugehörige zerschmettert und vernichtet,—glänzend und in ungetrübter Göttlichkeit. M A war, wie billig, nur in Augenblicken so hoch und so außerhalb seiner Zeit und des christlichen Europas: zumeist verhielt er sich condescendent gegen das Ewig-Weibliche am Christenthum; ja es scheint, daß er noch zuletzt gerade vor diesem zerbrach und das Ideal seiner höchsten Stunden aufgab. Es war nämlich ein Ideal, dem nur der Mensch der stärksten und höchsten Lebens-Fülle gewachsen sein kann, nicht aber ein altgewordener Mann! Im Grunde hätte er ja das Christenthum von seinem Ideale aus vernichten müssen! Aber dazu war er nicht Denker und Philosoph genug.— L da Vinci hat vielleicht allein von jenen Künstlern einen wirklich überchristlichen Blick gehabt. Er kennt “das Morgenland,” das innewendige so gut als das äußere. Es ist etwas Über-Europäisches und Verschwiegenes an ihm, wie es Jeden auszeichnet, der einen zu großen Umkreis von guten und schlimmen Dingen gesehn hat.
34 [150]
NB. Schopenhauer, ein rechtschaffner Denker, insgleichen kein übler Schriftsteller über philosophische Gegenstände, wenngleich für sich selber kein Philosoph: in Hinsicht auf die jetzige Jugend (und auch auf solche Alte, welche in ihren Ansprüchen an Schärfe der Begriffe, Helle des Himmels und—Wissenschaftlichkeit bescheiden sind) noch nicht zu ersetzen, denn er lehrt Verehrung, wo er selber verehrt hat, vor dem kritischen Geiste Kants, vor Goethe, vor den Griechen, vor den freigeistischen Franzosen; zu seiner Zeit war er vielleicht der best-gebildete Deutsche, mit einem europäischen Horizonte: es giebt selbst Augenblicke, wo er mit morgenländischen Augen sieht. Der Pessimismus, wie er ihn verstand, ist ebenfalls kein kleiner Lehrmeister der Verehrung auf Gebieten, wo Verehrung nicht zu Hause war: z. B. vor dem indischen Alterthum, vor dem alten eigentlichen Christenthum, dem katholischen, gegen welches die protestantische Schul-Erziehung den Geschmack wenden pflegt.
34 [151]
Über das “Genie.” Wie wenig Begabung z. B. bei R W! Gab es je einen Musiker, der in seinem 28. so arm war (nicht so unentwickelt, unaufgeschlossen, sondern so arm), daß er auf Meyerbeer neidisch war—so arg neidisch, um sich sein Leben-lang darüber zu ärgern? und folglich, mit der Folgerichtigkeit “schöner Seelen,” es ihm sein Lebenlang nachzutragen? Andererseits lernt man, wie Kant mit Recht Fleiß und Beharrlichkeit als das rühmt usw.
34 [152]
Unter guten Musikern gilt Verdi für reich, gegen W berechnet: der Gründe hatte, sparsam zu sein und seine “Erfindungen” gut “anzulegen,” Wucher mit “Leitmotiven” zu treiben und sein “Gold” bei sich zu behalten, daß man darauf hin einen tausendfach zu großen Credit genießt: hat es W den Juden abgelernt?
34 [153]
NB. Ein Weib will Mutter sein; und wenn sie das nicht will, ob sie es schon sein könnte, so gehört sie beinahe in’s Zuchthaus: so groß ist dann gewöhnlich ihre innewendige Entartung.
34 [154]
NB. Deutschland hat nur Einen Dichter hervorgebracht, außer Goethe: das ist Heinrich Heine—und der ist noch dazu ein Jude. Aber in Frankreich ebenso wie in Italien, Spanien und England und wo man nur; er hatte den feinsten Instinkt für die blaue Blume “deutsch,” freilich auch für den grauen Esel “deutsch.” Die Pariser behaupten außerdem, daß er Mit 2 anderen Nicht-Parisern die Quintessenz des Pariser Geistes darstelle
34 [155]
| Über die Philosophen. Über die Weiber. Über die Musiker. Über die Völker. Über die Gelehrten. Über die Schriftsteller. Über die Frommen. |
| Über Heerden—und Heerden-Instinkte. |
| “der gute Mensch” |
| Über die Herrschenden. Über die alten Griechen. Dionysos—Diabolus. |
Die guten Europäer.
Ein Beitrag zur Beschreibung
der europäischen Seele.
34 [156]
Eine Vorrede über Rangordnung.
Dies sind meine Urtheile: und ich gebe, dadurch daß ich sie drucke, so noch Niemandem das Recht, sie als die seinen in den Mund zu nehmen: am wenigsten halte ich sie für “öffentliches Gemeingut,” und ich will dem auf die Finger klopfen, der sich an ihnen vergreift. Es giebt Etwas, das in einem Zeitalter des “gleichen Rechts für Alle” unangenehm klingt: das ist Rangordnung.
34 [157]
NB. Zur Erklärung jenes innerlichen verwegenen Scepticismus in Deutschland, der daselbst größer und seiner selber gewisser ist als in irgend einem Lande Europa’s, gehört jene Thatsache, daß die protestantische Geistlichkeit immer an Kindern fruchtbar gewesen ist und gleich Luther, nicht nur auf der Kanzel ihre Stärke gehabt hat: und aus dem gleichen Grunde, aus dein Machiavell den Scepticismus der Italiäner ableitet—sie haben den Stellvertreter Gottes und seinen Hof immer zu nahe vor Augen gehabt—haben Allzuviele von den deutschen Philosophen und Gelehrten als Kinder von Predigern und sonstigem Kirchen-Zubehör dem “Priester” zugesehn—und glauben folglich nicht mehr an Gott. Der Protestantismus ist von vorn herein wesentlich Unglaube an den “Heiligen”; die deutsche Philosophie ist wesentlich Unglaube an die homines religiosi und die Heiligen zweiten Ranges, an alle die Land- und Stadtpfarrer, hinzugenommen die Theologen der Universität—und insofern mag die deutsche Philosophie eine Fortsetzung des Protestantismus sein.
34 [158]
NB. Die Außen-Welt ist das Werk unserer Organe folglich ist unser Leib, ein Stück Außenwelt, das Werk unserer Organe—folglich sind unsere Organe das Werk unserer Organe. Dies ist eine vollständige reductio ad absurdum: folglich ist die Außenwelt nicht das Werk unserer Organe.
34 [159]
Pfeile.
Gedanken über und gegen die
europäische Seele
Das Recht der Vorrechte.
34 [160]
Pfeile.
Gedanken
über und gegen die deutsche Seele.
Von
Friedrich Nietzsche.
34 [161]
NB. Ein tüchtiger Handwerker oder Gelehrter nimmt sich gut aus, wenn er seinen Stolz bei seiner Kunst hat und genugsam damit und zufrieden auf das Leben blickt; und nichts hingegen ist jämmerlicher anzuschauen, als wenn ein Schuster oder Schulmeister, mit leidender Miene, zu verstehen giebt, er sei eigentlich für etwas Besseres geboren. Es giebt gar nichts Besseres als das Gute! und das ist: irgend eine Tüchtigkeit haben und aus ihr schaffen, virtù, im italiänischen Sinne der Renaissance.
34 [162]
NB. Heute, in der Zeit wo der Staat einen unsinnig dicken Bauch hat, giebt es in allen Feldern und Fächern, außer den eigentlichen Arbeitern noch “Vertreter” z. B. außer den Gelehrten noch Litteraten, außer den leidenden Volksschichten noch schwätzende prahlerische Thu-nichts-gute, welche jenes Leiden “vertreten,” gar nicht zu reden von den Politikern von Berufswegen, welche sich wohl befinden und “Nothstände” vor einem Parlament mit starker Lunge “vertreten.” Unser modernes Leben ist äußerst kostspielig durch die Menge Zwischenpersonen; in einer antiken Stadt dagegen, und im Nachklang dann noch in mancher Stadt Spaniens und Italiens, trat man selber auf und hätte nichts auf einen solchen modernen Vertreter und Zwischenhändler gegeben—es sei denn einen Tritt!
34 [163]
Der kirchliche Druck von Jahrtausenden hat eine prachtvolle Spannung des Bogens geschaffen, insgleichen der monarchische: die beiden versuchten Entspannungen (statt mit dem Bogen zu schießen) sind 1) der Jesuitism 2) die Demokratie. Pascal ist das herrliche Anzeichen von jener furchtbaren Spannung: er lachte die Jesuiten todt.— Ich bin zufrieden mit despotischen Zuständen, vorausgesetzt, daß man mit gemischten Rassen zu thun hat, wo immer eine Spannung überhaupt gegeben ist. Freilich: die Gefahr solcher Versuche ist groß.— Die europäische Demokratie ist nicht oder zum kleinsten Theile eine Entfesselung von Kräften, sondern vor Allem eine Entfesselung von Sich-gehen-lassen, von Bequem-haben-wollen, von inneren Faulheiten. Ebenso die Presse.
34 [164]
Die europäische D ist zum kleinsten Theile eine Entfesselung von Kräften: vor Allem ist sie eine Entfesselung von Faulheiten, von Müdigkeiten, von Schwächen.
34 [165]
Der Spiegel.
Eine Gelegenheit zur Selbstbespiegelung
für Europäer.
Von
Friedrich Nietzsche.
34 [166]
Das Gemeinsame in der Entwicklung der Europäer-Seele ist z. B. zu merken bei einer Vergleichung Delacroix’ und R W, der Eine peintre-poète, der Andere Ton-Dichter, nach der Differenz der französischen und deutschen Begabung. Aber sonst gleich. Delacroix übrigens auch sehr Musiker—und Coriolan-Ouverture. Sein erster Interpret Baudelaire, eine Art R W ohne Musik. Der Ausdruck expression von Beiden vorangestellt, alles Übrige geopfert. Von Litteratur abhängig Beide, höchst gebildete und selbst schreibende Menschen. Nervös-krankhaft-gequält, ohne Sonne.
34 [167]
In jedem Sinnes-Urtheil ist die ganze organische Vorgeschichte thätig: “das ist grün” z. B. Das Gedächtniß im Instinkt, als eine Art von Abstraction und Simplification, vergleichbar dem logischen Prozeß: das Wichtigste ist immer wieder unterstrichen worden, aber auch die schwächsten Züge bleiben. Es giebt im organischen Reiche kein Vergessen; wohl aber eine Art Verdauen des Erlebten.
34 [168]
Die Guten, ihr Verhältniß zur Dummheit.
Erziehung und Züchtung.
Das liberum “nego.” “vorläufig Nein!”
Verehrung, Zorn und Tapferkeit
34 [169]
Die Abzählbarkeit gewisser Vorgänge z. B. vieler chemischen, und eine Berechenbarkeit derselben giebt noch keinen Grund ab, hier an “absolute Wahrheiten” zu tasten. Es ist immer nur eine Zahl im Verhältniß zum Menschen, zu irgend einem festgewordenen Hang oder Maaß im Menschen. Die Zahl selber ist durch und durch unsere Erfindung.
34 [170]
Ein logischer Vorgang, von der Art, wie er “im Buche steht,” kommt nie vor, so wenig als eine gerade Linie oder zwei “gleiche Dinge.” Unser Denken läuft grundverschieden: zwischen einem Gedanken und dem nächsten waltet eine Zwischenwelt ganz anderer Art z. B. Trieb zum Widerspruch oder zur Unterwerfung usw.
34 [171]
Synthetische Urtheile a priori sind wohl möglich, aber sie sind—falsche Urtheile.
34 [172]
Nux et crux.
Eine Philosophie für gute Zähne.
34 [173]
Jede Philosophie, wie sie auch entstanden sein möge, dient zu gewissen Erziehungs-Zwecken z. B. zur Ermuthigung oder zur Besänftigung usw.
34 [174]
Das Gute eine Vorstufe des Bösen; eine gelinde Dosis des Bösen: —
34 [175]
Wenn Einer sich um die Andern und nicht um sich kümmert, kann das ein Zeichen der Dummheit sein: so denkt “das Volk” bonhomie.
34 [176]
Die Moralen und Religionen sind das Haupt-Mittel, mit dem man aus dem Menschen gestalten kann, was Einem beliebt: vorausgesetzt, daß einen Überschuß von schaffenden Kräften hat und seinen schaffenden Willen über lange Zeiträume durchsetzen kann, in Gestalt von Gesetzgebungen und Sitten. Indem ich über die Mittel nachsann, den Menschen stärker und tiefer zu machen als er es bisher war, erwog ich vor Allem, mit Hülfe welcher Moral dergleichen bisher bewerkstelligt worden ist. Das Erste, was ich begriff, war, daß man dazu die in Europa übliche Moral nicht gebrauchen kann, von der freilich die Philosophen und Moralisten Europa’s meinen, es sei die Moral selber und allein—ein solches Philosophen-Unisono ist in der That der beste Beweis dafür, daß jene Moral wirklich herrscht.— Denn diese Moral ist der eigentliche Heerden-Instinkt, welcher Behagen, Ungefährlichkeit, Leichtigkeit des Lebens ersehnt und als letzten hintersten Wunsch sogar den hat, aller Führer u Leithammel entrathen zu können. Ihre beiden am besten gepredigten Lehren heißen: “Gleichheit der Rechte” und “Mitgefühl für alles Leidende”—und das Leiden selbst wird von allen Heerden-Thieren als etwas genommen, das man abschaffen muß. Wer aber darüber nachdenkt, wo und wie die Pflanze Mensch bisher am kräftigsten und schönsten emporwuchs, wird im Gegensatz zur europäischen Heerden-Moral und Geschichts-Fälscherei so viel aus der Geschichte entnehmen, daß dazu die Gefährlichkeit seiner Lage gesteigert, sein Erfindungs- und Verstellungsgeist durch langen Druck und Zwang herausgefordert werden muß, und daß folglich Härte, Grausamkeit, Verschwiegenheit, Ungemüthlichkeit, Ungleichheit der Rechte, Krieg, Erschütterung aller Art, kurz der Gegensatz aller Heerden-Ideale noth thut. Daß eine Moral mit solchen umgekehrten Absichten nur in Anknüpfung an das bestehende Sittengesetz und unter dessen Worten und Prunkmantel gelehrt werden könne und angepflanzt werden könne, daß also viele Übergangs- und Täuschungsformen zu erfinden sind, und daß, weil das Leben Eines Menschen viel zu kurz zur Durchführung eines so langwierigen Willens ist, Menschen angezüchtet werden müssen, in denen einem solchen Willen Dauer durch viele Generationen verbürgt wird: dies begreift sich so gut als das lange nicht leicht aussprechbare Und-so-weiter dieser Gedanken. Eine Umkehrung der Werthe bei einer bestimmten starken Art von Menschen vorherbereitend und unter ihnen eine Menge im Zaum gehaltener und verläumdeter Instinkte zu entfesseln: darüber nachdenkend erwog ich, welche Art Mensch unwillkürlich und unbewußt schon der also gestellten Aufgabe bisher gearbeitet hat. Ich fand die Pessimisten, indem ihre Unzufriedenheit mit Allem sie auch zur Unzufriedenheit mit dem Gegenwärtigen mindestens logisch nöthigt: deshalb begünstigte ich Schopenhauer und die langsam über Europa aufdämmernde Kenntniß der indischen Philosophien. Auch ein Alpdruck ist ein Mittel, Menschen plötzlich aufzuwecken.— Insgleichen hatte ich ein Wohlgefallen an gewissen unersättlich-dualistischen Künstlern, welche wie Byron unbedingt an die Vorrechte höherer Menschen glauben und unter der Verführung der Kunst bei ausgesuchten Menschen die Heerden-Instinkte übertäuben und die entgegengesetzten wachrufen. Drittens ehrte ich die Philologen und Historiker, welche die Entdeckung des Alterthums fortsetzten, weil in der alten Welt eine andere Moral geherrscht hat als heute und in der That der Mensch damals unter dem Banne seiner Moral stärker böser und tiefer war: die Verführung, welche vom Alterthum her auf stärkere Seelen ausgeübt wird, ist wahrsch die feinste und unmerklichste aller Verführungen.
Diese ganze Denkweise nannte ich bei mir selber die Philosophie des Dionysos: eine Betrachtung, welche im Schaffen Umgestalten des Menschen wie der Dinge den höchsten Genuß des Daseins erkennt und in der “Moral” nur ein Mittel, um dem herrschenden Willen eine solche Kraft und Geschmeidigkeit zu geben, dergestalt sich der Menschheit aufzudrücken. Ich betrachte Religionen und Erziehungs-systeme darauf hin, wie weit sie Kraft ansammeln und vererben; und nichts scheint mir wesentlicher zu studiren, als die Gesetze der Züchtung, um nicht die größte Menge von Kraft wieder zu verlieren, durch unzweckmäßige Verbindungen und Lebensweisen.
34 [177]
Ich bin abgeneigt 1) dem Socialismus, weil er ganz vom Heerden-Blödsinn des “Guten Wahren Schönen” und von gleichen Rechten träumt: auch der Anarchismus will, nur auf brutalere Weise, das gleiche Ideal 2) Parlamentarismus und Zeitungswesen, weil dies die Mittel sind, wodurch das Heerdenthier sich zum Herrn macht.
34 [178]
Mein Augenmerk darauf, an welchen Punkten der Geschichte die großen M hervorspringen. Die Bedeutung langer despotischer Moralen: sie spannen den Bogen, wenn sie ihn nicht zerbrechen.
34 [179]
Daß es eine Entwicklung der ganzen Menschheit gäbe, ist Unsinn: auch gar nicht zu wünschen. Das viele Gestalten am Menschen, die Art Vielartigkeit des Menschen herauszuholen, ihn zu zerbrechen, wenn eine Art von Typus ihre Höhe gehabt hat—also schaffend und vernichtend sein—dünkt mich der höchste Genuß, den Menschen haben können. Plato war gewiß nicht so beschränkt, als er die Begriffe als fest und ewig lehrte: aber er wollte, daß dies geglaubt werde.
34 [180]
Nicht mehr Vernunft in die ganze Geschichte des Menschen legen als in der übrigen Welt ist: Vieles ist möglich, aber man darf es nicht auf zu lange wollen. Der Zufall zerbricht alles wieder.
Der Mensch als ein Schauspiel: das ist der historische Sinn—aber er enthält ein gefährliches Element, der Mensch lernt sich fühlen als der Gestaltende, welcher nicht nur zusieht und zusehen will. Der Deutsche
— es versteht sich, daß öffentlich und heimlich von allen organischen Grund-Absichten des M nur unter tausend Maskeraden geredet wird: man lese eine Rede Bismarcks. NB.— der geistige Mensch, der bisweilen hinter die Masken gesehen hat und zu sehen versteht, der überhaupt begriffen hat, wie sehr alles Maske ist—ist billigerweise darüber in bester Laune. Geistigkeit ist der Kitzel eines ewigen Carnevals, sei es nun, daß wir selber dabei mitspielen oder nur gespielt werden.
— der historische Sinn und der geographisch-klimatische Exotismus neben einander.
34 [181]
So will ich, als ein müssiger Mensch, der nichts Besseres zu thun hat, meinen Freunden einmal erzählen, was ich mir unter der Philosophie des Dionysos denke: denn daß auch Götter philosophiren, scheint mir eine würdige und fromme Vorstellung, an der auch der Gläubigste noch seine Freude haben kann. Ich werde vielleicht, dem Geschmacke meiner Freunde nach, in der Freimüthigkeit meiner Erzählung zu weit gehn: dieser Gott selber aber ist, im Zwiegespräch mit mir, viel weiter gegangen und ich würde, falls ich ihm schöne heuchlerische Prunknamen zulegen dürfte, viel Rühmens von meinem Muthe, von meiner Ehrlichkeit Wahrhaftigkeit Redlichkeit “Liebe zur Wahrheit” und dergleichen, zu machen haben. Aber mit allem diesem schönen Plunder und Prunk weiß ein solcher Gott nichts anzufangen—zu meiner Rechtfertigung genügen zwei Worte, welche man freilich in Deutschland nicht leicht “ins Deutsche” übersetzt: gai saber.
Behalte dies doch für dich und deinesgleichen: ich habe keinen Grund, meine “Blöße” zu decken. Genug, es ist eine ganz unverschämte Art von Gottheit.
Es war Frühling, und alles Holz stand in jungem Safte: als ich so durch den Wald gieng und über eine Kinderei nachdachte, schnitzte ich mir eine Pfeife zurecht, ohne daß ich recht wußte, was ich that. Sobald ich aber sie zum Mund führte und pfiff, erschien der Gott vor mir, den ich seit langem schon kenne.
Nun, du Rattenfänger, was treibst du da? Du halber Jesuit und Musikant—, beinahe ein Deutscher!
Ich wunderte mich, daß mir der Gott auf diese Art zu schmeicheln suchte: und nahm mir vor, gegen ihn auf der Hut zu sein.
Ich habe alles gethan, sie dumm zu machen, ließ sie in Betten schwitzen, gab ihnen Klöße zu fressen, hieß sie trinken, bis sie sanken, machte sie zu Stubenhockern und Gelehrten, gab ihnen erbärmliche Gefühle einer Bedientenseele ein
Du scheinst mir Schlimmes im Schilde zu führen, die M zu Grunde zu richten?
Vielleicht, antwortete der Gott; aber so, daß dabei Etwas für mich herauskommt.
— Was denn? fragte ich neugierig. —
Wer denn? solltest du fragen. Also sprach zur mir Dionysos.
34 [182]
Dionysos.
Versuch einer göttlichen Art, zu
philosophiren.
Von
Friedrich Nietzsche
34 [183]
Wie kommt es doch, daß die Weiber ihre Kinder lebendig gebären? Ich meinte immer, die armen Thiere müßten, bei der geringen Beschaffenheit ihrer Widerstands-Kräfte, erstickt zur Welt kommen. Die Pforte ist eng und der Weg ist schmal, wie geschrieben steht: oder, wie sind lebendige Kinder a priori möglich?— Und indem ich so fragte, erwachte ich völlig aus meinem dogmatischen Schlummer, gab dem Gotte einen Stoß vor den Bauch, und fragte, mit dem Ernste eines Chinesen aus Königsberg: “In summa: wie sind synthetische Urtheile a priori möglich?” “Durch ein Vermögen dazu” antwortete der Gott und hielt sich den Bauch.
34 [184]
Hegel: die Neigung der Deutschen sich selber zu widersprechen—daraus eine Gothik,
Wagner: der kein Ende finden wußte und auch dies zu einem Princip machte: auch eine Gothik.
34 [185]
Nicht die wirkliche historische Bedeutung Kants fälschen! Er selber war stolz auf seine Kategorientafel und das Vermögen dazu entdeckt zu haben: seine Nachfolger waren stolz darauf, solche Vermögen zu entdecken, und der Ruhm der deutschen Philosophie im Auslande bezog sich darauf: namentlich die intuitive und instinktive Erfassung der “Wahrheit” war es, was den Ruhm der Deutschen machte. Ihre Wirkung gehört unter die große Reaction. Eine Art Ersparnis von wissenschaftlicher Arbeit, ein direkteres Zuleibegehn an die “Dinge” selber—eine Abkürzung des Weges der Erkenntniß: dieser Traum berauschte!— In der Hauptsache bringt Schopenhauer dasselbe Entzücken hervor: nur nicht bei zufriedenen spinozistisch gesinnten M sondern bei Unzufriedenen: er packt “den Willen” oder vielmehr die Velleität die “Willelei” die Begehrlichkeit oder Sinn und Verstand
34 [186]
“Gelassen hingestützt auf Grazien und Musen” Schiller “die Künstler.”
34 [187]
Die Entwicklung des Bewußtseins als eines Regierungs-Apparates: nur für die Verallgemeinerungen zugänglich. Schon das, was das Auge zeigt, kommt in’s Bewußtsein als verallgemeinert und zurechtgemacht.
34 [188]
Vorrede: die Rangordnung der Menschen.
1. Erkenntniß als Wille zur Macht.
2. Jenseits von Gut und Böse
3. Die versteckten Künstler.
4. Die große Politik.
5. Der Hammer.
34 [189]
die Sinnlichkeit, welche bei kleinen blassen Juden oder Parisern so lächerlich erscheint, und beinahe comme une neurose —
34 [190]
im vorigen Jahrhundert bekam die bonté das gute Gewissen auf ihre Seite, welches lange bei ganz anderen Gefühlen war
34 [191]
Mittag und Ewigkeit.
Eine Philosophie der ewigen Wiederkunft.
Von
Friedrich Nietzsche.
| Vorrede: | von der menschlichen Rangordnung. |
| Erster Theil: | Wissen und Gewissen. |
| Zweiter Theil: | Jenseits von Gut und Böse. |
| Dritter Theil: | Die versteckten Künstler. |
| Vierter Theil: | hohe Politik. |
| Fünfter Theil: | der Hammer (oder Dionysos). |
34 [192]
Vorrede. Für wen?
Das Erfinderische.
Der Umfang der Seele.
Die Tiefe.
Die Kraft der Verwandlung.
Die befehlende Kraft.
Die Härte.
Das Wissen: Lust des Eroberers
Die große Verantwortlichkeit.
Die Kunst der Masken. Transfiguration.
Die Kraft der Mittheilung.
— das Dionysische —
34 [193]
Die Skeptiker der Moral erwägen nicht, wie viel moralische Werthschätzung sie in ihrer Skepsis tragen: ihr Zustand ist beinahe ein Selbstmord der Moral und vielleicht sogar eine Verklärung derselben.
34 [194]
Woher sollen wir die Werthschätzungen nehmen? Vom “Leben”? Aber “höher, tiefer, einfacher, vielfacher”—sind Schätzungen, welche wir erst ins Leben legen. “Entwicklung” in jedem Sinne ist immer auch ein Verlust, eine Schädigung; selbst die Spezialisirung jedes Organs. Die Optik der Selbst-Erhaltung und des Wachsthums.
Optik des Wachsthums.
Daß die Zerstörung einer Illusion noch keine Wahrheit ergiebt, sondern nur ein Stück Unwissenheit mehr:
Wissen und Gewissen.
Eine Moral für Moralisten.
Von
Felix Fallax.
34 [195]
Die Philosophen 1) hatten von jeher das wunderbare Vermögen zur contradictio in adjecto.
2) sie trauten den Begriffen ebenso unbedingt als sie den Sinnen mißtrauten: sie erwogen nicht, daß Begriffe und Worte unser Erbgut aus Zeiten sind, wo es in den Köpfen sehr dunkel und anspruchslos zugieng.
NB. Was am letzten den Philosophen aufdämmert: sie müssen die Begriffe nicht mehr sich nur schenken lassen, nicht nur sie reinigen und aufhellen, sondern sie allererst machen, schaffen, hinstellen und zu ihnen überreden. Bisher vertraute man im Ganzen seinen Begriffen, wie als einer wunderbaren Mitgift aus irgend welcher Wunder-Welt: aber es waren zuletzt die Erbschaften unserer fernsten, ebenso dümmsten als gescheutesten Vorfahren. Es gehört diese Pietät gegen das, was sich in uns vorfindet, vielleicht—zu dem moralischen Elemente im Erkennen.— Zunächst thut die absolute Scepsis gegen alle überlieferten Begriffe noth (wie sie vielleicht schon einmal Ein Philosoph besessen hat—Plato: natürlich das Gegentheil gelehrt — —)
34 [196]
Hier kommt eine Philosophie—eine von meinen Philosophien—zu Worte, welche durchaus nicht “Liebe zur Weisheit” genannt sein will, sondern sich, aus Stolz vielleicht, einen bescheidneren Namen ausbittet: einen abstoßenden Namen sogar, der schon seinerseits dazu beitragen mag, daß sie bleibt, was sie sein will: eine Philosophie für mich—mit dem Wahlspruch: satis sunt mihi pauci, satis est unus, satis est nullus.— Diese Philosophie nämlich heißt sich selber: die Kunst des Mißtrauens und schreibt über ihre Haustür:.
34 [197]
Ihr demonstrirt aus dem Elend des Weibs heraus, daß man seine Lage verbessern müsse: aber ich wollte, ihr thätet es auf Grund seiner besseren Lage und Kraft
34 [198]
Die großen Tugenden, die Verantwortlichkeit.
“Die Guten” als ein Hintergrund der demokratischen socialistischen Bewegung.
34 [199]
| 1) | Zarathustra gefangen — Anklagerede gegen ihn, als Verführer großer Gegensatz zwischen der ungeheuren Unsicherheit und dem kleinen Menschen Zarathustra preist die Entronnenen (große Krisis bei ihm) er überredet die Väter zu einem Gedächtniß-feste Hinzuströmen aller Aristokraten von allen Enden der Erde Zuletzt kommen die Kinder selber. |
| 2) | die Rangordnung der Menschen: er scheidet die Hinzuströmenden nach Gruppen von sich ab, er bezeichnet zugleich damit die Grade der Erziehung des Menschen (durch Generationen) |
| 3) | Vor der kleinsten Auswahl: die Gesetzgeber der Zukunft, mit den großen Tugenden (Verantwortlichkeit), der Hammer. |
| 4) | der Abschied: die Wiederkunft als Religion der Religionen: tröstlich. |
| Zarathustra gefangen, kritisirt die Lage der Entronnenen. es strömt hinzu (zugleich sein Publicum abscheidend) zuletzt kommt die Schaar. |
| Die Rangordnung als Stufen der Erziehung des Menschen (durch viele Generationen) |
| die höchsten Gesetzgeber, mit dem Hammer. Darstellung der großen Tugenden. |
| der Abschied. |
34 [200]
Der Philosoph hat viele Vordergrund-Tugenden nöthig und namentlich prunkvolle Worte: wie Wahrhaftigkeit, Redlichkeit, Liebe zur Wahrheit.
34 [201]
Der Gesetzgeber der Zukunft.
die menschliche Rangordnung.
Jenseits von Gut und Böse.
Der Philosoph als Künstler.
Dionysos.
34 [202]
Die Herren der Erde.
Gedanken über Heute und Morgen.
Von
Friedrich Nietzsche.
34 [203]
Der Zustand Europa’s im nächsten Jahrhundert wird die männlichen Tugenden wieder heranzüchten: weil man in der beständigen Gefahr lebt. Die “allgemeine Militär-Pflicht” ist schon heute das sonderbare Gegengift gegen die Weichlichkeit der demokratischen Ideen: erwachsen aus dem Kampf der Nationen (Nation—Menschen, die Eine Sprache sprechen und dieselben Zeitungen lesen, heißen sich heute “Nationen” und wollen gar zu gern auch, gemeinsamer Abkunft und Geschichte sein: was aber auch bei der ärgsten Fälscherei der Vergangenheit nicht gelungen ist.)
34 [204]
Meine Freunde, womit bin ich doch seit vielen Jahren beschäftigt? Ich habe mich bemüht, den Pessimismus in die Tiefe zu denken, u aus der halb christlichen, halb deutschen Enge und Einfalt zu erlösen, in der er mir, in der Philosophie Schopenhauers, zuerst entgegentrat: so daß der Mensch dieser Denkweise auch dem höchsten Ausdruck des Pessimismus gewachsen ist. Ich habe insgleichen ein umgekehrtes Ideal gesucht—eine Denkweise, welche die übermüthigste lebendigste und weltbejahendste aller möglichen Denkweisen ist: ich fand sie im Zuendedenken der mechanistischen Weltbetrachtung; es gehört wahrlich der allerbeste humor von der Welt dazu, um eine solche Welt der ewigen Wiederkunft, wie ich sie durch meinen Sohn Z gelehrt habe—also uns selber in ewigem da capo mit begriffen—auszuhalten. Schließlich ergab sich für mich, daß die weltverneinendste aller möglichen Denkensarten die ist, welche das Werden, Entstehen und Vergehen an sich schon schlecht heißt und welche nur das Unbedingte, Eine, Gewisse, Seiende bejaht: ich fand, daß Gott der vernichtendste und lebensfeindlichste aller Gedanken ist, und daß nur durch die ungeheuerliche Unklarheit der lieben Frommen und Metaphysiker aller Zeiten die Erkenntniß dieser “Wahrheit” so lange hat auf sich warten lassen.
Man vergebe mir, daß ich selber ganz und gar nicht Willens bin, auf eine dieser beiden Denkweisen zu verzichten—ich müßte denn auf meine Aufgabe verzichten, welche entgegengesetzte Mittel braucht. Es ist, zum Zugrunderichten oder zum Verzögern und Vertiefen von Menschen und Völkern, zeitweilig (unter Umständen für ein Paar Jahrtausende), eine pessimistische Denkweise vom höchsten Werthe; und wer im großen Sinne die Ansprüche des Schaffenden erhebt, wird auch die Ansprüche des Vernichters erheben und vernichtende Denkweisen unter Umständen lehren müssen. In diesem Sinne heiße ich das bestehende Christenthum und den Buddhismus, die beiden umfänglichsten Formen jetziger Welt-Verneinung, willkommen; und, um entartenden und absterbenden Rassen z. B. den Indern, und den Europäern von heute den Todesstich zu geben, würde ich selber die Erfindung einer noch strengeren, ächt nihilistischen Religion oder Philosophie in Schutz nehmen.
Nach dem, was ich vorher sagte, lasse ich wohl Niemanden darüber in Zweifel, welche Bedeutung ich in einer solchen Religion dem Gedanken “Gott” beilegen würde.— Die besten Nihilisten unter den Philosophen waren bisher die Eleaten. Ihr Gott ist die beste und gründlichste Darlegung vom buddhistischen Nirvana; Sein und Nichts ist da identisch.
34 [205]
Was Richard Wagner betrifft: so habe ich die Enttäuschung vom Sommer 1876 nicht überwunden, die Menge des Unvollkommenen, am Werke und am Menschen, war mir auf Ein Mal zu groß;—ich lief davon. Später begriff ich, daß die gründlichste Loslösung von einem Künstler die ist, daß man sein Ideal geschaut hat. Nach einem solchen Blicke, wie ich ihn in jungen Jahren gethan habe—Zeugniß ist meine übrig gebliebene kleine Schrift über Richard Wagner—blieb mir nichts übrig, als, knirschend und außer mir, von dieser unausstehlichen “Wirklichkeit”—wie ich sie mit Einem Male sah—Abschied zu nehmen.— Daß er, alt geworden, sich verwandelte, geht mich nichts an: fast alle Romantiker dieser Art enden unter dem Kreuze—ich liebte nur den Wagner, den ich kannte, d. h. einen rechtschaffnen Atheisten und Immoralisten, der die Figur Siegfrieds, eines sehr freien Menschen, erfunden hat. Seither hat er noch, aus dem bescheidenen Winkel seiner Bayreuther Blätter heraus, genugsam zu verstehen gegeben, wie hoch er das Blut des Erlösers zu schätzen wisse, und—man hat ihn verstanden. Viele Deutsche, viele reine und unreine Thoren aller Art glauben seitdem erst an R W als ihren “Erlöser.” Dies geht mir Alles wider den Geschmack. —
Es versteht sich von selber, daß ich Niemandem so leicht das Recht zugestehe, diese meine Schätzung zur seinigen zu machen; und allem unehrerbietigen Gesindel, wie es am heutigen Leibe der Gesellschaft gleich Läusen wimmelt, soll es gar nicht erlaubt sein, einen solchen großen Namen, wie der R Ws ist, überhaupt in das Maul zu nehmen, weder im Lobe, noch im Widerspruche.
34 [206]
Jahrmarkts-Jahrhundert.—
34 [207]
Der Gesetzgeber der Zukunft.
Charakteristik Europa’s als verfallend. Jahrmarkt.
Die große Ebbe seit Jahrtausenden in der Erfindung von Werthen.
Meine zeitweilige Ermuthigung durch die Musik: was ich unter “dionysisch” verstand. R W.
Die Loslösung von der Moral.
Pessimismus zu Ende denken und ebenso den Optimismus.
| Die Deutschen. | Hartmann Dühring Bismarck R W |
34 [208]
NB. “Der Kampf um’s Dasein”—das bezeichnet einen Ausnahme-Zustand. Die Regel ist vielmehr der Kampf um Macht, um “Mehr” und “Besser” und “Schneller” und “Öfter.”
34 [209]
diese unsere Welt von heute, unser Zeitalter des großen Bumbum, welches, mit seinem Jahrmarkts-Geschmack, selbst an Ereignissen das Ungeheure, Lärmendere gelten läßt und schließlich: solche Ereignisse hervorbringt
34 [210]
Giebt es denn ein 19. Jahrhundert? Oder nicht vielmehr nur ein verdünntes verdummtes und schrecklich in die Länge gezogenes achtzehntes? Was ist denn Großes geschehen, und geschaffen, was nicht vor 1800 geschehen und geschaffen ist? Obschon manche Frucht, die im 18. Jahrhundert wuchs und reifte, erst in diesem vom Baum gefallen ist. Nehmt die französische Revolution und Napoleon hinweg aus der Politik—damit nehmt ihr die Demokratie und die, den französischen Sensualismus und Hedonismus, nebst deutsch-englischem Scepticismus, aus der Philosophie
34 [211]
Der mächtige Nachklang der tragischen Ereignisse jener französischen Generation der dreißiger und vierziger Jahre, zu der auch, mit richtigem Instinkt, sich Richard Wagner gesellt, jene prachtvolle und krankhafte Art von Unersättlichen, welcher Beethoven in Tönen Byron in Worten präludirte: die Wirkung des Ungeheuren auf M, deren Nerven- und Willenskraft schon zu schwach dafür war
34 [212]
| — | das große Silentium—im Jahrmarkts-Zeitalter |
| — | die Segnung der Gesetzgeber (auch “ihr sollt euch Feinde sein”) |
| — | aus der Seele ihrer Entwicklung: wie sie ihrer ungeheuren Aufgabe entlaufen wollen. |
| — | Analyse des Heerdenthieres. Man muß mehr Menschen opfern, als je für Kriege |
| — | die großen schauerlichen Gedenkfeste. |
| — | Mitgefühl mit den großen Menschen aller Zeiten, uns nicht hinab steigen lassen! |
| — | da es keinen Gott mehr giebt, ist die Einsamkeit nicht mehr zu ertragen: der hohe Mensch muß an’s Werk. |
| — | wollt ihr den Leib, die Sinne usw. |
| — | Lob der kühlen Vernunft, als Labsal für Menschen des Labyrinths |
| — | der Herr vieler Philosophien, mächtig zum tiefsten Pessimismus und höchster Welt-Verklärung. |
| — | die Melancholiker haben die Heiterkeit nöthig. |
34 [213]
Gai saber.
Versuch einer göttlichen Art zu
philosophiren.
Von
Friedrich Nietzsche.
| 1. Wissen und Gewissen. |
| 2. Moral für Moralisten. |
| 3. Gedanken über Heute und Morgen. |
| 4. Von der Rangordnung. |
34 [214]
Selbst-Verklärung.
Die Guten und die Bösen
Das 20. Jahrhundert.
34 [215]
Eugen Dühring, mit allen Tugenden und Fehlern eines Stubengelehrten und Pöbel-Manns geziert, wozu auch der schlechte Geschmack aller seiner Attitüden gehört.
34 [216]
NB. A) Es giebt Stunden, sehr helle lustige Feststunden des guten Gewissens, wo wir das ganze prachtvolle Geschwätz der bisherigen Menschen von der Moral nicht anders zu bezeichnen wissen, als mit den Worten: “höherer Schwindel.”
Die Reichs-Narrheit
B) Die Unwissenheit in allem unserem Loben und Tadeln, Schätzen und Verurtheilen, Lieben und Hassen macht Scham: das ist das Leiden jedes tiefen Menschen. Noch einen Schritt weiter: und auch diese Scham macht Scham: und endlich—lachen wir uns aus.
34 [217]
NB. Wir stehen mitten drin zu entdecken, daß der Augenschein und die nächste beste Wahrscheinlichkeit am wenigsten Glauben verdienen: überall lernen wir die Umkehrung: z. B. daß die geschlechtliche Zeugung im Reiche alles Lebendigen nur der Ausnahme-Fall ist: daß das Männchen im Grunde nichts mehr als ein entartetes verkommendes Weibchen ist:—oder daß alle Organe an thierischen Wesen ursprünglich andere Dienste geleistet haben als die, auf Grund deren wir sie “Organe” nennen: überhaupt daß alles anders entstanden ist als seine schließliche Verwendung zu vermuthen giebt. Die Darstellung dessen, was ist, lehrt noch nichts über seine Entstehung: und die Geschichte der Entstehung lehrt noch nichts über das, was da ist. Die Historiker aller Art täuschen sich darin fast allesammt: weil sie vom Vorhandenen ausgehn und rückwärts blicken. Aber das Vorhandene ist etwas Neues und ganz und gar nicht Erschließbares: kein Chemiker könnte voraussagen, was aus 2 Elementen bei ihrer Einigung würde, wenn er es nicht schon wüßte!
34 [218]
NB. Es ist gar nicht möglich, daß ein Mensch nicht die Eigenschaften seiner Eltern und Voreltern habe: was auch der Augenschein dagegen sagt. Gesetzt, man kennt Einiges von den Eltern, so ist ein Schluß auf das Kind erlaubt: so wird z. B. irgend eine viehische Unenthaltsamkeit, irgend ein tölpelhafter Neid—Beides zusammen macht den pöbelhaften Typus aus—auf das Kind übergehen müssen, so sicher wie verderbtes Blut, und das Kind wird Mühe haben, solche Vererbung zu verhehlen. Daher das Talent zum Schauspieler in den Menschen niederer Abkunft größer ist, als bei Vornehmen: und ebenso die Tartüfferie der “Tugend.”
34 [219]
Jenen oberflächlichen und tölpelhaften Gelehrten, welche unverschämt genug sind, sich als “freie Geister” zu fühlen, gilt alles als Feigheit oder Verrath an der Wahrheit, Schwächlichkeit des Willens, was zur Krankheits-Geschichte der höheren Menschen gehört: jenes Sich-Unterwerfen, Vor-sich-Furcht-haben
34 [220]
Die christlichen Gefühle mit der griechischen Schönheit und womöglich noch mit dem modernen Parlamentarismus zu versöhnen—das mag sich heute etwa in Rom “Philosophie” nennen.— Dazu ist viel Feinheit im Kopfe nöthig und andererseits viel mehr Schwärmerei.
34 [221]
Das Beste, was Deutschland gegeben hat, kritische Zucht—Kant, F. A. Wolf, Lessing, Niebuhr usw. Abwehr des Scepticismus—Strenge und beherzter Muth, die Sicherheit der Hand, welche das Messer führt, Lust am Neinsagen und Zergliedern. Gegenbewegung: die Romantik, mit Richard Wagner als letztem Romantiker synthetisch,
34 [222]
NB. Die Verschiedenheit der Menschen ist so groß.
Die Urtheile, welche ich bisher in meinem ganzen Leben über Menschen gehört habe, die ich kannte, lagen gewöhnlich so weit von dem ab, was ich bei mir selber für wahr hielt, daß ich endlich für meinen Hausgebrauch die Maxime machte: “es ist indiscret, über Menschen nicht zu lügen.” Sonderlich macht es mir Verdruß, daß etwas, dessentwegen mir ein M gefällt, sobald ich es mit Namen nennen wollte, sofort auch seinem “Rufe” Schaden bringen würde.
34 [223]
NB. Grundsatz: es giebt etwas wie Verfall in allem, was den modernen Menschen anzeigt: aber dicht neben der Krankheit stehen Anzeichen einer unerprobten Kraft und Mächtigkeit der Seele. Dieselben Gründe, welche die Verkleinerung der Meinsten hervorbringen, treiben die Stärkeren und Selteneren bis hinauf zur Größe.
34 [224]
Oh Teufel über das Gequack! Die Deutschen prahlen wieder einmal mit ihrer berühmten “deutschen Tugend,” von der die Historie schlechterdings nichts weiß. Am schlimmsten treiben es einige Antisemiten, hinzugezählt was am Sumpfe des Bayreuther Meisters sitzen geblieben ist.
34 [225]
Wahlspruch: ich habe keine Zeit für mich,—vorwärts!
34 [226]
NB. Sphinx.
Reduktion auf das Urtheil: “dies ist nicht wahr.” Folgt der Imperativ: “folglich darfst du es nicht für wahr halten!” Oder heißt es wirklich: “folglich kannst du es nicht mehr für wahr halten”?— Nun sehen wir fortwährend z. B. den Sonnen-Auf- und Untergang und glauben, was wir als unwahr wissen. Ganz so steht es überall. Ein “du darfst nicht” wäre ein Imperativ, der das Leben verneinte. Folglich muß man betrügen und sich betrügen lassen.
34 [227]
Jenen R W, welchen man heute in Deutschland verehrt und mit all dem prahlerischen Plunder der schlimmsten Deutschthümelei verehrt: jenen R W kenne ich nicht, ja—daß ich meinen Verdacht ausspreche—den hat es nie gegeben: das ist ein Phantom.
34 [228]
Zum schlechten Geschmack der heutigen D rechne ich: die tugendhafte Deutschthümelei, welche die Geschichte gegen sich hat und die Scham gegen sich haben sollte
34 [229]
NB. Grundirrthum aller Historiker: die facta sind alle viel kleiner als daß sie zu fassen wären.
34 [230]
Der Versucher.
Es giebt vielerlei Augen. Auch die Sphinx hat Augen: und folglich giebt es vielerlei “Wahrheiten,” und folglich giebt es keine Wahrheit.
34 [231]
Die feinste beweglichste Geistigkeit mit hunderttausend Fühlhörnerchen, durch jeden Anhauch geformt und fortgeblasen, bei völliger Zersplitterung des Willens—ist etwas sehr Lächerliches. Wie bei den feinen Parisern, welche seufzen, weil alles auf sie einstürmt.
34 [232]
Als ich jung war, bin ich einer gefährlichen Gottheit begegnet, und ich möchte Niemandem das wieder erzählen, was mir damals über die Seele gelaufen ist—sowohl von guten als von schlimmen Dingen. So lernte ich bei Zeiten schweigen, so wie, daß man reden lernen müsse, um recht zu schweigen: daß ein Mensch mit Hintergründen Vordergründe nöthig habe, sei es für Andere, sei es für sich selber: denn die Vordergründe sind Einem nöthig, um von sich selber sich zu erholen, und um es Anderen möglich zu machen, mit uns zu leben.
34 [233]
Zeichen des unwissenschaftlichen Menschen: er hält eine Meinung für wahr, wenn sie ihm schmeichelt, und er sich in ihrem Lichte gut ausnimmt.
34 [234]
NB. Es ist immer noch nicht der Gegen-Beweis dafür erbracht, ob gut sein nicht ein Zeichen geistiger Rückbildung ist und ob Tugend, als Gefühl und Hochgefühl, nicht zu den Symptomen beginnenden Blödsinns, mindestens zu seinen Anfällen gehört. Wir finden bei einem Überblick der Geschichte die geistige Rückbildung überall, wo das Heerdenthier Mensch zum Übergewicht kommt, und dem einzeln oder rudelweise schweifenden Raubthier Mensch die Bedingungen des Lebens erschwert werden: wir finden immer an demselben Punkte der Entwicklung die “guten” Menschen. Bei allen Völkern “dumm bis zur Heiligkeit.”
34 [235]
NB. Jede Moral ist eine Gewohnheit der Selbst-Verherrlichung: vermöge deren eine Art von Mensch ihrer Art und ihres Lebens froh wird: sie wehrt den Einfluß von Menschen anderer Art damit von sich ab, daß sie dieselben als “unter sich” fühlt.
34 [236]
NB. Daß ein Weib vieles zu Kleine und Wunderliche beständig im Kopf haben muß und sich neben den Aufgaben der Männer nothwendig als komisch empfindet—die häßlichen Frauen abgerechnet, welchen viele Sorgen erspart sind in Küche Bett und Kinderstube und neuerdings Bücher “legen” wie eine Henne Eier legt—, und daß allen unternehmenden und tiefen Männern es eine Wohlthat ist, Wesen zu begegnen, welche oberflächlich heiter und zu angenehmen Begierden anstellig sind, damit der düstere Anschein des Lebens sich ihnen mildere. Man muß es in aller Tiefe nachempfinden, welche Wohlthat das Weib ist.
34 [237]
Antisemiten und anderes in den Grund verlogenes Gesindel, das die großen Worte nöthig hat, vor sich selber mehr noch als vor aller Welt
34 [238]
Und lieber gleich einer schwarzen halbzerstörten Feste allein auf seinem Berge sitzen, nachdenklich und still genug; also daß sich die Vögel selbst vor dieser Stille fürchten:
34 [239]
Daß es moralisch ist, zu thun, was unser Interesse erheischt, das suchen die Engländer sich zu beweisen, von Bentham an, der es von Helvetius übernommen hat. Und das allein soll Moral sein, und darauf hin soll die Moral entstanden sein. Was, historisch, ganz unsinnig ist: und auch jetzt geht der Geschmack dagegen. Umgekehrt: früher suchten alle Philos zu beweisen, daß neminem laede, immo omnes quantum potes juva das Fundament der Ethik sei, welches man wie den Stein der Weisen seit Jahrtausenden sucht.— Daß das thatsächliche Verhalten der Menschen moralisch sei, suchen sich die Engländer zu überreden. Daß der Heerden-Instinkt die Moral selber und allein sei, ehemals — —
Wichtig NB.— von Helvetius an!
34 [240]
Das Problem “Mensch.”
Von
Friedrich Nietzsche.
| 1. | Der Irrweg der Philosophen. |
| 2. | Der Irrweg der Moral-Prediger. |
| 3. | Die Rangordnung der Menschen. wonach? wie sehr sie die Kraft haben, die furchtbare Naturthatsache M zu ertragen und trotzdem — |
| 4. | Das Problem—wohin? Es bedarf eines neuen Terrorismus. |
34 [241]
NB. Wie viele falsche Ausdeutungen der Dinge hat es schon gegeben! Man erwäge, was alle Menschen sich vom Verband der Ursachen und Wirkungen denken müssen, welche beten: denn Niemand wird uns überreden, aus dem Gebet das Element “Bitte” und den Glauben, daß es Sinn hat zu bitten, daß es “erhört” werden könne—wegzustreichen. Oder jene andere Ausdeutung, in der die Schicksale eines Menschen ihm “geschickt” sind zu seiner Besserung, Ermahnung, Bestrafung, Warnung; oder jene dritte Ausdeutung, daß im Verlaufe der Dinge selber Recht und Gerechtigkeit liege, und hinter allem causalen Geschehen noch eine Art von kriminalistischem Hinter-Sinn.— So könnte auch die gesammte moral Ausdeutung unseres Handelns nur ein ungeheures Mißverständniß sein: wie es ganz ersichtlich die moral Ausdeutung alles natürlichen Geschehens gewesen ist.
34 [242]
Ein rechtlicher besonnener mildherziger tüchtiger M, ein Mann mit dem “Herzen am rechten Flecke”—es thut uns wohl, in seiner Nähe zu sein. Aber warum sollte dieser ungefährliche M, welcher uns wohlthut, mehr für uns werth sein, als der gefährliche, unerkennbare, unberechenbare, welcher uns zwingt auf der Hut zu sein? Unser Wohlgefühl beweist nichts. Frage: ob es unter den großen M je einen von der geschilderten ungefährlichen Art gegeben hat?
34 [243]
NB. Der Mensch der höchster Geistigkeit und Kraft fühlt sich jedem Zufalle gewachsen, aber auch ganz in den Schneeflocken der Zufälle darin; er leugnet die Vernünftigkeit in jedem Nacheinander und zieht das Zufällige darin mit Spott ans Licht.— Ehemals glaubte man nur an Zwecke: es ist eine Vertauschung eines Irrthums mit einem anderen, daß man heute nur an causae efficientes glaubt. Es giebt weder causae finales, noch efficientes: in Beidem haben wir einen falschen Schluß aus einer falschen Selbstbeobachtung gemacht: 1) wir glauben, durch Wollen zu wirken 2) wir glauben mindestens, zu wirken. Freilich: ohne diesen Glauben gäbe es nichts Lebendiges: braucht er deshalb aber schon—wahr zu sein?
34 [244]
NB. “Erkennen” ist der Weg, um es uns zum Gefühl zu bringen, daß wir bereits etwas wissen: also die Bekämpfung eines Gefühls von etwas Neuem und Verwandlung des anscheinend Neuen in etwas Altes.
34 [245]
“die Verbrecher höchsten Ranges sind dem Capitol ebenso nahe als dem tarpejischen Felsen” hat, glaube ich, Mirabeau gesagt.
34 [246]
Das Leben als ein wacher Traum; je feiner und umfänglicher ein Mensch ist, um so mehr fühlt er die ebenso schauerliche als erhabene Zufälligkeit an seinem Leben, Wollen, Gelingen, Glück, Absicht heraus; er schaudert, wie der Träumer, der einen Augenblick fühlt “ich träume.” Der Glaube an die causale Necessität der Dinge ruht auf dem Glauben, daß wir wirken; sieht man die Unbeweisbarkeit des Letzteren ein, so verliert man etwas den Glauben an jenes Erste. Es kommt hinzu, daß “Erscheinungen” unmöglich Ursachen sein können. Ein ungewohntes Ding zurückzuführen auf schon gewohnte Dinge, das Gefühl der Fremdheit zu verlieren—das gilt unserem Gefühl als Erklären. Wir wollen gar nicht “erkennen,” sondern nicht im Glauben gestört werden, daß wir bereits wissen.
34 [247]
Etwas kann unwiderlegbar sein: deshalb ist es noch nicht wahr.
Das Ganze der organischen Welt ist die Aneinanderfädelung von Wesen mit erdichteten kleinen Welten um sich: indem sie ihre Kraft, ihre Begierden, ihre Gewohnheiten in die Erfahrungen außer sich heraus setzen, als ihre Außenwelt. Die Fähigkeit zum Schaffen (Gestalten Erfinden Erdichten) ist ihre Grundfähigkeit: von sich selber haben sie natürlich ebenfalls nur eine solche falsche erdichtete vereinfachte Vorstellung.
“Ein Wesen mit der Gewohnheit zu einer Art von Regel im Traume”—das ist ein lebendiges Wesen. Ungeheure Mengen solcher Gewohnheiten sind schließlich so hart geworden, daß auf ihnen hin Gattungen leben. Wahrscheinlich stehen sie in einem günstigen Verhältniß zu den Existenzbedingungen solcher Wesen.
Unsere Welt als Schein, Irrthum—aber wie ist Schein und Irrthum möglich? (Wahrheit bezeichnet nicht einen Gegensatz zum Irrthum, sondern die Stellung gewisser Irrthümer zu anderen Irrthümern, etwa daß sie älter, tiefer einverleibt sind, daß wir ohne sie nicht zu leben wissen und dergleichen.)
Das Schöpferische in jedem organischen Wesen, was ist das?
— daß alles, das, was jedem seine “Außenwelt” ist, eine Summe von Werthschätzungen darstellt, daß grün, blau, roth, hart, weich, vererbte Werthschätzungen und deren Abzeichen sind.
— daß die Werthschätzungen in irgend einem Verhältniß zu den Existenzbedingungen stehn müssen, doch lange nicht so, daß sie wahr wären, oder präcis wären. Das Wesentliche ist gerade ihr Ungenaues Unbestimmtes, wodurch eine Art Vereinfachung der Außenwelt entsteht—und gerade diese Sorte von Intelligenz ist günstig zur Erhaltung.
— daß der Wille zur Macht es ist, der auch die unorganische Welt führt, oder vielmehr, daß es keine unorganische Welt giebt. Die “Wirkung in die Ferne” ist nicht zu beseitigen: etwas zieht etwas anderes heran, etwas fühlt sich gezogen. Dies ist die Grundthatsache: dagegen ist die mechanistische Vorstellung von Druck und Stoß nur eine Hypothese auf Grund des Augenscheins und des Tastgefühls, mag sie uns als eine regulative Hypothese für die Welt des Augenscheins gelten!
— daß, damit dieser Wille zur Macht sich äußern könne, er jene Dinge wahrnehmen muß, welche er zieht, daß er fühlt, wenn sich ihm etwas nähert, das ihm assimilirbar ist.
— die angeblichen “Naturgesetze” sind die Formeln für “Machtverhältnisse” von
Die mechanistische Denkweise ist eine Vordergrunds-Philosophie. Sie erzieht zur Feststellung der Formeln, sie bringt eine große Erleichterung mit sich,
— die verschiedenen philosophischen Systeme sind als Erziehungsmethoden des Geistes zu betrachten: sie haben immer eine besondere Kraft des Geistes am besten ausgebildet; mit ihrer einseitigen Forderung, die Dinge gerade so und nicht anders zu sehen.
34 [248]
Dionysos.
| Dionysos als Erzieher. |
| Dionysos als Betrüger. |
| Dionysos als Vernichter. |
| Dionysos als Schöpfer. |
34 [249]
Das Muster einer vollständigen Fiction ist die Logik. Hier wird ein Denken erdichtet, wo ein Gedanke als Ursache eines anderen Gedankens gesetzt wird; alle Affekte, alles Fühlen und Wollen wird hinweg gedacht. Es kommt dergleichen in der Wirklichkeit nicht vor: diese ist unsäglich anders complicirt. Dadurch daß wir jene Fiction als Schema anlegen, also das thatsächliche Geschehen beim Denken gleichsam durch einen Simplificationsapparat filtriren: bringen wir es zu einer Zeichenschrift und Mittheilbarkeit und Merkbarkeit der logischen Vorgänge. Also: das geistige Geschehen zu betrachten, wie als ob es dem Schema jener regulativen Fiction entspräche: dies ist der Grundwille. Wo es “Gedächtniß” giebt, hat dieser Grundwille gewaltet.— In der Wirklichkeit giebt es kein logisches Denken, und kein Satz der Arithmetik und Geometrie kann aus ihr genommen sein, weil er gar nicht vorkommt.
Ich stehe anders zur Unwissenheit und Ungewißheit. Nicht, daß etwas unerkannt bleibt, ist mein Kummer; ich freue mich, daß es vielmehr eine Art von Erkenntniß geben kann und bewundere die Complicirtheit dieser Ermöglichung. Das Mittel ist: die Einführung vollständiger Fictionen als Schemata, nach denen wir uns das geistige Geschehen einfacher denken als es ist. Erfahrung ist nur möglich mit Hülf,- von Gedächtniß. Gedächtniß ist nur möglich vermöge einer Abkürzung eines geistigen Vorgangs zum Zeichen.
Die Zeichenschrift.
Erklärung: das ist der Ausdruck eines neuen Dinges vermittelst der Zeichen von schon bekannten Dingen.
34 [250]
Daß wir wirkende Wesen, Kräfte sind, ist unser Grundglaube. Frei: heißt “nicht gestoßen und geschoben, ohne Zwangsgefühl.”
NB. Wo wir einem Widerstande begegnen und ihm nachgeben müssen, fühlen wir uns unfrei: wo wir ihm nicht nachgeben sondern ihn zwingen, uns nachzugeben, frei. D. h. es ist das Gefühl unseres Mehr von Kraft, welches wir mit “Freiheit des Willens” bezeichnen: das Bewußtsein davon, daß unsere Kraft zwingt, im Verhältniß zu einer Kraft, welche gezwungen wird.
34 [251]
Im Wollen ist ein Affekt.
34 [252]
Erkenntniß: die Ermöglichung der Erfahrung, dadurch daß das wirkliche Geschehen, sowohl auf Seiten der einwirkenden Kräfte, als auf Seiten unserer gestaltenden, ungeheuer vereinfacht wird: so daß es ähnliche und gleiche Dinge zu geben scheint. Erkenntniß ist Fälschung des Vielartigen und Unzählbaren zum Gleichen, Ähnlichen, Abzählbaren. Also ist Leben nur vermöge eines solchen Fälschungs-Apparates möglich. Denken ist ein fälschendes Umgestalten, Fühlen ist ein fälschendes Umgestalten, Wollen ist ein fälschendes Umgestalten—: in dem Allem liegt die Kraft der Assimilation: welche voraussetzt einen Willen, etwas uns gleich zu machen.
34 [253]
Wahrheit ist die Art von Irrthum, ohne welche eine bestimmte Art von lebendigen Wesen nicht leben könnte. Der Werth für das Leben entscheidet zuletzt. Sehr gemeine und tugendhafte M
34 [254]
Ich habe ihn geliebt und Niemanden sonst. Er war ein Mensch nach meinem Herzen, so unmoralisch, atheistisch, antinomistisch, welcher einsam lief und nie daran glauben mochte, daß
34 [255]
NB. Eine neue Denkweise—welche immer eine neue Meßweise ist und das Vorhandensein eines neuen Maaßes, einer neuen Empfindungs-Scala voraussetzt, welche immer ein ächter Gl ist—will sich durchsetzen und sagt mit ihrem Feuer der ersten Liebe zu allem, was ihr widerstrebt: “das ist falsch.” In diesem Kampfe verfeinert sie sich, lernt sich vertheidigen und hat nöthig, um zu besiegen, dem Gegner seine Waffen abzulisten und seine Kunst abzulernen. “Das ist falsch” heißt ursprünglich “ich glaube nicht daran”; noch feiner zugesehn “ich fühle nichts daran, ich mache mir nichts daraus.”
34 [256]
Ich habe manche nicht unbedenkliche Versuche gemacht, um mir Menschen heranzulocken, denen ich von so seltsamen Dingen reden könnte: alle meine Schriften waren bisher ausgeworfene Netze: ich wünschte Menschen mit tiefen reichen und ausgelassenen Seelen mir dazu einzufangen.
An wen sich wenden? Meinen längsten Versuch machte ich an jenem vielfachen und geheimnißvollen Menschen, dem vielleicht von den Menschen dieses Jahrhunderts die meisten guten und schlimmen Dinge über die Seele gelaufen sind, an R W. Später gedachte ich die deutsche Tugend zu “verführen”—denn es ist mir gut bekannt, wie gefährlich es in den Zwanziger Jahren in einem Deutschen zugeht. Noch später machte ich mir eine Sprache für verwegene Mannsköpfe und Mannsherzen zurecht, die irgendwo in einem Winkel der Erde auf meine wunderlichen Dinge warten mochten. Endlich—doch man wird es nicht glauben, zu welchem “endlich” ich gelangte. Genug, ich erdichtete “Also sprach Zarathustra.”
Soll ich es gestehen? Ich fand Keinen bisher, aber immer wieder irgend eine wunderliche Form jener “rasenden Dummheit,” welche sich gerne noch als Tugend anbeten lassen möchte: ich nenne sie am liebsten “die moralische Tartüfferie,” ehre sie als das Laster unseres Jahrhunderts und bin bereit, ihr noch hundert Fluchworte beizugesellen.
34 [257]
Tiefe und ferne M haben ihre Vordergründe: und zu Zeiten haben sie nöthig, sich zu geben, als ob sie nur Vordergrund wären.
34 [258]
Einsam inmitten guter Freunde und getreuer Nachbarn, lächelnd und erstaunt über ihre “rasende Dummheit,” über das zudringliche Wohlwollen.
34 [259]
Tiefe und ausgelassene Geister!
34 [260]
Der Streit auf dem Grunde von Befehlen und Gehorchen
Der Wille zur Macht.
als Grundwille alles Lebendigen
1. in der Erkenntniß und Philosophie.
2. in der Ethik und Erziehung und Politik.
3. in der Kunst und Religion.
die beiden extremsten Denkweisen, die mechanistische und die platonische kommen überein in der ewigen Wiederkunft: beide als Ideale
34 [261]
Die Schätzung des Anorganischen als niedriger ist eine Beschränktheit. Es fehlt der Schmerz, der Irrthum. Der Wille zur Macht ist da wahr und schmerzlos.
34 [262]
Das reine Denken könnte nicht denken: das Unbedingte kann nicht bedingen.
Die reine Erkenntniß ist wie das Ding an sich eine contradictio
34 [263]
Aber wenn du keine Moral mehr anerkennst, warum suchst du nach der Wahrheit? Und wenn die Moralität dich trieb, die Wahrheit zu suchen: warum verneinst du die Moral, nachdem die Moralität dich nicht mehr zwingt? Gerade jetzt könntest du sie ja gelten lassen: ein Vorrecht des Sceptikers!
34 [264]
Ich verstehe unter Moral ein System von Werthschätzungen, welches mit den Lebensbedingungen eines Wesens sich berührt
Liegen im Forschen moralische Kräfte und Werthschätzungen?
Das Kriterium der Wahrheit liegt in der Steigerung des Machtgefühls.
“So und so soll es sein” das steht am Anfang: Daraus wird später, oft nach langen Geschlechter-folgen ein “so ist es.” Es heißt später “Wahrheit”; zuerst war es ein Wille, etwas so und so zu sehn, so und so zu nennen, ein Ja sagen zu einer eignen Werthschaffung. —
Wir vergleichen etwas an dem, was wir für wahr halten, nach der Methode, an welche wir zu glauben gewöhnt sind.
34 [265]
Der M ist ein Denker, welcher die Moral als Problem d. h. als fragwürdig nimmt: um dies mit einiger Reinlichkeit zu thun, muß er ohne moralische Neben- und Hinterabsichten denken können: ist aber ein außermoralisches Denken möglich?
Damit wir nicht in jene berühmte niaiserie allemande verfallen, welche den Namen Kants unsterblich gemacht hat (er antwortete sich auf die Frage —): man habe ein Vermögen dazu
Ein Wesen, das nicht getäuscht sein will, ist noch lange nicht ein solches, welches nicht t will, läßt sich gemeinhin gerne betrügen.
34 [266]
Quellen des Mitleids: Nachahmung und Grausamkeit.
34 [267]
Freiheit im Verhältniß zur That so verschieden wie zum Werk (der Künstler zu seinem Werk, und das Weib zu seinem Kinde)
Das Wesentliche am Schaffen ist das Befehlen.
34 [268]
Das Kriterium der Wahrheit ist nicht in Jedem “es gefällt mir” (in der Lust), aber viell in Einer Gattung von Lust (Machtgefühl)?
34 [269]
Mein Problem: der Gesetzgeber.
34 [270]
Der Gesetzgeber.
Der Verehrende.
Der Verneinende.
Der Versuchende.
Der Befehlende.
34 [271]
Es ist auch die Moral des Gerechten noch möglich: als “ich will Gerechtigkeit” — aber um einen theuren Preis. Ein solches Ideal lebt auf Unkosten anderer; hat kein Recht an sich, keinen Gott für sich, lacht über die Ja’s und Nein’s des Gewissens.
34 [272]
Man muß nicht zu laut reden, wenn man von feinen Ohren gehört werden will, auch hasse ich den Lärm. Man muß Vieles nicht sagen und Vieles anders sagen, als man denkt; und beinahe glaube ich, daß man als Lehrer sogar immer das Gegentheil von dem lehren muß, was man für wahr hält. Denkt man heute anders: was liegt daran? Was liegt heute daran, daß man für Alle Papier bedruckt? “Papier für Alle” nutzt zu Anderem noch als zum Gelesenwerden: darin hat es seine Rechtfertigung.
11, 34[1-272] April-Juni 1885
34 [1]
Gai Saber.
Признания.
Сочинение
Фридриха Ницше.
Признания: по сути дела, для меня это название слишком торжественно: я не верю ни в признание, ни в самость.
По сути дела, это название слишком торжественно, но если бы я назвал книгу так, как мне нравится, – «500 000 мнений», – для моих читателей это звучало бы чересчур смешно. Стало быть, из уважения к своим читателям –
Высокое воспитание.
Высшее воспитание.
Мысли о философах будущего.
Предположения о философах будущего.
34 [2]
От года к году я становлюсь все откровеннее — по мере того, как углубляется мой взгляд на это девятнадцатое столетие, столетие морального тартюфства: я нахожу все меньше оснований для того, чтобы скрывать свои мысли. Какие мнения могут быть опасными сегодня, когда ничто больше не падает «в глубокие колодцы»! И будь они даже опасными и разрушительными, — многое следует опрокинуть, чтобы взамен создать новое
34 [3]
В молодости со мной приключилось несчастье: на моем пути встретился крайне двусмысленный М — когда я понял, кто он (а он был великим актером, который ни к чему, даже к музыке, не относился серьезно), меня охватило столь болезненное отвращение, что я стал думать, будто все знаменитые М были актерами, иначе они не стали бы знаменитыми, — и в том, что я называл словом «художник», главным было наличие актерской силы.
34 [4]
Сколь обтекаемо излагал я то, что воспринимал как «дионисийское»! Сколь наукообразно и монотонно и при этом недостаточно научно, чтобы оказать влияние и открыть для нескольких поколений филологов новое поле деятельности! На этом пути к античности встречается больше всего завалов, и кто вообразил, будто достиг особой мудрости в понимании греков, например Гёте и Винкельман, — не имел о них ни малейшего представления. Кажется, греческий мир в сто раз сокровеннее и неизвестнее, чем хотелось бы самым назойливым из современных ученых. Если там и можно что-то познать, то, разумеется, только подобное через подобное. И опять-таки — только впечатления из внезапно открывающихся нам источников: они наделяют тем новым великим взглядом, который позволяет увидеть подобное в ушедшем мире.
34 [5]
NB. Величайшие события труднее всего достигают чувств людей, например тот факт, что христианский бог «умер» и что в наших переживаниях больше не находят выражения небесная доброта и воспитание, не божественная справедливость, вообще имманентная мораль. Это страшная новость, и понадобится еще несколько столетий, чтобы она стала достоянием чувств европейцев; тогда некоторое время будет казаться, будто из вещей улетучилась вся их тяжесть. —
34 [6]
Я не дал себя обмануть блестящей видимостью германской империи. Когда я писал своего Заратустру, то в качестве фона предполагал состояние Европы, при котором в Германии будет торжествовать столь же ужасная и грязная партийная борьба, какая уже имеет место в сегодняшней Франции.
34 [7]
Разве когда-нибудь признавали «глубину» за определённым женским умом? До сих пор я не испытывал уважения ни к одной женщине. Д’Эпинэ в сравнении с Галиани!
И справедливость, — разве когда-нибудь эта —
34 [8]
Одни только итальянцы искренни и самобытны в жестокой сатире. Начиная с Буратти, благодаря которому гений Байрона совершил решительный поворот. Даже у Кардуччи нет ничего такого, чего немцы или французы не делали бы лучше.
34 [9]
Я не знаю себя: призыв к самопознанию кажется мне божественной шуткой или греческим ребячеством — этого у них было в достатке! Но если кто-то высказал свое мнение о 500 вещах, то возможно, что другие его «познают». Ну что ж!
34 [10]
Аффектация «научности», например «феминизм», но также и «обзорный стиль» немецких журналов!
34 [11]
Наше время питается и живет моралью прежних времен.
34 [12]
Паскаль оскорбляет представлением, что на него влияет погода, ясное и чистое небо. Теперь — удобнее всего теория среды: все оказывает влияние, результат — сам человек.
34 [13]
Продукты, с которыми мой желудок справляется плохо или не справляется вовсе: картошка, ветчина, горчица, лук, перец, все жаренное в жире, слоеное тесто, цветная капуста, капуста, салат, все приготовленные на смальце овощи, вино, колбасы, масляные соусы к мясу, шнитт-лук, свежий хлебный мякиш, любой заквашенный хлеб.
Все жаренное на решетке, любое мясо с кровью, телятина, ростбиф, баранья ножка, жаркое из ягненка, яичный желток, молоко и сметана, рис, манка, теплые печеные яблоки, зеленый горошек, фасоль, морковь, корнеплоды, рыба, кофе, масло, поджаренная корка белого хлеба.
34 [14]
Манера открытой и сердечной доверительности, в которой нуждаются сегодня, в демократическую эпоху, чтобы добиться любви и уважения, — короче, все то, благодаря чему сегодня к тебе относятся как к «порядочному человеку», — не вызывает у моралиста ничего, кроме смеха. Все глубокие люди испытывают здесь своего рода облегчение: так приятно играть комедию и
34 [15]
Древние читали вслух.
34 [16]
Среди невоздержанных людей, например у английской черни, учение о воздержанности естественным образом приобретает огромную силу. У людей воздержанных оно вызывает смех.
34 [17]
Дионисийское. Какая нелепая застенчивость — говорить о чем-то с точки зрения ученого, в то время как я мог бы говорить с точки зрения «пережившего» это. И какое дело до «эстетики» тому, кто должен сочинять! Нужно заниматься своим ремеслом и гнать любопытство ко всем чертям!
34 [18]
XX век.
Аббат Галиани сказал однажды — но поскольку я вовсе не разделяю миролюбивых взглядов моего покойного друга Галиани, то боюсь напророчить что-нибудь такое, что, возможно, станет причиной войн.
34 [19]
Чудовищное осознание после ужаснейшего землетрясения: новые вопросы.
34 [20]
NB. Предпоследние столетия отвергали готику как варварство (гот в те времена был синонимом варвара), предпоследнее столетие не принимало Гомера. В этом заключается вкус: сильное желание сказать свое «да» и свое «нет».— Способность снова наслаждаться Гомером есть, быть может, величайшее достижение европейского человека,— но за нее пришлось довольно дорого заплатить.
34 [21]
Бодлер, уже совсем как немец, если не принимать во внимание некоторую гипер-эротическую болезненность, от которой пахнет Парижем.
34 [22]
Тэн обладал изобретательной смелостью обнаружить типическое сходство между Гегелем и Анри Бейлем; его метод по сути дела означает: историю можно понять только с помощью понятий, понятия же должен создавать исторический человек; таким образом, история, насчитывающая только 4–5 факторов, наиболее понятна.
34 [23]
маскарад буржуа, например в роли Саламбо или святого Антония.
34 [24]
Некоторые, в основе своей неглубокие и легковесные существа—народы или отдельные личности—переживают свои самые драгоценные и высшие мгновения, когда однажды, к своему удивлению, становятся тяжеловесными и впадают в уныние. То же самое, вероятно, можно сказать и о скотской черни, которая—прежде в английском пуританстве или сегодня в английской Армии Спасения—начинает морализаторски бурчать себе под нос, что судороги раскаяния суть высшее достижение «гуманности»; разумеется, все это следует признать. —
Но другие возвышаются, когда становятся легковеснее! Нет никаких сомнений: если вид «человек» целые поколения прожил в роли наставника, врача, пастыря и примера для поведения, не засматриваясь на деньги, почести и должности, то в конце концов возникает более высокий, утонченный и одухотворенный тип. По этой причине священник, продолжающий свой род через посредство здоровых женщин, является своеобразной подготовкой к позднейшему возникновению высшего человека.
34 [25]
Такие догматические натуры, как Данте и Платон, более всего далеки от меня и, возможно, именно поэтому более всего привлекательны: они обретаются в доме познания, который прочно сбит и заслуживает полного доверия. Один в своем собственном, другой в христианско-патристическом.
Но чтобы удержаться в незавершенной системе со свободной, открытой перспективой, нужна совсем иная сила и подвижность, чем в догматическом мире. Леонардо да Винчи стоит выше Микеланджело, а Микеланджело выше Рафаэля.
34 [26]
Среди нынешних образованных (которые — pudor — все без исключения читают газеты) особой похвалы удостаиваются глубокие люди. Но что могут знать о глубине те, кто способен хвалить глубоких людей! — Это опасные люди, нет никакого сомнения. Ведь обычно хвалить бездны не принято!
34 [27]
Письма
к другу-философу.
По случаю книги
«Так говорил Заратустра».
Сочинение
Фридриха Ницше.
34 [28]
Суеверие: верить в сущее, в безусловное, в чистый дух, в абсолютное познание, в абсолютную ценность, в вещь саму по себе! Во всех этих склонностях скрыто contradictio.
34 [29]
Скептические возражения.
34 [30]
Чувственное восприятие происходит у нас неосознанно: все, что нами осознается, суть уже обработанные восприятия.
34 [31]
Великого освобождения он добивается для себя—не для того, чтобы потребовать его от других, и отнюдь не потому, что видит свой долг в сообщении о нем и в навязывании его другим.
34 [32]
Тысячелетия длится великий застой в изобретении ценностей.
34 [33]
| Законодатели будущего. |
| 1. Происхождение. |
| 2. Самый скованный дух. |
| 3. Великое освобождение. |
| 4. Страдания из-за людей. |
| 5. Новая воля. |
| 6. Молот. |
34 [34]
Моя язвительность — противоположна язвительности монахов. Я злюсь на своё чрезмерное сострадание другим и радуюсь, когда моё эго бодрствует и находится в хорошем настроении.
34 [35]
1. Абеляр хотел привнести разум в церковный авторитет; в конце концов Декарт обнаружил, что всякий авторитет содержится только в разуме.
2. Самопреодоление разума как внутренняя проблема Паскаля — в пользу христианской «веры».
34 [36]
Проблема «веры» заключается в следующем: имеет ли инстинкт большую ценность, нежели разумное суждение, и почему?
Этот вопрос о ценностной оценке скрывается за многочисленными спорами о «знании и вере», об утилитаризме и интуитивизме.
Сократ наивно встал на сторону разума — против инстинкта. (Но, по сути дела, он следовал всем моральным инстинктам, только с ложной мотивировкой: как будто мотивы исходили из разума. Также и Платон и т.д.)
Платон непроизвольно стремился показать, что разум и инстинкт хотят одного и того же. Так же поступают и сегодня — Кант, Шопенгауэр и англичане.
В вере на первом месте стоит инстинкт повиновения высшему авторитету, т. е. один инстинкт. Категорический императив есть желаемый инстинкт — там, где этот инстинкт и разум едины.
34 [37]
Кант, умная голова, педантичная душа
34 [38]
NB. Да простят мне это самонадеянное утверждение: именно потому, что у меня более высокий и более глубокий, а также более научный взгляд на женщину, нежели у ее эмансипаторов и эмансипаторш, — я противлюсь эмансипации; я лучше знаю, в чем сила женщин, и говорю о них так: «они не ведают, что творят». Своими нынешними устремлениями они уничтожают свои инстинкты!
34 [39]
Бентам и утилитаризм зависят от Гельвеция — вот первое великое событие в сфере морали. В немецкой философии (Кант, Шопенгауэр) «обязанность» или «инстинкт сострадания» все еще остаются старыми проблемами со времен Сократа (то есть стоицизм или христианство, аристократия индивидуума или стадная доброта).
34 [40]
Я нуждаюсь
| а) | в ком-нибудь, кто будет следить за моим желудком, | |
| б) | в ком-нибудь, кто будет смеяться со мной и обладать раскованным умом, | |
| в) | в ком-нибудь, кто будет гордиться моим обществом и соответствующим образом внушать «другим» уважение ко мне, | |
| г) | в ком-нибудь, кто будет читать мне вслух, не оглупляя при этом книгу. |
34 [41]
Plaire — великая тайна французской воли и, по существу, стадной морали. «Сочувствие», альтруизм суть лицемерные выражения для этого.
34 [42]
NB. До сих пор большинство художников (включая историков), даже крупнейшие из них, принадлежали к слугам (будь то для сословий, или князей, или женщин, или «масс»), не говоря уже об их зависимости от церкви и морального закона. Так, Рубенс рисует портрет знатного мира своего времени, но руководствуется вкусом, который мерещился этому времени, а не своей мерой красоты, то есть в целом действует вопреки собственному вкусу. Ван Дейк был в этом благороднее: всем, кого он писал, он придавал нечто из того, что превыше всего ценил в себе самом; «воспроизводя», он не спускался к ним, а поднимался к себе.
Рабское верноподданничество художника по отношению к своей публике (выраженное самим Себастьяном Бахом в бессмертных оскорбительных словах посвящения Высокой мессы) в музыке, вероятно, ощущается не столь тяжело, но тем глубже и основательнее оно скрыто в ней. Вряд ли у кого-то хватит смелости выслушать мои соображения на этот счет.
34 [43]
NB. Медленное выдвижение и возвышение среднего и низшего сословий (включая низшие виды духа и тела), которое в избытке давало о себе знать еще перед французской революцией и проложило бы себе дорогу и без нее, то есть преобладание стада над пастырями и вожаками влечет за собой:
1) помрачение духа: сосуществование стоической и фривольной видимости счастья, как это было свойственно благородным культурам, идет на убыль; становятся видны и слышны многие страдания, которые раньше терпеливо сносили и скрывали.
2) моральное лицемерие, некое желание отличиться через посредство морали, но только стадными добродетелями: состраданием, заботливостью, благотворительностью, которые не признаются и не ценятся вне стада;
3) действительно великую меру сострадания и соучастия в общих радостях, удовольствие от большого скопления, как у всех стадных животных, — «чувство солидарности», «отечество», все то, где индивид не принимается во внимание.
34 [44]
Дидро, по мнению Гёте, проявлял себя как настоящий немец (Сент-Оган, с. 248) во всем, что французы осуждали. Но и неаполитанцы, по словам Галиани, полностью принимали его вкус.
34 [45]
Обладай какой-нибудь парижанин немецким вкусом, ему казалось бы, будто Бодлер воспринимает действительность как немец, когда заявляет, что терпеть не может Виктора Гюго и называет его «гениальным ослом».
34 [46]
Если я имею в себе нечто цельное, то оно наверняка содержится не в сознаваемом «Я», не в чувствах, желаниях и мыслях, а в чем-то ином: в сохраняющем, усваивающем, отбраковывающем и контролирующем благоразумии всего моего организма, которому мое сознаваемое «Я» служит лишь орудием. — Чувства, желания и мысли всегда лишь конечные феномены, причины которых мне совершенно неизвестны; последовательность этих феноменов, когда создается впечатление, будто один вытекает из другого, вероятно, всего лишь видимость: в действительности причины могут быть так связаны друг с другом, что конечные причины производят на меня впечатление логического или психологического соединения. Я отрицаю, что один духовный или душевный феномен является непосредственной причиной другого духовного или душевного феномена, хотя кажется, будто это именно так. Истинный мир причин скрыт от нас: он невыразимо сложнее. Интеллект и органы чувств суть прежде всего упрощающий аппарат. Однако наш ложный, редуцированный, выстроенный по законам логики мир и есть тот самый мир, в котором мы можем жить. Мы «познаем» лишь в той мере, в какой это необходимо для удовлетворения наших потребностей.
Изучение тела дает представление о его невероятной сложности.
Не обладай наш интеллект некоторыми прочными формами, жить было бы невозможно. Однако это еще не доказывает истинность всех логических процессов.
34 [47]
Хитрое самоумаление Сократа: он внушает своему противнику незлобивость и уверенность в себе, позволяющую без обиняков высказать то, что он думает: прием человека черни! Логика в Афинах и не ночевала.
34 [48]
NB. Когда имеешь чуть более светлую голову и немного доброй воли, уже просто невозможно, исходя из собственного вкуса, истолковывать все свои переживания «в честь бога», я хочу сказать, во всем видеть следы его заботы, предостережения, наказания, воспитания. Как хороший филолог (и вообще всякий ученый, прошедший филологическую школу) испытывает отвращение к ложным толкованиям текстов (например к проповедям протестантских священников с кафедр, — вследствие чего ученые сословия больше не ходят в церковь), точно так же — а не по причине великой «добродетели», «честности» и т. д. — противоречит вкусу фальшивость религиозных интерпретаций всех переживаний.
34 [49]
В нашем наслаждении простотой, обозримостью, закономерностью, ясностью, из чего немецкий «философ» мог бы в конечном счете извлечь категорический императив логики и прекрасного, я вижу наличие сильного инстинкта. Он настолько силен, что управляет всеми нашими чувствами и редуцирует, регулирует, ассимилирует и т.д. полноту наших действительных (неосознаваемых) ощущений и только в такой приукрашенной форме доводит их до нашего сознания. Эта «логика», эта «художественность» есть результат нашей непрекращающейся деятельности. Что сделало эту силу столь суверенной? Очевидно, без нее сумятицы впечатлений не вынесло бы ни одно живое существо.
34 [50]
(Я не понимаю, почему органическая жизнь вообще должна была возникнуть — —)
34 [51]
Химия демонстрирует, что всякое вещество простирает свое влияние так далеко, как может; отсюда возникает нечто третье.
Особенности ребенка нельзя вывести даже из самого точного знания об отце и матери: эти особенности суть воздействия на нас чего-то третьего. Однако сложение воздействий первого и воздействий второго, то есть их особенностей, не дает «воздействия третьего»
34 [52]
Цепь причин скрыта от нас: взаимосвязь и последовательность воздействий кажутся лишь чередованием; оно может быть даже весьма закономерным, но мы все равно не воспринимаем его как нечто необходимое. — Тем не менее, мы можем констатировать различные ряды таких последовательностей: например, последовательность нажимаемых клавиш при игре на фортепьяно, последовательность ударов по струнам, последовательность раздающихся звуков.
34 [53]
Критика инстинкта причинности.
Вера в то, что у всякого действия есть свой мотив, мало-помалу инстинктивно приобрела всеобщий характер во времена, когда любое событие представляли себе по образу сознательных живых существ. «Всякое событие происходит на основании мотива: causa finalis — есть causa efficiens» —
Эта вера ошибочна: цель, мотив — суть средства, необходимые для того, чтобы сделать событие постижимым и практичным для нас. — Обобщение тоже было ошибочным и нелогичным.
Никакой цели.
Никакой воли.
34 [54]
Обратный хронологический порядок.
«Внешний мир» воздействует на нас: воздействие сообщается в мозг, там приводится в порядок, оформляется и приводится к своей причине; затем причина проецируется, и только тогда факт входит в наше сознание. Иными словами, мир явлений только тогда является нам как причина, когда «он» произвел действие и это воздействие было обработано. То есть мы постоянно придаем ходу событий обратный порядок. — Когда мое «Я» что-то видит, оно видит нечто другое. Точно так же обстоит дело и с болью.
34 [55]
Вера в чувства. Это основной факт нашего интеллекта, он берет из чувств сырой материал, который интерпретирует. Такое отношение к сырому материалу, предлагаемому органами чувств, с моральной точки зрения не выводимо из стремления к истине, а объясняется волей к преодолению, ассимиляции, питанию. Наши постоянные функции абсолютно эгоистичны, макиавеллистичны, благонадежны, утонченны. Приказание и повиновение доводятся до наивысшей точки, и чтобы можно было повиноваться абсолютно, отдельный орган получает большую свободу.
Ошибка при вере в цели.
Воля — ненужное допущение.
Обратный хронологический порядок.
Критика веры в причинность.
Вера в чувства как в основную данность нашего существа.
Центральная сила не должна существенно отличаться от того, над чем она властвует.
История возникновения не объясняет свойств. Они должны уже быть известны. Историческое объяснение есть редукция к привычной для нас последовательности — через аналогию.
34 [56]
Механистическое объяснение мира есть идеал: попытка объяснить возможно меньшими средствами как можно больше, то есть свести к формулам. Необходимо: отрицание пустого пространства; мыслить пространство как определенное и ограниченное, а мир — как вечное повторение самого себя.
34 [57]
То, как возникает народный характер, «народная душа», позволяет судить о возникновении души индивида. Сначала ему навязывается ряд действий как условие существования, он привыкает к ним, они крепнут и углубляются. Народы, переживающие большие изменения и попадающие в новые условия, демонстрируют перегруппировку своих сил: то один, то другой момент выходит на передний план и получает перевес, поскольку в данный момент он нужнее для существования; пример: практичность и трезвость современных немцев. Любой характер в первую очередь есть роль. «Личность» философа в сущности — личина.
34 [58]
Число — великое средство делать мир сподручным. Мы понимаем в той мере, в какой умеем считать, то есть можем воспринимать нечто как константность.
34 [59]
Развитие до сих пор больше всего сдерживали задние мысли морали.
34 [60]
Внутри нашего мира чувств, если мы обостряем его или мыслим обостренным, также возникает мир, совершенно по-иному воздействующий на наше чувство.
34 [61]
| Предрассудок причинности |
| предрассудок воли |
| предрассудок цели |
| предрассудок личности |
| Познание: ложное понятие, то есть такое понятие, выдвигать которое мы не имеем права. |
| Устранение | 1) | воли | ||
| 2) | цели как «для чего» и «благодаря чему» | |||
| 3) | следовательно, и причинности (которая вытекает из того и другого) |
34 [62]
«Как возможны синтетические суждения a priori?» — «Благодаря способности к этому», — гласил знаменитый кантовский ответ, который многие восприняли с большим удовлетворением.
34 [63]
Сохранились самые полезные понятия, сколь бы ложным ни было их возникновение.
34 [64]
В первой книге «Веры в истину» должно потрясти то, что правдивость полезна, но лишь в малом количестве, особенно у тех, кто ни за что не отвечает. Это же касается и уважения к философам.
34 [65]
Всеобщее огрубление европейского духа, известная неуклюжая бесцеремонность, охотно выдающая себя за прямоту, искренность или научность, — все это признаки господства мысли демократического духа времени и его сырого воздуха; еще определеннее — это результат чтения газет. Удобства ли, опьянения ли ждут от чтения — большинство из того, что читают, — это газеты или газетный стиль. Стоит только взглянуть на наши журналы-обозрения, на научные журналы: всякий, кто в них пишет, чувствует себя словно перед «неизбранным обществом» и, сидя в своем кресле, высказывается без обиняков. — И плохо приходится тому, кто большое значение придает тайному смыслу и в своих книгах больше всего высказанного любит написанное между строк. — Свобода прессы губит стиль и, в конечном счете, дух: это 100 лет тому назад знал уже Галиани. — «Свобода мысли» губит мыслителя. Находясь между преисподней и небесами, подвергаясь преследованиям, изгнанию и вечным проклятиям, чувствуя на себе неблагосклонные взгляды королей и женщин, дух стал гибким и бесстрашным. Боже, каким сегодня становится «дух»!
34 [66]
Всегда ironice: изысканное ощущение — следить за таким истинным мыслителем. Но еще приятнее обнаружить, что все это лишь передний план и что, в сущности, он стремится к чему-то иному, причем стремится очень смелыми путями. Я думаю, чары Сократа заключались в том, что у него была душа, за ней — другая, а за другой — еще одна. В первой устроился и уснул Ксенофонт, во второй — Платон и в третьей тоже Платон, но Платон со своей собственной второй душой. Сам Платон — человек со многими задними пещерами и передними планами.
34 [67]
NB. Наш век скептичен в своих самых существенных инстинктах: таковы почти все тонкие ученые и художники, хотя они и неохотно признаются себе в этом. Пессимизм, умение сказать «нет» легко даются только во имя удобства духа: наше сырое столетие с его демократическим воздухом прежде всего ориентировано на удобства. Более деликатный дух говорит: «я не знаю», «я доверяю себе и никому больше», «я не знаю, где выход и где вход» и «давайте надеяться» — все это фразы для изолгавшихся или для демагогических ораторов и художников. Скепсис — это выражение определенного физиологического склада, который с необходимостью возникает при великом скрещивании множества рас: многие унаследованные оценки борются между собой, мешают друг другу расти. Больше всего теряется здесь силы воли; отсюда великий страх перед ответственностью, так как никто не может утвердить себя. Убежище находят в общностях, здесь это называется «рука руку моет». Так образуется стадный вид, — и кто обладает сильной, повелевающей и бесстрашной волей, тот обязательно придет к господству в такие времена.
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Раздаются жалобы на то, как плохо приходилось до сих пор философам; однако на самом деле во все времена условия для воспитания сильного, хитрого, бесстрашного и беспощадного духа были благоприятнее, чем сейчас. Сегодня условия благоприятны для духа демагогов, как и для духа ученых. Но посмотрите на наших художников: разве почти все из них не гибнут от недостатка дисциплины? Они больше не становятся тиранами и не учатся тиранить самих себя. Никогда еще женщина не была столь мелка, как сегодня! Все слабеет, ибо все желает большего удобства. — Я прошел тяжелейшую школу телесных мучений, и сознание, что я при этом сохранил себя и молча — —
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Утонченнейшие умы прошлого столетия, Юм и Галиани, состояли на государственной службе, — так же как Стендаль, Токвиль...
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Юм требует (выражаясь словами Канта) от разума дать ответ, по какому праву он считает, будто нечто может быть устроено так, что если это предположить, то из него можно по необходимости предположить и нечто другое, ибо так гласит понятие причины. Он неопровержимо доказал, что для разума совершенно невозможно a priori и на основании понятий помыслить такую связь и т.д. — Однако глупость заключалась в вопросе о причинах права на обоснование. Он делал то, что сам хотел подвергнуть проверке.
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Ложь воспитателя, например при категорическом императиве Канта. «Разве бог, вопреки Декарту, был обманщиком?»
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NB. Истинное, нравственно-строгое и безобразное связаны друг с другом: это хорошо чувствовало христианство. Прекрасный человек не может быть ни истинным, ни добрым, разве что в виде исключения.
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То, что отделяет нас как от Канта, так и от Платона и Лейбница: мы верим в становление и в духовной сфере, мы насквозь историчны. В этом — великий поворот. Ламарк и Гегель — Дарвин лишь побочное явление. Возродился образ мыслей Гераклита и Эмпедокла. Кант также не преодолел contradictio in adjecto «чистый дух»; однако мы —
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Человеческий горизонт. Философов, особенно Платона, можно воспринимать как людей, изо всех сил пытающихся проверить, как высоко мог бы подняться человек, как далеко простирается его сила. Однако они делали это как индивидуумы; вероятно, инстинкт был сильнее у цезарей, основателей государств, думавших о том, как далеко можно продвинуть развитие человека при «благоприятных условиях». Правда, они не до конца понимали, что такое «благоприятные условия». Большой вопрос: где до сих пор роскошнее всего развилось растение «человек»? Для этого необходимо сравнительное изучение истории.
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Странно то, что стоики и почти все философы не умели смотреть вдаль. И потом эта глупость социалистов, которые всегда представляют только потребности стада.
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Механистическое представление как регулятивный принцип метода в роли предпосылки. Не как наиболее доказанное миросозерцание, а как миросозерцание, требующее величайшей строгости и дисциплины и прежде всего отбрасывающее в сторону всякую сентиментальность. Одновременно это проба для физического и душевного процветания: неудавшиеся расы со слабой волей погибают — из-за чувственности или меланхолии или, как индусы, из-за того и другого.
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Великая похвала христианству как истинно стадной религии.
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Полдень и вечность.
- Открыт для «истинного» и «ложного»
- открыт для «добра» и «зла»
- открыт для «прекрасного» и «безобразного»
- высший человек, как более могущественный, и предпринимавшиеся до сих пор попытки: «теперь настало время»
- Молот — опасность, о которую человек может разбиться
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Кант полагал, держа в руках свою таблицу категорий: «Это самое трудное из всего, что когда-либо могло быть предпринято для целей метафизики». — Не вызывает сомнений, откуда бралась его гордость.
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Грубость в сочетании с утонченностью у Петрония — также у Горация — мне приятнее всего. Они принадлежат греческому вкусу. Гомер был для людей из окружения Ларошфуко слишком груб, они не получали удовольствия от тривиального. Они старались удержаться на определенной высоте восприятия, как и многие нынешние немцы, и презирали себя, если в них пробуждалось наслаждение низшими сферами. Противоположность этому — Аристофан: nihil humani — это в духе античности.
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Поставить во главу: инстинкты тоже прошли стадию становления; они не могут служить доказательством сверхчувственного, даже животного, даже типично человеческого.
То, что дух прошел стадию становления и еще находится в становлении, что из многочисленных способов умозаключения и суждения самый для нас привычный является одновременно самым полезным и наследуется, ибо думающие так индивиды имели более благоприятные шансы, что тем самым никак не доказывается «истинность» и «ложность» –
34 [82]
— Анти-Кант.
«Способности, инстинкты, наследственность, привычка» — кто пытается что-то объяснить подобными словами, тот сегодня выглядит скромно и сверх того кажется человеком, получившим плохое образование. Но на исходе прошлого столетия эти слова употреблялись на каждом шагу. Галиани объяснял все привычками и инстинктами; Юм выводил из привычки понятие причинности; Кант, сохраняя полнейшее спокойствие, изрек: «это способность». И все были счастливы, особенно когда он обнаружил и моральную способность. В этом заключалась притягательная сила подобной философии; молодые теологи тюбингенской школы удалились в кусты — все искали способностей. И чего только не находили! Шеллинг окрестил это «интеллектуальным созерцанием», способностью к «сверхчувственному». Шопенгауэр полагал, что в уже достаточно оцененной способности, в воле, нашел то же самое и даже больше: «вещь саму по себе». В Англии появились инстинктивисты и интуитивисты морали. Это была старая история о вере и знании, своего рода «формальная вера», апеллирующая к какому-нибудь содержанию. История в значительной мере имеет отношение к теологам. Незаметно снова оживает Лейбниц, а за ним следом — Платон. Такие понятия, как avaunous и т.д. Это поначалу скептическое движение на самом деле направлено против скепсиса, оно наслаждается покорностью
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NB. Самое тягостное, что отличает сочинения невнятных, плохо образованных и далеких от философии умов, — даже не их неспособность к умозаключениям и не шаткий, нетвердый ход их логики, а непрочность самих понятий, которые они облекают в слова: в голове у этих людей лишь бесформенные расплывчатые пятна понятий. — Хорошего автора, однако, отличает не только сила и лаконичность формулировок: если человек наделен достаточно тонким нюхом, он угадывает, унюхивает то, к чему такой писатель себя принуждает, в чем упражняется, пытаясь, в первую очередь, самым строгим образом определить и закрепить свои понятия, то есть связывать со своими словами однозначные понятия. И пока этого не сделано, писать он не может! — Кстати, есть известное очарование и в неопределенности, смутности, неясности; вероятно, Гегель более всего воздействовал на заграницу своим искусством говорить о самых трезвых и холодных вещах так, как говорит пьяный. В великом царстве опьянения это и впрямь было одним из самых удивительных искусств, когда-либо изобретенных людьми, — и в конечном счете делом немецкой гениальности! Ибо куда бы ни добирались немцы и немецкие «добродетели», они всюду несли с собой желание и страстную потребность в грубых и утонченных спиртных напитках. — Быть может, с этим связана и чарующая мощь нашей немецкой музыки.
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NB. То, что делали Платон и, по существу, все постсократики, было своего рода законодательством в сфере понятий; для себя и своих учеников они твердо устанавливали: среди нас под этим словом должно пониматься и ощущаться то-то и то-то; тем самым они как можно более четко отделяли себя от своего времени и окружения. Это один из видов утонченного отвращения, посредством которого высшие, более требовательные натуры выражали свое возмущение неясной массой и ее понятийной путаницей.
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Что за чудовищная сила вот уже два тысячелетия оглупляет философов и совращает разум самых разумных? Это инстинкт, вера, какой требует от них христианство: это не что иное, как стадный инстинкт, стадная вера животного под названием «человек», стадное стремление к абсолютному подчинению какому-нибудь авторитету (Кант, исходя из германского стадного инстинкта, окрестил это «категорическим императивом»). В самом деле, подвергающимся опасности, колеблющимся, мягким и слабым стадным животным приносит величайшее облегчение получить абсолютного повелителя, барана-вожака: это первое условие их существования. Брамины знали толк в этом облегчении, как и иезуиты: почти во всех монастырях основной склонностью было избавиться, наконец, от вечного беспокойства, вызванного необходимостью самому отдавать себе приказы. Этот инстинкт веры есть, собственно, и женский инстинкт: когда женщины находят непреклонного учителя, требующего от них послушания и покорности, или хотя бы только художника, который изображает женщину в позе ее «совершенства», как почитающее, преданное, беззаветное существо, как жертву (так делал, например, Рихард), тогда они «вне себя» от счастья, ибо утверждаются в своих самых сокровенных инстинктах и чувствуют себя удовлетворенными. — В более слабой форме это проявляется у французов: они, как самые любезные европейцы, суть в то же время и самые стадные; одно удовольствие для них, когда они однажды могут позволить своему духу «безусловно повиноваться», например Наполеону. Или «идеям Французской революции» — или Виктору Гюго, который в течение своей долгой жизни во имя свободы облачал великолепнейшие стадные инстинкты в красивые слова и пышные одеяния. — Когда пришло христианство, античность была взорвана изнутри противоречивыми оценками (вследствие физиологической обусловленности нелепого для civis Romanus понятия равенства или столь же нелепого расширения imperium Romanum). Христианство принесло великое облегчение.
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Слова — это нотные знаки понятий; понятия же представляют собой более или менее устойчивые группы повторяющихся, взаимосвязанных ощущений. Чтобы люди понимали друг друга, мало употреблять одни и те же слова: одинаковые слова нужны и для одного и того же вида внутренних переживаний, которые должны быть общими. Поэтому представители одного народа понимают друг друга лучше, — или же, если люди долго жили вместе в одинаковых климатических условиях, занимаясь одинаковой деятельностью и испытывая одинаковые потребности, то определенный вид этих переживаний, которые понятны им лучше, чем все другие, получает приоритет. Результат — быстрое взаимопонимание. Вступление в брак и наследование тоже являются следствиями этого. Необходимость быстро и легко сообщать о своих потребностях теснее всего связывает людей друг с другом. С другой стороны, дружбу и любовь не удержать ничем, если выяснится, что под одинаковыми словами имеют в виду разное. Оценки определяются тем, какие группы ощущений стоят на переднем плане; однако оценки — это следствие наших самых сокровенных потребностей. —
Я говорю это, чтобы объяснить, почему трудно понимать работы, подобные моим: у меня иные внутренние переживания, оценки и потребности. Я годами общался с людьми и столь далеко зашел в самоотречении и вежливости, что никогда не говорил с ними о дорогих для меня вещах. Более того, именно так я почти всегда и жил среди людей.
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Мы воображаем, что повелевающее, высшее начало заключено в нашем сознании. В конечном счете у нас двойной мозг: способность самим желать, чувствовать и мыслить что-то из того, что составляет наши желания, чувства и мысли, мы обобщаем в слове «сознание».
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NB. Законодательные и тиранические умы, способные твердо установить и сохранить то или иное понятие, люди с душевной силой воли, которая может на длительное время превратить в камень и почти увековечить самое текучее — дух, — суть повелевающие в высшем смысле слова; они говорят: «я хочу, чтобы было то-то и то-то, причем точно так, как я хочу, для такой-то цели и ни для какой другой». — Этот вид законодательных людей во все времена неизбежно оказывал самое сильное влияние; им мы обязаны всем типическим формам человека: они — скульпторы, а остальные (в нашем случае подавляющее большинство) по сравнению с ними всего лишь глина.
34 [89]
Установленные движения нашего духа, его закономерная гимнастика, например в представлениях о пространстве и времени или в связи с потребностью в «обосновании», — этот философский habitus человеческого духа и является, собственно, нашей потенцией: во многих вещах мы не можем поступать иначе, называя это психологической необходимостью. Эта необходимость — результат становления, и думать, что наше пространство, наше время, наш инстинкт причинности есть нечто, имеющее смысл безотносительно к человеку, — простое ребячество.
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Я отношусь враждебно: 1) к отказу от чувственности: он идет от евреев, от Платона, который был испорчен египтянами и пифагорейцами (а они, в свою очередь, буддистами).
Провансальскому духу, который остался языческим, я имею в виду «не германизированным», мы обязаны одухотворением amor, половой любви, тогда как античность дошла только до одухотворения педерастии.
2) ко всем учениям, которые имеют в виду конец, покой, «шаббат всех шаббатов». Такой образ мыслей отличает страдающие, нередко умирающие расы, в которых идет брожение: например, такие стихи, как в «Нибелунгах» Р<ихарда> В<агнера>.
34 [91]
«Привычка» — у человека с рабским означает нечто иное, чем у человека благородного.
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Христианской церкви мы обязаны:
1) одухотворением жестокости: представления об аде, пытки и суды над еретиками, аутодафе — большой прогресс в сравнении с пышной, но наполовину дурацкой резней на римских аренах. Жестокость впитала в себя много духовности и задних мыслей. Она изобрела множество наслаждений.
2) благодаря своей «нетерпимости» церковь сделала европейский дух утонченным и гибким. Сразу видно, как в наш демократический век с его свободой прессы мысль становится топорной. Немцы изобрели порох — ничего не скажешь! Однако они расквитались за это, изобретя печатный станок. Античный полис был настроен точно так же. Римская империя, наоборот, давала много свободы в вопросах веры и безверия: больше, чем сегодня дает любое из существующих государств. Результатом сразу же стало величайшее вырождение, оглупление и огрубление духа. — Как хорошо выглядят на этом фоне Лейбниц и Абеляр, Монтень, Декарт и Паскаль! Видеть гибкую смелость этих умов — наслаждение, которым мы обязаны церкви. — Интеллектуальный гнет церкви заключается, по сути дела, в непреклонной строгости, благодаря которой понятия и оценки воспринимаются как твердо установленные, как вечные. Сплошное наслаждение представляет собой Данте: при абсолютной форме правления вовсе не обязательно быть ограниченным. Если и были ограничения, то они охватывали огромное пространство, благодаря Платону, и в этом пространстве можно было двигаться, как Бах в формах контрапункта, — весьма свободно. Бэкон и Шекспир почти отталкивают, когда научишься как следует пробовать на вкус эту «свободу под властью закона». То же можно сказать и о современной музыке в сравнении с Бахом и Генделем.
34 [93]
Как Фридрих Великий постоянно издевался над «феминизмом», распространенным в соседних государствах, так Бисмарк потешался над «парламентаризмом»: это новое средство делать то, что хочешь.
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Вид современного европейца дает мне большую надежду: на весьма интеллигентном уровне стадной массы формируется смелая господствующая раса. Можно ожидать, что выходящие на передний план движения по обузданию этой массы будут множиться.
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Против ложного идеализма, когда из-за чрезмерной утонченности лучшие натуры охладевают к миру. Как жаль, что весь юг Европы из-за воздержания духовных лиц лишился наследования укрощенной чувственности! А что гибнут такие люди, как Шелли, Гёльдерлин, Леопарди, так это в порядке вещей: я о них не очень высокого мнения. Мне доставляет удовольствие думать о том реванше, который берет у таких людей грубая естественность природы, например когда я слышу, что Леопарди сначала занимался онанизмом, а потом стал импотентом.
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NB. Великий человек, человек, которого природа изобрела и выстроила в высоком стиле, — что это? Во-первых: в своей деятельности он руководствуется имеющей долгую историю логикой, которая из-за своей протяженности труднообозрима и потому способна вводить в заблуждение, способностью простирать свою волю над большими пространствами своей жизни и все мелкое в себе презирать и отбрасывать, даже если среди этих мелочей встречаются прекраснейшие, «божественнейшие» вещи этого мира. Во-вторых: он хладнокровнее, жестче, решительнее и не знает страха перед «мнениями»; он лишен добродетелей, связанных с оказанием и получением «почестей», вообще лишен всего, что имеет отношение к «стадной добродетели». Если он не может вести за собой, то идет один; случается, что иное на своем пути он встречает ворчанием. В-третьих, он ищет не «участливых» сердец, а слуг, орудий, в общении с людьми он всегда исходит из того, чтобы что-то из них сделать. Он поступает непосредственно и находит безвкусным, если проникается к кому-либо «доверием»; обычно он совсем не тот, за кого его принимают. Если он говорит не сам с собой, то надевает маску. Он охотнее лжет, чем говорит правду: для лжи требуется больше духа и воли. В нем живет одиночество, недоступное для похвалы и порицания, как подсудность самому себе, не имеющая над собой других инстанций.
34 [97]
Что мне нравится в немце, так это его мефистофелевская натура; однако, по правде говоря, нужно создать для себя более высокое понятие Мефистофеля, нежели у Гёте, которому понадобилось умалить своего Мефистофеля, чтобы возвеличить «внутренний мир» своего Фауста. Истинный германский Мефистофель много опаснее, смелее, злее, лукавее и, следовательно, откровеннее: стоит только вспомнить внутренний мир Фридриха Великого. Или еще более великого Фридриха, Фридриха II Гогенштауфена. Истинный германский Мефистофель переходит Альпы и верит, что ему и там принадлежит все. От этого на душе у него хорошо, как хорошо было Винкельману или Моцарту. В Фаусте и Гамлете он видит карикатуры, придуманные для того, чтобы посмеяться над ними, как и в Лютере. У Гёте были добрые германские мгновения, когда он над всем этим от души смеялся. Но потом к нему снова возвращалось сырое настроение.
Удивление Наполеона, увидевшего немецкого поэта и обнаружившего, что перед ним — муж! Он ожидал увидеть немецкого поэта!
Немец обширен: рядом с одной душой у него возникла другая, там есть пещеры, переходы, он может казаться поверхностным, открытость и чистосердечность — то, чем мастерски владеет немец. — «Добродушный и коварный» — такое сочетание у других невозможно; но поживите-ка некоторое время среди швабов! —
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Век демократии возвышает актеров; так было в Афинах, так происходит и сегодня. Рихард Вагнер превзошел в этом всех и вызвал к жизни высокое понятие об актере, от которого бросает в дрожь. Музыка, поэзия, религия, культура, книга, семья, отечество, общение — все в первую очередь искусство, то есть сценическая поза!
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Свинский немецкий! – Простите, газетный немецкий! Сейчас читаю Фридриха Альберта Ланге, бравый тип, которого, за неимением еще более бравых, даже можно рекомендовать немецкому юношеству; однако он, например, пишет: «С похвалой в адрес современности связывается культ реальности. Идеальное больше не котируется; что не может быть оправдано научно и исторически, обречено на гибель». Зачем, собственно, изучают в немецких школах латынь и греческий, если при этом не прививают отвращения к подобной грязной мешанине! И какой восторг вызывали именно губители немецкого языка, раньше Гегель, недавно Рихард Вагнер, а теперь Евгений Дюринг!
34 [100]
Страшно подумать, если бы я из чувства мести мысленно заставил женщину, какую-нибудь писательницу, уже достаточно измучившую своими книгами себя и весь мир, пойти к детям!
34 [101]
«Когда женщина хочет пойти к детям, она обычно пускает к себе не детишек, а мужчин!» — изрекла однажды старая повитуха.
34 [102]
— Обратим внимание на то, что не лучшая часть немецкой литературы создается пасторскими сынами. — В этом источнике немецкой прозы изначально заложена вероятность наилучшего развития торжественных, полных достоинства, медлительных, тяжеловесных жанров: аллегро, а тем более престо здесь не найти. Чрезвычайная бодрость такого стиля, как il principe (даже если полностью отвлечься от серьезности его намерений): его краткость, сила, своего рода удовольствие от толкотни тяжелых мыслей суть отзвук флорентийского красноречия, красноречия адвокатов. Даже у Вольтера чувствуется адвокатская ловкость высшего ранга, темп адвоката. Самый быстрый темп, когда-либо встречавшийся мне у писателей, я нашел у Петрония: он быстр как ветер и не похотлив, ибо слишком весел для этого.
34 [103]
Немцы.
Предположения и пожелания
Сочинение
Ф. Н.
34 [104]
NB. Немцы, о которых пойдет речь, есть нечто молодое и становящееся; я отделяю их от немцев Реформации и войны и не хочу участвовать в фальсификации истории, перепрыгивая через эту пропасть и делая вид, будто в то время ничего не случилось. Едва ли возможно отрицать, что в 16 веке с ними произошло нечто равносильное гибели прежней расы. Уныние, трусость, старческое бессилие, китайская косичка, — все это в совокупности явилось следствием ужасной порчи крови, учитывая, что самые мужественные мужчины продолжали уходить за границу, где умирали или развращались. С другой стороны, тогда же происходило вынужденное смешивание с отнюдь не близкородственными расами; судя по многочисленным описаниям, разврат, которым сопровождалась война, был чрезвычайно губителен. Тут и там еще попадались остатки сильной расы: свидетельство тому, например, музыкант Гендель, наш прекраснейший тип мужчины в области искусства; если же назвать женщину, то это супруга профессора Готшеда, которая долгое время с полным на то основанием руководила немецкими профессорами, — стоит только взглянуть на портреты этих двоих! Некоторые области очистились быстрее и вернулись к здоровому образу жизни, например Ганновер, Вестфалия, Гольштейн, — там по сегодняшний день живет славная, крестьянская и флегматичная раса. — Хуже всего, вероятно, обстояло дело с немецкой знатью: она была поражена сильнее всех. Кто из знати оставался дома, впадал в алкоголизм, а кто уходил на чужбину и возвращался, болел сифилисом. Вплоть до сегодняшнего дня она играла малозначительную роль в вопросах духа: даже в случае с Бисмарком его прабабушка происходила из лейпцигской профессорской семьи. —
34 [105]
Немец—не говоря уже о глупой, националистически настроенной молодежи, до сих пор толкующей о «германских добродетелях»,—натура мистическая. Еще не было немецкого образования: были отшельники, которые с поразительной ловкостью умели скрываться посреди самого грубого варварства.
34 [106]
Немецкий письменный стиль.
Мефистофель.
34 [107]
Близкое соседство жестокости и болезненной чувственной нежности у Рихарда — в высшей степени парижская черта.
34 [108]
Я воспринимаю демократическое движение как нечто неизбежное, что нельзя остановить, но можно лишь замедлить. В целом господство стадного инстинкта и стадных оценок, эпикуреизм и благорасположение нарастают: человек становится слабым, но добрым и приятным.
34 [109]
NB. Парламенты могут быть крайне полезны для сильного и гибкого государственного деятеля, в них он находит для себя опору — подобные образования должны уметь противостоять! — чтобы свалить на них большую ответственность! Но в целом мне бы не хотелось, чтобы эти глупости с подсчетами и суеверное отношение к большинству утвердились в Германии так же, как у латинских рас; хочется, чтобы наконец-то было изобретено нечто in politicis. Мало смысла и много опасности в том, чтобы позволить пустить глубокие корни пока еще не окрепшей и легко истребимой привычке к всеобщему избирательному праву: его введение было всего лишь необходимой временной мерой.
34 [110]
Мне кажется, изобретательность и способность к накоплению силы воли не растрачена и сильнее всего выражена у славян, благодаря абсолютной форме правления. Поэтому я не исключаю, что земля окажется под властью германо-славянского правительства. Англичане не в состоянии преодолеть свое собственное твердолобое «само-властие»; со временем там станет появляться все больше homines у руля власти, а в конце концов станут избирать в парламент женщин. Однако занятия политикой — дело в конечном счете наследственное. Никто не может превратиться из частного человека в человека с широчайшим горизонтом.
34 [111]
Немцам необходимо воспитать господствующий класс; должен признать, что способностями, составляющими неотъемлемое качество расы, призванной заниматься мировой политикой, обладают евреи. Умению обращаться с деньгами надо учиться, его надо наследовать, и наследовать тысячекратно; теперь еврей занимается этим вместе с американцем.
34 [112]
Я указываю на нечто новое: разумеется, для подобного демократического устройства существует опасность варварства, но эту опасность ищут лишь в глубине. Однако существует и другой вид варваров, они приходят с высоты — завоевательные и властные натуры, ищущие материал, который могли бы оформлять. Прометей был одним из таких варваров. —
34 [113]
Не народ «профессиональных политиков», а народ читателей газет!
34 [114]
Мелочность и убожество немецкой души не было и ни в коем случае не является следствием расчленения на малые государства; как известно, даже в еще более малых государствах жили гордые и самовластные люди — и не большие государства сами по себе делают душу свободнее и мужественнее. В чьей душе рабский императив «ты обязан и должен преклонять колени!» требует гнуть шею перед почетными титулами, орденами, благосклонными взглядами сверху вниз, тот и в «империи» будет кланяться еще ниже и еще усерднее лизать пыль у ног великого правителя, чем у ног правителя маленького, — в этом можно не сомневаться. — Даже сегодня по итальянцам из низших сословий видно, что аристократическое довольство собой, мужественная дисциплина и уверенность в себе сформировались в них за время долгой истории их городов и благодаря прекрасным примером; бедный венецианский гондольер все еще смотрится лучше, чем берлинский действительный тайный советник, и как мужчина он лучше, это ясно как день. Спросите об этом у женщин.
34 [115]
Услужливая душа.
Порча крови.
Моральное тартюфство.
«Нрав».
Неясность.
Медлительные.
Предположения о юге.
Безобразие.
Задняя душа.
Зависимость от Франции.
Немецкий профессор и офицер.
Niaiserie allemande.
Немецкий письменный стиль.
Отшельник.
«Вечно женственное» в немецком мужчине.
Опьянение и музыка.
«Чувство истории».
Актер.
Удобство (филистеры) и война.
Философы.
Пессимизм (сравнение с Францией).
Больше стадных животных, чем когда бы то ни было — но существуют благоприятные условия и для одиночек.
34 [116]
Более всего достойно уважения в Канте то, что он избежал лейбницевского искушения и сохранил лучшее из прошлого столетия — сенсуализм.
34 [117]
NB. Шопенгауэр, соблазненный в молодости романтиками, забывший о лучших своих инстинктах, был в принципе вольтерьянцем до мозга костей и, по сути, сыном прошлого столетия. Благодаря грекам и Гёте он преодолел французский вкус и прежде всего — не был теологом! «Неизменность характера», что по-немецки можно было бы назвать ленью, а с другой стороны вера в непогрешимость гения (по-немецки это можно было бы назвать тщеславием) привели его к тому, что он канонизировал свой «юношеский грех», я имею в виду метафизику воли, и перестал «развиваться». Человек его таланта и внутренней дисгармонии был способен создать пять лучших систем, каждая из которых казалась бы более истинной и ложной, чем предыдущая.
34 [118]
Мы не понимаем «каузальной» взаимосвязи, но видим, что факт для своей констатации должен включать в себя много других фактов. Наш анализ располагает их в определенной последовательности. Цифры, которые мы при этом получаем, никак не объясняют взаимосвязи явлений между собой, но могут ввести в заблуждение: поскольку человек определен в некоторых своих инстинктах, то сходство числовых соотношений распространяется и на него.
34 [119]
Находятся ли наши мысли в непосредственной причинной связи между собой? Или их логическое соединение всего лишь видимость? Я полагаю, это следствие того, что события, вызвавшие каждую из этих мыслей, находятся в связи, которая представляется нам «конечной» или чем-то вроде этого. Значит, все это — конечные звенья? — Или существует непосредственное воздействие одной мысли на другую? «Причинная связь», по меньшей мере здесь?
34 [120]
Мир явлений — «пустая видимость и обман», потребность в причинной связи — тоже «пустая видимость и обман», — так заявляет о себе моральное отрицание обманчивого и кажущегося. Не следует обращать на это внимания. Не бывает вещей самих по себе, как нет и абсолютного познания, условием существования является перспективистский, обманчивый характер.
34 [121]
Моя оценка или мое осуждение человека еще не дает права другому человеку на такую же оценку или осуждение — разве что он одного ранга со мной и равен мне. Прямо противоположный образ мыслей в газетах: оценки людей и вещей будто бы существуют «сами по себе», ими может пользоваться каждый, словно они его собственное достояние. Именно здесь заключена предпосылка того, что все люди равны. — Быть истинным — в этом отличие.
34 [122]
Нечто возникшее еще не познано, если известны условия возникновения (отец и мать); мысль о том, что нужно заранее знать эти условия, чтобы обнаружить в возникшем некое «родство» с ними, чаще всего есть видимость — в действительности узнавание отцовского и материнского начала в ребенке возможно только при агрегатном состоянии, и мы непроизвольно пытаемся во имя объяснения воспринимать все новое как агрегат, как соединение разнородных частей, то есть анализ нацелен не на действительное возникновение, а на фиктивное, не существующее в реальности «механическое» соединение и суммирование. Объясняющему факты кажутся глупее и проще, чем они есть на самом деле.
34 [123]
Человек представляет собой многообразие сил, которые находятся в определенном ранговом порядке, предполагающем наличие приказывающих; в то же время, приказывающие обязаны делать для повинующихся все, что необходимо для их сохранения, и, следовательно, сами зависят от их существования. Все эти живые существа должны принадлежать к родственным видам, иначе они не смогут служить и повиноваться друг другу: те, что служат, должны быть в каком-то смысле и повинующимися, а в более сложных ситуациях они временно могут меняться ролями, и тот, кто обычно приказывает, вынужден подчиняться. Понятие «индивидуум» ложно. Эти существа вовсе не изолированы друг от друга: центр тяжести в них постоянно смещается; непрерывное производство клеток и т.д. порождает непрерывное изменение числа этих существ. Сложение здесь ни к чему не приведет. Наша арифметика слишком груба для этих соотношений, она годится лишь для отдельных случаев.
34 [124]
Логика нашего сознательного мышления есть лишь грубая форма того мышления, в котором нуждается наш организм в целом, и его отдельные органы. Например, нужно единовременное мышление, о котором мы не имеем почти никакого представления. Разве что художник, имеющий дело с языком: просчитывание тяжелых и легких слогов, предварительный расчет, поиск аналогий при сочетании значительной мысли с ее звуковым оформлением или с соответствующей физиологией гортани — все это происходит одновременно, но, правда, не осознанно.
Наше чувство причинной связи есть нечто очень грубое и единичное в сравнении с действительным чувством причинности нашего организма. Представления о «сначала» и «потом» — большая наивность.
Наконец: нам нужно сначала завоевать для нашего сознания чувство времени, чувство пространства, чувство причинности, — то есть все то, что существовало в изобилии задолго до возникновения нашего сознания. Наше сознание — его простейшая, примитивнейшая, до крайности редуцированная форма. Наше осознанное воление, чувства и мышление служат значительно более обширному волению, чувствам и мышлению. — Так ли это на самом деле?
Мы все еще растем, наше чувство времени, пространства и т.д. все еще находится в развитии.
34 [125]
Ничто не поддается предсказанию, но при известном возвышении типа «человек» откроется новая сила, о которой мы до сих пор ничего не знали. (А именно синтез противоречий?)
34 [126]
Вздох Клейста по поводу конечной непознаваемости —
34 [127]
Мы лишь в самом начале процесса обучения, например с нашей логикой. Или с нашими страстями. Или с нашей механикой. Или с нашей атомистикой, являющейся честной попыткой сконструировать мир для глаза, для исчисляющего арифметического разума (то есть сделать его наглядным и исчисляемым)
34 [128]
Наши «средства и цели» — очень полезные аббревиатуры, призванные сделать процессы удобными и обозримыми для нас.
34 [129]
| 1. Воля к истине. |
| 2. По ту сторону добра и зла. |
| 3. Человек как художник. |
| 4. О высокой политике. |
| 5. Культивирующая мысль. |
34 [130]
Абстрактное мышление для многих — тягостный труд, а для меня в хорошие дни — праздник и упоение.
34 [131]
Как полководец не хочет и не должен ничего узнавать о многих вещах, чтобы не утратить способности обозревать целое, так и в нашем сознании должна прежде всего быть тяга к исключению, отпугиванию ненужного, к отбору, который позволяет показывать себе только определенные факты. Сознание — это рука, которой организм охватывает пространство далеко вокруг себя, поэтому она должна быть крепкой. Наша логика, наше чувство времени и пространства суть необычайные способности к созданию аббревиатур — с целью повелевать. Понятие есть изобретение, ничему не соответствующее полностью, но многому понемногу; тезис о том, что «две вещи, равные третьей, равны и между собой», предполагает 1) вещи и 2) равенства; однако ни того, ни другого не существует. Тем не менее, благодаря этому вымышленному, застывшему миру понятий и чисел человек получает средство овладения громадным количеством фактов, которые он может закрепить в своей памяти в виде знаков. Этот знаковый аппарат составляет его преимущество именно потому, что он крайне удален от отдельных фактов. Сведение опыта к знакам и все большее количество вещей, которые таким образом можно охватить, составляют высшую силу этого аппарата. Духовность как способность с помощью знаков овладеть огромным количеством фактов. Этот духовный мир, этот мир знаков сам по себе — «видимость и обман», точно так же, как и каждая «явленная вещь», — и «моральный человек» может сколько угодно возмущаться по этому поводу! (Так, для Наполеона в его расчетах были важны только инстинкты человека, и он имел право не замечать исключений, например сострадания, — подвергая себя опасности в том или ином случае ошибиться)
34 [132]
Что значит «воспринимать»? Принимать что-то за истинное: говорить Да чему-либо.
34 [133]
NB. Есть что-то болезненное в типе философа, существующем до сих пор; по всей видимости, многое в нем не удалось. Вместо того чтобы самому подниматься вверх и вести за собой людей, философы охотнее всего уходят в сторону и пытаются найти другой путь; вероятно, это уже само по себе признак вырождающегося инстинкта. Удавшийся человек радуется факту под названием «человек» и пути этого человека, но — идет дальше!
34 [134]
Мои оценки непригодны для других. Вопреки этому отношение к оценкам как к одежде — самое распространённое явление. Так снаружи появляется кожа, затем плоть, наконец — характер: роль становится истиной.
34 [135]
Я часто следил за этими немецкими идеалистами, но они за мной — никогда; они не знают и не чувствуют ничего из того, что знаю я, они бредут своим пологим рутинным путем, сердца их полны желаний, далеких от моих; они ищут другого воздуха, другой пищи, других удовольствий. Они смотрят вверх, я смотрю вокруг себя — и мы никогда не видим одно и то же.
Меня раздражает общение с ними. Пусть они любят чистоту своего тела, но дух их немыт, их «следовательно» кажется мне протухшим, они возмущаются тем, что вызывает во мне радостное любопытство, они не прочищают уши, когда я готов петь свою песнь.
34 [136]
— Этот Сократ, выискивавший хитрые доводы, чтобы действовать так, как велел обычай, вёл себя вполне в духе «дельфийского жречества»! и то, что ему удалось обратить в свою веру Платона, было шедевром его искусства искушения. Усвоенные понятия он выдавал за божественные, народные оценки — за вечные и непреходящие:— но для более утончённого поколения умел их по-новому приукрашивать, придавать им перца и полынной горечи диалектического наслаждения, использовал их, чтобы побудить болтливую и влюблённую молодёжь к всплескам красноречия и состязательности в поступках.
34 [137]
— Они мне крайне чужды; чтобы ужиться с ними, мне пришлось бы учить их противоположности того, что я считаю истинным и что доставляет мне наслаждение; живя среди них, я придумал поговорку: «блестит не только золото, но и кожа».
34 [138]
В Германии во все времена недоставало духовности, и высших почестей там добиваются посредственные умы, ибо и они редки. Больше всего ценятся прилежание, упорство и хладнокровный критический взгляд; благодаря таким качествам немецкая филология и немецкое военное дело стали господствующими в Европе.
34 [139]
NB. Для тонкого и умного слуха почти любая похвала добродетели звучит смешно; он не расслышит добродетели в том случае, если кого-то назовут «скромным» (если он верно себя оценивает!), или «правдивым» (если он не хочет ошибаться!), «сострадательным» (если у него мягкое, податливое сердце), или целомудренным (если он подобен лягушке, но при этом не любит жить рядом с болотом).
34 [140]
NB. Людям свойственно простодушие, граничащее с тупоумием: они представления не имеют, насколько опасна их профессия, и в глубине души верят, что «любовь к истине» и «доброе, прекрасное, истинное» являются их прямым делом. Когда я говорю об «опасности», то имею в виду не последствия их деятельности, а чудовищный груз ответственности, который чувствует человек, замечающий, что все ценности, в согласии с которыми живут люди, со временем ведут человека к гибели.
34 [141]
NB. Лишающее мужественности и, вероятно, мужской силы воздействие бесконечных молитв — тоже одно из вредных последствий, которым немецкий характер обязан Реформации. Много просить, вместо того чтобы много давать, при любых обстоятельствах есть проявление дурного вкуса: смесь безропотного сервилизма с нередкой чванливо-вульгарной назойливостью, с какой, к примеру, валяется в ногах у бога Блаженный Августин в своих исповедях, напоминает о том, что один только человек среди живых существ наделен религиозным чувством; точно такое же «религиозное чувство» испытывает и собака к человеку. — Общение с Богом через молитву воспитывает унижающее человека настроение и такую же манеру поведения, которые, по причине наследственности, продолжают отстаивать свои права даже в неблагочестивые времена: как известно, немцы просто немели перед князьями, или партийными вождями, или перед фразой «ваш верноподданнейший слуга». С этим должно быть покончено.
34 [142]
NB. Мне никогда не приходило в голову «выводить» все добродетели из эгоизма. Я только хочу доказать, что есть «добродетели», а не только преходящие инстинкты самосохранения определенных стад и общностей.
34 [143]
Этот мягкотелый страх перед «омерзительным фанатизмом».
34 [144]
NB. — он шевелил губами, снова сжимал их и смотрел словно человек, который хочет сказать еще что-то, но не решается. И тем, кто смотрел на него, показалось, будто лицо его слегка покраснело. Это длилось одно короткое мгновение, но потом он вдруг покачал головой, добровольно закрыл глаза — и скончался. —
Так умирал Заратустра.
34 [145]
Он ведет своих друзей все выше, сначала к своей пещере и наконец высоко в горы. Там он умирает.
благословляя: остров могил, пещеру.
Остановки: и каждый раз — речи.
Полдень и вечность
Сочинение
Фридриха Ницше.
Первая часть:
Призывы герольда.
Вторая часть:
Возвещение.
Третья часть:
Дающие обет.
Четвертая часть:
Восхождение и гибель.
34 [146]
Для человека, которому важно, в каких условиях растение «человек» сильнее всего растет в высоту, — для занятого такими вещами человека появление новой политической силы, если она не основывается на одной мысли, еще не событие: у него вряд ли найдется время присмотреться к ней поближе.
Поймите меня правильно: этой книгой я хотел объяснить, почему возникновение германской империи оставило меня равнодушным: следующий шаг я вижу в демократизации Европы — ничего иного, ничего нового. Демократия — это форма распада государства, вырождения рас, перевес неудавшихся; однажды я уже говорил об этом.
34 [147]
Человек, которому почти все книги кажутся поверхностными, который сохранил веру в то, что немногие люди прошлого обладали достаточной глубиной, чтобы не писать о том, что они знали.
Я думал об очень многих запретных вещах и чувствовал себя как дома там, где даже у сильных и прилежных умов захватывало дыхание; поэтому я всегда удивляюсь, если нахожу возможным сообщить что-то другим. Хотя в то же время отлично знаю, что мои умолчания мне дороже моих высказанных мыслей.
Скольким ученым я мог бы дать пищу для занятий; хотя, должно быть, в отдельных случаях мне удалось это сделать —
Невозможность увлечь ученых в сферы, где необходимы свобода, тонкость и мужество, связана с их неспособностью видеть дальше самих себя, то есть наблюдать то, что сами они не пережили. Чтобы, например, представить, что такое моральная совесть, нужно самому быть таким глубоким, таким уязвленным, таким необъятным, как совесть Паскаля, а сверх того понадобилось бы, чтобы над всем этим раскинулось небо ясной и злой духовности, которая обозревала бы с высоты это копошение переживаний, упорядочивая и высмеивая их.
Когда я был моложе, то полагал, что мне недостает нескольких сотен ученых, которых я мог бы, как ищеек, послать в кусты, то есть в историю человеческой души, чтобы вспугнуть нужную мне дичь. Позднее я усвоил, что для вещей, которые возбуждают мое любопытство, трудно найти даже помощников.
34 [148]
Мне кажется, я чувствую, что Сократ был глубок—его ирония была вызвана, прежде всего, необходимостью выдавать себя за человека поверхностного, чтобы вообще иметь возможность общаться с людьми; Цезарь обладал глубиной, а также, вероятно, Фридрих Второй Гогенштауфен; без сомнения, Леонардо да Винчи; в немалой мере Паскаль: ему не хватило еще тридцати лет жизни, чтобы от всей прекрасной и злой души высмеять само христианство, подобно тому как в молодые годы он обошелся с иезуитами.
34 [149]
NB. Я ставлю Микеланджело выше Рафаэля, ибо он сквозь христианскую пелену и пристрастия своего времени видел идеалы более благородной культуры, нежели христианско-рафаэлевская, в то время как Рафаэль верно и скромно прославлял только заданные ему ценности и не нес в себе ищущих, страстно жаждущих чего-то иного инстинктов. Микеланджело, напротив, видел и чувствовал проблему законодателя новых ценностей, так же как и проблему торжествующе-совершенного, которому необходимо преодолеть и «героя в себе», человека, вознесшегося выше всех, возвысившегося над своим состраданием, безжалостно разбившего и уничтожившего все, что было ему чуждо, — блестящего и невозмутимо-божественного. Микеланджело — разумеется, на короткие мгновения — поднимался высоко и выходил за пределы своей эпохи и христианской Европы, но чаще всего он был благосклонен к вечно женственному в христианстве; более того, кажется, что разбился именно об него, отрекшись от идеала своих высших часов. Этот идеал был по плечу только человеку самой мощной и высшей полноты жизни, а не состарившемуся мужу! Опираясь на свой идеал, он должен был бы уничтожить христианство! Для этого он был недостаточно мыслитель и философ. Пожалуй, из всех художников один только Леонардо да Винчи обладал действительно надхристианским взглядом. Ему была одинаково хорошо известна как внутренняя, так и внешняя «страна Востока». В нем было что-то сверхъевропейское и скрытное, как у всякого, кому пришлось увидеть слишком большой круг хороших и плохих вещей.
34 [150]
NB. Шопенгауэр, сильный мыслитель, к тому же неплохо писавший о философских вопросах, хотя для себя самого не был философом; он все еще незаменим для современной молодежи (и для таких стариков, которые не очень требовательны к четкости понятий, ясности неба и — научности), ибо он учит почитать то, что почитал сам: критический дух Канта, Гёте, греков, свободолюбивых французов; в свое время это был, пожалуй, самый образованный немец, с европейским горизонтом мышления; бывают моменты, когда он смотрит на мир восточными глазами. Пессимизм, как он его понимал, — это немаловажный наставник, учивший почитанию в тех сферах, для которых оно не было характерно, например в сфере индийской древности и старого истинного, католического, христианства, вкус к которому отбивает протестантское школьное воспитание.
34 [151]
О «гении». Как мало таланта, например, у Рихарда! Существовал ли когда-нибудь музыкант, который бы в свои 28 лет был столь мало одарен (я говорю не об уровне развития или общительности, а именно о бедности таланта), чтобы завидовать Мейерберу — такой черной завистью, что она терзала его на протяжении всей жизни и он, как и пристало «прекрасной душе», так и не смог от нее избавиться? С другой стороны узнаешь, что Кант с полным на то основанием превозносил прилежание и настойчивость и т.д.
34 [152]
Среди хороших музыкантов щедро одаренным по сравнению с считается Верди. У были основания проявлять экономность и умело «применять» свои «изобретения», по-ростовщически обходиться с «лейтмотивами», сохраняя свое «золото» для себя и получая за него чрезмерно большой, тысячекратный кредит; уж не научился ли он этому у евреев?
34 [153]
NB. Женщина хочет быть матерью, — а если она этого не хочет, хотя и может, то ей прямая дорога в тюрьму: столь велико, как правило, ее внутреннее вырождение.
34 [154]
NB. Германия произвела на свет лишь одного поэта, не считая Гёте: это Генрих Гейне — и он к тому же еще и еврей. Однако во Франции, как и в Италии, Испании, Англии и где только; он крайне тонко понимал «немецкий» голубой цветок, — правда, столь же тонко он понимал и серого «немецкого» осла. Кроме того, парижане утверждают, что он вместе с двумя другими не-парижанами представляет собой квинтэссенцию парижского духа.
34 [155]
| О философах. О женщинах. О музыкантах. О народах. Об ученых. О благочестивых. |
| О стаде — и стадном инстинкте. |
| «добрый человек» |
| О властителях. О древних греках. Дионис — Диавол. |
Добрые европейцы.
К описанию
европейской души.
34 [156]
Предисловие о ранговом порядке.
Это мои суждения: публикуя их, я не даю никому права выдавать их за свои; я считаю их менее всего пригодными для общественного блага и «дам по рукам» тому, кто посягнет на них. Есть слово, которое в век «равного права для всех» звучит неприятно: это ранговый порядок.
34 [157]
NB. Для объяснения того внутреннего дерзкого скептицизма, который в Германии сильнее и увереннее в себе, чем в любой другой стране Европы, имеет значение то обстоятельство, что протестантская духовность всегда была плодовита детьми и, подобно Лютеру, черпала свою силу не только в проповедях с церковной кафедры — по той же причине, из которой Макиавелли выводит скептицизм итальянцев: они всегда слишком близко видели наместника бога на земле и его двор. Точно так же многие немецкие философы и ученые, дети проповедников и прочих причастных к церкви людей, смотрели на «священнослужителя» — и вследствие этого утрачивали веру в бога. Протестантизму с самого начала свойственно существенное неверие в «святых»; немецкая философия пронизана существенным неверием в homines religiosi и святых второго ранга, во всех этих деревенских и городских пасторов, включая университетских теологов, — и поэтому она может считаться продолжением протестантизма.
34 [158]
NB. Внешний мир есть творение наших органов, следовательно, наше тело, частичка внешнего мира, есть творение наших органов — следовательно, наши органы суть творения наших органов. Это абсолютное reductio ad absurdum — следовательно, внешний мир не есть творение наших органов.
34 [159]
Стрелы.
Мысли о европейской душе и против нее
Право на привилегии.
34 [160]
Стрелы.
Мысли
о немецкой душе и против нее.
Сочинение
Фридриха Ницше.
34 [161]
NB. Прилежный ремесленник или ученый производит хорошее впечатление, если гордится своим искусством и со скромным удовлетворением смотрит на жизнь; и, напротив, нет более жалкого зрелища, чем когда сапожник или школьный учитель со страдальческим лицом дает понять, что рожден для лучшей жизни. Нет ничего лучшего, чем хорошее! А это значит: иметь способность к чему-либо и созидать, повинуясь ей, — virtù в духе итальянского Возрождения.
34 [162]
NB. Сегодня, когда государство обзавелось непомерно толстым брюхом, во всех областях и профессиях, кроме собственно работающих, появились еще и «представители», например, кроме ученых — еще и литераторы, кроме страдающих слоев народа — еще и болтливые хвастуны-бездельники, «представляющие» это страдание, не говоря уже о профессиональных политиках, находящихся в добром здравии и во все горло «представляющих» интересы бедствующих. Наша современная жизнь стала весьма дорогостоящей из-за массы посредников; напротив, в античном городе, а позже и в некоторых городах Испании и Италии люди сами защищали себя и не дали бы ломаного гроша такому современному представителю и посреднику — разве что пинка под зад!
34 [163]
Тысячелетний гнет церкви, равно как и монархический гнет, создали превосходное напряжение, до предела натянув лук; вместо того чтобы выстрелить, и церковь, и монархия стали искать разрядку: первая — в иезуитизме, вторая — в демократии. Паскаль — замечательный пример того ужасного напряжения: он насмерть засмеял иезуитов. — Меня устраивают деспотические порядки, при условии, что имеешь дело со смешанными расами, в которых напряжение присутствует всегда. Правда, опасность при такой разрядке велика. — Европейская демократия не высвобождает силы (или делает это в самой незначительной степени), но в первую очередь предоставляет свободу распущенности, жажде удобства, внутренней лени. Это касается и прессы.
34 [164]
Европейская демократия лишь в самой незначительной степени есть высвобождение сил: в первую очередь она предоставляет свободу лени, усталости, слабости.
34 [165]
Зеркало.
Возможность для европейцев
увидеть собственное отражение.
Сочинение
Фридриха Ницше.
34 [166]
Общее в развитии европейской души заметно, например, при сравнении Делакруа и Рихарда В<агнера> — художника-поэта (фр.) и композитора [Ton-Dichter]: их отличают только особенности французского и немецкого таланта, в остальном же они одинаковы. Делакруа, кстати, тоже весьма музыкален — увертюра «Кориолан». Его первый толкователь — Бодлер, своего рода Рихард В<агнер> без музыки. У обоих на первом месте выражение, expression, ради этого они жертвуют всем остальным. Оба зависимы от литературы, высокообразованны, оба занимались литературным творчеством. Мучимые нервными болезнями, не знавшие солнца.
34 [167]
В каждом чувственном суждении задействована вся органическая предыстория: «это зеленое», например. Память в инстинкте как своего рода абстракция и упрощение, сравнимые с логическим процессом: самое важное все время подчеркивается, но остаются и слабые черты. В органическом мире нет забвения, есть только своеобразное переваривание пережитого.
34 [168]
Добрые, их отношение к глупости.
Воспитание и взращивание.
Liberum «nego». «Пока что: Нет!»
Почитание, гнев и храбрость
34 [169]
Исчисляемость определенных процессов, например многих химических, и возможность их рассчитать еще не дают оснований видеть в этом «абсолютные истины». В отношении к человеку это всегда лишь число, ставшее в нем устойчивой склонностью или мерой. Само по себе число целиком и полностью наше изобретение.
34 [170]
Такого логического процесса, какой «описывают в книгах», никогда не бывает, как не бывает прямой линии или двух «одинаковых предметов». Наше мышление протекает совершенно по-иному: между одной мыслью и той, что за ней следует, господствует промежуточный мир совсем иного рода, например инстинкты противоречия или подчинения и т.д.
34 [171]
Синтетические суждения a priori, вероятно, возможны, но это — ложные суждения.
34 [172]
Nux et crux.
Философия для крепких зубов.
34 [173]
Любая философия, каким бы образом она ни возникла, служит определенным воспитательным целям, например воспитанию мужества или смирения и т.д.
34 [174]
Добро — первая ступень на пути к злу; малая толика зла: —
34 [175]
Если кто-то заботится о других, а не о себе, это может быть признаком глупости: так «народ» понимает.
34 [176]
Морали и религии — основное средство, с помощью которого из человека можно сделать все что угодно, при условии, что кто-то обладает избытком созидающей силы и способен на длительный срок утвердить свою созидающую волю в форме законов и обычаев. Размышляя о средствах сделать человека сильнее и глубже, чем он был до сих пор, я, в первую очередь, взвешивал, с помощью какой морали этого добивались. Первое, что я понял: для этого не годится распространенная в Европе мораль, о которой философы и моралисты утверждают, будто она и есть единственно возможная; в действительности подобное единодушие философов есть лучшее доказательство того, что эта мораль и в самом деле господствует. — Ибо эта мораль есть собственно стадный инстинкт, стремящийся только к удовольствию, безопасности, легкости жизни и даже втайне мечтающий о том, чтобы вообще обходиться без вождей и баранов-вожаков. Два ее настойчиво проповедуемых учения гласят: «равенство прав» и «сочувствие всему страдающему» — а страдание воспринимается всеми стадными животными как нечто, от чего следует избавиться. Но если задуматься над тем, где и каким образом растение «человек» до сих пор вырастало сильнее и прекраснее всего, то, в противоположность европейской стадной морали и фальсифицированной истории, реальная история говорит, что к этому человека побуждает опасность его положения, что развитие изобретательного и хитроумного ума должно вызываться длительным гнетом и принуждением и что, следовательно, сегодня необходимы жестокость, скрытность, неуютность, неравенство в правах, война, разного рода потрясения, короче, то, что противостоит всем стадным идеалам. Понятно, что такую мораль с прямо противоположными намерениями можно проповедовать и насаждать только в связи с господствующей моралью, используя ее лексику и красноречие, что, следовательно, необходимо изобрести переходные и обманные формы и что, поскольку жизнь отдельного человека слишком коротка для утверждения столь продолжительной воли, необходимо воспитать людей, которым — через посредство многих поколений — будет на длительное время гарантирована такая воля; это столь же нетрудно понять, как и непростое для произнесения «и так далее» этих мыслей. Готовить переоценку ценностей у сильного вида людей, освободив в них массу сдерживаемых и оклеветанных инстинктов, — размышляя над тем, как это сделать, я пытался понять, какого рода человек мог до сих пор непроизвольно работать над решением этой задачи. И пришел к выводу, что это пессимисты, которых недовольство всем на свете по крайней мере логически вынуждало и к недовольству современностью; поэтому я благосклонно относился к Шопенгауэру и к медленно зарождающемуся в Европе знанию индийской философии. Кошмар — тоже средство, способное внезапно пробудить людей. — Я благоволил и к некоторым ненасытным художникам-дуалистам, которые, подобно Байрону, безусловно верили в превосходство высших людей и, используя соблазны искусства, заглушали у избранных людей стадные инстинкты и вызывали к жизни противоположные им. В-третьих, я воздавал должное филологам и историкам, продолжавшим открытие античности, ибо в древнем мире царила иная, нежели сегодня, мораль и человек только под воздействием своей морали был сильнее, злее и глубже: искушение, которому издревле подвергаются более сильные души, должно быть, самое утонченное и незаметное из всех искушений.
Весь этот образ мыслей я назвал для себя философией Диониса; способ рассмотрения, который в творении и преобразовании человека и вещей находит высшее наслаждение бытия и видит в «морали» лишь средство придать господствующей воле такую силу и гибкость, благодаря которым она накладывает свой отпечаток на человечество. Рассматривая религии и системы воспитания, я выясняю, в какой мере они накапливают и наследуют силу, и мне кажется, что нет ничего более важного для изучения, чем законы воспитания, позволяющие не терять значительнейшую часть силы ради нецелесообразных связей и образов жизни.
34 [177]
Я питаю отвращение: 1) к социализму, так как он совершенно наивно мечтает о стадной глупости «доброго, истинного, прекрасного» и о равных правах; анархизм стремится к тому же идеалу, хотя и более жестоким путем; 2) к парламентаризму и газетному делу, ибо они суть средства привести к господству стадное животное.
34 [178]
Обратить внимание на то, в каких точках истории появляются великие. Значение продолжительных деспотических моралей: они натягивают лук или даже ломают его.
34 [179]
Чепуха, будто существует развитие всего человечества, — да это и не желательно. На мой взгляд, высшее наслаждение, которое могут иметь люди, заключается в выведении многих типов человека, в выявлении многообразия человеческой породы, в уничтожении типа, прошедшего свою высшую точку — то есть в творении и уничтожении. Платон наверняка не был ограниченным человеком, когда учил, что понятия устойчивы и вечны, — но он хотел, чтобы в это верили.
34 [180]
Не вкладывать в историю человека больше разума, чем в остальной мир, ибо многое возможно, но этого нельзя хотеть слишком долго. Случай снова все разрушит.
Человек как драма: это историческое чувство — но в нем есть опасный элемент; человек учится чувствовать себя созидающим, который не только смотрит и этим ограничивается. Немец
— само собой разумеется, что публично и тайно обо всех основных органических устремлениях человека говорят только маскируя свои слова тысячекратно: почитайте-ка одну из речей Бисмарка.
Человек большего ума, иногда заглядывающий под маски и умеющий это делать, вообще понимающий, насколько все есть маска, — по справедливости получает от этого наибольшее удовольствие. «Интеллектуальность» как соблазн нескончаемого карнавала, независимо от того, участвуем ли мы в игре сами или же нами лишь играют.
— историческое чувство наряду с географически-климатическим экзотизмом.
34 [181]
Как человек досужий, не знающий, чем заняться, я хочу однажды рассказать своим друзьям, что я понимаю под философией Диониса: то, что и боги философствуют, кажется мне достойной и благочестивой мыслью, которая может доставить радость даже истово верующему. Вероятно, следуя вкусам своих друзей, я зайду слишком далеко в откровенности своего повествования, — но сам этот бог в беседах со мной заходил куда как дальше, и мне, если я стану давать ему красивые и пышные льстивые имена, придется хвастаться своим мужеством, своей честностью, правдивостью, искренностью, «любовью к истине» и тому подобным. Однако богу, подобному Дионису, не нужна вся эта пышная рухлядь; для моего оправдания довольно двух слов, которые, правда, в Германии нелегко перевести «на немецкий»: gai saber.
Но сохрани это для себя и себе подобных: у меня нет оснований прикрывать свою «наготу». Иначе говоря, это беззастенчивый вид божества.
Была весна и все деревья наливались молодым соком, когда я шел по лесу, думал о мальчишеских забавах и вырезал дудочку, сам не зная, зачем я это делаю. Но как только я поднес ее к губам и засвистел, передо мной явился бог, которого я знаю с давних пор.
— Ну, крысолов, чем ты занимаешься? Ты, полуиезуит и музыкант — и почти немец!
Я удивился, что бог пытается польстить мне таким образом, и решил держаться с ним настороже.
— Я сделал все, чтобы они остались глупцами, заставил их потеть в постели, кормил их клецками, поил до отвала, сделал из них домоседов и ученых, наделил их жалкими чувствами услужливой души.
— Сдается мне, ты замыслил недоброе: погубить
— Может быть, — ответил бог, — но так, чтобы при этом кое-что вышло и для меня.
— Что же? — полюбопытствовал я.
Тебе следовало бы спросить: кто же?
Так говорил мне Дионис.
34 [182]
Дионис.
Опыт божественного философствования.
Сочинение
Фридриха Ницше.
34 [183]
Как получается, что женщины рожают своих детей живыми? Я всегда считал, что несчастные зверьки должны, учитывая малую сопротивляемость их организма, появляться на свет задохнувшимися. Путь узок и проход тесен, как написано; иначе говоря: почему a priori возможно рождение живых детей? — Задавая себе такие вопросы, я окончательно пробудился от своего догматического сна, толкнул бога кулаком в живот и спросил с серьезностью китайца из Кенигсберга: «In summa: как возможны синтетические суждения a priori?» — «Благодаря способности к этому», — ответил бог и прикрыл живот рукой.
34 [184]
Гегель: склонность немцев противоречить самим себе — отсюда готика.
Вагнер: не умел довести дело до конца и сделал из этого принцип: тоже готика.
34 [185]
Не искажать подлинное историческое значение Канта! Он сам гордился своей категориальной таблицей и тем, что открыл способность к этому; его последователи гордились умением открывать такие способности, и на этом основывалась слава немецкой философии за границей; говоря точнее, славу немцам принесло интуитивное и инстинктивное восприятие «истины». Воздействие немцев можно считать великой реакцией. Своего рода экономия научной работы, непосредственный подход к самим «вещам» — сокращение пути познания. Эта мечта опьяняла! В сущности Шопенгауэр вызывает то же восхищение, только не у довольных, спинозистски настроенных людей, а у недовольных: он постигает «волю», или скорее желание, «хотение», алчность, или сознание и рассудок.
34 [186]
«К музам и грациям бросаясь хладнокровно» Шиллер, «Художники».
34 [187]
Сознание развивается подобно аппарату управления: оно способно только на обобщения. Уже то, что являет нам глаз, попадает в сознание в обобщенном и подправленном виде.
34 [188]
Предисловие: Ранговый порядок людей.
1. Познание как воля к власти.
2. По ту сторону добра и зла
3. Скрытые художники.
4. Большая политика.
5. Молот.
34 [189]
чувственность, которая у маленьких бледных евреев
или у парижан выглядит столь смешно, почти comme une
neurose —
34 [190]
в минувшем веке bonte привлекла на свою сторону чистую совесть, которая долгое время гостила у других чувств.
34 [191]
Полдень и вечность.
Философия вечного возвращения.
Сочинение
Фридриха Ницше.
| Предисловие: | о ранговом порядке людей. |
| Первая часть: | Знание и совесть. |
| Вторая часть: | По ту сторону добра и зла. |
| Третья часть: | Скрытые художники. |
| Четвертая часть: | высокая политика. |
| Пятая часть: | молот (или Дионис). |
34 [192]
Предисловие. Для кого?
Изобретательность.
Объем души.
Глубина.
Сила и превращение.
Повелевающая сила.
Твердость.
Знание: радость завоевателя.
Великая ответственность.
Искусство маски. Трансфигурация.
Сила сообщения.
— дионисийское —
34 [193]
Скептики морали не догадываются, какое множество моральных оценок содержится в их скептицизме: их состояние — почти самоубийство морали и, быть может, даже её преображение.
34 [194]
Откуда нам нужно брать оценки? Из «жизни»? Но «выше, глубже, проще, разнообразнее» суть оценки, которые мы сами вкладываем в жизнь. «Развитие» в любом смысле — это всегда еще и потеря, ущерб; даже специализация каждого органа. Оптика самосохранения и роста.
Оптика роста.
Разрушение иллюзии не ведет к истине, а лишь увеличивает наше незнание:
Знание и совесть.
Мораль для моралистов.
Сочинение
Феликса Фаллакса.
34 [195]
Философы 1) с давних пор обладали удивительной способностью к contradictio in adjecto.
2) они доверяли понятиям столь же безусловно, сколь не доверяли чувствам; они не принимали во внимание, что понятия и слова суть наше наследство из тех времен, когда умы были еще темны и невзыскательны.
NB. Это философы понимают хуже всего: они больше не должны лишь получать понятия в подарок, очищать и осветлять их, а должны прежде всего делать, создавать их, предъявлять людям и убеждать в своей правоте. До сих пор они доверяли своим понятиям, словно чудесному приданому из какого-то сказочного мира; однако это было наследие наших далеких предков, как самых глупых, так и самых умных. Это почтение к тому, что происходит в нас, должно быть, относится к моральному началу в познании.— Поэтому в первую очередь нужен абсолютный скепсис по отношению ко всем унаследованным понятиям (такой, каким, вероятно, уже обладал один философ — Платон; разумеется, учил прямо противоположному — —)
34 [196]
Здесь слово берет философия—одна из моих философий, которая вовсе не хочет называться «любовью к мудрости», а претендует, вероятно, из гордости, на куда более скромное, даже отталкивающее, название; последнее, со своей стороны, будет способствовать тому, чтобы она осталась такой, какой хочет быть: философией для меня—с девизом: satis sunt mihi pauci, satis est unus, satis est nullus.— Сама эта философия называет себя искусством недоверия, а надпись над входом в нее гласит:
34 [197]
Указывая на жалкое положение женщины, вы требуете его улучшения, — но я хотел бы, чтобы вы делали это на основании ее лучшего положения и силы.
34 [198]
Великие добродетели, ответственность.
«Добрые» как подоплека демократического социалистического движения.
34 [199]
| 1) | Заратустра в плену — Обвинительная речь против него как соблазнителя Великое противоречие между огромной неуверенностью и маленьким человеком Заратустра воздает хвалу убежавшим (его великий кризис) Он уговаривает отцов устроить праздник памяти Аристократы стекаются со всех концов земли Под конец приходят и дети. |
| 2) | Ранговый порядок людей: он делит прибывших на группы, отмечая тем самым уровень воспитания человека (в течение поколений) |
| 3) | Наименьшая отобранная часть: законодатели будущего, обладающие великими добродетелями (ответственность), молот. |
| 4) | Прощание: возвращение как религия религий: утешительно. |
| Заратустра в плену, критикует положение убежавших. люди прибывают (одновременно выделяется его публика), под конец приходит толпа. |
| Ранговый порядок как ступени воспитания людей (в течение многих поколений) |
| высшие законодатели, с молотом. Изображение великих добродетелей. |
| прощание. |
34 [200]
На переднем плане у философа должно быть множество добродетелей и пышных слов, например правдивость, честность, любовь к истине.
34 [201]
Законодатель будущего.
Ранговый порядок людей.
По ту сторону добра и зла.
Философ как художник.
Дионис.
34 [202]
Властители земли.
Мысли о сегодняшнем и завтрашнем.
Сочинение
Фридриха Ницше.
34 [203]
Состояние Европы в следующем столетии снова потребует воспитания мужских добродетелей, ибо жить придется в постоянной опасности. «Всеобщая воинская повинность» уже сегодня является удивительным противоядием против мягкотелости демократических идей; она выросла из борьбы наций (люди, говорящие на одном языке и читающие одни и те же газеты, называют себя сегодня «нацией» и весьма сильно хотят иметь общее происхождение и историю, что им не удается даже при самом грубом искажении прошлого).
34 [204]
Друзья мои, чем я занимаюсь вот уже много лет? Я пытался глубже осмыслить пессимизм, чтобы освободить его от наполовину христианской, наполовину немецкой узости и наивности: именно таким я впервые встретил его в метафизике Шопенгауэра; человеку подобного образа мыслей свойственно высшее выражение пессимизма. Я же искал противоположного идеала — самого мужественного, самого живого и жизнеутверждающего образа мыслей; я открыл его, доведя до конца механистическое миросозерцание: поистине, требуется самый лучший юмор этого мира, чтобы выдержать мысль о мире вечного возвращения, которую я проповедовал устами своего сына — то есть вынести и самих себя в вечном da capo. В конце концов мне стало ясно, что наиболее враждебен миру тот образ мыслей, который воспринимает становление, возникновение и гибель как нечто само по себе плохое и одобряет только безусловное, единственное, определенное, сущее; я обнаружил, что бог есть самая разрушительная и враждебная миру мысль и что только из-за чудовищной невнятности милых благочестивых людей и метафизиков всех времен осознание этой «истины» заставило себя ждать столь долго.
Да простят мне, что я сам не намерен отказываться от обоих этих образов мыслей: тогда мне пришлось бы отказаться от своей задачи, которая нуждается в противоположных средствах. Для уничтожения или для замедления и углубления людей и народов пессимистическое мировоззрение временно (иногда на пару тысячелетий) имеет огромное значение, и кто претендует в высоком смысле слова на роль созидающего, должен брать на себя и роль разрушителя и при необходимости проповедовать разрушительные идеи. Поэтому я приветствую христианство и буддизм, обе самые распространенные существующие формы нынешнего отрицания мира, и, чтобы нанести смертельный удар вырождающимся и отмирающим расам, например индусам и нынешним европейцам, я сам взял бы под защиту изобретение еще более строгой, поистине нигилистической религии или метафизики.
После всего, что я только что сказал, никто не станет сомневаться в том, какое значение я придал бы в такого рода религии идее «бога». Лучшими нигилистами среди философов были элеаты. Их бог дает лучшее и наиболее основательное представление о буддистской нирване; бытие и ничто в нем идентичны.
34 [205]
Что касается Рихарда Вагнера: я так и не преодолел разочарования лета 1876 года; обилие несовершенств в человеке и в творениях показалось мне столь нестерпимым, что я — бежал. Позднее я понял, что наиболее основательным разрыв с художником бывает тогда, когда прозреваешь его идеал. После такого прозрения, какое случилось у меня в молодые годы, — свидетельство тому моя маленькая сохранившаяся работа о Рихарде Вагнере — мне не оставалось ничего другого, как, скрипя зубами и вне себя от злости, расстаться с этой «невыносимой реальностью», внезапно мне открывшейся. — Меня не касается, что он, состарившись, изменился: почти все романтики такого склада кончают обращением к кресту; я любил только того Вагнера, которого знал, то есть настоящего атеиста и имморалиста, сочинившего образ Зигфрида, весьма свободного человека. С тех пор он не раз давал понять, на страницах своих непритязательных «Байройтских листов», как высоко ценит он кровь Спасителя, — и был понят. Многие немцы, многие чистые и нечистоплотные глупцы всех видов верят с тех пор в Рихарда Вагнера как в своего «спасителя». Все это мне не по вкусу. —
Само собой разумеется, я никому не даю права присваивать себе мои оценки и не позволю всякому непочтительному сброду, кишащему, подобно вшам, на теле современного общества, упоминать всуе такое великое имя, каким является имя Рихарда Вагнера, — ни с похвалой, ни с порицанием.
34 [206]
Ярмарочное столетие.—
34 [207]
Законодатель будущего.
Характеристика распавшейся Европы. Ярмарка.
Великий, длящийся тысячелетия застой в изобретении ценностей.
Мое временное ободрение благодаря музыке: что я понимал под словом «дионисийский». Рихард В.
Додумать до конца пессимизм, а также оптимизм.
| Немцы. | Гартман Дюринг Бисмарк Рихард В. |
34 [208]
NB. «Борьба за существование» — означает нетипичное состояние. Как правило, речь скорее идет о борьбе за власть, за «больше», «лучше», «быстрее» и «чаще».
34 [209]
наше теперешний мир, наше столетие великой шумихи, которое, со своим ярмарочным вкусом, даже в событиях ценит все необычное, шумное и в конечном счете порождает такие события —
34 [210]
Так существует ли девятнадцатый век? Или это всего лишь разжиженный, оглупленный и ужасно затянувшийся век восемнадцатый? Случилось ли, было ли создано что-нибудь великое, чего не случалось и не создавалось до 1800 года? Правда, иной плод, выросший и созревший в восемнадцатом веке, только в этом упал с дерева. Уберите из политики Французскую революцию и Наполеона — и вы уберете демократию и —, а из философии французский сенсуализм и гедонизм вкупе с немецко-английским скептицизмом —
34 [211]
Мощный отзвук трагических событий того французского поколения тридцатых и сороковых годов, к которому инстинктивно примкнул и Рихард Вагнер, та великолепная и болезненная ненасытность, которую Бетховен выразил в звуках, а Байрон в словах: воздействие чего-то громадного на чьи нервы и сила воли были для этого слишком слабыми
34 [212]
| — | великое молчание — в ярмарочном столетии |
| — | Благословение законодателей (в том числе и «вы должны быть врагами самим себе») |
| — | Суть их развития: как они стремятся избежать своей великой задачи. |
| — | Анализ стадного животного. Необходимо жертвовать большим количеством людей, чем во время войны. |
| — | Великие и жуткие торжества. |
| — | Не опускаться до сочувствия к великим людям всех времен! |
| — | Поскольку бога больше нет, нет и необходимости выносить одиночество: высший человек должен заняться делом. |
| — | Хотите ли вы тело, чувства и т.д. |
| — | Похвала холодному рассудку как бальзам на душу людей лабиринта |
| — | Повелевающий многими философиями, владеющий и глубочайшим пессимизмом, и высшим просветлением мира. |
| — | Меланхолики нуждаются в веселье. |
34 [213]
Gai saber.
Опыт божественного философствования.
Сочинение
Фридриха Ницше.
| 1. Знание и совесть. |
| 2. Мораль для моралистов. |
| 3. Мысли о сегодняшнем и завтрашнем. |
| 4. О ранговом порядке. |
34 [214]
Самопросветление.
Добрые и злые
Двадцатый век.
34 [215]
Евгений Дюринг наделен всеми добродетелями и изъянами кабинетного ученого и вульгарного человека, к которым относится и дурновкусие всех его манер.
34 [216]
NB. Есть часы, очень светлые, веселые часы чистой совести, когда мы всю эту пышную болтовню прежних людей о морали называем не иначе, как «высшим обманом».
Имперская глупость
Б) Ложность всех наших похвал и порицаний, оценок и приговоров, любви и ненависти вызывает чувство стыда: этим страдает любой глубокий человек. Еще шаг вперед — и мы будем стыдиться этого чувства стыда, а в конце концов высмеем самих себя.
34 [217]
NB. Мы близки к пониманию того, что видимость и кажущаяся вероятность менее всего заслуживают веры, ибо повсюду видим обратное: например, что половое зачатие в царстве всего живого — всего лишь исключительный случай, что самец — это, по существу, не более чем выродившаяся, изжившая себя самка или что все органы живого существа первоначально выполняли другие задачи, нежели те, на основании которых мы называем их «органами», — и что вообще все возникло не так, как можно было бы предположить по его конечному применению. Представление о сущем еще ничего не говорит о его возникновении, а история возникновения еще ничего не говорит нам о существующем. Почти все историки совершают ошибку, так как исходят из наличного и смотрят назад. Однако наличное есть нечто новое и совершенно необъяснимое. Ни один химик не мог бы предсказать, что получится из двух элементов, не знай он этого заранее!
34 [218]
NB. Невозможно представить себе человека, не наделенного свойствами своих родителей и прародителей, даже если видимость говорит об обратном. Зная кое-что о родителях, можно делать выводы о ребенке: так, животная несдержанность и дурацкая зависть, вместе составляющие тип вульгарного человека, должны перейти и на ребенка, которому нелегко будет скрывать подобную наследственность. Или, например, актерский талант более велик в человеке низкого происхождения, нежели в благородном, — как и лицемерие «добродетели».
34 [219]
Поверхностным и глупым ученым, которые достаточно бесстыдны, чтобы ощущать себя «свободными духом», все, что относится к истории болезни высших людей — подчинение, боязнь самих себя, — кажется трусостью или предательством истины, слабостью воли.
34 [220]
Примирение христианских чувств с греческой красотой и, по возможности, еще и с современным парламентаризмом, — вот то, что сегодня в Риме называют «философией». — Для этого нужен утонченный ум и, с другой стороны, избыток мечтательности.
34 [221]
Лучшее, что дала Германия, — это критическая дисциплина — Кант, Ф. А. Вольф, Лессинг, Нибур и т. д. Защита от скептицизма. — Более строгое и решительное мужество, твердость руки, направляющей нож, удовольствие от расчленения и от произнесения Нет. Противоположное движение: романтизм и Рихард Вагнер как последний романтик.
34 [222]
NB. Различия между людьми все еще велики.
Суждения о знакомых мне людях, которые я слышал в течение всей своей жизни, настолько отличались от того, что я сам почитал за истину, что в конце концов для внутреннего обихода я придумал максиму: «бестактно не лгать о людях». Особенно меня огорчает вот что: если бы я захотел назвать по имени качество, которое мне нравится в М, это сразу же повредило бы его «репутации».
34 [223]
NB. Основное положение: во всем, что характеризует современного человека, есть элемент распада; однако наряду с болезнью есть и признаки нерастраченной душевной силы и мощи. Те же самые причины, которые ведут к еще большему умалению мелочных, подталкивают более сильных и редких ввысь, к великому.
34 [224]
Черт бы побрал это кваканье! Немцы снова хвастаются своими достославными «немецкими добродетелями», о которых история, во всяком случае, ничего не знает. Отвратительнее всего этим занимаются некоторые антисемиты, включая тех, что застряли в болоте байройтского мастера.
34 [225]
Девиз: для себя самого у меня нет времени, — вперед!
34 [226]
NB. Сфинкс.
Сведение к суждению: «это не истинно». Отсюда следует императив: «стало быть, ты не должен считать это истинным!» Или в действительности это значит: «стало быть, ты не можешь считать это истинным»? — К примеру, мы постоянно видим восход и заход солнца и верим тому, что, как мы знаем, не является истиной. Точно так же обстоит дело со всем остальным. Выражение «ты не должен» было бы императивом, отрицающим жизнь. Следовательно, нужно обманывать самому и позволять обманывать себя.
34 [227]
Рихарда Вагнера, которого сегодня чтят в Германии и осыпают всеми хвастливыми почестями худшего немецкого национализма, — этого Рихарда Вагнера я не знаю; более того, рискну высказать подозрение, что его никогда и не было: это фантом.
34 [228]
К дурному вкусу сегодняшних я причисляю: добродетельный германский национализм, который не согласуется с историей и которого следовало бы стыдиться
34 [229]
NB. Главное заблуждение всех историков: все факты значительно ничтожнее того, за что их принимают.
34 [230]
Искуситель.
Глаза бывают разными. Они есть и у сфинкса. Следовательно, есть разные «истины», и поэтому нет никакой истины.
34 [231]
Утонченный и подвижный ум с сотней тысяч крохотных рецепторов, складывающихся и распадающихся от каждого дуновения, при полнейшем расщеплении воли, — есть нечто очень смешное. Как у изысканных парижан, которые вздыхают под напором разнообразных впечатлений.
34 [232]
В молодости я встретил опасного бога и никому не хотел рассказывать, что тогда произошло в моей душе — как хорошего, так и плохого. Так я постепенно научился молчать, как учатся говорить, чтобы уметь молчать о главном. Человек, которому есть что скрывать, должен чем-то прикрываться, как от других, так и от самого себя: это нужно человеку, чтобы отдохнуть от самого себя и дать возможность другим жить с нами.
34 [233]
Признак ненаучного человека: он считает истинным то мнение, которое ему льстит и в свете которого он хорошо выглядит.
34 [234]
NB. Все еще не приведен убедительный аргумент, опровергающий утверждение, что доброта есть признак инволюции духа и что добродетель, как чувство и энтузиазм, есть симптом начинающегося слабоумия или, по крайней мере, свидетельствует о его приступах. Обзор истории дает примеры духовного движения вспять повсюду, где получал преобладание стадный человек и где затруднялись условия жизни для отдельного или сбивающегося в стаи человека-хищника: всякий раз в одной и той же точке развития мы находим «добрых» людей. У всех народов есть выражение: «глуп до святости».
34 [235]
NB. Любая мораль есть привычка к самопрославлению, благодаря которой определенный вид людей радуется подобным себе и свойственной им жизни: она защищает от влияния людей другого вида, позволяя чувствовать в них существ «ниже себя».
34 [236]
NB. У женщины в голове всегда много слишком мелких и странных вещей, поэтому перед лицом задач, стоящих перед мужчиной, она по необходимости чувствует комизм своего положения; некрасивые женщины не в счет: они избавлены от многих забот тем, что заняты телом, постелью и детьми, а с недавнего времени еще и тем, что «несут» книги, как курица яйца. Поэтому для предприимчивых и глубоких мужчин истинное благо встретить существо, склонное к поверхностному веселью и приятной чувственности: благодаря этому жизнь выглядит менее мрачно. Следует как можно глубже прочувствовать, какое благо представляет собой такая женщина.
34 [237]
Антисемиты и прочий в основе своей лживый сброд, нуждающийся в высоких словах, — скорее для самих себя, чем для остального мира
34 [238]
И лучше, подобно черной полуразрушенной крепости, одному сидеть на своей горе, в задумчивости и такой тишине, которой боятся даже птицы —
34 [239]
Морально делать то, что соответствует нашему интересу: англичане пытаются доказать это, начиная с Бентама, позаимствовавшего эту мысль у Гельвеция. Только это должно считаться моралью, именно для этого и возникла мораль. С исторической точки зрения это совершенно бессмысленно, а сегодня еще и противоречит хорошему вкусу. Наоборот: раньше все философы пытались доказать, что принцип neminem laede, immo omnes quantum potes juva — это фундамент этики, который тысячелетиями ищут, словно философский камень. — Англичане пытаются убедить себя, что морально реальное поведение человека. И что только стадный инстинкт и есть сама мораль, в прежние времена — —
Важно, NB. — Начиная с Гельвеция!
34 [240]
«Человек» как проблема.
Сочинение
Фридриха Ницше.
| 1. | Ложный путь философов. |
| 2. | Ложный путь проповедников морали. |
| 3. | Ранговый порядок людей. по какому признаку? в какой мере они наделены силой выносить ужасный естественный факт под названием — и все же — |
| 4. | Проблема — куда? Нужен новый терроризм. |
34 [241]
NB. Сколь много ложных толкований вещей уже было! Поразмыслим над тем, что должны думать о связи причин и следствий люди, которые молятся: никто не убедит нас убрать из молитвы момент «просьбы» и веру в то, что молиться имеет смысл, что она будет «услышана». Или другое толкование — что судьба человека «уготована» ему для его исправления, увещевания, наказания, предостережения; или третье толкование — что в ходе вещей всегда присутствует право и справедливость, а за любым каузальным действием кроется еще и своего рода криминальная подоплека. — Поэтому и все моральное толкование наших поступков может оказаться лишь огромным недоразумением, каким, без сомнения, было и моральное толкование всех естественных событий.
34 [242]
Нам приятно быть вблизи честного, разумного, мягкосердечного, прилежного, иными словами, «доброго» человека. Но почему этот неопасный, приятный нам человек должен значить для нас больше, чем опасный, непознаваемый, не поддающийся учету и вынуждающий нас быть начеку? Наше приятное чувство еще ничего не доказывает. Вопрос: был ли среди великих хотя бы один относящийся к описанному неопасному типу?
34 [243]
NB. Человек высшего ума и силы готов к любой случайности, в водовороте случайностей он чувствует себя, как рыба в воде; он не признает разумной любую последовательность и саркастически извлекает на свет божий случайное в ней. — Раньше верили только в цели; то, что сегодня верят лишь в causae efficientes, есть подмена одного заблуждения другим. Не существует ни causae finales, ни causae efficientes, в обоих случаях мы делаем ложный вывод из ложного самонаблюдения: 1) мы верим, что действуем благодаря воле и 2) что по крайней мере действуем. Разумеется, без этой веры не было бы ничего живого — но следует ли поэтому считать ее истиной?
34 [244]
NB. «Познание» есть путь, приводящий нас к чувству, что мы что-то уже знаем, следовательно, оно означает подавление чувства новизны и превращение того, что кажется новым, в нечто старое.
34 [245]
«преступники высшего ранга так же близки к Капитолию, как и к Тарпейской скале», — сказал, кажется, Мирабо.
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Жизнь как сон наяву; чем тоньше и обширнее человек, тем сильнее он ощущает ужасную и одновременно возвышенную случайность в своей жизни, желаниях, удачах, счастье, намерениях; он испуганно вздрагивает, как сновидец, на мгновение осознавший: «мне это снится». Вера в причинную обусловленность вещей зиждется на вере в то, что мы действуем; если осознать недоказуемость последнего обстоятельства, вера в первое утратит свою прочность. К этому следует добавить, что «явления» не могут быть причиной. Нам кажется, будто мы объясняем, когда сводим необычный предмет к обычному ради того, чтобы исчезло чувство отчуждения. Мы хотим не «познавать», а оградить от тревог нашу веру в то, что мы уже знаем.
34 [247]
Нечто может быть неопровержимым: поэтому оно еще не является истинным.
Целокупность органического мира представляет собой цепочку существ с выдуманными маленькими мирами вокруг них: живые существа распространяют свою силу, свои желания и привычки вовне, создавая свой внешний мир. Способность к (оформлению, изобретению, вымыслу) — их основная способность; о самих себе они, естественно, имеют такое же ложное, вымышленное, упрощенное представление.
«Существо, привыкшее мечтать по определенным правилам» — вот что такое живое существо. Огромное количество таких привычек в конце концов настолько закрепилось, что благодаря ему существуют виды. Вероятно, они находятся в благоприятном соотношении с условиями существования таких существ.
Наш мир как видимость, заблуждение — но почему возможны видимость и заблуждение? (Истина не противоположность заблуждения, а отношение определенных заблуждений к другим заблуждениям: они древнее, глубже укоренены, мы не представляем себе жизни без них и т.д.)
Созидательное начало в каждом органическом существе — что это?
— Все, что составляет «внешний мир» каждого из них, есть сумма ценностных оценок; «зеленый», «синий», «красный», «твердый», «мягкий» суть унаследованные оценки и их знаки.
— Ценностные оценки должны находиться в определенном соотношении с условиями существования, однако это ни в коем случае не означает, что они истинны или точны. Главное как раз и состоит в их неточности, неопределенности, благодаря чему возникает своего рода упрощение внешнего мира — и именно такой вид интеллекта благоприятен для сохранения.
— Неорганическим миром тоже управляет воля к власти, или даже более того: неорганического мира вообще не существует. «Действие вовне» нельзя устранить: одно притягивает к себе другое, что-то ощущает силу притяжения другого. Это основополагающий факт: в сравнении с ним механистическое представление о давлении и ударе всего лишь гипотеза, возникшая благодаря зрению и осязанию, даже если она и считается регулятивной гипотезой для мира видимости!
— Чтобы выразить себя, эта воля к власти должна воспринимать вещи, которые она притягивает, должна почувствовать, если к ней приближается нечто поддающееся ассимиляции.
— Так называемые «законы природы» суть лишь формулы «соотношения сил» —
Механистическое мировоззрение есть философия поверхностная. Оно учит выведению формул, оно несет с собой большое облегчение.
Различные философские системы следует рассматривать как методы воспитания духа: они всегда лучше всего вырабатывали особую силу духа, односторонне требующую смотреть на вещи только так, а не иначе.
34 [248]
Дионис.
| Дионис как воспитатель. |
| Дионис как обманщик. |
| Дионис как разрушитель. |
| Дионис как созидатель. |
34 [249]
Образцом абсолютной фикции служит логика. Здесь придумано такое мышление, когда одна мысль полагается причиной для другой; все чувства и желания не принимаются во внимание. В действительности такого не бывает: действительность иная, она невероятно сложна. Используя данную фикцию как схему, то есть фильтруя действительные события через мыслительный аппарат упрощения, мы приходим к идеографическому письму, к сообщаемости логических процессов, к возможности их воспринимать. Следовательно, основная воля заключается в том, чтобы рассматривать духовные события так, будто они соответствуют схеме упомянутой выше регулятивной фикции. Где есть «память», там властвует эта основная воля. — В действительности не существует никакого логического мышления: из нее не может быть выведено ни одно правило арифметики и геометрии, ибо такого правила не существует в природе.
Я по-иному отношусь к незнанию и неопределенности. Меня не заботит, что нечто останется непознанным; напротив, я радуюсь, что может быть еще один способ познания, и поражаюсь сложности его осуществления. Средством для этого служит введение совершенных фикций в качестве схем, благодаря которым мы можем мыслить духовные процессы проще, чем они есть на самом деле. Познание возможно лишь с помощью памяти; память возможна только благодаря сокращению и превращению духовных процессов в знаки.
Идеографическое письмо.
Объяснение есть выражение новой вещи посредством знаков уже известных вещей.
34 [250]
Наша главная вера в том, что мы действующие существа, что мы представляем собой силу. Быть свободным — это «когда тебя не толкают и не отодвигают, когда нет чувства принуждения».
NB. Когда мы встречаем сопротивление и вынуждены ему подчиниться, мы чувствуем себя несвободными, а когда не подчиняемся, но сами заставляем подчиняться себе, возникает чувство свободы. Следовательно, это чувство нашего избытка силы, который мы называем «свободой воли», сознание того, что наша сила вынуждает подчиняться другую силу.
34 [251]
В волении есть аффект.
34 [252]
Познание: осуществление опыта благодаря тому, что действительные события чрезвычайно упрощаются, как со стороны воздействующих сил, так и со стороны наших созидающих сил; благодаря этому кажется, что существуют похожие и одинаковые вещи. Познание есть подделка разнообразного и неисчислимого под одинаковое, похожее, исчисляемое. Следовательно, жизнь возможна только благодаря подобному аппарату фальсификации. Мышление есть извращающее преобразование, чувство есть извращающее преобразование, воление есть извращающее преобразование —: во всем этом заложена сила ассимиляции, предполагающая наличие воли, направленной на то, чтобы сделать нечто равным нам.
34 [253]
Истина есть род заблуждения, без которого жизнь определенного вида живых существ была бы невозможна. В конечном счете ценность жизни имеет определяющее значение. Крайне низкие и добродетельные люди
34 [254]
Я любил только его и никого больше. Этот человек был мне по сердцу — аморальный, атеистический, антиномический, державшийся одиноко и никогда не веривший, что
34 [255]
NB. Новый образ мыслей—всегда предполагающий новый способ измерения, наличие нового масштаба, новой шкалы восприятия, которая всегда является истинной верой—хочет утвердить себя и с жаром первой любви говорит всему, что стоит на его пути: «это ложно». В этой борьбе он совершенствуется, учится защищать себя и ради победы должен хитростью выманить у противника его оружие и овладеть его искусством. «Это ложно» первоначально означало: «я этому не верю», а если присмотреться пристальнее—«я в этом ничего не чувствую», «это для меня ничего не значит».
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Я предпринял несколько не очень уверенных попыток привлечь к себе людей, которым я мог бы сказать, например, такие странные вещи: все мои сочинения были раскинутыми сетями, я хотел поймать в них людей с глубокой, богатой и раскованной душой.
К кому обратиться? Свою самую продолжительную попытку я предпринял в отношении того разностороннего и таинственного человека, который, вероятно, пропустил сквозь свою душу наибольшее количество добрых и дурных свойств человека нынешнего столетия, — в отношении Ричарда Вагнера. Позднее я вознамерился «соблазнить» немецкую молодежь, ибо хорошо знал, какие опасные вещи творятся в душе немца в двадцатилетнем возрасте. Еще позднее я придумал язык для отчаянных мужских умов и сердец, которые в каком-нибудь уголке земли ждали моих удивительных откровений. Наконец — но вы не поверите, к какому «концу» я пришел. Так и быть, скажу: я сочинил «Так говорил Заратустра».
Признаться ли? До сих пор я так никого и не нашел, зато снова и снова встречал какую-нибудь странную форму «неистовой глупости», которая очень хотела бы, чтобы ей поклонялись как добродетели; я охотнее всего называю ее «моральным тартюфством», вижу в ней порок нашего века и готов наградить ее еще доброй сотней ругательств.
34 [257]
У глубоких и дальновидных есть свои передние планы: и временами им приходится делать вид, что они — только передний план.
34 [258]
Одинокий среди хороших друзей и добрых соседей, улыбающийся и поражающийся их «неистовой глупости», их назойливой благожелательности.
34 [259]
Глубокие и раскованные умы!
34 [260]
Борьба в основании повелевания и подчинения
Воля к власти.
как основная воля всего живого
1. в познании и философии.
2. в этике, воспитании и политике.
3. в искусстве и религии.
два крайних образа мышления, механистический и платонический, сходятся в вечном возвращении: обе как идеалы
34 [261]
Оценка неорганического как низшего — это ограниченность. Там нет боли, заблуждения. Воля к власти там правдива и лишена боли.
34 [262]
Чистое мышление не могло бы мыслить: безусловное не может обуславливать.
Чистое познание, как вещь в себе, есть contradictio.
34 [263]
Но если ты больше не признаешь мораль, зачем ты ищешь истину? И если мораль побуждала тебя искать истину, зачем ты отрицаешь мораль, если моральность больше тебя не заставляет? Именно теперь ты мог бы признать ее: это привилегия скептика!
34 [264]
Под моралью я понимаю систему ценностей, которая связана с условиями жизни существа.
Лежат ли в основе исследования моральные силы и ценности?
Критерий истины заключается в увеличении чувства власти.
«Должно быть так-то и так-то» — таково начало: позже, часто после долгих поколений, это становится «так есть». Потом это называется «истиной»; в начале это было волей видеть нечто так-то и так-то, и так-то и так-то называть, говорить Да собственному сотворению ценностей. —
Мы сравниваем что-то с тем, что мы считаем истинным, при помощи метода, в который мы привыкли верить.
34 [265]
М — это мыслитель, который рассматривает мораль как проблему, то есть как нечто сомнительное: чтобы делать это с некоторой чистотой, он должен уметь мыслить без побочных и скрытых моральных мотивов: но возможно ли аморальное мышление?
Чтобы не впасть в ту знаменитую niaiserie allemande, которая сделала имя Канта бессмертным (он ответил на вопрос —): «для этого имеется способность»
Существо, которое не хочет быть обманутым, еще далеко не такое, какое не хочет обманывать и обычно охотно поддается обману.
34 [266]
Источники сострадания: подражание и жестокость.
34 [267]
Свобода в отношении к деянию так же различна, как и в отношении к произведению (художник к своему произведению, а женщина к своему ребенку)
Суть творчества в повелевании.
34 [268]
Критерий истины заключается не в каждом «мне нравится» (в удовольствии), а, возможно, в одном виде удовольствия (чувстве власти)?
34 [269]
Моя проблема: законодатель.
34 [270]
Законодатель.
Почитающий.
Отрицающий.
Испытывающий.
Повелевающий.
34 [271]
Возможна и мораль праведника: «Я х хочу праведности» — но за дорогую цену. Такой идеал живет за счет других; не имеет права на себя, не имеет Бога для себя, смеется над «да» и «нет» совести.
34 [272]
Не следует говорить слишком громко, если хочешь быть услышанным тонкими ушами, да и я ненавижу шум. Многое не нужно говорить и многое нужно говорить иначе, чем думаешь; и я почти верю, что учитель должен всегда учить противоположному тому, что он считает правдой. Сегодня думают иначе: в чем причина? В чем причина того, что сегодня печатают бумагу для всех? «Бумага для всех» нужна не только для чтения: в этом и заключается ее оправдание.