11, 35[1-84] Mai-Juli 1885

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Ein Moralist ist das Gegenstück eines Moral-Predigers: nämlich ein Denker, welcher die Moral als fragwürdig, fragezeichenwürdig, kurz als Problem nimmt. Ich bedaure hinzufügen zu müssen, daß der Moralist, eben deshalb, selber zu den fragwürdigen Wesen gehört.

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Der historische Sinn: die Fähigkeit, die Rangordnung von Werthschätzungen schnell zu errathen, nach welchen ein Volk, eine Gesellschaft, ein Mensch lebt—, die Beziehung dieser Werth-Schätzungen zu den Lebens-Bedingungen, das Verhältniß der Autorität der Werthe zur Autorität der wirkenden Kräfte (das vermeintliche meistens noch mehr als das wirkliche): dies Alles in sich nachbilden können macht den historischen Sinn.

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Manche der aesthetischen Werthschätzungen sind fundamentaler als die moralischen z. B. das Wohlgefallen am Geordneten, Übersichtlichen, Begrenzten, an der Wiederholung—, es sind die Wohlgefühle aller organischen Wesen im Verhältniß zur Gefährlichkeit ihrer Lage, oder zur Schwierigkeit ihrer Ernährung. Das Bekannte thut wohl, der Anblick von etwas, dessen man sich leicht zu bemächtigen hofft, thut wohl usw. Die logischen, arithmetischen und geometrischen Wohlgefühle bilden den Grundstock der aesthetischen Werthschätzungen: gewisse Lebens-Bedingungen werden als so wichtig gefühlt, und der Widerspruch der Wirklichkeit gegen dieselben so häufig und groß, daß Lust entsteht beim Wahrnehmen solcher Formen.

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Die Verfeinerung der Grausamkeit gehört zu den Quellen der Kunst.

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Moral ist die Lehre von der Rangordnung der Menschen, und folglich auch von der Bedeutsamkeit ihrer Handlungen und Werke für diese Rangordnung: also die Lehre von den menschlichen Werthschätzungen in Betreff alles Menschlichen. Die meisten Moral-Philosophen stellen nur die gegenwärtige herrschende Rangordnung dar; Mangel an historischem Sinne einerseits, andrerseits sie werden selber von der Moral beherrscht, welche das Gegenwärtige als das Ewig-Gültige lehrt. Die unbedingte Wichtigkeit, die blinde Selbstsucht, mit der sich jede Moral behandelt, will, daß es nicht viele Moralen geben könne, sie will keine Vergleichung, auch keine Kritik: sondern unbedingten Glauben an sich. Sie ist also im Wesen antiwissenschaftlich—und der vollkommene Moralist müßte schon deshalb unmoralisch sein, jenseits von Gut und Böse.— Aber ist Wissenschaft dann noch möglich? Was ist das Suchen nach Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Redlichkeit, wenn nicht etwas Moralisches? Und ohne diese Werthschätzungen und ihre entsprechenden Handlungen: wie wäre Wissenschaft möglich? Die Gewissenhaftigkeit im Wissen weg—wohin ist die Wissenschaft? Ist Scepsis der Moral nicht ein Widerspruch, insofern die höchste Verfeinerung der moralischen Ansprüche hier gerade aktiv ist: sobald der Sceptiker diese feinen Werthabschätzungen des Wahren nicht mehr als maaßgebend fühlt, so hat er keinen Grund mehr zu zweifeln und zu forschen: es müßte denn der Wille zum Wissen noch eine ganz andere Wurzel haben als die Wahrhaftigkeit. —

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Seele” zur Bezeichnung eines Systems von Werthschätzungen und Werthaffekten.

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Wenn Philosophen unter sich zusammenkommen, so fangen sie damit an, vielen schönen Plunder von sich zu werfen; vor allem, sie nennen sich nicht mehr “Philosophen” und hängen “die Liebe zur Weisheit” wie eine steife Amtstracht und Maskerade an den Nagel. “Wir sind Freunde des Mißtrauens, so sagen sie zu einander, wir wollen uns nicht betrügen lassen. Daß wir Niemanden betrügen wollen—das soll man freilich von uns glauben, dazu müssen wir alle Welt feierlich überreden. Denn unter uns geredet:

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Die Starken und die Schwachen.

Gedanken und Gedankenstriche
eines guten Europäers.

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Diese guten Europäer, die wir sind; was zeichnet uns vor dem M der Vaterländer aus?

Erstens: wir sind Atheisten und Immoralisten, aber wir unterstützen zunächst die Religionen und Moralen des Heerden-Instinktes: mit ihnen nämlich wird eine Art Mensch vorbereitet, die einmal in unsere Hände fallen muß, die nach unserer Hand begehren muß.

Jenseits von Gut und Böse, aber wir verlangen die unbedingte Heilighaltung der Heerden-Moral.

Wir behalten uns viele Arten Philosophie vor, welche zu lehren noth thut: unter Umständen die pessimistische, als Hammer; ein europäischer Buddhismus könnte vielleicht nicht zu entbehren sein.

Wir unterstützen wahrscheinlich die Entwicklung und Ausreifung des demokratischen Wesens: es bildet die Willens-Schwäche aus: wir sehen im “Socialism”—einen Stachel, der vor der Bequemlichkeit

Stellung zu den Völkern. Unsere Vorlieben; wir geben Acht auf die Resultate der Kreuzung.

Abseits, wohlhabend, stark: Ironie auf die “Presse” und ihre Bildung. Sorge, daß die wissenschaftlichen Menschen nicht zu Litteraten werden. Wir stehen verächtlich zu jeder Bildung, welche mit Zeitungswesen oder gar -schreiben sich verträgt.

Wir nehmen unsere zufälligen Stellungen (wie Goethe, Stendhal) unsere Erlebnisse als Unterkunfts-Hütten, wie sie ein Wanderer braucht und hinnimmt—wir hüten uns, heimisch zu werden.

Wir haben eine disciplina voluntatis vor unseren Mitmenschen voraus. Alle Kraft verwendet auf Entwicklung der Willens-kraft, eine Kunst, welche uns erlaubt, Masken zu tragen, des Verstehens jenseits der Affekte (auch “übereuropäisch” denken, zeitweilig)

Vorbereitung dazu, die Herren der Erde zu werden; die Gesetzgeber der Zukunft. Zum Mindesten aus unseren Kindern. Grundrücksicht auf die Ehen.

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Dieselben Bedingungen, welche die Entwicklung des Heerdenthieres vorwärts treiben, treiben auch die Entwicklung des Führer-Thiers.

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Bei der “Emancipation des Weibes” wollen die Weiber, welche nicht zu Gatten und Kindern kommen, die Gesammtstellung des Weibes zum Manne wesentlich beeinflussen d. h. die mißrathenden Elemente (welche der Zahl nach überall im Übergewicht sind) wollen die Stellung der Art ändern d. h. zu Gunsten der Zahl soll die Qualität der Art verringert werden. (Man denke nur über die Eine Consequenz nach: daß nun auch die häßlichen Weiber die Befriedigung ihrer Triebe durch die Männer verlangen—der unbewußte treibende Grund dieser Bewegung) Oder, bei der G Sand, die nie Männer genug hatte und die, welche sie hatte, bald satt bekam.

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Der Unsinn der größten Zahl als der größeren Vernunft zeigt sich am verhängnißvollsten, wenn man erwägt, in wiefern Alles Gute, Wohlgerathene, Glückliche, Geistig-Geistliche auf Erden, kurz alles, wodurch das durchschnittliche Mißrathen und Mißwollen

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Europa ist zuletzt ein Weib: und die Fabel lehrt, daß so ein Weib sich unter Umständen von gewissen Thieren fortschleppen läßt. Ehemals, zur Zeit der Griechen, von einem Stier. Heute—der Himmel behüte mich, das Thier zu nennen.

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Was sind diese guten Europäer, von denen du redest und noch mehr schweigst als redest? Was zeichnet sie vor uns, den guten Vaterländern, aus?

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Zum Plan. Einleitung.

1. die organischen Funktionen zurückübersetzt in den Grundwillen, den Willen zur Macht,—und aus ihm abgespaltet.
2. denken, fühlen, wollen in allem Lebendigen
was ist denn Lust anderes als: eine Reizung des Machtgefühls durch ein Hemmniß (noch stärker durch rhythmische Hemmungen und Widerstände)—so daß es dadurch anschwillt: Also in aller Lust ist Schmerz einbegriffen.— Wenn die Lust sehr groß werden soll, müssen die Schmerzen sehr lange, und die Spannung des Bogens ungeheuer werden.
3. der Wille zur Macht sich spezialisirend als Wille zur Nahrung, nach Eigenthum, nach Werkzeugen, nach Dienern —
Gehorchen und Herrschen: der Leib.
— der stärkere Wille dirigirt den schwächeren. Es giebt gar keine andere Causalität als die von Willen zu Willen. Es ist bisher noch gar keine mechanistische
4. die geistigen Funktionen: Wille zur Gestaltung, zur Anähnlichung usw.
Anhang. Die grossen Missverständnisse der Philosophen.

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Man möchte vielleicht einmal versucht sein, die Frage aufzuwerfen, ob sich nicht alle großen Menschen unter die bösen Menschen rechnen lassen.

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Der Mensch, in welcher Lage er auch sich befinden möge, braucht eine Art Werthschätzungen, vermöge deren er seine Handlungen, Absichten und Zustände vor sich selber und namentlich vor seiner Umgebung rechtfertigt d. h. selbst-verherrlicht. Jede natürliche Moral ist der Ausdruck der Zufriedenheit einer Art von Menschen mit sich selber: und wenn man Lob nöthig, hat man auch immer eine übereinstimmende Werthtafel nöthig, auf der die Handlungen am höchsten geschätzt sind, deren wir am fähigsten sind, worin unsere eigentliche Kraft sich ausdrückt. Wo unsere Kraft ist, damit wollen wir auch gesehn und geehrt werden.

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(50)

Ob man nicht ein Recht hat, alle großen Menschen unter die bösen zu rechnen? Im Einzelnen ist es nicht immer aufzuzeigen. Oft ist ihnen ein meisterhaftes Versteckspielen möglich gewesen, so daß sie die Gebärden und Äußerlichkeiten großer Tugenden annahmen. Oft verehrten sie die Tugenden ernsthaft und mit einer leidenschaftlichen Härte gegen sich selber, aber aus Grausamkeit—dergleichen täuscht, aus der Ferne gesehn. Manche verstanden sich selber falsch, als sie nicht selten fordert eine große Aufgabe große Qualitäten heraus z. B. die Gerechtigkeit. Das Wesentliche ist: die Größten haben vielleicht auch große Tugenden, aber gerade dann noch deren Gegensätze. Ich glaube, daß aus dem Vorhandensein der Gegensätze, und aus deren Gefühle, gerade der große Mensch, der Bogen mit der großen Spannung, entsteht

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Man muß sich los machen von der Frage: was ist gut? was ist mitleidig?—sondern “was ist der Gute, der Mitleidige?” fragen.

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Eine Moral war bisher zu allererst der Ausdruck eines conservativen Willens zur Züchtung einer gleichen Art, mit dem Imperativ: “Es soll allem Variiren vorgebeugt werden; es soll der Genuß an der Art allein übrig bleiben.” Hier werden eine Anzahl von Eigenschaften lange festgehalten und großgezüchtet, und andere geopfert; alle solche Moralen sind hart (in der Erziehung, in der Wahl des Weibes, überhaupt gegen die Rechte der Jugend usw.) Menschen mit wenigen, aber sehr starken und immer gleichen Zügen sind das Resultat. Diese Züge stehen in Beziehung zu den Grundlagen, auf denen solche Gemeinwesen sich durchsetzen und gegen ihre Feinde behaupten können.

Auf Ein Mal reißt das Band und der Zwang einer solchen Zucht (—es giebt zeitweilig keine Feinde mehr—): das Individuum hat keine solche Schranke mehr, es schießt wild auf, ein ungeheures Zugrundegehn steht neben einem herrlichen, vielfachen, urwaldhaften Emporwachsen. Es entsteht für die neuen Menschen, in welche jetzt das Verschiedenste vererbt wird, eine Nöthigung, sich selber eine individuelle Gesetzgebung zu machen, angemessen für ihre absonderlichen Bedingungen und Gefahren. Es erscheinen die Moral-philosophen, welche gewöhnlich irgend einen häufigeren Typus darstellen und mit ihrer disciplina einer bestimmten Art von Mensch Nutzen schaffen.

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Ich habe nie Geist und Mühe auf Fragen verschwendet, wie: was ist gut? was ist schlecht?— Jeder dieser Philosophen nahm sich als typischen Menschen und wollte sich gegen alle anders Gearteten durchsetzen: sie treten in den Kampf mit diesem ihrem Glauben an ihr Ideal. Auch ihre Moral ist die der Selbst-Zufriedenheit, aber des Individuums.

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Man weiß aus den Erfahrungen der Züchter, daß Arten, denen ein Übermaaß von Nahrung und jede Art Sorgfalt und Schutz zu Theil wird, in der stärksten Weise zur Variation des Typus neigen und reich an Wundern und Monstrositäten (auch an m Lastern) sind. Nun sehe man einmal eine Aristokratie als eine Veranstaltung zum Zweck der Züchtung an: lange Zeit fehlt jenes Übermaaß der günstigen Bedingungen, sie hat Noth, sich überhaupt durchzusetzen, sie hat beständige Gefahr um sich, Furcht festzuhalten. Dazu fühlt sie als nothwendig, daß eine bestimmte Art von Eigenschaften (Tugenden) vor allen und zuoberst erhalten werden muß: sie unterdrückt zu Gunsten dieser Tugenden alle übrigen, sie fühlt diese Tugenden als Existenzbedingungen. Endlich entsteht eine Glückslage, der große Zwang ist nicht mehr nöthig: und sofort tritt, in dem Treibhaus ihrer Cultur, eine ungeheure Menge von Varietäten und Monstren (Genie’s eingerechnet) auf: mitunter geht an deren Kampfe das Gemeinwesen zu Grunde.

Die Art-Varietäten (als Abartung, theilweise Entartung) treten auf, wo günstige Bedingungen des Lebens da sind: die Art selber aber tritt auf, wird fest und stark unter dem langen Kampf mit immer gleichen ungünstigen B.

Die Sorge für die Erhaltung der Art, ihrer treuen Wiederholung, ihrer wesentlichen Gleichförmigkeit ist eingegeben durch Liebe für diese Art, Bewunderung derselben durch Vergleichung mit ihrer Umgebung, also Zufriedenheit damit: Grundlage aller Aristokratien, man ist glücklich in seiner Art und will sich selber fortsetzen durch gleiche Nachkommenschaft: aber man muß auf dieser Stellung erhalten werden durch beständig wiederkehrende Gefährdung, und durch den Vergleich mit nahen, niedriger stehenden Wesen. Der Gedanke an einen “Fortschritt” und ebenso der Gedanke an “gleiche Rechte Aller” muß fehlen: Erhaltung des Typus, Genuß aller typischen Züge und sonst Widerwille (auch gegen alles Fremde) möglichst den Vorfahren gleichen als dirigirende Moral: Trauer beim Gedanken der Veränderung und Varietät.

Nun aber giebt es leidende, unterdrückte, halb mißrathende, kranke mit sich unzufriedene Arten: wenn auch sie nach Lehrern, Tröstern und gleichsam Ärzten dürsten, wenn auch sie sich eine Moral schaffen: wonach werden sie am liebsten greifen und verlangen? Vor allem nicht nach Erhaltung ihrer leidenden Art, oder ihrer Zustandes. Sondern “fort davon! Und lieber Irgend wo anders hin!” Im Ganzen wird ihre Moral sich also wie eine Art Selbst-Verneinung ausnehmen: ihre liebste Praxis wird die “Selbstlosigkeit,” der Ekel vor sich, die Abkehr vom Egoistischen—und ihr größter Haß wendet sich gegen die Glücklichen, Stolzen, Siegreichen! Daneben die Entzückungen des Gefühls, welche in der Hingebung, Aufopferung, im Vergessen-seiner-selber, in der Liebe liegen: von der hündischen Schwanzwedelei des Sclaven bis hinauf zur mystischen “Vereinigung mit Gott.” Thatsächlich wird so eine Art von Leidenden und Halbgerathenden im Leben erhalten, und gewissermaaßen lebensfähig gemacht: und indem sie Anpassung an Einander vor allem lernt, entsteht ein niedriger, aber ein lebensfähiger Typus. Zum Beispiel der jetzige Europäer, so wie der Chinese. Die Verkleinerung des Menschen: aber wenn Alle ihre Kräfte zusammenthun, werden sie über die vornehme Rasse Herr: und da diese selber oft von ihren noblen Instinkten her zum Wegwerfen ihrer harten Existenz verführt sind (auch von ihren glückbedürftigen Instinkten), oder selber entartet sind, so daß sie nicht mehr an sich glauben, so geschehen dann z.B. solche großen Thorheiten wie die Vorspiele der französischen Revolution. Dann tritt eine Art Übergewicht der Vielzahl, folglich der geringsten Art Mensch über die Ausgesuchten u Seltenen ein, ein demokratischer Grund-Geschmack aller Werthschätzung, bei dem zuletzt der Glaube an große Dinge und Menschen sich in Mißtrauen, endlich in Unglauben verwandelt und zur Ursache davon wird, daß das Große ausstirbt.

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Der Durst nach großen und tiefen Seelen—und immer nur dem Heerdenthier zu begegnen!

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1) ist der “Philosoph” heute noch möglich? Ist der Umfang des Gewußten zu groß? Ist die Unwahrscheinlichkeit nicht sehr groß, daß er nicht zum Überblick kommt, und zwar je gewissenhafter er ist? Oder zu spät, wenn seine beste Zeit vorbei ist? Oder beschädigt, vergröbert, entartet, so daß sein Werthurtheil nichts mehr bedeutet?— Im andern Fall wird er zum “Dilettanten” mit tausend Fühlhörnerchen und verliert das große Pathos, die Ehrfurcht vor sich selber,—auch das gute feine Gewissen. Genug, er führt nicht mehr, er befiehlt nicht mehr. Wollte er es, so müßte er zum großen Schauspieler werden, zu einer Art von philosophischem Cagliostro.

2) was bedeutet uns heute noch philosophisch leben weise-sein? Ist es nicht fast ein Mittel, sich gut aus einem schlimmen Spiele herauszuziehn? Eine Art Flucht? Und wer dergestalt abseits und einfach lebt, ist es wahrscheinlich, daß er damit seiner Erkenntniß den besten Weg gewiesen hat? Müßte er es nicht persönlich mit dem Leben auf 100 Arten versucht haben, um über seinen Werth mitreden zu können? Genug, wir glauben, daß Einer ganz und gar “unphilosophisch,” nach den bisherigen Begriffen, gelebt haben muß, vor allem nicht als scheuer Tugendhafter—um über die großen Probleme aus Erlebnissen heraus zu urtheilen. Der Mensch der umfänglichsten Erlebnisse, der sie zu allgemeinen Schlüssen zusammendrängt: müßte er nicht der mächtigste Mensch sein?— Man hat den Weisen zu lange mit dem wissenschaftlichen, und noch länger mit dem religiös-gehobenen Menschen verwechselt.

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Problem: viele Arten von großen Menschen sind vielleicht nicht mehr möglich? z.B. der Heilige. Vielleicht auch der Philosoph. Endlich das Genie? Die ungeheuren Distanz-Verhältnisse zwischen Mensch und Mensch haben vielleicht abgenommen? Mindestens hat das Gefühl dieser Distanz abgenommen, und das bringt als Wirkung eine weniger schroffe Haltung und Zucht mit sich, vermöge deren es der Mensch auch nicht mehr so hoch bringt, wie ehedem.— Wir bedürfen eines neuen Begriffs der Größe des Menschen; welcher wir fähig sind, und von der die Meisten von uns tief abgetrennt sind. Voilà: diese demokratische Welt verwandelt Jeden in eine Spezialität, also ist heute Größe das Universal-sein. Sie schwächt den Willen, also ist Stärke des Willens heute Größe. Sie entwickelt das Heerdenthier, also gehört Alleinstehn und Auf-eigene-Faust-leben heute zur Größe zu rechnen. Der umfänglichste Mensch, allein gehend, ohne Heerden-Instinkte, und mit einem unbezwinglichen Willen, welcher ihm erlaubt, viele Verwandlungen zu haben und unersättlich in neue Tiefen des Lebens zu tauchen.— Wir müssen die Größe des Menschen dort suchen, wo wir am wenigsten zu Hause sind. Für Zeitalter der Energie ist der sanfte entsagende beschauliche Mensch die große Ausnahme; es gehörte große innere Zucht und Härte dazu, um aus einem halbwilden Thiere zu einem Socrates zu werden. Der Indifferentism des Epicur wirkt fast wie eine Verklärung. Wir kommen zu entgegengesetzten Idealen: und zuerst haben wir die alten Ideale für uns selber zu zertrümmern.

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Dionysos.
Buch der Wahrsagung.

35 [27]

Unsere Psychologen, deren Blick unwillkürlich nur an dem Symptom der décadence hängen bleibt, lenken immer wieder unser Mißtrauen wider den Geist.

35 [28]

Neue Barbaren. Man sieht immer nur die schwächenden verzärtelnden verkränkelnden Wirkungen des
Geistes: aber es kommen nun: Die Cyniker.Vereinigung der geistigen
 Die Versucher.Überlegenheit mit
 Die Eroberer.Wohlbefinden und Überschuß von Kräften.

35 [29]

Die Epochisten, die Ephectiker.

Er bleibt gern vor offenen Problemen stehn und ist ironisch gegen die schnellen Hypothesen gestimmt; er lehnt die Art Befriedigung ab, welche das Rund-machen, das Voll-machen, das Ausstopfen eines Lochs mit irgend welchem Werg mit sich bringt. So verhält er sich, nicht aus seiner Schwäche heraus, sondern aus seiner Stärke: er geht nicht gleich zu Grunde, wenn er den Halt solcher “Geländer” entbehrt, welche z. B. heute den Pessimisten als ihre Stütze dienen.— Grundthatsache: daß es in den moralischen Gebieten noch an jeder Wissenschaft fehlt, mehr noch an jedem Materiale zur Wissenschaft. Die praktischen Hinter-Absichten unterbinden dem Forscher die Adern. Es ist die Zeit für das Suchen der allerweitesten regulativen Hypothesen, um an ihnen Material zu sammeln.

Also ist hier noch lange nicht eigentliche strenge Ephexis der Wissenschaft möglich; wir sind im Vorstadium. Die Verschärfung der methodischen Ansprüche wird später kommen. Die Wissenschaften entwickeln sich keineswegs gleichzeitig: sondern wie die Organe ihr schnelleres oder langsameres Wachsthum, Reifwerden haben, so steht es hier. Es liegt auf der Hand, daß die Wissenschaft, welche am weitesten zurück sein wird, die ist, welcher man am längsten widerstrebt hat, mit dem Glauben, hier dürfe gar nicht geforscht werden. Hier sei die Wahrheit da, hier sei der Glaube an sie Pflicht—noch jetzt bäumt sich das “moralische Bewußtsein” mitunter selbst im Gewande einer Art “Philosophie” gegen das Recht einer Analysis der Moral auf. Und unsere letzten Moralforscher sind gründlich eben davon überzeugt: hier habe die Wissenschaft nur den Thatbestand zu ergründen, nicht zu kritisiren.

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1. das Problem der Moral sehen und zeigen—das scheint mir die neue Aufgabe und Hauptsache. Ich leugne, daß dies in der bisherigen Moralphilosophie geschehn ist.

35 [31]

Man muß nicht Wissenschaftlichkeit affektiren, wo es noch nicht Zeit ist, wissenschaftlich zu sein; aber auch der wirkliche Forscher hat die Eitelkeit von sich zu thun, eine Art von Methode zu affektiren, welche im Grunde noch nicht an der Zeit ist. Ebenso Dinge und Gedanken, auf die er anders gekommen ist, nicht mit einem falschen Arrangement von Deduction und Dialektik zu “fälschen.” So fälscht Kant in seiner “Moral” seinen innewendigen psychologischen Hang; ein neuerliches Beispiel ist Herbert Spencer’s Ethik.— Man soll die Thatsache, wie uns unsere Gedanken gekommen sind, nicht verhehlen und verderben. Die tiefsten und unerschöpftesten Bücher werden wohl immer etwas von dem aphoristischen und plötzlichen Charakter von Pascals Pensées haben. Die treibenden Kräfte und Werthschätzungen sind lange unter der Oberfläche; was hervorkommt, ist Wirkung.

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Ich wehre mich gegen alle Tartüfferie von Wissenschaftlichkeit:

1) in Bezug auf die Darlegung, wenn sie nicht der Genesis der Gedanken entspricht,

2) in den Ansprüchen auf Methoden, welche vielleicht zu einer bestimmten Zeit der Wissenschaft noch gar nicht möglich sind,

3) in den Ansprüchen auf Objektivität, auf kalte Unpersönlichkeit, wo, wie bei allen Werthschätzungen, wir mit jedem Worte von uns und unseren inneren Erlebnissen erzählen. Es giebt lächerliche Arten von Eitelkeit z. B. Saint-Beuvés, der sich zeitlebens geärgert hat, hier und da wirklich Wärme und Leidenschaft im “für” und “Wider” gehabt zu haben und es gern aus seinem Leben weggelogen hätte.

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(51)

Man giebt sich heute gern den Anstrich einer sehr bunten und vielgestaltigen Ankünstelung von Wissenschaftlichkeit—begreiflich in einem so unächten Jahrhundert, wo “gleiche Rechte” auch “das Gefühl gleicher Ansprüche” nach sich ziehen z. B. auch den Anspruch, wissenschaftlich sein zu können, falls man es nur will. Fast alle Litteraten glauben es von sich; mehr noch, es gehört jetzt zum Ehrgeiz der Romanschriftsteller.

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Nichts Kläglicheres als die moralistische Litteratur im jetzigen Europa. Die utilitarischen Engländer voran, plump wie Hornvieh in den Fußtapfen Bentham’s wandelnd, wie er selber schon in den Fußtapfen des Helvetius wandelte; kein neuer Gedanke, nicht einmal eine wirkliche Historie des Früher-Gedachten, sondern immer die alte moral Tartüfferie, das englische Laster des cant unter der neuen Form der Wissenschaftlichkeit nebst geheimer Abwehr von Gewissensbissen, wie sie eine Rasse von ehemaligen Puritanern anzufallen pflegen.— Sie möchten sich um jeden Preis überreden, daß man dem eignen Nutzen nachgehen müsse, insofern gerade damit dem allgemeinen Nutzen, dem Glück der Meisten, am besten gedient werde: also daß das Streben nach englischem “Glück,” ich meine nach comfort und fashion auf dem rechten Pfade der Tugend sei: ja daß, so weit es in der Welt Tugend gegeben habe, sie im derartigen Streben nach eignem, folglich auch allgemeinem Glück bestanden habe: Niemand von allen diesen schwerfälligen, im Gewissen beunruhigten Heerden-Thieren—denn das sind sie allesammt—will etwas davon wissen, daß es eine Rangordnung der Menschen giebt, folglich Eine Moral für Alle eine Beeinträchtigung der höchsten Menschen ist, daß, was dem Einen billig ist, durchaus noch nicht dem Anderen es sein kann; daß vielmehr das “Glück der Meisten” für Jeden ein Ideal zum Erbrechen ist, die Auszeichnung hat, nicht zu den Meisten zu gehören.— Von Frankreich her ist neuerdings noch die oberflächliche Gegenüberstellung Comte’s vom Altruismus und Egoismus—aber es giebt gar keinen Altruismus!—nach England gedrungen; und nun sehen wir z. B. bei Herbert Spencer den Versuch, auch damit wieder sich zu vertragen, mit einem solchen schlechten Willen, irgend einen Begriff noch streng zu nehmen, daß nunmehr Urin-lassen in England bereits schon unter die altruistischen Thätigkeiten gehören dürfte. In Deutschland—wo man noch nicht einmal mit der moralistischen Naivetät Schopenhauer’s fertig zu werden versteht, hat E. von H neuerdings den Comte’schen Gedanken ins Breite getreten—in die Breite von 871 Seiten—; und, ohne daß irgend ein Deutscher darüber gelacht hat, vorne den Egoismus feierlich und förmlich zur Thür hinausgeworfen, um ihn hinten, im Namen des “Altruismus,” wieder hereinzunöthigen. In der That, man kann sich die unheimliche Thatsache einer fast plötzlichen Verdummung der Völker Europa’s—sichtbar so gut im jetzigen Deutschland und England, wie in Frankreich und Italien—nicht besser sich zu Gemüthe führen als durch ein Blättern in ihren moralistischen Büchern. Ich wüßte höchstens 3 kleine Schriften herauszuheben (obwohl auch in diesen nichts Fundamentales gesagt ist):

Einmal das Buch eines deutschen Juden, Paul Rée, das den Titel führt—Es verdient seiner Form wegen Auszeichnung und trägt etwas von jenem ächt-philosophischen habitus an sich, dem Stendhal einmal einen scharfen Ausdruck gegeben hat: Rée nimmt mit feiner Hand die strengeren Geschmacks-Gewohnheiten der alten französischen Moralisten wieder auf—sein Buch kommt wie ein erquicklicher Geruch aus jener “guten alten Zeit,” fern von allen erbaulichen Hinterabsichten, nach welchen deutsch geschriebene Moral-Bücher zu riechen pflegen—: leider hat er auch dieselben Mängel, wie jene Franzosen, den engen Horizont, die Armseligkeit des Wissens; seine Hypothesen sind wohlfeil und in den Wind geredet; es fehlt ihm gänzlich “der historische Blick und Takt,” das will sagen, die eigentliche und einzige Tugend, welche die deutsche Wissenschaft des 19. Jahrhunderts vor allen älteren Wissenschaften voraus hat. Zuletzt ist es ein Buch, welches “Appetit macht.”

Zweitens nenne ich das feine, schwermüthig-herzhafte Buch eines Franzosen, welches freilich, wie fast Alles, was jetzt aus Paris kommt, zum Übermaaß zu verstehen giebt, wo eigentlich heute der Pessimismus zu Hause ist: (nämlich nicht in Deutschland) Und was hilft aller Positivismus und das entschlossene Kniebeugen vor den “petits faits”! Man leidet in Paris wie an kalten Herbstwinden, wie an einem Frost großer Enttäuschungen, als ob der Winter kommt, der letzte, endgültige Winter—und die Besten und Tapfersten, wie jener brave Guyau,

35 [35]

Was mich am gründlichsten von den Metaphysikern abtrennt, das ist: ich gebe ihnen nicht zu, daß das “Ich” es ist, was denkt: vielmehr nehme ich das Ich selber als eine Construktion des Denkens, von gleichem Range, wie “Stoff” “Ding” “Substanz” “Individuum” “Zweck” “Zahl”: also nur als regulative Fiktion, mit deren Hülfe eine Art Beständigkeit, folglich “Erkennbarkeit” in eine Welt des Werdens hineingelegt, hineingedichtet wird. Der Glaube an die Grammatik, an das sprachliche Subjekt, Objekt, an die Thätigkeits-Worte hat bisher die Metaphysiker unterjocht: diesem Glauben lehrte ich abschwören. Das Denken setzt erst das Ich: aber bisher glaubte man, wie das Volk, im “ich denke” liege irgend etwas von Unmittelbar-Gewissem und dieses “Ich” sei die gegebene Ursache des Denkens, nach deren Analogie wir alle sonstigen ursächlichen Verhältnisse “verstünden.” Wie sehr gewohnt und unentbehrlich jetzt jene Fiktion auch sein mag, das beweist nichts gegen ihre Erdichtetheit: es kann etwas Lebensbedingung und trotzdem falsch sein.

35 [36]

Frei geworden von der Tyrannei der “ewigen” Begriffe, bin ich andrerseits fern davon, mich deshalb in den Abgrund einer skeptischen Beliebigkeit zu stürzen: ich bitte vielmehr, die Begriffe als Versuche zu betrachten, mit Hülfe deren bestimmte Arten des Menschen gezüchtet und auf ihre Erhaltbarkeit und Dauer

35 [37]

Die Falschheit eines Begriffs ist mir noch kein Einwand gegen ihn. Darin klingt unsere neue Sprache vielleicht am fremdesten: die Frage ist, wie weit er lebenfördernd, lebenerhaltend, arterhaltend ist. Ich bin sogar grundsätzlich des Glaubens, daß die falschesten Annahmen uns gerade die unentbehrlichsten sind, daß ohne ein Geltenlassen der logischen Fiktion, ohne ein Messen der Wirklichkeit an der erfundenen Welt des Unbedingten, Sich-selber-Gleichen der Mensch nicht leben kann, und daß ein Verneinen dieser Fiktion, ein praktisches Verzichtleisten auf sie, so viel wie eine Verneinung des Lebens bedeuten würde. Die Unwahrheit als Lebensbedingung zugestehn: das heißt freilich auf eine schreckliche Weise die gewohnten Werthgefühle von sich abthun—und hier, wenn irgend wo, gilt es, sich an der “erkannten Wahrheit” nicht zu “verbluten.” Man muß sofort in dieser höchsten Gefahr die schöpferischen Grund-Instinkte des Menschen heraufrufen, welche stärker sind als alle Werthgefühle: die, welche die Mütter der Werthgefühle selber sind und im ewigen Gebären über das ewige Untergehn ihrer Kinder ihre erhabene Tröstung genießen. Und zuletzt: welche Gewalt war es denn, welche uns zwang, jenem “Glauben an die Wahrheit” abzuschwören, wenn es nicht das Leben selber war und alle seine schöpferischen Grund-Instinkte?— so daß wir also es nicht nöthig haben, diese “Mütter” heraufzubeschwören:—sie sind schon oben, ihre Augen blicken uns an, wir vollführen eben, wozu deren Zauber uns überredet hat.

35 [38]

— Und was die eigentl Philos im jetzigen Frankreich betrifft: man glaube ja nicht, daß diese braven Positivisten will sagen Empiriker aus der Schule Comte’s, oder die Nachkommen Stendhal’s Montesquieu’s Condillac’s—Erben des Besten, was das 18. Jahrhundert hatte—wie Taine, einen Gegensatz zu der skeptischen Stimmung des Jahrhunderts ausmachen.

35 [39]

Mittag und Ewigkeit.

1. Von der Rangordnung.
2. Die Gesetzgeber. (Züchtung neuer herrschender Kasten)
3. Vom Ring der Ringe. Oder: “der Spiegel.”
4. Die großen Segnungen.

35 [40]

Mittag und Ewigkeit.
Gesichte und Wahrsagungen.

35 [41]

Mittag und Ewigkeit.
Wahrsagungen
eines Zukünftigen.

Erster Theil:
von der Rangordnung.

Zweiter Theil:
von den Herren der Erde.

Dritter Theil:
vom Ring der Ringe.

Vierter Theil:
vom neuen Sterben.

35 [42]

— bis wir auch uns mit gutem Stolze das Wort zurufen dürfen, welches Pericles seinen Athenern in jener Grabrede zurief: zu allem Land und Meer hat unsere Kühnheit sich den Weg gebrochen, überall sich unvergängliche Denkmale im Guten und Schlimmen gründend.

35 [43]

Zuletzt wehren wir uns noch gegen die Menschenkenntniß solcher Sainte-Beuve’s und Renan’s, gegen diese Art Seelen-Aushorchung und -Anschnüffelung, wie sie von diesen unmännlichen Genüßlingen des Geistes ohne Rückgrat gehandhabt wird: es scheint uns gegen die Scham zu gehen, wenn sie mit neugierigen Fingern an den Geheimnissen von Menschen oder Zeiten herumtasten, welche höher, strenger, tiefer waren und in jedem Betracht vornehmer als sie selber: so daß sie nicht so leicht ihre Thüren irgend welchen herumschweifenden Halbweibern aufgethan hätten. Aber dieses neunzehnte Jahrhundert, welches alle feineren Instinkte der Rangordnung eingebüßt hat, weiß nicht mehr den ungewünschten Eindringlingen und Thore-Erbrechern auf die Finger zu schlagen; ja es ist stolz auf seinen “historischen Sinn,” vermöge dessen es dem schwitzenden Plebejer erlaubt wird, vorausgesetzt, daß er mit gelehrten Folter-Werkzeugen und Fragebogen kommt, sich auch in die Gesellschaft von höchster Unnahbarkeit einzudrängen, unter die Heiligen des Gewissens so gut als unter die ewig verhüllten Herrschenden des Geistes. Unter dem historischen Sinn und Wissen ihm liegt mehr Scepsis verborgen als man zunächst sieht: eine beleidigende Scepsis gegen die Rangverschiedenheit von Mensch und Mensch gewendet, und derselbe unverschämte Anspruch auf “Gleichheit” wird sogar in Hinsicht auf die Todten ausgedehnt, welchen sich die bezahlten Diener der öffentlichen Meinung jetzt gegen jeden Lebenden herausnehmen.

Wir aber sind keine Sceptiker—, wir glauben noch an eine Rangordnung der Menschen und Probleme und warten die Stunde ab, wo sich diese Lehre vom Range und von der Ordnung der pöbelhaften Gesellschaft von heute wieder in’s breite Gesicht einschreiben wird. Vielleicht ist diese Stunde auch unsere Stunde.

Sind wir vielleicht, wenn wir keine Sceptiker sind, Kritiker oder “Kriticisten”? Und wenn wir den Versuch und die Lust am Versuche durch unseren Namen noch besonders unterstrichen haben, geschieht das etwa deshalb, weil wir uns des Experimentes in einem weiten und gefährlichen Sinne, aber zum Behufe einer tiefer verstandenen Kritik, zu bedienen lieben? Sind wir vielleicht, im Geheimen, zum Besten unserer Erkenntniß, als Experimentirende gezwungen weiter zu gehen als es der weichmüthige und verzärtelte Geschmack des Jahrhunderts gutheißen kann? In der That, wir möchten nicht alle jene Eigenschaften entbehren, welche den Kritiker vom Skeptiker abheben: die Sicherheit der Werthmaaße, die bewußte Handhabung einer Einheit von Methode, der gewitzte Muth, das Alleinstehen- und sich verantworten können; ja wir gestehen eine Lust am Neinsagen und Zergliedern, eine gewisse Grausamkeit der Hand zu, welche das Messer sicher führt, auch wenn das Herz dabei blutet. Wir sind härter—, und vielleicht nicht nur gegen uns,—als “humane” Menschen wünschen mögen; wir lassen uns nicht mit der “Wahrheit” ein, weil sie uns “gefällt” oder “erhebt” oder “begeistert”—unser Glaube ist vielmehr gering, daß die Wahrheit je solche angenehmen Gefühle mit sich bringen könnte. Es klingt vielen Ohren peinlich wenn wir sagen: gerade dort springt unser Mißtrauen hervor, wo unser Gefühl zu schönen Wallungen emporsteigt; wir lächeln, wenn Jemand etwas damit zu beweisen glaubt, daß er sagt: “aber dieser Gedanke erhebt mich: wie sollte er nicht wahr sein?” Oder: “dieses Werk entzückt mich—wie sollte es nicht schön sein?” Oder: “dieser Künstler vergrößert mich wie sollte er nicht groß sein?” Wir haben vielmehr mit den Kritikern —

35 [44]

Aberglaube über den Philosophen, Verwechslung mit dem wissensch Menschen. Als ob die Werthe in den Dingen steckten und man sie nur festzustellen hätte. In wiefern sie unter gegebenen Werthen forschen (ihr Haß auf Schein, Leib usw.) Schopenhauer in Betreff der Moral. (Hohn über den Utilitarier) Zuletzt geht die Verwechslung so weit, daß man den Darwinismus als Philosophie betrachtet: und jetzt ist die Herrschaft bei den wissenschaftlichen Menschen.

Auch die Franzosen wie Taine suchen oder meinen zu suchen ohne die Werthmaße schon zu haben. Die Niederwerfung vor den “Facten,” eine Art Cultus. Thatsächlich vernichten sie die bestehenden Werthschätzungen.

Erklärung dieses Mißverständnisses. Der Befehlende entsteht selten, er mißdeutet sich selber. Man will durchaus die Autorität von sich ablehnen und in die Umstände setzen.— In Deutschland gehört die Schätzung des Kritikers in die Geschichte der erwachenden Männlichkeit. Lessing usw. (Napoleon über Goethe) Thatsächlich ist diese Bewegung durch die deutsche Romantik wieder rückgängig gemacht: und der Ruf der deutschen Philosophie bezieht sich auf sie, als ob mit ihr die Gefahr der Scepsis beseitigt sei, und der Glaube bewiesen werden könne. In Hegel kulminiren beide Tendenzen: im Grunde verallgemeinerte er die Thatsache der deutschen Kritik und die Thatsache der deutschen Romantik—eine Art von dialektischem Fatalismus, aber zu Ehren des Geistes, thatsächlich mit Unterwerfung des Philosophen unter die Wirklichkeit.— Der Kritiker bereitet vor: nicht mehr!

Mit Schopenhauer dämmert die Aufgabe des Philos, daß es sich um eine Bestimmung des Werthes handele: immer noch unter der Herrschaft des Eudämonismus (Spott über Hartmann) das Ideal des Pessimismus.

35 [45]

Der Philosoph als Gesetzgeber, als Versucher neuer Möglichkeiten, seine Mittel. Er benutzt die Religion. Das neue Testament—was das Christenthum kann.

Sein Gegensatz: die Moral der Heerdenthiere.
Ebenso die Freidenker usw.
Wie sich die Heerdenthiere heute den “Höheren Menschen” denken: an V. Hugo zu zeigen.

Meine Vorbereiter: Schopenhauer.
in wie fern ich den Pessimismus vertiefte und durch die Erfindung seines höchsten Gegensatzes erst ganz mir zum Gefühl brachte.
Sodann: die ideal Künstler, jener Nachwuchs aus der Napoleonischen Bewegung.
Sodann: die höheren Europäer, Vorläufer der großen Politik.
Sodann: die Griechen und ihre Entstehung. Ich gab Winke in der “Geburt der Tragödie” über das Verhältniß von “Noth” und “Kunst.”
Die Deutschen und der Geist.

Die persönliche Erziehung des Philosophen: in der Einsamkeit.
Das Dionysische.

35 [46]

Paete, non dolet! Paete, dieser Pessimismus thut nicht weh! Paete, Eduard beißt nicht! Paete, sieh mich an: bin ich nicht freundlich blau, ja sogar preußisch blau; Paete, in der That, ich lasse gar nichts zu wünschen übrig



Paete, non dolet! Paete, dieser Pessimismus thut nicht weh! Paete, deine Arria beißt nicht! Paete: Eduard ist voller Kenntniß behaglich, human, freundlich, sogar reichsfreundlich, sogar preußisch-blau, kurz Eduard ist ein Mädchen für Alles und sein Pessimismus läßt gar nichts zu wünschen übrig



Ich war damals im Irrthum: ich meinte E v H sei ein feiner überlegener Kopf und Spaaßvogel, der sich über die pessimistische Verlegenheit des Zeitalters lustig mache; ich fand die Erfindung seines “Unbewußten” so boshaft, so witzig, es schien mir eine rechte Mausefalle für die Trübseligen und Dummen des philosophischen Dilettantismus, wie er sich mehr und mehr über Deutschland ausbreitet. Nun aber bleibt man dabei, mich zu versichern, daß er es ernst meine: und man zwingt mich beinahe, daran zu glauben: sollte er aber damit aufhören, für mich erheiternd zu sein? Sollte ich aufhören müssen zu lachen, wenn diese Arria wieder und wieder ihrem Paetus zuredet, sich nicht vor dem Dolche, ich meine vor dem Hartmannschen Pessimismus, zu fürchten? Paete, ruft sie zärtlich, non dolet!

35 [47]

§ Keine Kritiker. Die Verlegenheit. Endlich “der wissenschaftliche Mensch.” Engländer.

§ Weder Pessimisten noch Optimisten. Schopenhauer’s große Stellung—daß die Zerstörung einer Illusion noch keine Wahrheit ergiebt, sondern nur ein Stück Unwissenheit mehr, eine Erweiterung unseres “leeren Raums,” einen Zuwachs unserer inneren “Oede” —

§ Grundgedanke: die neuen Werthe müssen erst geschaffen werden—dies bleibt uns nicht erspart! Der Philosoph muß wie ein Gesetzgeber sein. Neue Arten. (Wie bisher die höchsten Arten (z. B. Griechen) gezüchtet wurden: diese Art “Zufall” bewußt wollen)

§ Seine Mittel: Religionen, Moralen

§ Bedeutung des Christenthums.

§ Bedeutung der demokratischen Denkweise.

§ Freidenker, zu dieser Bewegung gehörig? Victor Hugo.

§ Unbewußte Gegenbewegungen: Napoleon, die 30er, R W.

§ Der neue Philosoph kann nur in Verbindung mit einer herrschenden Kaste entstehen, als deren höchste Vergeistigung. Die große Politik, Erdregierung in der Nähe; vollständiger Mangel an Principien dafür—(Ironie auf den leeren deutschen Geist)

Der Europäer und seine Bildung.

Periode der großen Versuche. Menschen, mit einem eignen Werth-Kanon. Institutionen zur Züchtung höherer Menschen.

§ Das “Einstweilen” der Philosophen. Ihre Einsamkeit.

§ Das “Jenseits von Gut und Böse” vorbereiten. Zustand der “Moral.”

15 § Dionysos.



15: 100 6

3 große Seiten jeder Abschnitt

35 [48]

Vorrede.

Es liegt mir heute wenig daran, ob ich in Bezug auf R W und Schopenhauer Recht oder Unrecht gehabt habe: habe ich mich geirrt, nun, mein Irrthum gereicht weder den Genannten, noch mir selber zur Unehre. Gewiß ist es, daß es mir, in jenen jungen Tagen, eine ungeheure Wohlthat war, meine idealischen Farben, in welchen ich die Bilder Philosophen und Künstlers schaute, nicht ganz ins Unwirkliche, sondern gleichsam auf vorgezeichnete Gestalten aufmalen zu können; und wenn man mir den Vorwurf gemacht hat, daß ich die Genannten mit einem vergrößernden Auge gesehen habe, so freue ich mich dieses Vorwurfs—und meiner Augen noch dazu. Zum Mindesten sollte der Leser der zweiten Unzeitgemäßen Betrachtung nicht darüber im Ungewissen sein, wie wenig mir immer an der Wahrheit gelegen hat und



Was ich damals geschrieben—und weniger geschrieben als gemalt habe, noch dazu hitzig und, wie mich heute dünkt, in einem nicht unbedenklichen und verwegenen Alfresco: das würde dadurch noch nicht wahrer werden, daß ich es nunmehr, wo vielleicht Hand und Auge etwas hinzugelernt haben, noch einmal zarter, bunter und strenger darstellte. Jedes Lebensalter versteht “Wahrheit” auf seine eigene Weise; und wer mit jungen und brausenden Sinnen und großen Ansprüchen vor jene Gemälde tritt, wird an ihnen so viel Wahrheit finden, als er zu sehn im Stande ist.



Meine vier ersten U B, denen ich nunmehr, nach zehn Jahren, eine fünfte, sechste und siebente zugeselle, waren Versuche, die Art Menschen an mich heranzulocken, welche zu mir gehören: also Angelruthen, ausgeworfen nach “Meines-Gleichen.” Damals war ich jung genug, um mit ungeduldiger Hoffnung auf einen solchen Fischfang zu gehen. Heute—nach hundert Jahren, wenn ich die Zeit nach meinem Maaße messen darf!— bin ich immer noch nicht alt genug, um jede Hoffnung, jede Geduld verloren zu haben. Wie fremd klingt es mir auch heute noch in den Ohren, wenn ein Greis seine Erfahrung in diese Worte drängt:

So spricht Goethe: sollte er Recht haben? Wie wenig Vernunft hätte es dann, so alt u so vernünftig wie Goethe zu werden! Und es wäre billig, wie die Griechen ihr Urtheil über das Alter abzulernen:—sie haßten das Altwerden mehr als den Tod, und liebten es zu sterben, wenn sie fühlten, daß sie auf jene Art anfiengen vernünftig zu werden. Inzwischen hat auch die Jugend ihre eigne Art Vernunft: eine Vernunft, welche an Leben, Liebe und Hoffnung glaubt

35 [49]

Was R W betrifft: so gab es einen Augenblick meines Lebens, wo ich ihn mit Heftigkeit von mir stieß. Weg von mir!—das schrie ich. Diese Art Künstler ist gerade darin unzuverlässig, wo ich keinen Spaaß verstehe. Er versuchte sich mit dem bestehenden Christenthum zu “arrangiren,” indem er die linke Hand dem protestantischen Abendmahle entgegenstreckte—er hat mir von den Entzückungen gesprochen, die er dieser Mahlzeit abzugewinnen wisse—die rechte Hand aber zu gleicher Zeit der katholischen Kirche: er bot ihr seinen “Parsifal” an und gab sich für alle, die Ohren haben, als “Römling” in partibus infidelium zu erkennen.

35 [50]

Die Denkgesetze als Resultate der organischen Entwicklung—eine fingirende setzende Kraft muß angenommen werden—ebenfalls Vererbung und Fortdauer der Fiktionen.

35 [51]

In einer Welt des Werdens, in der Alles bedingt ist, kann die Annahme des Unbedingten, der Substanz, des Seins, eines Dinges usw. nur ein Irrthum sein. Aber wie ist Irrthum möglich?

35 [52]

Das Nacheinander immer deutlicher zeigen heißt Erklärung: nicht mehr!

35 [53]

Wahrnehmen auch für die unorganische Welt einräumen und zwar absolut genau: da herrscht “Wahrheit”! Mit der organischen Welt beginnt die Unbestimmtheit und der Schein.

35 [54]

Daß eine Gleichgewichts-Lage nie erreicht ist, beweist, daß sie nicht möglich ist. Aber in einem unbestimmten Raum müßte sie erreicht sein. Ebenfalls in einem kugelförmigen Raum. Die Gestalt des Raumes muß die Ursache der ewigen Bewegung sein, und zuletzt aller “Unvollkommenheit.”

Daß “Kraft” und “Ruhe” “Sich-gleich-bleiben” sich widerstreiten. Das Maaß der Kraft als Größe als fest, ihr Wesen aber flüssig, spannend, zwingend,

35 [55]

“Zeitlos” abzuweisen. In einem bestimmten Augenblick der Kraft ist die absolute Bedingtheit einer neuen Vertheilung aller ihrer Kräfte gegeben: sie kann nicht still stehn. “Veränderung” gehört ins Wesen hinein, also auch die Zeitlichkeit: womit aber nur die Nothwendigkeit der Veränderung noch einmal begrifflich gesetzt wird.

35 [56]

Die Zeit ist nicht a priori gegeben. Spir 2, p. 7

unlogischer Charakter unserer Erkenntniß der Körper. cf. 2 p. 93.

35 [57]

Daß es gleiche Dinge, gleiche Fälle giebt, ist die Grundfiktion schon beim Urtheil, dann beim Schließen.

35 [58]

In der chemischen Welt herrscht die schärfste Wahrnehmung der Kraftverschiedenheit. Aber ein Protoplasma, als eine Vielheit von chemischen Kräften, hat eine unsichere und unbestimmte Gesammt-Wahrnehmung eines fremden Dings.

35 [59]

Der Übergang aus der Welt des Anorganischen in die des Organischen ist der aus festen Wahrnehmungen der Kraftwerthe und Machtverhältnisse in die der unsicheren, unbestimmten. weil eine Vielheit von mit einander kämpfenden Wesen (= Protoplasma) sich der Außenwelt gegenüber fühlt.

35 [60]

Der rastlose Wille zur Macht oder zur beständigen Schöpfung oder zur Verwandlung oder zur Selbst-überwältigung

35 [61]

“die sogenannte Zeit eine bloße Abstraction, weder objektiv daseiend, noch eine nothwendige und ursprüngliche Vorstellungsart des Subjekts” 2. p. 15.

35 [62]

Die Deutschen haben keine Cultur: sie sind nach wie vor von Paris abhängig—die Ursache ist, sie haben noch keinen Charakter.

Unsere großen Menschen bezeichnen keine Rasse, sondern Einzelne.

Was ist aber das, was ich ehemals ausnahm und worauf ich Hoffnungen gründete, die deutsche Musik?

35 [63]

NB. Das Mißverständniß über Richard Wagner ist heute in Deutschland ungeheuer: u da ich dazu beigetragen habe, es zu vermehren, will ich meine Schuld abtragen und versuchen, es zu verringern

35 [64]

NB. Es gab zwei Jahrhunderte lang nur einen Gegensatz von französischer und ital Musik.

Im Kampfe Glucks mit Piccini verschärfte er sich und kam auf seine Spitze: Gluck wurde hierbei durchaus als Vertreter des französischen Geschmacks empfunden—als Vertreter des Vornehmen, Pomphaften und Rationalistischen.

Die Deutschen als Musiker haben bald nach Frankreich bald nach Italien hingehorcht: einen eigenen deutschen Geschmack in der Musik giebt es auch heute noch nicht

Es scheint mir, daß Wagner noch einmal den französischen Geschmack zum Übergewicht über den italianisirenden gebracht hat d. h. über Mozart, Haydn, Rossini, Bellini, Mendelssohn, aber es ist der Geschmack Frankreichs von 1830: die Litteratur Herr geworden über die Musik wie über die Malerei. “Programm-musik,” das “sujet” voran!

35 [65]

Beethoven gehört zu Rousseau und zu jener humanitären Strömung, welche der Revolution theils vorauslief, theils verklärend nachlief, noch mehr aber zu dem Hauptereigniß des letzten Jahrtausends, dem Erscheinen Napoleons.

Mozart die Gesellschaft des Rococo-Zeitalters voraussetzend

35 [66]

Unterschied zwischen Schauspielern, wie Schiller und Wagner undGoethe isolirt, zwischen Pietismus und Griechenthum, zweifelhaft, ob er nicht französisch schreiben soll.
Lessing—Bayle

Friedrich der Große begierig nach Frankreich

der Friedrich II. nach maurisch-morgenländischer Aufklärung

Leibnitz zwischen Christenthum Platonismus und Mechanik.



Bismarck von Napoleon III. lernend und Cavour

35 [67]

Wenn die Mechanik nur eine Logik ist, so folgt auch für sie, was für alle Logik gilt: sie ist eine Art Rückgrat für Wirbelthiere, nichts an-sich-Wahres.

35 [68]

Zum Ring der Ringe.

NB. Zu der Kraft, die sich wandelt und immer die gleiche bleibt, gehört eine Innenseite, eine Art Charakter von Proteus-Dionysos, sich verstellend und sich genießend in der Verwandlung. Die “Person” als Täuschung zu begreifen: thatsächlich ist die Vererbung der Haupteinwand, insofern eine Unzahl von formenden Kräften aus viel früheren Zeiten ihren fortwährenden Bestand machen: in Wahrheit kämpfen sie in ihr und werden regirt und gebändigt—ein Wille zur Macht geht durch die Personen hindurch, er hat die Verkleinerung der Perspective, den “Egoismus” nöthig, als zeitweilige Existenz-Bedingung; er schaut von jeder Stufe nach einer höheren aus.

Die Verkleinerung des wirkenden Princip’s zur “Person,” zum Individuum.

35 [69]

NB. Wie viel Einer aushält von der Wahrheit, ohne zu entarten, ist sein Maaßstab. Ebenso wie viel Glück— —ebenso wie viel Freiheit und Macht!

Zur Rangordnung

35 [70]

Die strengste Schule nöthig, das Unglück, die Krankheit: es gäbe keinen Geist auf Erden, auch kein Entzücken und jauchzen.— Nur großgestimmte gespannte Seelen wissen, was Kunst, was Heiterkeit ist.

35 [71]

Z kann nur beglücken, wenn er erst die Rangordnung hergestellt hat.

35 [72]

NB. Es muß viele Übermenschen geben: alle Güte entwickelt sich nur unter seines Gleichen. Ein Gott wäre immer ein Teufel! Eine herrschende Rasse. Zu “die Herrn der Erde.”

35 [73]

I.Zarathustra kann nur beglücken, nachdem die Rangordnung hergestellt ist. Zunächst wird diese gelehrt.
II.Die Rangordnung durchgeführt in einem Systeme der Erdregierung: die Herrn der Erde zuletzt, eine neue herrschende Kaste. Aus ihnen hier und da entspringend, ganz epikurischer Gott, der Übermensch, der Verklärer des Daseins.
III.Die Übermenschliche Auffassung der Welt. Dionysos.
IV.Von dieser größten Entfremdung liebend zurückkehrend zum Engsten und Kleinsten, Zarathustra alle seine Erlebnisse segnend und als Segnender sterbend.

35 [74]

Z 5.

1.Großer Trompeten-Herolds-Lärm. Glück der lauten Töne! Zarathustra I. Ich bin jener prädestinirte Mensch, der die Werthe für Jahrtausende bestimmt. Ein Verborgener, ein überallhin Gedrungener, ein Mensch ohne Freunde, der jede Heimat, jedes Ausruhen von sich gestoßen. Was den großen Stil macht: Herr werden über sein Glück wie sein Unglück: ein
2.Mein Geschenk ist erst zu empfangen, wenn die Empfänger da sind: dazu Rangordnung. Die größten Ereignisse werden am spätesten begriffen.— Insofern muß ich Gesetzgeber sein.
3.Die Zeit seines Auftretens: die gefährlichste Mitte, wo es hingehen kann zum “letzten Menschen,” aber auch —
— charakterisirt durch das größte Ereigniß: Gott ist todt. Nur merken die Menschen noch nichts davon, daß sie nur von ererbten Werthen zehren. Die allgemeine Nachlässigkeit und Vergeudung.
4.Grundeinsicht: “gut” und “böse” wird jetzt als vom Auge des “Heerdenthiers” betrachtet. Gleichheit der Menschen als Ziel. Dagegen ich. (Der Eine Gott als Vorbereitung der Heerden-Moral!)
der Lehrer von der Rangordnung.
5.Führer, Heerden und Isolirte. Die Versucher.
6.Vollständige Menschen und Bruchstücke.
7.Gerathene und Mißrathene.
8.Schaffende und Gestaltete. Kraft-verschiedenheit.
9.Die Künstler als die kleinen Vollender.
10.die wissenschaftlichen Menschen als Beschreiber und umfänglichste Organe.
11.die herrschaftlichen Menschen, als Versuche der Züchtung.
12.die Religionsstifter; als Versuche neuer allgemeiner Werthsetzungen.
13.das Gefühl der Unvollkommenheit: die Bußfertigen
14.Der Drang nach einem Vollkommenen hin: die Frommen, die schönen Seelen, die großen Sehnsüchte
15.Die Kraft, irgend worin Vollkommenes zu thun (Handwerker-Meister Künstler Beamte Gelehrte usw.
16.die Erde jetzt als Marmor-Werkstätte daliegend: es ist eine herrschende Rasse nöthig, mit unbedingter Gewalt.

35 [75]

1. Zarathustra auf der alten Festung erwachend. Hört die Trommeln der Herolde.
2. Die Prüfung. “Gehört ihr zu mir?”
3. Der Rosenfest-Zug.
4. Die Lehre von der Rangordnung.
5. Nachts an der Brücke.

35 [76]

(49)

Was ist vornehm? Vorrede zu “Vermischte Meinungen und Sprüche

— die Sorgfalt im Äußerlichsten, selbst der f An, in Wort, Kleid, Haltung, insofern diese Sorgfalt abgrenzt, fern hält, vor Verwechslung schützt.

— die langsame Gebärde, auch der langsame Blick. Es giebt nicht zu viel werthvolle Dinge: und diese kommen und wollen von selbst zu den Werthvollen. Wir bewundern schwer.

— das Ertragen der Armut und der Dürftigkeit, auch der Krankheit.

— das Ausweichen vor kleinen Ehren, und Mißtrauen gegen jeden, welcher leicht lobt: denn der Lobende glaubt daran, daß er verstehe, was er lobe: verstehen aber—Balzac hat es verrathen, dieser typisch-Ehrgeizige—comprendre c’est égaler.

— Unser Zweifel an der Mittheilbarkeit des Herzens geht in die Tiefe; die Einsamkeit, nicht als gewählt, sondern als gegeben,

— die Überzeugung, daß man nur gegen Seines-Gleichen Pflichten hat, gegen die Andern sich nach Gutdünken verhält: daß nur inter pares auf Gerechtigkeit zu hoffen (leider noch lange nicht zu rechnen) ist.

— die Ironie gegen die “Begabten”; der Glaube an den Geburtsadel auch im Sittlichen. “Aristokraten des Geistes”—ist ein Leibwort für Juden.

— immer sich als der fühlen, der Ehren zu vergeben hat: während nicht gar häufig sich Jemand findet, der ihn ehren dürfte.

— immer verkleidet: je höherer Art, um so mehr bedarf der Mensch des incognito. Gott, wenn es einen gäbe, dürfte, schon aus Anstandsgründen, sich nur als Mensch in der Welt bezeigen.

— die Fähigkeit zum otium, die unbedingte Überzeugung, daß ein Handwerk in jedem Sinne zwar nicht schändet, aber sicherlich entadelt. Nicht “Fleiß” im bürgerlichen Sinne, wie hoch wir ihn zu ehren wissen, oder wie jene unersättlich gackernden Künstler, die es wie die Hühner machen—gackern und Eier legen und wieder gackern.

— wir beschützen die Künstler und Dichter und wer irgendworin Meister ist: aber als Wesen, die höherer Art sind, als diese, welche nur etwas können, als die bloß “produktiven Menschen,” verwechselt uns nicht mit ihnen.

— die Lust an den Formen; das In-Schutz-nehmen alles Förmlichen, die Überzeugung, daß Höflichkeit eine der großen Tugenden ist; das Mißtrauen gegen alle Arten des Sichgehenlassen eingerechnet alle Preß- und Denkfreiheit, weil unter ihnen der Geist bequem und tölpelhaft wird und die Glieder streckt.

— das Wohlgefallen an den Frauen, als an einer vielleicht kleineren, aber feineren und leichteren Art von Wesen. Welches Glück, Wesen zu begegnen, die immer Tanz und Thorheit und Putz im Kopfe haben! Sie sind das Entzücken aller sehr gespannten und tiefen Mannsseelen gewesen, deren Leben mit großen Verantwortlichkeiten beschwert ist.

— das Wohlgefallen an den Fürsten und den Priestern, weil sie den Glauben an eine Verschiedenheit der menschlichen Werthe, kurz an die Rangordnung, selbst noch in der Abschätzung der Vergangenheit zum Mindesten symbolisch und im Ganzen und Großen sogar thatsächlich aufrecht erhalten.

— das Schweigen-können: aber darüber kein Wort vor Hörern.

— das Ertragen langer Feindschaften: der Mangel an der leichten Versöhnlichkeit.

— der Ekel am Demagogischen, an der “Aufklärung,” an der “Gemüthlichkeit,” an der pöbelhaften Vertraulichkeit.

— das Sammeln kostbarer Dinge, die Bedürfnisse einer hohen und wählerischen Seele; nichts gemein haben wollen. Seine Bücher, seine Landschaften.

— wir lehnen uns gegen schlimme und gute Erfahrungen auf und verallgemeinern nicht so schnell. Der einzelne Fall: wie ironisch sind wir gegen den einzelnen Fall, wenn er den schlechten Geschmack hat, sich als Regel zu gebärden.

— wir lieben das Naive und die Naiven, aber als Zuschauer und höhere Wesen, wir finden Faust ebenso naiv als sein Gretchen.

— wir schätzen die Guten gering, als Heerdenthiere: und wissen, wie unter den schlimmsten bösartigsten härtesten Menschen oft ein unschätzbarer Goldtropfen von Güte sich verborgen hält, welcher alle bloße Gutartigkeit und Milchseele

— wir halten einen Menschen unserer Art nicht widerlegt weder durch seine Laster, noch durch seine Thorheiten. Wir wissen, daß wir schwer erkennbar sind, und daß wir Alle Gründe haben, uns Vordergründe zu geben.

35 [77]

Briefe des Grafen
Herausgegeben
von
J. v. A.
 

Nach dem Tode meiner Mutter.

Anekdoten erfinden.

35 [78]

Vorrede.

Darf man Briefe veröffentlichen?— Ein verehrenswürdiger Freund pflegte das Wort “öffentlich” nie ohne Bosheit auszusprechen. Das neunzehnte Jahrhundert, sagte er einmal, liebt wie man weiß die Wahrheit: nun, es geht mir gerade mit diesem Geschmacke wider meinen Geschmack! Ich fürchte, wenn das so weitergeht, schreibt man nur noch öffentliche Briefe. Ja, sagte er ein ander Mal, es könnte kommen, daß irgendwann ein anständiger Mensch seine ganze Moral in Einen Satz faßte: du sollst—lügen! Mein Herr, Sie sollen unbedingt und jeder Zeit lügen! Oder aber, auch Sie sind, was schon alle Welt ist,—“öffentlich”!— Dies war seine geheime Meinung über den Geschmack unseres Jahrhunderts. Als ich darüber nachsann, seiner Brief- und Meinungensammlung einen Titel zu geben, gieng es mir durch den Kopf, sie dergestalt zu bezeichnen:. “Der Spiegel. Eine Gelegenheit zur Selbst-Bespiegelung. Für Europäer.” Möge man aus diesem geschmacklosen Einfalle wenigstens abnehmen, welchen Werth ich bei mir selber diesen Briefen zulege—und warum ich mir das Recht gebe, gerade aus Haß gegen alles, was heute “öffentlich” heißt, diese Briefe zu veröffentlichen.

35 [79]

Jahrhundert der Spielleute (d M des unehrlichen Begräbnisses)

(Galiani) Mörder Langeweile.

35 [80]

Die Deutschen
von gestern und von übermorgen

Ein Beitrag zur Kritik der deutschen Seele

35 [81]

Die Demagogen in der Kunst.— Hugo Michelet Sand R. Wagner.

35 [82]

Eine pessimistische Denkweise und Lehre ein ekstatischer Nihilismus kann unter Umständen gerade dem Philosophen unentbehrlich sein: als ein mächtiger Druck und Hammer, mit dem er entartende und absterbende Rassen zerbricht und aus dem Wege schafft, für eine neue Ordnung des Lebens Bahn zu machen oder um dem, was entartet und absterben will, das Verlangen zum Ende einzugeben.

Zum Verzögern und Vertiefen von Völkern und Rassen kann eine pessimistische Denkweise, eine Religion der Verneinung und Welt-Flucht, eine ekstatische Entsinnlichung und Verhäßlichung des Lebens

35 [83]

Aber, indem ich dergestalt mir Sorgen mache und auf eine solche Frage eine lange Antwort vorbereite—ach, vielleicht bin ich selber nichts als eine lange Antwort auf diese Frage?— höre ich schon jene gebrochene und boshafte Stimme

35 [84]

Gai saber.
Vorspiel einer Philosophie der Zukunft.
Von
Friedrich Nietzsche.

An den Mistral.
Einleitung.
Erstes Buch: die Vorurtheile der Philosophen.
Zweites Buch: jenseits von Gut und Böse.
Drittes Buch: an die Künstler.
Viertes Buch: der Spiegel. Eine Gelegenheit zur Selbst-Bespiegelung für Europäer.
Fünftes Buch: die vornehme Seele.
Unter Freunden. Ein Nachgesang.
das ideale Kloster, zur Erhaltung der zarten Pflanzen
die Zukunft der Musik—Europäer-Musik
Musik des grossen Stils
die Fallstricke der Sprache
die Wagnerei und die Hegelei als Rausch-mittel
“klassisch”—unanwendbares Wort in der Musik
die Einsiedler, wie Goethe, Beethoven, und die demagogischen oder höfischen oder käuflichen Künstler.
Bildung der Musiker.
gegen die “nationalen” Bestrebungen in der Kunst
Begriff der Cultur;—Stil usw.
Ablehnung des Pessimisme, sowie aller eudämonistischen Gesichtspuncte.

III An die Künstler. Neuer Begriff des Schaffenden; das Dionysische. Neue Feste. Die Verklärung.
“Vollendete Unendlichkeit”
Schmerz und Lust
Zweck
Werthurtheile in den Geschmacksempfindungen, Farben, Tönen

Begriffe feststellen
die Umdeutbarkeit der Welt—aber das Festhalten der Grundzüge
Krankhaftes an den Philosophen
Ursache und Wirkung
der Haushalt der Affekte
die “persona”

Luthers Sprache, die Bibel als Grundlage einer neuen poetischen Form.

11, 35[1-84] Mai-Juli 1885

35 [1]

Моралист есть противоположность морального проповедника: это мыслитель, воспринимающий мораль как нечто сомнительное, вызывающее вопросы, короче, как проблему. С сожалением должен добавить, что именно поэтому моралист сам относится к сомнительным личностям.

35 [2]

Чувство истории: способность быстро угадывать ранговый порядок ценностных оценок, согласно которым живет народ, общество, человек, видеть связь этих оценок с условиями жизни, соотношение их авторитета с авторитетом действующих сил (мнимое соотношение чаще всего превосходит реальное); если воспроизвести все это в себе, возникнет чувство истории.

35 [3]

Некоторые эстетические ценностные оценки фундаментальнее моральных, например удовольствие от всего упорядоченного, обозримого, ограниченного, от повторения — это удовольствия всех органических существ применительно к опасности их положения или к трудностям пропитания. Знакомое доставляет удовольствие, вид того, чем надеешься легко овладеть, приятен, и т.п. Логическое, арифметическое и геометрическое чувство удовольствия составляет фундамент эстетических оценок: известные условия жизни ощущаются как чрезвычайно важные, а противоречие между реальностью и этими оценками столь часто и столь велико, что возникает удовольствие от восприятия таких форм.

35 [4]

Совершенствование жестокости есть один из источников искусства.

35 [5]

Мораль есть учение о ранговом порядке людей и, следовательно, о значении их поступков и дел для этого рангового порядка, то есть это учение о человеческих оценках относительно всего человеческого. Большинство моральных философов изображают лишь современный господствующий ранговый порядок: с одной стороны, сказывается недостаток исторического чувства, а с другой, они сами попадают под власть морали, которая считает нынешний порядок вещей вечным. Безоговорочная важность, слепое себялюбие, свойственные самовосприятию любой морали, выражают стремление к тому, чтобы не было многих моралей, чтобы не с чем было сравнивать: мораль не терпит критики и требует безоговорочной веры в себя. Таким образом, по своей сути она антинаучна — и уже поэтому настоящий моралист должен быть аморальным, находиться по ту сторону добра и зла. — Но возможна ли в таком случае наука? Разве поиски истины, правдивости, честности не моральны? Возможна ли наука без этих ценностных оценок и соответствующих им действий? Если убрать из знаний добросовестность — к чему в таком случае придет наука? Скепсис в вопросах морали не является противоречием, поскольку именно в этом активно проявляет себя высшее совершенствование моральных притязаний: как только скептик перестает чувствовать решающее значение этих более тонких оценок, он утрачивает основания для сомнений и исследований; воля к знанию должна иметь совершенно иные корни, нежели правдивость. —

35 [6]

«Душа» к вопросу о наименовании системы ценностных оценок и ценностных аффектов.

35 [7]

Когда философы собираются вместе, то сначала отбрасывают в сторону красивую болтовню: они уже не называют себя «философами» и оставляют на вешалке свою «любовь к истине», словно официальное облачение или маскарадный костюм.

«Мы друзья сомнения, — говорят они друг другу. — Мы не хотим, чтобы нас обманывали. Правда, нам должны поверить, что и мы никого не хотим обманывать — в этом нам придется торжественно убедить весь мир. Ибо, между нами говоря, — — —

35 [8]

Сильные и слабые.

Мысли и тире доброго европейца.

35 [9]

Что отличает нас, добрых европейцев, от людей отечеств?

Во-первых: мы атеисты и имморалисты, но поддерживаем прежде всего религии и морали, основанные на стадном инстинкте: благодаря им подготавливается вид человека, который однажды попадет в наши руки и будет жаждать нашего руководства.

По ту сторону добра и зла, — однако мы требуем безусловного соблюдения стадной морали.

Мы оставляем за собой право на множество типов философии, которые требуются для обучения: при известных обстоятельствах и на пессимизм, как молот; от европейского буддизма, вероятно, тоже не следовало бы отказываться.

Мы, по всей вероятности, будем поддерживать развитие и вызревание демократического начала: оно ведет к ослаблению воли; в «социализме» мы видим жало, которое от удобств — — —

Отношение к народам. Наши предпочтения: мы обращаем внимание на результаты скрещивания.

Стоящие в стороне, благополучные, сильные. Ироническое отношение к «прессе» и к тому, чему она учит. Озабоченность, чтобы люди научного склада не становились литераторами. Мы презираем любое образование, которое достигается чтением газет или, тем более, написанием для них.

Мы воспринимаем наши случайные позиции (например Гёте, Стендаля), наши переживания как временные прибежища, в которых нуждается и которыми пользуется странник; мы остерегаемся осесть где-нибудь окончательно.

От других людей нас отличает disciplina voluntatis. Всю силу мы тратим на воспитание силы воли — искусство, которое позволяет нам носить маски и понимать друг друга по ту сторону аффектов (а иногда и мыслить «сверхевропейски»).

Подготовка к тому, чтобы стать хозяевами земли: законодатель будущего. По крайней мере, для наших детей. Предельная осторожность в вопросах брака.

35 [10]

Условия, способствующие развитию стадного животного, помогают и развитию зверя-вожака.

35 [11]

С помощью «женской эмансипации» женщины, не обзаведшиеся мужем и детьми, хотят существенно повлиять на отношение женщины к мужчине вообще, то есть неудавшиеся элементы (которые везде имеют численный перевес) хотят изменить положение вида: качество должно понижаться в угоду количеству. (Задумаемся над одним из возможных последствий: отныне и безобразные женщины будут требовать от мужчин удовлетворения своих инстинктов; в этом и заключается бессознательная движущая сила данного явления.) Или как Санд, которой всегда недоставало мужчин и которая, заполучив их, быстро ими пресыщалась.

35 [12]

Бессмыслица самого большого числа как величайшего разума роковым образом проявляет себя, когда задумываешься над тем, в какой мере все доброе на земле, все удавшееся, счастливое, исполненное ума и духовности, короче говоря, все, благодаря чему обыкновенно случающиеся неудачи и недоброжелательность —

35 [13]

Европа в конечном счете женщина: и легенда учит, что при определенных обстоятельствах женщина позволяет себя похитить какому-нибудь зверю. Когда-то, во времена греков, это был бык. Сегодня — упаси меня бог назвать этого зверя.

35 [14]

Кто они, эти добрые европейцы, о которых ты говоришь, но еще больше молчишь? Чем отличаются они от нас, добрых приверженцев своего отечества?

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К плану. Введение.

1. Органические функции, переведенные обратно в основную волю, волю к власти, — и отделившиеся от нее.
2. мышление, чувства, воление во всем живом —
Удовольствие есть не что иное, как раздражение чувства власти каким-либо препятствием (а еще лучше ритмически повторяющимися препятствиями и актами сопротивления): от этого чувство власти вздувается и набухает. Таким образом, удовольствие включает в себя боль. — Чтобы удовольствие стало очень сильным, боли должны продолжаться долго, а натяжение лука должно быть беспримерным.
3. Воля к власти проявляется в воле к питанию, к собственности, к инструментам, к слугам. —
Повиновение и господство: тело.
более сильная воля управляет более слабой. Не существует иной причинности, кроме как от воли к воле. До сих пор еще не было механистической
4. Духовные функции. Воля к оформлению, к уподоблению и т.д.
Приложение. Великие недоразумения философов.

35 [16]

Следовало бы, наверное, попытаться однажды задать вопрос, не всех ли великих людей нужно относить к злым людям.

35 [17]

Человек, в какой бы ситуации он ни находился, нуждается в оценках, благодаря которым он оправдывает свои действия, намерения и состояния, то есть занимается самовосхвалением. Всякая естественная мораль есть выражение довольства определенного рода человека самим собой. Нуждаясь в похвале, человек нуждается и в соответствующей шкале ценностей, где выше всего ценятся те действия, на которые мы более всего способны и в которых находит выражение наша собственная сила. Нам хочется, чтобы проявления нашей силы видели и почитали.

35 [18]

(50)

Нет ли у нас права относить всех великих людей к злым? В каждом отдельном случае это не так просто увидеть. Часто они занимались мастерской игрой в прятки, всем своим видом и жестами демонстрируя великие добродетели. Нередко они серьезно и со страстным упорством почитали добродетели вопреки самим себе, но из чувства жестокости — такие вещи обманчивы, если смотреть на них издали. Иные ложно понимали себя, когда они — нередко большая задача требует великих качеств, например справедливости. Самое существенное заключается в том, что величайшие из великих, вероятно, обладали большими добродетелями, но именно поэтому еще и их противоположностями. Я думаю, что из наличия противоречий, а также из чувства этих противоречий и рождается великий человек, туго натянутый лук.

35 [19]

Нужно отказаться от вопроса: что есть добро? что есть сострадание? — Следует спрашивать: «что представляет собой добрый, сострадательный

35 [20]

Мораль до сих пор была в первую очередь выражением консервативной воли к воспитанию одинакового вида, она руководствовалась императивом: «Нужно избегать всяких вариаций, должно оставаться только удовольствие от одного вида». Поэтому большое количество свойств долгое время удерживалось и взращивалось, в то время как другие приносились в жертву; все морали такого рода жестоки (в воспитании, в выборе женщины, вообще в отношении прав молодежи); в результате появились люди с немногими, но очень сильно выраженными и всегда одинаковыми свойствами. Эти свойства связаны с основными положениями, с помощью которых такие существа утверждают себя и защищаются от врагов.

Вдруг узы рвутся, исчезает необходимость в строгой дисциплине (— какое-то время отсутствуют враги —); индивид не чувствует больше ограничений, все бурно идет в рост, неслыханная гибель сопровождается великолепным, разнообразным, буйным разрастанием. У новых людей, которые теперь наследуют самые разные свойства, возникает необходимость создать для себя индивидуальное законодательство, соизмеримое с их особыми условиями и опасностями. Появляются философы-моралисты, которые обычно представляют распространенный тип и своей disciplina приносят пользу определенному виду человека.

35 [21]

Я потратил свой ум и силы, пытаясь ответить на вопросы вроде: что хорошо? что плохо? — Каждый из этих философов воспринимал себя как типичного человека и хотел добиться превосходства над теми, кто устроен по-другому: он боролся с их верой в свой идеал. Мораль таких философов тоже есть самодовольство, но самодовольство индивидуальное.

35 [22]

Из опыта животноводов известно, что виды, которым в изобилии выделяется пища и которые пользуются особой заботой и защитой, сильнее других склонны к вариативности и ко всяким чудесам и безобразиям (включая и пороки). Давайте взглянем на аристократию как на мероприятие с целью выведения особого вида: долгое время у нее нет благоприятных условий, ей необходимо утверждать себя, ее постоянно окружают опасности, она боится за свое существование. Поэтому она чувствует необходимость вырабатывать определенные свойства (добродетели) и в первую очередь сохранять их; во имя этих добродетелей, в которых она видит условия своего существования, она подавляет все остальные. Наконец возникает благоприятная ситуация, великое принуждение становится ненужным — и сразу же в оранжерее ее культуры появляется огромное количество вариаций и монстров (включая гениев); порой в борьбе между ними погибает коллективный интерес.

Вариации вида (отклонение от нормы, иногда вырождение) возникают там, где существуют благоприятные условия жизни, а сам вид утверждается и крепнет в длительной борьбе с неблагоприятными.

Забота о сохранении вида, о его точном воспроизведении, его существенном однообразии проявляется в любви к этому виду, в восхищении им при сравнении с окружением, то есть в удовлетворенности им. Основой всякой аристократии является удовлетворение принадлежностью к своему роду и желание продолжить самих себя в похожем потомстве; однако на этом уровне можно оставаться только при условии постоянно возвращающейся опасности, все время сравнивая себя с живущими рядом низшими существами. Не должно быть и мысли о «прогрессе» или о «равных правах для всех»; сохранение типа, наслаждение всеми типическими чертами и отвращение ко всем прочим (в том числе и ко всему чуждому); руководящая мораль — возможно большее сходство с предками; скорбь при мысли о переменах и вариантах.

Однако есть виды страдающие, угнетенные, наполовину неудавшиеся, больные, недовольные собой; если и у них возникнет жажда в учителях, утешителях и врачевателях, если и они станут создавать мораль, — к чему они скорее всего обратятся, чего потребуют? Конечно же, не сохранения своего страдающего вида или условий своего существования. «Прочь отсюда! — потребуют они. — Лучше куда-нибудь еще!» В целом их мораль будет своего рода самоотрицанием — с другой стороны, они охотнее всего станут практиковать «самоотверженность», отвращение к себе, отказ от эгоизма — их великая ненависть будет обращена на счастливых, гордых, торжествующих победу! Наряду с этим восторженное чувство, проявляющееся в преданности, самопожертвовании, самозабвении, любви: от по-собачьи рабского виляния хвостом до «мистического слияния с богом». И действительно, таким образом подобный вид страдающих и полуудавшихся сохраняет свою жизнь, а в известной мере даже обретает жизнеспособность, — и поскольку он в первую очередь учит приспособляемости друг к другу, возникает более низкий, но и более жизнеспособный тип. Например, современный европеец, так же как и китаец. Умаление человека, — но когда все их силы собираются воедино, то подчиняют себе благородную расу; поскольку благородные инстинкты последней побуждают ее к отказу от своего трудного существования (и к отказу от инстинктов, нуждающихся в счастье) или же сами вырождаются, переставая верить в себя, то происходят, например, такие великие глупости, как прелюдии к французской революции. После этого появляется своего рода перевес количества над качеством, то есть самых мелких людей над изысканными и редкими, приходит пора демократического вкуса во всех ценностных оценках; в конечном счете вера в великие вещи и в великих людей превращается в недоверие, а потом и в неверие, в результате чего великое вымирает.

35 [23]

Жаждешь великих и глубоких душ — а встречаешь всегда только стадных животных!

35 [24]

1) Возможен ли еще сегодня «философ»? Достаточно ли велик объем осознанного? Не слишком ли велика вероятность того, что у него не будет широкого кругозора, особенно если он добросовестен? Или такой кругозор появится слишком поздно, когда его лучшая пора уже пройдет? Или он испортится, огрубеет, выродится, и его оценки уже ничего не будут значить? — В ином случае он станет «дилетантом» с тысячью рецепторов и лишится великого пафоса, уважения к самому себе — и чистой совести. Иными словами, он уже не способен руководить, не способен повелевать — а если захочет, то ему придется стать великим лицедеем, своего рода философствующим Калиостро.

2) Что означает в наше время жить по-философски мудро? Не означает ли это сохранять хорошую мину при плохой игре? Нет ли в этом своего рода бегства? И если кто-то просто держится в стороне, значит ли это, что он указывает этим лучший путь своему познанию? Не должен ли он лично испробовать сотню образов жизни, чтобы получить право говорить о ее ценности? Короче говоря, мы полагаем, что человек должен жить абсолютно «нефилософски» (в теперешнем понимании этого слова), прежде всего не быть робким добродетельным существом: только тогда сможет он судить о великих проблемах на основе собственных переживаний. Человек, богатый этими переживаниями, умеющий делать из них общие выводы, — не он ли должен стать самым могущественным? — Мудреца слишком долго путали с ученым, а еще дольше — с религиозно-возвышенным человеком.

35 [25]

Проблема: многие типы великих людей, вероятно, уже невозможны? Например святой. Может быть, и философ. Гений, наконец? Должно быть, сократилась чудовищная дистанция между людьми? По крайней мере, уменьшилось чувство этой дистанции, а это влечет за собой менее строгое отношение и дисциплину, из-за чего человек уже не поднимается до таких высот, как раньше. — Мы нуждаемся в новом понятии величия человека, — величия, на которое мы способны и от которого большинство из нас отделяет глубокая пропасть. Voila: этот демократический мир превращает каждого в нечто специфическое, следовательно, величие сегодня заключается в том, чтобы быть универсальным. Этот мир ослабляет волю, так что сила воли сегодня считается величием. Этот мир способствует и развитию стадного животного, следовательно, к величию сегодня нужно относить одиночество и жизнь на свой страх и риск. Разносторонне одаренный, одинокий человек, свободный от стадных инстинктов, наделенный несокрушимой волей, которая позволяет ему переживать многочисленные превращения и ненасытно погружаться во все новые глубины жизни. — Величие человека нам следует искать там, где мы менее всего чувствуем себя дома. Для энергичного века мягкий, самоотверженный, созерцательный человек — великое исключение, нужны великая внутренняя дисциплина и твердость, чтобы превратиться из полудикого зверя в Сократа. Индифферентность Эпикура производит почти просветляющее впечатление. Мы идем к противоположным идеалам, но сначала нам нужно разрушить старые идеалы в нас самих.

35 [26]

Дионис.
Книга прорицания.

35 [27]

Наши психологи, чей ум непроизвольно зацикливается только на симптомах décadence, постоянно направляют наше недоверие против разума.

35 [28]

Новые варвары. Всегда видят только ослабляющее, смягчающее, болезненное воздействие на разум: но сейчас приходят: 
Циники.Соединение духовного
Искусители.превосходства с довольством
Завоеватели.и избытком силы.

35 [29]

Эпохисты, эфектики.

Он с удовольствием останавливается перед нерешенными проблемами, по отношению к скороспелым гипотезам он настроен иронически; он отвергает тот вид удовлетворения, который несет с собой закругленность, заполненность, затыкание дыры какой-нибудь ветошью. Он ведет себя так не потому, что слаб, а потому, что силен; он не гибнет сразу, как только лишается «устоев», которые сегодня, например, служат поддержкой пессимистам. — Главное в том, что в области морали еще нет никакой науки, более того, никакого материала для науки. Практические тайные намерения перекрывают исследователю воздух. Наступило время поиска самых обширных регулятивных гипотез, которые позволили бы собирать материал.

Итак, в этой сфере еще далеко до строгого установления науки; мы находимся на предварительной стадии. Обострение методических притязаний придет позднее. Науки не развиваются одновременно: у них, как и органов тела, есть свои периоды ускоренного или замедленного роста, созревания. Совершенно ясно, что больше всех отстает от других та наука, развитию которой дольше противились, полагая, что здесь нечего исследовать. Вот, мол, она, истина, верить в нее — наша обязанность; и по сегодняшний день «моральное сознание» иногда противится праву на анализ морали, облачившись в тогу некой «философии». Наши последние исследователи морали основательно убеждены в том, что науке здесь положено не критиковать, а только обосновывать факты.

35 [30]

1. Видеть и показывать проблему морали — кажется мне новой задачей и главным делом. Я не считаю, что нечто подобное происходило до сих пор в моральной философии.

35 [31]

Не следует искусственно преувеличивать значение науки там, где еще не наступило время научности, — но и настоящий ученый обязан отказаться от тщеславного намерения преувеличивать роль метода, время для которого в сущности еще не пришло. Не следует ему и «фальсифицировать» — посредством ложной аранжировки дедукции и диалектики — вещи и мысли, к которым он пришел иными путями. Так, Кант в своей «морали» фальсифицирует свои внутренние психологические склонности; новейшее доказательство тому — этика Герберта Спенсера. — Не следует скрывать или искажать то, как к нам приходят наши мысли. Самые глубокие и неисчерпаемые книги, думается, всегда будут иметь нечто от афористического и неожиданного характера «Мыслей» Паскаля. Движущие силы и оценочные суждения долгое время зреют подспудно; то, что выходит на поверхность, и есть следствие.

35 [32]

Я противлюсь любому тартюфству научности:

1) изложению, если оно не соответствует генезису мысли;

2) притязаниям на методы, которые на определенном этапе развития науки, по всей видимости, еще невозможны;

3) притязаниям на объективность, на холодную обезличенность там, где мы, как всегда при оценках, в двух словах рассказываем о себе и своих внутренних переживаниях. Есть смешные виды тщеславия, например у Сент-Бёва, который всю жизнь злился, что иногда действительно проявлял горячность и страсть, высказываясь «за» или «против», и хотел бы вопреки фактам вычеркнуть это из своей жизни.

35 [33]

(35)

Сегодня охотно придают себе налет очень пестрой, разнообразной манерной научности — ничего удивительного в такой фальшивый век, когда «равные права» влекут за собой и «чувство одинаковых притязаний», например претензию на научность, если этого кому-то захочется. Почти все литераторы считают себя способными на научность, более того, романисты честолюбиво стремятся к этому.

35 [34]

Нет ничего более жалкого, чем моральная литература в сегодняшней Европе. Впереди всех английские утилитаристы, подобно рогатому скоту бредущие по стопам Бентама, как он сам некогда брел по стопам Гельвеция; ни одной новой мысли, нет даже действительной истории того, что было продумано раньше, а есть только всегдашнее старое моральное тартюфство, английский порок — теперь уже под видом научности, наряду с тайным бегством от угрызений совести, которые обыкновенно испытывает раса прежних пуритан. — Они хотят любой ценой убедить себя, что необходимо стремиться к собственной пользе, поскольку именно таким способом оказывается наибольшая услуга общему благу, счастью большинства, — что, стало быть, стремление к английскому «счастью», я хочу сказать к comfort и fashion, и есть истинный путь к добродетели и даже что если в мире существует добродетель, то состоит она именно в подобном стремлении к собственному и, следовательно, всеобщему счастью. Никто из этих неуклюжих, отягощенных нечистой совестью стадных животных — а все они таковыми и являются — и знать не хочет, что существует ранговый порядок людей и, следовательно, мораль для всех есть ущемление прав высших людей, что справедливое для одного вовсе не обязательно будет справедливым и для другого и что, более того, идеал счастья для большинства вызывает тошноту у отмеченного особой метой и не принадлежащего к большинству. — Из Франции недавно проникло в Англию поверхностное контовское противопоставление альтруизма эгоизму, хотя никакого альтруизма не существует в природе! И сейчас мы видим, например, у Герберта Спенсера попытку примириться и с этим, с дурным желанием воспринимать какое-нибудь понятие с той же серьезностью, с какой в Англии даже испускание мочи уже относят к альтруистической деятельности. В Германии, где все еще не могут справиться с моралистической наивностью Канта и Шопенгауэра, с категорическим императивом и, с другой стороны, с «состраданием», Э. фон недавно развил мысль Конта вширь — аж на 871 страницу — и торжественно и официально вышвырнул эгоизм за дверь, чтобы тут же снова пригласить его войти во имя «альтруизма», — и никто в Германии не высмеял его за это. В самом деле, лучше всего проникаешься чудовищным фактом почти внезапного оглупления народов Европы — очевидного как в сегодняшней Германии и Англии, так и во Франции и Италии, — перелистывая их моралистические книги. Существует не более трех небольших работ, которые я мог бы выделить из общего числа (хотя и в этих работах не содержится ничего фундаментального).

Во-первых, это книга одного немецкого еврея, Пауля Рэ, озаглавленная — — -. Она достойна выделения благодаря своей форме и обладает тем подлинно философским habitus, который Стендаль однажды остроумно назвал. Рэ тонко подхватывает и развивает более строгие вкусы и привычки старых французских моралистов, — его книга пропитана приятным запахом «доброго старого времени», она далека от всех назидательных тайных помыслов, которыми несет от написанных по-немецки книг о морали; к сожалению, у него обнаруживаются те же недостатки, что и у французов: узость горизонта, бедность знания; его гипотезы неоригинальны, он бросает слова на ветер, ему крайне недостает «исторического взгляда и такта», то есть истинной и единственной добродетели, которая выделяет немецкую науку XIX века на фоне всех более старых наук. В конечном счете это книга, которая «возбуждает аппетит».

Во-вторых, я хочу назвать тонкую, скорбно-душевную книгу одного француза — — -, которая, правда, как и почти все, что приходит теперь из Парижа, в избытке дает понять, где сегодня, собственно, обретается пессимизм: не в Германии. И какой толк от всего этого позитивизма и решительного преклонения перед «petits faits»! В Париже страдают, словно от холодных осенних ветров, от мороза великих разочарований, словно приближается зима, последняя, окончательная зима, — и самые лучшие и мужественные, как этот бравый Гюйо, от этого дрожат и трепещут, хотя и делая хорошую мину перед лицом своего «positivisme»: кто поверит, пусть они и убеждают нас в этом с иронией, будто их дрожь и трепет относятся к привлекательным и обольстительным сторонам жизни? «Трепет — прекраснейший удел человечества» — разумеется, Гёте говорил это, однако он — имел на это право! Но парижанин? — И, наконец, я выделяю полемическую работу одного немецкого полуангличанина, в которой достаточно ума, кислоты и научности, чтобы основательно «разложить» тот симбиоз betise и дарвинизма, который выпустил в свет Герберт Спенсер под названием «Data of Ethics»: Рольф, Проблемы биологии, 1881. Правда, кроме полемики, ничего в этой книге не заслуживает похвалы; в ней, как и в книге, которую она критикует, оскорбляет желание незначительных людей сказать свое слово в области, о которой могут судить, не рискуя показаться дерзкими, только избранные из тех, кто познает и «переживает».

35 [35]

Основательнее всего меня отделяет от метафизиков то, что я не согласен с ними, будто мыслит именно Я; напротив, это Я само представляется мне конструкцией мышления, такого же порядка, как «материал», «вещь», «субстанция», «индивид», «цель», «число», то есть лишь регулятивной фикцией, с помощью которой в мир привносится, присочиняется своего рода устойчивость и, следовательно, «познаваемость». Вера в грамматику, в языковой субъект, в объект, в слова, выражающие действие, до сих пор подчиняла себе метафизиков; я учу отречению от этой веры. Я есть результат мышления, однако метафизики, вслед за народом, до сих пор верят, что в «я думаю» заключено нечто непосредственное, определенное и что Я есть заданная причина мышления, по аналогии с которой мы «понимаем» все прочие причинные отношения. Какой бы привычной и незаменимой ни казалась эта фикция, это еще не аргумент против ее вымышленности: нечто может быть условием жизни и тем не менее ложью.

35 [36]

Освободившись от тирании «вечных» понятий, я тем не менее далек от того, чтобы по этой причине броситься в пропасть скептического произвола; напротив, я прошу рассматривать понятия как попытки воспитания определенных типов человека и — их умеренность и продолжительность.

35 [37]

Ложность понятия не является для меня причиной возражать против него. Тут наш новый язык звучит, вероятно, особенно чуждо; вопрос в том, насколько это служит развитию жизни, сохранению жизни, сохранению вида. Я даже принципиально придерживаюсь веры в то, что именно самые ложные предположения необходимы нам более всего, что без признания роли логических фикций, без соизмерения действительности с вымышленным миром безусловного, равного самому себе, человек не может жить и что отрицание фикций, отказ от их практического использования означал бы отрицание самой жизни. Признать неистинность за условие жизни означает жестоким образом отринуть от себя привычное чувство ценности — и здесь как нигде важно не «истечь кровью», поранившись о «познанную истину». В момент высшей опасности необходимо сразу же призвать на помощь основные творческие инстинкты человека, которые сильнее всех оценочных чувств, — те, что сами рождают оценочные чувства и в вечном процессе рождения получают возвышенное наслаждение от вечной гибели своих детей. И наконец: какая сила заставляла нас отрекаться от этой «веры в действительность», как не сама жизнь и не ее основные творческие инстинкты? У нас даже не возникает необходимость заклинать этих «матерей»: они уже наверху, их глаза смотрят на нас, мы осуществляем то, в чем убедило нас их волшебство.

35 [38]

— Что же касается философии в нынешней Франции: конечно, нельзя поверить в то, что эти бравые позитивисты из школы Конта или последователи Стендаля, Монтескье, Кондильяка — то есть всего лучшего, что дал XVIII век, — например Тэн, представляют собой противоположность скептическому настроению века.

35 [39]

Полдень и вечность.

1. О ранговом порядке.
2. Законодатели. (Воспитание новых господствующих каст)
3. О кольце колец. Или: «зеркало».
4. Великие благословения.

35 [40]

Полдень и вечность.
Видения и предсказания.

35 [41]

Полдень и вечность.
Предсказания
человека будущего.

Первая часть:
о ранговом порядке.

Вторая часть:
о властителях земли.

Третья часть:
о кольце колец.

Четвертая часть:
о новом умирании.

35 [42]

— когда и мы с гордостью сможем произнести слова, которые Перикл сказал в той надгробной речи перед своими афинянами: все моря и земли открыла перед нами наша отвага и повсюду воздвигла вечные памятники наших бедствий и побед.

35 [43]

Наконец, мы защищаемся и от таких знатоков людей, как Сент-Бёв и Ренан, от такого способа выслушивания и вынюхивания души, каким пользуются эти немужественные, бесхребетные духовные сластолюбцы; нам кажется, они не ведают стыда, когда ощупывают любопытными пальцами тайны человека или эпохи, которые были выше, строже, глубже и в любом отношении благороднее, нежели они сами, и не так-то просто открывали свои двери околачивающимся вокруг да около полубабам. Однако этот девятнадцатый век, утративший все утонченные инстинкты рангового порядка, уже не умеет дать по рукам непрошеным пронырам и взломщикам, — более того, он гордится своим «историческим чувством», благодаря которому потному плебею, если он берет с собой ученые орудия пытки и опросные листы, не возбраняется вторгаться в общество высшей недосягаемости, в среду святых носителей совести, как и в среду вечно окутанных тайной властителей духа. Историческое чувство и выслеживание скрывает под собой больше скепсиса, чем видно на первый взгляд: оскорбительный скепсис, направленный против различения рангов людей, и бесстыдные притязания на «равенство» распространяются даже на мертвых, по отношению к которым оплачиваемые слуги общественного мнения сегодня позволяют себе те же вольности, что и по отношению к живым.

Но мы не скептики, мы еще верим в ранговый порядок людей и проблем и дожидаемся часа, когда это учение о ранге и порядке будет написано на лице нынешнего вульгарного общества. Быть может, этот час станет и нашим часом.

Но если мы не скептики, не являемся ли мы критиками или «критицистами»? И если мы с особым удовольствием освящаем своим именем попытку и радость от этой попытки, не происходит ли это потому, что мы любим пользоваться экспериментом в широком и опасном смысле ради более глубоко понимаемой критики? Быть может, мы, как экспериментаторы, во имя познания втайне вынуждены идти дальше, чем позволяет мягкотелый, изнеженный вкус столетия? В самом деле, мы не хотели бы отказаться от тех качеств, которые отличают критика от скептика: от уверенности в своей мере ценностей, от сознательного желания придерживаться единства метода, от хитроумного мужества, от одиночества и чувства ответственности; более того, мы признаемся в удовольствии говорить Нет и расчленять, в известной жестокости руки, которая уверенно направляет нож, даже если при этом кровоточит сердце. Мы жестче — и, быть может, не только в отношении самих себя, — насколько этого могут желать «гуманные» люди; мы не пускаемся в рассуждения об «истине» только потому, что она нам «нравится», или «возвышает», или «восхищает» нас, — мы вообще мало верим в то, что истина способна доставить столь приятные чувства. Многим будет неприятно слышать то, что мы скажем: наше недоверие возникает лишь там, где наше чувство испытывает приятное возбуждение; мы улыбаемся, если кто-то пытается этим что-нибудь доказать, говоря: «Но эта мысль возвышает меня; как же она может быть ложной?» Или: «Это произведение восхищает меня; как же оно может не быть прекрасным?» Или: «Этот художник возвеличивает меня; как же он может не быть великим?» С такими критиками мы скорее — — —

35 [44]

Суеверие относительно философов: их путают с учёными людьми. Как будто ценности заключены в вещах, а нам остается лишь удержать их там. В какой мере они исследуют заданные ценности (свою ненависть к видимости, телу и т.д.). Шопенгауэр по поводу морали. (Издевательство над утилитаризмом.) В конечном счете путаница заходит так далеко, что в дарвинизме видят философию; наступило время учёных людей.

Французы, например Тэн, тоже ищут, или полагают, что ищут, не обладая мерой ценностей. Преклонение перед «фактами» стало своего рода культом. На самом деле они уничтожают существующие оценки.

Объяснение этого недоразумения. Повелевающий появляется редко, он ложно толкует самого себя. Люди хотят отринуть всякий авторитет и погрузиться в обстоятельства. — В Германии уважение к критику относится к истории пробуждения мужественности. Лессинг и т.д. (Наполеон о Гёте.) На деле это движение было обращено вспять немецким романтизмом: слава немецкой философии связывается с ним, как будто благодаря ему была устранена опасность скептицизма и появилась возможность доказать веру. В Гегеле обе тенденции достигли своей кульминации: в сущности, он обобщил факт немецкой критики и факт немецкого романтизма; получился своего рода диалектический фатализм во имя духа, а на деле это привело к преклонению философов перед действительностью. — Критик подготавливает, не более того!

С приходом Шопенгауэра смутно вырисовывается задача философов, заключающаяся в определении ценности: всё ещё под властью эвдемонизма (насмешка над Гартманом). Идеал пессимизма.

35 [45]

Философ как законодатель, как испытатель новых возможностей, его средства. Он использует религию. Новый Завет — то, что может христианство.

Его противоположность: мораль стадных животных.
А также вольнодумцы и т.д.
Как стадные животные сегодня представляют себе «высшего человека»: показать на примере В. Гюго.

Мои предшественники: Шопенгауэр.
в какой мере я углубил пессимизм и благодаря изобретению его высшей противоположности полностью его прочувствовал.
Затем: идеальные художники, молодая поросль наполеоновского движения.
Затем: высшие европейцы, предшественники большой политики.
Затем: греки и их возникновение. В «Рождении трагедии» я намекнул на соотношение между «нуждой» и «искусством».
Немцы и дух.

Личное воспитание философа в одиночестве.
Дионисийское.

35 [46]

Paete, non dolet! Paete, этот пессимизм не приносит боли! Paete, Эдуард не кусается! Paete, посмотри на меня: разве я не дружелюбен, не безопасен? Paete, в самом деле, я ничего больше не желаю



Paete, non dolet! Paete, этот пессимизм не приносит боли! Paete, твоя Аррия не кусается! Paete: Эдуард сама предупредительность, приятный, человечный, дружелюбный, даже по-имперски дружелюбный, даже безопасный, короче говоря, Эдуард — это мальчик на побегушках, и его пессимизм не оставляет желать ничего лучшего



Я тогда ошибался: я полагал, что это тонкий, превосходный ум и весельчак, потешающийся над пессимистическими затруднениями века; я находил открытое им «бессознательное» весьма злым и остроумным, оно казалось мне настоящей мышеловкой для скорбных глупцов философского дилетантизма, все больше распространяющегося в Германии. Однако меня постоянно заверяют в том, что он делал это всерьез, меня почти вынуждают поверить этому, — но должен ли он перестать веселить меня? Нужно ли мне перестать смеяться, когда эта Аррия снова и снова уговаривает своего Paetus не бояться кинжала, я хочу сказать, гартмановского пессимизма? Paete, нежно призывает она, non dolet!

35 [47]

§ Никаких критиков. Смущение. Наконец «человек науки». Англичане.

§ Ни пессимисты, ни оптимисты. Великая точка зрения Шопенгауэра — что разрушение иллюзии еще не означает постижения истины, а лишь слегка увеличивает незнание, расширяет наше «пустое пространство», означает прирост нашей «безысходности».

§ Основная мысль: новые ценности сначала должны быть созданы — этого нам не избежать! Философ должен быть подобен законодателю. Новые типы. (Как до сих пор воспитывались высшие типы (например греки); желание осознать этот вид «случайности».)

§ Его средства: религии, морали

§ Значение христианства.

§ Значение демократического образа мысли.

§ Вольнодумцы, относящиеся к этому движению? Виктор Гюго.

§ Неосознанные обратные движения: Наполеон, 30-е годы, Рихард.

§ Новый философ может появиться только в сочетании с новой господствующей кастой, как ее высшая одухотворенность. Большая политика, близится управление землей; полное отсутствие принципов для этого — (ирония по отношению к пустому немецкому духу)

Европеец и его образование.

Периоды великих проб. Люди со своим собственным каноном ценностей. Институты для воспитания высших людей.

§ «Предварительность» философов. Их одиночество.

§ Готовить «По ту сторону добра и зла». Состояние «морали».

15 § Дионис.



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35 [48]

Предисловие.

Меня сегодня мало интересует то, прав или не прав я в отношении Рихарда и Шопенгауэра: если я и ошибся, то моя ошибка не принесет бесчестия ни вышеназванным, ни мне. Несомненно, в те дни молодости мне доставляло огромное удовольствие наносить свои идеалистические краски, в которых мне рисовались образы философов и художников, не на несуществующие полотна, а на уже прочерченные фигуры, и если меня упрекают, что я смотрел на вышеназванных увеличивающими их значение глазами, то я радуюсь этому упреку — и своим глазам в придачу. По крайней мере, читатели второго «Несвоевременного размышления» не остались в неведении относительно того, сколь мало значения я всегда придавал истине и — — —

То, что я тогда написал, а скорее даже нарисовал — пылко и, как мне сегодня кажется, в виде рискованных и смелых фресок, — не стало бы более истинным от того, что теперь, когда рука и глаз, вероятно, еще кое-чему научились, я изобразил бы это снова, мягче, чище и строже. Каждый возраст понимает «истину» по-своему, и кто подойдет к тем картинам с юными и бурными помыслами и великими притязаниями, тот найдет в них столько истины, сколько сможет увидеть.

Мои четыре первых «Несвоевременных размышления», к которым я теперь, десять лет спустя, добавляю пятое, шестое и седьмое, были попытками привлечь к себе интересующий меня тип людей, то есть удочками, на которые я хотел поймать «подобных себе». Тогда я был достаточно молод, чтобы с нетерпеливой надеждой отправиться на подобную рыбалку. Сегодня — спустя сто лет, если мерить время моим собственным масштабом! — я кажусь себе еще недостаточно старым, чтобы утратить всякую надежду или терпение. Как странно звучит для меня еще и сегодня, когда старик облекает свой опыт в такие слова: — — —

Так говорит Гёте. Прав ли он? Как мало разума было бы в том, чтобы стать таким старым и разумным, как Гёте! И было бы справедливо научиться судить о старости у греков: они ненавидели старение больше смерти и любили умирать, когда чувствовали, что становятся такими разумными. Тем временем и у молодежи появилась собственная разновидность разума: разум, который верит в жизнь, любовь и надежду.

35 [49]

Что касается Рихарда: в моей жизни был момент, когда я яростно отталкивал его от себя. «Прочь от меня!» — кричал я. Такого рода художник ненадежен именно в той сфере, где я не признаю шуток. Он попытался «договориться» с существующим христианством, протягивая левую руку протестантской тайной вечере (он рассказывал мне о восторгах, извлекаемых им из этой вечери) и в то же время правую — католической церкви: он предложил ей своего «Парцифаля» и выдавал себя всем, кто хотел это услышать, за «римлянина» in partibus infidelium.

35 [50]

Законы мышления как результаты органического развития — необходимо принять за основу изобретающую, устанавливающую силу — а также унаследование и продолжение существования фикций.

35 [51]

В мире становления, где все обусловлено, принятие безусловного, субстанции, бытия, вещи и т.д. может быть только заблуждением. Но как возможно заблуждение?

35 [52]

Все более отчетливая демонстрация последовательности называется объяснением — и ничем более!

35 [53]

Допускать восприятие и для неорганического мира, причем без всяких сомнений: там царит «истина»! Вместе с органическим миром начинается неопределенность и видимость.

35 [54]

То, что положение равновесия никогда не достигается, доказывает его невозможность. Однако в неопределенном пространстве его можно было бы достичь. Как и в шарообразном пространстве. Форма пространства должна быть причиной вечного движения и, в конечном счете, причиной любого «несовершенства».

«Сила» и «покой», «равенство самому себе» противоречат друг другу. Если меру силы как величины можно установить, то ее сущность текуча, напряжена, настоятельна,

35 [55]

Отвергнуть «вечное». В определенный момент силы задана абсолютная обусловленность нового распределения всех ее сил: она не может находиться в неподвижности. «Изменение» есть составляющая ее сущности, как и ее бренность; тем самым еще раз понятийно устанавливается лишь необходимость изменения.

35 [56]

Время не дано a priori. — Шпир, 2, с. 7.

нелогичность нашего познания продолжительностей: он же, 2, с. 93.

35 [57]

Основной вымысел уже в суждении, а затем и в выводе заключается в предположении, что существуют одинаковые вещи и одинаковые случаи.

35 [58]

В мире химии царит острейшее восприятие различия сил. Однако протоплазма, как множество химических сил, отличается нечетким и неопределенным восприятием чужеродной вещи.

35 [59]

Переход из неорганического мира в органический есть переход от строго установленного восприятия количества силы и соотношения сил к восприятию нечеткому, неопределенному — ибо множество борющихся друг с другом существ (= протоплазма) ощущает противодействие внешнего мира.

35 [60]

Неустанная воля к власти, или к непрерывному созиданию, или к превращению, или к победе над собой.

35 [61]

«так называемое время есть пустая абстракция, оно не существует ни объективно, ни как необходимый и изначальный способ представления субъекта» (Шпир, 2, с. 15).

35 [62]

У немцев нет культуры; они по-прежнему зависят от Парижа — причина в том, что у них еще нет характера.

Наши великие люди представляют не расу, а одиночек.

Но что такое немецкая музыка, которую я раньше выделял и с которой связывал надежды?

35 [63]

NB. Недоразумение по поводу Рихарда Вагнера сегодня приобрело в Германии огромные масштабы, и поскольку я тоже способствовал его увеличению, мне хочется искупить вину и попытаться это недоразумение уменьшить.

35 [64]

NB. В течение столетия существовало противоречие только между французской и итальянской музыкой.

В борьбе Глюка с Пуччини оно обострилось и достигло своей вершины; Глюк при этом воспринимался как представитель французского вкуса — как представитель чего-то благородного, помпезного и рационалистического.

Немецкие музыканты прислушивались то к Франции, то к Италии; собственно немецкого вкуса в музыке не существует и по сегодняшний день.

Мне кажется, что благодаря Вагнеру французский вкус вновь перевесил итальянский, то есть Моцарта, Гайдна, Россини, Беллини, Мендельсона, — однако это французский вкус 1830 годов: литература подчинила себе музыку и живопись; «программная музыка», на первом месте «sujet»!

35 [65]

Бетховен связан с Руссо и с тем гуманистическим течением, которое частью предшествовало революции, частью просветляюще следовало за ней, но еще больше с главным событием последнего тысячелетия — с явлением Наполеона.

Моцарт имеет предпосылкой общество эпохи рококо.

35 [66]

Различие между актерами, такими как Шиллер и Вагнер, и Гёте изолирован, между пиетизмом и эллинизмом, и находится в сомнениях, писать ли по-французски.
Лессинг — Бейль

Фридрих Великий, жадно тянущийся к Франции

Фридрих II — к мавританско-восточному Просвещению

Лейбниц между христианством, платонизмом и механикой.



Бисмарк, учившийся у Наполеона III и Кавура.

35 [67]

Если механика есть всего лишь логика, то ей свойственно все, что свойственно любой логике: она нечто вроде спинного хребта у позвоночных животных; в ней нет ничего, что было бы истинно само по себе.

35 [68]

К кольцу колец.

NB. У силы, которая изменяется и все время остается одной и той же, есть и изнанка, что-то вроде характера Протея-Диониса, притворство и наслаждение от превращения. «Личность» следует понимать как обман: в самом деле, наследование есть главное возражение, поскольку его постоянный фонд составляют многочисленные формирующие силы из значительно более ранних эпох; они борются в нем, ими управляют, их усмиряют — воля к власти пронизывает личности насквозь, ей нужно уменьшение перспективы, нужен «эгоизм» как временное условие существования; с каждой новой ступени она стремится перейти на более высокую.

Уменьшение действующего принципа, сведение его к «личности», к индивиду.

35 [69]

NB. Масштаб человека определяется тем, сколько истины он может вынести и при этом не выродиться — а также сколько счастья — — свободы и власти!

К вопросу о ранговом порядке.

35 [70]

Нужна строжайшая школа, несчастья, болезни: без них не будет духа на земле, не будет восторгов и ликования. — Только благородные, живущие в постоянном напряжении души знают, что такое искусство и радость.

35 [71]

Может даровать счастье лишь после того, как установит ранговый порядок.

35 [72]

NB. Должно быть много сверхлюдей: любое добро получает развитие только среди равных. Один бог был бы всегда дьяволом! Господствующая раса. К вопросу о «властителях земли».

35 [73]

I.Заратустра может даровать счастье лишь после того, как установлен ранговый порядок. Сначала этому порядку нужно научить.
II.Ранговый порядок вводится в систему управления землей; в результате появляются властители земли, господствующая каста. Среди них время от времени появляется совершенно эпикурейский бог, сверхчеловек, просветляющий бытие.
III.Сверхчеловеческое восприятие мира. Дионис.
IV.С любовью возвращаясь из этого величайшего отчуждения к самому близкому и малому, Заратустра благословляет все свои переживания и умирает как благословляющий.

35 [74]

Заратустра 5.

1.Громкие трубные звуки герольда. Счастье громких звуков! Заратустра Я тот человек, которому предопределено установить ценности на тысячелетия. Скрытный, проникший повсюду, человек без друзей, оттолкнувший от себя любую родину, любой покой. Что составляет высокий стиль: быть господином своему счастью и своему несчастью:
2.Мой дар можно будет принять лишь тогда, когда появятся достойные принять его: для этого нужен ранговый порядок. Величайшие события осознаются позже всего. — Поэтому я должен быть законодателем.
3.Время его появления: опаснейшая середина, когда можно прийти к «последнему человеку», но также и —
— которое характеризуется величайшим событием: бог умер. Только люди еще не замечают, что живут лишь унаследованными ценностями. Всеобщая небрежность и расточительность.
4.Главное понимание: «добро» и «зло» рассматриваются сейчас с точки зрения «стадного животного». Цель — равенство людей. Я против этого. (Единый бог как подготовка стадной морали!)
Учитель о ранговом порядке.
5.Вожак, стадо и те, кто изолирован. Искусители.
6.Совершенные люди и осколки людей.
7.Удавшиеся и неудавшиеся.
8.Созидающие и оформляющие. Различие в силе.
9.Художники как малые завершители.
10.Люди науки как описатели и самые обширные органы.
11.Властвующие люди как попытки воспитания.
12.Основатели религий как попытки установить новые всеобщие ценности.
13.Чувство несовершенства: готовые к покаянию
14.Тяга к совершенству: благочестивые, прекрасные души, великая тоска
15.Сила, ищущая создавать в чем-нибудь совершенное (ремесленники, художники, чиновники, ученые и т.д.)
16.Земля лежит перед нами как мраморная мастерская: нужна господствующая раса, обладающая безусловной властью.

35 [75]

1. Заратустра просыпается в старой крепости. Слышит трубные звуки герольдов.
2. Испытание: «Со мной ли вы?»
3. Шествие на празднике роз.
4. Учение о ранговом порядке.
5. Ночью на мосту.

35 [76]

(49)

Что благородно? Предисловие к «Смешанным мнениям и изречениям»

— забота о внешнем, даже создание видимости, в слове, одежде, манерах, если эта забота выделяет, держит на отдалении, не дает спутать с другими.

— неторопливые жесты, спокойный взгляд. Не так уж много ценных вещей, и эти вещи сами стремятся к ценности. Нас трудно удивить.

— умение выносить бедность и нужду, а также болезни.

— привычка избегать мелких почестей, недоверие к каждому, кто легко хвалит, ибо хвалящий верит, будто понимает то, что хвалит; Бальзак, этот типично честолюбивый человек, выдал нам, что есть понимание: comprendre c'est égaler.

— наше сомнение в возможности сердечного общения идет из глубины; одиночество не выбирают, его нужно воспринимать как данность.

— убеждение, что обязанности есть только по отношению к равным себе, а с другими можно поступать по своему усмотрению, — что только inter pares можно надеяться на справедливость (и что мы, к сожалению, еще далеки от того, чтобы на нее рассчитывать).

— ирония по отношению к «одаренным»; вера в родовую аристократию даже в вопросах нравственности. «Аристократия духа» — любимое выражение евреев.

— всегда чувствовать себя человеком, раздающим почести; очень редко находится тот, кто может почтить его самого.

— всегда маскироваться; чем выше человек, тем больше нуждается он в incognito. Бог, существуй он на самом деле, должен был бы явиться в мир в образе человека хотя бы из чувства приличия.

— способность к otium, безусловное убеждение, что любое ремесло хотя и не позорит, но обязательно лишает благородства. Не «прилежание» в буржуазном смысле, как бы высоко мы его ни ценили; не походить на беспрестанно кудахтающих художников, которые ведут себя подобно курам — покудахтают, снесут яйцо и опять кудахтают.

— мы бережно относимся к художникам и поэтам, к каждому, кто достиг мастерства в своем деле, — как к тем, кто что-то может, просто как к «продуктивным людям»; не будем путать себя с ними.

— наслаждение формами: брать под защиту все формальное, убеждение, что вежливость есть одна из великих добродетелей; недоверие ко всем видам распущенности, включая свободу прессы и свободу мысли, так как в этом случае дух чувствует себя вольготно, глупеет и потягивается.

— удовольствие от женщин как от существ, быть может, более мелкого, но более тонкого и легкого вида. Какое счастье встречать существа, у которых в голове только танцы, глупости и наряды! Они приводят в восхищение души всех напряженно мыслящих и глубоких мужчин, чья жизнь отягощена великой ответственностью.

— удовольствие от общения с князьями и священнослужителями, ибо они по меньшей мере символически, а в общем и целом даже реально поддерживают веру в различия между человеческими ценностями, короче говоря, в ранговый порядок хотя бы при оценке прошлого.

— умение молчать — но об этом ни слова слушателям.

— умение выносить затяжную вражду; неспособность к легкому примирению.

— отвращение к демагогии, к «просвещению», к приветливости, к вульгарной фамильярности.

— собирание ценных вещей, удовлетворяющих потребностям высокой и разборчивой души; нежелание иметь что-либо общее с другими. Свои книги, свои ландшафты.

— мы сопротивляемся хорошему и дурному опыту и не торопимся обобщать. Единичный случай: как велика наша ирония по отношению к единичному случаю, если он наделен дурным вкусом и изображает из себя правило.

— мы любим наивное и наивных, но как созерцателей и высших существ, Фауста мы находим столь же наивным, как и его Гретхен.

— мы мало ценим добрых, видя в них стадных животных; мы знаем, что в самых дурных, злых и жестоких людях часто скрыта бесценная золотая капля доброты, которая любое добродушие и душевную мягкость — — —

— мы считаем, что человека нашего вида не опровергают ни его пороки, ни его глупости. Мы знаем, что нас трудно познать и что у нас есть все основания для того, чтобы быть скрытными.

35 [77]

Письма графа
изданные
Й. фон А.
Й. фон А.
 

После смерти моей матери.

Придумать анекдоты.

35 [78]

Предисловие.

Можно ли публиковать письма?— Один мой достойный уважения друг никогда не произносил слово «публичный» без злости. Девятнадцатое столетие, сказал он однажды, любит, как известно, истину; но именно этот его вкус противоречит моему вкусу! Боюсь, если и дальше так пойдет, то станут писать только публичные письма. Да, сказал он в другой раз, может случиться, что какой-нибудь приличный человек всю свою мораль заключит в одну фразу: «Ты должен лгать»! Милостивый государь, вы должны лгать — обязательно и постоянно! Или же и вы сами есть то, что представляет из себя весь мир, — нечто «публичное»! — Таким было его тайное мнение о вкусах нашего столетия. Когда я задумался над тем, какое название дать собранию его писем и мнений, мне пришло в голову озаглавить их так: «Зеркало. Возможность увидеть собственное отражение. Для европейцев». Надеюсь, из этого безвкусного названия можно будет, по крайней мере, понять, какое значение я сам придаю этим письмам — и почему позволяю себе, именно из ненависти ко всему, что сегодня называют «публичным», опубликовать эти письма.

35 [79]

Столетие шпильманов (погребенные без почестей)

(Галиани), убийцы, скука.

35 [80]

Немцы
вчерашнего и послезавтрашнего дня

К вопросу о критике немецкой души

35 [81]

Демагоги в искусстве — Гюго, Мишле, Санд, Р. Вагнер.

35 [82]

Пессимистический образ мышления и учение, экстатический нигилизм в известных условиях могут непременно понадобиться именно философу — как мощное давление и молот, которым он уничтожит и уберет с пути вырождающиеся и умирающие расы, проложить путь новому жизненному порядку и внушить тягу к гибели всему, что вырождается и отмирает.

Замедлению и углублению народов и рас могут — пессимистический образ мыслей, религия отрицания и бегства от мира, экстатические попытки лишить жизнь чувственности, обезобразить ее.

35 [83]

Но когда я таким образом выражаю свою озабоченность и готовлю пространный ответ на подобный вопрос — ах, быть может, я и сам всего лишь пространный ответ на этот вопрос? — уже слышу я этот ломающийся и злобный голос.

35 [84]

Gai saber.
Прелюдия к философии будущего.
Сочинение
Фридриха Ницше.

К мистралю.
Введение.
Первая книга: предубеждения философов.
Вторая книга: по ту сторону добра и зла.
Третья книга: к художникам.
Четвертая книга: зеркало. Возможность для европейцев увидеть собственное отражение.
Пятая книга: благородная душа.
Среди друзей. Припев.
Идеальный монастырь для сохранения нежных растений
Будущее музыки — музыка европейцев
Музыка высокого стиля
Ловушки языка
Вагнерианство и гегельянство как средства одурманивания
«Классический» — неприменимое слово в музыке
Отшельники, как Гёте, Бетховен, и демагогические, или придворные, или продажные художники.
Образование музыкантов.
Против «национальных» устремлений в искусстве
Понятие культуры; стиль и т.д.
Отрицание пессимизма, как и всех эвдемонических точек зрения.

III К художникам. Новое понятие созидающего; дионисийское начало. Новые праздники. Просветление.
«Совершенная бесконечность»
Боль и наслаждение
Цель
Ценностные суждения во вкусовых ощущениях, красках, звуках

Установление понятий
возможность иного толкования мира — но с сохранением основополагающих положений
Болезненное в философах
Причина и следствие
домашнее хозяйство
«persona»

Язык Лютера, Библия как основа новой поэтической формы.

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