12, 2[1-210] Herbst 1885 - Herbst 1886
2 [1]
Es giebt eine vornehme und gefährliche Nachlässigkeit, welche einen tiefen Schluß und Einblick gewährt: die Nachlässigkeit der überreichen Seele, die sich nie um Freunde bemüht hat, sondern nur die Gastfreundschaft kennt, immer nur Gastfreundschaft übt und zu üben versteht—Herz und Haus offen für Jedermann, der eintreten will, seien es nun Bettler oder Krüppel oder Könige. Dies ist die ächte Leutseligkeit: wer sie hat, hat hundert “Freunde,” aber wahrscheinlich keinen Freund.
2 [2]
Dieser herrliche Geist, sich selbst jetzt genug und gut gegen Überfälle vertheidigt und abgeschlossen:—ihr zürnt ihm wegen seiner Burg und Heimlichkeit und schaut dennoch neugierig durch das goldne Gitterwerk, mit dem er sein Reich umzäunt hat?—neugierig und verführt: denn ein unbekannter undeutlicher Duft bläst euch boshaft an und erzählt etwas von verschwiegenen Gärten und Seligkeiten.
2 [3]
Wir sind mitten im gefährlichen Carneval des Nationalitäten-Wahnsinns, wo alle feinere Vernunft sich bei Seite geschlichen hat und die Eitelkeit der ruppigsten Winkel-Völker nach den Rechten der Sonder-Existenz und Selbstherrlichkeit schreit—wie man heute es den Polen, der vornehmsten Artung der slavischen Welt, verargen Hoffnungen zu unterhalten und
man sagt mir, daß D dabei das große Wort spreche.
2 [4]
Halkyonische Zwischenreden.
Zur Erholung von “Also sprach Zarathustra”
seinen Freunden geweiht
von
Friedrich Nietzsche
2 [5]
Das ausschließliche Interesse, was jetzt in Deutschland den Fragen der Macht, dem Handel und Wandel und—zu guterletzt—dem “Gut-leben” geschenkt wird, das Heraufkommen des parlamentarischen Blödsinns, des Zeitungslesens und der litteratenhaften Mitsprecherei von Jedem über Jegliches, die Bewunderung eines Staatsmannes, der von Philosophie eben so viel weiß und hält als ein Bauer oder Corpsstudent und seine kühne rücksichtenlose Augenblicks-Politik durch eine alterthümliche Verbrämung mit Royalismus und Christenthum dem deutschen Geschmacke (oder Gewissen—) “acceptabler” zu machen glaubt—: alles das hat in dem unheimlichen und vielfach anziehenden Jahre 1815 seinen Ursprung. Da fiel plötzlich die Nacht hernieder für den deutschen Geist, der bis dahin einen langen fröhlichen Tag gehabt hatte: das “Vaterland,” die Grenze, die Scholle, der Vorfahr—alle Arten Bornirtheit begannen plötzlich ihre Rechte geltend zu machen. Damals erwachte oben die Reaktion und Beängstigung, die Furcht vor dem deutschen Geiste, und folglich unten der Liberalismus und Revolutionismus und das ganze politische Fieber—man versteht dies Folglich. Seitdem—seit es politisirt—verlor Deutschland die geistige Führerschaft von Europa: und jetzt gelingt es mittelmäßigen Engl, die D
2 [6]
Die vorletzten Jahrhunderte. —
Deutschland hat erst in dem 17. und 18. Jahrhundert seine eigenste Kunst, die Musik, auf die Höhe gebracht: man vergebe es einem mitunter melancholischen Beobachter, wenn er die deutsche Musik des neunzehnten Jahrhunderts auch nur als eine glänzende vielfache und gelehrte Form des Verfalls zu erkennen vermag. Es hat in demselben vielverlästerten Jahrhundert ebenfalls in den bildenden Künsten eine verschwenderische Lust und Kraft gezeigt: der deutsche Barockstil in Kirche und Pallast gehört als Nächstverwandter zu unsrer Musik—u bildet im Reiche der Augen dieselbe Gattung von Zaubern und Verführungen, welche unsere Musik für einen anderen Sinn ist. Zwischen Leibnitz und Schopenhauer (geboren 1788) hat Deutschland den ganzen Kreis origineller Gedanken ausgedacht, also ebenfalls innerhalb jener Jahrhunderte:—und auch diese Philosophie, mit ihrem Zopf und Begriffs-Spinngewebe, ihrer Geschmeidigkeit, ihrer Schwermuth, ihrer heimlichen Unendlichkeit und Mystik gehört zu unserer Musik und ist eine Art Barokko im Reiche der Philosophie.
2 [7]
Dem Geiste, den wir begreifen—, dem gleichen wir nicht: dem sind wir überlegen!
2 [8]
Was noch jung ist und auf schwachen Beinen steht, macht immer das lauteste Geschrei: denn es fällt noch zu oft um. Zum Beispiel der “Patriotismus” im heutigen Europa, “die Liebe zum Vaterlande,” die nur ein Kind ist:—man soll den kleinen Schreihals ja nicht zu ernst nehmen!
2 [9]
An meine Freunde.
Dieses Buch, welches in einem weiten Umkreis von Ländern und Völkern seine Leser zu finden gewußt hat und irgend eine Kunst verstehen muß, durch die auch spröde und widerspänstige Ohren verführt werden: gerade dieses Buch ist meinen näheren Freunden am unverständlichsten geblieben:—es war ihnen, als es erschien, ein Schrecken und ein Fragezeichen und legte eine lange Entfremdung zwischen sie und mich. In der That, der Zustand, aus dem es entsprang, hatte genug des Räthselhaften und Widersprechenden an sich: ich war damals zugleich sehr glücklich und sehr leidend—Dank einem großen Siege, den ich über mich selbst davongetragen hatte, einem jener gefährlichen Siege, an denen man zu Grunde zu gehen pflegt. Eines Tages—es war im Sommer 1876—kam mir eine plötzliche Verachtung und Einsicht: und von da an gieng ich unbarmherzig über all die schönen Wünschbarkeiten hinweg, an die meine Jugend ihr Herz verschenkt hatte
2 [10]
Der Nationalitäten-Wahnsinn und die Vaterlands-Tölpelei sind für mich ohne Zauber: “Deutschland, Deutschland über Alles” klingt mir schmerzlich in den Ohren, im Grunde, weil ich von den Deutschen mehr will und wünsche als—. Ihr erster Staatsmann, in dessen Kopfe sich braver Grund von Royalismus und Christenthum mit einer rücksichtenlosen Augenblicks-Politik verträgt, der nicht mehr von der Philosophie berührt ist als ein Bauer oder ein Corpsstudent, erregt meine ironische Neugierde. Es scheint mir sogar nützlich, daß es einige Deutsche giebt, die gegen das d R gleichgültig geblieben sind: nicht einmal als Zuschauer, sondern als Wegblickende. Wohin blicken sie denn? Es giebt wichtigere Dinge, gegen welche gerechnet diese Fragen nur Vordergrunds-Fragen sind: z.B. das wachsende Heraufkommen des demokratischen Mannes und die daduruch bedingte Verdummung Europas und Verkleinerung des europäischen Menschen.
2 [11]
Das intellectuelle Gewissen.
Versuch einer Kritik der geistigeren Menschen.
Der Philosoph. Der freie Geist. Der Künstler. Der religiöse Mensch. Der Gelehrte. Der vornehme Mensch. Dionysos.
2 [12]
Inter pares: ein Wort, das trunken macht,—so viel Glück und Unglück schließt es für den ein, welcher ein ganzes Leben allein war; der Niemandem begegnet ist, welcher zu ihm gehörte, ob er schon auf vielerlei Wegen gesucht hat; der im Verkehre immer der Mensch der wohlwollenden und heiteren Verstellung, der gesuchten und oft gefundenen Anähnlichung sein mußte und jene gute Miene zum bösen Spiele aus allzulanger Erfahrung kennt, welche “Leutseligkeit” heißt,—mitunter freilich auch jene gefährlichen herzzerreißenden Ausbrüche aller verhehlten Unseligkeit, aller nicht erstickten Begierde, aller aufgestauten und wild gewordenen Ströme der Liebe,—den plötzlichen Wahnsinn jener Stunde, wo der Einsame einen Beliebigen umarmt und als Freund und Zuwurf des Himmels und kostbarstes Geschenk behandelt, um ihn eine Stunde später mit Ekel von sich zu stoßen,—mit Ekel nunmehr vor sich selber, wie beschmutzt, wie erniedrigt, wie sich selbst entfremdet, wie an seiner eignen Gesellschaft krank —.
2 [13]
Dies ist mein Mißtrauen, das immer wieder kommt, meine Sorge, die sich mir nie schlafen legt, meine Frage, welche Niemand hört oder hören mag, meine Sphinx, neben der nicht nur Ein Abgrund ist:—ich glaube, wir täuschen uns heute über die Dinge, welche wir Europäer am höchsten lieben, und ein grausamer (oder nicht einmal grausamer, nur gleichgültiger und kindsköpfischer) Kobold spielt mit unserem Herzen und seiner Begeisterung, wie er vielleicht mit Allem schon gespielt hat, was sonst lebte und liebte—: ich glaube, daß Alles, was wir in Europa heute als “Humanität,” “Moralität,” “Menschlichkeit,” “Mitgefühl,” “Gerechtigkeit” zu verehren gewohnt sind, zwar als Schwächung und Milderung gewisser gefährlicher und mächtiger Grundtriebe einen Vordergrunds-Werth haben mag, aber auf die Länge hin trotzdem nichts Anderes ist als die Verkleinerung des ganzen Typus “Mensch”—seine endgültige Vermittelmäßigung, wenn man mir in einer verzweifelten Angelegenheit ein verzweifeltes Wort nachsehen will; ich glaube, daß die commedia umana für einen epikurischen Zuschauer-Gott darin bestehen müßte, daß die Menschen vermöge ihrer wachsenden Moralität, in aller Unschuld und Eitelkeit sich vom Thiere zum Range der “Götter” und zu überirdischen Bestimmungen zu erheben wähnen, aber in Wahrheit sinken, das heißt durch Ausbildung aller der Tugenden, vermöge deren eine Heerde gedeiht, und durch Zurückdrängung jener andren und entgegengesetzten, welche einer neuen höheren stärkeren herrschaftlichen Art den Ursprung geben, eben nur das Heerdenthier im Menschen entwickeln und vielleicht das Thier “Mensch” damit feststellen—denn bisher war der Mensch das “nicht festgestellte Thier”—; ich glaube, daß die große vorwärts treibende und unaufhaltsame demokratische Bewegung Europa’s—das, was sich “Fortschritt” nennt—und ebenso schon deren Vorbereitung und moralisches Vorzeichen, das Christenthum—im Grunde nur die ungeheure instinktive Gesammt-Verschwörung der Heerde bedeutet gegen alles, was Hirt, Raubthier, Einsiedler und Cäsar ist, zu Gunsten der Erhaltung und Heraufbringung aller Schwachen, Gedrückten, Schlecht-Weggekommenen, Mittelmäßigen, Halb-Mißrathenen, als ein in die Länge gezogener, erst heimlicher, dann immer selbstbewußterer Sklaven-Aufstand gegen jede Art von Herr, zuletzt noch gegen den Begriff “Herr,” als ein Krieg auf Leben und Tod wider jede Moral, welche aus dem Schooße und Bewußtsein einer höheren stärkeren, wie gesagt herrschaftlichen Art Mensch entspringt,—einer solchen, die der Sklaverei in irgend welcher Form und unter irgend welchem Namen als ihrer Grundlage und Bedingung bedarf; ich glaube endlich, daß bisher jede Erhöhung des Typus Mensch das Werk einer aristokratischen Gesellschaft war, welche an eine lange Leiter der Rangordnung und Werthverschiedenheit von Mensch und Mensch glaubte und die Sklaverei nöthig hatte: ja daß ohne das Pathos der Distanz, wie es aus dem eingefleischten Unterschiede der Stände, aus dem beständigen Anblick und Herabblick der herrschenden Kaste auf unterthänige und Werkzeuge und ihrer ebenso beständigen Übung im Befehlen, Nieder- und Fernhalten erwächst, auch jenes andre geheimnißvollere Pathos gar nicht entstehen kann, jenes Verlangen nach immer neuer Distanz-Erweiterung innerhalb der Seele selbst, die Herausbildung immer höherer, seltnerer, fernerer, weitgespannterer, umfänglicherer Zustände, kurz die “Selbst-Überwindung des Menschen,” um eine moralische Formel in einem übermoralischen Sinne zu nehmen. Eine Frage kommt mir immer wieder, eine versucherische und schlimme Frage vielleicht: sei sie denen in’s Ohr gesagt, welche ein Recht auf solche fragwürdige Fragen haben, den stärksten Seelen von heute, welche sich selbst auch am besten in der Gewalt haben: wäre es nicht an der Zeit, je mehr der Typus “Heerdenthier” jetzt in Europa entwickelt wird, mit einer grundsätzlichen künstlichen und bewußten Züchtung des entgegengesetzten Typus und seiner Tugenden den Versuch zu machen? Und wäre es für die demokratische Bewegung nicht selber erst eine Art Ziel, Erlösung und Rechtfertigung, wenn Jemand käme, der sich ihrer bediente—, dadurch daß endlich sich zu ihrer neuen und sublimen Ausgestaltung der Sklaverei, als welche sich einmal die Vollendung der europäischen Demokratie darstellen wird, jene höhere Art herrschaftlicher und cäsarischer Geister hinzufände, welche diese neue Sklaverei nun auch—nöthig hat? Zu neuen, bisher unmöglichen, zu ihren Fernsichten? Zu ihren Aufgaben?
2 [14]
Unsre vier Cardinal-Tugenden: Muth, Mitleid, Einsicht und Einsamkeit—sie würden sich selber unerträglich sein, wenn sie sich nicht mit einem heiteren und spitzbübischen Laster verbrüdert hätten, genannt “Höflichkeit.” —
2 [15]
Grausamkeit kann die Erleichterung von gespannten und stolzen Seelen sein, von solchen, die gewohnt sind, beständig gegen sich Härten auszuüben; es ist ein fest für sie geworden, endlich einmal wehe zu thun, leiden zu sehn—alle kriegerischen Rassen sind grausam; Grausamkeit kann, umgekehrt, auch eine Art Saturnalien gedrückter und willensschwacher Wesen sein, von Sklaven, von Frauen des Serails, ein kleiner Kitzel der Macht,—es giebt eine Grausamkeit böser und auch eine Grausamkeit schlechter und geringer Seelen.
2 [16]
Was ist vornehm?
Glaube an die Rangordnung.
Arbeit (über Künstler, Gelehrte usw.)
Heiterkeit (Symptom des Wohlgerathenseins).
Herren-Moral und Heerden-Moral.
2 [17]
Die genannten Schriften, sorgsam und langwierig befragt, möchten als Mittel benutzt werden, um vielleicht den Zugang zum Verständniß eines noch höheren und schwierigeren Typus zu erschließen, als es selbst Typus des freien Geistes ist:—es führt kein anderer Weg zum Verständniß von
* * *
Schriften aus der Jugend desselben Verfassers.
Die Geburt der Tragödie. 1. Auflage 1872. 2. Aufl.
Unzeitgemässe Betrachtungen 1873-76.
2 [18]
Ein Gott der Liebe könnte eines Tages sprechen, gelangweilt durch seine Tugend: “versuchen wir’s einmal mit der Teufelei!”—und siehe da, ein neuer Ursprung des Bösen! Aus Langeweile und Tugend!— —
2 [19]
“Das Paradies ist unter dem Schatten der Schwerter”—auch ein Symbolon und Kerbholz-Wort, an dem sich Seelen vornehmer und kriegerischer Abkunft verrathen und errathen. —
2 [20]
“Geradezu stoßen die Adler.” Die Vornehmheit der Seele ist nicht am wenigsten an der prachtvollen und stolzen Dummheit zu erkennen, mit der sie angreift—“geradezu.”
2 [21]
Es giebt auch eine Verschwendung unsrer Leidenschaften und Begierden, nämlich in der bescheidenen und kleinbürgerlichen Art, in der wir sie befriedigen:—was den Geschmack verdirbt, noch mehr aber die Ehrfurcht und Furcht vor uns selber. Der zeitweilige Ascetismus ist das Mittel, sie zu stauen,—ihnen Gefährlichkeit und großen Stil zu geben — —
2 [22]
In Hinsicht darauf, was fruchtbare Geister zu oberst und zu unterst nöthig haben, um nicht an den Würmern ihres Gewissens zu leiden—nämlich “Eier legen, gackern, Eier brüten” und so weiter mit oder ohne Grazie—mögen sie sich mit gutem Grunde, wie es Stendhal und Balzac gethan haben,—Keuschheit zur Diät verordnen. Und mindestens darf man nicht zweifeln, daß gerade dem “Genie” das Ehebett noch verhängnißvoller sein kann als concubinage und libertinage.— Auch in vieler andrer Hinsicht—zum Beispiel, was “Nachkommenschaft” betrifft—muß man mit sich bei Zeiten zu Rathe gehn und sich entscheiden: aut liberi aut libri.
2 [23]
Lange nachgedacht über jenen Ursprungsheerd der religiösen Genialität und folglich auch des “metaphysischen Bedürfnisses,” die “religiöse Neurose”;—unwillig eingedenk jenes in Frankreich berühmten und selbst sprichwörtlichen Ausdrucks, der so viel über die “Gesundheit” des französischen Geistes zu verstehen giebt: “le génie est une neurose.” —
2 [24]
— Und nochmals gesagt: die Bestie in uns will belogen werden,—Moral ist Nothlüge.
2 [25]
“Du scheinst mir Schlimmes im Schilde zu führen, sagte ich einmal zu dem Gotte Dionysos: nämlich die Menschen zu Grunde zu richten?”— “Vielleicht, antwortete der Gott, aber so, daß dabei etwas für mich heraus kommt.”— Was denn? fragte ich neugierig.— “Wer denn? solltest du fragen.” Also sprach Dionysos und schwieg darauf, in der Art, welche ihm zu eigen ist, nämlich versucherisch.— Ihr hättet ihn dabei sehen sollen! Es war Frühling, und alles Holz stand in jungem Safte.
2 [26]
Jenseits von Gut und Böse.
Vorspiel
einer Philosophie der Zukunft.
Von
Friedrich Nietzsche.
2 [27]
Jenseits von Gut und Böse.
Allerhand Nachdenkliches
für halkyonische Geister.
Von
Friedrich Nietzsche.
2 [28]
Mein leidlich radikales Fragezeichen bei allen euren Straf-Gesetzgebungen ist dieses: gesetzt, daß die Strafen proportional wehe thun sollen gemäß der Größe des Verbrechens—und so wollt ihr’s ja Alle im Grunde! nun, so müßten sie jedem Verbrecher proportional seiner Empfindlichkeit für Schmerz zugemessen werden:—daß heißt, es dürfte eine vorherige Bestimmung der Strafe für ein Vergehen, es dürfte einen Strafcodex gar nicht geben? Aber, in Anbetracht, daß es nicht leicht gelingen möchte, bei einem Verbrecher die Grad-Skala seiner Lust und Unlust festzustellen, so würde man in praxi wohl auf das Strafen verzichten müssen? Welche Einbuße! Nicht wahr? Folglich— —
2 [29]
Die Musik offenbart nicht das Wesen der Welt und ihren “Willen” wie es Schopenhauer behauptet hat (der sich über die Musik betrog wie über das Mitleiden und aus dem gleichen Grunde—er kannte beide zu wenig aus Erfahrung—): die Musik offenbart nur die Herrn Musiker! Und sie wissen es selber nicht!— Und wie gut vielleicht, daß sie es nicht wissen! —
2 [30]
Unsere Tugenden.
Allerhand Fragen und Fragwürdiges
für feinere Gewissen.
Von
Friedrich Nietzsche.
2 [31]
Unsere Tugenden.
Fingerzeige zu einer Moral der Zukunft.
Von
Friedrich Nietzsche.
Von der Stärke der Seele.
Von der Redlichkeit.
Von der Heiterkeit.
Vom Willen zur Einsamkeit.
“Was ist vornehm?”
2 [32]
Die Philosophen der Zukunft.
Eine Rede.
1.
Ist heute solch eine Größe möglich? —
2.
Aber vielleicht morgen, vielleicht übermorgen.— Ich sehe neue Ph heraufkommen usw.
2 [33]
Es giebt ein Mißverständniß der Heiterkeit, welches nicht zu heben ist: aber wer es theilt, darf zuletzt gerade damit zufrieden sein.— Wir, die wir zum Glücke flüchten—: wir, die wir jede art Süden und unbändige Sonnenfülle brauchen und uns dorthin an die Straße setzen, wo das Leben sich wie ein trunkener Fratzen-Festzug—als etwas das von Sinnen bringt—vorüberwälzt; wir, die wir gerade das vom Glücke verlangen, daß es “von Sinnen” bringt: scheint es nicht, daß wir ein Wissen haben welches wir fürchten? Mit dem wir nicht allein sein wollen? Ein Wissen, vor dessen Druck wir zittern, vor dessen Flüstern wir bleich werden? Diese hartnäckige Abkehr von den traurigen Schauspielen, diese verstopften und harten Ohren gegen alles Leidende, diese tapfere, spöttische Oberflächlichkeit, dieser willkürliche Epicureismus des Herzens, welcher nichts warm und ganz haben will und die Maske als ihre letzte Gottheit und Erlöserin anbetet: dieser Hohn gegen den Melancholiker des Geschmacks, bei dem wir immer auf Mangel an Tiefe rathen—ist das nicht alles nur Lebenshaß? Es scheint, wir wissen uns selber als allzu zerbrechlich, vielleicht schon als zerbrochen und unheilbar; es scheint, wir fürchten diese Hand des Lebens, daß es uns zerbrechen muß, und flüchten uns in seinen Schein, in seine Falschheit, seine Oberfläche und bunte Betrügerei; es scheint, wir sind heiter, weil wir ungeheuer traurig sind. Wir sind ernst, wir kennen den Abgrund: deshalb wehren wir uns gegen alles Ernste.
wir lächeln bei uns über die Melancholiker des Geschmacks—ach wir beneiden sie noch, indem wir sie verspotten!—denn wir sind nicht glücklich genug, um uns ihre zarte Traurigkeit gestatten zu können. Wir müssen noch den Schatten der Traurigkeit fliehen: unsere Hölle und Finsterniß ist uns immer zu nahe. Wir haben ein Wissen, welches wir fürchten, mit dem wir nicht allein sein wollen; wir haben einen Glauben, vor dessen Druck wir zittern, vor dessen flüstern wir bleich werden—die Ungläubigen scheinen uns selig. Wir kehren uns ab von den traurigen Schauspielen, wir verstopfen das Ohr gegen das Leidende, das Mitleiden würde uns sofort zerbrechen, wenn wir nicht uns verhärten wüßten. Bleib uns tapfer zur Seite, spöttischer Leichtsinn: kühle uns, Wind, der über Gletscher gelaufen ist: wir wollen nichts mehr ans Herz nehmen, wir wollen zur Maske beten
Es ist etwas an uns, das leicht zerbricht: wir fürchten die zerbrechenden kindischen Hände? wir gehen dem Zufall aus dem Wege und retten uns
2 [34]
Ich habe Richard Wagner mehr geliebt und verehrt als irgend sonst Jemand; und hätte er nicht zuletzt den schlechten Geschmack—oder die traurige Nöthigung—gehabt, mit einer mir unmöglichen Qualität von “Geistern” gemeinsame Sache zu machen, mit seinen Anhängern, den Wagnerianern, so hätte ich keinen Grund gehabt, mich schon bei seinen Lebzeiten Lebewohl zu sagen: ihm, dem Tiefsten und Kühnsten, auch Verkanntesten aller Schwer-Zu erkennenden von heute, dem begegnet zu sein meiner Erkenntniß mehr als irgend eine andere Begegnung förderlich gewesen ist. Vorangestellt, was voran steht, daß seine Sache und meine Sache nicht verwechselt werden wollten, und daß es ein gutes Stück Selbst-Überwindung bedurfte, ehe ich dergestalt “Sein” und “Mein” mit gebührendem Schnitte zu trennen lernte. Daß ich über das außerordentliche Problem des Schauspielers zur Besinnung gekommen bin—ein Problem, das mir vielleicht ferner liegt als irgend ein andres, aus einem schwer aussprechbaren Grunde—daß ich den Schauspieler im Grunde jedes Künstlers entdeckte und wiedererkannte, das Typisch-Künstlerhafte, dazu bedurfte es der Berührung mit jenem—und es scheint mir, daß ich von Beiden höher u schlimmer denke als ein früherer Philos.— Die Verbesserung des Theaters geht mich wenig an, seine “Verkirchlichung” noch weniger; die eigentliche Wagnerische Musik gehört mir nicht genug zu—ich würde sie zu meinem Glücke und zu meiner Gesundheit entbehren können (quod erat demonstrandum et demonstratum). Was mir am fremdesten an ihm war, die Deutschthümelei und Halbkirchlichkeit seiner letzten Jahre
2 [35]
Eine neue Denkweise—welche immer eine neue Meßweise ist und das Vorhandensein eines neuen Maaßstabes, einer neuen Empfindungs-Skala voraussetzt—fühlt sich im Widerspruche mit alten Denkweisen und sagt, indem sie ihnen widerstrebt, beständig “das ist falsch.” Feiner zugesehn, heißt solch ein “das ist falsch” eigentlich nur “ich fühle darin nichts von mir,” “ich mache mir nichts daraus” “ich begreife nicht, wie ihr nicht mit mir fühlen könnt”
2 [36]
Von der Loslösung.
Von der Verhärtung.
Von der Maske.
Von der Rangordnung.
Europäisch und über-europäisch.
2 [37]
Man hat immer etwas Nöthigeres zu thun, als sich zu verheirathen: Himmel, so ist mirs immer gegangen!
2 [38]
Jenseits von Gut und Böse.
Fingerzeige zu einer Moral der Stärksten.
2 [39]
Maske und Mittheilung.
2 [40]
Die Philosophen der Zukunft.
Zur Naturgeschichte des freien Geistes.
Unsere Tugenden.
Völker und Vaterländer.
Die Entweiblichung.
homo religiosus.
2 [41]
Zur Naturgeschichte des höheren Menschen.
Gedanken eines Erziehers.
1. Die Philosophen von Ehedem.
2. Künstler und Dichter.
3. Das religiöse Genie.
4. Wir Tugendhaften.
5. Das Weib.
6. Die Gelehrten.
7. Die “Versucher.”
8. Völker und Vaterländer.
9. Weisheit der Maske.
10. Moral-Psychologie.
Sprüche und Gedanken-Striche.
Was ist vornehm?
Anhang. Lieder des Prinzen Vogelfrei.
2 [42]
Jenseits von Gut und Böse.
Vorspiel
einer Philosophie der Zukunft.
Mit einem Anhang: Lieder und Pfeile des Prinzen Vogelfrei.
Von
Friedrich Nietzsche.
2 [43]
Zur Naturgeschichte des höheren Menschen.
Gedankenstriche eines Psychologen.
1. Der Philosoph.
2. Der freie Geist.
3. Das religiöse Genie.
4. Zur Moral-Psychologie
5. Was ist vornehm?
6. Völker und Vaterländer.
7. Das Weib an sich.
8. Die Gelehrten.
9. Wir Tugendhaften.
10. Weisheit und Maske.
11. Die Kommenden.
12. Sprüche eines Schweigsamen.
Anhang. Lieder und Pfeile des Prinzen Vogelfrei.
2 [44]
Vorrede.
1. Was war der Philosoph?
2. Zur Naturgeschichte des freien Geistes.
3. Selbstgespräch eines Psychologen.
4. Das Weib an sich.
5. Das religiöse Genie.
6. Wir Gelehrten.
7. Wir Tugendhaften.
8. Was ist vornehm?
9. Völker und Vaterländer.
10. Die Masken.
11. Die Versucher. Dionysos.
Anhang:
Inhalts-Verzeichniß.
2 [45]
Nichts von Advokat: kein Parteimann; mißtrauisch gegen das, was man “Überzeugung” nennt; ungläubig gegen Unglauben;
2 [46]
Zur Naturgeschichte des höheren Menschen.
Gedanken eines Müssiggängers.
Von
Friedrich Nietzsche.
2 [47]
Jenseits von Gut und Böse.
Selbstgespräche
eines
Psychologen.
Mit einem Anhang: Lieder und Pfeile des Prinzen Vogelfrei.
Von
Friedrich Nietzsche.
Anhang:
Lieder und Pfeile
des
Prinzen Vogelfrei.
1. An den Mistral.
2. An Goethe.
3. An gewisse Lobredner.
4. Sils-Maria.
5. Einsiedlers Mittag.
6. Nach neuen Meeren.
7. “Die Tauben von San Marco”
8. Über der Hausthür.
9. Der ächte Deutsche.
10. Parsifal-Musik.
11. An Spinoza.
12. Rimus remedium.
13. Narr in Verzweiflung.
14. Nachgesang.
2 [48]
Das Weib ist so wenig sich selbst genug, daß es sich lieber noch schlagen läßt als —
2 [49]
In den meisten Lieben giebt es Einen, der spielt, und Einen, der mit sich spielen läßt: Amor ist vor Allem ein kleiner Theater-Regisseur.
2 [50]
Inhalt:
| Vorrede. 1. Von den Vorurtheilen der Philosophen. 2. Der freie Geist. 3. Das religiöse Genie. Das religiöse Wesen. 4. Das Weib an sich. Sprüche und Zwischenspiele. 5. Zur Naturgeschichte der Moral. |
| 6. Wir Gelehrten | “Carcasse, tu trembles? Tu |
| 7. Unsere Tugenden. | tremblerais bien davantage, si tu |
| 8. Völker und Vaterländer. | savais, où je te mène.” |
| 9. Masken. | Turenne. |
| 10. Was ist vornehm? Anhang: Lieder und Pfeile des Prinzen Vogelfrei. |
2 [51]
Selbstgespräche
eines Psychologen.
Von
Friedrich Nietzsche
Zur Naturgeschichte des höheren Menschen.
Was ist vornehm?
2 [52]
Sprüche und Selbstgespräche.
Mit einer gereimten Zuthat.
Von
Friedrich Nietzsche.
2 [53]
Jenseits von Gut und Böse
Vorspiel
einer Philosophie der Zukunft.
Einleitung.
Erstes Buch: von den Vorurtheilen der Philosophen.
Zweites Buch: Fingerzeige einer Moral-Psycholo
Drittes Buch: wir Europäer. Eine Gelegenheit zur Selbstbespiegelung.
2 [54]
Jenseits von Gut und Böse.
Von
Friedrich Nietzsche.
2 [55]
Vorletztes Capitel
Alkuin der Angelsachse, der den königlichen Beruf des Philosophen so bestimmte:
prava corrigere, et recta corroborare, et sancta sublimare.
2 [56]
Corruption des kräftigen Naturmenschen im Zwang der civilisirten Städte (—geräth zu den aussätzigen Bestandtheilen, lernt da das schlechte Gewissen)
2 [57]
Es wird von nun an günstige Vorbedingungen für umfänglichere Herrschafts-Gebilde geben, deren Gleichen es noch nicht gegeben hat. Und dies ist noch nicht das Wichtigste; es ist die Entstehung von internationalen Geschlechts-Verbänden möglich gemacht, welche sich die Aufgabe setzten, eine Herren-Rasse heraufzuzüchten, die zukünftigen “Herren der Erde”;—eine neue, ungeheure, auf der härtesten Selbst-Gesetzgebung aufgebaute Aristokratie, in der dem Willen philosophischer Gewaltmenschen und Künstler-Tyrannen Dauer über Jahrtausende gegeben wird:—eine höhere Art Mensch, welche sich Dank ihrem Übergewicht von Wollen, Wissen, Reichthum und Einfluß des demokratischen Europas bedienten als ihres gefügigsten und beweglichsten Werkzeugs, um die Schicksale der Erde in die Hand zu bekommen, um “am Menschen” selbst als Künstler zu gestalten.
Genug, die Zeit kommt, wo man über Politik umlernen wird.
2 [58]
ich glaube, wir ermangeln der politischen Leidenschaft: wir würden es unter einem demokr Himmel so gut als unter einem abs mit Ehren aushalten.
2 [59]
Zu 1
Zuletzt aber: wozu müßte man das, was kommen wird, so laut und mit solchem Ingrimm sagen! Sehen wir es kälter, ferner, klüger, höher an, sagen wir es, wie es unter uns gesagt werden darf, so heimlich, daß alle Welt es überhört,—daß alle Welt uns überhört ... Nenne man es eine Fortsetzung.
2 [60]
Wie? Das Drama ist der Zweck, die Musik immer nur das Mittel? Das mag Ws Theorie sein: seine Praxis war dagegen: die (dramatische) Attitüde ist der Zweck, die Musik immer nur Mittel zu einer Attitüde (zu ihrer Verdeutlichung, Verstärkung, Verinnerlichung—)
2 [61]
Die Entwicklung der mechanistisch-atomistischen Denkweise ist sich heute ihres nothwendigen Ziels immer noch nicht bewußt;—das ist mein Eindruck, nachdem ich lange genug ihren Anhängern zwischen die Finger gesehen habe. Sie wird mit der Schaffung eines Systems von Zeichen endigen: sie wird auf Erklären verzichten, sie wird den Begriff “Ursache und Wirkung” aufgeben.
2 [62]
Nicht täuschen wollen—und sich nicht täuschen lassen wollen: das ist etwas als Gesinnung und Wille Grundverschiedenes, aber der eine wie der andere Hang pflegt sich des Wortes “Philosophie” zu bedienen, sei es zum Schmuck oder zum Versteck oder aus Mißverständniß.
2 [63]
Die Physiologen sollten sich besinnen, den Erhaltungstrieb als kardinalen Trieb eines organischen Wesens anzusetzen: vor allem will etwas Lebendiges seine Kraft auslassen: die “Erhaltung” ist nur eine der Consequenzen davon.— Vorsicht vor überflüssigen teleologischen Principien! Und dahin gehört der ganze Begriff “Erhaltungstrieb.”
2 [64]
Jeder Philoktet weiß, daß ohne seinen Bogen und seine Pfeile Troja nicht erobert wird.
2 [65]
In media vita.
Selbstgespräche eines Psychologen.
Von
Friedrich Nietzsche.
2 [66]
— Zur Vorrede.— Vielleicht eine Fortsetzung: der Künstler-Philosoph (bisher Wissenschaftlichkeit, Stellung zur Religion und Politik erwähnt): höherer Begriff der Kunst. Ob der Mensch sich so fern stellen kann von den anderen Menschen, um an ihnen zu gestalten? (Vorübungen: 1) der Sich-selbst-Gestaltende, der Einsiedler 2) der bisherige Künstler, als der kleine Vollender, an einem Stoffe (nein!)
— dazu gehört die Rangfolge der höheren Menschen, welche dargestellt werden muß.
— Ein Capitel: Musik.— Zur Lehre vom “Rausche” (Aufzählung, z.B. Anbetung der petits faits)—Deutsche und französische und italienische Musik. (Unsere politisch niedrigsten Zeiten die fruchtbarsten:—)
Die Slaven?
— das kulturhistorische Ballet:—hat die Oper überwunden.
— ein Irrthum, daß das, was W geschaffen hat, eine Form sei,—es ist eine Formlosigkeit. Die Möglichkeit eines dramatischen Baus ist immer noch zu finden. Schauspieler-Musik und Musiker-Musik
— Rhythmisches. Der Ausdruck um jeden Preis.
— zu Ehren von “Carmen.”
— zu Ehren von H. Schütz (und “Liszt-Verein”— )
— hurenhafte Instrumentation
— zu Ehren Mendelssohn’s: ein Element Goethe darin, und nirgends sonst! ebenso wie ein andres Element Goethe in der Rahel zur Vollendung kam! ein drittes H. Heine
Zum Capitel “freier Geist.”— 1) Ich will ihn nicht “verherrlichen”: ein Wort zu Gunsten der gebundenen Geister.
2) die Lasterhaftigkeit des Intellekts: der Beweis aus der Lust ( “es macht mich glücklich, also ist es wahr”) Dabei die Eitelkeit zu unterstreichen in dem “mich.”
Zum Capitel “unsere Tugenden”: 3) neue Form der Moralität: Treue-Gelübde in Vereinen über das, was man lassen und thun will, ganz bestimmte Entsagung von Vielem. Proben, ob reif dazu. —
Zum Capitel “religiöses Genie.” 1) das Mysterium, die vorbildliche Geschichte einer Seele ( “Drama”—bedeutet?)
2) die Ausdeutbarkeit des Geschehens, der Glaube an den “Sinn” wird Dank der Religion festgehalten—
3) in wiefern die höhere Seele auf Unkosten der niederen wächst und gedeiht?
4) was widerlegt ist, ist die Moral des Christenthums als essentiell in den Welt-Seelegeschicken:—womit noch nicht der Wille beseitigt ist, sie hineinzubringen und herrschend zu machen.— Letzteres könnte zuletzt doch nur eine Don-Quixoterie sein:—aber dies wäre kein Grund, gering von ihr zu denken!
5) inwiefern das religiöse Genie eine Abart des künstlerischen ist:—die gestaltende Kraft.
6) inwiefern erst das Künstler-Gewissen die Freiheit vor “wahr” und “unwahr” giebt. Der unbedingte “Glaube” zu verwandeln in den unbedingten Willen — —
7) religiöse Litteratur, der Begriff “heiliges Buch.”
zu “unsere Tugenden.” Woran wir unsere Wissenschaftlichkeit auslassen können, das nehmen wir nicht mehr schwer und ernst: eine Art Immoralität.
Zum Capitel “Naturgeschichte der Moral.” Corruption, was ist das? Z.B. der natürl kräftigen Mensch der in die Städte kommt. Z.B. der französ Aristokraten, vor der französischen Revolution.
Zum Capitel “Mann und Weib.”
Der Sieg des Mannes über das Weib, überall wo die Cultur anhebt.
NB. magister liberalium artium et hilaritatum.
NB. ich habe irgend etwas bei den Hörnern gepackt—nur zweifle ich, ob es gerade ein Stier war —
2 [67]
“Ich” “Subjekt” als Horizont-Linie. Umkehrung des Perspektivischen Blicks.
2 [68]
Am Leitfaden des Leibes. Das sich theilende Protoplasma. 1/2 + 1/2 nicht = 1, sondern = 2. wird der Glaube an die Seelen-Monas hinfällig.
Selbst Erhaltung nur als eine der Folgen der Selbsterweiterung. seines “Selbst”?
2 [69]
Die mechanische Kraft ist uns nur als ein Widerstandsgefühl bekannt: und dieses wird mit Druck und Stoß nur sinnfällig ausgelegt, nicht erklärt.
Welcher Art ist der Zwang, den eine stärkere Seele auf eine schwächere ausübt?— Und es wäre möglich, daß der anscheinende “Ungehorsam” gegen die höhere Seele im Nicht-verstehen-ihres-Willens beruhte. z.B. ein Fels läßt sich nicht kommandiren. Aber es bedarf eben einer langsamen Grad- und Rangverschiedenheit: nur die Nächst-verwandten können sich verstehen und folglich kann es hier Gehorsam geben.
Ob es möglich, alle Bewegungen als Zeichen eines seelischen Geschehens zu fassen? Naturwissenschaft als eine Symptomatologie —
Es ist vielleicht falsch, weil die Lebens-Gebilde sehr klein sind (Zellen z.B.) nun nach noch kleineren Einheiten, “Kraft-Punkten” usw. zu suchen?
Das Vorstadium der Herrschafts-Gebilde
Hingebung an die Person (Vater, Vorfahr, Fürst, Priester, Gott) als Erleichterung der Moral.
2 [70]
Jenseits von Gut und Böse
| — | Problem des Gesetzgebers. |
| Am Leitfaden des Leibes. Mechanismus und Leben. | |
| Der Wille zur Macht. | |
| — | Auslegung, nicht Erkenntniß. Zur Methoden-Lehre. |
| Die ewige Wiederkunft. | |
| — | Der Künstler. Cultur und deren Unterbau. |
| — | Wir Gottlosen. |
| — | Musik und Cultur. |
| — | Von großer und kleiner Politik. |
| “Mysterium.” | |
| — | Die Guten und Gerechten. |
| Die Gelobenden. | |
| — | Zur Geschichte des Pessimismus. |
| — | Erziehung. |
2 [71]
Zum “Zarathustra”
Calina: braunroth, alles zu scharf in der Nähe. Höchster Sommer. Gespenstisch
Sipo Matador.
Und wer sagt es, daß wir dies nicht wollen? Welche Musik und Verführung! Da ist nichts, das nicht vergiftete, verlockte, annagte, umwürfe, umwerthete!
I Der entscheidende Moment:
Die Rangordnung. 1) Zerbrecht die Guten und Gerechten!
2)
Die ewige Wiederkunft.
Mittag und Ewigkeit.
Buch des Wahrsagers.
2 [72]
Mittag und Ewigkeit.
Von
F. N.
I Das Todtenfest. Zarathustra findet ein ungeheures Fest vor:
II Die neue Rangordnung:
III Von den Herrn der Erde.
IV Vom Ring der Wiederkunft.
2 [73]
Die Titel von 10 neuen Büchern: (Frühling 1886.)
Gedanken über die alten Griechen.
Von
Friedrich Nietzsche.
Inwiefern im Werden Alles entartet und unnatürlich wird. Die Entartung der Renaissance — der Philologie
Beispiel für die unmoralischen Grundbedingungen einer höheren Cultur, einer Erhöhung des Menschen.
Der Wille zur Macht.
Versuch einer
neuen Welt-Auslegung.
Die Künstler.
Hintergedanken eines Psychologen
Von
Friedrich Nietzsche.
Wir Gottlosen
Von
Friedrich Nietzsche
Mittag und Ewigkeit.
Von
Friedrich Nietzsche
Jenseits von Gut und Böse.
Vorspiel einer Philosophie der Zukunft.
Von
Friedrich Nietzsche.
Gai saber.
Lieder des Prinzen Vogelfrei.
Von Friedrich Nietzsche.
Musik.
Von Friedrich Nietzsche
Erfahrungen eines Schriftgelehrten.
Von
Friedrich Nietzsche.
Zur Geschichte der modernen
Verdüsterung.
Von
Friedrich Nietzsche.
2 [74]
Der Wille zur Macht. |
| 1. Physiologie der Rangordnung. 2. Der große Mittag. 3. Zucht und Züchtung. 4. Die ewige Wiederkunft. |
2 [75]
Die ewige Wiederkunft. Buch neuer Feste und Wahrsagungen.
Die ewige Wiederkunft.
Heilige Tänze und Gelöbnisse.
Mittag und Ewigkeit.
Heilige Tänze der Wiederkünftigen.
2 [76]
(28)
Von der Rangordnung:
Zu I. Zur Physiologie der Macht.
Die Aristokratie im Leibe, die Mehrheit der Herrschenden (Kampf der Gewebe?
Die Sklaverei und die Arbeitstheilung: der höhere Typus nur möglich durch Herunterdrückung eines niederen auf eine Funktion
Lust und Schmerz kein Gegensatz. Das Gefühl der Macht.
Ernährung nur eine Consequenz der unersättlichen Aneignung, des Willens zur Macht.
Die Zeugung, der Zerfall eintretend bei der Ohnmacht der herrschenden Zellen das Angeeignete zu organisiren.
Die gestaltende Kraft ist es, die immer neuen “Stoff” (noch mehr “Kraft”) vorräthig haben will. Das Meisterstück des Aufbaues eines Organismus aus dem Ei.
“Mechanistische Auffassung”: will nichts als Quantitäten: aber die Kraft steckt in der Qualität: die Mechanistik kann also nur Vorgänge beschreiben, nicht erklären.
Der “Zweck.” Auszugehn von der “Sagacität” der Pflanzen.
Begriff der “Vervollkommnung”: nicht nur größere Complicirtheit, sondern größere Macht (—braucht nicht nur größere Masse zu sein—)
Schluß auf die Entwicklung der Menschheit: die Vervollkommnung besteht in der Hervorbringung der mächtigsten Individuen, zu deren Werkzeug die größte Menge gemacht wird (und zwar als intelligentestes und beweglichstes Werkzeug)
Die Künstler als die kleinen Gestaltenden. Die Pedanterie der “Erzieher” dagegen
Die Strafe: Aufrecht-Erhaltung eines höheren Typus.
Die Isolation.
Falsche Lehren aus der Geschichte. Weil etwas Hohes mißrieth oder mißbraucht wurde (wie die Aristokratie) ist es nicht widerlegt!
2 [77]
Der Anschein des Leeren und Vollen, des Festen und Lockeren, des Ruhenden und Bewegten und des Gleichen und Ungleichen.
| (der absolute Raum | der älteste Anschein ist zur |
| (die Substanz | Metaphysik gemacht. |
— es sind die menschlich-thierischen Sicherheits-Werthmaaße darin.
Unsere Begriffe sind von unserer Bedürftigkeit inspirirt.
Die Aufstellung der Gegensätze entspricht der Trägheit (eine Unterscheidung, die zur Nahrung, Sicherheit usw. genügt, gilt als “wahr”)
— simplex veritas!— Gedanke der Trägheit.
Unsere Werthe sind in die Dinge hineininterpretirt.
Giebt es denn einen Sinn im An-sich??
Ist nicht nothwendig Sinn aber Beziehungs-sinn und Perspektive?
Aller Sinn ist Wille zur Macht (alle Beziehungs-Sinne lassen sich in ihn auflösen).
Ein Ding = seine Eigenschaften = diese aber gleich allem, was uns an diesem Dinge angeht: eine Einheit, unter der wir die für uns in Betracht kommenden Relationen zusammenfassen. Im Grunde die an uns wahrgenommenen Veränderungen (—ausgelassen die, welche wir nicht wahrnehmen z.B. seine Elektrizität). In summa: Objekt ist die Summe der erfahrenen Hemmungen, die uns bewußt geworden sind. Eine Eigenschaft drückt also immer etwas von “nützlich” oder “schädlich” für uns aus. Die Farben z.B.—jede entspricht einem Lust- oder Unlustgrade und jeder Lust- und Unlustgrad ist das Resultat von Schätzungen über “nützlich” und “unnützlich.”— Ekel.
2 [78]
Themata.
Ausdeutung, nicht Erklärung.
Reduktion der logischen Werthurtheile auf moralische und politische (Werth der Sicherheit, der Ruhe, der Faulheit ( “kleinste Kraft”) usw.
Das Problem des Künstlers, seine Moralität (Lüge, Schamlosigkeit, Erfindungsgabe für das ihm fehlende).
Die Verleumdung der unmoralischen Triebe: in Consequenz betrachtet eine Verneinung des Lebens.
Das Unbedingte und woher die idealen Züge stammen, die man ihm beimißt.
Die Strafe als Züchtungsmittel.
Gravitation mehrfach ausdeutbar: wie alles angeblich “Faktische.”
Das Prädikat drückt eine Wirkung aus, die auf uns hervorgebracht ist (oder werden könnte) nicht das Wirken an sich; die Summe der Prädikate wird in Ein Wort zusammengefaßt. Irrthum, daß das Subjekt causa sei.— Mythologie des Subjekt-Begriffs. (der “Blitz” leuchtet—Verdoppelung—die Wirkung verdinglicht.
Mythologie des Causalitäts-Begriffs. Trennung von “Wirken” und “Wirkendem” grundfalsch. Der Schein des Unverändert-Bleibenden, nach wie vor — —
Unsere europäische Cultur—worauf sie drängt, im Gegensatz zur buddhistischen Lösung in Asien?
Religion, wesentlich Lehre der Rangordnung, sogar Versuch einer kosmischen Rang- und Machtordnung.
| Schwäche | ||
| Lüge, Verstellung | ||
| Dummheit | ||
| Herrschsucht | in wiefern idealisirend? | |
| Neugierde | ||
| Habsucht | ||
| Grausamkeit |
2 [79]
Meine Schriften sind sehr gut vertheidigt: wer zu ihnen greift und sich dabei vergreift als Einer, der kein Recht auf solche Bücher hat—der macht sich sofort lächerlich—, ein kleiner Anfall von Wuth treibt ihn, sein Innerstes und Lächerlichstes auszuschütten: und wer wüßte nicht, was da immer herauskommt! Litteratur-Weiberchen, wie sie zu sein pflegen, mit krankhaften Geschlechtsorganen und mit Tintenklexen auf den Fingern —
Die Unfähigkeit, das Neue und Originale zu sehen: die plumpen Finger, die eine Nuance nicht zu fassen wissen, der steife Ernst, der über ein Wort stolpert und zu Falle kommt: die Kurzsichtigkeit, welche vor dem ungeheuren Reiche ferner Landschaften bis zur Blindheit sich steigert
Habe ich mich je über mein Schicksal beklagt, zu wenig gelesen, so schlecht verstanden zu sein? Aber für wie Viele darf denn überhaupt etwas Außerordentliches geschaffen werden!— Meint ihr denn, daß Gott die Welt um der Menschen willen geschaffen hat?
2 [80]
Zur Einleitung.
Die düstere Einsamkeit und Oede der campagna Romana, die Geduld im Ungewissen
Jedes Buch als eine Eroberung, Griff—tempo lento— —bis zum Ende dramatisch geschürzt, zuletzt Katastrophe und plötzliche Erlösung.
2 [81]
(15)
Es ist nur eine Sache der Kraft: alle krankhaften Züge des Jahrhunderts haben, aber ausgleichen in einer überreichen plastischen wiederherstellenden Kraft. Der starke Mensch: Schilderung
2 [82]
Jenseits von Gut und Böse.
Zweiter und letzter Theil
Vorrede.
Auslegung, nicht Erklärung. Es giebt keinen Thatbestand, alles ist flüssig, unfaßbar, zurückweichend; das Dauerhafteste sind noch unsere Meinungen. Sinn-Hineinlegen—in den meisten Fällen eine neue Auslegung über eine alte unverständlich gewordene Auslegung, die jetzt selbst nur Zeichen ist.
Zur Physiologie der Macht. Eine Betrachtung, bei der der Mensch seine stärksten Triebe und seine Ideale (und sein gutes Gewissen) als identisch fühlt.
Wir Gottlosen.
Was sind Künstler?
Recht und Gesetzgebung.
Zur Geschichte der modernen Verdüsterung.
Die Schauspielerei.
Von den Guten und Gerechten.
Rang und Rangordnung.
An den Mistral. Ein Tanzlied.
Jenseits von Gut und Böse als Auf-hellung für Einige als tiefste Verdüsterung für Viele.
Zur Geschichte der modernen Verdüsterung.
Psychologie des Künstlers.
Von der Schauspielerei.
Das Problem des Gesetzgebers.
Die Gefahr in der Musik.
Auslegung, nicht Erkenntniß.
Die Guten und Gerechten.
Von großer und kleiner Politik.
Wir Gottlosen.
An den Mistral. Tanzlied.
In 30 Seiten.
2 Bogen.
(Vorrede: das Gemeinsame meiner Schriften)
Auslegung, nicht Erklärung.
Zur Physiologie der Macht.
Von der Schauspielerei
Zur Geschichte der modernen Verdüsterung
Wir Gottlosen.
Die Guten und Gerechten.
Von der Rangordnung.
Recht und Gesetzgebung.
Künstler
2 [83]
(7)
Der Mensch glaubt sich als Ursache, als Thäter —
alles, was geschieht, verhält sich prädikativ zu irgend welchem Subjekte
In jedem Urtheile steckt der ganze volle tiefe Glauben an Subjekt und Prädikat oder an Ursache und Wirkung; und dieser letztere Glaube (nämlich als die Behauptung daß jede Wirkung Thätigkeit sei und daß jede Thätigkeit einen Thäter voraussetze) ist sogar nur ein Einzelfall des ersteren, so daß der Glaube als Grundglaube übrig bleibt: es giebt Subjekte
Ich bemerke etwas und suche nach einem Grund dafür: das heißt ursprünglich: ich suche nach einer Absicht darin und vor allem nach einem der Absichten hat, nach einem Subjekt, einem Thäter:—ehemals sah man in allem Geschehen Absichten, alles Geschehen war Thun. Dies ist unsere älteste Gewohnheit. Hat das Thier sie auch? Ist es, als Lebendiges, nicht auch auf die Interpretation nach sich angewiesen?— Die Frage “warum?” ist immer die Frage nach der causa finalis, nach einem “Wozu?” Von einem “Sinn der causa efficiens” haben wir nichts: hier hat Hume Recht, die Gewohnheit (aber nicht nur die des Individuums!) läßt uns erwarten, daß ein gewisser oft beobachteter Vorgang auf den andern folgt: weiter nichts! Was uns die außerordentliche Festigkeit des Glaubens an Causalität giebt, ist nicht die große Gewohnheit des Hintereinander von Vorgängen, sondern unsere Unfähigkeit, ein Geschehen anders interpretiren zu können als ein Geschehen aus Absichten. Es ist der Glaube an das Lebendige und Denkende als das einzig Wirkende—an den Willen, die Absicht—daß alles Geschehn ein Thun sei, daß alles Thun einen Thäter voraussetze, es ist der Glaube an das “Subjekt.” Sollte dieser Glaube an den Subjekt- und Prädikat-Begriff nicht eine große D sein?
Frage: ist die Absicht Ursache eines Geschehens? Oder ist auch das Illusion? Ist sie nicht das Geschehen selbst?
“Anziehen” und “Abstoßen” im rein mechanischen Sinne ist eine vollständige Fiktion: ein Wort. Wir können uns ohne eine Absicht ein Anziehen nicht denken: dh. ohne eine Absicht.— Den Willen sich einer Sache zu bemächtigen oder gegen ihre Macht uns zu wehren und sie zurückzustoßen—das “verstehen wir”: das wäre eine Interpretation, die wir brauchen könnten.
Kurz: die psychologische Nöthigung an einem Glauben an Causalität liegt in der Unvorstellbarkeit eines Geschehens ohne Absichten: womit natürlich über Wahrheit oder Unwahrheit (Berechtigung eines solchen Glaubens) nichts gesagt ist. Der Glaube an causae fällt mit dem Glauben an (gegen Spinoza und dessen Causalismus).
2 [84]
(30)
Das Urtheilen ist unser ältester Glaube, unser gewohntestes für-Wahr- oder für-Unwahrhalten
Im Urtheile liegt unser ältester Glaube vor, in allem Urtheilen giebt es ein Fürwahrhalten oder für Unwahrhalten, ein Behaupten oder Leugnen, eine Gewißheit, daß etwas so und nicht anders ist, ein Glaube, hier wirklich “erkannt” zu haben—was wird in allem Urtheilen als wahr geglaubt?
Was sind Prädikate?— Wir haben Veränderungen an uns nicht als solche genommen, sondern als ein “an sich,” das uns fremd ist, das wir nur “wahrnehmen”: und wir haben sie nicht als ein Geschehen, sondern als ein Sein gesetzt, als “Eigenschaft”—und ein Wesen hinzuerfunden, an dem sie haften. d.h. wir haben die Wirkung als Wirkendes angesetzt und das Wirkende als Seiendes. Aber auch noch in dieser Formulirung ist der Begriff “Wirkung” willkürlich: denn von jenen Veränderungen, die an uns vorgehen und von denen wir bestimmt glauben, nicht selbst die Ursachen zu sein, schließen wir nur, daß sie Wirkungen sein müssen: nach dem Schluß: “zu jeder Veränderung gehört ein Urheber;”— Aber dieser Schluß ist schon Mythologie: er trennt das Wirkende und das Wirken. Wenn ich sage “der Blitz leuchtet,” so habe ich das Leuchten einmal als Thätigkeit und das andere Mal als Subjekt gesetzt: also zum Geschehen ein Sein supponirt, welches mit dem Geschehen nicht eins ist, vielmehr bleibt, ist, und nicht “wird.”— Das Geschehen als Wirken anzusetzen: und die Wirkung als Sein: dies ist der doppelte Irrthum, oder Interpretation, deren wir uns schuldig machen. Also z.B. “der Blitz leuchtet”—: “leuchten” ist ein Zustand an uns: aber wir nehmen ihn nicht als Wirkung auf uns, und sagen: “etwas Leuchtendes” als ein “An sich” und suchen dazu einen Urheber, den “Blitz.”
2 [85]
(32)
Die Eigenschaften eines Dings sind Wirkungen auf andere “Dinge”: denkt man andere “Dinge” weg, so hat ein Ding keine Eigenschaften d.h. es giebt kein Ding ohne andere Dinge d.h. es giebt kein “Ding an sich.”
2 [86]
(30)
Was kann allein Erkenntniß sein?— “Auslegung,” nicht “Erklärung.”
2 [87]
(32)
Alle Einheit ist nur als Organisation und Zusammenspiel Einheit: nicht anders als wie ein menschliches Gemeinwesen eine Einheit ist: also Gegensatz der atomistischen Anarchie; somit ein Herrschafts-Gebilde, das Eins bedeutet, aber nicht eins ist.
Man müßte wissen, was Sein ist, um zu entscheiden, ob dies und jenes real ist (z.B. “die Thatsachen des Bewußtseins”); ebenso was Gewißheit ist, was Erkenntniß ist und dergleichen.— Da wir das aber nicht wissen, so ist eine Kritik des Erkenntnißvermögens unsinnig: wie sollte das Werkzeug sich selber kritisiren können, wenn es eben nur sich zur Kritik gebrauchen kann? Es kann nicht einmal sich selbst definiren!
Wenn alle Einheit nur als Organisation Einheit ist? aber das “Ding” an das wir glauben, ist nur als Ferment zu verschiedenen Prädikaten hinzuerfunden. Wenn das Ding “wirkt,” so heißt das: wir fassen alle übrigen Eigenschaften, die sonst noch hier vorhanden sind und momentan latent sind, als Ursache, daß jetzt eine einzelne Eigenschaft hervortritt: d.h. wir nehmen die Summe seiner Eigenschaften—x als Ursache der Eigenschaft x: was doch ganz dumm und verrückt ist!
“Das Subjekt” oder das “Ding”
2 [88]
(33)
Eine Kraft, die wir uns nicht vorstellen können (wie die sogenannte rein mechanische Anziehungs- und Abstoßungskraft) ist ein leeres Wort und darf kein Bürgerrecht in der Wissenschaft haben: welche uns die Welt vorstellbar machen will, nichts weiter!
Alles Geschehen aus Absichten ist reduzirbar auf die Absicht der Mehrung von Macht.
2 [89]
Illusion, daß etwas erkannt sei, wo wir eine mathematische Formel für das Geschehen haben: es ist nur bezeichnet, beschrieben: nichts mehr!
2 [90]
(31)
Gleichheit und Ähnlichkeit.
1) das gröbere Organ sieht viele scheinbare Gleichheit
2) der Geist will Gleichheit d.h. einen Sinneneindruck subsumiren unter eine vorhandene Reihe: ebenso wie er Unorganisches sich assimilirt.
Zum Verständniß der Logik : : : der Wille zur Gleichheit ist der Wille zur Macht.
— der Glaube, daß etwas so und so sei, das Wesen des Urtheils, ist die Folge eines Willens, es soll so viel als möglich gleich sein.
2 [91]
(30)
Wenn unser “Ich” uns das einzige Sein ist, nach dem wir Alles sein machen oder verstehen: sehr gut! dann ist der Zweifel sehr am Platze ob hier nicht eine perspektivische Illusion vorliegt—die scheinbare Einheit, in der wie in einer Horizontlinie alles sich zusammenschließt. Am Leitfaden des Leibes zeigt sich eine ungeheure Vielfachheit; es ist methodisch erlaubt, das besser studirbare reichere Phänomen zum Leitfaden für das Verständniß des ärmeren zu benutzen. Endlich: gesetzt alles ist Werden, so ist Erkenntniß nur möglich auf Grund des Glaubens an Sein.
2 [92]
Die Sinneswahrnehmungen nach “außen” projicirt: “innen” und “außen”—da kommandirt der Leib—?
— dieselbe gleichmachende und ordnende Kraft, welche im Idioplasma waltet, waltet auch beim Einverleiben der Außenwelt: unsere Sinneswahrnehmungen sind bereits das Resultat dieser Anähnlichung und Gleichsetzung in Bezug auf alle Vergangenheit in uns; sie folgen nicht sofort auf den “Eindruck” —
2 [93]
(34)
Inwiefern die Dialektik und der Glaube an die Vernunft noch auf moralischen Vorurtheilen ruht. Bei Plato sind wir als einstmalige Bewohner einer intelligibelen Welt des Guten noch im Besitz eines Vermächtnisses jener Zeit: die göttliche Dialektik, als aus dem Guten stammend, führt zu allem Guten. (—also gleichsam “zurück”—) Auch Descartes hatte einen Begriff davon, daß in einer christlich-moralischen Grunddenkweise, welche an einen guten Gott als Schöpfer der Dinge glaubt, die Wahrhaftigkeit Gottes erst uns unsre Sinnesurtheile verbürgt. Abseits von einer religiösen Sanktion und Verbürgung unsrer Sinne und Vernünftigkeit—woher sollten wir ein Recht auf Vertrauen gegen das Dasein haben! Daß das Denken gar ein Maaß des Wirklichen sei,—daß was nicht gedacht werden kann, nicht ist,—ist ein plumpes non plus ultra einer moralistischen Vertrauens-seligkeit (auf ein essentielles Wahrheits-Princip im Grund der Dinge), an sich eine tolle Behauptung, der unsre Erfahrung in jedem Augenblick widerspricht. Wir können gerade gar nichts denken, in wiefern es ist ...
2 [94]
Wir können schlecht genug die Entstehung eines Qualität's Urtheiles beobachten
Reduktion der Qualitäten auf Werthurtheile.
2 [95]
Unsere Wahrnehmungen, wie wir sie verstehen: d.i. die Summe aller der Wahrnehmungen, deren Bewußtwerden uns und dem ganzen organischen Prozesse vor uns nützlich und wesentlich war: also nicht alle Wahrnehmungen überhaupt (z.B. nicht die elektrischen) Das heißt: wir haben Sinne nur für eine Auswahl von Wahrnehmungen—solcher, an denen uns gelegen sein muß, um uns zu erhalten. Bewußtsein ist so weit da, als Bewußtsein nützlich ist. Es ist kein Zweifel, daß alle Sinneswahrnehmungen gänzlich durchsetzt sind mit Werthurtheilen (nützlich schädlich—folglich angenehm oder unangenehm) Die einzelne Farbe drückt zugleich einen Werth für uns aus (obwohl wir es uns selten oder erst nach langem ausschließlichem Einwirken derselben Farbe (z.B. Gefangene im Gefängniß oder Irre) eingestehn) Deshalb reagiren Insekten auf verschiedene Farben anders: einige lieben sie z.B. Ameisen.
2 [96]
Ironie gegen die, welche das Christenthum durch die modernen Naturwissenschaften überwunden glauben. Die christlichen Werthurtheile sind damit absolut nicht überwunden. “Christus am Kreuze” ist das erhabenste Symbol—immer noch. —
2 [97]
Gesundheit und Krankhaftigkeit: man sei vorsichtig! Der Maaßstab bleibt die Efflorescenz des Leibes, die Sprungkraft, Muth und Lustigkeit des Geistes—aber, natürlich auch, wie viel von Krankhaftem er auf sich nehmen u überwinden kann—gesund machen kann. Das, woran die zarteren Menschen zu Grunde gehen würden, gehört zu den Stimulanz-Mitteln der großen Gesundheit.
2 [98]
(35)
Armut, Demuth und Keuschheit—gefährliche und verleumderische Ideale, aber, wie Gifte, in gewissen Krankheitsfällen, nützliche Heilmittel z.B. in der römischen Kaiserzeit.
Alle Ideale sind gefährlich, weil sie das Thatsächliche erniedrigen und brandmarken, alle sind Gifte, aber als zeitweilige Heilmittel unentbehrlich
2 [99]
Wie hat sich der gesammte organische Prozeß verhalten gegen die übrige Natur?— Da enthüllt sich sein Grundwille.
2 [100]
Der Wille zur Macht.
Versuch
einer Umwerthung aller Werthe.
In vier Büchern.
| Erstes Buch: | die Gefahr der Gefahren (Darstellung des Nihilismus) (als der nothwendigen Consequenz der bisherigen Werthschätzungen) |
| Zweites Buch: | Kritik der Werthe (der Logik usw. |
| Drittes Buch: | das Problem des Gesetzgebers (darin die Geschichte der Einsamkeit) Wie müssen Menschen beschaffen sein, die umgekehrt werthschätzen?— Menschen, die alle Eigenschaften der modernen Seele haben, aber stark genug sind, sie in lauter Gesundheit umzuwandeln |
| Viertes Buch: | der Hammer ihr Mittel zu ihrer Aufgabe.— |
| Sils-Maria, Sommer 1886 |
| Ungeheure Gewalten sind entfesselt: aber sich widersprechend |
| die entfesselten Kräfte sich gegenseitig vernichtend |
| die entfesselten Kräfte neu zu binden, daß sie sich nicht gegenseitig vernichten und |
| Augen aufmachen für die wirkliche Vermehrung an Kraft! |
| Überall die Disharmonie aufzuzeigen, zwischen dem Ideal und seinen einzelnen Bedingungen (z.B. Redlichkeit bei Christen, welche fortwährend zur Lüge gezwungen sind) |
Zu Buch 2.
Im demokratischen Gemeinwesen, wo Jedermann Spezialist ist, fehlt das Wozu? Für Wen? der Stand, in dem alle die tausendfältige Verkümmerung aller Einzelnen (zu Funktionen) Sinn bekommt.
| Die Entwicklung | der Sinnlichkeit | ||
| der Grausamkeit | |||
| der Rache | |||
| der Narrheit | zur Summe | ||
| der Habsucht | der Cultur. | ||
| der Herrschsucht | |||
| usw. |
| Über |
| Die Gefahr in allen bisherigen Idealen |
| Kritik der indischen und chinesischen Denkweise, ebenso der christlichen (als Vorbereitungen zu einer nihilistischen—) |
| Die Gefahr der Gefahren: Alles hat keinen Sinn. |
(2) |
| Der Hammer: eine Lehre, welche durch Entfesselung des todsüchtigsten Pessimismus eine Auslese der Lebensfähigsten bewirkt |
2 [101]
Der Rückschluß vom Werk auf den Schöpfer: die furchtbare Frage, ob die Fülle oder die Entbehrung, der Wahnsinn des Entbehrens zum Schaffen drängt: der plötzliche Blick dafür, daß jedes romantische Ideal eine Selbstflucht, eine Selbst-Verachtung und Selbst-Verurtheilung dessen ist, der es erfindet.
Es ist zuletzt eine Sache der Kraft: diese ganze romantische Kunst könnte von einem Überreichen und willensmächtigen Künstler ganz ins Antiromantische—oder um meine Formel zu brauchen—ins Dionysische umgebogen werden, ebenso wie jede Art Pessimismus und Nihilismus in der Hand des Stärksten nur ein Hammer und Werkzeug mehr wird, mit dem man sich ein neues Paar Flügel zulegt.
Ich erkannte mit Einem Blick, daß Wagner zwar sein Ziel erreicht, aber nur so wie Napoleon sein Moskau erreicht hatte—an jeder Etappe war so viel verloren, unersetzbar verloren, daß gerade am Ende des ganzen Aufmarsches und scheinbar im Augenblick des Siegs das Schicksal schon entschieden war. Verhängnißvoll die Verse Brünnhildes—so kam Napoleon nach Moskau (R. Wagner nach Bayreuth—)
Sich mit keinen krankhaften und von vornherein besiegten Mächten verbünden —
Hätte ich mir selber mehr getraut: mir hat die Wagner Unfähigkeit zu gehn (noch mehr zu tanzen—und ohne Tanz giebt es für mich keine Erholung und Seligkeit) immer Noth gemacht.
Das Verlangen nach vollständigen Passionen ist verrätherisch: wer ihrer fähig ist, verlangt den Zauber des Gegentheils d.h. der Skepsis. Die von Grund aus Gläubigen haben ihre gelegentliche Wohlthat und Erholung in der Scepsis.
Wagner von den Entzückungen redend, die er dem christlichen Abendmahle abzugewinnen wisse: dies entschied bei mir, er galt mir als besiegt.— Es kam hinzu, daß ein Mißtrauen bei mir erwachte, ob er nicht für nützlich hielte zum Zweck seiner neuen Einbürgerung in Deutschland etwas den Christen und Neubekehrten zu spielen: dies Mißtrauen schadete ihm noch mehr bei mir als der Verdruß, auf einen alt werdenden Romantiker Hoffnungen gesetzt zu haben, dessen Kniee schon müde genug zum Niederfallen vor dem Kreuze waren.
2 [102]
Der Glaube an den Leib ist fundamentaler als der Glaube an die Seele: letzterer ist entstanden aus den Aporien der unwissenschaftlichen Betrachtung des Leibes (etwas, das ihn verläßt. Glaube an die Wahrheit des Traumes —
2 [103]
Mißtrauen gegen die Selbstbeobachtung. Daß ein Gedanke Ursache eines Gedankens ist, ist nicht festzustellen. Auf dem Tisch unseres Bewußtseins erscheint ein Hintereinander von Gedanken, wie als ob ein Gedanke die Ursache des Folgenden sei. Thatsächlich sehen wir den Kampf nicht, der sich unter dem Tische abspielt. — —
2 [104]
Bei Plato als bei einem Menschen der überreizbaren Sinnlichkeit und Schwärmerei ist der Zauber des Begriffs so groß gewesen, daß er unwillkürlich den Begriff als eine Idealform verehrte und vergötterte. Dialektik-Trunkenheit, als das Bewußtsein, mit ihr eine Herrschaft über sich auszuüben — — als Werkzeug des Machtwillens.
2 [105]
Druck und Stoß etwas unsäglich Spätes, Abgeleitetes, Unursprüngliches. Es setzt ja schon Etwas voraus, das zusammenhält und drücken und stoßen kann! Aber woher hielte es zusammen?
2 [106]
Die Bedeutung der deutschen Philosophie (Hegel): einen Pantheismus auszudenken, bei dem das Böse, der Irrthum und das Leid nicht als Argumente gegen Göttlichkeit empfunden werden. Diese grandiose Initiative ist mißbraucht worden von den vorhandenen Mächten (Staat usw.), als sei damit die Vernünftigkeit des gerade Herrschenden sanktionirt.
Schopenhauer erscheint dagegen als hartnäckiger Moral-Mensch, welcher endlich, um mit seiner moral Schätzung Recht zu behalten, zum Welt-Verneiner wird. Endlich zum “Mystiker.”
Ich selbst habe eine ästhetische Rechtfertigung versucht: wie ist die Häßlichkeit der Welt möglich?— Ich nahm den Willen zur Schönheit, zum Verharren in gleichen Formen, als ein zeitweiliges Erhaltungs- und Heilmittel: fundamental aber schien mir das Ewig-Schaffende als das ewig-Zerstören-Müssende gebunden an den Schmerz. Das Häßliche ist die Betrachtungsform der Dinge, unter dem Willen, einen Sinn, einen neuen Sinn in das sinnlos Gewordene zu legen: die angehäufte Kraft, welche den Schaffenden zwingt, das Bisherige als unhaltbar, mißrathen, verneinungswürdig, als häßlich zu fühlen? —
Die Täuschung Apollos: die Ewigkeit der schönen Form; die aristokratische Gesetzgebung “so soll es immer sein!”
Dionysos: Sinnlichkeit und Grausamkeit. Die Vergänglichkeit könnte ausgelegt werden als Genuß der zeugenden und zerstörenden Kraft, als beständige Schöpfung.
2 [107]
NB. Die Religionen gehn an dem Glauben der Moral zu Grunde: der christlich-moralische Gott ist nicht haltbar: folglich “Atheismus”—wie als ob es keine andere Art Götter geben könne.
Insgleichen geht die Cultur am Glauben an die Moral zu Grunde: denn wenn die nothwendigen Bedingungen entdeckt sind, aus denen allein sie wächst, so will man sie nicht mehr: Buddhismus.
2 [108]
Daß der Werth der Welt in unserer Interpretation liegt (—daß vielleicht irgendwo noch andere Interpretationen möglich sind als bloß menschliche—) daß die bisherigen Interpretationen perspektivische Schätzungen sind, vermöge deren wir uns im Leben, das heißt im Willen zur Macht, zum Wachsthum der Macht erhalten, daß jede Erhöhung der Menschen die Überwindung engerer Interpretationen mit sich bringt, daß jede erreichte Verstärkung und Machterweiterung neue Perspektiven aufthut und an neue Horizonte glauben heißt—dies geht durch meine Schriften. Die Welt, die uns etwas angeht, ist falsch d.h. ist kein Thatbestand, sondern eine Ausdichtung und Rundung über einer mageren Summe von Beobachtungen; sie ist “im Flusse,” als etwas Werdendes, als eine sich immer neu verschiebende Falschheit, die sich niemals der Wahrheit nähert: denn—es giebt keine “Wahrheit.”
2 [109]
Die “Sinnlosigkeit des Geschehens”: der Glaube daran ist die Folge einer Einsicht in die Falschheit der bisherigen Interpretationen, eine Verallgemeinerung der Muthlosigkeit und Schwäche—kein nothwendiger Glaube.
Unbescheidenheit des Menschen: wo er den Sinn nicht sieht, ihn zu leugnen!
2 [110]
Zur “Geburt der Tragödie.”
Das “Sein” als die Erdichtung des am Werden Leidenden.
Ein Buch aus lauter Erlebnissen über ästhetische Lust- und Unlustzustände aufgebaut, mit einer Artisten-Metaphysik im Hintergrunde. Zugleich ein Romantiker-Bekenntniß, endlich ein Jugend-Werk voller Jugend-Muth und Melancholie. Der Leidendste verlangt am tiefsten nach Schönheit—er erzeugt sie.
Psychologische Grunderfahrungen: mit dem Namen “apollinisch” wird bezeichnet das entzückte Verharren vor einer erdichteten und erträumten Welt, vor der Welt des schönen Scheins als einer Erlösung vom Werden: auf den Namen des Dionysos ist getauft, andererseits, das Werden aktiv gefaßt, subjektiv nachgefühlt, aus wüthender Wollust des Schaffenden, der zugleich den Ingrimm des Zerstörenden kennt. Antagonismus dieser beiden Erfahrungen und der ihnen zu Grunde liegenden Begierden: die erstere will die Erscheinung ewig, vor ihr wird der Mensch stille, wunschlos, meeresglatt, geheilt, einverstanden mit sich und allem Dasein: die zweite Begierde drängt zum Werden, zur Wollust des Werden-machens d.h. des Schaffens und Vernichtens. Das Werden, von innen her empfunden und ausgelegt, wäre das fortwährende Schaffen eines Unbefriedigten, Überreichen, Unendlich-Gespannten und Gedrängten, eines Gottes, der die Qual des Seins nur durch beständiges Verwandeln und Wechseln überwindet:—der Schein als seine zeitweilige, in jedem Augenblick erreichte Erlösung; die Welt als die Abfolge göttlicher Visionen und Erlösungen im Scheine.— Diese Artisten-Metaphysik stellt sich der einseitigen Betrachtung Schopenhauer’s entgegen, welcher die Kunst nicht vom Künstler aus, sondern vom Empfangenden aus allein zu würdigen versteht: weil sie Befreiung und Erlösung im Genuß des Nicht-Wirklichen mit sich bringt, im Gegensatz zur Wirklichkeit (die Erfahrung eines an sich und seiner Wirklichkeit Leidenden und Verzweifelnden)—Erlösung in der Form und ihrer Ewigkeit (wie auch Plato es erlebt haben mag: nur daß dieser auch im Begriff schon den Sieg über seine allzu reizbare und leidende Sensibilität genoß) Dem wird die zweite Thatsache, die Kunst vom Erlebniß des Künstlers aus, entgegengestellt, vor Allem des Musikers: die Tortur des Schaffenmüssens, als dionysischer Trieb.
Die tragische Kunst, an beiden Erfahrungen reich, wird als Versöhnung des Apoll und Dionysos bezeichnet: der Erscheinung wird die tiefste Bedeutsamkeit geschenkt, durch Dionysos: und diese Erscheinung wird doch verneint und mit Lust verneint. Dies ist gegen Schopenhauer’s Lehre von der Resignation als tragische Weltbetrachtung gekehrt.
Gegen Wagner’s Theorie, daß die Musik Mittel ist, und das Drama Zweck.
Ein Verlangen nach dem tragischen Mythus (nach “Religion” und zwar pessimistischer Religion) (als einer abschließenden Glocke worin Wachsendes gedeiht)
Mißtrauen gegen die Wissenschaft: obwohl ihr augenblicklich lindernder Optimismus stark empfunden ist. “Heiterkeit des theoretischen Menschen.
Tiefer Widerwille gegen das Christenthum: warum? Die Entartung des deutschen Wesens wird ihm zugeschoben.
Nur aesthetisch giebt es eine Rechtfertigung der Welt. Gründlicher Verdacht gegen die Moral (sie gehört mit in die Erscheinungswelt).
Das Glück am Dasein ist nur möglich als Glück am Schein
Das Glück am Werden ist nur möglich in der Vernichtung des Wirklichen des “Daseins,” des schönen Anscheins, in der pessimistischen Zerstörung der Illusion.
in der Vernichtung auch des schönsten Scheins kommt das dionysische Glück auf seinen Gipfel.
2 [111]
Das Problem vom Sinn der Kunst: wozu Kunst?
Wie verhielten sich die lebenskräftigsten und wohlgerathensten Menschen die Griechen zur Kunst?
Thatsache: die Tragödie gehört ihrer reichsten Zeit von Kraft an—warum?
Zweite Thatsache: das Bedürfniß nach Schönheit; ebenso nach Logisirung der Welt gehört in ihre décadence
Deutung beider Thatsachen:
Fehlerhafte Nutzanwendung auf die Gegenwart: ich deutete den Pessimismus als Folge der höheren Kraft und Lebensfülle, welche sich den Luxus des Tragischen erlauben kann. Insgleichen deutete ich die deutsche Musik als Ausdruck einer dionysischen Überfülle und Ursprünglichkeit d.h.
1) ich überschätzte das deutsche Wesen
2) ich verstand die Quellen der modernen Verdüsterung nicht
3) mir fehlte das kulturhistorische Verständniß für den Ursprung der modernen Musik und ihre essentielle Romantik.
Abgesehen von dieser fehlerhaften Nutzanwendung bleibt das Problem bestehn: wie würde eine Musik sein, welche nicht romantischen Ursprungs wäre—sondern eines dionysischen?
2 [112]
ein Romantiker ist ein Künstler, den das große Mißvergnügen an sich schöpferisch macht—der von sich und seiner Mitwelt wegblickt, zurückblickt
2 [113]
Ich fieng an mit einer metaphysischen Hypothese über den Sinn der Musik: aber zu Grunde lag eine psychologische Erfahrung, welcher ich noch keine genügende historische Erklärung unterzuschieben wußte. Die Übertragung der Musik ins Metaphysische war ein Akt der Verehrung und Dankbarkeit; im Grunde haben es alle religiösen Menschen bisher so mit ihrem Erlebniß gemacht.— Nun kam die Kehrseite: die unleugbar schädliche und zerstörerische Wirkung eben dieser verehrten Musik auf mich—und damit auch das Ende ihrer religiösen Verehrung. Damit giengen mir auch die Augen auf für das moderne Bedürfniß nach Musik (welches gleichzeitig in der Geschichte erscheint mit dem zunehmenden Bedürfniß nach Narcoticis) Gar das “Kunstwerk der Zukunft” erschien mir als Raffinement des Aufregungs- und Betäubungs-Bedürfnisses, wobei alle Sinne zugleich ihre Rechnung finden wollen, eingerechnet der idealistische, religiöse, hypermoralische Widersinn—als eine Gesammt-Excitation der ganzen nervösen Maschinerie. Das Wesen der Romantik gieng mir auf: der Mangel einer fruchtbaren Art von Menschen ist da zeugend geworden. Zugleich die Schauspielerei der Mittel, die Unächtheit und Entlehntheit aller einzelnen Elemente, der Mangel an Probität der künstlerischen Bildung, die abgründliche Falschheit dieser modernsten Kunst: welche wesentlich Theaterkunst sein muß. Die psychologische Unmöglichkeit dieser angeblichen Helden- und Götterseelen, welche zugleich nervös, brutal und raffinirt sind gleich den Modernsten unter den Pariser Malern und Lyrikern.— Genug, ich stellte sie mit hinein in die moderne “Barbarei.”— Damit ist über das Dionysische nichts gesagt. In der Zeit der größten Fülle und Gesundheit erscheint die Tragödie, aber auch in der Zeit der Nervenerschöpfung und -Überreizung. Entgegengesetzte Deutung.— Bei Wagner ist bezeichnend, wie er schon dem Ring des Nibelungen einen nihilistischen (ruhe- und endesüchtigen) Schluß gab.
2 [114]
Das Kunstwerk, wo es ohne Künstler erscheint z.B. als Leib, als Organisation (preußisches Offiziercorps, Jesuitenorden). In wiefern der Künstler nur eine Vorstufe ist. Was bedeutet das “Subjekt” — ?
Die Welt als ein sich selbst gebärendes Kunstwerk — —
Ist die Kunst eine Folge des Ungenügens am Wirklichen? Oder ein Ausdruck der Dankbarkeit über genossenes Glück? Im ersten Falle Romantik, im zweiten Glorien-schein und Dithyrambus (kurz Apotheosen-Kunst): auch Raffael gehört hierhin, nur daß er jene Falschheit hatte, den Anschein der christlichen Weltauslegung zu vergöttern. Er war dankbar für das Dasein, wo es nicht spezifisch-christlich sich zeigte.
Mit der moral Interpretation ist die Welt unerträglich. Das Christenthum war der Versuch, damit die Welt zu “überwinden”: das heißt zu verneinen.— In praxi lief ein solches Attentat des Wahnsinns—einer wahnsinnigen Selbstüberhebung des Menschen angesichts der Welt— Verdüsterung, Verkleinlichung, Verarmung des Menschen hinaus: die mittelmäßigste und unschädlichste Art, die heerdenhafte Art Mensch, fand allein dabei ihre Rechnung, ihre Förderung, wenn man will ...
Homer als Apotheosen-Künstler; auch Rubens. Die Musik hat noch keinen gehabt.
Die Idealisirung des großen Frevlers (der Sinn für seine Größe) ist griechisch; das Herunterwürdigen, Verleumden, Verächtlichmachen des Sünders ist jüdisch u christlich.
2 [115]
“Gott ist todt.” Gefahr in der Gottesverehrung nach jüdisch-christlichem Schema.
2 [116]
Jene Selbst-Erkenntniß, welche Bescheidenheit ist—denn wir sind nicht unser eigen Werk—aber ebensosehr auch Dankbarkeit ist—denn wir sind “gut gerathen” —
2 [117]
Psychologie des wissenschaftlichen Bedürfnisses.
Die Kunst aus Dankbarkeit oder aus Ungenügen.
Die moralische Welt-ausdeutung endet in Weltverneinung (Kritik des Christenthums).
Antagonismus zwischen “Verbesserung” und Verstärkung des Typus Mensch.
Unendliche Ausdeutbarkeit der Welt: jede Ausdeutung ein Symptom des Wachsthums oder des Untergehens.
Die bisherigen Versuche, den moralischen Gott zu überwinden (Pantheismus Hegel usw.)
Die Einheit (der Monismus) ein Bedürfniß der inertia; die Mehrheit der Deutung Zeichen der Kraft. Der Welt ihren beunruhigenden und änigmatischen Charakter nicht abstreiten wollen!
2 [118]
| 1. | I. II. | Der Nihilismus in allen Anzeichen vor der Thür. Unvermeidlich, falls man nicht seine Voraussetzungen begreift. Diese sind die Werthschätzungen (nicht die socialen Thatsachen: welche alle erst durch eine bestimmte Ausdeutung bald pessimistisch, bald optimistisch wirken) | |
| 2. | III. | Genesis der Werthschätzungen, als Kritik derselben. | |
| 3. | IV. | Die Umgekehrten. Ihre Psychologie. | |
| 4. | V. | Der Hammer: als die Lehre, welche die Entscheidung herbeiführt. | |
| 1. | Die Gefahr der Gefahren. | ||
| 2. | Kritik der Moral. | ||
| 3. | Wir Umgekehrten. | ||
| 4. | Der Hammer. |
2 [119]
“Wie weit reicht die Kunst ins Innere der Welt? Und giebt es abseits vom ‘Künstler’ noch künstlerische Gewalten?” Diese Frage war, wie man weiß, mein Ausgangspunkt: und ich sagte Ja zu der zweiten Frage; und zur ersten “die Welt selbst ist nichts als Kunst.” Der unbedingte Wille zum Wissen, zur Wahr- und Weisheit erschien mir in einer solchen Welt des Scheins als Frevel an metaphysischen Grundwillen, als Wider-Natur: und billigerweise wendet sich Spitze der “Weisheit” gegen den Weisen. Das Wider-natürliche der Weisheit offenbart sich in ihrer Kunstfeindlichkeit: erkennen wollen, wo der Schein eben die Erlösung ist—welche Umkehrung, welcher Instinkt zum Nichts!
2 [120]
Alle Culte stellen ein einmaliges Erlebniß, das Zusammenkommen mit einem Gotte, einen “Heils-Akt” in irgend einem Sinne, fest; und führen es immer wieder vor. Die Ortslegende als Ursprung eines Dramas: wo die Poesie den Gott spielt.
2 [121]
(38)
Die Schauspielerei
| Die Farbenbuntheit des modernen Menschen und ihr Reiz. Wesentlich Versteck und Überdruß. |
| Der Litterat. |
| Der Politiker (im “Nationalen Schwindel”) |
| Die Schauspielerei in den Künsten |
| Mangel an Probität der Vorbildung und Schulung (Fromentin) |
| die Romantiker (Mangel an Philosophie und Wissenschaft und Überfluß an Litteratur) |
| die Romanschreiber (Walter Scott, aber auch die Nibelungen-Ungeheuer mit der nervösesten Musik) |
| die Lyriker |
| Die “Wissenschaftlichkeit” |
| Virtuosen (Juden) |
| die volksthümlichen Ideale als überwunden aber noch nicht vor dem Volk. |
| der Heilige, der Weise, der Prophet |
2 [122]
(37)
Zur Geschichte der modernen Verdüsterung.
Die Staats-Nomaden (Beamte usw.): ohne “Heimat” —
Der Niedergang der Familie.
“Der gute Mensch” als Symptom der Erschöpfung.
Gerechtigkeit als Wille zur Macht (Züchtung)
Geilheit und Neurose.
Schwarze Musik;—die erquickliche Musik wohin?
Der Anarchist.
Menschenverachtung. Ekel.
Tiefste Unterscheidung: ob der Hunger oder der Überfluß schöpferisch wird? Ersterer erzeugt die Ideale der Romantik
nordische Unnatürlichkeit.
das Bedürfniß nach Alcoholica in der Arbeiter- “Noth”
der philosophische Nihilismus.
2 [123]
Die Christen müssen an die Wahrhaftigkeit Gottes glauben: da bekommen sie leider den Glauben in die Bibel und an deren “Naturwissenschaft” mit in Kauf; sie dürfen durchaus keine relative Wahrheit (oder deutlicher gesagt,) zugestehen. An dem unbedingten Charakter seiner Moral zerbricht das Christenthum.— Die Wissenschaft hat den Zweifel an der Wahrhaftigkeit des christlichen Gottes geweckt: an diesem Zweifel stirbt das Christenthum (Pascals deus absconditus).
2 [124]
| 1. Geburt der Tragödie. | Artisten-Metaphysik. |
| 2. Unzeitgemässe Betrachtungen. | Der Bildungsphilister. Der Ekel. |
| Leben und Historie — Grundproblem. | |
| Der philosophische Einsiedler. “Erziehung” | |
| Der Künstler-Einsiedler. Was an Wagner zu lernen ist. | |
| 3. Menschliches Allzumenschliches. | Der freie Geist. |
| 4. Vermischte Meinungen und Sprüche. | Der Pessimist des Intellekts. |
(7)
Causalität. “Warum bin ich so und so? Der unsinnige Gedanke für sein Dasein, auch für sein So- und So-sein selbst frei wählend sich zu denken. Hintergrund: die Forderung, es müßte ein Wesen geben, welches ein sich selbst verachtendes Geschöpf, wie ich es bin, am Entstehen verhindert hätte. Sich als Gegenargument gegen Gott fühlen —
| 5. Wanderer und Schatten. | Einsamkeit, als Problem. |
| 6. Morgenröthe. | Moral als eine Summe von Vorurtheilen |
| 7. Fröhliche Wissenschaft. | Hohn über die europäische Moralistik. |
| Aussicht auf eine Überwindung der Moral. | |
| Wie müßte ein Mensch beschaffen sein, der jenseits lebte? | |
Z |
Sieben Vorreden.
Ein Nachtrag
zu sieben Veröffentlichungen.
2 [125]
Zur Geschichte des Pessimismus.
Die moderne Verdüsterung.
Die Schauspielerei.
2 [126]
Zu 2) Kritik der höchsten Werthe.
Zur Geschichte der Verleumdung.
Wie man Ideale macht.
Cultur (und “Vermenschlichung”: antagonistisch)
Moral als Instinkt der Scham, als Verkleidung, Maske, grundsätzlich wohlmeinende Interpretation
(37)
Urtheile über die Pessimisten einzumischen! Die Inder
Der Pessimismus (als Instinkt) und der Wille zum Pessimismus: Haupt-Contrast
| Der Pessimist des Intellekts. | jener dem Unlogischen, | |
| Der Pessimist der | dieser dem Schmerzhaften | |
| Sensibilität | nachspürend. |
— alle diese Maßstäbe sind es nur aus moralischen Gründen
oder, wie Plato, auch die, als Werth-Umwertherin und Verführerin gefürchtet
A. Was ist Wahrheit?
B. Gerechtigkeit.
C. Zur Geschichte der Mitgefühle.
D. Der “gute Mensch.”
E. Der “höhere Mensch.”
F. Der Künstler.
(36)
Was ist Wahrheit? (inertia, die Hypothese, bei der Befriedigung entsteht, geringster Verbrauch von geistiger Kraft usw.)
2 [127]
(2)
Der Nihilismus steht vor der Thür: woher kommt uns dieser unheimlichste aller Gäste? —
| I | 1. | Ausgangspunkt: es ist ein Irrthum, auf “social Nothstände” oder “physiologische Entartungen” oder gar auf Corruption hinzuweisen als Ursache des Nihilismus. Diese erlauben immer noch ganz verschiedene Ausdeutungen. Sondern in einer ganz bestimmten Ausdeutung: in der christlich-moralischen steckt der Nihilismus. Es ist die honnetteste, mitfühlendste Zeit. Noth, seelische, leibliche, intellektuelle Noth ist an sich durchaus nicht vermögend, Nihilismus d.h. die radikale Ablehnung von Werth, Sinn, Wünschbarkeit hervorzubringen |
| 2. | Der Untergang des Christenthums—an seiner Moral (die unablösbar ist—) welche sich gegen den christlichen Gott wendet (der Sinn der Wahrhaftigkeit, durch das Christenthum hoch entwickelt, bekommt Ekel vor der Falschheit und Verlogenheit aller christlichen Welt- und Geschichtsdeutung. Rückschlag von “Gott ist die Wahrheit” in den fanatischen Glauben “Alles ist falsch.” Buddhismus der That ... | |
| 3. | Skepsis an der Moral ist das Entscheidende. Der Untergang der moral Weltauslegung die keine Sanktion mehr hat, nachdem sie versucht hat, sich in eine Jenseitigkeit zu flüchten: endet in Nihilismus “Alles hat keinen Sinn” (die Undurchführbarkeit Einer Weltauslegung, der ungeheure Kraft gewidmet worden ist—erweckt das Mißtrauen ob nicht alle Weltauslegungen falsch sind—) Buddhistischer Zug, Sehnsucht ins Nichts. (Der indische Buddhism hat nicht eine grundmoralische Entwicklung hinter sich, deshalb ist bei ihm im Nihilismus nur unüberwundene Moral: Dasein als Strafe, Dasein als Irrthum combinirt, der Irrthum also als Strafe—eine moralische Werthschätzung) Die philosophischen Versuche, den “moralischen Gott” zu überwinden (Hegel, Pantheismus). Überwindung der volksthümlichen Ideale: der Weise. Der Heilige. Der Dichter. Antagonismus von “wahr” und “schön” und “gut” — — | |
| 4. | Gegen die “Sinnlosigkeit” einerseits, gegen die moralischen Werthurtheile andererseits: in wiefern alle Wissenschaft und Philosophie bisher unter moralischen Urtheilen stand? und ob man nicht die Feindschaft der Wissenschaft mit in den Kauf bekommt? Oder die Anti-wissenschaftlichkeit? Kritik des Spinozismus. Die christlichen Werthurtheile überall in den socialistischen und positivistischen Systemen rückständig. Es fehlt eine Kritik der christlichen Moral. | |
| 5. | die nihilistischen Consequenzen der jetzigen Naturwissenschaft (nebst ihren Versuchen ins Jenseitige zu entschlüpfen). Aus ihrem Betriebe folgt endlich eine Selbstzersetzung, eine Wendung gegen sich, eine Anti-Wissenschaftlichkeit.— Seit Copernikus rollt der Mensch aus dem Centrum ins x | |
| 6. | Die nihilistischen Consequenzen der politischen und volkswirthschaftlichen Denkweise wo alle “Principien” nachgerade zur Schauspielerei gehören: der Hauch von Mittelmäßigkeit, Erbärmlichkeit, Unaufrichtigkeit usw. Der Nationalismus, der Anarchismus usw. Strafe. Es fehlt der erlösende Stand und Mensch, der Rechtfertiger — | |
| 7. | die nihilistischen Consequenzen der Historie und der “praktischen Historiker” d.h. der Romantiker. Die Stellung der Kunst: absolute Unoriginalität ihrer Stellung in der modernen Welt. Ihre Verdüsterung. Goethes angebliches Olympier-thum. | |
| 8. | Die Kunst und die Vorbereitung des Nihilismus: Romantik (Wagners Nibelungen-Schluß) |
2 [128]
| I. | Grundwiderspruch in der Civilisation und der Erhöhung des Menschen. Es ist die Zeit des großen Mittags, der furchtbarsten Aufhellung: meine Art von Pessimismus:—großer Ausgangspunkt. |
| II. | Die moral Werthschätzungen als eine Geschichte der Lüge und Verleumdungskunst im Dienste eines Willens zur Macht (des Heerden-Willens) welcher sich gegen die stärkeren Menschen auflehnt |
| III. | Die Bedingungen jeder Erhöhungen der Cultur (der Ermöglichung einer Auswahl auf Unkosten einer Menge) sind die Bedingungen alles Wachsthums. |
| IV. | Die Vieldeutigkeit der Welt als Frage der Kraft, welche alle Dinge unter der Perspektive ihres Wachsthums ansieht. Die moralischen christlichen Werthurtheile als Sklaven-Aufstand und Sklaven-Lügenhaftigkeit (gegen die aristokratischen Werthe der antiken Welt). |
| Wie weit reicht die Kunst hinab in das Wesen der Kraft? |
2 [129]
Die ewige Wiederkunft.
Zarathustrische Tänze und
Umzüge.
Erster Theil: Gottes Todtenfest.
Von
Friedrich Nietzsche.
1. Gottes Todtenfest.
2. Am großen Mittag.
3. “Wo ist die Hand für diesen Hammer?”
4. Wir Gelobenden.
I.
Die Peststadt. Er wird gewarnt, er fürchtet sich nicht und geht hinein, verhüllt. Alle Arten des Pessimismus ziehen vorbei. Der Wahrsager deutet jeden Zug. Die Sucht zum Anders, die Sucht zum Nein, endlich die Sucht zum Nichts folgen sich.
Zuletzt giebt Zarathustra die Erklärung: Gott ist todt, dies ist die Ursache der größten Gefahr: wie? sie könnte auch die Ursache des größten Muthes sein!
II.
Das Erscheinen der Freunde.
Der Genuß der Untergehenden an dem Vollkommenen: Abziehende.
Die Rechenschaft der Freunde.
Festzüge. Die entscheidende Zeit, der große Mittag.
Das große Dank- und Todtenopfer an den todten Gott.
III.
| Die neue Aufgabe. | Der Tod Gottes, für den Wahrsager |
| Das Mittel der Aufgabe. | das furchtbarste Ereigniß, ist das |
| Die Freunde verlassen ihn. | Glücklichste und Hoffnungsreichste für Zarathustra |
Zarathustra stirbt. |
IV. Wir Gelobenden
2 [130]
Das Phänomen “Künstler” ist noch am leichtesten durchsichtig:—von da aus hinzublicken auf die Grundinstinkte der Macht, der Natur usw.! Auch der Religion und Moral!
“das Spiel,” das Unnützliche, als Ideal des mit Kraft Überhäuften, als “kindlich.” Die “Kindlichkeit” Gottes,
2 [131]
Plan des ersten Buches
Es dämmert der Gegensatz der Welt, die wir verehren, und der Welt, die wir leben, die wir—sind. Es bleibt übrig, entweder unsere Verehrungen abzuschaffen oder uns selbst. Letzteres ist der Nihilismus.
| 1. | Der heraufkommende Nihilismus, theoretisch und praktisch. Fehlerhafte Ableitung desselben. (Pessimismus, seine Arten: Vorspiele des Nihilismus, obschon nicht nothwendig.) Übergewicht des Nordens über den Süden. |
| 2. | Das Christenthum an seiner Moral zu Grunde gehend. “Gott ist die Wahrheit.” “Gott ist die Liebe” “der gerechte Gott.”— Das größte Ereigniß— “Gott ist todt”—, dumpf gefühlt. Der deutsche Versuch, Chr in eine Gnosis umzuwandeln, ist zum tiefsten Mißtrauen ausgeschlagen: das “Unwahrhaftige” dabei am stärksten empfunden (—gegen Schelling z.B.). |
| 3. | Moral, ohne Sanktion nunmehr, weiß sich selbst nicht mehr zu halten. Man läßt die moralische Ausdeutung endlich fallen— (Das Gefühl überall noch voller Nachschläge des christlichen Werthurtheils—) |
| 4. | Aber auf moralischen Urtheilen beruhte der Werth bisher, vor Allem der Werth der Philosophie! (“des Willens zur Wahrheit”—) die volksthümlichen Ideale “der Weise” “der Prophet” “der Heilige” hingefallen |
| 5. | Nihilistischer Zug in den Naturwissenschaften. (“Sinnlosigkeit”—) Causalismus, Mechanismus. Die “Gesetzmäßigkeit” ein Zwischenakt, ein Überbleibsel. |
| 6. | Insgleichen in der Politik: es fehlt der Glaube an sein Recht, die Unschuld, es herrscht die Lügnerei, die Augenblicks-Dienerei |
| 7. | Insgleichen in der Volkswirthschaft: die Aufhebung der Sklaverei: Mangel eines erlösenden Standes, eines Rechtfertigers,— Heraufkommen des Anarchismus. “Erziehung?” |
| 8. | Insgleichen in der Geschichte: der Fatalismus, der Darwinismus, die letzten Versuche, Vernunft und Göttlichkeit hineinzudeuten, mißrathen. Sentimentalität vor der Vergangenheit; Man ertrüge keine Biographie!— (der Phänomenalismus auch hier: Charakter als Maske, es giebt keine Thatsachen) |
| 9. | Insgleichen in der Kunst: Romantik und ihr Gegenschlag (Widerwille gegen die romantischen Ideale und Lügen)—die reinen “Artisten” (gleichgültig gegen den Inhalt). Letzterer moralisch, als Sinn größerer Wahrhaftigkeit, aber Pessimistisch (Beichtvater-Psychologie und Puritaner-Psychologie, zwei Formen der psychologischen Romantik: aber auch noch ihr Gegenschlag, der Versuch, sich rein artistisch zum “Menschen” zu stellen,—auch da wird noch nicht die umgekehrte Werthschätzung gewagt!) |
| 10. | Das ganze europäische System der menschlichen Bestrebungen fühlt sich theils “sinnlos,” theils bereits “unmoralisch.” Wahrscheinlichkeit eines neuen Buddhismus. Die höchste Gefahr. “Wie verhalten sich Wahrhaftigkeit, Liebe, Gerechtigkeit zur wirklichen Welt?” Gar nicht! — |
| Die Anzeichen. Der europäische Nihilismus. Seine Ursache: die Entwerthung der bisherigen Werthe. |
Das unklare Wort “Pessimismus”: Leute, die sich schlecht befinden und Leute, die sich zu gut befinden—beide sind P gewesen.
| Verhältniß von Nihilismus, Romantik und Positivismus (letzterer ein Gegenschlag gegen die Romantik, Werk enttäuschter Romantiker) | |
| “Rückkehr zur Natur”: seine Stationen: Hintergrund christliche Vertrauensseligkeit (ungefähr schon Spinoza “deus sive natura”!) | |
| Rousseau, die Wissenschaft nach dem romantischen Idealismus | |
| Der Spinozismus höchst einflußreich: | |
| 1) | Versuch, sich zufrieden zu geben mit der Welt, wie sie ist |
| 2) | Glück und Erkenntniß naiv in Abhängigkeit gesetzt (ist Ausdruck eines Willens zum Optimismus, an dem sich ein tief Leidender verräth—) |
| 3) | Versuch, die moralische Weltordnung loszuwerden, um “Gott,” eine vor der Vernunft bestehende Welt übrig zu behalten ... |
“Wenn der Mensch sich nicht mehr für böse hält, hört er auf es zu sein—” Gut und böse sind nur Interpretationen, und durchaus kein Thatbestand, kein An sich. Man kann hinter den Ursprung dieser Art Interpretation kommen; man kann den Versuch machen, damit sich von der eingewurzelten Nöthigung, moralisch zu interpretiren, langsam zu befreien.
Zum zweiten Buche
Entstehung und Kritik der moralischen Werthschätzungen. Beides fällt nicht zusammen, wie man leichthin glaubt (dieser Glaube ist schon das Resultat einer moralischen Schätzung “etwas so und so Entstandnes ist wenig werth, als unmoralischen Ursprungs”)
Maaßstab, wonach der Werth der moralischen Werthschätzungen zu bestimmen ist: Kritik der Worte “Besserung, Vervollkommnung, Erhöhung.”
Die übersehene Grundthatsache: Widerspruch zwischen dem “Moralischer-werden” und der Erhöhung und Verstärkung des Typus Mensch
Homo natura. Der “Wille zur Macht.”
Zum dritten Buche
Der Wille zur Macht.
Wie die Menschen beschaffen sein müßten, welche diese Umwerthung an sich vornehmen.
Die Rangordnung als Machtordnung: Krieg und Gefahr die Voraussetzung, daß ein Rang seine Bedingungen festhält. Das grandiose Vorbild: der Mensch in der Natur, das Schwächste Klügste Wesen sich zum Herrn machend, die dümmeren Gewalten sich unterjochend
Zum vierten Buche
Der größte Kampf: dazu braucht es eine neue Waffe.
Der Hammer: eine furchtbare Entscheidung heraufbeschwören, Europa vor die Consequenz stellen, ob sein Wille zum Untergang “will”
Verhütung der Vermittelmäßigung. Lieber noch Untergang!
2 [132]
(36)
Die Voraussetzung, daß es im Grunde der Dinge so moralisch zugeht, daß die menschliche Vernunft Recht behält,—ist eine Treuherzigkeit und Biedermanns-Voraussetzung, die Nachwirkung des Glaubens an die göttliche Wahrhaftigkeit—Gott als Schöpfer der Dinge gedacht.— Die Begriffe eine Erbschaft aus einer jenseitigen Vorexistenz — —
Ein Werkzeug kann nicht seine eigene Tauglichkeit kritisiren: der Intellekt kann nicht selber seine Grenze, auch nicht sein Wohlgerathensein oder sein Mißrathensein bestimmen. —
“Erkennen” ist ein Zurückbeziehn: seinem Wesen nach ein regressus in infinitum. Was Halt macht (bei einer angeblichen causa Prima, bei einem Unbedingten usw.) ist die Faulheit, die Ermüdung — —
So gut man immer auch die Bedingungen verstanden haben mag, unter denen eine Sache entsteht, deshalb versteht man sie selbst noch gar nicht:—den Herrn Historikern ins Ohr gesagt.
2 [133]
Gegen das Versöhnen-Wollen und die Friedfertigkeit. Dahin gehört auch jeder Versuch von Monismus.
2 [134]
(39)
Die Volks- und Massen-Wirkung von Seiten der Künstler: Balzac V. Hugo, R. Wagner
2 [135]
— Error veritate simplicior —
2 [136]
— Eines jener schlagenden Argumente, das den schlägt, der es anwendet —
2 [137]
Gedanken-Wegweiser.
Hülfsmittel
zu einem ernstlichen Studium
meiner Schriften.
| Grundsätzliches. Zur Lehre vom Machtgefühl. |
| Zur psychologischen Optik. |
| Zur Kritik der Religionen Zur disciplina intellectus. Das Fragwürdige an den Tugenden. Zu Ehren des Bösen. Das Problem des Künstlers. Politika. An die Logiker. Gegen die Idealisten. Gegen die Wirklichkeits-Gläubigen. Von der Musik. Aufklärung über das Genie. Aus den Geheimnissen der Einsamkeit. Was ist griechisch? |
Zur Kunst des Lebens. Die moderne Verdüsterung. Weib und Liebe. Bücher und Menschen. Völker und “Volk.”
2 [138]
Jenseits von Gut und Böse.
Vorspiel
einer Philosophie der Zukunft.
Von
Friedrich Nietzsche
Neue verständlichere Ausgabe.
Zweiter Band.
Mit einem Anhang: Gedanken-Wegweiser.
Ein Hülfsmittel zum ernsthaften Studium meiner Schriften.
2 [139]
(7)
Zum “Causalismus.”
Es liegt auf der Hand, daß weder Dinge an sich mit einander im Verhältniß von Ursache und Wirkung stehen können, noch Erscheinung mit Erscheinung: womit sich ergiebt, daß der Begriff “Ursache und Wirkung” innerhalb einer Philosophie, die an Dinge an sich und an Erscheinungen glaubt, nicht anwendbar ist. Die Fehler Kants —... Thatsächlich stammt der Begriff “Ursache und Wirkung,” psychologisch nachgerechnet, nur aus einer Denkweise, die nur und überall Wille auf Wille wirken glaubt,—die nur an Lebendiges glaubt und im Grunde nur an “Seelen” (und nicht an Dinge) Innerhalb der mechanistischen Weltbetrachtung (welche Logik ist und deren Anwendung auf Raum und Zeit) reduzirt sich jener Begriff auf die mathematische Formel—mit der, wie man immer wieder unterstreichen muß, niemals Etwas begriffen, wohl aber etwas bezeichnet, verzeichnet wird.
Die unabänderliche Aufeinanderfolge gewisser Erscheinungen beweist kein “Gesetz,” sondern ein Machtverhältniß zwischen 2 oder mehreren Kräften. Zu sagen: “aber gerade dies Verhältniß bleibt sich gleich!” heißt nichts Anderes als: “ein und dieselbe Kraft kann nicht auch eine andere Kraft sein.”— Es handelt sich nicht um ein Nacheinander,—sondern um ein Ineinander, einen Prozeß, in dem die einzelnen sich folgenden Momente nicht als Ursachen und Wirkungen sich bedingen ....
Die Trennung des “Thuns” vom “Thuenden,” des Geschehens von einem, das geschehen macht, des Prozesses von einem Etwas, das nicht Prozeß, sondern dauernd, Substanz, Ding, Körper, Seele usw. ist,—der Versuch das Geschehen zu begreifen als eine Art Verschiebung und Stellungs-Wechsel von “Seiendem,” von Bleibendem: diese alte Mythologie hat den Glauben an “Ursache und Wirkung” festgestellt, nachdem er in den sprach grammat Funktionen eine feste Form gefunden hatte. —
2 [140]
(30)
Gegen beide Behauptungen “es kann das Gleiche nur vom Gleichen erkannt werden” und “es kann das Gleiche nur vom Ungleichen erkannt werden”—um welche schon im Alterthum ein Kampf von Jahrhunderten gekämpft worden ist—läßt sich heute einwenden, von einem strengeren und vorsichtigeren Begriff des Erkennens aus: es kann gar nicht erkannt werden—und zwar ebendeshalb, weil das Gleiche nicht das Gleiche erkennen kann, und weil ebensowenig das Gleiche vom Ungleichen erkannt werden kann. —
2 [141]
Diese Scheidungen des Thuens und des Thuenden, des Thuns und des Leidens, des Seins und des Werdens, der Ursache und der Wirkung
schon der Glaube an die Veränderungen setzt den Glauben an etwas voraus, das “sich ändert.”
Die Vernunft ist die Philosophie des Augenscheins
2 [142]
(30)
die “Regelmäßigkeit” der Aufeinanderfolge ist nur ein bildlicher Ausdruck, wie als ob hier eine Regel befolgt werde: kein Thatbestand. Ebenso “Gesetzmäßigkeit.” Wir finden eine Formel, um eine immer wiederkehrende Art der Folge auszudrücken: damit haben wir kein “Gesetz” entdeckt, noch weniger eine Kraft, welche die Ursache zur Wiederkehr von Folgen ist. Daß etwas immer so und geschieht, wird hier interpretirt, als ob ein Wesen in Folge eines Gehorsams gegen ein Gesetz oder einen Gesetzgeber immer so und so handelte: während es, abgesehen vom “Gesetz,” Freiheit hätte, anders zu handeln. Aber gerade jenes So-und-nicht-anders könnte aus dem Wesen selbst stammen, das nicht in Hinsicht erst auf ein Gesetz sich so und so verhielte, sondern als so und so beschaffen. Es heißt nur: etwas kann nicht auch etwas anderes sein, kann nicht bald dies, bald anderes thun, ist weder frei, noch unfrei, sondern eben so und so. Der Fehler steckt in der Hineindichtung eines Subjekts
2 [143]
Gesetzt, die Welt verfügte über Ein Quantum von Kraft, so liegt auf der Hand, daß jede Macht-Verschiebung an irgend einer Stelle das ganze System bedingt—also neben der Causalität hintereinander wäre eine Abhängigkeit neben und miteinander gegeben.
2 [144]
(40)
Gesetzt selbst, daß ein Gegenbeweis des christlichen Glaubens nicht geführt werden könnte, hielt Pascal in Hinsicht auf eine furchtbare Möglichkeit, daß er dennoch wahr sei, es für klug im höchsten Sinne, Christ zu sein. Heute findet man, zum Zeichen, wie sehr das Christenthum an Furchtbarkeit eingebüßt hat, jene ander Versuche seiner Rechtfertigung, daß, selbst wenn es ein Irrthum wäre, man zeitlebens doch den großen Vortheil und Genuß dieses Irrthums habe: es scheint also, daß gerade um seiner beruhigenden Wirkungen willen dieser Glaube aufrecht erhalten werden solle,—also nicht aus Furcht vor einer drohenden Möglichkeit, vielmehr aus Furcht vor einem Leben, dem ein Reiz abgeht. Diese hedonistische Wendung, der Beweis aus der Lust, ist ein Symptom des Niedergangs: er ersetzt den Beweis aus der Kraft, aus dem, was an der christlichen Idee Erschütterung ist, aus der Furcht. Thatsächlich nähert sich in dieser Umdeutung das Christenthum der Erschöpfung: man begnügt sich mit einem opiatischen Christenthum, weil man weder zum Suchen, Kämpfen, Wagen, Alleinstehen wollen die Kraft hat, noch zum Pascalismus, zu tiefe grüblerischen Selbstverachtung, zum Glauben an die menschliche Unwürdigkeit, zur Angst des “Vielleicht-Verurtheilten.” Aber ein Christenthum, das vor allem kranke Nerven beruhigen soll, hat jene furchtbare Lösung eines “Gottes am Kreuze” überhaupt nicht nöthig: weshalb im Stillen überall der Buddhismus in Europa Fortschritte macht.
2 [145]
Die Auslegung eines Geschehens als entweder Thun oder Leiden — also jedes Thun ein Leiden — sagt: eine jede Veränderung, ein Anderswerden setzt einen Urheber voraus und einen, an dem “verändert” wird.
2 [146]
Es läßt sich eine vollkommene Analogie führen zwischen dem Vereinfachen und Zusammendrängen zahlloser Erfahrungen auf General-Sätze und dem Werden der Samenzelle, welche die ganze Vergangenheit verkürzt in sich trägt: und ebenso im künstlerischen Herausbilden aus zeugenden Grundgedanken bis zum “System” und dem Werden des Organismus als eines Aus- und Fortdenkens, als einer Rückerinnerung des ganzen vorherigen Lebens, der Rück-Vergegenwärtigung, Verleiblichung.
Kurz: das sichtbare organische Leben und das unsichtbare schöpferische seelische Walten und Denken enthalten einen Parallelismus: am “Kunstwerk” kann man diese zwei Seiten am deutlichsten als Parallel demonstriren.— Inwiefern Denken, Schließen und alles Logische als Außenseite angesehen werden kann: als Symptom viel innerlicheren und gründlicheren Geschehens?
2 [147]
(30)
| “Zweck” und “Mittel” | als Ausdeutung | (nicht als Thatbestand) | |
| “Ursache und | als Ausdeutung | alle im Sinne eines | |
| Wirkung” | |||
| “Subjekt und Objekt” | als Ausdeutung | Willens zur Macht |
| “Thun und Leiden” |
| (“Ding an sich” und “Erscheinung”) als Ausdeutung |
| und inwiefern vielleicht nothwendige Ausdeutungen? (als “erhaltende”) |
2 [148]
Der Wille zur Macht interpretirt: bei der Bildung eines Organs handelt es sich um eine Interpretation; er grenzt ab, bestimmt Grade, Machtverschiedenheiten. Bloße Machtverschiedenheiten könnten sich noch nicht als solche empfinden: es muß ein wachsen-wollendes Etwas da sein, das jedes andere wachsen-wollende Etwas auf seinen Werth hin interpretirt. Darin gleich — — In Wahrheit ist Interpretation ein Mittel selbst, um Herr über etwas zu werden. (Der organische Prozeß setzt fortwährendes Interpretiren voraus.
2 [149]
Ein “Ding an sich” ebenso verkehrt wie ein “Sinn an sich,” “eine Bedeutung an sich.” Es giebt keinen “Thatbestand an sich,” sondern ein Sinn muß immer erst hineingelegt werden, damit es einen “Thatbestand” geben könne
Das “was ist das?” ist eine Sinn-Setzung von etwas Anderem auf gesehen. Die “Essenz,” die “Wesenheit” ist etwas Perspektivisches und setzt eine Vielheit schon voraus. Zu Grunde liegt immer “was ist das für mich?” (für uns, für alles, was lebt usw.)
Ein Ding wäre bezeichnet, wenn an ihm erst alle Wesen ihr “was ist das?” gefragt und beantwortet hätten. Gesetzt, ein einziges Wesen, mit seinen eigenen Relationen und Perspektiven zu allen Dingen, fehlend: und das Ding ist immer noch nicht “definirt.”
2 [150]
Kurz, das Wesen eines Dings ist auch nur eine Meinung über das “Ding.” Oder vielmehr: das “es gilt” ist das eigentliche “das ist,” das einzige “das ist.”
2 [151]
Man darf nicht fragen: “wer interpretirt denn?” sondern das Interpretiren selbst, als eine Form des Willens zur Macht, hat Dasein (aber nicht als ein “Sein,” sondern als ein Prozeß, ein Werden) als ein Affekt.
2 [152]
Die Entstehung der “Dinge” ist ganz und gar das Werk der Vorstellenden, Denkenden, Wollenden, Erfindenden. Der Begriff “Ding” selbst ebenso als alle Eigenschaften.— Selbst “das Subjekt” ist ein solches Geschaffenes, ein “Ding,” wie alle Andern: eine Vereinfachung, um die Kraft, welche setzt, erfindet, denkt, als solche zu bezeichnen, im Unterschiede von allem einzelnen Setzen, Erfinden, Denken selbst. Also das Vermögen im Unterschiede von allem Einzelnen bezeichnet: im Grunde das Thun in Hinsicht auf alles noch zu erwartende Thun (Thun und die Wahrscheinlichkeit ähnlichen Thuns) zusammengefaßt
2 [153]
NB. Aus der uns bekannten Welt ist der humanitäre Gott nicht nachzuweisen: so weit kann man euch heute zwingen und treiben, —aber welchen Schluß zieht ihr daraus? Entweder er ist uns nicht nachweisbar: Skepsis der Erkenntniß. Aber ihr Alle fürchtet den Schluß: “aus der uns bekannten Welt würde ein ganz anderer Gott nachweisbar sein, ein solcher, der zum Mindesten nicht humanitär ist” — — und, kurz und gut, d.h. ihr haltet euren Gott fest und erfindet für ihn eine Welt, die uns nicht bekannt ist.
2 [154]
(36)
Gegen das wissenschaftliche Vorurtheil.
— Die größte Fabelei ist die von der Erkenntniß. Man möchte wissen, wie die Dinge an sich beschaffen sind: aber siehe da, es giebt keine Dinge an sich! Gesetzt aber sogar, es gäbe ein An-sich, ein unbedingtes, so könnte es eben darum nicht erkannt werden! Etwas unbedingtes kann nicht erkannt werden: sonst wäre es eben nicht unbedingt! Erkennen ist aber immer “sich-irgend-wozu-in-Bedingung-setzen”— —; ein solcher “Erkennender” will, daß das, was er erkennen will, ihn nichts angeht; und daß dasselbe etwas überhaupt Niemanden nichts angeht: wobei erstlich ein Widerspruch gegeben ist, im Erkennen-Wollen und dem Verlangen, daß es ihn nichts angehen soll (wozu doch dann Erkennen!) und zweitens, weil etwas, das Niemanden nichts angeht, gar nicht ist, also auch nicht erkannt werden kann.— Erkennen heißt “sich in Bedingung setzen zu etwas”: sich durch etwas bedingt fühlen und zwischen uns — — es ist also unter allen Umständen ein Feststellen Bezeichnen Bewußtmachen von Bedingungen (nicht ein Ergründen von Wesen, Dingen, “An-sichs”)
2 [155]
Tiefe Abneigung, in irgend einer Gesammt-Betrachtung der Welt ein für alle Mal auszuruhen; Zauber der entgegengesetzten Denkweisen; sich den Anreiz des änigmatischen Charakters nicht nehmen lassen.
2 [156]
Zum Capitel “Künstler” (als Bildner, Werthzuleger, Besitzergreifer)
Unsere Sprachen als Nachklänge der ältesten Besitzergreifungen der Dinge, von Herrschenden und Denkern zugleich— —: jedem gemünzten Worte lief der Befehl neben her “so soll das Ding nunmehr genannt werden!”
2 [157]
Sollten nicht alle Quantitäten Anzeichen von Qualitäten sein? Die größere Macht entspricht einem anderen Bewußtsein, Gefühl, Begehren, einem anderen Perspektivischen Blick; Wachsthum selbst ist ein Verlangen, mehr zu sein; aus einem quale heraus erwächst das Verlangen nach einem Mehr von Quantum; in einer rein quantitativen Welt wäre alles todt, starr, unbewegt.— Die Reduktion aller Qualitäten auf Quantitäten ist Unsinn: was sich ergiebt, ist daß eins und das andere beisammen steht, eine Analogie —
2 [158]
Psychologische Geschichte des Begriffs “Subject.” Der Leib, das Ding, das vom Auge construirte “Ganze” erweckt die Unterscheidung von einem Thun und einem Thuenden; der Thuende, die Ursache des Thuns immer feiner gefaßt, hat zuletzt das “Subjekt” übrig gelassen.
2 [159]
Ist jemals schon eine Kraft constatirt? Nein, sondern Wirkungen, übersetzt in eine völlig fremde Sprache. Das Regelmäßige im Hintereinander hat uns aber so verwöhnt, daß wir uns über das Wunderliche daran nicht wundern
2 [160]
Heute, wo es gilt, diesem Buch, das offen steht, aber trotzdem nach seinem Schlüssel verlangt, hierzu einen Eingang eine Vorrede zu geben, soll es das Erste sein, zu sagen, warum ich mich damals vor einer Vorrede fürchtete.
2 [161]
(41)
Zur Vorrede.
Gegen die erkenntnißtheoretischen Dogmen tief mißtrauisch, liebte es, bald aus diesem, bald aus jenem Fenster zu blicken, hütete mich, darin festzusetzen, hielt sie für schädlich—und zuletzt: ist es wahrscheinlich, daß ein Werkzeug seine eigene Tauglichkeit kritisiren kann??— Worauf ich Acht gab, war vielmehr daß niemals eine erkenntnißtheoretische Skepsis oder Dogmatik ohne Hintergedanken entstanden ist,—daß sie einen Werth zweiten Ranges hat, sobald man erwägt, was im Grunde zu dieser Stellung zwang: selbst schon der Wille zur Gewißheit, wenn er nicht der Wille “ich will erst leben” Grundeinsicht: sowohl Kant als Hegel als Schopenhauer—sowohl die skeptisch-epochistische Haltung, als die historisirende als die pessimistische sind moralischen Ursprungs. Ich sah Niemanden, der eine Kritik der moralischen Werthgefühle gewagt hätte: und den spärlichen Versuchen, zu einer Entstehungs-Geschichte dieser Gefühle zu kommen (wie bei den englischen und deutschen Darwinisten) wandte ich bald den Rücken.— Wie erklärt sich Spinoza’s Stellung, seine Verneinung und Ablehnung der moralischen Werthurtheile? (Es war eine Consequenz einer Theodicee?)
2 [162]
Man bemerkt, bei meinen früheren Schriften, einen guten Willen zu unabgeschlossenen Horizonten, eine gewisse kluge Vorsicht vor Überzeugungen, ein Mißtrauen gegen die Bezauberungen und Gewissens-Überlistungen, welche jeder starke Glaube mit sich bringt; mag man darin zu einem Theile die Behutsamkeit des gebrannten Kindes, des betrogenen Idealisten sehen — wesentlicher scheint mir der epikureische Instinkt (eines Räthselfreundes —), der sich den änigmatischen Charakter der Dinge nicht leichten Kaufs nehmen lassen will, am wesentlichsten endlich ein aesthetischer Widerwille gegen die großen tugendhaften unbedingten Worte, ein Geschmack, der sich gegen alle viereckigen Gegensätze zur Wehre setzt, ein gut Theil Unsicherheit in den Dingen wünscht und die Gegensätze wegnimmt:—als Freund der Zwischenfarben, Schatten, Nachmittagslichter und endlosen Meere.
2 [163]
Gewöhnliche Fehler der Moral-Historiker:
1. sie zeigen, daß es bei verschiedenen Völkern verschiedene moralische Schätzungen giebt und schließen daraus deren Unverbindlichkeit überhaupt.— Oder sie behaupten irgend einen consensus der Völker, mindestens der civilisirten, in gewissen Dingen der Moral und schließen daraus auf dessen Verbindlichkeit für uns!— Beides ist gleich naiv.
2. sie kritisiren die Meinungen eines Volkes über seine Moral (über deren Herkunft, Sanktion, Vernünftigkeit usw.) und glauben eine Moral selbst kritisirt zu haben, welche mit diesem Unkraut von Unvernunft überwachsen ist.
3. sie stehen selbst unter dem Regiment einer Moral, ohne es zu wissen und thun im Grunde nichts anderes als ihrem Glauben an sie zum Siege zu verhelfen:—ihre Gründe beweisen nur ihren eigenen Willen, daß das und das geglaubt werde, daß das und das durchaus wahr sein solle.
Mit den bisherigen Moral-Historikern hat es wenig auf sich: sie stehen gewöhnlich selbst unter dem Commando einer Moral und thun im Grunde nichts anderes als deren Propaganda zu machen. Ihr gewöhnlicher Fehler ist, daß sie die thörichten Meinungen eines Volkes über seine Moral kritisiren (also über deren Herkunft, Sanktion, Vernünftigkeit) und eben damit die Moral selbst kritisirt zu haben glauben, welche mit diesem Unkraut von Unvernunft überwachsen ist. Aber der Werth einer Vorschrift “du sollst” ist unabhängig von der Meinung über dieselbe, so gewiß der Werth eines Medikaments unabhängig davon ist, ob ich wissenschaftlich oder wie ein altes Weib über Medizin denke
Oder wiederum sie behaupten irgend einen consensus der Völker, mindestens der zahmen Völker über gewisse Dinge der Moral und schließen daraus auf deren unbedingte Verbindlichkeit, auch für dich und mich: was Beides gleich große Naivetäten sind —
2 [164]
Ein durch Kriege und Siege gekräftigter Geist, dem die Eroberung, das Abenteuer, die Gefahr, der Schmerz sogar zum Bedürfniß geworden ist; eine Gewöhnung an scharfe hohe Luft, an winterliche Wanderungen, an Eis und Gebirge in jedem Sinne; eine Art sublimer Bosheit und letzten Muthwillens der Rache, denn es ist Rache darin, Rache am Leben selbst, wenn ein Schwerleidender das Leben in seine Protektion nimmt. Dies Buch, dem nicht nur Eine Vorrede noth thun mag, ist aus vielen Gründen schwerverständlich, nicht durch ein Ungeschick seines Urhebers, noch weniger durch dessen schlechten Willen, sondern den letzten Muthwillen eines Schwer-Leidenden, der sich beständig über ein Ideal lustig macht, an das das Volk glaubt, welches er vielleicht in diesem Zustande erreicht hat.
— Und vielleicht habe ich ein Recht, über diese Zustände mitzureden, weil ich ihnen nicht nur zugesehen habe.
Ich zweifle nicht: es war der Zustand des Weisen, wie ihn das Volk sich denkt, über den ich damals mit einer ironischen Selbst-Überlegenheit hinweglebte: die sanfte Unfruchtbarkeit und Selbstbefriedigung des Weisen, wie ihn sich das Volk denkt, das Abseits und Jenseits des “Rein-Erkennenden,” der ganze sublime Onanismus eines Geistes, dem der gute Wille zur That, zur Zeugung, zum Schaffen in jedem Sinne abhanden gekommen ist. Wer fühlt mir das wunderliche Glück jener Zeit nach, in der das Buch entstand! Die sublime Bosheit einer Seele, welche
Meinem Geschmacke von heute sagt etwas anderes zu: der Mensch der großen Liebe und der großen Verachtung, den seine überflüssige Kraft aus allem “Abseits” und “Jenseits” mittenhinein in die Welt treibt, den die Einsamkeit zwingt, sich Wesen zu schaffen, die ihm gleich sind—ein Mensch mit dem Willen zu einer furchtbaren Verantwortlichkeit, an sein Problem geschmiedet
Was vielleicht am schwersten an diesem schwerverständlichen Buche zu begreifen ist, dem nicht nur Eine Vorrede noth thut, das ist die Ironie des Gegensatzes zwischen seinem Thema, einer Auflösung und Aufdröselung der moralischen Werthe—und seinem Tone, dem der höchsten mildesten weisesten Gelassenheit, an dem ein Schwer-Leidender, ein dem Leben Abgewandter sich wie an seinem letzten Muthwillen ergetzte.
2 [165]
(41)
Zur Vorrede der “Morgenröthe”
Versuch über Moral zu denken, ohne unter ihrem Zauber zu stehen, mißtrauisch gegen die Überlistung ihrer schönen Gebärden und Blicke
Eine Welt, die wir verehren können, die unserem anbetenden Triebe gemäß ist—die sich fortwährend beweist—durch Leitung des Einzelnen und Allgemeinen—: dies die christliche Anschauung, aus der wir Alle stammen.
Durch ein Wachsthum an Schärfe, Mißtrauen, Wissenschaftlichkeit (auch durch einen höher gezüchteten Instinkt der Wahrhaftigkeit, also unter wieder christlichen Einwirkungen) ist diese Interpretation uns immer mehr unerlaubt worden.
Feinster Ausweg: der Kantsche Kriticismus. Der Intellekt stritt sich selbst das Recht ab sowohl zur Interpretation in jenem Sinne als zur Ablehnung der Interpretation in jenem Sinne. Man begnügte sich, mit einem Mehr von Vertrauen und Glauben, mit einem Verzichtleisten auf alle Beweisbarkeit seines Glaubens, mit einem unbegreiflichen und überlegenen “Ideal” (Gott) die Lücke auszufüllen.
Der Hegelische Ausweg, im Anschluß an Plato, ein Stück Romantik und Reaktion, zugleich das Symptom des historischen Sinns, einer neuen Kraft: der “Geist” selbst ist das sich enthüllende und verwirklichende Ideal, im “Prozeß,” im “Werden” offenbart sich ein immer Mehr von diesem Ideal, an das wir glauben—, also das Ideal verwirklicht sich, der Glaube richtet sich auf die Zukunft, in der er seinem edlen Bedürfnisse nach anbeten kann. Kurz,
1) Gott ist uns unerkennbar und unnachweisbar—Hintersinn der erkenntnißtheoretischen Bewegung
2) Gott ist nachweisbar, aber als etwas Werdendes, und wir gehören dazu, eben mit unsrem Drang zum Idealen—Hintersinn der historisirenden Bewegung
Aber derselbe historische Sinn, in die Naturgeschichte übertretend, hat
Man sieht: es ist niemals die Kritik an das Ideal selbst gerückt, sondern nur an das Problem, woher der Widerspruch gegen dasselbe kommt, warum es noch nicht erreicht oder warum es nicht nachweisbar im Kleinen und Großen ist.
Das Ideal des Weisen in wiefern grundmoralisch bis her?
Es macht den größten Unterschied: ob man aus der Leidenschaft heraus, aus einem Verlangen heraus diesen Nothstand als Nothstand fühlt oder ob man ihn mit der Spitze des Gedankens und einer gewissen Kraft der historischen Imagination gerade noch als Problem erreicht ....
Abseits von der religiös-philosophischen Betrachtung finden wir dasselbe Phänomen: der Utilitarismus (der Socialismus, der Demokratismus) kritisirt die Herkunft der moralischen Werthschätzungen, aber er glaubt an sie, ebenso wie der Christ. (Naivetät, als ob Moral übrig bliebe, wenn der sanktionirende Gott fehlt. Das “Jenseits” absolut nothwendig, wenn der Glaube an Moral aufrecht erhalten werden soll.)
Grundproblem: woher diese Allgewalt des Glaubens? Des Glaubens an die Moral?
(—der sich auch darin verräth, daß selbst die Grundbedingungen des Lebens zu Gunsten der Moral falsch interpretirt werden: trotz Kenntniß der Thierwelt und Pflanzenwelt.
die “Selbsterhaltung,” darwinistische Perspektive auf Versöhnung altruistischer und egoistischer Principien.
(Kritik des Egoismus, z.B. Larochefoucauld)
Mein Versuch, die moralischen Urtheile als Symptome und Zeichensprachen zu verstehen, in denen sich Vorgänge des physiologischen Gedeihens oder Mißrathens, ebenso das Bewußtsein von Erhaltungs- und Wachsthumsbedingungen verräth: eine Interpretation’s-Weise vom Werthe der Astrologie. Vorurtheile, denen Instinkte souffliren (von Rassen, Gemeinden, von verschiedenen Stufen wie Jugend oder Verwelken usw.)
Angewendet auf die speziell christlich-europäische Moral: unsere moralischen Urtheile sind Anzeichen vom Verfall, vom Unglauben an das Leben, eine Vorbereitung des Pessimismus.
Was bedeutet es, daß wir einen Widerspruch in das Dasein hineininterpretirt haben?— Entscheidende Wichtigkeit: hinter allen anderen Werthschätzungen stehen commandirend jene moralischen Werthschätzungen. Gesetzt, sie fallen fort, wonach messen wir dann? Und welchen Werth haben dann Erkenntniß usw. usw.???
Mein Hauptsatz: es giebt keine moralischen Phänomene, sondern nur eine moral Interpretation dieser Phänomene. Diese Interpretation selbst ist außermoralischen Ursprungs.
2 [166]
Vorrede zur “Fröhlichen Wissenschaft”
Eine Lustbarkeit vor einer großen Unternehmung, zu der man jetzt endlich die Kraft bei sich zurückkehren fühlt: wie Buddha sich 10 Tage den weltl Vergnügungen ergab, als er seinen Hauptsatz gefunden.
Allgemeiner Spott über alles Moralisiren von heute. Vorbereitung zu Zarathustras naiv-ironischer Stellung zu allen heiligen Dingen (naive Form der Überlegenheit: das Spiel mit dem Heiligen)
(42)
Über das Mißverständniß der “Heiterkeit.” Zeitweilige Erlösung von der langen Spannung, der Übermuth, die Saturnalien eines Geistes, der sich zu langen und furchtbaren Entschließungen weiht und vorbereitet. Der “Narr” in der Form der “Wissenschaft.”
Diesem Buche thut vielleicht nicht nur Eine Vorrede noth: von seiner “fröhlichen Wissenschaft” hat man gar nichts verstanden. Selbst über den Titel
Von dieser “fröhlichen Wissenschaft” hat man gar Nichts verstanden; nicht einmal den Titel, über dessen provenzalischem Sinn wenigstens viele Gelehrten
Der triumphirende Zustand, aus dem dies Buch hervorgieng, ist schwer zu begreifen—ich selbst war aber aus einem Zustand hervorgegangen.
das Bewußtsein des Widerwillens gegen Alles, was hinter mir lag, gepaart mit einem sublimen Willen zur Dankbarkeit selbst für das “Hinter-mir,” welcher nicht zu fern von dem Gefühl des Rechts auf eine lange Rache war
ein Stück graues eiskaltes Greisenthum, an der unrechtesten Stelle des Lebens eingeschaltet, die Tyrannei des Schmerzes überboten durch die Tyrannei des Stolzes, der die Folgerungen des Schmerzes ablehnt, die Vereinsamung als Nothwehr gegen eine krankhaft hellseherische Menschen-Verachtung und deshalb noch als Erlösung geliebt und genossen, andererseits ein Verlangen nach dem Bittersten Herbsten Wehethuendsten der Erkenntniß
Es gehört zu den Dingen, die ich nicht vergessen werde, daß man mir zu keinem Buche so aufrichtig gratulirt hat wie zu diesem, man gab mir selbst zu verstehen, wie gesund eine solche Denkweise sei
Nichts beleidigt so tief als die Höhe und Strenge der eigenen Ansprüche an sich merken zu lassen.
Nichts beleidigt so tief, nichts trennt so gründlich ab als etwas von der Höhe u. Strenge, mit der man sich selbst behandelt, merken zu lassen: oh wie entgegenkommend und liebreich zeigt sich alle Welt gegen uns, sobald wir es machen wie alle Welt und uns “gehen lassen” wie alle Welt!
Es gehört zu den Dingen, die ich nicht vergessen werde, daß man mir zu diesem Buche des “gai saber” mehr Glückwünsche gesagt hat als zu allen übrigen zusammen: man war plötzlich mit mir versöhnt, man zeigte sich wieder entgegenkommend und liebreich, alle Welt sah darin eine Genesung, Rückkehr, Heimkehr, Einkehr—nämlich als Rückkehr zu “aller Welt.”
Abgesehen von einigen Gelehrten, deren Eitelkeit an dem Worte “Wissenschaft” Anstoß nahm (—sie gaben mir zu verstehen, Das sei “fröhlich” vielleicht, sicherlich aber nicht “Wissenschaft,”—) nahm alle Welt dies Buch wie eine Rückkehr zu “aller Welt” und zeigte sich um seinetwillen entgegenkommend und liebreich gegen mich: und ich errieth nachträglich, wie Nichts am tiefsten beleidigt und am gründlichsten gegen uns
NB Vielleicht daß man zum Schluß auch einigen übermüthigen Liedern Gehör schenkt, in denen ein Dichter sich über die Dichter lustig macht und deren schöne lyrische Gefühle.
NB!! Zarathustra, der auf eine heilige Weise allen heiligen Dingen Muth und Spott entgegenstellt und seinen Weg zum Verbotensten, Bösesten mit Unschuld geht
2 [167]
Leugnung der Causalität. Um nicht für Jegliches Alles verantwortlich zu machen und den Faden kurz zu nehmen, an dem etwas hängt. “Zufall” existirt wirklich.
2 [168]
Tendenz der Moral-Entwicklung. Jeder wünscht, daß keine andere Lehre und Schätzung der Dinge zur Geltung komme außer eine solche, bei der er selbst gut wegkommt. Grundtendenz folglich der Schwachen und Mittelmäßigen aller Zeiten, die Stärkeren schwächer zu machen, herunterzuziehen: Hauptmittel das moralische Urtheil. Das Verhalten des Stärkeren gegen den Schwächeren wird gebrandmarkt; die höheren Zustände des Stärkeren bekommen schlechte Beinamen.
Der Kampf der Vielen gegen die Wenigen, der Gewöhnlichen gegen die Seltenen, der Schwachen gegen die Starken
— eine seiner feinsten Unterbrechungen ist die, daß die Ausgesuchten Feinen Anspruchsvolleren sich als die Schwachen präsentirten und die gröberen Mittel der Macht von sich wiesen —
2 [169]
(34)
Es könnte scheinen als ob ich der Frage nach der Gewißheit ausgewichen sei. Das Gegentheil ist wahr: aber indem ich nach dem Kriterium der Gewißheit fragte, prüfte ich, nach welchem Schwergewichte überhaupt bisher gewogen worden ist—und daß die Frage nach der Gewißheit selbst schon eine abhängige Frage sei, eine Frage zweiten Ranges.
2 [170]
(44)
Es fehlt das Wissen und Bewußtsein davon, welche Umdrehungen bereits das moralische Urtheil denn durchgemacht hat, und wie wirklich mehrere Male schon im gründlichsten Sinne “Böse” auf “Gut” umgetauft worden ist. Auf eine dieser Verschiebungen habe ich mit dem Gegensatze “Sittlichkeit der Sitte” und
Auch das Gewissen hat seine Sphäre vertauscht: es gab einen Heerden-Gewissensbiß
In wiefern auch unser Gewissen, mit seiner anscheinenden persönlichen Verantwortung doch noch Heerden-Gewissen ist.
2 [171]
(43)
Der Gewissensbiß wie alle ressentiments bei einer großen Fülle von Kraft fehlend. (Mirabeau, B. Cellini, Cardanus).
2 [172]
Das “Sein”—wir haben keine andere Vorstellung davon als “leben.”— Wie kann also etwas Todtes “sein”?
2 [173]
Zu l’art pour l’art cf. Doudan pensées p. 10 wie der Cultus der Farben depravirt
Scherer VIII p. 292.
2 [174]
Man findet in den Dingen nichts wieder als was man einst selbst hineingesteckt hat: dies Kinderspiel, von dem ich nicht gering denken möchte, heißt sich “Wissenschaft”? Im Gegentheil: führen wir fort mit Beidem, es gehört guter Muth zu Beidem—die Einen zum Wiederfinden, die Andern—wir Andern!—zum Hineinstecken!
— der Mensch findet zuletzt in den Dingen nichts wieder als was er selbst in sie hineingesteckt hat: das Wiederfinden heißt sich Wissenschaft, das Hineinstecken—Kunst, Religion, Liebe, Stolz. In Beidem, wenn es selbst Kinderspiele sein sollten,
2 [175]
(45)
NB. Gegen die Lehre vom Einfluß des milieu und der äußeren Ursachen: die innere Kraft ist unendlich überlegen; Vieles, was wie Einfluß von Außen aussieht, ist nur ihre Anpassung von Innen her. Genau dieselben milieu’s können entgegengesetzt ausgedeutet und ausgenutzt werden: es giebt keine Thatsachen.— Ein Genie ist nicht erklärt aus solchen Entstehungs-Bedingungen —
2 [176]
Was den starken Menschen des 20. Jahrhunderts ausmacht: —
2 [177]
(46)
Volksthümliche Ideale z.B. Franz von Assisi: Leugnung der Seelen-Hierarchie, vor Gott Alle gleich.
2 [178]
Es thut gut, “Recht” “Unrecht” usw. in einem bestimmten engen bürgerlichen Sinn zu nehmen, wie “thue Recht und scheue Niemanden”: d.h. einem bestimmten groben Schema gemäß, innerhalb dessen ein Gemeinwesen besteht, seine Schuldigkeit thun.
2 [179]
Vorrede
Von einer Vorstellung des Lebens ausgehend (das nicht ein Sich-erhalten-wollen, sondern ein Wachsen-Wollen ist) habe ich einen Blick über den Grundinstinkt unserer politischen geistigen gesellschaftlichen Bewegung Europas gegeben.
Wovon ich vielleicht einen Begriff gegeben habe?
1) daß hinter den grundsätzlichsten Verschiedenheiten der Philosophen eine gewisse Gleichheit des Bekenntnisses steht: die unbewußte Führung durch moralische Hinterabsichten, deutlicher: durch volksthümliche Ideale;—daß folglich das moralische Problem radikaler ist als das erkenntnißtheoretische
2) daß einmal eine Umkehrung des Blicks noth thut, um das Vorurtheil der Moral und aller volksthümlicher Ideale ins Licht zu bringen: wozu alle art “freier Geister”—d.h. unmoralischer—gebraucht werden kann.
3) daß das Christenthum, als plebejisches Ideal, mit seiner Moral auf Schädigung der stärkeren höher gearteten männlichen Typen hinausläuft und einen Heerdenart-Menschen begünstigt: daß sie eine Vorbereitung der demokratischen Denkweise ist
4) daß die Wissenschaft im Bunde mit der Gleichheits-Bewegung vorwärts geht, Demokratie ist, daß alle Tugenden des Gelehrten die Rangordnung ablehnen
5) daß das demokratische Europa nur auf eine sublime Züchtung der Sklaverei hinausläuft, welche durch eine starke Rasse kommandirt werden muß, um sich selbst zu ertragen
6) daß eine Aristokratie nur unter hartem langem Druck entsteht (Herrschaft über die Erde)
2 [180]
Vielleicht giebt es ein Paar Menschen in Europa, auch in Deutschland, welche an das Problem dieses Buches reichen, und nicht nur mit ihrer Neugierde, nicht nur mit den Fühlhörnern eines verwöhnten Verstandes, ihrer errathenden Ein- und Nachbildungskraft, ihres “historischen Sinns” zumal, sondern mit der Leidenschaft des Entbehrenden: deren Seele Höhe genug hat, um meine Conception des “freien Geistes” als ein Ausdrucksmittel, als eine Feinheit, wenn man will, als eine Bescheidenheit zu verstehn: diese werden sich nicht über meine Dunkelheit beklagen.
Es giebt viele Dinge, gegen welche ich nicht nöthig gefunden habe, zu reden: es versteht sich von selbst, daß mir der “Litterat” widerlich ist, daß mir alle politischen Parteien von heute widerlich sind, daß der Sozialist von mir nicht nur mit Mitleiden behandelt wird. Die beiden vornehmsten Formen Mensch, denen ich leibhaft begegnet bin, der vollkommene Christ—ich rechne es mir zu Ehren, aus einem Geschlechte zu stammen, das in jedem Sinne Ernst mit seinem Christenthum gemacht hat—und der vollkommene Künstler des romantischen Ideals, welchen ich tief unter dem christlichen Niveau gefunden habe: es liegt auf der Hand, daß, wenn man diesen Formen den Rücken gekehrt hat, weil sie Einem nicht genügen, man nicht leicht in einer anderen Art Mensch von heute sein Genüge findet,—in sofern bin ich zur Einsamkeit verurtheilt, obwohl ich mir sehr gut eine Art Menschen denken kann, an der ich mein Vergnügen hätte. Mein duldsamer und milder Ekel vor der Selbstgenügsamkeit unserer mit Bildung sich putzenden Großstädter, unserer Gelehrten
2 [181]
(42)
Die Ironie des Plato, mit der eine übergroße Zartheit der Gefühle und der Sinne, eine Verletzlichkeit des Herzens sich zu schützen, mindestens zu verbergen weiß, jenes olympische Wesen Goethes, der Verse über seine Leiden machte, um sie loszuwerden, insgleichen Stendhal, Merimée —
2 [182]
(10)
Damit etwas bestehen soll, was länger ist als ein Einzelner, damit also ein Werk bestehen bleibt, das vielleicht ein Einzelner geschaffen hat: dazu muß dem Einzelnen alle mögliche Art von Beschränkung, von Einseitigkeit usw. auferlegt werden. Mit welchem Mittel? Die Liebe Verehrung Dankbarkeit gegen die Person, die das Werk schuf, ist eine Erleichterung: oder daß unsere Vorfahren es erkämpft haben: oder daß meine Nachkommen nur so garantirt sind, wenn ich jenes Werk (z.B. die) garantire. Moral ist wesentlich das Mittel, über die Einzelnen hinweg, oder vielmehr durch eine Versklavung der Einzelnen etwas zur Dauer zu bringen. Es versteht sich, daß die Perspektive von unten nach oben ganz andere Ausdrücke geben wird, als die von oben nach unten.
Ein Macht-Complex: wie wird er erhalten? Dadurch, daß viele Geschlechter ihm sich opfern, d.h.
2 [183]
Zur Einleitung.
Für Jeden, der mit einem großen Fragezeichen wie mit seinem Schicksale zusammengelebt hat und dessen Tage und Nächte sich in lauter einsamen Zwiegesprächen und Entscheidungen verzehrten, sind fremde Meinungen über das gleiche Problem eine Art Lärm, gegen den er sich wehrt und die Ohren zuhält: überdies, gleichsam etwas Zudringliches Unbefugtes und Schamloses, von Seiten solcher, welche, wie er glaubt, kein Recht auf ein solches Problem besitzen: weil sie es nicht gefunden haben. Es sind die Stunden des Mißtrauens gegen sich selbst, des Mißtrauens gegen das eigene Recht und Vorrecht, wo der einsiedlerische Liebende—denn das ist ein Philosoph—zu hören verlangt, was Alles über sein Problem gesagt und geschwiegen wird; vielleicht, daß er dabei erräth, daß die Welt voll solcher eifersüchtig Liebender ist, gleich ihm, und daß alles Laute, Lärmende, Öffentliche, der ganze Vordergrund von Politik, Alltag, Jahrmarkt, “Zeit” nur erfunden zu sein scheint, damit alles, was uns heute Einsiedler und Philosoph ist, sich dahinter verstecken könne—als in ihre eigenste Einsamkeit; Alle mit Einem beschäftigt, in Eins verliebt, auf Eins eifersüchtig, gerade auf sein Problem. “Es wird gar nichts Andres heute gedacht wo überhaupt gedacht wird”—sagt er sich endlich; “es dreht sich Alles gerade um dies Fragezeichen; was mir vorbehalten schien, darum bewirbt sich das ganze Zeitalter: es begiebt sich im Grunde gar nichts Anderes; ich selbst—aber was liegt an mir!”
2 [184]
(47)
Spät komme ich zum Bewußtsein, wie weit die moralistische Skepsis gegangen ist: woran erkenne ich mich wieder?
Der Determinismus: wir sind für unser Wesen nicht verantwortlich
Der Phänomenalismus: wir wissen nichts von einem “Ding an sich”
Mein Problem: Welchen Schaden hat die Menschheit bisher von der Moral sowohl wie von ihrer Moralität gehabt? Schaden am Geiste usw.
mein Ekel am Weisen als einem Zuschauer
mein höherer Begriff “Künstler”
2 [185]
(47)
“Wir Immoralisten”
wirkliche Kritik des moralischen Ideals
— des guten Menschen, des Heiligen, des Weisen
— von der Verleumdung der sogenannten bösen Eigenschaften
— welchen Sinn haben die verschiedenen moralischen Interpretationen?
— was ist die Gefahr der jetzt in Europa herrschenden Interpretation?
— was ist das Maaß, woran gemessen werden kann? (“Wille zur Macht”)
2 [186]
Glaubt ja nicht, daß ich euch zu dem gleichen Wagnisse auffordern werde! Oder auch nur zur gleichen Einsamkeit. Denn wer auf eigenen Wegen geht, begegnet Niemandem: das bringen die “eigenen Wege” mit sich. Niemand kommt ihm dabei zu “helfen,” und mit allem, was ihm von Gefahr, Zufall, Bosheit und schlechtem Wetter zustößt, muß er selbst fertig werden. Er hat eben seinen Weg für sich, und auch seinen gelegentlichen Verdruß über dieses harte unerbittliche “für sich”: wozu es zum Beispiel gehört, daß selbst seine guten Freunde nicht immer sehen und wissen, wo er eigentlich geht, wohin er eigentlich will—und sich bisweilen fragen: wie? geht er überhaupt? hat er—einen Weg? ...
— Indem ich hiermit den Versuch mache, denen, welche mir bisher —trotz alledem—wohlgesinnt geblieben sind, einen Wink über den Weg zu geben, welchen ich gegangen bin, empfiehlt es sich zuerst zu sagen, auf welchen Wegen man mich bisweilen gesucht und selbst zu finden geglaubt hat. Man pflegt mich zu verwechseln: ich gestehe es ein; insgleichen, daß mir ein großer Dienst geschehen wäre, wenn Jemand Anderer mich gegen diese Verwechslungen vertheidigte und abgrenzte. Aber, wie gesagt, ich muß mir selbst zu Hülfe kommen: wozu geht man “auf eigenen Wegen”?
antimetaphysisch, antiromantisch, artistisch, Pessimistisch, skeptisch, historisch
| Eine artistische Weltbetrachtung eine antimetaphysische—ja, aber eine artistische — |
| eine Pessimistische-buddhistische — |
| eine skeptische — |
| eine wissenschaftliche—nicht positiv |
2 [187]
— placatumque nitet diffuso lumine coelum —
2 [188]
daß sich die Geschichte sämmtl Ph der Moralität dermaßen vereinfachen lasse, wie es Schopenhauer glaubte—nämlich so, daß als Wurzel jeder bisherigen moral Neigung das Mitleiden wiederzufinden sei—zu diesem Grade von Widersinn und Naivetät konnte nur ein Denker kommen, der von allem historischen Instinkte entblößt war und in der wunderlichsten Weise selbst jener starken Schulung zur Historie, wie sie die Deutschen von Herder bis Hegel durchgemacht haben, entschlüpft war.
2 [189]
Die Frage nach der Herkunft unserer Werthschätzungen und Gütertafeln fällt ganz und gar nicht mit deren Kritik zusammen, wie so oft geglaubt wird: so gewiß auch die Einsicht in irgend eine pudenda origo für das Gefühl eine Werthverminderung der so entstandenen Sache mit sich bringt und gegen dieselbe eine kritische Stimmung und Haltung vorbereitet.
2 [190]
(47)
was sind unsere Werthschätzungen und moralischen Gütertafeln selber werth? Was kommt bei ihrer Herrschaft heraus? Für wen? In Bezug worauf?— Antwort: für das Leben. Aber was ist Leben? Hier thut also eine neue bestimmtere Fassung des Begriffs “Leben” noth: meine Formel dafür lautet: Leben ist Wille zur Macht.
was bedeutet das Werthschätzen selbst? weist es auf eine andere metaphysische Welt zurück oder hinab? Wie noch Kant glaubte (der vor der großen historischen Bewegung steht) Kurz: wo ist es entstanden? Oder ist es nicht “entstanden”? Antwort: das moralische Werthschätzen ist eine Auslegung, eine Art zu interpretiren. Die Auslegung selbst ist ein Symptom bestimmter physiologischer Zustände, ebenso eines bestimmten geistigen Niveaus von herrschenden Urtheilen. Wer legt aus?— Unsere Affekte.
2 [191]
Meine Behauptung: daß man die moralischen Werthschätzungen selbst einer Kritik unterziehn muß. Daß man dem moralischen Gefühls-Impuls mit der Frage: warum? Halt gebieten muß. Daß dies Verlangen nach einem “Warum?,” nach einer Kritik der Moral, eben unsere jetzige Form der Moralität selbst ist, als ein sublimer Sinn der Redlichkeit. Daß unsere Redlichkeit, unser Wille, uns nicht zu betrügen sich selbst ausweisen muß: “warum nicht?”— Vor welchem Forum?— Der Wille, sich nicht betrügen lassen, ist anderen Ursprungs, eine Vorsicht gegen Überwältigung, Ausbeutung, ein Nothwehr-Instinkt des Lebens.
Das sind meine Forderungen an euch—sie mögen euch schlecht genug zu Ohren gehen—: daß ihr die moralischen Werthschätzungen selbst einer Kritik unterziehen sollt. Daß ihr dem moralischen Gefühls-Impuls, welcher hier Unterwerfung und nicht Kritik verlangt, mit der Frage: “warum Unterwerfung?” Halt gebieten sollt. Daß ihr dies Verlangen nach einem “Warum?,” nach einer Kritik der Moral, eben als eure jetzige Form der Moralität selbst ansehen sollt, als die sublimste Art von Rechtschaffenheit, die euch und eurer Zeit Ehre macht.
2 [192]
das Gefühl: du sollst!, die Unruhe beim Zuwiderhandeln—Frage: “wer befiehlt da? Wessen Ungnade fürchten wir da?”
2 [193]
(7)
Unsere Unart, ein Erinnerungs-Zeichen, eine abkürzende Formel als Wesen zu nehmen, schließlich als Ursache z.B. vom Blitz zu sagen: “er leuchtet.” Oder gar das Wörtchen “ich.” Eine Art von Perspektive im Sehen wieder als Ursache des Sehens selbst zu setzen: das war das Kunststück in der Erfindung des “Subjekts,” des “Ichs”!
2 [194]
(23)
Stendhal: “Combien de lieues ne ferais-je pas à pied, et à combien de jours de prison ne me soumettrais-je pas pour entendre Don Juan ou le Matrimonio segreto; et je ne sais pour quelle autre chose je ferais cet effort.” Damals war er 56 Jahr alt.
2 [195]
(41)
Hegel: seine populäre Seite die Lehre vom Krieg und den großen Männern. Das Recht ist bei dem Siegreichen: er stellt den Fortschritt der Menschheit dar.
Versuch, die Herrschaft der Moral aus der Geschichte zu beweisen
Kant: uns entzogen, unsichtbar, wirklich, ein Reich der moralischen Werthe
Hegel: eine nachweisbare Entwicklung, Sichtbarwerdung des moralischen Reichs
Wir wollen uns weder auf die Kantische noch Hegelsche Manier betrügen lassen:—wir glauben nicht mehr, wie sie, an die Moral und haben folglich auch keine Philosophien zu gründen, damit die Moral Recht behalte. Sowohl der Kriticismus als der Historicismus hat für uns nicht darin seinen Reiz:—nun, welchen hat er denn?
2 [196]
Wir Heimatlosen—ja! Aber wir wollen die Vortheile unserer Lage ausnützen und, geschweige an ihr zu Grunde zu gehn, uns die freie Luft und mächtige Lichtfülle zu Gute kommen lassen.
2 [197]
Ungläubige und Gottlose, ja!—aber ohne jene Bitterkeit und Leidenschaft des Losgerissenen, der sich aus dem Unglauben einen Glauben, einen Zweck, oft ein Martyrium zurecht macht: wir sind abgesotten und kalt geworden in der Einsicht, daß es in der Welt durchaus nicht göttlich zugeht, ja noch nicht einmal nach vernünftigem, barmherzigem, menschlichem Maaße; wir wissen es, die Welt, in der wir leben, ist unmoralisch, ungöttlich, unmenschlich—wir haben sie allzulange im Sinne unserer Verehrung interpretirt. Die Welt ist nicht das werth, was wir geglaubt haben: und der letzte Spinnefaden von Trost, den Schopenhauer gesponnen hat, ist von uns zerrissen worden: eben das sei der Sinn der ganzen Geschichte, daß sie hinter ihre Sinnlosigkeit kommt und ihrer selber satt wird. Dies Am-Dasein-Müde-werden, dieser Wille zum Nicht-mehr-wollen, das Zerbrechen des Eigenwillens, des Eigenwohles, Selbstl (als Ausdruck dieses umgekehrten Willens)—dies und nichts Anderes wollte Schopenhauer mit der höchsten Ehre geehrt wissen: er hieß es Moral, er dekretirte, daß alles selbstlose Handeln er glaubte selbst der Kunst ihren Werth zu sichern, indem er in den indifferenten Zuständen, welche sie schafft, Vorbereitungen für jene gänzliche Loslösung und Sattheit des Ekels erkennen möchte.
— aber wären wir wirklich in Hinsicht auf den Anblick einer unmoralischen Welt Pessimisten? Nein, denn wir glauben nicht an die Moral — — wir glauben, daß Barmherzigkeit, Recht, Mitleid u. Gesetzlichkeit bei weitem überschätzt sind, daß ihr Gegentheil verleumdet worden ist, daß in Beidem, im Übertreiben und Verleumden, in der ganzen Anlegung des moral Ideals und Maaßstabes eine ungeheure Gefährdung des Menschen lag. Vergessen wir auch den guten Ertrag nicht: das Raffinement der Auslegung, der moral Vivisektion, der Gewissensbiß hat die Falschheit des Menschen aufs höchste gesteigert und ihn geistreich gemacht.
An sich hat eine Religion nichts mit der Moral zu thun: aber die beiden Abkömmlinge der jüdischen R sind beide wesentlich moralische Religionen, solche, die Vorschriften darüber geben, wie gelebt werden soll und mit Lohn und Strafe ihren Forderungen Gehör schaffen.
2 [198]
die aera Bismarcks (die aera der deutschen Verdummung)
auf solchem Sumpfboden gedeihen , wie billig, auch die eigentlichen Sumpfpflanzen, z.B. der A
2 [199]
— national zu sein, in dem Sinne und Grade, wie es jetzt von der Öffentlichen Meinung verlangt wird, würde an uns geistigen Menschen, wie mir scheint, nicht nur eine Abgeschmacktheit: sondern eine Unredlichkeit sein, eine willkürliche Betäubung unseres besseren Wissens und Gewissens
2 [200]
Insgleichen sind wir keine Christen mehr: wir sind dem Christenthum entwachsen, nicht weil wir ihm zu fern, sondern weil wir ihm zu nahe gewohnt haben, mehr noch weil wir aus ihm gewachsen sind—es ist unsere strengere und verwöhntere Frömmigkeit selbst, die uns heute verbietet, noch Christen zu sein—
2 [201]
Wenn ich einstmals das Wort “unzeitgemäß” auf meine Bücher geschrieben habe, wie viel Jugend, Unerfahrenheit, Winkel drückt sich in diesem Worte aus! Heute begreife ich, daß mit dieser Art Klage Begeisterung und Unzufriedenheit ich eben damit zu den Modernsten der Modernen gehörte.
2 [202]
Kant: die bloße Idee von einer möglichen Wissenschaft, welcher man sich auf mancherlei Wegen zu nähern sucht, so lange, bis der einzige, sehr durch Sinnlichkeit verwachsene Fußsteig entrückt wird” —
2 [203]
Und auch heute noch geben die Philosophen, ohne daß sie es wissen, den stärksten Beweis, wie weit diese Autorität der Moral reicht. Mit allem ihrem Willen zur Unabhängigkeit, mit ihren Gewohnheiten oder Grundsätzen des Zweifels, selbst mit ihrem Laster des Widerspruchs, der Neuerung um jeden Preis, des Hochmuths von jeder Höhe—was wird aus ihnen, sobald sie über “du sollst” und “du sollst nicht” nachdenken? Es giebt sofort gar nichts Bescheideneres auf Erden: die Circe Moral hat sie eben angehaucht und verzaubert! Alle diese Stolzen und Einsam-Wandelnden!— Nun sind es mit einem Mal Lämmer, nun wollen sie Heerde sein. Zunächst wollen sie allesammt ihr “du sollst” und “du sollst nicht” mit Jedermann gemein haben,—erstes Zeichen der preisgegebenen Unabhängigkeit. Und was ist ihr Kriterium einer moralischen Vorschrift? Alle sind darüber einmüthig: deren Gemeingültigkeit, ihr Absehen von der Person. Dies heiße ich “Heerde.” Darauf freilich trennen sie sich: denn jeder will mit seiner besten Kraft der M zu Diensten sein. Die meisten von ihnen verfallen darauf “die Moral zu begründen,” wie man sagt, nämlich sie mit der Vernunft zu verschwistern und zu vereinbaren, womöglich bis zur Einheit; die Feineren finden umgekehrt in der Unbegründbarkeit der Moral das Anzeichen und Vorrecht ihres Ranges, ihres der Vernunft überlegenen Ranges; andere werden sie historisch ableiten wollen (etwa mit den Darwinisten, welche das Hausmittelchen für schlechte Historiker erfunden haben “erst Nützlichkeit und Zwang, dann Gewohnheit, endlich Instinkt, sogar Vergnügen”), wieder andere widerlegen diese Ableitungen und leugnen überhaupt jede historische Ableitbarkeit der Moral, und dies ebenfalls zu Ehren ihres Ranges, ihrer höheren Art und Bestimmung: alle aber sind einmüthig in der Hauptsache “die Moral ist da, die Moral ist gegeben!,” sie glauben alle, redlich, unbewußt, ungebrochen an den Werth dessen, was sie Moral nennen, das heißt, sie stehen unter deren Autorität. Ja! Der Werth der Moral! Wird man es erlauben, daß hier Jemand das Wort nimmt, der gerade über diesen Werth Zweifel hat? Und nur in dieser Hinsicht sich auch um ihre Ableitung, Ableitbarkeit, psychologische Möglichkeit und Unmöglichkeit kümmert?
2 [204]
Fünftes Buch: Wir Umgekehrten.
Unsere neue “Freiheit”
Gegen die volksthümlichen Idealmenschen
Wie weit geht Kunst und Falschheit in’s Wesen des Seins?
Warum wir nicht mehr Christen sind.
Warum wir antinational sind.
Pessimismus und Dionysismus.
Unser Mißtrauen gegen die Logik
l’art pour l’art
Die Beschränktheit aller Teleologie.
Gegen den Causalitäts-Fatalismus.
Gegen die Lehre vom Milieu: Maske und Charakter. Zum Begriff “Phänomenalismus.”
Gegen die Romantik.
Begriff der Sklaverei d.h. Verwerkzeugung
Mißverständniß der Heiterkeit.
Was die Rangordnung macht.
Kritik der neueren Philosophie: fehlerhafter Ausgangspunkt, als ob es “Thatsachen des Bewußtseins” gäbe—und keinen Phänomenalismus in der Selbst-Beobachtung
2 [205]
Es giebt gar keinen Egoismus, der bei sich stehen bliebe und nicht übergriffe—es giebt folglich jenen “erlaubten,” “moralisch indifferenten” E gar nicht, von dem ihr redet.
“Man fördert sein Ich stets auf “Kosten des Andern”; Leben lebt immer auf Unkosten andern Lebens.— Wer das nicht begreift, hat bei sich noch nicht den ersten Schritt zur Redlichkeit gemacht.
2 [206]
(48)
Welches Freiheitsgefühl liegt darin, zu empfinden, wie wir befreiten Geister empfinden, daß wir nicht in ein System von “Zwecken” eingespannt sind! Insgleichen, daß die Begriffe “Lohn” und “Strafe” nicht im Wesen des Daseins ihren Sitz haben! Insgleichen, daß die gute und böse Handlung nicht an sich, sondern nur unter der Perspektive der Erhaltungs-Tendenzen gewisser Arten von menschlichen Gemeinschaften, gut und böse zu nennen ist! Insgleichen, daß unsere Abrechnungen über Lust und Schmerz keine kosmische, geschweige denn eine metaphysische Bedeutung haben!— Jener Pessimismus, der die Lust und Unlust des Daseins selbst auf die Wagschale zu setzen sich anheischig macht, mit seiner willkürlichen Einsperrung in das vor-kopernikanische Gefängniß und Gesichtsfeld, würde etwas Rückständiges und Rückfälliges, falls er nicht nur ein schlechter Witz eines Berliners ist (der P E von Hartmanns
2 [207]
Anfang
Schluß.
In wiefern diese Selbstvernichtung der Moral noch ein Stück ihrer eigenen Kraft ist. Wir Europäer haben das Blut solcher in uns, die für ihren Glauben gestorben sind; wir haben die Moral furchtbar und ernst genommen und es ist nichts, was wir ihr nicht irgendwann geopfert haben. Andrerseits: unsre geistige Feinheit ist wesentlich durch Gewissens-Vivisektion erreicht worden. Wir wissen das wohin? noch nicht, zu dem wir getrieben werden, nachdem wir uns dergestalt von unsrem alten Boden abgelöst haben. Aber dieser Boden selbst hat uns die Kraft angezüchtet, die uns jetzt hinaus treibt in die Ferne, in’s Abenteuer, in’s Uferlose, Unerprobte, Unentdeckte hinausgestossen werden,—es bleibt uns keine Wahl, wir müssen Eroberer sein, nachdem wir kein Land mehr haben, wo wir heimisch sind, wo wir “erhalten” möchten. Nein, das wißt ihr besser, meine Freunde! Das verborgene Ja in euch ist stärker als alle Neins und Vielleichts, an denen ihr mit eurer Zeit krank und süchtig seid; und wenn ihr aufs Meer müßt, ihr Auswanderer, so zwingt euch ein Glaube dazu — —
2 [208]
das nicht-fertig-werden mit dem Christenthum
2 [209]
Es ist Ehren-Sache meiner Freunde, für meinen Namen, Ruf und weltliche Sicherheit thätig zu sein und mir eine Burg zu bauen, wo ich gegen die grobe Verkennung bewahrt bin: ich selbst will keinen Finger mehr dafür rühren
2 [210]
die vollkommene Funktions-Sicherheit der regulirenden Instinkte
12, 2[1-210] Herbst 1885 - Herbst 1886
2 [1]
Есть такой род благородной и опасной небрежности, глядя на которую ухватываешь связи и понимаешь, что почем: небрежность несметно богатой души, никогда не заботившейся о друзьях, ведавшей лишь радушие, неизменно проявлявшей радушие и умевшей его проявлять, — сердце и дом открыты для всякого, кто пожелает войти, все равно, будут ли то нищие, юродивые или властители. Это и есть подлинная приветливость: кто обладает ею, у того уйма лжедрузей, но, всего скорее, ни одного друга.
2 [2]
Этот великолепный ум, уже хорошо и достаточно защитивший и замкнувший себя перед любою угрозой:— вас сердит вид его крепости и сознание его сокровенности, и все же вы с любопытством заглядываете за золотую решетку, которой он оградил свои владенья?— вам интересно, вы обольщены, ибо какой-то незнакомый, неясный аромат коварно обвевает вас, рассказывая что-то об утаенных от вас садах и усладах.
2 [3]
Мы оказались в самой гуще опасного карнавала националистического безумия, где мало-мальски проницательный разум вынужден жаться к стенам, а тщеславие самых дремучих народов вопит о праве на отделение и самостийность — как можно ставить сегодня в вину полякам, благороднейшей поросли славянства, что они питают надежды и
мне говорят, что в этом деле решающее слово будет за Германией.
2 [4]
отступления.
для отдыха от книги «Так говорил Заратустра»,
посвященные своим друзьям
Фридрихом Ницше
2 [5]
Исключительный интерес, уделяемый нынче в Германии вопросам власти, злобе дня и — в довершение всего прочего — «благосостоянию», все большее развитие парламентского идиотизма, чтения газет и публицистических разглагольствований встречного и поперечного о чем угодно, преклонение перед неким государственным мужем, имеющим о философии не больше представления, чем какой-нибудь мужик или студент-корпорант, и точно так же к ней относящимся, мнящим свою смелую и беззастенчивую политику-однодневку сделать «приемлемой» для немецкого вкуса (или совести —) посредством допотопной оторочки из роялизма и христианства: все это берет свое начало в жутком и отчаянно интересном 1815 году. Тогда-то внезапная ночь пала на немецкий ум, до той поры долго живший в веселых солнечных лучах: отчизна, граница, родная земля, предки — о своих правах вдруг заявили все эти виды тупости. Тогда наверху зашевелилась реакция и беспокойство, страх перед немецким духом, а внизу соответственно — либерализм, революционные поползновения и всяческая политическая лихорадка; должно быть ясно, что я имею в виду под этим «соответственно». Германия, политизировавшись, с той поры утратила положение духовного лидера Европы: и вот посредственным англичанам удается немцев — —
2 [6]
Предпоследние столетия. —
Лишь в XVII и XVIII столетиях Германия довела до высот самое самобытное свое искусство — музыку: да простят наблюдателю, иной раз впадающему в меланхолию, если он распознает в немецкой музыке девятнадцатого столетия всего лишь блистательную, многоликую и ученую форму упадка. В том же самом охаянном столетии какое-то расточительство наслаждения и силы проявило себя и в изобразительных искусствах: стиль немецкого барокко в церковном и дворцовом зодчестве самым тесным и родственным образом примыкает к нашей музыке — в царстве зрения он образует тот же род чар и соблазнов, каковым выступает наша музыка для некоего другого чувства. В промежутке между Лейбницем и Шопенгауэром (родившимся в 1788-м) Германия сочинила целый сонм оригинальных мыслей, стало быть, они приходятся все на то же столетие: но и эта философия с ее косицею и паутиной понятий, с ее растяжимостью, с ее унынием, с ее тайною бесконечностью и мистикой тоже примыкает к нашей музыке, являя собою своего рода барокко в сфере философии.
2 [7]
Мы не равны тому уму, который нам понятен, — мы превосходим его!
2 [8]
Что еще молодо и еле держится на ногах, всегда вопит громче всех: ведь ему слишком часто доводится падать. К примеру, «патриотизм» в нынешней Европе, «любовь к отчизне», еще совсем младенческая: как можно относиться серьезно к этому маленькому горлодеру!
2 [9]
К моим друзьям.
Эта книга, сумевшая найти своих читателей в обширном круге стран и народов и, как видно, усвоившая некое искусство, коим соблазняют даже чопорный и упрямый слух, — как раз она-то и осталась самой недоступной пониманию моих близких друзей: она, как выяснилось после публикации, вызвала у них испуг и сомнение, положив начало длительному периоду отчужденности между ними и мною. В породившем ее душевном состоянии и впрямь было много запутанного и противоречивого: я в ту пору испытывал и крайнее блаженство, и крайнюю муку — спасибо великой победе, одержанной мною над собой, одной из тех опасных побед, которые обыкновенно губят человека. В один прекрасный день — было это летом 1876 — на меня внезапно нашло презрение и прозрение: и отныне я стал немилосердно игнорировать все те прекрасные мечтания, на которые растратила всю свою душу моя юность
2 [10]
Националистическое безумие и тупость патриотизма не имеют для меня никакого очарования: «Германия, Германия превыше всего» режет мне уши — в сущности, оттого, что я большего от немцев требую и ожидаю, чем —. Первый ее государственный муж, в чьей голове молодецкая основа из роялизма и христианства уживается с беззастенчивостью политики-однодневки, затронутый философией не более, чем мужик или студент-корпорант, возбуждает мое ироническое любопытство. Мне кажется даже полезным, что кое-кто в Германии остался равнодушным к идее Германской империи: не столько в качестве зрителя, сколько в качестве глядящего мимо. А куда ж они глядят? Есть вещи более важные, в сравнении с которыми эти вопросы остаются всего лишь вопросами переднего плана: скажем, все большее выдвижение человека демократического и вызванное этим отупение Европы и умаление европейцев.
2 [11]
Интеллектуальная совесть.
Опыт критики людей наиболее духовных.
Философ. Свободный ум. Художник. Верующий. Ученый. Человек благородный. Дионис.
2 [12]
Inter pares: вот слова, от которых пьянеешь,— столько счастья и боли содержат они для того, кто всю свою жизнь провел в одиночестве; кто так и не повстречал никого подобного себе, хотя искал на разных дорогах; для человека, которому в обществе всегда приходилось надевать маску благожелательства и веселости, искать и часто находить способы мимикрии и которому из долгого, очень долгого опыта известно, что хорошая мина при плохой игре называется «приветливостью»,— но которому порою, конечно, случается испытывать и те пагубные, душераздирающие приливы всей потаенной неприкаянности, всех не подавленных страстей, всех запруженных и взъярившихся потоков любви,— внезапное сумасшествие той минуты, когда одинокий бросается с раскрытыми объятьями к первому встречному, веря в то, что это — друг, подкидыш с небес и драгоценный дар, чтобы часом позже с отвращением оттолкнуть его,— с отвращением теперь уже к себе самому, словно бы оскверненному, словно бы унизившемуся, словно бы опротивевшему самому себе, словно бы больному от собственного своего общества —.
2 [13]
Вот в чем моя никогда не покидающая меня недоверчивость, моя забота, никогда не смыкающая во мне очей, мое вопрошание, которого никто не слышит или не желает расслышать, мой сфинкс, перед которым разверзлась не одна бездна: — я думаю, мы нынче обманываем себя относительно тех вещей, что любимы нами, европейцами, превыше всего, а какой-то жестокий (или пусть даже не жестокий, а только равнодушный и легкомысленный) кобольд играет нашим сердцем и его восторгом, как он, вероятно, играл уже со всем на свете, что жило и любило; я думаю, всё, что мы в Европе нынче привыкли почитать как «гуманность», «нравственность», «человечность», «сочувствие», справедливость, хотя и может быть ценным в плоскости переднего плана, будучи ослаблением и смягчением некоторых опасных и могучих глубинных влечений, но, несмотря на это, в перспективе истории представляет собою не что иное, как измельчание человеческой породы — ее полное превращение в заурядность, если мне простительно употребить отчаянное слово в отчаянном положении; я думаю, эта commedia umana для какого-нибудь эпикурейского бога-наблюдателя заключается, должно быть, в том, что люди в силу своей растущей морали с полною невинностью и тщеславием мнят, будто возвысились от уровня животного до ранга «богов» и до задач космического размаха, в то время как в действительности они опустились, то есть — благодаря развитию всех тех добродетелей, в силу коих процветает стадо, и благодаря оттеснению иных и противоположных, дающих начало новому, высшему и более сильному, господскому виду, развивают в человеке именно только стадное животное, а, может быть, тем самым и окончательно определяют человека как животное, — ибо до сей поры человек был «животным, не определенным окончательно»; я думаю, великое и неудержимо несущееся вперед демократическое движение Европы — то, что называет себя «прогрессом», — а равным образом и его подготовление и моральное предзнаменование, христианство, — означает, в сущности, лишь чудовищный инстинктивный всеобщий заговор стада против всех пастырей, хищников, отшельников и цезарей и в пользу сохранения и продвижения всего немощного, угнетенного, обойденного жизнью, посредственного, наполовину неудавшегося; это затянувшееся, сперва инстинктивное, а после все более сознательное восстание рабов против любого рода господ, а в конце концов даже против самого понятия «господин», это война не на жизнь, а на смерть против всякой морали, порождаемой душевными глубинами и сознанием высшей, более сильной и, как сказано, господской породы людей — такой, которая нуждается в рабстве, в какой бы форме и под каким бы именем оно ни выступало, как в своей почве и условии своего существования; я думаю, наконец, что прежде всякое возвышение человеческого типа было делом аристократического общества, полагавшего свой идеал в длинной иерархической лестнице и в неравной ценности людей и нуждавшегося в рабстве: я думаю даже, что без пафоса дистанции, складывающегося из вошедших в плоть и кровь сословных различий, из постоянной оглядки господствующих каст на подчиненных и на имеющиеся в распоряжении средства, а также из их столь же постоянных упражнений в командовании, подавлении и оттеснении вообще не может возникнуть тот другой, более сокровенный пафос, то стремление ко все новому увеличению дистанций в самой душе, выработка все более высоких, необычных, отстраненных, шире простирающихся, емких состояний, короче говоря, «преодоление человеком самого себя», если дозволено будет воспользоваться моральною формулой в смысле надморальном. На ум мне все вновь приходит один вопрос, вопрос, быть может, искусительный и скверный — да услышат его те, кто имеет право на подобные сомнительные вопросы, люди наиболее сильные душою из нынешних, наилучшим образом властвующие и над собою: не пришла ли пора — теперь, по мере все большего развития в Европе типа стадного животного, — попытать удачи в принципиальном, намеренном и сознательном выведении противоположного типа и его добродетелей? И разве не было ли бы это даже своего рода целью, спасением и оправданием демократического движения, если появится кто-то, кто им воспользуется, — дополнив, наконец, его новое и утонченное оформление в качестве рабства — а таковым некогда и предстанет венец европейской демократии, — тем высшим типом людей-господ, людей-цезарей, которые ведь тоже нуждаются в этом новом рабстве? Для новых, доселе несбыточных, для своих дальних замыслов? Для своих задач?
2 [14]
Наши четыре кардинальные добродетели: мужество, сострадание, проницательность и одиночество — были бы несносны самим себе, если б раньше не побратались с одним веселым и плутовским пороком, имя коему — учтивость. —
2 [15]
Жестокость может быть облегчением для напряженных и гордых душ, для таких, что привыкли всегда быть суровыми к самим себе; у них бывал праздник, когда они могли, наконец, причинять боль, видеть чужие страдания, — все воинственные расы жестоки; жестокость может быть, напротив, и своего рода сатурналиями для созданий угнетенных и безвольных, рабов, гаремных женщин — в виде маленькой, но лестной иллюзии власти, — <итак>, есть жестокость злых, но также и жестокость испорченных и мелких душ.
2 [16]
Что значит быть благородным?
Вера в иерархию.
Труд (о художниках, ученых и т.д.)
Непомраченность (симптом хорошо уродившейся натуры).
Мораль господ и стадная мораль.
2 [17]
Названные сочинения, если допытываться у них долго и тщательно, можно использовать как возможный способ получить доступ к пониманию более высокого и сложного типа, нежели даже тип человека свободно мыслящего:— нет иного пути к пониманию
* * *
Ранние сочинения того же автора.
Рождение трагедии, 1 издание 1872. 2 изд.
Несвоевременные мысли 1873-76.
2 [18]
Бог любви мог бы в один прекрасный день сказать, наскучивши своей добродетелью: «А почему не попробовать низость!» — и вот вам, пожалуйста: дьявол теперь берёт начало в скуке и добродетели!
2 [19]
«Рай — под сенью мечей» — тоже символ и пароль, по которому открываются и узнают друг друга души благородного и воинственного происхождения. —
2 [20]
«Орлы бьют добычу слету». Благородство души никак невозможно распознать по той роскошной и гордой глупости, с какою оно атакует, — «с лету».
2 [21]
Есть еще один вид расточения — наших страстей
и желаний, и притом на тот скромный и мелкобуржуаз
ный лад, на какой мы их удовлетворяем: это губит вкус,
но еще больше губит наши почтение и страх перед сами
ми собой. Временная аскеза — способ их сдержать, то есть
сделать их опасными и придать им большой размах
2 [22]
Относительно того, что нужно творческим натурам сверху и снизу, чтобы не страдать от угрызений совести, — «нести яйца, кудахтать, высиживать птенцов» и тому подобное, с грацией или без нее, — пусть они с полным на то основанием пропишут себе в виде диеты целомудрие, как это сделали Стендаль и Бальзак. И тогда можно по меньшей мере не сомневаться, что именно для «гения» супружеское ложе может оказаться еще более роковым, нежели concubinage и libertinage. Да и во многих других отношениях — скажем, что касается «потомства», — надо своевременно все как следует обдумать и решить: «aut liberi aut libri».
2 [23]
В долгих раздумьях об очаге распространения религиозной гениальности, а стало быть, и «метафизической потребности», — о «религиозном неврозе»; с досадой вспоминая то ходовое и даже вошедшее в поговорку во Франции выражение, что столь красноречиво говорит о «здоровье» французского ума: «le génie est une neurose». —
2 [24]
— Еще раз будь сказано: хищник в нас хочет быть обманутым, — мораль есть ложь во спасение.
2 [25]
«Ты, сдается, замышляешь недоброе,— сказал я как-то раз богу Дионису,— никак решил погубить людей?» — «Может быть,— отвечал бог,— но я сделаю так, что и сам внакладе не останусь». — «Что ж это будет?» — спросил я с любопытством. «Кто ж это будет? — вот как надо спрашивать». Дионис сказал это и замолчал на свой, особенный лад — искусительно. Видели бы вы его в этот момент! Была весна, и деревья дружно зацветали.
2 [26]
По ту сторону добра и зла.
Пролог
к философии будущего.
Сочинение
Фридриха Ницше.
2 [27]
По ту сторону добра и зла.
Всевозможные поводы задуматься
для неомраченных умов.
Сочинение
Фридриха Ницше.
2 [28]
Мое в меру радикальное сомнение относительно всего новейшего уголовного законодательства таково: предположим, наказания должны причинять боль соразмерно тяжести преступления — а ведь именно этого вы все, в сущности, и хотите! — ну так тогда их надо назначать каждому преступнику соразмерно его личной восприимчивости к боли: а это значит, что прежняя мера наказания за проступок, что уголовный кодекс вообще не могли существовать! Но если сообразить, что установить порог чувствительности к наслаждению и боли для преступника очень нелегко, то разве in praxi не следовало бы отказаться от наказаний вообще? Какая потеря, не правда ли? Следовательно —
2 [29]
Музыка не откровение сущности мира и его «воли», как это утверждал Шопенгауэр (обманувшийся относительно музыки, равно как и сострадания, по одной и той же причине — то и другое было слишком мало известно ему из собственного опыта —): музыка — откровение только господ композиторов! А им-то это и невдомек! Да, может быть, и слава Богу, что это им невдомек! —
2 [30]
Наши добродетели.
Всевозможные вопросы и сомнения
для более чуткой совести.
Сочинение
Фридриха Ницше.
2 [31]
Наши добродетели.
Наметки для морали будущего.
Сочинение
Фридриха Ницше.
О душевной твердости.
О честности.
О непомраченности.
О тяге к одиночеству.
«Что значит быть благородным?»
2 [32]
Философы будущего.
Речь.
1.
Возможен ли сегодня такой размах? —
2.
Пусть завтра, может быть, послезавтра. Я вижу — новые философы уже близко и т.д.
2 [33]
Есть такое превратное понимание непомраченности, с которым ничего не поделаешь: а кто его разделяет, тому в конце концов приходится только им и довольствоваться. Мы, находящие прибежище в счастии, мы, нуждающиеся в любом виде юга и в необузданном изобилии света, бросающиеся на улице туда, где жизнь катится мимо пьяным карнавалом, где она сводит с ума, мы, требующие от счастья именно этого — чтобы оно «сводило с ума», — не кажется ли нам, что мы обладаем знанием, которого страшимся? С которым нам страшно быть наедине? Знанием, от гнета которого мы трепещем, от нашептываний которого — бледнеем? Этот упрямый отказ от печальных зрелищ, эти уши, замкнутые и черствые ко всему страдальческому, это бравое и глумливое верхоглядство, это прихотливое эпикурейство сердца, не выносящее ничего серьезного и поклоняющееся маске как высшему божеству и избавителю: это глумление над людьми с меланхолическим вкусом, у коих мы неизменно чуем недостаток глубины, — разве все это не страсть? Мы, кажется, знаем, что слишком ранимы, а может быть, уже ранены и неисцелимы; мы, кажется, страшимся, что эта рука жизни неизбежно нас добьет, и ищем себе прибежища в ее видимости, в ее неподлинности, ее поверхности и пестрой лжи; мы, сдается, не омрачены, поскольку безмерно печальны. Мы не улыбаемся, нам знакома бездна: поэтому-то нам и претит все неулыбчивое.
про себя мы смеемся над людьми с меланхолическим вкусом — но мы же, увы, и завидуем им, когда глумимся над ними! — ведь мы не достаточно счастливы, чтобы позволить себе их мягкую печаль. Нам приходится бежать даже тени печали: уж слишком близко от нас зияет тьма нашей преисподней. У нас есть знание, которого мы страшимся, оставаться наедине с которым нам не по душе; у нас есть вера, от гнета которой мы трепещем, от нашептываний которой бледнеем, — нам и неверующие кажутся блаженными. Мы отвергаем печальные зрелища, мы затыкаем уши, чтобы не слышать воплей страждущих; сострадание тотчас раздавило бы нас, если б мы не умели черстветь. Да поможет нам бравое, да поможет глумливое безрассудство: ветер, нас остуди, ты, что летал надо льдами: не станем больше ничего принимать близко к сердцу, молиться же будем — маске.
Есть в нас что-то с легкостью бьющееся: и вот мы боимся детских рук, что могут разбить нас? Мы сторонимся случайного, мы спасаемся —
2 [34]
Я больше чем кого другого любил и чтил Рихарда Вагнера; и если бы он напоследок не впал в безвкусицу — или не последовал прискорбному внутреннему зову — и не впрягся бы в одну телегу с «умами» невыносимого для меня качества — со своими приверженцами, вагнерьянцами, — то у меня и не было бы причины распроститься с ним еще при его жизни: с ним, глубочайшим и отважнейшим, но и самым непонятым из всех нынешних умов, превышающих общее понимание, встреча с которым продвинула меня по пути познания дальше, нежели любая другая. Сперва оговорюсь — о том, что важнее всего: что мое дело и его дело смешиваться не желали и что мне понадобилась добрая порция самопреодоления, прежде чем я научился таким образом отсекать «его» от «моего» в нужном месте. Для того, чтобы я занялся осмыслением экстраординарной проблемы комедианта — проблемы, по одной неудобосказуемой причине, может быть, более мне безразличной, чем любая другая, — чтобы в глубине души всякого художника я обнаружил и расшифровал комедианта как типически-художническое начало, понадобилось соприкосновение с вышеназванным — и мне кажется, я ставлю то и другое выше, но думаю о них хуже, чем прежние философы. Реформа театра трогает меня мало, а его «оцерковление» и того меньше; сама же Вагнерова музыка не слишком-то меня касается — я спокойно обошелся бы без нее, причем счастья и здоровья мне только прибавилось бы (quod erat demonstrandum et demonstratum). Что мне было в нем всего несносней, немецкость и полуцерковность последних его лет —
2 [35]
Новая манера мыслить — а это непременно и новая манера оценивать, предполагающая наличие нового мерила, новой шкалы ощущений, — перечит всем иным манерам, твердя им в пику свое «неправильно». Если присмотреться внимательней, это «неправильно» значит, в сущности, «тут нет ничего знакомого», «мне это нипочем» и «не пойму, отчего вы не смотрите на вещи, как я».
2 [36]
Об отрыве от корней.
Об очерствении.
О маске.
Об иерархии.
Европейское и над-европейское.
2 [37]
Всегда найдется что-то более необходимое, чем жениться: господи, да у меня всегда так и было!
2 [38]
По ту сторону добра и зла.
Наметки для морали сильнейших.
2 [39]
Маска и сообщительность
2 [40]
Философы будущего.
К естественной истории свободомыслия.
Наши добродетели.
Народы и отечества.
Дефеминизация.
homo religiosus.
2 [41]
К естественной истории человека высшего типа.
Размышления воспитателя.
1. Философы прошлого.
2. Художник и поэт.
3. Религиозная гениальность.
4. Мы, добродетельные.
5. Женщина.
6. Ученые.
7. «Искусители».
8. Народы и отечества.
9. Мудрость маски.
10. Психология морали.
Изречения и знаки размышления.
Что значит быть благородным?
Приложение. Песни князя Вольнолёта.
2 [42]
По ту сторону добра и зла.
Пролог
к философии будущего.
С приложением: Песни и стрелы князя Вольнолёта.
Сочинение
Фридриха Ницше.
2 [43]
К естественной истории человека высшего типа.
Знаки размышления, поставленные психологом.
1. Философ.
2. Свободный ум.
3. Религиозная гениальность.
4. К психологии морали.
5. Что значит быть благородным?
6. Народы и отечества.
7. Женщина как она есть.
8. Ученые.
9. Мы, добродетельные.
10. Мудрость и маска.
11. Грядущие.
12. Изречения молчаливого.
Приложение. Песни и стрелы князя Вольнолёта.
2 [44]
Предисловие.
1. Кто такие были философы?
2. К естественной истории свободомыслия.
3. Психолог говорит с самим собой.
4. Женщина как она есть.
5. Религиозная гениальность.
6. Мы, ученые.
7. Мы, добродетельные.
8. Что значит быть благородным?
9. Народы и отечества.
10. Маски.
11. Искусители. Дионис.
Приложение:
Оглавление.
2 [45]
В нем нет ничего от адвоката: он беспристрастен и не доверяет всему, что зовется «убеждением»; не верит в неверие;
2 [46]
К естественной истории человека высшего типа.
Размышления праздного.
Сочинение
Фридриха Ницше.
2 [47]
По ту сторону добра и зла.
Психолог говорит
с самим собой.
С приложением: Песни и стрелы князя Вольнолёта.
Сочинение
Фридриха Ницше.
Приложение:
Песни и стрелы
князя Вольнолёта.
1. К мистралю.
2. К Гёте.
3. К одному панегиристу.
4. Зильс-Мариа.
5. Полдень отшельника.
6. К новым морям.
7. «Голуби Сан-Марко».
8. Над входной дверью.
9. Настоящий немец.
10. Музыка Парсифаля.
11. К Спинозе.
12. Rimus remedium.
13. Дурак в отчаянии.
14. Напоследок.
2 [48]
Женщина так мало довольствуется собою, что предпочтет получить побои, чем —
2 [49]
В любви по большей части один играет, а другой позволяет играть собою: Амур в первую голову — маленький театральный режиссёр.
2 [50]
Содержание:
| Предисловие. 1. О предрассудках философов. 2. Свободный ум. 3. Религиозная гениальность. Религиозная натура. 4. Женщина как она есть. Изречения и интермедии. 5. К естественной истории морали. |
| 6. Мы, ученые | «Carcasse, tu trembles? Tu |
| 7. Наши добродетели. | tremblerais bien davantage, si tu |
| 8. Народы и отечества. | savais, où je te mène.» |
| 9. Masken. | Turenne. |
| 10. Что значит быть благородным? Приложение: Песни и стрелы князя Вольнолёта. |
2 [51]
Психолог говорит
с самим собой
Сочинение
Фридриха Ницше
К естественной истории человека высшего типа.
Что значит быть благородным?
2 [52]
Изречения и разговоры с собой.
С приложением в стихах.
Сочинение
Фридриха Ницше.
2 [53]
По ту сторону добра и зла
Пролог
к философии будущего.
Введение.
Книга первая: о предрассудках философов.
Книга вторая: наметки для психологии морали.
Книга третья: мы, европейцы. Случай заглянуть в зеркало.
2 [54]
По ту сторону добра и зла.
Сочинение
Фридриха Ницше.
2 [55]
Предпоследняя глава
Алкуин Англосакс, давший такое определение царственному призванию философа:
prava corrigere, et recta corroborare, et sancta sublimare.
2 [56]
Разложение выросших на природе, крепких людей под напором городской цивилизации (— там они попадают в пораженные проказою части и узнают, что такое нечистая совесть)
2 [57]
Отныне для возникновения структур господства широкого масштаба, равных коим мир еще не видывал, будут благоприятные условия. А это еще и не самое главное; стало возможным возникновение международных родовых союзов, ставящих своей целью выведение расы господ, будущих «хозяев земли», — новой, неслыханной, зиждущейся на жесточайшей самодисциплине аристократии, в ней воля властвующих философов и художников-тиранов получит долговечность тысячелетий: высший тип людей, каковые благодаря своему превосходству в твердости, знании, богатстве и влиятельности воспользуются Европой как своим очень послушным и гибким орудием, чтобы взять в руки судьбы мира, чтобы, словно художник, лепить сам вид «человек».
Короче говоря, приходит пора переучиваться в делах политических.
2 [58]
думаю, нам не хватает политической пристрастности: мы достохвально вынесли бы жизнь под небом демократии, так же как и под небом абсолютизма.
2 [59]
К 1
В конце-то концов: надо ли так громогласно и с таким ожесточением говорить о том, что только придет! Будем смотреть на вещи более холодно, отстраненно, рассудительно, с большей высоты, будем говорить о них так, как можно говорить в нашем кругу, — настолько секретно, что публика их пропустит мимо ушей, что публика пропустит мимо ушей нас ... Отныне пусть так и будет.
2 [60]
Что? Драматическое действие — цель, а музыка — всегда только средство? Должно быть, так и было у Вагне-
ра в теории: а на практике-то: поза (драматическая) — это
цель, музыка же — лишь способ стать в позу (чтобы эту
позу разъяснить, усилить, сделать ее проникновенною —)
2 [61]
Механико-атомистический образ мышления в своем развитии нынче все еще не понял, в чем состоит его подлинная цель,— такое впечатление у меня сложилось после того, как я довольно долго многое спускал его приверженцам. Он придет к ней, создав систему знаков: откажется от объяснений, упразднит понятие «причины и следствия».
2 [62]
Не стремиться обманывать — и не хотеть быть обманутым: эти два настроения и желания в корне различны, но и там и тут обыкновенно проявляется склонность пользоваться словом «философия», будь то для прикрасы, для маскировки или же по недоразумению.
2 [63]
Физиологам надо было крепко подумать, прежде чем объявить инстинкт самосохранения кардинальным инстинктом органических существ: ведь все живое в первую очередь стремится дать волю своим силам, а уж «самосохранение» — всего лишь одно из следствий этого. Осторожно с излишними телеологическими принципами! А к ним относится все это понятие «инстинкта самосохранения».
2 [64]
Всякому Филоктету известно, что без его лука и стрел Троя взята не будет.
2 [65]
In media vita.
Психолог говорит с самим собой.
Сочинение
Фридриха Ницше.
2 [66]
— К предисловию. — Возможное продолжение: художник-философ (пока сказано о научности, об отношении к религии и политике): высшее понятие искусства. Способен ли человек поставить себя на таком расстоянии от других людей, чтобы работать над их лепкой? (Подготовительные упражнения: 1) человек, лепящий самого себя, отшельник, 2) прежний и нынешний художник как малый завершитель — над людьми)
— сюда же — иерархия высших людей, которую надлежит изобразить.
— Глава: Музыка. — К учению об «опьянении» (перечень, к примеру, преклонение перед petits faits) — немецкая, французская и итальянская музыка. (Наши, в политическом смысле, самые подлые времена — и самые плодотворные:) —
Славяне?
— культурно-исторический балет: — преодолел оперу.
— заблуждение, будто то, что создал Вагнер, — некая форма, — это некая бесформенность. Возможность драматической конструкции все еще не найдена. Музыка для комедиантов и музыка для музыкантов.
— о ритме. Выразительность любой ценой.
— к чести «Кармен».
— к чести Г. Шютца (и «Листовского общества» —)
— блудливая инструментовка
— к чести Мендельсона: есть в нем одна из гётевских стихий, и больше ни в ком! Так же как другая гётевская стихия проявилась в Рашели! Третье — Г. Гейне.
К главе «Свободный ум». — 1) я не хочу его «возвеличивать»: сказать кое-что в пользу умов несвободных.
2) порочность интеллекта: доказательство от наслаждения («это дарит меня блаженством; следовательно, это истинно»). И тщеславное выпячивание при этом «меня».
К главе «Наши добродетели»: 3) новая форма моральности: клятвенные заверения в собраниях о том, как человек собирается жить, совершенно определенный отказ от множества вещей. Испытания зрелости для этого. —
К главе «Религиозная гениальность». 1) таинство, прообразовательная история души. (Что означает «драма»?)
2) возможность истолковывать происходящее; вера в «смысл» закрепляется благодаря религии —
3) в какой мере душа более высокого полета удачно растет за счет душ более низких?
4) что опровергнуто, так это мораль христианства, ее важность для жизненных судеб души: это, однако, еще не упраздняет стремления впутывать мораль во все и вручать ей господство. Последнее-то, правда, на худой конец можно понять как некое донкихотство — но это еще не причина недооценивать ее!
5) в какой мере религиозная гениальность — некое видоизменение художнической: формообразующая способность.
6) в какой мере лишь одна совесть художника дает свободу от «истинного» и «ложного». Преобразовать безусловную веру в безусловную волю — —
7) религиозная литература, понятие «священной книги».
К «Нашим добродетелям». То, на что мы можем спустить собак своей научности, для нас уже не серьезно: своего рода имморальность.
К главе «Естественная история морали». Разложение, что это такое? К примеру, живущий одною жизнью с природой, полный сил человек переезжает в город. К примеру, французский аристократ дореволюционной эпохи.
К главе «Мужчина и женщина».
Победа мужчины над женщиной везде, где пробуждается культура.
NB. magister liberalium artium et hilaritatum.
NB. я взял кого-то за рога — да только сомневаюсь, точно ли это бык.
2 [67]
«я», «субъект» как линия горизонта. Обращение перспективы.
2 [68]
По учебнику тела. Делящаяся протоплазма. 1/2 + 1/2 не = 1, а = 2. Тем самым теряет силу вера в души-монады.
Самосохранение как лишь одно из последствий самоэкспансии. А «самость»?
2 [69]
Сила механическая известна нам лишь в качестве ощущения сопротивления: а таковое можно лишь наглядно и очевидно истолковать, но не объяснить давлением и ударом.
Какого рода то принуждение, которое более сильная душа оказывает на более слабую? — А может ли быть, чтобы мнимое «непослушание» высшей душе состояло в непонимании ее воли, — скажем, скала команд не выполняет. Нужна же как раз плавно растущая иерархия уровней: понимать друг друга способны лишь непосредственно близкие уровни — а стало быть, послушание здесь возможно.
Можно ли понимать все движения в качестве знаков душевного процесса? Естествознание как симптоматология —
Может быть, неверно — из-за того, что живые формы (клетки, скажем) столь малы — искать единицы еще более мелкие, «силовые точки» и т. д.?
Предварительная ступень структур господства
Покорность личности (отцу, предку, князю, жрецу, Богу) как средство облегчить морали.
2 [70]
По ту сторону добра и зла
| — | проблема законодателя. |
| По учебнику тела. Механизм и жизнь. | |
| Воля к власти. | |
| — | истолкование, не познание. К методологии. |
| Вечное возвращение. | |
| — | Художник. Культура и ее фундамент. |
| — | Мы, безбожники. |
| — | Музыка и культура. |
| — | О политике великой и мелкой. |
| «Таинство». | |
| — | Добрые и праведные. |
| Дающие обет. | |
| — | К истории пессимизма. |
| — | Воспитание. |
2 [71]
К «Заратустре»
Calina: красно-бурая, окутывающая горизонт, все вещи вблизи видны слишком четко. Солнце в зените. Все призрачно.
Зипо матадор.
А кто сказал, что мы этого не хотим? Что за музыка, что за обольщение! Тут нет ничего, что не отравляло бы, не соблазняло бы, не подтачивало бы, с ног не валило бы, не переоценивало бы!
І Решающий момент:
Иерархия. 1) Долой добрых и праведных!
2)
Вечное возвращение.
Полдень и вечность.
Книга Пророка.
2 [72]
Полдень и вечность.
Сочинение
Ф. Н.
I Поминовение усопших. Заратустра попадает на чудовищное празднество:
II Новая иерархия:
III О владыках земли.
IV О кольце возвращения.
2 [73]
Заглавия 10 новых книг: (весна 1886.)
Размышления о древних греках.
Сочинение
Фридриха Ницше.
В какой мере все вырождается и утрачивает естественность в ходе своего становления. Вырождение Ренессанса — филологии
Пример неморальных предпосылок более высокой культуры, возвышения человека.
Воля к власти.
Опыт
нового миротолкования.
Художники.
Тайный умысел психолога
Сочинение
Фридриха Ницше.
Мы, безбожники
Сочинение
Фридриха Ницше
Полдень и вечность.
Сочинение
Фридриха Ницше
По ту сторону добра и зла.
Пролог к философии будущего.
Сочинение
Фридриха Ницше.
Gai saber.
Песни князя Вольнолёта.
Сочинение
Фридриха Ницше.
Музыка.
Сочинение
Фридриха Ницше
Впечатления книжника.
Сочинение
Фридриха Ницше.
К истории современного помрачения.
Сочинение
Фридриха Ницше.
2 [74]
Воля к власти. |
| 1. Физиология иерархии. 2. Великий полдень. 3. Дисциплина и выведение породы. 4. Вечное возвращение. |
2 [75]
Вечное возвращение. Книга новых праздников и пророчеств.
Вечное возвращение.
Священные пляски и обеты.
Полдень и вечность.
Священные пляски Вечно возвращающегося.
2 [76]
(28)
Об иерархии:
К I. К физиологии власти.
Аристократия в организме, множество господствующих (борьба между тканями?
Рабство и разделение труда: высший тип возможен лишь благодаря придавливанию низшего к какой-то функции
Наслаждение и страдание — не противоположности. Ощущение власти.
Питание — лишь следствие ненасытного присвоения, воли к власти.
Зачатие, распад, наступающий при бессилии господствующих клеток организовать присвоенное.
Формообразующая сила — это она стремится запасать все больше «веществ» (все больше «силы»). Шедевр роста организма из яйца.
«Механистический подход»: он знает только количества — но сила кроется в качестве: механицизм, стало быть, умеет лишь описывать процессы, но не объяснять их.
«Целесообразность». Исходный пункт — «дальновидность» растений.
Понятие «усовершенствования»: прирост не только сложности, но и власти (— потребность не только в увеличении массы —).
Вывод в применении к развитию человечества: усовершенствование состоит в появлении индивидов с наибольшим объемом власти, а уж их орудием становятся широчайшие массы (и притом орудием наиболее разумным и послушным)
Художники как малые творцы. Педантизм «воспитателей» в сравнении с этим
Наказание: сохранение высшего типа.
Изоляция.
Лжеучения прошлого. Если нечто высшее оказалось неудачным либо использовалось во зло (как аристократия), это еще не улика против него!
2 [77]
Видимый характер пустого и полного, плотного и разреженного, покоящегося и движущегося, тождественного и различного.
| (абсолютное пространство | древнейшая иллюзия, |
| (субстанция) | превращенная в метафизику. |
— в этом есть человечески-животные мерки уровня безопасности.
Наши понятия инспирированы нашей нуждою.
Составление пар противоположностей соответствует косности (различение, обеспечивающее питание, безопасность и т.д., считается «истинным»)
— simplex veritas — на такую мысль способна лишь косность.
Наши ценности вложены в вещи интерпретацией.
Разве есть какой-нибудь смысл в чем-то «самом по себе»?
Разве смысл с необходимостью не является именно смыслом соотношений, перспективы?
Всякий смысл — воля к власти (все соотносительные смыслы можно растворить в ней).
Вещь = своим свойствам: а эти в свой черед равны всему, что в этой вещи касается нас: некая единица, в коей мы сводим воедино важные для нас отношения. В сущности, воспринятые нами в нас самих изменения (— исключая те, что мы не воспринимаем, скажем, ее электрические качества). In summa: объект есть сумма испытанных нами препятствий, которые мы осознали. Качество, значит, всегда выявляет что-то «полезное» или «вредное» для нас. Скажем цвета — всякий соответствует какой-нибудь степени удовольствия или страдания, а всякая степень удовольствия или страдания — это результат оценочных суждений о том, что «полезно», а что «бесполезно». Отвращение.
2 [78]
Темы.
Истолкование, не объяснение.
Сведение логических ценностных суждений к моральным и политическим (ценность безопасности, покоя, лености («минимальной затраты сил») и т.д.
Проблема художника, его моральности (ложь, бесстыдство, находчивая изворотливость там, где не хватает таланта).
Клевета на влечения неморальные: логически рассуждая, это отрицание жизни.
Безусловное — и откуда берутся идеальные черты, которые ему приписывают.
Наказание как способ выведения породы.
Гравитацию можно толковать по-разному: как и все мнимо «фактическое».
Предикат выражает действие, которое на нас оказано (или могло бы быть оказано), не действование само по себе; сумма предикатов сводится воедино в одном слове. Заблуждение, будто субъект — causa. Мифология понятия субъекта. («молния» озаряет — удвоение — действие, превращенное в вещь.
Мифология понятия причинности. Отрыв «действия» от «действующего» в корне ошибочно. Иллюзия неизменности, все еще — —
Наша европейская культура — в какую проблему она уперлась, в противоположность буддийскому разрешению в Азии?
Религия, по существу, учение об иерархии, даже попытка построения космической иерархии и субординации степеней власти.
| Немощь | ||
| Ложь, притворство | ||
| Глупость | ||
| Властолюбие | в какой мере они идеализируют? | |
| Любопытство | ||
| Алчность | ||
| Жестокость |
2 [79]
У моих книг отменная защита: кто за них хватается, да промахивается, потому что не имеет никакого права на такие книги, тотчас выставляет себя на смех — малейший прилив ярости заставляет его раскрыть самое сокровенное и притом самое смехотворное: ведь решительно всем известно, что в таких случаях из этого выходит! Бабенки от литературы, какими они обыкновенно бывают: нездоровье детородных органов да пальцы в чернилах —
Неспособность замечать новое и оригинальное: неповоротливость пальцев, не умеющих ухватить нюансы, чопорная серьезность, спотыкающаяся на слове и тут же падающая: близорукость, что, оказавшись лицом к лицу с неимоверным богатством широкой дали, перерастает в слепоту
Сетовал ли я когда на мою судьбу за то, что меня так мало читают и так плохо понимают? Но для многих ли надо вообще творить нечто из ряду вон выходящее! Вы что же, думаете, Бог сотворил землю ради человека?
2 [80]
К введению.
Сумрачная пустошь и глушь campagna Romana, терпение в неопределенности
Каждая книга – словно завоевание, захват – tempo lento – драматическая завязка тянется до самого конца, а напоследок катастрофа и внезапное спасенье.
2 [81]
(15)
Только вопрос силы: обладать всеми патологическими чертами эпохи, но возмещать их мощной пластической, обновляющей силой. Сильный человек: изобразить
2 [82]
По ту сторону добра и зла.
Часть вторая и последняя
Предисловие.
Истолкование, а не объяснение. Не бывает никакого фактического положения дел, все текуче, неуловимо, не дается; даже наши мнения в сравнении с этим - сама долговечность. Наделение смыслом - по большей части это новое истолкование поверх старого, ставшего невразумительным истолкования, которое сейчас - всего только знак.
К физиологии власти. Исследование, при котором человек ощущает тождество своих сильнейших влечений и своих идеалов (и чистой совести).
Мы, безбожники.
Кто такие художники?
Право и законодательство.
К истории современного помрачения.
Комедиантство.
О добрых и праведных.
Ранг и иерархия.
К мистралю. Плясовая.
По ту сторону добра и зла - прояснение для немногих, помраченье неба для большинства.
К истории современного помрачения.
Психология художника.
О комедиантстве.
Проблема законодателя.
Опасность в музыке.
Истолкование, не познание.
Добрые и праведные.
О политике большой и малой.
Мы, безбожники.
К мистралю. Плясовая.
На 30 страниц.
2 листа.
(Предисловие: что объединяет мои сочинения)
Истолкование, не объяснение.
К физиологии власти.
О комедиантстве.
К истории современного помрачения.
Мы, безбожники.
Добрые и праведные.
Об иерархии.
Право и законодательство.
Художники
2 [83]
(7)
Человек думает, будто он — причина, деятель —
все, что происходит, относится к какому-нибудь субъекту как предикат
За любым суждением кроется всецелая глубина веры в субъект и предикат или в причину и следствие; а эта последняя вера (в виде утверждения, что любое следствие — это деятельность и что любая деятельность предполагает деятеля) представляет собою даже особый случай первой, так что эта вера оказывается фундаментальной: бывают субъекты
Я что-то заметил — и вот ищу причину этого: а это, в исконном виде, значит, что я ищу в нем какую-нибудь цель, и прежде всего кого-то, кто ее имеет, — субъекта, деятеля: прежде во всем происходящем усматривали намерения, всякий процесс был деянием. Такова наша древнейшая привычка. Делит ли ее с нами животное? Не вынуждено ли оно, будучи живым созданием, как и мы, ограничиться интерпретацией, соответствующей ему самому? — Вопрос «почему?» — это всегда и вопрос о causa finalis, вопрос «для чего?». Мы не представляем себе «смысл causa efficiens»: тут Юм прав, это привычка (но не просто личная привычка!) заставляет нас ожидать, что такой-то часто наблюдавшийся нами процесс последует за другим, только и всего! Что дает нам чрезвычайную прочность веры в причинность, так это не великая привычка замечать последовательность процессов, а наша неспособность интерпретировать происходящее иначе, чем в виде намеренного процесса. Это вера в живое и мыслящее как единственно действующее — в волю, в цель, — а то, что всякий процесс — это деяние, что всякое деяние предполагает действователя, — составляет веру в «субъект». И разве эта вера в понятия субъекта и предиката — не одна большая глупость?
Вопрос: является ли цель причиною процесса? Или это — тоже иллюзия? Разве она — не сам этот процесс?
«Притяжение» и «отталкивание» в чисто механическом смысле — совершеннейшая фикция, всего лишь слово. Мы не можем представить себе притяжение без цели. Волю, овладевающую какою-нибудь вещью или обороняющуюся от ее силы, отражающую ее, — это мы «понимаем»: это интерпретация, мы могли бы пользоваться.
Короче: психологическая вынужденность верить в причинность заключается в невозможности представить себе процесс без цели: что, разумеется, еще ничего не говорит об истинности или неистинности (то есть об оправданности таковой веры). Вера в causae — то же, что и вера в субъект (против Спинозы и его каузализма).
2 [84]
(30)
Суждение — наша древнейшая вера, наша самая укорененная привычка считать что-то истинным или ложным.
Суждение представляет нашу древнейшую веру, всякое суждение — способ считать что-либо истинным или ложным, утверждение или отрицание, уверенность в том, что предмет — такой, а не другой, вера в то, что здесь и впрямь что-то было «познано», — так во что же все суждения верят как в истину?
Что такое предикаты? Мы поняли происходящие в нас изменения не как таковые, а как нечто происходящее «само по себе», нам самим чуждое, такое, которое мы лишь «воспринимаем»: и мы постулировали их не как процесс, а как бытие, как «свойство», — и мысленно добавили некое существо, коему они принадлежат, т.е. мы установили действие как действующее, а действующее — как сущее. Но даже в такой формулировке понятие «действия» произвольно: ведь из тех изменений, которые происходят в нас и о которых мы определенно мыслим, что они не суть сами причины, мы делаем лишь тот вывод, что они, должно быть, следствия, — согласно выводу «у всякого изменения есть автор». Но этот вывод — уже мифология: он отрывает действующее от действия. Когда я говорю: «Молния блистает», то блеск я один раз беру как деятельность, а второй раз — как субъект: стало быть, приписываю процессу бытие, которое отнюдь не совпадает с этим процессом, а, скорее, сохраняется, существует, но не «становится». Полагать процесс как действие, а действие — как бытие: это двойное заблуждение, или интерпретация, в коей мы повинны. Стало быть, к примеру, в предложении «Молния блистает» — «блистать» есть претерпеваемое нами состояние; мы, однако, понимаем его не как оказанное на нас действие и говорим «нечто блистающее» так, словно это — что-то сущее «само по себе», и ищем его автора, «молнию».
2 [85]
(35)
Свойства вещи суть действия, оказываемые ею на другие «вещи»: мысленно устраните другие «вещи», и окажется, что у вещи нет никаких свойств, т.е. не бывает одной вещи без других вещей, т.е. не бывает «вещи самой по себе».
2 [86]
(30)
Чем одним только и может быть познание? — «Истолкованием», не «объяснением».
2 [87]
(32)
Всякое единство есть единство лишь в качестве организации и взаимодействия: и именно таков случай, когда единство — человеческая общность: стало быть, оно — противоположность атомистической анархии; следовательно, «единство» — структура господства, которая означает единое, но не есть единое.
Надлежало бы знать, что есть бытие, чтобы решать, реально или нет то или это (к примеру, «факты сознания»); а равным образом — что есть достоверность, что — познание и тому подобное. Но поскольку мы этого не знаем, то критика познавательной способности становится бессмысленной: как инструмент может критиковать сам себя, если для критики он в состоянии пользоваться как раз лишь самим собою? Он не может даже определить себя самого!
Если всякое единство есть единство лишь в качестве организации? но «вещь», в которую мы верим, добавлена мысленно лишь как фермент для различных предикатов. Если вещь «действует», то это значит: все остальные свойства, тоже присутствующие тут, но пока латентные, мы понимаем как причину того, что сейчас на первый план выходит одно-единственное свойство, то есть мы принимаем сумму его свойств, «х», за причину свойства «х»: но ведь это совершеннейшая глупость, полный бред!
«Субъект», или «вещь»
2 [88]
(33)
Сила, которую мы не можем себе представить (скажем, так называемая чисто механическая сила притяжения и отталкивания), — пустое слово, не имеющее права на гражданство в науке, каковая стремится сделать мир представимым для нас, и не более того!
Все, что происходит в соответствии с целью, можно свести к цели приумножения власти.
2 [89]
Что если у нас есть математическая формула для процесса, то что-то познано, — это иллюзия: он просто охарактеризован, описан, и больше ничего!
2 [90]
(31)
Тождество и подобие.
1) несовершенный орган зрения улавливает множество мнимых тождеств
2) ум стремится к тождеству, то есть — подвести чувственное впечатление под уже существующий ряд, точно так же, как тело ассимилирует неорганическое вещество.
К уразумению того, что такое воля к тождеству есть воля к власти.
— вера в то, что вещь — такая-то и такая-то, а эта вера — самая суть суждения, есть следствие желания, чтобы непременно было как можно больше тождественного.
2 [91]
(30)
Если наше «я» - единственное для нас бытие, по коему мы заставляем быть все остальное или понимаем его «как бытие» - допустим, что это так! - тогда весьма уместно сомнение, не сталкиваемся ли мы тут с перспективистской иллюзией - мнимым единством, которым, словно линией горизонта, объемлется все вокруг. В учебнике, какой представляет собою плоть, мы видим какую-то чудовищную множественность; с точки зрения методической дозволяется в качестве руководства для понимания более бедного феномена использовать более богатый, который легче усвоить. Короче говоря, если все есть становление, то познание возможно лишь на основе веры в бытие.
2 [92]
Проекция чувственных восприятий вовне: «внутри» и «вовне» — тут распоряжается плоть —?
— та же уравнивающая и организующая сила, что действует в идиоплазме, действует и при усвоении элементов внешнего мира: наши чувственные восприятия — это уже результат такого уподобления и уравнивания в отношении всего прошлого в нас; они отнюдь не следуют тотчас за «впечатлением» —
2 [93]
(34)
В какой мере диалектика и вера в разум еще зиждутся на моральных предрассудках. Как бывшие обитатели интеллигибельного мира Блага, мы еще владеем заветом той эпохи в виде учения Платона: божественная диалектика, ведущая свой род от самого Блага, ведет ко всему благому (то есть как бы «назад» —). Декарт тоже понимал, что в христианско-моральной идейной схеме с ее верой в доброго Бога — творца всех вещей, только правдивость Бога служит залогом достоверности суждений на основе наших чувственных восприятий. А без санкции религии и без ручательства, данного нашим чувствам и разуму, — откуда ж нам взять право на доверие к существованию! Что мышление и вовсе мерило реального, то есть если нечто нельзя мыслить, то его и не существует, — это неуклюжее non plus ultra впавших в блаженное доверие морализаторов (доверие к кардинальному принципу правдивости, лежащему в основе сущего), а в сущности, бредовое положение, на каждом шагу противоречащее нашему опыту. Мы вообще не в состоянии мыслить ни о чем как раз постольку, поскольку оно есть ...
2 [94]
Нам довольно трудно проследить, как складывается
качественное суждение
Сведение качеств к ценностным суждениям.
2 [95]
Наши восприятия, как мы их понимаем, то есть сумма всех тех восприятий, осознание которых было важным и полезным делом для нас и всего органического процесса до нас: стало быть, не все восприятия вообще (скажем, не электрические). Это значит: наши чувства открыты лишь для избранных восприятий — таких, что должны быть важны для нашего выживания. Сознание существует в тех пределах, в каких оно полезно. Все чувственные восприятия, без сомнения, насквозь пронизаны оценочными суждениями (полезно — вредно, следовательно, приятно либо неприятно). В то же время отдельный цвет выражает для нас некую ценность (хотя мы признаемся себе в этом редко или только после того, как один лишь этот цвет долго воздействовал на нас (скажем, на узника в темнице или на сумасшедшего). Поэтому насекомые по-разному реагируют на различные цвета: некоторые они предпочитают, как делают, к примеру, муравьи.
2 [96]
Ироническое отношение к тем, кто считает христианство побежденным современным естествознанием. Христианские ценностные суждения этим никоим образом не побеждены. «Христос распятый» — все еще самый возвышенный символ. —
2 [97]
Здоровье и патология: нужна осторожность! Мерилом остается цветущее тело, резвость, мужество и веселость духа — хотя, конечно, еще и то, сколько болезни тело может взять на себя, а потом одолеть ее — вылечить. То самое, от чего люди хрупкого склада погибли бы, входит в число стимулирующих средств великого здоровья.
2 [98]
(35)
Бедность, смирение и целомудрие — опасные и клеветнические идеалы, но, как и яды, в некоторых случаях они помогают уврачевать болезнь; к примеру, так было в Риме времен кесарей.
Опасны все идеалы — ведь они унижают и позорят конкретное, все они — яды, но незаменимы как лекарства, дающие временное облегчение
2 [99]
Как вел себя органический процесс в целом в отношении всей остальной природы? Тут-то и открывается его основная воля.
2 [100]
Воля к власти.
Опыт
переоценки всех ценностей.
В четырех книгах.
| Книга первая: | величайшая из опасностей (изображение нигилизма) (как неизбежного следствия прежнего способа ценить) |
| Книга вторая: | критика ценностей (логики и т. д. |
| Книга третья: | проблема законодателя (и там же история одиночества) Чем должны отличаться люди, которые ценят все противоположным образом?— Люди со всеми душевными качествами нашего времени, но достаточно сильные, чтобы преобразить их в несокрушимое здоровье |
| Книга четвертая: | молот их способ решать свою задачу.— |
| Зильс-Мариа, лето 1886 |
| Раскованы чудовищные силы; но во взаимном противоречии |
| эти раскованные силы друг друга уничтожают |
| вновь связать раскованные силы, чтобы они не уничтожили друг друга и |
| внимательно смотреть, где реально приумножается сила! |
| Повсюду выявлять дисгармонию между идеалом и конкретными обстоятельствами, в которых он выражается (к примеру, честность у христиан, которых постепенно приучили лгать) |
К книге 2.
В демократическом обществе, где всякий — специалист, недостает «для чего», «для кого», недостает состояния, в котором получает смысл все это многогранное захирение каждого (его превращение в функцию).
| Развитие | чувственности | ||
| жестокости | |||
| мстительности | |||
| дурости | до итога всей культуры. | ||
| жадности | |||
| властолюбия | |||
| и т. д. |
| Об |
| Опасность, скрытая во всех прежних идеалах |
| Критика индийской и китайской манеры мыслить, равно как и христианской (как подготовительных ступеней нигилистической—) |
| Самая большая опасность: все бессмысленно. |
(2) |
| Молот: учение, способствующее — посредством раскрепощения влекущегося к смерти пессимизма — отбору наиболее жизнеспособных |
2 [101]
Обратный вывод — от творения к творцу: ужасный вопрос, преизбыток или нехватка, бред, вызванный нехваткой, заставляет творить: внезапно осенило, что всякий романтический идеал равнозначен бегству от себя, презрению к себе, приговору, вынесенному себе тем, кто этот идеал выдумал.
В конечном счете это вопрос силы: какой-нибудь щедро изобильный и покоряюще волевой художник мог бы полностью свести все искусство романтиков с его дороги в область антиромантического, или, как я обычно выражаюсь, дионисийского, так же как и любой вид пессимизма и нигилизма в руках наиболее сильного скорее становится просто молотом и орудием, коим можно добыть себе новую пару крыльев.
Мне как-то разом сделалось понятно: хотя Вагнер и достигает своей цели, но на тот же лад, что и у Наполеона, который достиг своей Москвы,— на каждом этапе утрачивалось столь многое, столь невозместимо многое, что в самый тот миг, когда поход был кончен и будто бы достигнута победа, участь его была уже решена. Роковое пророчество — слова Так Наполеон дошел до Москвы (Р. Вагнер до Байрейта-).
Никогда не вступать в союз с больными и заранее обреченными силами —
Если б только я больше себе доверял: но это Вагнерово неуменье ходить (тем более — танцевать, а без танца я не мыслю ни отдыха, ни счастья) всегда ставило меня в тупик.
Жажда полной поглощенности страстью предает человека: кто на нее способен, тот жаждет быть очарованным ее противоположностью — скепсисом. Для людей искренне верующих скепсис бывает подчас и благом, и передышкою.
Вагнер, вещающий о восторге, который он умел-де извлекать из христианского причастия: после этого я и решился считать его побежденным. А тут еще во мне заговорило подозрение, не позволил ли он себе, в целях новой натурализации в Германии, отчасти разыгрывать из себя христианина и новообращенного: это подозрение повредило ему в моих глазах куда больше, чем досада от того, что приходилось возлагать надежды на стареющего романтика, чьи колени уже успели устать от частых челобитий в адрес креста.
2 [102]
Вера в тело фундаментальней, чем вера в душу: последняя возникла из затруднений, с какими сталкивался ненаучный взгляд на тело (душу приняли за то, что способно его покидать. Вера в правдивость сна —)
2 [103]
Не доверять самонаблюдению. Что одна мысль — причина другой, установить невозможно. По столу нашего сознания проходит череда мыслей, и мы думаем, будто одна мысль — причина следующей за ней. А на самом деле мы просто не видим борьбы, разыгрывающейся под столом — —
2 [104]
У Платона, человека с чрезмерною чувственной возбудимостью, фанатика, зачарованность понятием была столь велика, что он безотчетно почитал и обожествлял понятие как форму идеала. Хмель диалектики как сознание того, что с ее помощью можно достигать господства над собою, — — как орудие воли к власти.
2 [105]
Давление и толчок — нечто сугубо позднее, производное, вторичное. Ведь они уже заранее предполагают, что имеется нечто удерживающее вместе, способное давить и толкать! Но исходя из чего оно удерживало вместе?
2 [106]
Роль немецкой философии (Гегель): додумать до конца пантеизм, в коем зло, заблуждение и страдание перестают ощущаться как аргументы против божественного мироздания. Власти предержащие (государство и т.д.) злоупотребили этой грандиозной инициативой, словно она санкционировала разумность существующих властей.
Шопенгауэр зато выступает несгибаемым моралистом, который, ради правоты своего морального подхода, становится в конце концов мироотрицателем. А в конце концов «мистиком».
Сам-то я попытался провести эстетическое оправдание: как возможна безобразность мира? — Я понял стремление к красоте и стремление к сохранению тех же форм как временные меры для поддержания и исцеления: но на более глубоком уровне начало вечно созидающее как поневоле вечно разрушающее казалось мне связанным с болью. Безобразное — это форма понимания вещей, подчиненная стремлению вложить смысл, новый смысл в то, что смысл утратило: это скопившаяся сила, принуждающая творящего пережить все прежнее как негодное, неудачное, отвергаемое как безобразное? —
Обман, внушаемый Аполлоном: вечность прекрасной формы; аристократический кодекс «так да пребудет всегда!»
Дионис: чувственность и жестокость. Бренность можно толковать как наслаждение зачинающей и разрушающей силой, как беспрестанное творение.
2 [107]
NB. Религии гибнут из-за веры в мораль: христиански-морального Бога отстоять нельзя; следствие — «атеизм», как будто других богов быть не может.
Культура тоже гибнут из-за веры в мораль: ведь как только обнаруживаются необходимые условия, только и дающие ей расти, желание культуры пропадает: буддизм.
2 [108]
Что ценность мира состоит в нашей интерпретации (—что, вероятно, где-то могут быть и другие интерпретации, нежели чисто человеческие—) что прежние интерпретации — это перспективистские оценки, благодаря которым мы поддерживаем свое существование, то есть волю к власти, к росту власти, что всякое возвышение человека несет с собою преодоление ограниченных интерпретаций, что всякое достигнутое усиление и расширение власти открывает новые перспективы и призывает верить в новые горизонты,— всем этим живут мои сочинения. Мир, до которого нам есть дело,— неправилен, то есть представляет собой не действительность, но вымысел и округление какой-то скудной суммы наблюдений; он «течет», он — нечто становящееся, некая постоянно ускользающая неправильность, никогда не приближающаяся к истине: поскольку никакой «истины» нет.
2 [109]
«Бессмысленность происходящего»: вера в это — следствие уразумения неправильности прежних интерпретаций, обобщение уныния и немощи — не необходимая вера.
Как неучтив человек: где не видит смысла, давай его отрицать!
2 [110]
К «Рождению трагедии».
«Бытие» как выдумка страдающих от становления.
Книга, построенная из одного опыта эстетических состояний наслаждения и страдания, задний план коей образует метафизика для художников. В то же время она — кредо романтика, а в конечном счете — юношеское сочинение, полное юношеского задора и меланхолии. Тот, кто больше других страдает, сильнее тоскует по красоте — он ее порождает.
Опыт основных переживаний: словом «аполлоновское» обозначается восхищенное оцепенение перед выдуманным, найденным в мечте миром, перед миром прекрасной видимости как избавлением от потока становления: именем же Диониса я окрестил, с другой стороны, активное постижение и субъективное сопереживание становления — как бешеное наслаждение творца, знакомого и с яростью разрушения. Антагонизм этих двух переживаний и лежащих в их основе страстей: первое стремится увековечить явление, перед лицом которого человек стихает, утрачивает желания, в нем воцаряется штиль, он исцеляется, оказывается в ладу с собою и со всем сущим; вторая страсть влечет к становлению, к наслаждению от вовлечения вещей в поток становления, то есть от созидания и уничтожения. Становление, пережитое и истолкованное изнутри, будет тогда беспрестанным творчеством кого-то неудовлетворенного, преизобильного, бесконечно напряженного и сжатого, — какого-то бога, побеждающего муку бытия лишь непрерывным изменением и чередованием: видимость будет для него — временным, дающимся только каждый данный миг избавлением; мир — вереницей божественных видений и избавлений в этой видимости. — Эта метафизика для художников противопоставлена одностороннему подходу Шопенгауэра, который умеет отдавать должное искусству не со стороны художника, а исключительно со стороны зрителя, поскольку оно несет с собою освобождение и избавление в наслаждении недействительным в противовес действительному (переживание человека, отчаявшегося в себе и страдающего в своей действительности), — избавление в форме и в ее вечности (так это переживал, скорее всего, и Платон: разница только в том, что этот последний вкушал победу над своею чрезмерно возбудимой и страстной чувственностью еще и в понятии). Этому противопоставляется второй факт — искусство как переживание, ведомое художнику, прежде всего музыканту: мука необходимости творить как влечение дионисийское.
Трагическое искусство, насыщенное тем и другим опытом, названо примирением Аполлона и Диониса: явление наделяется глубочайшим смыслом — благодаря Дионису; и все-таки это явление отвергается, и отвергается с наслаждением. Это направлено против Шопенгауэрова учения о безропотности как миропонимания трагического.
Против теории Вагнера, что музыка — средство, а цель — драма.
Тоска по трагическому мифу (по «религии», и притом религии пессимистической) (как по стеклянному колпаку, под которым хорошо себя чувствует то, что растет)
Недоверие к науке — несмотря на то, что ее ненадолго утоляющий боль оптимизм весьма ощутим. Непомраченность теоретического человека.
Глубокое отвращение к христианству: почему? На него перекладывают ответственность за вырождение немецкого начала.
Мир может быть оправдан лишь с эстетической точки зрения. Принципиальное подозрение касательно морали (она — из мира явлений).
Наслаждение сущим возможно лишь как наслаждение видимостью.
Наслаждение становлением возможно лишь в уничтожении действительности «сущего», этой прекрасной видимости, в пессимистическом разрушении иллюзии.
Дионисийское блаженство достигает своей вершины в уничтожении даже самой прекрасной видимости.
2 [111]
Проблема смысла искусства: для чего нужно искусство?
Как наиболее жизнеспособные и хорошо удавшиеся люди — греки — относились к искусству?
Факт: трагедия расцвела во времена, когда их сила была в зените, — почему?
Второй факт: потребность в красоте, а равно и логизирование мира, возникает у них во время их декаданса.
Толкование обоих фактов:
Ошибочное применение к современности: я истолковал пессимизм как следствие избытка силы и жизнеспособности, каковой может позволить себе такую роскошь, как трагедия. Равным образом я истолковал немецкую музыку как выражение дионисийского избытка и первозданности, то есть
1) я переоценил немецкое начало
2) я не понял, в чем источник современного помрачения
3) мне не хватило культурно-исторического чутья на истоки современной музыки и определяющего ее суть романтизма.
Невзирая на такое ошибочное применение, проблема остается проблемой: какой была бы музыка, проистекшая не из романтического, а из дионисийского источника?
2 [112]
романтик — это художник, получающий творческую силу из великого недовольства самим собою,— он смотрит мимо себя и окружающего, он оглядывается на прошлое
2 [113]
Я начал с некоей метафизической гипотезы о смысле музыки: но в ее основе лежало одно психологическое наблюдение, под которое я еще не умел подвести никакого удовлетворительного исторического объяснения. Перенесение музыки в метафизическую сферу было актом почитания и благодарности; в сущности, до сей поры так поступали со своими переживаниями все верующие. Тут я изведал изнанку: бесспорно вредоносное и губительное воздействие на меня той самой музыки, которую я так почитал, — а вместе с тем пришел конец и ее религиозному почитанию. Тем самым у меня открылись глаза и на современную потребность в музыке (потребность, исторически появляющуюся одновременно с ростом потребности в наркотике). Само «произведение искусства будущего» предстало передо мною в качестве изощренно замаскированной потребности в возбуждении и хмеле, причем своей выгоды тут ищут все помыслы, включая всякую идеалистическую, религиозную, сгущенно-моральную нелепицу, — в качестве общего подхлестывания всего нервного механизма. Мне открылась вся суть романтизма: ее обличило отсутствие созидающего типа людей. К сему добавляются скоморошество средств, поддельность и заимствованность всех отдельных элементов, отсутствие добротности артистического образования, бездонное лицемерие этого самого современного из искусств, каковому следовало бы быть главным образом искусством театральным. Психологическая несостоятельность этих мнимых героев и богов, в одно и то же время нервных, грубых и рафинированных, подобно новейшим парижским живописцам и лирикам. Короче, я причисляю всех их скопом к современному «варварству». Но сказанное не затрагивает дионисийского. Трагедия является во времена избытка сил и здоровья, но также и во времена нервного истощения и перевозбужденности. Диаметрально противоположное толкование. Для Вагнера показательно, что уже в «Кольце нибелунгов» он дал нигилистическую (алчущую покоя и смерти) развязку.
2 [114]
Произведение искусства за вычетом художника выглядит, скажем, телом или организацией (прусский офицерский корпус, иезуитский орден). В какой мере художник — лишь предварительная стадия. Что означает «субъект» — ?
Мир как порождающее само себя произведение искусства — —
Искусство — следствие недовольства действительно-стью? Или выражение благодарности за изведанное счастье? В первом случае — романтизм, во втором — нимб и дифи-рамб (короче, искусство апофеоза): сюда относится даже Рафаэль, который, правда, лицемерил, обожествляя види-мость христианского миротолкования. Он был преиспол-нен благодарности за жизнь, когда она представала ему не в специфически-христианском виде.
Мир в моральной интерпретации невыносим. Хрис-тианство было попыткой с ее помощью победить, то есть отвергнуть, мир. In praxi это безумное посягательство — посягательство безумного высокомерия человека перед лицом мира — свелось к помрачению, измельчанию, оску-дению человека: и при этом сбывались ожидания одной породы — породы наиболее посредственного и безвред-ного, стадного человека — она бралась под покровитель-ство, если уж на то пошло ...
Гомер как певец апофеоза; также и Рубенс. В музыке таких еще не бывало.
Идеализация великого осквернителя (признание его величия) — дело греков; свести на нет достоинство греш-ника, очернить, ошельмовать его — дело иудео-христиан.
2 [115]
«Бог умер». Опасность в богопочитании по иудео-христианскому пошибу.
2 [116]
Тот вид самопознания, что представляет собой скромность — мы ведь не сами себя создали, — но не меньше того и благодарность — мы ведь «хорошо удались» —
2 [117]
Психология потребности заниматься наукой.
Искусство из благодарности или из недовольства.
Итог морального истолкования мира — мироотрицание (критика христианства).
Антагонизм между «улучшением» и укреплением человека как типа.
Бесконечная толкуемость мира: любое истолкование — симптом роста или упадка.
Прежние попытки оставить морального Бога в прошлом (пантеизм, Гегель и т. д.)
Единство (монизм) — потребность в inertia; вариабельность толкования — признак силы. Нельзя отказывать миру в его зловещем и энигматичном качестве!
2 [118]
| 1. | I. II. | Нигилизм, по всем признакам, при дверях. Неизбежно, раз люди не понимают его предпосылок. Таковые состоят в наделении ценностью (а не в социальных фактах, которые всегда внушают то пессимизм, то оптимизм благодаря определенному истолкованию) | |
| 2. | III. | Происхождение наделения ценностью — в виде критики его разновидностей. | |
| 3. | IV. | Встречномыслящие. Их психология. | |
| 4. | V. | Молот: учение, подводящее к вердикту. | |
| 1. | Наибольшая опасность. | ||
| 2. | Критика морали. | ||
| 3. | Мы, встречномыслящие. | ||
| 4. | Молот. |
2 [119]
«Сколь далеко искусство проникает в глубины мира? И существуют ли, помимо художника, какие-нибудь иные художественные творческие силы?» Этот вопрос, как известно, был моей отправной точкой: и на второй вопрос я отвечал «да»; а на первый — что «мир и сам — не что другое, как искусство». Безудержное стремление к знанию, истине и мудрости в этом мире видимости казалось мне осквернением основного метафизического стремления, извращением естества: и только справедливо, думал я, что мудрость своею острой вершиной оборачивается против мудреца. Мудрость обнаруживает свою противоестественность, враждебно выступая против искусства: желание познавать там, где спасительна как раз видимость, — да ведь это извращение, да ведь это влечение к небытию!
2 [120]
Все культы фиксируют какое-нибудь однократное переживание, встречу с каким-нибудь богом, спасение в каком-то одном смысле — и постоянно его демонстрируют. Локальный миф как исток драмы: тут поэзия берет на себя роль бога.
2 [121]
(38)
Комедиантство
| Хамелеонство современного человека и его возбудимость. Главное — желание спрятаться и пресыщенность. |
| Литератор. |
| Политик (в «Национальном надувательстве») |
| Комедиантство в искусствах |
| Нехватка добротности начального образования и выучки (Фромантен) |
| Романтики (нехватка философии и науки и избыток литературы) |
| Романисты (Вальтер Скотт, но и безобразно раздутые «Нибелунги» с их бьющею по нервам музыкой) |
| Лирики |
| «Научность» |
| Виртуозы (евреи) |
| Популярные идеалы низвергнуты, но покамест не в глазах народа: |
| святой, мудрец, пророк |
2 [122]
(37)
К истории современного помрачения.
Номады на службе государства (чиновники и т.д.):
лишенные «родины» —
Упадок семьи.
«Добрый человек» как симптом усталости.
Справедливость как воля к власти (выведение
породы)
Похотливость и невроз.
Чернокнижная музыка: — куда девалась музыка отрадная?
Анархист.
Презрение к человеку, отвращение.
Глубочайшее различие: чему дано творить — голоду
или преизбытку? Первый из них порождает идеалы романтизма.
северная противоестественность.
потребность в алкоголе и «бедственное положение»
рабочих
философский нигилизм.
2 [123]
Христиане обязаны верить в правдивость Бога: но тут же им, увы, приходится мириться с верою в Библию и в ее «естествознание»; они отнюдь не смеют признать какую-нибудь относительную истину (или, выражаясь яснее, — ). Христианство губит безусловный характер его морали. Наука разбудила сомнение в правдивости христианского Бога: от этого сомнения христианство умирает (Паскалев deus absconditus).
2 [124]
| 1. Рождение трагедии. | Метафизика для художников. |
| 2. Несвоевременные мысли. | Мещанин от образования. Отвращение. |
| Жизнь и историческая наука — Основная проблема. | |
| Философ-отшельник. «Воспитание» | |
| Художник-отшельник. Чему стоит учиться на примере Вагнера. | |
| 3. Человеческое, слишком человеческое. | Свободный ум. |
| 4. Разные мысли и изречения. | Интеллектуальный пессимист. |
(7)
Каузальность. Почему я именно таков? Нелепое представление — считать, будто свободно определяешь свое бытие и даже каков ты именно есть. Подоплека: требование — что должно быть такое существо, которое воспрепятствовало бы появлению столь презирающей себя самое твари, каковой я являюсь. Чувствовать себя контраргументом против Бога —
| 5. Странник и его тень. | Одиночество как проблема. |
| 6. Утренняя заря. | Мораль как сумма предрассудков |
| 7. Веселая наука. | Сарказм в адрес европейской моралистики. |
| Шансы на преодоление морали. | |
| Каким должен был быть человек, живший за гранью? | |
З |
Семь предисловий.
Дополнение
к семи публикациям.
2 [125]
К истории пессимизма.
Современное помрачение.
Комедиантство.
2 [126]
К 2) критике высших ценностей.
К истории очернения.
Как делаются идеалы.
Культура (и «очеловечивание»: противоположны)
Мораль как инстинкт стыда, как маскарад, как личина, принципиально доброжелательная интерпретация
(37)
Добавить суждения о пессимистах! Индусы
Пессимизм (как инстинкт) и тяга к пессимизму: основной контраст
| Пессимист интеллекта. | один руководствуется | |
| Пессимист | другой - нелогичностью, | |
| чувственности | этот - болезненностью | |
| в ощущениях. |
— все эти мерила таковы лишь с позиций морали
или, подобно Платону, даже из страха перед ней
А. Что есть истина?
В. Справедливость.
С. К истории сопереживаний.
D. «Добрый человек».
Е. «Человек высшего типа».
Художник.
(36)
Что есть истина? (inertia, гипотеза, создающая комфорт, минимальная трата душевной энергии и т. д.)
2 [127]
(2)
Нигилизм уже при дверях: откуда пожаловал к нам этот самый зловещий из всех гостей? —
| I | 1. | Отправной пункт: заблуждение считать, будто причина этого нигилизма кроется в «социальных бедах», или в «физиологическом вырождении», или, еще того пуще, в коррупции. Они, конечно, допускают совершенно различные толкования. Но нигилизм кроется в одном-единственном, определенном толковании — в христианско-моральном. Время-то — самое к нему подходящее, самое к нему сочувственное. Нужды, душевной, телесной, интеллектуальной нужды, самой по себе еще далеко не достаточно, чтобы породить нигилизм, то есть радикальное отрицание ценности, смысла, идеалов. |
| 2. | Закат христианства — из-за его собственной морали (каковая неотделима от него —), обращающейся против христианского Бога (сознание правдивости, обостренное благодаря христианству, питает отвращение к лицемерию и лживости всего христианского толкования мира и истории. Из крайности «Бог есть истина» переход в другую — к фанатичной вере в то, что «все лживо». Буддизм дела ... | |
| 3. | Скепсис в отношении морали — вот главное. Закат морального миротолкования, которое более ничем не санкционировано, после того как попробовало сбежать в потустороннее: заканчивает нигилизмом — «все лишено смысла» (недоказуемость миротолкования, в которое были вложены неимоверные силы, — пробуждает сомнение: а что, если лживо любое миротолкование —), черта буддийская, тоска по небытию. (Индийский буддизм не проделал никакого фундаментального морального развития, поэтому в его нигилизме содержится лишь мораль преодоленная: существование как наказание, существование как стечение заблуждений и, стало быть, заблуждение как наказание — это моральная оценка.) Попытки преодолеть «морального Бога» со стороны философии (Гегель, пантеизм). Преодоление популярных идеалов: мудрец. Святой. Поэт. Антагонизм «истинного», «прекрасного», «доброго» — — | |
| 4. | Против «бессмысленности», с одной стороны, и против моральных ценностных суждений — с другой: в какой мере все науки и философия прежде подчинялись моральным суждениям? И не придется ли примириться с враждебностью к науке? Или даже с антинаучностью? Критика спинозизма. Остатки христианских ценностных суждений повсюду в социалистических и позитивистских системах. Отсутствует критика христианской морали. | |
| 5. | Нигилистические последствия нынешнего естествознания (наряду с его попытками ускользнуть в потустороннее). Из ее работы в конце концов последует саморазложение, она обернется против себя самой, станет антинаучной. Со времен Коперника человечество скатывается из центра в «х». | |
| 6. | Нигилистические последствия политического и экономического образа мыслей, где все «принципы» мало-помалу доходят до комедиантства: оттуда несет посредственностью, убожеством, ханжеством и т.д. Национализм, анархизм и т. д. Наказание. Не хватает сословия и человека, которые могли бы спасти, — оправдателей — | |
| 7. | Нигилистические последствия исторической науки и «историков на практике», то есть романтиков. Позиция искусства: абсолютная неоригинальность его позиции в современном мире. Его помрачение. Мнимое олимпийство Гёте. | |
| 8. | Искусство и подготовка нигилизма. Романтизм (финал Вагнеровых «Нибелунгов»). |
2 [128]
| I. | Основное противоречие между цивилизацией и возвышением человека. Настало время великого полудня, плодотворнейшего просветления: вот пессимизм на мой лад—великий исходный пункт. |
| II. | Формы наделения моральной ценностью в виде истории лжи и очернительского искусства на службе некоей воли к власти (воли стада), восстающей против более сильных. |
| III. | Условия всякого возвышения культуры (то есть создания возможности отбора лучших за счет толпы) — это условия роста вообще. |
| IV. | Многозначность мира как вопрос силы, рассматривающей все вещи в перспективе своего роста. Моральные христианские ценностные суждения как рабское восстание и рабская лживость (в сравнении с аристократическими ценностями античного мира). |
| Сколь глубоко проникает искусство в сущность силы? |
2 [129]
Вечное возвращение.
Заратустровские пляски
и шествия.
Часть первая: праздник смерти Божией.
Сочинение
Фридриха Ницше.
1. Праздник смерти Божией.
2. В великий полдень.
3. «Этот молот — для чьей он руки?»
4. Мы, дающие обет.
I.
Зачумленный город. Его предупреждали; он не боится и входит, не раскрывая себя. Мимо проходят все виды пессимизма. Пророк толкует каждую процессию. Чередою проходят мимо тяга к иному, тяга к отрицанию, тяга к небытию.
Напоследок Заратустра дает объяснение: Бог умер, и в этом причина величайшей опасности: разве? ведь она же могла бы быть и причиною величайшего мужества!
II.
Появление друзей.
Те, что обречены на гибель, наслаждаются совершенным: удаляющиеся.
Отчет друзей.
Праздничные шествия. Поворотный пункт, великий полдень.
Великое поминальное и благодарственное жертвоприношение мертвому Богу.
III.
| Новая задача. | Смерть Бога, для пророка |
| Способ решить задачу. | событие ужаснейшее, для |
| Друзья оставляют его. | Заратустры — блаженство |
Заратустра умирает. |
IV. Мы, дающие обет
2 [130]
Феномен «художник» еще совершенно прозрачен:—отсюда можно проникнуть взглядом в фундаментальные инстинкты власти, природы и т.д.! Даже религии и морали!
«игра», бесполезное как идеал избытка сил, как нечто «детски легкое». «Детская легкость» бога,
2 [131]
План книги первой
Смутно вырисовывается противоположность мира, который мы почитаем, и мира, которым мы живем, который — мы сами. Остается только отменить либо наши челобития, либо нас самих. Последнее и есть нигилизм.
| 1. | Надвигающийся нигилизм, теоретически и практически. Его ошибочное объяснение. (Пессимизм, его виды: прелюдии нигилизма, хотя и без неизбежности.) Перевес Севера над Югом. |
| 2. | Христианство, гибнущее от собственной морали. «Бог есть истина», «Бог есть любовь», «справедливый Бог» — Величайшее событие — «Бог умер» —, <что> смутно ощущается. Попытка немцев превратить христианство в гносис, вылившаяся в глубочайшее недоверие: при этом явственней всего ощутимо «неправдоподобие» (это — против Шеллинга, к примеру). |
| 3. | Мораль, отныне лишенная санкции, не сможет удержаться на плаву. В конце концов моральное толкование будет отброшено — (чувство еще повсюду отдает христианским ценностным суждением —) |
| 4. | Но на моральных суждениях прежде покоилась ценность, и в первую очередь ценность философии! («воли к правде» —) популярные идеалы «мудреца», «пророка», «святого» пали |
| 5. | Нигилистическая черта естествознания. («Бессмысленность» —). Каузализм, механицизм. «Закономерность» — антракт, пережиток. |
| 6. | То же самое в политике: нет уверенности в своей правоте, нет невинности, царит лживость, все делается на потребу сиюминутному |
| 7. | То же самое в экономике: отмена рабства: отсутствие сословия, которое могло бы спасти и оправдать, — наступает анархия. «Воспитание»? |
| 8. | То же самое в истории: фатализм, дарвинизм, крах последних попыток внести в толкование разум и божественное начало. Сентиментальное отношение к прошлому; любое <подлинное> жизнеописание кажется несносным! — (и тут феноменализм: характер как маска, никаких фактов) |
| 9. | То же самое в искусстве: романтизм и вызванная им ответная реакция (неприятие романтических идеалов и лжи), чистые художники (<то есть> безразличные к содержанию). Последнее, с моральной стороны, как ощущение большей правдивости, — но пессимистичное. (Психология исповедников и психология пуритан — две формы психологического романтизма: но даже и в ответной реакции на него — попытке отнестись к «человеку» чисто художнически, — даже и здесь все еще не отважились на обратное понимание ценного!) |
| 10. | Вся европейская система человеческих устремлений ощущает отчасти свою бессмысленность, отчасти уже свою «неморальность». Вероятно появление какого-то нового буддизма. Величайшая опасность. «Как правдивость, любовь, справедливость соотносятся с подлинным миром?» Да никак! — |
| Признаки. Европейский нигилизм. Его причина: обесценение прежних ценностей. |
Нечеткое слово «пессимизм»: те, что чувствуют себя плохо, и те, что чувствуют себя слишком хорошо, — те и другие были пессимистами.
| Соотношение между нигилизмом, романтизмом и позитивизмом (последний — ответная реакция на романтизм, творение разочарованных романтиков) | |
| «Возвращение к природе». Его этапы: фон образует блаженная доверчивость христианства (видимо, уже у Спинозы — «deus sive natura»!) | |
| Руссо, наука по образцу романтического идеализма | |
| Спинозизм чрезвычайно влиятелен: | |
| 1) | попытка занять позицию довольства миром, как он есть |
| 2) | наивно полагать блаженство и познание в зависимости (выражение тяги к оптимизму, выдающей глубокое страдание —) |
| 3) | попытка избавиться от морального миропорядка, с тем, чтобы в остатке оказался «Бог» как некий существующий до всякого разума мир ... |
«Если человек больше не считает себя злым, он и перестает им быть —». Доброе и злое — лишь интерпретации, а вовсе не положение дел, как оно есть само по себе. Можно догадаться о происхождении такого рода интерпретации; можно пробовать постепенно таким путем добиваться освобождения от закоренелой принудительности моральной интерпретации.
К книге второй
Возникновение и критика моральных способов ценить. Это не одно и то же, как верят не склонные задумываться люди (такая вера — уже сама по себе результат моральной оценки: «такая-то вещь, возникшая так-то и так-то, менее ценна в силу неморального происхождения»)
Мерило, которым измеряется ценность моральных способов ценить: критика слов «улучшение, совершенствование, возвышение».
Фундаментальный факт, оставшийся в тени: противоречие между «большею моральностью» и возвышением и усилением человека как типа.
Homo natura. «Воля к власти».
К книге третьей
Воля к власти.
Какими должны быть люди, производящие такую переоценку себя.
Иерархия как иерархия власти: война и опасность служат предпосылкой того, что тот или иной ранг сохранит условия своего существования. Грандиозный образец: первобытный человек, слабейшее и хитрейшее существо, становится хозяином, подчиняя себе более глупые силы.
К книге четвертой
Величайшая битва: для нее надо владеть каким-то новым оружием.
Молот: спровоцировать ужасный выбор, поставив Европу перед необходимостью решать, «желает» ли ее воля гибели.
Предотвратить обмещанивание. Уж лучше гибель!
2 [132]
(36)
Та предпосылка, что в основе всего лежат настолько моральные процессы, что человеческий разум оказывается правым,— это доверчивость и исходный пункт порядочного мещанства, следствие веры в Божью правдивость — причем Бог мыслится как творец всего. Понятия унаследованы человеком из какого-то его потустороннего предсуществования — —
Орудие не может критически судить о своей собственной пригодности: интеллект не может сам определять свои границы, ни даже удачность или неудачность своих действий. —
«Познавать» — значит соотносить с предшествующим, уже известным: по сути дела, некий regressus in infinitum. А то, что его останавливает (на мнимой causa prima, на абсолюте и т. д.),— это леность, усталость — —
А если все-таки кто-то страстно желает понять условия, в каких возникает вещь, то как раз поэтому он не поймет ее саму: к сведению господ историков.
2 [133]
Против компромиссов и миролюбия. К ним относится и любая попытка провести монизм.
2 [134]
(39)
Воздействие художников на народ и на массы: Бальзак, В. Гюго, Р. Вагнер
2 [135]
— Error veritate simplicior —
2 [136]
— Один из тех разительных аргументов, который разит того, кто им пользуется —
2 [137]
Путеводитель по идеям.
Пособие
для серьезного изучения
моих сочинений.
| Основы. К учению о чувстве власти. |
| О психологической оптике. |
| О критике религий O disciplina intellectus. Подозрительные стороны добродетелей. К чести зла. Проблема художника. Politika. К логикам. Против идеалистов. Против верующих в действительность. О музыке. Разъяснение насчет гениальности. Из таинств одиночества. Как понимать греческое? |
Об искусстве жить. Современное помрачение. Женщина и любовь. Книги и люди. Народы и «народ».
2 [138]
По ту сторону добра и зла.
Пролог
к философии будущего.
Сочинение
Фридриха Ницше
Новое, более вразумительное издание.
Том второй.
С приложением: Путеводитель по идеям.
Пособие для серьезного изучения моих сочинений.
2 [139]
(7)
О «каузализме»
Очевидно, что во взаимном отношении причины и следствия не могут находиться ни вещи сами по себе, ни явления: отсюда следует, что понятие «причина и следствие» неприменимо в рамках философии, верящей в вещи сами по себе и явления. Ошибка Канта —... На самом деле понятие «причина и следствие», если поверить его психологии, рождается исключительно из того образа мыслей, что везде и всюду видит воздействие одной воли на другую,— что верует лишь в живое, то есть, в сущности, лишь в «души» (а не в вещи). В рамках механистического миропонимания (которое является логикой и ее приложением к пространству и времени) это понятие сводится к математической формуле — с помощью которой, и это необходимо подчеркивать все снова, достигается отнюдь не понимание происходящего, а его обозначение, записывание.
Неизменное чередование известных явлений доказывает вовсе не «закон», а соотношение степени власти между 2 или более силами. Сказать: «Но как раз это соотношение и остается неизменным!» — это все равно что сказать: «Одна и та же сила не может в то же время быть и другою силой». Речь идет не о последовательности,— а о слитности, о процессе, в котором отдельные чередующиеся моменты обусловливают друг друга не как причины и следствия ...
Отрыв «действия» от «действователя», происходящего от того, благодаря чему что-то происходит, процесса от того, что является не процессом, а длительностью, субстанцией, вещью, телом, душой и т.д.,— попытка понимать процесс как своего рода сдвиг и перемену места чем-то «сущим», неизменным,— вся эта древняя мифология закрепила веру в «причину и следствие», после того как эта вера обрела твердую форму в грамматических связях языка. —
2 [140]
(30)
Против обоих положений — «подобное познается только подобным» и «подобное познается только неподобным», — вокруг которых уже в античности столетиями велась война, нынче можно возразить исходя из строгого и осмотрительного понятия познания: познавать вообще невозможно — и притом именно потому, что подобное не в состоянии познать подобное, и потому, что столь же мало и подобное может быть познано неподобным. —
2 [141]
Этот отрыв действия от действователя, действия
от претерпевания, бытия от становления, причины от
следствия
уже вера в изменения предполагает веру в нечто такое, что «изменяется».
разум - это философия очевидного
2 [142]
(30)
эта «регулярность» смены — всего лишь фигуральное выражение, словно тут соблюдается какое-то правило: но этого на самом деле не происходит. То же самое и с «закономерностью». Мы находим какую-нибудь формулу, чтобы выразить в ней некий постоянно возвращающийся ряд событий: но этою формулой мы не обнаружили никакого «закона», а еще того менее — силу, служащую причиной возвращения рядов. И если что-то происходит всегда таким-то образом, то интерпретируют это так, словно всегда таким-то образом действовало — проявляя покорность какому-нибудь закону или законодателю — некое существо, причем, не будь «закона», оно было бы вольно действовать иначе. Но как раз эта-то определенность образа действия может идти от самого существа, которое не соотносит свои определенные действия сначала с законом, а просто само по себе таково. Остается только сказать: вещь не может быть одновременно такой и другой, не может действовать то так, то эдак, она ни свободна, ни несвободна, а просто всегда такая-то. Ошибка состоит в присочинении субъекта.
2 [143]
Положим, в распоряжении мира имеется некий квантум силы, — очевидно, что любое перемещение власти на какое-нибудь другое место отражается на всей системе: стало быть, наряду с каузальностью как следованием друг за другом должна быть зависимость рядоположенного и совместного.
2 [144]
(126)
Положим даже, что опровержение христианской веры провести было бы невозможно,— Паскаль же, ввиду ужасающей возможности того, что эта вера все же права, считает в высшей степени разумным быть христианином. Нынче — как признак того, сколь сильно христианство утратило способность ужасать,— можно видеть другую попытку его оправдания, состоящую в том, что, даже если бы оно было заблуждением, человек все равно всю жизнь извлекал бы из этого заблуждения великую пользу и наслаждение: таким образом оказывается, что эту веру надлежит поддерживать как раз ради ее умиротворяющего действия,— стало быть, не из страха перед некоей грозной возможностью, а, скорее, из страха перед жизнью, лишенной всякого стимула. Этот гедонистический уклон — доказательство от наслаждения — симптом упадка: он подменяет собою доказательство от силы, от того, благодаря чему христианская идея потрясает,— от страха. На деле же в таком перетолкованном виде христианство все больше истощается: люди довольствуются каким-то опиумическим христианством, потому что у них нет уже сил ни на поиск, борьбу, риск, желание обособленности, ни на паскалианство, это мечтательское самоуничижение, веру в человеческое ничтожество, страх перед «возможностью осуждения». Но христианству, которое обязано в первую очередь успокоить расшатанные нервы, вообще больше нет нужды в столь ужасающем решении вопроса, как «Бог на кресте»: потому-то повсюду в Европе буддизм втихомолку делает успехи.
2 [145]
Толкование процесса в качестве либо действия, либо претерпевания — причем любое действие есть «в то же время уже и» претерпевание — гласит: любое изменение, любой переход в иное предполагает автора и того, с кем происходит «изменение».
2 [146]
Можно провести полную аналогию между упрощением и сокращением бесчисленных переживаний до общих принципов и развитием сперматозоида, в сжатом виде несущего в себе все прошлое: такую же аналогию можно провести между художественной разработкой от порождающей основной идеи до «системы» и развитием организма как разворачиванием и продолжением идеи, как воскрешением в памяти всей предшествующей жизни, воскрешающим ясным представлением, воплощением.
Короче говоря: зримая органическая жизнь и незримо свершающиеся в душе творческие порывы и мысли содержат некий параллелизм: яснее всего параллелизм этих двух сторон можно выявить на примере «художественного произведения». В какой мере мышление, умозаключение и все, что связано с логикой, можно считать лицевой стороной — симптомом много более глубокого и фундаментального процесса?
2 [147]
(30)
| «Цель | как истолкование | (не как положение дел) | |
| и средство» | как истолкование | всё в смысле воли | |
| «Причина | |||
| и следствие» | как истолкование | к власти |
| «Действие и претерпевание» |
| («Вещь сама по себе и явление») как истолкование |
| а в какой мере, может быть, даже необходимые истолкования? (в качестве «сохраняющих») |
2 [148]
Воля к власти интерпретирует: когда формируется какой-нибудь орган, речь идет об интерпретации; она проводит границы, определяет степени, градации власти. Чистые градации власти еще не могут ощутить себя таковыми: нужно, чтобы было нечто растуще-волящее, интерпретирующее любое другое растуще-волящее нечто, ориентируясь на собственную ценность. Здесь все равно — — На самом деле интерпретация — это прямо-таки способ получить господство над чем-нибудь. (Органический процесс предполагает непрерывно длящуюся интерпретацию.
2 [149]
«Вещь сама по себе» искажает суть дела точно так же, как и «смысл сам по себе», «значение само по себе». Не бывает никакого «положения дел самого по себе» — всегда сначала должен быть вложен какой-нибудь смысл, чтобы могло иметься положение дел.
Вопрос «что это такое?» — смыслополагание, предпринятое с точки зрения чего-то иного. «Эссенция», «суть» есть нечто перспективообразующее и уже предполагает какую-то множественность. В основе всегда лежит вопрос «что это такое для меня?» (для нас, для всего живого и т.д.).
Вещь будет обозначена, только если все существа спросят о ней «что это такое?» и получат ответ. Положим, не хватает одного-единственного существа, со всеми присущими ему отношениями и перспективами, связующими его со всеми остальными вещами: тогда эта вещь все-таки еще не «определена».
2 [150]
Короче говоря, сущность вещи — всего-навсего мнение об этой «вещи». Или даже так: «считается, что ... » — это и есть подлинное «это есть ... », единственное «это есть ... ».
2 [151]
Негоже спрашивать: «А кто же интерпретирует?» — в качестве некоей формы воли к власти (но не в качестве «бытия», а в качестве процесса, становления) существует — в виде — само интерпретирование.
2 [152]
возникновение «вещей» — целиком и полностью дело представляющих, мыслящих, волящих, изобретающих. Само понятие «вещь» — так же, как и все свойства. — Даже «субъект» — такое же творение, «вещь», как и все прочее: некое упрощение, призванное назвать ту силу, что полагает, изобретает, мыслит, как таковую, в отличие от самих отдельных актов полагания, изобретения, мышления. Стало быть, она называет способность в отличие от всего единичного: в сущности, действие, обобщенное в соотнесении со всем только ожидаемым действием (действием и вероятностью подобных действий).
2 [153]
NB. Бога-человеколюбца никак не установить исходя из известного нам мира: вот на какое признание можно нынче вас принудить, вот до чего довести, — а какой вывод извлекаете отсюда вы? Раз нам его не установить, значит, будем скептиками в познании. Но все вы трепещете перед выводом: «Из известного нам мира можно вывести совсем другого Бога — такого, который по крайней мере не человеколюбив» — — а говоря прямо, это значит, что вы цепляетесь за своего Бога, выдумывая для него мир, нам не известный.
2 [154]
(36)
Против предрассудков в науке.
— Самая неправдоподобная басня — это басня о познании. Хотелось бы знать, каковы вещи сами по себе. а никаких вещей самих по себе — хвать — и нету! Но допустим даже, что нечто само-по-себе, нечто безусловное существует, — ведь тогда-то именно поэтому его и нельзя будет познать! Невозможно познать безусловное: иначе оно уже и не будет безусловным! Ведь познавать — это значит всегда «ставить себя в отношение к чему-то» — —; а тот «познающий» хочет, чтобы то, что он стремится познать, никак его не затрагивало; и чтобы оно никак не затрагивало вообще никого: при этом, во-первых, возникает противоречие между желанием познать и требованием, чтобы ничто не затрагивало познающего (а зачем же тогда познавать?), и, во-вторых, то, что никого ни в чем не затрагивает, вообще не существует, а стало быть, не может быть и познано. Познавать — значит «ставить себя в отношение к чему-то»: ощущать свою обусловленность чем-то и нашу взаимную — — это при любых обстоятельствах означает констатацию, обозначение, осознание условий (а не исследование сущностей, вещей, всяких «в-себе»)
2 [155]
Сильнейшее нежелание раз и навсегда останавливаться на каком-нибудь одном обобщенном миропонимании; волшебное очарование противоположного образа мыслей; не отказывать себе в стимулах энигматического порядка.
2 [156]
К главе «Художники» (которые придают форму, устанавливают ценности, овладевают)
Наши языки как отголоски древнейшего способа овладения вещами, хозяйского и мыслительного одновременно — —: за каждым свежеотчеканенным словом тут же следовал приказ — «отныне эта вещь будет называться так!»
2 [157]
Разве не должны все количества быть признаками качеств? Более высокая ступень власти соответствует иному сознанию, ощущению, притязанию, иному перспективному восприятию; сам рост — это стремление больше быть; из quale растет стремление к росту количества; в мире чисто квантитативном все было бы мертвым, оцепенелым, неподвижным. — Сведение всех качеств к количествам — нелепость: все, что из него следует, — одно и другое стоят в одном ряду, аналогия —
2 [158]
Психологическая история понятия «субъект». Тело, вещь, сконструированная зрением «общая картина» порождает различение между действием и действователем; от действователя как причины действия, понимаемого все более тонко, остался в конце концов «субъект».
2 [159]
Разве прежде хоть раз констатировали силу? Нет, констатировали <ее> эффекты, переведенные на какой-то абсолютно чуждый ей язык. Регулярность же последовательной смены событий настолько нас избаловала, что мы перестали дивиться тому, что в ней действительно дивного
2 [160]
Нынче, когда для этой книги, которая вышла в свет, но все-таки нуждается в ключах, необходимо вдобавок еще и какое-то введение, предисловие, — первым делом надо сказать, почему тогда я боялся писать предисловие.
2 [161]
(41)
К предисловию.
Испытывая глубокое недоверие к теоретико-познавательным догмам, я любил выглядывать то из того, то из другого окна, остерегаясь, однако, прочно обосноваться в каком-нибудь из них; я считал эти догмы вредными — да и, в конце-то концов, разве можно допустить, что орудие способно критически оценивать степень собственной пригодности? На что я обратил внимание, это, скорее, то, что теоретико-познавательный скепсис или догматика никогда не возникали без задней мысли, что их ценность оказывается ценностью второго ранга, если только рассудить, что на самом деле принудило занять такую позицию: уже одно только стремление к достоверности, если оно не равнозначно желанию «сперва я хочу жить» — основная интуиция: как Кант, так и Гегель, так и Шопенгауэр — как скептико-эпохистская, так и историзирующая, так и пессимистическая позиции, — все они морального происхождения. Я не видел еще никого, кто отважился бы на критику моральных ценностных чувств. А скупым попыткам набросать историю возникновения таких чувств (предпринятым английскими и немецкими дарвинистами) я скоро показал спину. Чем объяснить позицию Спинозы, его отказ и отклонение моральных ценностных суждений? (Было ли это одним из выводов какой-нибудь теодицеи?)
2 [162]
В моих прежних сочинениях читатель приметит честное стремление не замыкать свой кругозор, проявлять некую умную осторожность перед лицом различных убеждений, не доверять чарам и попыткам перехитрить собственную совесть, какими чревата любая сильная вера; в них можно увидеть отчасти осмотрительность обжегшегося однажды ребенка, отчасти — разочарованного идеалиста, — но более важным мне кажется эпикурейское чутье любителя загадок, который никак не может за здорово живешь отказаться от энигматичной природы вещей, а напоследок самыми важными — некое эстетическое отвращение к громким, добродетельным и не допускающим возражений словам и вкус, дающий отпор при виде всевозможных четырехугольных противоположностей, желающий от вещей доброй доли зыбкости и стирающий противоположности, потому что предпочитает оттенки, тени, послеполуденные блики и безбрежные моря.
2 [163]
Обычные ошибки историков морали:
1. они говорят, что у разных народов — различные моральные суждения, выводя отсюда необязательность таковых вообще. Или утверждают, будто в определенных пунктах морали между народами, по крайней мере христианскими, сложился некий консенсус, а отсюда делают вывод об обязательности этих пунктов для нас: то и другое в равной степени наивно.
2. они критикуют мнение народа о собственной морали (о ее происхождении, о ее священном достоинстве, целесообразности и т.д.) и полагают, что это и есть критика самой морали, заросшей этим сорняком неразумия.
3. они и сами, не ведая об этом, находятся под властью морали и, в сущности, заняты именно тем, что помогают своей вере в нее одержать победу: их резоны показывают лишь их собственное желание, чтобы была обеспечена вера в то или другое, чтобы то или другое было вполне верным.
Ничего хорошего у прежних историков морали не найти: они обыкновенно и сами подчинены какой-нибудь морали и, в сущности, не заняты ничем другим, кроме как агитацией в ее пользу. Их обычная ошибка состоит в том, что они критикуют глупые мнения какого-нибудь народа о своей морали (то есть о ее происхождении, о ее священном достоинстве, целесообразности) и полагают, что это и есть критика самой морали, заросшей этим сорняком неразумия. Но ценность предписания долга не зависит от того, что о нем думают, так же как ценность лекарства не зависит от того, сужу ли я о медицине как ученый или как старая баба.
Или же утверждают, будто в определенных пунктах морали между народами, по крайней мере прирученными, сложился некий консенсус, а отсюда делают вывод о безусловной обязательности этих пунктов, в том числе для тебя и для меня, причем то и другое в равной степени страшно наивно.
2 [164]
Закаленный сражениями и победами дух, для которого завоевание, приключение, опасность, боль превратились прямо-таки в страсть; привычка к резкому воздуху высот, к зимним дорогам, к льдам и скалам в любом из смыслов; своего рода утонченная злость и крайне озорная мстительность — ведь это же настоящая месть, месть в адрес самой жизни, когда страдалец берет ее под свою защиту. Эта книга, которая нуждается, может, не в одном предисловии, трудна для понимания по многим причинам, а не только из-за неумелости автора и уж тем более не из-за его злонамеренности, а, скорее, из-за крайнего озорства страдальца, неизменно находящего для себя забаву в идеале, в который верует народ и которого сам он, наверное, достиг в названных состояниях.
— И, быть может, у меня есть право участвовать в обсуждении этих последних — ведь я не ограничивался их наблюдением.
Не сомневаюсь: состояние, которое я изжил в себе тогда, с помощью иронии поднявшись над собою, было присуще мудрецу, каким его представляет себе народ: вялое бесплодие и самодовольство мудреца, каким его представляет себе народ, отстраненность и потусторонность человека, предающегося «чистому познанию», весь этот утонченный онанизм ума, утратившего охоту к действию, к порождению, к творчеству в любом из смыслов. Разве кому-нибудь дано пережить вслед за мною чудесное блаженство того времени, в какое родилась эта книга! Утонченная злость души, что —
Нынче мне по вкусу кое-что другое: человек великой любви и великого презрения, своею избыточной силой гонимый из всяких «отстраненностей» и «потусторонностей» в самую гущу мира, принуждаемый одиночеством творить для себя существ, подобных ему самому, — человек, добровольно принимающий на себя ужасную ответственность, прикованный к своей задаче
Что, вероятно, всего труднее понять в этой трудной для понимания книге, которая нуждается не в одном предисловии, так это ирония, заключенная в противоречии между ее темой — разрушением и распусканием моральных ценностей — и тоном, в каком она написана, тоном высшей, снисходительнейшей, мудрейшей невозмутимости, коим забавлялся тяжелобольной человек, отвернувшийся от жизни, равно как и своим крайним озорством.
2 [165]
(41)
К предисловию для «Утренней зари»
Попытка мыслить о морали, не подпадая ее чарам,
не доверяя коварству ее красивых жестов и взоров.
Мир, перед которым можно преклоняться, который приходится впору нашему позыву боготворить, который беспрестанно свидетельствует о себе — руководя и частным, и общим, — это воззрение христианское, и из него все мы вышли.
По мере роста проницательности, недоверчивости, научности (а также инстинктивного поднятия планки правдивости, а стало быть, все под тем же христианским влиянием) эта интерпретация все больше становилась для нас непозволительной.
Самый хитрый выход — кантовский критицизм. Интеллект отрицает за собою право как на интерпретацию в том духе, так и на отказ от интерпретации в том духе. Довольствуются, заполнив брешь избытком доверчивости и веры, отказом от всякого подтверждения своей веры, невнятным и заносчивым «идеалом» (Богом).
Выход Гегеля, следовавшего тут за Платоном, заключает в себе изрядную долю романтизма и реакции, а заодно являет собою симптом появления чувства истории, некоей новой силы: сам «дух» — раскрывающий и реализующий себя идеал, в «процессе», в «становлении» открываются все новые черты этого идеала, в который мы верим, — итак, идеал воплощается, а вера обращается в будущее, в котором и сможет отдаться своей благородной потребности — поклоняться. Короче говоря,
1) Бог для нас непознаваем и неподтверждаем — тайный умысел теоретико-познавательного направления;
2) Бог подтверждается на опыте, но лишь в качестве некоторого становления, и мы входим в его состав именно в силу нашего стремления к идеалу — тайный умысел историзирующего направления
Но то же самое чувство истории, переходя в природу, — — —
Очевидно, что такая критика никогда не была направлена на сам идеал, а только на проблему — откуда берется антагонизм с ним, почему он еще не достигнут или почему его нельзя подтвердить ни в частностях, ни в главном.
Идеал мудреца — в какой мере он прежде был моральным до мозга костей? — —
Огромная разница — ощущается ли это бедственное положение как бедственное с позиций страстного желания или, благодаря остроте ума и определенному усилию исторического воображения, только устанавливается как проблема ...
Тот же самый феномен мы находим и вне религиозно-философского анализа: утилитаризм (социализм, демократизм) критикует происхождение видов морального почитания, но тем не менее верит в них — точно так же, как христианин. (Наивно полагать, будто мораль уцелеет, если не будет санкционирующего ее Бога. Если вере в мораль суждено сохраниться, «потустороннее» абсолютно необходимо.)
Основная проблема: откуда это всемогущество веры? Веры в мораль?
(— веры, которая проявляется и в том, что в пользу морали превратно интерпретируются даже основные условия сохранения жизни — вопреки тому, что известно о мире животных и растений.
«самосохранение»: дарвинистская перспектива, направленная на примирение альтруистских и эгоистических принципов.
(Критика эгоизма — к примеру, у Ларошфуко)
Моя попытка понять моральные суждения как симптомы и язык знаков, в которых проявляются процессы физиологически задавшейся или не задавшейся жизни, равно как и осознание условий сохранения и роста: способ интерпретации, равноценный астрологическому. Предрассудки, пользующиеся подсказками инстинктов (предрассудки о расах, общностях, о разных стадиях жизни, скажем о юности или увядании, и т. д.).
В применении к специфической христианско-европейской морали: наши моральные суждения — признаки упадка, неверия в жизнь, подготовки пессимизма.
В чем смысл того, что, интерпретируя, мы внесли в существование противоречие? — Вот что решающе важно: за спиною всех иных видов почитания стоят и распоряжаются все те же моральные виды почитания. Положим, они отпадут: чем мы тогда станем мерить? И какой ценностью будут тогда обладать познание и т. д. и т. д.
Мой главный тезис: не существует никаких моральных феноменов — есть только моральная интерпретация этих феноменов. Сама же эта интерпретация имеет внеморальное происхождение.
2 [166]
Предисловие к “Веселой науке”
Увеселение перед великим предприятием, силы для которого, чувствуешь это, теперь наконец вернулись: так Будда десять дней предавался мирским наслаждениям, найдя свое главное положение.
Общий сарказм касательно всякого нынешнего нравоучительства. Подготовка наивно-иронического отношения Заратустры ко всему священному (наивная форма превосходства: игра со священным)
(42)
О превратном понимании “непомраченности.” Временное избавление от длительного напряжения, задор духа, копящего силы и готовящего себя к страшным и незыблемым решениям. «Шут» под маскою “науки.”
Эта книга нуждается, вероятно, не в одном предисловии: никто так ничего и не понял из ее «веселой науки». Даже о заглавии
Никто так ничего и не понял из этой «веселой науки»: даже заглавие, о провансальском смысле которого многие ученые позабыли —
То победоносное состояние духа, которым порождена эта книга, понять трудно — но сам-то я порожден «как раз этим» состоянием духа.
сознательное отвращение ко всему, что превратилось для меня в былое, в сочетании с каким-то утонченным желанием благодарить даже за него, за это «былое», не слишком далеким от ощущения, что я вправе на долгую месть,
осколок седого, ледяного старчества, врезавшийся в жизнь в самом неподходящем ее месте, тирания боли, превзойденная тиранией гордости, отвергающей следствия боли в душе, уединение как вынужденная защита от болезненного ясновидческого презрения к людям — я полюбил уединение, я наслаждался им поэтому еще и как избавлением, а с другой стороны, жажда всего самого горького, сурового, жгуче терзающего, что только ни есть в познании
Одно из тех переживаний, которые мне никогда не забыть, связано с тем, что ни одна из моих книг не удостоилась столь искренних поздравлений, как эта, — в них мне дали понять, насколько здрав несомый ею образ мыслей
Глубже всего люди бывают уязвлены, когда ты даешь им заметить высоту и строгость требований, которые предъявляешь к себе самому.
Глубже всего люди бывают уязвлены, решительней всего отворачиваются от тебя, когда даешь им заметить, с какою строгостью относишься к себе самому: но как приветливо, как любезно принимает нас свет, стоит нам только начать поступать, как все, «давать себе волю», как все!
Одно из тех переживаний, которые мне никогда не забыть, связано с тем, что эта книга «gai saber» принесла мне больше поздравлений, чем все остальные вместе: со мною вдруг примирились, ко мне вновь проявили дружелюбие и любезность, и все увидели в книге признак того, что я выздоравливаю, образумливаюсь, прихожу в себя, возвращаюсь назад — и притом назад ко «всем».
За вычетом нескольких ученых, тщеславие которых покоробило слово «наука» (— они давали мне понять, что это, может быть, и «веселая», но уж никак не «наука» —), все остальные восприняли эту книгу как возвращение ко «всем остальным» и ради нее проявили ко мне дружелюбие и любезность: а я-то лишь задним числом догадался, что ничто не язвит глубже и настраивает против нас более решительно —
NB Быть может, напоследок читатель склонит свой слух и к нескольким задорным песням, в коих поэт потешается над поэтом и его красивыми лирическими чувствами.
Заратустра, на некий священный лад противопоставляющий всему священному мужество и насмешку и не кривя душою идущий своей дорогой ко всему наиболее запретному, злому —
2 [167]
Отрицание причинности. Чтобы не сваливать ответственность за все отдельное на все вместе и не укорачивать нить, на которой что-то висит. «Случай» действительно существует.
2 [168]
Тенденция развития морали. Всякому хочется, чтобы в выгодном освещении не представало ни одно другое учение, ни один другой способ оценивать вещи, кроме того, которое дает возможность счастливо отделаться ему самому. Следовательно, основная тенденция слабаков и посредственностей всех времен — ослаблять более сильных, тянуть их вниз: главный способ — моральное суждение. Обыкновения более сильных в отношении более слабых клеймятся позором; высшие качества более сильных снабжаются хулительными прозвищами.
Война множества против немногих, обыкновенных против исключительных, слабых против сильных
— один из их самых ловких способов приостановить ее состоит в том, что избранные, ловкие, более взыскательные представляют себя немощными, а более грубые методы удержать власть отвергают —
2 [169]
(34)
Может быть, кому-то покажется, будто я уклонился от решения вопроса о достоверности. Но верно обратное: задаваясь вопросом о критерии достоверности, я проверял, какими разновесами пользовались при взвешивании до сих пор вообще, — и не был ли уже самый вопрос о достоверности вопросом производным, вопросом второго порядка.
2 [170]
(44)
Никто не знает и не подозревает, как выворачивалось наизнанку моральное суждение, сколь много раз, и самым основательным образом, «зло» перекрещивалось в «добро». На одну из таких махинаций я ввел противоположности «нравственность нравов» и
Даже совесть переменила свое обиталище: было угрызение стадной совести
В какой мере даже наша совесть с ее мнимой личной ответственностью — это тем не менее все еще стадная совесть.
2 [171]
(43)
При великом избытке сил никаких угрызений совести, как и никаких ressentiments, не бывает (Мирабо, Б. Челлини, Кардано).
2 [172]
«Бытие» — у нас нет о нем никакого другого представления, кроме «жить». Как же в таком случае может «быть» нечто мертвое?
2 [173]
O sart pour sart см. Doudan pensees p. 102, равно как
и о выродившемся культе красок
Шерер VIII p. 292.
2 [174]
В вещах находят только то, что сами же в них и засунули: и эта-то забава, о которой я не хочу сказать ничего дурного, зовется наукою? Напротив: если мы будем продолжать то и другое, то для того и другого понадобится бодрая решимость: одним — чтобы находить, другим —
а именно нам, — чтобы засовывать!
— человек находит в вещах в конце концов только то, что сам же в них и засунул: то, что находит, называется наукою, а то, что засовывает, — искусством, религией, любовью, гордостью. В том и другом, пусть даже это забавы, —
2 [175]
(45)
NB. Против учения о влиянии среды и внешних причин: внутренняя сила бесконечно превосходит их; многое из того, что кажется влиянием извне, — это всего лишь приспособление к нему изнутри. Точно те же среды можно истолковать и использовать противоположным образом: в этой области нет никаких данных. Гениальность невозможно объяснить условиями, в которых она возникла —
2 [176]
Что будет присуще сильному человеку ХХ столетия: —
2 [177]
(46)
Популярные идеалы, скажем Франциск Ассизский с его отрицанием иерархии душ: перед Богом все равны.
2 [178]
Полезно понимать «право», «нарушение закона» и т.д. в определенном узкогражданском смысле, к примеру «соблюдай закон — и можешь ничего не бояться»: то есть исполняй свой долг, следуя определенной грубой схеме, в рамках которой существует общество.
2 [179]
Предисловие
Исходя из представления о жизни (а она — стремление не к самосохранению, но к росту), я нарисовал картину основных инстинктов того направления, какое приняли у нас в Европе политика, дух и общество.
Что же я, очевидно, разъяснил?
1) за самыми резкими различиями философских толков скрывается известное тождество того, что у них за душою: они бессознательно руководствуются моральными скрытыми умыслами, а говоря яснее, популярными идеалами; следовательно, моральная проблема <для них> важнее теоретико-познавательной
2) когда-нибудь придется обернуть перспективу, чтобы пролить свет на такие предрассудки, как мораль и все популярные идеалы: для этого можно будет воспользоваться всевозможными видами «свободных умов», то есть умов, мыслящих неморально.
3) христианство как идеал плебейский со всей своею моралью сводится к тому, чтобы вредить типу людей более сильных, высокоразвитых, благородных, и благоприятствует типу стадного человека: это подготовка демократического образа мыслей
4) наука продвигается вперед в союзе с движением за равенство, а то, что все добродетели ученых отвергают иерархию,— это демократия
5) демократическая Европа сводится всего-навсего к утонченному выведению породы рабов, распоряжаться которыми должна будет какая-то сильная раса, чтобы рабы не стали тошнотворны самим себе
6) аристократия возникает только в условиях сурового и длительного гнета (господство над всей землею)
2 [180]
В Европе, в том числе и в Германии, есть, надо думать, несколько человек, доросших до проблемы этой книги, и не только любопытством своим, не только щупальцами избалованного ума, вещей силы воображения и усвоения, а в особенности «чувства истории», но и всею страстностью нужды: их душам хватает высоты, чтобы понять мою концепцию «свободного ума» как стилистический прием, как хитрость, если угодно, как скромность: эти не станут сетовать на мою невразумительность.
Есть множество вещей, выступать против которых я не счел нужным: само собой понятно, что фигура «литератора» мне отвратительна, что все нынешние политические партии мне отвратительны, что к социалисту я отношусь отнюдь не только с соболезнованием. Два благороднейших человеческих типа, которые мне довелось знать лично,— законченный христианин (и я почитаю для себя за честь принадлежать к роду, где ни в каком смысле не шутили со своим христианством) и законченный художник романтического идеала, которого я застал глубоко погрязшим в христианстве: очевидно, что повернись только спиною к этим двум типам, потому что они тебе не по душе, и трудно будет найти среди нынешних людей человека себе по вкусу — в той мере, в какой это верно, я обречен на одиночество, хотя я прекрасно могу представить себе тот человеческий тип, что был бы мне по душе. Мое терпеливое и снисходительное отвращение к самодовольству наших щеголяющих образованностью жителей больших городов, наших ученых —
2 [181]
(42)
Ирония Платона, которою умеет защищаться — или по меньшей мере прятаться — чрезмерная изнеженность души и чувств, ранимость сердца, та олимпийская суть Гёте, что писала стихи о своих страданиях, чтобы от них избавиться, подобным же образом и Стендаль, Мериме —
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(10)
Чтобы существовало нечто более долговечное, чем отдельный человек, чтобы, стало быть, продолжало существовать дело, вышедшее, быть может, из рук отдельного человека, – для этого на творящего должны налагаться всяческие ограничения – специализации и т.д. Какими же способами? Положение облегчают уже любовь, почтение, благодарность к особе, начавшей дело: или надо, чтобы его заложили наши предки, или чтобы мои потомки могли жить с уверенностью, только если за это дело (пусть это будет, скажем, государство) я ручаюсь. Мораль – это и есть преимущественное средство придать вещам долговечность невзирая на отдельных личностей, или, скорее, благодаря порабощению отдельных личностей. Понятно, что перспектива снизу вверх будет выражаться в совершенно иных формах, чем перспектива сверху вниз.
Комплекс власти: как он будет сохраняться? Так, что ему будут жертвовать собою многие поколения, то есть –
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К введению.
Всякому, сожившему с великим сомнением, словно со своей судьбою, всякому, чьи дни и ночи расточались в сугубо одиноких беседах и решениях, чужие суждения о той же проблеме, какой занимается он сам, покажутся не более чем шумом, для защиты от коего он заткнет себе уши: мало того, они покажутся ему как бы чем-то назойливым, непозволительным и бесстыдным со стороны тех, кто, как он полагает, не имеют никакого права на прикосновение к этой проблеме — потому, что не они ее отыскали. Бывают такие часы неверия в себя, неверия в свое право и привилегию, когда влюбленный отшельник — он ведь философ — жаждет услышать все то, что говорится или умалчивается о его проблеме; при этом до него, может быть, дойдет, что в мире полно таких ревниво влюбленных, каков он сам, и что все громогласное, шумящее, публичное, вся авансцена политики, будней, базара, «эпохи» кажется изобретенным лишь для того, чтобы нынешние наши отшельники и философы могли за ним укрыться, словно обволокнувшись своим самым глубоким одиночеством; все занимаются одним и тем же, влюблены в одно и то же, ревнуют об одном и том же — и как раз о его проблеме. «Ни о чем ином нынче и не мыслят, когда вообще о чем-то мыслят», — бормочет он наконец себе под нос; «все вертится как раз вокруг этого сомнения; и что мне казалось делом, завещанным только мне одному, о том хлопочет вся эпоха: в сущности, ничего другого вообще не происходит; даже я — но что толку во мне!»
2 [184]
(47)
Наконец-то я близок к пониманию того, сколь далеко зашел скепсис в отношении морали: где же вижу я подтверждение моей позиции?
детерминизм: мы не несем ответственности за свою природу
феноменализм: мы ничего не знаем о «вещи в себе»
Моя проблема: каков ущерб, нанесенный до сего дня человечеству моралью, равно как и своей собственной моральностью? Ущерб в сфере умственной и т. д.
мое отвращение к мудрецу как зрителю
мое более высокое понятие «художник»
2 [185]
(47)
«Мы, имморалисты»
настоящая критика морального идеала
— доброго, святого, мудрого
— очернения так называемых злых черт характера
— каков смысл различных моральных интерпретаций?
— какая угроза исходит от господствующей нынче в Европе интерпретации?
— какою мерой можно пользоваться? («воля к власти»)
2 [186]
Не думайте, будто я толкаю вас на такой же риск! Или хотя бы на такое же одиночество! Ибо тот, кто идет собственным путем, не встретит на нем никого: вот как бывает на «собственных путях». Никто не придет ему на «помощь», и со всем, что выпадет ему на долю от опасных мест, случайностей, людской злобы и скверной погоды, он обязан справляться сам. Его путь — только для него самого, в том числе и возможные неприятности, какие несет с собою это суровое, неумолимое «для себя самого»: чего стоит, скажем, одно то, что даже лучшие друзья не всегда видят и знают, до какого он места уже добрался и куда он, собственно говоря, идет, — и нет-нет да спрашивают себя: а идет ли он вообще? есть ли у него путь вообще?
— Если я здесь делаю попытку хотя бы жестом подсказать направление пути, которым шел, — для тех, кто до сего дня, несмотря ни на что, сохранял ко мне благосклонность, то сперва надо бы сказать о том, на каких путях думали меня порою искать, а то и находили. Обыкновенно меня принимают за кого-то другого: это я признаю, как и то, что кто-нибудь сослужил бы мне добрую службу, если б защитил и заслонил меня от таких подмен. Но, как сказано, я обязан помочь себе сам: для чего ж тогда и ходить «собственными путями»?
антиметафизически, антиромантически, артистически, пессимистически, скептически, исторически
| Артистическое миропонимание, антиметафизическое — да, но и |
| артистическое — |
| пессимистически-буддийское — |
| скептическое — |
| научное — не позитивистское |
2 [187]
— placatumque nitet diffuso lumine coelum —
2 [188]
что историю всех феноменов моральности можно упростить настолько, как об этом думал Шопенгауэр, — а именно, что корнем любой прежней моральной предрасположенности следует признать сострадание, — до такой степени нелепицы и наивности способен дойти лишь мыслитель, напрочь лишенный исторического чутья и страннейшим образом ускользнувший даже от той исторической выучки, коей подверглись немцы в период от Гердера до Гегеля.
2 [189]
Вопрос о происхождении наших способов высоко ценить и скрижалей достоинств вовсе не тождествен их критике, как часто думают: совершенно так же и ознакомление, скажем, с pudenda origo позволяет ощутить преуменьшение ценности возникших таким образом вещей и подготавливает критическое к ним отношение и сдержанность.
2 [190]
(47)
какова цена самим нашим способам высоко ценить и моральным скрижалям достоинств? Что несет с собою их господство? Для кого? В каком отношении? Ответ: для жизни. Но что такое жизнь? Стало быть, тут надобна новая, более точная версия понимания «жизни»: моя формулировка гласит — жизнь есть воля к власти.
что означает само высокопочитание? Указывает ли оно назад или вглубь на какой-то иной метафизический мир? Как думал еще Кант (стоявший вне великого историзирующего течения). Короче говоря: как оно «возникло»? Или оно не «возникало»? Ответ: моральное высокопочитание — это некое истолкование, некий способ интерпретировать. Само же истолкование — это симптом определенных физиологических состояний, равно как и определенного умственного уровня господствующих суждений. Кто истолковывает? — наши
2 [191]
Мой тезис: что сами моральные акты высокопочитания должны подвергнуться критике. Что эмоциональное моральное побуждение надо прекратить вопросом почему. Что это стремление вопрошать «почему?», критиковать мораль — это как раз и есть наша нынешняя форма самой моральности: разборчивое чувство честности. Что наша честность, наше нежелание дурачить самих себя должны показать себя: «почему нет?». Перед каким судом? Стремление не давать себя дурачить порождено чем-то другим: это нежелание оказаться побежденным, использованным, это инстинктивная вынужденная самооборона жизни.
Вот что гласят мои требования к вам — пусть даже они с трудом дойдут до ваших ушей: что сами моральные акты высокопочитания вы должны подвергнуть критике. Что вы должны прекратить эмоциональное моральное побуждение, жаждущее подчиняться, а не критиковать, вопросом «почему я обязан подчиняться?». Что это стремление вопрошать «почему?», критиковать мораль вы должны считать как раз вашей нынешней формою самой моральности: самым разборчивым видом порядочности, которая сделает честь вам и вашей эпохе.
2 [192]
ощущение того, что ты должен, волнение, сопровождающее неповиновение,— вопрос «кто тут командует? Перед чьей немилостью мы тут трепещем?»
2 [193]
(7)
Наша дурная привычка принимать стенограмму, сокращенную запись за самую вещь, а в конце концов за причину, — скажем, говорить о молнии «она сверкает». Или, еще того пуще, словечко «я». Считать некую зрительную перспективу причиною самого зрения — вот в чем был весь фокус, когда изобрели «субъект», «я»!
2 [194]
(23)
Стендаль: «Combien de lieues ne ferai-je pas à pied, et à combien de jours de prison ne me soumettrais-je pas pour entendre Don Juan ou le Matrimonio segreto; et je ne sais pour quelle autre chose je ferais cet effort». Тогда ему было 56 лет.
2 [195]
(41)
Гегель: популярная сторона его системы — учение о войне и о великих людях. Право — на стороне победителя: он и представляет прогресс человечества.
Попытка доказать господство морали на материале истории
Кант: царство моральных ценностей, недоступное нам, незримое, реально существующее
Гегель: удостоверяемое опытом развитие, зримое выявление царства морали
Мы не хотим, чтобы нас дурачили ни на кантовский, ни на гегелевский манер: мы больше не верим, подобно им, в мораль и, стало быть, не обязаны заводить философию, цель которой — дать морали выиграть дело. Как критицизм, так и историцизм утратили для нас свою притягательность в этом смысле. а какую притягательность они тогда не утратили?
2 [196]
Мы бесприютные — да! Но мы хотим использовать преимущества нашего положения и, не только не погибнуть в нем, а даже обратить себе во благо и вольный простор, и огромную бездну света.
2 [197]
Неверующие и безбожники, да! — но зато свободные от той горькой обиды и боли скитальцев, тех, что размалевывают свое неверие под веру, цель, а часто и мученичество: и мы кипели, но остыли, прозрев, что в мире все идет совершенно не по-божески, мало того — даже не по меркам разума, милосердия, человечности; мы знаем: мир, в котором мы живем, — мир не моральный, не божеский, не человеческий — мы чересчур долго интерпретировали его в духе почтения. Этому миру не та цена, что мы думали: а последнюю паутинку утешения, сотканную Шопенгауэром, мы оборвали: смысл всей истории в том и заключается, что она разоблачает свою бессмысленность и тогда пресыщается собою. Эту пресыщенность существованием, эту тягу больше ничего не желать, разнос вдребезги своеволия, своекорыстия, субъекта (как выражения этой обращенной против воли) — вот что, и больше ничего, предносилось Шопенгауэру как предмет наивысшего почитания: это он называл моралью, заявляя, что всякий бескорыстный поступок — — он даже думал гарантировать искусству его ценность, когда в тех состояниях безучастности, которые оно создает, хотел видеть подготовку к этому окончательному освобождению, к пресыщению отвращением.
— но неужто мы и впрямь пессимисты, потому что мир в наших глазах неморален? Нет, ибо мы не верим в мораль — — мы думаем, что оценка милосердия, права, сострадания, законопослушности сильно завышена, что их противоположность очернена, что в том и другом, преувеличении и очернении, во всем проекте морального идеала и мерила скрывалась чудовищная угроза для человека. Не забудем и о добром урожае: изощренность толкования, моральная вивисекция, угрызения совести неимоверно усилили человеческую лживость, сделав людей изворотливыми.
Сама по себе религия не имеет с моралью ничего общего: но оба отпрыска иудейской религии — это главным образом религии моральные, такие, которые дают предписания о том, как надлежит жить, и заставляют выполнять свои требования, ссылаясь на награду и кару.
2 [198]
эпоха Бисмарка (эпоха немецкого отупения)
на такой болотной почве пышно цветут, как водится, и настоящие болотные растения, скажем, антисемиты
2 [199]
— разделять национальные чувства, в том смысле и в той степени, каких нынче требует общественное мнение, было бы для нас, людей более духовного порядка, не только безвкусицей — это было бы нечестностью, самовольным притуплением нашего высшего знания и совести.
2 [200]
Равным образом мы больше не христиане: мы вышли из христианства — не потому, что жили слишком далеко от него, а потому, что жили слишком близко к нему, более того, потому, что мы из него выросли — а то, что нам нынче запрещает оставаться христианами, — это как раз наше более строгое и тонкое благочестие —
2 [201]
Если когда-то я написал на своих книгах слово «несвоевременный», то сколько же юношеского, неискушенного, провинциального выразило это слово! Теперь-то мне ясно, что, жалуясь, восхищаясь и выражая недовольство на такой лад, я именно поэтому входил в число современнейших из современных.
2 [202]
Кант: всего лишь идея возможной науки, подойти к которой пытаются многими путями — и будут пытаться до тех пор, пока вконец заросшая чувственностью брусчатка не исчезнет вовсе» —
2 [203]
Даже и сегодня еще попадаются философы, не ведающие, в чем оно, ярчайшее свидетельство того, сколь далеко простирается этот самый авторитет морали. Во что превратятся они, со всем их стремлением к независимости, с их привычным или возведенным в принцип сомнением, тем более с их пороком — противоречить, вводить новшества любой ценою, задирать нос перед всем высоким; во что превратятся они, стоит им начать раздумывать над «ты должен» и «ты не должен»? Тотчас окажется, что нет на земле ничего более жалкого: это Цирцея-мораль, дунув, зачаровала их! Всех этих идущих одиноким путем гордецов! — И вот все это одним махом превратилось в ягнят, и вот уж они хотят быть стадом. Для начала все они как один хотят делить свои «ты должен» и «ты не должен» решительно с любым — первый признак того, что с независимостью покончено. А каков их критерий, по которому они определяют, что может предписывать мораль? Тут все они заодно: это общезначимость такого предписания, игнорирующего личность. Это у меня и зовется «стадом». Здесь они, разумеется, расходятся друг с другом: ведь каждому хочется изо всех сил самому служить морали. Большинству из них пришло в голову, как говорится, «обосновать мораль», то есть породнить и совместить ее с разумом — по мере сил вплоть до неразличимого единства; натуры же разборчивые, наоборот, видят в необосновываемости морали признак и привилегию ее положения, ее более высокого, чем у разума, положения; иным хочется вывести ее исторически (вместе, скажем, с дарвинистами, которые изобрели палочку-выручалочку для плохих историков: «сперва нужда под давлением обстоятельств, потом привычка, наконец, инстинкт и даже удовольствие»), еще иные опровергают такие результаты вывода и вообще отвергают какую бы то ни было выводимость морали из истории, однако, опять-таки, делают это к чести ее положения, ее высшей натуры и назначения: но все они заодно в главном — «мораль есть, мораль нам дана!», и все они честно, бессознательно, безусловно верят в ценность того, что они называют моралью, а это значит — они подчинены ее авторитету. Как же! Ценность морали! Да разве можно дать высказаться тут человеку, который именно в этой ценности и сомневается? И которого лишь в этом отношении заботят ее вывод, выводимость, психологическая возможность или невозможность?
2 [204]
Книга пятая: мы, встречномыслящие.
Наша новая «свобода»
Против людей, превратившихся в популярные идеалы
Насколько искусство и подлог проникают в самую природу бытия?
Почему мы больше не христиане.
Почему мы против идеи национального.
Пессимизм и дионисийство.
Наше неверие в логику
L'art pour l'art
Ограниченность всякой телеологии.
Против фатализма причинности.
Против учения о среде: маска и характер. К понятию «феноменализм»
Против романтизма.
Понятие рабства, то есть превращения в орудие
Превратное понимание непомраченности.
Какова роль иерархии.
Критика новейшей философии: неверная отправная точка, будто бы существуют «факты сознания», — и никакого феноменализма в самонаблюдении
2 [205]
Не бывает эгоизма, который держался бы в своих рамках, никогда из них не выходя — не бывает, следовательно, никакого «дозволенного», «морально нейтрального» эгоизма, о коем вы говорите.
«Человек всегда потакает своему “я” за счет других»; «одна жизнь всегда живет за счет другой жизни». Кто этого не понимает, тот не сделал еще и первого шага к честности.
2 [206]
(48)
Какое чувство свободы заключено в данном нам, освобожденным умам, — что мы не впряжены в систему целей! И еще — что понятия «награды» и «кары» не лежат в природе сущего! И еще — что имя злого и доброго поступка можно присваивать не поступкам самим по себе, а только в перспективе тенденций самосохранения, свойственных некоторым видам человеческих общностей! И еще — что балансы, подведенные нами под наслаждением и болью, не имеют никакого космического, не говорю уже метафизического, смысла! — Тот пессимизм, что берется взвешивать на чашах весов наслаждение и боль самого сущего, с его добровольным заключением в до-коперниканскую темницу и умственный горизонт, представляет собою отсталость и рецидив прошлого, если только он не просто скверная шутка одного берлинца (пессимизм Эдуарда фон Гартмана
2 [207]
Начало
Заключение.
В какой мере это самоистребление морали — часть ее собственной силы. У нас, у европейцев, течет в жилах кровь тех, что умирали за свою веру; мы трепетали перед моралью, потому что относились к ней серьезно, и нет ничего, чем бы мы ей так или иначе не жертвовали. С другой стороны, мы приобрели духовную изощренность главным образом за счет вивисекции совести. Нам, уже оторвавшимся таким образом от своей старой почвы, еще неведомо, «куда?» нас несет. Но сама эта почва влила в нас силу, что гонит нас нынче вдаль, к приключениям, которые зашвырнут нас в безбрежное, неизведанное, неоткрытое, — а выбора у нас нет, мы обязаны быть завоевателями, потому что у нас больше нет земли, для нас родной, земли, где мы хотели бы «получать». Нет, друзья мои, вы знаете это еще лучше! Ваше сокровенное Да сильнее всяких там Нет и Может Быть, коими вы больны и одержимы вместе со своею эпохой; и если вас, переселенцев, тянет к морскому простору, то делает это ваша вера...
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с христианством все еще не управились
2 [209]
Дело чести моих друзей — поратовать за мое имя, репутацию и твердое положение и построить мне замок, где я мог бы укрыться от вульгарного непонимания: сам я ради этого ни пальцем больше не двину
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совершенная надежность работы регулирующих инстинктов