12, 9[1-190] Herbst 1887

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Prinzipien und vorausgeschickte Erwägungen.

 1.Zur Geschichte des europäischen Nihilismus.
Als nothwendige Consequenz der bisherigen Ideale: absolute Werthlosigkeit.
 2.Die Lehre von der ewigen Wiederkunft: als seine Vollendung, als Krisis.
(1)3.Diese ganze Entwicklung der Philosophie als Entwicklungsgeschichte des Willens zur Wahrheit. Dessen Selbst-In-Fragestellung. Die socialen Werthgefühle zu absoluten Werthprincipien aufgebauscht.
(2)4.Das Problem des Lebens: als Wille zur Macht. (Zeitweiliges Überwiegen der socialen Werthgefühle begreiflich und nützlich: es handelt sich um die Herstellung eines Unterbaus, auf dem endlich eine stärkere Gattung möglich wird.) Maaßstab der Stärke: unter den umgekehrten Werthschätzungen leben können und sie ewig wieder wollen. Staat und Gesellschaft als Unterbau: weltwirtschaftl Gesichtspunkt, Erziehung als Züchtung.

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(3) Kritik des guten Menschen. (Nicht der Hypokrisie:—das diente mir höchstens zur Erheiterung und Erholung) Der bisherige Kampf mit den furchtbaren Affekten, deren Schwächung, Niederhaltung—: Moral als Verkleinerung.

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(4) Kant: macht den erkenntnißtheoretischen Scepticismus der Engländer möglich für Deutsche

1) indem er, die moralischen und religiösen Bedürfnisse der Deutschen für denselben interessirt (: so wie aus gleichen Gründen die neueren Akademiker die Scepsis benutzten als Vorbereitung für den Platonismus v. Augustin; so wie Pascal sogar die moralistische Scepsis benutzte, um das Bedürfniß nach Glauben zu excitiren (“zu rechtfertigen”)

2) indem er ihn scholastisch verschnörkelte und verkräuselte und dadurch dem wissenschaftlichen Form-Geschmack der Deutschen annehmbar machte (denn Locke und Hume an sich waren zu hell, zu klar d.h. nach deutschen Werthinstinkten geurtheilt “zu oberflächlich”—)

Kant: ein geringer Psycholog und Menschenkenner; grob fehlgreifend in Hinsicht auf große historische Werthe (franz. Revolut.); Moral-Fanatiker à la Rousseau mit unterirdischer Christlichkeit der Werthe; Dogmatiker durch und durch, aber mit einem schwerfälligen Überdruß an diesem Hang, bis zum Wunsche, zu tyrannisiren aber auch in der Scepsis sofort müde; noch von keinem Hauche kosmopolitischen Geschmacks und antiker Schönheit angeweht ... ein Verzögerer und Vermittler, nichts Originelles

(—so wie Leibniz zwischen Mechanik und Spiritualism

wie Goethe zwischen dem Geschmack des 18. Jahrhunderts und dem des “historischen Sinns” (—der wesentlich ein Sinn des Exotism ist)

wie die deutsche Musik zwischen französischer und ital Musik

wie Karl der Große zwischen imperium Romanum und Nationalism.

vermittelte, überbrückte,—Verzögerer par excellence.

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Zum Schluß: “ein Lehrer dessen gewesen zu sein”

come l’uom s’eterna ...

(Inf. XV, 85)

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(5) Zur Charakteristik des nationalen Genius, in Hinsicht auf Fremdes und Entlehntes.

der englische Genius vergröbert und vernatürlicht Alles, was er empfängt

der französische verdünnt, vereinfacht, logisirt, putzt auf.

der deutsche vermischt, vermittelt, verwickelt, vermoralisirt.

der italiänische hat bei weitem den freiesten und feinsten Gebrauch vom Entlehnten gemacht und hundert Mal mehr hinein gesteckt als herausgezogen: als der reichste Genius, der am meisten zu verschenken hatte.

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(6)

Zur Aesthetik

 
   
Die Sinnlichkeit


der Rausch
Bilder des erhöhten siegreichen
Lebens
und ihre verklärende
Kraft: so daß eine gewisse Vollkommenheit
in die Dinge gelegt wird

Umgekehrt: wo die Schönheit der Vollkommenheit sich zeigt, wird die Welt der Sinnlichkeit und des Rausches mit erregt, aus alter Verwachsenheit. Deshalb gehört zum religiösen Glück die Sinnlichkeit und der Rausch.

Und wesentlich insgleichen die sensualistische Erregbarkeit der Künstler.

schön” wirkt entzündend auf das Lustgefühl; man denke an die verklärende Kraft der “Liebe.” Sollte nicht umgekehrt wiederum das Verklärte und Vollkommene die Sinnlichkeit sanft erregen, so daß das Leben als Wohlgefühl wirkt? —

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(7) Die überschüssige Kraft in der Geistigkeit, sich selbst neue Ziele stellend; durchaus nicht bloß als befehlend und führend für die niedere Welt oder für die Erhaltung des Organismus, des “Individuums.” Wir sind mehr als das Individuum, wir sind die ganze Kette noch mit den Aufgaben aller Zukünfte der Kette

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Zum Plane.

An Stelle der moralischen Werthe lauter naturalistische Werthe. Vernatürlichung der Moral.

An Stelle der “Sociologie” eine Lehre von den Herrschaftsgebilden

An Stelle der “Erkenntnißtheorie” eine Perspektiven-Lehre der Affekte (wozu eine Hierarchie der Affekte gehört).

die transfigurirten Affekte: deren höhere Ordnung, deren “Geistigkeit.”

An Stelle von Metaphysik und Religion die ewigeWiederkunftslehre (diese als Mittel der Züchtung und Auswahl)

(8) “Gott” als Culminations-Moment: das Dasein eine ewige Vergottung und Entgottung. Aber darin kein Werthhöhepunkt sondern ein Macht-Höhepunkt

Absoluter Ausschluß des Mechanismus und des Stoffs: beides nur Ausdrucksform niedriger Stufen, die entgeistigste Form des Affektes (“des Willens zur Macht”)

die Verdummung der Welt als Ziel, in Consequenz des Willens zur Macht, der die Elemente so unabhängig von einander als möglich macht: Schönheit als Anzeichen der Gewöhnung und Verwöhnung des Siegreichen: das Häßliche der Ausdruck vieler Niederlagen (im Organismus selbst) Keine Vererbung! Die Kette als Ganzes wachsend

Der Rückgang vom Höhepunkt im Werden (der höchsten Vergeistigung der Macht auf dem sklavenhaftesten Grunde) als Folge dieser höchsten Kraft darzustellen, welche, gegen sich sich wendend, nachdem sie nichts mehr zu organisiren hat, ihre Kraft verwendet, zu deorganisiren ...

a) Die immer größere Besiegung der Societäten und Unterjochung derselben unter eine kleinere, aber stärkere Zahl.

b) die immer größere Besiegung der Bevorrechteten und Stärkeren und folglich Heraufkunft der Demokratie, endlich Anarchie der Elemente.

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Die Musik der Gegenwart.
Eine Streitschrift
Von
F. N.

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Zweite Streitschrift

Die Heerden-Optik als Moral.
Unter Moralisten und Moralphilosophen.
Eine Abrechnung mit der Moral.

was hat die Stände-Differenz beigetragen zur Moral?
was das asket Ideal?
was die Heerde?
was die Philosophen?
was die Raubthier-Affekte?

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Unter Moralisten.— Die großen Moral-Philosophen. Moral als Verhängniß der Philosophen bisher

Rousseau. Kant. Hegel. Schopenhauer. Lichtenberg. Goethe.
B. Grazian. Macchiavell. Galiani. Montaigne. Pascal.
Carlyle. G. Eliot. H. Spencer.
S. Beuve. Renan. Goncourts. Stendhal. Napoléon.
Plato. Epictet. Epicur. Seneca. Marc-Aurel.

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(9) Offenbach: französische Musik, mit einem Voltaireschen Geist, frei, übermüthig, mit einem kleinen sardonischen Grinsen, aber hell, geistreich bis zur Banalität (—er schminkt nicht—) und ohne die mignardise krankhafter oder blond-wienerischer Sinnlichkeit

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Werthe

“Der Werth des Lebens”: aber Leben ist ein Einzelfall, man muß alles Dasein rechtfertigen und nicht nur das Leben, — das rechtfertigende Princip ist ein solches, aus dem sich das Leben erklärt ...

das Leben selbst ist kein Mittel zu etwas; es ist der Ausdruck von Wachsthumsformen der Macht.



— Daß wir nicht unsere “Wünschbarkeiten” zu Richtern über das Sein machen!

— daß wir nicht unsere Endformen der Entwicklung (z.B. “Geist”) wieder als ein “An sich” hinter die Entwicklung placiren

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Schlusscapitel: die letzte Wünschbarkeit.

Schluß des Buchs (wie das Leben, so die Weisheit selber:) tief und verführerisch.

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(10) Was Tertullian von den bösen Engeln sagt, das könnte man von den asketischen Priestern sagen.

Tertullian (Apologet. nr. 22) von den bösen Engeln: “in Heilung der Krankheiten sind sie wahre Zauberer. Zunächst nämlich plagen sie; dann aber schreiben sie Mittel vor, die, bis zum Wunder, neu und nachtheilig sind:—dennoch aber glaubt man, sie hätten geholfen, weil sie aufgehört haben zu plagen.”

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(11) “Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet” Das “auf daß” ist verächtlich. Unvornehm ...

1) man giebt, wenn man die Befugniß zu richten hat, damit schlechterdings nicht zu, daß Andere die Befugniß haben, uns zu richten ...

2) die unangenehmen Folgen kommen für einen, der zu irgend einer Aufgabe geschaffen ist, nicht als Gegengründe gegen diese Aufgabe in Betracht: unter Umständen können es Reizmittel sein.

Nichts ist unverständiger als eine Übertreibung an Moral hinzustellen (z.B. liebet eure Feinde): damit hat man die Vernunft aus der Moral herausgetrieben ... die Natur aus der Moral



Absolute Überzeugung: daß die Werthgefühle oben und unten verschieden sind; daß zahllose Erfahrungen den Unteren fehlen, daß von Unten nach Oben das Mißverständniß nothwendig ist.

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(12) Die Verkleinerung des Menschen muß lange als einziges Ziel gelten: weil erst ein breites Fundament zu schaffen ist, damit eine stärkere Art Mensch darauf stehen kann: inwiefern bisher jede verstärkte Art Mensch auf einem Niveau der niedrigeren stand

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(13) Krieg gegen das christliche Ideal, gegen die Lehre von der “Seligkeit” und dem Heil als Ziel des Lebens, gegen die Suprematie der Einfältigen, der reinen Herzen, der Leidenden und Mißglückten usw. (—was geht uns Gott, der Glaube an Gott noch an! “Gott” heute bloß ein verblichenes Wort, nicht einmal mehr ein Begriff!) Aber, wie Voltaire auf dem Sterbebette sagen: “reden Sie mir nicht von dem Menschen da!”



Wann und wo hat je ein Mensch, der in Betracht kommt, jenem christlichen Ideal ähnlich gesehen? Wenigstens für solche Augen, wie sie ein Psycholog und Nierenprüfer haben muß!— man blättere alle Helden eines Plutarch durch.

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(14) Franz von Assisi: verliebt, populär, Poet, kämpft gegen die Aristokratie Rangordnung der Seelen zu Gunsten der Niedersten.

9 [20]

(15) Sokrates: kämpft gegen die vornehmen Instinkte, sehr plebejisch (gegen die Kunst, aber vorbildlich wissenschaftlich. Spott über Renans fehlgreifenden Instinkt, der noblesse und Wissenschaft zusammenmengt.)

Die Wissenschaft und die Demokratie gehören zusammen (was auch Ms Renan sagen mag) so gewiß als die Kunst und die “gute Gesellschaft.”

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(16)

Zu Ehren der Laster:

 
die griechische Cultur und die Päderastie
die deutsche Musik und die Trunksucht
die Wissenschaft und
die Rachsucht  

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(17) Die großen Lügen in der Historie:

als ob es die Verderbniß des Heidenthums gewesen wäre, die dem Christenthum die Bahn gemacht habe! Aber es war die Schwächung und Vermoralisirung des antiken Menschen! Die Umdeutung der Naturtriebe in Laster war schon vorhergegangen!

— als ob die Verderbniß der Kirche die Ursache der Reformation gewesen sei; nur der Vorwand, die Selbstvorlügnerei seitens ihrer Agitatoren—es waren starke Bedürfnisse da, deren Brutalität eine geistliche Bemäntelung sehr nöthig hatte

9 [23]

(18) die lügnerische Auslegung der Worte, Gebärden und Zustände Sterbender: da wird z.B. die Furcht vor dem Tode mit der Furcht vor dem “Nach-dem-Tode” grundsätzlich verwechselt ...

9 [24]

die imitatio als Buch der Verführung (bei Comte)

9 [25]

die vier großen Demokraten Sokrates Christus Luther Rousseau

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(19) gegen den Werth des Ewig-Gleichbleibenden (v. Spinozas Naivetät, Descartes ebenfalls) der Werth des Kürzesten und Vergänglichsten, das verführerische Goldaufblitzen am Bauch der Schlange vita —

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(20) Ersatz der Moral durch den Willen zu unserem Ziele, und folglich zu dessen Mitteln.



des kategorischen Imperativs durch den kat Imperator



Kein Lob haben wollen: man thut, was Einem nützlich ist oder was Einem Vergnügen macht oder was man thun muß.

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(21) Die großen Fälschungen der Psychologie:

1) der Mensch strebt nach Glück
2) die Moral ist der einzige Weg zum Glücklichwerden
fader und leerer Begriff der christlichen “Seligkeit”

9 [29]

(22) Absoluter Instinkt-Mangel des Ms. Renan, der die Wissenschaft und die noblesse zusammen in Eins rechnet. Die Wissenschaft ist grund-demokratisch und anti-oligarchisch.

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(23)

Berichtigung des Begriffs

 

Der Egoismus. Hat man begriffen, inwiefern “individuum” ein Irrthum ist, sondern jedes Einzelwesen eben der ganze Prozeß in gerader Linie ist (nicht bloß “vererbt,” sondern er selbst ...), so hat dies Einzelwesen eine ungeheuer große Bedeutung. Der Instinkt redet darin ganz richtig; wo dieser Instinkt nachläßt (—wo das Individuum sich einen Werth erst im Dienst für Andre sucht) kann man sicher auf Ermüdung und Entartung schließen. Der Altruismus der Gesinnung, gründlich und ohne Tartüfferie, ist ein Instinkt dafür, sich wenigstens einen zweiten Werth zu schaffen, im Dienste andrer Egoismen. Meistens aber ist er nur scheinbar: ein Umweg zur Erhaltung des eignen Lebensgefühls, Werthgefühls

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(24) In der Philosophie handelt es sich wie auf dem Schlachtfelde darum

— innere Linien —

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wer nicht an dem scheußlichen Obskurantism der Bayreuther Antheil genommen hat

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(25) der Mangel an Zucht: in der Zukunft braucht es viel Askese für die Stärkung des Willens, das freiwillige Sich-Versagen

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(26) Arbeiter sollten wie Soldaten empfinden lernen. Ein Honorar, ein Gehalt, aber keine Bezahlung! Kein Verhältniß zwischen Abzahlung und Leistung! Sondern das Individuum, je nach seiner Art, so stellen, daß es das Höchste leisten kann, was in seinem Bereiche liegt.

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(27) 1. Der Nihilism ein normaler Zustand. Nihilism: es fehlt das Ziel; es fehlt die Antwort auf das “Warum?” was bedeutet Nihilism?—daß die obersten Werthe sich entwerthen.

Er ist zweideutig:

A)) Nihilism als Zeichen der gesteigerten Macht des Geistes: als activer Nihilism.

Er kann ein Zeichen von Stärke sein: die Kraft des Geistes kann so angewachsen sein, daß ihr die bisherigen Ziele (“Überzeugungen,” Glaubensartikel) unangemessen sind

— ein Glaube nämlich drückt im Allgemeinen den Zwang von Existenzbedingungen aus, eine Unterwerfung unter die Autorität von Verhältnissen, unter denen ein Wesen gedeiht, wächst, Macht gewinnt ...

Andrerseits ein Zeichen von nicht genügender Stärke, um produktiv sich nun auch wieder ein Ziel, ein Warum? einen Glauben zu setzen.

Sein Maximum von relativer Kraft erreicht er als gewaltthätige Kraft der Zerstörung: als aktiver Nihilism. Sein Gegensatz wäre der müde Nihilism, der nicht mehr angreift: seine berühmteste Form der Buddhismus: als passivischer Nihilism

Der Nihilism stellt einen pathologischen Zwischenzustand dar (pathologisch ist die ungeheure Verallgemeinerung, der Schluß auf gar keinen Sinn): sei es, daß die produktiven Kräfte noch nicht stark genug sind: sei es, daß die décadence noch zögert und ihre Hülfsmittel noch nicht erfunden hat.

B)) Nihilism als Niedergang und Rückgang der Macht des Geistes: der passive Nihilism

als ein Zeichen von Schwäche: die Kraft des Geistes kann ermüdet, erschöpft sein, so daß die bisherigen Ziele und Werthe unangemessen sind und keinen Glauben mehr finden —

daß die Synthesis der Werthe und Ziele (auf der jede stärke Cultur beruht) sich löst, so daß die einzelnen Werthe sich Krieg machen: Zersetzung

daß Alles, was erquickt, heilt, beruhigt, betäubt, in den Vordergrund tritt, unter verschiedenen Verkleidungen, religiös, oder moralisch oder politisch oder ästhetisch usw.

2. Voraussetzung dieser Hypothese

Daß es keine Wahrheit giebt; daß es keine absolute Beschaffenheit der Dinge, kein “Ding an sich” giebt

dies ist selbst ein Nihilism, und zwar der extremste. Er legt den Werth der Dinge gerade dahinein, daß diesem Werthe keine Realität entspricht und entsprach, sondern nur ein Symptom von Kraft auf Seiten der Werth-Ansetzung, eine Simplification zum Zweck des Lebens

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der Wille zur Wahrheit als Wille zur Macht

9 [37]

Wesen des Urtheils (Ja-setzend).

9 [38]

(28) die Werthschätzung “ich glaube, daß das und das so ist” als Wesen der “Wahrheit

in der Werthschätzung drücken sich Erhaltungs- und Wachsthums-Bedingungen aus

alle unsere Erkenntnißorgane und -Sinne sind nur entwickelt in Hinsicht auf Erhaltungs- und Wachsthums-Bedingungen

das Vertrauen zur Vernunft und ihren Kategorien, zur Dialektik, also die Werthschätzung der Logik beweist nur die durch Erfahrung bewiesene Nützlichkeit derselben für das Leben: nicht deren “Wahrheit.”



Daß eine Menge Glauben da sein muß, daß geurtheilt werden darf, daß der Zweifel in Hinsicht auf alle wesentlichen Werthe fehlt: —

das ist Voraussetzung alles Lebendigen und seines Lebens. Also daß etwas für wahr gehalten werden muß, ist nothwendig; nicht, daß etwas wahr ist.

“die wahre und die scheinbare Welt”—dieser Gegensatz wird von mir zurückgeführt auf Werthverhältnisse

wir haben unsere Erhaltungs-Bedingungen projicirt als Prädikate des Seins überhaupt

daß wir in unserem Glauben stabil sein müssen, um zu gedeihen, daraus haben wir gemacht, daß die “wahre” Welt keine wandelbare und werdende, sondern eine seiende ist.

9 [39]

(29) die Werthe und deren Veränderung steht im Verhältniß zu dem Macht-Wachsthum des Werthsetzenden

das Maaß von Unglauben u von zugelassener “Freiheit des Geistes” als Ausdruck des Machtwachsthums

“Nihilism” als Ideal der höchsten Mächtigkeit des Geistes, des überreichsten Lebens; theils zerstörerisch theils ironisch

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(30) Daß die Dinge eine Beschaffenheit an sich haben, ganz abgesehen von der Interpretation und Subjektivität, ist eine ganz müssige Hypothese: es würde voraussetzen, daß das Interpretiren und Subjektiv-sein nicht wesentlich sei, daß ein Ding aus allen Relationen gelöst noch Ding sei. Umgekehrt: der anscheinende objektive Chararter der Dinge: könnte er nicht bloß auf eine Graddifferenz innerhalb des Subjektiven hinauslaufen?—daß etwa das Langsam-Wechselnde uns als “objektiv” dauernd, seiend, “an sich” sich herausstellte

— daß das Objektive nur ein falscher Artbegriff und Gegensatz wäre innerhalb des Subjektiven?

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(31) Was ist ein Glaube? Wie entsteht er? Jeder Glaube ist ein Für-wahr-halten.

Die extremste Form des Nihilism wäre: daß jeder Glaube, jedes Für-wahr-halten nothwendig falsch ist: weil es eine wahre Welt gar nicht giebt. Also: ein perspektivischer Schein, dessen Herkunft in uns liegt (insofern wir eine engere, verkürzte, vereinfachte Welt fortwährend nöthig haben)

— daß es das Maaß der Kraft ist, wie sehr wir uns die Scheinbarkeit, die Nothwendigkeit der Lüge eingestehn können, ohne zu Grunde zu gehn.

Insofern könnte Nihilism, als Leugnung einer wahrhaften Welt, eines Seins, eine göttliche Denkweise sein:

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(32) Gegen 1876 hatte ich den Schrecken, mein ganzes bisheriges Wollen compromittirt zu sehn, als ich begriff, wohin es jetzt mit Wagner hinauswollte: und ich war sehr fest an ihn gebunden, durch alle Bande der tiefen Einheit der Bedürfnisse, durch Dankbarkeit, durch die Ersatzlosigkeit und absolute Entbehrung, die ich vor mir sah.

Um dieselbe Zeit schien ich mir wie unauflösbar eingekerkert in meine Philologie und Lehrthätigkeit—in einen Zufall und Nothbehelf meines Lebens—: ich wußte nicht mehr, wie herauskommen und war müde, verbraucht, vernutzt.

Um dieselbe Zeit begriff ich, daß mein Instinkt auf das Gegentheil hinauswollte als der Schopenhauers: auf eine Rechtfertigung des Lebens, selbst in seinem Furchtbarsten, Zweideutigsten und Lügenhaftesten:—dafür hatte ich die Formel “dionysisch” in den Händen.

(— daß ein “An-sich-der-Dinge” nothwendig gut, selig, wahr, eins sein müsse, dagegen war Schopenhauers Interpretation des An-sich’s als Wille ein wesentlicher Schritt: nur verstand er nicht diesen Willen zu vergöttlichen: er blieb im moralisch christlichen Ideal hängen

Schopenhauer stand so weit noch unter der Herrschaft der christlichen Werthe, daß nun, nachdem ihm das Ding an sich nicht mehr “Gott” war, es schlecht, dumm, absolut verwerflich sein mußte. Er begriff nicht, daß es unendliche Arten des Anders-sein-könnens, selbst des Gott-sein-könnens geben kann.

Fluch jener bornirten Zweiheit: Gut und Böse.

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(33) Die Frage des Nihilism “wozu?” geht von der bisherigen Gewöhnung aus, vermöge deren das Ziel von außen her gestellt, gegeben, gefordert schien—nämlich durch irgend eine übermenschliche Autorität. Nachdem man verlernt hat, an diese zu glauben, sucht man doch nach alter Gewöhnung nach einer anderen Authorität, welche unbedingt zu reden wüßte, Ziele und Aufgaben befehlen könnte. Die Autorität des Gewissens tritt jetzt in erste Linie (je mehr emancipirt von der Theologie, um so imperativischer wird die Moral); als Schadenersatz für eine persönliche Autorität. Oder die Autorität der Vernunft. Oder der sociale Instinkt (die Heerde) Oder die Historie mit einem immanenten Geiste, welche ihr Ziel in sich hat und der man sich überlassen kann. Man möchte herumkommen um den Willen, um das Wollen eines Zieles, um das Risico, sich selbst ein Ziel zu geben; man möchte die Verantwortung abwälzen (—man würde den Fatalism acceptiren) Endlich: Glück, und, mit einiger Tartüfferie, das Glück der Meisten

individuelle Ziele und deren Widerstreit

collektive Ziele im Kampf mit individuellen

Jedermann wird Partei dabei, auch die Philosophen.

Man sagt sich1) ein bestimmtes Ziel ist gar nicht nöthig
 2) ist gar nicht möglich vorherzusehen

Gerade jetzt, wo der Wille in der höchsten Kraft nöthig wäre, ist er am schwächsten und kleinmüthigsten.

Absolutes Mißtrauen gegen die organisatorische Kraft des Willens fürs Ganze.



Zeit, wo alle “intuitiven Wertschätzungen” der Reihe nach in den Vordergrund treten, als ob man von ihnen die Direktiven bekommen könne, die man sonst nicht mehr hat.

— “wozu?” die Antwort wird verlangt vom
1) Gewissen
2) Trieb zum Glück
3) “socialen Instinkt” (Heerde)
4) Vernunft (“Geist”)
— nur um nicht wollen zu müssen, sich selbst da “Wozu” setzen zu müssen.
5) endlich: Fatalismus, “es giebt keine Antwort” aber “es geht irgend wohin,” “es ist unmöglich, ein wozu? zu wollen,” mit Ergebung ... oder Revolte ... Agnosticismus in Hinsicht auf das Ziel
6) endlich Verneinung als Wozu des Lebens; Leben als etwas, das sich als unwerth begreift und endlich aufhebt.

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(Zur dritten Abhandlung)

(34) Hauptgesichtspunkt: daß man nicht die Aufgabe der höheren species in der Leitung der niederen sieht (wie es z.B. Comte macht—) sondern die niedere als Basis, auf der eine höhere species ihrer eigenen Aufgabe lebt,—auf der sie erst stehen kann.

die Bedingungen, unter denen starke und vornehme species sich erhält (in Hinsicht auf geistige Zucht), sind umgekehrt als die unter denen die “industriellen Massen,” der Krämer à la Spencer stehn.

Das, was nur den stärksten und fruchtbarsten Naturen freisteht, zur Ermöglichung ihrer Existenz,—Muße, Abenteuer, Unglaube, Ausschweifung selbst—das würde—wenn es den mittleren Naturen freistünde, diese nothwendig zu Grunde richten—und thut es auch. Hier ist die Arbeitsamkeit, die Regel, die Mäßigkeit, die feste “Überzeugung” am Platz,—kurz die Heerdentugenden: unter ihr wird diese mittlere Art Mensch vollkommen.

Ursachen des Nihilism:

1) es fehlt die höhere Species d.h. die, deren unerschöpfliche Fruchtbarkeit und Macht den Glauben an den Menschen aufrecht erhält. (Man denke, was man Napoleon verdankt: fast alle höheren Hoffnungen dieses Jahrhunderts)

2) die niedere species “Heerde” “Masse” “Gesellschaft” verlernt die Bescheidenheit und bauscht ihre Bedürfnisse zu kosmischen und metaphysischen Werthen auf. Dadurch wird das ganze Dasein vulgarisirt: insofern nämlich die Masse herrscht, tyrannisirt sie die Ausnahmen, so daß diese den Glauben an sich verlieren und Nihilisten werden

Alle Versuche, höhere Typen auszudenken, manquirt (“Romantik,” der Künstler, der Philosoph, gegen Carlyles Versuch, ihnen die höchsten Moralwerthe zuzulegen).

Widerstand gegen höheren Typus als Resultat.

Niedergang und Unsicherheit aller höheren Typen; der Kampf gegen das Genie (“Volkspoesie” usw.) Mitleiden mit den Niederen und Leidenden als Maaßstab für die Höhe der Seele

es fehlt der Philosoph, der Ausdeuter der That, nicht nur der Umdichter

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(35) Im Allgemeinen ist jedes Ding so viel werth, als man dafür bezahlt hat. Dies gilt freilich nicht, wenn man das Individuum isolirt nimmt; die großen Fähigkeiten des Einzelnen stehn außer allem Verhältniß zu dem, was er selbst dafür gethan, geopfert, gelitten hat. Aber sieht man seine Geschlechts-Vorgeschichte an, so entdeckt man darin die Geschichte einer ungeheuren Aufsparung und Capital-Sammlung von Kraft, durch alle Art Verzichtleisten, Ringen, Arbeiten, Sich-Durchsetzen. Weil der große Mensch so viel gekostet hat und nicht, weil er wie ein Wunder als Gabe des Himmels und “Zufalls” dasteht, wurde er groß. “Vererbung” ein falscher Begriff. Für das, was Einer ist, haben seine Vorfahren die Kosten bezahlt.

9 [46]

(36) Der Wille zur Wahrheit
1) als Eroberung und Kampf mit der Natur
Descartes’ Urtheil der Gelehrten
2) als Widerstand gegen regierende Autoritäten
3) als Kritik des uns Schädlichen

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Geschichte der wissenschaftlichen Methode, von A. Comte beinahe als Philosophie selber verstanden

9 [48]

(37) das Feststellen zwischenwahr” und “unwahr,” das Feststellen überhaupt von Thatbeständen ist grundverschieden von dem schöpferischen Setzen, vom Bilden, Gestalten, Überwältigen, Wollen, wie es im Wesen der Philosophie liegt. Einen Sinn hineinlegen—diese Aufgabe bleibt unbedingt immer noch übrig, gesetzt daß kein Sinn darinliegt. So steht es mit Tönen, aber auch mit Volks-Schicksalen: sie sind der verschiedensten Ausdeutung und Richtung zu verschiedenen Zielen fähig. Die noch höhere Stufe ist ein Zielsetzen und darauf hin das Thatsächliche einformen, also die Ausdeutung der That und nicht bloß die begriffliche Umdichtung.

9 [49]

(38) Man ist vielmehr das Kind seiner vier Großeltern als seiner zwei Eltern: das liegt daran, daß in der Zeit, wo wir gezeugt wurden, die Eltern meistens sich selbst noch nicht festgestellt hatten; die Keime des großväterlichen Typus werden in uns reif; in unsren Kindern die Keime unsrer Eltern.

9 [50]

(39) Nichts ist weniger unschuldig als das neue Testament. Man weiß, auf welchem Boden es gewachsen ist. Dies Volk, mit einem unerbittlichen Willen zu sich selbst, das sich, nachdem es jeden natürlichen Halt verloren und sein Recht auf Dasein längst eingebüßt hatte, dennoch durchzusetzen wußte und dazu nöthig hatte, sich ganz und gar auf unnatürliche, rein imaginäre Voraussetzungen (als auserwähltes Volk, als Gemeinde der Heiligen, als Volk der Verheißung, als “Kirche”) aufzubauen: dies Volk handhabt die pia fraus mit einer Vollendung, mit einem Grad “guten Gewissens” man nicht vorsichtig genug sein kann, wenn es Moral predigt. Wenn Juden als die Unschuld selber auftreten, da ist die Gefahr groß geworden: man soll seinen kleinen fond Verstand, von Mißtrauen, von Bosheit immer in der Hand haben, wenn man das neue Testament liest.

Leute niedrigster Herkunft, zum Theil Gesindel, die Ausgestoßenen nicht nur der guten, sondern auch der achtbaren Gesellschaft, abseits selbst vom Geruche der Cultur aufgewachsen, ohne Zucht, ohne Wissen, ohne jede Ahnung davon, daß es in geistigen Dingen Gewissen geben könnte (das Wort “Geist” immer nur als Mißverständniß da: was alle Welt “Geist” nennt, ist diesem Volke immer noch “Fleisch”) eben—Juden: instinktiv klug, aus allen abergläubischen Voraussetzungen, mit der Unwissenheit selbst einen Vorzug, eine Verführung zu schaffen

9 [51]

(40) In wie fern der Wille zur Macht als das Allein- und Absolut-Unmoralische übrig bleibt: s. St Mill (über Comte)

“wir halten das Leben für nicht so reich an Genüssen, als daß es der Pflege aller derer sollte entbehren können, die sich auf die egoistischen Neigungen beziehn. Im Gegentheil, wir glauben, daß eine genügende Befriedigung dieser letzteren, nicht im Übermaaß, wohl aber bis zu jenem Maaße, das den Genuß am vollsten gewährt, fast immer auf die wohlwollenden Triebe günstig einwirkt. Die Versittlichung der persönlichen Genüsse besteht für uns nicht darin, daß man sie auf das möglichst kleine Maaß beschränkt, sondern in der Ausbildung des Wunsches, sie mit Anderen und mit allen Anderen zu theilen und darin, daß man jeden Genuß verschmäht, der sich nicht in dieser Weise theilen läßt. Es giebt nur Eine Neigung, oder Leidenschaft, die mit dieser Bedingung dauernd unverträglich ist, nämlich die Sucht zu herrschen—ein Streben, das die entsprechende Erniedrigung Anderer in sich schließt und zur Voraussetzung hat.”

9 [52]

(41) Der Muthigste unter uns hat nicht Muth genug zu dem, was er eigentlich weiß ... Darüber, wo Einer stehen bleibt oder noch nicht, wo Einer urtheilt “hier ist die Wahrheit,” entscheidet Grad und Stärke seiner Tapferkeit; mehr jedenfalls als irgend welche Feinheit oder Stumpfheit von Auge und Geist.

9 [53]

(42) die Juden haben in der Sphäre der Kunst das Genie gestreift, mit H. Heine und Offenbach, diesem geistreichsten und übermüthigsten Satyr, der als Musiker zur großen Tradition hält und für den, der nicht bloß Ohren hat, eine rechte Erlösung von der gefühlsamen und im Grunde entarteten Musik der deutschen Romantik ist

9 [54]

— ein Weib, das an dem, was es liebt, leiden will ...

9 [55]

(43) Den Werth eines Menschen darnach abschätzen, was er den Menschen nützt oder kostet oder schadet: das bedeutet ebensoviel und ebensowenig als ein Kunstwerk abschätzen je nach den Wirkungen, die es thut. Aber ein Kunstwerk will mit Kunstwerken verglichen sein; und damit ist der Werth des Menschen im Vergleich mit anderen Menschen gar nicht berührt.

Die “moralische Werthschätzung,” so weit sie eine sociale ist, mißt durchaus den Menschen nach seinen Wirkungen.

Ein Mensch mit seinem eignen Geschmack auf der Zunge, umschlossen und versteckt durch seine Einsamkeit, unmittheilbar, unmittheilsam—ein unausgerechneter Mensch, also ein Mensch einer höheren, jedenfalls anderen Species: wie wollt ihr den abwerthen können, da ihr ihn nicht kennen könnt, nicht vergleichen könnt?

Ich finde den typischen Stumpfsinn in Hinsicht auf diesen Werth bei jenem typischen Flachkopf, dem Engländer J. St. Mill: er sagt z.B. von A. Comte “er betrachtete in seinen früheren Tagen Napoleons Namen und Andenken mit einem Ingrimm, der ihm die höchste Ehre macht; später freilich erklärte er Napoleon für einen schätzenswertheren Diktator als Louis Philipp;—etwas, das die Tiefe ermessen läßt, zu der sein sittlicher Maaßstab heruntergesunken war.”

Die moral Abwerthung hat die größte Urtheils-Stumpfheit im Gefolge gehabt: der Werth eines Menschen an sich ist unterschätzt, fast übersehn, fast geleugnet.

Rest der naiven Teleologie: der Werth des M nur in Hinsicht auf die Menschen

9 [56]

Historiker und andere Todtengräber, solche, die zwischen Särgen und Sägespänen leben—

9 [57]

(44) Philosophie als die Kunst, die Wahrheit zu entdecken: so nach Aristoteles. Dagegen die Epicureer, die sich die sensualistische Theorie der Erkenntniß des Aristoteles zu Nutze machten: gegen das Suchen der Wahrheit ganz ironisch und ablehnend; “Philosophie als eine Kunst des Lebens.”

9 [58]

die drei großen Naivetäten:

Erkenntniß

als Mittel zum Glück (als ob ...

 

als Mittel zur Tugend (als ob ...

 als Mittel zur “Verneinung des Lebens,”—insofern sie ein Mittel zur Enttäuschung ist—(als ob ...)

9 [59]

(45) — so stehen sie da, die Werthe aus Urzeiten: wer könnte sie umwerfen, diese schweren granitenen Katzen?

— deren Sinn ein Widersinn, deren Witz ein Doch- und Aber-Witz ist

— ungeduldige und feurige Geister, die wir nur an Wahrheiten glauben, die man erräth: alles Beweisen-wollen macht uns widerspänstig,—wir flüchten beim Anblick des Gelehrten und seines Schleichens von Schluß zu Schluß.

— Hartnäckige Geister, fein und kleinlich

— was um euch wohnt, das wohnt sich bald auch ein.

— ausgedorrte sandige Seelen, trockne Flußbetten

— langen Willens, tief in seinem Mißtrauen und vom Moos der Einsamkeit überwachsen

— Heimlich verbrannt, nicht für seinen Glauben, sondern dafür, daß er zu keinem Glauben mehr den Muth hat

— vor kleinen runden Thatsachen auf dem Bauche liegen

— was man nicht machen wollte als es Zeit dazu war, muß man schon nachher wollen; man hat “gut zu machen,” was man nicht gut gethan hat.

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(46) Ungeheure Selbstbesinnung: nicht als Individuum, sondern als Menschheit sich bewußt werden. Besinnen wir uns, denken wir zurück: gehen wir die kleinen und großen Wege

A. Der Mensch sucht “die Wahrheit”: eine Welt, die nicht sich widerspricht, nicht täuscht, nicht wechselt, eine wahre Welt—eine Welt, in der man nicht leidet: Widerspruch, Täuschung, Wechsel—Ursachen des Leidens! Er zweifelt nicht, daß es eine Welt, wie sie sein soll, giebt; er möchte zu ihr sich den Weg suchen. (Indische Kritik: selbst das “Ich” als scheinbar, als nicht-real)

Woher nimmt hier der Mensch den Begriff der Realität? —

Warum leitet er gerade das Leiden von Wechsel, Täuschung, Widerspruch ab? und warum nicht vielmehr sein Glück? ... —

Die Verachtung, der Haß gegen Alles, was vergeht, wechselt, wandelt:—woher diese Werthung des Bleibenden?

Ersichtlich ist hier der Wille zur Wahrheit bloß das Verlangen in eine Welt des Bleibenden.

Die Sinne täuschen, die Vernunft corrigirt die Irrthümer: folglich, schloß man, ist die Vernunft der Weg zu dem Bleibenden; die unsinnlichsten Ideen müssen der “wahren Welt” am nächsten sein.— Von den Sinnen her kommen die meisten Unglücksschläge—sie sind Betrüger, Bethörer, Vernichter:

Das Glück kann nur im Seienden verbürgt sein: Wechsel und Glück schließen sich aus. Der höchste Wunsch hat demnach die Einswerdung mit dem Seienden im Auge. Das ist die Formel für Weg zum höchsten Glück.

In summa: Die Welt, wie sie sein sollte, existirt; diese Welt, in der wir leben, ist ein Irrthum, — diese unsere Welt sollte nicht existiren.

Der Glaube an das Seiende erweist sich nur eine Folge: das eigentliche primum mobile ist der Unglaube an das Werdende, das Mißtrauen gegen das Werdende, die Geringschätzung alles Werdens.



Was für eine Art Menschen reflektirt so? Eine unproduktive leidende Art; eine lebensmüde Art. Dächten wir uns die entgegengesetzte Art Mensch, so hätte sie den Glauben an das Seiende nicht nöthig: mehr noch, sie würde es verachten, als todt, langweilig, indifferent ...

Der Glaube, daß die Welt, die sein sollte, ist, wirklich existirt, ist ein Glaube der Unproduktiven, die nicht eine Welt schaffen wollen, wie sie sein soll. Sie setzen sie als vorhanden, sie suchen nach Mitteln und Wegen, um zu ihr zu gelangen. “Wille zur Wahrheit”—als Ohnmacht des Willens zum Schaffen

erkenne, daß etwas so und so ist
thun, daß etwas so und so wird.
Antagonismus in den
Kraft-Graden der Naturen

Fiktion einer Welt, welche unseren Wünschen entspricht, psychologische Kunstgriffe und Interpretationen, um alles, was wir ehren und als angenehm empfinden, mit dieser wahren Welt zu verknüpfen.

“Wille zur Wahrheit” auf dieser Stufe ist wesentlich Kunst der Interpretation; wozu immer noch Kraft der Interpretation gehört.

Dieselbe Species Mensch, noch eine Stufe ärmer geworden, nicht mehr im Besitz der Kraft zu interpretiren, des Schaffens von Fiktionen, macht den Nihilisten. Ein Nihilist ist der Mensch, welcher von der Welt, wie sie ist, urtheilt, sie sollte nicht sein und von der Welt, wie sie sein sollte, urtheilt, sie existirt nicht. Demnach hat dasein (handeln, leiden, wollen, fühlen) keinen Sinn: das Pathos des “Umsonst” ist das Nihilisten-Pathos—zugleich noch als Pathos eine Inconsequenz des Nihilisten.

Wer seinen Willen nicht in die Dinge zu legen vermag, der Willens- und Kraftlose, der legt wenigstens noch einen Sinn hinein: d.h. den Glauben, daß schon ein Wille darin sei, der in den Dingen wirken u wollen soll.

Es ist ein Gradmesser von Willenskraft, wie weit man des Sinnes in den Dingen entbehren kann, wie weit man in einer sinnlosen Welt zu leben aushält: weil man ein kleines Stück von ihr selbst organisirt.

Das philosophische Objektiv-Blicken kann somit ein Zeichen von Willens- und Kraft-Armuth sein. Denn die Kraft organisirt das Nähere und Nächste; die “Erkennenden,” welche nur feststellen wollen, was ist, sind solche, die nichts festsetzen können, wie es sein soll.

Die Künstler eine Zwischenart: sie setzen wenigstens ein Gleichniß von dem fest, was sein soll—sie sind produktiv, insofern sie wirklich verändern und umformen; nicht, wie die Erkennenden, welche Alles lassen, wie es ist.

Zusammenhang der Philosophen mit den pessimistischen Religionen: dieselbe Species Mensch (—sie legen den höchsten Grad von Realität den höchstgewertheten Dingen bei.

Zusammenhang der Philosophen mit den moralischen Menschen und deren Werthmaaßen. (Die moralische Weltauslegung als Sinn= nach Niedergang des religiösen Sinnes —

Überwindung der Philosophen, durch Vernichtung der Welt des Seienden: Zwischenperiode des Nihilismus: bevor die Kraft da ist, die Werthe umzuwenden und das Werdende die scheinbare Welt als die Einzige zu vergöttlichen u gutzuheißen.



B. Der Nihilism als normales Phänomen kann ein Symptom wachsender Stärke sein oder wachsender Schwäche.

theils daß die Kraft zu schaffen, zu wollen so gewachsen ist, daß sie diese Gesammt-Ausdeutungen und Sinn-Einlegungen nicht mehr braucht (“nähere Aufgaben,” Staat usw.)

theils, daß selbst die schöpferische Kraft, Sinn zu schaffen, nachläßt, und die Enttäuschung der herrschende Zustand wird. Die Unfähigkeit zum Glauben an einen “Sinn,” der “Unglaube”

Was die Wissenschaft in Hinsicht auf beide Möglichkeiten bedeutet?

1) Als Zeichen von Stärke und Selbstbeherrschung, als Entbehrenkönnen von heilenden tröstlichen Illusions-Welten

2) als untergrabend, secirend, enttäuschend, schwächend

 

C. der Glaube an die Wahrheit, das Bedürfniß, einen Halt zu haben an etwas Wahrgeglaubtem: psychologische Reduktion abseits von allen bisherigen Werthgefühlen. Die Furcht, die Faulheit

— insgleichen der Unglaube: Reduktion. In wiefern er einen neuen Werth bekommt, wenn es eine wahre Welt gar nicht giebt (dadurch werden die Werthgefühle wieder frei, die bisher auf die seiende Welt verschwendet worden sind)

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die großen Methodologen: Aristoteles, Bacon, Descartes, A. Comte

9 [62]

In wiefern die einzelnen erkenntnißtheoretischen Grundstellungen (Materialismus, Sensualismus, Idealismus) Consequenzen der Werthschätzungen sind: die Quelle der obersten Lustgefühle (“Werthgefühle”) auch als entscheidend über das Problem der Realität.

— das Maaß positiven Wissens ist ganz gleichgültig, oder nebensächlich: man sehe doch die indische Entwicklung.

Die buddhistische Negation der Realität überhaupt (Scheinbarkeit = Leiden) ist eine vollkommene Consequenz: Unbeweisbarkeit, Unzugänglichkeit, Mangel an Kategorien nicht nur für eine “Welt an sich,” sondern Einsicht in die fehlerhaften Prozeduren, vermöge deren dieser ganze Begriff gewonnen ist. “Absolute Realität,” “Sein an sich” ein Widerspruch. In einer werdenden Welt ist “Realität” immer nur eine Simplifikation zu praktischen Zwecken oder eine Täuschung auf Grund grober Organe, oder eine Verschiedenheit im tempo des Werdens.

Die logische Weltverneinung und Nihilisirung folgt daraus, daß wir Sein dem Nichtsein entgegensetzen müssen, und daß der Begriff “Werden” geleugnet wird (“etwas wird”) wenn das Sein

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Sein und Werden

Vernunft” entwickelt auf sensualistischer Grundlage, auf den Vorurtheilen der Sinne, d.h. im Glauben an die Wahrheit der Sinnes-Urtheile.

“Sein” als Verallgemeinerung des Begriffs “Leben” (athmen) “beseelt sein” “wollen, wirken” “werden”

Gegensatz ist: “unbeseelt sein,” “nicht-werdend”; “nicht-wollend.” Also: es wird dem “Seienden” nicht das Nicht-seiende, nicht das Scheinbare, auch nicht das Todte entgegengesetzt (denn todtsein kann nur etwas, das auch leben kann)

Die “Seele,” das “Ich” als Urthatsache gesetzt; und überall hineingelegt, wo es ein Werden giebt.

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(48) die Colportage-Philosophen, welche nicht aus ihrem Leben, sondern aus Sammlungen von Beweisstücken für gewisse Thesen eine Philosophie aufbauen

Nie sehen wollen, um zu sehen! Als Psychologe muß man leben und warten—bis von selber das durchgesiebte Ergebniß vieler Erlebnisse seinen Schluß gemacht hat. Man darf niemals wissen, woher man etwas weiß

Sonst giebt es eine schlechte Optik und Künstlichkeit.

— Das unfreiwillige Vergessen des Einzel-Falls ist philosophisch, nicht das Vergessen wollen, das absichtliche Abstrahiren: letzteres kennzeichnet vielmehr die nicht-philosophische Natur.

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das was ich an W war das gute Stück Antichrist, das er mit seiner Kunst und Art vertrat (oh so klug! —

ich bin der Enttäuschteste aller Wagnerianer; denn in dem Augenblick, wo es anständiger als je war, Heide zu sein, wurde er Christ ... Wir Deutschen, gesetzt daß wir es je in ernsten Dingen ernst genommen haben, sind ja deutsche Atheisten und Spötter allesamt: W war es auch.

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(49) Werthe umwerthen—was wäre das? Es müssen die spontanen Bewegungen alle da sein, die neuen zukünftigen, stärkeren: nur stehen sie noch unter falschen Namen und Schätzungen und sind sich selbst noch nicht bewußt geworden

ein muthiges Bewußtwerden und Ja-sagen zu dem, was erreicht ist

ein Losmachen von dem Schlendrian alter Werthschätzungen, die uns entwürdigen im Besten und Stärksten, was wir erreicht haben.

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(50) Die unfreiwillige Naivetät des Larochefoucauld, welcher glaubt, etwas Kühnes, Feines und Paradoxes zu sagen—damals war die “Wahrheit” in psychologischen Dingen etwas, das erstaunen machte—Beispiel: “les grandes âmes ne sont pas celles, qui ont moins de passions et plus de vertus que les âmes communes, mais seulement celles, qui ont de plus grands desseins.” Freilich: J. Stuart Mill (der Chamfort den edleren und philosophischeren Larochefoucauld des 18. Jahrhunderts nennt—) sieht in ihm nur den scharfsinnigsten Beobachter alles dessen in der menschlichen Brust, was auf “gewohnheitsmäßige Selbstsucht” zurückgeht und fügt hinzu: “ein edler Geist wird es nicht über sich gewinnen, sich die Nothwendigkeit einer dauernden Betrachtung von Gemeinheit und Niedrigkeit aufzulegen, es wäre denn um zu zeigen, gegen welche verderblichen Einflüsse sich hoher Sinn und Adel des Charakters siegreich zu behaupten vermag.”

9 [68]

Der complicirte Charakter Henri IV: königlich und ernst und wieder mit der Laune eines Buffo, undankbar und treu, großherzig und listig, voll von Geist, Heroism und Absurdität.

“bei den Schriften Friedrich des Großen findet man Flecken von Bier und Tabak auf Seiten eines Mark-Aurel”

Der Admiral de Coligny und der große Condé sind Montmorency durch ihre Mütter. Die männlichen Montmorency sind tüchtige und energische Soldaten, aber keine Genies.

Ebenso leben die großen Feldherrn Moritz und Heinrich von Nassau wieder in Turenne auf, ihrem Neffen, dem Sohn ihrer Schwester Elisabeth

Die Mutter des grossen Condé, Charlotte de Montmorency, in die Henri IV so gründlich verliebt war: er sagte von ihr, sie einzig, nicht nur in ihrer Schönheit, sondern auch in ihrem Muthe.

Der alte Marquis de Mirabeau sich beklagend, als er sah, wie sein Sohn sich “vers la canaille plumière, écrivassière” neigte

“un certain génie fier, exubérant,”—Mirabeau von seiner Familie.

Napoléon: “j’ai des nerfs fort intraitables; si mon coeur ne battait avec une continuelle lenteur, je courrais risque de devenir fou.”

Descartes hat die Entdeckungen eines Gelehrten mit einer Folge von Schlachten verglichen, die man gegen die Natur liefert.

Voltaire erzählt, daß er den Catilina vollständig in 8 Tagen gemacht habe “Ce tour de force me surprend et m’épouvante encore.”

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Der complicirte Charakter Henri IV: königlich und ernst und wieder mit der Laune eines Buffo, undankbar und treu, großherzig und listig, voll von Geist, Heroism und Absurdität.

“bei den Schriften Friedrich des Großen findet man Flecken von Bier und Tabak auf Seiten eines Mark-Aurel”

Der Admiral de Coligny und der große Condé sind Montmorency durch ihre Mütter. Die männlichen Montmorency sind tüchtige und energische Soldaten, aber keine Genies.

Ebenso leben die großen Feldherrn Moritz und Heinrich von Nassau wieder in Turenne auf, ihrem Neffen, dem Sohn ihrer Schwester Elisabeth

Die Mutter des grossen Condé, Charlotte de Montmorency, in die Henri IV so gründlich verliebt war: er sagte von ihr, sie [sei] einzig, nicht nur in ihrer Schönheit, sondern auch in ihrem Muthe.

Der alte Marquis de Mirabeau sich beklagend, als er sah, wie sein Sohn sich “vers la canaille plumière, écrivassière” neigte

“un certain génie fier, exubérant,”—Mirabeau von seiner Familie.

Napoléon: “j’ai des nerfs fort intraitables; si mon coeur ne battait avec une continuelle lenteur, je courrais risque de devenir fou.”

Descartes hat die Entdeckungen eines Gelehrten mit einer Folge von Schlachten verglichen, die man gegen die Natur liefert.

Voltaire erzählt, daß er den Catilina vollständig in 8 Tagen gemacht habe “Ce tour de force me surprend et m’épouvante encore.”

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“Le génie n’est qu’une longue patience.” Buffon. Das gilt am Meisten, wenn man an die Vorgeschichte des Genies denkt, an die Familien-Geduld, mit der ein Capital von Kraft gehäuft und zusammengehalten wurde —

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Beethoven componirte gehend. Alle genialen Augenblicke sind von einem Überschuß an Muskelkraft begleitet

Das heißt in jedem Sinne der Vernunft folgen. Ford erst jede geniale Erregung eine Menge Muskel-Energie,—sie erhöht das Kraftgefühl überall. Umgekehrt steigert ein starker Marsch die geistige Erregung, bis zum Rausch

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(51) NB. Was nützlich heißt; ist ganz und gar abhängig von der Absicht, dem Wozu?; die Absicht wieder ist ganz und gar abhängig vom Grad der Macht: deshalb kann Utilitarism keine Grundlage sondern nur eine Folgen-Lehre und absolut zu keiner Verbindlichkeit für Alle zu bringen.

9 [72]

(52)Erkenntniß als Mittel zur Macht, zur “Gottgleichheit” 

Die altbiblische Legende glaubt daran, daß der Mensch im Besitz der Erkenntniß ist; daß die Vertreibung aus dem Paradies nur insofern die Folge davon ist, daß Gott nunmehr Furcht vor dem Menschen hat und ihn jetzt von der Stelle forttreibt, wo der Baum des Lebens, die Unsterblichkeit steht; wenn er jetzt auch vom Baum des Lebens äße, so wäre es um seine Macht gethan: Abgesehen davon, ist die ganze Cultur eine wachsende Furchtbarkeit des Menschen, im Thurm von Babel, mit seinem “himmelstürmenden” Zwecke, symbolisirt. Gott trennt die Menschen: er zersplittert sie; die Sprachenvielheit ist eine Nothmaßregel Gottes, er wird mit den einzelnen Völkern besser fertig, insofern sie jetzt unter einander selber sich Krieg machen und zerstören.

Im Anfange des Alten Testaments steht die berühmte Geschichte von der Angst Gottes. Der Mensch ist dargestellt als Fehlgriff Gottes; das Thier ebenso; der Mensch, der erkennt als Rivale Gottes; als höchste Gottes; Arbeit, Noth, Tod als Nothwehr Gottes, um seinen Rivalen niederzuhalten:

Die Angst Gottes. der Mensch als ein Fehlgriff Gottes;
das Thier ebenso

Moral:

Gott verbietet die Erkenntniß, weil sie zur Macht, zur Gottgleichheit führt. Er würde an sich dem Menschen die Unsterblichkeit gönnen, vorausgesetzt, daß derselbe immer unsterblich dumm bleibt

Er schafft ihm Thiere, dann das Weib, damit er Gesellschaft hat,—damit er Unterhaltung hat (damit er nicht auf schlechte Gedanken kommt, aufs Denken, auf’s Erkennen

Aber der Dämon (Schlange) verräth dem Menschen, was es mit der Erkenntniß auf sich hat.

Die Gefahr Gottes ist ungeheuer: jetzt muß er die Menschen forttreiben vom Baum des Lebens und sie durch Noth, Tod und Arbeit niederhalten. Das wirkliche Leben ist dargestellt als eine Nothwehr Gottes, als ein unnatürlicher Zustand ... Die Cultur d.h. das Werk der Erkenntniß strebt trotzdem nach Gottgleichheit: sie thürmt sich himmelstürmend auf. Jetzt wird der Krieg für nöthig befunden (Sprache als Ursache des “Volks”) die Menschen sollen sich selber zerstören. Endlich wird der Untergang beschlossen. —



An einen solchen Gott hat man geglaubt! ...

9 [73]

(53) Das Bedürfniß nach einer metaphysischen Welt ist die Folge davon, daß man keinen Sinn, kein Wozu? aus der vorhandenen Welt zu entnehmen wußte. “Folglich, schloß man, kann diese Welt nur scheinbar sein.”

Verhältniß der Scheinbarkeit zur Sinnlosigkeit, Zwecklosigkeit”: psychologisch auszulegen: was bedeutet das?

Unwirklichkeit, Traum usw.

(wodurch unterscheidet sich das Wirkliche vom Traume? durch den Sinnzusammenhang, durch das Nicht-Zufällige -Beliebige, Causale. Aber bei jedem Blick im Großen aufs Ganze des Daseins schien es sinnlos, beliebig, zwecklos, die vorhandenen Zwecke nur tromperies usw.)

die mechanistische Causalität als solche wäre noch einer vollkommenen Ausdeutung auf Scheinbarkeit fähig; ja sie fordert dieselbe heraus.

9 [74]

Periode der Aufklärung

darauf Periode der Empfindsamkeit

in wiefern Schopenhauer zur “Empfindsamkeit” gehört

(Hegel zur Geistigkeit)

9 [75]

(54) Eine Periode, wo die alte Maskerade und Moral-Aufputzung der Affekte Widerwillen macht: die nackte Natur, wo die Macht-Quantitäten als entscheidend einfach zugestanden werden (als rangbestimmend), wo der große Stil wieder auftritt, als Folge der großen Leidenschaft.

9 [76]

(55) Die Posthumen (—Schwierigkeit ihres Verständnisses; in einem gewissen Sinn nie verstanden)

Epikur?
Schopenhauer
Stendhal
Napoleon
Goethe?
Shakespeare?
Beethoven?
Macchiavell?

Die posthumen Menschen werden schlechter verstanden, aber besser gehört als die zeitgemäßen. Oder, strenger: sie werden niemals verstanden: und ihre Autorität. (comprendre—c’est égaler)

9 [77]

(56) Jede Lehre ist überflüssig, für die nicht Alles schon bereit liegt an aufgehäuften Kräften, an Explosiv-Stoffen. Eine Umwerthung von Werthen wird nur erreicht, wenn eine Spannung von neuen Bedürfnissen, von Neu-Bedürftigen da ist, welche an der alten Werthung leiden, ohne zum Bewußtsein zu kommen,

9 [78]

(57) Wer weiß, wie aller Ruhm entsteht, wird einen Argwohn auch gegen den Ruhm haben, den die Tugend genießt.

9 [79]

(58)

Was ist das Loben?

 

Lob und Dankbarkeit bei Ernte, gutem Wetter, Sieg, Hochzeit, Frieden—die Feste brauchen alle ein Subjekt, gegen welches hin sich das Gefühl entladet. Man will, daß Alles, was einem Gutes geschieht, einem angethan ist, man will den Thäter. Ebenso vor einem Kunstwerk: man begnügt sich nicht an ihm; man lobt den Thäter.— Was ist also loben? Eine Art Ausgleichung in Bezug auf empfangene Wohlthaten, ein Zurückgeben, ein Bezeugen unserer Macht—denn der Lobende bejaht, urtheilt, schätzt ab, richtet: er gesteht sich das Recht zu, bejahen zu können, Ehre austheilen zu können ... Das erhöhte Glück- und Lebensgefühl ist auch ein erhöhtes Machtgefühl: aus dem heraus lobt der Mensch (—aus dem heraus erfindet und sucht er einen Thäter, ein “Subjekt”—)

Die Dankbarkeit als die gute Rache: am strengsten gefordert und geübt, wo Gleichheit und Stolz zugleich aufrecht erhalten werden soll, wo am besten Rache geübt wird.

9 [80]

“Winter meines Mißvergnügens.”
“das ist so Einer von den Neusten,
er wird sich grenzenlos erdreusten”
“Dreckgeburt von Spott und Feuer”

9 [81]

Berlioz Ouvertüre “römischer Carnaval” ist von 1844 (Offenbach)

9 [82]

Der zweite Buddhismus.

Die nihilistische Katastrophe, die mit der indischen Cultur ein Ende macht.

Vorzeichen dafür:

die Überhandnahme des Mitleids
die geistige Übermüdung
die Reduktion der Probleme auf Lust- und Unlustfragen
die Kriegs-Glorie, welche einen Gegenschlag hervorruft
ebensowie die nationale Abgrenzung eine Gegenbewegung, die herzlichste “Fraternität” hervorruft,
die Unmöglichkeit der Religion, mit Dogmen und Fabeln fortarbeiten zu können

9 [83]

Zur Genealogie der Moral.
Zweite Streitschrift
von
Friedrich Nietzsche.

Vierte Abhandlung: der Heerdeninstinct in der Moral.

Fünfte Abhandlung: zur Geschichte der Moral-Entnatürlichung.

Sechste Abhandlung: unter Moralisten und Moralphilosophen.

Nachwort. Eine Abrechnung mit der Moral (als Circe der Philosophen). Die Moral—ich habe es schon einmal gesagt—war bisher die Circe der Philosophen. Sie ist die Ursache des Pessimismus und Nihilismus ...

Dessen höchste Formel formulirt.

Die Aufgabe.

Eintritt in das tragische Zeitalter von Europa

9 [84]

(59) Die große nihilistische Falschmünzerei unter klugem Mißbrauch moralischer Werthe

a) Liebe als Entpersönlichung; insgleichen Mitleid.

b) Nur der entpersönlichte Intellekt (“der Philosoph”) erkennt die Wahrheit, “das wahre Sein und Wesen der Dinge”

c) das Genie, der große Mensch sind groß, weil sie nicht sich selbst und ihre Sache suchen: der Werth des Menschen wächst im Verhältniß dazu, als er sich selbst verleugnet. Schopenhauer II 440 ss.

d) die Kunst als Werk des “reinen willensfreien Subjekts” Mißverständniß der “Objektivität.”

e) Glück als Zweck des Lebens; Tugend als Mittel zum Zweck

die pessimistische Verurtheilung des Lebens bei Schopenhauer ist eine moralische Übertragung der Heerden-Maaßstäbe ins Metaphysische.

“Das “Individuum” sinnlos; folglich ihm einen Ursprung im “An-sich” gebend (und eine Bedeutung seines Daseins als Verirrung); Eltern nur als “Gelegenheitsursache.”

Es rächt sich, daß von der Wissenschaft das Individuum nicht begriffen war: es ist das ganze bisherige Leben in Einer Linie und nicht dessen Resultat.

9 [85]

(60) Die gelobten Zustände und Begierden:

friedlich, billig, mäßig, bescheiden, ehrfürchtig, rücksichtsvoll, tapfer, keusch, redlich, treu, gläubig, gerade, vertrauensvoll, hingebend, mitleidig, hülfreich, gewissenhaft, einfach, mild, gerecht, freigebig, nachsichtig, gehorsam, uneigennützig, neidlos, gütig, arbeitsam



NB zu unterscheiden: in wiefern solche Eigenschaften bedingt sind als Mittel zu einem bestimmten Willen und Zwecke (oft einem “bösen” Zwecke)

— oder als natürliche Folgen eines dominirenden Affekts (z.B. Geistigkeit)
— oder Ausdruck einer Nothlage, will sagen: als Existenzbedingung (z.B. Bürger; Sklave, Weib usw.)

Summa: sie sind allesammt nicht um ihrer selber willen als gut empfunden, alle nicht an und für sich “gut,” sondern bereits unter dem Maaßstab der “Gesellschaft,” “Heerde” als Mittel zu deren Zwecken, als nothwendig für deren Aufrechterhaltung und Förderung, als Folge zugleich eines eigentlichen Heerdeninstinktes im Einzelnen, somit im Dienste eines Instinktes, der grundverschieden von diesen Tugendzuständen ist: denn die Heerde ist nach außen hin feindselig, selbstsüchtig, unbarmherzig, voller Herrschsucht, Mißtrauen usw.



Im Hirten kommt der Antagonismus heraus: er muß die entgegengesetzten Eigenschaften der Heerde haben

Todfeindschaft der Heerde gegen die Rangordnung: ihr Instinkt zu Gunsten der Gleichmacher (Christus); gegen die starken Einzelnen (les souverains) ist sie feindselig, unbillig, maßlos, unbescheiden, frech, rücksichtslos, feig, verlogen, falsch, unbarmherzig, versteckt, neidisch, rachsüchtig.

9 [86]

(61) moralistischer Naturalismus: Rückführung des scheinbar emancipirten, übernatürlichen Moralwerthes auf seine “Natur”: d.h. auf die natürliche Immoralität, auf die natürliche “Nützlichkeit” usw.

Ich darf die Tendenz dieser Betrachtungen als moral Nat bezeichnen: meine Aufgabe ist, die scheinbar emancipirten und naturlos gewordenen Moralwerthe in ihre Natur zurückzuübersetzen—d.h. in ihre natürliche “Immoralität

NB. Vergleich mit der jüdischen “Heiligkeit” und ihrer Naturbasis: ebenso steht es mit dem souverain gemachten Sittengesetz, losgelöst von seiner Natur (—bis zum Gegensatz zur Natur—)

Schritte der “Entnatürlichung der Moral” (sog. “Idealisirung”)

als Weg zum Individual-Glück
als Folge der Erkenntniß
als kateg Imperativ, losgelöst von
als Weg zur Heiligung
als Verneinung des Willens zum Leben

die schrittweise Lebensfeindlichkeit der Moral.

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(62) Die unterdrückte und ausgewischte Häresie in der Moral

Begriffe: heidnisch
: Herren-Moral
: virtù

9 [88]

(63) Im neuen Testament—speziell aus den Evangelien höre ich durchaus nichts “Göttliches” reden; vielmehr eine indirekte Form der abgründlichsten Verleumdungs- und Vernichtungswuth—eine der unehrlichsten Formen des Hasses

— es fehlt alle Kenntniß der Eigenschaften einer höheren Natur

— ungescheuter Mißbrauch aller Art Biedermännerei; der ganze Schatz von Sprüchwörtern ist ausgenützt und angemaßt; war es nöthig, daß ein Gott kommt, um jenen Zöllnern zu sagen usw.

nichts ist gewöhnlicher als dieser Kampf gegen die Pharisäer mit Hülfe einer absurden und unpraktischen Moral-Scheinbarkeit—an solcher tour de force hat das Volk immer sein Vergnügen gehabt

Vorwurf der “Heuchelei”! aus diesem Munde!

nichts ist gewöhnlicher als die Behandlung der Gegner—ein indicium verfänglichster Art für Vornehmheit oder nicht ...

Hat einer nur den 100. Theil gesagt, so verdiente, als Anarchist, den Untergang.

Pilatus die einzig honnete Person, sein dédain vor diesem Juden-Geschwätz von “Wahrheit,” als ob solch Volk mitreden dürfte, wenn es sich um Wahrheit handelt, sein, sein wohlwollender Versuch, diesen absurden Attentäter los zu geben, in dem er schwerlich etwas anderes sehen konnte als einen Narren ...

sein Ekel in Hinsicht auf jenes nie genug zu verurtheilende Wort “ich bin die Wahrheit”

9 [89]

(64) die Annahme des Seienden ist nöthig, um denken und schließen zu können: die Logik handhabt nur Formeln für Gleichbleibendes

deshalb wäre diese Annahme noch ohne Beweiskraft für die Realität: “das Seiende” gehört zu unserer Optik.

das “Ich” als seiend (— durch Werden und Entwicklung nicht berührt)

die fingirte Welt von Subjekt, Substanz, “Vernunft” usw. ist nöthig—: eine ordnende, vereinfachende, fälschende, künstlich-trennende Macht ist in uns. “Wahrheit.”— Wille, Herr zu werden über das Vielerlei der Sensationen.

— die Phänomene aufreihen auf bestimmte Kategorien

— hierbei gehen wir vom Glauben an das “An sich” der Dinge aus (wir nehmen die Phänomene als wirklich)

Der Charakter der werdenden Welt als unformulirbar, als “falsch,” als “sich-widersprechend”

Erkenntniß und Werden schließt sich aus.

Folglich muß “Erkenntniß” etwas anderes sein: es muß ein Wille zum Erkennbar-machen vorangehn, eine Art Werden selbst muß die Täuschung des Seienden schaffen.

9 [90]

In diesen streitbaren Abhandlungen, mit denen ich meinen Feldzug gegen die eben so unphilosophische als verhängnißvolle Gesammt-Überschätzung der Moral fortsetze

9 [91]

(65) Zur Bekämpfung des Determinismus.

Daraus, daß Etwas regelmäßig erfolgt und berechenbar erfolgt, ergiebt sich nicht, daß es nothwendig erfolgt. Daß ein Quantum Kraft sich in jedem bestimmten Falle auf eine einzige Art und Weise bestimmt und benimmt, macht ihn nicht zum “unfreien Willen.” Die “mechanische Nothwendigkeit” ist kein Thatbestand: wir erst haben sie in das Geschehn hinein interpretirt. Wir haben die Formulirbarkeit des Geschehens ausgedeutet als Folge einer über dem Geschehen waltenden Necessität. Aber daraus, daß ich etwas Bestimmtes thue, folgt keineswegs, daß ich es gezwungen thue. Der Zwang ist in den Dingen gar nicht nachweisbar: die Regel beweist nur, daß ein und dasselbe Geschehn nicht auch ein anderes Geschehn ist. Erst dadurch, daß wir Subjekte “Thäter” in die Dinge hineingedeutet haben, entsteht der Anschein, daß alles Geschehn die Folge von einem auf Subjekte ausgeübten Zwang ist—ausgeübt von wem? wiederum von einem “Thäter.” Ursache und Wirkung—ein gefährlicher Begriff, solange man ein Etwas denkt, das verursacht und ein Etwas, auf das gewirkt wird.

A) die Nothwendigkeit ist kein Thatbestand, sondern eine Interpretation.

B) Hat man begriffen, daß das “Subjekt” nichts ist, was wirkt, sondern nur eine Fiktion, so folgt Vielerlei.

Wir haben nur nach dem Vorbilde des Subjektes die Dinglichkeit erfunden und in den Sensationen-Wirrwarr hineininterpretirt. Glauben wir nicht mehr an das wirkende Subjekt, so fällt auch der Glaube an wirkende Dinge, an Wechselwirkung, Ursache und Wirkung zwischen jenen Phänomenen, die wir Dinge nennen.

Es fällt damit natürlich auch die Welt der wirkenden Atome: deren Annahme immer unter der Voraussetzung gemacht ist, daß man Subjekte braucht.

Es fällt endlich auch das Ding an sich: weil dies im Grunde die Conception eines “Subjekts an sich” ist. Aber wir begriffen, daß das Subjekt fingirt ist. Der Gegensatz “Ding an sich” und “Erscheinung” ist unhaltbar; damit aber fällt auch der Begriff “Erscheinung” dahin.

C) Geben wir das wirkende Subjekt auf, so auch das Objekt, auf das gewirkt wird. Die Dauer, die Gleichheit mit sich selbst, das Sein inhärirt weder dem, was Subjekt, noch dem, was Objekt genannt wird: es sind Complexe des Geschehens, in Hinsicht auf andere Complexe scheinbar dauerhaft—also z.B. durch eine Verschiedenheit im tempo des Geschehens (Ruhe-Bewegung, fest-locker: alles Gegensätze, die nicht an sich existiren und mit denen thatsächlich nur Gradverschiedenheiten ausgedrückt werden, die für ein gewisses Maaß von Optik sich als Gegensätze ausnehmen.

Es giebt keine Gegensätze: nur von denen der Logik her haben wir den Begriff des Gegensatzes—und von denen aus fälschlich in die Dinge übertragen.

D) Geben wir den Begriff “Subjekt” und “Objekt” auf, dann auch den Begriff “Substanz”—und folglich auch dessen verschiedene Modificationen z.B. “Materie” “Geist” und andere hypothetische Wesen “Ewigkeit und Unveränderlichkeit des Stoffes” usw. Wir sind die Stofflichkeit los.

Moralisch ausgedrückt: ist die Welt falsch. Aber, insofern die Moral selbst ein Stück dieser Welt ist, so ist die Moral falsch

Der Wille zur Wahrheit ist ein Fest-machen, ein Wahr-Dauerhaft-Machen, ein Aus-dem-Auge-schaffen jenes falschen Charakters, eine Umdeutung desselben ins Seiende.

“Wahrheit” ist somit nicht etwas, was da wäre und was aufzufinden, zu entdecken wäre,—sondern etwas, das zu schaffen ist und das den Namen für einen Prozeß abgiebt, mehr noch für einen Willen der Überwältigung, der an sich kein Ende hat: Wahrheit hineinlegen, als ein processus in infinitum, ein aktives Bestimmen, nicht ein Bewußtwerden von etwas, “an sich” fest und bestimmt wäre. Es ist ein Wort für den “Willen zur Macht”

Das Leben ist auf die Voraussetzung eines Glaubens an Dauerndes und Regulär-Wiederkehrendes gegründet; je mächtiger das Leben, um so breiter muß die errathbare, gleichsam seiend gemachte Welt sein. Logisirung, Rationalisirung, Systematisirung als Hülfsmittel des Lebens.

Der Mensch projicirt seinen Trieb zur Wahrheit, sein “Ziel” in einem gewissen Sinn außer sich als seiende Welt, als metaphysische Welt, als “Ding an sich,” als bereits vorhandene Welt.

Sein Bedürfniß als Schaffender erdichtet bereits die Welt, an der er arbeitet, nimmt sie vorweg: diese Vorwegnahme (“dieser Glaube” an die Wahrheit) ist seine Stütze.



Alles Geschehen, alle Bewegung, alles Werden als ein Feststellen von Grad- und Kraftverhältnissen, als ein Kampf ...

Das “Wohl des Individuums” ist eben so imaginär als das “Wohl der Gattung”: das erstere wird nicht dem letzteren geopfert, Gattung ist, aus der Ferne betrachtet, etwas eben so Flüssiges wie Individuum. “Erhaltung der Gattung” ist nur eine Folge des Wachsthums der Gattung, d.h. der Überwindung der Gattung auf dem Wege zu einer stärkeren Art

Sobald wir uns Jemanden imaginiren, der verantwortlich ist dafür, daß wir so und so sind usw. (Gott, Natur), ihm also unsere Existenz, unser Glück und Elend als Absicht zulegen, verderben wir uns die Unschuld des Werdens. Wir haben dann Jemanden, der durch uns und mit uns etwas erreichen will

Daß die anscheinende “Zweckmäßigkeit” (“die aller menschlichen Kunst unendlich überlegene Zweckmäßigkeit”) bloß die Folge jenes in allem Geschehen abspielenden Willens zur Macht ist

daß das Stärkerwerden Ordnungen mit sich bringt, die einem Zweckmäßigkeits-Entwurfe ähnlich sehen

daß die anscheinenden Zwecke nicht beabsichtigt sind, aber, sobald die Übermacht über eine geringere Macht erreicht ist und letztere als Funktion der größeren arbeitet, eine Ordnung des Rangs, der Organisation den Anschein einer Ordnung von Mittel und Zweck erwecken muß.

Gegen die anscheinende “Nothwendigkeit
— diese nur ein Ausdruck dafür, daß eine Kraft nicht auch etwas Anderes ist.

Gegen die anscheinende “Zweckmäßigkeit
— letztere nur ein Ausdruck für eine Ordnung von Machtsphären und deren Zusammenspiel.

Die logische Bestimmtheit Durchsichtigkeit als Kriterium der Wahrheit (“omne illud verum est, quod clare et distincte percipitur” Descartes): damit ist die mechanische Welthypothese erwünscht und glaublich.

Aber das ist eine grobe Verwechslung: wie simplex sigillum veri. Woher weiß man das, daß die wahre Beschaffenheit der Dinge in diesem Verhältniß zu unserem Intellekt steht?— Wäre es nicht anders? daß die ihm am meisten das Gefühl von Macht und Sicherheit gebende Hypothese am meisten von ihm bevorzugt, geschätzt, und folglich als wahr bezeichnet wird?— Der Intellekt setzt sein freiestes und stärkstes Vermögen und Können als Kriterium des Werthvollsten, folglich Wahren ...

“wahr”:von Seiten des Gefühls aus—: was das Gefühl am Stärksten erregt (“Ich”)
 von Seiten des Denkens aus—: was dem Denken das größte Gefühl von Kraft giebt
 von Seiten des Tastens, Sehens, Hörens aus: wobei am stärksten Widerstand zu leisten ist

Also die höchsten Grade in der Leistung erwecken für das Objekt den Glauben an dessen “Wahrheit” d.h. Wirklichkeit. Das Gefühl der Kraft, des Kampfes, des Widerstand überredet dazu, daß es etwas giebt, dem hier widerstanden wird.

9 [92]

Liebmann p. 11

Dynamis “reale Tendenz zur Aktion,” noch gehemmt, die sich zu aktualisiren versucht

— “Wille zur Macht”

“Spannkraft”

“angesammelte und aufgespeicherte Bewegungstendenz”

9 [93]

(66) Ich will auch die Asketik wieder vernatürlichen; an Stelle der Absicht auf Verneinung die Absicht auf Verstärkung; eine Gymnastik des Willens; eine Entbehrung und eingelegte Fastenzeiten jeder Art, auch im Geistigsten (Dîners chez Magny: lauter geistige Schlecker mit verdorbenem Magen); eine Casuistik der That in Bezug auf unsere Meinung die wir von unseren Kräften haben: ein Versuch mit Abenteuern und willkürlichen Gefahren.— Man sollte Prüfungen erfinden auch für die Stärke im Worthalten-können.

9 [94]

Zur Größe gehört die Furchtbarkeit: man lasse sich nichts vormachen.

9 [95]

Abhandlungen.

Woraus man bisher die “wahre Welt” gezimmert hat.
Die Entnatürlichung der Moral auch des Gewissens (auch der Asketik) (auch der Vernunft, Scholastik, Staat
Die Zweckmäßigkeit.
Die Nothwendigkeit.
Der Heerdeninstinkt in der Moral.
Die Circe der Philosophen.
Die Starken der Zukunft.
Das tragische Zeitalter: Lehre von der ewigen Wiederkunft.
Die psychologische Falschmünzerei.
Logik unter der Herrschaft von Werthurtheilen.
Die Schönheit. Der Nihilism als Kunst.
Giebt es eine Metaphysik? ...

9 [96]

Die drei Scheinbarkeiten:
die Ursächlichkeit
die Zweckmäßigkeit
die Nothwendigkeit
Entnatürlichung der Werthe
Gegensätze an Stelle der Rangordnung
Die verworfene Welt

9 [97]

(67) Ein und dasselbe zu bejahen und zu verneinen mißlingt uns: das ist ein subjektiver Erfahrungssatz, darin drückt sich keine “Nothwendigkeit” aus, sondern nur ein Nicht-vermögen.

Wenn, nach Aristoteles der Satz vom Widerspruch der gewisseste aller Grundsätze ist, wenn er der letzte und unterste ist, auf den alle Beweisführung zurückgehn, wenn in ihm das Princip aller anderen Axiome liegt: um so strenger sollte man erwägen, was er im Grunde schon an Behauptungen voraussetzt. Entweder wird mit ihm etwas in Betreff des Wirklichen, Seienden behauptet, wie als ob er dasselbe anderswoher bereits kennte: nämlich daß ihm nicht entgegengesetzte Prädikate zugesprochen werden können. Oder der Satz will sagen: daß ihm entgegengesetzte Prädikate nicht zugesprochen werden sollen? Dann wäre Logik ein Imperativ, nicht zur Erkenntniß des Wahren, sondern zur Setzung und Zurechtmachung einer Welt, die uns wahr heißen soll.

Kurz, die Frage steht offen: sind die logischen Axiome dem Wirklichen adäquat, oder sind sie Maaßstäbe und Mittel, um Wirkliches den Begriff “Wirklichkeit” für uns erst zu schaffen? ... Um das Erste bejahen zu können, müßte man aber, wie gesagt, das Seiende bereits kennen; was schlechterdings nicht der Fall ist. Der Satz enthält also kein Kriterium der Wahrheit, sondern einen Imperativ über das, was als wahr gelten soll.

Gesetzt, es gäbe ein solches Sich-selbst-identisches A gar nicht, wie es jeder Satz der Logik (auch der M) voraussetzt, das A wäre bereits eine Scheinbarkeit, so hätte die Logik eine bloß scheinbare Welt zur Voraussetzung. In der That glauben wir an jenen Satz unter dem Eindruck der unendlichen Empirie, welche ihn fortwährend zu bestätigen scheint. Das “Ding”—das ist das eigentliche Substrat zu A; unser Glaube an Dinge ist die Voraussetzung für den Glauben an die Logik. Das A der Logik ist wie das Atom eine Nachconstruktion des “Dings” ... Indem wir das nicht begreifen, und aus der Logik ein Kriterium des wahren Seins machen, sind wir bereits auf dem Wege, alle jene Hypostasen, Substanz Prädicat Object Subject Action usw., als Realitäten zu setzen: d.h. eine metaphysische Welt zu concipiren, d.h. “wahre Welt” (—diese ist aber die scheinbare Welt noch einmal ...)

Die ursprünglichsten Denkakte, das Bejahen und Verneinen das Für-wahr-halten und Nicht-für-wahr-halten, sind, insofern sie nicht nur eine Gewohnheit, sondern ein Recht voraussetzen, überhaupt Für-wahr-zu halten oder für-unwahr zu halten, bereits von einem Glauben beherrscht, daß es für uns Erkenntniß giebt, daß Urtheilen wirklich die Wahrheit treffen könne:—kurz, die Logik zweifelt nicht, etwas vom An-sich-Wahren aussagen zu können (nämlich daß ihm nicht entgegengesetzte Prädikate zukommen können)

Hier regiert das sensualistische grobe Vorurtheil, daß die Empfindungen uns Wahrheiten über die Dinge lehren,—daß ich nicht zu gleicher Zeit von ein und demselben Ding sagen kann, es ist hart und es ist weich (der instinktive Beweis “ich kann nicht 2 entgegengesetzte Empfindungen zugleich haben”—ganz grob und falsch). Das begriffliche Widerspruchs-Verbot geht von dem Glauben aus, daß wir Begriffe bilden können, daß ein Begriff das Wesen eines Dinges nicht nur bezeichnet, sondern faßt ... Thatsächlich gilt die Logik (wie die Geometrie und Arithmetik) nur von fingirten Wahrheiten, die wir geschaffen haben. Logik ist der Versuch, nach einem von uns gesetzten Seins-Schema die wirkliche Welt zu begreifen, richtiger, uns formulirbar, berechenbar zu machen ...

9 [98]

(68)

Psychologische Ableitung unseres Glaubens an die Vernunft.

 

Der Begriff “Realität” “Sein” ist von unserem “Subjekt”-Gefühle entnommen.

“Subjekt”: von uns aus interpretirt, so daß das Ich als Substanz gilt, als Ursache alles Thuns, als Thäter.

Die logisch-metaphysischen Postulate, der Glaube an Substanz, Accidens, Attribut usw. hat seine Überzeugungskraft in der Gewohnheit, all unser Thun als Folge unseres Willens zu betrachten:—so daß das Ich, als Substanz, nicht eingeht in die Vielheit der Veränderung.— Aber es giebt keinen Willen. —

Wir haben gar keine Kategorien, um eine “Welt an sich” von einer Welt als Erscheinung scheiden zu dürfen. Alle unsere Vernunft-Kategorien sind sensualistischer Herkunft: abgelesen von der empirischen Welt. “Die Seele,” “das Ich”— Geschichte dieses Begriffes zeigt, daß auch hier die älteste Scheidung (“Athem,” “Leben”)

Wenn es nichts Materielles giebt, giebt es auch nichts Immaterielles. Der Begriff enthält nichts mehr ...



Keine Subjekt- “Atome.” Die Sphäre eines Subjektes beständig wachsend oder sich vermindernd—der Mittelpunkt des Systems sich beständig verschiebend—; im Falle es die angeeignete Masse nicht organisiren kann, zerfällt es in 2. Andererseits kann es sich ein schwächeres Subjekt, ohne es zu vernichten, zu seinem Funktionär umbilden und bis zu einem gewissen Grad mit ihm zusammen eine neue Einheit bilden. Keine “Substanz,” vielmehr Etwas, das an sich nach Verstärkung strebt; und das sich nur indirekt “erhalten” will (es will sich überbieten—)

9 [99]

NB. Nicht klug sein wollen, als Psycholog; wir dürfen nicht einmal klug sein. Wer aus seinem Wissen, aus seiner Menschenkenntniß kleine Vortheile erschnappen will (—oder große, gleich dem Politiker—) geht vom Allgemeinen zum Einzelnsten Fall zurück; aber diese Art Optik ist jener anderen entgegengesetzt, die wir allein brauchen können: wir sehen vom Einzelnsten hinaus

9 [100]

Gattung

Der Fortgang zu höherer Macht; die Gattungen sind nur relative Verlangsamungen des tempos, Anzeichen, daß die Möglichkeiten Vorbedingungen zu schneller Verstärkung zu mangeln anfangen (Gattungen sind nicht Ziele; das letzte, was “der Natur” am Herzen liegt, wäre die Erhaltung der Gattungen!!)

9 [101]

NB. Dieser lernt die Menschen kennen,—er will dergestalt kleine Vortheile über sie erschnappen (oder große wie der Politiker). Jener lernt die Menschen kennen,—er will einen noch größeren Vortheil, sich ihnen überlegen zu fühlen, er wünscht zu verachten.

9 [102]

(70)

Aesthetica.

 

Die Zustände, in denen wir eine Verklärung u Fülle in die Dinge legen und an ihnen dichten, bis sie unsere eigene Fülle und Lebenslust zurückspiegeln:

der Geschlechtstrieb
der Rausch
die Mahlzeit
der Frühling
der Sieg über den Feind, der Hohn:
das Bravourstück: die Grausamkeit; die Ekstase des religiösen Gefühls.

Drei Elemente vornehmlich:

der Geschlechtstrieb, der Rausch, die Grausamkeit: alle zur ältesten Festfreude des Menschen gehörend: alle insgleichen im anfänglichen “Künstler” überwiegend.

Umgekehrt: treten uns Dinge entgegen, welche diese Verklärung und Fülle zeigen, so antwortet das animalische Dasein mit einer Erregung jener Sphären, wo alle jene Lustzustände ihren Sitz haben:—und eine Mischung dieser sehr zarten Nuancen von animalischen Wohlgefühlen und Begierden ist der aesthetische Zustand. Letzterer tritt nur bei solchen Naturen ein, welche jener abgeden und überströmenden Fülle des leiblichen vigor überhaupt fähig sind; in ihm ist immer das primum mobile. Der Nüchterne, der Müde, der Erschöpfte, der Vertrocknete (z.B. ein Gelehrter) kann absolut nichts von der Kunst empfangen, weil er die künstlerische Urkraft, die Nöthigung des Reichthums nicht hat: wer nicht geben kann, empfängt auch nichts.

Vollkommenheit”: in jenen Zuständen (bei der Geschlechtsliebe in Sonderheit usw.) verräth sich naiv, was der tiefste Instinkt als das Höhere, Wünschbarere, Werthvollere überhaupt anerkennt, die Aufwärtsbewegung seines Typus; insgleichen nach welchem Status er eigentlich strebt. Die Vollkommenheit: das ist die außerordentliche Erweiterung seines Machtgefühls, der Reichthum, das nothwendige Überschäumen über alle Ränder ...



Die Kunst erinnert uns an Zustände des animalischen vigor; sie ist einmal ein Überschuß und Ausströmen von blühender Leiblichkeit in die Welt der Bilder und Wünsche; andererseits eine Anregung der animalischen Funktionen durch Bilder und Wünsche des gesteigerten Lebens;—eine Erhöhung des Lebensgefühls, ein Stimulans desselben.



In wiefern kann auch das Häßliche noch diese Gewalt haben? Insofern es noch von der siegreichen Energie des Künstlers etwas mittheilt, der über dies Häßliche und Furchtbare Herr geworden ist; oder insofern es die Lust der Grausamkeit in uns leise anregt (unter Umständen selbst die Lust, uns wehe zu thun, die Selbstvergewaltigung: und damit das Gefühl der Macht über uns.)

9 [103]

NB Wenn man krank ist, so soll man sich verkriechen, in irgend eine “Höhle”: so hat es die Vernunft für sich, so allein ist es thierisch.

9 [104]

“ich will das und das”; “ich möchte, daß das und das so wäre”; “ich weiß, daß das und das so ist.”—die Kraftgrade: der Mensch des Willens, der Mensch des Verlangens, der Mensch des Glaubens

9 [105]

(71)

 Zum Plan.

 

NB. 1) über alle wesentlichen Zeiten, Völker, Menschen und Probleme ein Wort.

2) hundert gute Anekdoten, womöglich historisch.

3) kriegerisch, abenteuerlich, verfänglich

4) einige Stellen einer schwermüthigen Heiterkeit

5) des Verkannten und Verleumdeten Fürsprecher (—des Verrufenen ...)

6) langsam, irreführend, Labyrinth

7) Minotauros, Katastrophe (der Gedanke, dem man Menschenopfer bringen müsse—je mehr, desto besser!)

9 [106]

(71) Unsre psychologische Optik ist dadurch bestimmt

1) daß Mittheilung nöthig ist, und daß zur Mittheilung etwas fest, vereinfacht, präcisirbar sein muß (vor allem im identischen Fall ...) Damit es aber mittheilbar sein kann, muß es zurechtgemacht empfunden werden, als “wieder erkennbar.” Das Material der Sinne vom Verstande zurechtgemacht, reduzirt auf grobe Hauptstriche, ähnlich gemacht, subsumirt unter Verwandtes. Also: die undeutlichkeit und das Chaos des Sinneneindrucks wird gleichsam logisirt.

2) die Welt der “Phänomene” ist die zurechtgemachte Welt, die wir als real empfinden. Die “Realität” liegt in dem beständigen Wiederkommen gleicher, bekannter, verwandter Dinge, in ihrem logisirten Charakter, im Glauben, daß wir hier rechnen. berechnen können.

3) der Gegensatz dieser Phänomenal-Welt ist nicht “die wahre Welt,” sondern die formlos-unformulirbare Welt des Sensationen-Chaos,—also eine andere Art Phänomenal-Welt, eine für uns “unerkennbare.”

4) Fragen, wie die “Dinge an sich” sein mögen, ganz abgesehn von unserer Sinnen-Receptivität und Verstandes-Aktivität, muß man mit der Frage zurückweisen: woher könnten wir wissen, daß es Dinge giebt? Die “Dingheit” ist erst von uns geschaffen. Die Frage ist, ob es nicht noch viele Art geben könnte, eine solche scheinbare Welt zu schaffen—und ob nicht dieses Schaffen, Logisiren, Zurechtmachen, Fälschen die bestgarantirte Realität selbst ist: kurz, ob nicht das, was “Dinge setzt,” allein real ist; und ob nicht die, “Wirkung der äußeren Welt auf uns” auch nur die Folge solcher wollenden Subjekte ist ...

“Ursache und Wirkung” falsche Auslegung eines Kriegs und eines relativen Siegs

die anderen “Wesen” agiren auf uns; unsere zurechtgemachte Scheinwelt ist eine Zurechtmachung und Überwältigung von deren Aktionen; eine Art Defensiv-Maßregel.

Das Subjekt allein ist beweisbar: Hypothese, daß es nur Subjekte giebt—daß “Objekt” nur eine Art Wirkung von Subjekt auf Subjekt ist ... ein modus des Subjekts

9 [107]

(72)

Entwicklung des Pessimismus zum Nihilism.

 

Entnatürlichung der Werthe. Scholastik der Werthe. Die Werthe, lösgelöst, idealistisch, statt das Thun zu beherrschen und zu führen, wenden sich verurtheilend gegen das Thun.

Gegensätze eingelegt an Stelle der natürlichen Grade und Ränge. Haß auf die Rangordnung. Die Gegensätze sind einem pöbelhaften Zeitalter gemäß, weil leichter faßlich

Die verworfene Welt, Angesichts einer künstlich erbauten, “wahren, werthvollen”

Endlich: man entdeckt, aus welchem Material man die “wahre Welt” gebaut hat: und nun hat man nur die verworfene übrig und rechnet jene höchste Enttäuschung mit ein auf das Conto ihrer Verwerflichkeit

Damit ist der Nihilism da: man hat die richtenden Werthe übrig behalten—und nichts weiter!

Hier entsteht das Problem der Stärke und der Schwäche:

1) die Schwachen zerbrechen daran
2) die Stärkeren zerstören, was nicht zerbricht
3) die Stärksten überwinden die richtenden Werthe.
das zusammen macht das tragische Zeitalter aus

Zur Kritik des Pessimism.

Das “Übergewicht von Leid über Lust” oder das Umgekehrte (der Hedonismus): diese beiden Lehren sind selbst schon Wegweiser zum N nihilistisch ...

denn hier wird in beiden Fällen kein anderer letzter Sinn gesetzt als die Lust- oder Unlust-Erscheinung.

Aber so redet eine Art Mensch, die es nicht mehr wagt, einen Willen, eine Absicht, einen Sinn zu setzen:—für jede gesunde Art Mensch mißt sich der Werth des Lebens schlechterdings nicht am Maaße dieser Nebellsachen. Und ein Übergewicht von Leid wäre möglich und trotzdem ein mächtiger Wille, ein Ja-sagen zum Leben; ein Nöthighaben dieses Übergewichts

“Das Leben lohnt sich nicht”; “Resignation” “warum sind die Thränen? ...”— eine schwächliche und sentimentale Denkweise. “un monstre gai vaut mieux qu’un sentimental ennuyeux.”

Der Pessimismus der Thatkräftigen: das “wozu?” nach einem furchtbaren Ringen, selbst Siegen. Daß irgend Etwas hundert Mal wichtiger ist, als die Frage, ob wir uns wohl oder schlecht befinden: Grundinstinkt aller starken Naturen—und folglich auch, ob sich die Anderen gut oder schlecht befinden. Kurz, daß wir ein Ziel haben, um dessentwillen man nicht zögert, Menschenopfer zu bringen, jede Gefahr zu laufen, jedes Schlimme und Schlimmste auf sich zu nehmen: die große Leidenschaft.

9 [108]

Das “Subjekt” ist ja nur eine Fiktion; es giebt das Ego gar nicht, von dem geredet wird, wenn man den Egoism tadelt.

9 [109]

(73) NB. den Juden Muth zu machen zu neuen Eigenschaften, nachdem sie in neue Daseinsbedingungen übergetreten sind: so war es meinem Instinkte allein gemäß, und auf diesem Wege habe ich mich auch durch eine giftträgerische Gegenbewegung, die jetzt gerade obenauf ist, nicht irre machen lassen.

9 [110]

(74) Das Beschreibende, das Pittoreske als Symptome des Nihilism (in Künsten und in der Psychologie)

Keine Colportage-Psychologie treiben! Nie beobachten, um zu beobachten! Das giebt eine falsche Optik, ein Schielen, etwas Erzwungenes und Übertriebenes. Erleben als Erlebenwollen; es geräth nicht, wenn man nach sich selbst dabei hinblickt; der geborene Psycholog hütet sich, wie der geborene Maler, zu sehn, um zu sehn; er arbeitet nie “nach der Natur”—er überläßt das Durchsieben und Ausdrücken des Erlebten, des “Falls,” der “Natur” seinem Instinkt,—das Allgemeine kommt ihm als solches zum Bewußtsein, nicht das willkürliche Abstrahiren von bestimmten Fällen. Wer es anders macht, wie die beutegierigen romanciers in Paris, welche gleichsam der Wirklichkeit auflauern und jeden Tag eine Handvoll Kuriositäten nach Hause bringen: was wird schließlich daraus? Ein Mosaik besten Falls, etwas Zusammenaddirtes, Farbenschreiendes, Unruhiges (wie bei den Frères de Goncourt).— Die “Natur,” im künstlerischen Sinne gesprochen, ist niemals “wahr”; sie übertreibt, sie verzerrt, sie läßt Lücken. Das “Studium nach der Natur” ist ein Zeichen von Unterwerfung, von Schwäche, eine Art Fatalism, die eines Künstlers unwürdig ist. Sehen, was ist—das gehört einer spezifisch anderen Art von Geistern zu, den Thatsächlichen, den Feststellern: hat man diesen Sinn in aller Stärke entwickelt, so ist er anti-künstlerisch an sich.

Die descriptive Musik; der Wirklichkeit es überlassen, zu wirken ...

Alle diese Art Kunst sind leichter, nachmachbarer; nach ihnen greifen die Gering-Begabten. Appell an die Instinkte; suggestive Kunst.

9 [110]

(74)      Das Beschreibende, das Pittoreske als Symptome des Nihilism (in Künsten und in der Psychologie)

Keine Colportage-Psychologie treiben! Nie beobachten, um zu beobachten! Das giebt eine falsche Optik, ein Schielen, etwas Erzwungenes und Übertriebenes. Erleben als Erlebenwollen; es geräth nicht, wenn man nach sich selbst dabei hinblickt; der geborene Psycholog hütet sich, wie der geborene Maler, zu sehn, um zu sehn; er arbeitet nie “nach der Natur”—er überläßt das Durchsieben und Ausdrücken des Erlebten, des “Falls,” der “Natur” seinem Instinkt,—das Allgemeine kommt ihm als solches zum Bewußtsein, nicht das willkürliche Abstrahiren von bestimmten Fällen. Wer es anders macht, wie die beutegierigen romanciers in Paris, welche gleichsam der Wirklichkeit auflauern und jeden Tag eine Handvoll Kuriositäten nach Hause bringen: was wird schließlich daraus? Ein Mosaik besten Falls, etwas Zusammenaddirtes, Farbenschreiendes, Unruhiges (wie bei den Frères de Goncourt).— Die “Natur,” im künstlerischen Sinne gesprochen, ist niemals “wahr”; sie übertreibt, sie verzerrt, sie läßt Lücken. Das “Studium nach der Natur” ist ein Zeichen von Unterwerfung, von Schwäche, eine Art Fatalism, die eines Künstlers unwürdig ist. Sehen, was ist—das gehört einer spezifisch anderen Art von Geistern zu, den Thatsächlichen, den Feststellern: hat man diesen Sinn in aller Stärke entwickelt, so ist er anti-künstlerisch an sich.

Die descriptive Musik; der Wirklichkeit es überlassen, zu wirken ...

Alle diese Art Kunst sind leichter, nachmachbarer; nach ihnen greifen die Gering-Begabten. Appell an die Instinkte; suggestive Kunst.

9 [111]

Wagner, ein Stück Aberglaube schon bei Lebzeiten, hat sich inzwischen so in die Wolk des unwahrscheinlichen eingewickelt, daß in Bezug auf ihn nur das Paradoxe noch Glaube findet

9 [112]

(75) Ob nicht der Gegensatz des Aktiven und Reactiven hinter jenem Gegensatz von Classisch und Romantisch verborgen liegt? ...

9 [113]

NB manche Schicksale muß man hinuntertrinken, ohne sie anzusehn: das verbessert, wie beim Maté-Trinken, ihren Geschmack.

9 [114]

NB jene Art des Egoismus, welche uns treibt, etwas um des Nächsten willen zu thun und zu lassen

9 [115]

(76) Zu erwägen:

Das vollkommene Buch. —

1) die Form, der Stil

Ein idealer Monolog. Alles Gelehrtenhafte aufgesaugt in die Tiefe

alle Accente der tiefen Leidenschaft, Sorge, auch der Schwächen, Milderungen, Sonnenstellen,—das kurze Glück, die sublime Heiterkeit —

Überwindung der Demonstration; absolut persönlich. Kein “ich” ...

eine Art mémoires; die abstraktesten Dinge am leibhaftesten und blutigsten

die ganze Geschichte wie persönlich erlebt und erlitten (—so allein wird’s wahr)

gleichsam ein Geistergespräch; eine Vorforderung, Herausforderung, Todtenbeschwörung

möglichst viel Sichtbares, Bestimmtes, Beispielsweises, Vorsicht vor Gegenwärtigem. alles Zeitgemäße

Vermeiden der Worte “vornehm” und überhaupt aller Worte, worin eine Selbst-In-Scenesetzung liegen könnte.

Nicht “Beschreibung”; alle Probleme ins Gefühl, übersetzt, bis zur Passion —



2) Sammlung ausdrücklicher Worte. Vorzug für militärische W.

Ersatzworte für die philosophischen Termini: womöglich deutsch und zur Formel ausgeprägt.

sämmtliche Zustände der geistigsten Menschen darstellen; so daß ihre Reihe im ganzen Werke umfaßt ist.

(—Zustände des Legislator
des Versuchers
des zur Opferung Gezwungenen, Zögernden —
der großen Verantwortlichkeit
des Leidens an der Unerkennbarkeit
des Leidens am Scheinen-Müssen
des Leidens am Wehethun-Müssen,
der Wollust am Zerstören
 

3) Das Werk auf eine Katastrophe hin bauen



Einleitung herzunehmen von dem Willen zum Pessimismus. Nicht als Leidender, Enttäuschter reden. “Wir, die wir nicht an die Tugend und die schönen Schwellungen glauben.”

Satyrspiel
am Schluß

Einmischen: kurze Gespräche zwischen Theseus Dionysos und Ariadne.

— Theseus wird absurd, sagte Ariadne, Theseus wird tugendhaft —

Eifersucht des Theseus auf Ariadne’s Traum.

der Held sich selbst bewundernd, absurd werdend, Klage der Ariadne.

Dionysos ohne Eifersucht: “Was ich an Dir liebe, wie könnte das ein Theseus lieben?” ...

Letzter Akt. Hochzeit des Dionysos und der Ariadne

“man ist nicht eifersüchtig, wenn man Gott ist,” sagte Dionysos: “es sei denn auf Götter.”



“Ariadne,” sagte Dionysos, “du bist ein Labyrinth: Theseus hat sich in dich verirrt, er hat keinen Faden mehr; was nützt es ihm nun, daß er nicht vom Minotauros gefressen wurde? Was ihn frißt, ist schlimmer als ein Minotauros.” “Du schmeichelst mir,” antwortete Ariadne, “aber ich bin meines Mitleidens müde, an mir sollen alle Helden zu Grunde gehen: Das ist meine letzte Liebe zu Theseus: ‘ich richte ihn zu Grunde’”

9 [116]

(77) Rousseau, dieser typische “moderne Mensch,” Idealist und Canaille in Einer Person, und das Erste um des Zweiten willen, ein Wesen, das die “moralische Würde” und deren Attitüde nöthig hatte, um sich selber auszuhalten, krank zugleich vor zügelloser Eitelkeit und zügelloser Selbstverachtung: diese Mißgeburt, welche sich an die Schwelle unserer neuen Zeit gelagert hat, hat die “Rückkehr zur Natur” gepredigt—wohin wollte er eigentlich zurück?

Auch ich rede von “Rückkehr zur Natur”: obwohl es eigentlich nicht ein “Zurückkehren” ist, sondern ein “Hinaufkommen”—in die starke souveraine furchtbare Natur und Natürlichkeit des Menschen, welche mit großen Aufgaben spielen darf, weil sie an kleineren müde würde und Ekel empfände.— Napoleon war “Rückkehr zur Natur” in rebus tacticis und vor allem im Strategischen.

Das 18. Jahrhundert, dem man Alles verdankt, worin unser 19. Jahrhundert gearbeitet und gelitten hat: den Moral-Fanatism, die Verweichlichung des Gefühls zu Gunsten des Schwachen, Unterdrückten, Leidenden, die Rancüne gegen alle Art Privilegirte, den Glauben an den “Fortschritt,” den Glauben an den Fetisch “Menschheit,” den unsinnigen Plebejer-Stolz und die Begierde nach vollen Leidenschaften—beides romantisch —

Unsere Feindschaft gegen die révolution bezieht sich nicht auf die blutige farce, ihre “Immoralität,” mit der sie sich abspielte; vielmehr auf ihre Heerden-Moralität, auf ihre “Wahrheiten,” mit denen sie immer noch wirkt und wirkt, auf ihre contagiöse Vorstellung von “Gerechtigkeit u Freiheit,” mit der sie alle mittelmäßigen Seelen bestrickt, auf ihre Niederwerfung der Autoritäten höherer Stände. Daß es um sie herum so schauerlich und blutig zugieng, hat dieser Orgie der Mittelmäßigkeit einen Anschein von Größe gegeben, so daß sie als Schauspiel auch die stolzesten Geister verführt hat.

9 [117]

man giebt nach, wo das Nachgeben ein Vorgeben ist: also wenn man reich genug ist, um nicht nehmen zu müssen.

9 [118]

er liebte es, so lange Recht zu behalten bis ein Zufall ihm zu Hülfe kam,—und bis er Recht hatte

9 [119]

(78) Die “Reinigung des Geschmacks” kann nur die Folge einer Verstärkung des Typus sein. Unsere Gesellschaft von heute repräsentirt nur die Bildung; der Gebildete fehlt. Der große synthetische Mensch fehlt: in dem die verschiedenen Kräfte zu Einem Ziele unbedenklich in’s Joch gespannt sind. Was wir haben, ist der vielfache Mensch, das interessanteste Chaos, das es vielleicht bisher gegeben hat: aber nicht das Chaos vor der Schöpfung der Welt, sondern hinter ihr, der vielfache Mensch.— Goethe als schönster Ausdruck des Typus (—ganz und gar kein Olympier!)



Das Recht auf den großen Affekt—für den Erkennenden wieder zurückzugewinnen! nachdem die Entselbstung und der Cultus des “Objektiven” eine falsche Rangordnung auch in dieser Sphäre geschaffen haben. Der Irrthum kam auf die Spitze, als Schopenhauer lehrte: eben im Loskommen vom Affekt, vom Willen liege der einzige Zugang zum “Wahren,” zur Erkenntniß; der willensfreie Intellekt könne gar nicht anders, als das wahre eigentliche Wesen der Dinge sehn.



Derselbe Irrthum in arte: als ob Alles schön wäre, sobald es ohne Willen angeschaut wird.

Der Kampf gegen den “Zweck” in der Kunst ist immer der Kampf gegen die moralisirende Tendenz der Kunst, gegen ihre Unterordnung unter die Moral: l’art pour l’art heißt: “der Teufel hole die Moral!”— Aber selbst noch diese Feindschaft verräth die Übergewalt des Vorurtheils; wenn man den Affekt des Moralpredigens und “Menschenverbesserns” von der Kunst ausgeschlossen hat, so folgt daraus noch lange nicht, daß die Kunst überhaupt ohne “Affekt,” ohne “Zweck,” ohne ein außeraesthetisches Bedürfniß möglich ist. “Wiederspiegeln,” “nachahmen”: gut, aber wie? alle Kunst lobt, verherrlicht, zieht heraus, verklärt—sie stärkt irgend welche Werthschätzungen: sollte man das nur als ein Nebenbei, als einen Zufall der Wirkung nehmen dürfen? Oder liegt es dem Können des Künstlers schon zu Grunde? Bezieht sich der Affekt des Künstlers auf die Kunst selbst? Oder nicht vielmehr auf das Leben? auf eine Wünschbarkeit des Lebens?

Und das viele Häßliche, Harte, Schreckliche, das die Kunst darstellt? Will sie damit vom Leben entleiden? zur Resignation stimmen, wie Schopenhauer meint?— Aber der Künstler theilt vor allem seinen Zustand in Hinsicht auf dieses Furchtbare des Lebens mit: dieser Zustand selbst ist eine Wünschbarkeit, wer ihn erlebt hat, hält ihn in höchsten Ehren und theilt ihn mit, gesetzt daß er ein mittheilsames Wesen d.h. ein Künstler ist. Die Tapferkeit vor einem mächtigen Feinde, einem erhabenen Ungemach, einem grauenhaften Problem—sie selbst ist der höhere Zustand des Lebens, den alle Kunst der Erhabenheit verherrlicht. Die kriegerische Seele feiert ihre Saturnalien in der Tragödie; das Glück des Krieges und Sieges, der herben Grausamkeit angesichts leidender und kämpfender Menschen, wie alles das dem leidgewohnten, und leidaufsuchenden Menschen zu eigen ist.

9 [120]

(79) Wir lernen in unserer civilisirten Welt fast nur den verkümmerten Verbrecher kennen, erdrückt unter dem Fluch und der Verachtung der Gesellschaft, sich selbst mißtrauend, oftmals seine That verkleinernd und verleumdend, einen mißglückten Typus von Verbrecher; und wir widerstreben der Vorstellung, daß alle großen Menschen Verbrecher waren, nur im großen Stile, und nicht im erbärmlichen; daß das Verbrechen zur Größe gehört (—so nämlich geredet aus dem Bewußtsein der Nierenprüfer und aller derer, die am tiefsten in große Seelen hinuntergestiegen sind) Die “Vogelfreiheit” von dem Herkommen, dem Gewissen, der Pflicht—jeder große Mensch kennt diese seine Gefahr. Aber er will sie auch: er will das große Ziel und darum auch dessen Mittel.

9 [121]

(80) Daß man den Menschen den Muth zu ihren Naturtreiben wiedergiebt

Daß man ihre Selbstunterschätzung steuert (nicht die des Menschen als Individuum, sondern die des Menschen als Natur ..)

Daß man die Gegensätze herausnimmt aus den Dingen, nachdem man begreift, daß wir sie hineingelegt haben.

Daß man die Gesellschafts-Idiosynkrasie aus dem Dasein überhaupt herausnimmt (Schuld, Strafe, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Freiheit, Liebe usw.)



Das Problem der Civilisation hinstellen.

Fortschritt zur “Natürlichkeit”: in allen politischen Fragen, auch im Verhältniß von Parteien, selbst von merkantilen oder Arbeiter- u Unternehmer-Parteien handelt es sich um Machtfragen — “was man kann?” und erst daraufhin, was man soll?

Daß dabei, mitten unter der Mechanik der großen Politik, noch die christlichen Fanfaren geblasen (z.B. in Siegesbulletins oder in kaiserlichen Anreden an das Volk) gehört immer mehr zu dem, was unmöglich wird: weil es wider den Geschmack geht. “Die Gurgel des Kronprinzen” ist keine Angelegenheit Gottes.

Fortschritt des neunzehnten Jahrhunderts gegen das 18.

im Grunde führen wir guten Europäer einen Krieg gegen das 18. Jahrhundert.—

1. “Rückkehr zur Natur” immer entschiedener im umgekehrten Sinne verstanden als es Rousseau verstand. Weg vom Idyll und der Oper!

2. immer entschiedener antiidealistisch, gegenständlicher, furchtloser, arbeitsamer, maaßvoller, mißtrauischer gegen plötzliche Veränderungen, antirevolutionär

3. immer entschiedener die Frage der Gesundheit des Leibes der “der Seele” voranstellend: letzteres als einen Zustand in Folge der ersteren begreifend, mindestens als deren Vorbedingung

9 [122]

(80II)

Zur Genealogie des Christenthums

 

— der Fanatism der Schüchternen, welche nicht wieder zurückzukehren wagen, nachdem sie einmal ihr Land verlassen haben: bis sie, aus Furcht und Marter der Furcht, dazu kommen, es zu vernichten.

— es gehört mehr Muth und Stärke des Charakters dazu, halt zu machen oder gar umzukehren als weiterzugehn. Umzukehren ohne Feigheit ist schwerer als weiterzugehen ohne Feigheit.

9 [123]

(81)

Zur Genesis des Nihilisten.

 

Man hat nur spät den Muth zu dem, was man eigentlich weiß. Daß ich von Grund aus bisher Nihilist gewesen bin, das habe ich mir erst seit Kurzem eingestanden: die Energie, der Radikalism, mit der ich als Nihilist vorwärts gieng, täuschte mich über diese Grundthatsache. Wenn man einem Ziele entgegengeht, so scheint es unmöglich, daß “die Ziellosigkeit an sich” unser Glaubensgrundsatz ist.

9 [124]

(82)

Moral als Verführungs-mittel.

 

“Die Natur ist gut, denn ein weiser und guter Gott ist ihre Ursache. Wem fällt also die Verantwortung für die “Verderbniß des Menschen” zu? Ihren Tyrannen und Verführern, den herrschenden Ständen—man muß sie vernichten.”

: die Logik Rousseaus (vgl. die Logik Pascals, welche den Schluß auf die Erbsünde macht)

Man vergleiche die verwandte Logik Luthers.

: in beiden Fällen wird ein Vorwand gesucht, ein unersättliches Rachebedürfniß als moralisch-religiöse Pflicht einzuführen. Der Haß gegen den regierenden Stand sucht sich zu heiligen ...

(die “Sündhaftigkeit Israels”: Grundlage für die Machtstellung der Priester)

Man vergleiche die verwandte Logik des Paulus.

: immer ist es die Sache Gottes, unter der diese Reaktionen auftreten, die Sache des Rechts, der Menschlichkeit usw.

(bei Christus scheint der Jubel des Volkes als Ursache seiner Hinrichtung; eine antipriesterliche Bewegung von vornherein)

(—selbst bei den Antisemiten ist es immer das gleiche Kunststück: den Gegner mit moralischen Verwerfungsurtheilen heimzusuchen und sich die Rolle der strafenden Gerechtigkeit vorzubehalten.)

NB Die “moralische Verurtheilung” als Mittel zur Macht.

A. “die Erregung des schlechten Gewissens” um Heilande, Priester und dergleichen nöthig zu machen
oder:
B. die Erregung des guten Gewissens: um seine Gegner als die Schlechten behandeln und niederwerfen zu können

9 [125]

(83) gegen Rousseau: der Zustand der Natur ist furchtbar, der Mensch ist Raubthier, unsre Civilisation ist ein unerhörter Triumph über diese Raubthier-Natur:—so schloß Voltaire. Er empfand die Milderung, die Raffinements, die geistigen Freuden des civilisirten Zustandes; er verachtete die Bornirtheit, auch in der Form der Tugend; den Mangel an Delikatesse auch bei den Asketen und Mönchen.

Die moralische Verwerflichkeit des Menschen schien Rousseau zu präoccupiren; man kann mit den Worten “ungerecht” “grausam,” am meisten die Instinkte der Unterdrückten aufreizen, die sich sonst unter dem Bann des vetitum und der Ungnade befinden: so daß ihr Gewissen ihnen die aufrührerischen Begierden widerräth. Diese Emancipatoren suchen vor allem Eins: ihrer Partei die großen Accente und Attitüden der höheren Natur zu geben.

9 [126]

(84)

Haupt-Symptome des Pessimism.

 

die dîners chez Magny.
der russische Pessimism. Tolstoi Dostoiewsky
der aesthetische Pessimismus l’art pour l’art “Description” der romantische und der antiromantische Pessimism
der erkenntnißtheoretische Pessimismus. Schopenhauer. Der “Phänomenalismus.”
der anarchistische Pessimismus.
die “Religion des Mitleids,” buddhistische Vorbewegung.
der Cultur-Pessimismus (Exotism. Kosmopolitismus)
der moralistische Pessimismus: ich selber
Die Distraktionen, die zeitweiligen Erlösungen vom Pessimismus.
die großen Kriege, die starken Militär-Organisationen, der Nationalismus
die Industrie-Concurrenz
die Wissenschaft
das Vergnügen



Scheiden wir hier aus:

der Pessimismus als Stärkeworin? in der Energie seiner Logik, als Anarchismus und Nihilism, als Analytik.

der Pessimismus als Niedergang—worin? als Verzärtlichung, als kosmopolitische Anfühlerei, als “tout comprendre” und Historismus.

9 [127]

Die Heraufkunft des Nihilismus.
Die Logik des Nihilismus
Die Selbstüberwindung des Nihilismus
.
Überwinder und Überwundene.

9 [128]

(85) die kritische Spannung: die Extreme kommen zum Vorschein und Übergewicht.

9 [129]

Niedergang des Protestantism: theoretisch und historisch als Halbheit begriffen. Thatsächliches Übergewicht des Katholicism; das Gefühl des Protest so erloschen, daß die stärksten antiprotestantischen Bewegungen nicht mehr als solche empfunden werden (z.B. Wagners Parsifal) Die ganze höhere Geistigkeit in Frankreich ist katholisch im Instinkt; Bismarck hat begriffen, daß es einen Protestantismus gar nicht mehr giebt.

9 [130]

(86) Kritik des modernen Menschen
(seine moralistische Verlogenheit)
“der gute Mensch,” nur verdorben und verführt durch schlechte Institutionen (Tyrannen und Priester)
die Vernunft als Autorität; die Geschichte als Überwindung von Irrthümern; die Zukunft als Fortschritt.
der christliche Staat “der Gott der Heerschaaren”
der christliche Geschlechtsbetrieb oder die Ehe
das Reich der “Gerechtigkeit” der Cultus der “Menschheit”
die “Freiheit”
die romantische Attitüde des modernen Menschen:
der edle Mensch (Byron, V. Hugo, G. Sand
die edle Entrüstung
die Heiligung durch die Leidenschaft (als wahre “Natur”
die Parteinahme für die Unterdrückten und Schlechtweggekommenen: Motto der Historiker und romanciers.
die Stoiker der Pflicht
die “Selbstlosigkeit” als Kunst und Erkenntniß
der Altruism (als verlogenste Form des Egoism (Utilitarism) gefühlsamster Egoism.

9 [131]

(87) dies Alles ist 18. Jahrhundert. Was dagegen nicht sich aus ihm vererbt hat: die insouciance, die Heiterkeit, die Eleganz, die geistige Helligkeit; das tempo des Geistes hat sich verändert; der Genuß an der geistigen Feinheit und Klarheit ist dem Genuß an der Farbe, Harmonie, Masse, Realität, usw. gewichen. Sensualism im Geistigen. Kurz, es ist das 18. Jahrhundert Rousseaus.

9 [132]

die Virtuosi und die Tugendhaften

9 [133]

Science sans conscience n’est que ruine de l’âme. Rabelais. conscience sans science c’est le salut —

9 [134]

(88) Augustin Thierry las 1814 das, was de Montlosier in seinem Werke De la monarchie française gesagt hatte: er antwortete mit einem Schrei der Entrüstung und machte sich an sein Werk. Jener Emigrant hatte gesagt: Race d’affranchis, race d’esclaves arrachés de nos mains, peuple tributaire, peuple nouveau, licence vous fut octroyée d’être libres, et non pas à nous d’être nobles; pour nous tout est de droit, pour vous tout est de grâce, nous ne sommes point de votre communauté; nous sommes un tout par nous-mêmes.

9 [135]

(90) die “evangelische Freiheit.” “Verantwortlichkeit vor dem eignen Gewissen,” diese schöne Tartüfferie Luthers: im Grunde der “Wille zur Macht” in seiner schüchternsten Form. Denn dies sind seine drei Grade: a) Freiheit, b) Gerechtigkeit, c) Liebe

9 [136]

der Glaube ist eine “heilige Krankheit,”: das hat schon Heraklit gewußt: der Glaube, eine blödsinnig machende innere Nöthigung, daß etwas wahr sein soll ...

9 [137]

(91) Der Kampf gegen die großen Menschen, aus ökonomischen Gründen gerechtfertigt. Dieselben sind gefährlich, Zufälle, Ausnahmen, Unwetter, stark genug, um Langsam-Gebautes und -Gegründetes in Frage zu stellen. Das Explosive nicht nur unschädlich zu entladen, sondern womöglich seiner Entstehung vorbeugen ... Grundinstinkt der civilisirten Gesellschaft.

9 [138]

(92) NB alles Furchtbare in Dienst nehmen; einzeln, schrittweise, versuchsweise: so will es die Aufgabe der Cultur; aber bis sie stark genug dazu ist, muß sie es bekämpfen, mäßigen, verschleiern, selbst verfluchen ...

— überall, wo eine Cultur das Böse ansetzt, bringt sie damit ein Furchtverhältniß zum Ausdruck also eine Schwäche ...

These: alles Gute ist ein dienstbar gemachtes Böse von Ehedem.

Maaßstab: je furchtbarer und größer die Leidenschaften sind, die eine Zeit, ein Volk, ein Einzelner sich gestatten kann, weil er sie als Mittel zu brauchen vermag, um so höher steht seine Cultur. (—das Reich des Bösen wird immer kleiner ...)

— je mittelmäßiger, schwächer, unterwürfiger und feiger ein Mensch ist, um so mehr wird er als böse ansetzen: bei ihm ist das Reich des Bösen am umfänglichsten, der niedrigste Mensch wird das Reich des Bösen (d.h. des ihm Verbotenen und Feindlichen) überall sehen.

9 [139]

(89) Summa: die Herrschaft über die Leidenschaften, nicht deren Schwächung oder Ausrottung!

je größer die Herren-Kraft des Willens ist, um so viel mehr Freiheit darf den Leidenschaften gegeben werden.

der “große Mensch” ist groß durch den Freiheits-Spielraum seiner Begierden und durch die noch größere Macht, welche diese prachtvollen Unthiere in Dienst zu nehmen weiß.

— der “gute Mensch” ist auf jeder Stufe der Civilisation der Ungefährliche und Nützliche zugleich: eine Art Mitte; der Ausdruck im gemeinen Bewußtsein davon, vor wem man sich nicht zu fürchten hat und wen man trotzdem nicht verachten darf ...

Erziehung: wesentlich das Mittel, die Ausnahme eine Ablenkung, Verführung, Ankränkelung zu ruiniren zu Gunsten der Regel.

Das ist hart: aber ökonomisch betrachtet, vollkommen vernünftig. Mindestens für jene lange Zeit,

Bildung: wesentlich das Mittel, den Geschmack gegen die Ausnahme zu richten zu Gunsten des Mittleren.



Eine Cultur der Ausnahme, des Versuchs, der Gefahr, der Nüance als Folge eines großen Kräfte-Reichthums: —jede aristokratische Cultur tendirt dahin.

Erst wenn eine Cultur über einen Überschuß von Kräften zu gebieten hat, kann auf ihrem Boden auch ein Treibhaus der Luxus-Cultur

9 [140]

(93) Versuch meinerseits, die absolute Vernünftigkeit des gesellschaftlichen Urtheilens und Werthschätzens zu begreifen: natürlich frei von dem Willen, dabei moralische Resultate herauszurechnen.

: der Grad von psychologischer Falschheit und Undurchsichtigkeit, um die zur Erhaltung und Machtsteigerung wesentlichen Affekte zu heiligen (um sich für sie das gute Gewissen zu schaffen)

: der Grad von Dummheit, damit eine gemeinsame Regulirung und Werthung möglich bleibt (dazu Erziehung, Überwachung der Bildungselemente, Dressur)

: der Grad von Inquisition, Mißtrauen und Unduldsamkeit, um die Ausnahmen als Verbrecher zu behandeln und zu unterdrücken,—um ihnen selbst das schlechte Gewissen zu geben, so daß diese innerlich an ihrer Ausnahmhaftigkeit krank sind.



Moral wesentlich als Wehr, als Vertheidigungsmittel: insofern ein Zeichen des unausgewachsenen Menschen p. 123

(verpanzert; stoisch;

der ausgewachsene Mensch hat vor allem Waffen, er ist angreifend

Kriegswerkzeuge zu Friedenswerkzeugen umgewandelt (aus Schuppen und Platten, Federn und Haare)



Summa: die Moral ist gerade so “unmoralisch,” wie jedwedes andre Ding auf Erden; die Moralität selbst ist eine Form der Unmoralität.

Große Befreiung, welche diese Einsicht bringt: der Gegensatz ist aus den Dingen entfernt, die Einartigkeit in allem Geschehen ist gerettet — —

9 [141]

(94) Überarbeitung, Neugierde und Mitgefühl—unsre modernen Laster

9 [142]

(95) Die Höhepunkte der Cultur und der Civilisation liegen auseinander: man soll sich über den Antagonismus dieser beiden Begriffe nicht irreführen lassen.

Die großen Momente der Cultur sind die Zeiten der Corruption, moralisch ausgedrückt; die Epochen der gewollten und erzwungenen Zähmung (“Civilisation.”) des Menschen sind Zeiten der Unduldsamkeit für die geistigsten und kühnsten Naturen und deren tiefste Widersacher.

9 [143]

(96) Wie wenig liegt am Gegenstand! Der Geist ist es, der lebendig macht! Welche kranke und verstockte Luft mitten aus all dem aufgeregten Gerede von “Erlösung,” Liebe, “Seligkeit,” Glaube, Wahrheit, “ewigem Leben”! Man nehme einmal ein eigentlich heidnisches Buch dagegen, z.B. Petronius, wo im Grunde Nichts gethan, gesagt, gewollt und geschätzt wird, was nicht, nach einem christlich-muckerischen Werthmaße, Sünde, selbst Todsünde ist. Und trotzdem: welches Wohlgefühl der reineren Luft, der überlegenen Geistigkeit des schnelleren Schrittes, der freigewordenen und überschüssigen, zukunftsgewissen Kraft? Im ganzen neuen Testament kommt keine einzige Bouffonnerie vor: aber damit ist ein Buch widerlegt ... Mit ihm verglichen bleibt das neue Testament ein Symptom des Niedergangs u der Cultur-Corruption—und als solches hat es gewirkt, als Ferment der Verwesung

9 [144]

(97)

Zur “logischen Scheinbarkeit.”

 

Der Begriff “Individuum” und “Gattung” gleichermaßen falsch und bloß augenscheinlich. “Gattung” drückt nur die Thatsache aus, daß eine Fülle ähnlicher Wesen zu gleicher Zeit hervortreten und daß das tempo im Weiterwachsen und Sich-Verwandeln eine lange Zeit verlangsamt ist: so daß die thatsächlichen kleinen Fortsetzungen und Zuwachse nicht sehr in Betracht kommen (—eine Entwicklungsphase, bei der das Sich-Entwickeln nicht in die Sichtbarkeit tritt, so daß ein Gleichgewicht erreicht scheint, und die falsche Vorstellung ermöglicht wird, hier sei ein Ziel erreicht—und es habe ein Ziel in der Entwicklung gegeben ...)

Die Form gilt als etwas Dauerndes und deshalb Werthvolleres; aber die Form ist bloß von uns erfunden; und wenn noch so oft “dieselbe Form erreicht wird,” so bedeutet das nicht, daß es dieselbe Form ist,—sondern es erscheint immer etwas Neues—und nur wir, die wir vergleichen, rechnen dies Neue, insofern es Altem gleicht, zusammen in die Einheit der “Form.” Als ob ein Typus erreicht werden sollte und gleichsam der Bildung vorschwebe und innewohne.

Die Form, die Gattung, das Gesetz, die Idee, der Zweck—hier wird überall der gleiche Fehler gemacht, daß einer Fiktion eine falsche Realität untergeschoben wird: wie als ob das Geschehen irgendwelchen Gehorsam in sich trage,—eine künstliche Scheidung im Geschehen wird da gemacht zwischen dem, was thut und dem, wonach dies Thun sich richtet (aber das was und das wonach sind nur angesetzt von uns aus Gehorsam gegen unsere metaphysisch-logische Dogmatik: kein “ Thatbestand”)

Man soll diese Nöthigung, Begriffe, Gattungen, Formen, Zwecke, Gesetze—“eine Welt der identischen Fälle”—zu bilden, nicht so verstehn, als ob wir damit die wahre Welt zu fixiren im Stande wären; sondern als Nöthigung, uns eine Welt zurechtzumachen, bei der unsre Existenz ermöglicht wird—wir schaffen damit eine Welt, die berechenbar, vereinfacht, verständlich usw. für uns ist.

Diese selbe Nöthigung besteht in der Sinnen-Aktivität, welche der Verstand unterstützt,—durch Vereinfachen, Vergröbern, Unterstreichen und Ausdichten, auf dem alles “Wiedererkennen,” alles Sich-verständlich-machen-können beruht. Unsre Bedürfnisse haben unsre Sinne so präcisirt, daß die “gleiche Erscheinungswelt” immer wieder kehrt und dadurch den Anschein der Wirklichkeit bekommen hat.

Unsre subjektive Nöthigung, an die Logik zu glauben, drückt nur aus, daß wir, längst bevor uns die Logik selber zum Bewußtsein kam, nichts gethan haben als ihre Postulate in das Geschehen hineinlegen: jetzt finden wir sie in dem Geschehen vor—wir können nicht mehr anders—und vermeinen nun, diese Nöthigung verbürge etwas über die “Wahrheit.” Wir sind es, die “das Ding,” das “gleiche Ding,” das Subjekt, das Prädikat, das Thun, das Objekt, die Substanz, die Form geschaffen haben, nachdem wir das Gleichmachen, das Grob- und Einfachmachen am längsten getrieben haben.

Die Welt erscheint uns logisch, weil wir sie erst logisirt haben

9 [145]

(98)

Zum “Macchiavellismus” der Macht.
(unbewußter Macchiavellismus)

 

Der Wille zur Macht erscheint

a) bei den Unterdrückten, bei Sklaven jeder Art als Wille zur “Freiheit”: bloß das Loskommen scheint das Ziel (moralisch-religiös: “nur seinem eignen Gewissen verantwortlich” “evangelische Freiheit” usw.)

b) bei einer stärkeren und zur Macht heranwachsenden Art als Wille zur Übermacht; wenn zunächst erfolglos, dann sich einschränkend auf den Willen zur “Gerechtigkeit” d.h. zu dem gleichen Maß von Rechten, wie die andere herrschende Art sie hat. Kampf um Rechte ...

c) bei den Stärksten, Reichsten, Unabhängigsten, Muthigsten als “Liebe zur Menschheit,” zum “Volke,” zum Evangelium, zur Wahrheit, Gott; als Mitleid; “Selbstopferung” usw. als Überwältigen, Mit-sich-fortreißen, in-seinen-Dienst-nehmen; als instinktives Sich-in-Eins-rechnen mit einem großen Quantum Macht, dem man Richtung zu geben vermag: der Held, der Prophet, der Cäsar, der Heiland, der Hirt (—auch die Geschlechtsliebe gehört hierher: sie will die Überwältigung, das in-Besitz-nehmen und sie erscheint als Sich-hin-geben ...) im Grunde nur die Liebe zu seinem “Werkzeug,” zu seinem “Pferd” ..., seine Überzeugung davon, daß ihm das und das zugehört, als Einem, der im Stande ist, es zu benutzen.

”Freiheit,” “Gerechtigkeit” und “Liebe”!!!



Das Unvermögen zur Macht: seine Hypokrisie und Klugheit:

als Gehorsam (Einordnung, Pflicht-Stolz, Sittlichkeit ...)

als Ergebung, Hingebung, Liebe (Idealisirung, Vergötterung des Befehlenden als Schadenersatz und indirekte Selbstverklärung)

als Fatalism, Resignation

als “Objektivität”

als Selbsttyrannisirung (Stoicism, Askese, “Entselbstung,” “Heiligung”)

(—überall drückt sich das Bedürfniß aus, irgend eine Macht doch noch auszuüben oder sich selbst den Anschein einer Macht zeitweilig zu schaffen (als Rausch)

als Kritik, Pessimismus, Entrüstung, Quälgeisterei

als “schöne Seele,” “Tugend,” “Selbstvergötterung,” “Abseits,” “Reinheit von der Welt” usw. (—die Einsicht in das Unvermögen zur M sich als dédain verkleidend)



Die Menschen, welche die Macht wollen um der Glücks-Vortheile willen, die die Macht gewährt (politische Parteien)

andere Menschen, welche die Macht wollen, selbst mit sichtbaren Nachtheilen und Opfern an Glück und Wohlbefinden: die Ambitiosi

andere Menschen, welche die Macht wollen, bloß weil sie sonst in andere Hände fiele, von denen sie nicht abhängig sein wollen



Zum Problem: ob die Macht im “Willen zur Macht” bloss Mittel ist: Das Protoplasma sich etwas aneignend und anorganisirend, also sich verstärkend und Macht ausübend, um sich zu verstärken.

In wiefern das Verhalten des Protoplasma beim Aneignen und Anorganisiren den Schlüssel giebt zum chemischen Verhalten zweier Stoffe zu einander (Kampf und Machtfeststellung)

9 [146]

(99) Gegen Rousseau: der Mensch ist leider nicht mehr böse genug; die Gegner Rousseaus, welche sagen: “der Mensch ist ein Raubthier” haben leider nicht Recht; nicht die Verderbniß des Menschen, sondern seine Verzärtlichung und Vermoralisirung ist der Fluch; in der Sphäre, welche von Rousseau am heftigsten bekämpft wurde, war gerade die relativ noch starke und wohlgerathene Art Mensch (—die welche noch die großen Affekte ungebrochen hatte, Wille zur Macht, Wille zum Genuß, Wille und Vermögen zu commandiren) Man muß den Menschen des 18. Jahrhunderts mit dem Menschen der Renaissance vergleichen (auch dem des 17. Jahrhunderts in Frankreich), um zu spüren, worum es sich handelt: Rousseau ist ein Symptom der Selbstverachtung und der erhitzten Eitelkeit—beides Anzeichen, daß es am dominirenden Willen fehlt: er moralisirt und sucht die Ursache seiner Miserabilität als Rancüne-Mensch in den herrschenden Ständen.

9 [147]

(100)

Mit welchen Mitteln eine Tugend zur Macht kommt?

 

Genau mit den Mitteln einer politischen Partei: Verleumdung, Verdächtigung, Unterminirung der entgegenstrebenden Tugenden, die schon in der Macht sind, Umtaufung ihres Namens, systematische Verfolgung und Verhöhnung: Also: durch lauter Immoralitäten.”

Was eine Begierde mit sich selber macht, um zur Tugend zu werden? die Umtaufung; die principielle Verleugnung ihrer Absichten; die Übung im Sich-Mißverstehn; die Alliance mit bestehenden und anerkannten Tugenden; die affichirte Feindschaft gegen deren Gegner. Womöglich den Schutz heiligender Mächte erkaufen; berauschen, begeistern, die Tartüfferie des Idealismus; eine Partei gewinnen, die entweder mit ihr obenauf kommt oder zu Grunde geht ..., unbewußt, naiv werden ..

9 [148]

(101)

Metamorphosen-Lehre.

 
Metamorphosen der Geschlechtlichkeit
” der Grausamkeit
” der Feigheit
” der Rachsucht, Zorn
” der Faulheit
” der Herrschsucht
” der Tollkühnheit
” der Lüge, des Neids
” der Verleumdung
” der Habsucht
” des Haßes

Das, was eine Zeit verachtet oder haßt als die rudimentären Tugenden, als Überbleibsel vom Ideal einer früheren Zeit, aber in der Form der Verkümmerung (“der Verbrecher” ...)

9 [149]

(102) Wie man es macht, um lebensfeindliche Tendenzen zu Ehren zu bringen?

z.B. die Keuschheit
die Armut und Bettelei
die Dummheit und Unkultur
die Selbstverachtung
die Daseins-Verachtung

9 [150]

(103)

Zur Optik der Werthschätzung:

 

Einfluß der Quantität (groß, klein) des Zweckes.
Einfluß der Geistigkeit in den Mitteln.
Einfluß der Manieren in der Aktion.
Einfluß des Gelingens oder Mißlingens
Einfluß der gegnerischen Kräfte und deren Werth
Einfluß des Erlaubten und Verbotenen

Die Quantität im Ziele in ihrer Wirkung auf die Optik der Werthschätzung: der große Verbrecher und der kleine. Die Quantität im Ziele des Gewollten entscheidet auch bei dem Wollenden selbst, ob er vor sich dabei Achtung hat oder kleinmüthig und miserabel empfindet. —

Sodann der Grad der Geistigkeit in den Mitteln in ihrer Wirkung auf die Optik der Werthschätzung. Wie anders nimmt sich der philosophische Neuerer Versucher und Gewaltmensch aus gegen den Räuber, Barbaren und Abenteurer!— Anschein des “Uneigennützigen.”

Endlich vornehme Manieren, Haltung, Tapferkeit, Selbstvertrauen—wie verändern sie die Werthung dessen, was auf diese Art erreicht wird!

Wirkung des Verbots: jede Macht, die verbietet, die Furcht zu erregen weiß bei dem, dem etwas verboten wird, erzeugt das “schlechte Gewissen” (d.h. die Begierde nach etwas mit dem Bewußtsein der Gefährlichkeit ihrer Befriedigung, mit der Nöthigung zur Heimlichkeit, zum Schleichweg, zur Vorsicht; jedes Verbot verschlechtert den Charakter bei denen, die sich ihm nicht willentlich unterwerfen, sondern nur gezwungen)

9 [151]

(104) Der Wille zur Macht kann sich nur an Widerständen äußern; er sucht also nach dem, was ihm widersteht,—dies die ursprüngliche Tendenz des Protoplasma, wenn es Pseudopodien ausschickt und um sich tastet. Die Aneignung und Einverleibung ist vor allem ein Überwältigen-wollen, ein Formen u An- und Umbilden, bis endlich das Überwältigte ganz in die Macht des Angreifers übergegangen ist u denselben vermehrt hat.— Gelingt diese Einverleibung nicht, so zerfällt wohl das Gebilde; und die Zweiheit erscheint als Folge des Willens zur Macht: um nicht fahren zu lassen, was erobert ist, tritt der Wille zur Macht in zwei Willen auseinander (unter Umständen ohne seine Verbindung unter einander völlig aufzugeben)

“Hunger” ist nur eine engere Anpassung, nachdem der Grundtrieb nach Macht geistigere Gestalt gewonnen hat.

9 [152]

Die moralische Präoccupation stellt einen Geist tief in der Rangordnung: damit fehlt ihm der Instinkt des Sonder-rechts, des a parte, das Freiheits-Gefühl der schöpferischen Naturen, der “Kinder Gottes” (oder des Teufels—) Und gleichgültig, ob er herrschende Moral predigt oder sein Ideal zur Kritik der herrschenden Moral anlegt: er gehört damit zur Heerde—und sei es auch als deren oberster Nothbedarf, als “Hirt” ...

9 [153]

(105)

Die Starken der Zukunft.

 

Was theils die Noth, theils der Zufall hier und da erreicht hat, die Bedingungen zur Hervorbringung einer stärkeren Art: das können wir jetzt begreifen und wissentlich wollen: wir können die Bedingungen schaffen, unter denen eine solche Erhöhung möglich ist.

Bis jetzt hatte die “Erziehung” den Nutzen der Gesellschaft im Auge: nicht den möglichsten Nutzen der Zukunft, sondern den Nutzen der gerade bestehenden Gesellschaft. “Werkzeuge” für sie wollte man. Gesetzt, der Reichthum an Kraft wäre größer, so ließe sich ein Abzug von Kräften denken, dessen Ziel nicht dem Nutzen der Gesellschaft gälte, sondern einem zukünftigen Nutzen, —

Eine solche Aufgabe wäre zu stellen, je mehr man begriffe, in wiefern die gegenwärtige Form der Gesellschaft in einer starken Verwandlung wäre, um irgendwann einmal nicht mehr um ihrer selber willen existiren zu können: sondern nur noch als Mittel in den Händen einer stärkeren Rasse.

Die zunehmende Verkleinerung des Menschen ist gerade die treibende Kraft, um an die Züchtung einer stärkeren Rasse zu denken: welche gerade ihren Überschuß darin hätte, worin die verkleinerte species schwach und schwächer würde (Wille, Verantwortlichkeit, Selbstgewißheit, Ziele-sich-setzen-können)

Die Mittel wären die, welche die Geschichte lehrt: die Isolation durch umgekehrte Erhaltungs-Interessen als die durchschnittlichen heute sind; die Einübung in umgekehrte Werthschätzungen; die Distanz als Pathos; das freie Gewissen im heute Unterschätztesten und Verbotensten.

Die Ausgleichung des europäischen Menschen ist der große Prozeß, der nicht zu hemmen ist: man sollte ihn noch beschleunigen.

Die Nothwendigkeit für eine Kluftaufreißung, Distanz, Rangordnung ist damit gegeben: nicht, die Nothwendigkeit, jenen Prozeß zu verlangsamen

Diese ausgeglichene Species bedarf einer Rechtfertigung, sobald sie erreicht ist: sie liegt im Dienste einer höheren, souveränen Art, welche auf ihr steht und erst auf ihr sich zu ihrer Aufgabe erheben kann.

Nicht nur eine Herren-Rasse, deren Aufgabe sich damit erschöpfte, zu regieren; sondern eine Rasse mit eigener Lebenssphäre, mit einem Überschuß von Kraft für Schönheit, Tapferkeit, Cultur, Manier bis ins Geistigste; eine bejahende Rasse, welche sich jeden großen Luxus gönnen darf ..., stark genug, um die Tyrannei des Tugend-Imperativs nicht nöthig zu haben, reich genug, um die Sparsamkeit und Pedanterie nicht nöthig zu haben, jenseits von gut und böse; ein Treibhaus für sonderbare und ausgesuchte Pflanzen.

9 [154]

(106) Der Mensch ist das Unthier und Überthier; der höhere Mensch ist der Unmensch und Übermensch: so gehört es zusammen. Mit jedem Wachsthum des Menschen in die Größe und Höhe wächst er auch in das Tiefe und Furchtbare: man soll das Eine nicht wollen, ohne das andere—oder vielmehr: je gründlicher man das Eine will, um so gründlicher erreicht man gerade das Andere.

9 [155]

(107) Die Tugend findet jetzt keinen Glauben mehr, ihre Anziehungskraft ist dahin; es müßte sie denn Einer etwa als eine ungewöhnliche Form des Abenteuers und der Ausschweifung von Neuem auf den Markt zu bringen verstehn. Sie verlangt zu viel Extravaganz und Bornirtheit von ihren Gläubigen, als daß sie heute nicht das Gewissen gegen sich hätte. Freilich, für Gewissenlose und gänzlich Unbedenkliche mag eben das ihr neuer Zauber sein—sie ist nunmehr, was sie bisher noch niemals gewesen ist, ein Laster.

9 [156]

(108)

Fälschung in der Psychologie

 

Die großen Verbrechen in der Psychologie:

1) daß alle Unlust, alles Unglück, mit dem Unrecht (der Schuld) gefälscht worden ist (man hat dem Schmerz die Unschuld genommen)

2) daß alle starken Lustgefühle (Übermuth, Wollust, Triumph, Stolz, Verwegenheit, Erkenntniß, Selbstgewißheit und Glück an sich) als sündlich, als Verführung, als verdächtig gebrandmarkt worden sind.

3) daß die Schwächegefühle, die innerlichsten Feigheiten, der Mangel an Muth zu sich selbst mit heiligenden Namen belegt und als wünschenswerth im höchsten Sinn gelehrt worden sind.

4) daß alles Große am Menschen umgedeutet worden ist als Entselbstung, als Sich-opfern für etwas Anderes, für Andere; daß selbst am Erkennenden, selbst am Künstler die Entpersönlichung als die Ursache seines höchsten Erkennens und Könnens vorgespiegelt worden ist.

5) daß die Liebe gefälscht worden ist als Hingebung (und Altruism), während sie ein Hinzu-Nehmen ist oder ein Abgeben in Folge eines Überreichthums von Persönlichkeit. Nur die ganzesten Personen können lieben; die Entpersönlichten, die “Objektiven” sind die schlechten Liebhaber (—man frage die Weibchen!). Das gilt auch von der Liebe zu Gott, oder zum “Vaterland”: man muß fest auf sich selber sitzen,

Der Egoismus als die Ver-Ichlichung, der Altruismus als die Ver-Änderung

6) das Leben als Strafe, das Glück als Versuchung; die Leidenschaften als teuflisch, das Vertrauen zu sich als gottlos

NB Diese ganze Psychologie ist eine Psychologie der Verhinderung, eine Art Vermauerung aus Furcht; einmal will sich die große Menge (die Schlechtweggekommenen und Mittelmäßigen) damit wehren gegen die Stärkeren (—und sie in der Entwicklung zerstören ....), andererseits alle die Triebe, mit denen sie selbst am besten gedeiht, heiligen und allein in Ehren gehalten wissen. Vergl. die jüdische Priesterschaft.

9 [157]

(109) I. Die principielle Fälschung der Geschichte, damit sie den Beweis für die moralische Werthung abgiebt.

a) Niedergang eines Volkes und die Corruption
b) Aufschwung eines Volkes und die Tugend
c) Höhepunkt eines Volkes (“seine Cultur”) als Folge der moralischen Höhe



II. Die principielle Fälschung der großen Menschen, der großen Schaffenden, der großen Zeiten

a) man will, daß der Glaube das Auszeichnende der Großen ist: aber die Unbedenklichkeit, die Skepsis, die Erlaubniß sich eines Glaubens entschlagen zu können, die “Unmoralität” gehört zur Größe (Caesar, Friedrich der Große, Napoleon, aber auch Homer, Aristophanes, Lionardo, Goethe—man unterschlägt immer die Hauptsache ihre “Freiheit des Willens”—)

9 [158]

Wogegen ich kämpfe: daß eine Ausnahme-Art der Regel den Krieg macht, statt zu begreifen, daß die Fortexistenz der Regel die Voraussetzung für den Werth der Ausnahme ist. Z.B.die Frauenzimmer, welche, statt die Auszeichnung ihrer abnormen Bedürfnisse zu empfinden, die Stellung des Weibes überhaupt verrücken möchten ....

9 [159]

(110)

Wessen Wille zur Macht ist die Moral?

 

Das Gemeinsame in der Geschichte Europas seit Sokrates ist der Versuch, die moralischen Werthe zur Herrschaft über alle anderen Werthe zu bringen: so daß sie nicht nur Führer und Richter des Lebens sein sollen, sondern auch

1. der Erkenntniß
2. der Künste
3. der staatlichen und gesellschaftlichen Bestrebungen

“besser-werden” als einzige Aufgabe, alles Übrige dazu Mittel (oder Störung, Hemmung, Gefahr: folglich bis zur Vernichtung zu bekämpfen ...)

Eine ähnliche Bewegung in China

Eine ähnliche Bewegung in Indien.

Was bedeutet dieser Wille zur Macht seitens der moralischen Werthe, der in drei ungeheuren Entwicklungen sich bisher auf der Erde abgespielt hat?

Antwort:—drei Mächte sind hinter ihm versteckt: 1) der Instinkt der Heerde gegen die Starken Unabhängigen 2) der Instinkt der Leidenden und Schlechtweggekommenen gegen die Glücklichen 3) der Instinkt der Mittelmäßigen gegen die Ausnahmen.— Ungeheurer Vortheil dieser Bewegung, wie viel Grausamkeit, Falschheit und Bornirtheit auch in ihr mitgeholfen hat: (denn die Geschichte vom Kampf der Moral mit den Grundinstinkten des Lebens ist selbst die größte Immoralität, die bisher auf Erden dagewesen ist ...)

9 [160]

(111)

Die moralischen Werthe in der Theorie der Erkenntniß selbst

 

das Vertrauen zur Vernunft—warum nicht Mißtrauen?

die “wahre Welt” soll die gute sein—warum?

die Scheinbarkeit, der Wechsel, der Widerspruch, der Kampf als unmoralisch abgeschätzt: Verlangen in eine Welt, wo dies Alles fehlt.

die transscendente Welt erfunden, damit ein Platz bleibt für “moralische Freiheit” (bei Kant)

die Dialektik als der Weg zur Tugend (bei Plato und Sokrates: augenscheinlich, weil die Sophistik als Weg zur Unmoralität galt

Zeit und Raum ideal: folglich “Einheit” im Wesen der Dinge, folglich keine “Sünde,” kein Übel, keine Unvollkommenheit,—eine Rechtfertigung Gottes.

Epikur leugnet die Möglichkeit der Erkenntniß: um die moralischen (resp. hedonistischen) Werthe als die obersten zu behalten. Dasselbe thut Augustin; später Pascal (“die verdorbene Vernunft”) zu Gunsten der christlichen Werthe.

die Verachtung des Descartes gegen alles Wechselnde; insgleichen die des Spinoza.

9 [161]

(112) die moral Werthe in ihrer Herrschaft über die ästhetischen (oder Vorrang oder Gegensatz und Todfeindschaft gegen sie)

9 [162]

(113) Ursachen für die Heraufkunft des Pessimismus

1) daß die mächtigsten und zukunftsvollsten Triebe des Lebens bisher verleumdet sind, so daß das Leben einen Fluch über sich hat
2) daß die wachsende Tapferkeit und Redlichkeit und das kühnere Mißtrauen des Menschen die Unablösbarkeit dieser Instinkte vom Leben begreift und dem Leben sich entgegenwendet
3) daß nur die Mittelmäßigsten, die jenen Conflikt gar nicht fühlen, gedeihen, die höhere Art mißräth und als Gebilde der Entartung gegen sich einnimmt,—daß, andererseits, das Mittelmäßige, sich als Ziel und Sinn gebend, indignirt (—daß Niemand ein Wozu? mehr beantworten kann:— )
4) daß die Verkleinerung, die Schmerzfähigkeit, die Unruhe, die Hast, das Gewimmel beständig zunimmt,—daß die Vergegenwärtigung dieses ganzen Treibens und “die sog Civilisation” immer leichter wird, daß der Einzelne Angesichts dieser ungeheuren Maschinerie verzagt und sich unterwirft.

9 [163]

(114) Die großen Fälschungen unter der Herrschaft der moralischen Werthe.

1) in der Geschichte (Politik eingerechnet)
2) in der Erkenntnißtheorie
3) in der Beurtheilung von Kunst und Künstlern
4) in der Werthabschätzung von Mensch und Handlung (von Volk und Rasse)
5) in der Psychologie
6) im Bau der Philosophien (“sittliche Weltordnung” und dergleichen)
7) in der Physiologie, Entwicklungslehre (“Vervollkommnung” “Socialisirung” “Selektion”)

9 [164]

Der Wille zur Macht.
Versuch einer Umwerthung aller Werthe.

Erstes Buch:
der Nihilismus
als Schlußfolgerung der höchsten bisherigen Werthe.

Zweites Buch:
Kritik der höchsten bisherigen Werthe,
Einsicht in das, was durch sie Ja und Nein sagte.

Drittes Buch:
Die Selbstüberwindung des Nihilismus,
Versuch, Ja zu sagen zu Allem, was bisher verneint wurde.

Viertes Buch:
Die Überwinder und die Überwundenen.
Eine Wahrsagung.

9 [165]

(115) Die Zuchtlosigkeit des modernen Geistes unter allerhand moral Aufputz:

Die Prunkworte sind:

die Toleranz (für “Unfähigkeit zu Ja und Nein”)
la largeur de sympathie = ein Drittel Indifferenz, ein Drittel Neugierde, ein Drittel krankhafte Erregbarkeit
die “Objektivität” = Mangel an Person, Mangel an Willen, Unfähigkeit zur Liebe
die “Freiheit” gegen die Regel (Romantik)
die “Wahrheit” gegen die Fälscherei und Lügnerei (naturalisme)
die “Wissenschaftlichkeit” (das “document humain”), auf deutsch der Colportage-Roman und die Addition statt der Composition
die “Leidenschaft” an Stelle der Unordnung und der Unmäßigkeit
die “Tiefe” an Stelle der Verworrenheit, des Symbolen-Wirrwarrs

ZurModernität

a) die Zuchtlosigkeit des Geistes
b) die Schauspielerei
c) die krankhafte Irritabilität (das milieu als “Fatum”)
d) die Buntheit
e) die Überarbeitung

Die günstigsten Hemmungen und Remeduren der “Modernität

1. die allgemeine Wehrpflicht mit wirklichen Kriegen, bei denen der Spaaß aufhört
2. die nationale Bornirtheit (vereinfachend, concentrirend, allerdings einstweilen auch durch Überarbeitung ausdrückend und erschöpfend)
3. die verbesserte Ernährung (Fleisch)
4. die zunehmende Reinlichkeit und Gesundheit der Wohnstätten
5. die Vorherrschaft der Physiologie über Theologen, Moralisten, Oekonomen u Politiker
6. die militärische Strenge in der Forderung und Handhabung seiner “Schuldigkeit” (man lobt nicht mehr ...)

9 [166]

(116)

Aesthetica.

 

Um Classiker zu sein, muß man

alle starken, anscheinend widerspruchsvollen Gaben und Begierden haben: aber so daß sie mit einander unter Einem Joche gehn

zur rechten Zeit kommen, um ein Genus von Litteratur oder Kunst oder Politik auf seine Höhe und Spitze zu bringen (: nicht nachdem dies schon geschehn ist ...)

einen Gesammtzustand (sei es Volk, sei es eine Cultur) in seiner tiefsten und innersten Seele widerspiegeln, zu einer Zeit, wo er noch besteht und noch nicht überfärbt ist von der Nachahmung des Fremden (oder noch abhängig ist ...)

kein reaktiver, sondern ein schließender und vorwärts führender Geist, Ja sagend in allen Fällen, selbst mit seinem Haß

“Es gehört dazu nicht der höchste persönliche Werth?” ... Vielleicht zu erwägen, ob die moral Vorurtheile hier nicht ihr Spiel spielen, und ob große moralische Höhe nicht vielleicht an sich ein Widerspruch gegen das Classische ist? ...

die Musik “mediterranisiren”: das ist meine Losung ...

Ob nicht die moralischen Monstra nothwendig Romantiker sein müssen, in Wort und That? ... Ein solches Übergewicht Eines Zuges über die anderen (wie beim moral Monstrum) steht eben der klassischen Macht im Gleichgewicht feindlich entgegen: gesetzt, man hätte diese Höhe, und wäre trotzdem Classiker, so dürfte dreist geschlossen werden, man besitze auch die Immoralität auf gleicher Höhe: dies vielleicht der Fall Shakespeare (gesetzt, daß es wirklich Lord Bacon ist:

9 [167]

(117) Das Übergewicht der Händler und Zwischenpersonen, auch im Geistigsten

der Litterat
der “Vertreter”
der Historiker (als Verquicker des Vergangenen und des Gegenwärtigen)
die Exotiker und Kosmopoliten
die Zwischenpersonen zwischen Naturwissenschaft und Philosophie
die Semi-Theologen.

9 [168]

(118)

Zur Characteristik der “Modernität.”

 

überreichliche Entwicklung der Zwischengebilde

Verkümmerung der Typen

Abbruch der Traditionen
, Schulen,

die Überherrschaft der Instinkte (nach eingetretener Schwächung der Willenskraft, des Wollens von Zweck und Mittel ...) (philosophisch vorbereitet: das Unbewußte mehr werth)

9 [169]

(119)

Schopenhauer als Nachschlag: Zustand vor der Revolution.

 

.. Mitleid, Sinnlichkeit, Kunst, Schwäche des Willens, Katholicismus der geistigsten Begierden—das ist gutes 18. Jahrhundert au fond. Schopenhauers Grundmißverständniß des Willens (wie als ob Begierde, Instinkt, Trieb das Wesentliche am Willen sei) ist typisch: Werthermüdung des Willens bis zur Verkümmerung. Insgleichen Haß gegen das Wollen; Versuch, in dem Nicht-mehr-wollen, im “Subjekt sein ohne Ziel und Absicht” (“im reinen willensfreien Subjekt”) etwas Höheres, ja das Höhere, das Werthvolle zu sehen. Großes Symptom der Ermüdung, oder der Schwäche des Willens: denn dieser ist ganz eigentlich das, was die Begierde als Herr behandelt, ihr Weg und Maaß weist ...

9 [170]

(120)

Aesthetica.

 

die moderne Falschmünzerei in den Künsten: begriffen als nothwendig, nämlich dem eigentlichsten Bedürfniß der modernen Seele gemäß

man stopft die Lücken der Begabung, noch mehr die Lücken der Erziehung, der Tradition, der Schulung aus

erstens: man sucht sich ein weniger artistisches Publikum, welches unbedingt ist in seiner Liebe (—und alsbald vor der Person niederkniet ...) Dazu dient die Superstition unseres Jahrhunderts, der Aberglaube vom “Genie” ...

zweitens: man haranguirt die dunklen Instinkte der Unbefriedigten, Ehrgeizigen, Sich-selbst-Verhüllten eines demokratischen Zeitalters: Wichtigkeit der Attitüde

drittens: man nimmt die Prozeduren der einen Kunst in die andere, vermischt die Absichten der Kunst mit denen der Erkenntniß oder der Kirche oder des Rassen-Interesses (“Nationalismus”) oder der Philosophie—man schlägt an alle Glocken auf einmal und erregt den dunklen Verdacht, daß man ein “Gott” sei

viertens: man schmeichelt dem Weibe, den Leidenden, den Empörten; man bringt auch in der Kunst narcotica und opiatica zum Übergewicht. Man kitzelt die “Gebildeten,” die Leser von Dichtern und alten Geschichten

9 [171]

(121) NB.

Die Scheidung in “Publikum” und “Coenakel”: im ersten muß man heute Charlatan sein, im zweiten will man Virtuose sein und nichts weiter! Übergreifend über diese Scheidung, unsere spezifischen “Genies” des Jahrhunderts, groß für Beides; große Charlatanerie Victor Hugo’s und R. Wagners, aber gepaart mit so viel ächtem Virtuosenthum, daß sie auch den Raffinirtesten im Sinne der Kunst selbst genug thaten

Daher der Mangel an Größe 1) sie haben eine wechselnde Optik, bald in Hinsicht auf die gröbsten Bedürfnisse, bald in Hinsicht auf die raffinirtesten

9 [172]

(122) Auf Fort Gonzaga, außerhalb von Messina.

Zur Vorrede. Zustand tiefster Besinnung. Alles gethan, um mich fern zu stellen; weder durch Liebe, noch durch Haß mehr gebunden. Wie an einer alten Festung. Spuren von Kriegen; auch von Erdbeben. Vergessen

9 [173]

(123)

Die Moral in der Werthung von Rassen und Ständen.

 

In Anbetracht, daß Affekte und Grundtriebe bei jeder Rasse und bei jedem Stande etwas von ihren Existenzbedingungen ausdrücken (—zum Mindesten von den Bedingungen, unter denen sie die längste Zeit sich durchgesetzt haben:)

: heißt verlangen, daß sie “tugendhaft” sind: daß sie ihren Charakter wechseln, aus der Haut fahren und ihre Vergangenheit auswischen.

: heißt, daß sie aufhören sollen, sich zu unterscheiden

: heißt, daß sie in Bedürfnissen und Ansprüchen sich anähnlichen sollen—deutlicher: daß sie zu Grunde gehen ...

Der Wille zu Einer Moral erweist sich somit als die Tyrannei jener Art, der diese Eine Moral auf den Leib geschnitten ist, über andere Art: es ist die Vernichtung oder die Uniformirung zu Gunsten der Herrschenden (sei es, um ihr nicht mehr furchtbar zu sein, sei es, um von ihr ausgenutzt zu werden)

“Aufhebung der Sklaverei”—angeblich ein Tribut an die “Menschenwürde,” in Wahrheit eine Vernichtung einer grundverschiedenen species (—Untergrabung ihrer Werthe und ihres Glücks—)

Worin eine gegnerische Rasse oder ein gegnerischer Stand seine Stärke hat, das wird ihm als sein Bösestes, Schlimmstes ausgelegt: denn damit schadet er uns (—seine “Tugenden” werden verleumdet und umgetauft)

Es gilt als Einwand gegen Mensch und Volk, wenn er uns schadet: aber von seinem Gesichtspunkt aus sind wir ihm erwünscht, weil wir solche sind, an denen man sich nützen kann.

Die Forderung der “Vermenschlichung” (welche ganz naiv sich im Besitz der Formel “was ist menschlich?” glaubt) ist eine Tartüfferie, unter der sich eine ganz bestimmte Art Mensch zur Herrschaft zu bringen sucht: genauer, ein ganz bestimmter Instinkt, der Heerdeninstinkt.

“Gleichheit der Menschen”: was sich verbirgt unter der Tendenz, immer mehr Menschen als Menschen gleich zu setzen.

DieInteressirtheitin Hinsicht auf die gemeine Moral (Kunstgriff: die großen Begierden Herrschsucht und Habsucht zu Protectoren der Tugend zu machen)

In wiefern alle Art Geschäftsmänner und Habsüchtige, alles, was Credit geben und in Anspruch nehmen muß, es nöthig hat, auf gleichen Charakter und gleichen Werthbegriff zu dringen: der Welthandel und -Austausch jeder Art erzwingt und kauft sich gleichsam die Tugend.

Insgleichen der Staat und jede Art Herrschsucht in Hinsicht auf Beamte und Soldaten; insgleichen die Wissenschaft, um mit Vertrauen und Sparsamkeit der Kraft zu arbeiten

Insgleichen die Priesterschaft:

— Hier wird also die gemeine Moral erzwungen, weil mit ihr ein Vortheil errungen wird; und um sie zum Sieg zu bringen, wird Krieg und Gewalt geübt gegen die Unmoralität—nach welchem “Rechte”? Nach gar keinem Rechte: sondern gemäß dem Selbsterhaltungsinstinkt. Dieselben Classen bedienen sich der Immoralität, wo sie ihnen nützt.

9 [174]

(124) die Vermehrung der Kraft trotz des zeitweiligen Niedergehens des Individuums

— ein neues Niveau zu begründen

— eine Methodik der Sammlung von Kräften, von Erhaltung kleiner Leistungen, im Gegensatz zu unökonomischer Verschwendung

— die zerstörende Natur einstweilen unterjocht zum Werkzeug dieser Zukunfts-Ökonomik

— die Erhaltung der Schwachen, weil eine ungeheure Masse kleiner Arbeit gethan werden muß

— die Erhaltung einer Gesinnung, bei der Schwachen und Leidenden die Existenz noch möglich ist

— die Solidarität als Instinkt zu pflanzen gegen den Instinkt der Furcht und der Servilität

— der Kampf mit dem Zufall, auch mit dem Zufall des “großen Menschen”

9 [175]

(125)

Das Patronat der Tugend.

 
   
Habsucht
Herrschsucht
Faulheit
Einfalt
Furcht
alle haben ein Interesse an der Sache
der Tugend: darum steht sie so fest.

9 [176]

Spinoza, von dem Goethe sagte “ich fühle mich ihm sehr nahe, obgleich sein Geist viel tiefer und reiner ist als der meinige,”—den er gelegentlich seinen Heiligen nennt.

9 [177]

(127) Den ganzen Umkreis der modernen Seele umlaufen, in jedem ihrer Winkel gesessen zu haben—mein Ehrgeiz, meine Tortur und mein Glück

Wirklich den Pessimismus überwinden—; ein Goethescher Blick voll Liebe und gutem Willen als Resultat.

NB. Mein Werk soll enthalten ein Gesammturtheil über unser Jahrhundert, über die ganze Modernität, über die erreichte “Civilisation”

9 [178]

(128)

Die drei Jahrhunderte.

 

Ihre verschiedene Sensibilität drückt sich am besten so aus:

Aristokratism Descartes,Herrschaft der Vernunft, Zeugniß von der Souverainetät des Willens
Feminism Rousseau,Herrschaft des Gefühls, Zeugniß von der Souverainetät der Sinne (verlogen)
Animalism Schopenhauer,Herrschaft der Begierde, Zeugniß von der Souverainetät der Animalität (redlicher, aber düster)

Das 17. Jahrhundert ist aristokratisch, ordnend, hochmüthig gegen das Animalische, streng gegen das Herz, “ungemüthlich,” sogar ohne Gemüth, “undeutsch,” dem Burlesken und dem Natürlichen abhold, generalisirend und souverain gegen Vergangenheit: denn es glaubt an sich. Viel Raubthier au fond, viel asketische Gewöhnung, um Herr zu bleiben. Das willensstarke Jahrhundert; auch das der starken Leidenschaft.

Das 18. Jahrhundert ist vom Weibe beherrscht, schwärmerisch, geistreich, flach, aber mit einem Geiste im Dienste der Wünschbarkeit, des Herzens, libertin im Genusse des Geistigsten, alle Autoritäten unterminirend; berauscht, heiter, klar, human, falsch vor sich, viel Canaille au fond, gesellschaftlich ...

Das 19. Jahrhundert ist animalischer, unterirdischer, häßlicher, realistischer, pöbelhafter, und ebendeshalb “besser” “ehrlicher,” vor der “Wirklichkeit” jeder Art unterwürfiger, wahrer, es ist kein Zweifel: natürlicher; aber willensschwach, aber traurig und dunkel-begehrlich, aber fatalistisch. Weder vor der “Vernunft,” noch vor dem “Herzen” in Scheu und Hochachtung; tief überzeugt von der Herrschaft der Begierde (Schopenhauer sagte “Wille”; aber nichts ist charakteristischer für seine Philosophie, als daß der “Wille” in ihr fehlt, die absurde Verleugnung des eigentlichen Wollens) Selbst die Moral auf einen Instinkt reduzirt (“Mitleid”)

A. Comte ist Fortsetzung des 18. Jahrhunderts (Herrschaft von coeur über la tête, Sensualism in der Erkenntnißtheorie, altruistische Schwärmerei)

Daß die Wissenschaft in dem Grade souverain geworden ist, das beweist, wie das 19. Jahrhundert sich von der Domination der Ideale losgemacht hat. Eine gewisse “Bedürfnißlosigkeit” im Wünschen ermöglicht uns erst unsere wissenschaftliche Neugierde und Strenge—diese unsre Art Tugend ...

Die Romantik ist Nachschlag des 18. Jahrhunderts; eine Art aufgethürmtes Verlangen nach dessen Schwärmerei großen Stils (—thatsächlich ein gut Stück Schauspielerei und Selbstbetrügerei: man wollte die starke Natur, die große Leidenschaft darstellen)

Das neunzehnte Jahrhundert sucht instinktiv nach Theorien, mit denen es seine fatalistische Unterwerfung unter das Thatsächliche gerechtfertigt fühlt. Schon Hegels Erfolg gegen die “Empfindsamkeit” und den romantischen Idealismus lag im Fatalistischen seiner Denkweise, in seinem Glauben an die größere Vernunft auf Seiten des Siegreichen, in seiner Rechtfertigung des wirklichen “Staates” (an Stelle von “Menschheit” usw.) Schopenhauer: wir sind etwas Dummes und, besten Falls, sogar etwas Sich-selbst-aufhebendes. Erfolg des Determinismus, der genealogischen Ableitung der früher als absolut geltenden Verbindlichkeiten, die Lehre vom milieu und der Anpassung, die Reduktion des Willens auf Reflexbewegungen, die Leugnung des Willens als “wirkende Ursache”; endlich—eine wirkliche Umtaufung: man sieht so wenig Wille, daß das Wort frei wird, um etwas Anderes zu bezeichnen.

Weitere Theorien: die Lehre von der objektiven, “willenslosen” Betrachtung, als einzigen Wegs zur Wahrheit; auch zur Schönheit; der Mechanismus, die ausrechenbare Starrheit des mechanischen Prozesses; der angebliche “naturalisme,” Elimination des wählenden richtenden, interpretirenden Subjekts als Princip — Auch der Glaube an das “Genie,” um ein Recht auf Unterwerfung zu haben

Kant, mit seiner “praktischen Vernunft,” mit seinem Moral-Fanatism ist ganz 18. Jahrhundert; noch völlig außerhalb der historischen Bewegung; ohne jeden Blick für die Wirklichkeit seiner Zeit z.B. Revolution; unberührt von der griechischen Philosophie; Phantast des Pflichtbegriffs; Sensualist; mit dem Hinterhang der dogmatischen Verwöhnung—die Rückbewegung auf Kant in unserem Jahrhundert ist eine Rückbewegung zum 18. Jahrhundert: man will sich ein Recht wieder auf die alten Ideale und die alte Schwärmerei verschaffen,—darum eine Erkenntnißtheorie, welche “Grenzen setzt,” d.h. erlaubt, ein Jenseits der Vernunft nach Belieben anzusetzen ...

Die Denkweise Hegels ist von der Goetheschen nicht sehr entfernt: man höre Goethe über Spinoza. Wille zur Vergöttlichung des Alls und des Lebens, um in seinem Anschauen und Ergründen Ruhe und Glück zu finden; Hegel sucht Vernunft überall,—vor der Vernunft darf man sich ergeben und bescheiden. Bei Goethe eine Art von fast freudigem und vertrauendem Fatalismus, der nicht revoltirt, der nicht ermattet, der aus sich eine Totalität zu bilden sucht, im Glauben, daß erst in der Totalität Alles sich erlöst, als gut und gerechtfertigt erscheint.

Goethe sein 18. Jahrhundert in sich findend und bekämpfend: die Gefühlsamkeit, die Naturschwärmerei, das Unhistorische, das Idealistische, das Unpraktische und Unreale des Revolutionären; er nimmt die Historie, die Naturwissenschaft, die Antike zu Hülfe, insgleichen Spinoza (als höchsten Realisten); vor allem die praktische Thätigkeit mit lauter ganz festen Horizonten; er separirt sich nicht vom Leben; er ist nicht zaghaft und nimmt soviel als möglich auf sich, über sich, in sich,—er will Totalität, er bekämpft das Auseinander von Vernunft, Sinnlichkeit, Gefühl, Wille, er disciplinirt sich, er bildet sich ... er sagt Ja zu allen großen Realisten (Napoleon—Goethes höchstes Erlebniß)

9 [179]

(129) Goethe: ein großartiger Versuch, das 18. Jahrhundert zu überwinden (Rückkehr zu einer Art Renaissance-Mensch), eine Art Selbstüberwindung von Seiten dieses Jahrhunderts: er hat dessen stärkste Triebe in sich entfesselt und zur Consequenz getrieben. Aber was er für seine Person erreichte, war nicht unser 19. Jahrhundert ...

— er concipirt einen hoch gebildeten, sich selbst im Zaum habenden, vor sich selbst ehrfürchtigen Menschen, der sich den ganzen Reichthum der Seele und der Natürlichkeit (bis zum Burlesken und Buffonesken) zu gönnen wagen darf, weil er stark genug dazu ist; den Menschen der Toleranz nicht aus Schwäche, sondern aus Stärke, weil er das, woran die durchschnittliche Natur zu Grunde geht, zu seiner Förderung zu gebrauchen weiß, den umfänglichsten, aber darum nicht chaotischen Menschen. Sein Complement ist Napoleon (im kleinerem Maaße Friedrich der Grosse), der ebenfalls den Kampf gegen das 18. Jahrhundert übernimmt.

NB In einem gewissen Sinn hat das 19. Jahrhundert alles das auch erstrebt, was Goethe für sich gethan hat: eine Universalität des Verstehens, Gutheißens, An-sich-herankommen-lassens ist ihm zu eigen; ein verwegener Realismus, eine Ehrfurcht vor den Thatsachen—wie kommt es, daß das Gesammtresultat kein Goethe, sondern ein Chaos ist, ein Nihilismus, eine Erfolglosigkeit, welche fortwährend wieder zum 18. Jahrhundert zurückgreifen lehrt (z.B. als Romantik, als Altruismus, als Femininismus, als Natural)

9 [180]

(130) Händel, Leibnitz, Goethe, Bismarck—für die deutsche starke Art charakteristisch. Unbedenklich zwischen Gegensätzen lebend, voll jener geschmeidigen Stärke, welche sich vor Überzeugungen und Doktrinen hütet, indem sie eine gegen die andere benutzt und sich selber die Freiheit vorbehält.

9 [181]

(131) ein Systematiker, ein Philosoph, der seinem Geiste nicht länger mehr zugestehen will, daß er lebt, daß er wie ein Baum mächtig u breit und unersättlich um sich greift, der schlechterdings keine Ruhe kennt, bis er aus ihm etwas Lebloses, etwas Hölzernes, eine viereckige Dummheit, ein “System” herausgeschnitzt hat —

9 [182]

(132) “ohne den christlichen Glauben,” meinte Pascal, “werdet ihr euch selbst, ebenso wie die Natur und die Geschichte, un monstre et un chaos.” Diese Prophezeiung haben wir erfüllt: nachdem das schwächlich-optimistische 18. Jahrhundert den Menschen verhübscht und verrationalisirt hatte

Schopenhauer und Pascal: in einem wesentlichen Sinn ist Schopenhauer der Erste, der die Bewegung Pascals wieder aufnimmt: un monstre et un chaos, folglich etwas, das zu verneinen ist ... Geschichte, Natur, der Mensch selbst!

unsre Unfähigkeit, die Wahrheit zu erkennen, ist die Folge unsrer Verderbniß, unsres moralischen Abfalls: so Pascal. Und so im Grunde Schopenhauer. “Um so tiefer die Verderbniß der Vernunft, um so nothwendiger die Heilslehre”—oder, Schopenhauerisch gesprochen, die Verneinung

9 [183]

(133) das 17. Jahrhundert leidet am Menschen wie an einer Summe von Widersprüchen, “l’amas de contradictions,” der wir sind
Schop sucht den Menschen zu entdecken, zu ordnen, auszugraben: während das 18. Jahrhundert zu vergessen sucht, was man von der Natur des Menschen weiß, um ihn an seine Utopie anzupassen. “oberflächlich, weich, human”—schwärmt für “den Menschen” —

Das 17. Jahrhundert sucht die Spuren des Individuums auszuwischen, damit das Werk dem Leben so ähnlich als möglich sehe. Das 18. sucht durch das Werk für den Autor zu interessiren.

Das 17. Jahrhundert sucht in der Kunst Kunst, ein Stück Cultur; das 18. treibt mit der Kunst Propaganda für Reformen socialer und politischer Natur.



Die “Utopie,” der “ideale Mensch,” die Natur-Angöttlichung, die Eitelkeit des Sich-in-Scene-setzens, die Unterordnung unter die Propaganda socialer Ziele, die Charlatanerie—das haben wir vom 18. Jahrhundert.



Der Stil des 17. Jahrhunderts: propre, exact et libre



das starke Individuum, sich selbst genügend oder vor Gott in eifriger Bemühung—und jene moderne Autoren-Zudringlichkeit und Zuspringlichkeit, — das sind Gegensätze. “Sich-produziren”—damit vergleiche man die Gelehrten von Port-Royal.



Alfieri hatte einen Sinn für großen Styl



der Haß gegen das Burleske (Würdelose), der Mangel an Natursinn gehört zum 17. Jahrhundert.

9 [184]

(134) Rousseau:die Regel gründend auf das Gefühl
 die Natur als Quelle der Gerechtigkeit
 der Mensch vervollkommnet sich in dem Maaße, in dem er sich der Natur nähert

(nach Voltaire, in dem Maaße, in dem er sich von der Natur entfernt

dieselben Epochen für den Einen die des Fortschritts der Humanität, für den Anderen Zeiten der Verschlimmerung von Ungerechtigkeit und Ungleichheit

Voltaire noch die humanità im Sinne der Renaissance begreifend, insgleichen die virtù (als “hohe Cultur”), er kämpft für die Sache der honnêtes gens und de la bonne compagnie, die Sache des Geschmacks, der Wissenschaft, der Künste, die Sache des Fortschritts selbst und der Civilisation.

Der Kampf gegen 1760 entbrannt: der Genfer Bürger und le seigneur de Tourney. Erst von da an wird Voltaire der Mann seines Jahrhunderts, der Philosoph, der Vertreter der Toleranz und der Pfeifer des Unlaubens (bis dahin nur un bel esprit) Der Neid und der Haß auf Rousseaus Erfolg trieb ihn vorwärts, “in die Höhe” —

— Pour “la canaille” un dieu remunerateur et vengeur—Voltaire.

Kritik beider Standpunkte in Hinsicht auf den Werth der Civilisation.

die social Erfindung die schönste, die es giebt für Voltaire, es giebt kein höheres Ziel als sie zu unterhalten und zu vervollkommnen; eben das ist die honnêteté, die socialen Gebräuche zu achten; Tugend ein Gehorsam gegen gewisse nothwendige “Vorurtheile” zu Gunsten der Erhaltung der “Gesellschaft.”

Cultur-Missionär, Aristokrat, Vertreter der siegreichen herrschenden Stände und ihrer Werthungen. Aber Rousseau blieb Plebejer, auch als homme de lettres, das war unerhört; seine unverschämte Verachtung alles dessen, was nicht er selbst war.

Das Krankhafte an Rousseau am meisten bewundert und nachgeahmt. (Lord Byron verwandt; auch sich zu erhabenen Attitüden aufschraubend, zum rancunösen Groll; Zeichen der “Gemeinheit”; später, durch Venedig ins Gleichgewicht gebracht, begriff er, was mehr erleichtert und wohlthut, ... l’insouciance)

er ist stolz in Hinsicht auf das, was er ist, trotz seiner Herkunft; aber er geräth außer sich, wenn man ihn daran erinnert ...

Bei Rousseau unzweifelhaft die Geistesstörung, bei Voltaire eine ungewöhnliche Gesundheit und Leichtigkeit. Die Rancune des Kranken; die Zeiten seines Irrsinns auch die seiner Menschenverachtung, und seines Mißtrauens.

Die Vertheidigung der Providenz durch Rousseau (gegen den Pessismismus Voltaires): er brauchte Gott, um den Fluch auf die Gesellschaft und die Civilisation werfen zu können; alles mußte an sich gut sein, da Gott es geschaffen; nur der Mensch hat den Menschen verdorben. Der “gute Mensch” als Naturmensch war eine reine Phantasie; aber mit dem Dogma von der Autorschaft Gottes etwas Wahrscheinliches und Begründetes.

Wirkung Rousseaus:

die Narrheit zur Größe gerechnet, Romantik (erstes Beispiel nicht stärkstes)
“das souveraine Recht der Passion”
“die monstruöse Erweiterung des “ich”
“das Naturgefühl”
“in der Politik hat man seit 100 Jahren einen Kranken als Führer genommen”

Romantik á la Rousseau

die Leidenschaft,
die “Natürlichkeit”
die Fascination der Verrücktheit
die Pöbel-Rancune als Richterin
die unsinnige Eitelkeit der Schwachen

9 [185]

(135) Die unerledigten Probleme, die ich neu stelle:

das Problem der Civilisation, der Kampf zwischen Rousseau und Voltaire um 1760

der Mensch wird tiefer, mißtrauischer, “unmoralischer,” stärker, sich-selbst-vertrauender—und insofern “natürlicher”—das ist “Fortschritt”

(dabei legen sich, durch eine Art von Arbeitstheilung, die verböserten Schichten und die gemilderten, gezähmten aus einander: so daß die Gesammtthatsache nicht ohne Weiteres in die Augen springt.) ... Es gehört zur Stärke, zur Selbstbeherrschung und Fascination der Stärke, daß diese stärkeren Schichten die Kunst besitzen, ihre Verböserung als etwas Höheres empfinden zu machen. Zu jedem “Fortschritt” gehört eine Umdeutung der verstärkten Elemente ins “Gute” (d.h.

9 [186]

(136) Das Problem des 19. Jahrhunderts. Ob seine starke und schwache Seite zu einander gehören? Ob es aus Einem Holze geschnitzt ist? Ob die Verschiedenheit seiner Ideale, deren Widerspruch in einem höheren Zwecke bedingt sind, als etwas Höheres?— Denn es könnte die Vorbestimmung zur Größe sein, in diesem Maaße, in heftiger Spannung zu wachsen. Die Unzufriedenheit, der Nihilism könnte ein gutes Zeichen sein.

9 [187]

Beyle geboren 23 Januar 1783

9 [188]

Ein Buch zum Denken, nichts weiter: es gehört Denen, welchen Denken Vergnügen macht, nichts weiter ...

Daß es Deutsch geschrieben ist, ist zum Mindesten unzeitgemäß: ich wünschte es französisch geschrieben zu haben, damit es nicht als Befürwortung irgend welcher reichsdeutschen Aspirationen erscheint.



Bücher zum Denken,—sie gehören denen, welchen Denken Vergnügen macht, nichts weiter ... Die D von Heute sind keine Denker mehr: ihnen macht etwas Anderes Vergnügen und Eindruck. Der  Wille  zur  Macht  als  Princip  wäre  ihnen  schr  verständlich  ... Ebendarum  wünschte ich meinen Z nicht deutsch geschrieben zu haben



Ich mißtraue allen Systemen und Systematikern und gehe ihnen aus dem Wege: vielleicht entdeckt man noch hinter diesem Buche das System, dem ich ausgewichen bin ...

Der Wille zum System: bei einem Philosophen moralisch ausgedrückt eine feinere Verdorbenheit, eine Charakter-Krankheit, unmoralisch ausgedrückt, sein Wille, sich dümmer zu stellen als man ist—Dümmer, das heißt: stärker, einfacher, gebietender, ungebildeter, commandirender, tyrannischer ...



Ich achte die Leser nicht mehr: wie könnte ich für Leser schreiben? ... Aber ich notire mich, für mich.

9 [189]

gerade unter Deutschen wird heute am wenigsten gedacht. Aber wer weiß! schon in zwei Geschlechtern wird man das Opfer der nationalen Macht-Vergeudung, die Verdummung nicht mehr nöthig haben.

9 [190]

Ich lese Zarathustra: aber wie konnte ich dergestalt meine Perlen vor die Deutschen werfen!

12, 9[1-190] Herbst 1887

9 [1]

Принципы и предварительные соображения.

 1.К истории европейского нигилизма.
Необходимое следствие прежних идеалов: абсолютное отсутствие ценностей.
 2.Учение о вечном возвращении: его завершение, его кризис.
(1)3.Все это развитие философии как история развития воли к истине. Проблематичность этой воли для себя самой. Социальные ценностные эмоции раздуты до абсолютных ценностных принципов.
(2)4.Проблема жизни: как воля к власти. (Временное преобладание социальных ценностных эмоций понятно и полезно: тут речь идет о воздвижении фундамента, на котором станет, наконец, возможен какой-то более сильный вид.) Мерило силы: быть способным на жизнь в условиях перевернутых форм высокопочитания, вечно желая, чтобы они таковыми и остались. Государство и общество как фундамент: всемирно-экономическая точка зрения, воспитание как выведение породы.

9 [2]

(3) Критика доброго человека. (Не гипокризии:— это служило мне самое большее увеселением и отдохновением) Прежняя борьба с ужасными аффектами, их ослабление, подавление — мораль как самоумаление.

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(4) Кант: делает теоретико-познавательный скептицизм англичан терпимым для немцев

1) направляя на него интерес моральных и религиозных потребностей немцев (так же как по тем же причинам поздние академики использовали скепсис, тем самым подготавливая платонизм Августина; так же как Паскаль использовал даже моралистический скепсис, чтобы подбодрить («оправдать») потребность в вере

2) украсив его схоластическими вычурными завитушками и тем самым сделав его приемлемым для немецкого вкуса в области научной формы (ведь Локк и Юм сами по себе были чересчур понятны, чересчур ясны, то есть, если судить по немецкому ощущению ценности, «чересчур поверхностны» —)

Кант: неважный психолог и знаток людей; грубо ошибался в отношении великих исторических ценностей (Франц. револ.); фанатик морали à la Руссо с подпольным христианством в вопросе ценностей; догматик вдоль и поперек, но склонность эта выражалась у него с какою-то неуклюжей пресыщенностью самой собою — вплоть до желания подчинить ее себе насилием, однако он тотчас утомлялся и в скепсисе; до него еще не донеслось ни единое веяние космополитического вкуса и античной красоты ... он — замедлитель и посредник, лишенный всякой оригинальности

(—как Лейбниц между механикой и спиритуализмом

как Гёте между вкусом XVIII столетия и чувством «истории» (—каковое, в сущности, есть чувство экзотики)

как немецкая музыка между французской и итальянской музыкой

как Карл Великий между imperium Romanum и национализмом.

посредничал, наводил мосты,—замедлитель par excellence.

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К заключению: «того, кто наставлял меня не раз»

come l’uom s’eterna ...

(Inf. XV, 85)

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(5) К характеристике национального гения — в отношении всего чужеродного и заимствованного.

английский гений огрубляет и натурализирует все, что бы ни воспринял

французский утончает, упрощает, логизирует, украшает.

немецкий затушевывает, посредничает, запутывает, пропитывает моралью.

итальянский во многом употреблял заимствованное свободнее и тоньше и вкладывал в него во сто крат больше, нежели извлекал — будучи гением наиболее щедрым, по большей части раздарившим всё, чем владел.

9 [6]

(6)

К эстетике

 
   
Чувственность


опьянение
образы жизни возвышенной,
победоносной
и ее просветляющая
сила: так что в вещи привносится
некоторая степень совершенства

И наоборот: там, где красота являет себя совершенству, — благодаря древнему родству — приходит в волнение и мир чувственности и опьянения. Поэтому в религиозное ощущение блаженства входит и чувственность с опьянением.

Чувственная возбудимость художников в существенных чертах подобна этому.

«прекрасное» воспламеняет ощущение наслаждения; вспомним о просветляющей силе «любви». А разве, с другой стороны, не должно просветленное и совершенное в свой черед мягко возбуждать чувственность, так что жизнь становится отрадой? —

9 [7]

(7) Есть в духовности избыточная сила, ставящая перед собою новые цели; вовсе не просто командует и ведет за собою низший мир или руководит самосохранением организма, «индивида». Мы — нечто большее, чем индивидуум, мы — это целая цепь, да еще нагружены задачами всего будущего этой цепи

9 [8]

К плану.

Вместо моральных ценностей — исключительно ценности натуралистические. Натурализация морали.

Вместо «социологии» — некоторое учение о структурах господства

Вместо «теории познания» — некоторое учение о перспективе аффектов (в него войдет и некоторая иерархия

пресуществленные аффекты: их более высокий чин, их «интеллектуальность».

Вместо метафизики и религии — учение о вечном возвращении (оно послужит средством для выведения породы и отбора).

(8) «Бог» как кульминационный момент: бытие — какое-то вечное обожествление и разбожествление. Но в этом — не высшая точка ценности, а только высшие точки власти

Абсолютное исключение механизма и вещества: то и другое — лишь формы выражения более низких ступеней, наиболее бездуховная форма («воли к власти»).

Оглупление мира как цель — в русле воли к власти, придающей элементам столько независимости друг от друга, сколько лишь возможно: красота как признак того, что победитель вжился в свою роль и изнежился; уродство — выражение многочисленных поражений (в самом организме). Никакой наследственности! Цепь растет как единое целое —

Спуск от высшей точки становления (от высочайшего одухотворения власти на основе самого откровенного рабства) надобно изобразить как следствие этой верховной силы, каковая, обратившись против самой себя, когда ей уже нечего организовывать, применяет свою силу для дезорганизации ...

а) все более масштабное поражение обществ и их закабаление немногочисленными, но более сильными людьми.

b) все более масштабное поражение привилегированных и сильнейших и, следовательно, пришествие демократии, а в конце концов и анархия элементов.

9 [9]

Современная музыка.
Полемическое сочинение
Ф. Н.

9 [10]

Второе полемическое сочинение

Стадная оптика как мораль.
Среди моралистов и философов морали.
Расчет с моралью.

что привнесла в мораль разница между
сословиями?
что — аскетический идеал?
что — стадо?
что — философы?
что — хищные

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Среди моралистов.— Великие философы морали. Мораль как злой гений прежних философов.

Руссо. Кант. Гегель. Шопенгауэр. Лихтенберг. Гёте.
Б. Грасиан. Макиавелли. Галиани. Монтень. Паскаль.
Карлейль. Дж. Элиот. Г. Спенсер.
Сент-Бёв. Ренан. Гонкуры. Стендаль. Наполеон.
Платон. Эпиктет. Эпикур. Сенека. Марк Аврелий.

9 [12]

(9) Оффенбах: французская музыка, с ее вольтеровским духом, вольная, задорная, с легкой сардоническою ухмылкой, но ясная, остроумная до банальности (— он ничего не приукрашивает—), однако лишенная этой жеманной, болезненной или белокуро-венской чувственности

9 [13]

Ценности

«Ценность жизни»: но жизнь — это частный случай, и надлежит оправдать все бытие, а не одну только жизнь, — оправдательный же принцип — такой, который объясняет жизнь ...

сама жизнь — вовсе не средство для достижения чего-нибудь; она — выражение форм роста власти.



— Впредь мы не должны превращать «желаемое» в судью над бытием!

— конечные формы нашего развития (к примеру, дух) мы не должны, как делали это доселе, помещать за спиною этого развития, как будто они — нечто существующее «само по себе»

9 [14]

Заключительная глава: последнее из желаемых.

Заключение книги (как жизни, как самой мудрости): глубоко и соблазнительно.

9 [15]

(10) Что Тертуллиан говорит об ангелах зла, можно сказать и о жрецах-аскетах.

Тертуллиан (Апологетик, гл. 22) об ангелах зла: «Во врачевании недугов они — истинные кудесники. Поначалу-то они мучают; потом же выписывают средства, на удивление новые и губительные: но люди тем не менее верят, будто они помогли, потому лишь, что мучения их прекратились».

9 [16]

(11) «Не судите, да не судимы будете» Презренно это «да». Неблагородно ...

1) тот, у кого есть право суда, тем самым попросту не признает за другими такого же права судить нас ...

2) неприятные последствия для того, кто создан, чтобы решать какую-нибудь задачу, не принимаются в соображение как контраргументы в отношении этой задачи: при иных обстоятельствах они могут сыграть роль стимулов.

Нет ничего более безрассудного, чем требовать от морали непосильного (скажем, необходимости возлюбить врагов своих): это равнозначно изгнанию из морали разума ... изгнанию из морали природы



Я совершенно убежден: ценности ощущаются сверху и снизу по-разному; низшим не хватает богатого опыта, а превратное понимание низшими высших — неизбежно.

9 [17]

(12) Умаление человека долго еще будет почитаться единственной целью: ведь сперва надо создать широкий фундамент, дабы на него смогла стать порода более сильных людей, — в этом смысле доселе всякая усиленная порода людей опиралась на нижестоящий человеческий уровень

9 [18]

(13) Война против христианского идеала, против учения о «блаженстве» и спасении как цели жизни, против супрематии простецов, чистых душ, страждущих и неудачников и т. д. (— что нам за дело до Бога, до веры в Бога! «Бог» ныне — просто изжеванное слово, даже не понятие!) Но, как Вольтер на смертном ложе: «не говорите мне тут об этом человеке!»



Когда и где человек, о котором вообще стоило бы говорить, выглядел похожим на этот христианский идеал? По крайней мере — для глаз, подобающих психологу и знатоку человеческих душ? — Переберите-ка всех героев Плутарха.

9 [19]

(14) Франциск Ассизский: влюбленный, популярный в народе, поэт, борется против аристократии и иерархии душ в пользу самых низов.

9 [20]

(15) Сократ: борется против благородных инстинктов — на плебейский лад (против искусства, но образцово-научно. Поиздеваться над дающим маху инстинктом Ренана, сваливающим в одну кучу noblesse и науку.)

Наука и демократия — в одной лодке (что бы там ни говорил мсье Ренан) так же верно, как искусство и «хорошее общество».

9 [21]

(16)

К чести пороков:

 
греческая культура и педерастия
немецкая музыка и алкоголизм
наука и
мстительность  

9 [22]

(17) Примеры величайшей лжи в истории:

будто бы дорогу христианству проложила испорченность язычества! А ведь это было ослабление и омораливание античного человека! И им уже предшествовало перетолкование естественных влечений как пороков!

— будто бы испорченность церкви была причиною Реформации; < а на самом деле — это> лишь предлог, ложь перед собою со стороны ее агитаторов — то были сильные потребности, грубость которых весьма нуждалась в некоей духовной маскировке

9 [23]

(18) лживое истолкование слов, жестов и состояний умирающих: тут, к примеру, страх перед смертью принципиально подменяется страхом перед тем, что «после смерти» ...

9 [24]

imitation как книга совращения (у Конта)

9 [25]

вот они, четыре великих демократа: Сократ, Христос, Лютер, Руссо

9 [26]

(19) против ценности вечно неизменного (ср. наивность Спинозы, равно как и Декарта) — ценность самого эфемерного и преходящего, соблазнительный золотой блеск на чреве змеи vita —

9 [27]

(20) Замена морали стремлением к нашим целям, а стало быть, и к средствам их достижения.



категорического императива — императивом природным



Не стремиться к хвале: человек делает то, что полезно, или доставляет удовольствие, или что нужно делать.

9 [28]

(21) Величайшие фальсификации психологов:

1) человек стремится к счастью
2) мораль — единственный способ достижения счастья
пресное и пустое понятие христианского «блаженства»

9 [29]

(22) Абсолютное отсутствие инстинкта у мсье Ренана, сваливающего в одну кучу noblesse и науку. Наука — глубоко демократична и антиолигархична.

9 [30]

(23)

Исправление понятия

 

Эгоизм. Стоит только уразуметь, что «индивидуум» — заблуждение, что, напротив, любое отдельное существо — прямой представитель именно процесса в целом (и не просто «наследственно», а он сам ...), как это отдельное существо приобретает неизмеримо большую важность. Инстинкт проявляется в нем совершенно правильно; а где этот инстинкт хиреет (—где индивидуум ищет свою ценность лишь в служении другим), там можно с уверенностью делать вывод об истощении и вырождении. Альтруизм во взглядах, принципиальный и неханжеский, — это инстинкт, повелевающий раздобывать себе по меньшей мере какую-то вторую ценность, которая служила бы эгоизму других. Правда, этот альтруизм по большей части — мнимый: он представляет собою обходной путь для сохранения собственного жизнеощущения, ощущения ценности—

9 [31]

(24) В философии, словно на поле сражения, речь идет

— внутренние линии —

9 [32]

кто не был причастен к отвратительному обскурантизму байрейтцев

9 [33]

(25) отсутствие дисциплины: в будущем понадобится много аскезы для укрепления воли, для добровольного отказа себе во всем

9 [34]

(26) Рабочим надо было научиться чувствовать себя солдатами. Гонорар, жалованье – но не поденная плата! Никакой связи между оплатою и результатом труда! А надо поставить каждого индивида, смотря по его породе, в такие условия, чтобы в своем ремесле он смог достичь наивысшей выработки.

9 [35]

(27) 1. Нигилизм — состояние нормальное. Нигилизм: никакой цели нет; нет никакого ответа на вопрос: «для чего?»; что означает нигилизм? — что высшие ценности обесцениваются.

В нем заложено два смысла:

A)) Нигилизм — признак усиливающейся власти ума: это нигилизм активный.

Его можно понимать как признак силы: энергия ума может возрасти до такой степени, что прежние цели («убеждения», догматы веры) становятся несоизмеримы с нею

— ведь вера в общих чертах выражает принудительность условий существования, подчинение авторитету отношений, среди которых живое существо процветает, растет, приобретает власть ...

С другой стороны, это — признак силы, не достаточной, чтобы продуктивно установить-таки для себя новую цель, новое предназначение, новую веру.

Максимума своей соотносительной силы он достигает в виде насилия, разрушения: в виде активного нигилизма. Его противоположность — нигилизм утомленный, прекративший свои атаки: и самая известная его форма — буддизм; это нигилизм пассивный.

Нигилизм представляет собою некое патологическое промежуточное состояние (патологично тут это чудовищное обобщение — вывод об отсутствии смысла вообще): все равно, потому ли, что продуктивные силы еще не достаточны, потому ли, что декаданс медлит, так и не найдя, чем себе помочь.

B)) Нигилизм как упадок и регресс власти духа: пассивный нигилизм

это — признак слабости: сила духа может утомиться, истощиться до того, что прежние цели и ценности перестают ей соответствовать, и веры им больше нет — что разрушается синтетическое единство ценностей и целей (на котором строится всякая сильная культура), а отдельные ценности начинают друг с другом воевать: разложение

что все услаждающее, исцеляющее, успокоительное, одурманивающее выходит на передний план в различных облачениях — религиозных, или моральных, или политических, или эстетических и т.д.

2. Предпосылка этой гипотезы

Что не бывает никакой истины, никакого абсолютного характера вещей, никакой «вещи самой по себе»

это уже точно нигилизм, да еще в самом крайнем проявлении. Он видит ценность вещей как раз в том, что этой ценности не соответствует и не соответствовала никакая реальность, что это лишь симптом силы того, кто ее устанавливает, упрощение в интересах жизни

9 [36]

воля к истине как воля к власти

9 [37]

сущность суждения (утверждающая).

9 [38]

(28) форма наделения ценностью «я думаю, что такая-то
вещь такова» как сущность «истины»

в формах наделения ценностью выражаются условия самосохранения и процветания

все наши познающие органы и познающие чувства развились только в связи с условиями самосохранения и роста

доверие к разуму и его категориям, к диалектике, — стало быть, почтение к логике доказывает лишь ее доказанную уже опытом полезность для жизни: а вовсе не ее «истинность».



Огромная нужна вера, чтобы произнести суждение,
чтобы сомнения в отношении всех главнейших ценностей не было: —

вот предпосылка всего живого и его жизни. Значит,
необходимо, чтобы нечто обязательно считалось истинным, а вовсе не то, чтобы оно было истинным.

«мир истинный и мир видимый» — эту противоположность я возвожу к ценностным отношениям

мы проецировали условия нашего сохранения в качестве предикатов бытия вообще

наша вера должна быть неколебимой ради нашего преуспеяния: из этого мы заключили, что мир «истинный» —
не изменчивый и подверженный становлению, а мир, наделенный бытием.

9 [39]

(29) ценности и их изменение – то и другое соотносится с приростом власти того, кто их полагает

степень неверия, свойственного допустимой «свободе мысли», как выражение прироста власти

«нигилизм» как идеал высочайшей мощи духа, преизбытка жизни: наполовину разрушительный, наполовину иронический

9 [40]

(30) Что у вещей есть какой-то характер сам по себе, взятый в отрыве от интерпретации и субъективности,— это гипотеза вполне праздная: ее предпосылка — то, что интерпретирование и субъективность не важны и что вещь, избавленная ото всех связей,— это все еще вещь. Напротив: этот мнимо объективный характер вещей — разве нельзя его свести к какой-то простой шкале в сфере субъективного? — так что, скажем, то, что изменяется медленно, предстало чем-то «объективно» неизменным, сущим, бывающим «само по себе»

— так что объективное окажется тогда всего-навсего неправильно образованным видовым понятием и определенной противоположностью внутри сферы субъективного?

9 [41]

(31) Что такое вера? Как она возникает? Любая вера — это принятие чего-то за истину.

Самою крайней формой нигилизма было бы вот что: что любая вера, любое принятие за истину ложны с неизбежностью — поскольку мира истинного вообще не бывает. Стало быть: некая образованная перспективою видимость, коренящаяся в нас (поскольку мы постоянно нуждаемся в мире суженном, сокращенном, упрощенном)

— «и надо думать, что меру нашей силы составляет то, насколько мы в состоянии признаться себе в этой видимости, в неизбежности лжи, но от этого отнюдь не погибнуть.

Поэтому нигилизм, будучи отрицанием некоего истинного мира, некоего бытия, мог бы стать божественным образом мышления:

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(32) Около 1876 года я стал бояться, что все мои прежние намерения будут выглядеть скомпрометированными, как только понял, куда клонится дело с Вагнером: я ведь был очень к нему привязан — всеми узами глубочайшего единства потребностей, благодарностью, незаменимостью и безусловной нуждою в нем, которую я куда как осознавал.

В это же время мне казалось, будто я — словно скованный по рукам и ногам узник своей филологии и преподавательской работы — случайного оборота и паллиатива моей жизни: я уж и не чаял, как выйти из положения, и чувствовал себя утомленным, выжатым как лимон и конченым человеком.

В это же время я понял, что инстинкт склонял меня к тому, что противоположно Шопенгауэру: к оправданию жизни, даже тогда, когда она кажет свои самые страшные, самые двусмысленные и самые лживые стороны, — для этого дела в моих руках была формула «дионисийского».

(— Шопенгауэрова интерпретация «само-по-себейности» как воли была важным шагом в сравнении с пониманием «само-по-себейности вещей» как необходимо благой, блаженной, истинной, единой: только он не догадался эту волю обожествить — застряв в морально-христианском идеале.

Шопенгауэр еще столь полно подчинялся христианским ценностям, что теперь, когда вещь сама по себе перестала быть для него «Богом», она поневоле оказалась у него скверной, тупой, совершенно предосудительной. Он не понял, что может иметься бесконечное множество видов того, что в состоянии быть и другим, даже быть Богом.

Проклятье этой тупой дилеммы: добро и зло.

9 [43]

(33) Вопрос нигилизма «зачем?» исходит из прежней привычки, в силу которой цель казалась поставленной, заданной, затребованной извне — а именно, каким-то сверхчеловеческим авторитетом. Разуверившись в нем, по старой привычке все еще продолжают искать какой-нибудь другой авторитет, который умел бы вещать нечто беспрекословное и издавать приказы о целях и задачах. Теперь в первый ряд выходит авторитет совести (чем дальше заходит эмансипация от теологии, тем более императивною становится мораль); это — в возмещение ущерба за потерю авторитета личности. Или авторитет разума. Или же социальный инстинкт (стадо). Или история с неким имманентным ей духом, цель которой заключена в ней самой, так что можно просто на нее положиться. Появляется желание избежать волевых усилий, стремления к цели, риска, связанного с самостоятельным выбором цели; появляется желание свалить с себя ответственность (— чреватое признанием фатализма). И вот, наконец, — блаженство, а выражаясь с некоторым лицемерием — блаженство для большинства.

индивидуальные цели и их конфликт

коллективные цели в борьбе с индивидуальными

Всякий принимает в этом пристрастное участие, в том числе и философы.

При этом говорят себе1) какая-то определенная цель вовсе не нужна
 2) предвидеть что-либо — дело совершенно несбыточное

И как раз сейчас, когда так нужно величайшее напряжение воли, она немощней и малодушней, чем когда бы то ни было.

Абсолютное недоверие к организующей способности воли в отношении целого.



Пришла пора, когда на первый план чередою выходят «интуитивные почитания», словно от них можно получить указания, которых иначе мы были бы лишены.

— «для чего?» ответ на этот вопрос запрашивается у
1) совести
2) стремления к счастью
3) «социального инстинкта» (стада)
4) разума («духа»)
— только для того, чтобы не проявлять волю, чтобы не спрашивать себя «для чего?»
5) наконец: у фатализма — «нет никакого ответа», но «все куда-то идет», и «нельзя хотеть на вопрос «для чего?»», а отсюда покорность ... или бунт ... Агностицизм в отношении цели
6) наконец, у отрицания как предназначения жизни; жизнь понимает себя как лишенную ценности и в конце концов себя упраздняет.

9 [44]

третьему разысканию)

(34) Решающая позиция: не следует видеть задачу высшего типа в руководстве низшим (как это делает, скажем, Конт—) а низший надо рассматривать как базис, на котором высший тип живет для выполнения своей собственной задачи,—только на этом базисе он и может держаться.

Условия, при которых сохраняется сильный и благородный тип (в отношении дисциплины духа), совершенно противоположны тем, в коих живут «индустриальные массы» лавочников à la Спенсер.

То, что дозволяется лишь натурам сильнейшим и плодотворнейшим, чтобы они вообще могли существовать,—праздность, авантюризм, неверие, даже распутство,—неизбежно погубило бы натуры более умеренные, если бы было дозволено им, да так оно на самом деле и бывает. Тут уместны трудолюбие, любовь к порядку, умеренность, твердые «убеждения» — короче говоря, стадные добродетели: соблюдая их, этот средний тип людей может достичь своего совершенства.

Причины нигилизма:

1) отсутствие высшего типа, то есть тех, чья неисчерпаемая продуктивность и власть поддерживают веру в человека. (Поразмыслим о том, чем мы обязаны Наполеону: да почти что всеми возвышенными надеждами этого столетия.)

2) низший тип — «стадо», «масса», «общество» — забывая о скромности, раздувает свои потребности до масштабов космических и метафизических ценностей. Этим вульгаризируется вся жизнь: ведь масса, господствуя, тиранит людей исключительных, и те утрачивают веру в себя, превращаясь в нигилистов.

Все попытки выдумать более высокие типы терпели крах («романтизм», художник, философ,— вопреки попытке Карлейля вложить в них высшие моральные ценности).

Итог — восстание против высшего типа.

Упадок и шаткость всех высших типов, борьба против гения («народная поэзия» и т.д.). Сочувствие униженным и страждущим как мерило душевного благородства.

Не хватает философа, который был бы активным истолкователем, а не просто перерабатывал сочиненное.

9 [45]

(35) В принципе любая вещь стоит столько, сколько за нее заплатили. Это, разумеется, не относится к тому случаю, когда индивида рассматривают изолированно; большие способности личности не имеют никакого отношения к тому, чем он сам за них заплатил, чем пожертвовал, что выстрадал. А вот если всмотреться в его родовую предысторию, то можно обнаружить в ней историю какого-то чудовищного скопидомства и накопления капитала силы путем всяческого отречения, борьбы, беспрестанного труда, попыток пробиться. Великий человек достигает величия не потому, что чудесным образом взялся откуда-то волей небес и «случая», а потому, что столь дорого обошелся. «Наследственность» – понятие ложное. За то, чем стал потомок, расплатились предки.

9 [46]

(36) Воля к истине
1) как завоевание и борьба с природою
Декартов вердикт ученым
2) как восстание против господствующих авторитетов
3) как критика того, что для нас губительно

9 [47]

История научного метода, понятая О. Контом чуть ли не в качестве самой философии

9 [48]

(37) окончательный выбор между «истинным» и «ложным», вообще окончательный выбор, судящий о том или другом положении дел, в корне отличен от творческого полагания, от создания, оформления, преодоления сопротивления, стремления, лежащих в природе философии. Вложить во что-нибудь какой-нибудь смысл— эта задача все еще, несомненно, не выполнена, если считать, что никакого смысла в этом нет. Так дело обстоит с музыкою, но также и с судьбами народов: их можно подвергать самым различным толкованиям, и они способны двигаться в направлении самых различных целей. Еще более высокая ступень — полагание какой-либо цели и оформление существующего в соответствии с этою целью, то есть активное истолкование, а не просто умозрительная переработка сочиненного.

9 [49]

(38) Люди бывают детьми, скорее, четверых своих бабушек и дедушек, нежели двоих родителей: это оттого, что в ту пору, когда мы были зачаты, наши родители еще не сложились окончательно; в нас зреют семена, посеянные дедовским типом; а в наших детях — семена, посеянные нашими родителями.

9 [50]

(39) Нет ничего менее невинного, нежели Новый Завет. Известно, на какой почве он возрос. Этот народ с его неукротимою волей, направленной на себя, расставшись с какой бы то ни было естественностью и давно утратив право на существование, все же сумел настоять на своем — а для этого ему пришлось основываться на целиком и полностью неестественных, чисто воображаемых предпосылках (каковы суть: избранный народ, община святых, народ обетования, «церковь»): этот народ в совершенстве владеет pia fraus с известною степенью «чистой совести» — так что надо держать ухо востро, когда он читает мораль. Когда иудеи разыгрывают святую невинность, это значит, что опасность только возросла: читая Новый Завет, надо собраться со всеми скромными силами своего рассудка, недоверчивости, язвительности.

Люди самого низкого происхождения, даже отчасти отребье, отвергаемые не только хорошим, но и приемлемым обществом, с младых ногтей не потревоженные даже слухами о культуре, без дисциплины, без знаний, даже не подозревающие о том, что в вещах духовных может иметься совесть (тут слово «дух» всегда влечет за собою только превратное понимание: то, что все называют «духом», для этого народа — все еще «плоть»), но зато — иудеи: инстинктивно достаточно сообразительные, чтобы из всевозможных суеверных предпосылок создать, силою невежества, даже какое-то преимущество для себя, некую соблазнительность в собственных глазах.

9 [51]

(40) В какой мере воля к власти — нечто единственно и абсолютно неморальное. см. Стюарта Милля (о Конте)

«мы считаем жизнь не столь богатою наслаждениями, чтобы она могла обходиться без поддержки всех тех, в ком есть эгоистические наклонности. Напротив, мы думаем, что достаточная удовлетворенность этих последних — не чрезмерная, а, скорее, достигающая той степени, которая полнее всего обеспечивает наслаждение, почти всегда благотворствует добрым влечениям. Личные наслаждения становятся нравственными, по-нашему, не оттого, что их как можно сильнее ограничивают, а оттого, что развивается желание делить их с другими, и притом со всеми другими, и оттого, что отвергается любое наслаждение, которое невозможно разделить с другими. Есть лишь одна склонность, или страсть, не совместимая с этим условием надолго, — властолюбие, стремление, заключающее в себе и имеющее своей предпосылкою соответственное унижение других».

9 [52]

(41) И у самого отважного из нас не хватает духу на то, о чем он в глубине души знает ... Остановится ли этот знающий или пойдет дальше — и в какой точке своего пути он скажет: «Истина здесь», это зависит от того, насколько далеко заходит его храбрость, во всяком случае, больше, чем от любой утонченности или притупленности зрения и ума.

9 [53]

(42) в сфере искусства евреи дотянулись до гениальности в лице Г. Гейне и Оффенбаха, этого самого остроумного и задорного из сатиров, — как композитор он держится великой традиции, а для того, кто слушает не просто ушами, являет собою истинное спасение от чувствительных и, в сущности, выродившихся композиторов немецкого романтизма

9 [54]

— женщина, которая стремится страдать от того, что она любит ...

9 [55]

(43) Определять ценность человека следует по тому, чем он полезен для людей, или во что он им обходится, или чем он им вреден: это ни больше и не меньше, чем определять ценность произведения искусства смотря по воздействиям, которые оно оказывает. Но ведь произведение искусства надо сравнивать с произведениями искусства — а ценности человека в сравнении с другими людьми это вовсе не касается.

«Моральное почитание», поскольку оно социально, мерит человека исключительно результатом его действий.

Человек, у которого на все имеется собственный вкус, человек, обнесенный, как стеною, своим одиночеством и в него упрятанный, недоступный для общения и необщительный — не поддающийся учету человек, то есть человек высшего и уж во всяком случае иного типа: как, по-вашему, вы сможете умалить его, если вы не в состоянии его узнать, не в состоянии ни с чем сравнить?

Типическое тупоумие в отношении этой ценности я нахожу у такого типического тупицы, каков англичанин Дж. Ст. Милль: он, к примеру, говорит об О. Конте следующее: «В ранние свои годы он не мог видеть имени Наполеона или напоминающей о нем вещи без внутреннего содрогания, которое делает ему высочайшую честь; позже он, разумеется, назвал Наполеона диктатором, более достойным пустой болтовни, нежели Луи Филипп; это позволяет измерить глубину, до которой достает его нравственный лот».

Моральное умаление повлекло за собою величайшую тупость суждений: ценность человека, как он есть сам по себе, преуменьшена, почти не признана, почти отвергнута.

Остаток наивной телеологии: ценность человека определять лишь в соотнесении с другими людьми

9 [56]

Историки и иные гробокопатели, те, что живут среди склепов и щепок —

9 [57]

(44) Философия как искусство обнаруживать истину: такова она по Аристотелю. В противовес ему – эпикурейцы, коим сенсуалистическая теория познания Аристотеля пошла на пользу: к поискам истины они отнеслись совершенно иронически и отвергли их; «философия как искусство жить».

9 [58]

три огромных наивности:

познание

как способ достижения блаженства (как будто ...

 

как способ достижения добродетели (как будто ...

 как способ «отрицания жизни», поскольку оно — способ разочаровываться — (как будто ...)

9 [59]

(45) — вот, вот они, эти ценности доисторических вре-

мен: кому под силу сбросить их с пьедесталов, этих тяж-

ких кошек из гранита?

— смысл которых — бессмыслица, тонкость ума — не-

лепость и полоумие

— умы нетерпеливые и пылающие, мы верим лишь

в те истины, что сердцем угаданы: всякое поползновение

к доказательству внушает нам строптивость,— мы пуска-

емся наутек, едва завидев ученого, ползком пробирающе-

гося от заключения к заключению.

— умы упрямые, хитрые и мелочные

— что селится вокруг вас, то скоро и в вас вселится.

— иссохшие песочные души, безводные русла

— медлители, до самой макушки заросшие своей не-

доверчивостью и болотом одиночества

— палимый изнутри — не за то, что верит, а потому,

что не может решиться ни на какую веру

— ползающие на животе своем перед маленькими

круглыми фактами

— чего не было желания сделать вовремя, нужно же-

лать хотя бы задним числом; надобно «улучшить» то, что

сделано не хорошо.

9 [60]

(46) Прийти в себя неслыханным образом: не в качестве
личности, а в качестве человечества. Опомнимся же, вспомним о прошлом: воспользуемся всеми доступными способами

A. Человек ищет «истину»: некий мир, который
себе не противоречит, не обманывает, не меняется, некий истинный мир — мир, где нет страдания: ведь противоречие, обман, перемена — причины страдания! Он не
сомневается в том, что какой-то мир, каким он должен
быть, существует; ему очень хочется сыскать туда дорогу.
(Индусская критика: мнимо, нереально и само «я».)

Откуда человек берет тут понятие реальности? —

Почему из перемены, обмана, противоречия он выводит именно страдание? А почему не наоборот — свое
блаженство?... —

Презрение, ненависть ко всему, что преходит, изменяется, превращается: откуда такая высокая оценка неизменного?

Воля к истине тут явно не что иное, как страстное
желание попасть в мир неизменного.

Чувства обманывают, разум исправляет ошибки: следовательно — так было решено, — разум и есть путь к этому
неизменному; идеи, наиболее далекие от чувственного, должны быть наиболее родственны «миру истинному». — Удары
судьбы исходят по большей части от чувств — они обманывают, морочат, губят:

Блаженство гарантирует лишь сущее: изменчивость
и блаженство исключают друг друга. Соответственно предел всех желаний — слияние с этим сущим. Это очень странный путь к высшему блаженству.

In summa: мир, каким он должен быть, существует;
мир же, в котором живем мы, — всего-навсего ошибка;
этот наш мир существовать не должен.

Вера в сущее оказывается не более чем следствием:
подлинное же primum mobile — это неверие в становящееся, недоверие к становящемуся, пренебрежение ко всему становящемуся...

познавать, что то
или иное таково
антагонизм между
степенями силы
у разных натур

Фикция некоего мира, соответствующего нашим пожеланиям, психологические увертки и интерпретации, нацеленные на то, чтобы все, что мы чтим и находим приятным, оказалось связанным с этим истинным миром.

«Воля к истине» на этой ступени — главным образом искусство интерпретации; это всегда подразумевает способность к интерпретации.

Этот же сорт людей, только еще на ступень беднее,
уже утративший способность к интерпретации, к созданию
фикций, дает нигилиста. Нигилист — это такой человек,
который считает, что мир, каков он есть, быть не должен,
а мир, каким он должен быть, не существует. А отсюда существовать (действовать, страдать, желать, чувствовать)
не имеет никакого смысла: пафос «суеты сует» — это пафос нигилистов, а заодно и пафос некоей непоследовательности нигилистов.

Кто не в состоянии навязать вещам свою волю, будучи человеком безвольным и немощным, тот навязывает им
хотя бы какой-нибудь смысл: то есть веру в то, что уж воля-то, которая движет или должна двигать вещи, в них есть.

Насколько кто-то может обойтись без смысла в вещах, насколько выдерживает жизнь в бессмысленном
мире — это и есть мерило силы воли: ведь сам человек организует лишь малую часть этого мира.

Стало быть, объективный способ смотреть на вещи в философии может быть признаком слабости воли и силы.
Ибо сила организует ближайшее и самое ближайшее; «познающие», которые хотят только установить, что есть, —
это те, кто не в состоянии постановить, как должно быть.

Художники — некий промежуточный вид: эти по
крайней мере постановляют какое-то подобие того, что
должно быть, — они продуктивны, поскольку на деле изменяют и переделывают; этим они отличаются от познающих, которые предоставляют всему быть таким, каково
оно есть.

Связь философов и пессимистических религий: это та же
порода людей (— они придают вещам, оцененным превыше
всего, высшую степень реальности).

Связь философов и людей нравственных с их мерилами
ценности. (Моральное истолкование мира как смысл:
происходит после того, как гибнет смысл религиозный —)

Преодоление философов путем уничтожения
мира неизменно сущего: промежуточный период нигилизма — когда сил перевернуть ценности и обожествить,
оправдать становление, видимый мир в качестве единственного, еще не хватает.

В. Нигилизм как явление нормальное может быть симптомом растущей силы или растущей слабости.

в первом случае — из-за того, что сила созидания, сила
желания настолько возросла, что уже не нуждается
во всех этих общих истолкованиях и наделении
смыслом («актуальных задачах», государстве и т. д.)

во втором случае — из-за того, что слабеет сама созидательная способность творить смысл и воцаряется состояние разочарованности. Неспособность верить в какой-нибудь «смысл», «неверие»

Что означает наука в рассуждении обеих возможностей?

1) Признак силы и власти над собою, способности обходиться без спасительных
и утешительных иллюзорных миров

2) подрывает силы, анатомирует, разочаровывает, ослабляет

 

С. вера в истину, потребность найти какую-то опору
в чем-то достоверном: эта психологическая редукция не
зависит от всех предшествующих ценностных ощущений.
Страх, леность

— равным образом неверие: редукция. В какой мере
оно постоянно приобретает новую ценность, если истинного мира вообще не бывает (благодаря этому вновь освобождаются те ценностные ощущения, что доселе расточались на мир неизменно сущего).

9 [61]

великие методологи: Аристотель, Бэкон, Декарт, О. Конт

9 [62]

В какой мере виды основных теоретико-познавательных установок (материализм, сенсуализм, идеализм) выступают следствиями видов наделения ценностями: источник высших ощущений наслаждения («ценностных ощущений») тоже определяет решение проблемы реальности.

— позитивное знание как мерило совершенно безразлично или второстепенно: стоит только бросить взгляд на развитие индийской мысли.

Буддийское отрицание реальности вообще (видимость = страданию) в некотором смысле совершенно последовательно: недоказуемость, неприступность, не только отсутствие категорий для «мира самого по себе», но и понимание ошибочных процедур, с помощью которых получено все это понятие. «Абсолютная реальность», «бытие само по себе» — некое противоречие. В становящемся мире «реальность» — всегда только упрощение в практических целях, или же обман по причине грубости органов, или же различий в темпе становления.

Последовательное мироотрицание и нигилизация — следствие того, что бытие нам приходится противопоставлять небытию и что понятие «становления» отвергается («нечто подвержено становлению»), когда бытие —

9 [63]

Бытие и становление

«Разум» развивается на сенсуалистической почве, на предубежденности чувственных восприятий, т.е. благодаря вере в истинность суждений, основанных на чувствах.

«Бытие» как обобщение понятия «жить» (дышать), «воодушевляться», «желать, действовать», «становиться»

Противоположное: «бездушный», «не-изменный»; «ничего не желающий». Стало быть: «сущему» противопоставляется не не сущее, не иллюзорное и даже не мертвое (ибо быть мертвым может лишь то, что может и жить)

«Душа», «я» положены в качестве исконных фактов, а примысливаются всюду, где есть становление.

9 [64]

(48) эти бульварные философы, которые воздвигают некую философию не на фундаменте собственной жизни, а на коллекциях доказательств определенных положений

Не стремиться видеть, чтобы видеть! Надо жить психологом и ждать — пока просеянный итог многих переживаний не скажет свое слово. Никоим образом не надо стараться узнать, откуда что-то знаешь

Иначе получится скверная оптика и искусственность.

— Непроизвольное забвение отдельного случая — это по-философски, не стремление забыть, есть умышленное абстрагирование: последнее присуще, скорее, натурам нефилософского склада.

9 [65]

что я ценил в Вагнере, так это добрую порцию антихристианина, которую он представлял своим искусством и складом (о, как это было хитро! —

я — самый разочарованный изо всех вагнерианцев; ибо как раз в тот момент, когда всего пристойнее было остаться язычником, он сделался христианином. Мы, немцы, если уж раз приняли себя всерьез в вещах серьезных, становимся ведь немецкими атеистами и насмешниками всем скопом: таким был и Вагнер.

9 [66]

(49) Переоценка ценностей — что это будет? Для этого нужно, чтобы в наличии были все спонтанные движения — новые, глядящие в будущее, более сильные: но они все еще носят лживые имена, имеют лживые репутации — а самих себя они все еще не осознали.

смелое осознание и приятие того, что достигнуто

избавление от рутины старых способов ценить, унижающих нас в лучшем и наиболее жизнеспособном, чего мы достигли.

9 [67]

(50) Невольная наивность Ларошфуко, который думает, будто высказывает нечто злое, тонкое и парадоксальное, — в те времена «истина» в предметах психологических была чем-то поразительным — пример: «les grandes ames ne sont pas celles, qui ont moins de passions et plus de vertus que les âmes communes, mais seulement celles, qui ont de plus grands desseins». Дж. Стюарт Миль (который говорит, что Шамфор — это Ларошфуко XVIII столетия, только более благородный и глубокий) видит в нем, разумеется, всего лишь остроумнейшего наблюдателя всего того в человеческой душе, что восходит к «эгоизму по привычке», присовокупляя: «Ум благородный не станет принуждать себя к обязанности длительного наблюдения пошлости и низости — разве только чтобы показать, в отношении каких пагубных влияний в состоянии победоносно утвердиться возвышенный ум и благородство характера».

9 [67]

9 [68]

Сложный характер Генриха IV: то царский и возвышенный, а то скоморошеский, неблагодарный — и верный слову, великодушный — и коварный, щедро наделенный умом, героизмом — и чувством абсурдного.

«в книгах Фридриха Великого можно обнаружить пятна от пива и табаку на страницах, посвященных, скажем, Марку Аврелию»

Адмирал Колиньи и великий Конде — оба они Монморанси по материнской линии. Монморанси же по мужской линии — дельные и деятельные солдаты, но отнюдь не гении.

Вот и великие полководцы Мориц и Генрих Нассауский воскресают в Тюренне, своем племяннике, сыне их сестры Елизаветы.

А мать великого Конде, Шарлотта де Монморанси, в которую столь пылко был влюблен Генрих IV, — он говорил о ней, что она несравненна не только в красоте, но и в мужестве.

Маркиз Мирабо в старости вознегодовал, увидав, что сын его начал проявлять склонность «vers la canaille plumière, écrivassière»

«un certain genie fier, exuberant» — Мирабо о своем роде.

Наполеон: «j'ai des nerfs fort intraitables; si mon coer ne battait avec une continuelle lenteur, je courrais risque de devenir fou».

Декарт сравнил открытия одного ученого с рядом битв, на которые была вызвана природа.

Вольтер рассказывает, что «Катилину» он полностью закончил за 8 дней. «Ce tour de force me surprend et m'epouvante encore»

9 [69]

«Le génie n’est qu’une longue patience.» Buffon. Это, как правило, верно, если поразмыслить о предыстории гениев, о родовом терпении, с каким копился и сохранялся капитал силы —

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Бетховен сочинял на ходу. Все гениальные прозрения сопровождались некоторым избыточным напряжением мышц

Это в любом смысле означает, что человек следует голосу разума. Если любое гениальное движение души требует в первую очередь огромного количества мышечной энергии, — оно и повышает ощущение силы во всем. И наоборот, длительная ходьба усиливает умственную энергию вплоть до степени опьянения.

9 [71]

(51) NB. что называется полезным, целиком и полностью зависит от намерения, от цели; намерение же, в свой черед, целиком и полностью зависит от степени власти: поэтому утилитаризм не может быть основою, а только учением о следствиях и не может означать никакой обязательности для всех.

9 [72]

(52)Познание как способ приобретения власти, «богоподобия» 

Ветхозаветная легенда верит, будто человек владеет познанием; и будто изгнание из рая есть следствие этого обстоятельства только в том смысле, что отныне Бог боится человека — и вот прогоняет его прочь от того места, где стоит древо жизни, бессмертия; а если б человек теперь вкусил и от древа жизни, то ради своей власти: да и помимо этого вся культура — это рост ужасной роли человека, символизированной в Вавилонской башне с ее «богоборческой» целью. Бог разделяет людей: он раскалывает их единство; введение многоязычия — вынужденная его мера, ведь ему легче управиться с каждым народом по отдельности, коль скоро теперь они сами идут друг на друга войною и друг друга истребляют.

В начале Ветхого Завета рассказана известная история о страхе Божьем. Человек изображен ошибкою Бога, равно как и животное; человек, познавая, становится соперником Бога, величайшею для того угрозой; труд, нужда, смерть — вынужденная самооборона Бога с целью повергнуть соперника в прах:

Страх Бога. человек как ошибка Бога;
равно как и животное

Мораль:

Бог запрещает познание, поскольку оно ведет к власти, к богоравенству. Он удостоил бы человека бессмертия, если бы было ясно, что тот всегда будет бессмертно глуп.

Он творит для него животных, потом женщину, чтобы у него было общество,— чтобы было на что отвлечься (чтобы он не дошел до скверных мыслей, до мышления, до познания).

Но демон (змий) дает человеку понять, насколько важно познание.

Опасность для Бога неимоверна: теперь он вынужден прогнать людей прочь от древа жизни и повергнуть их в прах нуждою, смертью и трудом. Реальная жизнь изображена как результат необходимой самообороны Бога, как состояние неестественное ... Культура же, то есть создание познания, несмотря на это, стремится к богоравенству: она богоборчески вздымается ввысь. И вот оказывается необходимою война (язык как причина <появления> «народа»), и люди обязаны истреблять себя сами. Наконец принимается решение о всеобщей гибели. —



И люди верили в такого Бога!..

9 [73]

(53) Потребность в каком-то метафизическом мире — следствие того, что люди не умели вывести из наличного мира ни смысла, ни цели. «Отсюда заключили, что этот мир может быть только иллюзорным».

Как «иллюзорность» соотносится с «бессмысленностью», «бесцельностью»: надо истолковать психологически: что это значит?

Недействительность, греза и т. д.

(чем действительность отличается от грезы? Смысловой связью, неслучайностью, отсутствием произвольности, каузальностью. Однако, если так или иначе смотреть обобщенно на бытие в целом, оно могло показаться бессмысленным, произвольным, бесцельным, наличные же цели — не более чем tromperies и т.д.)

механистическая причинность как таковая могла бы дать еще одно совершенное истолкование в пользу иллюзорности — она даже прямо-таки предполагает ее.

9 [74]

Период Просвещения

следом за ним — период сентиментальности

в какой мере Шопенгауэр причастен к «сентиментальности»

(а Гегель — к духовности)

9 [75]

(54) Период, когда старый маскарад и моральное приукрашивание возбуждает противодействие – в виде нагой природы, где решающими (определяющими ранг) просто признаются количества власти, где, как следствие великой страсти, на свет вновь является широкий размах.

9 [76]

(55) Люди, признанные посмертно (— трудность их понимания; в каком-то смысле их вообще не понимают)

Эпикур?
Шопенгауэр
Стендаль
Наполеон
Гёте?
Шекспир?
Бетховен?
Макиавелли?

Людей, признанных посмертно, понимают хуже, но слышат лучше, чем признанных в свою пору. А строго говоря, их вообще не понимают — отсюда и их авторитет. (comprendre—c’est égaler)

9 [77]

(56) Бесполезно любое учение, не способное обратиться ко всем уже лежащим наготове запасам сил, взрывчатых веществ. Переоценка ценностей будет достигнута лишь после того, как возникнет энергия новых потребностей, энергия людей, нуждающихся в новом, страдающих от старого отношения к ценностям, не осознавая —

9 [78]

(57) Кто знает, как возникает всякая слава, будет чувствовать неладное даже в славе, коей пользуется добродетель.

9 [79]

(58)

Что означает восхваление?

 

Хвала и благодарность за урожай, хорошую погоду, победу, женитьбу, мир — всем праздникам нужен какой-нибудь субъект, в направлении которого разряжается чувство. Надо, чтобы все хорошее, что с кем-то случается, было ему причинено, надо, чтобы был виновник всего этого. Точно так же и с произведением искусства: его самого еще не достаточно; надо восхвалять его создателя. Так что значит восхваление? Своего рода компенсация за полученные благодеяния, ответный дар, свидетельство нашей власти — ведь восхваляющий одобряет, судит, порицает, выносит приговор: он сознает за собою право на возможность одобрения, на возможность воздаяния почести ... Усилившееся ощущение блаженства и жизни — это и усилившееся ощущение власти: и человек восхваляет исходя из него (— исходя из него он выдумывает и ищет какого-то виновника, какого-то «субъекта» —).

Благодарность как добрая месть: она запрашивается и проявляется всего настойчивей там, где должны быть соблюдены одновременно равенство и гордость, где лучше всего удается месть.

9 [80]

«Моей досады зимняя пора»
«Ну, этот будет из новейших,
людей безудержно наглейших»
«огня и грязи плод глумливый»

9 [81]

Берлиоз, увертюра «Римский карнавал» написана в 1844-м (Оффенбах)

9 [82]

Второй буддизм.

Нигилистическая катастрофа, кладущая конец земной культуре.

Предзнаменования этого:

возобладание сострадания
умственное переутомление
сведение проблем к вопросам удовольствия и страдания
прославление войн, вызывающее ответный удар
так же как национальное размежевание вызывает встречное движение — истовое «братание»,
неспособность религии и дальше влиять догматами и сказками

9 [83]

К генеалогии морали.
Второе полемическое сочинение
Фридриха Ницше.

Четвертое разыскание: стадный инстинкт в морали.

Пятое разыскание: к истории денатурализации морали.

Шестое разыскание: среди моралистов и философов морали.

Послесловие. Расчет с моралью (как Цирцеей для философов). Мораль — я об этом уж раз говорил — была доселе Цирцеей для философов. Она — первопричина пессимизма и нигилизма ...

Сформулировать его обобщающую формулу.

Задача.

Вступление в трагический для Европы век

9 [84]

(59) Великая нигилистическая чеканка фальшивой монеты, хитро злоупотребляющая моральными ценностями

а) любовь как отказ от личности; то же о сострадании.

b) истину, «подлинное бытие и сущность вещей», в состоянии познать лишь обезличенный разум («философ»)

с) гений, великие люди вообще велики потому, что не ставят своею целью себя и свое дело: ценность человека растет пропорционально его отречению от себя. Шопенгауэр II 440 слл.

d) искусство как дело «чистого субъекта свободной воли», превратное понимание «объективности»

е) счастье как цель жизни; добродетель как средство достижения этой цели

пессимистическое осуждение жизни у Шопенгауэра — это перенесение стадных критериев в область метафизики моральными средствами.

«Индивид» лишен смысла; следовательно, его надо наделить происхождением от чего-то «самого по себе» (а какую-либо значимость его существования — заблуждением); родители же — это всего лишь «окказиональная причина».

Расплатою за это-то, что наука так и не поняла, что такое индивид: а он — вся предшествующая жизнь как единая цепь пройденных ею состояний, а отнюдь не ее результат.

9 [85]

(60) Восхваляемые состояния и страсти:

миролюбие, справедливость, умеренность, скромность, почтительность, предупредительность, смелость, целомудрие, честность, верность, благочестие, прямота, доверчивость, самоотверженность, сострадание, готовность помочь, совестливость, простота, милосердие, праведность, щедрость, снисходительность, исполнительность, бескорыстие, отсутствие зависти, добродушие, трудолюбие



NB необходимость различать: в какой мере эти качества бывают возможны как способы добиться выполнения какого-то определенного желания и цели (нередко «неблаговидной» цели)

— либо как естественные последствия доминирующего аффекта (скажем, духовных устремлений)
— либо выражение какого-то трудного положения, или, иначе говоря, как условие существования (скажем, гражданина, раба, женщины и т. д.)

все они как один воспринимаются в качестве хороших отнюдь не ради них самих, ни одно из них не является «хорошим» само по себе — они таковы только по меркам «общества», «стада», как способы достижения их целей, как необходимые для их сохранения и поощрения и в то же самое время как последствия изначального стадного инстинкта каждого отдельного человека, то есть служат инстинкту, в корне отличному от этих добродетельных состояний: ведь стадо проявляет по отношению ко всему, что не оно само, враждебность, эгоизм, беспощадность, оно сугубо властолюбиво, недоверчиво и т.д.

В фигуре «пастыря» обнаруживается антагонизм: ему приходится объединять в себе взаимно противоположные качества, присущие стаду

Смертельная ненависть стада к иерархии: оно инстинктивно склоняется к уравнителю (Христу); к сильным же одиночкам (les souverains) оно проявляет враждебность, несправедливость, необузданность, неучтивость, наглость, беззастенчивость, подлость, лживость, притворство, безжалостность, скрытность, зависть, мстительность.

9 [86]

(61) натурализм моралистов: сведение мнимо эмансипировавшейся, сверхъестественной моральной ценности к ее «природе», то есть к естественной имморальности, к естественной «полезности» и т.д.

Я вполне могу назвать тенденцию подобных взглядов натурализмом моралистов: моя задача — перевести мнимо эмансипировавшиеся и утратившие природу моральные ценности обратно в их природу, то есть в их естественную «имморальность»

NB. Сравнение со «святостью» иудеев и ее природной основой: так же дело обстоит и с наделенным суверенностью нравственным законом, избавленным от собственной природы (— вплоть до противоположности природе—)

Шаги постепенной «утраты моралью естественности» (так наз. «идеализации»)

как путь к индивидуальному блаженству
как следствие познания
как категорический императив, избавленный от
как путь к святости
как отрицание воли к жизни

постепенное нарастание жизнененавистничества морали.

9 [87]

(62) Подавленная и уничтоженная ересь внутри морали

понятия: языческий
: мораль для господ
: virtù

9 [88]

(63) Я не слышу, чтобы в Новом Завете, особенно в евангелиях, слово брало хоть что-нибудь «божественное»: уж скорее, какая-то косвенная форма самого что ни на есть адского ража клеветы и уничтожения — одна из наиболее бесчестных форм ненависти:

— отсутствует малейшая осведомленность о качествах благородного человека

— бесстыжее злоупотребление всякого рода порядочностью; для этого использованы и присвоены все запасы изречений; нужно же было, чтобы какой-нибудь бог пришел проповедовать этим мытарям и т. д.

нет ничего более обыкновенного, чем эта борьба с фарисеями с помощью какой-то нелепой и непрактичной видимости морали — народ всегда развлекался, глядя на подобный tour de force

Упрек в «лицемерии»! из таких уст!

нет ничего более обыкновенного, чем такая трактовка противников — щекотливейшего рода indicium в пользу благородства или не в его пользу ...

Если б кто-то сказал хотя бы сотую долю того, что было сказано, он заслужил бы гибели как анархист.

Пилат — вот единственная пристойная личность с его dédain к этой иудейской болтовне об «истине», как будто такой народ имеет право участвовать в разговоре, когда речь идет об истине, с его благожелательною попыткой отпустить этого нелепого заговорщика на все четыре стороны, потому что ему было затруднительно разглядеть в нем кого-то другого, чем дурака ...

его отвращение к этому выражению «Я — истина», мало того что предосудительному

9 [89]

(64) допущение сущего необходимо, чтобы можно было мыслить и делать заключения: логика орудует только формулами для того, что всегда равно себе

поэтому такое допущение все равно лишено способности доказать наличие «реальности»: «сущее» относится к нашей оптике.

«Я» в качестве сущего (— не затрагиваемого становлением и развитием)

выдуманный мир субъекта, субстанции, «разума» и т.д. необходим—: есть в нас некая властная инстанция, что упорядочивает, упрощает, искажает, насильно разрывает. «Истина»: стремление получить власть над многообразием ощущений.

— выстроить явления по определенным категориям

— при этом мы исходим из веры в вещи, как они есть «сами по себе» (мы принимаем явления за реальные)

Мир, подверженный становлению, по природе своей неуловим для формулировок, «фальшив», в нем «концы с концами не сходятся».

Познание и становление исключают одно другое.

Следовательно, «познание» должно быть чем-то иным: предшествовать должно какое-то стремление сделать что-то познаваемым, какого-то рода становление само должно сотворить иллюзию сущего.

9 [90]

В этих полемических разысканиях, которыми я продолжаю свой поход против сколь нефилософской, столь же и роковой общей завышенной оценки морали, —

9 [91]

(65) К борьбе с детерминизмом.

Из того, что событие наступает регулярно и насту­пает предсказуемо, еще не следует, что оно наступает с не­обходимостью. И то, что квантум силы в каждом опреде­ленном случае ведет себя строго определенным образом, еще не придает ему характера «несвободной воли». «Ме­ханическая необходимость» — вовсе не факт: это только мы путем интерпретации вложили ее в процесс. Мы ис­толковали возможность формулировки этого процесса как следствие некоей господствующей над процессом необхо­димости. Но из того, что я делаю что-то определенное, никоим образом не следует, будто я делаю это по при­нуждению. Никак невозможно доказать, что принуждение есть в вещах: регулярность доказывает лишь то, что один и тот же процесс не является заодно и другим процессом. И лишь благодаря тому, что мы мысленно вложили в вещи субъекты, «деятелей», создается видимость, будто всякий процесс — это следствие некоего оказанного на субъектов принуждения: оказанного кем? опять-таки каким-то «деяте­лем». Причина и следствие — понятие опасное, покуда мыслится нечто, что причиняет, и другое нечто, которое причинение испытывает.

А) необходимость — вовсе не факт, а некая интер­претация.

В) достаточно понять, что «субъект» — вовсе не то, что оказывает действие, а всего лишь фикция, как обнару­жится множество вещей.

Мы выдумали вещность, только взирая на образец субъекта, и навязали эту интерпретацию путанице наших восприятий. Стоит нам перестать верить в действующего субъекта, падет и вера в действующие вещи, во взаимодей­ствие, причинно-следственные связи между теми явле­ниями, которые мы называем вещами.

Стало быть, падет, разумеется, и мир действующих атомов: их существование всегда допускалось при том <только> условии, что нам нужны субъекты.

Наконец, падает и «вещь сама по себе»: она ведь, в сущности, являет собою концепцию некоего «субъекта са­мого по себе». А мы-то уже поняли, что субъект фиктивен. Противоположность «вещи самой по себе» и «явления» не­состоятельна; но тем самым рушится и понятие «явления».

С) Если мы отказываемся от действующего субъекта, то отказываемся и от объекта, на который оказывается действие. Длительность существования, тождество с са­мим собой, бытие не присущи ни тому, что мы называем субъектом, ни тому, что — объектом: это самом деле — комплексы процессов, обладающих мнимою длительно­стью по отношению к другим комплексам,— благодаря, скажем, различию в темпах, с какими процесс происходит (покой — движение, плотный — рыхлый: все это противо­положности, сами по себе не существующие,— фактиче­ски через них выражаются лишь градации, ведущие себя в качестве противоположностей лишь с точки зрения определенного оптического критерия).

Никаких противоположностей не бывает: наше по­нятие противоположного исходит лишь из противопо­ложностей логических — и с них ложно переносится на вещи.

D) Если мы отказываемся от понятия «субъекта» и «объекта», то отказываемся и от понятия «субстанции» — а значит, и от различных его модификаций, к примеру: «материи», «духа» и иных гипотетических сущностей — «вечности и неизменности вещества» и т. д. Мы избавля­емся от вещественности.

Выражаясь на моральный лад, мир лжив. Но раз мо­раль и сама — часть этого мира, то лжива и мораль.

Воля к истине — это некое закрепительство, некое увековечение в качестве истинного, некое создание взглядом такой лживости мира, некое ее перетолкование в качестве сущего.

Истина, значит, не то, что есть в наличии и что мож­но обнаружить, открыть,— а то, что надо сотворить, чьим именем наделяется некий процесс, более того, некая воля к преодолению, сама по себе не имеющая конца: воля вкладывать истину <в вещи> в виде некоего processus in infinitum, это какое-то активное определение, а не осознание того, что якобы неизменно и определенно «само по себе». Это — имя для «воли к власти».

Жизнь зиждется на предпосылке веры в непреходя­щее, в регулярное возвращение; чем большею властью располагает жизнь, тем более широким должен быть этот поддающийся расшифровке, как бы превращаемый в сущий мир. Логизирование, рационализация, систематизация — как вспомогательные средства жизни.

Свое влечение к истине, свою «цель» человек в из­вестном смысле проецирует вовне в качестве сущего мира, мира метафизического, «вещи самой по себе», мира, уже наличного.

Его потребность в творчестве уже сочиняет мир, над которым он работает, предвосхищает его: это-то предвос­хищение («эта вера» в истину) и есть его опора.



Всякий процесс, всякое движение, всякое станов­ление — как установление отношений ранга и силы, как борьба ...

«Благо индивида» столь же воображаемо, как и «бла­го рода»: первое не приносится в жертву последнему, род, если поглядеть на него из дальней перспективы, есть не­что столь же текучее, как и личность. «Сохранение рода» — всего лишь следствие восхождения рода, то есть преодоления рода на пути к какому-то более сильному виду.

Покуда мы воображаем себе кого-то ответственного за то, что мы таковы, каковы есть, и т. д. (Бога, природу), полагая тем самым, будто наше существование, наше счас­тье и наше горе входили в его намерения, мы лишаем ста­новление невинности. Тогда у нас появляется кто-то, стре­мящийся достичь какой-то цели через нас и с нашею по­мощью.

— о том, что эта мнимая «целесообразность» («бесконечно превосходящая всякое человеческое искусство целе­сообразность») — просто следствие той воли к власти, что разыгрывается во всем происходящем

что рост силы несет с собою структуры, которые выглядят подобными какой-то целесообразной схеме

что мнимые цели не установлены каким-то умыслом, а коль скоро одна власть достигла перевеса в силах над меньшею властью и последняя стала работать на большую, то соотношение рангов, их организации должно приобре­сти вид некоего соотношения средств и цели.

Против мнимой «необходимости»
— таковая — лишь выражение того, что одна сила не является и чем-то другим.

Против мнимой «целесообразности»
— последняя — это лишь выражение соотно­шения компетенций власти и их со­трудничества.

Логическая определенность, прозрачность как кри­терий истины («omne illud verum est, quod clare et distincte percipitur» — Декарт): механистическая гипотеза о мире тем самым становится желательной и достоверной.

Это, однако, грубая подмена, как высказывании> simplex sigillum veri. Откуда же известно, что истинная природа вещей именно так связана с нашим разумом? А почему не иначе? например, так, что он предпочита­ет, выше всего ценит, а следовательно, считает истинными те гипотезы, которые дают ему больше всего ощущения власти и уверенности в себе? Разум устанавливает свою наиболее свободную и сильную способность и мочь в качест­ве критерия наиболее ценного, а стало быть, истинного ...

«истинное»: со стороны чувства — это то, что сильнее всего его возбуждает («я»)
со стороны мышления — это то, что дает мышлению наибольшее ощущение силы
со стороны осязания, зрения, слуха — сопротивление, которое заставля­ет их работать с наибольшей результативностью

Стало быть, высшие степени этой результативности возбуждают веру в то, что данный объект «истинен», то есть действителен. Ощущение силы, борьбы, сопротивления убеждает в том, что нечто сопротивляющееся — вот оно, существует.

«истинное»:со стороны чувства — это то, что сильнее всего его возбуждает («я»)
 со стороны мышления — это то, что дает мышлению наибольшее ощущение силы
 со стороны осязания, зрения, слуха — сопротивление, которое заставля­ет их работать с наибольшей результативностью

Стало быть, высшие степени этой результативности возбуждают веру в то, что данный объект «истинен», то есть действителен. Ощущение силы, борьбы, сопротивления убеждает в том, что нечто сопротивляющееся — вот оно, существует.

9 [92]

Либман, с. 11

Дюнамис — «реальная тенденция к действию», пока заторможенная, которая пытается актуализироваться

— «воля к власти»

«потенциал энергии»

«собранная и до поры отложенная способность к движению»

9 [93]

(66) Я хочу вновь натурализировать аскетику; на место стремления к отрицанию — стремление к укреплению; некая гимнастика воли; лишения и регулярные посты всякого рода, в том числе и духовного (Diners chez Magny: одни только духовные лакомки с испорченными желудками); практическая казуистика в отношении нашей оценки собственных способностей: испытание авантюрами и добровольно избираемыми опасностями. — Надо изобрести испытания и для нашей способности держать слово.

9 [94]

Величие предполагает способность внушать страх: нельзя давать себя провести.

9 [95]

Разыскания.

Из чего доселе стряпали «истинный мир».
Лишение естественности морали, а также совести (а также аскетики) (а также разума, схоластики, государства
Целесообразность.
Необходимость.
Стадный инстинкт в морали.
Цирцея для философов.
Сильные люди грядущего.
Трагическая эпоха: учение о вечном возвращении.
Психологическая чеканка фальшивой монеты.
Логика под властью ценностных суждений.
Красота. Нигилизм как искусство.
Существует ли вообще метафизика? ...

9 [96]

Три иллюзии:
причинность
целесообразность
необходимость
Лишение ценностей естественности
Противоположности вместо иерархии
Этот порочный мир

9 [97]

(67) Утверждать и отрицать одно и то же у нас не получается: это закон субъективного опыта, в коем выражается вовсе не «необходимость», а всего-навсего неспособность.

Если, по Аристотелю, закон противоречия — наиболее несомненный из всех законов, если он — последнее и фундаментальное, к чему возводятся все доказательства, если он заключает в себе исходное начало всех остальных аксиом, — тем основательней надо было поразмыслить о том, что он, в сущности, предполагает относительно самих утверждений. Либо он что-то утверждает о действительном, сущем, словно уже откуда-то о нем знает: а именно, что ему не могут быть приписаны взаимно противоречащие предикаты. Либо же этот закон имеет в виду, что взаимно противоречащие предикаты приписываться ему не должны? Тогда логика оказалась бы каким-то императивом — не для познания истины, а для установления и приведения в порядок мира, который должен считаться для нас истинным.

Короче говоря, не решен вот какой вопрос: адекватны ли логические аксиомы действительности — или они представляют собою мерила и способы только создать действительное, понятие «действительность» для нас?... Чтобы признать первое, пришлось бы, однако, как сказано, уже заранее знать, что такое сущее; уж это положительно не имеет места. Стало быть, этот закон содержит в себе вовсе не критерий истины, а некий императив относительно того, что должно считаться истиною.

Предположим, никакого такого самотождественного А, как это заранее предполагает любой закон логики (да и математики), вовсе не существует, предположим, это А — уже иллюзия, — тогда предпосылкою логики оказался бы некий чисто иллюзорный мир. На самом деле мы верим в этот закон под давлением непрекращающегося эмпирического опыта, который как будто постоянно его подтверждает. «Вещь» — вот он, подлинный субстрат этого А: наша вера в вещи — предпосылка веры в логику. Логическое А, как и атом, — это некая конструкция «вещи»... Коль скоро мы этого не понимаем, делая из логики какой-то критерий истинного бытия, мы уже готовы постулировать все эти гипостазированные сущности — субстанцию, предикат, объект, субъект, действие и т.д. — в качестве реальностей, то есть выдумать некий метафизический мир, то есть «истинный мир» (— а это — иллюзорный мир вдвойне...).

Исходные мыслительные акты — утверждение и отрицание, признание за истину и признание за ложь — поскольку они предполагают не просто привычку, а еще и право вообще признавать что-либо истинным или ложным, уже находятся во власти веры в то, что познание для нас — дело возможное, что суждения и впрямь в состоянии попадать в истину: короче говоря, логика не сомневается в том, что может высказывать об истине самой по себе кое-что (а именно, что ей не могут быть приписаны взаимно противоречащие предикаты).

Тут всем заправляет грубый сенсуалистический предрассудок, гласящий, будто ощущения сообщают нам о вещах истины, — в том, что я не могу одновременно назвать одну и ту же вещь твердой и мягкой (это инстинктивное доказательство — «я не могу испытывать одновременно два взаимно исключающих ощущения» — совершенно грубое и ложное). Запрет на взаимно противоречащие понятия исходит из веры в то, что мы в состоянии образовывать понятия, что понятие не только обозначает истину вещи, но и вмещает ее в себе... А на самом деле логика (равно как и геометрия с арифметикой) относится к сугубо фиктивным истинам, которые мы создали сами. Логика — это попытка понять действительный мир по какой-то постулированной нами схеме бытия, точнее сказать — сделать этот мир поддающимся формулированию, исчислению...

9 [98]

(68)

Психологическая дедукция нашей веры в разум.

 

Понятие «реальность», «бытие» заимствовано из нашего ощущения «субъекта».

«Субъект»: он интерпретирован с нашей точки зрения, так что «я» принимается за субъект, за причину любого деяния, за деятеля.

Логико-метафизические постулаты, вера в субстанцию, акциденцию, атрибут и т.д. убеждают в силу привычки рассматривать всякое наше действие как следствие нашей воли — причем «я» как его субстанция не подчинено многообразию изменений. — Но никакой воли нет. —

У нас нет решительно ни одной категории, дающей нам право отделять некий «мир сам по себе» от мира как явления. Все наши категории разума — сенсуалистического происхождения: они взяты из эмпирического мира. «Душа», «я» — история этого понятия говорит о том, что и тут имело место древнейшее размежевание («дыхание», «жизнь»)

Если нет ничего материального, то нет и ничего нематериального. В понятии ничего больше не остается ...



Никаких «атомов»-субъектов. Сфера субъекта постоянно растет или уменьшается — центральная точка системы постоянно сдвигается —; в случае, если присвоенная масса не поддается организации, система делится надвое. С другой стороны, она может превратить более слабого субъекта, не уничтожая его, в одну из своих функций и в какой-то степени образовать вместе с ним новое единство. Отнюдь не «субстанцию», а, скорее, что-то такое, что само по себе стремится к усилению и лишь косвенным образом хочет себя «сохранить» (оно хочет превзойти себя—)

9 [99]

NB. Не надо стремиться проявлять психологическую смекалку; нам нельзя быть даже смекалистыми... Кому хочется ухватить мелкие преимущества (— а то и крупные, как это делают политические деятели —), пользуясь своей осведомленностью, своим знанием людей, тот от наиболее общего идет к самому что ни на есть единичному случаю; но этого рода оптика противоположна той другой, которая нам только и может быть нужна: мы смотрим с точки зрения самого единичного —

9 [100]

Род

Продвижение к большей власти: роды — лишь относительные замедления темпа, признаки того, что возможностей, предусловий для быстрого усиления начинает не хватать (роды — не цели: сохранение родов — последнее, что может волновать)

9 [101]

NB. Этот стремился узнать людей — таким образом он
хочет добиться для себя мелких преимуществ над ними
(а то и крупных, как политики). Тот стремился
узнать людей — он хочет еще большего преимущества: чув-
ствовать себя выше их; он хочет презирать.

9 [102]

(70)

Эстетика.

 

Состояния, пребывая в которых мы вкладываем в вещи ясность и полноту и приписываем их им, покамест те не возвращают нам в отраженном виде наши собственные полноту и радость жизни:

половое влечение
опьянение
еда
весна
победа над врагом, глумление:
блистательное мастерство: жестокость; экстаз религиозного чувства.

Три стихии прежде всего:

половое влечение, опьянение, жестокость: все они относятся к древнейшим праздничным переживаниям людей, и равным образом все они преобладают в первых на свете «художниках».

И наоборот: если на нашем пути оказываются вещи, отмеченные этою ясностью и полнотой, то животная наша природа отвечает возбуждением тех сфер, где гнездятся все эти ощущения наслаждений: — а смешение этих весьма тонких нюансов животного блаженства и страстей и есть эстетическое состояние. Таковое наступает лишь у тех натур, что вообще способны к этой щедрой и бьющей через край полноте телесного vigor — он-то и есть primum mobile. Человек трезвый, утомленный, истощенный, зачерствевший (скажем, ученый) не в состоянии воспринять от искусства решительно ничего — у него нет художнической стихийной силы, этого повелевающего им богатства: кто не умеет давать, тот ничего и не получит.

«Совершенство»: в этих состояниях (половой любви в особенности и т.д.) наивно проявляется то, что глубочайшим инстинктом признается за более высокое, более желанное, более ценное, — восхождение своего типа; а равным образом и то, к какому статусу он, собственно, стремится. Совершенство: это неимоверное расширение собственного ощущения власти, это богатство, это неизбежное перехлестывание через любые края ...



Искусство напоминает нам о состояниях животного vigor; оно, во-первых, есть преизбыток и излияние цветущей телесности в мир образов и желаний; с другой стороны, возбуждение животной деятельности образами и желаниями повышенной жизненности, — усиление ощущения жизни, его стимулирующее средство.



В какой мере даже безобразное может обладать такою властью? В той мере, в какой оно еще способно сообщать нам что-то о победоносной энергии художника, подчинившего себе это безобразное и пугающее; либо в той, в какой оно потихоньку возбуждает в нас наслаждение жестокостью (а иногда — даже наслаждение от причинения боли себе самому, самонасилие: значит, ощущение власти над самим собою).

9 [103]

NB Когда ты болен, заползи в какую-нибудь «нору»: это неплохо, только так и поступают животные.

9 [104]

«хочу того-то»; «мне хотелось бы, чтобы было то-то»; «я знаю, что то-то — таково» — вот градации силы: человек воли, человек страстного желания, человек веры

9 [105]

(71)

 К плану.

 

NB. 1) кратко обо всех важных эпохах, народах, людях и проблемах.

2) сотня добрых анекдотов, по возможности исторических.

3) воинственно, авантюрно, с уловками

4) местами — с меланхолической веселостью

5) заступник всего непризнанного и оклеветанного (— опороченного ...)

6) медлительно, пуская по ложному следу, лабиринт

7) Минотавр, катастрофа (идея, которой следовало бы приносить человеческие жертвы — чем больше, тем лучше!)

9 [106]

(71) Наша психологическая оптика предопределена тем,

1) что необходимо сообщение и что для сообщения должно быть что-то твердо установленное, упрощенное, поддающееся уточнению (прежде всего, если сообщается об идентичном случае ...). Но чтобы о нем можно было сообщить, оно должно ощущаться как приведенное в порядок, как «узнаваемое». Материал, поставляемый чувствами, приводится в порядок рассудком, сводится к грубым общим чертам, уподобляется, подводится под родственное. Итог: смутность и хаотичность чувственных впечатлений как бы логизируется.

2) мир «явлений» — это мир, приведенный в порядок, который мы воспринимаем в качестве реального. Эта «реальность» заключается в беспрестанном возвращении тех же самых, известных, знакомых вещей, в их логизированном характере, в вере, будто тут мы можем сосчитать, вычислить.

3) противоположность этого феноменального мира — не «мир истинный», а бесформенный и не поддающийся формулированию мир хаоса ощущений,— иными словами, некий феноменальный мир другого рода, для нас «непознаваемый».

4) вопросы о том, каковы могли бы быть «вещи сами по себе», независимо от нашей чувственной восприимчивости и рассудочной активности, следует отвести вопросом: а почем нам знать, есть ли вещи вообще? «Вещность» создали мы сами. Спрашивается, разве невозможны многие другие виды творения подобного иллюзорного мира,— и разве это созидание, логизирование, приведение в порядок, подделывание — не лучшая из возможных гарантия самой реальности: короче говоря, единственно реальное — не то ли это, что «устанавливает вещи»; и разве это «воздействие внешнего мира на нас» — не тоже всего лишь следствие таких волящих субъектов ...

«Причина и следствие» — ложное истолкование войны и относительной победы

другие «существа» воздействуют на нас; наш приведенный в порядок иллюзорный мир — это приведение в порядок и победа над их воздействиями; своего рода оборонительная мера.

Доказуем лишь субъект: гипотеза, что существуют одни только субъекты, что «объект» — всего-навсего своего рода воздействие субъекта на субъект ... некий модус субъекта

9 [107]

(72)

Развитие пессимизма до нигилизма.

 

Лишение ценностей естественности. Схоластика ценностей. Ценности, потерявшие корни, идеалистические, вместо того чтобы овладевать действием и руководить им, с осуждением обращаются против действия.

Противоположности, внедренные на место естественных рангов и степеней. Ненависть к иерархии. Противоположности впору плебейской эпохе, потому что их легче уловить

Мир скверны, его соотношение с миром, сооруженным искусственно, «истинным, более ценным»

И вот в конце концов обнаруживается, из какого материала был построен этот «истинный мир»: теперь-то остается один лишь мир скверны, а полученное от этого огромное разочарование зачисляется, заодно со всем прочим, на счет его порочности

Вот вам и нигилизм: после всего остались одни лишь ценности суда — и больше ничего!

Тут возникает проблема силы и слабости:

1) слабаки на этом ломаются
2) сильные доламывают то, что не сломлено
3) самые сильные преодолевают ценности суда.
все это, вместе взятое, и составляет трагическую эпоху

В критику пессимизма.

«Перевес страдания над наслаждением» или обратное (гедонизм): оба эти учения уже и сами — проводники к нигилизму ...

ведь тут в обоих случаях не установлено никакого другого конечного смысла, кроме наслаждения и страдания как явлений.

Так, однако, говорит порода людей, которые уже не отваживаются устанавливать желание, намерение, смысл — а для любой здоровой породы ценность жизни просто не определяется меркою этих мелочей. И перевес страдания возможен, но вопреки ему возможно и мощное влечение, приятие жизни; нужда в таком перевесе

«Жить не стоит»; «резиньяция», «откуда эти слезы?..» — образ мыслей немощный и сентиментальный. «un monstre gai vaut mieux qu’un sentimental ennuyeux.»

Пессимизм натур деятельных: «к чему все это?» — после ужасающей борьбы, пусть даже увенчавшейся победою. Что какая-то вещь может оказаться в сто раз важнее вопроса о том, хорошо нам или плохо, — это основной инстинкт всех крепких натур: а значит, не важно и то, хорошо или плохо другим. Короче говоря, надо, чтобы у нас была цель, ради которой мы не колеблясь пошли бы на человеческие жертвоприношения, вдавались бы в любую опасность, брали бы на себя худое и наихудшее: чтобы у нас была великая страстность.

9 [108]

«Субъект»-то ведь — не более чем фикция; никакого такого ego, о коем говорят, порицая эгоизм, вообще не бывает.

9 [109]

(73) NB. ободрить евреев на приобретение новых качеств, после того как они оказались в новых условиях существования: и делать это так, как только и подобает моему инстинкту,— на этом пути я не давал сбить себя с толку и тому ядоносному встречному движению, что нынче прямо-таки на коне.

9 [110]

9 [110]

(74)      Поверхностность, живописность как симптомы нигилизма (в искусствах и в психологии)

Ни в коем случае не заниматься colportage-психологией! Не наблюдать ради самого наблюдения! От этого оптика становится искаженною, развивается косоглазие, какая-то вымученность и отсутствие чувства меры. Переживание как желание пережить; оно несбыточно, если копаться в себе; прирожденный психолог, как и прирожденный художник, поостережется смотреть, только чтобы смотреть; он никогда не пишет «с натуры», — просеивание и выражение пережитого, «случая», «природы» он предоставит своему инстинкту, — он сознает всеобщее в подлиннике, а вовсе не произвольные свойства, отвлеченные из определенных случаев. А если делать иначе, подобно поджидающим добычу парижским романистам, что словно подстерегают действительность, всякий день принося домой целые пригоршни странностей, — то что из всего этого в конце концов выйдет? В лучшем случае какая-то мозаика, что-то нащипанное, кричаще пестрое, тревожное (как у братьев Гонкур). — «Природа», в художническом смысле слова, не бывает «правдивой»; она хватает через край, она искореживает, она оставляет пробелы. «Учиться, следуя природе» — признак холопства, немощи, своего рода фатализм, недостойный художника. Видеть то, что есть, — это черта специфически иного рода умов — фактуалистов, регистраторов: если до предела развить эту способность, она окажется чем-то в принципе анти-художественным.

Вот описательная музыка; действовать тут предоставляют действительности ...

Все подобные виды искусства легче, в них проще подражать; к ним обращаются люди малоодаренные. Апелляция к инстинктам; суггестивное искусство.

9 [111]

Вагнер, средоточие суеверий уже при жизни, между тем до такой степени окутался туманами невероятного, что с достоверностью о нем можно высказываться лишь при помощи парадоксов

9 [112]

(75) Не скрывается ли за противоположностью классического и романтического — противоположность активного и реактивного?...

9 [113]

NB некоторые судьбы надо глотать не глядя: это, как при питье матэ, улучшает их на вкус.

9 [114]

NB о том сорте эгоизма, который заставляет нас что-то делать, а чего-то не делать ради ближнего

9 [115]

(76) Обдумать:

Совершенная книга. —

1) форма, стиль

Идеальный монолог. Все ученое сосредоточено в глубине

там и сям — акценты глубокой страстности, тревоги, но также и послабления, умягчения, проблески солнца — краткое блаженство, утонченная веселость —

Преодолеть демонстративность; все абсолютно лично. Никакого «я» ...

своего рода memoires; самые абстрактные вещи предстать во плоти и крови как можно убедительнее

вся история <человечества> словно пережита и выстрадана лично (—только так она и делается правдою)

что-то вроде беседы с духами; своего рода эвокация, вызывание духов, заклинание мертвых

как можно больше зримого, осязаемого, конкретного, с современным <материалом нужна> осторожность.

все в духе времени

Избегать слов «благородный» и вообще всех слов, чреватых самоинсценировкою.



2) собирние выразительных слов. Преимущество — за словами из военной сферы.

Слова-заменители для философских терминов: по возможности немецкие и отлитые в формулы.

изобразить все состояния людей наиболее духовного порядка — чтобы книга вместила в себя целую вереницу таких состояний.

(— состояния законодателя
искусителя
принужденного жертвовать, <но> медлящего —
великой ответственности
страдания быть неузнанным
страдания от необходимости казаться
страдания от необходимости причинять боль,
наслаждения, получаемого при разрушении
 

3) Выстроить все сочинение, нацеливая его на катастрофу



Тон введения заимствовать у тяги к пессимизму. Не брать тон человека страждущего, разочарованного. «Мы, не верующие в добродетель и красивую напыщенность».

Сатировская игра
в заключение

Вплести: короткие беседы между Тесеем, Дионисом и Ариадною.

— Тесей, сказала Ариадна, становится нелеп — Тесей становится добродетелен —

Тесей ревнует Ариадну к ее грезе.

Герой, восхищаясь собою, становится нелеп. Плач Ариадны.

Дионис, без ревности: «Разве может какой-нибудь Тесей любить в тебе то, что люблю я?» ...

Последний акт. Свадьба Диониса и Ариадны

«Коли уж ты бог, то не ревнуешь, — сказал Дионис, — разве что к богам».



«Ариадна, — сказал Дионис, — да ты прямо какой-то лабиринт: Тесей в тебе заплутал, а нити-то у него уж и нет; Минотавр его не сожрал — да что ему от этого толку? То, что его пожирает, хуже Минотавра». «Ты мне льстишь, — отвечала Ариадна, — но я устала сострадать, и всем героям отныне предстоит находить во мне свою погибель: а последнее, что я сделаю Тесею из любви, — погублю его»

9 [116]

(77) Руссо, этот типичный «современный человек», идеалист и canaille в одном лице, причем первое в нем — ради второго, существо, которое нуждалось в «моральном достоинстве» и в свойственных таковому позах, чтобы удержаться от отвращения к себе самому, страдающий одновременно от безудержного тщеславия и от безудержного презрения к себе: и этот-то ублюдок, разлегшийся на пороге нашего нового времени, еще проповедовал «возвращение к природе» — куда ж он хотел вернуться на самом деле?

Я тоже говорю о «возвращении к природе»: но на самом деле это не «возвращение назад», а некое «вхождение» в нее — в сильное, солнечно-чистое, ужасающее естество и естественность человека, дерзающее вынашивать великие задачи, потому что от задач мелких оно чувствует утомление и отвращение. Наполеон был «возвращением к природе» in rebus tacticis, но прежде всего — в области стратегии.

Восемнадцатый век — это ему мы обязаны всем тем, над чем век девятнадцатый бился и от чего страдал: фанатизмом морали, смягчением нравов в пользу слабаков, угнетенных, страдальцев, злобою ко всему, что отмечено привилегией, верой в «прогресс», верой в фетиш под названием «человечество», нелепою плебейской гордостью и томлением по полноте страсти — то и другое на романтический лад —

Наша враждебность к революции относится не к кровавому фарсу, этой ее «имморальности», с которой она разыгрывалась, а, скорее, к ее стадной нравственности, к ее «истинам», беспрестанно продолжающим свое действие, к ее заразному представлению о «справедливости, свободе», коим она обольстила души всех посредственностей, к предпринятому ею низвержению авторитета высших сословий. Витавшие вокруг ужас и запах крови придали этой оргии посредственности некую видимость величия, так что в качестве зрелища она совратила даже самые гордые умы.

9 [117]

человек уступчив, когда уступить — значит поступиться: то есть когда довольно богат, чтобы не надо было отнимать.

9 [118]

он любил спорить до тех пор, пока случай не поможет ему победить в споре

9 [119]

(78) «Облагораживание вкуса» может быть только следствием усиления типа. Наше нынешнее общество представляет лишь образование; людей же образованных нет и в помине. Нет великого синтетического человека, в котором многоразличные способности беззаветно работали бы на единую цель. То, что у нас есть,— это человек многоликий, самый интересный хаос, какой только, верно, доселе и был: но не тот хаос, что был до творения мира, а тот, что был после него, многоликий человек.— Гёте как самый прекрасный образец этого типа (—а уж, конечно, вовсе не олимпиец!)



Право на большой аффект — отбить его у противника для людей познания! После того как самоотвержение и культ «объективного» создали ложную иерархию и в этой сфере. Заблуждение это достигло своей вершины в учении Шопенгауэра: мол, именно в отречении от аффекта, от воли и состоит единственный доступ к «истине», к познанию; а избавленному от воли интеллекту не остается, мол, ничего другого, кроме как созерцать истинную, доподлинную сущность вещей.



То же самое заблуждение in arte: мол, как только на вещи начинают глядеть без воли, они сразу же становятся прекрасными.

Борьба с «целью» в искусстве — это всегда борьба с морализирующей тенденцией в искусстве, с его подчиненностью морали: l’art pour l’art означает: «черт побери мораль!» — Но даже и такая враждебность говорит о преобладании этого предрассудка; ведь если из искусства исключен аффект морализирования и «изменения человека к лучшему», то отсюда еще долго не будет следовать, что искусство вообще возможно без аффекта, без «цели», без какой-то внеэстетической потребности. «Отражение», «подражание»: ладно, но каким образом? Всякое искусство восхваляет, возвеличивает, выделяет, просветляет — оно подкрепляет те или иные виды почитания: так неужто надо было счесть это чем-то побочным, каким-то случайным эффектом? Или же это изначально заложено в «умении» художника? Затрагивает ли аффект художника и само искусство? Или, наоборот, жизнь? то, что ожидается от жизни?

А все это многообразие уродливого, жестокого, ужасного, изображаемое искусством? Разве оно думает внушить отвращение к жизни? настраивать на резиньяцию, как полагает Шопенгауэр? Но художник делится с нами в первую голову своим состоянием по поводу ужасающей стороны жизни: и само это состояние есть некий интерес,— кто испытал его на себе, ценит его превыше всего и делится им с нами, если, конечно, он — натура общительная, то есть художник. Отвага перед лицом могучего врага, великого бедствия, ужасной проблемы — она уж сама по себе есть приподнятое состояние жизни, возвеличиваемое всяким искусством возвышенного. Душа воинственная справляет свои сатурналии в трагедии; < она испытывает> упоение борьбы и победы, суровой жестокости при виде страдающих и борющихся людей, как это и пристало привыкшему страдать, даже взыскующему страдания человеку.

9 [120]

(79) В нашем цивилизованном мире нам знаком почти что исключительно тип преступника тщедушного, раздавленного проклятьем и презрением общества, не верящего в себя, частенько принижающего и очерняющего свое злодеяние, — уродливый его тип; и нас коробит от мысли о том, что все великие люди были преступниками, но только широкого размаха и в делах отнюдь не жалких, что преступление тоже может придавать величие (— так мог бы сказать знаток человеческих душ, да и всякий, кто спускался в самую глубину великих душ). «Быть вольным, как птица» от обычая, совести, долга — любой из великих понимает, насколько это для него опасно. И все же он дает этому желанию волю: он взыскует великой цели, а потому и средств, какими ее достигают.

9 [121]

(80) Надо, чтобы людям вернули решимость иметь естественные влечения

Надо препятствовать их недооценке себя (не как индивидов, а как природы ...)

Надо, чтобы люди изъяли из вещей противоположности, поняв, что они их туда вложили.

Надо, чтобы из сущего была целиком изъята общественная идиосинкразия (вина, кара, справедливость, честность, свобода, любовь и т. д.)



Поставить проблему цивилизации.

Прогресс в направлении «естественности»: во всех политических коллизиях, в том числе в отношениях между партиями, даже партиями торгашескими или партиями рабочих и предпринимателей, речь идет о коллизиях власти — «чего можно добиться?», а уж потом «чего следует добиваться?».

А что при этом, прямо в разгар работы механизма большой политики, раздаются еще и христианские фанфары (скажем, в победных реляциях или в императорском обращении к народу),— это становится все более невыносимым: претит хорошему вкусу. «Глотка кронпринца» — да Богу нет до нее никакого дела.

Прогресс девятнадцатого века в сравнении с XVIII.

в сущности, мы, добрые европейцы, ведем войну с XVIII столетием.

1. «Возвращение к природе» все решительней понимают в смысле, обратном тому, в каком это понимал Руссо. Прочь от идиллии и от оперы!

2. девятнадцатый век все решительней становится антиидеалистическим, реалистическим, неустрашимым, работящим, умеренным, недоверчивым к внезапным переменам, антиреволюционным

3. вопросы здоровья телесного все решительней заслоняют собою вопросы здоровья «души»: последнее понимается как некое состояние, наступающее вследствие первого, или по меньшей мере как предпосылка

9 [122]

(80II)

К генеалогии христианства

 

— фанатизм пугливых душ, не отваживающихся вернуться в свою покинутую некогда страну: и вот от страха и пытки страхом они приходят к мысли ее уничтожить.

— чтобы остановиться, а то и вернуться восвояси, нужно больше мужества и силы воли, чем чтобы идти дальше. Вернуться назад не труся — труднее, чем не труся идти дальше.

9 [123]

(81)

О происхождении нигилиста.

 

Человек запоздало обретает мужество признать то, что он доподлинно знает. Что доселе я был закоренелым нигилистом — в этом я признался себе лишь недавно: энергия и безоглядность, с какими, будучи нигилистом, я шел вперед, сбивали меня с толку относительно этого кардинального факта. Когда движешься навстречу цели, кажется невероятным, что наш символ веры — «бесцельность как таковая».

9 [124]

(82)

Мораль как средство совращения.

 

«Природа добра, потому что сотворена мудрым и благим Богом. Так на кого ж тогда падает ответственность за испорченность человека? На ее тиранов и совратителей — господствующие сословия: уничтожить их».

: это логика Руссо (ср. логику Паскаля, возводящего все к первородному греху)

Стоит сравнить это и с родственной логикой Лютера.

: в обоих случаях изыскивается какой-нибудь предлог, чтобы ненасытную потребность в мщении возвести в морально-религиозный долг. Ненависть к правящему сословию пытается освятить себя ...

(«греховность Израиля»: основа для власти жрецов)

Стоит сравнить это и с родственной логикой Павла.

: все эти реакции всегда выходят на сцену под эгидой Божьего дела, дела права, гуманности и т.д.

(а причиною казни Христа было, видимо, ликование народа; какое-то изначально антижреческое движение)

(— и даже антисемиты постоянно прибегают к тому же фокусу: обрушиться на противника морально уничтожающими высказываниями, а за собою оставить роль карающей справедливости)

NB Моральное осуждение как способ получения власти.

А. «разбередить больную совесть», чтобы сделать нужными Спасителя, жрецов и им подобных, или:

В. поощрить чистую совесть, чтобы считать противника плохим и таким образом получить право громить его.

9 [125]

(83) против Руссо: естественное состояние ужасно, человек — хищник, а наша цивилизация — неслыханный триумф над этою хищнической природой человека:—такой вывод сделал Вольтер. Он поощрительно глядел на смягчение нравов, утончение вкусов, духовные развлечения цивилизованного состояния; он презирал тупость, в том числе и в виде добродетели, а нехватку деликатесов — даже на столе аскетов и монахов.

Руссо, кажется, предвосхитил понятие моральной предосудительности; такими словами, как «несправедливо», «жестоко», лучше всего разжигать инстинкты угнетенных — не то они останутся под ярмом того, что vetitum, и страха впасть в немилость: тогда совесть станет противиться их бунтовщическим порывам. Этим эмансипаторам нужно было главным образом одно: чтобы их партия усвоила себе пафос и жесты, присущие более высоким натурам.

9 [126]

(84)

Основные симптомы пессимизма.

 

dîners chez Magny.
русский пессимизм. Толстой. Достоевский.
эстетический пессимизм. L'art pour l'art. «Описательность». Пессимизм романтический и антиромантический.
теоретико-познавательный пессимизм. Шопенгауэр. «Феноменализм».
анархистский пессимизм.
«религия сострадания», ее буддийская ранняя форма.
пессимизм в культуре (тяга к экзотике. Космополитизм)
пессимизм относительно морали: я сам
Антракты, временные избавления от пессимизма.
великие войны, сильные военные машины, национализм
конкуренция в промышленности
наука
увеселения



Проведем тут разграничительную черту:

пессимизм как силав чем она состоит? в энергии его логики, проявляющей себя как анархизм и нигилизм, как аналитика.

пессимизм как упадок—в чем он состоит? в изнеженности, в космополитической избалованности, в «tout comprendre» и в историческом подходе.

9 [127]

Нигилизм надвигается.
Логика нигилизма
Самопреодоление нигилизма
.
Преодолевшие и преодоленное.

9 [128]

(85) критическое напряжение: крайности проявляются и берут верх.

9 [129]

Упадок протестантизма: теоретически и исторически его следует понимать как полумеру. Фактическое преимущество на стороне католицизма; вкус к протестантизму настолько угас, что сильнейшие антипротестантские движения уже не воспринимаются как таковые (скажем, Вагнеров «Парсифаль»). Вся интеллектуальная элита во Франции — католическая по своему инстинкту; и даже Бисмарк догадался, что никакого такого протестантизма больше попросту нет.

9 [130]

(86) Критика современного человека
(нравоучительного в своей лживости)
«человек добр», да только испорчен и совращен плохими
общественными институтами (тиранами да жрецами)
разум в качестве авторитета; история как преодоление
заблуждений; будущее как прогресс.
христианское государство, «Бог воинств»
христианское детородное производство, или брак
царство «справедливости», культ «человечества»
«свобода»
романтические позы современного человека:
благородный человек (Байрон, В. Гюго, Ж. Санд)
благородное негодование
исцеление страстью (как подлинной «природой»)
солидарность с угнетенными и обойденными жизнью:
девиз историков и романистов.
стоики из чувства долга
«самоотверженность» как искусство и познание
альтруизм (как самая лживая форма эгоизма)
(утилитаризм) наиболее сентиментальный вид
эгоизма.

9 [131]

(87) и все это XVIII столетие. А вот что, напротив того, не осталось в нем: insousiance, непомраченность, изящество, блистательное остроумие; изменился самый темп духа; наслаждение утонченностью и ясностью ума сменилось наслаждением красками, гармонией, массой, реализмом и т.д. Сенсуализм в сфере духа. Короче говоря, это XVIII столетие в духе Руссо.

9 [132]

доблестные и добродетельные

9 [133]

Science sans conscience n’est que ruine de l’âme. Rabelais. conscience sans science c’est le salut —

9 [134]

(88) Огюстен Тьерри в 1814-м прочел то, что де Монлозье написал в своей книге De la monarchie française — он отозвался на прочитанное воплем негодования и принялся писать и сам. А сказал этот эмигрант вот что: Race d’affranchis, race d’esclaves arrachés de nos mains, peuple tributaire, peuple nouveau, licence vous fut octroyée d’être libres, et non pas à nous d’être nobles; pour nous tout est de droit, pour vous tout est de grâce, nous ne sommes point de votre communauté; nous sommes un tout par nous-mêmes.

9 [135]

(до) «евангелическая свобода», «ответственность перед своей совестью», это красивое лицемерие Лютера: в сущности своей — «воля к власти» в ее самой робкой форме. Ведь вот каковы три ее ступени: а) свобода, b) справедливость, с) любовь.

9 [136]

вера — это некая «священная болезнь», об этом знал уже Гераклит: вера — какое-то отупляющее внутреннее принуждение считать что-то безусловно истинным ...

9 [137]

(91) Борьба против великих людей, в качестве ее оправдания — экономические причины. Эти люди опасны, они отклоняются от правила, они — исключения, несущие с собой бурю, достаточно сильные, чтобы поставить под вопрос то, что закладывалось и строилось так долго. Эту взрывчатку надо не только безопасно разрядить, но и по возможности предотвратить ее появление ... Вот он, основной инстинкт цивилизованного общества.

9 [138]

(92) NB брать на службу все ужасающее по отдельности, постепенно, на пробу: вот что предполагает задача построения культуры; но пока она не достаточно для этого сильна, ей приходится побеждать все это, усмирять, запрятывать по углам, даже проклинать ...

— повсюду, где культура начинает видеть зло, она тем самым проявляет свое отношение к нему как ужас — стало быть, проявляет слабость ...

Тезис: все доброе — это бывшее некогда злым, но покоренное.

Критерий: чем более ужасны и грандиозны страсти, которые может позволить себе эпоха, народ, личность, потому что в состоянии воспользоваться ими как средствами, тем выше уровень их культуры. (— границы царства зла становятся все более тесными ...)

— чем посредственней, слабей, раболепней и трусливей человек, тем больше злого он будет видеть вокруг: царство зла для него необозримо, а человек наиболее подлый будет видеть это царство зла (то есть того, что ему запрещено и находится на вражеской территории) повсюду.

9 [139]

(89) Summa: господство над страстями, а не их ослабление или искоренение!

Чем больше властительная сила воли, тем больше воли можно давать страстям.

«Великий человек» велик благодаря объему свободы своих страстей и благодаря еще большей власти, умеющей заставить служить ему этих великолепных чудовищ.

— «добрый человек» на любой ступени цивилизации в одно и то же время неопасен и полезен: он — своего рода середина, выражение в коллективном сознании того, кого можно не бояться и тем не менее нельзя презирать ...

Воспитание: это главным образом способ разрушить исключение, отклонение, соблазн, источник хвори в пользу правила.

Это жестоко — но, с точки зрения экономической, совершенно резонно. По крайней мере, на то долгое время,

Образование: это главным образом способ обратить вкус против исключений и в пользу всего посредственного.



Культура исключения, искушения, опасности, нюанса — как следствие великого кладезя силы: к этому склоняется любая аристократическая культура.

И лишь когда культура будет в состоянии распоряжаться излишком сил, на ее почве может и оранжерейное здание роскошной культуры —

9 [140]

(93) Моя попытка постичь безусловную резонность коллективного вынесения суждений и наделения ценностью — разумеется, безо всякого стремления выжать при этом моральный остаток.

: степень психологического лицемерия и непрозрачности, призванных освятить аффекты, важные для сохранения и умножения власти (чтобы обеспечить себе чистую совесть в их отношении)

: степень глупости, при которой еще возможно какое-то общее регулирование и оценка (для этого — воспитание, контроль элементов образования, дрессировка)

: степень инквизиторства, недоверия и нетерпимости, необходимых, чтобы считать людей исключительных преступниками и их подавлять, — чтобы наделить их даже нечистой совестью, вызывающей в душе болезненное переживание собственной исключительности.



Мораль главным образом как защита, как оборонительное средство: и в этом смысле признак недоросля p. 123

(одеться в броню; вести себя стоически;

а у взрослого прежде всего в руках оружие, он всегда атакует

мечи, перекованные на орала (из чешуек и роговых пластинок, перьев и волос)



Summa: мораль как раз столь же «неморальна», как и всякая другая вещь на свете; и сама нравственность есть форма безнравственности.

Великое освобождение, несомое этим пониманием, удаляет из вещей противоречие, спасает однородность всего происходящего — —

9 [141]

(94) Переутомление, любопытство и сочувствие — наши современные пороки

9 [142]

(95) Вершины культуры и цивилизации не совпадают —

насчет антагонизма этих двух понятий сбиваться с толку непозволительно.

Великие моменты культуры всегда были, выражаясь на моральный лад, эпохами разложения; эпохи сознательного и принудительного приручения («цивилизирования») человека были временами нетерпимости к наиболее духовным и отважным натурам и их страшнейшими супостатами.

9 [143]

(96) Как мало значит объект! Ведь дух — вот кто вдыхает жизнь! Каким болезнетворным и затхлым воздухом веет от всех этих взволнованных разглагольствований о «спасении», любви, «блаженстве», вере, истине, «жизни вечной»! Уж лучше взять в руки какую-нибудь подлинно языческую книгу — скажем, Петрония, который, в сущности, не сделал, не сказал, не умышлял и не ценил ничего такого, что по мерилу христианско-лицемерному не было бы грехом, а то и смертным грехом. А все же, что ни говори, какое испытываешь от нее блаженство — воздуха более чистого, духовности много более высокой, шага более скорого, силы освобожденной и бьющей через край, уверенно глядящей в будущее! Во всем Новом Завете нет ни единой буффонной сцены — но это-то и говорит против любой книги ... В сравнении с ним Новый Завет так и останется симптомом культуры упадка и разложения — именно так он и действовал, будучи ферментом гниения

9 [144]

(97)

О «мнимости логики».

 

Понятия «индивид» и «род» равным образом ложны и не идут дальше очевидности. «Род» выражает всего лишь тот факт, что множество подобных друг другу существ появляются в поле зрения в одно время и что темп усиления и изменения долгое время остается замедленным, так что действительно имевшие место мелкие продвижения вперед и приросты почти не идут в счет (— это фаза развития, на протяжении которой внутреннее развитие остается незаметным, и кажется, будто достигнуто некое равновесие, а в итоге может сложиться ложное представление, будто тут достигнута какая-то цель — и будто в развитии была какая-то цель ...)

Форма считается чем-то незыблемым и потому более ценным; но ведь форма попросту выдумана нами; и пусть сколько угодно говорится, что «нечто принимает все ту же форму» — это все равно не означает, что все это есть одна и та же форма, — напротив, беспрестанно появляется что-то новое, и лишь мы, сравнивая, подытоживаем это новое, в той мере, в какой оно похоже на старое, в качестве единой сущности — «формы». Как будто должен воплотиться какой-то тип, витающий перед становящейся структурою, словно ее образец и внутренняя сущность.

Форма, род, закон, идея, цель — тут повсюду совершается одна и та же ошибка: под фикцию подводится какая-нибудь лжедействительность, словно происходящему свойственно чего-то слушаться, — а тогда в происходящем проводится искусственное различение между тем, что действует, и тем, на что ориентировано это действие (а ведь эти «что» и «на что» всего-навсего установлены нами из покорности нашей логико-метафизической догматике, они — отнюдь не «факт»).

Это принудительное образование понятий, родов, форм, целей, законов — «мир тождественных случаев» — следует понимать не так, будто подобным образом мы можем установить существование истинного мира, а как принудительное для нас упорядочивание мира, в результате которого наше существование становится выносимым, — с его помощью мы создаем мир, поддающийся нашему учету, упрощению, пониманию и т.д.

Эта самая принудительность состоит в чувственной деятельности, поддерживаемой рассудком, — все это упрощение, огрубление, выделение и затыкание щелей, на коем зиждется всякое «узнавание», всякая способность делать вещи вразумительными. Наши потребности так тонко настроили наши чувства, что в итоге постоянно воспроизводится «мир тех же самых явлений», приобретая благодаря этому видимость реальности.

Субъективное принуждение, заставляющее нас верить в логику, говорит лишь о том, что мы, задолго до того, как уяснили себе саму логику, не занимались ничем другим, как только вкладывали ее постулаты в происходящее: ну а теперь мы находим ее в происходящем в готовом виде — иначе мы уже не умеем — и вот уж мним, будто это принуждение — гарантия того, что мы знаем кое-что об «истине». Это мы сами создали понятия «вещь», «тождественная вещь», субъект, предикат, действие, объект, субстанция, форма, сперва дольше долгого попрактиковавшись в проведении отождествления, огрубления и упрощения.

Мир является перед нами логичным, потому что мы его сначала логизировали.

9 [145]

(98)

О «макиавеллизме» власти
(бессознательный макиавеллизм)

 

Воля к власти проявляется

а) у угнетенных, у рабов всех видов — как стремление к «свободе»: уже одно только избавление от гнета кажется им целью (на морально-религиозном языке: «ответственность перед совестью», «евангелическая свобода» и т.д.)

b) у породы более сильной и созревшей для власти — как стремление к превосходству; если сразу же успеха добиться не удается, то оно ограничивается волей к «справедливости», то есть к равенству прав с другою, господствующей породой (борьба за права ...)

с) у натур самых сильных, преизбыточных, независимых, отважных — как «любовь к человечеству», к «народу», к Евангелию, к истине, к Богу; как сострадание; «самопожертвование» и т.д., как стремление захватить, увлечь за собою, взять на службу себе; как инстинктивное самоотождествление с большим квантумом власти, направить которую на какую-нибудь цель они в состоянии: герой, пророк, император, спаситель, пастырь (— сюда же и половая любовь: она стремится к захвату, овладению, а предстает как самоотдача ... ) — в сущности, они любят лишь свое «орудие», своего «коня» ..., они убеждены в том, что то или иное им принадлежит, потому что они — единственные, кто в состоянии им пользоваться.

«Свобода», «справедливость» и «любовь» !!!



Неспособность властвовать: ее гипокризия и хитрость:

под видом покорности (быть как все, гордиться верностью долгу, быть нравственным ...)

под видом преданности, самоотверженности, любви (идеализация, обожествление начальствующих в качестве утешительного приза и косвенного самоумиротворения)

под видом фатализма, резиньяции

под видом «объективности»

под видом самоистязания (стоицизм, аскеза, «самоотречение», «обретение святости»)

(— и всюду выражается потребность хоть немного попользоваться властью или на время создать себе видимость какой-нибудь власти)

под видом критики, пессимизма, негодования, мучительства

под видом «прекраснодушия», «добродетели», «самообожествления», «ухода от мира», «чистоты от мирской скверны» и т.д. (— понимание собственной неспособности властвовать, переодетое в dédain к ней)



Люди, стремящиеся к власти ради приятных преимуществ, предоставляемых властью (политические партии)

другие люди, стремящиеся к власти, даже если она связана с ощутимыми неудобствами и жертвами в смысле счастья и благополучия: эти с амбициями

еще другие люди, стремящиеся к власти хотя бы для того, чтобы она не попала в чужие руки, зависимость от которых они не хотят.



К проблеме: не являет ли собою власть в «воли к власти» всего лишь средство: присваивающая и организующая что-то протоплазма — стало быть, она усиливает себя и употребляет власть, чтобы усиливать себя больше.

В какой мере поведение протоплазмы при этом присвоении и организации дает ключ к пониманию взаимного химического поведения этих веществ (борьба и закрепление власти).

9 [146]

(99) Против Руссо: человек, увы, уже не достаточно зол; противники Руссо, утверждающие: «Человек — это хищный зверь», увы, не правы: проклятье человека — не испорченность, а изнеживание и омораливание; в той области, на которую пришлись самые сильные атаки Руссо, жила как раз пока еще относительно крепкая и удавшаяся порода людей (— тех, в ком сохраняли первозданность великие страсти, воля к власти, стремление к наслаждению, желание и способность повелевать). Чтобы почувствовать, о чем тут идет речь, надо сравнить человека XVIII столетия с человеком Возрождения (и с человеком XVII столетия во Франции): Руссо — симптом презрения к себе и воспаленной самовлюбленности, причем то и другое — признаки того, что ни одно влечение не доминирует: он морализирует и, будучи человеком злопамятным, ищет причину своей никчемности в господствующих сословиях.

9 [147]

(100)

Какими способами добродетель приходит к власти?

 

В точности теми же, что и политическая партия: она клевещет, она бросает тень, она подрывает добродетели, преследующие противоположную цель, те, что уже у власти, измышляет им ложные имена, систематически преследует их и издевается над ними: иными словами, пользуется исключительно «имморальными» средствами.

Что делает с собою страсть, чтобы стать добродетелью? Измышляет себе ложное имя; принципиально клевещет на свои подлинные цели; упражняется в лжепонимании себя; вступает в союз с существующими и общепризнанными добродетелями; афиширует свою вражду к их противникам. Где только можно, покупает покровительство дающих санкции властей; увлекает, воодушевляет, предается идеалистическому ханжеству; залучает на свою сторону партию, чтобы та либо пришла к власти, взяв ее с собою, либо погибла ..., становится бессознательной, наивной ...

9 [148]

(101)

Учение о метаморфозах.

 
Метаморфозы сексуальности
— жестокости
— трусости
— мстительности, гнева
— лености
— властолюбия
— слепой отваги
— лживости, завистливости
— клеветничества
— корыстолюбия
— ненависти

Все то, что та или иная эпоха презирает или ненавидит как добродетели рудиментарные, как пережиток идеала минувших эпох, но выступающий в виде недоразвитости («преступник» ...)

9 [149]

(102) Как поступают, чтобы возвеличить враждебные жизни тенденции?

К примеру, целомудрие
бедность и нищенство
глупость и дикость
презрение к себе
презрение к бытию

9 [150]

(103)

К оптике наделения ценностью:

 

Как сказывается количественная сторона (большое, маленькое) цели.
Как сказывается духовный уровень в средствах.
Как сказывается образ действий.
Как сказываются удача или неудача.
Как сказываются противодействующие силы и их ценность.
Как сказываются дозволенное и запретное.

Количественная сторона цели в ее воздействии на оптику наделения ценностью: великий преступник и мелкий. Количественная сторона преследуемой цели сказывается и на том, кто к ней стремится — станет ли он себя при этом уважать или почувствует себя трусливым и презренным. —

Далее, духовный уровень средств в их воздействии на оптику наделения ценностью. Какая огромная разница между философом-новатором, искусителем и деспотом — и бандитом, варваром и авантюристом! — Видимость «бескорыстия».

Наконец, благородные манеры, самообладание, смелость, вера в свои силы — как они меняют оценку того, что достигается соответствующим образом действий!

Как сказывается запрет: любая власть, если она запрещает что-либо, умеет внушить страх и ощущение «неспокойной совести» тому, кому она это запрещает (это значит, человек станет страстно желать чего-нибудь, но понимать опасность, сопряженную с удовлетворением своего желания, будет вынужден утаивать его, пользоваться уловками, проявлять осторожность; любой запрет портит характер тех, что подчиняются ему не по своей воле, а против нее).

9 [151]

(104) Воля к власти может проявляться, лишь наталкиваясь на сопротивление; она домогается того, что оказывает сопротивление,— это и есть исконная предрасположенность протоплазмы, вытягивающей во все стороны псевдоподии и нашаривающей ими вокруг себя. Захват и присоединение — это прежде всего стремление победить, придать нужную форму, усвоить и преобразовать, пока, наконец, побежденное не окажется во власти захватчика полностью, приумножив его. — Если это включение в свой состав не удастся, то вся структура, очевидно, разделится; эта раздвоенность выступает следствием воли к власти: дабы не упустить завоеванного, воля к власти расходится на две воли (нередко не отказываясь полностью от роли связующего звена между ними).

«Голод» — это всего лишь частичная адаптация, имеющая место, когда основное влечение к власти уже приняло более духовный вид.

9 [152]

Предубежденная уверенность в моральном качестве своего ранга ставит мыслителя на низкое место в иерархии: это отшибает в нем инстинкт привилегии, a parte, ощущение свободы, свойственное творческим натурам, этим «чадам Божьим» (или сатанинским —). А проповедует ли он господствующую мораль или вкладывает свой идеал в дело критики господствующей морали, — это безразлично: в любом случае он принадлежит к стаду, пусть даже на правах того, без кого оно просто не может существовать, — «пастыря» ...

9 [153]

(105)

Сильные люди будущего.

 

Что там и сям достигалось благодаря то нужде, то случаю, — условия для создания породы более сильной, — то мы нынче разумеем, к тому стремимся сознательно: мы в силах создать условия, при которых возможно такое возвышение.

Доселе «воспитание» имело в виду пользу общества: не возможную пользу в будущем, а пользу общества, существующего на данный момент. Нацелено оно было на получение «орудий». Но, предположим, силы будут в изобилии — тогда можно представить себе, каким может быть свободный излишек сил, цель которого была бы важна не для пользы общества, а для какой-то будущей пользы, —

Подобную задачу надо бы ставить настоятельней, чем больше становится понятно, сколь сильной трансформации подвергается общество в его данной форме, чтобы когда-нибудь в будущем существовать уже не ради себя самого — а стать лишь средством в руках некоей более сильной породы.

Растущее измельчание человека — это как раз и есть та движущая сила, что заставляет думать о выведении более сильной породы, которая росла бы именно в той самой сфере, в какой измельчавший вид слабел бы все больше (в сфере воли, ответственности, веры в себя, умения ставить перед собою цели).

А средства будут те самые, которым учит история: изоляция путем перенаправления интересов самосохранения (относительно нынешних обычных); приучение к перенаправленному способу наделять ценностями; пафос дистанции; свобода совести относительно того, что нынче оценивается ниже всего и запрещается пуще всего.

Нивелирование европейского человека — великий процесс, которому мешать не следует: напротив, его надо только ускорять.

Это означает, что необходимо разверзнуть некую пропасть, установить дистанцию, создать иерархию. Но это отнюдь не означает, что необходимо замедлять названный процесс.

Нивелированному виду потребуется оправдание, как только он будет выработан: и оно состоит в служении более высокой и суверенной породе, которая обопрется о него и лишь в опоре на него сумеет возвыситься до своих задач.

Это должна быть не просто раса господ, чья задача исчерпывалась бы управлением, но раса, обладающая собственной сферой жизни, с избытком наделенная силою для красоты, отваги, культуры, поведения — вплоть до самых утонченных плодов ума; раса утверждения жизни, смеющая позволить себе любую большую роскошь ..., достаточно сильная, чтобы обходиться без тирании обязательной добродетели, достаточно богатая, чтобы обходиться без скопидомства и педантства, живущая за пределами добра и зла; это будет теплица для странных и изысканных цветов.

9 [154]

(106) Человек — это изверг животных и сверхживотное; высший человек — изверг человечества и сверхчеловек: такая уж тут связь. С каждым шагом роста вширь и ввысь человек растет и вглубь, в сферу ужасного: нельзя желать одного, не желая другого, — или, скорее, чем более страстно желаешь одного, тем более верно достигаешь как раз противоположного.

9 [155]

(107) Добродетели нынче уже больше нет веры, притягательной силы она лишилась; разве что кому-нибудь удастся вновь пустить ее в оборот как, скажем, некую странную форму авантюры и излишества. Она запрашивает у своих приверженцев чересчур много экстравагантности и ограниченности, будто нынче против нее не восстает совесть. Правда, в глазах людей бессовестных и совершенно беззастенчивых это-то, верно, и придает ей новое очарование — отныне она представляет собою то, чем доселе еще никогда не бывала: порок.

9 [156]

(108)

Подлог в сфере психологии

 

Великие преступления в психологии:

1) всякое страдание, всякое плачевное положение оказалось подменено, став чем-то недолжным (виною) (боль лишилась своей невинности)

2) все сильные ощущения наслаждения (задор, сладострастие, наслаждение победой, гордость, дерзость, познание, вера в себя и довольство собою) оказались заклеймены как нечто греховное, как отход от пути истинного, как что-то подозрительное.

3) ощущение собственной немощи, глубоко укорененной робости, трусость быть собой подтверждались осеняющими святостью именами и назидались в качестве в высшей степени желательных.

4) все великое в человеке было перетолковано как самоотверженность, как самопожертвование в пользу чего-то другого, в пользу других; даже у человека знания, даже у художника обезличенность представлена в ложном свете — как причина его взлета к вершинам познания и творческой мощи.

5) любовь оказалась подменена жертвенностью (и альтруизмом), а ведь на самом-то деле она — вбирание недостающего либо отдача — вследствие бьющего через край богатства личности. Любить умеют только натуры сугубо цельные, люди наименее эгоистичные, «объективные» — самые скверные возлюбленные (— и бабенкам об этом известно!). Это же относится и к любви к Богу либо к «отечеству»: надо крепко сидеть в седле своей натуры,

Эгоизм как превращение в себя, альтруизм — как превращение в другого

6) жизнь — как наказание, блаженство — как искушение; страсти — сатанинскими, вера в себя — безбожною

NB Вся эта психология — это психология предотвращения, своего рода обнесения стеной со страху; с одной стороны, великое множество (обойденные жизнью и посредственные) хочет защититься таким способом от сильнейших (— и помешать им в их развитии ....), с другой — получить возможность освящать и чтить только те влечения, которые позволяют ему процветать. Ср. иудейское жречество.

9 [157]

(109) I. Принципиальный подлог в сфере истории — с тою целью, чтобы она предоставила доказательство истинности оценки со стороны морали.

a) упадок народа и разложение
b) подъем народа и добродетель
c) звездный час народа («его культура») — как следствие его моральной безупречности



II. Принципиальное искажение образов великих людей, великих тружеников, великих эпох

a) тут возникает желание, чтобы отличительным признаком великих была вера: а ведь главная особенность всего великого — решительность, скепсис, умение без зазрения совести отказаться от веры, «имморальность» (Цезарь, Фридрих Великий, Наполеон — но также и Гомер, Аристофан, Леонардо, Гёте: о главном-то всегда умалчивают — а это их «свобода воли» —)

9 [158]

Против чего борюсь я: чтобы порода исключительных не шла войною на тех, которые подчиняются правилу, — вместо этого они должны понять, что условие ценности исключений — существование правила. Скажем, бабы — вместо того чтобы почувствовать похвальность своих потребностей, когда те выходят за рамки обычных, они хотят изменить положение женщины вообще ...

9 [159]

(110)

Чью волю к власти представляет собою мораль?

 

Общее в истории Европы со времен Сократа — это попытка дать моральным ценностям власть надо всеми другими ценностями: при этом они должны быть вожатаями и судьями не только жизни, но и

1. познания
2. искусств
3. государственных и общественных тенденций

«исправление» — единственная задача, все остальное — способы ее решения (или помеха, препятствие, угроза: стало быть, надо вести войну на уничтожение ...)

Подобное движение — в Китае

Подобное движение — в Индии.

Что означает эта воля к власти со стороны моральных сил, воля, что доселе катилась по земле чудовищными волнами?

Ответ:—за нею скрываются три силы: 1) инстинкт стада, направленный против сильных, независимых, 2) инстинкт больных, обойденных жизнью, направленный против счастливцев, 3) инстинкт посредственных, направленный против исключений.— Неимоверная польза этой тенденции, сколько бы жестокости, лживости и тупости ни соучаствовало в ней: (ибо вся история борьбы морали с основными инстинктами жизни и сама есть величайшая неморальность, какая только была доселе на земле ...)

9 [160]

(111)

Моральные ценности в самой теории познания

 

доверие к разуму — почему не недоверие?

«мир истинный» непременно должен быть миром добра — почему?

иллюзорность, изменчивость, противоречивость, борьба расценены как неморальные: страстное желание <попасть> в мир, где всего этого нет.

выдуман трансцендентный мир, чтобы зарезервировать место для «моральной свободы» (у Канта)

диалектика как путь, ведущий к добродетели (у Платона и Сократа: само собой разумеется, ведь софистику-то сочли путем, ведущим к неморальности)

время и пространство идеальны <по природе>: отсюда «единосущие» в вещах, а значит, никакого «греха», никакого зла, никакого несовершенства, — оправдание Бога.

Эпикур отвергает возможность познания — для того, чтобы сохранить верховенство моральных (соотв. гедонистических) ценностей. То же самое делает и Августин; позже — Паскаль («греховный разум»), в пользу христианских ценностей.

Презрение Декарта ко всему изменяющемуся; его же испытывал и Спиноза.

9 [161]

(112) господство моральных ценностей над эстетическими (или их преимущество, или их противоположность, или их смертельная вражда к ним)

9 [162]

(113) Почему надвигается пессимизм

1) наиболее могучие и многообещающие влечения жизни доселе очернялись, в итоге над жизнью тяготеет какое-то проклятие
2) возрастающая смелость, честность и еще более отважное недоверие дают человеку понять, что эти инстинкты неотъемлемы от жизни, почему он и ополчается на нее
3) процветают одни лишь самые посредственные, вообще не ощущающие этого конфликта, а порода более высокая терпит неудачу и вызывает вражду к себе как плод вырождения,— а, с другой стороны, все посредственное, строящее из себя цель и смысл, возмущается (— что некому больше ответить на вопрос «для чего?» —)
4) постоянно усиливается уничижение, мучительность, тревожность, торопливость, сутолока,— и все легче становится дать себе отчет во всей этой беготне и так называемой «цивилизации», а отдельный человек робеет и покоряется ей.

9 [163]

(114) Великие подлоги, совершенные под диктатом моральных ценностей.

1) в истории (включая сюда политику)
2) в теории познания
3) в суждении об искусстве и художниках
4) в оценке человека и поступка (народа и расы)
5) в психологии
6) в системах философии («нравственный миропорядок» и тому подобное)
7) в физиологии, теории эволюции («усовершенствование», «социализация», «отбор»)

9 [164]

Воля к власти.
Опыт переоценки всех ценностей.

Книга первая:
Нигилизм
как вывод из прежних высших ценностей.

Книга вторая:
Критика прежних высших ценностей,
выяснение того, что говорило на их языке Да и Нет.

Книга третья:
Преодоление нигилизмом себя самого,
попытка сказать Да всему, что доселе отрицалось.

Книга четвертая:
Преодолевшие и преодоленное.
Пророчество.

9 [165]

(115) Распущенность современного ума под всякого рода моральными прикрасами:

Вот его словесный камуфляж:

терпимость (говорят вместо «неспособности сказать Да или Нет»)
la largeur de sympathie = одной трети безразличия, одной трети любопытства и одной трети болезненной возбужденности
объективность = нехватке личного начала, нехватке желания, неспособности любить
«свобода» — говорят вместо предписания (романтизм)
«истина» — говорят вместо фальсификации и вранья (натурализм)
«научность» («document humain»), а по-немецки — colportage-роман и куча частностей — говорят вместо композиции
«страстность» — говорят вместо хаоса и неумеренности
«глубина» — говорят вместо смутности, запутанности символики

Касательно «современных веяний»

a) распущенность ума
b) лицедейство
c) болезненная возбудимость (среда как «фатум»)
d) пестрота
e) переутомленность

Вот наилучшие тормоза и способы избавления от «современных веяний»

1. всеобщая воинская повинность и всамделишные, нешуточные войны
2. национальная тупость (упрощать, представлять в сжатом виде, а меж тем еще и переутомлять и изматывать)
3. улучшить питание (мясо)
4. улучшать санитарные и гигиенические условия в жилых помещениях
5. преобладание физиологии над теологией, нравоучительством, экономикой и политикой
6. воинская строгость требований и постоянное осознание своих «обязанностей» (и никаких больше поощрений ...)

9 [166]

(116)

Эстетическое.

 

Чтобы быть классиком, надо

иметь все сильные, мнимо противоречивые способности и страсти: но так, чтобы они были запряжены в одну упряжку

появляться в нужное время, чтобы довести до совершенства какой-нибудь вид литературы, или искусства, или политики (: а не после того, как это уже случилось ...)

отражать в сокровенных глубинах своей души общее состояние (будь то народа, будь то культуры) — пока оно существует и притом не полиняло из-за подражания чужому (или пока зависимо ...)

дух не должен пассивно реагировать — он должен быть завершителем и вожатаем на путях, ведущих вперед, он должен говорить Да во всех случаях, даже когда ненавидит

«А разве тут не требуется личность как высшая ценность?» ... Для того, чтобы, может быть, обдумать, не ведут ли здесь свою игру моральные предрассудки — и не противоречит ли нравственное величие классическому, может быть, уже как таковое?...

«осредиземноморить» музыку: вот мой лозунг ...

Разве эти моральные чудовища не должны неизбежно оказаться романтиками — и словом, и делом? ... Такой перевес одной черты надо всеми другими (как у моральных чудовищ) враждебно уравновешивает именно классическую силу: предположим, человек достиг этого величия, но при этом как-никак классик: тогда можно смело сделать вывод, что того же величия в нем достигла и имморальность, — это, вероятно, имело место у Шекспира (если он и впрямь — лорд Бэкон: —

9 [167]

(117) Преобладание торгашей и посредников, даже в сфере суверенного ума

литератор
«представитель»
историк (этот сплетатель минувшего и нынешнего)
экзотерики и космополиты
посредники между естествознанием и философией
полутеологи.

9 [168]

(118)

К характеристике «современных веяний».

 

чрезмерное развитие промежуточных форм

захирение типов

пресекание традиций, школ
, засилие инстинктов (после того как произошло ослабление силы воли, стремления к цели и средствам ...) (подготовлено в философии: больше ценится бессознательное)

9 [169]

(119)

Шопенгауэр как последний отзвук: предреволюционное состояние.

 

.. Сострадание, чувственность, искусство, ослабление воли, католицизм в наиболее духовных стремлениях — все это доброе XVIII столетие au fond. Коренное непонимание Шопенгауэром воли (как будто главное в воле — это страсть, инстинкт, влечение) типично: недооценка воли вплоть до ее угасания. А равным образом и ненависть к волению; попытка понять отказ от воления, «субъектность без цели и намерения» («чистого, свободного от воли субъекта») как нечто более высокое, даже как само более высокое, полноценное. Вот он, великий симптом истощения, или ослабления воли: ведь воля-то — это и есть, в сущности, то, что обходится со страстью как хозяин, задает ей направление и меру ...

9 [170]

(120)

Эстетическое.

 

современная чеканка фальшивой монеты в искусствах: следует понять как явление необходимое, а именно отвечающее глубинной потребности современной души

затыкают прорехи в способностях, более того, прорехи в воспитании, в усвоении традиции, в выучке

во-первых: выискивают себе не столь артистическую публику, постоянную в своих предпочтениях (— и тотчас преклоняющую колени перед личностью ... ). Тут сказывается суеверие нашего века — суетная вера в гения ...

во-вторых: воспаляют темные инстинкты людей неудовлетворенных, тщеславных, но маскирующихся — людей демократической эпохи: тут важна поза

в-третьих: заимствуют приемы одного искусства для другого, смешивают цели искусства с целями познания, или церкви, или с расовым интересом (национализм), или философии — бьют во все колокола зараз, вызывая смутное подозрение, будто обладают неким «божественным» достоинством

в-четвертых: расточают лесть перед бабами, перед больными, перед недовольными; дают перевес наркотикам и опиатам и в искусстве. Приятно льстят самолюбию «образованных», читателям поэтов и древних легенд

9 [171]

(121) NB.

Разделение всех на «публику» и «келейных знатоков»: в первом случае артисту в наши дни приходится быть шарлатаном, во втором — он хочет быть виртуозом, и больше ничем! Наших специфических для столетия «гениев» с лихвою хватает на обе части, и в обеих они велики; вспомнить великое шарлатанство Виктора Гюго и Р. Вагнера, сочетающееся, правда, с таким обилием подлинного технического блеска, чтобы угодить вкусу даже наиболее рафинированных ценителей искусства

Отсюда и недостаток величия — их оптика постоянно меняется, приноравливаясь то к потребностям самым грубым, то к наиболее рафинированным

9 [172]

(122) В форте Гонзага, под Мессиной.

К предисловию. Состояние глубочайшего опамятования. Я сделал все, чтобы теперь уйти в сторону; я не связан уже ни любовью, ни ненавистью. Словно в старинной крепости. Следы войн, а то и землетрясений. Забвение

9 [173]

(123)

Оценка морали расами и сословиями.

 

Ввиду того, что аффекты и основные влечения каждой расы и каждого сословия выражают какие-то из условий их существования (— по крайней мере, из тех условий, в которых они держались на плаву дольше всего:)

: требуется, чтобы они были «добродетельны» — чтобы они изменяли свою природу, выходили из себя и отрекались от своего прошлого.

: чтобы они перестали отличать себя от других.

: чтобы они уподоблялись друг другу в своих потребностях и желаемых качествах — проще говоря, чтобы они погибли ...

Стремление к единой морали оборачивается, стало быть, тиранической властью той породы, которой эта единая мораль пришлась по вкусу, надо всеми другими: это уничтожение или стирание различий в пользу господствующей породы (и для того, чтобы больше не угрожать ей, и для того, чтобы она могла их использовать).

«Отмена рабства» — якобы дань на алтарь «человеческого достоинства», а на самом деле — уничтожение в корне самостоятельного вида (— подрыв его ценностей, его счастливого самоощущения —).

То, в чем сильна враждебная раса или враждебное сословие, истолковывается как его злейшая, сквернейшая сторона: ведь ею-то он нам и наносит ущерб (— то есть его «добродетели» очерняются, переименовываются).

Когда человек или народ наносит нам ущерб, это вменяется ему в вину: но с его собственной точки зрения, мы-то ему очень кстати, потому что таковы, что из нас можно извлечь выгоду.

Требование «гуманизации» (совершенно наивно мнящее, будто в его руках — формула «что значит быть человеком?») — это ханжество, прикрываясь которым к господству рвется совершенно определенная порода людей: а точнее говоря, один совершенно определенный инстинкт — стадный инстинкт.

«Равенство людей»: что скрывается за тенденцией все больше уравнивать между собою людей только потому, что они — люди.

«Заинтересованность» в общедоступной морали (уловка: превратить сильные страсти — властолюбие и корыстолюбие — в покровителей добродетели).

В какой мере всякого рода дельцы и вообще стяжатели, все, кому приходится давать кредиты и пользоваться ими, по необходимости требуют сходства взглядов и представлений о ценностях: мировая торговля и обмен всякого рода домогаются добродетели и как бы покупают ее себе.

Точно так же и государство и всякого рода властолюбие — в отношении чиновников и солдат; точно так же и наука — чтобы работать спокойно и не тратя понапрасну сил.

Точно так же и жречество.

— Стало быть, тут проявляется стремление добыть себе общепринятую мораль, потому что она доставляет выгоду; а чтобы привести ее к победе, ведется война, применяется насилие ко всему, что неморально, — по какому же «праву»? Да без всякого права вообще: вместо права тут — инстинкт самосохранения. И те же самые классы пользуются неморальностью, когда она им выгодна.

9 [174]

(124) приумножение силы — несмотря на периодический

упадок индивидуума

— заложить основы нового уровня

— методика накопления сил, для сохранения ма

леньких подвижек, в противоположность их не

экономному расточению

— а тем временем подчинять себе разруши

тельную природу, превращая ее в орудие этой эко

номики будущего

— сохранять слабых — ведь должно выполняться не

имоверное количество мелких работ

— сохранять духовный уклад, при котором существо

вание еще возможно для слабых и больных

— укоренять инстинкт солидарности в противовес

инстинкту страха и раболепия

— бороться со случаем, даже если этот случай —

«великий человек»

9 [175]

(125)

Что покровительствует добродетели.

 
   
корыстолюбие
властолюбие
леность
ограниченность
страх
у всех у них есть свой интерес
в деле добродетели:
поэтому-то она так крепка.

9 [176]

Спиноза, о котором Гёте сказал: «Я, по-моему, очень близок к нему, хотя его ум много глубже и чище моего»,— и при случае называл его своим святым.

9 [177]

(127) Пройти по всем пределам современной души, посидеть в каждом из ее закоулков — вот мой честолюбивый замысел, мое мучение, мое блаженство

Преодолеть пессимизм на деле — и обрести в итоге гётевский взгляд, полный любви и благожелательства.

NB. Мой труд должен содержать в себе общий обзор нашего столетия, всей современности, всего, чего достигла «цивилизация»

9 [178]

(128)

Три столетия.

 

Их различную душевную предрасположенность лучше всего выразить так:

Аристократизм Декарт,господство разума, свидетельство суверенитета воли
Феминизм Руссо,господство эмоции, свидетельство суверенитета чувств (лживо)
Анимализм Шопенгауэр,господство страсти, свидетельство суверенитета животной природы (человека) (честнее, но более мрачно)

Семнадцатое столетие — аристократично, оно стремится устанавливать порядок, оно высокомерно по отношению ко всему животному в человеке, сурово обходится с сердцем, оно «бездушно», прямо-таки лишено «душевности», оно «ненемецкое», ему претит все бурлескное и природное, оно любит обобщать и хранит суверенитет в отношении минувшего: ибо верит в себя. В нем много от хищника au fond, много привычного аскетизма — чтобы сохранять господство. Это столетие сильной воли; но это и столетие сильных страстей.

Восемнадцатый век — во власти женщины; он энтузиастически-восторжен, остроумен, поверхностен, но не лишен ума, подчиненного своим интересам, сердцу; libertin во вкушении наиболее изысканных умственных яств, подрыватель всех авторитетов; он упоен, весел, ясен, человечен, склонен изменять себе, он canaille au fond, светский повеса...

Девятнадцатое столетие — более животное, подпольное, уродливое, реалистически мыслящее, плебейское и как раз поэтому «более доброе», «честное», ползающее на брюхе перед любого рода «действительностью», более приверженное к истине и, вне всякого сомнения, более природное, но зато слабовольное, унылое и полное темной похоти, но зато фаталистическое. Оно не питает ни стыдливости, ни почтения ни к «разуму», ни к «сердцу»; оно глубоко убеждено в превосходстве страстного желания (Шопенгауэр сказал «воли»; но ничто другое так не отличает его философию, как то, что воли-то в ней и нет — есть абсолютное отрицание того, что представляет собою волевое на самом деле). Даже мораль сведена к инстинкту («сострадание»).

О. Конт — это продолжение XVIII столетия (превосходство coeur над la tête, сенсуализм в теории познания, альтруистическая восторженность).

Что наука до такой степени сделалась суверенной, показывает, насколько XIX столетие отделалось от преобладания идеалов. Известную «скромность» желаемого делает для нас возможной лишь наша научная любознательность и строгость — эта наша, так сказать, добродетель...

Романтизм — последний отзвук XVIII столетия; своего рода сгущенная тоска по его величественным фантазиям (— на самом деле добрая толика лицедейства и самообмана: романтики хотели сыграть на сцене роль сильной натуры, великой страсти).

Девятнадцатое столетие инстинктивно ищет теорий, которые дали бы ему ощущение оправданности его фаталистического подчинения перед всем фактическим. Уже Гегель был обязан победой над «чувствительностью» и романтическим идеализмом фатализму своего мышления, своею верой в то, что победивший более разумен, своим оправданием наличного «государства» (это вместо «человечества» и т.д.). Шопенгауэр: мы — существа тупые, а в лучшем случае даже упраздняющие себя. Успех детерминизма, установление генеалогии тех обязательных норм, что раньше считались абсолютными, учение о среде и о приспособлении, сведение воли к рефлекторным движениям, отрицание воли как «действующей причины», а напоследок — некая настоящая подмена имени: воли кругом так мало, что это слово освобождается, дабы означать нечто иное.

Другие теории: учение об объективном, «без примеси воли» созерцании как единственном пути к истине — но также и к красоте; механизм, застывшая исчислимость механического процесса; так называемый «натурализм». Принципиальное вычеркивание выбирающего, выносящего суждение, интерпретирующего субъекта, но и вера в «гения» — это чтобы сохранить за собою право на раболепие.

Кант со своим «практическим разумом», со своею фанатичной моралью — настоящий XVIII век; еще совершенно не затронутый историцизмом; игнорирующий действительность своей эпохи, к примеру революцию; не обнаруживающий ни следа греческой философии; создатель фантастического понятия долга; сенсуалист — с другого бока избалованный догматизмом: возвращение к Канту в нашем столетии — это возвращение в XVIII век: возникает желание вновь разжиться правом на старые идеалы и старые восторги,— отсюда такая теория познания, которая «кладет пределы», то есть позволяет по своему желанию устанавливать бытие, потустороннее разуму...

Образ мыслей Гегеля не так уж далек от гётевского: достаточно припомнить, что Гёте сказал о Спинозе. Стремление обожествить вселенную и жизнь, чтобы в ее созерцании и исследовании обрести мир и блаженство; Гегелю разум видится всюду — надо предать себя разуму и смириться. У Гёте — своего рода почти радостный и доверчивый фатализм, ничем не возмущенный, неутомимый, стремящийся слепить из себя какую-то целостность, веру в то, что все спасается лишь в этой целостности, становясь в ней благим и получая свое оправдание.

Свое XVIII столетие Гёте в себе и поощряет, и на него ополчается: чувствительность, энтузиастическое отношение к природе, отсутствие чувства истории, идеализм, непрактичность и кабинетность революционера; он берет в помощники историческую науку, естествознание, античность, равно как и Спинозу (в качестве наиболее реалистически мыслящего); но главное, что его интересует, — это практическая деятельность с исключительно четко очерченными горизонтами; он не отстраняется от жизни; он не робеет и берет на себя, поверх себя, в себя сколько может, — он стремится к целостности, он ополчается на раздор между разумом, чувственностью, эмоцией, волей, он дисциплинирует себя, он лепит себя... он поворачивается лицом ко всем великим реалистам (Наполеон — ярчайшее переживание Гёте).

9 [179]

(129) Гёте: грандиозная попытка преодолеть XVIII столетие (возвращение к типу человека Возрождения), своего рода само-преодоление со стороны этого столетия: он расковал в себе его самые сильные влечения и довел их до логического завершения. Но то, чего он добился для своей собственной личности, не было нашим XIX столетием ...

— он создал образ высокообразованного, держащего себя в узде, чтящего себя человека, дерзающего наделить себя всеми богатствами души и естественности (вплоть до бурлеска и буффонады), потому что для этого он достаточно силен; человека терпимого — не от слабости, а от силы, потому что умеет употребить себе на пользу то, от чего погибнет натура посредственная, — человека более емкого, но от этого отнюдь не расплывающегося в хаосе. Дополняющая его пара — Наполеон (в меньшей степени — Фридрих Великий), который тоже ведет борьбу против XVIII столетия.

NB В каком-то смысле XIX век тоже стремится ко всему тому, чего Гёте достиг для себя: ему присуща некая вселенская широта взглядов, всеприятия, терпеливой выжидательности; дерзкий реализм, почтение перед фактами — и как это только выходит, что в итоге получается отнюдь не Гёте, а какая-то каша, какой-то нигилизм, какая-то никчемность, которая мало-помалу толкает к возвращению в XVIII век (скажем, в виде романтизма, альтруизма, феминизма, натурализма)

9 [180]

(130) Гендель, Лейбниц, Гёте, Бисмарк — типичные представители сильной породы немцев. С уверенностью проводя свою жизнь мимо противоположностей, они полны той гибкой силы, что сторонится твердых убеждений и доктрин, умея использовать одну против другой, а свои руки оставляют свободными.

9 [181]

(131) систематизатор, философ не желает уже признавать за своим умом, что тот жив, что, словно дерево, мощно и ненасытно тянется вширь, решительно не находящий себе места, покуда не выстрогает из него нечто безжизненное, нечто деревянное, какую-то засушенную четырехугольность, «систему». —

9 [182]

(132) «без христианской веры, полагал Паскаль, вы сами, как и природа с историей, будете un monstre et un chaos». На нас сбылось это пророчество — после того, что расслабленно-оптимистический XVIII век приукрасил и рационализировал человека

Шопенгауэр и Паскаль: в каком-то важном смысле Шопенгауэр — первый, кто подхватил направление мыслей Паскаля: un monstre et un chaos — следовательно, то, что надо отвергнуть ... историю, природу, самого человека!

Наша неспособность познать истину — следствие нашей испорченности, нашего морального падения, говорит Паскаль. И то же, в сущности, говорит Шопенгауэр. «Чем дальше заходит порча разума, тем более необходимо учение о спасении» — или, выражаясь на шопенгауэровский лад, отрицание

9 [183]

(133) Семнадцатое столетие страдает человеком как суммою противоречий, «l’amas de contradictions», каковы мы и суть, пытается найти человека, привести его в порядок, вытащить на свет Божий — в то время как столетие восемнадцатое старается позабыть то, что уже известно о природе человека, дабы подогнать его под свою утопию. «Поверхностно, расплывчато, гуманно» — так оно влюблено в «человека» —

Семнадцатое столетие старается вытравить следы личности, чтобы произведение выглядело как можно более жизнеподобным. Восемнадцатое хочет через произведение вызвать интерес к автору.

Семнадцатое столетие ищет в искусстве искусства, часть культуры; восемнадцатое посредством искусства ведет пропаганду в пользу реформ социального и политического толка.



«Утопия», «идеальный человек», обожествленная природа, тщеславие самоинсценировки, послушание пропаганде социальных целей, шарлатанство — все это у нас от восемнадцатого столетия.



Стиль семнадцатого столетия: propre, exact et libre



сильная личность, самодовлеющая или истово напрягающая силы ради Бога, — и эта свойственная современным авторам навязчивость и настырность: полярные противоположности. «Показать себя» — и в сравнении с этим ученые из Пор-Рояля.



У Альфиери было какое-то понимание широкого размаха



ненависть к бурлескному (как непристойности), отсутствие вкуса к природе — свойственны семнадцатому столетию.

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(134) Руссо:ставит норму на почву эмоции
 природа как источник справедливости
 человек совершенствуется в той мере, в какой приближается к природе

(по Вольтеру, в той мере, в какой он отдаляется от природы)

одни и те же эпохи для одного — эпохи прогресса, гуманности, для другого — порчи, несправедливости и неравенства

Вольтер все еще понимает humanità в духе Возрождения, как и virtù (в качестве «высокой культуры»), он ратует за дело honnêtes gens и de la bonne compagnie, за дело вкуса, науки, искусств, даже за дело прогресса и цивилизации.

Борьба разгорается около 1760 года: гражданин Женевы — и турнейский помещик. Лишь с этого момента Вольтер становится человеком своей эпохи, философом, представителем терпимости и барабанщиком неверия (а доселе был всего-навсего un bel esprit). Зависть и ненависть, вызванные успехом Руссо, подгоняли его вперед, «к высотам» —

— Pour «la canaille», un dieu remunerateur et vengeur — Вольтер.

Критика обеих позиций в отношении ценности цивилизации.

социальное новшество — самое прекрасное, что есть для Вольтера, и нет цели более высокой, чем его поддерживать и совершенствовать; чтить социальные установления — это-то и есть honnêteté, а добродетель — послушание известным необходимым «предрассудкам» на благо сохранения «общества».

Миссионер культуры, аристократ, представитель победоносных господствующих сословий и их предпочтений. Руссо же так и остался плебеем, в том числе и как homme de lettres, — и это было неслыханно; его наглое презрение ко всему, что не он сам.

Предмет восхищения и подражания — как правило, болезненные стороны натуры Руссо. (Нечто подобное — у лорда Байрона: та же манера взвинчивать себя до возвышенных ужимок, до мстительной злобы; признаки «пошлости»; позже, придя в себя благодаря Венеции, он понял, что может принести ему больше облегчения и блага, ... l'insouciance.)

он гордится тем, что он собою являет, — несмотря на свое происхождение; но выходит из себя, когда ему об этом напоминают ...

У Руссо, вне всякого сомнения, было душевное расстройство, у Вольтера — какое-то сверхобычное здоровье, легкость. Озлобленность больного; периоды его безумия — это и периоды его человеконенавистничества, его подозрительности ко всем.

Руссо защищает провидение (от Вольтерова пессимизма): ему требовался Бог, чтобы можно было бросать проклятья в лицо общества и цивилизации; само по себе все было необходимо добрым, когда вышло из дланей Божьих; да вот только человек испортил человека. «Добрый человек» как человек естественный был чистейшей фантазией; но в свете учения о Божьем авторстве становился чем-то правдоподобным и имеющим основания.

Влияние Руссо:

идиотизм признан величием, романтизм (первый образец — не самый яркий)
«верховное право на страсть»
«чудовищное разбухание „я“»
«переживание природы»
«уже 100 лет в больном видят законодателя политической жизни»

Романтизм à la Руссо

страсть,
«естественность»
притягательность безумия
озлобленность черни — судья
нелепое тщеславие слабака

9 [185]

(135) Нерешенные проблемы, которые я подымаю вновь:

проблема цивилизации, борьба между Руссо и Вольтером около 1760 года

человек мыслит глубже, становится менее доверчивым, «неморальным», сильным, верящим в свои силы — и в этой степени более «естественным» — это «прогресс»

(при этом благодаря, так сказать, разделению труда размежевываются слои плачевно улучшенные и смягчившиеся, прирученные: в итоге совокупный феномен отнюдь не бросается в глаза.) ... Сила, самообладание и обаяние силы предполагают, что эти более сильные слои владеют искусством внушать, будто их плачевная улучшенность — нечто более высокое. Любой «прогресс» предполагает какое-то перетолкование получивших силу элементов в качестве «добра» (то есть —

9 [186]

(136) Проблема XIX столетия. Предполагают ли друг друга его сильная и слабая стороны? Вырезано ли оно из одного куска? Являет ли собою разноголосица его идеалов, взаимный разлад которых обусловлен какою-то более высокой целью, как что-то более высокое?— Ведь расти в такой мере, в таком сильном напряжении — это может говорить о великом предназначении. Недовольство, нигилизм могли бы оказаться добрым знаком.

9 [187]

Бейль родился 23 января 1783-го

9 [188]

Книга, чтобы думать над нею,— вот и все: она — для тех, которые извлекают удовольствие из мышления, вот и все ...

А что она написана по-немецки, это по меньшей мере несвоевременно: уж лучше бы она была написана по-французски — тогда ее нельзя было бы понять как поощрение каких-нибудь великогерманских чаяний.



Книги, чтобы над ними думать,— они для тех, кому нравится мыслить, вот и все ... Нынешние немцы больше не мыслят: что-то другое доставляет им удовольствие и повод для раздумий. Принцип воли к власти доходил бы до них туго ... Потому-то и хотелось бы мне, чтоб мой Заратустра оказался написан не по-немецки.



Не доверяю я всем этим системам и систематизаторам и держусь от них в сторонке: но даже, верно, и за этою книгой можно обнаружить систему, от которой я увернулся ...

Тяга к системотворчеству: для философа это, выражаясь на моральный лад, некая утонченная испорченность, а на неморальный лад — патология характера; это страсть прикидываться более глупым, чем он есть,— более глупым значит: более сильным, простым, повелительным, необразованным, командующим, тиранящим ...



На читателей я больше не гляжу: мне ли писать для читателей?... Записываю же себя самого, для себя.

9 [189]

нынче немцы-то мыслят менее всех. Но как знать!
Уже через два поколения больше не понадобятся такие
жертвы, как национальное расточение силы, отупение.

9 [190]

Читаю Заратустру: ну как я мог вот так метать свой бисер перед немцами!

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