13, 11[1-417] November 1887 - März 1888

11 [1]

(301) Man soll von sich nichts wollen, was man nicht kann. Man frage sich: willst du vorangehn? Oder willst du für dich gehn? Im ersten Falle wird man, besten Falls, Hirt, das heißt Nothbedarf der Heerde. Im andern Fall muß man etwas Andres können,—von sich Für-sich-gehn-können, muß man Anders- und Anderswohin-gehn-können. In beiden Fällen muß man es können und kann man das Eine, darf man nicht das Andre wollen

11 [2]

(302) Mit Menschen fürlieb nehmen und mit seinem Herzen offnes Haus halten: das ist liberal, aber nicht vornehm. Man erkennt die Herzen, die der vornehmen Gastfreundschaft fähig sind, an den vielen verhängten Fenstern und geschlossenen Läden: sie halten ihre besten Räume zum Mindesten leer, sie erwarten Gäste, mit denen man nicht fürlieb nimmt ...

11 [3]

(303) Man ist um den Preis Künstler, daß man das, was alle Nichtkünstler “Form” nennen, als Inhalt, als “die Sache selbst” empfindet. Damit gehört man freilich in eine verkehrte Welt: denn nunmehr wird einem der Inhalt zu etwas bloß Formalem,—unser Leben eingerechnet.

11 [4]

Ein Brief erinnert mich an deutsche Jünglinge, gehörnte Siegfriede und andre Wagnerianer. Allen Respekt vor der deutschen Genügsamkeit! Es giebt bescheidene Intelligenzen im nördlichen Deutschland, denen sogar die Intelligenz der Kreuzzeitung genugthut. Einem Draußen-Stehenden könnte mitunter der Argwohn kommen, ob das junge Reich, in seinem Heißhunger nach Colonien und allerlei Afrika, das die Erde besitzt, nicht unversehens auch die zwei berühmten schwarzbraunen Inseln verschluckt hat, Horneo und Borneo ...

11 [5]

Ist man Philosoph, wie man immer Philosoph war, so hat man kein Auge für das, was war und das was wird:—man sieht nur das Seiende. Da es aber nichts Seiendes giebt, so blieb dem Philosophen nur das Imaginäre aufgespart, als seine “Welt.”

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Man geht zu Grunde, wenn man immer zu den Gründen geht.

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Eine Raupe zwischen zwei Frühlingen, der bereits ein kleiner Flügel wächst:

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Ein Antrieb zum Besseren”—Formel für “auf den Abtritt gehn”

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(304) Sainte-Beuve: Nichts von Mann; voll eines verlogenen Hasses gegen alle Mannsgeister: schweift umher, feig, neugierig, gelangweilt, verleumderisch,—eine Weibsperson im Grunde, mit einer Weibs-Rachsucht und Weibs-Sinnlichkeit (—letztere hält ihn in der Nähe von Klöstern und andren Brutstätten der Mystik fest, zeitweilig selbst in der Nähe der Saint-Simonisten) übrigens ein wirkliches Genie der médisance, unerschöpflich reich an Mitteln dazu, fähig z.B. auf eine tödtliche Weise zu loben; nicht ohne eine anmuthige Virtuosen-Bereitwilligkeit, seine Kunst zur Schau zu stellen, wo es irgend am Platze ist: nämlich vor aller Art Zuhörerschaft, an der Etwas zu fürchten ist. Freilich nimmt er hinterdrein auch an seinen Zuhörern bei sich Rache, heimlich, kleinlich, unreinlich; in Sonderheit müssen es alle unabweislich vornehmen Naturen büßen, daß sie vor sich selber Ehrfurcht haben,—die hat er nicht! schon das Männliche, Stolze, Ganze, Selbstgewisse reizt ihn, schüttelt ihn bis zum Aufruhr.— Dies ist nun der Psychologe comme il faut: nämlich nach dem Maaß und dem Bedürfniß des jetzigen esprit français, der so spät, so krank, so neugierig ist, so aushorcherisch, so lüstern wie er; Heimlichkeiten schnüffelnd, wie er; instinktiv die Bekanntschaft mit Menschen von Unten und Hintenher suchend, nicht viel anders als es die Hunde unter einander machen (die ja auch auf ihre Art Psychologen sind). Plebejisch im Grunde und mit den Instinkten Rousseaus verwandt: folglich Romantiker—denn unter allem romantisme grunzt und giert der Pöbel nach “Vornehmheit”; revolutionär, aber durch die Furcht leidlich noch im Zaum gehalten. Ohne Freiheit vor Allem, was Stärke hat (öffentliche Meinung, Akademie, Hof, selbst Port-Royal). Seiner im letzten Grunde überdrüssig, bei Zeiten schon ohne Glauben an sein Recht, da zu sein; ein Geist, der sich von jung auf vergeudet hat, der sich vergeudet fühlt, der sich selbst immer dünner und älter wird. Das lebt zuletzt noch fort, von einem Tag zum andern, bloß aus Feigheit; das erbittert sich gegen alles Große an Mensch und Ding, gegen Alles, was an sich glaubt, da es leider Dichter und Halbweib genug ist, um das Große noch als Macht zu fühlen; das krümmt sich beständig, wie jener berühmte Wurm, weil es sich beständig von irgend Etwas Großem getreten fühlt. Als Kritiker ohne Maaßstab, Rückgrat und Halt, mit der Zunge des kosmopolitischen libertin für Vielerlei, aber ohne den Muth selbst zur eingeständlichen libertinage, folglich einem unbestimmten Klassicismus sich unterwerfend. Als Historiker ohne Philosophie und die Macht des Blicks, instinktiv die Aufgabe des Richtens in allen Hauptsachen ablehnend und die Maske der Objektivität vorhaltend (—damit eins der schlimmsten Muster, die das letzte Frankreich gehabt hat): abgesehn, wie billig, von den kleinen Dingen, wo ein feiner und vernutzter Geschmack die höchste Instanz ist, und wo er wirklich den Muth zu sich selber, die Lust an sich selber hat (—darin ist er den Parnassiens verwandt, die wie er die raffinirteste und eitelste Form der modernen Selbstverachtung, Selbstentäußerung darstellen). “Sainte-Beuve a vu une fois le premier Empereur. C’était à Boulogne: il était en train de pisser. N’est-ce pas un peu dans cette posture-là, qu’il a vu et jugé depuis tous les grands hommes?” (Journal des Goncourt, 2. p. 239)—so erzählen seine boshaften Feinde, die Goncourts.

11 [10]

Typen der décadence.

Die Romantiker
Die “freien Geister” Sainte-Beuve
Die Schauspieler.
Die Nihilisten.
Die Artisten.
Die Brutalisten
Die Delikaten.

11 [11]

En amour, la seule victoire est la fuite.— Napoleon.

11 [12]

canis reversus ad vomitum suum

11 [13]

Les philosophes ne sont pas faits pour s’aimer. Les aigles ne volent point en compagnie. Il faut laisser cela aux perdrix, aux étourneaux ... Planer audessus et avoir des griffes, voilà le lot des grands génies.— Galiani.

11 [14]

Le hasard, père de la fortune et souvent beau-père de la vertu. — Galiani.

11 [15]

(Ni l’amour ni les dieux; ce double mal nous tue. Sully Prudhomme.)

11 [16]

Hinter allem moralischen Geschreibsel dieses ländlichen Weibleins, der G. Eliot höre ich immer die aufgeregte Stimme aller litterarischen Debütantinnen: “je me verrai, je me lirai, je m’extasierai et je dirai: Possible, que j’aie eu tant d’esprit? ...”

11 [17]

vomitus matutinus der Zeitungen

11 [18]

si hortum cum bibliotheca habes, nihil deerit. Cicero.

11 [19]

notum quid foemina furens. Virg. Aen. V. 6

11 [20]

“un monstre gai vaut mieux qu’un sentimental ennuyeux”

11 [21]

come l’uom s’eterna (Inf. XV, 85)

11 [22]

“Yo me sucedo a mi mismo,” sage ich wie jener alte Mann bei Lope de Vega, lächelnd, wie er: denn ich weiß es schlechterdings nicht mehr, wie alt ich schon bin und wie jung ich noch sein werde ...

11 [23]

— man hat auch dann noch genug Gründe, zufrieden und selbst dankbar zu sein, und wenn auch nur in der Art, wie es jener alte Schäker war, der tamquam re bene gesta von einem verliebten Stelldichein heimkehrte. Ut desint vires, sagte er zu sich mit der Sanftmuth eines Heiligen, tamen est laudanda voluptas.

11 [24]

(305) George Sand. Ich las die ersten lettres d’un voyageur: wie Alles, was von Rousseau stammt, falsch, von Grund aus, moralistisch verlogen, wie sie selbst, diese “Künstlerin.” Ich halte diesen bunten Tapeten-Stil nicht aus, ebenso wenig diese aufgeregte Pöbel-Ambition nach “vornehmen” Leidenschaften, heroischen Attitüden und Gedanken, die wie Attitüden wirken. Wie kalt muß sie dabei gewesen sein—kalt, wie Victor Hugo, wie Balzac, wie alle eigentlichen Romantiker—: und wie selbstgefällig mag sie dabei dagelegen haben, diese breite fruchtbare Kuh, welche etwas Deutsches an sich hatte, gleich Rousseau selber, und jedenfalls am Ende alles französischen Geschmacks und esprit erst möglich gewesen ist ... Aber Ernest Renan verehrt sie ...

11 [25]

(306) Menschen, die Schicksale sind, die, indem sie sich tragen, Schicksale tragen, die ganze Art der heroischen Lastträger: oh wie gerne möchten sie einmal von sich selber ausruhn! wie dürsten sie nach starken Herzen und Nacken, um für Stunden wenigstens los zu werden, was sie drückt! Und wie umsonst dürsten sie! ... Sie warten; sie sehen sich Alles an, was vorübergeht: Niemand kommt ihnen auch nur mit dem Tausendstel von Leiden und Leidenschaft entgegen, Niemand erräth, inwiefern sie warten ... Endlich, endlich lernen sie ihre erste Lebensklugheit—nicht mehr zu warten; und dann alsbald auch ihre zweite: leutselig zu sein, bescheiden zu sein, von nun an Jedermann zu ertragen, Jederlei zu ertragen—kurz, noch ein wenig mehr zu tragen, als sie bisher schon getragen haben ...

11 [26]

(307) — und wer ohne Vorurtheil die Bedingungen nachrechnet, unter denen hier auf Erden irgend eine Vollkommenheit erreicht wird, dem wird nicht entgehn, wie viel Wunderliches und Peinliches zu diesen Bedingungen gehört. Es scheint, daß zu jedem großen Wachsthum Mist und Dünger irgend welcher Art noth thut. Um einen paradoxen Fall zu nehmen, so behauptete in Hinsicht auf die Vervollkommnung des modernen Weibes eine Autorität, die für diesen heiklen Punkt vielleicht nicht zu unterschätzen ist, der duc de Morny, dieser erfahrenste und “erlebteste” Weiberkenner des letzten Frankreichs, daß dazu selbst ein Laster dienen könne, nämlich die tribaderie: “qui raffine la femme, la parfait, l’accomplit.” —



Nizza den 25. November 1887.

11 [27]

(308) Frau Cosima Wagner ist das einzige Weib größeren Stils, das ich kennen gelernt habe; aber ich rechne ihr es an, daß sie Wagnern verdorben hat. Wie das gekommen ist? Er “verdiente” solch ein Weib nicht: zum Dank dafür verfiel er ihr.— Der Parsifal Ws war zu allererst- und anfänglichst eine Geschmacks-Condescendenz Ws zu den katholischen Instinkten seines Weibes, der Tochter Liszt’s, eine Art Dankbarkeit und Demuth von Seiten einer schwächeren vielfacheren leidenderen Creatur hinauf zu einer, welche zu schützen und zu ermuthigen verstand, das heißt zu einer stärkeren, bornirteren:—zuletzt selbst ein Akt jener ewigen Feigheit des Mannes vor allem “Ewig-Weiblichen.”— Ob nicht alle großen Künstler bisher durch anbetende Weiber verdorben worden sind? Wenn diese unsinnig-eitlen und sinnlichen Affen—denn das sind sie fast allesammt—zum ersten Male und in nächster Nähe den Götzendienst erleben, den das Weib in solchen Fällen mit allen ihren untersten und obersten Begehrungen zu treiben versteht, dann geht es bald genug zu Ende: der letzte Rest von Kritik, Selbstverachtung, Bescheidenheit und Scham vor dem Größeren ist dahin:—von da an sind sie jeder Entartung fähig.— Diese Künstler, die in der herbsten und stärksten Zeit ihrer Entwicklung Gründe genug hatten, ihre Anhängerschaft in Bausch und Bogen zu verachten, diese schweigsam gewordenen Künstler werden unvermeidlich das Opfer jeder ersten intelligenten Liebe (—oder vielmehr jedes Weibs, das intelligent genug ist, sich in Hinsicht auf das Persönlichste des Künstlers intelligent zu geben, ihn als leidend “zu verstehen,” ihn “zu lieben” ...)

11 [28]

Dem Weibe, das er nicht verdient, verfällt der Mann.



Das Weib, als geborene Götzendienerin, verdirbt den Götzen—den Gatten.

11 [29]

Man kann das, was die Ursache dafür ist, daß es überhaupt Entwicklung giebt, nicht selbst wieder auf dem Wege der Forschung über Entwicklung finden; man soll es nicht als “werdend” verstehn wollen, noch weniger als geworden ...

der “Wille zur Macht” kann nicht geworden sein

11 [30]

(309) Eine Höhe und Vogelschau der Betrachtung gewinnen, wo man begreift, wie Alles so, wie es gehn sollte, auch wirklich geht: wie jede Art “Unvollkommenheit” und das Leiden an ihr mit hinein in die höchste Wünschbarkeit gehört ...

11 [31]

(310) Gesammt-Anblick des zukünftigen Europäers: derselbe als das intelligenteste Sklaventhier, sehr arbeitsam, im Grunde sehr bescheiden, bis zum Excess neugierig, vielfach, verzärtelt, willensschwach—ein kosmopolitisches Affekt- und Intelligenzen-Chaos. Wie möchte sich aus ihm eine stärkere Art herausheben? Eine solche mit klassischem Geschmack? Der klassische Geschmack: das ist der Wille zur Vereinfachung, Verstärkung, zur Sichtbarkeit des Glücks, zur Furchtbarkeit, der Muth zur psychologischen Nacktheit (—die Vereinfachung ist eine Consequenz des Willens zur Verstärkung; das Sichtbarwerdenlassen des Glücks insgleichen der Nacktheit, eine Consequenz des Willens zur Furchtbarkeit ...) Um sich aus jenem Chaos zu dieser Gestaltung emporzukämpfen—dazu bedarf es einer Nöthigung: man muß die Wahl haben, entweder zu Grunde zu gehn oder sich durchzusetzen. Eine herrschaftliche Rasse kann nur aus furchtbaren und gewaltsamen Anfängen emporwachsen. Problem: wo sind die Barbaren des 20. Jahrhunderts? Offenbar werden sie erst nach ungeheuren socialistischen Krisen sichtbar werden und sich consolidiren,—es werden die Elemente sein, die der größten Härte gegen sich selber fähig sind und den längsten Willen garantiren können ...

11 [32]

(311)

Zur Psychologie derHirten.” Die grossen Durchschnittlichen.

 

Kann man sich verbergen, daß ein Geist und Geschmack durchschnittlich sein muß, um tiefe breite populäre Wirkungen zu hinterlassen, und daß z.B. es noch nicht zu Unehren Voltaire’s verstanden werden darf, wenn ihn der Abbé Trublet mit allerbestem Rechte “la perfection de la médiocrité” genannt hat? (—wäre er das nämlich nicht gewesen, wäre er eine Ausnahme gewesen, wie etwa der Neapolitaner Galiani eine Ausnahme war, jener tiefste und nachdenklichste Hanswurst, den jenes heitere Jahrhundert hervorgebracht hat, woher dann seine Kraft zu führen? woher sein übergewicht über seine Zeit?) Man könnte übrigens das Gleiche auch noch in Hinsicht auf einen viel populären Fall behaupten: auch der Stifter des Christenthums muß etwas von einer “perfection de la médiocrité” gewesen sein. Lasse man sich doch einmal die Hauptsätze jenes berühmten Evangeliums der Bergpredigt zu einer Person concresciren:—man wird hinterdrein darüber nicht mehr in Zweifel sein, weshalb gerade ein solcher Hirt und Bergprediger verführerisch auf alle Art Heerdenthier gewirkt hat.

11 [33]

(312) — “une croyance presque instinctive chez moi c’est que tout homme puissant ment quand il parle, et à plus forte raison quand il écrit.”— Stendhal.

11 [34]

(313) Flaubert hielt weder Mérimée noch Stendhal aus; man konnte ihn wüthend machen, wenn man “Monsieur Beyle” in seiner Gegenwart citirte. Der Unterschied liegt darin: Beyle stammt von Voltaire, Flaubert von Victor Hugo.

Die “Männer von 1830” (—Männer? ...) haben eine unsinnige Vergötterung mit der Liebe getrieben: Alfred de Musset, Richard Wagner; auch mit der Ausschweifung und dem Laster ...

“Je suis de 1830, moi! J’ai appris à lire dans Hernani, et j’aurai voulu être Lara! J’exècre toutes les lâchetés contemporaines, l’ordinaire de l’existence et l’ignominie des bonheurs faciles.” Flaubert.

11 [34]

(313)      Flaubert hielt weder Mérimée noch Stendhal aus; man konnte ihn wüthend machen, wenn man “Monsieur Beyle” in seiner Gegenwart citirte. Der Unterschied liegt darin: Beyle stammt von Voltaire, Flaubert von Victor Hugo.

Die “Männer von 1830” (—Männer? ...) haben eine unsinnige Vergötterung mit der Liebe getrieben: Alfred de Musset, Richard Wagner; auch mit der Ausschweifung und dem Laster ...

“Je suis de 1830, moi! J’ai appris à lire dans Hernani, et j’aurai voulu être Lara! J’exècre toutes les lâchetés contemporaines, l’ordinaire de l’existence et l’ignominie des bonheurs faciles.” Flaubert.

11 [35]

(314) Die Geschlechtlichkeit, die Herrschsucht, die Lust am Schein und am Betrügen, die große freudige Dankbarkeit für das Leben und seine typischen Zustände—das ist am heidnischen Cultus wesentlich und hat das gute Gewissen auf seiner Seite.— Die Unnatur (schon im griechischen Alterthum) kämpft gegen das Heidnische an, als Moral, Dialektik.



Nizza den 15. Dezember 1887

11 [36]

über den Rang entscheidet das Quantum Macht, das du bist; der Rest ist Feigheit.

11 [37]

Wessen Instinkt auf Rangordnung aus ist, der haßt die Zwischengebilde und Zwischenbildner: alles Mittlere ist sein Feind.

11 [38]

(315) Aus dem Druck der Fülle, aus der Spannung von Kräften, die beständig in uns wachsen und noch nicht sich zu entladen wissen, entsteht ein Zustand, wie er einem Gewitter vorhergeht: die Natur, die wir sind, verdüstert sich. Auch das ist Pessimismus ... Eine Lehre, die einem solchen Zustand ein Ende macht, indem sie irgend Etwas befiehlt, eine Umwerthung der Werthe, vermöge deren den aufgehäuften Kräften ein Weg, ein Wohin gezeigt wird, so daß sie in Blitzen und Thaten explodieren—braucht durchaus keine Glückslehre zu sein: indem sie Kraft auslöst, die bis zur Qual zusammengedrängt und gestaut war, bringt sie Glück.

11 [39]

— mit denen ich wenig Mitgefühl habe. Ich rechne sie zu den Krebsen. Erstens nämlich: wenn man sich mit ihnen zu schaffen macht, so kneipen sie; und dann—sie gehen rückwärts.

11 [40]

— kuhwarme Milchherzen

11 [41]

Ein müder Wanderer, den das harte Gebell eines Hundes empfängt.

11 [42]

— ein Entlaufener, der lange im Gefängniß saß, in Furcht vor einem Stockmeister: jetzt geht er furchtsam seines Wegs, der Schatten eines Stockes macht ihn schon stolpern.

11 [43]

— Tugend im Renaissance-Stil, virtù, moralinfreie Tugend

11 [44]

(316) Daß man sein Leben, seine Gesundheit, seine Ehre aufs Spiel setzt, das ist die Folge des übermuthes und eines überströmenden verschwenderischen Willens: nicht aus Menschenliebe, sondern weil jede große Gefahr unsre Neugierde in Bezug auf das Maaß unsrer Kraft, unsres Muthes herausfordert.

11 [45]

(317) Emerson, viel aufgeklärter, vielfacher, raffinirter, glücklicher, ein Solcher, der instinktiv sich von Ambrosia nährt und das Unverdauliche in den Dingen zurückläßt. Carlyle, der ihn sehr liebte, sagte trotzdem von ihm “er giebt uns nicht genug zu beißen”: was mit Recht gesagt sein mag, aber keineswegs zu Ungunsten Emerson’s.

Carlyle, ein Mann der starken Worte und der excentrischen Attitüden, ein Rhetor aus Noth, den beständig das Verlangen nach einem starken Glauben agacirt und das Gefühl der Unfähigkeit dazu (—eben damit ein typischer Romantiker—) Das Verlangen nach einem starken Glauben ist nicht der Beweis eines starken Glaubens, vielmehr das Gegentheil: hat man ihn, so verräth sich das eben damit, daß man sich den Luxus der Skepsis und der frivolen Ungläubigkeit gönnen darf,—man ist eben reich genug dazu. Carlyle betäubt etwas in sich durch die Heftigkeit seiner Verehrung für Menschen des starken Glaubens und durch seine Wuth gegen alle weniger Einfältigen: diese beständige leidenschaftliche Unredlichkeit gegen sich, um moralisch zu reden, degoutirt mich an ihm. Daß die Engländer gerade an ihm seine Redlichkeit bewundern, das ist englisch; und, in Anbetracht, daß sie das Volk des vollkommenen cant sind, sogar billig und nicht nur begreiflich. Im Grunde ist Carlyle ein Atheist, der es nicht sein will. —

11 [46]

In diesen streitbaren Abhandlungen, in denen ich meinen Feldzug gegen das verhängnißvollste bisherige Werthurtheil, gegen, unsere Überschätzung der Moral fortsetze —



Ein solches Wort des Friedens steht wie billig am Schluß dieser kriegerischen Abhandlungen, mit denen ich meinen Feldzug gegen eins unserer verhängnißvollsten Werthurtheile, gegen unsere bisherige Schätzung und Überschätzung der Moral eröffnet habe.

11 [47]

— Feuchte Ideale und andere Thauwinde

11 [48]

(318) Ein Geist, der Großes will der auch die Mittel dazu will, ist nothwendig Skeptiker: womit nicht gesagt ist, daß er es auch scheinen müßte. Die Freiheit vor jeder Art überzeugung gehört zu seiner Stärke, das Freiblickenkönnen. Die große Leidenschaft, der Grund und die Macht seines Seins, noch aufgeklärter und despotischer als er selbst es ist,—sie nimmt seinen ganzen Intellekt in ihren Dienst (und nicht nur in ihren Besitz); sie macht unbedenklich; sie giebt ihm den Muth zu unheiligen Mitteln (sogar zu heiligen), sie gönnt überzeugungen, sie braucht und verbraucht selbst überzeugungen, aber sie unterwirft sich ihnen nicht. Das macht, sie allein weiß sich als souverain. Umgekehrt: das Bedürfniß nach Glauben, nach irgend etwas Unbedingtem von Ja und Nein, ist ein Bedürfniß der Schwäche; alle Schwäche ist Willensschwäche; alle Schwäche des Willens rührt daher, daß keine Leidenschaft, kein kategorischer Imperativ kommandirt. Der Mensch des Glaubens, der “Gläubige” jeder Art ist nothwendig eine abhängige Art Mensch, das heißt eine solche, die sich nicht als Zweck ansetzen, noch überhaupt von sich aus Zwecke ansetzen kann,—die sich als Mittel verbrauchen lassen muß ... Sie giebt instinktiv einer Moral der Entselbstung die höchste Ehre; zu ihr überredet sie Alles, ihre Klugheit, ihre Erfahrung, ihre Eitelkeit. Und auch der Glaube ist noch eine Form der Entselbstung. —

11 [49]

(319) Aus dem ungeheuren Bereiche der Kunst, welches antideutsch ist und bleiben wird und von dem ein für alle Mal deutsche jünglinge, gehörnte Siegfriede und andere Wagnerianer ausgeschlossen sind:—der Geniestreich Bizet’s, welcher einer neuen—ach, so alten—Sensibilität, die bisher in der gebildeten Musik Europas noch keine Sprache gehabt hatte, zum Klange verhalf, einer südlicheren, brauneren, verbrannteren Sensibilität, welche freilich nicht vom feuchten Idealismus des Nordens aus zu verstehen ist. Das afrikanische Glück, die fatalistische Heiterkeit, mit einem Auge, das verführerisch, tief und entsetzlich blickt; die lascive Schwermuth des maurischen Tanzes; die Leidenschaft blinkend, scharf und plötzlich wie ein Dolch; und Gerüche aus dem gelbe Nachmittage des Meeres heranschwimmend bei denen das Herz erschrickt, wie als ob es sich an vergessene Inseln erinnere, wo es einst weilte, wo es ewig hätte weilen sollen ...

Antideutsch: Der Buffo. Der maurische Tanz

Die anderen antideutschen Kostbarkeiten des aesthet Genusses

11 [50]

Die “wahre Welt,” wie immer auch man sie bisher concipirt hat,—sie war immer die scheinbare Welt noch einmal.

11 [51]

Man muß Muth im Leibe haben, um sich eine Schlechtigkeit zu gestatten: die Meisten sind zu feige dazu.

11 [52]

“Caesar unter Seeräubern”

11 [53]

und unter diesen Dichtern findet man Hengste, die auf eine keusche Weise wiehern

11 [54]

(320)

Von der Herrschaft
der Tugend
.
Wie man der Tugend zur Herrschaft
verhilft
.
Ein tractatus politicus.
Von
Friedrich Nietzsche.

 

Vorrede.

Dieser tractatus politicus ist nicht für Jedermanns Ohren: er handelt von der Politik der Tugend, von ihren Mitteln und Wegen zur Macht. Daß die Tugend zur Herrschaft strebt, wer möchte ihr das verbieten? Aber wie sie das thut—! man glaubt es nicht ... Darum ist dieser tractatus nicht für Jedermanns Ohren. Wir haben ihn denen zum Nutzen bestimmt, denen daran gelegen ist, zu lernen, nicht wie man tugendhaft wird, sondern wie man tugendhaft macht,—wie man die Tugend zur Herrschaft bringt. Ich will sogar beweisen, daß, um dies Eine zu wollen, die Herrschaft der Tugend, man grundsätzlich das Andere nicht wollen darf; eben damit verzichtet man darauf, tugendhaft zu werden. Dies Opfer ist groß: aber ein solches Ziel lohnt vielleicht Opfer. Und selbst noch größere! ... und einige von den großen Moralisten haben so viel risquirt. Von diesen nämlich wurde bereits die Wahrheit erkannt und vorweggenommen, welche mit diesem Traktat zum ersten Male gelehrt werden soll: daß man die Herrschaft der Tugend schlechterdings nur durch dieselben Mittel erreichen kann, mit denen man überhaupt irgend eine Herrschaft erreicht, jedenfalls nicht durch die Tugend ...

Dieser Traktat handelt, wie gesagt, von der Politik in der Tugend: er setzt ein Ideal dieser Politik an, er beschreibt sie so, wie sie sein müßte, wenn etwas auf dieser Erde vollkommen sein könnte. Nun wird kein Philosoph darüber in Zweifel sein, was der Typus der Vollkommenheit in der Politik ist; nämlich der Macchiavellismus. Aber der Macchiavellismus, pur, sans mélange, cru, vert, dans toute sa force, dans toute son âpreté ist übermenschlich, göttlich, transscendent, er wird von Menschen nie erreicht, höchstens gestreift ... Auch in dieser engeren Art von Politik, in der Politik der Tugend, scheint das Ideal nie erreicht worden zu sein. Auch Plato hat es nur gestreift. Man entdeckt, gesetzt daß man Augen für versteckte Dinge hat, selbst noch an den unbefangensten und bewußtesten Moralisten (—und das ist ja der Name für solche Politiker der Moral, für jede Art Begründer neuer Moral-Gewalten), Spuren davon, daß auch sie der menschlichen Schwäche ihren Tribut gezollt haben. Sie alle aspirirten, zum Mindestenin ihrer Ermüdung, auch für sich selbst zur Tugend: erster und capitaler Fehler eines Moralisten,—als welcher Immoralist der That zu sein hat. Daß er gerade das nicht scheinen darf, ist eine andere Sache. Oder vielmehr ist es nicht eine andere Sache: es gehört eine solche grundsätzliche Selbstverleugnung (moralisch ausgedrückt, Verstellung) mit hinein in den Kanon des Moralisten und seiner eigensten Pflichtenlehre: ohne sie wird er niemals zu seiner Art Vollkommenheit gelangen. Freiheit von der Moral, auch von der Wahrheit, um jenes Zieles willen, das jedes Opfer aufwiegt: Herrschaft der Moralso lautet jener Kanon. Die Moralisten haben die Attitüde der Tugend nöthig, auch die Attitüde der Wahrheit; ihr Fehler beginnt erst, wo sie der Tugend nachgeben, wo sie die Herrschaft über die Tugend verlieren, wo sie selbst moralisch werden, wahr werden. Ein großer Moralist ist, unter Anderem, nothwendig auch ein großer Schauspieler; seine Gefahr ist, daß seine Verstellung unversehens Natur wird, wie es sein Ideal ist, sein esse und sein operari auf eine göttliche Weise auseinander zu halten; Alles, was er thut, muß er sub specie boni thun,—sein hohes, fernes, anspruchsvolles Ideal! Ein göttliches Ideal! ... Und in der That geht die Rede, daß der Moralist damit kein geringeres Vorbild nachahmt als Gott selbst: Gott, diesen größten Immoralisten der That den es giebt, der aber nichtsdestoweniger zu bleiben versteht, was er ist, der gute Gott ...

11 [55]

(321) Man soll es dem Christenthum nie vergeben, daß es solche Menschen wie Pascal zu Grunde gerichtet hat. Man soll nie aufhören, eben dies am Christenthum zu bekämpfen, daß es den Willen dazu hat, gerade die stärksten und vornehmsten Seelen zu zerbrechen. Man soll sich nie Frieden geben, solange dies Eine noch nicht in Grund und Boden zerstört ist: das Ideal vom Menschen, welches vom Christenthum erfunden worden ist. Der ganze absurde Rest von christlicher Fabel, Begriffs-Spinneweberei und Theologie geht uns nichts an; er könnte noch tausend Mal absurder sein, und wir würden nicht einen Finger gegen ihn aufheben. Aber jenes Ideal bekämpfen wir, das mit seiner krankhaften Schönheit und Weibs-Verführung, mit seiner heimlichen Verleumder-Beredsamkeit allen Feigheiten und Eitelkeiten müdgewordener Seelen zuredet—und die Stärksten haben müde Stunden—, wie als ob alles das, was in solchen Zuständen am nützlichsten und wünschbarsten scheinen mag, Vertrauen, Arglosigkeit, Anspruchslosigkeit, Geduld, Liebe zu seines Gleichen, Ergebung, Hingebung an Gott, eine Art Abschirrung und Abdankung seines ganzen Ich’s, auch an sich das Nützlichste und Wünschbarste sei; wie als ob die kleine bescheidene Mißgeburt von Seele, das tugendhafte Durchschnittsthier und Heerdenschaf Mensch nicht nur den Vorrang vor der stärkeren, böseren, begehrlicheren, trotzigeren, verschwenderischeren und eben darum hundertfach gefährdeteren Art Mensch habe, sondern geradezu für den Menschen überhaupt das Ideal, das Ziel, das Maaß, die höchste Wünschbarkeit abgebe. Diese Aufrichtung eines Ideals war bisher die unheimlichste Versuchung, welcher der Mensch ausgesetzt war: denn mit ihm drohte den stärker gerathenen Ausnahmen und Glücksfällen von Mensch, in denen der Wille zur Macht und zum Wachsthum des ganzen Typus Mensch einen Schritt vorwärts thut, der Untergang; mit seinen Werthen sollte das Wachsthum jener Mehr-Menschen an der Wurzel angegraben werden, welche um ihrer höheren Ansprüche und Aufgaben willen freiwillig auch ein gefährlicheres Leben (ökonomisch ausgedrückt: Steigerung der Unternehmer-Kosten ebensosehr wie der Unwahrscheinlichkeit des Gelingens) in den Kauf nehmen. Was wir am Christenthum bekämpfen? Daß es die Starken zerbrechen will, daß es ihren Muth entmuthigen, ihre schlechten Stunden und Müdigkelten ausnützen, ihre stolze Sicherheit in Unruhe und Gewissensnoth verkehren will, daß es die vornehmen Instinkte giftig und krank zu machen versteht, bis sich ihre Kraft, ihr Wille zur Macht rückwärts kehrt, gegen sich selber kehrt,—bis die Starken an den Ausschweifungen der Selbstverachtung und der Selbstmißhandlung zu Grunde gehn: jene schauerliche Art des Zugrundegehens, deren berühmtestes Beispiel Pascal abgiebt.

11 [56]

(322) Zola:—ein gewisser Wetteifer mit Taine, ein Ablernen von dessen Mitteln, in einem skeptischen milieu es zu einer Art von Diktatur zu bringen. Dahin gehört die absichtliche Vergröberung der Principien, damit sie als Commando wirken.

11 [57]

Begreifen—das ist Gutheißen? —

11 [58]

(323) Sich selbst nicht zu erkennen: Klugheit des Idealisten. Der Idealist: ein Wesen, welches Gründe hat über sich dunkel zu bleiben und das klug genug ist, sich auch über diese Gründe noch dunkel zu bleiben.

11 [59]

(324) Das Litteraturweib, unbefriedigt, aufgeregt, öde in Herz und Eingeweide, mit schmerzhafter Neugierde jeder Zeit auf den Imperativ hinhorchend, der aus der Tiefe ihrer Organisation kategorisch sein aut liberi aut libri formulirt: das Litteraturweib, gebildet genug, um die Stimme der Natur zu verstehn, selbst wenn sie Latein redet und andrerseits ehrgeizig genug, um mit sich im Geheimen auch noch französisch zu sprechen: “je me verrai, je me lirai, je m’extasierai et je dirai: Possible que j’aie eu tant d’esprit?” ...

Das vollkommene Weib begeht Litteratur, wie es eine kleine Sünde begeht, zum Versuch, im Vorübergehn, sich umblickend, ob es Jemand bemerkt und daß es Jemand bemerkt: es weiß, wie gut dem vollkommenen Weibe ein kleiner Fleck Fäulniß und brauner Verdorbenheit steht,—es weiß noch besser, wie alles Litteraturmachen am Weibe wirkt, als Fragezeichen in Hinsicht auf alle sonstigen weiblichen pudeurs ...

11 [60]

(325)

Die moderne Unklarheit. —

 

Ich sehe nicht ab, was man mit dem europäischen Arbeiter machen will. Er befindet sich viel zu gut, um jetzt nicht Schritt für Schritt mehr zu fordern, unbescheidener zu fordern: er hat zuletzt die Zahl für sich. Die Hoffnung ist vollkommen vorüber, daß hier eine bescheidene und selbstgenügsame Art Mensch, ein Sklaventhum im gemildertsten Sinne des Wortes, kurz ein Stand, etwas, das Unwandelbarkeit hat, sich herausbilde. Man hat den Arbeiter militärtüchtig gemacht: man hat ihm das Stimmrecht, das Coalitionsrecht gegeben: man hat Alles gethan, um die Instinkte, auf die ein Arbeiter-Chinesenthum sich gründen könnte, zu verderben: so daß der Arbeiter heute seine Existenz bereits als einen Nothstand (moralisch ausgedrückt als ein Unrecht ...) empfindet und empfinden läßt... Aber was will man? nochmals gefragt. Wenn man ein Ziel will, muß man die Mittel wollen: wenn man Sklaven will,—und man braucht sie!—muß man sie nicht zu Herren erziehen.

11 [61]

(326) “Die Summe der Unlust überwiegt die Summe der Lust: folglich wäre das Nichtsein der Welt besser als deren Sein”: dergleichen Geschwätz heißt sich heute Pessimismus

“Die Welt ist etwas, das vernünftiger Weise nicht wäre, weil sie dem empfindenden Subjekt mehr Unlust als Lust verursacht.”

Lust und Unlust sind Nebensachen, keine Ursachen; es sind Werthurtheile zweiten Ranges, die sich erst ableiten von einem regierenden Werth; ein in Form des Gefühls redendes “nützlich” “schädlich,” und folglich absolut flüchtig und abhängig. Denn bei jedem “nützlich” “schädlich” sind immer noch hundert verschiedene Wozu? zu fragen.

Ich verachte diesen Pessimismus der Sensibilität: er ist selbst ein Zeichen tiefer Verarmung an Leben. Ich werde nie zulassen, daß solch ein magerer Affe wie Hartmann von seinem “philosophischen Pessimismus” redet. —

11 [62]

(327)

Talma hat gesagt:

 

oui, nous devons être sensibles, nous devons éprouver l’émotion, mais pour mieux l’imiter, pour mieux en saisit le caractère par l’étude et la réflexion. Notre art en exige de profondes. Point d’improvisation possible sur la scène, sous peine d’échec. Tout est calculé, tout doit être prévu, et l’émotion, qui semble soudaine, et le trouble, qui paraît involontaire.— L’intonation, le geste, le regard qui semblent inspirés, ont été répétés cent fois. Le poète rêveur cherche un beau vers, le musicien une mélodie, le géomêtre une démonstration: aucun d’eux n’y attache plus d’interêt que nous à trouver le geste et l’accent, qui rend le mieux le sens d’un seul hémistiche. Cette étude suit en tous lieux l’acteur épris de son art.— Faut-il vous dire plus? Nous nous sommes à nous-mêmes, voyez vous, quand nous aimons notre art, des sujets d’observation. J’ai fait des pertes bien cruelles; j’ai souvent ressenti des chagrins profonds; hé bien, après ces premiers moments où la douleur se fait jour par des cris et par des larmes, je sentai qu’involontairement je faisais un retour sur mes souffrances et qu’en moi, à mon insu, l’acteur étudiait l’homme et prenait la nature sur le fait. Voici de quelle façon nous devons éprouver l’émotion pour être un jour en état de la rendre; mais non à l’improviste et sur la scène, quand tous les yeux sont fixés sur nous; rien n’exposerait plus notre situation. Récemment encore, je jouais dans Misanthropie et repentir avec une admirable actrice; son jeu si réfléchi et pourtant si naturel et si vrai, m’entraînait. Elle s’en aperçut. Quel triomphe! et pourtant elle me dit tout bas: “Prenez garde, Talma, vous êtes ému!” C’est qu’en effet de l’émotion naît le trouble; la voix résiste, la mémoire manque, les gestes sont faux, l’effet est détruit! Ah! nous ne sommes pas la nature, nous ne sommes que l’art, qui ne peut tendre qu’à imiter.

11 [63]

Lessing setzte Molière unter Destouches

Minna von Barnhelm—“un marivaudage raisonné.”

11 [64]

Chinesisch: “da mein Geliebter in meinem Herzen einlogirt ist, so hüte ich mich, warm zu essen: diese Hitze soll ihm nicht lästig sein”

“Sähest du selbst deine Mutter vor Hunger sterben, thue nichts, was der Tugend zuwider ist.”

“wenn du, der Schildkröte gleich, die ihre fünf Gliedmaßen in ihre Schale zurückzieht, deine fünf Sinne in dich selber zurückziehst, so wird dir dies noch nach dem Tode zu Gunsten kommen: du wirst die himmlische Seligkeit erhalten.”

11 [65]

“Man ist erstaunt über das viele Zögern und Zaudern in der Argumentation des Montaigne. Aber auf den Index im Vatican gesetzt, allen Parteien längst verdächtig, setzt er vielleicht freiwillig seiner gefährlichen Toleranz, seiner verleumdeten Unparteilichkeit, die Sordine einer Art Frage auf. Das war schon viel in seiner Zeit: Humanität, welche zweifelt ...”

11 [66]

Mérimée, supérieur comme joaillier en vices et comme ciseleur en difformités, gehört zur Bewegung von 1830, nicht durch die passion (sie fehlt ihm—), sondern durch die Neuheit des calculirten procédé, und die kühne Wahl der Stoffe.

11 [67]

“bains intérieurs” um mich züchtig nach Art der Madame Valmore auszudrücken

11 [68]

“rien ne porte malheur comme une bonne action”

11 [69]

(328) Sainte-Beuve: “la jeunesse est trop ardente pour avoir du goût.

Pour avoir du goût, il ne suffit pas d’avoir en soi la faculté de goûter les belles et douces choses de l’esprit, il faut encore du loisir, une âme libre et vacante, redevenue comme innocente, non livrée aux passions, non affairée, non bourrelée d’âpres soins et d’inquiétudes positives; une âme désintéressée et même exempte du feu trop ardent de la composition, non en proie à sa propre verve insolente; il faut du repos, de l’oubli, du silence, d’espace autour de soi. Que de conditions, même quand on a en soi la faculté de les trouver, pour jouir des choses délicates!” —

11 [70]

Bei der Aufführung der Christine (von A. Dumas): Joanny hat einen gezeichneten Paß der Königin. Im Augenblick sich dessen zu bedienen, überlegt er sich anders und schließt das Papier an sich mit den Worten: réservons en l’effet pour de plus grands besoins.

11 [71]

(329) Unlust und Lust sind die denkbar dümmsten Ausdrucksmittel von Urtheilen: womit natürlich nicht gesagt ist, daß die Urtheile, welche hier auf diese Art laut werden, dumm sein müßten. Das Weglassen aller Begründung und Logicität, ein Ja oder Nein in der Reduktion auf ein leidenschaftliches Haben-wollen oder Wegstoßen, eine imperativische Abkürzung, deren Nützlichkeit unverkennbar ist: das ist Lust und Unlust. Ihr Ursprung ist in der Central-Sphäre des Intellekts; ihre Voraussetzung ist ein unendlich beschleunigtes Wahrnehmen, Ordnen, Subsumiren, Nachrechnen, Folgern: Lust und Unlust sind immer Schlußphänomene, keine “Ursachen” ...

Die Entscheidung darüber, was Unlust und Lust erregen soll, ist vom Grade der Macht abhängig: dasselbe, was in Hinsicht auf ein geringes Quantum Macht als Gefahr und Nöthigung zu schnellster Abwehr erscheint, kann bei einem größeren Bewußtsein von Machtfülle eine wollüstige Reizung, ein Lustgefühl als Folge haben.

Alle Lust- und Unlustgefühle setzen bereits ein Messen nach Gesammt-Nützlichkeit, Gesammt-Schädlichkeit voraus: also eine Sphäre, wo das Wollen eines Ziels (Zustands) und ein Auswählen der Mittel dazu stattfindet. Lust und Unlust sind niemals “ursprüngliche Thatsachen”

Lust- und Unlustgefühle sind Willens-Reaktionen (Affekte), in denen das intellekt Centrum den Werth gewisser eingetretener Veränderung zum Gesammt-Werthe fixirt, zugleich als Einleitung von Gegenaktionen.

11 [72]

(330) Wenn die Weltbewegung einen Zielzustand hätte, so müßte er erreicht sein. Das einzige Grundfaktum ist aber, daß sie keinen Zielzustand hat: und jede Philosophie oder wissenschaftliche Hypothese (z.B. der Mechanismus), in der ein solcher nothwendig wird, ist durch die einzige Thatsache widerlegt ... Ich suche eine Weltconception, welche dieser Thatsache gerecht wird: das Werden soll erklärt werden, ohne zu solchen finalen Absichten Zuflucht zu nehmen: das Werden muß gerechtfertigt erscheinen in jedem Augenblick (oder unabwerthbar: was auf Eins hinausläuft); es darf absolut nicht das Gegenwärtige um eines Zukünftigen wegen oder das Vergangene um des Gegenwärtigen willen gerechtfertigt werden. Die “Nothwendigkeit” nicht in Gestalt einer übergreifenden, beherrschenden Gesammtgewalt, oder eines ersten Motors; noch weniger als nothwendig, um etwas Werthvolles zu bedingen. Dazu ist nöthig, ein Gesammtbewußtsein des Werdens, einen “Gott” zu leugnen, um das Geschehen nicht unter den Gesichtspunkt eines mitfühlenden, mitwissenden und doch nichts wollenden Wesens zu bringen: “Gott” ist nutzlos, wenn er nicht etwas will, und andrerseits ist eine Summirung von Unlust und Unlogik damit gesetzt, welche den Gesammtwerth des “Werdens” erniedrigen würde: glücklicherweise fehlt gerade eine solche summirende Macht (—ein leidender und überschauender Gott, ein “Gesammtsensorium” und “Allgeist”—wäre der größte Einwand gegen das Sein)

Strenger: man darf nichts Seiendes überhaupt zulassen,—weil dann das Werden seinen Werth verliert und geradezu als sinnlos und überflüssig erscheint.

Folglich ist zu fragen: wie die Illusion des Seienden hat entstehen können (müssen)

insgleichen: wie alle Werthurtheile, welche auf der Hypothese ruhen, daß es Seiendes gäbe, entwerthet sind.

damit aber erkennt man, daß diese Hypothese des Seienden die Quelle aller Welt-Verleumdung ist

“die bessere Welt, die wahre Welt, die “jenseitige” Welt, Ding an sich”

1)das Werden hat keinen Zielzustand, mündet nicht in ein “Sein.”
2)das Werden ist kein Scheinzustand; vielleicht ist die seiende Welt ein Schein.
3)das Werden ist werthgleich in jedem Augenblick: die Summe seines Werthes bleibt sich gleich: anders ausgedrückt: es hat gar keinen Werth, denn es fehlt etwas, woran es zu messen wäre, und in Bezug worauf das Wort “Werth” Sinn hät.

der Gesammtwerth der Welt ist unabwerthbar, folglich gehört der philosophische Pessimismus unter die komischen Dinge

11 [73]

(331) Der Gesichtspunkt des “Werths” ist der Gesichtspunkt von Erhaltungs-Steigerungs-Bedingungen in Hinsicht auf complexe Gebilde von relativer Dauer des Lebens innerhalb des Werdens:

— : es giebt keine dauerhaften letzten Einheiten, keine Atome, keine Monaden: auch hier ist “das Seiende” erst von uns hineingelegt, (aus praktischen, nützlichen perspektivischen Gründen)

— “Herrschafts-Gebilde”; die Sphäre des Beherrschenden fortwährend wachsend oder periodisch abnehmend, zunehmend; oder, unter der Gunst und Ungunst der Umstände (der Ernährung—)

— “Werth” ist wesentlich der Gesichtspunkt für das Zunehmen oder Abnehmen dieser herrschaftlichen Centren (“Vielheiten” jedenfalls, aber die “Einheit” ist in der Natur des Werdens gar nicht vorhanden)

ein Quantum Macht, ein Werden, insofern nichts darin den Charakter des “Seins” hat; insofern

— die Ausdrucksmittel der Sprache sind unbrauchbar, um das Werden auszudrücken: es gehört zu unserem unablöslichen Bedürfniß der Erhaltung, beständig die eine gröbere Welt von Bleibend, von “Dingen” usw. zu setzen. Relativ, dürfen wir von Atomen und Monaden reden: und gewiß ist, daß die kleinste Welt an Dauer die dauerhafteste ist ...

es giebt keinen Willen: es giebt Willens-Punktationen, die beständig ihre Macht mehren oder verlieren

11 [74]

(332) — daß im “Prozeß des Ganzendie Arbeit der Menschheit nicht in Betracht kommt, weil es einen Gesammtprozeß (diesen als System gedacht—) gar nicht giebt:

— daß es kein “Ganzes” giebt, daß alle Abwerthung des menschlichen Daseins, der menschlichen Ziele nicht in Hinsicht auf etwas gemacht werden kann, das gar nicht existirt ...

— daß die Nothwendigkeit, die Ursächlichkeit, Zweckmäßigkeit nützliche Scheinbarkeiten sind

— daß nicht Vermehrung des Bewußtseins, das Ziel ist, sondern Steigerung der Macht, in welche Steigerung die Nützlichkeit des Bewußtseins eingerechnet ist, ebenso mit Lust als mit Unlust

— daß man nicht die Mittel zum obersten Werthmaß nimmt (also nicht Zustände des Bewußtseins, wie Lust und Schmerz, wenn das Bewußtsein selbst ein Mittel ist—)

— daß die Welt durchaus kein Organism ist, sondern das Chaos: daß die Entwicklung der “Geistigkeit” ein Mittel zur relativen Dauer der Organisation ist ...

— daß alle “Wünschbarkeit” keinen Sinn hat in Bezug auf den Gesammtcharakter des Seins.

11 [75]

(333) nicht die Befriedigung des Willens ist Ursache der Lust: gegen diese oberflächlichste Theorie will ich besonders kämpfen. Die absurde psychologische Falschmünzerei der nächsten Dinge ...

sondern daß der Wille vorwärts will und immer wieder Herr über das wird, was ihm im Wege steht: das Lustgefühl liegt gerade in der Unbefriedigung des Willens, darin, daß er ohne die Grenzen und Widerstände noch nicht satt genug ist ...

“Der Glückliche”: Heerdenideal

11 [76]

(334) Die normale Unbefriedigung unsrer Triebe z.B. des Hungers, des Geschlechtstriebs, des Bewegungstriebs, enthält in sich durchaus noch nichts Herabstimmendes; sie wirkt vielmehr agacirend auf das Lebensgefühl, wie jeder Rhythmus von kleinen schmerzhaften Reizen es stärkt, was auch die Pess uns vorreden mögen: diese Unbefriedigung, statt das Leben zu verleiden, ist das große Stimulans des Lebens.

— Man könnte vielleicht die Lust überhaupt bezeichnen als einen Rhythmus kleiner Unlustreize ...

11 [77]

(335) Je nach den Widerständen, die eine Kraft aufsucht, um über sie Herr zu werden, muß das Maaß des hiermit herausgeforderten Mißlingens und Verhängnisses wachsen: und insofern jede Kraft sich nur an Widerstehendem auslassen kann, ist nothwendig in jeder Aktion eine Ingredienz von Unlust. Nur wirkt diese Unlust als Reiz des Lebens: und stärkt den Willen zur Macht!

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(336) Die geistigsten Menschen, vorausgesetzt, daß sie die muthigsten sind, erleben auch bei weitem die schmerzhaftesten Tragödien: aber deshalb ehren sie das Leben, weil es ihnen die größte Gegnerschaft gegenüberstellt ...

11 [79]

(337) Die Mittel, mit denen Julius Caesar sich gegen Kränklichkeit und Kopfschmerz vertheidigte: ungeheure Märsche, einfache Lebensweise, ununterbrochener Aufenthalt im Freien und beständige Strapatzen: es sind, ins Große gerechnet, die Erhaltungsbedingungen des Genies überhaupt.

11 [80]

(338) Vorsicht vor der Moral: sie entwerthet uns uns selber —

Vorsicht vor dem mitleiden: es überbürdet uns mit der Noth Anderer —

Vorsicht vor der “Geistigkeit”: sie verdirbt den Charakter, indem sie extrem einsam macht: einsam d.h. ungebunden, unangebunden ...

11 [81]

— nur das Werden wird empfunden, nicht aber das Sterben (?) —

11 [82]

Der Sinn des Werdens muß in jedem Augenblick erfüllt, erreicht, vollendet sein.

11 [83]

Das, was eine gute Handlung genannt wird, ist ein bloßes Mißverständniß; solche Handlungen sind gar nicht möglich.

“Egoismus” ist ebenso wie “Selbstlosigkeit” eine populäre Fiktion; insgleichen das Individuum, die Seele.

In der ungeheuren Vielheit des Geschehens innerhalb eines Organismus ist der uns bewußt werdende Theil ein bloßer Winkel: und das Bischen “Tugend,” “Selbstlosigkeit” und ähnliche Fiktionen werden auf eine vollkommen radikale Weise vom übrigen Gesammtgeschehen aus Lügen gestraft. Wir thun gut, unseren Organism in seiner vollkommenen Unmoralität zu studiren ...

Die animalischen Funktionen sind ja principiell millionenfach wichtiger als alle schönen Zustände und Bewußtseins-Höhen: letztere sind ein überschuß, soweit sie nicht Werkzeuge sein müssen für jene animalischen Funktionen.

Das ganze bewußte Leben, der Geist sammt der Seele, sammt dem Herzen, sammt der Güte, sammt der Tugend: in wessen Dienst arbeitet es denn? In dem möglichster Vervollkommnung der Mittel (Ernährungs- Steigerungsmittel) der animalischen Grundfunktionen: vor Allem der Lebenssteigerung.

Es liegt so unsäglich viel mehr an dem, was man “Leib” und “Fleisch” nannte: der Rest ist ein kleines Zubehör. Die Aufgabe, die ganze Kette des Lebens fortzuspinnen und so, daß der Faden immer mächtiger wird—das ist die Aufgabe. Aber nun sehe man, wie Herz, Seele, Tugend, Geist förmlich sich verschwören, diese principielle Aufgabe zu verkehren: wie als ob sie die Ziele wären ... Die Entartung des Lebens ist wesentlich bedingt durch die außerordentliche Irrthumsfähigkeit des Bewusstseins: es wird am wenigsten durch Instinkte im Zaum gehalten und vergreift sich deshalb am längsten und gründlichsten.

Nach den angenehmen oder unangenehmen Gefühlen dieses Bewußtseins abmessen, ob das Dasein Werth hat: kann man sich eine tollere Ausschweifung der Eitelkeit denken? Es ist ja nur ein Mittel: und angenehme oder unangenehme Gefühle sind ja auch nur Mittel!— Woran mißt sich objektiv der Werth? Allein an dem Quantum gesteigerter und organisirter Macht, nach dem, was in allem Geschehen geschieht, ein Wille zum Mehr ...

11 [84]

Der “Geist” als Wesen der Welt angesetzt; die Logicität als wesenhaft

11 [85]

(340) Durch Alcohol und Haschisch bringt man sich auf Stufen der Cultur zurück, die man überwunden (mindestens überlebt hat) Alle Speisen geben irgend eine Offenbarung über die Vergangenheit, aus der wir wurden.

11 [86]

Auch der Weise thut es oft genug jenen dummen Frauen gleich, welche Milch für keine Nahrung halten, wohl aber Rüben:

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(341) All die Schönheit und Erhabenheit, die wir den wirklichen und eingebildeten Dingen geliehen haben, will ich zurückfordern als Eigenthum und Erzeugniß des Menschen: als seine schönste Apologie. Der Mensch als Dichter, als Denker, als Gott, als Liebe, als Macht—: oh über seine königliche Freigebigkeit, mit der er die Dinge beschenkt hat, um sich zu verarmen und sich elend zu fühlen! Das war bisher seine größte Selbstlosigkeit, daß er bewunderte und anbetete und sich zu verbergen wußte, daß er es war, der das geschaffen hat, was er bewunderte. —

11 [88]

(342) Wie viel uneingeständliche und selbst unwissende Befriedigung alter religiöser Bedürfnisse ist im Gefühls-Mischmasch der deutschen Musik rückständig! Wie viel Gebet, Tugend, Salbung, Jungfräulichkeit, Weihrauch, Muckerei und “Kämmerlein” redet da noch mit! Daß die Musik selbst vom Worte, vom Begriff, vom Bilde absieht: oh wie sie davon ihren Vortheil zu ziehen weiß, die arglistige weibliche “Ewig-Weibliche”! auch das redlichste Gewissen braucht sich nicht zu schämen, wenn jener Instinkt sich befriedigt,—es bleibt außerhalb. Dies ist gesund, klug und, insofern es Scham vor der Armseligkeit alles religiösen Urtheils ausdrückt, ein gutes Zeichen... Trotz alledem bleibt es eine Tartüfferie ...

Stellt man dagegen, wie es W in seinen letzten Tagen mit gefährlicher Verlogenheit that, die religiöse Symbolik daneben, wie im Parsifal, wo er auf den abergläubischen Unsinn des Abendmahls anspielt und nicht nur anspielt: so erregt eine solche Musik Entrüstung ...

11 [89]

(343) Die Menschen haben die Liebe immer mißverstanden: sie glauben hier selbstlos zu sein, weil sie den Vortheil eines anderen Wesens wollen, oft wider ihren eigenen Vortheil: aber dafür wollen sie jenes andere Wesen besitzen ... In anderen Fällen ist Liebe ein feineres Schmarotzerthum, ein gefährliches und rücksichtsloses Sicheinnisten einer Seele in eine andere Seele—mitunter auch ins Fleisch ... ach! wie sehr auf “des Wirthes” Unkosten!



Wie viel Vortheil opfert der Mensch, wie wenig “eigennützig” ist er! Alle seine Affekte und Leidenschaften wollen ihr Recht haben—und wie fern vom klugen Nutzen des Eigennutzes ist der Affekt!



Man will nicht sein “Glück”; man muß Engländer sein, um glauben zu können, daß der Mensch immer seinen Vortheil sucht; unsere Begierden wollen sich in langer Leidenschaft an den Dingen vergreifen—ihre aufgestaute Kraft sucht die Widerstände

11 [90]

Was R W werth ist, das wird der erst uns sagen, der von ihm den besten Gebrauch gemacht hat. Einstweilen versucht man an einen Werth Ws zu glauben, an den er selbst gar zu gern hätte glauben mögen ...

11 [91]

(344) Veredelung der Prostitution, nicht Abschaffung ...



Die Ehe hat die längste Zeit das schlechte Gewissen gegen sich gehabt: sollte man’s glauben? ja, man soll es glauben. —



Zu Ehren der alten Frauen —

11 [92]

Ich nehme mir die Freiheit, mich zu vergessen. übermorgen will ich wieder bei mir zu Hause sein.

11 [93]

(345) alles, womit der Mensch bisher nicht fertig zu werden weiß, was kein Mensch noch verdaut hat, der “Koth des Daseins”—für die Weisheit wenigstens bleibt er der beste Dünger ...

11 [94]

(346) Jener Kaiser hielt sich beständig die Vergänglichkeit aller Dinge vor, um sie nicht zu wichtig zu nehmen und zwischen ihnen ruhig zu bleiben. Mir scheint umgekehrt Alles viel zu viel werth zu sein, als daß es so flüchtig sein dürfte: ich suche nach einer Ewigkeit für jegliches: dürfte man die kostbarsten Salben und Weine ins Meer gießen?—und mein Trost ist, daß Alles was war ewig ist:—das Meer spült es wieder heraus

11 [95]

(347) Man belästigte, wie bekannt, Voltaire noch in seinen letzten Augenblicken: “glauben Sie an die Gottheit Christi?” fragte ihn sein Curé; und nicht zufrieden damit, daß Voltaire ihn bedeutete, er wolle in Ruhe gelassen werden, wiederholte er seine Frage. Da überkam den Sterbenden sein letzter Ingrimm: wüthend stieß er den unbefugten Frager zurück: “au nom du dieu!—rief er ihm ins Gesicht—ne me parlez pas de cet-homme-là!”—unsterbliche letzte Worte, in denen alles zusammengefaßt ist, wogegen dieser tapferste Geist gekämpft hatte. —

Voltaire urtheilte: “es ist nichts Göttliches an diesem Juden von Nazareth”: so urtheilte aus ihm der klassische Geschmack.

Der klassische Geschmack und der christliche Geschmack setzen den Begriff “göttlich” grundverschieden an; und wer den ersteren im Leibe hat, der kann nicht anders als das Christenthum als foeda und das christliche Ideal als eine Carikatur und Herabwürdigung des Göttlichen zu empf.

11 [96]

(348) Daß man den Thäter wieder in das Thun hineinnimmt, nachdem man ihn begrifflich aus ihm herausgezogen und damit das Thun entleert hat;

daß man das Etwas-thun, “das Ziel,” die “Absicht,” den “Zweck” wieder in das Thun zurücknimmt, nachdem man ihn künstlich aus ihm herausgezogen und damit das Thun entleert hat;

daß alle “Zwecke,” “Ziele,” “Sinne” nur Ausdrucksweisen und Metamorphosen des Einen Willens sind, der allem Geschehen inhärirt, der Wille zur Macht; daß Zwecke, Ziele, Absichten haben, wollen überhaupt soviel ist wie Stärker-werden-wollen, wachsen wollen, und dazu auch die Mittel wollen;

daß der allgemeinste und unterste Instinkt in allem Thun und Wollen eben deshalb der unerkannteste und verborgenste geblieben ist, weil in praxi wir immer seinem Gebote folgen, weil wir dies Gebot sind ... Alle Werthschätzungen sind nur Folgen und engere Perspektiven im Dienste dieses Einen Willens: das Werthschätzen selbst ist nur dieser Wille zur Macht; eine Kritik des Seins aus irgend einem dieser Werthe heraus ist etwas Widersinniges und Mißverständliches; gesetzt selbst, daß sich darin ein Untergangsprozeß einleitet, so steht dieser Prozeß noch im Dienste dieses Willens ...

Das Sein selbst abschätzen: aber das Abschätzen selbst ist dieses Sein noch—: und indem wir Nein sagen, so thun wir immer noch, was wir sind ... Man muß die Absurdität dieser daseinsrichtenden Gebärde einsehen; und sodann noch zu errathen suchen, was sich eigentlich damit begiebt. Es ist symptomatisch.

11 [97]

(349) Der philosophische Nihilist ist der überzeugung, daß alles Geschehen sinnlos und umsonstig ist; und es sollte kein sinnloses und umsonstiges Sein geben. Aber woher dieses: Es sollte nicht? Aber woher nimmt man diesen “Sinn”? dieses Maaß?— Der Nihilist meint im Grunde, der Hinblick auf ein solches ödes nutzloses Sein wirke auf einen Philosophen unbefriedigend, öde, verzweifelt; eine solche Einsicht widerspricht unserer feineren Sensibilität als Philosophen. Es läuft auf die absurde Werthung hinaus: der Charakter des Daseins müßte dem Philosophen Vergnügen machen, wenn anders es zu Recht bestehen soll ...

Nun ist leicht zu begreifen, daß Vergnügen und Unlust innerhalb des Geschehens nur den Sinn von Mitteln haben können: es bliebe übrig zu fragen, ob wir den “Sinn” und “Zweck” überhaupt sehen könnten, ob nicht die Frage der Sinnlosigkeit oder ihres Gegentheils für uns unlösbar ist. —

11 [98]

(350) Werth der Vergänglichkeit: etwas, das keine Dauer hat, das sich widerspricht, hat wenig Werth. Aber die Dinge, an welche wir glauben als dauerhaft, sind als solche reine Fiktionen. Wenn Alles fließt, so ist die Vergänglichkeit eine Qualität (die “Wahrheit”) und die Dauer und Unvergänglichkeit bloß ein Schein.

11 [99]

(351)

Kritik des Nihilism. —

 

1.

Der Nihilism als psychologischer Zustand wird eintreten müssen erstens wenn wir einen “Sinn” in allem Geschehen gesucht haben, der nicht darin ist: so daß der Sucher endlich den Muth verliert. Nihilismus ist da das Bewußtwerden der langen Vergeudung von Kraft, die Qual des “Umsonst,” die Unsicherheit, der Mangel an Gelegenheit, sich irgendwie zu erholen, irgendworüber noch zu beruhigen—die Scham vor sich selbst, als habe man sich allzulange betrogen ... Jener Sinn könnte gewesen sein: die “Erfüllung” eines sittlichen höchsten Kanons in allem Geschehen, die sittliche Weltordnung; oder die Zunahme der Liebe und Harmonie im Verkehr der Wesen; oder die Annäherung an einen allgemeinen Glücks-Zustand; oder selbst das Losgehn auf einen allgemeinen Nichts-Zustand—ein Ziel ist immer noch ein Sinn. Das Gemeinsame aller dieser Vorstellungsarten ist, daß ein Etwas durch den Prozeß selbst erreicht werden soll:—und nun begreift man, daß mit dem Werden nichts erzielt, nichts erreicht wird ... Also die Enttäuschung über einen angeblichen Zweck des Werdens als Ursache des Nihilismus: sei es in Hinsicht auf einen ganz bestimmten Zweck, sei es, verallgemeinert, die Einsicht in das Unzureichende aller bisherigen Zweck-Hypothesen, die die ganze “Entwicklung” betreffen (—der Mensch nicht mehr Mitarbeiter, geschweige der Mittelpunkt des Werdens)

Der Nihilismus als psychologischer Zustand tritt zweitens ein, wenn man eine Ganzheit, eine Systematisirung, selbst eine Organisirung in allem Geschehn und unter allem Geschehn angesetzt hat: so daß in der Gesammtvorstellung einer höchsten Herrschafts- und Verwaltungsform die nach Bewunderung und Verehrung durstige Seele schwelgt (—ist es die Seele eines Logikers, so genügt schon die absolute Folgerichtigkeit und Realdialektik, um mit Allem zu versöhnen ...) Eine Art Einheit, irgend eine Form des “Monismus”: und in Folge dieses Glaubens der Mensch in tiefem Zusammenhangs- und Abhängigkeits-Gefühl von einem ihm unendlich überlegenen Ganzen, ein modus der Gottheit ... “Das Wohl des Allgemeinen fordert die Hingabe des Einzelnen” ... aber siehe da, es giebt kein solches Allgemeines! Im Grunde hat der Mensch den Glauben an seinen Werth verloren, wenn durch ihn nicht ein unendlich werthvolles Ganzes wirkt: d.h. er hat ein solches Ganzes concipirt, um an seinen Werth glauben zu können.

Der Nihilismus als psychologischer Zustand hat noch eine dritte und letzte Form. Diese zwei Einsichten gegeben, daß mit dem Werden nichts erzielt werden soll und daß unter allem Werden keine große Einheit waltet, in der der Einzelne völlig untertauchen darf, wie in einem Element höchsten Werthes: so bleibt als Ausflucht übrig, diese ganze Welt des Werdens als Täuschung zu verurtheilen und eine Welt zu erfinden, welche jenseits derselben liegt, als wahre Welt. Sobald aber der Mensch dahinterkommt, wie nur aus psychologischen Bedürfnissen diese Welt gezimmert ist und wie er dazu ganz und gar kein Recht hat, so entsteht die letzte Form des Nihilismus, welche den Unglauben an eine metaphysische Welt in sich schließt,—welche sich den Glauben an eine wahre Welt verbietet. Auf diesem Standpunkt giebt man die Realität des Werdens als einzige Realität zu, verbietet sich jede Art Schleichwege zu Hinterwelten und falschen Göttlichkeiten—aber erträgt diese Welt nicht, die man schon nicht leugnen will ...

— Was ist im Grunde geschehen? Das Gefühl der Werthlosigkeit wurde erzielt, als man begriff, daß weder mit dem Begriff “Zweck,” noch mit dem Begriff “Einheit,” noch mit dem Begriff “Wahrheit” der Gesammtcharakter des Daseins interpretirt werden darf. Es wird nichts damit erzielt und erreicht; es fehlt die übergreifende Einheit in der Vielheit des Geschehens: der Charakter des Daseins ist nicht “wahr,” ist falsch ..., man hat schlechterdings keinen Grund mehr, eine wahre Welt sich einzureden ...

Kurz: die Kategorien “Zweck,” “Einheit,” “Sein,” mit denen wir der Welt einen Werth eingelegt haben, werden wieder von uns herausgezogen—und nun sieht die Welt werthlos aus ...

2.

Gesetzt, wir haben erkannt, in wiefern mit diesen drei Kategorien die Welt nicht mehr ausgelegt werden darf und daß nach dieser Einsicht die Welt für uns werthlos zu werden anfängt: so müssen wir fragen, woher unser Glaube an diese 3 Kategorien stammt—versuchen wir, ob es nicht möglich ist, ihnen den Glauben zu kündigen. Haben wir diese 3 Kategorien entwerthet, so ist der Nachweis ihrer Unanwendbarkeit auf das All kein Grund mehr, das All zu entwerthen.

*
* *

Resultat: der Glaube an die Vernunft-Kategorien ist die Ursache des Nihilismus,—wir haben den Werth der Welt an Kategorien gemessen, welche sich auf eine rein fingirte Welt beziehen.

* *
*

Schluß-Resultat: alle Werthe, mit denen wir bis jetzt die Welt zuerst uns schätzbar zu machen gesucht haben und endlich ebendamit entwerthet haben, als sie sich als unanlegbar erwiesen—alle diese Werthe sind, psychologisch nachgerechnet, Resultate bestimmter Perspektiven der Nützlichkeit zur Aufrechterhaltung und Steigerung menschlicher Herrschafts-Gebilde: und nur fälschlich projicirt in das Wesen der Dinge. Es ist immer noch die hyperbolische Naivetät des Menschen, sich selbst als Sinn und Werthmaß der Dinge ...

11 [100]

(352) Die obersten Werthe, in deren Dienst der Mensch leben sollte, namentlich wenn sie sehr schwer und kostspielig über ihn verfügten: diese socialen Werthe hat man zum Zweck ihrer Ton-Verstärkung, wie als ob sie Commando’s Gottes wären, als “Realität,” als “wahre” Welt, als Hoffnung und zukünftige Welt über dem Menschen aufgebaut. Jetzt, wo die mesquine Herkunft dieser Werthe klar wird, scheint uns das All damit entwerthet, “sinnlos” geworden ... aber das ist nur ein Zwischenzustand.

11 [101]

Ich wünsche durchaus nicht, an der verächtlichen Komödie mitzuspielen, welche heute immer noch, in Preußen zumal, philosophischer Pessimismus genannt wird; ich sehe selbst die Nöthigung nicht ein, von ihr zu reden. Mit Ekel sollte man sich längst von dem Schauspiel abgewandt haben, w jener magere Affe Herr von Hartmann giebt: in meinen Augen ist jeder damit durchgestrichen, daß er diesen Namen mit dem Schopenhauers zugleich in den Mund nimmt.

11 [102]

(353) Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht. Daß man sie hinterdrein nicht im Stich läßt ... Der Gewissensbiß ist unanständig.

11 [103]

(354) Daß man endlich die menschlichen Werthe wieder hübsch in die Ecke zurücksetze, in der sie allein ein Recht haben: als Eckensteher-Werthe. Es sind schon viele Thierarten verschwunden; gesetzt daß auch der Mensch verschwände, so würde nichts in der Welt fehlen. Man muß Philosoph genug sein, um auch dies Nichts zu bewundern (—Nil admirari—)

11 [104]

(355) Ist man über das “Warum?” seines Lebens mit sich im Reinen, so giebt man dessen Wie? leichten Kaufs. Es ist selbst schon ein Zeichen von Unglauben an Warum?, an Zweck und Sinn, ein Mangel an Willen, wenn der Werth von Lust und Unlust in den Vordergrund tritt und hedonistisch-pessimistische Lehren Gehör finden; und Entsagung, Resignation, Tugend, “Objektivität” können zum Mindesten schon Zeichen davon sein, daß es an der Hauptsache zu mangeln beginnt.

Daß man sich ein Ziel zu geben weiß

11 [105]

NB. ein Pöbel-Mensch, ein Rancune-Mensch, ein Rankunkel ...

11 [106]

Nicht zu verwechseln:—Der Unglaube als Unvermögen überhaupt zu glauben und, andrerseits, als Unvermögen Etwas noch zu glauben: im letzteren Falle gemeinhin als Symptom von einem neuen Glauben —

Dem Unglauben als Unvermögen eignet die Unfähigkeit zu negiren—er weiß sich weder gegen ein Ja noch gegen ein Nein zu wehren ...

11 [107]

Müßiggang ist aller Philosophie Anfang.— Folglich—ist Philosophie ein Laster? ...

11 [108]

Ein Philosoph erholt sich anders und in Anderem: er erholt sich z.B. im Nihilismus. Der Glaube, daß es gar keine Wahrheit giebt, der Nihilisten-Glaube ist ein großes Gliederstrecken für einen, der als Kriegsmann der Erkenntniß unablässig mit lauter häßlichen Wahrheiten im Kampfe liegt. Denn die Wahrheit ist häßlich

11 [109]

Wenn man von der Musik die dramatische Musik abrechnet: bleibt der guten Musik immer noch genug übrig

11 [110]

Auch wir glauben an die Tugend: aber an die Tugend im Renaissancestile, virtù, moralinfreie Tugend.

11 [111]

(356) Wie kommt es, daß die Grundglaubensartikel in der Psychologie allesammt die ärgsten Verdrehungen und Falschmünzereien sind? “Der Mensch strebt nach Glück” z.B.—was ist daran wahr! Um zu verstehn, was Leben ist, welche Art Streben und Spannung Leben ist, muß die Formel so gut von Baum und Pflanze als vom Thier gelten. “Wonach strebt die Pflanze?”—aber hier haben wir bereits eine falsche Einheit erdichtet, die es nicht giebt: die “Thatsache eines millionenfachen Wachsthums mit eigenen und halbeigenen Initiativen ist versteckt und verleugnet, wenn wir eine plumpe Einheit “Pflanze” voranstellen. Daß die letzten kleinsten “Individuen” nicht in dem Sinn eines “metaphysischen Individuums” und Atoms verständlich sind, daß ihre Machtsphäre fortwährend sich verschiebt — das ist zuallererst sichtbar: aber strebt ein Jedes von ihnen, wenn es sich dergestalt verwandelt, nachGlück”?— Aber alles Sich-ausbreiten, Einverleiben, Wachsen ist ein Anstreben gegen Widerstehendes, Beweg ist essentiell etwas mit Unlustzuständen Verbundenes: es muß das, was hier treibt, jedenfalls etwas Anderes wollen, wenn es dergestalt die Unlust will und fortwährend aufsucht.— Worum kämpfen die Bäume eines Urwaldes mit einander? Um “Glück”?— Um Macht ...

Der Mensch, Herr über die Naturgewalten geworden, Herr über seine eigne Wildheit und Zügellosigkeit: die Begierden haben folgen, haben nützlich sein gelernt

Der Mensch, im Vergleich zu einem Vor-Menschen, stellt ein ungeheures Quantum Macht dar—nicht ein plus vom “Glück”: wie kann man behaupten, daß er nach Glück gestrebt hat?...

11 [112]

(357) Der höhere Mensch unterscheidet sich von dem niederen in Hinsicht auf die Furchtlosigkeit und die Herausforderung des Unglücks: es ist ein Zeichen von Rückgang, wenn eudämonistische Werthmaaße als oberste zu gelten anfangen (—physiologische Ermüdung, Willens-Verarmung—) Das Christenthum mit seiner Perspektive auf “Seligkeit” ist eine typische Denkweise für eine leidende und verarmte Gattung Mensch: eine volle Kraft will schaffen, leiden, leiden untergehn: ihr ist das christliche Mucker-Heil eine schlechte Musik und hieratische Gebärden ein Verdruß

11 [113]

(358)

Zur Psychologie und Erkenntnisslehre.

 

Ich halte die Phänomenalität auch der inneren Welt fest: alles, was uns bewußt wird, ist durch und durch erst zurechtgemacht, vereinfacht, schematisirt, ausgelegt—der wirkliche Vorgang der inneren “Wahrnehmung,” die Causalvereinigung zwischen Gedanken, Gefühlen, Begehrungen, wie die zwischen Subjekt und Objekt, uns absolut verborgen—und vielleicht eine reine Einbildung. Diese “scheinbare innere Welt” ist mit ganz denselben Formen und Prozeduren behandelt, wie die “äußere” Welt. Wir stoßen nie auf “Thatsachen”: Lust und Unlust sind späte und abgeleitete Intellekt-Phänomene ...

Die “Ursächlichkeit” entschlüpft uns; zwischen Gedanken ein unmittelbares ursächliches Band anzunehmen, wie es die Logik thut—das ist Folge der allergröbsten und plumpsten Beobachtung. Zwischen zwei Gedanken spielen noch alle möglichen Affekte ihr Spiel: aber die Bewegungen sind zu rasch, deshalb verkennen wir sie, leugnen wir sie ...

“Denken,” wie es die Erkenntnißtheoretiker ansetzen, kommt gar nicht vor: das ist eine ganz willkürliche Fiktion, erreicht durch Heraushebung Eines Elementes aus dem Prozeß und Subtraktion aller übrigen, eine künstliche Zurechtmachung zum Zweck der Verständlichung ...

Der “Geist,” etwas, das denkt: womöglich gar “der Geist absolut, rein, pur”—diese Conception ist eine abgeleitete zweite Folge der falschen Selbstbeobachtung, welche an “Denken” glaubt: hier ist erst ein Akt imaginirt, der gar nicht vorkommt, “das Denken” und zweitens ein Subjekt-Substrat imaginirt in dem jeder Akt dieses Denkens und sonst nichts Anderes seinen Ursprung hat: d.h. sowohl das Thun, als der Thäter sind fingirt

11 [114]

“wollen” ist nicht “begehren,” streben, verlangen: davon hebt es sich ab durch den Affekt des Commandos

es giebt kein “wollen,” sondern nur ein Etwas-wollen: man muß nicht das Ziel auslösen aus dem Zustand: wie es die Erkenntnißtheoretiker thun. “Wollen,” wie sie es verstehn, kommt so wenig vor, wie “Denken”: ist eine reine Fiktion.

daß Etwas befohlen wird, gehört zum Wollen (: damit ist natürlich nicht gesagt, daß der Wille “effektuirt” wird ...)

Jener allgemeine Spannungszustand, vermöge dessen eine Kraft nach Auslösung trachtet—ist kein “Wollen”

11 [115]

(359) In einer Welt, die wesentlich falsch ist, wäre Wahrhaftigkeit eine widernatürliche Tendenz: eine solche könnte nur Sinn haben als Mittel zu einer besonderen höheren Potenz von Falschheit: damit eine Welt des Wahren, Seienden fingirt werden konnte, mußte zuerst der Wahrhaftige geschaffen sein (eingerechnet, daß ein solcher sich “wahrhaftig” glaubt)

Einfach, durchsichtig, mit sich nicht im Widerspruch, dauerhaft, sich gleichbleibend, ohne Falte, Volte, Vorhang, Form: ein Mensch der Art concipirt eine Welt des Seins als “Gott” nach seinem Bilde.

Damit Wahrhaftigkeit möglich ist, muß die ganze Sphäre des Menschen sehr sauber, klein und achtbar sein: es muß der Vortheil in jedem Sinne auf Seiten des Wahrhaftigen sein.— Lüge, Tücke, Verstellung müssen Erstaunen erregen ..

Der Haß gegen die Lüge und die Verstellung aus Stolz, aus einem reizbaren Ehrbegriff; aber es giebt einen solchen Haß auch aus Feigheit: weil Lüge verboten ist.— Bei einer anderen Art Mensch hilft alles Moralisiren “du sollst nicht lügen” nichts gegen den Instinkt, welcher der Lüge beständig bedarf: Zeugniß das neue Testament.

11 [116]

(360) Es giebt solche, die danach suchen, wo etwas unmoralisch ist: wenn sie urtheilen: “das ist Unrecht,” so glauben sie, man müsse es abschaffen und ändern. Umgekehrt habe ich nirgends Ruhe, so lange ich bei einer Sache noch nicht über ihre Unmoralität im Klaren bin. Habe ich diese heraus, so ist mein Gleichgewicht wieder hergestellt.

11 [117]

Einem ausgelassenen Geiste, dem der Tanz die natürlichste Beweg ist und der jede Realität nur mit den Fußspitzen zu berühren liebt, ist es verhaßt, traurigen Dingen nachzuhängen

11 [118]

wir Hyperboreer

(361) Mein Schlußsatz ist: daß der wirkliche Mensch einen viel höheren Werth darstellt als der “wünschbare” Mensch irgend eines bisherigen Ideals; daß alle “Wünschbarkeiten” in Hinsicht auf den Menschen absurde und gefährliche Ausschweifungen waren, mit denen eine einzelne Art von Mensch ihre Erhaltungs- und Wachsthums-Bedingungen über der Menschheit als Gesetz aufhängen möchte; daß jede zur Herrschaft gebrachte “Wünschbarkeit” solchen Ursprungs bis jetzt den Werth des Menschen, seine Kraft, seine Zukunfts-Gewißheit herabgedrückt hat; daß die Armseligkeit und Winkel-Intellektualität des Menschen sich am meisten bloßstellt, auch heute noch, wenn er wünscht; daß die Fähigkeit des Menschen, Werthe anzusetzen, bisher zu niedrig entwickelt war, um dem thatsächlichen, nicht bloß “wünschbaren” Werthe des Menschen gerecht zu werden; daß das Ideal bis jetzt die eigentlich welt- und menschverleumdende Kraft, der Gifthauch über der Realität, die große Verführung zum Nichts war ...

11 [119]

(362)

Zur Vorrede.

 

Ich beschreibe, was kommt: die Heraufkunft des Nihilismus. Ich kann hier beschreiben, weil hier etwas Nothwendiges sich begiebt—die Zeichen davon sind überall, die Augen nur für diese Zeichen fehlen noch. Ich lobe, ich tadle hier nicht, daß er kommt: ich glaube, es giebt eine der größten Krisen, einen Augenblick der allertiefsten Selbstbesinnung des Menschen: ob der Mensch sich davon erholt, ob er Herr wird über diese Krise, das ist eine Frage seiner Kraft: es ist möglich ...

der moderne Mensch glaubt versuchsweise bald an diesen, bald an jenen Werth und läßt ihn dann fallen: der Kreis der überlebten und fallengelassenen Werthe wird immer voller; die Leere und Armut an Werthen kommt immer mehr zum Gefühl; die Bewegung ist unaufhaltsam—obwohl im großen Stil die Verzögerung versucht ist —

Endlich wagt er eine Kritik der Werthe überhaupt; er erkennt deren Herkunft; er erkennt genug, um an keinen Werth mehr zu glauben; das Pathos ist da, der neue Schauder ...

Was ich erzähle, ist die Geschichte der nächsten zwei Jahrhunderte ...

11 [120]

(363) Daß zwischen Subjekt und Objekt eine Art adäquater Relation stattfinde; daß das Objekt etwas ist, das von Innen gesehn Subjekt wäre, ist eine gutmüthige Erfindung, die, wie ich denke, ihre Zeit gehabt hat. Das Maaß dessen, was uns überhaupt bewußt, ist ja ganz und gar abhängig von grober Nützlichkeit des Bewußtwerdens: wie erlaubte uns diese Winkelperspektive des Bewußtseins irgendwie über “Subjekt” und “Objekt” Aussagen, mit denen die Realität berührt würde! —

11 [121]

(364) man kann die unterste und ursprünglichste Thätigkeit im Protoplasma nicht aus einem Willen zur Selbsterhaltung ableiten: denn es nimmt auf eine unsinnige Art mehr in sich hinein, als die Erhaltung bedingen würde: und vor allem, es “erhält sich” damit eben nicht, sondern zerfällt ... Der Trieb, der hier waltet, hat gerade dieses Sich-nicht-erhalten-Wollen zu erklären: “Hunger” ist schon eine Ausdeutung, nach ungleich complicirteren Organismen (—Hunger ist eine spezialisirte und spätere Form des Triebes, ein Ausdruck der Arbeitstheilung, im Dienst eines darüber waltenden höheren Triebes)

11 [122]

(365) — dies ist es nicht was uns abscheidet: daß wir keinen Gott wiederfinden, weder in der Geschichte, noch in der Natur, noch hinter der Natur,—sondern daß wir das, was als Gott verehrt wurde, nicht als “göttlich,” sondern als heilige Fratze, als Moutonnerie, als absurde und erbarmungswürdige Niaiserie, als Princip der Welt- und Mensch-Verleumdung empfinden: kurz daß wir Gott als Gott leugnen. Es ist der Gipfel der psychologischen Verlogenheit des Menschen, sich ein Wesen als Anfang und “An-sich” seinem Winkel-Maßstab des ihm gerade gut, weise, mächtig, werthvoll Erscheinenden herauszurechnen—und dabei die ganze Ursächlichkeit, vermöge deren überhaupt irgendwelche Güte, irgendwelche Weisheit, irgendwelche Macht besteht und Werth hat, wegzudenken. Kurz, Elemente der spätesten und bedingtesten Herkunft als nicht entstanden, sondern als “an sich” zu setzen und womöglich gar als Ursache alles Entstehens überhaupt ... Gehen wir von der Erfahrung aus, von jedem Fall, wo ein Mensch sich bedeutend über das Maaß des Menschlichen erhoben hat, so sehen wir, daß jeder hohe Grad von Macht Freiheit von Gut und Böse ebenso wie von “Wahr” und “Falsch” in sich schließt und dem, was Güte will, keine Rechnung gönnen kann: wir begreifen dasselbe noch einmal für jeden hohen Grad von Weisheit—die Güte ist in ihr ebenso aufgehoben als die Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit, Tugend und andere Volks-Velleitäten der Werthung. Endlich jeder hohe Grad von Güte selbst: ist es nicht ersichtlich, daß er bereits eine geistige Myopie und Unfeinheit voraussetzt? insgleichen die Unfähigkeit, zwischen wahr und falsch zwischen nützlich und schädlich auf eine größere Entfernung hin zu unterscheiden? gar nicht davon zu reden, daß ein hoher Grad von Macht in den Händen der höchsten Güte die unheilvollsten Folgen (“die Abschaffung des übels”) mit sich bringen würde?— In der That, man sehe nur an, was der “Gott der Liebe” seinen Gläubigen für Tendenzen eingiebt: sie ruiniren die Menschheit zu Gunsten des “Guten.”— In praxi hat sich derselbe Gott Angesichts der wirklichen Beschaffenheit der Welt als Gott der höchsten Kurzsichtigkeit, Teufelei und Ohnmacht erwiesen: woraus sich ergiebt, wie viel Werth seine Conception hat.

An sich hat ja Wissen und Weisheit keinen Werth; ebenso wenig als Güte: man muß immer erst noch das Ziel haben, von wo aus diese Eigenschaften Werth oder Unwerth erhalten—es könnte ein Ziel geben, von wo aus ein extremes Wissen einen hohen Unwerth darstellte (etwa wenn die extreme Täuschung eine der Voraussetzungen der Steigerung des Lebens wäre; insgleichen wenn die Güte etwa die Sprungfedern der großen Begierde zu lähmen und zu entmuthigen vermöchte ...

Unser menschliches Leben gegeben, wie es ist, so hat alle “Wahrheit,” alle “Güte” alle “Heiligkeit,” alle “Göttlichkeit” im christlichen Stile bis jetzt sich als große Gefahr erwiesen—noch jetzt ist die Menschheit in Gefahr, an einer lebenswidrigen Idealität zu Grunde zu gehn

11 [123]

(366)

Die Heraufkunft des Nihilismus.

 

Der Nihilism ist nicht nur eine Betrachtsamkeit über das “Umsonst!,” und nicht nur der Glaube, daß Alles werth ist, zu Grunde zu gehen: man legt Hand an, man richtet zu Grunde ... Das ist, wenn man will, unlogisch: aber der Nihilist glaubt nicht an die Nöthig, logisch zu sein ... Es ist der Zustand starker Geister und Willen: und solchen ist es nicht möglich, bei dem Nein “des Urtheils” stehn zu bleiben:—das Nein der That kommt aus ihrer Natur. Der Ver-Nichtung durch das Urtheil sekundirt die Ver-Nichtung durch die Hand.

11 [124]

(367) Wenn wir “Enttäuschte” sind, so sind wir es nicht in Hinsicht auf das Leben: sondern daß uns über die “Wünschbarkeiten” aller Art die Augen aufgegangen sind. Wir sehen mit einem spöttischen Ingrimm dem zu, was “Ideal” heißt: wir verachten uns nur darum, nicht zu jeder Stunde jene absurde Regung niederhalten zu können, welche “Idealismus” heißt. Die Verwöhnung ist stärker als der Ingrimm des Enttäuschten ...

11 [125]

(368) Die vollkommene Unmündigkeit der Moralisten, welche unserem vielhäutigen und verborgenen Selbst zumuthen, einfach zu sein; welche sagen “gieb dich, wie du bist”: als ob man dazu nicht erst Etwas sein müßte, das ist ...

11 [126]

(369) IV. NB. Die Auswahl der Gleichen, der “Auszug,” die Isolation

11 [127]

(370) NB. gegen die Gerechtigkeit ... Gegen J. Stuart Mill: Ich perhorreszire seine Gemeinheit, welche sagt “was dem Einen recht ist, ist dem Andern billig; was du nicht willst usw., das füge auch keinem Andern zu”; welche den ganzen menschlichen Verkehr auf Gegenseitigkeit der Leistung begründen will, so daß jede Handlung als eine Art Abzahlung erscheint für etwas, das uns erwiesen ist. Hier ist die Voraussetzung unvornehm im untersten Sinn: hier wird die Äquivalenz der Werthe von Handlungen vorausgesetzt bei mir und dir; hier ist der persönlichste Werth einer Handlung einfach annullirt (das, was durch Nichts ausgeglichen und bezahlt werden kann—) Die “Gegenseitigkeit” ist eine große Gemeinheit; gerade daß Etwas, was ich thue, nicht von Einem Andern gethan werden dürfte und könnte, daß es keinen Ausgleich geben darf—außer in der ausgewähltesten Sphäre der “meines Gleichen,” inter pares—; daß man in einem tieferen Sinne nie zurückgiebt, weil an etwas Einmaliges ist und nur Einmaliges thut—diese Grundüberzeugung enthält die Ursache der aristokratischen Absonderung von der Menge, weil die Menge an “Gleichheit” und folglich Ausgleichbarkeit und “Gegenseitigkeit” glaubt.

11 [128]

(371) Es ist das verwandtschaftliche Gefühl, das die Kinder Eines Volkes miteinander verbindet: diese Verwandtschaft ist physiologisch tausendfach stärker als man gemeinhin annimmt. Sprache, Sitten, Gemeinsamkeit der Interessen und Schicksale—das ist Alles wenig gegen jenes Sich-verstehen-können auf Grund gleicher Vorfahren.

11 [129]

der Niedergang des deutschen Geistes, der mit der Heraufkunft der Vaterländerei und des Nationalism Schritt gehalten hat —

11 [130]

Zum Weibe redet man nicht von Wahrhaftigkeit: “gieb dich, wie du bist” bedeutet zum Weibe geredet beinahe das Gegentheil von dem, was es als Aufforderung an den Mann bedeutet

11 [131]

— nicht für seinen Glauben wird er verbrannt, mit kleinen grünen Hölzern: sondern dafür, daß er zu seinem Glauben keinen Muth mehr hat.

11 [132]

— ein Mensch, wie er sein soll: das klingt uns so abgeschmackt wie: “ein Baum, wie er sein soll”

11 [133]

NB. Man erkennt die Überlegenheit des griechischen Menschen, des Renaissance-Menschen an—aber man möchte ihn ohne seine Ursachen und Bedingungen haben: über die Griechen fehlt bis heute eine tiefere Einsicht

11 [134]

“Dinge, die eine Beschaffenheit an sich haben”—eine dogmatische Vorstellung, mit der man absolut brechen muß

11 [135]

Zur Kritik der großen Worte.— Ich bin voller Argwohn und Bosheit gegen das, was man “Ideal” nennt: hier liegt mein Pessimism, erkannt zu haben, wie die “höheren Gefühle” eine Quelle des Unheils d.h. der Verkleinerung und Wertherniedrigung des Menschen sind.

— man täuscht sich jedes Mal, wenn man einen “Fortschritt” von einem Ideal erwartet: der Sieg des Ideals war jedes Mal bisher eine retrograde Bewegung.

— Christenthum, Revolution, Aufhebung der Sklaverei, gleiches Recht, Philanthropie, Friedensliebe, Gerechtigkeit, Wahrheit: alle diese großen Worte haben nur Werth im Kampf, als Standarte: nicht als Realitäten, sondern als Prunkworte für etwas ganz Anderes (ja Gegensätzliches!)

11 [136]

Kritik der großen Worte.

“Freiheit” für Wille zur Macht
“Gerechtigkeit”
“Gleichheit der Rechte”
“Brüderlichkeit”
“Wahrheit” (bei Sekten usw.

11 [137]

Die “wachsende Autonomie des Individuums”: davon reden diese Pariser Philosophen, wie Fouillée: sie sollten doch nur die race moutonnière ansehen, die sie selber sind! ...

Macht doch die Augen auf, ihr Herren Zukunfts-Sociologen!

Das “Individuum” ist stark geworden unter umgekehrten Bedingungen: ihr beschreibt die äußerste Schwächung und Verkümmerung des Menschen, ihr wollt sie selbst und braucht den ganzen Lügenapparat des alten Ideals dazu! ihr seid der Art, daß ihr eure Heerdenthier-Bedürfnisse wirklich als Ideal empfindet!

Der vollkommene Mangel an psychologischer Rechtschaffenheit!

11 [138]

(372) Die Herkunft des Ideals. Untersuchung des Bodens, auf dem es wächst.

A.Von den “aesthetischen” Zuständen ausgehn, wo die Welt voller runder, vollkommener gesehen wird —
  
 das heidnische Ideal: darin die Selbstbejahung vorherrschend vom Buffo an
  
— der höchste Typus: das klassische Ideal—als Ausdruck eines Wohlgerathenseins aller Hauptinstinkte
 
— darin wieder der höchste Stil: der große Stil Ausdruck des “Willens zur Macht” selbst (der am meisten gefürchtete Instinkt wagt sich zu bekennen)

man giebt ab

B.Von Zuständen ausgehn, wo die Welt leerer, blässer, verdünnter gesehen wird, wo die “Vergeistigung” und Unsinnlichkeit den Rang des Vollkommnen einnimmt; wo am meisten das Brutale, Thierisch-Direkte, Nächste vermieden wird: der “Weise,” “der Engel” (priesterlich = jungfräulich = unwissend) Physiologische Charakteristik solcher “Idealisten”..
  
 das anämische Ideal: unter Umständen kann es das Ideal solcher Naturen sein, welche das erste, das heidnische darstellen (: so sieht Goethe in Spinoza seinen “Heiligen”)

man rechnet ab, man wählt

C.Von Zuständen ausgehn, wo wir die Welt absurder, schlechter, ärmer, täuschender empfinden, als daß wir in ihr noch das Ideal vermuthen oder wünschen: die Projektion des Ideals in das Wider-Natürliche, Wider-Thatsächliche, Wider-Logische. Der Zustand dessen, der so urtheilt (—die “Verarmung” der Welt als Folge des Leidens: man nimmt, man giebt nicht mehr—)
  
 : das widernatürliche Ideal

man negirt, man vernichtet

(Das christliche Ideal ist ein Zwischengebilde zwischen dem zweiten und dritten, bald mit dieser, bald mit jener Gestalt überwiegend.)

die drei Ideale

A.

Entweder eine

Verstärkung
(heidnisch)
 
B.oder eineVerdünnung
(anämisch)

des Lebens

C.oder eineVerleugnung
(widernatürlich)
 
  
die “Vergöttlichung” gefühltin der höchsten Fülle
 in der zartesten Auswahl
 in der Zerstörung und Verachtung des Lebens.

11 [139]

Der Grad der Spannung, des Widerstandes, der Gefahr, des berechtigten Mißtrauens; der Grad, in dem Opfer von Menschenleben gebracht werden, in dem die Wahrscheinlichkeit des Mißerfolges groß ist und trotzdem das Wagniß gewagt wird: —

11 [140]

Die Heerdenthier-Ideale—jetzt gipfelnd als höchste Werthansetzung der “Societät”: Versuch, ihr einen kosmischen, ja metaphysischen Werth zu geben

gegen sie vertheidige ich den Aristokratism.

Eine Gesellschaft, welche in sich jene Rücksicht und Delikatesse in Bezug auf Freiheit bewahrt, muß sich als Ausnahme fühlen und sich gegenüber eine Macht haben, gegen welche sie sich abhebt, gegen welche sie feindselig ist und herabblickt

— je mehr ich Recht abgebe und mich gleich stelle, um so mehr gerathe ich unter die Herrschaft der Durchschnittlichsten, endlich der Zahlreichsten

— die Voraussetzung, welche eine aristokratische Gesellschaft in sich hat, um zwischen ihren Mitgliedern den hohen Grad von Freiheit zu erhalten, ist die extreme Spannung, welche aus dem Vorhandensein des entgegengesetzten Triebes bei allen Mitgliedern entspringt: des Willens zur Herrschaft ..

11 [141]

wenn ihr die starken Gegensätze und Rangverschiedenheit wegschaffen wollt, so schafft ihr die starke Liebe, die hohe Gesinnung, das Gefühl des Für-sich-seins auch ab.

11 [142]

Zur wirklichen Psychologie der Freiheits- und Gleichheits-Societät:

was nimmt ab?Der Wille zur Selbstverantwortlichkeit—Zeichen des Niedergangs der Autonomie

die Wehr- und Waffentüchtigkeit, auch im Geistigsten—die Kraft zu commandiren

der Sinn der Ehrfurcht, der Unterordnung, des Schweigen-könnens.

die große Leidenschaft, die große Aufgabe, die Tragödie, die Heiterkeit

11 [143]

Capitel:
Kritik der großen Worte.
Von der Herkunft des Ideals.

das Heerdenthier-Ideal


das asketische Ideal


das Herren-Ideal


das Geistigkeits-Ideal
Wie man die Tugend zur Herrschaft bringt.
Die Circe der Philosophen.

Das religiöse Ideal.
Physiologie des Ideals I. II. III

Das Politische Ideal.
“Wissenschaft”


  
III
III
I
II
I
III
II
das Heerdenthier-Ideal
das Herren-Ideal
das Ideal der Widernatur
das Ideal der Geistigkeit
das heidnische Ideal
das Einsiedler Ideal (Stoa usw.)
das Ideal der Versinnlichung

Tafel:
Von der Herkunft des Ideals

A.


B.

C.
das Heerdenthier-Ideal
das Herrenthier-Ideal
das Einsiedlerthier-Ideal
das heidnische Ideal
das Ideal der Widernatur
das Ideal der Versinnlichung
das Ideal der Vergeistigung
das Ideal des dominirenden Affekts
  
Kritik der großen Worte.
Wahrheit.
Gerechtigkeit.
Liebe.
Frieden.
Tugend
Freiheit.
Güte
Rechtschaffenheit
Genie
Weisheit

11 [144]

Pascal: le pire mal est celui, qu’on fait par bonne intention.

11 [145]

Rolle desBewußtseins

Es ist wesentlich, daß man sich über die Rolle des “Bewußtseins” nicht vergreift: es ist unsere Relation mit derAußenwelt,” welche es entwickelt hat. Dagegen die Direktion, resp. die Obhut und Vorsorglichkeit in Hinsicht auf das Zusammenspiel der leiblichen Funktionen tritt uns nicht ins Bewußtsein; ebenso wenig als die geistige Einmagazinirung: daß es dafür eine oberste Instanz giebt, darf man nicht bezweifeln: eine Art leitendes Comité, wo die verschiedenen Hauptbegierden ihre Stimme und Macht geltend machen. “Lust,” “Unlust” sind Winke aus dieser Sphäre her: ... der Willensakt insgleichen. Die Ideen insgleichen

In summa: das, was bewußt wird, steht unter causalen Beziehungen, die uns ganz und gar vorenthalten sind,—die Aufeinanderfolge von Gedanken, Gefühlen, Ideen im Bewußtsein drückt nichts darüber aus, daß diese Folge eine causale Folge ist: es ist aber scheinbar so, im höchsten Grade. Auf diese Scheinbarkeit hin haben wir unsere ganze Vorstellung von Geist, Vernunft, Logik usw. gegründet (das giebt es Alles nicht: es sind fingirte Synthesen und Einheiten) ... Und diese wieder in die Dinge, hinter die Dinge projicirt!

Gewöhnlich nimmt man das Bewußtsein selbst als Gesammt-Sensorium und oberste Instanz: indessen es ist nur ein Mittel der Mittheilbarkeit: es ist im Verkehr entwickelt, und in Hinsicht auf Verkehrs-Interessen ... “Verkehr” hier verstanden auch von den Einwirkungen der Außenwelt und den unsererseits dabei nöthigen Reaktionen; ebensowie von unseren Wirkungen nach außen. Es ist nicht die Leitung, sondern ein Organ der Leitung

11 [146]

Die Mittel, vermöge deren eine stärkere Art sich erhält.

Sich ein Recht auf Ausnahme-Handlungen zugestehn; als Versuch der Selbstüberwindung und der Freiheit

Sich in Zustände begeben, wo es nicht erlaubt ist, nicht Barbar zu sein

Sich durch jede Art von Askese eine übermacht und Gewißheit in Hinsicht auf seine Willensstärke verschaffen.

Sich nicht mittheilen; das Schweigen; die Vorsicht vor der Anmuth.

Gehorchen lernen, in der Weise, daß es eine Probe für die Selbst-Aufrechterhaltung abgiebt. Casuistik des Ehrenpunktes ins Feinste getrieben.

Nie schließen “was Einem recht ist, ist dem Andern billig”—sondern umgekehrt!

Die Vergeltung, das Zurückgeben-dürfen als Vorrecht behandeln, als Auszeichnung zugestehn —

Die Tugend der Anderen nicht ambitioniren.

11 [147]

Theorie des Geschlechtstriebs: “die ‘homunculi,’ welche in’s Dasein begehren, vereinigen ihr Verlangen zum Leben in ein Collektiv-Verlangen, welches das Bewußtsein bemerkt und für sein eignes Bedürfniß nimmt” —

Renan’s Worte Hartley Fouillée p 217.

11 [148]

Die Zeit kommt, wo wir dafür bezahlen müssen, zwei Jahrtausende lang Christen gewesen zu sein: wir verlieren das Schwergewicht, das uns leben ließ,—wir wissen eine Zeit lang nicht, wo aus, noch ein. Wir stürzen jählings in die entgegengesetzten Werthungen, mit dem gleichen Maaße von Energie, mit dem wir Christen gewesen sind—mit dem wir die unsinnige übertreibung des christlichen

1) die “unsterbliche Seele”; der ewige Werth der “Person” —
2) die Lösung, die Richtung, die Werthung im “Jenseits” —
3) der moralische Werth als oberster Werth, das “Heil der Seele” als Cardinal-Interesse —
4) “Sünde,” “irdisch,” “Fleisch,” “Lüste”—als “Welt” stigmatisirt.

Jetzt ist Alles durch und durch falsch, “Wort,” durcheinander, schwach oder überspannt

a)

b)

c)


d)

e)


f)

g)
man versucht eine Art von irdischer Lösung, aber im gleichen Sinne, in dem des schließlichen Triumphs von Wahrheit, Liebe, Gerechtigkeit: der Socialismus: “Gleichheit der Person”
man versucht ebenfalls das Moral-Ideal festzuhalten (mit dem Vorrang des Unegoistischen, der Selbstverleugnung, der Willens-Verneinung)
man versucht selbst das “Jenseits” festzuhalten: sei es auch nur, als antilogisches x: aber man kleidet es sofort so aus, daß eine Art metaphysischer Trost alten Stils aus ihm gezogen werden kann
man versucht die göttliche Leitung alten Stils, die belohnende, bestrafende, erziehende, zum Besseren führende Ordnung der Dinge aus dem Geschehen herauszulesen
man glaubt nach wie vor an Gut und Böse: so, daß man den Sieg des Guten und die Vernichtung des Bösen als Aufgabe empfindet (—das ist englisch, typischer Fall der Flachkopf John Stuart Mill)
die Verachtung der “Naturlichkeit,” der Begierde, des Ego: Versuch selbst die höchste Geistigkeit und Kunst als Folge einer Entpersönlichung und als désintéressement zu verstehn
man erlaubt der Kirche, sich immer noch in alle wesentlichen Erlebnisse und Hauptpunkte des Einzellebens einzudrängen, um ihnen Weihe, höheren Sinn zu geben: wir haben auch einen “christlichen Staat,” die christliche “Ehe” —

11 [149]

Der vollkommene Nihilismus

seine Symptome:die große Verachtung
das große Mitleid
die große Zerstörung

sein Culminations-Punkt: eine Lehre, welche gerade das Leben, das Ekel, Mitleid und die Lust zur Zerstörung rege macht, als absolut und ewig lehrt

11 [150]

Zur Geschichte des europäischen Nihilismus.

Die Periode der Unklarheit, der Tentativen aller Art, das Alte zu conserviren und das Neue nicht fahren zu lassen.

Die Periode der Klarheit: man begreift, daß Altes und Neues Grundgegensätze sind: die alten Werthe aus dem niedergehenden, die neuen aus dem aufsteigenden Leben geboren,— Erkenntniß der Natur und Geschichte uns nicht mehr solche “Hoffnungen” gestattet,—daß alle alten Ideale lebensfeindliche Ideale sind (aus der décadence geboren und die décadence bestimmend, wie sehr auch im prachtvollen Sonntags-Aufputz der Moral)—wir verstehen das Alte und sind lange nicht stark genug zu einem Neuen.

Die Periode derdrei großen Affekte
 der Verachtung
 des Mitleids
 der Zerstörung
Die Periode derKatastrophe
 die Heraufkunft einer Lehre, welche
 die Menschen aussiebt ... welche
 die Schwachen zu Entschlüssen treibt
 und ebenso die Starken

11 [151]

Einsicht, welche den “freien Geistern” fehlt: dieselbe Disciplin, welche eine starke Natur noch verstärkt und zu großen Unternehmungen befähigt, zerbricht und verkümmert die mittelmäßigen.

: der Zweifel
: la largeur
: das Experiment
: die Independenz

11 [152]

meineZukunft

eine stramme Polytechniker-Bildung

Militärdienst: so daß durchschnittlich jeder Mann der höheren Stände Offizier ist, er sei sonst, was er sei

11 [153]

Die Lasterhaften und Zügellosen: ihr deprimirender Einfluß auf den Werth der Begierden. Es ist die schauerliche Barbarei der Sitte, welche, im Mittelalter vornehmlich, zu einem wahren “Bund der Tugend” zwingt—nebst ebenso schauerlichen übertreibungen über das, was den Werth des Menschen ausmacht. Die kämpfende “Civilisation” (Zähmung) braucht alle Art Eisen und Tortur, um sich gegen die Furchtbarkeit und Raubthier-Natur aufrecht zu erhalten.

Hier ist eine Verwechslung ganz natürlich, obwohl vom schlimmsten Einfluß: das, was Menschen der Macht und des Willens von sich verlangen können, giebt ein Maaß auch für das, was sie sich zugestehen dürfen. Solche Naturen sind der Gegensatz der Lasterhaften und Zügellosen: obwohl sie unter Umständen Dinge thun, derentwegen ein geringerer Mensch des Lasters und der Unmäßigkeit überführt wäre.

Hier schadet der Begriff der “Gleichwerthigkeit der Menschen vor Gott” außerordentlich: man verbot Handlungen und Gesinnungen, welche, an sich, zu den Prärogativen der Starkgerathenen gehören,—wie als ob sie an sich des Menschen unwürdig wären. Man brachte die ganze Tendenz des starken Menschen in Verruf, indem man die Schutzmittel der Schwächsten (auch gegen sich Schwächsten) als Werth-Norm aufstellte.

Die Verwechslung geht so weit, daß man geradezu die großen Virtuosen des Lebens (deren Selbstherrlichkeit den schärfsten Gegensatz zum Lasterhaften und “Zügellosen” abgiebt) mit den schimpflichsten Namen brandmarkte. Noch jetzt glaubt man einen Cesare Borgia mißbilligen zu müssen: das ist einfach zum Lachen. Die Kirche hat deutsche Kaiser auf Grund ihrer Laster in Bann gethan: als ob ein Mönch oder Priester über das mitreden dürfte, was ein Friedrich der Zweite von sich fordern darf. Ein Don Juan wird in die Hölle geschickt: das ist sehr naiv. Hat man bemerkt, daß im Himmel alle interessanten Menschen fehlen? ... Nur ein Wink für die Weiblein, wo sie ihr Heil am besten finden ... Denkt man ein wenig consequent und außerdem mit einer vertieften Einsicht in das, was ein “großer Mensch” ist, so unterliegt es keinem Zweifel, daß die Kirche alle “großen Menschen” in die Hölle schickt—, sie kämpft gegen alle “Größe des Menschen”...

11 [154]

DerEhr-Begriff ”: beruhend auf dem Glauben an “gute Gesellschaft,” an ritterliche Hauptqualitäten, an die Verpflichtung, sich fortwährend zu repräsentiren. Wesentlich: daß man sein Leben nicht wichtig nimmt; daß man unbedingt auf respektvollste Manieren hält, seitens aller, mit denen man sich berührt (zum Mindesten, so weit sie nicht zu “uns” gehören); daß man weder vertraulich, noch gutmüthig, noch lustig, noch bescheiden ist, außer inter pares; daß man sich immer repräsentirt ...

11 [155]

N T

Der Krieg gegen die Vornehmen und Mächtigen, wie er im neuen Testament geführt wird, ist ein Krieg wie der des Reineke und mit gleichen Mitteln: nur immer in priesterlicher Salbung und in entschiedener Ablehnung, um seine eigne Schlauheit zu wissen.

11 [156]

Man spricht von der “tiefen Ungerechtigkeit” des socialen Pakts: wie als ob die Thatsache, daß dieser unter günstigen, jener unter ungünstigen Verhältnissen geboren wird, eine Ungerechtigkeit sei; oder gar, daß dieser mit diesen Eigenschaften, jener mit jenen geboren wird ... Dies ist unbedingt zu bekämpfen. Der falsche Begriff “Individuum” führt zu diesem Unsinn. Die Umstände, aus denen ein Mensch wächst, von ihm zu isoliren und ihn, wie eine “seelische Monade,” gleichsam bloß hineinsetzen oder fallen lassen: ist eine Folge der elenden Seelen-Metaphysik. Niemand hat ihm Eigenschaften gegeben, weder Gott, noch seine Eltern; niemand ist verantwortlich, daß er ist, daß er so und so ist, daß er unter diesen Umständen ist ... Der Faden des Lebens, den er jetzt darstellt, ist nicht herauszulösen aus allem, was war und sein muß: da er nicht das Resultat einer langen Absicht ist, überhaupt keines Willens zu einem “Ideal von Mensch” oder “ldeal von Glück” oder “Ideal von Moralität,” so ist es absurd, irgendwohin sich “abwälzen” wollen: wie als ob irgendwo eine Verantwortung läge.

Die Revolte des “Leidenden” gegen
Gott
Gesellschaft
Natur
Vorfahren
Erziehung usw.

imaginirt Verantwortlichkeiten und Willensformen, die es gar nicht giebt. Man soll nicht von einem Unrecht reden in Fällen, wo gar keine Vorbedingungen für Recht und Unrecht da sind. Daß eine Seele jeder Seele an sich gleich sei—oder gleich sein sollte: das ist die schlimmste Art optimistischer Schwärmerei. Das Umgekehrte ist das Wünschbare, die möglichste Unähnlichkeit und folglich Reibung, Kampf, Widerspruch: und, das Wünschbare ist das Wirkliche, glücklicher Weise!

11 [157]

Die Absicht auf gleiche Rechte und endlich auf gleiche Bedürfnisse, eine beinahe unvermeidliche Consequenz unserer Art Civilisation des Handels und der politischen Stimmen-Gleichwerthigkeit, bringt den Ausschluß und das langsame Aussterben der höheren, gefährlicheren, absonderlicheren und in summa neueren Menschen mit sich: das Experimentiren hört gleichsam auf, und ein gewisser Stillstand ist erreicht.

11 [158]

Der Revolter-Pessimismus (statt “Entrüstungs-Pessimismus”)

11 [159]

Zum “großen Ekel ”: theils daran leidend, theils selbst erzeugend

die nervös-katholisch-erotische Litteratur
der Litteratur-Pessimismus Frankreichs | Flaubert. Zola. Goncourt. Baudelaire.
die dîners chez Magny

Zum “großen Mitleid ”

Tolstoi, Dostoiewsky
Parsifal

11 [160]

Die wahre Civilisation besteht, nach Baudelaire, dans la diminution du péché originel. B

11 [161]

Le Français est un animal de basse-cour si bien domestiqué, qu’il n’ose franchir aucune palissade. B

C’est un animal de race latine: l’ordure ne lui déplaît pas, dans son domicile, et, en littérature, il est scatophage. ll raffole des excréments ... B

11 [162]

Tartuffe. Keine Komödie, sondern ein Pamphlet. Ein Atheist, wenn er zufällig ein Mann von guter Erziehung ist, wird, in Hinsicht auf das Stück, denken, daß man gewisse schwere Fragen nie der Canaille ausliefern soll. B

11 [163]

Baudelaire spricht in Bezug auf Petronius von ses terrifiantes impuretés, ses bouffonneries attristantes

Unsinn: aber symptomatisch ...

11 [164]

genus irritabile vatum

11 [165]

wie Trimalchion, der seine Hände an den Haaren seiner Sklaven abwischt ...

11 [166]

livres vécus, poèmes vécus.

11 [167]

Byron: geschwätzig. Mais, en revanche, ces sublimes défauts, qui font le grand poète: la mélancholie, toujours inséparable du sentiment du beau, et une personnalité ardente, diabolique, un esprit salamandrin.

11 [168]

“... il n’y a de grand parmi les hommes que le poète, le prêtre et le soldat: l’homme qui chante, l’homme, qui bénit, l’homme qui sacrifie et se sacrifie. Le reste n’est fait que pour le fouet ...”

11 [169]

“il n’y a de gouvernement raisonnable et assuré que l’aristocratique. Monarchie ou république, basées sur la démocratie, sont également absurdes et faibles.”

11 [170]

“avant tout être un grand homme et un saint pour soi même.”

11 [171]

“Dieu est le seul être qui, pour régner, n’a même pas besoin d’exister.”

11 [172]

Zur Theorie der “Hingebung” ...

L’amour, c’est le goût de la prostitution. Il n’est même pas de plaisir noble, qui ne puisse être ramené à la prostitution. L’être le plus prostitué, c’est l’être par excellence, c’est Dieu. Dans un spectacle, dans un bal chacun jouit de tous. Qu’est-ce que l’art? Prostitution

L’amour peut dériver d’un sentiment généreux: le goût de la prostitution. Mais il est bientôt corrompu par le goût de la propriété.

11 [173]

De la féminéité de l’église comme raison de son omnipuissance.

11 [174]

Daß die Liebe der Tortur gleicht oder einer chirurgischen Operation. Daß Einer von Beiden immer der Henker oder der Operateur ist.

Worin besteht das größte Vergnügen der Liebe? hat man in Gegenwart Baudelaire’s gefragt. Einer antwortete: im Empfangen, ein Anderer: im Sich-geben. Dieser sagte: Wollust des Stolzes, jener: Wollust der Demuth (volupté d’humilité) Alle diese orduriers redeten wie die imitatio Christi. Endlich fand sich ein unverschämter Utopist, welcher behauptete, das größte Vergnügen der Liebe bestünde darin, Bürger für das Vaterland zu bilden.

Moi, je dis: la volupté unique et suprême de l’amour gît dans la certitude de faire le mal. Et l’homme et la femme savent, de naissance, que dans le mal se trouve toute volupté.

11 [175]

Wir lieben die Frauen im Verhältniß dazu, als sie uns fremd sind. Aimer les femmes intelligentes est un plaisir de pédéraste.

11 [176]

Magerkeit ist nackter, indecenter als Fett.

11 [177]

L’enthousiasme qui s’applique à autre chose que les abstractions est un signe de faiblesse et de maladie.

11 [178]

Das Gebet. Connais donc les jouissances d’une vie âpre et prie, prie sans cesse. La prière est réservoir de force.

11 [179]

Die Völker thun Alles, um keine großen Männer zu haben. Der große Mann muß also, um zu existiren, eine Kraft im Angriff haben, die größer ist als die Widerstands-Kraft, welche durch Millionen von Individuen entwickelt wird.

11 [180]

Hinsichtlich des Schlummers, aventure sinistre de tous les soirs, kann man sagen: die Menschen schlafen mit einer Kühnheit ein, die unverständlich sein würde, wüßte man nicht, daß sie aus der Unkenntniß der Gefahr stammt.

11 [181]

Diese großen schönen Schiffe, unmerklich schwankend auf dem ruhigen Wasser, diese starken Fahrzeuge, mit müssiger und von Heimweh redender Miene, sagen sie uns nicht in einer stummen Sprache: “wann reisen wir ab pour le bonheur?”

11 [182]

En politique, le vrai saint est celui, qui fouette et tue le peuple, pour le bien du peuple.

11 [183]

Das Schöne, wie es Baudelaire versteht (und Richard Wagner—) Etwas Glühendes und Trauriges, ein wenig unsicher, Raum der Vermuthung gebend.

11 [184]

une tête séduisante et belle, une tête de femme, c’est une tête qui fait rêver à la fois, mais d’une manière confuse, de volupté et de tristesse; qui comporte une idée de mélancholie, de lassitude, même de satiété,—soit une idée contraire, c’est-à-dire une ardeur, un désir de vivre, associés avec une amertume refluante, comme venant de privation ou de désespérance. Le mystère, le regret sont aussi des caractères du Beau.

11 [185]

Ein schöner Mannskopf hat nicht nöthig (außer vielleicht in den Augen eines Weibs), diese Idee der Wollust in sich zu enthalten, welche, in einem Weibsgesicht, eine um so anziehendere Provokation ist, als es gemeinhin melancholischer ist. Aber auch dieser Kopf wird etwas Glühendes und Trauriges enthalten, von spirituellen Bedürfnissen, von Ambitionen, die im Dunklen gehalten sind, die Idee einer Macht, die im Grunde gronde et ohne Verwendung, bisweilen die Idee d’une insensibilité vengeresse, bisweilen—im interessantesten Falle—das Geheimniß und endlich le malheur.

11 [186]

Auto-idolâtrie. Poetische Harmonie des Charakters. Eurythmie des Charakters und der Fähigkeiten. Alle Fähigkeiten bewahren. Alle Fähigkeiten wachsen machen. Ein Cultus.

11 [187]

Was am Weibe bezaubert und die Schönheit ausmacht.

l’air blasé, l’air ennuyé, l’air évaporé, l’air impudent, l’air froid, l’air de regarder en dedans, l’air de domination, l’air de volonté, l’air méchant, l’air malade, l’air chat, enfantillage, nonchalance et malice mêlées.

11 [188]

In protestantischen Ländern fehlt es an zwei Dingen, die indispensabel für das Glück eines wohlerzogenen Manns sind, la galanterie et la dévotion

11 [189]

Das Berauschende am schlechten Geschmack: das aristokratische Vergnügen, zu mißfallen.

11 [190]

Der Stoicism, der nur Ein Sakrament hat: den Selbstmord ...

11 [191]

La femme est naturelle, c’est-à-dire abominable. Aussi est-elle toujours vulgaire, c’est-à-dire le contraire du dandy.

11 [192]

Il y a dans tout changement quelque chose d’infâme et d’agréable à la fois, quelque chose, qui tient de l’infidélité et du déménagement.

11 [193]

il y a des gens, qui ne peuvent s’amuser qu’en troupe. Le vrai héros s’amuse tout seul.

11 [194]

Man muß arbeiten, wenn nicht aus Geschmack, so mindesten aus Verzweiflung, da, Alles wohl erwogen, arbeiten weniger langweilig ist als sich amüsiren.

11 [195]

Ganz noch Kind, empfand ich in meinem Herzen 2 contradiktorische Gefühle: l’horreur de la vie et l’extase de la vie. C’est bien le fait d’un paresseux nerveux.

11 [196]

Baudelaire sagt von sich “De Maistre et Edgar Poe haben mich räsonniren gelehrt”

11 [197]

Die Todesstrafe, Resultat einer mystischen Idee, die heute ganz unbegriffen ist. Die Todesstrafe hat nicht als Ziel die Gesellschaft zu sauver, materiellement: sie will sie und den Schuldigen spirituellement sauver. Damit das Opfer vollkommen sei, muß Zustimmung und Freude auf Seiten des Opfers sein. Chloroform einem zum Tode Verurtheilten geben wäre eine Gottlosigkeit: denn das würde das Bewußtsein de sa grandeur comme victime nehmen und die chances, das Paradies zu gewinnen, ihm nehmen.

Was die Tortur betrifft, so stammt sie aus der Partie infâme du coeur de l’homme, welche Durst nach Wollust hat. Cruauté et volupté, identische Sensationen, wie die extreme Hitze und der extreme Frost.

11 [198]

Ce qu’il y a de vil dans une fonction quelconque.

Un dandy ne fait rien. Vous figurez-vous un dandy parlant au peuple, excepté pour le bafouer?

Es giebt nur 3 respektable Wesen: Priester, Krieger, Poet. Savoir, tuer et créer.

Die anderen Menschen sind taillables ou corvéables, faits pour l’écurie, c’est-à-dire pour exercer ce qu’on appelle des professions.

11 [199]

La femme Sand war ein Moralist.

— elle a le fameux style coulant, cher aux bourgeois.

— elle est bête, elle est lourde, elle est bavarde. In Dingen der Moral die gleiche Tiefe des Urtheils, die gleiche Delikatesse des Gefühls, wie les concierges et les filles entretenues.

— eine naive Alte, die nicht die Bretter verlassen will

— sie hat sich überredet, se fier à son bon coeur et à son bon sens und überredet andere grosses bêtes, es ebenso zu machen.

— ich kann an diese stupide créature nicht denken, ohne einen Schauder des Abscheus.

11 [200]

Ich langweile mich in Frankreich, weil alle Welt darin Voltaire gleicht. Voltaire ou Antipoète (Emerson habe ihn vergessen), le roi des badauds, le prince des superficiels, l’antiartiste, le prédicateur des concierges.

11 [201]

Voltaires Spott über die unsterbliche Seele, welche, während 9 Monate, zwischen Excrementen und Urin residirt. Baudelaire erräth in dieser Localisirung “une malice ou une satire de la Providence contre l’amour et, dans le mode de la génération, un signe du péché originel. De fait, nous ne pouvons faire l’amour qu’avec des organes excrémentiels.”

11 [202]

Desinfektion der Liebe durch die Kirche: die Ehe

11 [203]

Dandysme. Was der höhere Mensch ist? Das ist kein Spezialist. C’est l’homme de loisir et d’éducation générale. Être riche et aimer le travail.

11 [204]

Das ist langweilig an der Liebe: sie ist ein Verbrechen, wo man nicht umhin kann, einen Complicen zu haben.

11 [205]

Si tu étais jesuite et révolutionnaire, comme tout vrai politique doit l’être ou l’est fatalement ...

11 [206]

Die Diktatoren sind les domestiques du peuple, nichts mehr; und der Ruhm ist das Resultat der Anpassung—l’adaptation d’un esprit à la sottise nationale —

11 [207]

Was ist die Liebe? Ein Bedürfniß, aus sich hinauszugehn.

Der Mensch ist un animal adorateur. Adorer c’est se sacrifier et se prostituer. Aussi tout amour est-il prostitution.

l’indestructible, éternelle, universelle et ingénieuse férocité humaine. Liebe zum Blut, l’ivresse du sang, l’ivresse des foules.

11 [208]

NB. Défions-nous du peuple, du bon sens, du coeur, de l’inspiration et de l’évidence.

Wie kann man die Frauen in die Kirche lassen? Was für eine Conversation können sie mit Gott führen?

L’éternelle Vénus (caprice, hystérie, fantaisie) est une des formes séduisantes du diable.

11 [209]

In der Liebe ist l’entente cordiale Folge eines Mißverständnisses. Ce malentendu c’est le plaisir. Die Kluft bleibt unüberbrückt.

11 [210]

“Soyons médiocres!” Saint-Marc Girardin, aus leidenschaftlichem Haß gegen le sublime.

11 [211]

Man soll den regierenden Fürsten nicht die Verdienste und Laster des Volkes zuschreiben, über welches sie Herr sind. Diese Verdienste und Laster gehören fast immer zur Atmosphäre der vorhergehenden Regierung.

Ludwig der XIV erbt die Leute von Ludwig dem XIII: gloire.

Napoleon erbt die Leute der Republik: gloire.

Napoleon erbt die Leute von Louis-Philippe: déshonneur.

11 [212]

unvertilgbarer Geschmack de la prostitution im Herzen des Menschen: daher seine horreur vor der Einsamkeit.— Il veut être deux.

Das Genie (l’homme de génie) veut être un, donc solitaire

La gloire, c’est rester un, et se prostituer d’une manière particulière.

11 [213]

C’est cette horreur de la solitude, le besoin d’oublier son moi dans la chair extérieure, que l’homme appelle noblement besoin d’aimer.

11 [214]

De la nécessité de battre les femmes.

11 [215]

Der Handel ist, seinem Wesen nach, satanisch. Le commerce, c’est le prêté-rendu, c’est le prêt avec le sous-entendu: Rends-moi plus que je ne te donne.

— Der Geist jedes Handeltreibenden ist völlig vicié.

— Le commerce est naturel, donc il est infâme.

— Der Mindest-Verruchte unter allen Handeltreibenden ist der welcher sagt: seien wir tugendhaft, um viel mehr Geld zu gewinnen als die Thoren, welche lasterhaft sind. Für den Handelsmann ist die Honnetetät selbst eine Spekulation auf Gewinn.

— Le commerce est satanique, parce qu’il est une des formes de l’égoïsme —

11 [216]

Nur durch Mißverständnisse befindet sich alle Welt im Einklang. Wenn man, unglücklicherweise, sich begriffe, so würde man sich nie mit einander verstehen

Ein Mann von Geist, der also, welcher sich nie mit Jemandem verstehen wird, soll sich darauf üben, die Unterhaltung mit Thoren und die Lektüre schlechter Bücher zu lieben. Er wird daraus bittere Genüsse ziehen, welche ihn reichlich für die fatigue entschädigen werden.

11 [217]

Ein Funktionär, ein Minister—das können schätzenswerthe Leute sein: mais ils ne sont jamais divins. Leute ohne Persönlichkeit, Wesen ohne Originalität, geboren für die Funktion, d.h. pour la domesticité publique.

11 [218]

Jede Zeitung giebt die Zeichen der schrecklichsten menschlichen Perversität: un tissu d’horreurs. Mit diesem dégoûtant apéritif begleitet der civilisirte Mensch die Morgenmahlzeit. Tout, en ce monde, sue le crime: le journal, la muraille et le visage de l’homme.— Wie kann eine reine Hand ohne eine Convulsion von Ekel ein Journal anrühren? ...

11 [219]

Sans la charité, je ne suis qu’une cymbale retentissante.

11 [220]

Mes humiliations ont été des grâces de Dieu.

11 [221]

Je n’ai pas encore connu le plaisir d’un plan réalisé.

11 [222]

Tout recul de la volonté est une parcelle de substance perdue.

11 [223]

wie B, der eines Tages über sich le vent de l’aile de l’imbécillité hinstreichen fühlte

11 [224]

Pour guérir de tout, de la misère, de la maladie et de la mélancolie, il ne manque absolument que le goût du travail.

11 [225]

“Ridentem ferient ruinae” auf sein Portrait aufgeschrieben.

11 [226]

1.

Daß die Menschheit eine Gesammt-Aufgabe zu lösen habe, daß sie als Ganzes irgend einem Ziel entgegenlaufe, diese sehr unklare und willkürliche Vorstellung ist noch sehr jung. Vielleicht wird man sie wieder los, bevor sie eine “fixe Idee” wird ... Sie ist kein Ganzes, diese Menschheit: sie ist eine unlösbare Vielheit von aufsteigenden und niedersteigenden Lebensprozessen—sie hat nicht eine Jugend und darauf eine Reife und endlich ein Alter. Nämlich die Schichten liegen durcheinander und übereinander—und in einigen Jahrtausenden kann es immer noch jüngere Typen Mensch geben, als wir sie heute nachweisen können. Die décadence andererseits gehört zu allen Epochen der Menschheit: überall giebt es Auswurf- und Verfall-Stoffe, es ist ein Lebensprozeß selbst, das Ausscheiden der Niedergangs- und Abfalls-Gebilde.

2.

Unter der Gewalt des christlichen Vorurtheils gab es diese Frage gar nicht: der Sinn lag in der Errettung der einzelnen Seele; das Mehr oder Weniger in der Dauer der Menschheit kam nicht in Betracht. Die besten Christen wünschten, daß es möglichst bald ein Ende habe:—über das, was dem Einzelnen noth thue, gab es keinen Zweifel ... Die Aufgabe stellte sich jetzt für jeden Einzelnen, wie in irgend welcher Zukunft für einen Zukünftigen: der Werth, Sinn, Umkreis der Werthe war fest, unbedingt, ewig, Eins mit Gott ... Das, was von diesem ewigen Typus abwich, war sündlich, teuflisch, verurtheilt ...

Das Schwergewicht des Werthes lag für jede Seele in sich selber: Heil oder Verdammniß! Das Heil der ewigen Seele! Extremste Form der Verselbstung ... Für jede Seele gab es nur Eine Vervollkommnung; nur Ein Ideal; nur Einen Weg zur Erlösung ... Extremste Form der Gleichberechtigung, angeknüpft an eine optische Vergrößerung der eigenen Wichtigkeit bis ins Unsinnige ... Lauter unsinnig wichtige Seelen, um sich selbst mit entsetzlicher Angst gedreht ...

3.

Nun glaubt kein Mensch mehr an diese absurde Wichtigthuerei: und wir haben unsere Weisheit durch ein Sieb der Verachtung geseiht. Trotzdem bleibt unerschüttert die optische Gewöhnung, einen Werth des Menschen in der Annäherung an einen idealen Menschen zu suchen: man hält im Grunde sowohl die Verselbstungs-Perspektive als die Gleichberechtigung vor dem Ideal aufrecht. In summa: man glaubt zu wissen, was, in Hinsicht auf den idealen Menschen, die letzte Wünschbarkeit ist ...

Dieser Glaube ist aber nur die Folge einer ungeheuren Verwöhnung durch das christliche Ideal: als welches man, bei jeder vorsichtigen Prüfung des “idealen Typus,” sofort wieder herauszieht. Man glaubt, erstens, zu wissen, daß die Annäherung an Einen Typus wünschbar ist; zweitens zu wissen, welcher Art dieser Typus ist; drittens daß jede Abweichung von diesem Typus ein Rückgang, eine Hemmung, ein Kraft- und Machtverlust des Menschen ist ... Zustände träumen, wo dieser vollkommene Mensch die ungeheure Zahlen-Majorität für sich hat: höher haben es auch unsere Socialisten, selbst die Herren Utilitarier, nicht gebracht.— Damit scheint ein Ziel in die Entwicklung der Menschheit zu kommen: jedenfalls ist der Glaube an einen Fortschritt zum Ideal die einzige Form, in der eine Art Ziel in der Menschheits-Geschichte heute gedacht wird. In summa: man hat die Ankunft des Reichs Gottes in die Zukunft verlegt, auf die Erde, in’s Menschliche,—aber man hat im Grunde den Glauben an das alte Ideal festgehalten ...

11 [227]

Zu begreifen:

Daß alle Art Verfall und Erkrankung fortwährend an den Gesammt-Werthurtheilen mitgearbeitet hat: daß in den herrschend gewordenen Werthurtheilen décadence sogar zum übergewicht gekommen ist: daß wir nicht nur gegen die Folgezustände alles gegenwärtigen Elends von Entartung zu kämpfen haben, sondern alle bisherige décadence rückständig d.h. lebendig geblieben ist. Eine solche Gesammt-Abirrung der Menschheit von ihren Grundinstinkten, eine solche Gesammt-Décadence des Werthurtheils ist das Fragezeichen par excellence, das eigentliche Räthsel, das das Thier “Mensch” dem Philosophen aufgiebt —

11 [228]

Die Hauptarten des Pessimismus, der Pessimismus der Sensibilität (die überreizbarkeit mit einem übergewicht der Unlustgefühle)

Der Pessimismus des “unfreien Willens” (anders gesagt: der Mangel an Hemmungskräften gegen die Reize)

Der Pessimismus des Zweifels (: die Scheu vor allem Festen, vor allem Fassen und Anrühren)

die dazugehörigen psychologischen Zustände kann man allesammt im Irrenhause beobachten, wenn auch in einer gewissen übertreibung. Insgleichen den “Nihilismus” (das durchbohrende Gefühl des “Nichts”)

Wohin aber gehört der Moral-Pessimismus Pascal’s?
 der metaphysische Pessimismus der Vedanta-Philosophie?
 der sociale Pessimismus des Anarchisten (oder Shelley’s)?
 der Mitgefühls-Pessimismus (wie der Tolstoi’s, Alfred de Vigny’s)?

— sind das nicht Alles gleichfalls Verfalls- und Erkrankungs-Phänomene? ... Das excessive Wichtignehmen von Moralwerthen, oder von “Jenseits”-Fiktionen, oder von socialen Nothständen oder von Leiden überhaupt: jede solche Übertreibung eines einzelnen Gesichtspunktes ist an sich schon ein Zeichen von Erkrankung. Ebenfalls das überwiegen des Neins über das Ja!

Was hier nicht zu verwechseln ist: die Lust am Neinsagen und Neinthun aus einer ungeheuren Kraft und Spannung des Jasagens—eigenthümlich allen reichen und mächtigen Menschen und Zeiten. Ein Luxus gleichsam; eine Form der Tapferkeit ebenfalls, welche sich dem Furchtbaren entgegenstellt; eine Sympathie für das Schreckliche und Fragwürdige, weil man, unter Anderem, schrecklich und fragwürdig ist: das Dionysische in Wille, Geist, Geschmack.

11 [229]

Leopardi beklagt sich, hat Grund sich zu beklagen: aber damit gehört er nicht zu dem vollkommenen Typus des Nihilisten.

11 [230]

J’écris pour une dizaine d’âmes que je ne verrai peut-être jamais, mais que j’adore sans les avoir vues. Stendhal.

11 [231]

1844 c. Baudelaire abhängig von Sainte-Beuve (Joseph Delorme) sagt ... Sainte-Beuve sagt zu ihm: “Vous dites vrai, ma poésie se rattache à la vôtre. J’avais goûté du même fruit amer, plein de cendres, au fond.”

11 [232]

Baudelaire: (“Volupté” l’histoire d’Amaury)

et devant le miroir, j’ai perfectionné
l’art cruel, qu’un démon, en naissant, m’a donné,
— de la douleur pour faire une volupté vraie, —
d’ensanglanter son mal et de gratter sa plaie.

11 [233]

Concevoir un canevas pour une bouffonnerie lyrique—et traduire cela en un roman sérieux. Noyer le tout dans une atmosphère anormale et songeuse,—dans l’atmosphère des grands jours— Que ce soit quelque chose de berçant et même de serein dans la passion.— Régions de la poésie pure.—

11 [234]

Die Weiter-Entwicklung der Menschheit nach Baudelaires Vorstellung. Nicht daß wir dem wilden Zustande uns wieder näherten, etwa nach Art des désordre bouffon südamerikanischer Republiken, wo man, das Gewehr in der Hand, seine Nahrung sucht, zwischen den Trümmern unserer Civilisation. Das würde noch eine gewisse vitale Energie voraussetzen. Die Mechanik wird uns derart amerikanisirt, der Fortschritt wird die spiritualistische Partie dermaaßen in uns atrophiirt haben, daß Alles Verrückte, was geträumt worden ist von Socialisten, hinter der positiven Wirklichkeit zurück bleibt. Keine Religion, kein Eigenthum; selbst keine Revolution mehr. Nicht in politischen Institutionen wird sich der allgemeine Ruin zeigen (ou le progrès universel: es liegt wenig am Namen) Habe ich nöthig zu sagen, daß das Wenige von Politik, das übrig bleibt, se débattra péniblement dans les étreintes de l’animalité générale, und daß die politischen Gouvernants gezwungen sein werden, um sich aufrecht zu erhalten und ein Phantom von Ordnung zu schaffen, zu Mitteln ihre Zuflucht zu nehmen qui feraient frissonner notre humanité actuelle, pourtant si endurcie! (Haarsträubend!) Dann wird der Sohn die Familie fliehen, mit 12 Jahren, émancipé par sa précocité gloutonne, um sich zu bereichern, um seinem infamen Vater Concurrenz zu machen, fondateur et actionnaire d’un journal, das Licht verbreitet usw.— Dann werden selbst die prostituirten eine unbarmherzige Weisheit sein, qui condamne tout, fors l’argent, tout, même les erreur des sens! Dann wird alles, das uns Tugend heißt, als etwas ungeheuer Lächerliches angesehen werden—Alles was nicht ardeur vers Plutus ist. Die Gerechtigkeit wird Bürger verbieten, welche nicht ihr Glück zu machen wissen usw.— avilissement —.

Was mich betrifft, der ich bisweilen das Lächerliche eines Propheten in mir fühle, ich weiß, daß ich niemals la charité d’un médecin darin finden werde. Verloren in dieser erbärmlichen Welt, coudoyé par les foules, bin ich wie ein müder Mensch, der rückwärts blickend nichts sieht, als désabusement et amertume in langen tiefen Jahren und vor sich einen Sturm, in dem es Nichts Neues giebt, weder Lehre, noch Schmerz. Le soir, où cet homme a volé à la destinée quelques heures de plaisir—den Abend, an dem dieser Mensch eine Stunde Vergnügen dem Schicksale abgestohlen hat—, bercé dans sa digestion, oublieux autant que possible du passé, content du présent et résigné à l’avenir, enivré de son sang-froid et de son dandysme, fier de n’être pas aussi bas, que ceux qui passent, il se dit, en contemplant la fumée de son cigare: “Que m’importe, où vont ces consciences?” —

11 [235]

Ein wenig reine Luft! Dieser absurde Zustand Europa’s soll nicht mehr länger dauern! Giebt es irgend einen Gedanken hinter diesem Hornvieh-Nationalismus? Welchen Werth könnte es haben, jetzt wo Alles auf größere und gemeinsame Interessen hinweist, diese ruppigen Selbstgefühle aufzustacheln? ... Und das nennt sich “christlicher Staat”! Und in der Nähe der obersten Kreise die Hofprediger-Canaille! ... Und das “neue Reich,” wieder auf den verbrauchtesten und bestverachteten Gedanken gegründet, die Gleichheit der Rechte und der Stimmen ...

Und das in einem Zustande, wo die geistige Unselbständigkeit und Entnationalisirung in die Augen springt und in einem gegenseitigen Sich-Verschmelzen und -Befruchten der eigentliche Werth und Sinn der jetzigen Cultur liegt!

Die wirthschaftliche Einigung Europas kommt mit Nothwendigkeit—und ebenso, als Reaktion, die Friedenspartei ...

Das Ringen um einen Vorrang innerhalb eines Zustandes, der nichts taugt: diese Cultur der Großstädte, der Zeitungen, des Fiebers und der “Zwecklosigkeit”

11 [236]

Eine Partei des Friedens, ohne Sentimentalität, welche sich und ihren Kindern verbietet, Krieg zu führen; verbietet, sich der Gerichte zu bedienen; welche den Kampf, den Widerspruch, die Verfolgung gegen sich heraufbeschwört; eine Partei der Unterdrückten, wenigstens für eine Zeit; alsbald die große Partei. Gegnerisch gegen die Rach- und Nachgefühle.

Eine Kriegspartei, mit der gleichen Grundsätzlichkeit und Strenge gegen sich in umgekehrter Richtung vorgehend —

11 [237]

Buddhism und Christenthum: Kampf mit dem Ressentiment.

11 [238]

Abschaffung der “Strafe.” Der “Ausgleich” an Stelle aller Gewaltmittel.

11 [239]

Das ursprüngliche Christenthum ist Abolition des Staates:

es verbietetden Eid
 den Kriegsdienst
 die Gerichtshöfe
 die Selbstvertheidigung und Vertheidigung irgend eines Ganzen
 den Unterschied zwischen Volksgenossen und Fremden; insgleichen die Ständeordnung

Das Vorbild Christi: er widerstrebt nicht denen, die ihm übles thun (er verbietet die Vertheidigung); er vertheidigt sich nicht; er thut mehr: “er reicht die linke Wange” (auf die Frage “bist du Christus?” antwortet er “und von nun an werdet ihr sehn usw.”)

— er verbietet, daß seine Jünger ihn vertheidigen; er macht aufmerksam, daß er Hülfe haben könnte, aber nicht will.

— das Christenthum ist auch Abolition der Gesellschaft: es bevorzugt alles von ihr Hinweggestoßene, es wächst heraus aus den Verrufenen und Verurtheilten, dem Aussatze jeder Art, den “Sündern,” den “Zöllnern” und Prostituirten, dem dümmsten Volk (den “Fischern”); es verschmäht die Reichen, die Gelehrten, die Vornehmen, die Tugendhaften, die “Correkten” ...

11 [240]

Zum psychologischen Problem des Christenthums

Die treibende Kraft bleibt: das Ressentiment, der Volksaufstand, der Aufstand der Schlechtweggekommenen

(mit dem Buddhism steht es anders: er ist nicht geboren aus einer Ressentiments-Bewegung. Er bekämpft dasselbe, weil es zum Handeln antreibt)

diese Friedenspartei begreift, daß Verzichtleistung auf Feindseligkeit in Gedanken und That eine Unterscheidungs- und Erhaltungsbedingung ist

: hierin liegt die Psychologische Schwierigkeit, welche verhindert hat, daß man das Christenthum verstand.

Der Trieb, der es schuf, erzwingt eine grundsätzliche Bekämpfung seiner selber —

Nur als Friedens- und Unschulds-Partei hat diese Aufstandsbewegung eine Möglichkeit auf Erfolg: sie muß siegen durch die extreme Milde, Süßigkeit, Sanftmuth, ihr Instinkt begreift das —

Kunststück: den Trieb, dessen Ausdruck man ist, leugnen, verurtheilen, das Gegenstück dieses Triebes durch die That und das Wort beständig zur Schau tragen —

11 [241]

Ein Recht auf Dasein, auf Arbeit, auf Glück!!!

11 [242]

un doux rêve du “charmant docteur” — Renan

11 [243]

Die Christen haben niemals die Handlungen praktizirt, welche ihnen Jesus vorgeschrieben hat: und das unverschämte Gerede vom “Glauben” und von der “Rechtfertigung durch den Glauben” und dessen oberster und einziger Bedeutsamkeit ist nur die Folge davon, daß die Kirche nicht den Muth, noch den Willen hatte, sich zu den Werken zu bekennen, welche Jesus forderte.

11 [244]

Der Buddhist handelt anders als der Nichtbuddhist; der Christ handelt wie alle Welt und hat ein Christenthum der Ceremonien und der Stimmungen

11 [245]

Die tiefe und verächtliche Verlogenheit des Christenthums in Europa: wir verdienen wirklich die Verachtung der Araber, Hindus, Chinesen ... Man höre die Reden des ersten deutschen Staatsmanns über das, was jetzt 40 Jahre Europa eigentlich beschäftigt hat ... man höre die Sprache des Hofprediger-Tartüffes

11 [246]

— “dem Bösen” nicht widerstehen ...

Aber wenn man nicht an Gut und Böse glaubt, was heißt dies dann?

11 [247]

— Das alte Recht, welches dem Bösen widersteht und Böses mit Bösem vergilt und das neue, welches nicht vergilt, nicht sich wehrt

11 [248]

— Es geht nur besser, wenn man alles Schlimme durch Gutes vergilt,—und keinen Unterschied mehr der Person macht

11 [249]

Jesus leugnet Kirche Staat Gesellschaft Kunst, Wissenschaft, Cultur, Civilisation

Alle Weisen haben so zu ihrer Zeit den Werth der Cultur und der staatlichen Organisation geleugnet. —

Plato, Buddha,

11 [250]

Man muß diesen Tempel zerstören und in drei Tagen wieder aufbauen.

11 [251]

Ich bin nicht eine Stunde meines Lebens Christ gewesen: ich betrachte alles, was ich gesehen habe, als Christenthum, als eine verächtliche Zweideutigkeit der Worte, eine wirkliche Feigheit vor allen Mächten, die sonst herrschen ...

Christen der allgemeinen Wehrpflicht, des Parlamentarischen Stimmrechts, der Zeitungs-Cultur und zwischen dem Allen von “Sünde” “Erlösung” “Jenseits” Tod am Kreuze redende—: wie kann man in einer solchen unsauberen Wirthschaft es aushalten!

11 [252]

Ihr habt alle nicht den Muth, einen Menschen zu tödten oder auch nur zu peitschen oder auch nur zu—aber der ungeheure Wahnsinn im Staat überwältigt den Einzelnen, so daß er die Verantwortlichkeit für das, was er thut, ablehnt (Gehorsam, Eid usw.)

— Alles, was ein Mensch im Dienste des Staates thut, geht wider seine Natur ...

— insgleichen alles, was er in Hinsicht auf den zukünftigen Dienst im Staate lernt, geht wider seine Natur

Das wird erreicht durch die Arbeitstheilung: so daß Niemand die ganze Verantwortlichkeit mehr hat.

: der Gesetzgeber und der, der das Gesetz ausführt

: der Disciplin-Lehrer und die, welche in der Disciplin hart und streng geworden sind

Der Staat als die organisirte Gewaltthätigkeit ...

11 [253]

Daß Jesus etwas gesagt hat, so dunkel und mystisch, daß es des Glaubens bedarf, es auch nur für wahr zu halten:

11 [254]

“was hoch ist unter den Menschen, das ist ein Greuel vor Gott”

11 [255]

Der intellektuelle Zustand Europas: unsere Barbarei

der verächtliche und armselige Unsinn einer persönlichen Fortdauer des Einzelnen: ein Standpunkt, über den Hindus, Juden und Chinesen hinaus seien

der Glaube an Gott

11 [256]

Der Eintritt in das wahre Leben —

man rettet sein persönliches Leben vom Tode, indem man das allgemeine Leben lebt

11 [257]

— die Kirche ist exakt das, wogegen Jesus gepredigt hat—und wogegen er seine Jünger kämpfen lehrte —

11 [258]

— die Gegenseitigkeit, die Hinterabsicht auf Bezahltwerden-wollen: eine der verfänglichsten Formen der Werth-Erniedrigung des Menschen. Es bringt jene “Gleichheit” mit sich, welche die Kluft der Distanz als unmoralisch abwerthet ...

11 [259]

— man hat kein Recht, weder auf Dasein, noch auf Arbeit, noch gar auf “Glück”: es steht mit dem einzelnen Menschen nicht anders als mit dem niedersten Wurm.

11 [260]

— “was thun, um zu glauben?”—eine absurde Frage.

11 [261]

Was im Christenthum fehlt, das ist die Einhaltung von alledem, was Christus befohlen hat, zu thun.

Es ist das mesquine Leben, aber mit einem Auge der Verachtung interpretirt

11 [262]

Gott schuf den Menschen glücklich, müssig, unschuldig und unsterblich: unser wirkliches Leben ist ein falsches, abgefallenes, sündhaftes Dasein, eine Straf-existenz ... Das Leiden, der Kampf, die Arbeit, der Tod werden als Einwände und Fragezeichen gegen das Leben abgeschätzt, als etwas Unnatürliches, etwas, das nicht dauern soll; gegen das man Heilmittel braucht—und hat! ...

11 [263]

Die Menschheit hat von Adam an bis jetzt sich in einem unnormalen Zustande befunden: Gott selbst hat seinen Sohn für die Schuld Adams hergegeben, um diesem unnormalen Zustande ein Ende zu machen: der natürliche Charakter des Lebens ist ein Fluch; Christus giebt dem, der an ihn glaubt, den Normal-zustand zurück: er macht ihn glücklich, müssig und unschuldig.— Aber die Erde hat nicht angefangen, fruchtbar zu sein ohne Arbeit; die Weiber gebären nicht ohne Schmerzen Kinder, die Krankheit hat nicht aufgehört: die Gläubigsten befinden sich hier so schlecht wie die Ungläubigsten. Nur daß der Mensch vom Tode und von der Sünde befreit ist, Behauptungen, die keine Controlle zulassen, das hat die Kirche um so bestimmter behauptet. “Er ist frei von Sünde”—nicht durch sein Thun, nicht durch einen rigorösen Kampf seinerseits, sondern durch die That der Erlösung freigekauft—folglich vollkommen, unschuldig, paradiesisch ...

Das wahre Leben nur ein Glaube (d.h. ein Selbstbetrug, ein Irrsinn) Das ganze ringende kämpfende voll Glanz und Finsterniß wirkliche Dasein nur ein schlechtes, falsches Dasein: von ihm erlöst werden ist die Aufgabe.

11 [264]

Die Religion hat die Auffassung des Lebens gefälscht: die Wissenschaft und Philosophie hat immer nur ancilla von dieser Lehre gemacht ...

Ob man an Gott, an Christus und an Adam glaubt oder nicht: man kommt überein, daß das Leben nur eine Täuschung, nichts Wahres, Wirkliches sei —

11 [265]

Das Leben ist schlecht: aber es hängt nicht von uns ab, es besser zu machen. Die Veränderung geht von Gesetzen aus, welche außer uns liegen.— Der Determinism der Wissenschaft und der Glaube an die That der Erlösung stehen darin auf gleichem Boden.

Insgleichen darin, daß sie dem Menschen ein Recht auf Glück zugestehn; daß sie mit diesem Maßstabe das gegenwärtige Leben verurtheilen —

11 [266]

Alle fragen: “warum ist das Leben nicht so, wie wir es wünschen und wann wird es so sein?”

11 [267]

NB. NB. “der Mensch, unschuldig, müssig, unsterblich, glücklich”—diese Conception der “höchsten Wünschbarkeit” ist vor allem zu kritisiren.

Warum ist die Schuld, die Arbeit, der Tod, das Leiden (und, christlich geredet, die Erkenntniß ...) wider die höchste Wünschbarkeit?

Die faulen christlichen Begriffe “Seligkeit” “Unschuld,” “Unsterblichkeit”

11 [268]

Der “Friede der Menschen unter einander”: als das höchste denkbare Gut: das Reich Gottes

11 [269]

seid in Frieden mit aller Welt, betrachtet Niemanden, als sei er ein Nichts oder wie unsinnig! Wenn der Friede verletzt ist, thut Alles, ihn wieder herzustellen. Die Verehrung Gottes liegt ganz und gar in der Austilgung von Feindschaft unter den Menschen. Versöhnt euch bei der geringsten Diskussion, um nicht den inneren Frieden zu verlieren, welcher das wahre Leben ist. Was trübt vor allem den Frieden? Einmal die geschlechtliche Begierde: dagegen die Monogamie und zwar unlöslich. Die zweite Versuchung ist der Eid: er zieht den Menschen in Sünde: schwört niemandem und unter keinen Umständen einen Eid, damit ihr keinen Herrn über euch habt als Gott. Die dritte Versuchung ist die Rache, welche sich Gerechtigkeit heißt: ertragt die Unbilden und gebt nicht das übel mit dem übel heim! Die vierte Versuchung ist die Unterscheidung von Volksgenossen und Fremden; brecht mit Niemandem den Frieden auf Grund eurer Nationalität und Herkunft!

Die Praktik dieser 5 Commandos bringt den Zustand herbei, den das menschliche Herz ersehnt: alle unter einander Brüder, jeder in Frieden mit jedem, jeder die Güter der Erde genießend bis zu seinem Ende ...

Luc. IV, 18

“das angenehme Jahr des Herrn”—die holdseligen Worte, die aus seinem Munde giengen —

11 [270]

der Mensch hat Recht auf Nichts, er hat Verpflichtungen für die Wohlthaten, die er empfangen hat: er hat mit Niemandem zu rechten. Selbst wenn er sein Leben gäbe, er würde nicht Alles zurückgeben, was er empfangen hat: deshalb kann sein Herr nicht ungerecht gegen ihn sein. Aber wenn der Mensch sein Recht auf das Leben geltend macht, wenn er rechtet mit dem Princip von Allem, von woher er das Leben hat, beweist er nur Eins—er begreift nicht den Sinn des Lebens. Die Menschen, nachdem sie eine Wohlthat empfangen haben, fordern noch etwas Anderes. Die Arbeiter der Parabel befanden sich müssig, unglücklich: der Herr giebt ihnen das höchste Glück des Lebens—die Arbeit. Sie nehmen die Wohlthat an und sind immer noch unzufrieden. Sie sind mit ihrer falschen Theorie vom Recht auf Arbeit gekommen, folglich mit einer Belohnung für ihre Arbeit. Sie begreifen nicht, daß sie das höchste Gut umsonst bekommen haben, daß sie sich erkenntlich dafür zu zeigen haben—und nicht eine Bezahlung fordern. Matth. XX, 1 Luc. 17, 5, 10.

Die Lehre besteht in der Verzichtleistung auf das persönliche Leben: und ihr verlangt den persönlichen Ruhm,—eine persönliche Belohnung ... In der Welt giebt es Ruhm und persönliche Macht; ihr, meine Schüler, sollt wissen, daß der wahre Sinn des Lebens sich nicht im persönlichen Glück befindet, sondern darin, daß man Jedem dient und sich vor Jedem erniedrigt ... Christus empfiehlt ihnen nicht zu glauben: er lehrt sie die wahre Unterscheidung von Gut und Böse, von Wichtig und Sekundär ...

Petrus begreift die Lehre nicht: daher sein Mangel an Glauben. Die Belohnung proportional der Arbeit hat nur Wichtigkeit in Hinsicht auf das persönliche Leben. Der Glaube an die Belohnung für die Arbeit, in Proportion der Arbeit, ist eine Folge der Theorie des persönlichen Lebens ...

11 [271]

Der Glaube kann nicht kommen aus dem Vertrauen in seine Worte: er kann nur kommen aus Einsicht in unsere Lage. Man kann ihn nicht durch Versprechen von Belohnung und Strafe schaffen—der Glaube der “Berge versetzt” kann nur sich auf das Bewußtsein unseres unvermeidlichen Schiffbruchs gründen, wenn wir nicht die Rettung acceptiren, die uns noch offen steht ...— das Leben conform dem Willen des Herrn

11 [272]

Matth. 21, 18

— als er aber des Morgens wieder in die Stadt gieng, hungerte ihn. Und er sahe einen Feigenbaum am Wege und gieng hin und fand nichts daran, denn allein Blätter, und sprach zu ihm: Nun wachse auf dir hinfort nimmermehr eine Frucht. Und der Feigenbaum verdorrte alsobald. Und da das die Jünger sahen, verwunderten sie sich und sprachen: Wie ist doch der Feigenbaum so bald verdorret? —

11 [273]

Die fünf Commandos: erzürnt euch nicht; begeht keinen Ehebruch; leistet keinen Eid; wehrt euch nicht durch Gewalt; zieht nicht in den Krieg: Ihr könnt, in Augenblicken, gegen diese Gebote fehlen, wie ihr jetzt gegen die Artikel des code civil und des code mondain fehlt. Aber, in Momenten der Ruhe, werdet ihr dann nicht das thun, was ihr jetzt thut: ihr werdet euch nicht eine Existenz organisiren, welche die Aufgabe so schwierig macht, nicht zu zürnen, nicht die Ehe zu brechen, nicht zu schwören, nicht sich mit Gewalt zu wehren, nicht in den Krieg zu ziehen. Organisirt euch vielmehr eine Existenz, welche es euch schwer machen würde, dies zu thun!

11 [274]

Für dieses euer jetziges Leben—sagt T zu den Ungläubigen, zu uns Philosophen—vous n’avez actuellement aucune règle, sauf celles, qui sont rédigées par des hommes que vous n’estimez pas et mises en vigueur par la police. La doctrine de Jésus vous donne ces règles, qui, assurément, sont d’accord avec votre loi, parceque votre loi de “l’altruisme” ou de la volonté unique n’est pas autre chose qu’une mauvaise paraphrase de cette même doctrine de Jésus.

Tolstoi, ma religion. Moskau 22 Januar 1884

11 [275]

Kein Gott für unsere Sünden gestorben; keine Erlösung durch den Glauben; keine Wiederauferstehung nach dem Tode—das sind alles Falschmünzereien des eigentlichen Christenthums, für die man jenen unheilvollen Querkopf verantwortlich machen muß;

Das vorbildliche Leben besteht in der Liebe und Demuth; in der Herzens-Fülle, welche auch den Niedrigsten nicht ausschließt; in der förmlichen Verzichtleistung auf das Recht-behalten-wollen, auf Vertheidigung, auf Sieg im Sinne des persönlichen Triumphes; im Glauben an die Seligkeit hier, auf Erden, trotz Noth, Widerstand und Tod; in der Versöhnlichkeit, in der Abwesenheit des Zornes, der Verachtung; nicht belohnt werden wollen; Niemandem sich verbunden haben; die geistlich-geistigste Herrenlosigkeit; ein sehr stolzes Leben unter dem Willen zum armen und dienenden Leben.

Nachdem die Kirche die ganze christliche Praxis sich hatte nehmen lassen und ganz eigentlich das Leben im Staate, jene Art Leben, welche Jesus bekämpft und verurtheilt hatte, sanktionirt hatte, mußte sie den Sinn des Christenthums irgendwo anders hin legen: in den Glauben an unglaubwürdige Dinge, in das Ceremoniell von Gebet, Anbetung, Fest usw. Die Begriffe “Sünde,” “Vergebung,” “Strafe,” “Belohnung”—Alles ganz unbeträchtlich und fast ausgeschlossen vom ersten Christenthum, kommt jetzt in den Vordergrund.

Ein schauderhafter Mischmasch von griechischer Philosophie und Judenthum; der Asketismus; das beständige Richten und Verurtheilen; die Rangordnung;

11 [276]

Wenn man nicht begreift, daß die Kirche nicht nur die Carikatur des Christenthums, sondern der organisierte Krieg gegen das Christenthum ist:

11 [277]

Tolstoi, p. 243

“La doctrine de Jésus ne peut pas contrarier en aucune façon les hommes de notre siècle sur leur manière d’envisager le monde; elle est d’avance d’accord avec leur métaphysique, mais elle leur donne ce qu’ils n’ont pas, ce qui leur est indispensable et ce qu’ils cherchent: elle leur donne le chemin de la vie, non pas un chemin inconnu, mais un chemin exploré et familier à chacun.”

p. 236

L’antagonisme entre les explications de l’Église, qui passent pour la foi, et la vraie foi de notre génération, qui consiste à obéir aux lois sociales et à celle de l’État, est entré dans une phase aiguë, et la majorité des gens civilisés n’a pour régler sa vie que la foi dans le sergent de ville et la gendarmerie. Cette situation serait épouvantable, si elle était complétement telle; mais heureusement il y a des gens, les meilleurs de notre époque, qui ne se contentent pas de cette religion, mais qui ont une foi toute differente, relativement à ce que doit être la vie des hommes. Ces hommes sont considérés comme les plus malfaisants, les plus dangereux et principalement le plus incroyants de tous les êtres: et pourtant ce sont les seuls hommes de notre temps croyant à la doctrine évangélique, si ce n’est pas dans son ensemble, au moins en partie... Souvent même ils haïssent Jésus... On aura beau le persécuter et les calomnier, ce sont les seuls, qui ne se soumettent point sans protester aux ordres du premier venu; par conséquent, ce sont les seuls à notre époque, qui vivent d’une vie raisonnée, non pas de la vie animale; ce sont les seuls, qui aient de la foi.

11 [278]

NB. Man kann nicht genug Achtung vor dem Menschen haben, sobald man ihn darauf hin ansieht, wie er sich durchzuschlagen, auszuhalten, die Umstände sich zu Nutze zu machen, Widersacher niederzuwerfen versteht; sieht man dagegen auf den Menschen, so fern er wünscht, ist er die absurdeste Bestie ... Es ist gleichsam, als ob er einen Tummelplatz der Feigheit, Faulheit, Schwächlichkeit, Süßlichkeit, Unterthänigkeit zur Erholung für seine starken und männlichen Tugenden brauchte: siehe die menschlichen Wünschbarkeiten, seine “Ideale.” Der wünschende Mensch erholt sich von dem Ewig-Werthvollen an ihm, von seinem Thun: im Nichtigen, Absurden, Werthlosen, Kindischen. Die geistige Armut und Erfindungslosigkeit ist bei diesem so erfinderischen und auskunftsreichen Thier erschrecklich. Das “Ideal” ist gleichsam die Buße, die der Mensch zahlt, für den ungeheuren Aufwand, den er in allen wirklichen und dringlichen Aufgaben zu bestreiten hat. Hört die Realität auf, so kommt der Traum, die Ermüdung, die Schwäche: “das Ideal” ist geradezu eine Form von Traum, Ermüdung, Schwäche ... Die stärksten und ohnmächtigsten Naturen werden sich gleich, wenn dieser Zustand über sie kommt: sie vergöttlichen das Aufhören der Arbeit, des Kampfes, der Leidenschaften, der Spannung, der Gegensätze, der “Realität” in summa ... des Ringens um Erkenntniß, der Mühe der Erkenntniß

Unschuld: so heißen sie den Idealzustand der Verdummung

Seligkeit: den Idealzustand der Faulheit

Liebe: den Idealzustand des Heerdenthiers, das keinen Feind mehr haben will

damit hat man alles, was den Menschen erniedrigt und herunterbringt, ins Ideal erhoben.

11 [279]

Jesus stellte ein wirkliches Leben, ein Leben in der Wahrheit jenem gewöhnlichen Leben gegenüber: nichts liegt ihm ferner als der plumpe Unsinn eines “verewigten Petrus,” einer ewigen Personal-Fortdauer. Was er bekämpft, das ist die Wichtigthuerei der “Person”: wie kann er gerade die verewigen wollen?

Er bekämpft insgleichen die Hierarchie innerhalb der Gemeinde: er verspricht nicht irgend eine Proportion von Lohn je nach der Leistung: wie kann er Strafe und Lohn im Jenseits gemeint haben!

11 [280]

Ich sehe nicht ab, wogegen der Aufstand gerichtet war, dessen Urheber Jesus ist: wenn er nicht der Aufstand gegen die jüdische Kirche war,—Kirche genau in dem Sinne verstanden, wie wir das Wort verstehn ... Es war ein Aufstand gegen die “Guten und Gerechten,” gegen die “Heiligen Israels,” gegen die Hierarchie der Gesellschaft—nicht gegen deren Verderbniß, sondern gegen die Tyrannei der Kaste, der Sitte, der Formel, der Ordnung, des Privilegiums, des geistlichen Stolzes, des Puritanismus auf geistlichem Gebiete,—es war der Unglaube an die “höheren Menschen,” das Wort geistlich verstanden, der hier zur Empörung führte, ein Attentat auf Alles, was Priester und Theologe ist. Aber die Hierarchie, welche dergestalt in Frage gestellt wurde, war der Grundbau, auf dem das jüdische Volk überhaupt noch fortbestand, die mühsam errungene letzte Möglichkeit, übrig zu bleiben, die Reliquie seiner alten politischen Sonderexistenz: ein Angriff auf sie war ein Angriff auf den tiefsten nationalen Instinkt, auf den Willen der jüdischen Selbsterhaltung. Dieser heilige Anarchist, der das niedere Volk, die Ausgestoßenen und “Sünder” zum Widerspruch gegen den “herrschenden Stand” aufrief—mit einer Sprache, die auch heute noch nach Sibirien führen würde—, war ein politischer Verbrecher, soweit eben ein politisches Verbrechen unter diesen Umständen noch möglich war. Dies brachte ihn ans Kreuz: das Zeugniß dafür ist die Aufschrift des Kreuzes: der König der Juden. Es fehlt jeder Grund, mit Paulus zu behaupten, daß Jesus “für die Sünde Anderer” gestorben sei ... er starb für seine eigene “Sünde.” Unter andere Verhältnisse gestellt, zum Beispiel mitten in das heutige Europa hinein, würde dieselbe Art Mensch als Nihilist leben, lehren und reden: und auch in diesem Falle würde man seitens seiner Partei zu hören bekommen, ihr Meister sei für die Gerechtigkeit und die Liebe zwischen Mensch und Mensch gestorben—nicht um seiner Schuld willen, sondern um unserer Schuld willen (—der jetzt regierenden Classen: insofern nämlich Regieren selbst schon bei Anarchisten als Schuld gilt.)

11 [281]

Paulus, mit einem Instinkt für die Bedürfnisse der Nicht-Juden, übersetzte jene großen Symbole der ersten christlichen Bewegung ins Handgreifliche und Unsymbolische: einmal machte er aus dem Gegensatz des wahren und des falschen Lebens den Gegensatz dieses irdischen und jenes himmlischen jenseitigen, zu dem der Tod die Brücke ist (—er stellte sie in die Bewegung der Zeit, als jetzt und als einstmals—) Zu diesem Zwecke that er einen Griff ins volle Heidenthum und nahm die Personal-Unsterblichkeit, etwas ebenso Antijüdisches als Antichristliches. Aber in der ganzen Welt, wo es geheime Culte gab, glaubte man an diese Fortdauer, und zwar unter einer perspektive von Lohn und Strafe. Diese Verdüsterung des Heidenthums durch den Schatten der Schuld-Abzahlung im Jenseits war es z.B., was Epicur bekämpfte ... Der Kunstgriff des Paulus war, den Glauben, daß Christus nach dem Tode wieder gesehen worden ist (d.h. die Thatsache einer Collektiv-Hallucination), aufzubauschen zu einer theologischen Logik, wie als ob die Unsterblichkeit und die Wiederauferstehung Hauptthatsachen wären und gleichsam der Schlußstein der Heils-Ordnung Jesu (—dazu mußte die ganze Lehre und Praxis der alten Gemeinde auf den Kopf gestellt werden)

Das ist der Humor der Sache, ein tragischer Humor: Paulus hat gerade das im großen Stile wieder aufgerichtet, was Christus durch sein Leben annullirt hatte. Endlich, als die Kirche fertig ist, nimmt sie sogar das Staats-Dasein unter ihre Sanktion ...

11 [282]

NB.: ein naiver Ansatz zu einer buddhistischen Friedensbewegung, mitten aus dem eigentlichen Herde des ressentiment heraus ... aber durch Paulus zu einer heidnischen Mysterienlehre umgedreht, welche endlich sich mit der ganzen staatlichen Organisation vertragen lernt ... und Kriege führt, verurtheilt, foltert, schwört, haßt.

Paulus geht von dem Mysterien-Bedürfniß der großen religiös-erregten Menge aus: er sucht ein Opfer, eine blutige Phantasmagorie, die den Kampf aushält mit den Bildern der Geheimkulte: Gott am Kreuze, das Bluttrinken, die unio mystica mit dem “Opfer”

er sucht die Fortexistenz (die selige, entsühnte Fortexistenz der Einzelseele) als Auferstehung in Causalverbindung mit jenem Opfer zu bringen (nach dem Typus des Dionysos, Mithras, Osiris)

er hat nöthig, den Begriff Schuld und Sünde in den Vordergrund zu bringen, nicht eine neue Praxis (wie sie Jesus selbst zeigte und lehrte) sondern einen neuen Cultus, einen neuen Glauben, einen Glauben an eine wundergleiche Verwandlung (“Erlösung” durch den Glauben)

er hat das große Bedürfniß der heidnischen Welt verstanden und aus den Thatsachen vom Leben und Tode Christi eine vollkommen willkürliche Auswahl gemacht, alles neu accentuirt, überall das Schwergewicht verlegt ... er hat principiell das ursprüngliche Christenthum annullirt ...

Das Attentat auf Priester und Theologen mündete, Dank dem Paulus, in eine neue Priesterschaft und Theologie—einen herrschenden Stand, auch eine Kirche

Das Attentat auf die übermäßige Wichtigthuerei der “Person” mündet in den Glauben an die “ewige Person” (in die Sorge um’s “ewige Heil” ...), in die paradoxeste übertreibung des Personal-Egoism.



Man sieht, was mit dem Tode am Kreuze geschehen war. Als der Dämon des Dysangeliums erscheint Paulus ...

11 [283]

Daß die Schädlichkeit eines Menschen bereits ein Einwand gegen ihn sein soll! ... Als ob unter den großen Förderern des Lebens nicht auch der große Verbrecher Platz hätte! ...

Wir lassen die Thiere mit unseren Wünschen unangetastet; auch die Natur; aber die Menschen wollen wir schlechterdings anders ...

Die außerordentlichsten Menschen, gesetzt, daß zu ihrem Entstehen ein Wille, ein Beschlußnehmen, eine Abstimmung nöthig gemacht wären, würden nie erstrebt werden ...

So viel habe ich begriffen: wenn man das Entstehen großer und seltener Menschen abhängig gemacht hätte von der Zustimmung der Vielen (einbegriffen, daß diese wüßten, welche Eigenschaften zur Größe gehören und insgleichen auf wessen Unkosten alle Größe sich entwickelt)—nun, es hätte nie einen bedeutenden Menschen verhindert ...

Daß der Gang der Dinge unabhängig von der Zustimmung der Allermeisten seinen Weg nimmt: daran liegt es, daß einiges Erstaunliche sich auf der Erde eingeschlichen hat ...

11 [284]

In Marokko lernt man das Mittelalter kennen; in Corsika die jüdische und arabische Geschichte zur Zeit ihrer Concentration; in Arabien das patriarchalische Zeitalter;

11 [285]

Sich stärker fühlen—oder anders ausgedrückt: die Freude—setzt immer ein Vergleichen voraus (aber nicht nothwendig mit Anderen, sondern mit sich, inmitten eines Zustands von Wachsthum, ohne daß man erst wüßte, in wiefern man vergleicht—)

— die künstliche Verstärkung: sei es durch aufregende Chemica, sei es durch aufregende Irrthümer (“Wahnvorstellungen”)

z.B. das Gefühl der Sicherheit, wie es der Christ hat. Er fühlt sich stark in seinem Vertrauen-dürfen, in seinem Geduldig- und Gefaßtsein-dürfen: er verdankt diese künstliche Verstärkung dem Wahne, von einem Gott beschirmt zu sein

z.B. das Gefühl der Überlegenheit z.B. wenn der Chalif von Marokko nur Erdkugeln zu sehen bekommt, auf denen seine drei vereinigten Königreiche 4/5 der Oberfläche einnehmen

z.B. das Gefühl der Einzigkeit z.B. wenn der Europäer sich einbildet, daß der Gang der Cultur sich in Europa abspielt und wenn er sich selber eine Art abgekürzter Weltprozeß scheint; oder der Christ alles Dasein überhaupt um das “Heil des Menschen” sich drehen macht —

Es kommt darauf an, wo man den Druck, die Unfreiheit empfindet: je nach dem erzeugt sich ein andres Gefühl des Stärker-seins. Einem Philosophen ist z.B.mitten der kühlsten transmontansten Abstraktions-Gymnastik zu Muthe wie einem Fisch der in sein Wasser kommt: während Farben und Töne ihn drücken, gar nicht zu reden von den dumpfen Begehrungen—von dem, was die Anderen “das Ideal” nennen.

11 [286]

Morphologie der Selbstgefühle:

Erster Gesichtspunkt

A: in wiefern die Mitgefühls- und Gemeinschafts-Gefühle die niedrigere, die vorbereitende Stufe sind, zur Zeit, wo das Personal-Selbstgefühl, die Initiative der Werthsetzung im Einzelnen noch gar nicht möglich ist

B: in wiefern die Höhe des Collektiv-Selbstgefühls, der Stolz auf die Distanz des Clans, das Sich-Ungleich-fühlen, die Abneigung gegen Vermittlung, Gleichberechtigung, Versöhnung eine Schule des Individual-Selbstgefühls ist: namentlich insofern sie den Einzelnen zwingt, den Stolz des Ganzen zu repräsentiren ... Er muß reden und handeln mit einer extremen Achtung vor sich, insofern er die Gemeinschaft in Person darstellt ...

insgleichen: wenn das Individuum sich als Werkzeug und Sprachrohr der Gottheit fühlt

C: in wiefern diese Formen der Entselbstung thatsächlich der Person eine ungeheure Wichtigkeit geben: insofern höhere Gewalten sich ihrer bedienen: religiöse Scheu vor sich selbst Zustand des Propheten, Dichters ...

D: inwiefern die Verantwortlichkeit für das Ganze dem Einzelnen einen weiten Blick, eine strenge und furchtbare Hand, eine Besonnenheit und Kälte und Großartigkeit der Haltung Gebärde anzieht und erlaubt, welche er nicht um seiner selber willen sich zugestehen würde

In summa: die Collektiv-Selbstgefühle sind die große Vorschule der Personal-Souveränität

der vornehme Stand ist der, welcher die Erbschaft dieser übung macht —

11 [287]

In den Begriff der Macht, sei es eines Gottes, sei es eines Menschen, ist immer zugleich die Fähigkeit zu nützen und die Fähigkeit zu schaden eingerechnet. So bei den Arabern; so bei den Hebräern. So bei allen stark gerathenen Rassen.

Es ist ein verhängnißvoller Schritt, wenn man dualistisch die Kraft zum Einen von der zum Anderen trennt ... Damit wird die Moral zur Giftmischerin des Lebens ...

11 [288]

Meine Freunde, heute muß man schon auf allen Vieren in diesem “Staat” kriechen und wie ein Esel schreien: es thut Noth, der Seuche weiß zu machen, daß man ein Esel sei—einziges Mittel, sich von diesem Wahnsinn unangesteckt zu halten

11 [289]

Heva ist die Schlange: sie steht an der Spitze der bibl Genealogie (wie die Schlange auch als Eigenname bei den Hebräern gew vorkommt)

11 [290]

Der Sinn der Beschneidung ist eine Probe der Mannhaftigkeit ersten Ranges (ein Maturitäts-Zeugniß, bevor man heirathen darf): die Araber heißen sie “Schindung.” Die Scene findet im Freien statt: der Vater und die Freunde umstehen den Jüngling. Der tonsor zieht das Messer und entblößt, nachdem er die Vorhaut abgeschnitten hat, das Glied (Schamtheil) samt dem Bauch vom Nabel aufwärts bis zu den Hüften von aller Haut. Der Jüngling schwingt dabei mit der Rechten ein Messer über dem Rücken des tonsor und schreit “schneide ohne Furcht!” Wehe, wenn der tonsor zögert und seine Hand zittert! Der Vater aber tödtet seinen Sohn auf der Stelle, wenn er vor Schmerz schreit. Schließlich stimmt der Jüngling ein gloria Deo an und begiebt sich ins Zelt, wo er vor Schmerz auf den Boden niederfällt. Manche gehen an der ungeheuren Eiterung zu Grunde, von zehn bleiben meistens acht übrig: die haben kein pecten und ihren Bauch deckt eine bleiche Haut. (bei den ‘Asîr)

11 [291]

barbarisch = unbeschnitten ist sowohl jüdisch wie arabisch

11 [292]

Das Christenthum hat das Abendmahl nicht verstanden: die communio durch Fleisch und Trank, die sich auf natürlichem Wege in Fleisch und Blut transsubstantiiren —

Alle Gemeinschaft ist Blutgemeinschaft. Diese ist nicht nur angeboren, sie wird auch erworben; ebenso wie das Blut nicht bloß angeboren ist, sondern auch erworben wird. Wer mit einander ißt und trinkt, erneuert sein Blut aus demselben Quell, bringt dasselbe Blut in seine Adern. Ein Fremder, sogar ein Feind, der unser Mahl theilt (auch ohne und gegen unseren Willen) wird dadurch, wenigstens für eine Weile, in die Gemeinschaft unseres Fleisches und Bluts aufgenommen.

11 [293]

Gemeinsamer Blutgenuß das älteste Mittel der Verbündung, der Bundschließung. Die Eßgesellschaft ist Sakralgemeinschaft. Das Thier, welches das Bundesblut liefert, ist ein Opfer; die Bundschließung geschieht durch jedes Opfer.

11 [294]

Das “Christenthum” ist etwas Grundverschiedenes von dem geworden, was sein Stifter that und wollte

es ist die große antiheidnische Bewegung des Alterthums, formulirt mit Benutzung von Leben, Lehre und “Worten” des Stifters des Christenthums, aber in einer absolut willkürlichen Interpretation nach dem Schema grundverschiedener Bedürfnisse: übersetzt in die Sprache aller schon bestehenden unterirdischen Religionen

es ist die Heraufkunft des Pessimismus, während Jesus den Frieden und das Glück der Lämmer bringen wollte

: und zwar des Pessimismus der Schwachen, der Unterlegenen, der Leidenden, der Unterdrückten

ihr Todfeind ist 1) Macht in Charakter, Geist und Geschmack; die “Weltlichkeit” 2) das klassische “Glück,” die vornehme Leichtfertigkeit und Skepsis, der harte Stolz, die excentrische Ausschweifung und die kühle Selbstgenügsamkeit des Weisen, das griechische Raffinement in Gebärde, Wort und Form,—ihr Todfeind ist der Römer ebensosehr als der Grieche.



Versuch des Antiheidenthums, sich philosophisch zu begründen und möglich zu machen: Witterung für die zweideutigen Figuren der alten Cultur, vor allem für Plato, diesen Antihellenen und Semiten von Instinkt ... Insgleichen für den Stoicismus, der wesentlich das Werk von Semiten ist (—die “Würde” als Strenge, Gesetz, die Tugend als Größe, Selbstverantwortung, Autorität, als höchste Personal-Souveränität—das ist semitisch:

der Stoiker ist ein arabischer Sheik in griechische Windeln und Begriffe gewickelt

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Das Christenthum hat von vornherein das Symbolische in Cruditäten umgesetzt:

1)der Gegensatz “wahres Leben” und “falsches” Leben: mißverstanden als “Leben diesseits” und “Leben jenseits”
2)der Begriff “ewiges Leben” im Gegensatz zum Personal-Leben der Vergänglichkeit als “Personal-Unsterblichkeit”
3)die Verbrüderung durch gemeinsamen Genuß von Speise und Trank nach hebräisch-arabischer Gewohnheit als “Wunder der Transsubstantiation”
4)die “Auferstehung”—als Eintritt in das “wahre Leben,” als “Wiedergeboren”—daraus: eine historische Eventualität, die irgendwann nach dem Tode eintritt
5)die Lehre vom Menschensohn als dem “Sohn Gottes,” das Lebens-Verhältniß zwischen Mensch und Gott—daraus: die “zweite Person der Gottheit”—gerade das weggeschafft: das Sohnverhältniß jedes Menschen zu Gott, auch des niedrigsten
6)die Erlösung durch den Glauben, nämlich daß es keinen anderen Weg zur Sohnschaft Gottes giebt als die von Christus gelehrte Praxis des Lebens—umgekehrt in den Glauben, daß man an irgend eine wunderbare Abzahlung der Sünde zu glauben habe, welche nicht durch den Menschen sondern durch die That Christi bewerkstelligt ist
 : damit mußte “Christus am Kreuze” neu gedeutet werden.

Dieser Tod war an sich durchaus nicht die Hauptsache ... es war nur ein Zeichen mehr, wie man sich gegen die Obrigkeit, und Gesetze der Welt zu verhalten habe—nicht sich wehrend ... Darin lag das Vorbild.



Das Christenthum nimmt den Kampf nur auf, der schon gegen das klassische Ideal, gegen die vornehme Religion bestand

Thatsächlich ist diese ganze Umbildung eine übersetzung in die Bedürfnisse und das Verständniß-Niveau der damaligen religiösen Masse: jener Masse, welche an Isis, Mithras, Dionysos, die “große Mutter” glaubte und welche von einer Religion verlangte

1)die Jenseits-Hoffnung
2)die blutige Phantasmagorie des Opferthiers “das Mysterium”
3)die erlösende That, die heilige Legende
4)den Asketismus, die Weltverneinung, die abergläubische “Reinigung”
5)eine Hierarchie, eine Form der Gemeindebildung

kurz: das Christenthum paßt sich an das schon bestehende überall eingewachsene Anti-Heidenthum an, an die Culte, welche von Epicur bekämpft worden sind ... genauer, an die Religionen der niederen Masse der Frauen, der Sklaven, der nicht-vornehmen Stände.



Wir haben also als Mißverständniß:

1)die Unsterblichkeit der Person
2)die angebliche andere Welt
3)die Absurdität des Strafbegriffs und Sühnebegriffs im Centrum der Daseins-Interpretation
4)die Entgöttlichung des Menschen statt seiner Vergöttlichung die Aufreißung der tiefsten Kluft, über die nur das Wunder, nur die Prostration der tiefsten Selbstverachtung hinweghilft
5)die ganze Welt der verdorbenen Imagination und des krankhaften Affekts, statt der liebevollen einfältigen Praxis, statt eines auf Erden erreichbaren buddhistischen Glückes ...
6)eine kirchliche Ordnung, mit Priesterschaft, Theologie, Cultus, Sakramenten; kurz, alles das, was Jesus von Nazareth bekämpft hatte
7)das Wunder in Allem und Jedem, der Aberglaube: während gerade das Auszeichnende des Judenthums und des ältesten Christenthums sein Widerwille gegen die Wunder ist, seine relative Rationalität

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Journal des Goncourt I.

“ein Gott à l’américaine, der Gott auf eine ganz menschliche Weise ist, der Brille trägt, über den es Zeugnisse der kleinen Zeitungen giebt”—ein Gott in Photographie —



... sie verlangt Neuigkeiten über Ihre Seele “sind Sie im Zustand der Gnade?,” wie als ob sie fragte: “haben Sie Schnupfen?”



Joubert: in seinen Gedanken fehlt die französische Bestimmtheit. Das ist weder klar noch franc. Das riecht nach der kleinen Genfer Schule: Mad. Necker, Tracy, Jouffroy. Der schlechte Sainte-Beuve kommt von da. Joubert dreht die Ideen, wie man du buis dreht.



— man hat von Zeit zu Zeit das Bedürfniß d’un encanaillement de l’esprit



— es fehlt der breite Pinsel in seinem Gespräch; lauter hübsche, kleine, schüchterne Dinge (von Sainte-Beuve)



— haben die Alten nach einer schönen Realität gearbeitet? waren sie vielleicht gar keine “Idealisten”?



— sie suchen eine Null, um ihren Werth zu verzehnfachen



— in früher Jugend, wenn die ganze Lebhaftigkeit der Expansion durch große Einsamkeit zurücktritt



— “man fühlt sich in einer Synagoge wie im Orient, in einer glücklichen Religion. Eine Art Familiarität mit Gott, kein Gebet, wie in der christlichen Kirche, wo man immer etwas vergeben haben will ...



Die “4 Syndics” von Rembrandt; die Marter des Heiligen Marc von Tintoretto—die schönsten Bilder der Welt für die Goncourt.



Der englische Comfort ein wunderbares Verständniß für das leibliche Wohl, aber von einer Art Glück, wie es Blinde brauchen können: das Auge findet darin keine Genüge.


NB: rien de si mal écrit qu’un beau discours.



In Salammbô kommt Flaubert zum Vorschein, geschwollen, deklamatorisch, melodramatisch, verliebt in die dicke Farbe



— der Einzige, der den Fund einer Sprache gemacht hat, mit der man von den alten Zeiten sprechen kann: Maurice de Guérin im “Centaur”



— das Volk liebt weder das Wahre, noch das Einfache: es liebt den Roman und den Charlatan.



Es ist sehr merkwürdig, daß die vier Männer les plus purs de tout métier et de tout industrialisme, les quatre plumes les plus entièrement vouées à l’art gerade vor die Banken der police correctionelle gekommen sind: Baudelaire, Flaubert und les Goncourt.



Wir haben alle Verkehrsmittel verzehnfacht in der Geschwindigkeit: zugleich aber das Bedürfniß nach Schnelligkeit in uns verhundertfacht ...



Je hais tout ce qui est coeur imprimé, mis sur du papier. Gavarni.



Eine Corruption alter Civilisationen, nur noch an Werken des Menschen Vergnügen zu empfinden und à s’embêter des oeuvres de Dieu.



wir sind le siècle des chefs-d’oeuvre de l’irrespect.



das Glück im Licht von Algier, die schmeichlerische Art Licht: wie man Heiterkeit athmet ...



Die französische mél contemporaine, une mélancolie non suicidante, non blasphématrice, non désespérée: une tristesse, qui n’est pas sans douceur et où rit un coin d’ironie. Melancholien Hamlet, Lara, Werther, René selbst sind die Melancholien von nördlicheren Völkern als wir sind.



Der Typus von 1830: energische Züge, milder Ausdruck, ein weiches Lächeln, das euch streichelt; gewöhnt an die Schlacht, an noble Kämpfe, an glühende Sympathien, an die laute Zustimmung eines jungen Publikums; und dabei im Grund von sich die Trauer und die Reue tragend, nicht zu trösten, zerrissenen Herzens; die politischen Ideen von 1848 haben ihn einen Augenblick wieder in Fieber gesetzt. Seitdem die Langeweile und die Nichtbeschäftigung seiner Gedanken und Aspirationen. Ein distinguirter Geist, an einem friedlichen Heimweh nach einem Ideal in Politik, Litteratur, Kunst leidend, sich mit halber Stimme beklagend und nur an sich selbst sich rächend für die Vision der unvollkommenheit der Dinge hier unten.


Im modernen Gesetzbuch, im Code ist die Ehre ebenso vergessen wie la fortune. Pas un mot de l’arbitrage de l’honneur: das Duell usw. Was die fortune von heute betrifft, qui est presque toute in Börsenoperationen de bourse, de courtage, d’agiotage, de coulisse ou d’agences de change, so ist nichts vorgesehen, es zu schützen und zu vertheidigen: keine Reglementation de ces trafics journaliers; die Tribunale incompetent für alle Börsen-Transaktionen; der Wechselagent giebt kein reçu.



La Bruyère: “on peut se servir des coquins, mais l’usage en doit être discret.”



Wie hat man den Muth, zu einem Theater-Publikum zu sprechen? Das Stück wird abgeschätzt durch eine masse d’humanité réunie, une bêtise agglomérée ... (Vom Buche nimmt man in der Einsamkeit Kenntniß—)



“Wenn man gut ist, so erscheint man feige: man muß böse sein, damit man für muthig gilt”: ein Thema für Napoleon III



“Vor einer guten Landschaft fühle ich mich mehr à la campagne als auf freiem Feld und im vollen Walde” Wir sind zu civilisirt, zu alt, zu sehr verliebt in das factice und artificiel, daß wir durch das Grüne der Erde und Blaue des Himmels amüsirt würden.

Flaubert insgleichen: horreur auf dem Rigi.



Litteratur des 20. Jahrhunderts: verrückt und mathematisch zugleich, analytisch-phantastisch: die Dinge wichtiger und im Vordergrund, nicht mehr die Wesen; die Liebe abgeschafft (schon bei Balzac tritt das Geld in den Vordergrund): mehr von der Geschichte im Kopfe erzählend als von der im Herzen.



Ces désespérances, ces doutes, non de nous, ni de nos ambitions, mais du moment et des moyens, au lieu de nous abais servers les concessions, font en nous, plus entière, plus intraitable, plus hérissée, la conscience littéraire. Et, un instant, nous agitons si nous ne devrions pas penser et écrire absolument pour nous, laissant à d’autres le bruit, l’éditeur, le public. Mais, comme dit Gavarni: on n’est pas parfait.

Journal des Goncourt I, p. 147.

das Café ein rudimentärer Zustand: für 40 ct. Heiterkeit, mit einem Gas vielleicht (gas exhilarant): une demi-tasse de paradis



Gavami: das ist grausam, aber so ist es, ich habe nicht für zwei sous vénération in mir. (wohl aber sensitivité—)



Flaubert: de la form naît l’idée, höchste Formel der Schule, nach Théophile Gautier



il faut à des hommes comme nous, une femme peu élevée, peu éduquée, qui ne soit que gaieté et esprit naturel, parce que celle-là nous réjouira et nous charmera ainsi qu’un agréable animal, auquel nous pourrons nous attacher.



Die Zeit, wo alle Männer lesen und alle Frauen Piano spielen werden, wird die Welt in voller Auflösung sein; sie hat ein Wort aus dem Testament des Cardinal de Richelieu vergessen: “ainsi qu’un corps qui auroit des yeux en toutes ses parties, seroit monstrueux, de même un État le seroit, si tout le sujets étoient savants. On y verroit aussi peu d’obéissance que l’orgueil et la présomption y seroient ordinaires.”



Kein Maler mehr. Eine Armee von chercheurs d’idées ingénieuses. De l’esprit, non de touche, mais dans le choix du sujet. Litteratur des Pinsels.



Raphael hat den klass Typus der Jungfrau gefunden durch die Vollendung des vulgären Typus—durch den absoluten Gegensatz zur Schönheit, wie sie le Vinci suchte in dem Exquisen des Typus und der Seltenheit des Ausdrucks. Eine Art ganz menschlicher Heiterkeit, eine runde Schönheit, eine fast junonische Gesundheit. Sie wird ewig populär bleiben.



Voltaire der letzte Geist des alten Frankreich, Diderot der erste des neuen. Voltaire hat das Epos, die Fabel, die kleinen vers, die Tragödie zu Grabe getragen. Diderot hat den modernen Roman, das Drama und die Kunstkritik inaugurirt.



Skeptiker sein, den Skepticismus bekennen—ein schlechter Weg, seinen Weg zu machen! Das Mittel der Skepsis ist die Ironie, die Formel die am wenigsten aux épais, aux obtus, aux sots, aux niais, aux masses zugänglich ist? Dann choquirt diese Negation, dieser Zweifel an Allem, die Illusionen Aller, zum mindesten, die, welche alle affichiren: die Selbstzufriedenheit der Menschheit mit sich, welche die Zufriedenheit mit sich voraussetzt,—diesen Frieden des menschlichen Gewissens, welchen der bourgeois affektirt wie den Frieden seines persönlichen Gewissens auszugeben. —



Im Grunde dieses metaphysischen Monologs fühle ich die Präoccupation—“la préoccupation et la terreur du au-delà de la mort, que donne aux esprits les plus émancipés l’éducation religieuse.”



Der Mann hat das Weib gemacht, indem er ihr alle seine Poesien giebt ... Gavarni



Bei Clowns und Seiltänzern ihr Metier ihre Pflicht: die einzigen Akteure, deren Talent unbestritten und absolut ist, wie das der Mathematiker oder mehr noch comme le saut périlleux. Denn hierbei giebt es keinen falschen Anschein von Talent: entweder fällt man oder man fällt nicht.



Rien de plus charmant, de plus exquis que l’esprit français des étrangers, l’esprit de Galiani, du prince de Ligne, de Henri Heine.



Flaubert: “après tout, le travail, c’est encore le meilleur moyen d’escamoter la vie.”



Das, was bei Victor Hugo frappirt, der die Ambition hat, für einen Denker gelten zu wollen: das ist die Abwesenheit des Gedankens. Das ist kein Denker, das ist ein Naturwesen (un naturaliste sagt Flaubert): er hat den Saft der Bäume in den Adern —



De l’amoureux à la mode. 1830 le ténébreux, nach dem Einfluß Antony’s. Der dominirende Schauspieler giebt den Ton für die Verführung in der Liebe an. 1860 ist es der farceur (nach dem Vorbilde Grassot)



Es giebt keine Arme mehr für die Landarbeit. Die Erziehung zerstört die Rasse der Arbeiter und folglich den Ackerbau ...



wahre Freiheit für das Individuum giebt es nur, so lange es noch nicht in eine vollkommen civilisirte Gesellschaft enrégimenté ist: in ihr verliert es den ganzen Besitz von sich, von seinen Gütern, von seinem Guten. Der Staat hat, von 1789 an, teufelsmäßig die Rechte von jedem absorbirt, und ich frage mich, ob nicht, unter dem Namen der vollkommenen Herrschaft des Staates, uns die Zukunft noch eine ganz andere Tyrannei vorbehält, servi par le despotisme d’une bureaucratie française —

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Die halbseitige Tüchtigkeit: oder der gute Mensch.



Einem Versuche, von der Gottheit alle “bösen” Eigenschaften und Absichten wegzudenken, entspricht ein Versuch, den Menschen auf die Hälfte zu reduziren, welche seine guten Eigenschaften ausmachen: er soll unter keinen Umständen schaden, schaden wollen ...

Der Weg dazu: die Verschneidung der Möglichkeit zur Feindschaft, die Entwurzelung des ressentiment, der Frieden als der einzige und einzig gebilligte innere Zustand ...

Der Ausgangspunkt ist völlig ideologisch: man hat “Gut” und “Böse” als Widerspruch angesetzt, man hält es nunmehr für folgerichtig, daß der Gute “dem Bösen” bis in die letzte Wurzel entsagt und widerstrebt, man meint damit, zur Ganzheit, zur Einheit, zur Stärke zurückzukehren und seiner eigenen inneren Anarchie und Selbstauflösung zwischen entgegengesetzten Werth-Antrieben ein Ende zu machen.

Aber: man hält den Krieg für böse—und führt doch Krieg! ... Mit anderen Worten: man hört jetzt erst recht nicht auf, zu hassen, Nein zu sagen, Nein zu thun: der Christ z.B. haßt die Sünde (nicht den Sünder: wie sie fromme List auseinanderhält) — Und gerade durch diese falsche Trennung “gut” und “böse” ist die Welt des Hassenswerthen, Ewig-zu-Bekämpfenden ungeheuer angewachsen. In praxi sieht “der Gute” sich umringt vom Bösen, sieht in allem Thun Böses—er endet damit, die Natur für böse, den Menschen für verdorben, das Gutsein als Gnade zu verstehn.

— So entsteht ein mit Haß und Verachtung überladener Typus, der sich aber die Mittel abgeschnitten hat, Krieg in der That und mit Waffen zu führen: eine wurmstichige Art von “Auserwählten,” Friedensaposteln

I. Der vollkommene “Hornochs.”

Der stoische Typus. Oder: der vollkommene Hornochs. Die Festigkeit, die Selbstbeherrschung, das Unerschütterliche, der Frieden als Unbeugsamkeit eines langen Willens—die tiefe Ruhe, der Vertheidigungszustand, der Berg, das kriegerische Mißtrauen—die Festigkeit der Grundsätze; die Einheit von Willen und Wissen die Hochachtung vor sich. Einsiedler-Typus.



Der consequente Typus: hier wird begriffen, daß man auch das Böse nicht hassen dürfe, daß man ihm nicht widerstehen dürfe, daß man auch nicht gegen sich selbst Krieg führen dürfe: daß man das Leiden, welches eine solche Praxis mit sich bringt, nicht nur hinnimmt; daß man ganz und gar in den positiven Gefühlen lebt; daß man die Partei der Gegner nimmt in Wort und That; daß man durch eine Superfötation der friedlichen, gütigen, versöhnlichen, hülf- und liebreichen Zustände den Boden der anderen Zustände verarmt ..., daß man eine fortwährende Praxis nöthig hat

was ist hier erreicht?— Der buddhistische Typus: oder die vollkommene Kuh

Dieser Standpunkt ist nur möglich, wenn kein moralischer Fanatismus herrscht d.h. wenn das Böse nicht um seiner selber willen gehaßt wird, sondern nur, weil es den Weg abgiebt zu Zuständen, welche uns wehe thun (Unruhe, Arbeit, Sorge, Verwicklung, Abhängigkeit.)

Dies der buddhistische Standpunkt: hier wird nicht die Sünde gehaßt, hier fehlt der Begriff “Sünde.”

II.

Der inconsequente Typus: man führt Krieg gegen das Böse—man glaubt, daß der Krieg um des Guten willen nicht die moralische und Charakter-Consequenz habe, die sonst der Krieg mit sich bringt (und derentwegen man ihn als böse verabscheut) Thatsächlich verdirbt ein solcher Krieg gegen das Böse viel gründlicher als irgend eine Feindseligkeit von Person zu Person; und gewöhnlich schiebt sich sogar “die Person” als Gegner wenigstens imaginär wieder ein (der Teufel, die bösen Geister usw.) Das feindselige Verhalten, Beobachten, Spioniren gegen alles, was in uns schlimm ist und schlimmen Ursprungs sein könnte, endet mit der gequältesten und unruhigsten Verfassung: so daß jetzt “Wunder,” Lohn, Ekstase, Jenseitigkeits-Lösung wünschbar werden ...

Der christliche Typus: oder der vollkommene Mucker.

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Wie falsch, wie verlogen waren die M immer über die Grundthatsachen ihrer inneren Welt! Hier kein Auge zu haben, hier den Mund halten oder den Mund aufthun —

11 [299]

Die großen Worte
Die großen Männer
Die großen Zeiten
.

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“Objektivität” am Philosophen: moral Indifferentism gegen sich, Blindheit gegen die guten und schlimmen Folgen: Unbedenklichkeit im Gebrauch gefährlicher Mittel; Perversität und Vielheit des Charakters als Vorzug errathen und ausgenützt —

Meine tiefe Gleichgültigkeit gegen mich: ich will keinen Vortheil aus meinen Erkenntnissen und weiche auch den Nachtheilen nicht aus, die sie mit sich bringen—hier ist eingerechnet das, was man Verderbniß des Charakters nennen könnte; diese Perspektive liegt außerhalb: ich handhabe meinen Charakter, aber denke weder daran, ihn zu verstehen, noch ihn zu verändern—der persönliche calcul der Tugend ist mir nicht einen Augenblick in den Kopf gekommen. Es scheint mir, daß man sich die Thore der Erkenntniß zumacht, sobald man sich für seinen persönlichen Fall interessirt—oder gar für das “Heil” seiner Seele! ... Man muß seine Moralität nicht zu wichtig nehmen und sich ein bescheidenes Anrecht auf deren Gegentheil nicht nehmen lassen ...

Eine Art Erbreichthum an Moralität wird hier vielleicht vorausgesetzt: man wittert, daß man viel davon verschwenden und zum Fenster hinauswerfen kann, ohne dadurch sonderlich zu verarmen. Niemals sich versucht fühlen, “schöne Seelen” zu bewundern. Sich ihnen immer überlegen wissen. Den Tugend-Ungeheuern mit einem innerlichen Spott begegnen; déniaiser la vertu—geheimes Vergnügen.

Sich um sich selber rollen; kein Wunsch “besser” oder überhaupt nur “anders” zu werden; zu interessirt, um nicht Fangarme und Netze jeder Moralität nach den Dingen auszuwerfen —

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Diese Figur ist nicht aus einem Guß. Nicht nur daß man sie mit allerlei Weisheit- und Sprüchwort-Biedermännerei verkleidet hat, so daß sie beinahe zum “Moralisten” vulgarisirt ist: das Schlimme ist, daß man den Typus selbst nicht unangetastet hat. Man erräth, wie früh diese Figur verschiedenen Absichten von vornherein hat dienen müssen: in kurzer Zeit schon gab es bloß noch eine Tradition dieser bereits zurechtgemachten Figur. Es scheint, daß der alte typische Prophet Israels stark auf diese Zeichnung abgefärbt hat: die unevangelischen Züge, der Zorn, die Verfluchungen, die ganze so unwahrscheinliche Prophezeiung des “Gerichts,” der ganze Wüsten-Typus, die zügellose Sprache gegen Pharisäer und Schriftgelehrte, das Austreiben aus dem Tempel

— auch die Verfluchung des Feigenbaums—der typische Fall, wo und wie man nicht ein Wunder thun soll

Du sollst nicht fluchen. Du sollst nicht zaubern. Du sollst keine Rache üben. Du sollst nicht lügen (—denn daß eine Sache, bloß deshalb, weil sie für wahr gehalten wird, die Gefälligkeit hätte, zur Wahrheit zu werden, ist eine Lüge: man erlebt die demonstratio ad absurdum jeden Tag zu drei Malen —

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Hier ist jedes Wort Symbol; es giebt im Grunde keine Realität mehr. Die Gefahr ist außerordentlich, sich über diese Symbole zu vergreifen. Fast alle kirchlichen Begriffe und Werthungen führen irre: man kann das neue Testament gar nicht gründlicher mißverstehen als es die Kirche mißverstanden hat. Ihr fehlten alle Voraussetzungen zu einem Verständniß: die Historiker-Neutralität, welche sich den Teufel darum kümmert, ob “das Heil der Seele” am Worte hängt

Die Kirche hat nie den guten Willen gehabt, das neue Testament zu verstehen: sie hat sich mit ihm beweisen wollen. Sie suchte und sucht hinter demselben ein theologisches System: sie setzt es voraus,—sie glaubt an die Eine Wahrheit. Es bedurfte erst des neunzehnten Jahrhunderts—le siècle de l’irrespect—um einige der vorläufigsten Bedingungen wieder zu gewinnen, um das Buch als Buch (und nicht als Wahrheit) zu lesen, um diese Geschichte nicht als “heilige Geschichte,” sondern als eine Teufelei von Fabel, Zurechtmachung, Fälschung, Palimpsest, Wirrwarr, kurz als Realität wieder zu erkennen ...



Man giebt sich nicht genug Rechenschaft darüber, in welcher Barbarei der Begriffe wir Europäer noch leben.

NB: Daß man hat glauben können, “das Heil der Seele” hänge an einem Buche! ... Und man sagt mir, man glaube das heute noch.

Was hilft alle wissenschaftliche Erziehung, alle Kritik und Hermeneutik, wenn ein solcher Widersinn von Bibel-Auslegung, wie ihn die Kirche aufrecht erhält, noch nicht die Schamröthe zur Leibfarbe gemacht hat?

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Liebe

Seht hinein: diese Liebe, dieses Mitleid der Weiber — giebt es etwas Egoistischeres? ... Und wenn sie sich opfern, ihre Ehre, ihren Ruf, wem opfern sie sich? dem Mann? oder nicht vielmehr einem zügellosen Bedürfnisse?

— das sind genau so selbstsüchtige Begierden: ob sie nun Anderen wohlthun und Dankbarkeit anpflanzen ...

— in wiefern eine derartige Hyperfötation Einer Werthung alles übrige heiligen kann!!

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Wir würden Recht haben, davon chokirt zu sein: ein solcher Enthusiasmus wie der Theklas ist etwas, das man unmöglich im Princip gutheißen kann. Wir können uns durch das Talent des Dichters dazu fortreißen lassen, mit einem einzelnen Individuum zu sympathisiren, das ihn erfährt: aber er kann nicht als Basis für ein allgemeines System dienen et nous n’aimons en France que ce qui peut être d’une application universelle.

Die Theater-Moral in Frankreich ist viel rigoröser als die in Deutschland. Cela tient à ce, que les Allemands prennent le sentiment pour base de la morale, tandis que pour nous cette base est la raison. Un sentiment sincère, complet, sans bornes, leur paraît, non seulement excuser ce qu’il inspire, mais l’ennoblir et, si j’ose employer cette expression, le sanctifier. Wir haben viel strengere Principien und wir entfernen uns von ihnen niemals in der Theorie. Das Gefühl, das eine Pflicht verkennt, scheint uns nur ein Fehler mehr; wir würden leichter dem Interesse verzeihen, weil das Interesse in seine überschreitungen mehr Geschick und Decenz legt. Das Gefühl fordert die Meinung heraus, brave l’opinion, und sie wird dadurch gereizt; das Interesse zucht sie zu täuschen, indem es sie schont, und selbst wenn sie die Täuschung entdeckt, weiß sie ihren Dank für diese Art Huldigung.

11 [305]

Nous n’envisageons l’amour que comme les passions humaines, c’est-à-dire ayant pour effet d’égarer notre raison, ayant pour but de nous procurer des jouissances. B. Constant.

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Die Regel der Einheiten macht die Composition sehr schwierig: elles circonscrivent les tragédies, surtout historiques, dans un espace.— Sie zwingen den Dichter oft, in den Ereignissen und den Charakteren, die Wahrheit der Gradation, die Delikatesse der nuances zu vernachlässigen; es giebt Lücken, zu brüske übergänge.

Die Franzosen malen nur Ein Faktum oder Eine Leidenschaft. Sie haben ein Bedürfniß nach Einheit. Ils repoussent des caractères tout ce qui ne sert pas à faire ressortir la passion qu’ils veulent peindre; ils suppriment de la vie antérieure de leurs héros tout ce qui ne s’enchaîne pas nécessairement au fait, qu’ils ont choisi.

Das französische System präsentirt le fait qui forme le sujet und ebenso la passion, qui est le mobile de chaque tragédie, in einem vollkommenen isolement. Einheit des Interesses, der Perspektive. Der Zuschauer erkennt, daß das nicht eine historische Personnage ist, sondern un héros factice, une créature d’invention —

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Bedarf die Liebe der Unruhe und Ängste? ist ihr die Eifersucht als Dünger nöthig? strebt sie sanft in die reine und friedliche Luft der Träume?— Im anderen Falle wäre ein geschickter und desinteressirter Egoism die erste der Tugenden, le plus raisonnable des devoirs —

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Les circonstances sont bien peu de chose, le caractère est tout.

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On change de situation; on ne se corrige pas en se deplaçant.

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Die ganze Auffassung vom Rang der Leidenschaften: wie als ob das Rechte und Notmale sei, von der Vernunft geleitet zu werden—während die Leidenschaften das Unnormale, Gefährliche, Halbthierische sind, überdies, ihrem Ziele nach, nichts anderes als Lust-Begierden ...

Die Leidenschaft ist entwürdigt 1) wie als ob sie nur ungeziemender Weise, und nicht nothwendig und immer das mobile sei 2) insofern sie etwas in Aussicht nimmt, was keinen hohen Werth hat, ein Vergnügen ...

Die Verkennung von Leidenschaft und Vernunft, wie als ob letztere ein Wesen für sich sei und nicht vielmehr ein Verhältnißzustand verschiedener Leidenschaften und Begehrungen; und als ob nicht jede Leidenschaft ihr Quantum Vernunft in sich hätte ...

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Indem man nur Eine Leidenschaft malt (und nicht einen ganzen individuellen Charakter) erhält man tragische Wirkungen, weil die individuellen Charaktere, die immer gemischt sind, der Einheit des Eindrucks schaden. Aber die Wahrheit verliert dabei. Man fragt sich, was von den Heroen übrigbleiben würde, wenn sie nicht von dieser Leidenschaft bewegt wären: sicherlich nur wenig ... Der Charaktere sind unzählige. Die Theater-Leidenschaften eine geringe Zahl. “Polyphonte le tyran (“der Tyrann”) est un genre: le tyran Richard III un individu”

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Zukünftiges. Gegen die Romantik der großen “Passion.”

Zu begreifen, wie zu jedem “klassischen” Geschmack ein Quantum Kälte, Lucidität, Härte hinzugehört: Logik vor allem, Glück in der Geistigkeit, “drei Einheiten,” Concentration—Haß gegen Gefühl, Gemüth, esprit, Haß gegen das Vielfache, Unsichere, Schweifende, Ahnende so gut als gegen das Kurze Spitze Hübsche Gütige

Man soll nicht mit künstlerischen Formeln spielen: man soll das Leben umschaffen, daß es sich nachher formuliren muß ...

Es ist eine heitere Comödie, über die erst jetzt wir lachen lernen, die wir jetzt erst sehen: daß die Zeitgenossen Herders, Winckelmanns, Goethes und Hegels in Anspruch nahmen, das klassische Ideal wieder entdeckt zu haben ... Und zu gleicher Zeit Shakespeare!

— und dasselbe Geschlecht hatte sich von der klassischen Schule der Franzosen auf schnöde Art losgesagt!

— als ob nicht das Wesentliche so gut hier wie dorther hätte gelernt werden können! ...

Aber man wollte die “Natur,” die “Natürlichkeit”: oh Stumpfsinn! man glaubte, die Classicität sei eine Art Natürlichkeit!



Ohne Vorurtheil und Weichlichkeit zu Ende denken, auf welchem Boden ein klassischer Geschmack wachsen kann.

Verhärtung, Vereinfachung, Verstärkung, Verböserung des Menschen: so gehört es zusammen. Die logisch-psychologische Vereinfachung. Die Verachtung des Details, des Complexen, des Ungewissen —

Die Romantiker in Deutschland protestirten nicht gegen den Classicismus, sondern gegen Vernunft, Aufklärung, Geschmack, 18. Jahrhundert.

Die Sensibilität der romantisch-Wagnerischen Musik: Gegensatz, die klassische Sensibilität ...

der Wille zur Einheit (weil die Einheit tyrannisirt: nämlich die Zuhörer, Zuschauer) aber Unfähigkeit, sie in der Hauptsache tyrannisiren zu lassen: nämlich in Hinsicht auf das Werk selbst (auf Verzichtleisten, Kürzen, Klären, Vereinfachen.

die überwältigung durch Masse (Wagner, Victor Hugo, Zola, Taine) und nie mit der Größe

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“Wähntest du etwa, ich sollte das Leben hassen, in Wüsten fliehen, weil nicht alle Blüthenträume reiften?”—sagt der Prometheus Goethes.

11 [314]

Die Wagnersche Kunst: ein Compromiß zwischen den drei modernsten Bedürfnissen: nach Krankhaftem, nach Brutalem und nach Unschuldigem (Idiotischem) ...

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Warum kulminirt die deutsche Musik zur Zeit der deutschen Romantik? Warum fehlt Goethe in der deutschen Musik? Wie viel Schiller, genauer wie viel “Thekla” ist dagegen in Beethoven!

— Schumann hat Eichendorff, Uhland, Heine, Hoffmann, Tieck in sich

— Richard Wagner hat Freischütz, Hoffmann, Grimm, die romantische Sage, den mystischen Katholizismus des Instinkts, den Symbolismus, die “Freigeisterei der Leidenschaft,” Rousseau’s Absichten

Der “fliegende Holländer” schmeckt nach Frankreich, wo le ténébreux 1830 der Verführer-Typus war

Cultus der Musik: die revolutionäre Romantik der Form

Wagner resümirt die Romantik, die deutsche und die französische —

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Die großen Worte:

“Frieden der Seele”
die “Liebe”
der “klassische Geschmack”

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Der Nationalism hat in Frankreich den Charakter, in Deutschland den Geist und Geschmack verdorben: um eine große Niederlage—und zwar eine definitive—zu vertragen, muß man jünger und gesünder sein als der Sieger

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Der Exotism Wagners unter den Anhängern der “Deutschthümelei”

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Der Humor der europäischen Cultur: man hält das für wahr, aber thut jenes z.B. was hilft alle Kunst des Lesens und der Kritik, wenn die kirchliche Interpretation der Bibel, (die protestantische so gut wie die katholische) nach wie vor aufrecht erhalten wird!

11 [320]

Der Wagnerianer, mit seiner voreiligen Bewunderung für alles, was an Wagner durchaus nicht wunderbar ist, vielmehr “Wagnerisch” —

11 [321]

— diese unsinnige überladung mit Details, diese Unterstreichung der kleinen Züge, der Mosaik-Effekt: Paul Bourget



Der Ehrgeiz des großen Stils—und dabei Nicht-Verzichtleisten-wollen auf das, was er besser machte, auf das Kleine, das Kleinste; dieses überladen mit Details; diese Ciseleur-Arbeit in Augenblicken, wo Niemand für Kleines Augen haben dürfte; diese Unruhe des Auges, welches bald für Mosaik und bald für verwegen hingeworfene Wand-Fresken eingestellt werden soll



ich habe die eigenthümliche Qual, welche mir das Anhören Wagn Musik erregt, darauf zurückgeführt, daß diese Musik einem Gemälde gleicht, welches mir nicht erlaubt, auf Einem Platz zu bleiben ... daß beständig das Auge, um zu verstehen, sich anders einstellen muß: bald myopisch, damit ihm die raffinirteste Mosaik-Ciseleurarbeit nicht entgeht, bald für verwegene und brutale Fresken, welche sehr aus der Ferne gesehen werden wollen. Das Nicht-festhalten-können einer bestimmten Optik macht den Stil der Wagnerschen Musik aus: Stil hier im Sinne von Stil-Unfähigkeit gebraucht

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Wagner:1)nicht sich täuschen lassen durch die, deutsche Tendenz

— seine Sensibilität ist so wenig deutsch als möglich; dagegen um so deutscher seine Art Geist und Geistigkeit (den Stil eingerechnet)

— er hat die tiefste Sympathie für die großen Symbole des mittelalterlichen Europa und sucht deren “Träger” —

— der Typus seiner Helden ist so wenig deutsch als möglich: Tannhäuser, der fliegende Holländer, Rienzi, Lohengrin, Elsa, Tristan, Siegfried, Parsifal: man versuche doch die: bleibt der “Meistersinger”

— der Cultus der “Passion” ist nicht deutsch

— der Cultus des “Dramas” ist nicht deutsch: er hat eine ungeheure überzeugungskraft durch Wucht und Furchtbarkeit der Gebärde.
   
 2)was ist deutsch?

— die ungewisse Symbolik, die Lust am Ungenau-Gedachten, der falsche “Tiefsinn,” das Willkürliche, der Mangel an Feuer, Witz und Anmuth, die Unfähigkeit zur großen Linie, zum Nothwendigen in
   
 3)man muß in der Hauptsache sich nicht irreführen lassen: das musikalische Drama Ws ist ein Rückschritt, schlimmer, eine Decadence-Form der Musik —

— er hat alles Musikalische, die Musik geopfert, um aus ihr eine Kunst des Ausdrucks, der Verstärkung, der Suggestion, des Psychologisch-Pittoresken zu machen

der außerordentliche Schauspieler- und Theater-Instinkt war bisher insgleichen nicht deutsch (—man versteht nichts von Wagner, wenn man nicht in diesem Instinkt seine faculté maîtresse, seinen dominirenden Instinkt begreift)

die deutsche Tiefe, Vielheit, Willkür, Fülle, Ungewißheit: die großen Symbole und Räthsel, mit sanftem Donner aus ungeheurer Ferne laut werdend: der deutsche graue und bösartige Himmel, der das Glück nur als Carikatur und Wunsch kennt —

11 [323]

Woher nimmt er seinen Anhang? Aus der überzahl der Unmusikalischen, Halbmusikalischen, Dreiviertel-Gebildeten beiderlei Geschlechts, deren Eitelkeit es schmeichelt, Wagner zu verstehen

Sieg des unmusikalischen, halbmusikalischen Bildungs-Schwärmers, dem die große Attitüde Wagner’s schmeichelt, wie als ob es ein Zeichen von Superiorität sei, hier zu “verstehen”

: er appellirt an die schönen Gefühle und den gehobenen Busen

er erregt namentlich das, was eine schwärmerische—die deutsche — Naturempfindung

— er hypnotisirt die mystisch-erotischen Weibchen, indem seine Musik den Geist eines Magnetiseurs bis in ihr Rückenmark hinein fühlbar macht (—man beobachte das Lohengrin-Vorspiel in seinen physiologischen Einwirkungen auf die Sekretion und

— er erreicht jedes Mal die Höhe des Pathos zugleich mit einer Breite und Strom-Ausdehnung, welche ihn in Gegensatz zu allen Kurzathmigen und Augenblicks-Dramatikern stellt

11 [324]

die Mißverständnisse der Kirche

das Abendmahl
“der Sohn Gottes”
der Tod am Kreuz als Abzahlung
der Sündenfalls-Geschichte
des “Glaubens”

11 [325]

Zur Kritik des guten Menschen

Rechtschaffenheit, Würde, Pflichtgefühl, Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Ehrlichkeit, Geradheit, gutes Gewissen—sind wirklich mit diesen wohlklingenden Worten Eigenschaften um ihrer selber willen bejaht und gutgeheißen? oder sind hier an sich werthindifferente Eigenschaften und Zustände nur unter irgend welchen Gesichtspunkt gerückt, wo sie Werth bekommen?— Liegt der Werth dieser Eigenschaften in ihnen oder in dem Nutzen, Vortheil, der aus ihnen folgt (zu folgen scheint, zu folgen erwartet wird)?

Ich meine hier natürlich nicht einen Gegensatz von ego und alter in der Beurtheilung: die Frage ist, ob die Folgen es sind, sei es für den Träger dieser Eigenschaften, sei es für die Umgebung, Gesellschaft, “Menschheit,” derentwegen diese Eigenschaften Werth haben sollen: oder ob sie an sich selbst Werth haben ...

Anders gefragt: ist es die Nützlichkeit, welche die entgegengesetzten Eigenschaften verurtheilen, bekämpfen, verneinen heißt (—unzuverlässigkeit, Falschheit, Verschrobenheit, Selbst-Ungewißheit, Unmenschlichkeit—)? Ist das Wesen solcher Eigenschaften oder nur die Consequenz solcher Eigenschaften verurtheilt?

Anders gesagt: wäre es wünschbar, daß Menschen dieser zweiten Eigenschaften nicht existirten?— Das wird jedenfalls geglaubt

aber hier steckt der Irrthum, die Kurzsichtigkeit, die Bornirtheit des Winkel-Egoismus.

Anders ausgedrückt: wäre es wünschbar, Zustände zu schaffen, in denen der ganze Vortheil auf Seiten der Rechtschaffenen ist—so daß die entgegengesetzten Naturen und Instinkte entmuthigt würden und langsam ausstürben?

— dies ist im Grunde eine Frage des Geschmacks und der Aesthetik: wäre es wünschbar, daß die “achtbarste” d.h. langweiligste Species Mensch übrig bliebe? die Rechtwinkligen, die Tugendhaften, die Biedermänner, die Braven, die Geraden, die “Hornochsen”?

— denkt man sich die ungeheure überfülle der “Anderen” weg: so hat sogar der Rechtschaffene nicht einmal mehr ein Recht auf Existenz: er ist nicht mehr nöthig—und hier begreift man, daß nur die grobe Nützlichkeit eine solche unausstehliche Tugend zu Ehren gebracht hat.

Die Wünschbarkeit liegt vielleicht gerade auf der umgekehrten Seite: Zustände schaffen, bei denen der “rechtschaffene Mensch” in die bescheidene Stellung eines “nützlichen Werkzeugs” herabgedrückt wird—als das “ideale Heerdenthier,” bestenfalls Heerden-Hirt: kurz, bei denen er nicht mehr in die obere Ordnung zu stehen kommt—: welche andere Eigenschaften verlangt —

11 [326]

Rubriken.

1 Zur Kritik des “guten Menschen.”
2 Aus der Schule der Starken.
3 Die grossen Worte.
4 Zur Kritik der “Christlichkeit.”
5 Wie man die Tugend zur Herrschaft bringt.
6 Die aesthetischen Werthe; deren Herkunft und Zukunft.
7 Die Heraufkunft des Nihilismus.
8 Zur “Modernität

11 [327]

Tagebuch des Nihilisten ...

der Schauder über die entdeckte “Falschheit”

leer: kein Gedanke mehr; die starken Affekte um Objekte ohne Werth sich drehend:

— Zuschauer für diese absurden Regungen für und wider
— überlegen, höhnisch, kalt gegen sich
— die stärksten Regungen erscheinen wie Lügner: als ob wir an ihre Objekte glauben sollten, als ob sie uns verführen wollten —
— die stärkste Kraft weiß nicht mehr, wozu?
— es ist Alles da, aber keine Zwecke —
der Atheismus als die Ideallosigkeit

Phase des leidenschaftlichen Neins und Neinthuns: in ihm entladet sich die aufgespeicherte Begierde nach Bejahung, nach Anbetung ..

Phase der Verachtung selbst gegen das Nein ...
selbst gegen den Zweifel ..
selbst gegen die Ironie ..
selbst gegen die Verachtung ..
  
Katastropheob nicht die Lüge etwas Göttliches ist ...

ob nicht der Werth aller Dinge darin beruht, daß sie falsch sind? ...

ob nicht die Verzweiflung bloß die Folge eines Glaubens an die Gottheit der Wahrheit ist

ob nicht gerade das Lügen und Falschmachen (Umfälschen) das Sinn-Einlegen ein Werth, ein Sinn, ein Zweck ist

ob man nicht an Gott glauben sollte, nicht weil er wahr ist (sondern weil er falsch—?

11 [328]

I.
Begriff des Nihilismus.
Zur Psychologie des Nihilisten.
Zur Geschichte des europäischen Nihilism
Kritik derModernität

Die großen Worte.
Aus der Schule der Starken.
Der gute Mensch.
Die Christlichkeit

Genealogie des Ideals
Die Circe der Philosophen
Die aesthetischen Werthe: Herkunft und Kritik

Kunst und Künstler: neue Fragezeichen.

11 [329]

NB. Kritik der Vaterländerei (zu “Modernität”).

11 [330]

Winckelmanns und Goethes Griechen, V. Hugo’s Orientalen, Wagners Edda-Personnagen, W. Scotts Engländer des 13. Jahrhunderts—irgend wann wird man die ganze Komödie entdecken: es war Alles über alle Maaßen historisch falsch, aber—modern, wahr!

11 [331]

Bési.

Niemanden anklagen —



Meine Wünsche haben nicht genug Kraft, um mich zu leiten —



selbst gegen diese négateurs eifersüchtig: eifersüchtig auf ihre Hoffnungen—daß sie einen Haß so ernst nehmen können!



“Wozu diese Kraft verwenden?” —



Mit ihnen mich zu verbinden, daran verhinderte mich nicht die Furcht vor dem Lächerlichen—darüber bin ich hinaus—sondern der Haß und die Verachtung, die sie mir einfloßen. Ich habe, trotz allem, die Gewohnheiten eines homme, comme il faut, und ihr Verkehr widersteht mir.

“Hätte ich noch mehr Haß und Eifersucht in Hinsicht auf sie empfunden, vielleicht hätte ich mich mit ihnen ins Einvernehmen gesetzt.”



“Ich habe Furcht vor dem Selbstmord, denn ich fürchte Größe der Seele zu zeigen ... Ich sehe, daß das noch eine tromperie sein würde,—eine letzte Lüge zu allen zahllosen von Ehedem!— Welchen Vortheil gäbe es darin, sich selbst zu betrügen, einzig um den Großartigen zu spielen?— Da ich immer der Entrüstung und der Scham fremd war, werde ich niemals mehr die Verzweiflung kennen lernen ...”



Bemerken Sie auch, daß ich kein Mitleid mit Ihnen habe, um Sie zu rufen; und Sie nicht schätze, um Sie zu erwarten ... Indessen rufe ich Sie und erwarte Sie —



Ich kann, wie ich das immer gekonnt habe, das Bedürfniß haben, eine gute That zu thun und ich habe Vergnügen daran; nebenbei aber wünsche ich auch, übel zu thun und habe ebenfalls Genugthuung dabei. Alle diese Eindrücke, wenn sie überhaupt entstehen, was selten genug ist, sind, wie immer, sehr leicht ...



“On peut traverser une rivière sur une poutre et non sur un copeau.” Ich habe die débauche experiment im großen Stile und meine Kräfte dabei erschöpft; aber ich liebe sie nicht, sie war nicht mein Ziel.



Wenn man sich nicht mehr an sein Vaterland attachirt, hat man keine Götter mehr, das heißt keine Ziele mehr in der Existenz ...



Man kann unendlich über Alles diskutiren, aber aus mir ist nur eine Negation ohne Größe und ohne Kraft hervorgegangen. Zuletzt schmeichle ich mir noch, indem ich so rede. Alles ist immer faible et mou.



Der großherzige Kiriloff ist durch einen Gedanken besiegt worden: er hat sich erschossen. Ich sehe die Größe seiner Seele darin, daß er den Kopf verloren hat. Niemals würde ich so handeln können. Niemals würde ich an eine Idee so leidenschaftlich glauben können ... Mehr noch, es ist mir unmöglich, mich mit Ideen auf einen solchen Punkt zu beschäftigen ... Niemals, niemals würde ich mich erschießen können ...

Ich weiß, daß ich mich tödten sollte, daß ich die Erde von mir reinigen sollte, wie von einem miserablen Insekt.

11 [332]

Zur Psychologie des Nihilisten.

“das Verehrungswürdigste am Menschen, nach Goethe: Folgerichtigkeit, das gehört dem Nihilisten zu.

Um diese Zeit überredet er sich zur Ausschweifung. Man unterschätze die Logik darin nicht; man muß Philosoph, um das zu verstehen. Die Ideen sind Täuscherei; die Sensationen sind die letzte Realität ... Es ist der letzte Hunger nach “Wahrheit,” der die Ausschweifung anräth — Es könnte nicht “die Liebe” sein: es müssen alle die Schleier und Verschönerungen d.h. Fälschungen abgewischt: deshalb muß es die Ausschweifung, der Schmerz und die Combination von Ausschweifung und Schmerz sein.



Eine Steigerung: der Schmerz ist realer als die Lust ... Das bejahende Element in der letzteren hat den Charakter der Werthschätzung, der Betrügerei und übertreibung ...

der Schmerz berauscht nicht leicht, seine Nüchternheit ...

Vorsicht vor den berauschenden und umnebelnden Schmerzen ...

— der Schmerz, den man zufügt, ist realer als der, den man leidet —

11 [333]

Die absolute Veränderung, welche mit der Negation Gottes eintritt —

Wir haben absolut keinen Herrn mehr über uns; die alte Werthungs-Welt ist theologisch—sie ist umgeworfen —

Kürzer: es giebt keine höhere Instanz über uns: so weit Gott sein könne, sind wir selbst jetzt Gott ...

Wir müssen uns die Attribute zuschreiben, die wir Gott zuschrieben ...

11 [334]

Die Logik des Atheismus.

Wenn Gott existirt, hängt Alles von seinem Willen ab und ich bin nichts außer seinem Willen. Wenn er nicht existirt, so hängt Alles von mir ab, und ich muß meine Unabhängigkeit beweisen —

Der Selbstmord die completeste Art, seine Unabhängigkeit zu beweisen —

Gott ist nothwendig, folglich muß er existiren
Aber er existirt nicht
Also kann man nicht mehr leben.

dieser Gedanke hat auch Stavrogin verzehrt: “wenn er glaubt, glaubt er nicht, daß er glaubt. Wenn er nicht glaubt, glaubt er nicht, daß er nicht glaubt.”

die klassische Formel Kiriloffs bei Dostoj

Ich bin gehalten, meinen Unglauben zu affirmiren; in meinen Augen giebt es keine größere Idee als die Leugnung Gottes. Was ist die Geschichte der Menschheit? Der Mensch hat nichts gemacht als Gott erfinden, um sich nicht zu tödten. Ich, als der Erste, stoße die Fiktion Gottes zurück ...



Einen anderen tödten—das wäre die Unabhängigkeit in der niedrigsten Form: ich will den höchsten Punkt der Unabhängigkeit erreichen



Die früheren Selbstmörder hatten Gründe dazu; ich aber habe keinen Grund, einzig, um meine Unabhängigkeit zu beweisen —

11 [335]

der Anfang des Nihilismus

die Ablösung, der Bruch mit der Scholle
unheimisch beginnts
unheimlich endets

11 [336]

Wenn die Natur selbst ihr Meisterstück nicht geschont hat, wenn sie Jesus hat leben lassen in mitten der Lüge und für eine Lüge (—und ihm schuldet die Erde Alles, was sie hat lebenlassen—) ohne ihn wäre der Planet, mit Allem, was darauf ist, bloße Thorheit, nun, so ruht der Planet auf einer Lüge, auf einer dummen Verspottung. Folglich sind die Gesetze der Natur selbst eine Imposture und eine diabolische farce. Warum also leben, wenn du ein Mensch bist? ...

“Wenn Sie aber enttäuscht sind? wenn Sie begriffen haben, daß der ganze Irrthum im Glauben an den alten Gott lag?”

Das Heil der Menschheit hängt davon ab, ihr diesen Gedanken zu beweisen —

Ich begreife nicht, wie bisher ein Atheist hat wissen können, daß es keinen Gott giebt und sich nicht sofort getödtet hat ...

“Fühlen daß Gott nicht ist und nicht zugleich fühlen, daß man eben damit Gott geworden ist, ist eine Absurdität: andernfalls würde man nicht verfehlen, sich zu tödten. Wenn du das fühlst, bist du tzar, und, fern davon dich zu tödten, wirst du auf dem Gipfel der Glorie leben ...

“Ich bin Gott nur durch Zwang und ich bin unglücklich, denn ich bin verpflichtet, meine Freiheit zu beweisen. Alle sind unglücklich, weil sie Furcht haben, ihre Freiheit zu beweisen. Wenn der Mensch bis jetzt so unglücklich und so arm war, so geschah dies, weil er nicht wagte, sich in der höchsten Bedeutung des Wortes frei zu zeigen, weil er sich mit einer schülermäßigen Insubordination begnügte ... Denn ich bin schrecklich unglücklich, denn ich habe schrecklich Furcht. Die Furcht ist der Fluch des Menschen

Dies wird alle Menschen retten und physisch die folgende Generation umbilden: denn, nach mir zu urtheilen, kann unter seiner gegenwärtigen physischen Form der Mensch des alten Gottes nicht entrathen ... Ich suche seit 3 Jahren das Attribut meiner Göttlichkeit: und ich habe es gefunden—die Unabhängigkeit. Ich will mich tödten, um meine Insubordination zu beweisen, meine neue und schreckliche Freiheit” —

11 [337]

Fünf, sechs Sekunden und nicht mehr: da fühlt ihr plötzlich die Gegenwart der ewigen Harmonie. Der Mensch kann, in seiner sterblichen Hülle, das nicht aushalten; er muß sich physisch umformen oder sterben. Es ist ein klares und indiskutables Gefühl. Ihr scheint euch in Contakt mit der ganzen Natur und ihr sagt: “Ja, dies ist wahr!” Als Gott die Welt geschaffen hatte, sagte er am Ende jedes Tags: “Ja, dies ist wahr, dies ist gut!” Das ist nicht Rührung, das ist Freude. Ihr verzeiht nichts, weil es nichts zu verzeihen giebt. Ihr liebt nicht mehr—oh, dies Gefühl ist höher als die Liebe. Das schrecklichste ist die schauerliche Bestimmtheit, mit der es sich ausdrückt und die Freude, mit der es erfüllt. Wenn das länger dauerte, könnte die Seele es nicht aushalten, sie müßte verschwinden— In diesen 5 Sekunden lebe ich eine ganze Menschen-Existenz, für sie würde ich mein ganzes Leben geben, es wäre nicht zu theuer bezahlt. Um dies länger zu ertragen, müßte man sich physisch transformiren. Ich glaube, der Mensch hört auf zu zeugen. Wozu Kinder, wenn das Ziel erreicht ist?



Verständniß des Auferstehungs-Symbols:

“Nach der Auferstehung wird man nicht mehr zeugen, man wird sein, wie die Engel Gottes” d.h. das Ziel ist erreicht: wozu Kinder? ... Im Kinde drückt sich die Unbefriedg des Weibes aus ...

11 [338]

Wenn die Menschen Consequenz im Leibe hätten, hätten sie auch Consequenz im Kopfe. Aber ihr Mischmasch ...

11 [339]

Woran mir am meisten Verdruß entstanden ist? Zu sehen, daß Niemand mehr den Muth hat, zu Ende zu denken ...

11 [340]

Die Vorzeichen einer großen Revolte: ein Cynismus auf Befehl, ein Durst nach Skandal, agaçant, irritation, lassitude. Das Publikum entnervt, auf falschen Wegen erkannte sich nicht mehr

In Momenten der Crisis fühlt man eine Menge Individuen aus den tiefsten Schichten der Bevölkerung auftauchen, die kein Ziel, keine Idee irgend einer Art haben und die sich nur durch die Liebe zum désordre unterscheiden. Fast immer stehen sie unter dem Antrieb der kleinen Gruppe der “avancés,” welche aus ihnen machen, was sie wollen ..

Die gens de rien bekamen eine plötzliche Wichtigkeit, sie kritisirten laut alle respektablen Dinge, sie, die bisher nicht den Mund zu öffnen gewagt hatten, und die Begabtesten hörten ihnen schweigend zu, oft selbst mit einem kleinen Lächeln der Zustimmung.

11 [341]

— eine verbrecherische Solidarität suchend und seine Herrschaft über ihn gewinnend?

Die Spionage. In seinem System hat jedes Mitglied das Auge auf das andere, die Delation ist Pflicht. Jeder gehört Allen und Alle Jedem. Alle sind Sklaven und gleich in der Sklaverei. Die Verleumdung und das Assassinat in den äußersten Fällen, aber überall die “Gleichheit.” Vorerst das Niveau der wissenschaftlichen Cultur und der Talente niedriger machen, herunterbringen! Ein wissenschaftliches Niveau ist nur höheren Intelligenzen zugänglich; aber es darf keine höhere Intelligenz geben. Menschen von hohen Fähigkeiten haben sich immer der Macht bemächtigt und sind immer Despoten gewesen. Sie können gar nicht anders als Despoten sein, sie haben immer mehr übel als Gutes gethan; man treibe sie aus oder man überliefere sie au supplice. Cicero die Zunge abschneiden, Copernikus blenden, Shakespeare steinigen ... Sklaven dürfen gleich sein: ohne Despotism hat es noch niemals weder Freiheit noch Gleichheit gegeben, aber in einer Heerde darf Gleichheit herrschen ... Man muß die Berge ebnen; nieder mit Unterricht und Wissenschaft! Man hat dafür genug für ein Jahrtausend; aber man muß den Gehorsam organisiren, die einzige Sache, die in der Welt fehlt. Der Durst nach Studium ist ein aristokratischer Durst. Mit der Familie oder der Liebe verschwindet der Durst nach Eigenthum. Wir werden diesen Durst tödten: wir werden die Trunkenheit, den Lärm, die Delation begünstigen, wir werden eine Ausschweifung ohne Gleichen propagiren, wir werden die Geniés in der Wiege ersticken. “Reduktion von Allen au même dénominateur, vollkommene Gleichheit!”

“Wir haben ein Handwerk gelernt und sind honnete Leute; wir haben nichts Andres nöthig”—haben jüngst englische Arbeiter gesagt. Das Nothwendige allein ist nothwendig, das soll die Devise des Erdballs von jetzt ab sein. Aber man hat auch Convulsionen nöthig, dafür werden wir sorgen, wir anderen Leiter und Lenker ... Die Sklaven müssen Herren haben. Vollständiger Gehorsam, vollständige Entpersönlichung: aber alle dreißig Jahre wird man das Signal zu Convulsionen geben und alle werden sich plötzlich daran machen, sich gegenseitig aufzufressen, bis zu einem gewissen Punkt natürlich, zu dem einzigen Zweck, sich nicht zu langweilen. Die Langeweile ist ein aristok Gefühl; in dem Socialism wird es keine Begierde geben. Wir reserviren uns den Schmerz und die Begierde, die Sklaven werden den Socialism haben ... Ich habe daran gedacht, die Welt dem Papst zu überliefern. Er möge mit bloßen Füßen aus seinem Palaste heraustreten und zum Volke sagen: “darauf hat man mich reduzirt!”— Alles, auch die Armée, wird sich zu seinen Füßen niederwerfen. Der Papst oben, wir um ihn und unter uns der Socialism ... Die Internationale muß sich mit dem Papst verständigen: er wird gleich zustimmen, er hat keinen anderen Ausweg ...

Sie sind schön! Sie vergessen bisweilen, was es Exquisites an Ihnen giebt! Selbst Bonhomie und Naivetät! Sie leiden ohne Zweifel, Sie leiden tief, auf Grund dieser Bonhomie. Ich bin Nihilist, aber ich liebe die Schönheit—je suis nihiliste, mais j’aime la beauté. Lieben die Nihilisten sie nicht? Das, was sie nicht lieben, das sind Götzenbilder: ich, ich liebe Götzenbilder und Sie sind das meinige!

Sie beleidigen Niemanden und sind allgemein verabscheut; Sie betrachten alle Menschen wie Ihres Gleichen, und Alle haben Furcht vor Ihnen: so ist es Recht. Niemand wird wagen Ihnen auf die Schulter zu schlagen. Sie sind ein schrecklicher Aristokrat, und wenn er zu Demokraten kommt, so ist der Aristokrat un charmeur. Es ist Euch gleichmäßig gleichgültig Euer Leben oder das Andrer zu opfern. Sie sind präcis der Mann, den man nöthig hat ..

Wir dringen in das Volk selbst ein, wir sind jetzt schon furchtbar stark. Nicht nur die sind die Unsrigen, welche erwürgen, Feuer anzünden und klassische coups machen. Diese hemmen uns mehr .. Ich begreife nichts ohne Disciplin. Ich habe sie alle gezählt: der Lehrer, der sich mit den Kindern über ihren Gott und ihre Wiege moquirt; der Advokat, der einen wohlgebildeten Meuchelmörder vertheidigt, der beweist, daß er eine bessere Erziehung hatte als sein Opfer und daß er, um sich Geld zu verschaffen, kein andres Mittel hatte, als zu tödten; die Studenten, die, um eine Sensation zu erproben, einen Bauern tödten; die Geschworenen, die systematisch alle Verbrecher freisprechen; der Procurator, der vor dem Tribunal zittert, sich nicht liberal genug zu zeigen ... Unter der Verwaltung, unter den Gelehrten—wie Viele gehören zu uns! (—und sie wissen es nicht!) ... Anderseits, überall eine unermeßliche Eitelkeit, ein bestialischer appétit ... Wissen Sie, wie viel wir den berühmten Theorien danken? Als ich Rußland verließ, machte die Theorie Littré’s, der das Verbrechen der Narrheit annäherte, furore; ich komme zurück, und schon ist das Verbrechen nicht mehr eine Narrheit, sondern der bon sens selbst, fast eine Pflicht, zum allermindesten ein nobler Protest. “Hé bien, wie wird ein aufgeklärter Mann nicht meucheln, wenn er Geld nöthig hat?” Aber das ist noch nichts. Der russische Gott hat dem Getränk Platz gemacht; alles ist Trinker, die Kirchen sind leer ... Wenn wir die Herren sind, werden wir sie kuriren... nöthigenfalls relegiren wir sie für 40 Jahre in eine Thebaide. Aber für 2 Generationen ist die d nothwendig, eine débauche ignoble, inouïe, sale, die thut noth! ... Bis jetzt hat das russische Volk, trotz der Derbheit seines Ingrimm-Vokabulärs, nicht den Cynism gekannt. Wissen Sie, daß der Leibeigene sich mehr respektirte als sich Turgenjef respektirt? ... Man schlug, aber er blieb seinen Göttern treu—und T hat die seinen verlassen ...

Das Volk muß glauben, daß wir alle das Ziel wissen. Wir werden die Zerstörung predigen: diese Idee ist so verführerisch. Wir werden die Feuersbrunst zu Hülfe rufen— Und Pistolenschüsse ... Il se cache ... Es bedarf einer unerhörten Kraft ...

11 [342]

Die Theatromanie

11 [343]

“ceci tuera cela”

11 [344]

Der Dekabrist (russischer Aufstand von 1825) hat sein ganzes Leben die Gefahr gesucht: das Gefühl der Gefahr berauschte ihn und war ein Bedürfniß seiner Natur geworden ... Die Tapferen der Legende waren sicher in hohem Grad zugänglich der Furcht: andernfalls würden sie viel ruhiger gewesen sein und nicht das Gefühl der Gefahr in ein Bedürfniß ihrer Natur umgewandelt haben. Aber in sich la poltronnerie besiegen, mit Bewußtsein dieses Siegs und denken daß nichts sie zurückscheuchen könnte—das hat sie verführt! ... Einbegriffen den Kampf unter allen Formen; nicht nur in der Bärenjagd und im Duell schätzte er bei sich den Stoicismus und die Charakterstärke.

Aber die nervöse Disposition des neueren Geschlechts läßt nicht mehr das Bedürfniß dieser freien und unmittelbaren Sensationen zu, welche mit solcher Gluth einige unruhige Personnagen der guten alten Zeit suchten. N wäre ebenso tapfer in allen Fällen gewesen, wie jener Decabrist: nur, er hätte kein Vergnügen in diesem Kampfe gefunden; er würde ihn mit Indolenz und Langeweile acceptirt haben, wie man sich einer unangenehmen Nothwendigkeit unterzieht. Für den Zorn, konnte ihm Niemand verglichen werden: er war kalt, ruhig, raisonnable—folglich war er schrecklicher als irgend ein anderer.

11 [345]

Rom predigte einen Christus, der der dritten Versuchung nachgegeben hat; es hat erklärt, daß er eines irdischen Reichs nicht entrathen könne und hat ebendamit den Antichrist proklamirt ...

11 [346]

Gott als Attribut der Nationalität

Das Volk, das ist der Leib Gottes. Eine Nation verdient diesen Namen nur, so lange sie einen eignen Gott hat und hartnäckig alle anderen von sich stößt; so lange nur als sie rechnet, mit ihrem Gott zu siegen und die fremden Götter aus der ganzen Welt fortzujagen.

Die Völker bewegen sich durch die Kraft eines unersättlichen Bedürfnisses zum Ziel zu kommen: es ist die unermüdliche beständige Affirmation seiner Existenz und Negation des Todes. “Der Geist des Lebens,” der “Strom lebendigen Wassers,” das aesthetische oder moralische Prinzip der Philosophen, la “recherche de Dieu.” Bei jedem Volke, auf jeder Phase seiner Existenz, ist das Ziel seiner Bewegung la recherche de Dieu, eines Gottes für sich, an den es als den allein wahren glaubt. Gott ist die synthetische Person eines ganzen Volkes, betrachtet von seinem Anfang bis zu seinem Ende. Wenn die Culte anfangen sich zu generalisiren, ist die Destruktion der Nationalitäten nahe. Wenn die Götter ihren Einzel-Charakter verlieren, sterben sie und mit ihnen die Völker. Je stärker eine Nation, um so stärker unterscheidet sich ihr Gott. Man hat niemals ein Volk ohne Religion gefunden (d.h. ohne den Begriff von Gut und Böse) Jedes Volk versteht diese Worte auf seine Manier. Wenn diese Ideen auf gleiche Weise bei mehreren Völkern verstanden werden, so sterben sie und die Differenz zwischen Gut und Böse beginnt zu erlöschen und zu verschwinden. Die Vernunft hat diese Begriffe nie definiren können, und selbst nicht einmal sie auch nur annähernd trennen: immer hat sie dieselben auf eine schmähliche Weise vermengt: la science a conclu en faveur de la force brutale. Das ist namentlich durch die Halb-Wissenschaft geschehen, der größte Fluch, der Despot, vor dem sich Alles neigt, selbst die Wissenschaft ...

11 [347]

Die Juden haben nur gelebt, um den wahren Gott zu erwarten; die Griechen haben die Natur vergöttlicht und haben der Welt ihre Religion, das heißt die Philosophie und die Kunst, vererbt. Rom hat das Volk im Staate vergöttlicht.

11 [348]

“Si un grand peuple ne croit pas qu’en lui seul se trouve la vérité, s’il ne se croit pas seul appelé à ressusciter et à sauver l’univers par sa vérité, il cesse immédiatement d’être un grand peuple pour devenir une matière éthnographique.”

Ein wahrhaft großes Volk hat sich niemals mit einer sekundären Rolle begnügt, eine selbst einflußreiche Rolle genügt ihm nicht; es bedarf unbedingt der ersten. Die Nation, die auf diese überzeugung verzichtet, verzichtet auf die Existenz ...

11 [349]

il y a là un audacieux défi au sens commun: das hat Euch verführt! ...

11 [350]

Die zweite Hälfte des Lebens besteht aus den Gewohnheiten, die man in der ersten contrahirt hat.

11 [351]

il faut être un grand homme pour savoir resister au bon sens: un grand homme ou un imbécile.

11 [352]

Malebranche hat gesagt, Gott, weil er Gott sei, habe nur mit den einfachsten Mitteln handeln können

“Dieu, parce qu’il était Dieu, ne pouvait agir que par les voies les plus simples”

Folglich—giebt es keinen Gott.

11 [353]

Seinem Gefühle folgen?

Daß man, einem genereusen Gefühle nachgebend, sein Leben in Gefahr bringt, und unter dem Impuls eines Augenblicks: das ist wenig werth ... und charakterisirt nicht einmal ... in der Fähigkeit dazu sind sich Alle gleich—und in der Entschlossenheit dazu übertrifft der Verbrecher, Bandit und Corse uns honneten Menschen gewiß...

Die höhere Stufe ist: auch diesen Andrang bei sich zu überwinden und die heroische That nicht auf Impulse hin zu thun,—sondern kalt, raisonnable, ohne das stürmische überwallen von Lustgefühlen dabei ...

Dasselbe gilt vom Mitleid: es muß erst habituell durch die raison durchgesiebt sein, im anderen Fall ist es so gefährlich, wie irgend ein Affekt ...

Die blinde Nachgiebigkeit gegen einen Affekt, sehr gleichgültig, ob es ein genereuser und mitleidiger oder feindseliger ist, ist die Ursache der größten Übel ...

Die Größe des Charakters besteht nicht darin, daß man diese Affekte nicht besitzt—im Gegentheil, man hat sie im furchtbarsten Grade: aber daß man sie am Zügel führt ... und auch das noch ohne Lust an dieser Bändigung, sondern bloß weil ..

11 [354]

Christliche Mißverständnisse

Der Schächer am Kreuz:—wenn der Verbrecher selbst, der einen schmerzhaften Tod leidet, urtheilt: “so, wie dieser Jesus, ohne Revolte, ohne Feindschaft, gütig, ergehen, leidet und stirbt, so allein ist es das Rechte”: hat er das Evangelium bejaht: und damit ist er im Paradiese ...

Das Himmelreich ist ein Zustand des Herzens (—von den Kindern wird gesagt “denn ihrer ist das Himmelreich”); nichts, was “über der Erde” ist.

Das Reich Gottes “kommt” nicht chronologisch-historisch, nicht nach dem Kalender, etwas, das eines Tages da wäre und Tags vorher nicht: sondern es ist eine “Sinnes-Änderung im Einzelnen,” etwas das jeder Zeit kommt und jeder Zeit noch nicht da ist ...

Moral: der Stifter des Christenthums hat es büßen müssen, daß er sich an die niedrigste Schicht der jüdischen Gesellschaft und Intelligenz gewendet hat ...

— sie hat ihn nach dem Geiste concipirt, den sie begriff ...

— es ist eine wahre Schande, eine Heilsgeschichte, einen persönlichen Gott, einen persönlichen Erlöser, eine persönliche Unsterblichkeit herausfabrizirt zu haben und die ganze Mesquinerie der “Person” und der “Historie” übrig behalten zu haben aus einer Lehre, die allem Persönlichen und Historischen die Realität bestreitet ...

Die Heils-Legende an Stelle der symbolischen Jetzt- und Allzeit, Hier und überall, das Mirakel an Stelle des psychologischen Symbols

11 [355]

Wenn ich irgend etwas von diesem großen Symboliker verstehe, so ist es dies, daß er nur innere Realitäten sah und anerkannte: daß er den Rest (alles Natürliche, Historische, Politische) nur als Zeichen und Gelegenheit zum Gleichniß verstand—nicht als Realität, nicht als “wahre Welt” ...

Insgleichen ist der Menschen-Sohn nicht eine concrete Person der Geschichte sondern ein “ewiges Faktum,” ein nicht in die Zeit eingesperrtes psychologisches Symbol ...

Dasselbe gilt endlich im höchsten Grade noch einmal vom Gott dieses typischen Symbolikers ... vom Reich Gottes, vom “Himmelreich” ...

der “Vater” und der “Sohn”: letzterer drückt den Eintritt in jenen Gesammtverklärungs-zustand aller Dinge aus, ersterer ist eben dieser...

— und diese Vorstellung hat man so weit mißverstanden, daß man die Amphitryon-Geschichte (einen schlecht maskirten Ehebruch) an die Spitze des neuen Glaubens gestellt hat (nebst der abscheulichen Vorstellung einer unbefleckten Empfängniß: wie als ob an sich die Empfängniß etwas Beflecktes wäre—)

Die tiefe Entartung 1)durch das Historisch-Verstehen-wollen
 2)durch das Mirakel-Sehen-wollen (—wie als ob es sich um durchbrochene und überwundene Naturgesetze handelte!)
 3)

11 [356]

Man kann das Christenthum gar nicht mehr mißverstehen, als wenn man annimmt, daß zu Anfang die grobe Wunderthäter- und Erlöser-Geschichte steht und daß das Spiritual- und Symbolisch-Nehmen erst eine spätere Form der Metamorphose ist ...

Umgekehrt: die Geschichte des Christenthums ist die Geschichte des schrittweisen immer gröberen Mißverstehen-müssens eines sublimen Symbolismus ...: mit jeder Ausbreitung des Christenthums über immer breitere und rohere Massen, die den Ursprungs-Instinkten des Christenthums fern standen (—denen alle Voraussetzungen abgiengen, es zu verstehen—) ist eine Legendengeschichte, eine Theologie, eine Kirchen-Gründung zum Vorschein gekommen—: das Bedürfniß der niedrigsten, später der barbarischen Schichten brachte die Nothwendigkeit mit sich, das Christenthum erst zu vulgarisiren, dann zu barbarisiren ...

Die Kirche ist der Wille, die Vulgär- und Barbaren-Sprache des Christenthums als “die Wahrheit” aufrecht zu erhalten— ... und heute noch!

Der Paulinische, der Augustinische Platonismus—: bis endlich diese schamlose Carikatur von Philosophie und Rabbinismus fertig geworden ist, die christliche Theologie ...

die unwürdigen Bestandtheile des Christenthums:

das Wunder
die Hierarchie der Seelen, die Rangordnung
die Heilsgeschichte und der Glaube an sie ...
der Begriff der “Sünde”

die Geschichte des Christenthums ist die Nothwendigkeit, daß ein Glaube selbst so niedrig und vulgär wird, als die Bedürfnisse sind, die mit ihm befriedigt werden sollen —

... man denke an Luther! Was könnte eine mit so groben Begierden überladene Natur mit dem ursprünglichen Christenthum anfangen!

die jüdische Stufe der Entnatürlichung: “Abfall, Unglück, Buße, Versöhnung” als übrig gebliebenes Schema,—im übrigen Haß gegen die “Welt”

Jesus geht direkt auf den Zustand los, das “Himmelreich” im Herzen und findet die Mittel nicht in der Observanz der jüdischen Kirche—er rechnet selbst die Realität des Judenthums (seine Nöthigung, sich zu erhalten) für nichts; er ist rein innerlich

ebenso macht er sich nichts aus den sämmtlichen groben Formeln im Verkehr mit Gott: er wehrt sich gegen die ganze Buß- und Versöhnungs-Lehre; er zeigt, wie man leben muß, um sich als “vergöttlicht” zu fühlen—und wie man nicht mit Buße und Zerknirschung über seine Sünden dazu kommt: “es liegt nichts an Sünde” ist sein Haupturtheil. Um “göttlich” zu werden, ist die Hauptsache, daß man sich satt hat: insofern ist sogar der Sünder besser denn als der Gerechte...

Sünde, Buße, Vergebung,—das gehört Alles nicht her ... das ist eingemischtes Judenthum, oder es ist heidnisch

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der tiefe Instinkt dafür, wie man leben müsse, um sich “im Himmel” zu fühlen, während man sich im anderen Falle durchaus nicht im Himmel fühlt ... das ist die psychologische Realität des Christenthums

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Unser neunzehntes Jahrhundert hat endlich die Voraussetzung, um etwas zu verstehen, das neunzehn Jahrhunderte im Grunde mißverstanden worden ist—das Christenthum ...

Man war unsäglich fern von jener liebevollen und gewissenhaften Neutralität—Zustand voller Sympathie und Zucht des Geistes—man war in einer schmählichen Weise, zu allen Zeiten der Kirche, egoistisch-blind, zudringlich, unverschämt, immer mit der Miene unterwürfigster Verehrung

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der Symbolism des Christenthums ruht auf dem jüdischen, der auch schon die ganze Realität (Historie, Natur) in eine heilige Unnatürlichkeit und Unrealität aufgelöst hatte ... der die wirkliche Geschichte nicht mehr sehen wollte—, der sich für den natürlichen Erfolg nicht mehr interessirte —

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Man soll dem, der böse gegen uns ist, weder durch die That, noch im Herzen Widerstand leisten.

Man soll keinen Grund anerkennen, sich von seinem Weibe zu scheiden. Vielleicht auch: “man soll sich verschneiden.”

Man soll keinen Unterschied Fremden und Einheimischen, Ausländern und Volksgenossen machen.

Man soll sich gegen Niemanden erzürnen, man soll Niemanden geringschätzen ... Gebt Almosen im Verborgenen—man soll nicht reich werden wollen —

Man soll nicht schwören— Man soll nicht richten— Man soll sich versöhnen, man soll vergehen—betet nicht öffentlich —

Lasset eure guten Werke sehen, lasset euer Licht leuchten! Wer wird in den Himmel kommen? Der den Willen meines Vaters im Himmel thut ...

Die “Seligkeit” ist nichts Verheißenes: sie ist da, wenn man so und so lebt und thut:

Ist nicht die Kirche genau das: “falsche Propheten in Schafskleidern, inwendig reißende Wölfe”? ...

“Weissagen, Wunderthun, Teufel-Austreiben—das ist Alles nichts” ...

Auf eine ganz absurde Weise ist die Lohn- und Straf-Lehre hineingemengt: es ist Alles damit verdorben.

Insgleichen ist die Praxis der ersten ecclesia militans, des Apostels und sein Verhalten auf eine ganz verfälschende Weise als geboten, als voraus festgesetzt dargestellt ...

die nachträgliche Verherrlichung des thatsächlichen Lebens und Lehrens der ersten Christen: wie als ob alles so vorgeschrieben ... und bloß befolgt wäre ...

die ganze Propheten- und Wunderthäter-Attitüde, der Zorn, die Heraufbeschwörung des Gerichts ist eine abscheuliche Verderbniß (z.B. Marc. 6, 11 “und die welche euch nicht aufnehmen ... ich sage euch, wahrlich, es wird Sodom und Gomorrha usw.”)

der Feigenbaum

“Ein Prophet gilt nirgends weniger, als daheim, als bei den Seinen”: ist Unsinn, das Gegentheil ist die Wahrheit ...

Nun gar die Erfüllung der Weissagungen: was ist da Alles gefälscht und zurecht gemacht worden!

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NB. Schopenhauer hatte, aus seinem Nihilismus heraus, ein vollkommenes Recht darauf, das Mitleiden allein als Tugend übrig zu behalten: mit ihm wird in der That die Verneinung des Willens zum Leben am kräftigsten gefördert. Das Mitleiden, die caritas kreuzt, indem es den Deprimirten und Schwachen gestattet fortzuleben und Nachkommenschaft zu haben? die natürlichen Gesetze der Entwicklung: es beschleunigt den Verfall, es zerstört die Gattung,—es verneint das Leben. Warum erhalten sich die anderen Thier-Gattungen gesund? Weil ihnen das Mitleiden abgeht.

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NB. Der antisociale Hang, die Geistesstörung, der Pessimismus: die drei typischen Formen der décadence. Das Christenthum, als eine Religion der décadence, wuchs auf einem Boden auf, der von Degenerirten aller drei Arten wimmelte

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Wir haben das christliche Ideal wieder hergestellt: es bleibt übrig, seinen Werth zu bestimmen.

1. Welche Werthe werden durch dasselbe negirt: was enthält das Gegensatz-Ideal?

Stolz, Pathos der Distanz, die große Verantwortung, den übermuth, die prachtvolle Animalität, die kriegerischen und eroberungslustigen Instinkte, die Vergöttlichung der Leidenschaft, der Rache, der List, des Zorns, der Wollust, des Abenteuers, der Erkenntniß ...

: das vornehme Ideal wird negirt: Schönheit, Weisheit, Macht, Pracht und Gefährlichkeit des Typus Mensch: der Ziele setzende, der “zukünftige” Mensch (—hier ergiebt sich die Christlichkeit als Schlußfolgerung des Judenthums—)

2. Ist es realisirbar?

Ja, doch klimatisch bedingt ... Ähnlich wie das indische ... Es fehlt die Arbeit ... — es löst heraus aus Volk, Staat, Cultur-Gemeinschaft, Gerichtsbarkeit, es lehnt den Unterricht, das Wissen, die Erziehung zu guten Manieren, den Erwerb, den Handel ab ... es löst alles ab, was den Nutzen und Werth des Menschen ausmacht—es schließt ihn durch eine Gefühls-Idiosynkrasie ab—unpolitisch, antinational, weder aggressiv, noch defensiv,—nur möglich innerhalb des festgeordnetsten Staats- und Gesellschaftslebens, welches diese heiligen Parasiten auf allgemeine Unkosten wuchern läßt ...

3. es bleibt eine Consequenz des Willens zur Lust—und zu nichts weiter! “die Seligkeit” gilt als Etwas, das sich selbst beweist, das keine Rechtfertigung mehr braucht,—alles übrige (die Art leben und leben lassen) ist nur Mittel zum Zweck ...

— Aber das ist niedrig gedacht: die Furcht vor dem Schmerz, vor der Verunreinigung, vor der Verderbniß selbst als ausreichendes Motiv, alles fahren zu lassen ... Dies ist eine arme Denkweise ... Zeichen einer erschöpften Rasse ... Man soll sich nicht täuschen lassen (“werdet wie die Kinder”)—die verwandten Naturen: Franz von Assisi (neurotisch, epileptisch, Visionär, wie Jesus)

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Zur Geschichte des Christenthums.

Fortwährende Veränderung des milieu: die christliche Lehre verändert damit fortwährend ihr Schwergewicht ..

die Begünstigung der niederen und kleinen Leute ..

die Entwicklung der caritas ..

der Typus “Christ” nimmt schrittweise Alles wieder an, was er ursprünglich negirte (in dessen Negation er bestand—)

der Christ wird Bürger, Soldat, Gerichtsperson, Arbeiter, Handelsmann, Gelehrter, Theolog, Priester, Philosoph, Landwirth, Künstler, Patriot, Politiker, “Fürst” ... er nimmt alle Thätigkeiten wieder auf, die er abgeschworen hat (—die Selbstvertheidigung, das Gerichthalten, das Strafen, das Schwören, das Unterscheiden zwischen Volk und Volk, das Geringschätzen, das Zürnen ...)

Das ganze Leben des Christen ist endlich genau das Leben, von dem Christus die Loslösung predigte ...

Die Kirche gehört so gut zum Triumph des Antichristlichen, wie der moderne Staat, der moderne Nationalismus ...

Die Kirche ist die Barbarisirung des Christenthums.



Über das Christenthum Herr geworden: der Judaism (Paulus) der Platonism (Augustin) die Mysterienkulte (Erlösungslehre, Sinnbild des “Kreuzes”) der Asketismus (—Feindschaft gegen die “Natur,” “Vernunft,” “Sinne,”—Orient ...)

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es fehlt der excentrische Begriff der “Heiligkeit” —

“Gott” und “Mensch” sind nicht auseinander gerissen

das “Wunder” fehlt—es giebt gar nicht jene Sphäre ..

— die einzige, die in Betracht kommt, ist die “geistliche” (d.h. symbolisch-psychologische) als décadence: Seitenstück zum “Epicureismus” ... das Paradies, nach griechischem Begriff, auch ein “Garten Epicurs”

es fehlt die Aufgabe in einem solchen Leben

: es will nichts ... :

eine Form der “epikurischen Götter” —

: es fehlt aller Grund, noch Ziele zu setzen: Kinder zu haben ... alles ist erreicht ...

Das Christenthum ist jeden Augenblick noch möglich ... Es ist an keines der unverschämten Dogmen gebunden, welche sich mit seinem Namen geschmückt haben: es braucht weder die Lehre vom persönlichen Gott, noch von der Sünde, noch von der Unsterblichkeit, noch von der Erlösung, noch vom Glauben, es hat schlechterdings keine Metaphysik nöthig, noch weniger den Asketismus, noch weniger eine christliche “Naturwissenschaft” ...

Wer jetzt sagte “ich will nicht Soldat sein,” “ich kümmere mich nicht um die Gerichte,” “die Dienste der Polizei werden von mir nicht in Anspruch genommen”—der wäre Christ... “ich will nichts thun, was den Frieden in mir selbst stört: und wenn ich daran leiden muß, nichts wird mehr mir den Frieden erhalten als Leiden” ...

Die ganze christliche Lehre von dem, was geglaubt werden soll, die ganze christliche “Wahrheit” ist eitel Lug und Trug: und genau das Gegentheil von dem, was den Anfang der christlichen Bewegung gegeben hat ...

das gerade, was im kirchlichen Sinn das Christliche ist, ist das Antichristliche von Vornherein: lauter Sachen und Personen statt der Symbole, lauter Historie statt der ewigen Thatsachen, lauter Formeln, Riten, Dogmen statt einer Praxis des Lebens ... Christlich ist die vollkommene Gleichgültigkeit gegen Dogmen, Cultus, Priester, Kirche, Theologie.

Die Praxis des Christenthums ist keine Phantasterei, so wenig die Praxis des B sie ist: sie ist ein Mittel, glücklich zu sein ...

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Unser Zeitalter ist in einem gewissen Sinne reif (nämlich décadent), wie es die Zeit Buddha’s war ...

Deshalb ist eine Christlichkeit ohne die absurden Dogmen möglich ...

die widerlichsten Ausgeburten des antiken Hybridism

Die Barbarisirung der Christlichkeit

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Christianismi et buddhismi Essentia.
(Vergleichung des ersten Buddhismus und der ersten Christlichkeit)

Buddhismus Christlichkeit sind Schluß-Religionen: jenseits der Cultur, der Philosophie, der Kunst, des Staates

A.Gemeinsam: der Kampf gegen die feindseligen Gefühle,—diese als Quell des übels erkannt. Das “Glück”: nur als innerlich,—Indifferenz gegen den Anschein und Prunk des Glückes.

Buddhism: loskommen-wollen vom Leben, philosophische Klarheit; einem hohen Grad von Geistigkeit entsprungen, mitten aus den höheren Ständen ...

Christlichkeit: will im Grunde dasselbe (—schon “die jüdische Kirche” ist ein décadence-Phänomen des Lebens), aber, gemäß einer tiefen Unkultur, ohne Wissen um das, was man will ... hängen bleibend bei der “Seligkeit” als Ziel ...
B.die kräftigsten Instinkte des Lebens nicht mehr als lustvoll empfunden vielmehr als Leidens-Ursachen

für den Buddhisten: insofern diese Instinkte zum Handeln antreiben (das Handeln aber als Unlust gilt ...)

für den Christen: insofern sie Anlaß zur Feindschaft und Widerspruch geben (das Feindsein, das Wehe-thun aber als Unlust, als Störung des “Seelen-Friedens” gilt)

(Ein tüchtiger Soldat hat umgekehrt keine Freude außer in einem rechtschaffenen Kriegführen und Feindseinwollen.)

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Der Typus Jesus.

Man vergreift sich, wenn man sich ein fanatisches Element in Jesus hineindenkt ... “impérieux” Renan

— es fehlt alle Tortur im Glauben, es ist eine gute Botschaft und der Zustand eines “guten Botschafters” ...

— dieser Glaube ist nicht erkämpft, hat keine Entwicklung, keine Katastrophe ... vielmehr kindlich ... die Kindheit ist bei solchen Naturen wie eine Krankheit zurückgetreten

— dieser Glaube zürnt nicht, tadelt nicht, straft nicht, wehrt sich nicht —

— dieser Glaube bringt nicht “das Schwert” ... er ahnt nicht, daß er trennen könnte ...

— dieser Glaube beweist sich weder durch Wunder, noch durch Versprechung auf Lohn ... er selbst ist jeden Augenblick sein Beweis, sein Lohn, sein Wunder —

— dieser Glaube formulirt sich nicht, weil er lebt— ... er hält nichts sonst für real ... “wahr” d.h. lebendig ..

— die Zufälle der Vorbildung, der Lektüre (die Propheten) bestimmen seine Begriffs-Sprache: das Jüdische am Christenthum ist vor allem die jüdische Begriffswelt. Vehikel, die jüdische Psychologie: aber man hüte sich hier zu verwechseln—: ein Christ in Indien hätte sich der Formeln der Sankhya-Philosophie bedient, in China der des Laotse—darauf kommt gar nichts an —

Christ als “freier Geist”: er macht sich aus allem Festen nichts (Wort, Formel, Kirche, Gesetz, Dogmen) “alles, was fest ist, tödtet ...” er glaubt nur ans Leben und Lebendige—und das “ist” nicht, das wird ...

: er steht außerhalb aller Metaphysik, Religion, Historie, Naturwissenschaft, Psychologie, Ethik—: er hat nie geahnt, daß es dergleichen giebt ...

: er redet bloß vom Innersten, von Erlebnissen: alles Übrige hat den Sinn eines Zeichens und eines Sprachmittels —

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Zum Typus Jesus.

— Was abzuziehen bleibt? die ganze Art Motivirung der Weisheit Christi, insgleichen seiner Lebensakte... letztere sollen als Gehorsam gegen die Verheißungen gethan sein; er erfüllt, er hat ein Schema von alle dem, was der Messias zu thun und zu leiden hat, ein Programm ... Andererseits ist jedes “denn” im Munde Jesus unevangelisch ... Nutzen, Schlauheit, Lohn, Strafe ...

— Was abzuziehen bleibt: das reichliche Maaß Galle, was aus dem erregten Zustand der ersten Propaganda auf den Typus ihres Meisters übergeflossen ist ... sie machte ihn nach ihrem Bilde, sie rechtfertigte sich, indem sie sich einen richtenden, hadernden, zürnenden, hassenden Propheten aus ihm zurecht machte ... sie brauchte ein solches “Vorbild”—: insgleichen den Glauben an die “Wiederkunft,” an das “Gericht” (—das ist jüdisch, s. Apocalypse)

Der psychologische Aberwitz und Widerspruch in der Attitüde Jesus wider die Cleriker und Theologen der jüdischen Kirche ...

Insgleichen in dem richterlichen Gebahren in Hinsicht auf die, welche ihn nicht annehmen ...

Insgleichen in der typischen Geschichte vom Feigenbaum —

Das psychologische Problem in Hinsicht auf den Lehrer einer solchen Lehre ist exakt: “wie verhält er sich zu anderen Lehren und Lehrern?”

Seine Lehre selbst ist nicht aus dem Gegensatz und Widerspruch gewachsen: ich zweifle, daß eine solche Natur um den Gegensatz und Widerspruch zu seiner Lehre wissen kann ... Es fehlt ihr absolut die freie Imagination des Anders-Werthen- und -Wollen-könnens ... sie kann das gegentheilige Urtheilen sich nicht vorstellen ... Wo sie es trifft, wird sie mit dem innerlichsten Mitgefühl nur über eine “Blindheit” trauern, aber nicht dagegen sprechen ...

Es fehlt die Dialektik, es fehlt der Glaube an irgend eine Beweisbarkeit der Lehre, außer der durch “innerliche Wirkungen” (“Früchte,” “Beweis der Kraft”

ein solcher Lehrer kann nicht widersprechen ... er versteht gar nicht, wie man den Irrthum bekämpfen dürfe ... er vertheidigt sich nicht, er greift nicht an ...

Dagegen ist das Erklären, Fortsetzen, Subtilisiren, Transfiguriren des Alten seine Sache ... das Abkürzen ...

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eine nihilistische Religion, einem greisenhaft-zähen, alle starken Instinkte überlebt habenden Volke entsprungen und gemäß—Schritt für Schritt in andre milieu’s übertragen, endlich in die jungen, noch gar nicht gelebt habenden Völker eintretend —

sehr seltsam! eine Schluß- Hirten- Abend-Glückseligkeit Barbaren, Germanen gepredigt! Wie mußte das alles erst germanisirt, barbarisirt werden! solchen, die ein Walhall geträumt hatten ...—: die alles Glück im Kriege fanden!—eine übernationale Religion in ein Chaos hinein gepredigt, wo noch nicht einmal Nationen da waren —

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| : diese nihilistische Religion sucht sich die Decadence-Elemente und Verwandtes im Alterthum zusammen, nämlich:

a)die Partei der Schwachen und Mißrathenen ... (den Ausschuß der antiken Welt: das, was sie am kräftigsten von sich stieß ...
b)die Partei der Vermoralisirten und Antiheidnischen ...
c)die Partei der Politisch-Ermüdeten und Indifferenten (blasirte Römer ...) der Entnationalisirten, denen eine Leere geblieben war
d)die Partei derer, die sich satt haben,—die gern an einer unterirdischen Verschwörung mit arbeiten—

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das Christenthum war im Alterthum die große nihilistische Bewegung, die damit endete, daß sie siegte: und nun mehr regierte sie ...

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Die beiden großen nihilistischen Bewegungen: a) der Buddhism b) das Christenthum: letzteres hat erst jetzt ungefähr Cultur-Zustände erreicht, in denen es seine ursprüngliche Bestimmung erfüllen kann—ein Niveau, zu dem es gehört .. in dem es sich rein zeigen kann ...

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Unser Vorrang: wir leben im Zeitalter der Vergleichung, wir können nachrechnen, wie nie nachgerechnet worden ist: wir sind das Selbstbewußtsein der Historie überhaupt ...

Wir genießen anders, wir leiden anders: die Vergleichung eines unerhört Vielfachen ist unsere instinktivste Thätigkeit ...

Wir verstehen Alles, wir leben Alles, wir haben kein feindseliges Gefühl mehr zurück ... Ob wir selbst dabei schlecht wegkommen, unsere entgegenkommende und beinahe liebevolle Neugierde geht ungescheut auf die gefährlichsten Dinge los ...

“Alles ist gut”—es kostet uns Mühe, zu verneinen ...

Wir leiden, wenn wir einmal so unintelligent werden, Partei gegen etwas zu nehmen ...

Im Grunde erfüllen wir Gelehrten heute am besten die Lehre Christi — —

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Zur Kritik der griechischen Philosophie

Das Erscheinen der griechischen Philosoph von Socrates an ist ein Symptom der décadence; die antihellenischen Instinkte kommen oben auf ...

Noch ganz hellenisch ist der “Sophist” — eingerechnet Anaxagoras, Demokrit, die großen Jonier —

Aber als übergangsform: die Polis verliert ihren Glauben an ihre Egkeit der Cultur, an ihr Herren-Recht über jede andere Polis ...

man tauscht die Cultur d.h. “die Götter” aus,—man verliert dabei den Glauben an das Allein-Vorrecht des deus autochthonus ...

das Gut und Böse verschiedener Abkunft mischt sich: die Grenze zwischen Gut und Böse verwischt sich ...

Das ist der “Sophist” —



Der “Philosoph” dagegen ist die Reaktion: er will die alte Tugend ...

— er sieht die Gründe im Verfall der Institutionen, er will alte Institutionen—

— er sieht den Verfall im Verfall der Autorität: er sucht nach neuen Autoritäten (Reisen ins Ausland, in fremde Litteraturen, in exotische Religionen ...)

— er will die ideale Polis, nachdem der Begriff “Polis” sich überlebt hatte (ungefähr wie die Juden sich als “Volk” festhielten, nachdem sie in Knechtschaft gefallen waren)

: sie interessiren sich für alle Tyrannen: sie wollen die Tugend mit force majeure wiederherstellen —

— allmählich wird alles Ächthellenische verantwortlich gemacht für den Verfall (und Plato ist genau so undankbar gegen Homer, Tragödie, Rhetorik, Pericles, wie die Propheten gegen David und Saul)

der Niedergang von Griechenland wird als Einwand gegen die Grundlagen der hellenischen Cultur verstanden: Grundirrthum der Philosophen

Schluß: die griechische Welt geht zu Grunde. Ursache: Homer, der Mythos, die antike Sittlichkeit usw.

Die antihellenische Entwicklung des Philosophen-Werthurtheils:

: das Aegyptische (“Leben nach dem Tode” als Gericht ...)
: das Semitische (die “Würde des Weisen,” der “Sheikh” —
: die Pythagoreer, die unterirdischen Culte, das Schweigen, die Jenseits-Furchtmittel; die Mathematik: religiöse Schätzung, eine Art Verkehr mit dem kosmischen All
: das Priesterliche, Asketische, Transscendente —
: die Dialektik,—ich denke, es ist eine abscheuliche und pedantische Begriffsklauberei schon in Plato?
Niedergang des guten geistigen Geschmacks: man empfindet das Häßliche und Klappernde aller direkten Dialektik bereits nicht mehr.

Neben einander gehen die beiden décadence-Bewegungen und Extreme:

a) die üppige, liebenswürdig-boshafte, prunk- und kunstliebende décadence,
b) und die Verdüsterung des religiös-moralischen Pathos, die stoische Selbst-Verhärtung, die platonische Sinnen-Verleumdung, die Vorbereitung des Bodens für das Christenthum ...

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NB unsere heiligsten überzeugungen, unser unwandelbares in Hinsicht der obersten Werthe sind Urtheile unserer Muskeln.

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Aus J. Wellhausen

Gerechtigkeit als sociales Erforderniß:

“die Gerechtigkeit der Bergpredigt kann erst an die Reihe kommen, wenn die bürgerliche Rechtsordnung selbstverständlich ist” ...

die Juden haben mit dem Hochmuth einer geistlichen Aristokratie als Fundament, auf dem ihr künstliches Gebilde von Theokratie erst möglich war, den Staat verachtet ... Ohne den Staat kann keine “Kirche” bestehen ... Die Fremdherrschaft hält das Pathos der Distanz aufrecht.

die Stufen der Entnatürlichung:

: durch die Aufrichtung des Königthums gab es erst eine Nation, eine Einheit, ein Gesammt-Selbstbewußtsein: aber damit war der “Gott der Wüste” und ebenso der (Kanaaniten-) übernommene Naturgott des Ackerbaus und der Viehzucht (Baal-Dionysus) Der Festcultus blieb zwar noch lange halb-heidnisch; aber bezog sich immer mehr auf die Schicksale der Nation und streifte seinen Naturcharakter ab. Javeh zu Volk und Reich in nothwendiger Beziehung: dieser Glaube stand auch den schlimmsten Götzendienern fest: von Niemandem anderen kam Sieg und Heil. Der bürgerliche Staat war das Wunder, war “die Hülfe Gottes”: “die obrigkeitliche Vorsehung” blieb ihnen ein Ideal (—offenbar weil sie ihnen fehlte ...)

Als das Reich in Spaltung und Gefahr geräth, als man in einer Anarchie und äußeren Zertrümmerung fortlebt, in Furcht vor dem Assyrer, träumt man um so stärker die Wiederkehr des vollkommenen königlichen Regiments, des nationalen Staates in aller Unabhängigkeit: diese Art Phantasie ist die prophetische. Jesaia ist höchster Typus mit seinen sogenannten messianischen Weissagungen—Propheten waren Kritiker und Satyriker, Anarchisten; im Grunde hatten sie nichts zu sagen, die Leitung war in anderen Händen; sie wollen die Wiederaufrichtung des bürgerlichen Staates; sie wünschen durchaus kein “goldenes Zeitalter,” sondern ein straffes und strenges Regiment, einen Fürsten mit militärischen und religiösen Instinkten, der das Vertrauen in Jahve wieder aufrichtet. Das ist der “Messias”: jeder moderne Souverän hätte der Sehnsucht der Propheten genug gethan, vielleicht zu sehr selbst: wie man fürchten muß ...

Aber es erfüllte sich Nichts. Man hatte die Wahl, seinen alten Gott aufzugeben oder aus ihm etwas Anderes zu machen. Letzteres thaten z.B. Elias und Amos: sie zerschnitten das Band, genauer die Einheit von Volk und Gott; sie trennten nicht nur, sondern sie hoben die eine Seite hoch empor und drückten die andere herab: sie concipirten ein neues Verhältniß zwischen beiden Theilen, ein Versöhnungsverhältniß. Jahve war bisher der Gott Israels und folglich Gott der Gerechtigkeit: jetzt wurde er zuerst und -oberst der Gott der Gerechtigkeit und, abseits davon erst, der Gott Israels. Die Thora Jahves, ursprünglich wie all sein Thun ein Helfen, ein Rechtschaffen, Wegweisen, Lösen verwickelter Probleme wurde Inbegriff seiner Forderungen, von denen seine Beziehung zu Israel abhieng.

Ein Gesetz wurde dadurch rechtskräftig, daß die, denen es galt, sich verpflichteten, es zu halten. “Vertrag” für Gesetz. Ursprünglich hatten die verschiedenen Vertreter des Volkes sich verpflichtet zur Haltung des “Gesetzes,” jetzt sollen Jahve und Israel die Contrahenten sein ... Seit dem feierlichen Akt, durch den Josia das Gesetz einführte, trat die Idee der Bundschließung zwischen Jahve und Israel in die Mitte der religiösen Reflexion. Das babylonische wie das assyrische Exil hat beigetragen, daß man sich mit der Idee der Bedingtheit, der eventuellen Lösung vertraut machte.

Der Untergang des Reichs gab den schwärmerischen Phantasien freien Lauf: das Gegensatz-Gefühl gegen den ganzen Rest breitet sich aus: seit dem Exil wird von einer allgemeinen Vereinigung aller Völker gegen das “neue Jerusalem” phantasirt. Früher war der nationale Staat der höchste Wunsch, jetzt wird von einer universalen Weltherrschaft geträumt, welche über den Trümmern der heidnischen Reiche sich in Jerusalem erheben sollte.

Die Gefahr war, daß die jüdischen Exulanten, wie vorher die samarischen, von den Heiden absorbirt würden. Man organisirt nun den heiligen Rest, damit er übrig bleibt, als Träger der Verheißung und die Stürme der Zwischenzeit überdauert ...

Gleichberechtigung der contrahirenden Theile nicht wesentlich: das Wort berith auch von der Capitulation, deren Bedingungen der stärkere auflegt —

Fortsetzung: Wellhausen.

Worauf hin konnte man organisiren? Die Wiedererrichtung eines wirklichen Staates war unmöglich; die Fremdherrschaft ließ eine solche nicht zu. Da zeigte sich die Wichtigkeit der Institutionen.

Das alte Gemeinwesen der Königszeit stand bei den Männern der Restauration in schlimmem Rufe: ersichtlich war es durch Jahve verworfen ... Man erinnerte sich an die Propheten, welche sagten, Festungen, Rosse, Kriegsleute, Könige, Fürsten—das hilft Alles nichts ...

Der jüdische Reichstempel in Jerusalem—unter dem Schatten des Königthums waren die Priester von Jerusalem groß geworden. Je schwächer der Staat, je höher das Ansehen des Tempels, desto selbstständiger die Macht der Priesterschaft. Aufschwung des Cultus im siebenten Jahrhundert, Einführung kostspieligen Materials z.B. Weihrauchs, Bevorzugung der schweren Leistungen (Kinder- und Sühnopfer) Blutiger Ernst in der Ausübung des Gottesdienstes

Als das Reich zusammenbrach, waren im Stand der Priester die Elemente vorhanden zur Organisirung der “Gemeinde.” Die Bräuche und Ordnungen waren in der Hauptsache da: sie wurden systematisirt, als Mittel zur Herstellung einer Organisation des Restes ...

Die “heilige Verfassung des Judenthums”: das Kunstprodukt ... Israel darauf reduzirt, ein “Reich von Priestern und ein heiliges Volk zu sein.” Früher hatte die natürliche Ordnung der Gesellschaft ihren Halt im Gottesglauben; jetzt sollte der Gottesstaat sichtbar dargestellt werden in einer künstlichen Sphäre, jedenfalls im gewöhnlichen Volksleben. Die Idee, die früher die Natur durchdrang, sollte jetzt einen eigenen heiligen Körper haben. Ein äußerlicher Gegensatz von Heilig und Profan entstand, man gränzte ab, man drängte das Naturgebiet immer weiter zurück ... (Ressentiment thätig—) Die Heiligkeit, leer, antithetisch, wird der regierende Begriff: ursprünglich = göttlich, jetzt gleich priesterlich, geistlich,—als sei das Göttliche dem Weltlichen, Natürlichen durch äußere Merkmale entgegengesetzt

Hierocratie ... unter ungünstigen Bedingungen mit ewig staunenswürdiger Energie durchgesetztes Kunstprodukt, unpolitisch: die mosaische Theokratie, das residuum eines untergegangenen Staates—sie hat die Fremdherrschaft zur Voraussetzung. Nächstverwandt mit der altkatholischen Kirche, in der That deren Mutter ...

Worin der Rückschritt lag. Jahves Gesetz bedeutete die jüdische Eigenthümlichkeit im Gegensatz zu den Heiden. Diese lag in Wahrheit nicht im Cultus: man kann zwischen griechischen und hebräischen Riten keine wesentliche Differenz ausfindig machen. Der Cultus ist das Heidnische in der Religion Israels: im Priestercodex wird er die Hauptsache. Ist das nicht ein Rückschritt ins Heidenthum?—es ist das, was die Propheten am Gründlichsten bekämpft haben.— Ebenfalls: der Cultus ist durch die Priestergesetzgebung seinem eignen Wesen entfremdet und in sich überwunden. Die Feste haben alle Erinnerung an Ernte und Viehzucht verloren, sie sind zu historischen Erinnerungstagen geworden; sie verleugnen ihre Herkunft aus der Natur, sie feiern die Stiftung einer übernatürlichen Religion und der Gnadenthaten Jahve’s. Das allgemein Menschliche, das Freiwüchsige geht davon, sie werden statutarisch und spezifisch israelitisch ... Sie ziehen nicht mehr die Gottheit ins irdische Leben, daß sie an dessen Freud und Leid theilnehme, sie sind keine Versuche mehr, ihr etwas zu Gute zu thun und sie gnädig zu stimmen. Nichts als göttliche Gnadenmittel, die Jahve, als Sakramente der Hierarchie, eingesetzt hat. Sie gründen sich nicht auf den inneren Werth der Sache, auf frische Anlässe, sondern auf den peinlich-genauen Befehl eines unmotivirten Willens. Das Band zwischen Cult und Sinnlichkeit zerschnitten. Der Cult eine übung der Gottseligkeit; keine natürliche sondern nur eine transscendente, unvergleichliche und unangebbare Bedeutung. Seine Hauptwirkung die Sühne. Seit dem Exil ist das Sündenbewußtsein permanent; Israel von Gottes Angesicht verworfen ...

Das Werthvolle in den Darbringungen nicht in ihnen selbst, sondern im Gehorsam gegen Vorschriften; das Schwergewicht des Cultus in ein ihm fremdes Reich, die Moral verlegt. Opfer und Gaben treten zurück hinter asketischen Leistungen, die mit der Moral in noch einfacherer Verbindung stehen. Vorschriften, die ursprünglich größtentheils die Heiligung der Priester zu gottesdienstlichen Funktionen im Auge hatten, wurden auf die Laien ausgedehnt; die Beobachtung der Gebote der leiblichen Reinigkeit war von größerer durchgreifender Bedeutung als der große öffentliche Cultus und führte auf geradem Wege zum Ideal der Heiligkeit und des allgemeinen Priesterthums. Das ganze Leben ward in eine heilige Bahn eingeengt, indem stets ein göttliches Gebot zu erfüllen war. das hielt ab, den eigenen Gedanken und Herzenswünschen nachzuschweifen. Dieser kleine, fortwährend in Anspruch nehmende Privatcultus hielt das Gefühl der Sünde im Einzelnen wach und rege.

Der große Patholog des Judenthums hat Recht: der Cultus ist zum Zuchtmittel geworden. Dem Herzen ist er fremd: er wurzelt nicht mehr im naiven Sinn: er ist todtes Werk, trotz aller Wichtigkeit, oder gerade wegen der Peinlichkeit und Gewissenhaftigkeit. Die alten Bräuche sind zu einem System zusammengeflickt, zu einem System, das als Form, als harte Schale diente, um Edleres darin zu retten. Das Heidenthum auf seinem eigenen Gebiete, im Cult überwunden: der Cultus ist, nachdem die Natur darin ertödtet war, bloß der Panzer eines übernatürlichen MonotheismusSchluss

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Meine Theorie vom Typus Jesu.

Der Typus des “Erlösers” verdorben, ja zerstört ...

Ursachen: das geistige Niveau, in dem sich fortwährend Alles vergröbert, verstellt, verschiebt, die absolute Blindheit gegen sich selbst (—hier ist noch nicht einmal der Anfang der Selbsterkenntniß gemacht—), die ungeheure Unbedenklichkeit aller Sektirer, sich ihres Meisters wie ihrer Apologie zu bedienen ... der Verbrecher-Tod Christi als Räthsel ...

Es wird im Typus rückständig sein: die Crudität des Geistes: man wandelt nicht ungestraft unter Fischern

: die falsche Generalisirung zum Allerwelts-Typus des Wundermanns, Propheten, Messias —

: die nachträgliche Geschichte und Psychologie der jungen Gemeinde, welche ihre stärksten Affekte in das Bild ihres Meisters eintrug —

: die kranke ausschweifende Gefühlsamkeit und Verwöhnung statt aller Vernunft: so daß die Instinkte sofort wieder Herr werden—es ist nicht die kleinste Spur von Geistigkeit, von Zucht und Strenge im Geistigen, von Gewissenhaftigkeit.

Wie Schade, daß nicht ein Dostoiewsky unter dieser Gesellschaft war: in der That gehört die ganze Geschichte am besten in einen russischen RomanKrankhaftes, Rührendes, einzelne Züge sublimer Fremdheit, mitten unter Wüstem und Schmutzig-Pöbelhaftem .. (wie Maria von Magdala

Erst der Tod, der unerwartete schmähliche Tod, erst das Kreuz, das im Allgemeinen der Canaille aufgespart blieb,—erst diese schauerlichste Paradoxie brachte die Jünger vor das eigentliche Räthsel: “wer war das?,” “was war das?

Das erschütterte und im Tiefsten beleidigte Gefühl, der Argwohn, es möchte ein solcher Tod die Widerlegung einer Sache sein, das schreckliche Fragezeichen “warum so?”—denn hier mußte Alles nothwendig sein, Sinn, Vernunft, höchste Vernunft haben—: die Liebe eines Jüngers kennt keinen Zufall:

erst jetzt trat die Kluft auseinander: “wer hat ihn getödtet?” “wer war der natürliche Feind?” Antwort: das herrschende Judenthum, sein erster Stand

— Man empfand sich selbst im Aufruhr gegen dieOrdnung

— man verstand hinterdrein Jesus als im Aufruhr gegen die Ordnung

Bis dahin fehlte dieser kriegerische Zug in Jesus: mehr noch, er war unmöglich bei seiner Denkart. Praktisch war auch sein Verhalten bei der Verurtheilung und dem Tod wohl das ganze Gegen: er widersteht nicht, er vertheidigt sich nicht, er bittet für sie. Die Worte an den Schächer am Kreuz heißen nichts anders: wenn du fühlst, daß das das Rechte ist, nicht-sich-wehren, nicht zürnen, nicht verantwortlich-machen, vielmehr leiden, mitleiden, vergeben, beten für die, welche uns verfolgen und tödten: nun, so hast du das Eine, was noth thut, den Frieden der Seele—so bist du im Paradiese

Offenbar verstand man gerade die Hauptsache nicht: das Vorbild von dieser Freiheit von allem Ressentiment:

wieder hat ja der Tod Christi keinen Sinn als das stärkste Vorbild und die stärkste Erprobung seiner Lehre zu sein ...

Seine Jünger waren alle fern davon, diesen Tod zu verzeihen: das am meisten unevangelische Gefühl, die Rache kam obenauf ...

Unmöglich konnte die Sache zu Ende sein: man brauchte eine “Vergeltung,” ein “Gericht” (—und nichts ist weniger evangelisch als Lohn und Strafe!)

Jetzt erst kamen die populären Erwartungen eines Messias wieder in den Vordergrund: einen historischen Augenblick erwartend, wo “der Richter” zu Gericht kommt über seine Feinde ...

: jetzt erst mißverstand man das Kommen des “Reichs Gottes” wie als Prophezeiung über einen Schlußakt der Geschichte

: jetzt erst trug man die ganze Verachtung und Bitterkeit gegen die Pharisäer und Theologen hinein in den Typus des Meisters

: man verstand nicht die Hauptsache: daß eben ein solcher Tod selbst der höchste Sieg über die “Welt” war (über die Gefühle von Feindschaft, Rache usw.)—über das Böse, über den Bösen, dies immer nur als innerliche psychologische Realität verstanden

: die Verehrung dieser ganz aus dem Gleichgewicht gerathenen Seelen hielt es nicht aus, jene gültige Gleichberechtigung von Jedermann zum “Sohn Gottes,” wie sie Jesus gelehrt hatte, zu glauben: ihre Rache war, auf eine ausschweifende Manier Jesus emporzuheben (—ganz so wie die Juden die Rolle von Israel in die Höhe gehoben hatten, wie als ob der ganze Rest Welt sein Feind sei. Ursprung der absurden Theologie von Einem Gott und seinem Einen Sohn —

Problem “wie konnte Gott das zulassen?” Darauf fand man die absurde Antwort “er gab seinen Sohn zur Vergebung der Sünden, als Opfer.” Wie war Alles mißverstanden!!! Nichts ist unevangelischer als das Schuldopfer und gar das des Unschuldigen für die Sünden des Schuldigen;

: aber Jesus hatte ja die Sünde abgeschafft!—nicht durch den “Glauben,” sondern durch das Gefühl der Göttlichkeit, Gottgleichheit.

Es tritt in den Typus hinein:

a) die Lehre vom Gericht und von der Wiederkunft
b) die Lehre vom Tode als Opfer
c) die Lehre von der Auferstehung: wodurch die ganze “Seligkeit,” der ganze Sinn des Evangeliums auf einmal eskamotirt wird zu Gunsten eines Zustandes—“nach dem Tode” ...

Paulus, mit rabbinischer Frechheit diese Auffassung logisirend: “wenn Christus nicht auferstanden ist von den Todten, so ist unser Glaube eitel”

: zuletzt gar noch die “Unsterblichkeit der Person”

Und so hatte man in der zweiten Generation nach Jesus bereits alles das als christlich, was am tiefsten den evangelischen Instinkten zuwider ging

das Opfer, sogar das Blutopfer, als Erstlingsopfer

Strafe, Lohn, Gericht ...

ein Auseinanderhalten von Diesseits und Jenseits, von Zeit und Ewigkeit

eine Theologie statt einer Praxis, ein “Glaube” statt einer Lebensweise

eine tiefe und tödtliche Feindseligkeit gegen alles Nichtchristliche

die ganze Nothlage des Missionars hat sich in die Lehre Jesus hineingetragen: alle die harten und bösen Dinge, gegen die, welche seine Missionare nicht annehmen, sollen jetzt vom Meister schon proklamirt sein

nachdem einmal in der Hauptsache Gericht, Strafe, Lohn wieder acceptirt waren, wurde die ganze Lehre und Sprüchwortweisheit Jesus damit durchtränkt ...

11 [379]

Der Nihilist.

Das Evangelium: die Nachricht, daß den Niedrigen und Armen ein Zugang zum Glück offen steht,—daß man nichts zu thun hat als sich von der Institution, der Tradition, der Bevormundung der oberen Stände loszumachen: insofern ist die Heraufkunft des Christenthums nichts weiter als die typische Socialisten-Lehre.

Eigenthum, Erwerb, Vaterland, Stand und Rang, Tribunale, Polizei, Staat, Kirche, Unterricht, Kunst, Militärwesen: Alles ebenso viele Verhinderungen des Glücks, Irrthümer, Verstrickungen, Teufelswerke, denen das Evangelium das Gericht ankündigt ... Alles typisch für die Socialistenlehre.

Im Hintergrunde der Aufruhr, die Explosion eines aufgestauten Widerwillens gegen die “Herren,” der Instinkt dafür, wie viel Glück nach so langem Drucke schon im Frei-sich-fühlen liegen könnte ...

Meistens ein Symptom davon, daß die unteren Schichten zu menschenfreundlich behandelt worden sind, daß sie ein ihnen verbotenes Glück bereits auf der Zunge schmecken ... Nicht der Hunger erzeugt Revolutionen, sondern daß das Volk en mangeant Appetit bekommen hat ...

11 [380]

Die angebliche Jugend

Man betrügt sich, wenn man hier von einem naiven und jungen Volks-Dasein träumt, das sich gegen eine alte Cultur abhebt; es geht der Aberglaube, als ob in diesen Schichten des niedersten Volkes, wo das Christenthum wuchs und Wurzeln schlug, die tiefere Quelle des Lebens wieder emporgesprudelt sei: man versteht nichts von der Psychologie der Christlichkeit, wenn man sie als Ausdruck einer neu heraufkommenden Volks-Jugend und Rassen-Verstärkung nimmt. Vielmehr: es ist eine typische décadence-Form; die Moral-Verzärtlichung und Hysterie einer müde und ziellos gewordenen, krankhaften Mischmasch-Bevölkerung. Diese wunderliche Gesellschaft, welche hier um diesen Meister der Volks-Verführung sich zusammenfindet, gehört eigentlich sammt und sonders in einen russischen Roman: alle Nervenkrankheiten geben sich bei ihnen ein Rendez-vous ... die Abwesenheit von Aufgaben, der Instinkt, daß Alles eigentlich am Ende sei, daß sich Nichts mehr lohne, die Zufriedenheit in einem dolce far niente

: die Macht und Zukunfts-Gewißheit des jüdischen Instinkts, das Ungeheure seines zähen Willens zu Dasein und Macht liegt in seiner herrschenden Classe; die Schichten, welche das junge Christenthum emporhebt, sind durch Nichts schärfer gezeichnet als durch die Instinkt-Ermüdung. Man hat es satt: das ist das Eine—und man ist zufrieden, bei sich, in sich, für sich—das ist das Andre.

11 [381]

Unfähigkeit, pol Ideale anders als mit religiösen Formeln auszudrücken

11 [382]

Renan.

Im Orient ist der Narr ein priviligirtes Wesen; er tritt ein vor die höchsten Räthe, ohne daß Jemand ihn aufzuhalten wagt; man hört ihn, man befragt ihn. Das ist ein Wesen, das man Gott näher glaubt, weil man, da seine individuelle Vernunft erloschen ist, voraussetzt, daß er theil hat an der göttlichen. Der esprit, der durch einen feinen Spott jeden Fehler des raisonnements heraushebt, fehlt in Asien.

Man hat weniger Werth auf diese Schriften gelegt als auf die mündliche Tradition: und das noch in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts. Daher das Wenige von Autorität dieser Schriften: man machte sie sich zurecht, ergänzte sie, die Einen aus den Anderen —

Im Johannes-Evangelium fehlen die Parabeln, die Exorcismen ...

11 [383]

Ego:

“Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mich nicht gespeiset—geht hin von mir, ihr Verfluchten usw.” Matth. 25, 41 usw.

diese empörende Sprache “was ihr nicht gethan habt einem unter diesen Geringsten meiner Brüder, das habt ihr mir auch nicht gethan”

“der Geist der Propaganda,” der sich als Geist Christi präsentirt ... “der Geist der unbefriedigten Rachsucht,” der in Worten, Flüchen und Voraussagungen von Gerichtsscenen austobt ...

“der Geist des Asketismus” (“das Halten der Gebote” als Mittel der Zucht, als Weg zur jenseitigen Belohnung, wie im Judenthum) statt jenes christlichen Indifferentism, der alle diese Güter von sich weist, aus “Seligkeit” ... die Essener, Johannes usw.

“der Geist des Sündengefühls und der Nothwendigkeit der Erlösung”



Mit dem Tode Christi und der psychologischen Nöthigung, hierin keinen Schluß zu sehen, waren sämmtliche Populär-Tendenzen wieder hergestellt: alle die Cruditäten, welche in Geist umzuwandeln die Arbeit jenes typischen Spiritualisten war —

: der Messianismus, das Kommen vom “Reiche Gottes,” der Geist der Feindschaft und Rachsucht, die Erwartung des “Lohns” und der “Strafe,” der Hochmuth der “Auserwählten” (sie richten, fluchen, verurtheilen, die Opfer-Idee des Judenthums .. die socialistische Tendenz zu Gunsten der Armen, der “Unehrlichen,” der Verachteten)



Jesus, der als Erfüllung aller populären Erwartungen lebte, der nichts anderes that als sagen: “hier ist das Himmelreich,” der die Crudität dieser Erwartungen in Geist verwandelte:

— aber mit dem Tode war Alles vergessen (auf deutsch: widerlegt) man hatte keine Wahl, entweder den Typus zurückübersetzen in die Populär-Vorstellung des “Messias,” des zukünftigen “Richters,” des Propheten im Kampfe



Als Nachwirkung dieses Schlags, dem diese ungewisse und schwärmerische Bande nicht gewachsen war, trat sofort die vollkommene Entartung ein: es war Alles umsonst gewesen ...

eine absurde Vergröberung aller geistlichen Werthe und Formeln

die anarchistischen Instinkte gegen die herrschende Classe treten unverschämt in den Vordergrund.

: der Haß gegen die Reichen, die Mächtigen, die Gelehrten—mit dem “Himmelreich,” mit dem “Frieden auf Erden” war es zu Ende: aus einer psychologischen Realität wird ein Glaube, eine Erwartung an eine irgendwann kommende Realität, “eine Wiederkunft”: ein Leben in der Imagination ist die ewige Form der “Erlösung”—oh wie anders hatte das Jesus verstanden!

11 [384]

Die erste Entartung des Christenthums ist der Einschlag des Judain,—eine Rückbildung in überwundene Formen ...

11 [385]

“Mein Reich ist nicht von dieser Welt”

“ich werde den Tempel Gottes zerstören und in drei Tagen wieder auferbauen”

die Prozedur gegen den “Verführer” (mesith), der die Religion in Frage stellt: die Steinigung war im Gesetz vorgesehen

— jeden Propheten, jeden Wunderthäter, der das Volk vom alten Glauben entfernte —

ce grand maître en ironie

Renan findet es billig, daß er diesen Triumph mit dem Leben zahlte.

11 [386]

“er ist nur disputeur, wenn er gegen die Pharisäer argumentirt: der Gegner zwingt ihn, wie das fast immer geschieht, seinen eigenen Ton anzunehmen” —

11 [387]

Renan I, 346

Ses exquises moqueries, ses malignes provocations frappaient toujours au coeur. Stigmates éternelles, elles sont restées figées dans la plaie. Cette tunique de Nessus du ridicule, que le juif, fils des pharisiens, traîne en lambeaux après lui depuis dixhuitsiècles, c’est Jésus, qui l’a tissée avec un artifice divin. Chefs-d’oeuvre de haute raillerie, ses traits se sont inscrits en lignes de feu sur la chair de l’hypocrite et du faux dévot. Traits incomparables, traits dignes d’un fils de Dieu! Un dieu seul sait tuer de la sorte. Socrate et Molière ne font qu’effleurer la peau. Celui-ci porte jusqu’au fond des os le feu et la rage.

Und das ist dasselbe, das von sich Isaias 42, 2-3 sagen konnte!!

11 [388]

Er hatte nie einen Begriff von “Person,” “Individuum”: man ist eins, wenn man sich liebt, wenn man nur vom andern lebt. Seine Schüler und er waren Eins.

11 [389]

Daß er Gott sei, gottgleich sei, war als Verleumdung der Juden dargestellt (vgl. Johannes V, 18; X, 33). Er ist weniger als der Vater: der Vater hat ihm nicht Alles offenbart. Er wehrt sich, gottgleich genannt zu werden. Er ist Gottes Sohn: alle können es werden (—so ist es jüdisch: die göttliche Sohnschaft wird mehreren Personen im alten Testament zugetheilt, von denen man durchaus nicht prätendirt, daß sie gottgleich sind) “Sohn” in den semitischen Sprachen ist ein äußerst vager, freier Begriff

11 [390]

Die große umbrische Bewegung des XIII. Jahrhunderts, am verwandtesten mit der des Galiläers, geschah im Namen der Armut:

Franz von Assisi: exquise bonté, sa communion délicate fine et tendre avec la vie universelle

11 [391]

in der rabbinischen Sprache dieser Zeit ist “Himmel” gleichbedeutend mit “Gott”: dessen Namen man vermied.

11 [392]

“Das Reich Gottes ist unter uns” Luc. 17, 20.

11 [393]

“selig sind die Gottes Worte hören und thun.” Luc. 11, 27 etc.

11 [394]

es fehlt ganz und gar der Begriff “Natur,” “Naturgesetz”: alles geht moralisch zu, “Wunder” sind nichts “Widernatürliches” (weil es keine Natur giebt)

11 [395]

“Das Gesetz ist vernichtet: er ist es, der es vernichten wird”: Spaltung unter seinen ersten Schülern, von denen ein beträchtlicher Theil jüdisch blieb ... Der Prozeß gegen ihn läßt keinen Zweifel ...

11 [396]

“der Nächste” im jüdischen Sinn ist der Glaubensgenosse

11 [397]

es giebt gar keinen unevangelischeren Typus als den der Gelehrten der griechischen Kirche, die vom IV. Jahrhundert an das Christenthum auf den Weg einer absurden Metaphysik drängen; und insgleichen die Scholastiker des lateinischen Mittelalters.

11 [398]

Renan I, 461

... le sentiment que Jésus a introduit dans le monde est bien le nôtre. Son parfait idéalisme est la plus haute règle de la vie détachée et vertueuse. Il a créé le ciel des âmes pures, où se trouve ce qu’on demande en vain à la terre, la parfaite noblesse des enfants de Dieu, la sainteté accomplie, la totale abstraction des souillures du monde, la liberté enfin, que la société réelle exclut comme une impossibilité et qui n’a toute son amplitude que dans le domaine de la pensée. Le grand maître de ceux qui se réfugient dans ce paradis idéal est encore Jésus. Le premier, il a proclamé la royauté de l’esprit: le premier, il a dit, au moins par ses actes: “mon royaume n’est pas de ce monde.” La fondation de la vraie religion est bien son oeuvre ...

11 [399]

“Christenthum” ist synonym mit “Religion” geworden: alles was man außerhalb der großen und guten christlichen Tradition thut, wird unfruchtbar sein.

11 [400]

Unsere Civilisation, regiert durch eine minutieuse Polizei, giebt keinen Begriff davon, was der Mensch in Epochen thut, wo die Originalität eines Jeden freieren Spielraum hat.

Nos petites tracasseries préventives, bien plus meurtrières que les supplices pour les choses de l’esprit, n’existaient pas. Jesus konnte, drei Jahre lang ein Leben führen, welches ihn, in unseren Gesellschaften, zwanzig Mal vor das Tribunal gebracht hätte ...

Dégagées de nos conventions polies, exemptes de l’éducation uniforme, qui nous raffine, mais qui diminue si fort notre individualité, ces âmes entières portaient dans l’action une énergie surprenante ... Le souffle de Dieu était libre chez eux; chez nous, il est enchaîné par les liens de fer d’une société mesquine et condamnée à une irrémédiable médiocrité.

Plaçons donc au plus haut sommet de la grandeur humaine la personne de Jésus: fordert uns Herr Renan auf.

11 [401]

Die Medizin, die in einer gewissen moralischen délicatesse den Anfang d’étisie sieht ... (de phtisie?)

11 [402]

La philosophie ne suffit pas au grand nombre. Il lui faut la sainteté.— Eine artige Bosheit Renan’s.

11 [403]

Qui n’aimerait mieux être malade comme Pascal que bien portant comme le vulgaire? Renan.

11 [404]

Qu’on se figure Jésus, réduit à porter jusqu’à soixante ou soixante-dix ans le fardeau de sa divinité, perdant sa flamme céleste, s’usant peu à peu sous les nécessités d’un rôle inouï! Renan.



Voué sans réserve à son idée, il y a subordonné toute chose à un tel degré que l’univers n’exista plus pour lui. C’est par cet accès de volonté héroïque, qu’il a conquis le ciel. Il n’y a pas eu d’homme, Çakia-Mouni peut-être excepté, qui ait à ce point foulé aux pieds la famille, les joies de ce monde, tout soin temporel ... Pour nous, éternels enfants, condamnés à l’impuissance, inclinons-nous devant ces demi-dieux! Renan.

11 [405]

Renan, p. 187

Le mouvement démocratique le plus exalté, dont l’humanité ait gardé le souvenir, agitait depuis longtemps la race juive. La pensée que Dieu est le vengeur du pauvre et du faible contre le riche et le puissant se retrouve à chaque page des écrits de l’Ancien Tcstament. L’histoire d’Israël est de toutes les histoires celle où l’esprit populaire a le plus constamment dominé. Les prophètes, vrais tribuns et, on peut le dire, les plus hardis des tribuns, avaient tonné sans cesse contre les grands et établi une étroite relation entre les mots de “pauvre, doux, humble, pieux” et de l’autre entre les mots “riche, impie, violent, méchant.” Sous les Séleucides, les aristocrates ayant presque tous apostasié et passéà l’hellénisme, ces associations d’idées ne firent que se fortifier. Le livre d’Hénoch contiens des malédictions plus violentes encore que celles de l’Évangile contre le monde, les riches, les puissants. Le nom de “pauvre” (ébion) était devenu synonyme de “saint,” d’“ami de Dieu.”

11 [406]

Pierre Loti, Pêcheur d’Islande.

11 [407]

Der Staat oder die organisirte Unmoralität ...

inwendig: als Polizei, Strafrecht, Stände, Handel, Familie

auswendig: als Wille zur Macht, zum Kriege, zur Eroberung, zur Rache

wie wird es erreicht, daß eine große Menge Dinge thut, zu denen der Einzelne sich nie verstehen würde?

— durch Zertheilung der Verantwortlichkeit

— des Befehlens und der Ausführung

— durch Zwischenlegung der Tugenden des Gehorsams, der Pflicht, der Vaterlands- und Fürstenliebe

die Aufrechterhaltung des Stolzes, der Strenge, der Stärke, des Hasses, der Rache, kurz aller typischen Züge, welche dem Heerdentypus widersprechen ...

Die Kunstgriffe, um Handlungen, Maaßregeln, Affekte zu ermöglichen, welche, individuell gemessen, nicht mehr “statthaft” sind,—auch nicht mehr “schmackhaft” sind —

— die Kunst “macht sie uns schmackhaft,” die uns in solche “entfremdete” Welten eintreten läßt

— der Historiker zeigt ihre Art Recht und Vernunft; die Reisen; der Exotismus; die Psychologie; Strafrecht; Irrenhaus; Verbrecher; Sociologie

— die “Unpersönlichkeit”: so daß wir als Media eines Collektivwesens uns diese Affekte und Handlungen gestatten (Richtercollegien, Jury, Bürger, Soldat, Minister, Fürst, Societät, “Kritiker”) ... giebt uns das Gefühl als ob wir ein Opfer brächten ...

Die Aufrechterhaltung des Militär-Staates ist das allerletzte Mittel, die große Tradition sei es aufzunehmen, sei es festzuhalten hinsichtlich des obersten Typus Mensch, des starken Typus. Und alle Begriffe, die die Feindschaft und Rangdistanz der Staaten verewigen, dürfen darauf hin sanktionirt erscheinen ...

z.B. Nationalismus, Schutzzoll,



der starke Typus wird aufrechterhalten als wertbestimmend ...

11 [408]

Man soll das Christenthum nicht schmücken und herausputzen (wie es dieser zweideutige Herr Renan thut): es hat einen Todkrieg gegen den starken Typus Mensch gemacht

es hat alle Grundinstinkte dieses Typus in Bann gelegt

es hat aus diesen Instinkten das Böse, den Bösen herausfabrizirt

: der starke Mensch als der typisch verwerfliche und verworfene Mensch

es hat die Partei alles Schwachen, Niedrigen, Mißrathenen genommen

: es hat ein Ideal aus dem Widerspruch gegen die Erhaltungs-Instinkte des starken Lebens gemacht ...

: es hat die Vernunft selbst der geistigsten Menschen verdorben, indem es die obersten Instinkte der Geistigkeit als sündhaft, als irreführend, als Versuchungen empfinden lehrte ..

das jammervollste Beispiel—die Verderbniß Pascals, der an die Verderbniß seiner Vernunft durch die Erbsünde glaubt: während sie nur durch sein Christenthum ihm verdorben ist ...

11 [409]

Autoren, an denen heute noch Wohlgefallen zu haben, ein für alle Mal compromittirt: Rousseau, Schiller, George Sand, Michelet, Buckle, Carlyle, die imitatio

11 [410]

NB. Ich mißtraue allen Systematikern und gehe ihnen aus dem Wege. Der Wille zum System ist, für einen Denker wenigstens, etwas, das compromittirt, eine Form der Unmoralität ... Vielleicht erräth man bei einem Blick unter und hinter dies Buch, welchem Systematiker es selbst mit Mühe ausgewichen ist—mir selber ...

11 [411]

Vorrede.

1.

Große Dinge verlangen, daß man von ihnen schweigt oder groß redet: groß, das heißt cynisch und mit Unschuld.

2.

Was ich erzähle, ist die Geschichte der nächsten zwei Jahrhunderte. Ich beschreibe, was kommt, was nicht mehr anders kommen kann: die Heraufkunft des Nihilismus. Diese Geschichte kann jetzt schon erzählt werden: denn die Nothwendigkeit selbst ist hier am Werke. Diese Zukunft redet schon in hundert Zeichen, dieses Schicksal kündigt überall sich an; für diese Musik der Zukunft sind alle Ohren bereits gespitzt. Unsere ganze europäische Cultur bewegt sich seit langem schon mit einer Tortur der Spannung, die von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wächst, wie auf eine Katastrophe los: unruhig, gewaltsam, überstürzt: wie ein Strom, der ans Ende will, der sich nicht mehr besinnt, der Furcht davor hat, sich zu besinnen.

3.

— Der hier das Wort nimmt, hat umgekehrt Nichts bisher gethan als sich zu besinnen: als ein Philosoph und Einsiedler aus Instinkt, der seinen Vortheil im Abseits, im Außerhalb, in der Geduld, in der Verzögerung, in der Zurückgebliebenheit fand; als ein Wage- und—Versucher-Geist, der sich schon in jedes Labyrinth der Zukunft einmal verirrt hat; als ein Wahrsagevogel-Geist, der zurückblickt, wenn er erzählt, was kommen wird; als der erste vollkommene Nihilist Europas, der aber den Nihilismus selbst schon in sich zu Ende gelebt hat,—der ihn hinter sich, unter sich, außer sich hat ...

4.

Denn man vergreife sich nicht über den Sinn des Titels, mit dem dies Zukunfts-Evangelium benannt sein will. “Der Wille zur Macht. Versuch einer Umwerthung aller Werthe”—mit dieser Formel ist eine Gegenbewegung zum Ausdruck gebracht, in Absicht auf Princip und Aufgabe: eine Bewegung, welche in irgend einer Zukunft jenen vollkommenen Nihilismus ablösen wird; welche ihn aber voraussetzt, logisch und psychologisch, welche schlechterdings nur auf ihn und aus ihm kommen kann. Denn warum ist die Heraufkunft des Nihilismus nunmehr nothwendig? Weil unsere bisherigen Werthe selbst es sind, die in ihm ihre letzte Folgerung ziehn; weil der Nihilism die zu Ende gedachte Logik unserer großen Werthe und Ideale ist,—weil wir den Nihilismus erst erleben müssen, um dahinter zu kommen, was eigentlich der Werth dieser “Werthe” war ... Wir haben, irgendwann, neue Werthe nöthig ...

11 [412]

Bücher lesen, welche von Vielen geschrieben sein könnten: sie verrathen am deutlichsten die intellektuellen Gewohnheiten des Gelehrten-Typus einer Zeit, sie sind “unpersönlich.”

11 [413]

Der Übermensch

: es ist nicht meine Frage, was den Menschen ablöst: sondern welche Art Mensch als höherwerthige gewählt, gewollt, gezüchtet werden soll ...

Die Menschheit stellt nicht eine Entwicklung zum Besseren; oder Stärkeren; oder Höheren dar; in dem Sinne, in dem es heute geglaubt wird: der Europäer des 19. Jahrhunderts ist, in seinem Werthe, bei weitem unter dem Europäer der Renaissance; Fortentwicklung ist schlechterdings nicht mit irgend welcher Nothwendigkeit Erhöhung, Steigerung, Verstärkung ...

in einem andrem Sinne giebt es ein fortwährendes Gelingen einzelner Fälle an den verschiedensten Stellen der Erde und aus den verschiedensten Culturen heraus, in denen in der That sich ein höherer Typus darstellt: etwas, das im Verhältniß zur Gesammt-Menschheit eine Art “übermensch” ist. Solche Glücksfälle des großen Gelingens waren immer möglich und werden viell immer möglich sein. Und selbst ganze Stämme, Geschlechter, Völker können unter Umständen einen solchen Treffer darstellen ...

Von den ältesten uns errathbaren Zeiten der indischen, ägyptischen und chinesischen Cultur bis heute ist der höhere Typus Mensch viel gleichartiger als man denkt ...

Man vergißt, wie wenig die Menschheit in eine einzige Bewegung hineingehört, wie Jugend, Alter, Untergang durchaus keine Begriffe sind, die ihr als Ganzem zukommen

Man vergißt, um ein Beispiel zu geben, wie unsere europäische Cultur erst heute sich wieder jenem Zustand von philosophischer Mürbigkeit und Spätcultur annähert, aus dem die Entstehung eines Buddhism begreiflich wird.

Wenn es einmal möglich sein wird, isochronische Cultur-Linien durch die Geschichte zu ziehen, so wird der moderne Begriff Fortschritt artig auf den Kopf zu stehen kommen:—und der Index selbst, nach dem er gemessen, der Demokratismus

11 [414]

Vorrede

* * *

Was ist gut?— Alles, was das Gefühl der Macht, den Willen zur Macht, die Macht selbst im Menschen steigert.

Was ist schlecht?— Alles, was aus der Schwäche stammt.

Was ist Glück?— Das Gefühl davon, daß die Macht wächst,—daß ein Widerstand überwunden wird.

Nicht Zufriedenheit, sondern mehr Macht; nicht Frieden überhaupt, sondern Krieg; nicht Tugend, sondern Tüchtigkeit (Tugend im Renaissance-Stile, virtù, moralinfreie Tugend.)

Die Schwachen und Mißrathenen sollen zu Grunde gehn: erster Satz der Gesellschaft. Und man soll ihnen dazu noch helfen.

Was ist schädlicher als irgend ein Laster?— Das Mitleiden der That mit allem Mißrathenen und Schwachen,—“das Christenthum” ...

* * *

Nicht was die Menschheit ablösen soll in der Reihenfolge der Wesen, ist mein Problem, das ich hiermit stelle; sondern welchen Typus Mensch man züchten soll, wollen soll, als den höherwertigen, lebenswürdigeren, zukunftsgewisseren.

Dieser höherwerthigere Typus ist oft genug schon dagewesen: aber als ein Glücksfall, als eine Ausnahme,—niemals als gewollt. Vielmehr ist er gerade am besten gefürchtet worden, er war bisher beinahe das Furchtbare: und aus der Furcht heraus hat man den umgekehrten Typus gewollt, gezüchtet, erreicht: das Hausthier, das Heerdenthier, das Thier der “gleichen Rechte,” das schwache Thier Mensch,—den “Christen” ...

* * *

Der Wille zur Macht.
Versuch einer Umwerthung aller Werthe.

11 [415]

Die Conception der Welt, auf welche man in dem Hintergrunde dieses Buches stößt, ist absonderlich düster und unangenehm: unter den bisher bekannt gewordenen Typen des Pessimismus scheint keiner diesen Grad von Bösartigkeit erreicht zu haben. Hier fehlt der Gegensatz einer wahren und scheinbaren Welt: es giebt nur Eine Welt, und diese ist falsch, grausam, widersprüchlich, verführerisch, ohne Sinn ... Eine so beschaffene Welt ist die wahre Welt ... Wir haben Lüge nöthig, um über diese Realität, diese “Wahrheit” zum Sieg zu kommen das heißt, um zu leben ... Daß die Lüge nöthig ist, um zu leben, das gehört selbst noch mit zu diesem furchtbaren und fragwürdigen Charakter des Daseins ...

Die Metaphysik, die Moral, die Religion, die Wissenschaft—sie werden in diesem Buche nur als verschiedene Formen der Lüge in Betracht gezogen: mit ihrer Hülfe wird ans Leben geglaubt. “Das Leben soll Vertrauen einflößen”: die Aufgabe, so gestellt, ist ungeheuer. Um sie zu lösen, muß der Mensch von Natur schon ein Lügner sein, er muß mehr als alles Andere noch Künstler sein ... Und er ist es auch: Metaphysik, Moral, Religion, Wissenschaft—Alles nur Ausgeburten seines Willens zur Kunst, zur Lüge, zur Flucht vor der “Wahrheit,” zur Verneinung der “Wahrheit.” Dies Vermögen selbst, dank dem er die Realität durch die Lüge vergewaltigt, dieses Künstler-Vermögen par excellence des Menschen—er hat es noch mit Allem, was ist, gemein: er selbst ist ja ein Stück Wirklichkeit, Wahrheit, Natur—er selbst ist auch ein Stück Genie der Lüge ...

Daß der Charakter des Daseins verkannt wird—tiefste und höchste Geheim-AbsichtWissenschaft, Frömmigkeit, Künstlerschaft. Vieles niemals sehn, Vieles falsch sehn, Vieles hinzusehn ... Oh wie klug man noch ist, in Zuständen, wo man am fernsten davon ist, sich für klug zu halten! Die Liebe, die Begeisterung, “Gott”—lauter Feinheiten des letzten Selbstbetrugs, lauter Verführungen zum Leben! In Augenblicken, wo der Mensch zum Betrogenen wird, wo er wieder ans Leben glaubt, wo er sich überlistet hat: oh wie schwillt es da ihm auf! Welches Entzücken! Welches Gefühl der Macht! Wie viel Künstler-Triumph im Gefühl der Macht! ... Der Mensch ward wieder einmal Herr über den “Stoff”—Herr über die Wahrheit! ... Und wann immer der Mensch sich freut, er ist immer der Gleiche in seiner Freude: er freut sich als Künstler, er genießt sich als Macht. Die Lüge ist die Macht ...

Die Kunst und nichts als die Kunst. Sie ist die große Ermöglicherin des Lebens, die große Verführerin zum Leben, das große Stimulans zum Leben ...

11 [416]

Umwerthung der Werthe.

Buch 1: der Antichrist.
Buch 2: der Misosoph.
Buch 3: der Immoralist
Buch 4: Dionysos.
 

Umwerthung aller Werthe.

11 [417]

ich habe den D das tiefste Buch gegeben, das sie besitzen, meinen Zarathustra—ich gebe ihnen heute das unabhängigste. Wie? sagt mir dazu mein schlechtes Gewissen, wie willst du Perlen vor die Deutschen werfen! ...

13, 11[1-417] November 1887 - März 1888

11 [1]

(301) Не стоит ожидать от себя того, на что не способен. Надо спросить себя: хочу ли я шагать впереди всех? Или хочу шагать в одиночку? Первый случай означает, что, самое большее, ты станешь пастырем, то есть потребностью стада. Второй - что нужно уметь другое: самочинно идти в одиночку, уметь идти не так и - не такими путями. То и другое нужно уметь, и раз ты способен на одно, то не можешь ожидать другого

11 [2]

(302) Быть нетребовательным к людям, приглашать их хлебосольно в душу - признак либеральности, но не благородства. Сердца, способные на аристократическое гостеприимство, мы признаем по множеству занавешенных окон и запертых ставней: свои лучшие покои они по меньшей мере держат пустующими - они ждут гостей, к которым требовательны ...

11 [3]

(303) Быть художником имеет свою цену: то, что всеми не-художниками называется «формой», художник воспринимает как содержание, как «саму вещь». Но тем самым он попадает в мир наизнанку: ведь отныне содержание представляется ему чем-то чисто формальным — включая и нашу жизнь.

11 [4]

Одно письмо напомнило мне о немецких юношах, рогатых Зигфридах и прочих вагнерианцах. Честь и хвала немецкой невзыскательности! Есть в Северной Германии умы, которым вообще хватает разумения крестовой газеты. Стороннему наблюдателю между тем закрадывается подозрение: а не заглотила ли уже ненароком юная империя в своей алчности по колониям и всяческим Африкам, какие сыщутся на земле, также и два знаменитейших черно-коричневых острова, Борнео и Рогнео ...

11 [5]

Коль скоро человек философ — такого толка, какие они были всегда, он не разбирает ни минувшего, ни грядущего: — он видит лишь сущее. Но так как никакого сущего нет, то «миром» философа остается только воображаемое.

11 [6]

Тот погибнет, кто на причины оглядывается.

11 [7]

Личинка между вёснами, у которой отросло уже крылышко:

11 [8]

«Позыв к лучшему» — эвфемизм для «похода в уборную»

11 [9]

(304) Сент-Бёв: ничего от мужчины; полон лживой ненависти ко всем мужам духа: ходит вокруг да около, трусливый, любопытствующий, докучливый, злоречивый,—сущая баба, с женской мстительностью и женской же чувственностью (—последнее держит его вблизи монастырей и прочих рассадников мистицизма, какое-то время—даже близ сен-симонистов). Впрочем, настоящий гений medisance, неистощимо богатый средствами для этого—способный, к примеру, похвалить наповал; не лишенный привлекательной готовности виртуоза выставить напоказ свое искусство, к месту, конечно, а именно перед любой аудиторией, от которой надлежит чего-либо опасаться. Но за этим он и мстит своим слушателям, мстит исподтишка, мелко, нечистоплотно; в особенности добиваясь того, чтобы все неоспоримо благородные натуры раскаялись бы в том, что испытывают благоговение перед самими собой—самому-то ему такое неведомо! да и просто все мужественное, гордое, цельное, уверенное в себе—раздражает его, будоражит чуть ли не до нервного срыва. Что ж, вот вам психолог comme il faut—по мерке и потребности сегодняшнего esprit francais, столь же перезрелый, нездоровый, любопытствующий, рыскающий, похотливый, как и тот; охочий до секретов под стать тому; инстинктивно обнюхивающий людей снизу да сзади, как это принято у собак (собаки ведь тоже в своем роде психологи). Плебей по сути, и не чужд инстинктам Руссо: следовательно, романтик—ибо под всяким romantisme кроется хрюкающая и алчущая «благородства» толпа; революционер, но еще кое-как удерживаемый в узде страхом. Несвободный перед лицом всего, что обладает силой (общественное мнение, Академия, двор, даже Пор-Рояль). В конечном счете, пресыщенный самим собой, временами уже не верящий в свое право занимать свое место; ум, смолоду растративший самое себя, который чувствует себя растраченным, который усыхает и старится все стремительней. Это существо влачит еще свои дни единственно из трусости; озлобленное на все великое в людях и вещах, на все, что верит в себя, поскольку оно, как на беду, в достаточной мере поэт и наполовину женщина, чтобы чувствовать еще великое как власть; все время вьется, как тот пресловутый червь, потому что все время чувствует, что обижен чем-то великим. Как критик—ни критерия, ни хребта, ни опоры, касательно всего космополитически вольнодумен на язык, не решаясь даже на откровенное вольнодумство, склоняется, в итоге, перед каким-то неопределенным классицизмом. Как историк—ни философии, ни властности философского взора, во всех главных вопросах инстинктивно отклоняет задачу вершить суд, прикрывается маской объективности (—один из худших примеров такого подхода, которые только знала в последнее время Франция); все иначе, как и положено, в отношении вещей мелких, где высшей инстанцией служит тонкий, отшлифованный вкус, где он действительно смеет и рад быть самим собой (—тут он родствен парнасцам, которые подобно ему представляют наиболее рафинированную и суетную форму современного самоуничижения и самоотчуждения). “Sainte-Beuve a vu une fois le premier Empereur. C’était à Boulogne: il était en train de pisser. N’est-ce pas un peu dans cette posture-là, qu’il a vu et jugé depuis tous les grands hommes?” (Journal des Goncourt, 2. p. 239)—так рассказывают его злые недруги Гонкуры.

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Типы декаданса.

Романтики
«Вольнодумцы» Сент-Бёв
Актеры.
Нигилисты.
Артисты.
Бруталисты
Утонченцы.

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En amour, la seule victoire est la fuite.— Наполеон.

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canis reversus ad vomitum suum

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Les philosophes ne sont pas faits pour s’aimer. Les aigles ne volent point en compagnie. Il faut laisser cela aux perdrix, aux étourneaux ... Planer audessus et avoir des griffes, voilà le lot des grands génies.— Galiani.

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Le hasard, père de la fortune et souvent beau-père de la vertu. — Галиани.

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(Ni l’amour ni les dieux; ce double mal nous tue. Sully Prudhomme.)

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За всей моралистической пачкотней этой деревенской дамочки по имени Д. Элиот слышатся мне возбужденные голоса всех литературных дебютанток: “je me verrai, je me lirai, je m’extasierai et je dirai: Possible, que j’aie eu tant d’esprit?”

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vomitus matutinus der Zeitungen

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si hortum cum bibliotheca habes, nihil deerit. Cicero.

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notum quid foemina furens. Virg. Aen. V. 6

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“un monstre gai vaut mieux qu’un sentimental ennuyeux”

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come l’uom s’eterna (Inf. XV, 85)

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«Yo me sucedo a mi mismo», говорю я подобно тому старику у Лопе де Вега, посмеиваясь, как и он: ведь я уже попросту не знаю, насколько я стар и насколько юным мне еще предстоит стать ...

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— но и тогда у нас хватает еще причин быть довольными, благодарными даже, пусть так, как тот старый волокита, который, возвращаясь tamquam re bene gesta с любовного свидания домой, приговаривал с кротостью святого: Ut desint vires, tamen est laudanda voluptas.

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(305) Жорж Санд. Читал первые lettres d’un voyageur: в корне фальшиво, как и все, что ведет свое происхождение от Руссо, морализаторски-лживо, как и она сама, эта «художница». Не выношу этого пестрого коврового стиля, как и распаленной плебейской претензии на «благородные» страсти, героические позы и мысли, производящие впечатление поз. Как холодна должна была она при этом оставаться — холодна, как Виктор Гюго, как Бальзак, как все подлинные романтики — и с каким самодовольством она, верно, при этом возлежала, эта раздобревшая плодливая корова, в которой было-таки нечто немецкое, как и в самом Руссо, и во всяком случае она стала возможной только с общим упадком французского вкуса и esprit ... А вот Эрнест Ренан чтит ее ...

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(306) Люди-судьбы, которые, неся себя по жизни, несут судьбу, весь род героических судьбоносцев: как хотелось бы им хоть раз отдохнуть от самих себя! как жаждут они найти сильные сердца и крепкие выи, чтобы хоть на время облегчить гнет своего бремени! И как напрасна их жажда! ... Они ждут; они всматриваются во все, что проходит мимо: но не встретят отзывчивости хоть в тысячную долю страстей и страданий, никто не догадается, насколько жадно их ожидание ... Наконец, наконец-то усвоят они свою первую жизненную мудрость — не ждать более; а затем тотчас и вторую: быть снисходительным, скромным, выносить отныне всякого, выносить всякое — короче, снести еще немного больше, чем раньше ...

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(307) — и кто без предубеждений сочтет условия, при которых здесь, на земле, достигается любое совершенство, от того не ускользнет, сколь много странного и тягостного входит в эти условия. Видимо, для всякого великого развития требуется нечто вроде навоза или удобрения. Тут можно вспомнить парадоксальный случай — утверждение по поводу совершенствования современной женщины такого авторитета, чьим мнением по этому щекотливому вопросу едва ли можно пренебречь, а именно герцога де Морни, этого искушеннейшего и «бывалого» знатока женщин во Франции наших дней, — что для этого может послужить даже такой порок, как «qui raffine la femme, la parfait, l'accomplit».



Ницца, 25 ноября 1887

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(308) Госпожа Козима Вагнер — единственная женщина большого размаха, которую я знал; но я ставлю ей в счет то, что она испортила Вагнера. Как это случилось? Он не «заслуживал» такой женщины: в благодарность за это подчинился ей. «Парсифаль» Вагнера был прежде всего и с самого начала падением вкуса Вагнера до католических инстинктов его жены, дочери Листа, своего рода благодарностью и покорностью более слабого, многострадального создания другому, умеющему защитить и ободрить, стало быть, сильнейшему, и более ограниченному: в конце концов, даже актом вечной трусости мужчины перед всем «вечно-женственным». Разве не все великие художники подвергались до сих пор порче из-за обожающих женщин? Когда эти абсурдно-тщеславные и чувственные обезьяны — ибо таковы почти все они — впервые и прямо у себя под носом встречают идолослужение, которое женщина в подобных случаях умеет вершить всеми своими низшими и высшими вожделениями, тогда дело довольно скоро приходит к концу: улетучивается последний остаток критики, пренебрежения собой, скромности и стыда перед более великим — отныне они готовы на любое вырождение. Эти художники, которые в наиболее суровый и сильный период своего развития имели достаточно оснований пренебрегать всей оравой приверженцев и последователей, эти скупые на слова художники неизбежно становятся жертвами первой же понимающей любви (—или, скорее, первой попавшейся женщины, которая достаточно умна для того, чтобы вести себя умно касательно сокровеннейших чаяний художника, «понять» в нем страдальца, «любить» его ...)

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Мужчина жертвой женщины падёт, которой недостоин.



Женщина, от природы идолопоклонница, портит своего кумира — супруга.

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Невозможно отыскать причины того, что развитие вообще имеет место, путем исследования развития; его нельзя понимать ни как «становящееся», ни тем более — как ставшее ...

«воля к власти» не может быть ставшей

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(309) Суметь высоко подняться и с высоты птичьего полета постигать, что все идет именно так, как и должно идти: как всевозможные «несовершенства» и причиняемые ими страдания в действительности — неотъемлемые черты желательного превыше всего...

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(310) Общий облик будущего европейца: он смышленейшее из подъяремных животных, весьма трудолюбив, в сущности, очень скромен, до крайности любопытен, сложен, избалован, слабоволен — космополитический хаос и разброд умов. Как же могла бы вырасти из него сильная порода людей — порода с классическим вкусом? Что вообще такое классический вкус? Это воля к упрощению, к усилению, к зримости счастья, к страшному, мужество психологической обнаженности (— упрощение есть следствие воли к усилению; зримое проявление счастья, равно как и нагота, — следствие воли к страшному ... ) Чтобы пробиться из этого хаоса к такому устроению — требуется принуждение: человек должен быть поставлен перед выбором — погибнуть либо утвердиться. Господствующая раса может вырасти только из ужасного и жестокого начала. Проблема: где они, варвары XX века? Очевидно, что они проявятся и сплотятся лишь после чудовищных социалистических кризисов, — то будут элементы, которые окажутся способны на величайшую твердость в отношении самих себя и смогут гарантировать самую долгосрочную волю ...

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(311)

К психологиипастырей.” Великие посредственности.

 

Можно ли спрятаться от факта, что ум и вкус должны быть посредственны, чтобы широко и глубоко повлиять на массы, и что, к примеру, вовсе не обязательно к бесчестью Вольтера надобно толковать то, что аббат Трюбле более чем справедливо назвал его «la perfection de la médiocrité»? (— ведь если б он этим не был, если бы он был исключением, как, например, неаполитанец Галиани, этот глубокомысленнейший из скоморохов, рожденных тем веселым столетием, тогда откуда его сила вести за собой? откуда его превосходство над своим временем?) Примерно то же самое можно утверждать и в отношении куда более популярного случая: основоположник христианства тоже должен был быть чем-то вроде «la perfection de la médiocrité». Стоит лишь сплотить в личность положения пресловутого евангелия Нагорной проповеди — и у нас уже не останется сомнений насчет того, почему как раз такой пастырь и нагорный проповедник прельстительно влиял на всевозможные стадные натуры.

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(312) — «une croyance presque instinctive chez moi c’est que tout homme puissant ment quand il parle, et à plus forte raison quand il écrit.» — Стендаль.

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(313)      Флобер не выносил ни Мериме, ни Стендаля; он мог легко прийти в ярость, стоило в его присутствии процитировать что-нибудь из «monsieur Beyle». Различие же вот в чем: Бейль ведет происхождение от Вольтера, Флобер — от Виктора Гюго.

«Сыны 1830-го» (—сыны?..) затеяли безумное обожествление любви: Альфред де Мюссе, Рихард Вагнер. Также и распутства, и порока...

«Je suis de 1830, moi! J’ai appris à lire dans Hernani, et j’aurai voulu être Lara! J’exècre toutes les lâchetés contemporaines, l’ordinaire de l’existence et l’ignominie des bonheurs faciles». Флобер.

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(314) Влечения пола, властолюбие, страсть к видимости и обману, великая радостная благодарность за жизнь с ее типическими состояниями — все это принадлежит к существу языческого культа и имеет своим союзником чистую совесть. Противоестественность (уже в греческой античности) борется с языческим началом под видом морали, диалектики.



Ницца, 15 декабря 1887

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О ранге решение выносится количеством власти, которое ты составляешь; все прочее — трусость.

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Тот, чей инстинкт предан иерархии, ненавидит промежуточные формы и промежуточных профессионалов: всё среднее — враг его.

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(315) Из давления полноты, из напряжения сил, что непрестанно взрастают в нас и не умеют еще разрядиться, рождается предгрозовое состояние: природа, а это мы сами, омрачается. Это тоже пессимизм ... Учение, которое кладет конец подобному состоянию — приказывая положить конец, — переоценка ценностей, благодаря которой накопленным силам указуется путь, показывается «куда», чтобы они взорвались молниями и деяниями, — такое учение вовсе не должно говорить о счастье: высвобождая силу, мучительно стиснутую и стесненную, оно приносит счастье.

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— сочувствия к ним я не питаю. Я причисляю их к породе раков. Ведь первым делом, когда с ними возишься, они щипнуть норовят, а потом — идут на попятный.

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— парные теплые млечные сердца

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Усталый странник, встречаемый остервенелым лаем пса.

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— беглец, долгое время проведший в тюрьме, боявшийся дубины тюремщика: вот бредет он пугливо по дороге, но даже от тени дуба шарахается.

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— добродетель в ренессансном стиле, virtù, добродетель без примеси моралина

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(316) Когда человек ставит на кон свою жизнь, своё здоровье, свою честь — всё это следствие шалости и бьющей через край, расточительной воли: не из любви к ближнему, но потому, что всякая большая опасность вызывает в нас любопытство относительно меры нашей силы, нашего мужества.

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(317) Эмерсон, куда более просвещенный, многоликий, утонченный, баловень счастья, человек, что инстинктивно питается только амбросией, все неудобоваримое в вещах оставляя нетронутым. Карлейль, очень его любивший, тем не менее говорил: «нам нечего у него раскусывать» — сказано, может, и справедливо, да отнюдь не в упрек Эмерсону.

Карлейль, человек сильного слова и эксцентричной позы, оратор поневоле, коего постоянно растравляет жажда сильной веры и чувство неспособности к ней (— как раз в этом он типичный романтик —). Жажда сильной веры не служит доказательством сильной веры, скорей наоборот: если она есть, это сказывается как раз в том, что можно позволить себе роскошь скепсиса и фривольного неверия, — ты достаточно для этого богат. Карлейль заглушает нечто в себе самом пылкостью своего почитания людей сильной веры и яростью против всех менее простодушных: эта постоянная, говоря языком морали, нечестность к себе меня в нем отталкивает. А что англичан в нем восхищает как раз честность — это вполне по-английски; принимая же во внимание, что англичане — народ совершенного лицемерия, даже резонно, а не просто понятно. В сущности, Карлейль — атеист, который не хочет быть атеистом. —

11 [46]

В этих задиристых разысканиях, в которых я продолжаю свой поход против роковых ценностных суждений прошлого и настоящего, против нашей завышенной оценки морали —



Подобное слово мира уместно, кажется, в заключение этих воинственных разысканий, которыми я открыл свой поход против всех наших роковых ценностных суждений, против прежней нашей завышенной оценки морали.

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— промозглые идеалы и прочие росные ветры

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(318) Стремящийся к великому ум, если не пренебрегает и средствами для этого, непременно станет скептическим: но это не означает, что он и казаться таковым должен. Свобода от всякого рода убеждений — вот его сила: он может смотреть без шор. Великая страсть, основа и властный стержень его бытия, еще просвещенней, еще деспотичней его самого, — она забирает весь его интеллект без остатка к себе на службу (а не просто в свое владение); она учит не церемониться понапрасну, внушает мужество пользоваться далеко не святыми средствами (а то и святыми), она дозволяет убеждения — ей нужны, она использует даже убеждения, но она им не покорствует. Как результат, она одна сознает себя суверенной. Напротив: потребность в вере, в каком-то безусловном Да или Нет, — это потребности слабого; любая слабость есть слабость воли; всякая слабость воли происходит от отсутствия повелевающей страсти, отсутствия категорического императива. Человек веры, «верующий», во что бы он ни веровал, — это непременно человек зависимой породы, то есть такой, которая не может полагать себя как цель, да и вообще полагать цели, опираясь на себя саму, — которой приходится допускать использование себя как средства ... Инстинктивно такая порода превыше всего чтит мораль обезличения — к тому подводит ее вся ее смышленость, опыт, тщеславие. И вера тоже есть все еще форма обезличения. —

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(319) Из необъятных пределов искусства, каковые есть и останутся антинемецкими и куда нет и не будет доступа немецким юношам, рогатым Зигфридам и прочим вагнерианцам,— гениальный ход Бизе, помогшего облечь в звуки новую — и такую древнюю — чувствительность, что до сих пор оставалась безгласной в культурной музыке Европы, чувствительность южную, смуглую, загорелую, но которую не понять из промозглого идеализма Севера. Африканская радость, фаталистическая веселость,— и взгляд ее обольстителен, глубок, ужасен; сладострастная меланхолия мавританского танца; страсть, вспыхивающая резко и внезапно, как кинжал; и запахи вечера, золотящего морскую гладь, от которых щемит сердце, точно вспомнились вдруг забытые острова, где ты был когда-то, где, кажется, ты вечно будешь ...

Антинемецкое: Буффон. Мавританский танец

Другие антинемецкие перлы эстетического наслаждения

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«Истинный мир», каким бы его до сих пор ни воображали,— все равно всегда оставался лишь видимым миром ещё раз.

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Нужно обладать мужеством, чтобы позволить себе низость: у большинства для этого кишка тонка.

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«Цезарь среди пиратов»

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и среди этих поэтов встречаешь невинно ржущих жеребцов

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(320)

О господстве
добродетели
.
Как привести добродетель
к господству
.
Tractatus politicus.
Сочинение
Фридриха Ницше.

 

Предисловие.

Настоящий tractatus politicus не для всякого уха предназначен: здесь разбирается политика добродетели, ее средства и пути достижения власти. И что с того, что добродетель стремится к господству — кто бы стал ей это запрещать? Но вот как она делает это! — никто не подозревает ... Вот почему этот tractatus politicus не для всякого уха предназначен. Мы предназначили его на пользу тем, кому немаловажно усвоить — нет, не как самим сделаться добродетельными, но как сделать добродетельными других — как привести добродетель к господству. Я хочу даже показать, что для того, чтобы хотеть этого последнего, а именно господства добродетели, мы в принципе не вправе хотеть первого; как раз поэтому мы отказываемся от возможности стать добродетельными. Это большая жертва: но подобная цель и заслуживает, верно, жертвы. И даже еще большей!.. И кое-кто из великих моралистов шел-таки на столь большой риск. Ведь именно они распознали и предвосхитили уже ту истину, которую настоящий трактат впервые преподаст: что господства истины, безусловно, можно достигнуть лишь теми же самыми средствами, которыми вообще достигают какого угодно господства, и уж во всяком случае не посредством добродетели ...

Как мы уже сказали, трактат этот разбирает политику в области добродетели: он задает идеал этой политики, описывает ее такой, какой она была бы, если бы хоть что-то на этой земле могло быть совершенным. Так вот, нет ни одного философа, который усомнится насчет того, что является в политике образцом совершенства: конечно, макиавеллизм. Однако макиавеллизм — pur, sans mélange, cru, dans toute sa force, dans toute son âpreté — является сверхчеловеческим, божественным, трансцендентным, человек никогда его не достигает, в лучшем случае едва касается ... Также и в этом, более узком, разделе политики, в политике добродетели, идеал этот, по-видимому, всегда оставался недосягаем. И Платон лишь едва коснулся его. Даже у наиболее непредвзятых и сознательных моралистов (— а это ведь и есть название для подобных политиков морали и для всякого рода основоположников новых моральных доминант) мы замечаем, если у нас вообще есть понимание скрытых вещей, следы того, что и они отдали дань человеческой слабости. Все они страстно тяготели, по крайней мере в периоды утомления, к добродетели и для самих себя: первая и главная ошибка моралиста, который в качестве такового должен быть имморалистом дела. А что он как раз и не смеет выглядеть таким — это уже другое дело. Или, скорее, это не другое дело: такое кардинальное самоотречение (притворство, выражаясь языком морали) наряду со всем прочим входит в канон моралиста и отличающей его этики: без этого он никогда бы не достиг своего рода совершенства. Свобода от морали, свобода даже от правды, ради той цели, что окупает любую жертву: ради господства морали — так гласит этот канон. Моралисты нуждаются в позах добродетели и в позах правды; их ошибка начинается только там, где они поддаются добродетели, где они утрачивают господство над добродетелью, где они сами становятся образчиками морали и истины. Великий моралист, среди прочего, с необходимостью должен быть и великим лицедеем; опасность для него заключается в том, что притворство его ненароком может стать его природой, точно так же как идеал для него — божественным образом сохранять в раздельности свое esse и свое operari; все, что он ни делает, он должен делать sub specie boni — высокий, далекий, претенциозный идеал! Божественный идеал!... И действительно, речь идет о том, что моралист в этом смысле подражает не кому-нибудь, а самому Богу: Богу, этому величайшему имморалисту дела, какие только есть, но который тем не менее умеет оставаться тем, что он есть, добрым Богом ...

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(321) Христианству вовек нельзя простить, что оно погубило таких людей, как Паскаль. Вовек нельзя прекращать борьбы именно с тем в христианстве, что оно норовит сломить как раз самые сильные и благородные души. Нельзя давать себе покоя, пока в корне не разрушено одно: идеал человека, изобретенный христианством. Весь нелепый остаток христианской басни, хитросплетение понятий и теологии — нас не касается; будь он в тысячу раз абсурдней — мы бы и пальцем его не тронули. Но мы боремся с этим идеалом, который своей болезненной красотой, соблазнительной женственностью, своей вкрадчивой клеветой убеждает все трусливые и тщеславные свойства утомленных душ — и сильнейшие знают минуты усталости, — будто все, что может казаться наиболее полезным и желательным в подобных состояниях: доверие, простодушие, непритязательность, терпение, любовь к себе подобному, смирение, покорность Богу, своего рода распрягание и увольнение своего «я» — будто все это само по себе наиболее полезно и желательно; будто скромный душевный уродец, добродетельная рядовая скотинка и стадная овца по имени человек не только превосходит более сильную, злую, вожделеющую, перечащую, расточительную и именно потому подверженную стократ большей опасности породу человека, но прямо-таки представляет собой идеал, цель, мерку, нечто в высшей степени желательное для людей вообще. Это воздвижение идеала было до сих пор самым жутким искушением из тех, которым подвергался человек: ведь идеал этот грозил гибелью всем удачным исключениям и счастливым случаям человека, у кого шаг вперед сделала воля к власти и развитию всего человеческого типа в целом; его приговор в корне пресекал развитие этих чрезмерных людей, которые ради своих высших притязаний и задач добровольно смирились с более опасной жизнью (выражаясь языком экономики, рост издержек и сомнительность в успехе предприятия). С чем мы боремся в христианстве? С тем, что оно норовит сломить сильных, что оно хочет лишить их мужества, воспользоваться их худшими минутами и любой усталостью, что оно хочет превратить их гордую уверенность в беспокойство и угрызения совести, что оно умеет отравлять и заставляет болеть благородные инстинкты, пока, наконец, их сила, их воля к власти не поворачивает вспять, обращаясь против самой себя, — пока, наконец, сильные не погибают от чрезмерного самоунижения и самоедства: ужасный род гибели, известнейший пример которой дает нам Паскаль.

11 [56]

(322) Золя:—определенное соперничество с Тэном, заимствование его приемов, в скептическом milieu дело доводится до своего рода диктатуры. Тому же служит и намеренное огрубление принципов, чтобы они действовали как команды.

11 [57]

Понять — значит одобрить? —

11 [58]

(323) Не знать самого себя: вот здравомыслие идеалистов. Идеалист: создание, имеющее причины не развеивать туман в отношении себя самого, у которого хватает ума не просвещать себя и относительно этих самых причин.

11 [59]

(324) Баба от литературы, неудовлетворенная, возбужденная, с пустотой в сердце и чреве, что всякий раз с мучительным любопытством прислушивается к императиву, который из глубин ее организма категорически нудит свое aut liberi aut libri: баба от литературы, достаточно образованная, чтобы понимать голос природы, даже если он вещает по латыни, а с другой стороны — достаточно тщеславная, чтобы втайне говорить с собой еще и по-французски: «je me verrai, je me lirai, je m’extasierai et je dirai: Possible que j’aie eu tant d’esprit?» ...

Настоящая баба предается литературе, как какому-то грешку, ради пробы, походя, озираясь вокруг, а не заметил ли кто, и хорошо бы, чтоб заметил: она знает, насколько идет настоящей женщине чуточку гнильцы и цыганской испорченности,— еще лучше она знает, как действует на женщину всякое литературное творчество — словно знак вопроса, приставленный ко всем прочим женским pudeurs ...

11 [60]

(325)

Современное неведение. —

 

Ума не приложу, что собираются делать с европейским рабочим. Он уже слишком хорошо себя чувствует, чтобы не требовать отныне, шаг за шагом, все большего, требовать все беззастенчивей: в конце концов, на его стороне численное превосходство. Канула в небытие надежда, что из рабочего образуется некая непритязательная и самоудовлетворенная порода человека, племя рабов в самом умеренном смысле слова, короче — сословие, нечто неизменное. Рабочего выучили воевать, наделили правом голоса и правом объединяться в союзы: было сделано все возможное, чтобы развратить инстинкты, на которые могли опираться подобные «китайцы» из рабочих: так что сегодня свое существование рабочий считает и заставляет других считать бедствием (на языке морали — несправедливостью) ... И что же собираются делать, спросим мы еще раз. Если стремятся к какой-то цели, нужно стремиться и к средствам для нее: если хотят получить рабов — а в рабах есть нужда! — не следует воспитывать из них господ.

11 [61]

(326) «Сумма страдания превышает сумму удовольствия: следовательно, небытие мира предпочтительней его бытия» — такие вот разглагольствования называются сегодня пессимизмом

«Мир есть нечто такое, чему разумнее не быть, поскольку чувствующему субъекту он причиняет больше страдания, нежели удовольствия».

Но удовольствие и страдание — не причины, а лишь побочные эффекты; это вторичные ценностные суждения, производные от руководящей ценности; это выраженное в форме чувства «полезно» — «вредно»: следовательно, нечто мимолетное и абсолютно зависимое. Ведь всякому «полезно» — «вредно» все же необходимо предварить сотню различных «для чего?».

Я презираю этот пессимизм чувствительности: он сам есть признак глубочайшего обеднения жизнью. По мне, так нельзя допустить, чтобы вялая обезьяна вроде Гартмана разглагольствовала о своем «философском пессимизме». —

11 [62]

(327)

Тальма сказал:

 

Да, мы должны всё чувствовать, мы должны испытывать эмоции, но лишь затем, чтобы потом лучше их изобразить, чтобы посредством вдумчивого изучения лучше ухватить их характер. Наше искусство требует самой тщательной подготовки. На сцене не может быть места импровизации, это грозит провалом. Всё просчитывается, всё должно быть предусмотрено — и волнение, как будто внезапное, и смятение, кажущееся непроизвольным. — Интонация, жест, взгляд, по видимости, внушённые моментом, на самом деле сотни раз до этого репетировались. Поэт-мечтатель в поисках красивой рифмы, музыкант в поисках мелодии, математик в поисках доказательства — никто из них не проявляет большего рвения, нежели мы, когда стремимся подыскать жесты или ударения, которые лучше всего подчеркнули бы смысл какого-нибудь полустишия. Это исследование повсеместно сопутствует искушённому в своём искусстве актёру. Нужно ли рассказывать вам ещё что-то? Вы же понимаете, если любишь своё искусство, то для себя самого служишь объектом для наблюдения. Я и сам переживал жестокие утраты, не раз мне приходилось испытывать глубочайшие потрясения — и что же? — после тех первых мгновений, когда горе прорывается наружу в криках и слезах, я ощущал, как непроизвольно снова возвращаюсь к своим страданиям и как безотчётно для меня самого актер во мне начинает изучать человека, как бы снимая натуру с происходящего. Вот каким образом должны мы испытывать эмоции, чтобы однажды суметь их передать; но только не экспромтом, не на сцене, когда все взгляды прикованы к нам; ничто не обнажило бы нашего состояния с более грубой откровенностью. Совсем недавно мне довелось играть в «Мизантропии и раскаянии» вместе с одной замечательной актрисой; меня по-настоящему захватила её игра, такая продуманная и вместе с тем столь естественная, столь правдивая. Она это заметила. Какое это было для неё торжество! Но она лишь тихо проговорила: «Берегитесь, Тальма, вы взволнованы!». Ведь и правда, из волнения рождается смятение; голос отказывается вам повиноваться, память подводит, жесты становятся фальшивыми — всё впечатление идёт к черту! Ах, природе мы чужды, мы сплошь искусство, которое может стремиться лишь к подражанию.

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Лессинг ставил Мольера ниже Детуша

Минна фон Барнхельм — «un marivaudage raisonné».

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Из китайского: «... возлюбленный мой поселился в сердце моем, теперь остерегаюсь я есть горячее, дабы не сделался ему в тягость этот жар»

«И даже если увидишь мать свою умирающей с голоду, не делай ничего противного добродетели».

«... если подобно черепахе, втягивающей под панцирь ноги и голову, ты в самого себя втянешь пять своих чувств, после смерти это обернется тебе на пользу: ты обретешь небесное блаженство»

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«Поневоле удивляешься всем этим колебаниям и нерешительности в рассуждениях Монтеня. Но, возможно, уже занесенный Ватиканом в список запрещенных книг, давно подозреваемый всеми партиями в неблагонадежности, он сам нарочно поставил сурдинку вопросительного знака на свою рискованную терпимость, свою оклеветанную беспристрастность. Такое уже часто встречалось в его время: сомневающаяся humanitas ... »

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Mérimée, supérieur comme joaillier en vices et comme ciseleur en difformités, принадлежит к движению 1830-го не из-за страстности (таковая у него отсутствует —), но в силу новизны хорошо продуманного и благодаря смелому выбору материала.

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«bains intérieurs», выражаясь благопристойно, на манер мадам Вальмор

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«rien ne porte malheur comme une bonne action»

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(328) Sainte-Beuve: «la jeunesse est trop ardente pour avoir du goût.

Pour avoir du goût, il ne suffit pas d’avoir en soi la faculté de goûter les belles et douces choses de l’esprit, il faut encore du loisir, une âme libre et vacante, redevenue comme innocente, non livrée aux passions, non affairée, non bourrelée d’âpres soins et d’inquiétudes positives; une âme désintéressée et même exempte du feu trop ardent de la composition, non en proie à sa propre verve insolente; il faut du repos, de l’oubli, du silence, d’espace autour de soi. Que de conditions, même quand on a en soi la faculté de les trouver, pour jouir des choses délicates!» —

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На представлении «Кристины» (Александра Дюма): у Жанни паспорт, подписанный королевой. Готовый им воспользоваться, он вдруг передумывает и складывает бумагу со словами: réservons en l’effet pour de plus grands besoins.

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(329) Страдание и удовольствие суть глупейшие мыслимые средства выражения суждения: естественно, это не означает, что сами заявляющие о себе подобным образом суждения должны быть глупыми. Опущение всякого обоснования и логичности, простое Да или Нет редукции к страстной охоте иметь или страстному отталкиванию, повелительная аббревиатура, чью пользу невозможно не признать, — вот что такое удовольствие и страдание. Их исток расположен в центральной сфере интеллекта; их предпосылка — бесконечно ускоренное восприятие, упорядочение, подведение под понятие, подсчет, вывод: удовольствие и страдание — всегда заключительные феномены, не «причины» ...

Решение о том, что должно вызывать страдание и удовольствие, зависит от степени власти: при малом количестве власти нечто представляется опасным и требующим скорейшего отпора, но при более высоком сознании полноты власти то же самое может иметь следствием сладостное возбуждение, ощущение удовольствия.

Все ощущения удовольствия и страдания изначально предполагают замер совокупной пользы и совокупного вреда, а следовательно — некую сферу, где имеет место хотение такой-то цели (состояния) и происходит выбор средств для этого. Удовольствие и страдание — не «первичные факты»

Ощущения удовольствия и страдания — волевые реакции (аффекты), в которых интеллектуальный центр фиксирует ценность наступивших изменений в отношении совокупной ценности, что одновременно служит и преддверием к ответным действиям.

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(330) Будь у мирового движения некое конечное состояние, оно было бы уже достигнуто. Но единственный основополагающий факт — что нет у него конечного состояния, и любая философия или научная гипотеза (например, механицизм), где таковое выступает необходимым элементом, этим единственным фактом опровергается ... Я ищу такую концепцию мира, которая удовлетворяла бы этому факту: становление необходимо объяснять, не прибегая к помощи такого рода конечных целей: становление должно представать оправданным в каждый конкретный миг (или неоценимым, что сводится к тому же); абсолютно неприемлемо оправдывать настоящее ради будущего или прошлое — ради настоящего. «Необходимость» не в виде всеохватывающей и всевластвующей силы или какого-то перводвигателя; тем более — не в роли фактора, необходимого, чтобы обусловить нечто ценное. Для этого требуется отвергнуть совокупное сознание становления, то есть «Бога», дабы не подчинять ход вещей представлению о существе сочувствующем, соведающем, но при этом стремящемся к небытию: «Бог» бесполезен, если он ничего не хочет, а, с другой стороны, тем самым предполагается суммирование страдания и нелогичности, которое понизило бы совокупную ценность «становления»: по счастью, такого рода суммирующей власти как раз и не существует (— страдающий и всевидящий Бог, «всеобщий сенсорий» и «вседух», — оказался бы сильнейшим доводом против сущего)

Рассуждая строже, мы вообще не вправе допускать никакого сущего, — потому что тогда становление теряет свою ценность и представляется попросту бессмысленным и избыточным.

Отсюда напрашивается вопрос: каким образом могла (должна была) возникнуть иллюзия сущего

точно так же: как обесценились все оценочные суждения, покоящиеся на гипотезе о наличии сущего?

но тем самым мы приходим к пониманию, что эта гипотеза сущего — источник всей клеветы на мир

«лучший мир, истинный мир, «потусторонний» мир, вещь сама по себе»

1)у становления нет никакого конечного состояния, оно не выливается в какое-либо «бытие».
2)становление — вовсе не иллюзорное состояние, быть может, наоборот, мир сущего — иллюзия.
3)становление равноценно в каждый миг: сумма его ценности не меняется: иными словами, у него вообще нет никакой ценности, поскольку недостает того, чем эту ценность измерять и применительно к чему имело бы смысл само слово «ценность».

совокупную ценность мира нельзя умалить — следовательно, философский пессимизм относится к разряду явлений комических

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(331) Точка зрения «ценности» есть точка зрения условий сохранения и возвышения сложных формаций с относительной продолжительностью жизни в рамках процесса становления:

— нет ни устойчивых предельных единиц, ни атомов, ни монад: здесь тоже «сущее» — не более чем вложенная нами конструкция, обусловленная самыми разными причинами (практическими; соображениями пользы или же перспективы)

— «структуры господства»; сфера господствующего, которая постоянно расширяется или периодически то убывает, то разрастается; или вследствие благоприятных и неблагоприятных обстоятельств (пропитание —)

— «ценность», по существу, есть точка зрения, служащая разрастанию либо убыли этих центров господства (в любом случае, это «множества» — «единство» вообще отсутствует в природе становления)

количество власти, становление, поскольку ничто здесь не обладает характером «бытия»; поскольку

— выразительные средства языка непригодны для выражения становления: наша неотъемлемая потребность в сохранении заставляет непрестанно полагать единый, грубый мир непреходящего, «вещей» и т.д. В относительном смысле мы, конечно, можем говорить об атомах и монадах: и, наверняка, мир мельчайший по продолжительности есть наиболее долговечный ...

нет воли как таковой — есть пунктации воли, которые постоянно то умножают, то теряют свою власть

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(332) — что в «процессе целого» труд человечества не имеет значения, так как вообще не существует никакого совокупного процесса (мыслимого в качестве системы —):

— что никакого «целого» нет, что любое умаление ценности человеческого бытия, человеческих целей не может опираться на то, чего вовсе не существует ...

— что необходимость, причинность, целесообразность суть полезные видимости

— что не приращение сознания есть цель, но усиление власти, в каковое усиление включается и полезность сознания, равно как и удовольствие вкупе со страданием

— что не следует принимать средства за высшую меру ценности (то есть состояния сознания вроде удовольствия и боли, коль скоро само сознание есть средство —)

— что мир вовсе не организм, но хаос: что развитие «духовного начала» служит средством для достижения относительной устойчивости организации ...

— что любой «желательный результат» не имеет никакого смысла относительно совокупного характера существования.

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(333) причина удовольствия — не удовлетворение воли:

против этой в высшей степени поверхностной теории

я намерен особо бороться. Психологическая нелепость

чеканки фальшивой монеты касательно ближайших

вещей ...

но то, что воля всегда стремится вперед и раз за разом утверждает свое господство над тем, что встает

и у нее на пути: ощущение удовольствия напрямую связано с неудовлетворенностью воли, с тем, что она, не зная

границ и сопротивления, никак не может насытиться

вполне ...

«Счастливец» — стадный идеал

11 [76]

(334) Нормальная неудовлетворенность наших влечений, например голода, полового влечения, двигательного инстинкта, сама по себе не заключает еще ничего угнетающего; наоборот, она возбуждающе действует на ощущение жизни, усиливает его подобно всякому ритму слабых болезненных раздражений, что бы там ни внушали нам пессимисты: эта неудовлетворенность не только не отравляет нам жизнь, а, напротив, служит величайшим стимулятором жизни.

— Возможно, удовольствие вообще можно было бы определить как ритмическую последовательность слабых уколов страдания ...

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(335) Сообразно мощи сопротивлений, с которыми сталкивается сила в стремлении возобладать над ними, должна расти и мера постигающих ее при этом неудач и роковых случайностей: а поскольку любая сила может развернуться только на том, что сопротивляется, во всяком действии по необходимости присутствует и примесь страдания. Но это страдание действует как соль жизни — оно лишь усиливает волю к власти!

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(336) Наиболее духовные люди, при условии, что они же и самые мужественные, переживают и куда более мучительные трагедии: но как раз потому чтут они жизнь, что та выставляет против них величайших противников ...

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(337) Средства, которыми Юлий Цезарь пересиливал болезненность и головные боли: изнурительные пешие переходы, простой образ жизни, непрерывное пребывание на воздухе и постоянные нагрузки: по большому счету, все это — условия самосохранения гения вообще.

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(338) Остерегайся морали: она обесценивает нас в наших собственных глазах —

Остерегайся сострадания: оно обременяет нас нуждами других —

Остерегайся «разумности»: она портит характер, делая нас предельно одинокими: одинокими значит здесь — вольными птицами, свободными от любых привязанностей ...

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— восприятию доступно лишь становление, но не умирание (?) —

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Смысл становления в каждое мгновение должен быть полным, достигнутым, завершенным.

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То, что называется добрым поступком, — не более чем недоразумение; подобные поступки вообще невозможны.

«Эгоизм», как и «бескорыстие», — всего лишь популярная фикция; равно как и индивидуум, душа и т.д.

Из всего неслыханного многообразия происходящего внутри организма мы осознаем лишь малый закуток: и толика «добродетели», «бескорыстия» и иных фикций такого же рода совершенно радикальным образом уличается во лжи совокупностью всех прочих пластов происходящего. Мы делаем полезное дело, изучая наш организм с точки зрения его абсолютной аморальности ...

Ведь животные функции принципиально и в миллионы раз важней всех прекрасных состояний и вершин сознания: последние являются излишествами, коль скоро не выступают орудиями для этих животных функций.

Вся сознательная жизнь, дух вкупе с душой, вкупе с сердцем, вкупе с добротой, вкупе с добродетелью: чему служат все ее труды? Предельно возможному усовершенствованию средств (средств пропитания и усиления) коренных животных функций: и прежде всего усилению жизненности.

В том, что называют «тело» и «плоть», заключено несказанно большее: остальное — лишь незначительный придаток. Задача — прясть дальше на веретене жизни всю ее цепочку, да так, чтобы нить становилась все крепче и мощней, — вот настоящая задача. Но вы только гляньте, как сердце, душа, добродетель, дух вступают между собой в форменный сговор с тем, чтобы извратить эту принципиальную задачу: словно они являются целью ... Вырождение жизни главным образом обусловлено исключительной способностью сознания к заблуждениям: меньше всего оно удерживается в узде инстинктами, а потому ошибется так ошибется — надолго и основательно.

Отмерять ценность существования сообразно приятным и неприятным ощущениям этого сознания — можно ли вообразить себе более абсурдную распущенность тщеславия? Сознание ведь только средство; и приятные или неприятные ощущения — тоже не более как средства! Так чем же объективно измеряется ценность? Единственно количеством более или менее усиленной и организованной власти, тем, что происходит во всем происходящем, воля к большему ...

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«Дух», назначенный сущностью мира; логичность — сущностной

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(340) Алкоголем и гашишем мы возвращаем себя на ступени культуры, которые некогда преодолели (по крайней мере пережили). Любая пища открывает что-то о прошлом, из которого мы возникли.

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И мудрец подчас уподобляется тем недалеким женщинам, которые не считают молоко пищей — поди не репа:

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(341) Всю красоту и возвышенность, что ссудили мы вещам реальным и воображаемым, я намерен потребовать назад как собственность и дело рук человека: как прекраснейшую его апологию. Человек как поэт, как мыслитель, как Бог, как любовь, как власть — довольно уже царской щедрости, с которой одаривал он вещи, обделяя себя, чтобы почувствовать нищим самого себя! До сих пор величайшим бескорыстием человека было то, что он изумлялся и молился, и умел скрыть от себя самого, что это он создатель всего, чему так изумлялся. —

11 [88]

(342) Сколько отсутствия самостоятельности и даже несознаваемого удовлетворения давних религиозных потребностей уцелело в чувственном сумбуре немецкой музыки! Сколько тут слышится молитвы, добродетельности, елейности, целомудрия, ладана, ханжества и «келейности»! Что музыка сама отказывается от слова, от понятия, от образа — ах, сколь умело извлекает отсюда выгоду она, эта лукавая женская «вечная женственность»! и самой честной совести не приходится стыдиться, когда находит удовлетворение этот инстинкт — ее это не касается. Все это, конечно, здраво, умно и служит добрым знаком, поскольку обличает чувство стыда от убогости всякого религиозного суждения ... Но при всем при том это все еще тартюфство ...

Если же, напротив, как с опасной лживостью делал это Вагнер на склоне лет, сюда приплетается религиозная символика, как в «Парсифале», где он делает намеки (и не одни намеки) на суеверную нелепицу — причастие — подобная музыка может вызывать только негодование ...

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(343) Люди всегда превратно понимали любовь: они считают себя бескорыстными в любви, поскольку хотят выгоды для другого существа, часто наперекор собственной выгоде: но взамен они хотят владеть этим другим существом ... В иных случаях любовь есть более тонкий паразитизм, опасное и безоглядное укоренение одной души в другой — иной раз и во плоти ... и какие же огромные издержки несет тогда «хозяин»!



Сколь многими выгодами жертвует человек, сколь мало в нем «своекорыстия»! Все его аффекты и страсти хотят получить свое — и как же далек от разумной корысти своекорыстия!



Мы не хотим своего «счастья»; надо быть англичанином, чтобы поверить в то, что человек всегда ищет своей выгоды; наши вожделения хотят посягать на вещи, хотят подольше гореть страстью — их запруженная сила ищет сопротивления ...

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Чего действительно стоит Рихард Вагнер, первым скажет нам тот, кто найдет ему наилучшее применение. А тем временем попытаемся принять на веру ту оценку Вагнера, в какую он сам охотно поверил бы ...

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(344) Облагорожение проституции, не ее упразднение ...



У брака очень долгое время совесть была нечиста перед ним самим: неужто это правда? Увы, это правда. —



К чести старых женщин —

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Позволю себе вольность забыться. Послезавтра я снова буду у себя как дома.

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(345) все, с чем до сих пор человек не умеет совладать, что еще ни один человек не сумел переварить, «навоз бытия», — для мудрости, по крайней мере, это было и остается лучшим удобрением ...

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(346) Тот император постоянно напоминал себе о бренности всех вещей, чтобы не относиться к ним слишком серьезно и сохранять среди них покой. Мне же, наоборот, кажется, что все слишком ценно, чтобы быть настолько мимолетным: я ищу вечности для всего: кто выльет в море драгоценнейшие вина и масла? — и я нахожу себе утешение в том, что все былое вечно: море все возвращает

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(347) Известно, что Вольтеру докучали даже в последние мгновения жизни. «Вы верите в божественность Христа?» — спросил Вольтера его кюре. Тот знаком дал понять, чтобы его оставили в покое. Неудовлетворенный этим, кюре повторил вопрос. Тут умирающий в последний раз дал волю гневу: в ярости оттолкнув непрошенного дознавателя, он выкрикнул ему в лицо: «au nom du dieu, ne me parlez pas de cet-homme-la!» — предсмертное слово, вобравшее в себя всё, против чего боролся этот отважнейший ум. —

Вольтер судил так: «в этом иудее-назареянине нет ничего божественного»: это суждение выносил его устами классический вкус.

Классический вкус и христианский вкус полагают понятие «божественный» в корне различными способами; и у кого классический вкус вошел в кровь и плоть, тот не может воспринимать христианство иначе как foeda [superstitio], а христианский идеал — как карикатуру на божественное, его умаление.

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(348) Что деятеля снова включают в состав действия, после того как мысленно изъяли его оттуда, тем самым выхолостив действие;

что содержательность действия, «цель», «намерение», «умысел» снова принимают в состав действия, после того как искусственно вырвали оттуда, тем самым выхолостив действие;

что все «умыслы», «цели», «смыслы» — лишь различные формы выражения и метаморфоз единой воли, внутренне присущей всему ходу вещей, воли к власти; что иметь умыслы, цели, намерения, хотеть их — вообще равноценно тому, чтобы хотеть стать сильней, хотеть развиваться и стремиться к средствам для этого;

что наиболее общий и глубинный инстинкт в основе всякого действия и хотения именно потому остался наименее признанным и самым сокровенным, что на практике мы всегда следуем его велениям, потому что мы сами — это веление ... Все способы почитать — лишь следствия и более узкие перспективы, служащие этой единой воле. само почитание — не что другое, как эта воля к власти; любая критика бытия с точки зрения какой-либо из этих ценностей — сплошь нелепость и недоразумение; предположив даже, что в этой критике — завязка процесса разложения, все равно и сам этот процесс все еще служит этой воле ...

Недорого ценить само бытие. но ведь сам процесс оценки все еще составляет это бытие! — даже говоря Нет, мы продолжаем делать то, что мы есть ... Необходимо уяснить себе всю абсурдность этого судящего бытие жеста; а затем — попытаться еще разгадать, что же тем самым начинается. Это симптоматично.

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(349) Философский нигилист убежден, что мировой процесс бессмыслен и тщетен; а ведь никакого бессмысленного и тщетного бытия не должно быть. Но откуда это: не должно быть? Откуда берется этот «смысл»? эта мерка? — Нигилист, по сути, полагает, что философ, глядя на подобное опустошенное, бесполезное бытие, должен почувствовать неудовлетворенность, опустошенность, отчаяние; такое воззрение противоречит нашей более утонченной философской чувствительности. Ведь дело тут сводится к следующей нелепой оценке: характер существования должен доставлять философу удовольствие, иначе это неправильное бытие ...

Однако легко понять, что довольство и страдание в общем процессе могут иметь лишь смысл средств, не более: к тому же остается еще спросить, а можем ли мы вообще раскрывать «смысл» и «цель», не является ли вопрос о бессмысленности и ее противоположности для нас попросту неразрешимым. —

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(350) Ценность бренности: не обладающее долговечностью, самому себе противоречащее нечто имеет мало ценности. Но вещи, которые мы мним долговечными, как таковые суть чистые фикции. Коль скоро все течет, мимолетность есть какое-то качество («истина»), а непреходящая долговечность — простая видимость.

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(351)

Критика нигилизма. —

 

1.

Нигилизм как психологическое состояние должен наступить во-первых, когда мы искали «смысл» во всем происходящем, которого там нет: так что ищущий в конце концов падает духом. Нигилизм тогда есть осознание долгой растраты силы, муку «тщетности», неуверенность, невозможность хоть как-то оправиться, чем-то утешиться — стыд перед самим собой, точно слишком долго обманывал самого себя ... А вот чем мог бы этот смысл обернуться: «исполнением» некоего высшего нравственного канона во всем происходящем, нравственным миропорядком; или приростом любви и гармонии в связях живых существ; или приближением к состоянию всеобщего счастья; или даже путем к всеобщему состоянию Ничто — цель всегда остается и смыслом. Общее для всех этих представлений: нечто достигается благодаря подобному процессу, — и вот теперь мы понимаем, что становление ни к чему не приходит, что ничего им не достигается ... Отсюда разочарование в мнимой цели становления как причина нигилизма: разочарование в отношении какой-то совершенно определенной цели либо в принципе осознание несостоятельности всех прежних гипотез о целях, затрагивающих всё «мировое развитие» (— человек уже не сотрудник, тем паче не средоточие становления).

Нигилизм как психологическое состояние наступает во-вторых, когда во всем происходящем и за всем происходящим предполагают цельность, систематизацию, даже организацию: так что жаждущая изумления и преклонения душа может упиваться целостным представлением какой-то высшей формы господства и управления (— если это душа логика, то для примирения со вселенной ей довольно уже одной только абсолютной последовательности и диалектики природы ...). Род единства, некоторая форма «монизма»: и вследствие этой веры человек проникается глубоким ощущением сопричастности и зависимости от бесконечно превосходящего его целого, служит модусом Божества. «Благо всеобщего требует самоотдачи единичного» ... но вглядись — нет никакого такого всеобщего! В сущности, человек утратил веру в свою ценность, раз через него не действует бесконечно ценное целое: иными словами, он измыслил такое целое, чтобы суметь уверовать в собственную ценность.

Нигилизм как психологическое состояние имеет еще третью и последнюю форму. Понимание двух этих вещей — что путем становления не достигают ничего и что за всем становлением не царит великое единство, в котором отдельный человек мог бы полностью потонуть как в стихии высочайшей ценности, — оставляет еще одну лазейку: осудить весь этот мир становления как обман и выдумать другой мир, по ту сторону этого, в качестве истинного мира. Но как только человек догадывается, что тот мир состряпан только ради психологических потребностей и что он не имеет на то совершенно никакого права, тут же возникает последняя форма нигилизма, включающая неверие в метафизический мир, — запрещающая себе веру в истинный мир. С этой позиции реальность становления допускается как единственная реальность, человек запрещает себе любого рода вылазки в миры иные, к ложным божествам — но не выносит и этого мира, который уже не отвергнуть ...

— Что, по сути дела, произошло? Было достигнуто ощущение обесцененности, как только стало ясно, что совокупный характер существования не может истолковываться ни понятием «цели», ни понятием «единства», ни понятием «истины». Ничего тем самым не получено и не достигнуто; за множественностью происходящего не кроется никакого всеобъемлющего единства; характер существования не «истинен», но ложен ... и нет больше абсолютно никаких оснований внушать себе веру в какой-то истинный мир ...

Короче: категории «цели», «единства», «бытия», которыми мы вкладывали в мир ценность, мы снова извлекаем — и вот уж мир смотрится обесцененным ...

2.

Допустим, мы осознали, почему этими тремя категориями нельзя больше истолковывать мир, и что после этого прозрения мир начинает для нас обесцениваться, — теперь мы должны задаться вопросом, откуда происходит наша вера в эти три категории — а что, если мы попытаемся отказать им в доверии? Удастся нам обесценить эти три категории — тогда доказательство их неприложимости ко вселенной уже не будет основанием для обесценивания самой вселенной.

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* *

Вывод: вера в категории разума есть причина нигилизма — мы сравнивали ценность мира с категориями, которые относятся к чисто вымышленному миру.

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Заключительный вывод: все ценности, которыми до сих пор мы сначала пытались сделать мир ценным для нас и под конец тем самым и обесценили, когда они оказались неприменимы, — все эти ценности, при психологической ревизии, представляются результатами определенных перспектив их полезности для поддержания и усиления человеческих формаций господства: они лишь ложно спроецированы в саму сущность вещей. По-прежнему в ответе за это — гиперболическая наивность человека, объявляющего себя смыслом и мерой ценности вещей ...

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(352) Высшие ценности, в служении которым надлежало жить человеку, особенно когда они помыкали им самым тяжким и разорительным образом, — эти социальные ценности, с целью усиления их тона, будто бы речь шла о командах, отдаваемых Богом, некогда были возведены над человеком и названы «реальностью», «истинным» миром, надеждой и миром грядущим. Теперь, когда выясняется мещанское происхождение этих ценностей, вселенная кажется нам, как следствие, обесцененной, утратившей «смысл» ... но это лишь промежуточное состояние.

11 [101]

Я вовсе не желаю участвовать в презренной комедии, которая еще и сегодня, в Пруссии особенно, разыгрывается под именем философского пессимизма; да и говорить-то о ней не вижу необходимости. Давно уже все должны были с омерзением отвернуться от того спектакля, что дает эта вялая обезьяна, господин фон Гартман: по-моему, на всяком, кто произносит это имя на одном дыхании с именем Шопенгауэра, поставлен крест.

11 [102]

(353) Не отворачиваться трусливо от собственных поступков! Не открещиваться потом от них ... Угрызения совести непристойны.

11 [103]

(354) Пора, наконец, отставить человеческие ценности в угол, где им только и место: в качестве отставных ценностей. Уже исчезли многие виды животных; случись так, что и человек исчез бы, ничто в мире не изменилось бы. Надо быть в достаточной мере философом, чтобы восхищаться и этим ничто (—Nil admirari—)

11 [104]

(355) Если ясно представляешь себе «почему?» своей жизни, то легко смиряешься с ее «как?». Когда же на передний план выступает ценность удовольствия и страдания и находят отклик всевозможные гедонистически-пессимистические учения, это первый признак неверия в «почему?», в цель и смысл, это нехватка воли; самоотречение же, смирение, добродетель, «объективность» по меньшей мере могут служить первыми признаками того, что уже начала ощущаться нехватка главного.

Уметь поставить себе цель -

11 [105]

NB. плебей, мститель, прялка отмщения ...

11 [106]

Не путать одно с другим:—неверие как неспособность верить в принципе и, с другой стороны, как неспособность всё ещё верить во что-либо: последнее обычно симптом новой веры—

Неверию как неспособности присуще неумение отрицать—человек не в силах отбиться ни от Да, ни от Нет...

11 [107]

Праздность — мать философии. Так значит, философия — порок?..

11 [108]

Философ отдыхает иначе и в ином: например, он дает себе отдых в нигилизме. Вера в то, что никакой истины не существует, нигилистическая вера, — это превосходная разминка для того, кто в качестве воина познания неустанно сражается с истинами, сплошь безобразными. Ведь истина безобразна

11 [109]

Если вычесть из музыки драматическую музыку: хорошей музыки останется еще предостаточно

11 [110]

Мы тоже верим в добродетель: но это добродетель в ренессансном стиле, virtu, добродетель без примеси моралина.

11 [111]

(356) Как получается, что кредо психологии по решительно всем ключевым статьям оказывается грубейшей подтасовкой и вообще фальшивой монетой? «Человек стремится к счастью», например, — разве есть в этом хоть крупица истины? Чтобы уяснить, что такое жизнь, какова эта устремленность, эта напряженность, зовущаяся жизнью, определяющая ее формула должна быть применима не только к животным, но также и к деревьям, к растениям. «К чему стремится растение?» — но вот уже мы выдумали ложную единицу, которой в действительности не существует: факт играющего миллионами граней роста, включающего в себя индивидуальные и полуиндивидуальные инициативы, заслоняется и отметается нашей заведомо заданной неуклюжей единицей «растение». Что и последние, мельчайшие «индивиды» не могут пониматься в смысле «метафизического индивида» или атома, что сфера их власти постоянно смещается — это сразу же видно: но стремится ли каждый из них, испытывая подобные превращения, к «счастью»? Но всякое саморасширение, поглощение, разрастание есть стремление наперекор сопротивлению; движение по сути своей есть нечто связанное с состояниями страдания: движущая сила в данном случае должна хотеть чего-то иного, раз подобным образом хочет и постоянно ищет страдания. За что борются друг с другом деревья в лесной чаще? За «счастье»? — За власть...

Человек, ставший господином над природными силами, стал господином над своей собственной дикостью и необузданностью: вожделения научились подчиняться, приносить пользу

По сравнению со своим предком человек представляет неимоверное количество власти — отнюдь не добавку «счастья»: так как же можно утверждать, что он стремился к счастью?...

11 [112]

(357) Высший человек отличается от низшего тем, что не знает страха и смело бросает вызов несчастью: когда же получают верховенство евдемонические мерила ценности, — это уже признак упадка (— физиологическое утомление, обнищание воли —). Христианство со своей перспективой «блаженства» есть типичный образ мыслей для страждущей и обнищавшей разновидности человека: полноценная сила готова действовать, страдать, погибнуть в страдании: ханжеское христианское спасение звучит для нее дрянной музыкой, иератические ужимки вызывают у нее досаду

11 [113]

(358)

К психологии и теории познания.

 

Я отстаиваю феноменальный характер также и внутреннего мира: всё, что нами осознается, заранее насквозь упорядочено, упрощено, схематизировано, истолковано — действительный ход внутреннего «восприятия», каузальное соединение мыслей, чувств, желаний, равно как и субъекта и объекта, совершенно от нас сокрыто — и, быть может, не более чем плод воображения. Этот «видимый внутренний мир» обработан при помощи тех же форм и процедур, что и «внешний» мир. С «фактами» мы тут вообще не сталкиваемся: удовольствие и страдание суть позднейшие и производные интеллектуальные феномены ...

От нас ускользает «причинностность»; допущение непосредственной причинной связи между мыслями, как оно делается в логике, — следствие грубейшего и самого неловкого наблюдения. Между двумя мыслями разыгрывается еще игра всевозможных аффектов: но движения эти слишком стремительны, потому мы их не сознаем, потому их отвергаем ...

«Мышление», каким его постулируют теоретики познания, вообще не имеет места: это совершенно произвольная фикция, выведенная путем выделения одного элемента из процесса и вычитанием всего прочего, искусственный порядок ради пущей понятности ...

«Ум», нечто мыслящее, по возможности «ум абсолютный, чистый, — эта концепция есть второе производное следствие ложного самонаблюдения, верящего в «мышление»: здесь, во-первых, воображается действие, которое вообще не имеет места, «мышление», и, во-вторых, точно так же воображается в роли субстрата субъект, где берет начало каждый акт этого мышления, и ничто другое: то есть как действие, так и деятель — лишь вымышленные фикции

11 [114]

«хотеть» — не значит «желать», стремиться, томиться: от всего этого «хотеть» отличает командный аффект

никакого «хотеть» не бывает, бывает только хотеть чего-то: нельзя вылущивать цель из этого состояния, как делают теоретики познания. «Хотение», в их понимании, не имеет места — как и «мышление»: это чистая фикция.

приказание о чем-то — вот что присуще хотению (это, естественно, не подразумевает какой-либо «эффектуации» воли ...)

Общее состояние напряжения, толкающее ту или иную силу искать своего высвобождения, — «хотения» не составляет

11 [115]

(359) В мире, который по сути своей фальшив, правдивость оказалась бы противоестественной тенденцией: такая могла бы иметь смысл лишь в качестве средства для достижения особенно высокой степени фальшивости: чтобы мог быть вымышлен мир правды, мир сущего, сначала следовало создать правдивца (да так, чтобы и сам он считал себя «правдивым»)

Простой, прозрачный, внутренне непротиворечивый, непременный, верный себе, без скрытности, подтасовок, завес, формальностей: человек такого сорта воображает мир бытия в виде «Бога» по собственному образу и подобию.

Чтобы правдивость была возможна, вся человеческая сфера должна быть чистой, маленькой, достойной: преимущество во всех смыслах должно доставаться правдивости. – Обман, коварство, притворство должны вызывать изумление..

Ненависть к обману и притворству от гордости, от задеваемого за живое чувства чести; но бывает она и от трусости: потому что обман запрещен. В случае человека иного склада никакое «не лги» не может справиться с инстинктом, которому постоянно требуется обман: свидетельство тому – Новый Завет.

11 [116]

(360) Есть люди, которые выискивают то, что не согласуется с моралью, — решив, будто найденное «неправильно», они думают, что данную вещь надо устранить, изменить. Я же, наоборот, не могу найти себе покоя, пока не удостоверюсь в аморальности той или иной вещи. Стоит мне до этого докопаться — и мое душевное равновесие восстановлено.

11 [117]

Раскованному духу, знающему танец как наиболее естественное движение и любящему лишь на цыпочках касаться любой реальности, ненавистно предаваться вещам скорбным

11 [118]

мы, гиперборейцы

(361) Мой вывод таков, что реальный человек представляет собой куда более высокую ценность в сравнении с человеком, считавшимся «желательным» с точки зрения любого прежнего идеала; что все «желательное» применительно к человеку было нелепой и опасной разнузданностью, при помощи которой отдельная разновидность людей хотела воздвигнуть над человечеством в качестве закона условия своего выживания и процветания; что все приведенное к господству «желательное» такого происхождения вплоть и до сегодняшнего дня понижало ценность человека, его силу, его уверенность в будущем; что убогость и узколобость человека чаще всего разоблачают себя и сегодня, когда он желает; что способность человека устанавливать ценности до сих пор развита слишком слабо, чтобы воздать должное фактической, а не просто «желательной» ценности человека; что доныне идеал всегда был поистине очерняющей мир и человека силой, ядовитым налетом на реальности, великим совращением, влекущим к ничто ...

11 [119]

(362)

К предисловию.

 

Я пишу о том, что наступает: надвигается нигилизм. Да, я в силах такое писать, раз тут начинается неизбежное; знаки начала повсюду, только глаз наш пока не наметан. Я не хвалю здесь, я не порицаю само то, что он наступает: по-моему, налицо один из величайших кризисов, момент глубочайшего опамятования человека: сможет ли он от него оправиться, сможет ли совладать с кризисом — вопрос его силы: такое возможно ...

современный человек пробы ради верит то в одну, то в другую ценность, и снова ее бросает: круг отживших, брошенных ценностей становится все полней; все сильней ощущается ценностное зияние и нищета; движение это неудержимо — хоть и была предпринята попытка замедления с большим размахом —

Наконец, он решается на критику ценностей вообще; он узнаёт их происхождение; узнаёт достаточно, чтоб не верить ни в одну из них; воцарился пафос. Новый ужас ...

То, что я расскажу, — история двух следующих столетий ...

11 [120]

(363) Что между субъектом и объектом существует род адекватного соотношения; что объект, рассмотренный изнутри, оказывается субъектом, — все это благодушное измышление, которое уже отжило, по-моему, свой век. Ведь мера того, что нами вообще сознается, всецело зависит от грубой выгоды осознания: разве позволит нам эта близорукая перспектива сознания высказать хоть слово о «субъекте» и «объекте», которым бы затрагивались реалии! —

11 [121]

(364) самую низшую и примитивную деятельность на уровне протоплазмы невозможно вывести из воли к самосохранению: ведь протоплазма бессмысленным образом вбирает в себя много больше, чем это диктуется нуждами самосохранения: и главное, вследствие этого она не «сохраняет себя», но делится ... Инстинкт, господствующий здесь, должен объяснить как раз подобную охоту к самонесохранению: уже простой «голод» служит толкованием — пример несравненно более сложных организмов (— голод есть специализированная и позднейшая форма данного инстинкта, выражение разделения труда, служащего господству высшего, чем оно, инстинкта)

11 [122]

(365) — не то отличает нас от других, что мы не находим никакого Бога, ни в истории, ни в природе, ни за природой, — но что почитаемое за Бога мы ощущаем не как «божественное», но как святое юродство, как абсурдную и жалкую наивность, как принцип очернения мира и человека: короче, нас отличает то, что мы отрицаем Бога в роли Бога. Это верх психологической лживости человека — выдумать некую сущность для роли начала и «вещи в себе» по собственной убогой мерке того, что мнится добрым, мудрым, властным, ценным,— и при этом мысленно изъять всю цепь причинности, в силу которой только и существует и имеет цену какое-либо добро, какая-либо мудрость, какая-либо власть. Короче, определять начала более позднего и обусловленного происхождения не как возникшие, но как «вещи в себе», по возможности даже как причину всякого возникновения ... Исходя из опыта, из любого случая, когда человеку удалось сколько-нибудь значительно подняться над меркой человеческого, мы видим, что всякая высокая степень силы, власти включает в себя свободу от добра и зла, равно как и от «истинного» и «ложного», и не может давать отчет пожеланиям доброты: мы еще раз уясняем то же самое и на примере любой высокой степени мудрости — доброта здесь точно так же сбрасывается со счетов, как и правдивость, справедливость, добродетель и прочие народные пристрастия в ценностях. Наконец, любая высокая степень самой доброты: разве не ясно, что она уже заранее предполагает род духовной близорукости и приблизительности? то есть неспособность отличать на сколько-нибудь значительном расстоянии истинное от ложного, полезное от вредного? не говоря о том, что высокая степень власти в руках наивысшего добра привела бы к самым плачевным последствиям («ликвидация зла»)? Действительно, поглядите только, какие склонности внушает своим верующим «Бог любви»: ведь они разрушают человечество в угоду пресловутому «добру». На деле, перед лицом реального устройства мира, этот самый Бог выказал себя Богом чудовищной недальновидности, чертовщины и бессилия: из чего можно вывести, сколь велика ценность концепции такого Бога.

Ведь сами по себе знание и мудрость не имеют никакой ценности; то же самое относится и к доброте: всегда необходимо иметь перед собой сначала цель, с точки зрения которой и наделяются эти качества ценностью или ее антиподом — вполне может найтись и такая цель, с точки зрения которой предельная мудрость представляла бы наименьшую ценность (например, когда предельный обман служит одной из предпосылок усиления жизни; и равным образом, когда доброта способна сковать и ослабить пружины великих желаний ...

Принимая нашу человеческую жизнь такой, как она есть, мы понимаем, что всякая «истина», всякая «доброта», всякая «святость», всякая «божественность» в христианском стиле выказали себя пока как великая опасность — человечеству еще и сегодня грозит опасность погибнуть от жизнеотрицающих идеалов

11 [123]

(366)

Надвигается нигилизм.

 

Нигилизм — это не просто умствования на тему «тщетно!», и не просто вера в то, что все достойно погибели: тут толкают, тут губят ... Это, если угодно, нелогично: но нигилист и не верит в необходимость быть логичным ... Это состояние присуще сильным умам и сильным волям, а для таких невозможно оставаться при Нет «суждения» — из природы их следует Нет действия. Уничтожение суждением подытоживается уничтожением своими руками.

11 [124]

(367) Если мы «разочарованы», то это касается не самой жизни, а того, что у нас открылись глаза на всякого рода «желательности». С насмешливым гневом глядим мы на то, что зовется «идеалом»: мы презираем себя лишь за то, что не способны в любой момент подавлять этот нелепый порыв, зовущийся «идеализмом». Потачка себе сильней гнева разочарованного ...

11 [125]

(368) Младенческий лепет моралистов, считающих, что наше многослойное и сокровенное «я» способно быть простым; которые говорят «будь таким, как ты есть»: точно для этого не нужно сперва быть чем-то, что есть ...

11 [126]

(369) IV. NB. Избранный круг равных, «вытяжка», изоляция

11 [127]

(370) NB. против справедливости ... Против Д. Стюарта Милля: меня ужасает его пошлость, гласящая: «что справедливо для одного, правильно и для другого; чего ты сам не хочешь и т.д., не причиняй того и другому»; которая все богатство человеческих отношений хочет основать на взаимной повинности, так что каждый поступок оказывается родом платежа за оказанную нам услугу. Налицо неблагородная в самом низком смысле слова предпосылка: для меня и для тебя здесь предполагается ценовая эквивалентность поступков, наиболее личностная ценность поступка здесь попросту аннулируется (то, что ничем не может быть скомпенсировано и оплачено —). «Взаимность» есть величайшая пошлость; убеждение в том, что никто другой не может и не вправе сделать то, что я делаю; что нет и не может быть никакой компенсации — разве что в элитарнейшей сфере «мне равных», inter pares; что если копнуть поглубже, то мы вообще никогда ничего не возвращаем, ибо и сами мы — нечто разовое, и все, что мы делаем, делается лишь раз, — вот коренное убеждение, которое содержит в себе причину аристократического обособления от массы, потому что масса верит в «равенство», а следовательно — в возможность компенсации и «взаимности».

11 [128]

(371) Родственное чувство — вот что связывает между собой детей одного народа: физиологически это родство тысячекрат сильней, нежели это обычно допускают. Язык, обычаи, общность интересов и судеб — все это ничто в сравнении со способностью находить взаимопонимание в силу общности предков.

11 [129]

упадок немецкого духа, шагающий в ногу с появлением ура-патриотизма и национализма —

11 [130]

Женщине не говорят о правдивости: призыв «будь такой, какая ты есть» для женщины означает почти полную противоположность того, что означает такое требование для мужчины

11 [131]

— не за веру свою горит он на медленном огне: но за то, что не может решиться на свою веру.

11 [132]

— человек, каким он должен быть: для нас это отдает такой же пошлостью, как, скажем, «дерево, каким оно должно быть»

11 [133]

NB. Превосходство человека Греции, человека Ренессанса общепризнано — но такого человека понимают в отрыве от вызвавших его причин и условий: до сих пор отсутствует более глубокий взгляд на греков

11 [134]

«Вещи, имеющие некое свойство само по себе» — догматическое представление, с которым абсолютно необходимо порвать

11 [135]

К критике громких слов. — Я полон недоверия и злости ко всему, что называют «идеалом»: в этом мой пессимизм — он рожден осознанием всего значения «высоких чувств» как источника бедствия, а именно умаления и принижения ценности человека.

— люди всякий раз обманываются, ожидая «прогресса» от какого-нибудь идеала: до сих пор победа идеала всякий раз означала движение вспять.

— христианство, революция, отмена рабства, равноправие, филантропия, миролюбие, справедливость, истина: все эти громкие слова имеют ценность только в бою, в качестве штандартов: не как реальности, но как лозунги, служащие совсем иным вещам (и даже прямо противоположным!)

11 [136]

Критика громких слов.

«свобода» ради воли к власти
«справедливость»
«равноправие»
«братство»
«истина» (в случае сект и т.д.)

11 [137]

«Растущая автономия индивида»: об этом толкуют все эти парижские философы вроде Фуйе: но они, должно быть, замечали лишь race moutonnière, к которой сами принадлежат!..

Да протрите же вы глаза, господа социологи будущего!

«Индивид» стал молодцом — среди обратных условий: вы описываете предельное ослабление и захирение человека, вы даже сами хотите этого, для чего вам требуется весь аппарат лжи старого идеала! Вы принадлежите к такой породе, что свои потребности стадного животного действительно принимаете за идеал!

Полнейшее отсутствие психологической честности!

11 [138]

(372) Происхождение идеала. Исследование почвы, на которой он растет.

А.Исходя из «эстетических» состояний, где мир видится полней, круглей, совершенней
  
 языческий идеал: здесь преобладает самоприятие, от буффона и далее
  
— наивысший тип: классический идеал — как выражение воспитанности всех основных инстинктов
 
— здесь снова наивысший стиль: широкий размах — выражение самой «воли к власти» (инстинкт, внушающий наибольший страх, смело заявляет о себе)

человек отдает

В.Исходя из состояний, где мир видится пустей, бледней, жиже, где в ранг совершенного возводится «одухотворение» и отсутствие чувственности; где тщательно избегают всего брутального, животно-непосредственного, к нам ближайшего: «мудрец», «ангел» (поповский = девственный = неведающий) Физиологическая характеристика подобных «идеалистов»..
  
 анемический идеал: при определенных обстоятельствах он может быть идеалом таких натур, которые сами представляют собой первый, языческий идеал (так, Гёте в Спинозе видел своего «святого»)

человек вычитает, человек выбирает

С.Исходя из состояний, где мы воспринимаем мир абсурдней, дурней, беднее, обманчивей, чем то, в чем можно чаять или желать идеала: проекция идеала в сферу противо-естественного, противо-фактического, противо-логического. Состояние того, кто выносит подобное суждение (— «обеднение» мира как следствие страдания: человек берет, человек уже не дает—)
  
 : противоестественный идеал

человек отрицает, уничтожает

(Христианский идеал является промежуточной формой между вторым и третьим, склоняясь то к одной, то к другой разновидности.)

три идеала

А.

Либо

усиление
(языческий)
 
В.либоразжижение
(анемический)

ЖИЗНИ

С.либоотрицание
(противоестественный)
 
  
«обожествление» видят:в наивысшей полноте
 в первостатейной избранности
 в разрушении и презрении жизни.

11 [139]

Степень напряжения, сопротивления, опасности, оправданного недоверия — уже приносятся в жертву человеческие жизни, и вероятность неудачи велика — но вопреки всему все же идут на риск: —

11 [140]

Стадные идеалы — ныне кульминирующие в качестве наивысшей оценки «социума»: попытка придать ему космическую, метафизическую ценность

против них отстаиваю я аристократизм.

Общество, сберегающее в себе такое уважение и деликатность в отношении свободы, должно ощущать себя исключением и встречаться с противящейся волей, от которой оно отталкивается, которой оно враждебно и на которую смотрит свысока

— чем больше уступаю я прав и становлюсь на одну доску с другими, тем больше я подпадаю господству людей наиболее посредственных и в конечном счете — наиболее многочисленных

— предпосылка, имеющаяся в аристократическом обществе ради поддержания между его членами высокой степени свободы, выражается в крайнем напряжении, возникающем из наличия у всех членов инстинкта противоречия: воли к господству ..

11 [141]

если вы намерены устранить резкие противоречия и различия в рангах, то отмените и сильную любовь, высокие убеждения, чувство для-себя-бытия.

11 [142]

К действительной психологии общества свободы и равенства:

что убывает?Желание нести индивидуальную ответственность — признак упадка самостоятельности

умение защищаться и владеть оружием, в том числе в духовной сфере — способность отдавать приказы

чувство благоговения, сознание субординации, умение молчать.

великая страсть, великая задача, трагедия, непомраченность

11 [143]

Главы:
Критика громких слов.
О происхождении идеала.

стадный идеал


аскетический идеал


идеал господина


идеал духовности
Как добродетель приводят к господству.
Цирцея для философов.

Религиозный идеал.
Физиология идеала I, II, III

Политический идеал.
«Наука»


  
III
III
I
II
I
III
II
стадный идеал
идеал господина
идеал противоестественности
идеал духовности
языческий идеал
отшельнический идеал (Стоя и т.д.)
идеал символизации

Таблица:
О происхождении идеала

А.


В.

С.
идеал стадного животного
идеал животного-господина
идеал животного-отшельника
языческий идеал
идеал противоестественности
идеал символизации
идеал одухотворения
идеал господствующего
  
Критика громких слов.
истина.
справедливость.
любовь.
мир.
добродетель
свобода.
доброта
порядочность
гениальность
мудрость

11 [144]

Hackans: le pire mal est celui, qu’on fait par bonne intention.

I Наихудшее зло — то, которое совершается с благими намерениями (фр.).

11 [145]

Рольсознания

Важно не ошибиться насчет роли “сознания”: наши отношения свнешним миром— вот что его формирует. Напротив, управление, иначе говоря, попечение и забота, в отношении ансамбля телесных функций, не доходит до нашего сознания; точно так же, как и духовное накопление. Едва ли можно сомневаться, что для этой цели существует некая высшая инстанция, род руководящего комитета, где подают голос и употребляют власть различные архижелания. “Удовольствие”, “страдание” — все это мановения из этой сферы: ... как и акт воли. Как и идеи...

In summa: все сознаваемое подчиняется каузальным связям, целиком и полностью от нас скрытым — череда мыслей, ощущений, идей в сознании ничего не говорит о том, что последовательность эта является каузальной последовательностью: но по видимости она такова, причем более чем. На этой-то видимости и построили мы все наше представление о духе, разуме, логике и т.д. (всего этого не существует: все это вымышленные синтезы и единицы) ... А после взяли да и спроецировали их обратно на вещи, за вещи!

Обычно сознание считают всеобщим сенсорием и высшей инстанцией: между тем оно не более как средство сношения: оно сформировалось в процессе общения, ради интересов общения ... “Общение” обозначает здесь также воздействия внешнего мира и требуемые при этом от нас реакции; равно как и наши собственные действия, направленные вовне. Оно не руководство, но орган руководства —

11 [146]

Средства, благодаря которым сохраняется сильнейшая порода.

Признавать за собой право на исключительные поступки; как попытку самопреодоления и свободы

Ставить себя в такие условия, где нельзя не быть варваром

Всякого рода аскезой приобрести превосходство сил, уверенность в силе собственной воли.

Не откровенничать; хранить молчание; остерегаться миловидности.

Научиться повиновению, чтобы оно выдержало экзамен по самосохранению. До тончайших деталей блюсти казуистику чести.

Никогда не заключать: «что справедливо для одного, правильно и для другого»,— совсем наоборот!

Воздаяние, дерзость возвращать надо трактовать как привилегию, признавать отличительным знаком —

Не завидовать добродетели других.

11 [147]

Теория сексуального влечения: «желающие явиться на свет ‘homunculi’ объединяют свое желание жить в коллективном желании, которое сознание замечает и принимает за свою собственную потребность» —

слова Ренана, Хартли, Фуйе, р. 217.

11 [148]

Приходит время, когда нам придется расплачиваться за то, что два тысячелетия мы были христианами: мы потеряли точку опоры, позволявшую нам жить,— какое-то время не знаем, что к чему и как быть. Мы ударяемся в противоположные прежним оценки с такой же энергией, с какой некогда были христианами,— с какой бессмысленное преувеличение христианской — — —

1) «бессмертная душа»; вечная ценность «личности» —
2) избавление, суд, оценка на «том свете» —
3) моральная ценность как верховная ценность, «спасение души» как кардинальный интерес —
4) «грех», «земное», «плоть», «удовольствия» — все это заклеймено «мирским».

Сегодня всё насквозь фальшиво, всё «фраза», беспорядочно, слабо или натужно

a)

b)

c)


d)

e)


f)

g)
пытаются найти нечто вроде земного избавления, однако в таком же точно смысле окончательного триумфа истины, любви, справедливости: социализм: «равенство личности»
равным образом пытаются сохранить моральный идеал (предоставляя преимущество альтруизму, самоотвержению, отказу от своей воли)
пытаются сохранить даже «тот свет», хотя бы и под видом нелогичного «икса»: однако неизвестное это тотчас обряжают таким образом, что из него снова можно извлекать разновидность метафизического утешения в старом стиле
пытаются вычитать в происходящем божественное руководство в старом стиле, награждающий, наказывающий, воспитующий, ведущий к лучшему порядок вещей
как и раньше, верят в добро и зло, так что победа добра и уничтожение зла ощущается поставленной задачей (— вполне по-английски, типичный случай здесь — тупица Джон Стюарт Милль)
презрение к «естественности», вожделению, ego: попытка даже высшую духовность и искусство понять как результат обезличения и désintéressement
церкви пока дозволяется вторгаться во все существенные события и важнейшие моменты частной жизни, чтобы освятить их, придать им высший смысл: даром что у нас «христианское государство», христианский «брак» —

11 [149]

Законченный нигилизм

его симптомы:великое презрение
великое сострадание
великое разрушение

его кульминационный пункт: некое учение, которое бередит и будит жизнь, отвращение, сострадание и страсть к разрушению, преподносится как абсолютное и вечное

11 [150]

К истории европейского нигилизма.

Период неведения, разного рода попытки законсервировать старое и не пустить новое.

Период ясности: становится понятным, что старое и новое — коренные противоположности: старые ценности рождены закатывающейся жизнью, новые — восходящей жизнью,— что знание природы и истории не оставляет нам уже подобных «надежд»,— что все старые идеалы враждебны жизни (из декаданса рожденные и декаданс вызывающие, пусть даже и в нарядном воскресном платье морали),— старое мы понимаем, но для нового нам долгое время не хватает сил.

Периодтрех великих
 презрения
 сострадания
 разрушения
Периодкатастрофы
 появление некого учения, которое
 отсеивает людей ... которое
 толкает к решениям слабых
 и равным образом сильных

11 [151]

Понимание, которого недостает «свободным умам»: та же дисциплина, что только усиливает сильную натуру, даря ей способность к великим предприятиям, сломит и погубит натуры посредственные.

: сомнение
: la largeur de cœur
: эксперимент
: независимость

11 [152]

мое «будущее»

суровое политехническое образование

военная служба: ведь в среднем каждый мужчина из высших сословий является офицером, а уж кем там еще — его личное дело

11 [153]

Развратники и распутники: их удручающее влияние на ценность вожделения. Не что иное, как устрашающее варварство нравов, преимущественно в средние века, вынуждает к настоящему «союзу добродетели» — бок о бок с не менее устрашающими преувеличениями относительно того, что составляет ценность человека. Воинствующая «цивилизация» (обуздание) нуждается во всех мыслимых оковах и пытках, чтобы устоять против страшного, против хищнической натуры.

Здесь путаница вполне естественна, хотя и влечет за собой самые скверные последствия: то, чего могут требовать от себя люди власти и воли, задает мерку и тому, что они вправе себе разрешить. Такие натуры — полная противоположность развратникам и распутникам: хотя и совершают при известных обстоятельствах такие поступки, которые изобличают скорей ничтожного человека, порочного и невоздержного плебея.

Здесь чрезвычайно вредит понятие «равноценности людей перед Богом»: налагается запрет на поступки и убеждения, которые сами по себе составляют прерогативу яркой, удавшейся натуры, — будто они по самой природе своей недостойны человека. Тенденция сильного человека огульно опорочена — выдвижением средств защиты слабейших (слабейших и по отношению к ним самим) в роли ценностной нормы.

Путаница заходит так глубоко, что как раз великие виртуозы жизни (чье самовластие являет разительнейший контраст развратникам и «распутникам») клеймятся самыми позорными именами. Еще и сегодня считают нужным порицать какого-нибудь Чезаре Борджа: курам на смех. Церковь предавала отлучению германских императоров за их пороки: точно монах или священник вправе был соваться со своим мнением о том, чего смел требовать от себя человек вроде Фридриха Второго. Дон Жуана отправляют в ад: замечательная наивность! Вы обратили внимание, что на небесах никого из интересных людей нет?.. Это так, намек бабенкам, где им легче всего найти свое счастье... Ведь если прикинуть сколько-нибудь последовательно и вникнуть поглубже: что же такое «великий человек», у нас не останется сомнений, что всех «великих людей» церковь отправляет в ад — она борется против всякого «величия в человеке»...

11 [154]

«Понятие чести»: покоящееся на вере в «порядочное общество», в рыцарские качества, в постоянную обязанность выставлять себя напоказ. По существу: человек не должен слишком всерьез относиться к своей жизни; безусловно должен придерживаться самых уважительных манер со всеми, с кем соприкасается (по меньшей мере, если его собеседники не принадлежат к «нашему кругу»); не должен быть ни доверчивым, ни благодушным, ни смешным, ни скромным, кроме как inter pares; всегда выставлять себя напоказ ...

11 [155]

Новый Завет

Война против благородных и сильных, как ведется она в Новом Завете, — это война в духе Рейнеке-лиса, даже методы те же: только с изрядной дозой поповской елейности и с решительным отмежеванием, чтобы помнить о собственном лукавстве.

11 [156]

Принято говорить о «глубокой несправедливости» общественного договора: как будто сам факт того, что один родился в хороших условиях, а другой — в плохих, является несправедливостью; или вообще — что один родился с такими-то, другой — с иными качествами ... С этим надо решительно бороться. Ложное понятие «индивид» — вот что приводит к подобной нелепости. Изолировать от человека обстоятельства, из которых он вырастает, и потом втиснуть его в них, а то и бросить словно «душевную монаду» — вот результат этой жалкой метафизики души. Никто не придал ему каких-либо качеств, ни Бог, ни его родители; никто не несет ответственности за то, что он существует, что он есть то-то и то-то, что находится в этих обстоятельствах ... Нить жизни, которую он теперь собой воплощает, не выдернуть из ткани всего, что было и что должно быть: раз он не является результатом какого-то долгосрочного замысла, вообще какого-либо стремления к «идеалу человека», или «идеалу счастья», или «идеалу нравственности», то нелепо желание «свалить» бремя самого себя куда бы то ни было: точно ответственность — где-то вне нас.

Бунт «страдальца» против
Бога
общества
природы
предков
воспитания и т.д.

воображает себе виды ответственности и формы воли, которых вовсе не существует. Не следует говорить о несправедливости в случаях, когда вообще нет ни малейших предпосылок ни для справедливости, ни для несправедливости. Что некая душа сама по себе равна каждой душе — или в принципе должна быть равной: вот гнуснейшая разновидность оптимистического фантазерства. Желательно как раз обратное — максимально возможная непохожесть, а значит трение, борьба, противоречие: и, к счастью, это желательное совпадает с действительным!

11 [157]

Стремление к равным правам и, в конечном счете, к равным потребностям — почти неизбежное следствие нашей цивилизации торгашества и политической равнозначности голосов — приносит с собой отторжение и медленное вымирание человека более высокого, рискованного, особенного склада, in summa новейшего человека: эксперимент как бы прекращается, наступает определенное затишье.

11 [158]

Пессимизм бунтаря (вместо «пессимизма негодования»)

11 [159]

К “великому отвращению”: отчасти от него страдая, отчасти прямо его порождая

невро-католико-эротическая литература
французский литературный пессимизм: Флобер. Золя. Гонкуры. Бодлер.
les dîners chez Magny

К “великому состраданию

Толстой, Достоевский
«Парсифаль»

11 [160]

Истинная цивилизация, по Бодлеру, заключается в la diminution du peche originel. Бодлер

11 [161]

Le Francais est un animal de basse-cour si bien domestiqué, qu’il n’ose franchir aucune palissade. Бодлер

C’est un animal de race latine: l’ordure ne lui déplaît pas, dans son domicile, et, en littérature, il est scatophage. Il raffole des excréments ... Бодлер

11 [162]

«Тартюф». Не комедия, но памфлет. Атеисту, окажись он случайно и человеком хорошего воспитания, придет в связи с этой пьесой мысль, что есть определенные трудные вопросы, которые никогда не следует отдавать в руки мошеннику. Бодлер

11 [163]

По поводу Петрония Бодлер говорит о ses terrifiantes impuretés, ses bouffonneries attristantes

Нелепость — но симптоматично ...

11 [164]

genus irritabile vatum

11 [165]

подобно Тримальхиону, вытиравшему руки о волосы своих рабов...

11 [166]

livres vécus, poèmes vécus.

11 [167]

Байрон: болтлив. Mais, en revanche, ces sublimes défauts, qui font le grand poète: la mélancholie, toujours inséparable du sentiment du beau, et une personnalité ardente, diabolique, un esprit salamandrin.

11 [168]

« ... il n’y a de grand parmi les hommes que le poète, le prêtre et le soldat: l’homme qui chante, l’homme qui bénit, l’homme qui sacrifie et se sacrifie. Le reste n’est fait que pour le fouet ... »

11 [169]

«il n’y a de gouvernement raisonnable et assuré que l’aristocratique. Monarchie ou république, basées sur la démocratie, sont également absurdes et faibles».

11 [170]

«avant tout être un grand homme et un saint pour soi même».

I Прожитые книги, прожитые стихи (фр.).

2 Но взамен — возвышенные изъяны, создающие великого поэта: меланхолия, всегда неотделимая от чувства прекрасного, и пылкая, дьяволическая личность, дух саламандра (фр.).

3 Нет среди людей великих, кроме лишь поэта, священника и солдата: человека поющего, человека благословляющего, человека, совершающего жертву и приносящего себя в жертву. Остальные созданы для кнута (фр.).

4 Нет способа правления столь же разумного и надежного, как аристократия. Монархия или республика, основанные на демократии, равным образом нелепы и слабы (фр.).

5 Прежде всего, для себя самого быть великим человеком и святым (фр.).

11 [171]

«Dieu est le seul être qui, pour régner, n’a même pas besoin d’exister».

11 [172]

К теории «самоотдачи» ...

L’amour, c’est le goût de la prostitution. Il n’est même pas de plaisir noble, qui ne puisse être ramené à la prostitution. L’être le plus prostitué, c’est l’être par excellence, c’est Dieu. Dans un spectacle, dans un bal chacun jouit de tous. Qu’est-ce que l’art? Prostitution

L’amour peut dériver d’un sentiment généreux: le goût de la prostitution. Mais il est bientôt corrompu par le goût de la propriété.

11 [173]

De la féminéité de l’église comme raison de son omnipuissance.

11 [174]

Что любовь напоминает пытку или хирургическую операцию. Что из двоих один всегда палач или хирург.

В чем величайшая сладость любви? — спросил кто-то в присутствии Бодлера. Один ответил: в том, чтобы получать. Другой: в том, чтоб отдавать себя. Первый говорил о сладострастии гордыни, второй — о сладострастии смирения (volupte d'humilite). Все эти orduriers изрекались вполне в духе imitation Christi. Наконец, нашелся один беззастенчивый утопист, который заявил, что величайшая сладость любви — в том, чтобы создавать граждан для отечества.

Moi, je dis: la volupté unique et suprême de l'amour gît dans la certitude de faire le mal. Et l'homme et la femme savent, de naissance, que dans le mal se trouve toute volupté.

11 [175]

Мы любим женщин пропорционально тому, насколько они нам чужды. Aimer les femmes intelligentes est un plaisir de pédéraste.

11 [176]

Худоба голей, непристойнее жира.

11 [177]

L’enthousiasme qui s’applique à autre chose que les abstractions est un signe de faiblesse et de maladie.

11 [178]

Молитва. Connais donc les jouissances d’une vie âpre et prie, prie sans cesse. La prière est réservoir de force.

11 [179]

Народы делают всё возможное, чтобы у них не было великих людей. Поэтому, чтобы существовать, великому человеку нужна сила, которая превосходила бы силу сопротивления, исходящую от миллионов отдельных индивидов.

11 [180]

По поводу сна, aventure sinistre de tous les soirs, можно сказать: люди погружаются в сон со смелостью, которая была бы непостижима, если б не было известно, что рождает ее неведение опасности.

1 Я же утверждаю: величайшая и неповторимая сладость любви основана на уверенности, что мы творим зло. И мужчина, и женщина знают с рождения, что вся сладость — в зле (фр.).

2 Любить умных женщин — удовольствие педераста (фр.).

3 Энтузиазм в отношении чего бы то ни было помимо абстракций — признак слабости и болезни (фр.).

4 Познай же радости жизни тернистой, и молись, молись неус­танно. Молитва — источник силы (фр.).

5 Ежевечернего зловещего приключения (фр.).

11 [181]

Эти корабли, красивые, величавые, едва заметно качающиеся на тихой воде, эти сильные суда, имеющие вид праздный и ностальгический, — разве не говорят они к нам на языке без слов: «когда ж отправимся мы pour le bonheur

11 [182]

En politique, le vrai saint est celui, qui fouette et tue le peuple, pour le bien du peuple.

11 [183]

Прекрасное, как понимает его Бодлер (и Рихард Вагнер —). Нечто пылкое и печальное, немного неуверенное, оставляющее место для догадки.

11 [184]

une tête séduisante et belle, une tête de femme, c’est une tête qui fait rêver à la fois, mais d’une manière confuse, de volupté et de tristesse; qui comporte une idée de mélancholie, de lassitude, même de satiété,—soit une idée contraire, c’est-à-dire une ardeur, un désir de vivre, associés avec une amertume refluante, comme venant de privation ou de désespérance. Le mystère, le regret sont aussi des caractères du Beau.

11 [185]

Красивой мужской голове не обязательно свойственна (разве что на взгляд женщины) та идея сладострастия, которая на женском лице проступает тем более притягательным вызовом, чем оно обыкновенно меланхоличней. Но и мужской голове будет присуще нечто пылкое и печальное, признак духовных потребностей, амбиций, хранимых в темных закоулках души, идея власти, клокочущей в глубине, оставаясь без применения, иногда — идея d'une insensibilite, иногда — это наиболее интересный случай — таинственность, наконец — le malheur.

11 [186]

Auto-idolatrie. Поэтическая гармония характера. Эвритмия характера и способностей. Сохранять все способности. Заставлять все способности расти. Культ.

11 [187]

Что в женщине чарует и в чем ее красота?

l’air blasé, l’air ennuyé, l’air évaporé, l’air impudent, l’air froid, l’air de regarder en dedans, l’air de domination, l’air de volonté, l’air méchant, l’air malade, l’air chat, enfantillage, nonchalance et malice mêlées.

11 [188]

В протестантских странах недостает двух вещей, совершенно необходимых благовоспитанному мужчине для счастья в жизни: la galanterie et la dévotion

11 [189]

Упоительное в дурном вкусе: аристократическое удовольствие — не нравиться.

11 [190]

Стоицизм, имеющий лишь одно таинство: самоубийство ...

11 [191]

La femme est naturelle, c’est-à-dire abominable. Aussi est-elle toujours vulgaire, c’est-à-dire le contraire du dandy.

11 [192]

Il y a dans tout changement quelque chose d’infâme et d’agréable à la fois, quelque chose, qui tient de l’infidélité et du déménagement.

11 [193]

il y a des gens, qui ne peuvent s’amuser qu’en troupe. Le vrai héros s’amuse tout seul.

11 [194]

Человек должен работать, если не в охотку, то хотя бы с отчаяния, поскольку, по зрелом размышлении, — не так скучно работать, как развлекаться.

11 [195]

Еще совсем ребенком я знал два противоречивых чувства своего сердца: l'horreur de la vie et l'extase de la vie. C'est bien le fait d'un paresseux nerveux.

11 [196]

Бодлер говорит о себе: «Рассуждать меня научили де Местр и Эдгар По»

Женщина естественна, а значит отвратительна. Кроме того, она всегда вульгарна, то есть прямая противоположность денди (фр.).

Во всякой перемене есть нечто постыдное и одновременно приятное: нечто, ассоциирующееся с неверностью и переездом (фр.).

Есть люди, способные развлечься лишь в толпе. Настоящий герой развлекается в одиночку (фр.).

Ужас перед жизнью и восторг перед жизнью. Вероятно, это симптом вялости нервной системы (фр.).

11 [197]

Смертная казнь: результат мистической идеи, сегодня совершенно непонятой. Смертная казнь не имеет целью sauver общество: она имеет в виду spirituellement как общество, так и виновного. Чтобы жертвоприношение совершилось по всем правилам, необходимы согласие и радость со стороны жертвы. Дать осужденному на смерть хлороформ было бы нечестием, поскольку это отняло бы сознание de sa grandeur comme victime и лишило бы его шансов обрести рай.

Что касается пытки, то она уходит корнями в partie infame du coeur de l'homme, в которой рождается жажда сладострастия. Cruauté et volupté — идентичные ощущения, как сильнейший жар и сильнейший холод.

11 [198]

Ce qu’il y a de vil dans une fonction quelconque.

Un dandy ne fait rien. Vous figurez-vous un dandy parlant au peuple, excepté pour le bafouer?

Есть лишь три достойных существа: священник, воин, поэт. Savoir, tuer et créer.

Прочие люди — taillables ou corvéables, faits pour l’écurie, c’est-à-dire для exercer ce qu’on appelle des professions.

11 [199]

La femme Санд была моралистом.

— elle a le fameux style coulant, cher aux bourgeois.

— elle est bête, elle est lourde, elle est bavarde. В вопросах морали — та же глубина суждения, та же деликатность чувства, как у les concierges et les filles entretenues.

— наивная старушка, не желающая сходить со сцены

— она уговорила себя se fier à son bon coeur et à son bon sens, и уговорила других grosses bêtes сделать то же.

— даже подумать не могу об этом stupide créature без содрогания.

11 [200]

Мне скучно во Франции, потому что все тут — вылитые Вольтеры. Вольтер, или Антипоэт (Эмерсон забыл его), le roi des badauds, le prince des superficiels, l’antiartiste, le prédicateur des concierges.

11 [201]

Вольтерова насмешка над бессмертной душою, что в течение девяти месяцев обретается между калом и мочой. Бодлер усматривает в подобном местоположении «une malice ou une satire de la Providence contre l’amour et, dans le mode de la génération, un signe du péché originel. De fait, nous ne pouvons faire l’amour qu’avec des organes excrémentiels».

11 [202]

Дезинфекция любви церковью: брак

11 [203]

Дендизм. Что такое высший человек? Это точно не специалист. C’est l’homme de loisir et d’éducation générale. Être riche et aimer le travail.

11 [204]

Что скучно в любви: это преступление, в котором нельзя обойтись без сообщника.

11 [205]

Si tu étais jesuite et révolutionnaire, comme tout vrai politique doit l’être ou l’est fatalement ...

11 [206]

Диктаторы — это les domestiques du peuple, не более; и слава — результат приспособления — l’adaptation d’un esprit à la sottise nationale —

11 [207]

Что есть любовь? Потребность выйти из самого себя.

Человек есть un animal adorateur. Adorer c'est se sacrifier et se prostituer. Aussi tout amour est-il prostitution.

l'indestructible, éternelle, universelle et ingénieuse férocité humaine. Любовь к крови, l'ivresse du sang, l'ivresse des foules.

11 [208]

NB. Défions-nous du peuple, du bon sens, du cœur, de l’inspiration et de l’évidence.

Как можно пускать женщин в храм? Что за беседы они могут вести с Богом?

L’éternelle Vénus (caprice, hystérie, fantaisie) est une des formes séduisantes du diable.

11 [209]

В любви l’entente cordiale — следствие недоразумения. Ce malentendu c’est le plaisir. Пропасть остается незаполненной.

11 [210]

«Soyons médiocres!» Сен-Марк Жирарден, от страстной ненависти к le sublime.

11 [211]

Не следует приписывать правящим князьям заслуги и пороки народа, над которым они царствуют. Эти заслуги и пороки почти всегда входят в состав атмосферы предыдущего царствования.

Людовиком XIV наследуется народ Людовика XIII: gloire.

Наполеоном наследуется народ Республики: gloire.

Наполеоном наследуется народ Луи Филиппа: déshonneur.

11 [212]

Неистребимый вкус к проституции в сердце человека: отсюда его ужас перед одиночеством. — Il veut être deux.

Гений (l’homme de génie) хочет быть одним, значит, одиноким

Слава — это оставаться одним и проституировать себя особым образом.

11 [213]

C’est cette horreur de la solitude, le besoin d’oublier son moi dans la chair extérieure, que l’homme appelle noblement besoin d’aimer.

11 [214]

De la nécessité de battre les femmes.

11 [215]

По своей сути торговля есть нечто сатанинское. Le commerce, c'est le prêté-rendu, c'est le prêt avec le sous-entendu: Rends-moi plus que je ne te donne.

— Дух каждого торговца совершенно vicié.

— Le commerce est naturel, donc il est infâme.

— Наименее гнусный среди торговцев — тот, кто говорит: будем добродетельны, так мы наживем гораздо больше, чем дураки, коснеющие в пороке. Для торговца даже честность — спекуляция с целью наживы.

— Le commerce est satanique, parce qu’il est une des formes de l’égoïsme —

11 [216]

Лишь благодаря недоразумениям все люди находят согласие. Если б они, на свою беду, понимали себя и других, то никогда бы не достигали взаимопонимания

Муж духа, то есть тот, кто никогда не достигнет взаимопонимания с каждым встречным, должен приучать себя любить общение с дураками и чтение скверных книг. Он извлечет из этого горькое наслаждение, которое с избытком вознаградит его за fatigue.

11 [217]

Функционер, министр — могут быть людьми, достойными самого высокого уважения: mais ils ne sont jamais divins. Люди без собственного лица, создания, лишенные оригинальности, рожденные для выполнения определенной функции, а именно pour la domesticité publique.

11 [218]

Любая газета — свидетельство чудовищнейшей человеческой извращенности: un tissu d’horreurs. И этим-то dégoûtant приправляет свои завтраки цивилизованный человек. Tout, en ce monde, sue le crime: le journal, la muraille et le visage de l’homme. — Как можно без содроганья чистыми руками прикоснуться к газете?..

11 [219]

Без любви я лишь кимвал звучащий.

11 [220]

Mes humiliations ont été des grâces de Dieu.

11 [221]

Je n’ai pas encore connu le plaisir d’un plan réalisé.

11 [222]

Tout recul de la volonté est une parcelle de substance perdue.

11 [223]

как Бодлер, который однажды кожей почувствовал над собой le vent de l’aile de l’imbécillité

11 [224]

Pour guérir de tout, de la misère, de la maladie et de la mélancolie, il ne manque absolument que le goût du travail.

11 [225]

«Ridentem ferient ruinae» надписано на его портрете.

11 [226]

1.

Что человечество призвано решить некую общую задачу, что оно как целое стремится к некой цели — это весьма расплывчатое и произвольное представление возникло совсем недавно. Быть может, от него удастся отделаться, прежде чем оно превратится в «идефикс» ... Никакое оно не целое, это человечество: оно есть неразложимое множество восходящих и нисходящих жизненных процессов — у него нет никакой юности, за которой следовала бы зрелость и, под конец, старость. Все эти пласты лежат в беспорядке и вперемешку — так, через несколько тысячелетий могут по-прежнему существовать более юные типы человека, нежели те, что мы можем наблюдать сегодня. Декаданс, с другой стороны, принадлежит ко всем эпохам человечества: повсюду имеются отбросы, продукты разложения, это сам жизненный процесс в действии, выделение вырожденных образований и отходов.

2.

Под диктатом христианского предрассудка этот вопрос вообще не стоял: смысл ограничивался спасением отдельной души; большая или меньшая долговечность всего человечества в целом просто не имела значения. Лучшие христиане желали, чтобы конец наступил как можно скорей — что требуется отдельному человеку, не вызывало ни малейшего сомнения ... Задача, которая ставилась в настоящем для каждого в отдельности, считалась неизменной и для будущих поколений в любом возможном будущем: ценность, смысл, охват ценностей — были тверды, безусловны, вечны, едины с Богом ... Все, что отклонялось от этого вечного типа, было греховным, дьявольским, проклятым ...

Центр тяжести для каждой души помещался в ней самой: спасение или проклятие! Спасение вечной души! Крайняя форма самопоглощенности ... Для каждой души имелось лишь одно возможное совершенство; лишь один идеал; лишь один путь к искуплению ... Крайняя форма равноправия, привязанная к оптическому эффекту преувеличения собственной важности вплоть до полного абсурда ... До нелепости «важные» души, эгоцентричные от непомерного страха ...

3.

Теперь уж никто не верит в это абсурдное важничанье: и мудрость свою мы просеяли сквозь сито презрения. Несмотря на это, неколебимой осталась оптическая привычка искать ценность человека в приближении к идеальному человеку: по сути, мы сохраняем как перспективу самопоглощенности, так и равноправие перед идеалом. In summa: считается известным, что является конечным желательным состоянием в плане идеального человека ...

Но эта уверенность — лишь следствие чудовищной избалованности, вызванной христианским идеалом: который мгновенно снова извлекается при самом робком исследовании «идеального типа». Считается известным, во-первых, что желательно приближение к одному типу; во-вторых, известно, вроде бы, также и какого рода этот тип; в-третьих — что всякое отклонение от этого типа есть попятное движение, торможение, утрата человеком своей силы и власти ... Вообразить только ситуации, когда этот совершенный человек имеет неслыханное численное превосходство: столь высоко его не поднимали даже господа утилитаристы, не говоря о наших социалистах. Таким образом, кажется, что в развитие человечества привнесена некая цель: во всяком случае, вера в прогресс, в поступательное движение к идеалу — это единственная форма, в которой ныне мыслится какая бы то ни была цель в истории человечества. In summa: приход «Царства Божия» было перенесено в будущее, на землю, в человеческую сферу — но при этом по сути была сохранена вера в старый идеал ...

11 [227]

Надо понять:

Что в выработке общего ценностного суждения постоянно участвовали все виды разложения и болезней: что в возобладавших ценностных суждениях декаданс даже получил перевес: что не только нам приходится бороться против последствий всего современного бедствия вырождения, но и что весь предшествующий декаданс не сказал еще последнего слова, то есть все еще жив. Такое общее отклонение человечества от своих основных инстинктов, такой общий декаданс ценностного суждения есть вопросительный знак par excellence, подлинная загадка, которую ставит перед философом животное по имени «человек» —

11 [228]

Главные разновидности пессимизма: пессимизм чувствительности (сверхвозбудимость с преобладанием чувства неудовольствия)

Пессимизм «несвободной воли» (иначе говоря, нехватка сил, тормозящих ответ на раздражители)

Пессимизм сомнения (робость перед всем твердым, перед всяким схватыванием или прикосновением)

все без исключения относящиеся сюда психологические состояния можно наблюдать в сумасшедшем доме, хотя в несколько преувеличенной форме. То же самое касается «нигилизма» (сверлящего ощущения «ничто»)

Но куда отнести моральный пессимизм Паскаля?
 метафизический пессимизм философии веданты?
 социальный пессимизм анархистов (или Шелли)?
 сострадательный пессимизм (как у Толстого, Альфреда де Виньи)?

— разве все это не равным образом феномены разложения и болезни?.. Крайнее сверхсерьезное восприятие моральных ценностей, или вымыслов о «том свете», или социальных бедствий, или страдания вообще: всякое подобное преувеличение отдельно взятой точки зрения — уже само по себе признак заболевания. Равным образом и преобладание Нет над Да!

Но вот что не следует с этим путать: радость отрицать словом и делом от избытка чудовищной силы и напряженного жизнеутверждения, — присущую всем богатым силой людям и временам. Как бы роскошь; и равным образом форма смелости, противостоящей страшному; симпатия к пугающему и спорному, потому что и сами мы, среди прочего, пугающи и спорны: дионисийское в воле, духе, вкусе.

11 [229]

Леопарди роптал и имел на то причины: но именно поэтому и нельзя отнести его к типу законченного нигилиста.

11 [230]

J’écris pour une dizaine d’âmes que je ne verrai peut-être jamais, mais que j’adore sans les avoir vues. Стендаль.

11 [231]

ок. 1844 г. Бодлер, тогда под влиянием Сент-Бёва (Жозефа Делорма), говорит ... Сент-Бёв ему: «Vous dites vrai, ma poésie se rattache à la vôtre. J’avais goûté du même fruit amer, plein de cendres, au fond.»

11 [232]

Бодлер: (“Volupté”, l’histoire d’Amaury)

и перед зеркалом, я усовершенствовал
жестокое искусство, которое демон, при рождении, мне даровал,
— из боли творить истинное наслаждение, —
кровоточить свою боль и чесать свою рану.

11 [233]

Набросать канву для лирической буффонады — и перевести это в серьезный роман. Утопить все это в неестественной, мечтательной атмосфере — в атмосфере великих дней. Пусть это будет что-то убаюкивающее и даже безмятежное в плане страсти. Пределы чистой поэзии...

11 [234]

Дальнейшее развитие человечества по представлениям Бодлера. Мы, конечно, не приблизились к дикому состоянию, на манер désordre bouffon южноамериканских республик, чтобы с оружием в руках искать себе пропитание среди обломков нашей цивилизации. Такое предположило бы еще какую-никакую жизненную энергию. Механика настолько нас американизирует, прогресс настолько атрофировал в нас духовные составляющие, что позитивная действительность оставила позади все самое безумное, что грезилось когда-либо социалистам. Уже — ни религии, ни собственности; даже никакой революции. Не в политических институтах скажется всеобщий крах (ou le progrès universel: названия мало что значат). Должен сказать, что та малость политики, что еще остается, se débattra péniblement dans les étreintes de l’animalité générale, что политические гувернеры будут вынуждены, дабы сохранить самих себя и создать призрак порядка, прибегать к средствам, qui feraient frissonner notre humanité actuelle, pourtant si endurcie! (Волосы встают дыбом!) Тогда сын сбежит из семьи двенадцати лет от роду, émancipé par sa précocité gloutonne, чтобы разбогатеть, чтобы составить конкуренцию своему подлому отцу, fondateur et actionnaire d’un journal, сеющей свет, и т.д. — Тогда даже проститутки станут глашатаями немилосердной мудрости, qui condamne tout, fors l’argent, tout, même les erreurs des sens! Тогда все, что мы называем добродетелью, будут считать уморительно смехотворным. Всё, что не есть ardeur vers Plutus. Для граждан, не умеющих добиться успеха, справедливость будет запрещена. — avilissement

Что касается меня — того, кто временами ощущает в себе всю смехотворность пророка, — то я хорошо знаю, что никогда не найду себе в этом la charité d’un médecin. Потерянный в этом жалком мире, coudoyé par les foules, я подобен усталому путнику, который, оглядываясь назад, не видит ничего, кроме désabusement et amertume долгих, пронзительных лет, а впереди — только бурю, в которой нет ничего нового, ни науки, ни боли. Le soir, où cet homme a volé à la destinée quelques heures de plaisir — однажды вечером, когда человеку этому случается украсть у судьбы часок удовольствия, — bercé dans sa digestion, oublieux autant que possible du passé, content du présent et résigné à l’avenir, enivré de son sang-froid et de son dandysme, fier de n’être pas aussi bas, que ceux qui passent, il se dit, en contemplant la fumée de son cigare: «Que m’importe, où vont ces consciences?» —

11 [235]

Глоток бы чистого воздуха! Это абсурдное состояние Европы не может тянуться дальше! Есть ли хоть проблеск мысли за всем этим бараньим национализмом? Какую ценность может иметь сейчас, когда все указует на великие и общие интересы, подзуживание на это убогое себялюбие?... И это еще называется «христианским государством»! И свора придворных проповедников, пристроившихся к высшим кругам!.. И «новая империя», опять основанная на самых затасканных и презреннейших идеях, равенство прав и голосов...

И это в ситуации, когда бросается в глаза духовная несамостоятельность и стирание национального начала, и притом, что подлинная ценность и смысл теперешней культуры состоит как раз во взаимном сплаве и оплодотворении!

Хозяйственное объединение Европы наступит с необходимостью — и точно так же, как реакция, возникнет партия мира...

Борьба за первенство в фазе ни на что негодной: вся эта культура больших городов, газет, лихорадки и «бесцельности»

11 [236]

Партия мира, чуждая сентиментальности, которая себе и своим детям запрещает воевать; запрещает прибегать к суду; которая накликает на себя противоборство, протесты, гонения; партия угнетенных, по крайней мере на время; в скором будущем — великая партия. Враждебная чувствам мести и обиды.

Партия войны, с такой же основательностью и строгостью к себе: применяя обратные меры —

11 [237]

Буддизм и христианство: борьба с рессентиментом.

11 [238]

Отмена «наказания». «Возмещение» вместо любых насильственных средств.

11 [239]

Первоначальное христианство есть упразднение государства:

оно запрещаетклятву
 военную службу
 суды
 защиту себя и защиту какой-либо целостности
 различие между соплеменниками и чужаками; а также сословный строй

Пример Христа: он не противится тем, кто творит ему зло (он запрещает защищаться); он не защищается; он делает больше: «подставляет левую щеку» (на вопрос «ты ли Христос?» он отвечает «и отныне узрите и т.д.»)

— он запрещает ученикам его защищать; он ясно дает понять, что мог бы получить помощь, но не хочет.

— христианство есть, в частности, упразднение общества: оно отдает предпочтение всему, что обществом отвергнуто, оно поднимается из опороченных и осужденных, из всякого рода отребья, из «грешников», «мытарей» и блудниц, из самого темного народа («рыбаков»); оно чурается богатых, ученых, знатных, добродетельных, «правильных» ...

11 [240]

К психологической проблеме христианства

Движущей силой остается: ressentiment, народное
восстание, бунт обойденных жизнью

(с буддизмом все обстоит иначе: он порожден не
ressentiment'ным движением. Он борется с ressentiment'ом,
потому что тот побуждает к действию)

эта партия мира понимает, что отказ от враждебности в помыслах и поступках есть условие ее заметности
и выживания

: в этом заключается психологическая трудность, которая
мешала понять христианство.

Создавший его инстинкт вынуждает к принципиальной
борьбе с самим собой —

Лишь в качестве партии мира и невинности это восстание обретает шанс на успех: оно должно победить предельной
мягкостью, медоточивостью, кротостью, его
инстинкт понимает это —

В чем секрет: отрицать и осуждать инстинкт, выражением
которого ты сам являешься, и непрестанно словом
и делом выставлять напоказ противоположность этого
инстинкта —

11 [241]

Право на жизнь, на труд, на счастье!!!

11 [242]

un doux rêve du «charmant docteur» — Renan

11 [243]

Христиане никогда на практике не поступали так, как предписал им Иисус: а вся бесстыдная болтовня о «вере», об «оправдании верой» и ее высшей и единственной роли — лишь следствие того, что у церкви никогда не хватало ни мужества, ни воли на то, чтобы исповедовать деяния, которых требовал Иисус.

11 [244]

Буддист поступает иначе, нежели небуддист; христианин поступает, как все, он исповедует христианство церемоний и настроений

11 [245]

Глубокая и презренная лживость христианства в Европе: мы действительно заслуживаем презрения со стороны арабов, индусов, китайцев ... Послушать только речи первого лица немецкого государства о том, что, собственно, занимало Европу вот уже сорок лет ... послушать только, что говорит этот тартюфствующий придворный проповедник

11 [246]

— не противиться «злу» ...

Но если не верить в добро и зло — что тогда это может означать?

11 [247]

— Ветхое право, которое противится злу и платит злом за зло, и новое, которое не платит, не защищается

11 [248]

— Еще лучше, когда за все дурное платят добром и уже —
невзирая на лица

11 [249]

Иисус отрицает церковь, государство, общество, искусство, науку, культуру, цивилизацию

Все мудрецы в свое время так же отрицали ценность культуры и государственной машины. —

Платон, Будда,

11 [250]

Храм этот надлежит разрушить и через три дня воздвигнуть другой.

11 [251]

За всю жизнь я ни мгновения не был христианином: все, что мне довелось встретить под видом христианства, я рассматриваю как презренную двусмысленность слова, настоящую трусость перед лицом всех господствующих сил ...

Христиане всеобщей воинской повинности, парламентаризма и права голоса, газетной культуры — и среди всего этого толкующие о «грехе», «искуплении», «загробной жизни», крестной смерти — долго ли можно выдержать в этаком нечистоплотном хозяйстве!

11 [252]

Никто из вас не решится убить человека, даже высечь или сделать меньшее — но невообразимое безумие государства одолевает отдельного человека, так что он снимает с себя ответственность за то, что делает (дисциплина, присяга и т.д.)

— Все, что делает человек на службе у государства, идет вразрез с его природой ...

— точно так же, все, чему он выучивается ради будущего служения государству, идет вразрез с его природой

Это достигается благодаря разделению труда: так что никто больше не несет всей ответственности.

: законодатель и исполнитель закона

: учитель дисциплины и муштрованные до жестокости и бесчувствия люди

Государство как организованное насилие ...

11 [253]

Что Иисус сказал нечто таинственно-мистическое, такое, что трудно понять, что можно понять только с помощью веры:

11 [254]

«Что у людей высоко, то мерзость перед Богом»

11 [255]

Интеллектуальное состояние Европы: наше варварство

презренная и жалкая нелепость воззрения о личном бессмертии человека: точка зрения, которую, похоже, переросли индусы, иудеи, китайцы

вера в Бога.

11 [256]

Войти в жизнь истинную

свою личную жизнь спасают от смерти, живя жизнью всеобщей

11 [257]

— церковь есть именно то, против чего агитировал Иисус — и против чего учил бороться своих учеников —

11 [258]

взаимность, задний умысел получить компенсацию за труд: одна из каверзнейших форм принижения ценности человека. Она приносит с собой «равенство», которым пропасть дистанции обесценивается как нечто аморальное ...

11 [259]

— у нас нет права ни на жизнь, ни на труд, ни даже на «счастье»: в этом смысле индивид ничем не превосходит простейшего червя.

11 [260]

— «что делать, чтобы уверовать?» — нелепый вопрос.

11 [261]

Чего недостает в христианстве, так это соблюдения
всего, что Христос заповедовал делать.

Это жизнь mesquine, но истолкованная взглядом
презрения

11 [262]

Бог создал человека счастливым, праздным, невинным и бессмертным: наша действительная жизнь — это фальшивое, падшее, греховное бытие, род штрафного существования ... Страдание, борьба, труд, смерть в роли возражений и вопросительных знаков в адрес жизни расцениваются как нечто неестественное, нечто такое, что не должно продолжаться; против чего ищут спасительные средства — и находят!..

11 [263]

От Адама до наших дней человечество находилось в ненормальном состоянии: Бог даже отдал собственного сына за вину Адама, дабы положить конец этому ненормальному состоянию: естественный характер жизни есть проклятие, Христос возвращает тому, кто в него верует, нормальное состояние: он делает его счастливым, праздным, невинным. Но земля не начала приносить плоды сама по себе, без труда человеческого; женщины по-прежнему рожают детей в страданиях; болезни не прекратились: и беззаветно верующему в этом смысле приходится ничуть не лучше, чем абсолютно неверующему. Только то, что человек избавлен от смерти и от греха — утверждения, не допускающие никакой проверки, — лишь это с тем большей определенностью утверждает церковь. «Он избавлен от греха» — не своими собственными деяниями, не суровой борьбой с собой, но будучи выкуплен деянием Спасителя, — безгрешен, следовательно, достиг совершенства, невинности, райского состояния ...

Истинная жизнь — лишь вопрос веры (то есть самообман, бредовая идея). Всё борющееся, бьющееся, полное блеска и тьмы реальное существование — лишь дурное, фальшивое существование: задача в том, чтобы спастись из него.

11 [264]

Религия исказила понимание жизни: всегда превращала науку и философию в ancillae этого учения...

Можно верить или не верить в Бога, в Христа, в Адама: в любом случае сходятся в том, что жизнь — лишь обман, нечто неистинное, нереальное —

11 [265]

Жизнь дурна: но не от нас зависит изменить ее к лучшему. Изменения исходят из законов, которые за пределами нашей власти. Детерминизм науки и вера в подвиг искупления в этом плане опираются на одно и то же основание.

Едины они и в том, что признают за человеком право на счастье, что по этой мерке осуждают теперешнюю жизнь —

11 [266]

Все спрашивают: «почему жизнь не такая, какой нам хочется, и когда же станет она такой?»

11 [267]

NB. NB. «человек, невинный, праздный, бессмертный, счастливый» — эту концепцию «наивысшей желательности» следует раскритиковать в первую очередь.

Почему вина, труд, смерть, страдание (и, говоря по-христиански, познание ...) против наивысшей желательности?

Подозрительные христианские понятия «блаженства», «невинности», «бессмертия»

11 [268]

«Воцарение мира между людьми»: как наивысшее
мыслимое благо: Царство Божие

11 [269]

будьте в мире со всем светом, ни на кого не смотрите так, будто он пустое место или вроде как не в своем уме! Когда мир нарушен, делайте все, чтобы вновь его восстановить. Почитание Бога целиком и полностью состоит в искоренении вражды между людьми. Примиряйтесь при малейшем споре, дабы не потерять внутреннего мира, который есть истинная жизнь. Что прежде всего омрачает мир? Во-первых, плотское вожделение: против этого единоженство, причем нерасторжимое. Второе искушение — клятва: она увлекает человека ко греху: никому и ни при каких обстоятельствах не приносите клятвы, дабы не иметь над собой господина, подобного Богу. Третье искушение — месть, называющая себя справедливостью: сносите несправедливости и не воздавайте злом за зло! Четвертое искушение — различение между соплеменниками и чужаками; ни с кем не нарушайте мира по причине вашей национальности и происхождения!

Исполнение этих пяти заповедей принесет состояние, к которому стремится человеческое сердце: все братья друг другу, каждый в мире с каждым, каждый наслаждается благами земными до самой своей кончины ...

Лк. IV, 18

«лето Господне благоприятное» — слова умиления, сошедшие с его уст —

11 [270]

прав человек ни на что не имеет; он только имеет обязательства за благодеяния, оказанные ему, и потому он не должен ни с кем судиться. Отдав даже всю свою жизнь, он все-таки не может отдать того, что ему было дано, и потому господин его не может быть несправедлив к нему. Если же человек заявляет права на свою жизнь, судится с началом всего, с тем, что дало ему жизнь, то этим он только показывает, что он не понимает смысла жизни. Люди, получив благодеяние, требуют еще чего-то. Работники в притче жили праздно, несчастливо: хозяин дает им высшее счастье жизни — труд. Они принимают благодеяние, но потом по-прежнему остаются недовольны. Они пришли на работу со своим ложным учением о том, что имеют право на свой труд и, стало быть, заслуживают вознаграждения. Они не понимают того, что и так даром получили самое высшее благо, что им надо выказать за это свою признательность — а не требовать платы. Мф. ХХ, 1 Лк. 17, 5, 10.

Учение — в отречении от личной жизни: а вы просите личной славы,— личной награды ... Только в миру есть слава и личная власть; но вы, ученики Мои, должны знать, что истинный смысл жизни не в личном счастье, а в служении всем, в унижении перед всеми ... Христос не приказывает им верить: он учит их истинному различению добра и зла, важного и вторичного ...

Петр не понимает учения: отсюда отсутствие у него веры. Только в плане личной жизни важно вознаграждение пропорционально работе. Вера в вознаграждение за работу по мере работы есть следствие теории личной жизни ...

11 [271]

Вера не может произойти от доверия к его словам: она может произойти только от осознания своего положения. Нельзя возбудить веру обещанием наград и угрозой наказания — та вера, которая «горы сдвигает», может зиждиться только на сознании нашей неизбежной погибели, если не принимается нами спасение, все еще возможное для нас ... — жизнь по воле хозяина

11 [272]

От Матфея 21, 18

— поутру же, возвращаясь в город, взалкал; и увидев при дороге одну смоковницу, подошел к ней и, ничего не нашед на ней, кроме одних листьев, говорит ей: да не будет же впредь от тебя плода вовек. И смоковница тотчас засохла. Увидевши это, ученики удивились и говорили: как это тотчас засохла смоковница? —

11 [273]

Пять заповедей: не сердитесь; не прелюбодействуйте; не клянитесь; не защищайтесь насилием; не ходите войной: может случиться, что вы не исполните какого-нибудь из этих правил, нарушите его так же, как вы нарушаете теперь в минуты увлечения ту или иную статью гражданского кодекса или кодекса приличия. Но в спокойные минуты не делайте того, что вы теперь делаете: устраивайте жизнь не такую, при которой столь трудной задачей оказывается не сердиться, не прелюбодействовать, не клясться, не защищаться насилием, не ходить войной, — устраивайте лучше такую жизнь, при которой трудно бы было это делать!

11 [274]

Для этой-то вашей нынешней жизни — обращается Толстой к неверующим, к нам, философам, — vous n'avez actuellement aucune règle, sauf celles, qui sont rédigées par des hommes que vous n'estimez pas et mises en vigueur par la police. La doctrine de Jésus vous donne ces règles, qui, assurément, sont d'accord avec votre loi, parceque votre loi de «l'altruisme» ou de la volonté unique n'est pas autre chose qu'une mauvaise paraphrase de cette même doctrine de Jésus.

Толстой, ma religion. Москва, 22 января 1884

11 [275]

Никакого Бога, умершего за грехи наши; никакого искупления верой; никакого воскресения из мертвых — всё это фабрикация фальшивой монеты из доподлинного христианства, ответственным за которую нужно признать того рокового упрямца;

Примерную жизнь составляют любовь и смирение; сердечная щедрость, не обходящая вниманием и самых низших; буквальный отказ от стремления сохранить за собой какие-либо права, отказ от защиты, от победы в смысле личного триумфа; вера в блаженство здесь, на земле, вопреки нужде, сопротивлению и смерти; миролюбие, отсутствие гнева, презрения; нежелание получать вознаграждение; воздержание от клятв; духовно-умственная неподвластность никому и ничему; это весьма гордая жизнь, подчиненная стремлению к жизни в бедности и служении другим.

После того как церковь не упустила случая завладеть всем христианским поведением и напрямую освятила жизнь в государстве, ту самую жизнь, которую Иисус оспаривал и осуждал, смысл христианства ей пришлось переместить в иную плоскость — веры в невероятное, церемониала молитвы, культа, праздника и т.д. Понятия: «грех», «прощение», «наказание», «награда» — всё имевшее мало значимости и даже практически исключенное в первоначальном христианстве, теперь выходит на передний план.

Жуткая мешанина греческой философии и иудаизма; аскетизм; нескончаемые суды и приговоры; иерархическая лестница;

11 [276]

Если непонятно, что церковь — не просто карикатура на христианство, но и вообще — организованная война против христианства: есть:

11 [277]

Толстой, р. 243

«La doctrine de Jésus ne peut pas contrarier en aucune façon les hommes de notre siècle sur leur manière d'envisager le monde; elle est d'avance d'accord avec leur métaphysique, mais elle leur donne ce qu'ils n'ont pas, ce qui leur est indispensable et ce qu'ils cherchent: elle leur donne le chemin de la vie, non pas un chemin inconnu, mais un chemin exploré et familier à chacun.»

p. 236

L'antagonisme entre les explications de l'Église, qui passent pour la foi, et la vraie foi de notre génération, qui consiste à obéir aux lois sociales et à celle de l'État, est entré dans une phase aiguë, et la majorité des gens civilisés n'a pour régler sa vie que la foi dans le sergent de ville et la gendarmerie. Cette situation serait épouvantable, si elle était complètement telle; mais heureusement il y a des gens, les meilleurs de notre époque, qui ne se contentent pas de cette religion, mais qui ont une foi toute différente, relativement à ce que doit être la vie des hommes. Ces hommes sont considérés comme les plus malfaisants, les plus dangereux et principalement le plus incroyants de tous les êtres: et pourtant ce sont les seuls hommes de notre temps croyant à la doctrine évangélique, si ce n'est pas dans son ensemble, au moins en partie... Souvent même ils haïssent Jésus... On aura beau le persécuter et les calomnier, ce sont les seuls, qui ne se soumettent point sans protester aux ordres du premier venu; par conséquent, ce sont les seuls à notre époque, qui vivent d'une vie raisonnée, non pas de la vie animale; ce sont les seuls, qui aient de la foi.

11 [278]

NB. Нельзя достаточно надивиться человеку, как только посмотришь на его умение пробиться, выстоять, выгодно использовать обстоятельства, повергать противников; стоит, напротив, понаблюдать, чего и как он желает, и он покажется нам нелепейшей бестией ... Ему словно нужна арена для упражнений в трусости, лености, слабости, льстивости, низкопоклонстве, чтобы дать отдых своим добродетелям силы и мужества: вот они, желательные для человека вещи, его «идеалы». Человек желающий отдыхает от вечноценного в себе, от своей деятельности: на ничтожном, нелепом, никчемном, ребяческом. Скудоумие и отсутствие всякой находчивости у этого столь изобретательного и изворотливого животного ужасает. «Идеал» есть как бы пеня, выплачиваемая человеком за чудовищную трату сил, которую ему необходимо покрыть во всех действительных и настоятельных задачах. Когда реальность пресекается, на смену ей грядет сон, утомление, слабость: «идеал» и есть форма сна, утомления, слабости ... Самые сильные и самые беспомощные натуры ничем не отличаются друг от друга, когда находит на них это состояние: они обожествляют это прекращение труда, борьбы, страстей, напряжения, противоречий, «реальности» in summa ... прекращение борения за познание, тягот познания

невинность: так называют они идеальное состояние отупения

блаженство: идеальное состояние лени

любовь: идеальное состояние стадного животного, которое не хочет больше иметь врагов

тем самым всё, что человека унижает и портит, было возведено в идеал.

11 [279]

Иисус противопоставлял действительную жизнь, жизнь по правде — тогдашней обычной жизни: ничто не было ему столь чуждо, как неуклюжая бессмыслица какого-нибудь «Петра навеки», какого-то вековечного личного бессмертия. Он ведь и борется не с чем иным, как с надутой важностью «личности»: как же может он для нее хотеть вечности?

Равным образом, борется он и с иерархией внутри общины: он не обещает наград по мере заслуги: как же мог он иметь в виду наказания и награды в загробной жизни!

11 [280]

Я не знаю, против чего иного могло быть направлено восстание, зачинщиком которого является Иисус, если не против иудейской церкви,— понимая «церковь» в точно таком же смысле, какой вкладывается в это слово теперь ... Это было восстание против «добрых и праведных», против «святых Израиля», против общественной иерархии — не против ее порчи, но против тирании касты, обычая, формулы, порядка, привилегии, духовной гордыни, пуританства в духовной сфере,— то было неверие в «высших людей» в духовном смысле слова, приведшее здесь к возмущению,— посягательство на всё, составлявшее суть священника и богослова. Однако поставленная всем этим под сомнение иерархия была той сваей, на которой только и держался народ иудейский, была с трудом завоеванной последней возможностью уцелеть, реликвией его давнего обособленного политического существования: нападение на иерархию означало нападение на глубочайший народный инстинкт, на волю иудейского народа к самосохранению. Этот святой анархист, призвавший к противодействию «господствующему сословию» подлый люд, отверженных и «грешников»,— речами, которые еще и сегодня кого угодно довели бы до Сибири,— был политическим преступником, насколько политическое преступление вообще было возможно при данных обстоятельствах. За то и попал он на крест: свидетельство этому — надпись на кресте: царь иудейский. Нет ни малейших оснований вместе с Павлом утверждать, будто Иисус умер «за грехи других» ... он умер за свой собственный «грех». Поставленный в иные условия, попав, например, в сегодняшнюю Европу, такого рода человек жил бы, учил и рассуждал как нигилист: в этом случае мы также услыхали бы рано или поздно от приверженцев его партии, что учитель умер ради справедливости и любви человека к человеку — не из-за своей вины, но из-за нашей (— вины ныне правящих классов: поскольку правление уже само по себе почитается у анархистов за вину).

11 [281]

Павел, инстинктивно угадав потребности неиудеев, перевел те великие символы первоначального христианского движения в нечто осязаемое и несимволическое: во-первых, противоположность истинной и ложной жизни он переделал в противоположность земной и небесной, потусторонней жизни, мостиком к которой служит смерть (— он соотнес их с движением времени, в виде «теперь» и «некогда» —). Попутно он черпал из чистого язычества, откуда и позаимствовал личное бессмертие — нечто столь же антихристианское, как и антииудейское. Но по всему миру, где только были тайные культы, верили в это загробное существование, причем виделось оно под углом зрения награды и наказания. Это омрачение язычества тенью возмездия за вину на том свете было как раз тем, с чем боролся, например, Эпикур ... Ухищрение Павла состояло в раздувании веры в то, что Христа снова видели уже после смерти (то есть факта коллективной галлюцинации), до масштабов богословской логики, как будто бессмертие и воскресение были коренными фактами и как бы замковым камнем спасительного порядка Иисуса (— для этого потребовалось все учение и практику старой общины поставить с ног на голову)

В этом юмор происшедшего, трагический юмор: Павел с большим размахом влил силы во все, что Христос жизнью своей свел на нет. В конечном счете, когда сложилась церковь, она принимает под свое крыло даже существование государства ...

11 [282]

NB.: наивный зачаток своего рода буддийского мирного движения, прямиком из самого горнила ressentiment'a ... но превращенный Павлом в учение языческих мистерий, какое в конечном счете научается ладить со всем государственным устройством ... и ведет войну, осуждает, пытает, клянется, ненавидит.

Павел исходит из потребности в мистериях больших толп, охваченных религиозным возбуждением: он ищет жертвы, кровавой фантасмагории, которая выдержала бы спор с личинами тайных культов: Бог на кресте, испитие крови, unio mystica с «жертвой»

он пытается установить каузальную связь загробного существования (блаженной, искупленной загробной жизни отдельно взятой души) в форме воскресения с этой жертвой (по типу Диониса, Митры, Осириса)

он вынужден выдвинуть на передний план понятие вины и греха, не новый образ жизни (какой показывал и проповедовал сам Иисус), но новый культ, новую веру, веру в чудесное превращение («искупление» верой)

он понял великую потребность языческого мира и произвел совершенно произвольную выборку из фактов жизни и смерти Христа, повсюду заново расставил акценты, сместил центр тяжести ... он в принципе аннулировал первоначальное христианство ...

Посягательство на священника и богослова вылилось, благодаря Павлу, в создание нового духовенства и богословия — господствующего сословия, а также и церкви

Посягательство на непомерно раздутую важность «личности» вылилось в веру в «вечную личность» (в заботу о «спасении навек» ...), в парадоксальнейшее преувеличение личностного эгоизма.



Видите, что произошло вместе со смертью крестной? Демоном «дисангелия» предстает Павел ...

11 [283]

Это чтобы вред от человека служил достаточным доводом против него?.. Будто среди великих покровителей жизни не было великих преступников!..

Животных мы не тревожим своими пожеланиями; природу тоже; а вот людей мы решительно хотим видеть иными...

Самых необычайных людей — при условии, что их формирование потребовало бы воли, принятия решений, своего рода голосования, — вовек не стали бы создавать...

Но вот что мне стало понятно: если бы формирование великих и редкостных людей поставить в зависимость от согласия многих (принимая, что эти последние знали бы, какие качества относятся к величию, а также за счет чьих непомерных издержек развивается всякое величие), — так вот, это никогда не помешало бы значительному человеку...

Что ход вещей определяется независимо от согласия большинства: вот почему кое-что изумительное проскользнуло-таки на землю...

11 [284]

В Марокко узнаешь средневековье; на Корсике — иудейскую и арабскую истории в момент их предельной концентрации; в Аравии — патриархальную эпоху;

11 [285]

Чувствовать прилив сил — или иными словами, радость — это всегда предполагает сравнение (причем не обязательно с другими, но с самим собой, когда ты весь в состоянии роста, и даже не знаешь, с чем сравниваешь —)

— искусственная стимуляция: посредством ли возбуждающих химикатов, или же возбуждающих заблуждений («бредовых представлений»)

например, чувство уверенности, свойственное христианину. Он чувствует себя сильным, имея возможность доверять, быть терпеливым, не терять самообладания: этой искусственной стимуляцией он обязан бредовой идее, будто Бог его бережет

например, чувство превосходства, когда халиф Марокко разглядывает лишь такие глобусы, на которых три его соединенных королевства занимают четыре пятых земной поверхности

например, чувство исключительности, когда европеец воображает, будто развитие культуры вершится именно в Европе и когда он самому себе кажется своего рода аббревиатурой всего мирового процесса; или когда христианин заставляет всю жизнь вообще вращаться вокруг «спасения человека» —

Важно то, где мы испытываем давление, несвободу: в зависимости от этого рождаются разные чувства собственной силы. Философ чувствует себя как рыба в воде, упражняясь среди ледяных заоблачных абстракций: тогда как цвета и звуки его угнетают, не говоря о смутных влечениях — о том, что другие зовут «идеалом».

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Морфология видов самосознания:

Первая точка зрения

А: в какой мере виды сочувствия и сознания общности являются низшими, подготовительными ступенями — во времена, когда личное самосознание, инициатива в установлении ценности, присущая особи, была еще совершенно невозможна

В: в какой мере уровень коллективного самосознания, гордость в радиусе клана, ощущение своего отличия, антипатия к посредничеству, равноправию, миролюбию является школой индивидуального самосознания: особенно, в какой степени она заставляет индивида воплощать собой гордость целого... Он должен говорить и действовать с предельным уважением к самому себе, поскольку в своем лице изображает всю общину...

то же самое: когда индивид ощущает себя орудием и рупором божества

С: в какой мере эти формы нивелирования действительно придают личности неслыханную значимость: поскольку высшие силы пользуются ими, религиозный страх перед самим собой — состояние пророка, поэта...

D: в какой мере ответственность за целое прививает и позволяет особи более широкий взгляд, наделяет сильной и грозной рукой, благоразумием, хладнокровием и величавостью, которые она никогда бы себе не разрешила только ради себя самой

In summa: коллективные виды самосознания служат великой подготовительной школой личной суверенности

благородное сословие — то, которое получает в наследство плоды этой тренировки —

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Понятие власти, будь то Бога или человека, всегда одновременно со способностью приносить пользу включает и способность вредить. Так у арабов; так у евреев. Так у всякой яркой, удачной расы.

Роковой шаг совершается, когда дуалистически отделяют способность на одно от способности на другое ... Так мораль становится отравительницей жизни ...

11 [288]

Друзья мои, сегодня в этом «государстве» уже нужно ползать на всех четырех и вопить по-ослиному: нужда заставляет морочить этой «чуме» голову, притворяясь ослом,— единственный способ самому не заразиться этим безумием

11 [289]

Ева - это змея: она занимает вершину библейской генеалогии (вообще у евреев довольно часто встречаются «змеиные» имена собственные)

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Смысл обрезания — первостепенное испытание мужественности (аттестат зрелости, только после этого можно жениться): у арабов оно называется «обдиранием». Обряд проходит под открытым небом: юношу обступают отец и друзья. Обрезальщик достает нож и, срезав крайнюю плоть, снимает также и всю кожу с члена (срамных частей) и живота от пупа до самых бедер. Юноша при этом потрясает зажатым в правой руке ножом над спиной обрезальщика и восклицает: «режь, не бойся!». Горе, если обрезальщик заколеблется и рука его дрогнет! Отец же на месте убьет собственного сына, если тот вскрикнет от боли. Наконец, юноша затягивает подобие gloria Deo и отправляется в палатку, где от боли падает как подкошенный. Кое-кто погибает от чудовищного нагноения, из десяти зачастую в живых остается восемь: у этих нет волос на лобке, а кожа живота белесая. (племя гасир)

11 [291]

уравнение «варвар = необрезанный» — настолько же арабское, как и иудейское

11 [292]

Христианство не поняло смысла обедни, этого причащения плотью и питьем, которые естественным путем пресуществляются в плоть и кровь —

Всякая общность есть кровная общность. Это общность не только врожденная, но и приобретенная; точно так же как и кровь есть не просто нечто врожденное, но и нечто приобретаемое. Кто ест и пьет друг с другом, тот обновляет кровь свою из одного и того же источника, вливает в свои жилы одну кровь. Чужак и даже враг, который делит с нами трапезу (пусть и без нашего согласия или вообще против нашей воли), благодаря этому принимается в общность нашей плоти и крови, по крайней мере, на время.

11 [293]

Совместное испитие крови — древнейший способ заключения и скрепления союза. Сотрапезничество означает сакральную общность. Животное, дающее кровь союза, является жертвой; через всякую жертву и осуществляется заключение союза.

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«Христианство» сделалось чем-то в корне отличным от того, что вершил и хотел его основатель

это великое антиязыческое движение древности, сформулированное на материале жизни, учения и «речений» основателя христианства, но в абсолютно произвольной интерпретации по схеме в корне отличавшихся потребностей: переведенное на язык всех уже имевшихся подпольных религий

это пришествие пессимизма, в то время как Иисус желал принести мир и счастье для агнцев

: причем — пессимизма слабых, побежденных, страждущих, угнетенных

их смертельный враг — 1) власть в характере, духе и вкусе; «светскость»; 2) классическое античное «счастье», благородное легкомыслие и скепсис, несгибаемая гордость, эксцентричная распущенность и холодная самодостаточность мудреца, греческая утонченность жестов, слов и форм,— их смертельный враг настолько же грек, как и римлянин.



Попытка антиязычества философски обосновать себя и сделать приемлемым: нюх на двусмысленных персонажей старой культуры, прежде всего — на Платона, этого инстинктивного антиэллина и семита ... Также на стоицизм, который по сути является созданием семитов (— «достоинство» как суровость, закон, добродетель как величие, ответственность перед самим собой, авторитет как высшая личная суверенность — всё это по-семитски:

стоик — арабский шейх, повитый эллинскими пеленками и понятиями

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Христианство с самого начала перетолковало все символическое в грубореалистическом смысле:

1)противоположность «истинной жизни» и жизни «ложной» была превратно понята как жизни «на этом» и «на том свете»
2)понятие «вечной жизни», в противоположность бренности личной жизни, — как «личное бессмертие»
3)побратимство через совместное вкушение пищи и питья, по еврейско-арабскому обычаю, — как «чудо пресуществления»
4)«воскресение» — в значении вступления в «жизнь истинную», «возрождения» — стало: некой исторической возможностью, вступающей в силу когда-то там после смерти
5)учение о сыне человеческом в значении «сына Божьего», живая связь между человеком и Богом — стало: «вторым Лицом Божества», ее-то и упразднившим — сыновнюю связь с Богом каждого человека, даже самого низкого
6)искупление верой, верой в то, что нет иного пути к сыновству Божьему, кроме проповеданного Христом образа жизни, — стало, наоборот, верой, что теперь надо верить в некое чудесное погашение грехов, причем совершенное не самим человеком, но деянием Христовым
 : в результате: «Христос на кресте» требовал нового истолкования.

Сама по себе эта смерть вовсе не была главным ... она служила лишь еще одним указанием на то, как следует вести себя по отношению к властям и законам мира — не защищаясь ... В этом и заключался пример.

Христианство просто подхватило ту борьбу, которая и до него велась против классического идеала, против благородной религии

Фактически, все это преобразование есть перевод на уровень потребностей и понимания тогдашней религиозной массы: той массы, которая веровала в Исиду, Митру, Диониса, «Великую Мать» и которой от религии требовались

1)надежда на загробную жизнь
2)кровавая фантасмагория жертвенного животного, «мистерия»
3)искупительное деяние, священная легенда
4)аскетизм, мироотрицание, суеверное «очищение»
5)иерархия, форма построения общины

короче: христианство подстраивается под уже существующее, внедрившееся всюду антиязычество, под культы, с которыми вел борьбу еще Эпикур ... точнее, под религии черни: женщин, рабов, неблагородных сословий.

Подытожим лжепонимания:

1)бессмертие личности
2)мнимый мир иной
3)нелепые понятия греха и наказания на самом видном месте в истолковании человеческого существования
4)обезбожение человека вместо его обожения, разверзание глубочайшей пропасти, преодолеть которую может помочь лишь чудо, лишь поклон глубочайшего самоуничижения
5)целый мир порченого воображения и болезненного аффекта, вместо простой, доброжелательной практики, вместо на земле достижимого буддийского счастья ...
6)церковный строй, с духовенством, богословием, культом, таинствами; короче, всё то, против чего Иисус Назарянин боролся
7)чудо во всем и вся, суеверие: в то время как отличительной чертой иудаизма и древнейшего христианства является как раз антипатия к чуду, их относительная рациональность

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Journal des Goncourt I.

«Бог à l’américaine, который является Богом очень по-человечески: он носит очки и о нем можно встретить заметки в бульварной прессе» — Бог на фотографии —



... она выспрашивает новости о вашей душе: «ну что, посетила вас благодать?», точно осведомляется: «у вас насморк?»



Жубер: его мыслям недостает французской определенности. Нет ни ясности, ни прямоты. Отдает малой женевской школой: мад. Неккер, Траси, Жуффруа. Дрянной Сент-Бёв — оттуда же. Жубер обтачивает идеи, словно du buis.



— время от времени мы испытываем потребность d'un encanaillement de l'esprit



— его речам недостает вольного мазка; сплошь милые, маленькие, робкие вещи (о Сент-Бёве)



— разве древние подражали какой-то прекрасной реальности? что если они вообще не были «идеалистами»?



— они искали нуля, чтобы удесятерить свою ценность



— в ранней юности, когда вся живость экспансии во внешний мир замирает из-за великого одиночества —



«в синагоге чувствуешь себя как на Востоке, в царстве счастливой религии. Своего рода фамильярность с Богом, никакой молитвы, не то что в христианской церкви, где всегда чего-то тщетно домогаются ... »



«Четыре синдика» Рембрандта; «Мученичество святого Марка» Тинторетто — прекраснейшие на свете картины в глазах Гонкуров.



Английский комфорт — замечательное понимание того, что нужно для довольства плоти, только это такое блаженство, что подходит скорее слепцу: глазам от него — никакой радости.



NB: rien de si mal écrit qu'un beau discours.



В «Саламбо» Флобер показывает себя во всей красе — напыщенный, высокопарный, мелодраматичный, любитель густых красок



— единственный, кто раскопал язык, которым только и можно говорить о древних временах: Морис де Герен в «Кентавре»



— народ не любит ни истину, ни простоту: ему по нраву романы и шарлатаны.



Весьма примечательно, что четыре мужа les plus purs de tout métier et de tout industrialisme, les quatre plumes les plus entièrement vouées à l’art предстали прямиком перед судом police correctionelle: Бодлер, Флобер и Гонкуры.



Мы уже удесятерили скорость всех средств сообщения: но одновременно стократ выросла наша потребность в быстроте ...



Je hais tout ce qui est coeur imprimé, mis sur du papier. Гаварни.



Признаки порчи древних цивилизаций: находить радость в одних лишь творениях человека и à s’embêter des œuvres de Dieu.



le siècle des chefs-d'œuvre de l'irrespect



блаженство в алжирском сиянии, этот льстивый свет: так вдыхаешь непомраченность ...



Французская melancolie contemporaine, une mélancolie non suicidante, non blasphématrice, non désespérée: une tristesse, qui n'est pas sans douceur et où rit un coin d'ironie. Меланхолии Гамлета, Лары, Вертера, даже Рене — это всё меланхолии северных народов вроде нас самих.



Тип 1830-го: энергичные черты, кроткое выражение, мягкий, приветливый смех; привычен к сече, к благородной борьбе, к пылким симпатиям, к безоговорочному одобрению молодой аудитории; и при этом, в сущности, преисполненный скорби и раскаяния безутешного, разбитого сердца; политические идеи 1848-го снова на миг зажгли в нем лихорадочный жар. Вслед за тем мысли и чаяния его затянуло скукой и праздностью. Выдающийся ум, терзающийся мирной ностальгией по идеалу в политике, литературе, искусстве, вполголоса сетующий и на одном себе вымещающий зрелище несовершенства всего в подлунном мире.



В современном своде законов, в гражданском кодексе честь забыта настолько же основательно, как и la fortune. Pas un mot de l'arbitrage de l'honneur: дуэли и т.д. Что касается la fortune в наши дни, qui est presque toute в биржевые операции, [dans les operations de bourse], de courtage, d'agiotage, de coulisse ou d'agences de change, то абсолютно ничего не предусмотрено для его охраны и защиты: нет никакой регламентации de ces trafics journaliers; суд некомпетентен в вопросах любых биржевых сделок; маклер не выдает никакой расписки.



Лабрюйер: «on peut se servir des coquins, mais l'usage en doit être discret».



Как только хватает у кого-то мужества обращаться к театральной публике? Пьесу оценивает masse d'humanité réunie, une bêtise agglomérée ... (Книгу же выслушивают в одиночестве —)



«Если ты добр, то кажешься трусом: надо быть злым, чтобы слыть мужественным»: тема для Наполеона III



«Хорошую местность вокруг себя я почувствую скорее à la campagne, чем в чистом поле или в глухом лесу». Мы слишком цивилизованны, слишком стары, слишком влюблены во все factice и artificiel, чтобы находить радость в зелени земли и небесной синеве.

Флобер туда же: horreur на Риги.



Литература XX века: сумасшедшая и одновременно математически точная, аналитически-фантастическая: вещи важнее живой души, теперь они выходят на передний план; с любовью покончено (уже у Бальзака на авансцену выходят деньги): истории, которые она рассказывает, происходят скорее в головах, чем в сердцах.



Ces désespérances, ces doutes, non de nous, ni de nos ambitions, mais du moment et des moyens, au lieu de nous abaisser vers les concessions, font en nous, plus entière, plus intraitable, plus hérissée, la conscience littéraire. Et, un instant, nous agitons si nous ne devrions pas penser et écrire absolument pour nous, laissant à d'autres le bruit, l'éditeur, le public. Mais, comme dit Gavarni: on n'est pas parfait.



café как рудиментарное состояние: веселья на сорок сантимов, может чуток газа (gaz exhilarant) впридачу: une demi-tasse de paradis



Гаварни: это ужасно, но так и есть, vénération во мне — ни на грош. (зато sensitivités—)



Флобер: de la forme naît l'idée, высшая формула школы, согласно Теофилю Готье



il faut à des hommes comme nous, une femme peu élevée, peu éduquée, qui ne soit que gaieté et esprit naturel, parce que celle-là nous réjouira et nous charmera ainsi qu'un agréable animal, auquel nous pourrons nous attacher.



Время, когда все мужчины будут читать, а все женщины — играть на фортепьяно, будет знаком того, что мир дошел до полного разложения; он вычеркнул из памяти слова из завещания кардинала Ришелье: «ainsi qu'un corps qui auroit des yeux en toutes ses parties, seroit monstrueux, de même un État le seroit, si tout les sujets étoient savants. On y verroit aussi peu d'obéissance que l'orgueil et la présomption y seroient ordinaires».



Нет больше живописцев. Une armée de chercheurs d'idées ingénieuses. De l'esprit, non de touche, mais dans le choix du sujet. Литература кисти.



Рафаэль нашел классический тип Девы, поскольку довел до завершенности вульгарный тип, — поскольку предложил абсолютную противоположность красоте в том виде, в каком искал ее да Винчи в своих карикатурных типах и странных минах. Род чисто человеческой непомраченности, закругленная красота, почти юноновское здоровье. Она навеки останется популярной.



Вольтер — последний ум старой Франции, Дидро — первый ум новой. Вольтер похоронил эпос, басню, малый стих, трагедию. Дидро открыл эпоху современного романа, драмы и художественной критики.



Быть скептиком, исповедовать скептицизм — дурной путь пробивать себе дорогу! Орудие скепсиса — ирония, формула, менее всего доступная aux épais, aux obtus, aux sots, aux niais, aux masses. Но это отрицание, это сомнение во всем, шокирует иллюзии всех — по меньшей мере те, что все подряд афишируют: самодовольство человечества, предполагающее довольство собою, — успокоенность человеческой совести, которую буржуа тужится выдать за успокоенность своей личной совести. —



В основе этого метафизического монолога мне чувствуется глубокая озабоченность — «la préoccupation et la terreur du au-delà de la mort, que donne aux esprits les plus émancipés l'éducation religieuse».



Мужчина создал женщину, вложив в нее всю свою поэзию ... Гаварни



У клоунов и канатоходцев профессия равнозначна долгу: это единственный род актеров, чей талант бесспорен и абсолютен, как дар математика, а еще больше comme le saut périlleux. Потому что здесь не может быть одной видимости таланта: ты либо падаешь, либо не падаешь.



Rien de plus charmant, de plus exquis que l'esprit français des étrangers, l'esprit de Galiani, du prince de Ligne, de Henri Heine.



Флобер: «après tout, le travail, c'est encore le meilleur moyen d'escamoter la vie».



Что поражает у Виктора Гюго, который хотел и стремился к тому, чтобы слыть мыслителем, так это отсутствие мысли. Это не мыслитель, это какое-то природное существо (un naturaliste, говорит Флобер): в жилах его течет древесный сок —



De l'amoureux à la mode. 1830 le ténébreux — под влиянием Энтони. Ведущий актер задает тон для любовного обольщения. В 1860-м это le farceur (по образцу Грассо)



Нет больше бедных, чтобы работать на земле. Воспитание разрушает расу трудящихся, а значит и земледелие ...



истинная свобода существует для индивида лишь до тех пор, пока он еще не enrégimenté во всецело цивилизованное общество: здесь он перестает быть собственником себя самого, всего своего добра, своего добра. Начиная с 1789-го государство с дьявольской алчностью поглощало права всех и каждого, и я спрашиваю себя, а не готовит ли нам будущее под именем абсолютного господства государства еще и совершенно иную тиранию, servi par le despotisme d'une bureaucratie française

Journal des Goncourt I, p. 147.

11 [297]

Половинная годность, или добрый человек.



Попытке мысленно отделить от божества все «злые» качества и намерения соответствует попытка урезать человека наполовину, оставив только ту часть, которую составляют его добрые качества: ни при каких обстоятельствах не должен он вредить, хотеть навредить ...

Путь к этому: отсечение возможности вражды, искоренение ressentiment'а, мир как единственное и единственно дозволенное внутреннее состояние ...

Отправной пункт здесь всецело идеологичен: сначала «добро» и «зло» определяются как противоречие, отсюда логический, как считается, вывод, что добро в корне отрекается от «зла» и противится ему,— таким образом предполагают вернуться к цельности, к единству, к силе и положить конец собственной внутренней анархии и разрыванию личности между непримиримыми ценностными мотивами.

Но: войну считают злом — и все равно завязывают войну!.. Иными словами: сейчас и подавно не перестают ненавидеть, отрицать словом и делом: христианин, например, ненавидит грех (но не грешника: две эти вещи различает его благочестивое лукавство). И как раз в силу этого ложного разделения «доброго» и «злого» так чудовищно разросся мир вещей ненавистных, подлежащих вечному подавлению. На практике «добрый» видит себя в кольце зла, видит зло во всяком действии и поступке — в конечном счете он счел природу злой, человека — порочным, доброту понял как благодать.

— Так возникает тип, переполненный ненавистью и презрением, но лишивший себя всех средств воевать на деле, с оружием в руках: червивая порода «избранных», апостолов мира

I. Законченный «олух».

Стоический тип, иначе, законченный олух. Твердость, самообладание, несокрушимость, душевный мир как непреклонность долгосрочной воли — глубокий покой, неприступность скалы, воинственная недоверчивость — неколебимость устоев; единство воли и знания, глубокое уважение к себе. Отшельнический тип.



Последовательный тип: тут понимают, что и зло не следует ненавидеть, не следует противиться ему, что не следует вести войну и с самим собою: что не всё же только принимать страдания, которые несет с собой подобная практика; что живут-то исключительно позитивными чувствами; что становятся на сторону противников словом и делом; что переудобрением мирных, добрых, примирительных, отзывчивых и ласковых состояний истощают почву для иных состояний ... что необходима постоянная практика

что здесь достигается? — Буддийский тип, или законченная корова-недотепа

Такая точка зрения лишь тогда возможна, когда неведомо господство морального фанатизма, то есть когда зло ненавистно не из-за него самого, но лишь потому, что оно прокладывает путь к огорчительным состояниям (беспокойство, труд, забота, осложнения, зависимость.)

Это буддийская точка зрения: здесь нет ненависти ко греху — здесь отсутствует само понятие «греха».

II.

Непоследовательный тип: здесь воюют со злом — полагая, что война во имя добра не имеет тех моральных и психологических последствий, которые влечет за собой война в иных случаях (отчего и относятся к ней как ко злу). На самом деле, подобная война со злом губит душу куда основательней какой бы то ни было вражды одной личности к другой; к тому же обыкновенно и здесь все равно вклинивается «личность», хотя бы в виде воображаемого противника (дьявол, бесы и т.д.). Враждебный настрой, выискивание, выслеживание всего, что в нас дурно или могло бы иметь дурное происхождение, выливаются в крайне замученное и беспокойное состояние духа, так что теперь желательны становятся «чудо», награда, исступление, развязка на том свете ...

Христианский тип, или законченный лицемер.

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Сколь фальшивыми, сколь лживыми оказывались всегда люди в том, что касается ключевых фактов их внутреннего мира! Одного не замечают, о другом помалкивают, а то как ляпнут —

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Громкие слова
Великие люди
Великие времена
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«Объективность» философа: моральный индифферентизм в отношении себя, слепота к хорошим и дурным последствиям: беспечность в употреблении опасных средств; извращенность и многосложность характера расшифрованы как преимущество и пущены в оборот —

Мое глубокое равнодушие к себе самому: я не хочу извлекать никакой выгоды из моих познаний и в то же время не избегаю невыгод, которые они приносят, — включая сюда и то, что можно назвать порчей характера; вот какая раскрывается перспектива: я манипулирую своим характером, но, забыв о его понимании или изменении, — мне ни на миг не пришел в голову личный calcul добродетели.

Мне кажется, человек закрывает перед собой врата познания, как только проявляет пристрастие к своему личному случаю — тем более к «спасению» своей души!.. Нельзя слишком много воображать о своей морали и лишать себя скромного права на ее противоположность ...

Наверное, здесь служит предпосылкой своего рода избыток морального наследия: мы нутром чувствуем, что можем тратить его направо и налево, бросать на ветер и не особенно от этого обеднеем. Никогда не испытывать искушения повосхищаться «прекрасными душами». Знать, что неизменно их превосходишь. Чудищ добродетели встречать с затаенной насмешкой; déniaiser la vertu — тайное удовольствие.

Смотреть вокруг себя; не желать стать «лучше» или вообще хоть в чем-то «другим»; пристальный интерес, чтобы не раскидывать на вещи щупальца и сети какой бы то ни было морали —

11 [301]

Эта фигура лишена цельности. Ее не только задрапировали всевозможным пословичным и глубокомысленным ханжеством, почти опошлив до «моралиста»: скверно, что сам тип не остался незапятнан. Можно гадать, с каких давних пор фигуре этой пришлось служить исконно другим замыслам: очень скоро от нее, уже заметно подправленной, осталось одно предание. Сдается, что типичный пророк древнего Израиля наложил сильный отпечаток на эту модель: совсем неевангельские черты, гневливость, проклятия, все эти столь невероятные пророчества «суда», этот пустынный типаж, безудержное поношение книжников и фарисеев, изгнание из храма

— также проклятие смоковницы — типичный случай того, как и в каких обстоятельствах не следует творить чуда

Не проклинай. Не ворожи. Не мсти. Не лги (— ведь то, что нечто окажется столь любезным, что станет истиной просто потому, что его считают за истину, есть ложь: мы три раза на дню имеем для этого demonstratio ad absurdum

11 [302]

Здесь каждое слово — символ; реальности, в сущности, больше нет. Существует величайшая опасность упустить из виду, что это символы. Почти все церковные понятия и оценки вводят в заблуждение: вообще едва ли возможно более основательно не понять Новый Завет, чем это сделано церковью. Для понимания у нее не было ни единой предпосылки: отсутствовала нейтральность историка, которого ни черта не заботит, держится ли на слове «спасение души»

У церкви никогда не находилось доброй воли для понимания Нового Завета: она всегда хотела с его помощью хорошо показать себя. Она искала и продолжает искать позади него некую теологическую систему: она выставляет это в качестве предпосылки — она верит в одну-единственную истину. Потребовалось дождаться девятнадцатого столетия — le siècle de l’irrespect — чтобы сызнова овладеть парой самых предварительных условий для прочтения этой книги именно как книги (а не как истины), чтобы разглядеть в этой истории не «священное повествование», а наваждение побасенок, косметику, подделку, палимпсест, неразбериху — короче, реальность ...



Мы недостаточно отдаем себе отчет, в каком понятийном варварстве мы, европейцы, все еще коснеем.

NB: И ведь могли же люди верить, будто «спасение души» держится на книге! ... Говорят даже, и сегодня еще верят.

Но чего стоит тогда все научное воспитание, вся критика и герменевтика, коль скоро такая бессмыслица, как толкование Библии, каким сохраняется оно церковью, не покрывало нас краской стыда с головы до пят?

11 [303]

Вглядитесь

Вглядитесь: эта женская любовь, это женское сострадание — бывает ли что-либо эгоистичней?... И когда они жертвуют собой, своей честью, своей репутацией, то ради кого эта жертва? ради мужчины? или, может, в угоду собственной безудержной потребности?

— все это такие эгоистичные желания: если же они благодетельствуют других и вселяют благодарность ...

— до какой степени подобное переудобрение одной частной оценки может освятить всё

11 [304]

Мы с полным правом могли бы быть этим шокированы: такой энтузиазм, как у Тэклы, есть нечто такое, чего в принципе нельзя одобрить. Мы можем, конечно, дать таланту поэта увлечь себя и позволить себе симпатизировать отдельному индивиду, который исполнен этим энтузиазмом, но он не может служить основанием для какой-либо всеобщей системы, et nous n’aimons en France que ce qui peut être d’une application universelle.

Театральная мораль во Франции гораздо строже, нежели в Германии. Cela tient à ce, que les Allemands prennent le sentiment pour base de la morale, tandis que pour nous cette base est la raison. Un sentiment sincère, complet, sans bornes, leur paraît, non seulement excuser ce qu’il inspire, mais l’ennoblir et, si j’ose employer cette expression, le sanctifier. У нас куда более строгие принципы, и мы никогда не отступаемся от них в теории. Чувство, не признающее долга, кажется нам лишь еще одним недостатком; мы бы скорее простили корысть, потому что корысть обставляет свои нарушения с большей ловкостью и пристойностью. Чувство бросает вызов общественному мнению, brave l’opinion, и общество в результате раздражается против него; корысть пытается обмануть общественное мнение, щадя его, и даже если последнее раскрывает обман, то все же не может не испытать благодарности за такого рода преклонение перед собой.

11 [305]

Nous n’envisageons l’amour que comme les passions humaines, c’est-à-dire ayant pour effet d’égarer notre raison, ayant pour but de nous procurer des jouissances. B. Constant.

11 [306]

Правило единств крайне затрудняет композицию: elles circonscrivent les tragédies, surtout historique, dans un espace. — Они часто заставляют поэта пренебрегать в событиях и характерах правдивой постепенностью развития, тонкостью оттенков; появляются провалы, чересчур резкие переходы.

Французы выписывают только один факт или одну страсть. Они испытывают потребность в единстве. Ils repoussent des caractères tout ce qui ne sert pas à faire ressortir la passion qu'ils veulent peindre; ils suppriment de la vie antérieure de leurs héros tout ce qui ne s'enchaîne pas nécessairement au fait, qu'ils ont choisi.

Французская система представляет le fait qui forme le sujet и также la passion, qui est le mobile de chaque tragédie, в совершенном isolement. Единство интереса, перспективы. Зритель сразу признает, что это не исторический персонаж, но un héros factice, une créature d'invention —

11 [307]

Нуждается ли любовь в тревогах и беспокойстве? Нужно ли унавоживать ее ревностью? Тянется ли она нежно на чистый и мирный простор сновидений? — В противном случае ловкий и безучастный эгоизм оказался бы первейшей добродетелью, le plus raisonnable des —

11 [308]

Les circonstances sont bien peu de chose, le caractère est tout.

11 [309]

On change de situation; on ne se corrige pas en se déplaçant.

11 [310]

Всё понимание ранга страстей: будто правильно и нормально во всем руководствоваться разумом — тогда как страсти суть нечто ненормальное, опасное, полуживотное и, сверх того, по цели своей не что иное, как желание наслаждаться ...

Страсть унижена: 1) будто она лишь неподобающим образом, а не всегда и с необходимостью является le mobile; 2) поскольку она имеет в виду нечто такое, что не обладает высокой ценностью, удовольствие ...

Недооценка страсти и разума: последний вроде как сущность «для себя», хотя скорее он — некое сравнительное состояние разнообразных страстей и вожделений; и будто всякая страсть не содержит своего количества разума ...

11 [311]

Выписывая лишь одну страсть (а не весь индивидуальный характер в целом), добиваются лучших трагических эффектов, потому что индивидуальные характеры, всегда такие разношерстные, вредят единству впечатления. Но истина при этом страдает. Спрашиваешь себя, что осталось бы от героев, если бы они не были движимы этой страстью: определенно очень немного ... Характеры неисчислимы. Театральные страсти немногочисленны. «Polyphonte le tyran («Тиран») est un genre: le tyran Richard III un individu»

11 [312]

На будущее. Против романтизма великих «страстей».

Продумать, что ко всякому «классическому» вкусу принадлежит известное количество холодности, ясности, суровости: логика прежде всего, счастье — в разумности, «три единства», сосредоточенность — ненависть к чувству, сердцу, esprit, ненависть к многосложному, неверному, мечтательному, гадательному, и точно так же к краткому, колкому, миловидному, доброму

Не надо играть формулами искусства: надо переделывать жизнь, чтобы следом ей самой пришлось себя сформулировать ...

Что за развеселая комедия, над которой мы только сейчас учимся смеяться, которую мы сейчас только видим: это чтобы современники Гердера, Винкельмана, Гёте и Гегеля притязали на то, что заново открыли классический идеал ... И в то же время Шекспира!

— и то же поколение высокомерно отвергло классическую школу французов!

— как будто самому существенному нельзя было с таким же успехом научиться как там, так и здесь!..

Но уж так всем хотелось «природы», «естественности»: о тупоумие! классичность почиталась за разновидность естественности!



Без предубеждений и уступчивости продумать до конца, на какой почве может взрасти классический вкус.

Суровость, упрощение, умножение сил, ужесточение человека: это все взаимосвязано. Логически-психологическое упрощение. Презрение к детали, усложненности, неопределенности —

Романтики в Германии протестовали не против классицизма, но против разума, просвещения, вкуса, XVIII столетия.

Чувствительность романтико-вагнеровской музыки: противоречие, классическая чувствительность ...

воля к единству (потому что единство тиранизирует: слушателей, зрителей), однако неспособность позволить ей тиранство в главном, а именно над самим произведением (в смысле отказа от ненужного, сокращения, прояснения, упрощения).

победа массовостью (Вагнер, Виктор Гюго, Золя, Тэн), а не величием

11 [313]

«Иль думал ты, что буду жизнь я ненавидеть, в пустыню удалюсь из-за того, что воплотил не все свои мечты?» — вопрошает гётевский Прометей.

11 [314]

Вагнеровское искусство: компромисс между тремя самыми современными потребностями: в болезненном, в брутальном и в невинном (идиотическом) ...

11 [315]

Отчего своей кульминации немецкая музыка достигает ко времени немецкого романтизма? Отчего в немецкой музыке нет Гёте? Зато сколько Шиллера, точнее, сколько «Тэклы» в Бетховене!

— В Шумане — Эйхендорф, Уланд, Гейне, Гофман, Тик

— В Рихарде Вагнере — «Вольный стрелок», Гофман, Гримм, романтическая сага, мистическое католичество инстинкта, символизм, «Свободомыслие страсти» — руссоистские замыслы

«Летучий голландец» отдает Францией, где тип обольстителя представлен был le ténébreux 1830

Культ музыки: революционный романтизм формы

Вагнер подытоживает романтизм, как немецкий, так и французский

11 [316]

Громкие слова:

«мир в душе»
«любовь»
«классический вкус»

11 [317]

Во Франции национализм испортил характер, в Германии — ум и вкус: для того, чтобы вынести тяжкое поражение — причем решительное, — надо быть моложе и здоровее победителя

11 [318]

Экзотичность Вагнера среди «германоманов»

11 [319]

Ирония европейской культуры: истинным считается одно, а делается другое, например, к чему все искусство чтения и критики, если и впредь останется в силе церковное толкование Библии (без разницы, католическое или протестантское)!

11 [320]

Вагнерианцы, спешащие изумиться всему, что в Вагнере совсем не удивительное, а, напротив, «вагнеровское» —

11 [321]

— эта бессмысленная перегруженность деталями, это выделение мелких черт, эффект мозаики: Поль Бурже



Честолюбие широкого размаха — и при этом нежелание отказаться от того, что он делал лучше, от малого, мельчайшего; эта перегрузка деталями; эта ювелирная работа в такие мгновения, когда никто не может углядеть малое; эта нервозность взгляда, приспособленного то к мозаике, то к дерзкому росчерку настенной росписи



странную муку, одолевающую меня, когда я слушаю вагнеровскую музыку, я объяснил тем, что музыка эта напоминает картину, которая не позволяет мне оставаться на одном месте ... чтобы понимать ее, взгляд постоянно должен приноравливаться, то близоруко, дабы не ускользнула от него тончайшая, ювелирной работы мозаика, то к дерзким и брутальным фрескам, требующим, чтобы на них смотрели с изрядного расстояния. Невозможность настроиться на определенный способ восприятия и составляет стиль вагнеровской музыки: «стиль» здесь, правда, понимается в смысле неспособности к стилю

11 [322]

Вагнер:1)не дать себя обмануть немецкой тенденцией

— в чувствительности его настолько мало немецкого, насколько это только возможно; и напротив, тем больше немецкого в его умственном и духовном складе (включая сюда и стиль)

— он проникнут глубочайшей симпатией к великим символам средневековой Европы и ищет их «носителей» —

— тип его героев выказывает до невозможности мало немецкого: Тангейзер, Летучий голландец, Риенци, Лоэнгрин, Эльза, Тристан, Зигфрид, Парсифаль: и все-таки пытаются — — — : остается еще, правда, «мейстерзингер»

— культ «страсти» не немецкий

— культ «драмы» не немецкий: он воздействует с неслыханной убедительностью благодаря мощи и грозности жеста.
   
 2)что же тут немецкого?

— неопределенная символика, тяга к мысленной расплывчатости, «псевдомеланхолия», произвольность, нехватка огня, остроумия, грации, неспособность к размашистой линии, к необходимому в
   
 3)нельзя дать ввести себя в заблуждение насчет главного: музыкальная драма Вагнера есть шаг назад, хуже того — это декадентная форма музыки —

— он пожертвовал всем собственно музыкальным, самой музыкой, чтобы переделать ее в средство выражения, усиления, внушения, искусство психологической живописности

необычайный актерский и театральный инстинкт до сих пор тоже не был чем-то немецким (— в Вагнере ничего не понять, если не разглядеть в этом инстинкте его faculté maîtresse, его господствующий инстинкт)

немецкие глубина, многосложность, произвольность, полнота, неуверенность: великие символы и загадки, означенные тихими раскатами грома из неимоверной дали: серое, зловещее немецкое небо, не ведающее иного счастья, кроме карикатурного и неутоленного желания —

11 [323]

Откуда он набирает своих приверженцев? Из преизбытка немузыкальных, полумузыкальных, с грехом пополам образованных особей обоего пола, чьему тщеславию льстит, что они понимают Вагнера

торжество немузыкального, полумузыкального фанатика образованности, которому льстит величественная поза Вагнера, как будто «понимать» это — верный знак превосходства

: он взывает к красивым чувствам и вздымающейся груди

он возбуждает именно то, что мечтательное — немецкое — ощущение природы

— он гипнотизирует мистико-эротических бабенок, его музыка заставляет их мозгом костей чувствовать дух магнетизера (— обратите внимание на увертюру к Лоэнгрину с точки зрения ее физиологического воздействия на секрецию и

— он каждый раз достигает вершины пафоса и вместе с тем шири разлившегося потока, что составляет разительный контраст со всеми страдающими одышкой драматургами на потребу дня

11 [324]

церковные лжепонимания

Причастие
«Сын Божий»
крестная смерть как расплата
история грехопадения
«веры»

11 [325]

К критике доброго человека

Порядочность, достоинство, чувство долга, справедливость, человечность, честность, прямота, чистая совесть — действительно ли этими благозвучными словами некоторые свойства санкционированы и одобрены ради них самих? или же свойства и состояния, сами по себе индифферентные в плане ценности, только рассмотрены под определенным углом зрения, при котором они и получают ценность? Заключается ли ценность этих свойств в них самих или же в той пользе и выгоде, которая от них проистекает (кажется, что проистекает, ожидается)?

Естественно, я не имею здесь в виду противоположность ego и alter при вынесении суждения: вопрос в том, идет ли речь о следствиях, будь то для носителя этих свойств, будь то для окружения, общества, «человечества», из-за которых свойства эти якобы ценны: или же они ценны сами по себе ...

Иначе говоря: польза ли велит осуждать, оспаривать, отрицать противоположные свойства (— ненадежность, лицемерие, взбалмошность, неуверенность в себе, бесчеловечность —)? Что именно осуждается: сущность этих свойств — или последствия этих свойств?

Иначе говоря: желательно ли, чтобы люди, обладающие свойствами этой второй категории, вовсе не существовали? — Во всяком случае, так считают

но здесь кроется ошибка, близорукость, ограниченность дремучего эгоизма.

Иными словами: желательно ли создание таких условий, при которых преимущество всецело оказалось бы на стороне порядочных — что обескуражит натуры и инстинкты противоположного рода, и они постепенно переведутся?

— в сущности, это вопрос вкуса и эстетики: желательно ли, чтобы уцелел «достойнейший» вид человека, он же скучнейший? добродетельные, прямоугольные, добропорядочные, бравые молодцы, правдолюбы, «олухи»?

— если мысленно устранить чудовищный переизбыток «других», то даже человек порядочный уже не имеет права на существование: он попросту не нужен — тогда понимаешь, что только грубая выгода возвеличила подобную невыносимую добродетель.

Желательность, возможно, заключается как раз в обратном: в создании таких условий, при которых «порядочный человек» низводится до скромной роли «полезного орудия» — в качестве «идеального стадного животного», в лучшем случае пастуха стада: короче, когда он не может подняться на более высокую ступень, которая требует совсем иных свойств —

11 [326]

Рубрики.

1 К критике «доброго человека».
2 Из школы сильных.
3 Громкие слова.
4 К критике «христианизма».
5 Как приводят добродетель к господству.
6 Эстетические ценности; их происхождение и будущее.
7 Надвигается нигилизм.
8 О «современных веяния»

11 [327]

Дневник нигилиста ...

содрогание от открывшейся «фальши»

пусто: мыслей больше нет; лишь сильные
кружащие вокруг лишенных ценности объектов:

— сторонний зритель этих абсурдных порывов «за» и «против»
— высокомерный, язвительный, холоден к себе
— сильнейшие порывы кажутся лжецами: как будто мы обязаны верить в их объекты, как будто они нас хотят соблазнить —
— наибольшая сила уже не знает никакого «зачем»
— всё есть, но нет цели —
атеизм как отсутствие идеалов

Фаза страстного отрицания, «нет» словом и делом: на этом этапе находит выход накопившаяся страсть к приятию, к поклонению ..

Фаза презрения даже «нет» ...
даже сомнения ..
даже иронии ..
даже презрения ..
  
Катастрофачто если ложь — нечто божественное ...

что если ценность всех вещей именно в том, что они ложны? ...

что если отчаяние — лишь следствие веры в Бога правды

что если именно ко лжи и подделке (фальсификации) сводится смыслополагание ценности, смысла, цели

что если в Бога нужно верить не потому, что он истинен, но потому, что он ложен —?

11 [328]

I.
Понятие нигилизма.
К психологии нигилиста.
К истории европейского нигилизма
Критика «современных веяний»

Громкие слова.
Из школы сильных.
Добрый человек.
Христианизм

Генеалогия идеала
Цирцея для философов
Эстетические ценности: происхождение и критика

Искусство и художники: новые знаки вопроса.

11 [329]

NB. Критика ура-патриотизма (к «Современным веяниям»).

11 [330]

Греки Винкельмана и Гёте, восточные люди у В. Гюго, вагнеровские эддические персонажи, англичане XIII века у В. Скотта — комедия, да и только, когда-нибудь на нее раскроются еще глаза: ведь в историческом плане все это было фальшиво, зато правдиво в плане современности!

11 [331]

Бесы.

Никого не винить —



Мои желания слишком несильны, чтобы руководить мной —



полон злобы даже к этим negateurs: зависти к их надеждам — что они настолько всерьез могут принимать ненависть!



«К чему приложить эту силу?» —



Связать себя с ними мешала мне не столько боязнь показаться смешным — я выше этого, — но ненависть и презрение, которые они мне внушали. Я все-таки имею привычки homme, comme il faut, и общение с ними мне мерзило.

«Но если б имел к ним злобы и зависти больше, то, может, и пошел бы с ними».



«Я боюсь самоубийства, ибо боюсь показать великодушие... Я знаю, что это будет еще обман, — последний обман в бесконечном ряду обманов. Что же пользы себя обмануть, чтобы только сыграть в великодушие? Негодования и стыда во мне никогда быть не может, стало быть, и отчаяния...»



Вникните тоже, что я вас не жалею, коли зову, и не уважаю, коли жду. А между тем и зову, и жду —



Я все так же, как и всегда прежде, могу пожелать сделать доброе дело и ощущаю от того удовольствие; рядом желаю и злого и тоже чувствую удовольствие. Но и то и другое чувство по-прежнему всегда слишком мелко, а очень никогда не бывает...



«On peut traverser une rivière sur une poutre et non sur un copeau.» Я пробовал размашистый разврат и истощил в нем силы; но я не люблю и не хотел разврата.



Тот, кто теряет связи с своею землей, тот теряет и богов своих, то есть все свои цели...



Обо всем можно спорить бесконечно, но из меня вылилось одно отрицание, без всякого великодушия и безо всякой силы. Слова эти — лесть себе. Все всегда faible et mou.



Великодушный Кириллов не вынес идеи и — застрелился; но ведь я вижу, что он был великодушен потому, что не в здравом рассудке. Я никогда не могу потерять рассудок и никогда не могу поверить идее в той степени, как он. Я даже заняться идеей в той степени не могу. Никогда, никогда я не могу застрелиться...

Я знаю, что мне надо бы убить себя, смести себя с земли как подлое насекомое.

11 [332]

К психологии нигилиста.

«достойнейшие качества человека», по Гёте: —

последовательность, они присущи нигилисту.

Около того времени он убеждает себя предаться разврату. Нельзя не оценить скрытую в этом логику; надо быть философом, чтобы это понять. Идеи — сплошной обман; ощущения — вот последняя реальность ... Последний голод по «истине» — вот что предписывает разврат. Любовью это быть не могло: все завесы и лакировку действительности, все подлоги и подделки должно стереть: вот почему это могли быть только разврат, страдание и смесь разврата и страдания.



Усиление: страдание реальней наслаждения ... Утвердительная стихия последнего имеет характер оценки, умышленного обмана и преувеличения ...

страдание нелегко опьяняет: его трезвость ...

осмотрительность в отношении пьянящих и дурманящих страданий ...

— страдание, которое причиняешь, реальней того, что переносишь сам —

11 [333]

Абсолютная перемена, наступающая с отрицанием Бога —

Над нами нет больше абсолютно никакого господина; старый мир оценок есть богословское построение — теперь он опрокинут —

Короче: над нами нет никакой высшей инстанции: насколько Бог вообще возможен, мы сами теперь Бог ...

Нам нужно себе приписать атрибуты, которые раньше мы приписывали Богу ...

11 [334]

Логика атеизма.

Если Бог есть, то вся воля его, и из воли его я не могу. Если нет, то вся воля моя, и я обязан заявить своеволие —

Самый полный пункт его своеволия — это убить себя самому —

Бог необходим, а потому должен быть
Но его нет и не может быть
Значит, нам нельзя больше оставаться в живых.

Ставрогина тоже съела эта идея: он «если верует, то не верует, что он верует. Если же не верует, то не верует, что он не верует».

классическая формулировка Кириллова (у Достоевского):

Я обязан неверие заявить. Для меня нет выше идеи, что Бога нет. В чем заключается человеческая история? Человек только и делал, что выдумывал Бога, чтобы жить, не убивая себя. Я один не захотел первый раз выдумывать Бога ...



Убить другого будет самым низким пунктом моего своеволия ... Я хочу высший пункт



Много было самоубийц, и все с причиною. Но безо всякой причины, а только для своеволия — один я —

11 [335]

истоки нигилизма

отрыв от корней, от родного края
страшно безродно начинается
жутко кончается

11 [336]

Если законы природы не пожалели и Этого даже чудо свое же не пожалели, а заставили и Его жить среди лжи и умереть за ложь (— этот человек был высший на всей земле, составлял то, для чего ей жить. Вся планета, со всем, что на ней, без этого человека — одно сумасшествие —), то, стало быть, вся планета есть ложь и стоит на лжи и глупой насмешке. Стало быть, самые законы планеты ложь и диаволов водевиль. Для чего же жить, отвечай, если ты человек?..

«Но позвольте, ну, а если вы разуверились? Если кончилась ложь, и вы догадались, что вся ложь оттого, что был прежний Бог?»

Все спасение для всех — всем доказать эту мысль —

Я не понимаю, как мог до сих пор атеист знать, что нет Бога, и не убить себя тотчас же ...

«Сознать, что нет Бога, и не сознать в тот же раз, что сам Богом стал, есть нелепость, иначе непременно убьешь себя сам. Если сознаешь — ты царь и уже не убьешь себя сам, а будешь жить в самой главной славе ...

«Я еще только Бог поневоле и я несчастен, ибо обязан заявить своеволие. Все несчастны потому, что все боятся заявить своеволие. Человек потому и был до сих пор так несчастен и беден, что боялся заявить самый главный пункт своеволия и своевольничал с краю, как школьник. Я ужасно несчастен, ибо ужасно боюсь. Страх есть проклятие человека —

Только это одно спасет всех людей и в следующем же поколении переродит физически; ибо в теперешнем физическом виде, сколько я думал, нельзя быть человеку без прежнего Бога никак. Я три года искал атрибут божества моего и нашел: атрибут божества моего — Своеволие. Это все, чем я могу в главном пункте показать непокорность и новую страшную свободу мою» —

11 [337]

Есть секунды, их всего зараз приходит пять или шесть, и вы вдруг чувствуете присутствие вечной гармонии. Это — го человек в земном виде не может перенести. Надо перемениться физически или умереть. Это чувство ясное и неоспоримое. Как будто вдруг ощущаете всю природу и вдруг говорите: да, это правда. Бог, когда мир создавал, то в конце каждого дня создания говорил: «Да, это правда, это хорошо». Это ... это не умиление, а только так, радость. Вы не прощаете ничего, потому что прощать уже нечего. Вы не то что любите, о — тут выше любви! Всего страшнее, что так ужасно ясно и такая радость. Если более пяти секунд — то душа не выдержит и должна исчезнуть. В эти пять секунд я проживаю жизнь и за них отдам всю мою жизнь, потому что стоит. Чтобы выдержать десять секунд, надо перемениться физически. Я думаю, что человек должен перестать родить. К чему дети, чему развитие, коли цель достигнута?



Понимание символа воскресения:

«После воскресения не будут больше родить, а будут как ангелы Божии», иначе говоря, цель достигнута: к чему дети?.. В ребенке получает свое выражение неудовлетворенность женщины ...

11 [338]

Будь у людей в крови последовательность, была бы последовательность и в голове. Но их сумбур ...

11 [339]

Ведь мне что досадней всего? Видеть, что никто больше не имеет мужества продумать до конца ...

11 [340]

Признаки большой смуты: цинизм, как по команде, жажда скандала, agaçant, irritation, lassitude. Публика точно изнуренная, сбилась так, что сама себя больше не помнит

В переходное время появляются разные людишки, подымается эта сволочь, которая есть в каждом обществе, и уже не только безо всякой цели, но даже не имея и признака мысли, а лишь выражая собою любовь к беспорядку... Почти всегда подпадает она под команду той малой кучки «передовых», которые действуют с определенною целью, и та направляет весь этот сор куда ей угодно..

Gens de rien получили вдруг перевес, стали громко критиковать все священное, тогда как прежде и рта не смели раскрыть, а первейшие люди стали вдруг их слушать, а сами молчать; а иные так позорнейшим образом подхихикивать.

11 [341]

— связав его преступлением, думает получить над ним власть?

Шпионство. У него каждый член общества смотрит один за другим и обязан доносом. Каждый принадлежит всем, а все каждому. Все рабы в рабстве равны. В крайних случаях клевета и убийство, а главное — равенство. Первым делом понижается уровень образования, наук и талантов. Высокий уровень наук и талантов доступен только высшим способностям, не надо высших способностей! Высшие способности всегда захватывали власть и были деспотами. Высшие способности не могут не быть деспотами и всегда развращали более, чем приносили пользы; их изгоняют или казнят. Цицерону отрезывается язык, Копернику выкалывают глаза, Шекспир побивается каменьями ... Рабы должны быть равны: без деспотизма еще не бывало ни свободы, ни равенства, но в стаде должно быть равенство ... Горы сравнять — хорошая мысль, не смешная ... Не надо образования, довольно науки! И без науки хватит материалу на тысячу лет, но надо устроиться послушанию. В мире одного только недостает: послушания. Жажда образования есть уже жажда аристократическая. Чуть-чуть семейство или любовь, вот уже и желание собственности. Мы уморим желание: мы пустим пьянство, сплетни, донос; мы пустим неслыханный разврат; мы всякого гения потушим в младенчестве. au même dénominateur, полное равенство!»

«Мы научились ремеслу, и мы честные люди, нам не надо ничего другого» — вот недавний ответ английских рабочих. Необходимо лишь необходимое — вот девиз земного шара отселе. Но нужна и судорога; об этом позаботимся мы, правители. У рабов должны быть правители. Полное послушание, полная безличность, но раз в тридцать лет пускается и судорога, и все вдруг начинают поедать друг друга, до известной черты, единственно чтобы не было скучно. Скука есть ощущение аристократическое; в социализме не будет желаний. Желание и страдание для нас, а для рабов социализм ... Знаете ли, я думал отдать мир папе. Пусть он выйдет пеш и бос и покажется черни: «Вот, дескать, до чего меня довели!» — и всё, даже войско, ему поклонится. Папа вверху, мы кругом, а под нами социализм ... Надо только, чтобы с папой Internationale согласилась; а он согласится мигом. Да другого ему и выхода нет ...

Знаете ли, что вы красавец! Вы иногда про это не знаете ... В вас даже есть простодушие и наивность! Вы, должно быть, страдаете, и страдаете искренно, от того простодушия. Я нигилист, но люблю красоту — je suis nihiliste, mais j'aime la beauté. Разве нигилисты красоту не любят? Они только идолов не любят, ну а я люблю идола. Вы мой идол!

Вы никого не оскорбляете, и вас все ненавидят; вы считаете их ровней, и вас все боятся, это хорошо. К вам никто не подойдет вас потрепать по плечу. Вы ужасный аристократ. Аристократ, когда идет в демократию, обаятелен! Вам ничего не значит пожертвовать жизнью, и своею и чужою. Вы именно таков, какого надо ..

Мы проникнем в самый народ. Знаете ли, что мы уж и теперь ужасно сильны? Наши не те только, которые режут и жгут да делают классические выстрелы или кусаются. Такие только мешают. Я без дисциплины ничего не понимаю ... Слушайте, я их всех сосчитал: учитель, смеющийся с детьми над их Богом и над их колыбелью, уже наш. Адвокат, защищающий образованного убийцу тем, что он развитее своих жертв и, чтобы денег раздобыть, не мог не убить, уже наш. Школьники, убивающие мужика, чтоб испытать ощущение, наши. Присяжные, оправдывающие преступников, сплошь наши. Прокурор, трепещущий в суде, что он недостаточно либерален, наш, наш. Администраторы, ученые, о, наших много, ужасно много, и сами того не знают! С другой стороны, везде тщеславие размеров непомерных, аппетит зверский, неслыханный ... Знаете ли, знаете ли, сколько мы одними пресловутыми идейками возьмем? Я из России поехал — везде свирепствовал тезис Littre, что преступление есть помешательство; приезжаю — и уже преступление не помешательство, а именно здравый-то смысл и есть, почти долг, по крайней мере благородный протест. «Ну как просвещенному убийце не убить, если ему денег надо!» Но это лишь ягодки. Русский Бог уже спасовал пред водкой. Народ пьян, церкви пусты ... Когда в наши руки попадет, мы, пожалуй, и вылечим ... если потребуется, мы на сорок лет в пустыню выгоним ... Но одно или два поколения разврата теперь необходимо; débauche ignoble, inouïe, sale!.. В русском народе до сих пор не было цинизма, хоть он и ругался скверными словами. Знаете ли, что этот раб крепостной больше себя уважал, чем Тургенев себя? Его драли, а он своих богов отстоял, а Тургенев не отстоял ...

Но надо, чтоб и народ уверовал, что мы знаем, чего хотим ... Мы провозгласим разрушение ... эта идейка так обаятельна! Мы пустим пожары — и пистолетные выстрелы ... Il se cache ... Тут нужна сила неслыханная ...

11 [342]

Театромания

11 [343]

«ceci tuera cela»

11 [344]

Этот декабрист (участник русского восстания 1825 года) всю жизнь искал опасности, упивался ощущением ее, обратил его в потребность своей природы ... Сомнения нет, что эти легендарные господа способны были ощущать, и в сильной степени, чувство страха,— иначе были бы гораздо спокойнее и ощущение опасности не обратили бы в потребность своей природы. Но побеждать в себе la poltronnerie. Беспрерывное упоение победой и сознание, что нет над тобой победителя — вот что их увлекало ... Он многосторонне понимал борьбу; не с медведями только и не на одних дуэлях ценил в себе стоицизм и силу характера.

Но нервозная, измученная и раздвоившаяся природа людей нашего времени даже и вовсе не допускает теперь потребности тех непосредственных и цельных ощущений, которых так искали тогда иные, беспокойные в своей деятельности, господа доброго старого времени. Всеволодович все бы совершил — так же успешно и так же бесстрашно, как и тот декабрист, но зато уж безо всякого ощущения наслаждения, и единственно по неприятной необходимости, вяло, лениво, даже со скукой ... В злобе ему не было равных — но злоба эта была холодная, спокойная и, если так можно выразиться, разумная, стало быть, самая отвратительная и самая страшная, какая может быть.

11 [345]

Рим провозгласил Христа, поддавшегося на третье дьяволово искушение; возвестив всему свету, что Христос без царства земного на земле устоять не может, католичество тем самым провозгласило антихриста ...

11 [346]

Бог как атрибут народности

Народ — это тело Божие. Всякий народ до тех только пор и народ, пока имеет своего Бога особого, а всех остальных на свете богов исключает безо всякого примирения; пока верует в то, что своим Богом победит и изгонит из мира всех остальных богов.

Народы движутся силою, которая есть сила неутолимого желания дойти до конца и в то же время конец отрицающая. Это есть сила беспрерывного и неустанного подтверждения своего бытия и отрицания смерти. «Дух жизни», «реки воды живой» — начало эстетическое, как говорят философы, начало нравственное; la «recherche de Dieu». Цель всего движения народного, во всяком народе и во всякий период его бытия, есть единственно лишь la recherche de Dieu, Бога своего, непременно собственного, и вера в него как в единого истинного. Бог есть синтетическая личность всего народа, взятого с начала его и до конца. Признак уничтожения народностей, когда боги начинают становиться общими. Когда боги становятся общими, то умирают боги и вера в них вместе с самим народом. Чем сильнее народ, тем особливее его Бог. Никогда не было еще народа без религии, то есть без понятия о зле и добре. У всякого народа свое собственное понятие о зле и добре. Когда начинают у многих народов становиться общими понятия о зле и добре, тогда вымирают народы и тогда самое различие между злом и добром начинает стираться и исчезать. Никогда разум не в силах был определить зло и добро или даже отделить зло от добра, хотя приблизительно; напротив, всегда позорно и жалко смешивал; la science a conclu en faveur de la force brutale. В особенности этим отличалась полунаука, самый страшный бич человечества, деспот, пред которым всё преклонилось, пред которым трепещет даже сама наука ...

11 [347]

Евреи жили лишь для того, чтобы дождаться Бога истинного. Греки боготворили природу и завещали миру свою религию, то есть философию и искусство. Рим обоготворил народ в государстве.

11 [348]

«Si un grand peuple ne croit pas qu’en lui seul se trouve la vérité, s’il ne se croit pas seul appelé à ressusciter et à sauver l’univers par sa vérité, il cesse immédiatement d’être un grand peuple pour devenir une matière éthnographique.»

Истинный великий народ никогда не может примириться со второстепенною ролью в человечестве или даже с первостепенною, а непременно и исключительно с первою. Кто теряет эту веру, тот уже не народ...

11 [349]

il y a là un audacieux défi au sens commun: вас прельстило! ...

11 [350]

Вся вторая половина человеческой жизни составляется из одних только накопленных в первую половину привычек.

11 [351]

il faut être un grand homme pour savoir resister au bon sens: un grand homme ou un imbécile.

11 [352]

Как сказал Мальбранш, Бог, оставаясь Богом, мог бы

действовать только наипростейшими методами...

«Dieu, parce qu'il était Dieu, ne pouvait agir que par
les voies les plus simples»

Следовательно — нет никакого Бога.

11 [353]

«Следовать своему чувству?»

То, что мы, поддавшись благородному чувству, подвергаем жизнь свою опасности, уступаем минутному порыву, — не многого стоит ... и совсем никак не характеризует ... в способности к этому все равны — а в решимости пойти на это нас, добропорядочных людей, совершенно определенно превосходит преступник, бандит, Корсиканец ...

Более высокая ступень: преодолеть в себе и этот позыв, не совершать героических поступков в порыве чувства — но холодно, разумно, без закипания буйной радости ...

То же относится к состраданию: сперва должно войти в привычку просеивать его сквозь сито разума, в противном случае оно не менее опасно, чем тот же ...

Слепая уступчивость аффекту — все равно какому: великодушию ли, состраданию либо враждебности — служит причиной величайших зол ...

Величие характера не в том, чтобы вовсе не испытывать этих — наоборот, испытывать в устрашающей степени, — но держать их в узде ... причем опять-таки безо всякого удовольствия от этого обуздания, но просто потому что ..

11 [354]

Христианские лжепонимания

Разбойник на кресте:— когда сам преступник, терпящий мучительную смерть, делает вывод: «вот так, как этот Иисус страдает и умирает, без возмущения, без вражды, по-доброму, смиренно,— вот что единственно правильно», — тем самым он говорит Да благовестию — и он уже в раю ...

Царство Небесное — это состояние сердца (— о детях сказано: «ибо их есть Царство Небесное»), а не то, что находится «над землею».

Царство Божие «грядет» не в хронологически-историческом смысле, не по календарю, нечто однажды наступающее, хотя за день до этого его еще не было: это «поправка взгляда <на жизнь> у одиночки», нечто такое, что приходит во всякое время, и что во всякое время еще не наступило.

Мораль: основатель христианства должен был поплатиться за то, что обратился к низшим слоям иудейского общества и ученых ...

— они представили его в том духе, который им был понятен ...

— стыд и срам: сфабриковать историю искупления, личностного Бога, личностного Искупителя, личное бессмертие — и получить в сухом остатке всё убожество этой «личности» и «истории» — из учения, опровергавшего реальность всего личностного и исторического ...

Легенда искупления вместо символического сейчас и всегда, здесь и повсюду, чудо вместо психологического символа

11 [355]

Если я хоть что-то смыслю в этом великом символисте, так вот что: он видел и признавал только внутренние реальности — а всё прочее (всё природное, историческое, политическое) понимал лишь как знак и повод для притчи — не как реальность, не как «истинный мир» ...

Точно так же, Сын Человеческий — не конкретная историческая личность, но «вечный факт», психологический символ не в плену у времени ...

То же самое, наконец, причем в высшей степени, верно сказать и о Боге этого типичного символиста ... о Царстве Божьем, «Царстве Небесном» ...

«Отец» и «Сын»: последний выражает собой приобщение к подобному состоянию общего преображения всех вещей, первый и есть это состояние ...

— и это представление поняли настолько превратно, что историю Амфитриона (едва замаскированное прелюбодейство) поставили у истока новой веры (наряду с отвратительной идеей непорочного зачатия — будто само по себе зачатие есть нечто порочное —)

Глубинное вырождение 1)в силу желания осмысливать вещи исторически
 2)в силу желания видеть чудо (—как будто речь шла о нарушенных и преодоленных законах природы!)
 3)

11 [356]

Невозможно в большей степени заблуждаться насчет христианства, чем допустив, что у истока стоит грубая история о чудотворце и искупителе, а всё духовное и символическое восприятие — лишь позднейшая форма метаморфоза ...

Наоборот: история христианства — это история неизбежного поступательного огрубления возвышенного символизма ...: по мере распространения христианства во все более широких и некультурных массах, которым были чужды инстинкты, породившие христианство (— у которых не было ни единой предпосылки для его понимания —), на передний план все больше выходили история преданий, теология, церковное строительство: потребности низших слоев, а позже и варварских, вынуждали сначала вульгаризировать, а следом и варваризировать христианство ...

Церковь есть воля выдавать за «истину» вульгарно-варварский язык христианства ... даже сегодня!

Павловский, затем августиновский платонизм — пока не дошло до этой бесстыдной карикатуры на философию и раввинизм: христианской теологии ...

недостойные составляющие христианства:

чудо
иерархия душ, табель о рангах
история искупления и вера в нее ...
понятие «греха»

история христианства являет необходимость самой вере сделаться столь же низкой и вульгарной, как и потребности, которые ей надлежало удовлетворять —

... один Лютер чего стоит! Какой прок от первоначального христианства подобной натуре, обремененной столь грубыми вожделениями!

иудейская ступень утраты естественности: «отпадение, несчастье, покаяние, примирение» как единственно уцелевшая схема,— а в остальном ненависть к «миру»

Иисус напрямую устремлен к этому состоянию, «Царству Небесному» в сердце, и средства находит не в установлениях иудейской церкви — реальность иудейства (его нужду в самосохранении) он вообще считает пустым делом; он всецело погружен вовнутрь —

равным образом его абсолютно не интересует свод грубых формул для общения с Богом: он отбивается от всего учения о раскаянии и примирении; он показывает, как нужно жить, чтобы ощущать себя «обоженным» — и как приходят к этому не через покаяние и сокрушение о грехах своих: «сам грех» — вот его главное суждение. Чтобы «обожиться», главное — пресытиться собой по горло: и в этом смысле грешник даже лучше праведника ...

грех, покаяние, прощение — здесь к делу не относится ... все это примесь иудаизма, а может, языческое

11 [357]

глубокий инстинкт того, как следует жить, чтобы чувствовать себя «на небесах», тогда как в ином случае абсолютно невозможно чувствовать себя на небесах, — вот что такое психологическая реальность христианства

11 [358]

Наш девятнадцатый век обрел, наконец, предпосылку для уразумения того, что на протяжении девятнадцати веков понималось, по сути, превратно,—христианства ...

Люди были несказанно далеки от этой приветливой и добросовестной нейтральности — проникнутости симпатией и дисциплиной духа,— во все церковные эпохи люди позорнейшим образом были слепо эгоистичны, назойливы, наглы — и всегда под личиной покорнейшего почтения

11 [359]

Символизм христианства покоится на иудейском символизме, который успел уже всю реальность (историю, природу) растворить в своего рода священной неестественности и нереальности ... который не хотел больше видеть действительной истории — которого не интересовал больше никакой естественный результат —

11 [360]

Злоумышляющим на вас не оказывайте противления
ни делом, ни в сердце своем.

Не признавайте никакого предлога для развода с женой своей. Может даже, «оскопляйте себя».

Не делайте различия между чужими и своими, чужеземцами и соплеменниками.

Не гневайтесь ни на кого, никого не считайте ниже себя ... Втайне раздавайте милостыню — не желайте обогащения —

Не клянитесь. Не судитесь. Миритесь, прощайте ... не молитесь на людях —

Так да светит свет ваш пред людьми, чтобы они видели ваши добрые дела. Кто взойдет на небеса? Вершащий волю Отца моего небесного ...

«Блаженство» не есть нечто обетованное: оно здесь и сейчас, когда вы живете и поступаете так-то и так-то:

И разве это не о церкви сказано: «берегитесь лжепророков, которые приходят к вам в овечьей одежде, а внутри суть волки хищные»?..

«Предсказания, чудотворство, изгнания дьявола — все это пустое» ...

Совершенно абсурдным образом приплетено учение о награде и наказании: это только все портит.

Точно так же практика ранней ecclesia militans и апостолов, их образ действий — совершенно подложным образом представлены как нечто заповеданное и предустановленное ...

прославление фактической жизни и учения первых христиан задним числом: будто все было так предписано ... и просто соблюдалось ...

всякая поза пророка или чудотворца, гнев, призывание Суда — всё это отвратительное разложение (ср., например, Мк. 6, 11: «и если кто не примет вас ... говорю вам: отраднее будет Содому и Гоморре и т.д.»)

смоковница

«Не бывает пророка без чести, разве что в отечестве своем и в доме своем»: вздор, истинно прямо противоположное ...

А тут еще исполнение предсказаний: как все подогнано, сфабриковано!

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NB. Шопенгауэр, с позиций своего нигилизма, был совершенно прав, что за одним только состраданием оставил статус добродетели: ведь им действительно сильней всего поощряется отрицание воли к жизни. Сострадание, caritas, идет наперекор естественным законам развития, позволяя угнетенным и слабым выживать и иметь потомство: оно ускоряет упадок, оно уничтожает породу — оно отрицает жизнь. Почему сохраняют другие породы животных? Потому что им чуждо сострадание.

11 [362]

NB. Тяга к антисоциальности, душевное расстройство, пессимизм: три типичных формы декаданса. Христианство, как религия декаданса, взросла на почве, которая кишмя кишела дегенератами всех трех сортов

11 [363]

Мы воссоздали христианский идеал: остается определить его ценность.

1. Какие ценности им отрицаются: что входит в идеал, составленный по противоположности?

Гордость, пафос дистанции, большая ответственность, задор, животное великолепие, воинственные и захватнические инстинкты, обожествление страсти, мести, коварства, гнева, похоти, приключения, познания ...

: отрицается идеал благородных: красота, мудрость, власть, великолепие и риск дела человеческого типа: задающего цель «будущего» человека (—этим христианство выдает, что он есть вывод иудаизма—)

2. Может ли он быть воплощен?

Да, но сообразно климату ... Подобно индийскому ... «В него» не входит работа ... — он вырывает из народа, государства, культурной общности, юрисдикции, он отвергает обучение, науку, воспитание хороших манер, ремесло, торговлю ... он отсекает все, что составляет пользу и ценность человека,— изолирует его эмоциональной идиосинкразией — антиполитичный, антинациональный, ни агрессивный, ни оборонительный — он возможен лишь в самой что ни на есть жестко упорядоченной государственной и общественной жизни, позволяющей этим священным паразитам расти и множиться за общий счет ...

3. уцелело следствие воли к наслаждению— и ни к чему больше! «Блаженство» считается чем-то самоочевидным и не нуждающимся в дальнейших оправданиях,— все прочее (способ жить и давать жить другим) есть лишь средство для достижения цели ...

— Но это низкое помышление. страх перед болью, перед осквернением, перед самой погибелью как достаточный мотив для того, чтобы бросить все ... Это нищенский образ мыслей ... Признак изнуренной расы ... Нельзя давать себя обманывать («будьте как дети») — родственные натуры: Франциск Ассизский (невротик, эпилептик, визионер, как и Иисус)

11 [364]

К истории христианства.

Постоянное изменение среды: вместе с ним постоянно меняется центр тяжести христианского учения ...

поощрение черни и

развитие caritas ..

тип «христианина» постепенно перенимает всё, что изначально им отрицалось (отрицание чего составляло его суть—)

христианин становится гражданином, солдатом, судейским, рабочим, торговцем, ученым, богословом, священником, философом, помещиком, художником, патриотом, политиком, «князем» ... он вновь обращается ко всем видам деятельности, от которых прежде открестился (— самозащита, тяжбы, наказания, клятвы, проведение различий между народами, пренебрежение к людям, гневливость ... )

В конце концов вся жизнь христианина превращается именно в ту жизнь, отрыв от которой проповедовал Христос ...

Церковь такой же компонент торжества антихристианского начала, как и современное государство, современный национализм ...



Над христианством взяли верх: иудаизм (Павел), платонизм (Августин), мистериальные культы (учение об искуплении, символ «креста»), аскетизм (—враждебность к «природе», «разуму», «чувству» — Восток ... )

11 [365]

отсутствует эксцентрическое понятие «святости» —

«Бог» и «человек» не оторваны друг от друга

отсутствует «чудо» — такой сферы вообще не существует

— только одно принимается во внимание: «духовное» (то есть символически-психологическое) как декаданс — пара к «эпикурейству»... рай в духе греческих представлений, «сад Эпикура»

в подобной жизни отсутствует задача

: она хочет небытия —

: форма «эпикурейских богов» —

: отсутствует всякая причина ставить еще перед собой какие-либо цели: иметь детей ... все уже достигнуто ...

Христианство в любой момент все еще возможно ... Оно не привязано ни к одной из бесстыдных догм, щего-ляющих его именем: оно не нуждается в учении о личном Боге, грехе, бессмертии, искуплении, вере, ему совершенно не нужна никакая метафизика, ни тем более аскетизм, ни уж тем более какое-то там христианское «естествознание» ...

Кто сказал бы сегодня «я не хочу быть солдатом», «я знать ничего не желаю о судах», «я не прибегаю к услугам полиции» — тот был бы христианин ... «я не хочу делать ничего, что нарушило бы мой внутренний мир, и если мне придется от этого страдать, ничто не сохранит мне мир лучше страдания» ...

Все христианское учение о том, во что должно ве-рить, вся христианская «истина» — суетная ложь и обман и полная противоположность тому, что задало начальный импульс христианского движения ..

именно то, что в церковном смысле является христи-анским, есть заведомо антихристианское. исключительно вещи и лица вместо символов, исключительно история вместо вечных фактов, сплошь формулы, ритуалы, догматы вместо практики жизненной ... Христианским является совершенное равнодушие к догматам, культу, священникам, церкви, богословию.

Практика христианства — не пустые фантазии, так же как и практика буддизма: это средство быть счастливым ...

11 [366]

Наша эпоха является в известном смысле зрелой (а именно декадентской), каким было также и время Будды ...

Поэтому возможен христианский настрой вне абсурдных догматов ...

самые отвратные исчадия античного духа гибридизации

Варваризация христианизма

11 [367]

Christianismi et buddhismi Essentia.
(Сопоставление первоначального буддизма и первоначального христианства)

Буддизм, христианский настрой суть финальные религии: по ту сторону культуры, философии, искусства, государства

А.Общее: борьба с чувством вражды, признанным источником зла. «Счастье»: возможно только внутреннее — безразличие к показному блеску счастья.

Буддизм: желание уйти от жизни, философская ясность; корни его — в высокой степени духовности, непосредственно в высших сословиях ...

Христианизм: хочет по сути того же (— «иудейская церковь» уже была декадентским явлением жизни), но вследствие глубокого бескультурья сам не знает, чего хочет ... придерживаясь «блаженства» как цели ...
В.сильнейшие жизненные инстинкты восприняты не гедонистически, но как причины страдания

для буддистов: поскольку инстинкты эти побуждают к действию (а действие считается страданием ...)

для христиан: поскольку служат поводом к вражде и противоречию (а враждебность, причинение боли — считается страданием, нарушением «душевного мира»)

(Хороший солдат, наоборот, не знает иной радости, кроме порядочной войны и охоты подраться.)

11 [368]

Тип Иисуса.

Мы ошибаемся, привнося в Иисуса элемент фанатизма ... «impérieux» Ренан

— в вере нет места пытке, это благая весть, и состояние «благого вестника» ...

— вера эта не завоевана, не знает развития, не ведает катастрофы ... скорее, она детская ... у таких натур детскость подобна задержавшейся болезни —

— вера эта не злится, не сердится, не наказывает, не сопротивляется —

— вера эта не приносит «меч» ... и не подозревает, что могла бы разделять ...

— вера эта не доказывается ни чудесами, ни обещанием награды ... она всякий миг сама себе доказательство, награда, чудо —

— эта вера и не формулируется, ибо живет — ... ничего другого она не мнит реальным ... «истинным», то есть живым ..

— случайности — подготовка, начитанность (пророки) — определяют ее понятийный язык: иудейское в христианстве — прежде всего иудейский круг понятий. Субстрат, иудейская психология, однако воздержимся от того, чтобы принять одно за другое: в Индии христианин пользовался бы формулами философии санкхья, в Китае — формулами Лао-цзы: суть совсем не в том —

Христос как «вольнодумец»: ведь для него все прочное, устойчивое — ничто (слово, формула, церковь, закон, догматы) — «все твердое убивает ... », он верит лишь в жизнь и во все живое: а это не «есть», но — становится ...

: он — вне пределов метафизики, религии, истории, естествознания, психологии, этики: он и не подозревал, что таковые вообще существуют на свете ...

: он говорит лишь о самом глубоком, об изведанном: все прочее имеет для него смысл знака и языкового средства, не более —

11 [369]

К типу Иисуса.

— Что остается вычесть? Весь способ мотивировки мудрости Христовой, равно как и деяний его жизни... последние якобы вершатся ради послушания некогда обещанному; он исполняет, у него есть образчик всего, что должен совершить и претерпеть мессия, — программа... С другой стороны, каждое «ибо» в устах Иисуса звучит неевангельски... выгода, лукавство, награда, наказание...

— Что остается вычесть: немало желчи, перелившейся на тип учителя из первой пропаганды с ее возбужденностью... они лепили его по собственному подобию, они искали себе оправдания, перекроив его в скоро судящего, драчливого, гневливого, полного ненависти пророка... им нужен был такой «пример» — как и вера во «второе пришествие», в «страшный суд» (— это чисто иудейское, см. Апокалипсис)

Психологическая несуразность и противоречивость позиции Иисуса, направленной против служителей и богословов иудейской церкви...

Как и судейского пафоса в отношении тех, кто его не принимает...

Как и характерной истории о смоковнице —

Психологическая проблема в отношении учителя такого учения встает четко: «как относится он к другим учениям и учителям?»

Само его учение выросло не на почве противоречий и антитез: сомневаюсь, что подобная натура способна знать о противоречивости и антитетичности в своем учении... Нет ни крупицы свободного воображения того, что оценивать и хотеть можно как-то иначе... она представить себе не может противоположных выводов... Если случится натолкнуться на что-то подобное, можно будет, внутренне глубоко сочувствуя, печалиться о «слепоте» других, но нельзя возразить...

Отсутствует диалектика, нет веры хоть в какую-то доказуемость учения, помимо пути «душевных впечатлений» («плодов», «доказательства силою»

такой учитель не в состоянии возражать... нет у него вообще понимания, что заблуждение можно оспорить... он не защищается, не нападает...

Вместо этого дело его — разъяснение, развитие, детализация, трансфигурация старого... сокращение...

11 [370]

нигилистическая религия, вышедшая из старчески
косного народа, уже расставшегося со всеми сильными
инстинктами, ему под стать, — шаг за шагом перенесенная
в иную среду, наконец внедряющаяся в молодые, еще совсем не пожившие народы —

как странно! финальное, пастушеское, предзакатное
блаженство проповедано — кому? — варварам, германцам!
Какой же основательной варваризации, германизации
все это должно было подвергнуться! проповеданное тем,
кто мечтал о Вальхалле, — кто все счастье свое находил в
войне! — наднациональная религия, внесенная в тот хаос,
где и наций-то еще не было! —

11 [371]

| : этой нигилистической религией выискиваются в античности элементы декаданса и родственные группы, а именно:

a)партия слабых и неудачных (отребье античного мира — то, что им всего отбраковывалось) ...
b)партия омораленных и антиязычников ...
c)партия политически утомленных и безразличных (пресыщенные римляне ...) людей национально-обезличенных, которым только и осталась что пустота
d)партия тех, кто окончательно себе опротивел,— и кто с готовностью содействовал подпольному заговору —

11 [372]

в древности христианство было великим нигилистическим движением, кончившим тем, что одержало победу: с тех пор оно правило ...

11 [373]

Два великих нигилистических движения: а) буддизм и b) христианство; последнее только сейчас достигло примерно того культурного состояния, в котором оно может исполнить свое изначальное предназначение — достигло уровня, ему присущего ... на котором может выказать себя в чистом виде ...

11 [374]

Наше преимущество: мы живем в эпоху сравнения, мы можем сличать счета, как никогда прежде не сличали: мы — самосознание истории вообще ...

Мы наслаждаемся иначе, мы страдаем иначе: сравнению неслыханного многообразия мы предаемся в силу глубочайшего инстинкта ...

Мы всё понимаем, всем живем, мы забыли о враждебности окружения ... Пусть сами мы будем при этом в убытке, зато наше отзывчивое, почти приветливое любопытство безбоязненно приступает к самым что ни на есть опасным вещам ...

«Все хорошо» — отрицать это стоит нам усилий ...

Мы страдаем, если оказываемся столь неразумны, что принимаем одну из сторон в споре ...

В сущности, мы, ученые, исполняем сегодня учение Христа наилучшим образом — —

11 [375]

К критике греческой философии

Явление греческих философов от Сократа и далее — симптом декаданса; верх одерживают антиэллинские инстинкты ...

Вполне эллином является еще «софист» — включая сюда Анаксагора, Демокрита, великих ионийцев —

Но это переходная форма: полис теряет веру в исключительность своей культуры, в свое право господства над всяким другим полисом ...

начинается обмен культурой, то есть «богами»,— при этом теряют веру в исключительное превосходство deus autochthonus ...

смешиваются добро и зло различного происхождения: граница между добром и злом стирается ...

Вот что такое «софист» —



«Философ», напротив, воплощает реакцию: он привержен древней добродетели ...

— причины декаданса он усматривает в упадке установлений: он за возврат древних установлений —

— упадок он усматривает в падении авторитета: он ищет новые авторитеты (заграничные поездки, в иностранной литературе, в экзотических религиях ...)

— он за идеальный полис, после того как само понятие «полис» себя изжило (примерно так же, как евреи оставались «народом» после того, как попали в рабство)

— они сочувствуют всем тиранам: те хотят с помощью форс-мажора восстановить добродетель —

— постепенно на все истинно эллинское возлагается ответственность за этот упадок (и Платон выказывает точно такую же неблагодарность по отношению к Гомеру, трагедии, риторике, Периклу, как и пророки — по отношению к Давиду и Саулу)

— закат Эллады понимается как довод против устоев эллинской культуры: вот коренное заблуждение философов

Вывод: греческий мир гибнет. Причина: Гомер, мифы, старинная нравственность и т.д.

Антиэллинская эволюция ценностного суждения философов:

— египетское («жизнь после смерти» как судилище ...)
— семитское («сан мудреца», «шейх» —
— пифагорейцы, подземные культы, молчание, устрашение загробным миром; математика: религиозное почитание, способ общения с космосом, со вселенной
— священническое, аскетическое, трансцендентное;
диалектика — по-моему, уже у Платона это отвратительное и педантичное ковыряние в понятиях, разве не так?
Закат хорошего вкуса в духовной сфере: теряют способность чувствовать уродство и трескучесть всякой прямолинейной диалектики.

Бок о бок идут два декадентских движения, две крайности:

а) декаданс пышный, любезно-коварный, любящий роскошь и искусство, и
b) помрачение религиозно-моралистического пафоса, стоическая самозакалка, платоновское очернение чувств, подготовка почвы для христианства ...

11 [376]

NB: Наши самые святые убеждения, наши непреложности в отношении высших ценностей — это суждения наших мускулов.

11 [377]

Из Ю. Вельхаузена

праведность как социальное требование:

«для праведности Нагорной проповеди лишь тогда
приходит черед, когда гражданский правопорядок стал
само собой разумеющимся» ...

иудеи презрели государство с высокомерием духовной аристократии — фундамент, который сделал возможным их искусственную теократическую формацию ... Никакая «церковь» не может существовать без государства ... Чужеземное господство сохраняет и поддерживает пафос дистанции.

этапы отхода от естественности:

: только с царством появляется нация, единство, групповое самосознание: но при этом «бог пустыни», а также заимствованный (у хананеян) природный бог земледелия и скотоводства (Ваал-Дионис) — Праздничные обряды еще долго остаются полуязыческими, однако все чаще ссылаются на судьбы нации и постепенно лишаются своей естественности. Яхве непреложно связан с народом и страной: в этой вере не сомневались и закоренелые идолопоклонники: от него одного исходит победа и спасение. Гражданское государство представлялось чудом и помощью»: «провидение верхов» всегда оставалось для них идеалом (— очевидно, оттого что им его недоставало ...)

Когда страну поражают раскол и внешняя угроза, когда живут среди анархии, в страхе перед натиском извне, перед ассирийцами, тем горячее мечта о возвращении совершенного царского правления, национального государства, вполне независимого: такого рода фантазия характерна для пророков. Исаия с его так называемыми мессианскими пророчествами представляет собой высший тип — вообще пророки были критиками и сатириками, анархистами; в сущности, сказать им было нечего, руководство находилось в других руках; они хотят восстановления гражданского государства; они вовсе не желают какого-то там «золотого века», но лишь строгого и сурового правления, князя, наделенного воинскими и религиозными инстинктами, который восстановил бы доверие к Яхве. Это и есть «мессия»: любой современный суверен удовлетворил бы этому запросу пророков, быть может, даже сверх меры: как это должно быть страшно ...

Но сбываться ничего не сбывалось. Народ встал перед выбором: отказаться от своего старого бога либо преобразовать его в нечто иное. Последним и занялись, среди прочих, Илия и Амос: они разрубили узы, связывавшие народ и бога, точнее, их единство; они не только их разделили, но и превознесли одну сторону, одновременно понизив другую: они измыслили новое отношение между обеими частями — отношение примирения. До сих пор Яхве был богом Израиля и потому богом праведности: теперь он прежде и превыше всего стал богом праведности и лишь постольку поскольку — богом Израиля. Тора Яхве, будучи изначально, как и вся его деятельность, просто помощью, исправлением, путеводительством, решением запутанных проблем, — сделалась сводом его требований, от следования которым зависело его отношение к Израилю.

Некий закон вступал в силу по той причине, что все, к кому он относился, обязывались его блюсти. «Договор» в роли закона. Изначально различные представители народа обязывались блюсти «закон», теперь контрагентами должны были выступить Яхве и Израиль ... Начиная с торжественного акта введения закона Осией, идея заключения завета между Яхве и Израилем становится в центр религиозной рефлексии. Вавилоно-ассирийское изгнание способствовало знакомству с идеей уговора и возможности его разрыва.

Гибель государства дала волю мечтательным фантазиям: еще больший размах приобрело чувство противопоставленности всему остальному миру: со времен изгнания не угасает фантазия о всеобщем союзе всех народов против «нового Иерусалима». Прежде пределом желаний являлось национальное государство, теперь вынашиваются мечты о всемирном господстве, которое поднимется в Иерусалиме на развалинах языческих царств.

Опасность состояла в том, что евреи-изгнанники, как когда-то самаритяне, легко могли быть поглощены языческой средой. И вот сохраняющий святость остаток народа организуется так, чтобы уцелеть как носитель обетования и выдержать ненастье переходного времени ...

Равноправие сторон-контрагентов не существенно: слово бэрит' применимо и к капитуляции, когда условия навязываются сильнейшим —

Продолжение: Вельхаузен.

Вокруг чего можно было организоваться? Восстановление реального государства было невозможно: этого не допускало чужеземное господство. Тут и сказалась вся важность установлений.

О старинной общности периода царей среди людей, чаявших реставрации, ходила дурная слава: ясно было, что Яхве ее отвергнул ... Вспоминали пророков, которые предупреждали: ведь крепости, кони, воины, цари, князья — всё это не поможет ...

Иудейский храм в Иерусалиме: иерусалимские священники возвысились в тени царства. Чем слабее государство, тем выше авторитет храма, тем независимей власть священнического сословия. Взлет культа в седьмом столетии, начало использования дорогостоящих материалов, например благовоний, предпочтение тяжких треб (детские и покаянные жертвоприношения), кровавая серьезность при отправлении богослужения

Когда царство рухнуло, элементы, способные организовать «общину», нашлись в сословии священников. Обычаи и предписания в основном имелись: теперь они были систематизированы как средства, организующие остаток ...

«Священное уложение иудейства»: искусственный продукт ... Израиль тем самым низведен до «государства священников и священного народа». Прежде естественный строй общества находил себе опору в вере в бога; теперь государству божию надлежало зримо являть себя в какой-то искусственной сфере, во всяком случае, касательно обычной народной жизни. Идея, которая прежде пронизывала природу, ныне нуждалась в собственном священном теле. Возникла чисто внешняя противоположность священного и профанного, естественная сфера отгораживалась, отодвигалась все дальше ... (ressentiment в действии—). Святость — пустая, антитетическая — становится господствующим понятием: изначально равнозначная божественному, ныне она равняется священническому, поповскому — как будто божественное противопоставляется мирскому, естественному по какому-то внешнему признаку—

Иерократия ... искусственный продукт, по существу аполитичный, но гнущий свою линию в неблагоприятных условиях с неиссякаемо изумительной энергией: Моисеева теократия, реликт погибшего государства — своей предпосылкой она имела чужеземное господство. Ближайшая родственница древнекатолической церкви, по сути, ее мать ...

Что означало шаг назад. Закон Яхве отмечал собой своеобразие иудеев, противопоставляя их язычникам. На самом деле, в культе оно не заключалось: невозможно отыскать какое-либо существенное различие между греческими и еврейскими обрядами. Культ есть языческая составляющая в религии Израиля: в священническом кодексе он становится главным. Разве это не шаг назад, к язычеству? — это именно то, с чем более всего боролись пророки.— Равным образом, в результате священнического законодательства культ был отчужден от собственной сущности и преодолен изнутри него самого. В праздниках стирается всякое воспоминание о жатве и скотоводстве, они превращаются в исторические памятные дни; отвергается происхождение праздников из природной сферы, отныне они отмечают основание сверхъестественной религии и милости, оказанные Яхве. Из них выхолащивается все общечеловеческое, все вольнорастущее, они становятся уставными и специфически израильтянскими ... Они больше не привлекают божество в земную жизнь, дабы приобщиться его радости и страданию, не являются попыткой сделать божеству добро и расположить его к себе. Они не что иное, как божественные святые дары, учрежденные Яхве как таинства иерархии. Опираются они не на внутреннюю ценность вещей, не на непосредственные жизненные поводы, но на неукоснительно точные веления немотивируемой божественной воли. Узы между культом и чувственным миром разорваны. Культ как упражнение в набожности; никакого естественного смысла — лишь запредельный, ни с чем не сопоставимый, непередаваемый. Покаяние как главный эффект культа. Со времен изгнания сознание греховности стало перманентным: Израиль отвержен от лица Господа ...

Ценность приношений не в них самих, но в послушании предписаниям; центр тяжести культа смещается в чуждую ему область — область морали. Жертвы и подношения идут на убыль по сравнению с аскетическим подвижничеством, которое проще связано с моралью. Предписания, которые изначально большей частью имели в виду освящение самих священников для исполнения богослужебных функций, распространено теперь и на мирян; соблюдение заповеди плотской чистоты получило радикальное значение — большее, нежели большой общественный культ в целом, и прямиком вело к идеалу святости и всеобщего священства. Вся жизнь была загнана в русло святости, поскольку на все случаи находилась божественная заповедь, требующая исполнения; это мешало следовать собственным мыслям и сердечным желаниям. Этот малый, постоянно занимавший человека частный культ будил и бередил в нем чувство греховности.

Прав великий патолог иудаизма: культ превратился в исправительную меру. Сердцу он чужд: он больше не уходит корнями в наивное чувство: это мертвое творение, несмотря на всю свою важность — или именно в силу своей добросовестности и педантичности. Из старинных обычаев состряпана была система — служившая формой, твердой оболочкой, чтобы сберечь в ней нечто более благородное. Язычество побеждено на собственной его территории, в культе: после того как здесь убита всякая естественность, культ становится не более чем панцирем, прикрывающим сверхъестественный монотеизм. Вывод

11 [378]

Моя теория типа Иисуса.

Тип «искупителя» испорчен, даже уничтожен ...

Причины: духовный уровень, на котором все постоянно упрощается, искажается, смещается, абсолютная слепота в отношении себя (— здесь не сделан и первый шаг к самопознанию —), неслыханная бесцеремонность всех сектантов, использующих своих назидателей в целях самооправдания ... достойная преступника смерть Христа как загадка ...

В типе, очевидно, сохранится: умственная неотесанность: вращение в среде рыбаков не осталось без последствий

: ложное обобщение во всемирный тип чудотворца, пророка, мессии —

: позднейшая история и психология молодой общины, перенесшей на образ учителя собственные сильнейшие чувства —

: болезненно распущенная чувствительность и избалованность вместо разума: так что инстинкты снова возобладали — ни следа духовности, дисциплины, строгости в духовных вопросах, добросовестности.

Как жаль, что не нашлось в этом обществе своего Достоевского: действительно, вся эта история лучше всего смотрелась бы в русском романе — болезненное, трогательное, тонкая странность в отдельных штрихах, и все это среди пустыни или грязной черни (как Мария Магдалина) ...

Лишь смерть, неожиданно позорная смерть, лишь крест, предназначавшийся в общем и целом для canaille, — вот только вся нетерпимо жуткая парадоксальность поставила учеников перед настоящей загадкой: «кто же это был?», «кем же он был?»

Потрясенное, оскорбленное в глубине чувство, подозрение, что, быть может, такая смерть опровергает само дело, страшный знак вопроса — «почему так?» — ведь тут все обязано было быть необходимым, обладать смыслом, разумом, высшей разумностью, — для любящего ученика нет ничего случайного:

вот и разверзлась пропасть: «кто убил его?», «кто был врагом по природе?». Ответ: господствующий иудаизм, его первое сословие

— И они почувствовали, что бунтуют против существующего «порядка»

— задним числом у них и сам Иисус бунтует против существующего порядка

До той поры эта воинственная черта отсутствовала в Иисусе: больше того, она была невозможна при его умственном складе. И на практике поведение его при осуждении и казни было полной противоположностью этому: он ничему не противится, не защищает себя, он молится за них. То же самое вложено в слова, обращенные к разбойнику на кресте: раз ты чувствуешь, что это правильно — не противиться, не гневаться, не призывать к ответу, а, напротив, терпеть, сострадать, прощать, молиться за тех, кто гонит и убивает нас, — значит, есть у тебя единое на потребу, мир душевный — значит, ты в раю —

Явно не уразумели главного: образец свободы от всякого ressentiment'a:

опять-таки и смерть Христа не имеет иного смысла, кроме сильнейшего примера и сильнейшего свидетельства в пользу своего учения ...

Все его ученики были далеки от того, чтобы простить ему такую смерть: вновь одержало верх самое неевангельское из чувств — мстительность ...

Никак нельзя было смириться с тем, что погибло все их дело, — требовалось «возмездие», «суд» (— а нет ничего менее евангельского, чем награда и наказание!)

Только теперь в народе на первый план снова выдвинулись ожидания мессии: дождаться исторического момента, когда явится «судия», чтобы судить врагов своих ...

: только теперь был превратно понят приход «Царства Божия» — как пророчество о завершительном акте истории

: только теперь на тип учителя и перенесли всё презрение и озлобленность, какие испытывали к фарисеям и богословам

: не уразумели главного: что именно сама такая смерть была высшей победой над «миром» (над чувствами вражды, мести и т.д.) — над злом, над дьяволом, понятым только как внутренняя психологическая реальность

: эти вовсе выбитые из равновесия души, с их поклонением, уже не могли сносить того законного равенства всех людей: всякий по праву «сын Божий», как учил Иисус, — и вот мщение: они стали безудержно превозносить Иисуса (— совсем как иудеи безмерно возвысили значение Израиля, будто остальной мир ему враг. Вот исток абсурдной теологии единого Бога и его единого Сына —

Проблема: «как попустил Господь?». На что был найден абсурдный ответ: «Он принес своего Сына на закланье ради прощения грехов». Все понятно наоборот, да как !!! Нет ничего более неевангельского, чем искупительная жертва, причем невинного приносят в жертву за грехи виновного;

: да ведь Иисус упразднил грех! — и не «верою», но чувством божественности, богоподобия.

В тип проникают:

a) догмат о Суде и Втором пришествии
b) догмат о смерти как искупительной жертве
c) догмат о воскресении: этим изгоняется раз и навсегда все «блаженство» — весь смысл Евангелия — в пользу некой жизни «после смерти» ...

Павел, с наглостью раввина логически толкует это понимание: «если Христос не воскрес, то тщетна вера наша»

: в довершение всего «бессмертие личности»

Вот так уже во втором поколении после Иисуса христианским стало почитаться всё, что евангельским инстинктам глубочайшим образом противоречило

жертвоприношение, даже кровавая жертва, жертва первенца

наказание, награда, Суд ...

разграничение мира сего и мира иного, времени и вечности

богословие вместо практического поведения, «вера» вместо образа жизни

глубокая и смертельная вражда ко всему нехристианскому

вся тяжесть миссионерства была привнесена в учение Иисуса: разного рода жестокие и злые вещи — против тех, кто не принимает его миссионеров, — теперь, выходит, провозглашены уже самим учителем

как только в принципе снова согласились на суд, наказание, награду, все учение Иисуса, все его речения и притчи пропитывают эти вещи ...

11 [379]

Нигилист.

Евангелие: весть о том, что низшим и нищим открыт путь к счастью,— что не надо ничего делать, достаточно избавиться от институтов, традиции, опеки высших сословий: в этом смысле пришествие христианства — не более как типичное учение социалистов.

Собственность, ремесло, отечество, сословие и положение, судебная система, полиция, государство, церковь, обучение, искусство, военное дело: все это, а равно многочисленные помехи счастью, заблуждения, тенета, дьявольские козни, призываемые Евангелием на суд ... Все это типично для учения социалистов.

Подоплека возмущения — взрыв долго сдерживаемого отвращения против «господ», инстинктивное чувство того, какое огромное счастье может принести после столь долгого гнета уже одно лишь ощущение свободы ...

Чаще всего это симптом того, что с низшими слоями обращались чересчур человечно и дружелюбно, так что они ощутили уже на языке вкус запретного счастья ... Не голод порождает революции, но то, что к народу аппетит приходит во время еды ...

11 [380]

Мнимая молодость

Заблуждаются те, кто воображает здесь молодую и наивную народную жизнь, отделяющуюся от старой культуры; суеверие думать, будто в тех низших слоях народа, где выросло и пустило корни христианство, забили глубинные источники жизни: мы совершенно ничего не поймем в психологии христианства, если примем его за выражение новоявленной молодости народа и усиления расы. Более того, это типичная форма декаданса; моральная изнеженность и истерия утомленного, ни на что не годного, больного разномастного сброда. Удивительная компания, собравшаяся здесь вокруг этого мастера обольщать народ, в общем-то вся без исключений из русского романа: все мыслимые нервные заболевания являются к ним на свидание ... отсутствие жизненной задачи, инстинктивное чувство того, что всему конец, что ничто больше не стоит и гроша, удовлетворенность dolce far niente

: мощь и уверенность в будущем иудейского инстинкта, неслыханное упорство его цепкой воли к существованию и власти сосредоточены в его господствующем классе; слои, превознесенные молодым христианством, ничем так резко не отмечены, как утомлением своих инстинктов. Одно дело — когда говорят: с меня хватит, — когда же довольствуются: собой, в себе, для себя — совсем другое.

11 [381]

Неспособность выразить политический идеал иначе как религиозными формулами

11 [382]

Ренан.

На Востоке сумасшедший — существо привилегированное: он проникает в заседания высших сановников, и никто не осмеливается остановить его; его выслушивают, с ним советуются. Считают, что такой человек стоит ближе к Богу, так как предполагают, что если его индивидуальный разум угас, то взамен этого ему предоставлено участие в божественном разуме. В Азии не существует обыкновения при помощи тонкой насмешки отмечать у другого слабость мышления.

Этим рукописям придавали мало значения, предпочитая им устные предания: так было еще в первой половине II века. Отсюда малая авторитетность этих писаний: их исправляли, дополняли, сводили одно из другого —

В Евангелии от Иоанна отсутствуют притчи, изгнание бесов ...

11 [383]

Ego:

«Ибо алкал Я, и вы не дали Мне есть — идите от Меня, проклятые и т.д.» — Мф. 25, 41 и далее

эти возмутительные слова: «так как вы не сделали этого одному из сих братьев Моих меньших, то не сделали Мне»

«дух пропаганды», выдающий себя за дух Иисуса ...

«дух неудовлетворенной мстительности», яростно изливающийся в словах, проклятиях и предсказаниях сцен Страшного суда ...

«дух аскетизма» («соблюдение заповедей» как исправительное средство, как путь к потустороннему вознаграждению, совсем как в иудаизме) вместо того христианского индифферентизма, который открещивается от всех благ сих, ради «блаженства» ... ессеи, Иоанн и т.д.

«дух чувства греховности и необходимости искупления»



Со смертью Христа и психологическим принуждением не видеть в ней конец восстановлены были все популярные тенденции: все грубые буквализмы, преобразование которых в дух и составляло труд этого типичного спиритуалиста —

: мессианизм, пришествие «Царства Божьего», дух враждебности и мести, ожидание «награды» и «наказания», высокомерие «избранных» (они судят, осуждают, проклинают, иудаистская идея жертвенности ... социалистическая тенденция ради нищих, «бесчестных», презираемых)



Иисус, который жизнью своей являл исполнение всех популярных чаяний, который только и делал, что говорил: «здесь есть Царство Небесное», который преображал буквализм этих чаяний в духовную материю:

— но со смертью его все было забыто (скажем по-немецки: опровергнуто) не оставалось выбора — либо обратно перевести его тип в популярное представление о «мессии», грядущем «судии», пророке в битве



Как эхо трагедии, до которой просто не доросла эта шайка сбивчивых, фантазерствующих мечтателей, сразу же ударяет совершенное вырождение: все было тщетным ...

абсурдное огрубление всех духовных ценностей и формул

беззастенчивое выступление на передний план анархических инстинктов, направленных против господствующего класса.

: ненависть к богатым, власть имущим, ученым — о «Царстве Небесном», о «мире на земле» и речи больше быть не может: психологическая реальность превращается в веру, чаяние некогда грядущей реальности, «второго пришествия»: жизнь в воображении как вечная форма «искупления» — о, насколько иначе представлялось все самому Иисусу!

11 [384]

Первое вырождение христианства — примесь юдаизма: обратное развитие в преодоленные формы ...

11 [385]

«Царство Мое не от мира сего»

«я разрушу храм Божий и через три дня воздвигну другой»

судебная процедура против «соблазнителя» (месит), который ставит под вопрос религию: законом было предусмотрено побитие камнями

— всякого пророка или чудотворца, уводящего народ от старой веры —

«ce grand maître en ironie»

Ренан считает справедливым, что он жизнью должен был заплатить за свой триумф.

11 [386]

«он вступает в диспут, лишь когда приводит аргументы против фарисеев, и противник принуждает его, как это всегда и бывает, говорить в одном тоне с ним» —

11 [387]

Ренан I, 346

Ses exquises moqueries, ses malignes provocations frappaient toujours au cœur. Stigmates éternelles, elles sont restées figées dans la plaie. Cette tunique de Nessus du ridicule, que le juif, fils des pharisiens, traîne en lambeaux après lui depuis dix-huit siècles, c’est Jésus, qui l’a tissée avec un artifice divin. Chefs-d’œuvre de haute raillerie, ses traits se sont inscrits en lignes de feu sur la chair de l’hypocrite et du faux dévot. Traits incomparables, traits dignes d’un fils de Dieu! Un dieu seul sait tuer de la sorte. Socrate et Molière ne font qu’effleurer la peau. Celui-ci porte jusqu’au fond des os le feu et la rage.

И ведь это то же самое, что мог говорить о себе Исаия — 42, 2—3 !!

11 [388]

У него нигде нет понятия «личности», «индивида»: человек растворяется в едином целом, когда любит, когда живёт лишь другим. Он и его ученики были единым целым.

11 [389]

Что он объявлял себя Богом или равным Богу, выставляется клеветой со стороны иудеев (ср. Иоан., 5, 18; 10, 33). Иисус заявляет, что Отец больше его: Отец не все ему открыл. Он защищается от попыток называть его равным Богу. Он Сын Божий, но и все люди могут сделаться таковыми (— это в традициях иудаизма: в Ветхом Завете сыновнее родство с Богом приписывалось некоторым личностям, которых отнюдь не считали равными Богу). В семитских языках словом «сын» передается исключительно широкое, гибкое понятие...

11 [390]

Великое умбрийское движение XIII века, которое больше всего приближалось к галилейскому движению, происходило исключительно во имя бедности:

Франциск Ассизский: exquise bonté, sa communion délicate, fine et tendre avec la vie universelle

11 [391]

на языке раввинов того времени «небо» равнозначно «Богу», чье имя избегали произносить.

11 [392]

«Царствие Божие среди нас есть» — Лк. 17, 20.

11 [393]

«блаженны слышащие слово Божье и исполняющие его» – Лк. 11, 27 etc.

11 [394]

совершенно отсутствует понятие «природы», «естественного закона»: все происходит в плоскости морали, «чудеса» не есть нечто «противоестественное» (потому что нет никакого естества)

11 [395]

«Закон уничтожен: это он его уничтожит»: раскол среди первых его учеников, из которых значительная часть осталась привержена иудаизму ... Процесс над ним не оставляет никаких сомнений ...

11 [396]

«ближним» для иудея является, прежде всего, единоверец

11 [397]

менее всего принадлежали к евангельскому типу учители греческой церкви, которые, начиная с IV века, увлекли христианство на путь абсурдной метафизики, и, с другой стороны, схоластики латинского средневековья.

11 [398]

Ренан I, 461

... le sentiment que Jésus a introduit dans le monde est bien le nôtre. Son parfait idéalisme est la plus haute règle de la vie détachée et vertueuse. Il a créé le ciel des âmes pures, où se trouve ce qu’on demande en vain à la terre, la parfaite noblesse des enfants de Dieu, la sainteté accomplie, la totale abstraction des souillures du monde, la liberté enfin, que la société réelle exclut comme une impossibilité et qui n’a toute son amplitude que dans le domaine de la pensée. Le grand maître de ceux qui se réfugient dans ce paradis idéal est encore Jésus. Le premier, il a proclamé la royauté de l’esprit: le premier, il a dit, au moins par ses actes: «mon royaume n’est pas de ce monde». La fondation de la vraie religion est bien son œuvre ...

11 [399]

«Христианство» сделалось синонимом «религии»: всё, что будет совершаться вне этой великой и прекрасной христианской традиции, останется бесплодным.

Но чувство, которое Иисус внёс в мир, то же самое, что и у нас. Его совершенный идеализм есть высшее правило жизни добродетельной и полной отрешения. Он создал небо чистых душ, где находится то, чего тщетно ищут на земле, совершеннейшее благородство детей Божиих, полная святость, полное отрешение от мирской грязи, наконец, свобода, которую реальное общество исключает как нечто невозможное и которая может иметь всю свою полноту только лишь в области мысли. И великим учителем тех, кто находит себе прибежище в этом идеальном раю, является опять-таки Иисус. Он первый возвестил царство духа; он первый объявил, во всяком случае, своими делами: «Царство Моё не от мира сего». Основание истинной религии — конечно, его работа...

11 [400]

Наша цивилизация, управляемая полицейской регламентацией, не дает никакого представления о том, что мог вершить человек в такие эпохи, когда для развития оригинальности каждого представлялось более широкое и свободное поприще.

Nos petites tracasseries préventives, bien plus meurtrières que les supplices pour les choses de l’esprit, n’existaient pas. В течение трех лет Иисус вел жизнь, за которую в наших обществах его бы уже раз двадцать успели привлечь к суду ...

Dégagées de nos conventions polies, exemptes de l’éducation uniforme, qui nous raffine, mais qui diminue si fort notre individualité, ces âmes entières portaient dans l’action une énergie surprenante ... Le souffle de Dieu était libre chez eux; chez nous, il est enchaîné par les liens de fer d’une société mesquine et condamnée à une irrémédiable médiocrité.

Plaçons donc au plus haut sommet de la grandeur humaine la personne de Jésus, — призывает нас господин Ренан.

11 [401]

Медицина видит в известной моральной delicatesses
начало этизии ... (фтизии?)

11 [402]

Для большинства человечества одной философии недостаточно. Ему надо святости. — Ренановская вежливая колкость.

11 [403]

Qui n’aimerait mieux être malade comme Pascal que bien portant comme le vulgaire? — Ренан.

11 [404]

Qu’on se figure Jésus, réduit à porter jusqu’à soixante ou soixante-dix ans le fardeau de sa divinité, perdant sa flamme céleste, s’usant peu à peu sous les nécessités d’un rôle inouï! — Ренан.



Voué sans réserve à son idée, il y a subordonné toute chose à un tel degré que l’univers n’exista plus pour lui. C’est par cet accès de volonté héroïque, qu’il a conquis le ciel. Il n’y a pas eu d’homme, Çakia-Mouni peut-être excepté, qui ait à ce point foulé aux pieds la famille, les joies de ce monde, tout soin temporel ... Pour nous, éternels enfants, condamnés à l’impuissance, inclinons-nous devant ces demi-dieux! —

11 [405]

Ренан, р. 187

Le mouvement démocratique le plus exalté, dont l’humanité ait gardé le souvenir, agitait depuis longtemps la race juive. La pensée que Dieu est le vengeur du pauvre et du faible contre le riche et le puissant se retrouve à chaque page des écrits de l’Ancien Testament. L’histoire d’Israël est de toutes les histoires celle où l’esprit populaire a le plus constamment dominé. Les prophètes, vrais tribuns et, on peut le dire, les plus hardis des tribuns, avaient tonné sans cesse contre les grands et établi une étroite relation entre les mots de “pauvre, doux, humble, pieux” et de l’autre entre les mots “riche, impie, violent, méchant.” Sous les Séleucides, les aristocrates ayant presque tous apostasié et passé à l’hellénisme, ces associations d’idées ne firent que se fortifier. Le livre d’Hénoch contient des malédictions plus violentes encore que celles de l’Évangile contre le monde, les riches, les puissants. Le nom de “pauvre” (ébion) était devenu synonyme de “saint,” d’“ami de Dieu.”

11 [406]

Лоти, Pecheurs d'Islande.

11 [407]

Государство, или организованная безнравственность ...

во внутренних делах: как полиция, уголовное право, сословия, торговля, семья

во внешних: как воля к власти, к войне, к завоеванию, к мести

как доходит до того, что массы совершают вещи, до которых отдельный человек никогда бы не опустился?

— за счет разделения ответственности

— разделения приказа и выполнения

— за счет вбивания клина в виде добродетелей повиновения, долга, любви к отечеству и своему правителю

сохранение гордости, суровости, силы, ненависти, мести, короче, всех типических черт, противоречащих стадному типу ...

Ухищрения с целью обеспечить возможность действий, мероприятий, которые применительно к индивиду уже не «допустимы» — и не «приемлемы» —

— искусство «убеждает нас в их приемлемости», оно велит нам вступить в эти «отчужденные» миры

— историк показывает их своеобразную оправданность и разумность; путешествия; экзотика; психология; уголовное право; сумасшедший дом; преступники; социология

— «обезличение»: так что мы сами, в качестве медиума некоего коллективного существа, разрешаем себе эти чувства и действия (судейские коллегии, суд присяжных, гражданин, солдат, министр, правитель, социум, «критик») ... вселяет в нас чувство, будто мы приносим жертву ...

Сохранение военизированного государства есть крайнее средство, эту великую традицию следовало бы подхватить, продлить ради высшего типа человека, сильного типа. В этом плане могут казаться оправданными все понятия, увековечивающие вражду и ранговую дистанцию между государствами ...

например, национализм, покровительственная пошлина,



сильный тип сохраняется в качестве задающего ценность ...

11 [408]

Нечего прихорашивать и приукрашивать христианство (как этот двусмысленный господин Ренан): оно объявило смертельную войну сильному типу человека

оно предало анафеме все основные инстинкты этого типа

оно извлекло из них зло — сфабриковало дьявола

: сильный человек — типичный отверженный, «порочный» человек

оно приняло сторону всего слабого, низкого, уродливого

: оно создало идеал по противоположности инстинктам самосохранения, свойственным полной сил жизни ...

: оно испортило разум даже наиболее духовно одаренных людей, научив воспринимать высшие инстинкты духа как греховные, вводящие в заблуждение, как искушения ..

плачевнейший пример — порча Паскаля, верившего в испорченность собственного разума первородным грехом, тогда как испортило-то его ему христианство и ничего другое ...

11 [409]

Авторы, расположение к которым еще и сегодня может раз и навсегда скомпрометировать: Руссо, Шиллер, Жорж Санд, Мишле, Бокль, Карлейль, ...

11 [410]

NB. Я не доверяю любым систематизаторам и держусь от них подальше. Воля к системе, по крайней мере для мыслителя, есть нечто компрометирующее, форма безнравственности ... Быть может, заглянув в подоплеку этой книги, кое-кто догадается, от какого именно систематизатора сама она с трудом улизнула — от меня самого ...

11 [411]

Предисловие.

1.

Великие предметы требуют молчания или великих слов: великих — значит циничных и сказанных в простоте души.

2.

То, что я расскажу, — история двух следующих столетий. Я пишу о том, что наступает, что уже не может наступить иначе: надвигается нигилизм. Этот рассказ можно вести уже теперь — тут трудится сама необходимость. Это грядущее гласит сотней знамений, предветия этой судьбы повсюду; каждый слух настороженно ждет этой музыки грядущего. Вся наша европейская культура давно уже, в муке напряжения (растущего век от века), движется словно к катастрофе: тревожно, неволей, очертя голову: рекою, уставшей ждать конца, уж не помнящей себя, которой страшно опомниться.

3.

— Тот, кто берет здесь слово, напротив, только и занят был тем, чтобы опомниться: как философ и инстинктивный отшельник, находивший свою выгоду в жизни на отшибе, в выжидании, промедлении, отставании; как дерзновенный и искусительный ум, блуждавший-таки по всем лабиринтам будущего; как парящий вещей птицей ум, бросающий взор назад, заводя рассказ о грядущем; как первый законченный нигилист Европы, но до конца проживший в себе этот самый нигилизм — оставивший его позади, ниже, вне себя самого ...

4.

Ибо зачем обманываться в смысле названия, желанного этому евангелию будущего! «Воля к власти. Опыт переоценки всех ценностей» — данной формулой заявлено о встречном движении, что касается принципа и задачи: о движении, которое когда-то в будущем сменит означенный законченный нигилизм, но для которого последний служит предпосылкой — логически и психологически, — которое только и может возникнуть после него и из него. Ибо почему появление нигилизма отныне неизбежно? Потому что наши прежние, бывшие доселе в ходу ценности — вот что делает в нем свой последний вывод; потому что нигилизм есть до конца додуманная логика всех наших великих ценностей и идеалов, — потому что надо сначала изведать нигилизм, чтобы докопаться, в чем же была ценность сих «ценностей» ... Нам еще пригодятся новые ценности ...

11 [412]

Читать книги, которые могли бы быть написаны многими: они отчетливей всего выдают интеллектуальные привычки типичного ученого эпохи, они «безлики».

11 [413]

Сверхчеловек

: мой вопрос не о том, что сменяет человека, но о том, какую породу человека, в качестве более ценной, надлежит избрать, изволить, вывести ...

Человечество не являет развития к лучшему, или к сильнейшему, или к высшему — в том смысле, как это воображают себе сегодня. Европеец XIX века по своей ценности сильно уступает европейцу эпохи Возрождения; прогрессирующее развитие отнюдь не совпадает с какой-либо неизбежностью повышения, возвышения, усиления ...

совсем в ином смысле, в отдельных случаях в самых разных уголках земли и среди самых различных культур то и дело случаются удачи, в которых на деле являет себя некий высший тип: нечто такое, что по отношению к человечеству вообще предстает своего рода «сверхчеловеком». Такие счастливые случаи великой удачи всегда были возможны и, наверное, всегда будут возможны. А при определенных обстоятельствах такими удачными попаданиями могут являться даже целые племена, поколения, народы ...

С древнейших доступных догадке времен индийской, египетской или китайской культуры и до сегодняшнего дня высший тип человека куда однороднее, чем думают ...

Мы забываем, в какой малой степени человечество можно считать включенным в одно-единственное движение, забываем, что молодость, старость, закат и гибель — вовсе не те понятия, которые можно применить к человечеству в целом ...

Мы забываем, возьмем один пример, что лишь сегодня наша европейская культура снова приблизилась к тому состоянию философской мягкотелости и поздней культуры, в котором только и делается понятным возникновение буддизма.

Если когда-нибудь представится возможность провести через всю историю своего рода изохронные линии культуры, то современное понятие прогресса форменным образом встанет с ног на голову — да и самый показатель, которым прогресс измеряется,— демократизм

11 [414]

Предисловие

* * *

Что хорошо? — Все, что повышает в человеке чувство власти, волю к власти, власть как таковую.

Что плохо? — Все, что происходит от слабости.

Что есть счастье? — Чувство растущей власти — чувство преодолеваемого сопротивления.

Не удовлетворенность — но еще больше власти; не мир — но война; не добродетель — но дельность (добродетель в ренессансном стиле, virtu, добродетель без примеси моралина).

Слабые и неудачные пусть гибнут: вот первая заповедь общества. Им еще и помочь в этом нужно.

Что вреднее любого порока? — Сострадание всем неудачным и слабым — «христианство» ...

* * *

Проблема, которую я здесь ставлю, не в том, что должно сменить человечество в череде живых существ, но — какой тип человека надлежит вывести, надлежит изволить: как более ценный, более достойный жизни, какому принадлежит будущее.

Этот более ценный тип уже достаточно часто существовал на земле и прежде, но всегда лишь в виде счастливого случая, исключения — и никогда как продукт воли. Напротив, он был тем, чего больше всего страшились, — он, можно сказать, внушал ужас. Из этого-то страха желали обратный тип, именно его получилось вывести и достигнуть: домашнее животное, стадное животное, животное «равноправия», слабое животное по имени человек — «христианина» ...

* * *

Воля к власти.
Опыт переоценки всех ценностей.

11 [415]

Миропонимание, с каким сталкиваются в подоплеке этой книги, до странности мрачно и малоприятно: кажется, ни один из известных на сегодня типов пессимизма не достигает такой степени коварства. Здесь нет противопоставления мира истинного и видимого: есть лишь один мир, и мир этот ложен, жесток, противоречив, соблазнителен, бессмыслен ... Так устроенный мир и есть истинный ... Мы нуждаемся во лжи, дабы одержать победу над этой реальностью, этой «истиной», то есть чтобы жить ... И тот факт, что ложь необходима для того, чтобы жить, опять-таки неразрывно связан с этим страшным и сомнительным характером существования ...

Метафизика, мораль, религия, наука — все они принимаются в этой книге в расчет лишь как различные формы лжи: с их помощью мы можем верить в жизнь. «Жизнь должна внушать доверие»: задача, поставленная таким образом, неслыханно сложна. Чтобы решить ее, человек уже от природы должен быть лжецом, больше всего прочего он должен быть художником ... Он им и является: метафизика, мораль, религия, наука — все это лишь продукты его воли к искусству, ко лжи, к бегству от «истины», к отрицанию «истины». Сама эта способность, благодаря которой он насилует реальность ложью, эта присущая человеку художническая способность par excellence, — она все еще разделяется им со всем сущим: ведь он сам есть частица действительности, истины, природы — он сам есть также и частица гения лжи ...

Не видеть действительного характера существования — вот тайный умысел — глубочайший и наивысший — науки, благочестия, художников. Многого вовсе не видеть, многое видеть превратно, глядя, многое добавлять ... О, сколько в человеке еще остается расчета даже в состояниях, когда и в голову не придет, что ты расчетлив! Любовь, вдохновение, «Бог» — сплошь тонкости предельного самообмана, сплошь обольщения ради того, чтобы жить! В мгновения, когда человек обманут, когда он снова верит в жизнь, когда ему удалось обхитрить самого себя: о, как он тогда окрылен! Какой восторг! Какое ощущение власти! ... Сколько художнического триумфа в чувстве власти! Теперь он вновь воспрял господином над «материей» — господином над истиной!.. И когда бы ни чувствовал человек радость, он всегда в ней верен себе: он радуется как художник, он наслаждается собой как властью! Ложь и есть эта власть ...

Искусство, и ничего кроме искусства. Искусство, художественность — великая попечительница жизни, великая обольстительница во имя жизни, великая подстрекательница к жизни ...

11 [416]

Переоценка ценностей.

Книга 1: антихристианин.
Книга 2: мизософ.
Книга 3: имморалист
Книга 4: Дионис.
 

Переоценка всех ценностей.

11 [417]

я уже дал немцам самую глубокую книгу, какой они только владеют — моего «Заратустру»,— ныне я даю им самую своевольную. Как? — восклицает на это моя нечистая совесть,— ты собираешься метать бисер перед немцами!..

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