13, 24[1-10] Oktober-November 1888
24 [1]
Ecce homo
Oder:
warum ich Einiges mehr weiss.
Von
Friedrich Nietzsche.
1.
— Ich komme zu einem Problem, das, wie mir wenigstens scheint, etwas ernsthafterer Natur ist als das Problem vom “Dasein Gottes” und andre Christlichkeiten,—zum Problem der Ernährung. Es ist, in Kürze, die Frage: wie hast du dich zu ernähren, um zu deinem maximum von Kraft, von virtù, von Tugend im Sinne der Renaissance-Vernunft zu kommen?— Meine Erfahrungen sind hier so schlimm als möglich: ich bin erstaunt, so spät, an dieser Stelle gerade “zur Vernunft” gekommen zu sein, zu spät in gewissem Verstande: und nur die vollkommene Nichtswürdigkeit unsrer deutschen Bildung erklärt mir einigermaßen, weshalb ich gerade hier rückständig bis zur “Heiligkeit” war. Diese “Bildung,” welche von Anfang an die Realitäten grundsätzlich aus den Augen verlieren lehrt, um durchaus problematischen sogenannten “idealen” Zielen, zum Beispiel einer sogenannten “klassischen Bildung” nachzujagen!—als ob es nicht von vornherein zum Todtlachen wäre “klassisch” und “deutsch” zusammen in den Mund zu nehmen. Man denke sich doch einen “klassisch gebildeten” Leipziger!— In der That, ich habe, bis zu meinen reifsten Jahren, immer nur schlecht gegessen,—moralisch ausgedrückt “unpersönlich,” “unegoistisch,” “altruistisch”: ich verneinte, durch Leipziger Küche zum Beispiel, meinen “Willen zum Leben.” Sich zum Zweck unzureichender Ernährung auch noch den Magen zu verderben—dies Problem scheint mir die genannte Küche zum Bewundern zu lösen. Aber die deutsche Küche überhaupt—was hat sie seit Alters her Alles auf dem Gewissen! Die Suppe vor der Mahlzeit (—noch in italiänischen Kochbüchern des 16ten Jahrhunderts alla tedesca genannt); die ausgekochten Fleische; die fett und schwer gemachten Gemüse; die unverdauliche Species der Mehlspeisen. Rechnet man noch die gerade viehischen Nachguß-Bedürfnisse des deutschen Biedermanns hinzu, so versteht man die Herkunft des “deutschen Geistes”—aus einem verdorbenen Magen ... Aber auch die englische Diät, die, im Vergleich zur deutschen, eine wahre Rückkehr zur “Natur,” will sagen zum Rostbeaf, auch zur Vernunft ist—geht meinem eignen Instinkt tief zuwider: es scheint mir, daß sie dem Geiste “schwere Füße” giebt,—Engländerinnen-Füße ... Daß mir Alcoholica nachtheilig sind, daß ein Glas Wein oder Bier des Tags vollkommen ausreicht, um mir aus dem Leben wie Schopenhauern ein “Jammerthal” zu machen, habe ich auch ein wenig zu spät begriffen,—erlebt hatte ich’s eigentlich von Kindesbeinen an. Als Knabe glaubte ich, Weintrinken sei wie Tabakrauchen anfangs nur eine vanitas junger Burschen, später eine schlechte Gewöhnung. Vielleicht war daran auch der Naumburger Wein schuld.— Zu glauben, daß der Wein erheitere, dazu müßte ich Christ sein, will sagen, glauben, was für mich eine Absurdität ist. Seltsam genug, bei einer extremen Verstimmbarkeit durch stark verdünnte, wenn auch noch so kleine Dosen Alkohol bin ich beinahe unempfindlich gegen starke Dosen: und mit einem Grog seemännischen Kalibers wirft man mich am wenigsten um. Eine lange lateinische Abhandlung in Einer Nachtwache niederzuschreiben, mit der heimlichen Ambition, es meinem Vorbilde Sallust in Strenge und Gedrängtheit gleichzuthun, dies stand schon als ich Schüler in der ehrwürdigen Pforta war, nicht im Widerspruch zu meiner Physiologie, auch nicht zu Sallust—wie sehr auch immer zur ehrwürdigen Pforta! ... Später, gegen die Mitte des Lebens hin, entschied ich mich freilich immer strenger gegen jedwedes “geistige” Getränk. Ich ziehe Orte vor, wo man überall Gelegenheit hat, aus fließenden Brunnen zu schöpfen (—Nizza, Turin, Sils); ich wache Nachts nicht auf, ohne Wasser zu trinken. In vino veritas: es scheint, daß ich auch hier wieder über den Begriff “Wahrheit” mit aller Welt uneins bin,—der Geist schwebt bei mir über dem Wasser ...
2.
Gegen die Krankheit, deren Wohlthaten gerade von mir am wenigsten unterschätzt werden sollen, würde ich einzuwenden haben, daß sie die Wehr- und Waffen-Instinkte des Menschen schwächt. Ich habe mich lange Jahre hindurch weder gegen eine wohlwollende zudringliche Hülfsbereitschaft, noch gegen tölpelhafte, ins Haus fallende “Verehrer” und andres Ungeziefer genügend zu vertheidigen gewußt; jene Fälle, wie billig, noch abgerechnet, denen Niemand entgeht, etwa wenn junge lüderliche Gelehrte, unter dem Vorwand der “Verehrung,” Einen anzupumpen ins Haus fallen. Ein Kranker hat Mühe damit, Dinge und Menschen loszuwerden, Erinnerungen eingerechnet: eine Art Fatalismus, der “sich in den Schnee legt,” nach Art eines russischen Soldaten, welchem der Feldzug endlich zu hart wird, ein Fatalismus ohne Revolte gehört zu seinen Selbsterhaltungs-Instinkten. Man versteht Viel vom Weibe, als einem zum Leiden verurtheilten und unfreiwillig fatalistischen Wesen, wenn man diese Art Selbst-Erhaltungs-Instinkt begreift. So wenig Kraft wie möglich ausgeben,—sich nicht mit Reaktionen verschwenden—eine gewisse Sparsamkeit mehr aus Armut an Kraft: dies ist die große Vernunft im Fatalismus. Physiologisch ausgedrückt: eine Herabsetzung des Stoffverbrauchs, dessen Verlangsamung,—mit Nichts brennt man rascher ab als mit Affekten. Das Ressentiment, der Ärger, die Lust nach Rache—das sind für Kranke die schädlichsten aller möglichen Zustände: eine Religion, wie die Buddha’s, welche wesentlich mit Geistig-Raffinirten und Physiologisch-Ermüdeten zu thun hatte, wendete sich deshalb mit dem Hauptgewicht ihrer Lehre gegen das Ressentiment. “Nicht durch Feindschaft kommt Feindschaft zu Ende: durch Freundschaft kommt Feindschaft zu Ende.” Der Buddhismus war keine Moral,—es wäre ein tiefes Mißverständniß, ihn nach solchen Vulgär-Cruditäten, wie das Christenthum ist, abzuwürdigen: er war eine Hygiene.— Ich habe beinahe unerträgliche Verhältnisse, Orte, Wohnungen, Gesellschaft, nachdem sie einmal, durch Zufall, gegeben waren, jahrelang zäh festgehalten, nicht mit Willen, sondern aus jenem Instinkt heraus,—es war jedenfalls weiser als zu ändern, als zu “experimentiren.” Das Experiment geht gegen den Instinkt des Leidenden: in einem hohen Sinn könnte man es geradezu den Beweis der Kraft nennen. Aus seinem Leben selbst ein Experiment machen—das erst ist Freiheit des Geistes, das wurde mir später zur Philosophie ...
3.
Die Langeweile gehört, wie mir scheint, nicht gerade zu den Leiden der Leidenden; wenigstens fehlt mir alle Erinnerung dafür. Umgekehrt war die böse Zeit meines Lebens reich für mich durch eine gewisse neue Erfindsamkeit—die Kunst der nuances, die feine Fingerfertigkeit in der Handhabe von nuances. Ich würde das raffinement überhaupt verstehn als eine Verzärtelung des Getasts bis in’s Geistigste hinauf; auch noch jene Art liebevoller Rücksicht und Vorsicht im Verstehn, die Kranken eignet, gehört dahin,—sie scheuen die allzu nahe Berührung ... Man hört in diesen Zuständen selbst gemeine Sachen ungemein, man transponirt sie gleichsam: der Alltags-Zufall wird durch ein sublimes Sieb gesiebt und sieht sich selber nicht mehr gleich. Zuletzt war ich damals über die Maaßen dankbar, wenn irgend etwas Freies und Ausgewähltes von Intelligenz, von Charakter sich in meine Nähe verschlug, während eine gewisse Ungeduld gegen Deutsche und Deutsches immer mehr bei mir Instinkt wurde. Mit Deutschen verlor ich meine gute Laune, meinen Geist—und nicht minder meine Zeit ... Die Deutschen machen die Zeit länger ... Anders steht es, wenn der Deutsche zufällig Jude oder Jüdin ist. Es ist wunderlich, wenn ich nachrechne, daß zwischen 1876-86 ich fast alle meine angenehmen Augenblicke im Zufall des Verkehrs Juden oder Jüdinnen verdanke. Die Deutschen unterschätzen, welche Wohlthat es ist, einem Juden zu begegnen,—man hat keine Gründe mehr, sich zu schämen, man darf sogar intelligent sein ... In Frankreich sehe ich die Nothwendigkeit nicht ein, warum es Juden giebt, um so mehr in Deutschland: Meilhac und Halévy, die besten Dichter, denen mein Geschmack Unsterblichkeit verspricht, erreichen diese Höhe als Franzosen nicht als Juden.— Ich möchte dasselbe auch von Offenbach behaupten, diesem unzweideutigen Musiker, der nichts Anderes sein wollte als was er war—ein genialer Buffo, im Grunde der letzte M der noch M machte und nicht Akkorde! ...
4.
Im Grunde gehöre ich zu jenen unfreiwilligen Erziehern, welche keine Principien zur Erziehung brauchen, noch haben. Die Eine Thatsache, daß ich in 7 Jahren Unterricht an der obersten Klasse des Basler Pädagogiums keinen Anlaß hatte, eine Strafe zu verhängen, und daß, wie mir später bezeugt worden ist, die Faulsten bei mir noch fleißig waren, zeugt einigermaßen dafür. Eine kleine Klugheit aus jener Praxis ist mir im Gedächtniß geblieben: im Fall, wo ein Schüler im Wiederholen dessen, was ich die Stunde vorher auseinandergesetzt hatte, durchaus unzureichend blieb, nahm ich die Schuld davon stets auf mich,—sagte zum Beispiel, es sei Jedermann’s Recht, wenn ich mich zu kurz, zu unfaßlich ausdrücke, von mir eine Erläuterung, eine Wiederholung zu verlangen. Ein Lehrer habe die Aufgabe, sich jeder Intelligenz zugänglich zu machen ... Man hat mir gesagt, daß dieser Kunstgriff stärker wirkte, als irgend ein Tadel.— Ich habe weder im Verkehr mit Schülern, noch mit Studenten, je eine Schwierigkeit empfunden, obschon zu Anfang meine vierundzwanzig Jahre mich ihnen nicht nur näherten. Insgleichen gab mir das Prüfen bei Doktor-Promotionen keinen Anlaß, irgend welche Künste oder Methoden noch zuzulernen: was ich instinktiv handhabte, war nicht nur das Humanste in solchen Fällen,—ich befand mich dabei selber erst vollkommen wohl, sobald ich den Promovenden in gutes Fahrwasser gebracht hatte. Jedermann hat in solchen Fällen so viel Geist—oder so wenig—als der verehrliche Examinator hat ... Hörte ich zu, so schien es mir immer, daß im Grunde die Herren Examinatoren geprüft würden. —
5.
Ich habe nie die Kunst verstanden gegen mich einzunehmen, selbst wenn es mir von großem Werth schien, zu diesem Ziele zu gelangen. Man mag mein Leben hin und herwenden, man wird darin nicht die Anzeichen finden, daß je Jemand bösen Willen gegen mich gehabt habe. Meine Erfahrungen selbst mit Solchen, an denen Jedermann schlechte Erfahrungen macht, sind ohne Ausnahme zu deren Gunsten: auch war mir für den Verkehr, vorausgesetzt, daß ich nicht krank war, Jedermann noch ein Instrument, dem ich feine ungewohnteste Töne abgewann. Wie oft habe ich dies zu hören bekommen, eine Art Verwundern, über sich selber seitens meiner Unterredner: “Dergleichen ist mir nie bisher in den Sinn gekommen” ... Am schönsten vielleicht von jenem unverzeihlich jung verstorbenen Heinrich von Stein, der einmal, nach sorgsam eingeholter Erlaubniß, auf drei Tage in Sils erschien, Jedermann erklärend, daß er nicht des Engadin wegen gekommen sei. Dieser ausgezeichnete Mensch, der mit der ganzen tapferen Einfalt seiner Natur in den Wagnerischen Sumpf hineingewatet bis in die Ohren war—“ich verstehe nichts von Musik” bekannte er mir—war diese drei Tage lang wie umgewandelt durch einen Strom von Freiheit, gleich Einem, der plötzlich in sein Element geräth und Flügel bekommt. Ich sagte ihm immer, Das mache die gute Luft hier oben, so gehe es Jedem, aber er wollte mir’s nicht glauben ... Wenn trotzdem an mir mancherlei große und kleine Missethat verübt worden ist, so war nicht der “Wille,” am wenigsten der böse Wille der Grund davon: eher schon hätte ich mich über den guten Willen zu beklagen, der nur Unfug in meinem Leben angerichtet hat. Meine Erfahrung giebt mir ein Anrecht auf Mißtrauen überhaupt hinsichtlich der hülfbereiten, zu Rath, zu Thaten schreitenden “Nächstenliebe” —, ich werfe ihr vor, daß ihr die Delikatesse leicht abhanden kommt, daß sie mit ihren hülfbereiten Händen in ein erhabnes Geschick, in eine Vereinsamung unter Wunden, in ein Vorrecht auf großes Leiden unter Umständen geradezu zerstörerisch hineingreift.— Nicht ohne Grund habe ich als “Versuchung Zarathustra’s” einen Fall gedichtet, wo ein großer Nothschrei an ihn kommt, wo das Mitleiden wie eine letzte Sünde ihn überfallen will: hier Herr bleiben, hier die Höhe seiner Aufgabe rein halten von den viel niedrigeren und kurzsichtigeren Antrieben, welche in den sogenannten selbstlosen Handlungen thätig sind, dies ist eine Probe, die letzte Probe, die Zarathustra und wer Seines Gleichen ist vor sich selber abzulegen hat. —
6.
Gleich Jedem, der nie unter seines Gleichen lebt und aus diesem seinem Schicksal zuletzt seine Kunst und Menschenfreundlichkeit macht, wehre ich mich in Fällen, wo eine kleine oder sehr große Thorheit gegen mich begangen wurde, gegen irgend eine Gegenmaßregel, es sei denn die, der Dummheit so schnell wie möglich eine Klugheit nachzuschicken: so holt man sie vielleicht noch ein. Man hat nur Etwas an mir schlimm zu machen, ich vergelte es, dessen sei man sicher: ich finde in Kürze eine Gelegenheit, dem Übelthäter meinen Dank für irgend Etwas auszudrücken oder ihn um Etwas zu bitten (—was verbindlicher ist als zu geben ...) Auch scheint es mir, daß der gröbste Brief gutartiger ist als Schweigen. Solchen, die schweigen, fehlt es an Feinheit und Höflichkeit des Herzens.— Wenn man reich genug dazu ist, ist es ein Glück, Unrecht zu haben; man verträgt sich auf’s Beste mit mir, wenn man mir von Zeit zu Zeit eine Gelegenheit giebt, Unrecht zu haben. Nichts verbessert meine Freundschaft so von Grunde aus, Nichts giebt ihr immer wieder Frische ... In jenen nicht unbekannten Fällen, wo ich ein entschiedenes Nein bis zum Krieg aufs Messer bekenne, würde man einen argen Fehlschluß machen, gerade da eine im Hintergrunde verborgene Fülle schlimmer Erfahrungen vorauszusetzen. Wer einen Begriff von mir hat, darf umgekehrt schließen. Ich gestehe mir keine Sachen-Feindschaft, solange die geringste Personen-Zwiespältigkeit noch mitspielt. Wenn ich dem Christenthum den Krieg mache, so steht mir dies einzig deshalb zu, weil ich nie von dieser Seite aus Trübes oder Trauriges erlebt habe,—umgekehrt die schätzenswerthesten Menschen, die ich kenne, sind Christen ohne Falsch gewesen, ich trage es den Einzelnen am letzten nach, was das Verhängniß von Jahrtausenden ist. Meine Vorfahren selbst waren protestantische Geistliche: hätte ich nicht einen hohen und reinlichen Sinn von ihnen her mitbekommen, so wüßte ich nicht, woher mein Recht zum Kriege mit dem Christenthum stammte. Meine Formel dafür: der Antichrist ist selbst die nothwendige Logik in der Entwicklung eines echten Christen, in mir überwindet sich das Christenthum selbst. Ein anderer Fall: ich habe aus meinen Beziehungen zu Wagner und zu Frau Wagner nur die erquicklichsten und erhebendsten Erinnerungen zurückbehalten: genau dieser Umstand erlaubte mir jene Neutralität des Blicks, das Problem Wagner überhaupt als Cultur-Problem zu sehn und vielleicht zu lösen ... Selbst für Antisemiten, denen ich, wie man weiß, am wenigsten hold bin, würde ich, meinen nicht unbeträchtlichen Erfahrungen nach, manches Günstige geltend zu machen haben: dies hindert nicht, dies bedingt vielmehr, daß ich dem Antisemitismus einen schonungslosen Krieg mache,—er ist einer der krankhaftesten Auswüchse der so absurden, so unberechtigten reichsdeutschen Selbst-Anglotzung ...
7.
Es liegt nicht in meiner Art, Vieles und Vielerlei zu lieben: auch in meinem Verkehr mit Büchern habe ich im Ganzen mehr eine Feindseligkelt als eine Toleranz, ein “Herankommen-lassen” im Instinkte. Und das von Kindesbeinen an. Es ist im Grunde eine kleine Anzahl Bücher, die in meinem Leben mitzählen, es sind die berühmtesten nicht darunter. Mein Sinn für Stil, für das Epigramm als Stil erwachte fast mit Einem Schlage bei der ersten Berührung mit Sallust: ich vergesse das Erstaunen meines verehrten Lehrers Corssen nicht, als er seinem schlechtesten Lateiner die allererste Censur geben mußte,—er lud mich zu sich ein ... Gedrängt, streng, mit so viel Substanz auf dem Grunde als möglich,—eine kalte Bosheit gegen das “schöne Wort” und das “schöne Gefühl”: daran errieth ich mich. Man wird, bis in meinen Zarathustra hinein, eine sehr ernsthafte Ambition nach römischem Stil, nach dem “magnum in parvo,” nach dem “aere perennius” wiedererkennen. Nicht anders ergieng es mir bei der ersten Berührung mit Horaz. Bis heute habe ich an keinem anderen Dichter dasselbe artistische Entzücken wiedergefunden, das mir eine Horazische Ode macht. In gewissen Sprachen, z.B. im Deutschen, ist das, was hier erreicht ist, nicht einmal zu wollen. Dies Mosaik von Worten, wo jedes Wort, als Klang, als Ort, als Begriff, nach rechts links und über das Ganze hin seine Kraft ausströmt, dies minimum von Umfang der Zeichen, dies damit erreichte maximum von Energie des Zeichens—das Alles ist römisch und, wenn man mir glauben will, vornehm par excellence: der ganze Rest von Poesie wird dagegen eine Gefühls-Geschwätzigkeit. Ich möchte am wenigsten den Reiz vergessen, der im Contrast dieser granitnen Form und der anmuthigsten Libertinage liegt:—mein Ohr ist entzückt über diesen Widerspruch von Form und Sinn. Der dritte unvergleich Eindruck, den ich den Lateinern verdanke, ist Petronius. Dies prestissimo des Übermuths in Wort, Satz und Sprung der Gedanken, dies Raffinement in der Mischung von Vulgär- und “Bildungs”-Latein, diese unbändige gute Laune, die sich vor nichts fürchtet und über jede Art Animalität der antiken Welt mit Grazie hinwegspringt, diese souveräne Freiheit vor der “Moral,” vor den tugendhaften Armseligkeiten “schöner Seelen”—ich wüßte kein Buch zu nennen, das am Entferntesten einen ähnlichen Eindruck auf mich gemacht hätte. Daß der Dichter ein Provençale ist, sagt mir leise mein persönlichster Instinkt: man muß den Teufel im Leibe haben, um solche Sprünge zu machen. Unter Umständen, wenn ich nöthig hatte, mich von einem niedrigen Eindruck zu befreien, zum Beispiel von einer Rede des Apostel Paulus, genügten mir ein Paar Seiten Petronius, um mich vollkommen wieder gesund zu machen.
8.
Den Griechen verdanke ich durchaus keine verwandten Eindrücke; im Verhältniß nämlich zu Plato bin ich ein zu gründlicher Skeptiker, und habe nie in die Bewunderung des Artisten Plato, die unter Gelehrten üblich ist, einzustimmen vermocht. Er wirft, wie mir scheint, alle Formen des Stils durcheinander: er hat Etwas Ähnliches auf dem Gewissen, wie die Cyniker, welche die Satura Menippea erfanden. Daß der Platonische Dialog, die entsetzlich selbstgefällige und kindliche Dialektik als Reiz wirken kann, dazu müßte man niemals gute Franzosen gelesen haben. Zuletzt geht mein Mißtrauen in die Tiefe bei Plato: ich finde ihn so abgeirrt von allen Grundinstinkten des Hellenen, so verjüdelt, so präexistent-christlich in seinen letzten Absichten, daß ich von dem ganzen Phänomen Plato eher das harte Wort “höherer Schwindel” gebrauchen möchte als irgend ein andres. Man hat theuer dafür bezahlt, daß dieser Athener bei den Ägyptern in die Schule gieng (—wahrscheinlich bei den Juden in Ägypten ...) In dem großen Verhängniß des Christenthums ist Plato eine jener verhängnißvollen Zweideutigkeiten, die den edleren Naturen des Alterthums es möglich machte, die Brücke zu betreten, die zum “Kreuz” führte ... Meine Erholung, meine Vorliebe, meine Kur von allem Platonismus war jeder Zeit Thukydides. Thukydides und, vielleicht, der principe Machiavellis, sind mir selber am meisten verwandt, durch den unbedingten Willen, sich nichts vorzumachen und die Vernunft in der Realität zu sehn,—nicht in der “Vernunft,” noch weniger in der “Moral” ... Von der jämmerlichen Schönfärberei, die der klassisch gebildete Deutsche als den Lohn für seinen “Ernst” im Verkehr mit dem Alterthum einerntet, kurirt nichts so gründlich als Thukydides. Man muß ihn Zeile für Zeile umwenden und sein Nicht-Geschriebenes so deutlich ablesen wie seine Worte: es giebt wenige so substanzreiche Denker. In ihm kommt die Sophisten-Cultur, will sagen die Realisten-Cultur zu ihrem vollendeten Ausdruck: diese unschätzbare Bewegung inmitten des eben allerwärts losbrechenden Moral- und Ideal-Schwindels der sokratischen Schulen. Die griech Philosophie schon als die décadence des griech Instinkts: Thukydides als die große Summe aller starken, strengen, harten Thatsächlichkeit, die dem älteren Hellenen im Instinkt lag. Der Muth unterscheidet solche Naturen wie Plato und Thukydides: Plato ist ein Feigling—folglich flüchtet er ins Ideal—Thukydides hat sich in der Gewalt, folglich behält er auch die Dinge in der Gewalt.
9.
In den Griechen “schöne Seelen,” “harmonische Bildwerke” und Winkelmannsche “hohe Einfalt” wiederzuerkennen—vor solcher niaiserie Allemande war ich durch den Psychologen behütet, den ich in mir trug. Ich sah ihren stärksten Instinkt, den Willen zur Macht; ich sah sie zittern vor der unbändigen Gewalt dieses Triebs,—ich sah aber ihre Instinkte wachsen aus den Schutzmaßregeln, sich von einander gegen ihren inwendigen Explosivstoff zu schützen. Die ungeheure Spannung im Innern entlud sich dann in entsetzlicher Feindschaft gegen alles Auswärtige: die Stadtgemeinden zerfleischten sich, damit die Stadtbürger um diesen Preis sich selber nicht zerfleischten. Man hatte nöthig, stark zu sein,—die prachtvolle und geschmeidige Leiblichkeit des Griechen ist eine Noth, nicht eine “Natur” gewesen. Sie folgte:—sie war durchaus nicht von Anfang an da. Und mit Festen und Künsten wollte man auch nichts Andres als sich immer stärker, schöner, immer vollkommner fühlen—: es sind Mittel der Selbstverherrlichung, Steigerungsmittel des Willens zur Macht.— Die Griechen nach ihren Philosophen beurtheilen! die Moral-Weisheit der philosophischen Schulen zum Aufschluß benutzen, was griechisch war! Dergleichen galt mir immer nur als Beweis für die psychologische Feinheit, die die Deutschen auszeichnet ... Die Philosophen sind ja die décadents des Griechenthums, die Gegenbewegung gegen den klassischen Geschmack, gegen den vornehmen Geschmack! Die sokratischen Tugenden wurden gepredigt, weil sie den Griechen zu fehlen anfiengen ... Ich war der Erste, der zum Verständniß des älteren Hellenen jenes wundervolle Phänomen, das auf den Namen Dionysos getauft ist, wieder ernst nahm. Mein verehrungswürdiger Freund Jakob Burckhardt in Basel verstand durchaus, daß damit Etwas Wesentliches gethan sei: er fügte seiner Cultur der Griechen einen eignen Abschnitt über das Problem bei. Will man den Gegensatz, so sehe man die verächtliche Leichtfertigkeit aus der Nähe an, mit der seiner Zeit der berühmte Philolog Lobeck diese Dinge behandelt hat. Lobeck, der mit der ehrwürdigen Sicherheit eines zwischen Büchern ausgetrockneten Wurms in diese Welt geheimnißvoller Zustände hineinkriecht und sich überredet eben damit wissenschaftlich zu sein, wenn er nur bis zum Ekel hier öde und armselig ist, hat es mit allem Aufwande von Gelehrsamkeit zu verstehen gegeben, eigentlich habe es nichts auf sich mit all diesen Curiositäten. In der That möchten die Priester den Theilhabern solcher Orgien Einiges mitgetheilt haben, zum Beispiel daß der Wein zur Lust errege, daß der Mensch von Früchten lebe, daß die Pflanzen im Frühling aufblühen, im Winter welken. Was den Reichthum an Riten und Mythen orgiastischen Ursprungs betrifft, so wird er noch um einen Grad geistreicher. Die Griechen, sagt er Agloph. I, 672, hatten sie nichts Andres zu thun, so lachten, sprangen, rasten sie umher, oder, da der Mensch mitunter auch dazu Lust hat, so saßen sie nieder, weinten und jammerten. Andere kamen dann später hinzu und suchten doch irgend einen Grund für dies auffallende Wesen, und so entstanden zur Erklärung jener Gebräuche zahllose Festsagen und Mythen ... Auf der anderen Seite glaubte man, jenes possierliche Treiben, welches einmal an den Festtagen stattfand, gehöre nun auch nothwendig zur Festfeier und hielt es als einen unentbehrlichen Theil des Gottesdienstes fest.— Aber abgesehen noch von diesem verächtlichen Unsinn dürfte man geltend machen, daß mit dem ganzen Begriff “griechisch,” noch mehr dem Begriff “klassisch,” den Winckelmann und Goethe gebildet hatten, uns das dionysische Element unverträglich ist:—ich fürchte, Goethe selber schloß etwas derartig grundsätzlich von den Möglichkeiten der hellenischen Seele aus. Und doch spricht sich erst in den dionysischen Mysterien der ganze Untergrund des hellenischen Instinkts aus. Denn was verbürgte sich der Hellene mit diesen Mysterien? Das ewige Leben, die ewige Wiederkehr des Lebens, die Zukunft in der Zeugung verheißen und geweiht, das triumphirende Jasagen zum Leben über Tod und Wandel hinaus, das wahre Leben als das Gesammt-Fortleben in der Gemeinschaft, Stadt, Geschlechts-Verbindung; das geschlechtliche Symbol als das ehrwürdigste Symbol überhaupt, der eigentliche Symbol-Inbegriff der ganzen antiken Frömmigkeit; die tiefste Dankbarkeit für jedes Einzelne im Akt der Zeugung, der Schwangerschaft, der Geburt. In der Mysterienlehre ist der Schmerz heilig gesprochen: die “Wehen der Gebärerin” heiligen den Schmerz überhaupt, alles Werden, Wachsen, alles Zukunfts-Verbürgende bedingt den Schmerz; damit es die ewige Lust des Schaffens giebt, muß es ewig die Qual der Gebärerin geben ... Ich kenne keine höhere Symbolik.— Erst das Christenthum hat aus der Geschlechtlichkeit eine Schmutzerei gemacht: der Begriff von imm war die höchste seelische Niedertracht, die bisher auf Erden erreicht wurde z.B.—sie warf den Schmutz in den Ursprung des Lebens ...
Die Psychologie des Orgiasmus, als eines überströmenden Lebensgefühls, innerhalb dessen selbst der Schmerz nur als Stimulans wirkt, gab mir den Schlüssel zum tragischen Gefühl, das sowohl von Aristoteles als in Sonderheit von Seiten der Pessimisten mißverstanden worden ist. Die Tragödie ist so fern davon, etwas für den Pessimismus der Hellenen im Sinne Schopenhauers zu beweisen, daß sie umgekehrt gerade dessen äußerster Gegensatz ist. Das Jasagen zum Leben selbst noch zu den fremdesten und härtesten Problemen, der Wille zum Leben im Opfer seiner höchsten Typen seine eigne Unerschöpflichkeit genießend—das nannte ich dionysisch, das verstand ich als die eigentliche Brücke zu einer Psychologie des tragischen Dichters. Nicht um vom Schrecken und Mitleiden loszukommen, und sich von einem gefährlichen Affekt wie durch eine vehemente Entladung desselben zu reinigen—das war der Weg des Aristoteles: sondern über Schrecken und Mitleiden hinaus die ewige Lust des Schaffens und Werdens zu genießen, seinen Schrecken, sein Mitleiden unter sich zu haben ...
10.
Das Glück meines Daseins, seine Einzigkeit vielleicht liegt in seinem Verhängniß: ich bin, um es in Räthselform auszudrücken, als mein Vater bereits gestorben, als meine Mutter lebe ich noch. Diese doppelte Herkunft, gleichsam aus der obersten und der untersten Sprosse an der Leiter des Lebens—décadent zugleich und Anfang—dies, wenn irgend Etwas, erklärt jene Neutralität, jene Freiheit von Partei im Verhältniß großen Gesammt-Problem des Lebens, die mich auszeichnet. Ich kenne Beides, ich bin Beides.— Mein Vater starb mit 36 Jahren: er war zart, liebenswürdig und morbid, wie ein bloß zum Vorübergehn bestimmtes Wesen,—eher eine gütige Erinnerung ans Leben als das Leben selbst. In dem gleichen Jahr, wo sein Leben abwärts ging, ging auch das meine abwärts: im 36ten Jahr kam ich auf den niedrigsten Punkt meiner Vitalität,—ich lebte noch, doch ohne drei Schritte weit vor mich zu sehn. Im Jahr 1879 legte ich meine Basler Professur nieder, lebte den Sommer über wie ein Schatten, in St. Moritz und den nächsten Winter, den sonnenärmsten meines Lebens, in Naumburg. Das war mein minimum: der “Wanderer und sein Schatten” entstand währenddem. Unzweifelhaft, ich kannte mich damals als Schatten ... Im Winter darauf, meinem ersten Genueser Winter, brachte jene wunderliche Vergeistigung, die mit einer extremen Verarmung an Muskel und Blut beinahe bedingt ist, die “Morgenröthe” hervor. Die vollkommene Helle und Heiterkeit des Geistes verträgt sich bei mir nicht nur mit der tiefsten physiologischen Schwäche, sondern sogar mit einem extremen Schmerzgefühl. In jenen Höllenqualen, die ein ununterbrochener Schmerz unter mühseligen Schleim-Erbrechen mit sich bringt, besaß ich die dialektische Klarheit par excellence und dachte Dinge durch, zu denen ich in gesünderen Verhältnissen nicht Kletterer, nicht raffinirt genug bin. (Meine Leser wissen, in wiefern ich Dialektik als décadence-Symptom betrachte, zum Beispiel im allerberühmtesten Fall, dem des Sokrates) Alle krankhaften Störungen des Intellekts, selbst die Halbbetäubung, die das Fieber im Gefolge hat, sind mir bis heute vollkommen fremde Dinge, über deren Häufigkeit ich mich erst auf belesen-gelehrtem Wege zu unterrichten hatte. Mein Blut läuft langsam,—ich hatte in den Krankheits-Jahren den Puls Napoleon’s—Niemand hat je Fieber bei mir constatiren können. Ein mich länger als Nervenleidenden behandelte, sagte selbst “nein! an Ihren Nerven liegt’s nicht, ich selber bin nur nervös.” Vollkommen unnachweisbar irgend eine lokale Entartung; keine organisch bedingten Magenleiden, wie sehr auch immer, als Folge der Gehirn-Erschöpfung, die tiefste Schwäche des gastrischen Systems herantrat. Auch das Augenleiden, dem Blindwerden sich gefährlich annähernd, Folge, nicht ursächlich: so daß mit jeder Zunahme an Lebenskraft auch die Sehkraft, als, zugenommen hat. Eine lange, allzulange Reihe von Jahren bedeutet bei mir Genesung,—sie bedeutet leider auch Rückfall, Verfall und Periodik einer Art décadence. Brauche ich zu sagen, daß ich in Fragen der décadence erfahren bin? ich habe sie vorwärts und rückwärts buchstabirt. Selbst jene Kunst des Greifens und Begreifens, jene Finger für nuances, jene ganze Psychologie des “Um die Ecke Sehens,” die mich vielleicht auszeichnet, ist damals erlernt, ist das eigentliche Geschenk jener Zeit, in der Alles sich verfeinerte, die Beobachtung sowohl als die Organe der Beobachtung. Von der Kranken-Optik aus nach gesünderen Begriffen und Werthen und wiederum umgekehrt aus der Fülle und Selbstgewißheit des vollen Lebens hinunter sehen in die Filigran-Arbeit des décadent-Instinkts—das ist meine größte Übung, meine längste Erfahrung gewesen: wenn irgendworin, so bin ich hier Meister. Ich habe es in der Hand, ich habe die Hand dafür, Perspektiven umzustellen: weshalb für mich allein eine Umwerthung der Werthe überhaupt möglich war.
11.
Abgerechnet nämlich davon, daß ich ein décadent bin, bin ich dessen Gegentheil im vollsten Sinne. Mein Beweis dafür ist, daß ich instinktiv auch gegen jene schlimmen Zustände die rechten Mittel wählte: während der décadent an sich erkennbar die schädlichen Mittel wählt. Als summa summarum war ich gesund: als Winkel, als Specialität war ich décadent. Jene Energie der absoluten Vereinsamung und Herauslösung aus gewohnten Verhältnissen und Aufgaben, der Zwang gegen mich selbst, mich nicht besorgen, bedienen, beärzteln zu lassen—das verräth die unbedingte Instinkt-Gewißheit darüber, was noth thut. Ich nahm mich selbst in die Hand, ich machte mich gesund: die Voraussetzung dafür ist—jeder Physiologe wird mir das zugestehen—daß man im Grund gesund ist. Ein typisch morbider Mensch wird nicht gesund: für einen typisch Gesunden kann Kranksein ein energisches Stimulans sein. So in der That erscheint mir zuletzt jene lange Krankheits-Periode: ich entdeckte das Leben gleichsam neu, ich schmeckte alle guten und selbst kleinen Dinge, wie sie ein Anderer nicht leicht geschmeckt haben wird,—ich machte aus meinem Willen zur Gesundheit, zum Leben meine Philosophie ... Denn man gebe Acht darauf: die Jahre meiner niedrigsten Vitalität waren es, wo ich aufhörte, Pessimist zu sein,—mein Instinkt der Selbst-Wiederherstellung verbot mir eine Philosophie der Armut und Entmuthigung ... Woran erkennt man im Grunde die Wohlgerathenheit? Ein wohlgerathener Mensch ist aus einem Holze geschnitzt, welches hart zart und wohlriechend ist, er thut selbst noch unserem Geruche wohl. Ihm schmeckt, was ihm zuträglich ist; sein Gefallen, seine Lust hört auf, wo das Maß des Zuträglichen überschritten ist. Er erräth Heilmittel gegen Schädigungen, er nützt schlimme Zufälle zu seiner Verstärkung aus. Er sammelt instinktiv aus Allem, was er sieht, hört, erlebt, seine Summe: er ist ein auswählendes Princip, er läßt viel durchfallen. Er ist immer in seiner Gesellschaft, ob er mit Büchern, Menschen oder Landschaften verkehrt: er ehrt, indem er wählt, indem er zuläßt, indem er vertraut. Er reagirt auf alle Art Reize langsam, mit jener Langsamkeit, die eine lange Vorsicht und ein gewollter Stolz ihm eingezüchtet haben,—er prüft den Reiz, der herankommt, er ist fern davon, ihm entgegenzukommen. Er glaubt weder an “Unglück,” noch an “Schuld”: er ist stark genug, daß ihm Alles zum Besten gereichen muß.— Wohlan, ich bin das Gegenstück eines décadent: denn ich beschrieb eben mich. —
24 [2]
Der physiologische Widerspruch.
Vom Verbrecher.
Was ich den Alten verdanke.
Philosophie.
Musik
die Bücher charakterisirt.
In media vita.
Aufzeichnungen eines
Dankbaren.
Von
F. N.
24 [3]
Ecce homo
Aufzeichnungen
eines Vielfachen.
1. Der Psycholog redet
2. Der Philosoph redet
3. Der Dichter redet
4. Der Musikant redet
5. Der Schriftsteller redet
6. Der Erzieher redet
24 [4]
Fridericus Nietzsche
de vita sua.
Ins Deutsche übersetzt.
24 [5]
Der Spiegel
Versuch
einer Selbstabschätzung.
Von
Friedrich Nietzsche
24 [6]
Die Klugheit meines Instinkts besteht darin, die eigentlichen Nothstände und Gefahren für mich als solche zu fühlen.
insgleichen die Mittel zu errathen, mit denen man ihnen aus dem Wege geht oder sie zu seinem Vortheil einordnet und gleichsam um eine höhere Absicht herum organisirt.
| Der Kampf | mit der Vereinsamung mit der Krankheit mit dem Zufall von Herkunft, Bildung, Gesellschaft ... mit der großen erdrückenden Verantwortlichkeit mit der Vielheit der Bedingungen seiner Aufgabe (—welche Isolation brauchen |
24 [7]
Größte Klugheit: eine große Bestimmung so wenig wie möglich in das Bewußtsein dringen lassen,—gegen sie die Scham bewahren
sich gegen sie durch Bescheidenheit, Muthwillen, Raffinement des Geschmacks, selbst durch Krankheits- und Schwäche-Zeiten gleichsam verstecken ...
man muß nur ihre Gebote thun, nicht wissen wollen, was sie ist, wann sie befiehlt ...
man muß keine Reden, keine Formeln, keine Attitüden für sie haben,—man muß leiden, ohne zu wissen, man muß das Beste thun, ohne sich darin zu verstehn ...
24 [8]
Vademecum.
Von der Vernunft meines Lebens.
24 [9]
Im Verkehr mit den Alten.
Anhang
Ecce homo.
24 [10]
Was Goethe angeht: so war der erste Eindruck, ein sehr früher Eindruck, vollkommen entscheidend: die Löwen-Novelle, seltsamer Weise das Erste, was ich von ihm kennen lernte, gab mir ein für alle Mal meinen Begriff, meinen Geschmack “Goethe.” Eine verklärt-reine Herbstlichkeit im Genießen und im Reifwerdenlassen,—im Warten, eineis ins Geistigste hinauf; etwas Goldenes und Versüßendes, etwas Mildes, nicht Marmor—das nenne ich Goethisch. Ich habe später, um dieses Begriffs “Goethe” halber, den “Nachsommer” Adalbert Stifters mit tiefer Gewogenheit in mich aufgenommen: im Grunde das einzige deutsche Buch nach Goethe, das für mich Zauber hat.— Faust—das ist für den, der den Erdgeruch der deutschen Sprache aus Instinkt kennt, für den Dichter des Zarathustra, ein Genuß ohne Gleichen: er ist es nicht für den Artisten, der ich bin, dem mit dem Faust Stückwerk über Stückwerk in die Hand gegeben wurde,—er ist es noch weniger für den Philosophen, dem das vollkommen Arbiträre und Zufällige—nämlich durch Cultur-Zufälle Bedingte in allen Typen und Problemen des Goetheschen Werks widerstrebt. Man studirt achtzehntes Jahrhundert, wenn man den “Faust” liest, man studirt Goethe: man ist tausend Meilen weit vom Nothwendigen in Typus und Problem. —
13, 24[1-10] Oktober-November 1888
24 [1]
Се человек
Или:
почему кое-что мне ведомо лучше
Сочинение
Фридриха Ницше.
1.
— Я приступаю к проблеме, более серьезной — по крайней мере, мне так кажется, — нежели проблема «бытия Божия» и прочие христианизмы, — к проблеме питания. Вопрос, коротко говоря, вот в чем: как тебе следует питаться, чтобы достичь максимума своих сил, virtu, добродетели в том духе, в каком понимали ее в эпоху Возрождения? То, что выпало на мою долю в этой области, — из рук вон плохо: как раз в этом пункте я взялся «за ум» поразительно поздно, в известном смысле слишком поздно — и только полнейшая никчемность нашего немецкого образования в какой-то мере объясняет мне, почему именно тут я оказался отсталым до «святой простоты». Уж это мне «образование», что с самого начала учит радикально закрывать глаза на реальное в погоне за абсолютно проблемными, за так называемыми «идеальными» целями, к примеру, за так называемым «классическим образованием»! — словно заведомо не ясно, что использование выражений «классическое» и «немецкое» в одном и том же смысле смешно донельзя. Представьте себе только «классически образованного» жителя Лейпцига! И действительно, я всегда питался скверно — до тех пор, пока окончательно не повзрослел, — говоря языком морали, «бескорыстно», «неэгоистично», «альтруистично»: посредством, к примеру, лейпцигской кухни я отвергал свою «волю к жизни». Испортить себе в целях неполноценного питания еще и желудок — названная кухня, сдается мне, изумительно решает эту проблему. Но немецкая кухня вообще — чего только не скопилось на ее совести со времен седой старины! Суп — перед едой (еще в итальянских поваренных книгах XVI столетия именовавшийся alla tedesca); разваренное мясо, приготовленные жирно и обременительные для желудка овощи; не поддающиеся перевариванию десертные блюда. Если сюда добавить еще и скотскую потребность в возлияниях после еды, свойственную почтенному немецкому обывателю, становится ясно, откуда берется «немецкий дух» — из испорченного желудка ... Но даже английская диета, это — в сравнении с немецкою — истинное возвращение к природе, то бишь к ростбифу, а также и к здравому смыслу, — глубоко противна моему собственному инстинкту: мне все кажется, что от нее ум получает «неповоротливые ступни» — ступни англичанок ... Что алкоголь мне вреден, что стакана вина или пива в день предостаточно, чтобы превратить мою жизнь — как было и с Шопенгауэром — в «юдоль слез», это я тоже понял позже, чем следовало бы, — а вообще-то испытал на своей шкуре еще с малых лет. Мальчишкой я думал, что пить вино и курить табак — это поначалу всего лишь vanitas молоденьких буршей, позже — скверная привычка. Может быть, в этом было повинно и наумбургское вино. Верить в то, что вино веселит душу, — для этого мне пришлось бы стать христианином, иными словами, поверить в то, что для меня — нелепость. Довольно странно, что при крайней восприимчивости к сильно разведенным и совсем малым дозам алкоголя я почти невосприимчив к большим его дозам: даже матросского калибра грогом меня с ног не свалить. Писать длинные латинские сочинения до первой ночной стражи с тайною амбицией — сравняться в строгости и сжатости стиля с моим кумиром Саллюстием: уже когда я был питомцем достопочтенной Пфорты, это не противоречило ни моей физиологии, ни Саллюстию; а вот Пфорте это противоречило еще как!.. Позже, в середине жизни, я, правда, решил проявлять к любым «духовным» напиткам все большую суровость. Я предпочитаю те местности, где всегда можно найти проточную воду (Ниццу, Турин, Зильс-Мариа); проснувшись по ночам, я непременно пью воду. In vino veritas: сдается, и здесь я расхожусь во взглядах на истину со всем остальным миром, — по мне, так дух носится над водою ...
2.
Против болезни, недооценивать благодеяния которой меньше всего оснований именно у меня, мне следовало бы выставить тот аргумент, что она ослабляет человеческие инстинкты обороны и нападения. Я много лет не умел толком защищаться ни от благожелательно-навязчивых предложений о помощи, ни от бестолковых, падающих как снег на голову «поклонников» и прочих вредных насекомых; никому — так уж заведено — как ни отбивайся, не избежать таких случаев, как, скажем, когда молодой ученый-бездельник внезапно врывается к вам в дом, пользуясь своим «преклонением» перед вами как прикрытием, чтобы занять денег. Человеку больному трудно отвязаться от дел и людей — как и от воспоминаний «о них»: поэтому в число его инстинктов самосохранения входит своего рода фатализм, свойственный, к примеру, «ложащемуся лицом в снег» русскому солдату, когда ему уже невмоготу продолжать поход, — фатализм покорства. Уяснив себе, что такое этот вид инстинкта самосохранения, можно гораздо лучше понять женщину как существо, обреченное на страдание и недобровольно фаталистическое. Тратить как можно меньше сил — не расточать себя на реакции, проявлять тут известную скаредность больше всего от нехватки сил: в этом великий смысл фатализма. Говоря языком физиологии, это снижение расхода в веществах, его замедление — ведь ничто не сжигает так скоро, как ressentiment, обида, радость мщения — для больного это самые вредные из всех возможных состояний: поэтому такая религия, как буддизм, имевшая дело главным образом с людьми духовно утонченными и физиологически утомленными, главное внимание своей проповеди уделяла борьбе с ressentiment'ом. «Не враждою кладется конец вражде: дружелюбием кладется конец вражде.» Буддизм вовсе не был моралью — было бы глубочайшим искажением истины оценивать его, глядя на такие образцы вульгарной неудобоваримости, как христианство: он был гигиеной. Я годами упрямо держался за почти невыносимые отношения, местности, квартиры, общество, если уж они случайно посылались мне судьбою, — не силою воли, а силою того самого инстинкта, и это уж во всяком случае было много мудрее, нежели силиться что-то менять, нежели «экспериментировать». Эксперимент идет вразрез с инстинктом страдальца: и в каком-то высоком смысле слова можно, вероятно, считать это прямо-таки доказательством от силы. Превратить в эксперимент саму свою жизнь — лишь это и есть свобода ума, а позже стало моей философией ...
3.
Скука, мне кажется, как раз не входит в число страданий страдальца; я, по крайней мере, не припомню, чтобы со мной такое случалось. Напротив, скверные времена обогащались для меня какою-то новой изобретательностью — искусством нюансировки, утонченною ловкостью в обращении с нюансами. Raffinement вообще я бы понял как выхоливание осязания вплоть до его одухотворения; сюда же относится и свойственная больным манера ласкового внимания и предупредительности в общении — их пугает слишком тесное соприкосновение ... В таких состояниях даже пошлые вещи кажутся необычными, их словно транспонируют в другую тональность: рядовой случай просеивается сквозь тончайшее сито, переставая быть похожим на себя. Наконец, в те времена я безмерно ликовал, если в мои края заносило человека широкого и изысканного умом и характером, меж тем как во мне все больше становилась инстинктивной какая-то нетерпимость к немцам и всему немецкому. В обществе немцев я терял хорошее настроение, весь свой огонь и не менее того — время ... При немцах время течет томительно долго ... Совсем другое дело, если человек из Германии случайно оказывается евреем или еврейкой. Поразительно, но если заглянуть в прошлое, то между годами 1876-м и 86-м почти всеми своими отрадными минутами, если уж мне доводилось общаться, я обязан евреям или еврейкам. Немцам и невдомек, какой это подарок — оказаться в обществе еврея: и не надо больше краснеть, можно даже вести себя интеллигентно ... Не понимаю, зачем еврею считаться во Франции, а тем более в Германии, евреем: Мейяк и Галеви, лучшие поэты, коим мой вкус сулит бессмертие, достигли таких высот в качестве французов, а не евреев. То же я хотел бы сказать и об Оффенбахе, этом недвусмысленном композиторе, не желавшим быть ничем другим, нежели чем он был, — гениальным шутом и, в сущности, последним композитором, писавшим музыку, а не аккорды!..
4.
В сущности, я принадлежу к числу прирожденных воспитателей — такие и не нуждаются ни в каких воспитательных принципах, и не имеют их. В известной мере в пользу этого говорит уж только один тот факт, что за все 7 лет моего преподавания в старших классах Базельского педагогиума у меня ни разу не было повода применить наказание, а позже я получил подтверждение тому, что у меня прилежными оказывались и самые отъявленные лентяи. В памяти осталась одна маленькая хитрость, применявшаяся мною в те времена: если воспитанник не мог толком повторить то, что я разбирал с классом на прошлом уроке, я неизменно брал вину за это на себя, — скажем, говорил, что когда я объясняю чересчур сжато, недостаточно доходчиво, каждый вправе требовать от меня разъяснений или повторений. Задача учителя, говорил я, быть доступным для любого уровня понимания ... Мне передавали потом, что этот прием действовал сильнее, чем какой бы то ни было выговор. Я не испытывал никаких затруднений, общаясь и со школьниками, и со студентами, несмотря на то, что поначалу мои двадцать четыре года меня с ними отнюдь не только сближали. Равным образом и при диссертационных защитах мне не предоставлялось случая научиться чему-нибудь новому: в таких случаях я инстинктивно применял отнюдь не только самые гуманные способы, — но совсем хорошо я чувствовал себя, лишь если мне удавалось направить кандидата в доброе русло. У любого в таких случаях оказывается столько же — много или мало — ума, сколько и у почтенного экзаменатора ... Как только я входил в курс дела, мне всегда начинало казаться, что, в сущности, проверке надо бы подвергнуть господ экзаменаторов.
5.
Я никогда не умел настраивать людей против себя, даже когда мне казалось весьма желательным добиться этого. Можно усердно разглядывать мою жизнь — но никому не найти в ней ни признака того, что кто-то замышлял против меня недоброе. Мои впечатления даже от тех людей, на которых плохое впечатление производит любой, все без исключения были в их пользу: да и в общении, в случаях, когда я был здоров, любой человек был для меня еще и инструментом, играя на котором я добивался изысканных и самых необычных звучаний. Как часто доводилось мне слышать от собеседника в свой адрес нечто вроде восхищения: «Такого человека я раньше и представить себе не мог» ... Но, может быть, изящнее всех выразил это тот самый непростительно рано умерший Генрих фон Штайн, который однажды, получив с трудом испрошенное дозволение, приехал на три дня в Зильс, объясняя всем вокруг, что явился сюда отнюдь не ради Энгадина. Этот превосходный человек, со всем своим отважным простодушием увязнувший в вагнеровском болоте по самые уши — «я ничего не смыслю в музыке», признавался он мне, — ходил эти три дня словно преображенный потоком свободы, подобно существу, внезапно оказавшемуся в своей стихии и обретшему крылья. Я твердил ему, что все это от здешнего горного воздуха — так, мол, бывает с каждым, но он не пожелал мне поверить ... А если, несмотря на это, со мною подчас творили большие и малые злодейства, то виною тому была отнюдь не «воля» и тем более не злая воля: уж скорее мне пристало бы сетовать на добрую волю, учинившую в моей жизни одно только безобразие. Мой житейский опыт дает мне право в принципе не доверять «любви к ближнему» с ее готовностью прийти на помощь, с ее покушениями на советы, на дела — я вменяю ей в вину, что она с легкостью утрачивает деликатность, что своими готовыми помочь руками она подчас прямо-таки разрушительно вторгается в высоко вознесенную судьбу, в уединение израненного, в привилегию великого страдания. — Не без причины в виде «Искушения Заратустры» я изобразил случай, когда до него доходит великий вопль о помощи, когда сострадание хочет поразить его, как последний из его грехов: выйти победителем здесь, не дать много более низменным и близоруким побуждениям замарать тут высоту своей задачи — побуждениям, проявляющимся в так называемых бескорыстных поступках, — вот оно, испытание, последнее испытание, которое Заратустра и тот, кто ему подобен, должны выдержать перед судом собственной совести.
6.
Как и всякий, кто никогда не жил и не живет среди равных себе и наконец извлекает из такой судьбы свое искусство и свое человеколюбие, — так вот и я, если в отношении меня кто-то совершил мелкую или весьма крупную глупость, запрещаю себе любые ответные меры — разве только незамедлительно послать вслед глупости что-нибудь умное: как знать, может, та еще догонит ее. Пусть только кто-нибудь попробует сделать мне гадость — я отплачу, в этом он может не сомневаться: очень скоро найду возможность выразить злодею свою признательность за что угодно или попросить его о каком-нибудь одолжении (это обяжет его больше, чем если б я сам ему что-нибудь дал ... ). А еще я думаю, что написать даже невозможно грубое письмо — благовоспитанней, чем не дать никакого ответа. У тех, кто молчит, нет ни деликатности, ни сердечной учтивости. Претерпеть несправедливость — счастье, если ты для этого достаточно богат; тот, кто иногда даст мне случай претерпеть несправедливость, поладит со мною наилучшим образом. Ничто другое не доводит мою дружбу до совершенства столь основательно, ничто другое ее так беспрерывно не освежает ... В тех небезызвестных случаях, когда я говорю решительное нет вплоть до войны не на жизнь, а на смерть, можно впасть в жестокую ошибку, предположив тут упрятанную где-то на задворках целую бездну горького опыта. Кто меня знает, может сделать обратный вывод. Я не питаю ни к кому вражды на профессиональной почве, покуда в дело замешаны хотя бы малейшие личностные разногласия. И если я объявляю войну христианству, то это приличествует мне единственно потому, что на мою долю никогда не выпадало с его стороны ничего неприятного или печального, — напротив, самые прекрасные люди, каких я знаю лично, были доподлинными христианами, а то, что было роком тысячелетий, я вменяю в вину отдельным личностям в последнюю очередь. У меня у самого предки были протестантскими священниками: и если б я не унаследовал от них вкуса ко всему высокому и чистоплотному, то откуда у меня взялось бы право на войну с христианством? Я выразил бы это так: само антихристианство — логическая необходимость в развитии подлинного христианина, и во мне христианство преодолевает само себя. А вот и кое-что другое: из своих отношений с Вагнером и госпожою Вагнер я вынес только самые отрадные и возвышенные воспоминания: как раз это обстоятельство и позволило мне распознать и, быть может, решить проблему Вагнера как проблему культуры беспристрастно ... Даже для антисемитов, к коим я, как известно, склонности отнюдь не питаю, я, судя по моему изрядному опыту, как будто бы сделал кое-что полезное: но это не мешает, а скорее способствует тому, что я веду беспощадную войну с антисемитизмом — одним из самых злокачественных продуктов столь нелепого, столь неуместного имперско-немецкого самолюбования ...
7.
Не в моем обычае любить всякую всячину: даже общаясь с книгами, я инстинктивно проявляю, в общем-то, больше враждебности, чем терпимости, «подпускания к себе». И так у меня было заведено с детских лет. В сущности, лишь очень немногие книги в моей жизни идут в счет — и самых знаменитых среди них нет. Мой стилистический вкус, вкус к эпиграмматическому стилю, пробудился словно зараз при первом же соприкосновении с Саллюстием: мне не забыть изумления моего почтенного учителя Корсена, когда ему пришлось дать высшую оценку последнему из своих учеников в латинском классе, — он пригласил меня к себе домой ... Стиль сжатый, строгий, несущий в своей основе максимум существенного — холодное презрение к «красивым словам» и «прекрасным чувствам»: в этом я узнавал себя. В моих писаниях вплоть до «Заратустры» можно различить весьма серьезные поползновения к римскому стилю, к «magnum in parvo», к «aere perennius». Не иначе вышло у меня и при первом знакомстве с Горацием. До сего дня не находил я ни у одного другого поэта источников того артистического восторга, каким дарит меня Горациева ода. Некоторым языкам, к примеру, немецкому, о таких вершинах стиля даже и мечтать не приходится. Эта мозаика слов, где любое слово, будучи звуком, местом, понятием, изливает свою силу направо, налево и на все целое, этот минимум объема знаков, этот достигаемый тем самым максимум энергии знака — все это римское и, если угодно, благородное par excellence: вся остальная поэзия в сравнении с этим — сентиментальная болтовня. Не премину упомянуть и об очаровании, кроющемся в контрасте между этой гранитною формой и восхитительнейшим libertinage'm: мой слух в восторге от такого противоречия формы и смысла. Третье несравненное переживание, коему я обязан латинянам, — Петроний. Это престиссимо задора в слове, фразе и прыжках мысли, эта изысканность смешения латыни простонародной и «образованной», это непринужденно доброе расположение духа, ничего не страшащееся и изящно перескакивающее через любые грубости античной жизни, эта суверенная свобода от «морали», от добродетельного убожества «прекрасных душ» — я не сумел бы назвать ни одной книги, которая произвела бы на меня хоть отдаленно сходное впечатление. Что сей автор родом из Прованса, об этом нашептывает мне глубоко укорененный во мне инстинкт: дабы выделывать такие пируэты, надо обладать дьявольским темпераментом. Когда порою мне бывало необходимо избавиться от следа чего-то низменного в душе, оставляемого, скажем, каким-нибудь монологом апостола Павла, мне, чтобы совершенно оправиться, хватало нескольких страниц Петрония.
8.
Грекам подобными впечатлениями я вовсе не обязан; в отношении к тому же Платону я испытываю глубочайший скепсис и никогда не был в состоянии петь вместе со всеми хвалы платоновскому артистизму, как это принято в среде ученых. Он, сдается мне, смешивает в одну кучу все формы стиля: у него на совести нечто подобное тому, что сделали киники, выдумавшие satura Menippea. Чтобы платоновский диалог, его ужасающе самодовольная и ребяческая диалектика могли очаровывать — для этого надо не иметь никакого представления о хороших французских писателях. И наконец моя недоверчивость при чтении Платона становится бездонной: я нахожу его столь заплутавшим в сторону от всех основных греческих инстинктов, столь иудействующим, столь христианским до христианства в своих конечных целях, что в применении ко всему феномену по имени «Платон» мне хочется воспользоваться жестким выражением «чистейшей воды надувательство» скорее, чем каким-либо иным. За то, что этот афинянин прошел выучку у египтян (вероятно, у египетских иудеев ... ), пришлось заплатить дорогую цену. В великом злом роке христианства Платон был одной из тех роковых двусмысленностей, что для наиболее благородных умов античности сделали доступным мост, приведший к «кресту» ... Моей отрадою, моим любимцем, моим исцелителем от всяческого платонизма всегда был Фукидид. Фукидид да, может быть, principe Макиавелли ближе всех мне по духу благодаря неколебимому стремлению ни в чем себя не обманывать и видеть разумное в реальном — не в «разуме» и тем более не в «морали» ... Ничто столь основательно не излечивает от прискорбной памяти розовых очков, достающихся в награду классически образованному немцу за его «старательность» в общении с античностью, как чтение Фукидида. Надо выворачивать его строка за строкою, вычитывая из него ненаписанные слова с такой же ясностью, как и слова его текста: мало на свете мыслителей, столь близко подобравшихся к существенному. В его лице наиболее полно воплощается культура софистов, то бишь культура реалистов, это бесценное течение посреди как раз тогда разразившегося поголовного надувательства моралью и идеалом, свойственного сократическим школам. Греческая философия уже стала декадансом греческого инстинкта: Фукидид же оставался великим итогом всей сильной, суровой, неумолимой фактичности, бывшей инстинктом более древних эллинов. Мужество — вот тот критерий, по которому можно размежевать такие натуры, как Платон и Фукидид: Платон — трус, а, стало быть, ищет убежища в идеале; Фукидид же властвует над собою, стало быть, властвует и над делами тоже.
9.
Психолог, сидевший во мне, уберег меня от того, чтобы увидеть в греках «прекрасные души», «гармоничные изваяния» и Винкельманову «высокую простоту», — короче говоря, от всей этой niaiserie Allemande. Я разглядел их сильнейший инстинкт — волю к власти; я увидел, как они трепетали перед лицом необузданной мощи этого инстинкта, — увидел, что все их установления выросли из заградительных мер, призванных друг друга защищать их от собственной внутренней взрывчатки. Тогда чудовищное внутреннее напряжение разряжалось в ужасающей вражде ко всему чужому: городские группировки терзали друг друга, чтобы ни в коем случае не растерзали себя сами граждане. Обладать силою было необходимо — великолепными и гибкими телами греки были наделены необходимостью, а вовсе не «природой». Она только послушествовала — изначально ее отнюдь не было. А праздники и искусства предназначались для того, чтобы греки ощущали себя все более сильными, прекрасными, все более совершенными, и больше ни для чего: это были способы самовозвеличивания, средства для усиления воли к власти. Судить о греках по их философам! Использовать моральные мудрствования философских школ, чтобы выяснить, что представляли собою греки! Я всегда считал, что такого рода вещи только доказывают психологическую проницательность, столь свойственную немцам ... Ведь философы — это декаденты эллинства, встречное движение, направленное против классического вкуса, против благородного вкуса! Сократические добродетели стали предметом проповедей потому, что грекам их стало не хватать ... Я первым привлек внимание к тому превосходно объясняющему наиболее древних эллинов феномену, что окрещен именем Диониса. Мой уважаемый друг Якоб Буркхарт из Базеля решительно признал, что это немаловажное достижение: к своей «Культуре греков» он добавил раздел, посвященный упомянутой проблеме. А если угодно получить пример противоположного отношения, то достаточно обратить внимание на постыдную безответственность, с какою трактовал эти предметы известный в свое время филолог Лобек. Лобек, вползающий в этот мир таинственных для него состояний с исполненной достоинства уверенностью червя, иссохшего среди книг, и убеждающий себя в том, будто он — ученый, как раз своими скукою и пустотой, доводящими до тошноты, — он со всеми ухищрениями учености дал понять, что, в сущности, эти курьезы не имеют никакого значения. А на самом деле жрецы думали кое-что поведать участникам таких оргий — скажем, что вино веселит, что человек питается плодами земными, что растения распускаются весною и увядают зимой. А говоря об изобилии ритуалов и мифов оргиастического происхождения, он становится остроумнее на целую степень. Грекам, утверждает он (Aglaoph. I, 672), было больше нечем заняться, и вот они смеялись, скакали и носились кругами, или же — ведь на человека порой нападает и такая блажь — садились наземь, плакали и голосили. Потом к ним присоединялись другие. они силились отыскать хоть какую-то причину такому разительному поведению; так, для объяснения этих обычаев, и возникали бесчисленные рассказы о праздниках и мифы ... С другой стороны, верили, будто такая забавная суета, имеющая место лишь раз в году — в дни праздников, даже необходимо связана с праздничным торжеством, утверждая его в качестве неотъемлемой части богослужения. Но даже не считая этого жалкого вздора, можно, пожалуй, заявить, что общее понятие «греческого», а уж тем более понятие «классического», введенное Винкельманом и Гёте, делают дионисийскую стихию для нас неприемлемой: боюсь, и сам Гёте принципиально исключал нечто подобное из душевной сферы эллинов. И все же лишь в дионисийских мистериях выражается вся подоплека эллинского инстинкта. Ведь какое право хотел оставить за собою эллин этими мистериями? Право на вечную жизнь, на вечное возвращение жизни, на будущее, заложенное и освященное в зачатии, на торжествующее утверждение жизни за пределами смерти и превращения, на истинную жизнь как продолжение жизни коллектива в обществе, в городе, в связи поколений; на пользование символом пола как наиболее уважаемым символом вообще, как подлинной сути символизма всего античного благочестия; на глубчайшую благодарность за все моменты актов зачатия, беременности и родов. В мистериальном учении к лику святых причислялась боль: «муки роженицы» освящают боль как таковую; всякое становление, рост, все, что гарантирует нам будущее, предполагает боль; чтобы творчество даровало человеку вечное наслаждение, нужно, чтобы вечною была и мука роженицы ... Более высоких символов я не знаю. Только христианство превратило все, что связано с полом, в нечестие. понятие immaculata было величайшею душевной грязью, какая до сих пор существовала на свете, — к примеру, эта грязь запятнала врата жизни ... Психология orgiasmus'a как льющегося через край ощущения жизни, в котором даже боль действует стимулирующе, дала мне ключ к разгадке феномена трагического, превратно понятого как Аристотелем, так и — в особенности — пессимистами. Трагедия настолько далека от того, чтобы служить доказательством пессимизма эллинов в Шопенгауэровом смысле слова, что, наоборот, выступает как раз его прямой противоположностью. Жизнеутверждение даже в самых враждебных и лютых проявлениях жизни, воля к жизни, что наслаждается собственной неисчерпаемостью, принося в жертву лучшее, — вот это-то я и назвал дионисийским, это-то понял как реальный мост к психологии трагического поэта. Не избавление от страха и сострадания и самоочищение от опасного аффекта как бы его стремительною разрядкой — это был метод Аристотеля, — а вечное наслаждение созиданием и становлением, выходящими за пределы страха и сострадания, ощущение того, что твой страх,
24 [2]
Физиологическое противоречие.
О преступнике.
Чем я обязан древним.
Философия.
Музыка
которая характеризует книги.
In media vita.
Записки признательного
Сочинение
Ф. Н.
24 [3]
Се человек
Записки многоликого.
1. Психолог говорит
2. Философ говорит
3. Поэт говорит
4. Композитор говорит
5. Писатель говорит
6. Воспитатель говорит
24 [4]
Fridericus Nietzsche
de vita sua.
В переводе на немецкий язык.
24 [5]
Зеркало
Опыт
самооценки.
Сочинение
Фридриха Ницше
24 [6]
В том-то и хитрость моего инстинкта, чтобы чувствовать подлинные беды и опасности, грозящие мне.
а равным образом чутьем находить способы их избегать или оборачивать их себе на пользу, словно бы встраивая в порядок, ориентированный на более высокую цель.
| Борьба | с одиночеством с болезнью со случайными обстоятельствами рождения, образования, общества ... с великой подавляющей ответственностью с многообразием обстоятельств своей задачи |
24 [7]
Величайшая хитрость: допускать до сознания великую миссию насколько можно меньше,—в ее отношении надо сохранять стыдливость
словно бы укрываться от нее с помощью скромности, проказливости, утонченного вкуса, даже периодов болезни и слабости ...
надо только выполнять ее веления, знать не желая о том, что она такое, когда она велит ...
не надо выражать ее ни в речах, ни в формулах, ни в позах,—надо страдать, ни о чем не ведая, надо делать все, на что способен, не стараясь в этом разобраться ...
24 [8]
Vademecum.
О разумности моей жизни.
24 [9]
Общаясь с древними.
Приложение
«Се человек».
24 [10]
Что касается Гёте, то первым впечатлением, очень ранним впечатлением, предопределившим собою все, была львиная новелла (удивительно, но это первое, что я из него прочел), которая навсегда сформировала мой взгляд, мой вкус по имени «Гёте». Просветленно-чистое настроение осени, заключенное в наслаждении, в ожидании, дозреют плоды; солнце октября с его светом, доходящим до чистейшей разумности; что-то золотое и отдающее сладостью, что-то мягкое, не мраморное, — вот это все для меня — гётевское. Позднее, ради такого ощущения Гёте, я с глубокою приязнью впустил в себя «Бабье лето» Адальберта Штифтера, эту, в сущности, единственную немецкую книгу после Гёте, обладающую для меня очарованием. «Фауст», для того, кто нутром чует земляной запах немецкой речи, для сочинителя «Заратустры» — наслаждение бесподобное: но оно — не для такого артиста, каков я, в руках коего «Фауст» остается кипою фрагментов, — а еще того менее — для философа, которому во всех типах и проблемах гётевского опуса претит все, что в нем есть совершенно произвольного и случайного, а именно — связанного со случайными ситуациями культурного фона. Читая «Фауста», изучаешь век восемнадцатый, изучаешь Гёте: и тогда оказываешься за тысячу верст от всего, что есть в его типе и проблеме необходимого. —