9, 3[1-172] Frühjahr 1880

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Vorrede

Als ich jüngst den Versuch machte, meine älteren Schriften, die ich vergessen hatte, kennen zu lernen, erschrak ich über ein gemeinsames Merkmal derselben: sie sprechen die Sprache des Fanatismus. Fast überall, wo in ihnen die Rede auf Andersdenkende kommt, macht sich jene blutige Art zu lästern und jene Begeisterung in der Bosheit bemerklich, welche die Abzeichen des Fanatismus sind,—häßliche Abzeichen, um derentwegen ich diese Schriften zu Ende zu lesen nicht ausgehalten hätte, wäre der Verfasser mir nur etwas weniger bekannt gewesen. Der Fanatismus verdirbt den Charakter, den Geschmack und zuletzt auch die Gesundheit: und wer diesen dreien zugleich wieder von Grund aus aufhelfen will, muß sich auf eine langwierige Cur gefaßt machen.

Nachdem ich so viel und dazu nicht das Erbaulichste von mir gesagt habe—wie es die Sitte der Vorrede zwar nicht anräth, aber doch erlaubt—darf ich wenigstens hoffen damit erreicht zu haben, daß meine neuesten Gedanken, welche ich im vorliegenden Buche mittheile, nicht ohne Vorsicht gelesen werden.

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1. Wir gehen leichter an unsern Stärken, als an unsern Schwächen zu Grunde; denn in Bezug auf diese leben wir vernünftig, nicht aber in Bezug auf unsere Stärken.

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2. Zur selben Zeit geht immer in uns eine Art Betrachtung der Welt ihrem Ende zu und eine andere wächst: denn unsre unklare Erziehung macht uns mit verschiedenen zu gleicher Zeit bekannt, und jede versucht, auf unserem Boden zu wachsen.

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3. Unsere Liebe zur Wahrheit zeigen wir am deutlichsten in der Behandlung der “Wahrheiten,” welche Andere dafür halten: da verräth sich, ob wir wirklich die Wahrheit oder nur uns selber lieben.

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5. Dies sind die abnehmenden Grade des Mitleidens: erstens Mitleid mit Eigenem (Kind, Erzeugniß, Besitz, Weib, Diener), zweitens mit dem von uns zum Eigenthum Begehrten, drittens mit uns Ähnlichem, viertens mit uns Bekanntem. Das Merkmal, welches das Mitleid vom Leiden unterscheidet, ist die Erbitterung, daß unserem Eigenthum oder Eigenthum-Ähnlichen Etwas zu Leide geschieht. Das Leiden des uns Feindlichen ist angenehm, als Anzeichen vom Schwinden einer Kraft der Feindseligkeit: am Fremden, uns Unähnlichen, beinahe angenehm, weil dies uns beinahe feindlich dünkt, wie das Ähnliche und Bekannte in uns eine Empfindung erweckt, die der Empfindung für das Eigenthum verwandt ist.

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8. Einem kommenden Zeitalter, welches wir das bunte nennen wollen und das viele Experimente des Lebens machen soll, wird eigenthümlich sein: erstens die Enthaltung in Bezug auf die letzten Entscheidungen (sobald man nämlich eingesehen hat, wodurch diese bisher ihre ungeheure Überschätzung erhalten haben, hören sie auf für uns bedeutend zu sen); zweitens die Voreingenommenheit gegen alle Sitten und alles nach Art der Sitte Bindende; drittens eine größere Ehrlichkeit im Sichtbar-werden-lassen sogenannter böser Eigenschaften.

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10. Es ist ein Vorurtheil daß die zweckmäßige Kost dem Menschen auch die natürliche und von vornherein angenehme sei; ursprünglich aber schmeckte wohl Vieles schlecht, und war ihm “unnatürlich,” was die Noth doch zu essen anbefahl; im Verlauf der Gewöhnung kam aber der Reiz und die Lust dazu. Und so steht es in vielen Dingen, die nichts mit der Nahrung zu thun haben: das Erste ist der Zwang dazu: die Freude daran ist nachgeboren und oft spätgeboren.

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11. Der Anmaaßende stellt sich stolz, aber gerade der Stolz ist frei von Verstellung (zum Unterschiede vom Eiteln); insofern ist Anmaaßung die Heuchelei einer Art Verstellungslosigkeit und wird in dem Falle, wo sie meisterhaft gespielt wird, mit dem Stolz verwechselt.

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12. Man trachte immerhin nach allen Freuden, aber besinne sich wohl bei jenen, welche nothwendig Unlust und Erschöpfung nach sich ziehen; dies sind je nach der Art des Menschen die betäubenden und erschütternden Genüsse der Begeisterung, des Mitleidens, der Ekstase, des Zorns, der Rache oder des Alcohols, des Opiums, der Geschlechtlichkeit usw. Zuletzt wird man als die werthvollsten Freuden weder die höchsten, noch die schwächsten, sondern die mittleren bezeichnen und erstreben: das heißt die, welche Dauer haben und keine Unlust nach sich ziehen und anderseits intensiver sind als die schwächsten. Insofern haben Plato und Aristoteles Recht, in den Freuden der Erkenntniß das Erstrebenswertheste zu sehen—vorausgesetzt daß sie damit eine persönliche Erfahrung und nicht eine allgemeine aussprechen wollen: denn für die meisten Menschen gehören die Freuden der Erkenntniß zu den schwächsten und stehen tief unter den Freuden der Mahlzeit.

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13. Bevor wir die physiologischen Zustände physiologisch verstehen lernten, meinten die Menschen mit moralischen Zuständen zu thun zu haben. Folglich hat sich das Bereich des Moralischen, außerordentlich verkleinert—und wird fortwährend noch kleiner: ganz so wie die Religion im Leben der Alten umfänglicher war als im Leben des katholischen Christen, und wie wiederum der Protestant den Umfang der Religion noch einmal verkleinert hat.

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18. Die Natur ist böse, sagt das Christenthum; sollte das Christenthum also nicht ein Ding wider die Natur sein? Sonst wäre es ja, nach seinem eigenen Urtheil, etwas Böses.

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21. In den Leidenschaften des Menschen erwacht das Thier wieder; die Menschen kennen nichts Interessanteres, als diesen Rückgang ins Reich des Unberechenbaren. Es ist als ob sie sich an der Vernunft allzusehr lanweilten.

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22. Was man besitzt, das vertritt man, helfend und fürsorgend; was man liebt, begehrt, das heißt besitzen will, vertritt man noch lebhafter, weil der Besitz noch nicht enttäuscht, noch nicht gesättigt hat. Die Empfindung der Liebe setzt die Empfindung für das Eigenthum voraus.

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25. Wir können dem Nächsten immer nur helfen, indem wir ihn in eine Gattung (Kranke, Gefangene, Bettler, Künstler, Kinder) einordnen und dergestalt erniedrigen; dem Individuum ist nicht zu helfen.

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26. In Risano (Dalmatien) wurden die gefallenen Mädchen gesteinigt; noch 1802 verhinderten die Österreicher einen solchen Akt, der Vater an der Spitze des Volkes hob eben den ersten Stein auf. In der Sahara-Stadt Biskra lebt eine Zeit lang jedes Mädchen der benachbarten Völker von der Prostitution, um sich durch sie zu bereichern; der Erwerb wird dann den Eltern überbracht und es würde als unmoralisch, ja als unverzeihlich gelten, wenn Jemand nicht auf diese Weise seine Pietät ausdrückte.

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27. Da das Mitleiden das einzelne Wehe in der Welt verdoppelt, ja verhundert- und vertausendfacht, so dürfte es wohl in den Augen solcher Götter, wie sie Kanibalen und Asketen haben, die größte Tugend heißen.

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30. Der Tadelnde grenzt sich gegen uns ab; er ist nicht für uns eingenommen und will uns nicht einnehmen: er läßt frei, während der Lobende von uns Besitz ergreifen will. Dies beachte der, welcher sich selber kennen und doch—unabhängig bleiben will.

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32. Das Bild des Nächsten, wie es uns immer vorschwebt, ist entweder das Erzeugniß einer Fülle, die nach Entladung begehrt, oder eine Leere, die nach Füllung begehrt—es ist immer ein physiologischer Zustand, für den wir kein eigentliches und bezeichnendes Wort haben.

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33. Das Neue an unserer jetzigen Stellung zur Philosophie ist eine Überzeugung, die noch kein Zeitalter hatte: daß wir die Wahrheit nicht haben. Alle früheren Menschen “hatten die Wahrheit”: selbst die Skeptiker.

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34. Wie ist es doch geschehen, daß, in der Geschichte des Christenthums, zu den Geistig-Armen, unter und aus denen es geboren wurde, endlich auch die Geistreichen, ja selbst die Reichen des Geistes überliefen? Das Christenthum als große Pöbel-Bewegung des römischen Reichs ist die Erhebung der Schlechten, Ungebildeten, Gedrückten, Kranken, Irrsinnigen, Armen, der Sklaven, der alten Weiber, der feigen Männer, im Ganzen aller derer, welche Grund zum Selbstmord gehabt hätten, aber den Muth dazu nicht hatten; sie suchten mit Inbrunst ein Mittel, ihr Leben auszuhalten und aushaltenswerth zu finden, fanden es, und boten der Welt ihre neue Art von Glück an. Ein Glück solchen Ursprungs war die größte Paradoxie des Alterthums; die damalige Bildung war zu paradoxensüdtig, um es nicht sehr anziehend zu finden. “Das Heil kommt von den Juden,”—das war ein Satz, gegen den kein geistreicher Alter seine Haltung auf die Dauer behauptete. “Versuchen wir es also mit den Juden”—so klang die innere Stimme, durch welche der Geist auf die Seite der großen Bewegung gerufen wurde.

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35. Unsere Nächsten geben im Kreislaufe unserer körperlichen und seelischen Funktionen die Gelegenheitsursachen ab, um physiologische Vorgänge, die in uns nöthig sind, zu fördern.

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37. Wenn Einer gähnt—und das ist doch etwas Unangenehmes—und der Andere mitgähnt, so haben wir ein einfaches Beispiel für das Phänomen des Mitleidens. Sollte aber wirklich dabei das principium individuationis durchbrochen sein?

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38. Jene Moralität, welche am allerstrengsten von jedermann gefordert, geehrt und heilig gesprochen wird, die Grundlage des socialen Lebens: was ist sie denn als jene Verstellung, welche die Menschen nöthig haben, um mit einander ohne Furcht leben zu können? (So daß der Einzelne sich dem Anderen als gleich giebt und sich benutzen läßt, so wie er jenen benutzt.) Der allergrößte Theil dieser Verstellung ist schon in Fleisch Blut und Muskel übergegangen, wir fühlen es nicht mehr als Verstellung, so wenig wir bei Begrüßungsworten und höflichen Mienen an Verstellung denken: was sie trotzdem sind. Die gewöhnlichsten Arten der Verstellung sind: erstens man ähnelt sich seiner Umgebung an, man versteckt sich gleichsam in ihr; zweitens man macht es einem andern Menschen, der Ansehen und Erfolg hat, nach und giebt sich als etwas Höheres als man ist. Im ersten Falle folgt man der Sitte und wird “sittlich,” im zweiten Falle folgt man der Autorität und wird “gläubig”: unter allen Umständen erregt man keine Furcht mehr—denn wir haben jetzt viele “Unsers Gleichen.”

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43. Wir lernen die Ansprüche und Meinungen der Anderen eher kennen, als unsere eigenen; jene werden durch lange Übung uns anorganisirt. Wenn wir später selbstständiger werden, beziehen wir doch all unser bewußtes Urtleilen und Handeln immer auf den anorganisirten Grundstock, vergleichend oder widerstrebend, uns dagegen empörend oder uns mit ihm versöhnend.

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45. Die Moral und die Civilisation suchen “weniger Schmerz,” aber nicht “mehr Glück.”

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46. Ein Herz voll Tapferkeit und guter Dinge braucht von Zeit zu Zeit etwas Gefahr, sonst wird ihm die Welt unausstehlich.

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48. Der dramatische Musiker muß nicht nur als Dichter, sondern auch als Musiker Schauspieler und ganz und gar Schauspieler sein. Dies trennt ihn unerbittlich ab vom eigentlichen Dichter und eigentlichen Musiker; er ist im Vergleich zu Jedem von ihnen geringerer Gattung. Aber als Schauspieler kann er sich zur Genialität und zum gleichen Range mit ihnen erheben.

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53. Der Eine giebt seinen Handlungen am Schluß einen anmaaßlichen Charakter durch eine Art Ausdeutung, der Andere handelt von vornherein anmaaßend. Der Erste, der sich gehen läßt und erst am Schluß der Handlung einen Blick auf die Anderen wirft, hat mehr Stolz, als der Andere, aber kernt das Wesen des Stolzes schlechter, als der Andere.

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56. Das, was man nicht kennt, das kann man nicht lieben, sonst liebt man etwas Anderes, nämlich ein Phantom, und dies ist das Gewöhnliche. Die Liebe ist gewiß alles Andere eher, als ein Mittel der Erkenntniß.

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67. Um über das Mitleid so zu phantasiren, wie Schopenhauer, muß man es an sich nicht aus Erfahrung kennen. Wo die Mängel eines Menschen liegen, da werden seine Ideale phantastisch.

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68. Dreimal hat Deutschland auf Frankreich eingewirkt; im dritten Jahrhundert brachte es wilde Sitten und barbarische Unwissenheit; im Zeitalter Montaigne’s brachte es ein zweites nachgeborenes Mittelalter und Religionskriege, und in diesem Jahrhundert brachte es die deutsche Philosophie, die Romantik und das Bier.

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70. Sein heller Kopf trieb ihn oft auf einsame Bahnen, wo er die Menschen los war; aber sein Herz war zu ängstlich dafür und schlug unerträglich dabei gegen seine Rippen. Gab er dem Herzen nach, so mischte er sich wieder unter die Menschen und nun befand sich sein Kopf elend.

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74. Alles, was wir für uns thun, thun wir um der Anderen willen; aber auch Alles, was wir für die Anderen thun, thun wir um der Anderen willen. Dies ist aber kein “Altruismus”!

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75. Das Nachmachen, das Äffische, ist das eigentlich und ältest Menschliche—bis zu dem Maaße, daß wir nur die Speisen essen, die Anderen gut schmecken.— Kein Thier ist so sehr Affe als der Mensch.— Vielleicht gehört auch das menschliche Mitleiden hierher, sofern es ein unwillkürliches inneres Nachmachen ist.

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77. Die schüchternsten Mädchen präsentiren sich halb nackt, wenn es die Mode gebietet, und selbst verwelkte alte Weiber wagen einem solchen Gebote nicht zu widerstehen, so geistreich und gut sie sonst auch sein mögen.

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78. Die Kraft, zu wollen, die einige Menschen und Culturen in höherem Grade, als andere, besitzen, besteht darin, daß man ungefähr die gleiche Anzahl von eingeübten inneren Mechanismen und von Werthschätzungen hat: so daß, sobald nur ein werthgeschätztes Ding in die Vorstellung tritt, sofort auch der dazu gehörige Mechanismus sein Stück abspielt. Anderen Menschen und Zeitaltern fehlt es an einer solchen Zahlencongruenz von Mechanismen und Werthschätzungen. Sie erzeugen sehr viel mehr Werthschätzungen, bei denen Nichts herauskommt, als solche, welche eine “Wirkung” haben, wie man sagt. Dabei ist immer festzuhalten, daß die Werthschätzung niemals die Ursache einer Handlung ist; vielmehr tritt durch eine alte Association der Mechanismus automatisch in Bewegung, wenn eine werthgeschätzte Vorstellung im Gehirne aufgestiegen ist: es ist ein regelmäßiges Nacheinander, nicht Ursache und Wirkung, so wenig etwa, als ein Wort die Ursache des Begriffs ist, welcher bei seinem Erklingen in uns erscheint.— Wollende Zeitalter waren bis jetzt immer gedankenarm, aber nothwendig ist dies nicht.

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79. Der Anschein des Seienden und Festen im Individuum, der Anschein willkürlicher Handlungen, der Anschein eines absoluten Charakters der Handlungen, der Anschein eines absoluten Werthes gewisser Handlungen (das heißt eines unbegrenzt höchsten Werthes),—diese vier Irrthümer haben zur Weiterentwicklung der Moral am meisten beigetragen.

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80. Weshalb der religiöse Glaube jetzt nicht mehr aufrecht stehen kann, ist oft gezeigt worden; aber noch Niemand hat gezeigt, warum auch der Glaube an die Moral unglaublich geworden ist.

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81. Die Ehe giebt verschiedenen Arten von Menschen zu verschiedenen Arten des moralischen Heroismus Anlaß: ich weiß nicht, ob darin nicht ihr höchster Werth zu suchen ist. Die Einen würden auch mit der geliebtesten Person keine Ehe eingehen, im Falle die Kirche ihren Segen vorbehielte, und Andere umgekehrt würden auf die Ehe verzichten, wenn dieselbe von einer kirchlichen Einsegnung abhängig gemacht würde; wieder Andere finden Gelegenheit zum Heroismus in dem Gedanken, daß die einmal geschlossene Ehe unlösbar sei, dagegen hatte die George Sand umgekehrt ihre strengsten und sittlichsten Empfindungen in die Forderung gedrängt, daß die Ehe nur so lange Dauer haben dürfe, als die leibliche Verengung von Seiten beider Gatten mit dem Zustande einer seelischen Begeisterung für einander verbunden ist.

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82. Der Irrthum der kirchlichen Absolution (und oft auch der staatlichen Strafen) besteht darin, daß hier ein Einmal zum Keinmal gemacht werden soll. Wenn die Erinnerung an eine Schuld nicht mehr quält, dann wirkt der durch sie eingeübte innere Mechanismus viel leichter und es giebt kein Hinderniß mehr für ein neues Abspielen des alten Liedes. Daher fromme ehebrecherische Frauen unter den Katholiken keine Seltenheit sind, welche täglich sündigen und sich täglich absolviren lassen.

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83. Man soll das unbeschreibliche Unbehagen, welches so oft produktive Menschen um sich verbreiten, als Gegenrechnung aufstellen, wenn man die Freude und Erhebung überschlägt, welche die Menschen ihren Werken danken. Ihre Unfähigkeit, sich zu beherrschen, ihr Neid, die Böswilligkeit und Unsicherheit ihres Charakters machen aus ihnen leicht ebenso Übelthäter der Menschheit, als sie sonst deren Wohlthäter sein mögen. Namentlich ist das Verhalten der Genie’s zu einander eines der dunkelsten Blätter der Geschichte . Die Genieverehrung ist oft eine unbewußte Teufelanbetung gewesen. Man sollte überrechnen, wie viele Menschen in der Umgebung eines Genie’s sich ihren Charakter und ihren Geschmack verdorben haben. Große Menschen ohne Werke thun vielleicht mehr noth, als große Werke, um die man einen solchen Preis von Menschenseelen zahlen muß. Aber einstweilen versteht man kaum, was ein großer Mensch ohne große Werke ist.

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84. Schopenhauer hatte sich seinen Ruhm zu früh festgestellt und war nicht stolz genug, sich gegen seine ausgesprochenen Grundsätze weiter zu entwickeln. Er fürchtete für seinen Ruhm und zog die verhältnißmäßige Unfruchtbarkeit der Beschämung vor, sich widersprechen zu müssen.

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87. Ob man lobt oder tadelt: man fürchtet dabei. Mit dem Tadel wollen wir uns fürchten machen, mit dem Lobe wollen wir den Andern heimlich einnehmen, ihn mit uns versöhnen oder uns auf die Seite jener Macht bringen, die wir fürchten.— Aber nur das seltenste Lob, der seltenste Tadel ist ehrlich, das heißt drückt einfach unsere Furcht vor einer Person aus, sondern zumeist drücken wir unsere Furcht vor Anderen anders aus, als wir empfinden, aus Furcht vor einer zweiten Person. Gewöhnlich ist Lob und Tadel eine durch Furcht gekreuzte Furcht.

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91. Die Moralität der Männer nimmt im Leben ab; als Kinder sind wir am moralischesten, weil ohne Furcht, von Liebe umgeben und der Anmaaßung fremd. Die Moralität der Frauen, welche in ähnlichen Verhältnissen wie die Kinder zeitlebens leben, nimmt deshalb mit den Jahren eher zu, als ab.

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93. Was wir erwarten, das nennen wir recht und billig; was uns verwundert, was uns wunderbar vorkommt, das loben oder tadeln wir. Die erste Empfindung der Verwunderung ist die Furcht: Lob und Tadel ist ein Produkt der Furcht. Dagegen läßt das Rechte und Billige uns zufrieden, ist für die Empfindung neutral und entspricht der Gesundheit.— Das, was jeder von sich und Anderen erwartet in jeder Lage, also das Gewöhnliche einer ganzen Cultur, ist aber für eine andere Cultur nicht das Gewöhnliche und erregt deren Verwunderung, erweckt Lob und Tadel, und wird also jedenfalls zu stark empfunden. Die Culturen verstehen das, was zur Gesundheit der anderen gehört, nicht. Das Erwartete, das Gewöhnliche, das Gesunde, das für die Empfindung Neutrale macht den größten Theil dessen aus, was eine Cultur ihre Sittlichkeit nennt.

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94. Gesetzt, man erwartet immer das Böse, die unangenehme Überraschung, so ist man immer in feindseliger Spannung, wird für Andere unerträglich und leidet selber an der Gesundheit: solche Naturen sterben aus. Im Ganzen sind nur die zufriedeneren und hoffnungsreicheren Rassen am Leben geblieben.— Wer immer Schlimmes erwartet, wird böse, nämlich feindselig argwöhnisch unruhig; dies ist die Wirkung pessimistischer Denkweisen.

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95. Die Wissenschaft, die das Loben und Tadeln aufheben will, will das Verwundern beseitigen und die Menschen so leiten, daß sie immer das Billige und Rechte erwarten; zuletzt sollen sie, selbst wenn ein Vulcan ausbricht, sich sagen: es ist billig und gerecht, er kann ja nicht anders; was ist da zu verwundern?

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96. Wo wir fühlen, daß wir etwas mit einem Überschuß von Kraft thun, da fühlen wir uns frei; wo das Thun selber ergötzt und nicht nur um des ergötzlichen Zweckes willen gethan wird, da entsteht das Gefühl der Freiheit des Wollens: wir wollen hier zwar einen Zweck, aber der Zweck beherrscht uns nicht ganz, er giebt nur eine Gelegenheit, damit unsere Kraft mit sich spiele, wir wissen, es giebt noch viele andere Gelegenheiten dazu; weil wir den Zweck etwas beliebig und gering schätzen, so fühlen wir uns nicht als seine Sklaven, das heißt, wir fühlen uns als wollend in Bezug auf diesen Zweck, aber auch als frei vor ihm.

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99. Auf Menschen, denen viel Plötzliches begegnet, sei es von außen oder von innen her, wirkt Alles, was ruhig erwartet werden kann, humanisirend; also zum Beispiel jede Gewohnheit, welche über sie und über ihre Gesellschaft herrscht: denn das Gewohnte macht keine rasche Spannung, keine schnelle Maaßregel nöthig. Plötzliches ungestümes Handeln ist ebenso halbwildenhaft wie plötzliches ungestümes Überwunden-werden von Affekten; für solche Zustände besteht das Moralische im Gewohnten, Ruhigen, Abwartenden, Überlegenden. In anderen Zeitaltern, wo dagegen gerade ein Übermaaß von diesen Eigenschaften existirt, scheinen die Leidenschaften und ungestümen Handlungen moralischer; es ist als ob den Menschen dieser Zeiten ein Blick in die Natur dabei gegönnt wäre, so daß ihnen freier, kühner, erregter zu Muthe wird, sie halten also das Plötzliche für das humanisirende Element wie jene Früheren das Gegentheil.

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101. Giebt es Menschen, welche die Affekte bewundern, die Vernünftigkeit verachten und die moralische Werthschätzung stellen? Unter den handelnden Menschen gewiß nicht; hie und da aber wird ein Künstler die Vernünftigkeit und die Moralität nicht malerisch genug finden: er will Menschen mit starken Contrasten.

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102. Die moralischen Urtheile sind Mittel, unsere Affekte auf eine intellektuelle Weise zu entladen als dies durch Gebärden und Handlungen geschieht. Das Schimpfwort ist besser, als ein Faustschlag oder ein Anspeien; die Schmeichelei (Lob) besser, als ein Streicheln oder Lecken (Kuß); der Fluch übergiebt einem Gotte oder Geiste die Rache, die das Thier selbst gegen seinen Feind ausübt. Vermöge der moralischen Urtheile wird es dem Menschen leichter zu Muthe, sein Affekt wird entladen. Schon der Gebrauch von Formen der Vernunft bringt eine gewisse Nerven- und Muskelbeschwichtigung mit sich; das moralische Urtheil entsteht in jenen Zeiten, wo die Affekte als lästig und die Gebärden als eine zu grobe Erleichterung empfunden werden.

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103. Die plötzlichen Affekte sind das, was die Menschen auf die Dauer häßlich macht. Das Christenthum hat die plötzlichen Affekte entfesselt, folglich —

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106. Das niedere katholische Volk, das gar nichts von freiwilliger Enthaltsamkeit weiß, aber sehr viel von unfreiwilliger—weshalb es die Genüsse des Lebens anbetet—, sieht im Heiligen ein Gegenstück von Handlungsweise, von dem es nichts begreift: es glaubt an den Heiligen, quia absurdus est. In unsern protestantischen Ländern, wo gerade jetzt die moralische Erziehung fast fehlt oder ganz gedankenlos vor sich geht, hat man vor dem Heiligen einen fast gleichen Respekt; man denkt an die Asketik wie an etwas Übermenschliches und vergißt dabei, daß zu jeder antiken Moral, selbst zur epikureischen, eine Asketik gehörte.

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107. Zuerst lernt man nicht Einsichten in die Dinge und Menschen, sondern Werthurtheile über die Dinge und Menschen; diese verhindern den Zugang zur wirklichen Erkenntniß. Man müßte durch eine radikale Skepsis des Werthes erst einmal alle Werthurtheile umwerfen, um freie Bahn zu haben.

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108. Die feine höfische Cultur unter Ludwig XIV hatte in vielen Stücken den Stoicismus nöthig; viele Empfindungsstürme mußte man in’s Herz verschließen, viele Müdigkeit verhehlen, vielen Schmerz mit Heiterkeit bedecken. Unsern bequemen Mitmenschen würde diese Lebensart zu streng sein.

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109. Es ist die Art der Juden, ihre Chancen im Verhältniß zu Personen auszunützen, indem sie dicht an die Grenze derselben treten und es merken lassen, daß sie sich an der Grenze wissen. Dies macht sie zudringlich; wir alle wollen ja unnahbar sein und unbegrenzt erscheinen; die Juden wirken diesem phantastischen Unfaßbar-sein-wollen bei Einzelnen und bei Nationen entgegen und werden dafür sehr gehaßt.

3 [57]

110. Erkenntnißtheorie ist die Liebhaberei jener scharfsinnigen Köpfe, die nicht genug gelernt haben und welche vermeinen, hier wenigstens könne ein Jeder von vorne anfangen, hier genüge die “Selbstbeobachtung.”

3 [58]

113. Wenn wir das Gute, das wir einem Besitze verdanken, bei allem Bemühen, es zu überschauen, nicht mehr zu überschauen vermögen, so entsteht Liebe: ein Überströmen gegen etwas Unbegrenztes; es fehlt ihr die Kenntniß des ganzen Werthes einer Sache oder Person, weil keine Wage groß genug ist zu fassen. Man bringt alles Höchste, das man kennt, zur Vergleichung heran; lieben wir, so denken wir fortwährend an alles Höchste aller Art, und weil es immer zugleich mit dem geliebten Gegenstande einfällt, so verwechseln wir es auch wohl mit ihm.

3 [59]

114. Anstatt zu wünschen, daß Andere uns so kennen wie wir sind, wünschen wir, daß sie so gut als möglich von uns denken; wir begehren also, daß die Anderen sich über uns täuschen: das heißt wir sind nicht stolz auf unsere Einzigkeit.

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115. Die Verkümmerung vieler Menschen hat darin ihren Grund, daß sie immer an ihre Existenz in den Köpfen der Anderen denken, das heißt sie nehmen ihre Wirkungen ernst und nicht das, was wirkt: sich selber. Unsere Wirkungen aber hängen von dem ab, worauf gewirkt werden muß, stehen also nicht in unserer Gewalt. Daher so viel Unruhe und Verdruß.

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116. Trübe und bittere Gedanken sind ohne physiologische Ursachen gar nicht möglich. Um der große Ankläger der Zeit oder des ganzen Lebens zu werden, muß unsere Leber dazu präparirt sein.

3 [62]

117. Unsere ersten leidenschaftlichen Entscheidungen für oder gegen, mit denen wir in der Jugend unserem Lebenskahne die Richtung geben, sind gewöhnlich die Beweise für schlechte Erziehung, unreifen Geschmack und den Mangel an Nachdenken, in dem wir bis dahin gelebt haben.

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121. Das große volle offene Auge hat der, welcher gewohnheitsmäßig viel auf einmal überschauen will, also das Kind, welches oft erstaunt ist, der Liebende, der all sein Glück mit seinem Blicke umspannen möchte, der Denker, der viele wichtige Dinge vor sich hat und sie ordnen will; Andere, welche viel an kleine Dinge denken, haben das verkleinerte scharfe Auge, sie wollen möglichst genau sehen, als ob sie den Bewegungen eines Insektes folgten, so auch der Argwöhnische. Der Schrecken blickt groß, weil in ihm Erstaunen ist, die Furcht wechselt die Richtung des scharfen Blickes sehr schnell, unruhig darüber, woher die Gefahr kommt.

3 [64]

122. Unsere Werthschätzungen bestimmen unsere Lebensweise (Aufenthalt, Beruf, Umgang usw.), und unsere Lebensweise bestimmt, wie sehr oder wie wenig wir einen Schmerz oder eine Lust fühlen, nicht nur im Feineren und Geistigsten, sondern bis auf ’s Körperlichste herab. Wer die Werthschätzungen verändert, verändert mittelbar auch die Lust- und Unlust-Arten und -Grade der Menschen.

3 [65]

123. Zu den Trostmitteln der leidenschaftlichen und ungebändigten Charaktere gehört die Tragödie; sie räth an, Ruhe und innere Freiheit nur jenseits der Welt zu erwarten—damit beseitigt sie vorübergehend die moralische Unzufriedenheit solcher Naturen mit sich, denn sie scheint zu sagen: das Unmögliche nicht zu vermögen, sollte keinen Kummer machen.

3 [66]

125. Alles, was wir jetzt unmoralisch nennen, ist irgendwann und irgendwo einmal moralisch gewesen. Was bürgt dafür, daß es seinen Namen nicht noch einmal verändert?

3 [67]

128. Es giebt eine komische Definition des Komischen: es soll, nach Vinet, die Naivetät der Sünde sein.

3 [68]

129. Die Gesellschaft muß ihrer so sicher werden, daß sie eine leidliche Summe Verbrechen ertragen kann, ohne im Ganzen dadurch gestört zu werden; ebenso muß der Staat so klug und dauerhaft begründet sein, daß viel Ungeschick und Thorheit seiner Diener ihm nicht wesentlich schädlich wird.

3 [69]

130. Die moralische Beurtheilung der Menschen und Dinge ist ein Trostmittel der Leidenden, Unterdrückten, innerlich Gequälten: eine Art Rache-nehmen.

3 [70]

131. Ein Jahrtausend lang war es den freisinnigsten Geistern nicht möglich, sich eine unreligiöse Denkungsart vorzustellen; jetzt besitzen wir dieselbe, sind aber wiederum außer Stande, uns eine außermoralische Denkungsart vorzustellen; spätere Menschen werden vielleicht auch diese haben.

3 [71]

132. Die Wissenschaft giebt fortwährend Gebote, zum Beispiel für die Gesundheit und Erziehung: sie begründet sie mit Hinweisung auf die schädlichen Folgen von deren Vernachlässigung: so begründeten auch die früheren Gesetzgeber der Moral ihre Gebote, nur daß die Folgen von deren Vernachlässigung nicht die Wirkungen aus den natürlichen Ursachen, sondern willkürliche Strafakte Gottes sein sollten. Die volksthümliche Moral kennt in Hinsicht auf die Folgen der Handlungen die natürliche Causalität nicht, sondern nur das Wunder.

3 [72]

133. Für wen nicht die landläufigen Vorurtheile anfangen paradox zu klingen, der hat noch nicht genug nachgedacht.

3 [73]

134. Es ist zu bedauern, daß Jesus Christus nicht länger gelebt hat, er wäre vielleicht der erste Renegat seiner Lehre geworden, vielleicht hätte er dann auch noch das Lachen gelernt und weniger oft geweint.

3 [74]

135. Die Trostmittel, welche sich Bettler und Sklaven ausdenken, sind Gedanken aus schlechtgenährten, müden oder überreizten Gehirnen; darnach ist das Christenthum und die socialistische Phantasterei zu beurtheilen.

3 [75]

136. Erstens: die Strafe aus der Welt zu schaffen; zweitens: die Sünde aus der Welt zu schaffen; drittens: das moralische Messen und Wägen aus der Welt zu schaffen.

3 [76]

137. Es scheint, daß viele Verbrechen aus derselben Kraft stammen, aus der die pessimistische Denkweise stammt; sie sind die Entladung dieser Kraft in Handlungen.

3 [77]

138. Wieviel Krankheit giebt es noch! Wieviel Erschöpfung durch übermäßige Anstrengung! Wieviel böse Langeweile!—und in all diesen Zuständen wird gedacht und geurtheilt, über sich selber, über die Mitmenschen, über den Werth alles Daseins. Folglich: wieviel Pessimismus muß es geben!

3 [78]

139. Wie? die Wahrheit sei einfach?—der Wahrhafte ist einfach, aber die Wahrheit ist sehr, sehr complicirt.

3 [79]

140. In den außergewöhnlichsten Zuständen meint sich der Mensch der Wahrheit näher, in den höchsten Erregungen schreibt er sich übermenschliche Fähigkeiten zu—und doch sind solche Zustände und Erregungen für die Erkenntniß einer Sache am wenigsten geeignet, wohl aber sieht er da Visionen, Gespenster, siebente Himmel und höllische Abgründe. Daher die Religion, daher die meiste Metaphysik—. Und mit diesen Ausgeburten der halben Verrücktheit hätte die Wissenschaft nöthig, sich zu versöhnen!

3 [80]

141. Wir haben die wilden Thiere vergessen: es gab Jahrtausende, da die Menschen wachend und schlafend an sie dachten.

3 [81]

143. In der Zukunft wird es geben: 1. zahllose Anstalten, in welche man sich zeitweilig begiebt, um seine Seele in Cur zu nehmen; hier wird der Zorn bekämpft, dort die Wollust usw.; 2. zahllose Mittel gegen die Langeweile; zu jeder Zeit wird man Vorleser hören können und dergleichen; 3. Feste, in welchen viele einzelne Erfindungen zum Gesammtzweck des Festes vereinigt sind, denn die, welche ein Fest feiern, müssen am Feste mit erfunden haben; 4. es werden sich Einzelne und ganze Gruppen geloben, niemals gerichtliche Hülfe in Anspruch zu nehmen.

3 [82]

145. Die Summe von Geist, welche die Menschen auf Bekämpfung der Übel verwenden, fehlt ihnen zur Erfindung der Freude; deshalb brachte es die Menschheit im Ganzen bis jetzt nicht höher, als bis zu Trostmitteln; endlich gelingt es vielleicht der Wissenschaft, die Ungeheuer zu vernichten und zu allerletzt wird sie auch noch die Trostmittel vernichten müssen, welche in der langen Zeit ihrer Existenz selber zu Ungeheuern geworden sind.

3 [83]

146. Pessimistische Vorstellungen hemmen den Ausdruck der Gebärden, empfehlen die Verstellung, namentlich die der schrecklichen Verzerrung (um Furcht zu erregen), sie heißen die erregte Seele in der Sprache nicht hörbar werden lassen, kurz sie verhäßlichen den Menschen in Gebärde und Laut.

Die Verachtung ebenso wie die Furcht machen häßlich.

3 [84]

148. Was jetzt die Bildung fordert, unsere Gemüthsbewegungen nicht auszudrücken, ist die lange Folge der Furcht: die Menschen sollen nicht sehen, was in uns vorgeht, wobei vorausgesetzt wird, daß es immer etwas Schlimmes ist oder daß wir damit unseren Feinden gute Gelegenheiten geben. Die höfische Verstellung, der Stoicismus in einem festgehaltenen artigen Gebärdenspiel geht von bösen Voraussetzungen über die Mitmenschen aus: sie sollen uns nicht kennen lernen, es wäre unser Schade.

3 [85]

149. Damit man nicht den Art erhaltenden Trieb, das Verhalten der Eltern zu ihren Jungen, irrthümlich als den Anfang einer ganz neuen Kette von Motiven ansehe, der sogenannten unegoistischen, möge man sich diese Hypothesen vorlegen: die niedrigste Form des Art erhaltenden Triebes zeigt sich darin, daß einige Fischarten bei ihren Eiern Wache halten und Feindliches abwehren. Ich vermuthe hier, wie in anderen Fällen der Thierwelt, halten die Eltern die Eier und die Jungen für eine Nahrung, welche man aufbewahren und schützen müsse; in vielen Fällen leben auch die Thiere davon. Diejenigen Gattungen, welche am stärksten für diese Art Nahrung gesorgt und gewacht haben, haben die beste Aussicht, sich fortzupflanzen, und die Gewohnheit, für die Eier und die Jungen zu sorgen, vererbt sich immer stärker, zuletzt als für sich mächtiger Trieb, bei dem das erste Motiv vergessen ist.

3 [86]

150. Das Mitgefühl nimmt zu, wenn freudige Empfindungen sein überwiegendes Resultat sind; es nimmt ab, wenn es mehr Schmerzen, als Freude davonträgt. Bei dem beständigen Anblick von Leidenden sinkt das Mitleid beständig, aber man wird um so empfindlicher gegen fremdes Leid je mehr man Mitfreude hat.— Die mitleidigsten Menschen sind solche, welche viel innere Freude haben, ihnen thut alles Widersprechende wehe; Unglücks- und Kriegsmenschen sind hart.

3 [87]

151. Wer hat denn die Welt so gefärbt, so in diese Gluthlichter getaucht? Das waren die Menschen der geistigen Convulsionen, der äußersten Schrecken und Entzücken, der tiefsten Niedergeschlagenheit: Medicinmänner, Tragiker, Heilige usw.; vor ihnen hatte man Furcht; man glaubte ihnen, weil sie es wollten, denn sie waren schrecklich.

3 [88]

152. Thiere gleicher Art schonen sich vielfach gegenseitig, nicht aus einem wunderbaren Instinkte des Mitgefühles, sondern weil sie bei einander gleiche Kraft voraussetzen und sich als unsichere Beute betrachten; sie versuchen es, von Thieren anderer Art zu leben und sich ihrer zu enthalten. Daraus bildet sich die Gewöhnung, von einander abzusehen und endlich Annäherung und dergleichen. Schon die Absicht, Weibchen oder Männchen an sich zu locken, kann die Thiere bestimmen, in Hinsicht auf ihre Art nicht schrecklich zu erscheinen, sondern harmlos. In ritterlichen Zeitaltem wird der Mann um so artiger und huldvoller gegen alle Frauen, je stolzer und furchtbarer er gegen alle Männer erscheint; nur so lockt er das Weibchen.

3 [89]

153. Jenes ausschweifende und phantastische Pathos, mit dem wir die seltsamsten Handlungen abgeschätzt haben, macht sich bezahlt mit der absurden Gleichgültigkeit und Verachtung, welche wir gegen unscheinbare und alltägliche Handlungen richten. Wir sind die Narren der Seltenheit und haben unser täglich Brod dadurch entwerthet.

3 [90]

154. Die Meisten haben allein Geist, wenn sie in kriegerischer Verfassung sind, bei Angriff, Furcht, Vertheidigung, Rache; dafür verfallen sie, sobald dieser Zustand nachläßt, in die Dumpfheit. Es gehört sehr viel Geist dazu, im Wohlbefinden noch davon übrig zu haben.

3 [91]

155. Was Dasein hat, kann nicht zum Dasein wollen; was kein Dasein hat, kann es auch nicht. Also giebt es keinen Willen zum Dasein. Es ist dies eine schlechte und widersinnige Wörterzusammenstellung. Wohl wäre zu verstehen: Wille zu einem längeren, oder höheren, oder anderen Dasein.— Wille ist die Vorstellung eines werthgeschätzten Gegenstandes verbunden mit der Erwartung, daß wir uns seiner bemächtigen werden. “Struggle for existence”?

3 [92]

156. Wenn nicht das alte jus talionis noch fortwirkte, so würde man gewiß nicht gerade den Mörder hinrichten, sondern nach dem Satze, daß die Ehre mehr werth ist, als das Leben, viel eher den Ehrenräuber, den Verleumder. Ebenso ist schmerzhafte Verstümmelung und Ähnliches ein viel schwereres Leiden als das Sterben; folglich wäre der Grausame eher hinzurichten, als der Mörder, insgleichen der gewissenlose Arzt, Hebamme usw. Endlich, insofern der Urheber vieler Tode unheilvoller ist, als der Mörder, so müßten alle Fürsten, Minister, Volksredner und Zeitungsschreiber, durch welche ein Krieg erregt und befürwortet worden ist, hingerichtet werden; ich meine natürlich die ungerechten Kriege, aber man wird mir sagen, daß es keine ungerechten Kriege giebt.

3 [93]

157. Die moralischen Vorschriften stammen aus Zeiten, in welchen man die Natur, die Völker und Menschen viel weniger kannte, als jetzt. Unwissenheit und falsche Voraussetzungen sind durch die feierliche Unantastbarkeit, in der die Moral lebt, mitheiliggesprochen.

3 [94]

158. Wenn man sagt: dies ist nützlich, jenes ist schädlich, so muß dieser Satz sich in seinen Folgen beweisen, das heißt er wird fortwährend geprüft und je nachdem verfeinert oder verworfen. Sagt man dagegen: dies ist sittlich—so glaubt man etwas gesagt zu haben, das durch seine Folgen nicht bewiesen zu werden braucht, ja nicht bewiesen werdet kann. Deshalb hält sich das Schädliche unter der Aufschrift “sittlich” so lange aufrecht.

3 [95]

159. Manche allzuängstliche Staatsmänner mögen thun, was sie wollen, es bleibt immer ein Flecken an ihnen haften: wie Manche nicht ein Ei aufschlagen können, ohne sich schmutzig zu machen.

3 [96]

160. Das Leben für die Zukunft—das ist eine Folge der Moral, bei der das ganze Leben, das heißt die Summe aller gegenwärtigen Momente, eine Thorheit und Jagd und Unannehmlichkeit wird. Das Leben für die Anderen—eine Folge der Moral, bei der die Anderen willkürlich gemaaßregelt werden und der Mensch selber allen seinen Verstandes- und Herzensschwächen um seines guten Zieles willen ohne Bedenken nachhängt.

3 [97]

161. Inwiefern hat die Moral schädlich gewirkt? Insofern sie den Körper verachtete, im Asketismus der Pflicht, des Muthes, des Fleißes, der Treue usw. Namentlich in jenem mit Religion verquickten Kanon, daß Sich-Freuden-bereiten der Gottheit unangenehm, Sich-Leiden-bereiten ihr angenehm sei. Man lehrte, zu leiden, man rieth ab, sich zu freuen,—in allen Moralen (die des Epikur ausgenommen), das heißt die Moral war bisher ein Mittel, die physiologische Grundlage des Menschen in ihrer Entwicklung zu stören—an der Schwäche der Moral lag es, daß sie diese Grundlage nicht zerstört hat; sie war ein furchtbarer Würfel im großen Würfelspiel.— Wir müssen das Gewissen verlernen, wie wir es gelernt haben.— Im Ganzen war die große erhaltende Kraft, welche gegen die Moral das Übergewicht behauptete, das, was sie das Böse nannten, das Streben des Individuums, sich ohne Rücksicht auf Lehren selbst zu behaupten, sich wohl zu fühlen, sein Vergnügen zu suchen, die näheren Bedürfnisse den entfernteren unterzuordnen, während die Moral diese nicht nur als höhere und niedere Bedürfnisse unterscheidet, sondern die letzteren verachten und oft verdammen lehrt (die sogenannten sinnlichen Freuden).

3 [98]

162. Je mehr das Gefühl der Einheit mit den Mitmenschen überhand nimmt, um so mehr werden die Menschen uniformirt, um so strenger werden sie alle Verschiedenheit als unmoralisch empfinden. So entsteht nothwendig der Sand der Menschheit: Alle sehr gleich, sehr klein, sehr rund, sehr verträglich, sehr langweilig. Das Christenthum und die Demokratie haben bis jetzt die Menschheit auf dem Wege zum Sande am weitesten gefahren. Ein kleines, schwaches, dämmerndes Wohlgefühlchen über Alle gleichmäßig verbreitet, ein verbessertes und auf die Spitze getriebenes Chinesenthum, das wäre das letzte Bild, welches die Menschheit bieten könnte? Auf der Bahn der bisherigen moralischen Empfindung unvermeidlich. Es thut eine große Überlegung noth, vielleicht muß die Menschheit einen Strich unter ihre Vergangenheit machen, vielleicht muß sie den neuen Kanon an alle Einzelnen richten: sei anders, als alle übrigen und freue dich, wenn Jeder anders ist, als der Andere; die gröbsten Unthiere sind ja unter dem Regimente der bisherigen Moral ausgetilgt worden—es war dies ihre Aufgabe; wir wollen nicht gedankenlos unter dem Regimente der Furcht vor wilden Thieren weiterleben. So lang, allzulang hieß es: Einer wie Alle, Einer für Alle.

3 [99]

163. Bei Allem, was geschieht, sagen: Gott würde es nicht zulassen, wennn es mir nicht zuträglich wäre—an dieser himmlischen Kinderei hätte die Menschheit schon mehrere Male zu Grunde gehen können. Glücklicherweise gab es immer Menschen, die nicht christlich genug waren, um sich so kindlich zu beruhigen.

3 [100]

164. Wenn das allgemeine Glück das Ziel jeder einzelnen Handlung sein sollte, so müßte der Einzelne darauf verzichten, in seinem Leben eine einzige Handlung wirklich zu thun: die Überlegung, ob sein Vorhaben wirklich dem höchsten Wohle aller gegenwärtigen und zukünftigen Menschen entsprechen werde, würde sein ganzes Leben verzehren. Das Christenthum bezeichnete den Nächsten als den Zielpunkt unserer Handlungen und überließ es Gott, zu bestimmen, wer unsere Nächsten werden sollten; wem dieser religiöse Ausweg nicht offen steht, müßte doch sagen: ich will mir in Bezug auf die Handlungen, die ich thue, doch nicht jeden beliebigen Nächsten als Objekt gefallen lassen, sondern die suchen, zu denen meine Handlungen am meisten passen, denen sie wirklich nützen können. Dazu freilich müßte man seinen Nächsten so gut wie sich kennen lernen, und das könnte wieder das ganze Leben verzehren.

3 [101]

165. Vorschriften, wie gehandelt werden soll, sind um so indiskutabler, je mehr die Einsicht der Handelnden unter der des Vorschreibenden steht. Da außer ihm niemand genau weiß, welche Folgen er von den Handlungen erwartet, so sind auch jene Folgen, welche sich thatsächlich aus den Vorschriften ergeben, indiskutabel. So stellt sich der religiöse Mensch zu Gottes Gebot, der moralische Mensch zum Sittengesetz—eine Erbschaft aus Zeiten, in denen es einen Häuptling und blind gehorchende Anhänger gab, welche in ihm ihre Vernunft sahen und ohne ihn keine hatten.

3 [102]

166. Der metaphysische Pessimist, der das Vergnügen und die Sicherheit flieht und dem Unglück und Leiden den höchsten Werth beimißt—nämlich über den Unwerth des Lebens aufzuklären—, wie dürfte er Mitleiden haben, wenn ein Anderer leidet? Er dürfte sich darüber nur freuen, wie er gleichfalls das Mitleiden zurückzuweisen hätte, wenn er in Noth wäre; andererseits würde er, wenn er den Anderen in der Freude fände, Leid über ihn empfinden und ihm die Freude zu vergällen suchen,—so sollte Schopenhauer’s praktische Moral klingen. Das Mitleiden, wie es Schopenhauer schildert, ist, von seinem Standpunkte aus, die eigentliche Perversität, die gründlichste aller möglichen Dummheiten.

3 [103]

168. Ich weiß nicht zu erklären, wie es kommt, daß die Juden von allen Nationen die sittliche Erhabenheit auf ’s Höchste gebracht haben, im Theoretischen wie im Praktischen. Nur ihnen ist ein Jesus von Nazareth gelungen; nur ihnen ein heiliger Gott, nur ihnen die Sünde an ihm. Dazu der Prophet, der Erlöser—das sind ihre Erfindungen.

3 [104]

169. Was die Römer an den Juden haßten, das war nicht die Rasse, sondern eine von ihnen beargwöhnte Art des Aberglaubens und namentlich die Energie dieses Glaubens (die Römer, wie alle Südländer, waren im Glauben lässig und skeptisch, und nahmen nur die Gebräuche streng). Dasselbe ist ihnen an den Juden anstößig was ihnen an den Christen anstößig ist: der Mangel an Götterbildern, die sogenannte Geistigkeit ihrer Religion, eine Religion, die das Licht scheut, mit einem Gott, der sich nicht sehen lassen kann, dies erweckte Argwohn, noch mehr das, was man vom Osterlamm munkelte, vom Essen des Leibes, Trinken des Blutes und dergleichen.— In summa: die Menschen der Bildung damals meinten, Juden und Christen seien heimliche Kanibalen. Dann traute man ihnen zu, verrücktes Zeug ehrlich zu glauben, das jüdische und christliche Maaß im Glauben-können war den Römern verächtlich; der Jude in Christus war es, der vor allem Glauben forderte; die Gebildeten jener Zeit, vor denen alle philosophischen Systeme einander in den Haaren lagen, fanden dieses Glauben-fordern unausstehlich. “Credat Judaeus Apella” (Horaz).

3 [105]

170. Das Christenthum hält 1. eine fundamentale Verbesserung des Menschen für möglich ohne Verbesserung ihres Wissens, ohne Verbesserung ihrer gesellschaftlichen Zustände; 2. es will Enthaltung von der Welt, aber nicht Förderung der Welt; 3. es zieht Leid und Trübsal vor, und erweckt Argwohn gegen das Wohlbefinden; 4. es zieht den Glauben dem Wissen und die Unbegreiflichkeit dem Verständniß vor und macht argwöhnisch gegen die Vernuft; 5. es beachtet Geschlecht, Stand, Volk nicht, diese Unterscheidungen sind ihm unwesentlich; wenn aber mit diesen Unterscheidungen Nothstände verbunden sind, so findet es die Aufrechterhaltung der Unterschiede wünschenswerth, um der Nothstände und ihrer Heilswirkungen halber; 6. es setzt die tiefe Verderbtheit aller Dinge und Menschen voraus und sieht den Untergang als bevorstehend an; es will diesen Untergang nicht aufhalten, es will die Welt sich möglichst verleiden.— Dächte man sich das Christenthum, in seiner ganzen Stärke aufgefaßt, als herrschend, dächte man sich, daß keine Kräfte dagegen wirken, so würde es in kurzer Zeit den Untergang des Menschengeschlechtes herbeiführen: es nimmt den Menschen die Gesundheit, die Freude, das Zutrauen, die Absichten für die Zukunft der Welt (also die Thätigkeit). Diese Consequenz geben einige Kirchenväter zu: sie sehen hier keinen Vorwurf und Einwand.

3 [106]

172. Das christliche Mitleid, ganz verschieden von dem der Inder und ihres Jüngers Schopenhauer, entsteht in Hinsicht auf die ewige Verdammniß des Anderen, auf die Ungnade Gottes, auf den Mangel an Glauben, auf die Freude am Weltlichen, auf die Fülle von teuflischem Trug, welche den Nicht-Christen, zum Beispiel den ungetauften Barbaren, ihm unbewußt, umringt: es ist ein Erbarmen über den Anschein von Glück oder über den Irrthum, mit welchem der Andere sein Unglück bejammert, Mitleid mit Unwissenheit und Irrthum also, nicht mit Schmerz—also eigentlich nicht Mit-Leid.

3 [107]

173. Fast überall auf Erden, wo eine Kirche, ein Tempel steht oder stand, hat sich einmal ein Wunder begeben, das heißt der Pilz der sakralen Baukunst schießt überall dort auf, wo religiösen Menschen ein kleiner Irrsinn begegnete. Hat man je schon an einem Orte gebaut, wo einem Menschen eine große Wahrheit zuerst aufleuchtet? wahrscheinlich nicht; aber warum auch, eine solche Wahrheit will kritisirt, nicht angebetet sein.

3 [108]

175. Der Dichter scheint fortwährend Zugänge zu einer neuen oder besseren Erkenntniß von Natur und menschlichen Dingen zu eröffnen: bevor man noch recht begriffen hat, daß was hier so aufregend winkt, ein Irrlicht ist, gaukelt schon wieder ein anderes vor den Sinnen. Die Vergleichungen, die Metaphern des Dichters sind von ihm durchaus nicht als solche gegeben, sondern als neue, bisher unerhörte Identitäten, vermöge deren ein Reich der Erkenntniß sich zu eröffnen scheint. Je weniger noch darüber fest steht, was in der Natur wirklich wahr und erwiesen ist, um so stärker ist die Wirkung des Dichters, um so größer seine Schauspielerkunst, zeitweilig den Ergründer der Natur zu repräsentiren. Die Frage, wie weit etwas, das ein Dichter sagt, wahr ist, ist eine Pedanterie. Aller Werth liegt gerade darin, daß es nur einen Augenblick wahr scheint, und dies gilt von seiner gesammten Weltbetrachtung, seiner moralischen Ordnung, seinen moralischen Sentenzen ebenso sehr wie von seinen Gleichnissen, seinen Charakteren, seinen Geschichten. Eine ernsthafte, der Wissenschaft zugehörige Meinung damit bekräftigen wollen, daß irgend ein Tragiker etwas Ähnliches gesagt hat, ist eine Albernheit: Dichter haben in Dingen der Erkenntniß immer Unrecht, weil sie als Künstler täuschen wollen und als Künstler gar nicht das Bestreben nach höchster Wahrhaftigkeit verstehen; sagen sie zufällig etwas Wahres, so ist ihre Autorität nicht geeignet, Glauben, sondern Mißtrauen zu erwecken. Es ist ein solcher Genuß, daß der erkennen wollende Trieb auch einmal mit sich spielt und von einem Zweige zum andern hüpft, mit reizenden Tönen und bunten Federchen geschmückt—und wir sollten Narren sein und da ein Orakel erwarten, wo ein Vogel singt und tirilirt!

3 [109]

176. Hier wird eine Handlung geschätzt, weil sie dem Handelnden schwer fällt, dort eine andere, weil sie ihm leicht fällt, dort eine, weil sie selten ist, dort eine, weil sie nach der Regel ist, dort eine, weil der Beurtheilende sie bei sich für unmöglich hält, dort eine, weil der Beurtheilende sie überhaupt für unmöglich hält (ein Wunder), dort eine, weil sie für nützlich gilt, dort eine, weil sie keine Rücksicht auf Nutzen zeigt, dort eine, weil der Mensch so für sein bestes Heil sorgt, dort eine, weil er nicht dabei für sich sorgt, dort, weil sie Pflicht ist, dort, weil sie Neigung ist, dort, weil sie ohne Neigung gethan wird, dort, weil sie Instinkt ist, dort, weil sie hellste Vernunft ist—und alles das heißt man gelegentlich sittlich! Man handhabt jetzt die Maaßstäbe der verschiedensten Culturen zugleich und vermag durch diese beinahe jedes Ding als sittlich oder als unsittlich abzuschätzen, wie man eben will, das heißt je nach unserm guten oder bösen Willen gegen die Mitmenschen oder gegen uns selbst; die Moral ist jetzt die große Topik des Lobens und Tadelns—, aber warum immer loben und tadeln? Könnte man sich dessen entschlagen, so hätte man auch die große Topik nicht mehr nöthig.

3 [110]

177. Der trübe Ernst, die Spannung und die Furcht sind allen Leidenschaften gemeinsam: es ist in ihnen kein Überschuß von Leben, ja es scheint, als ob nicht genug davon vorhanden sei.

3 [111]

179. Jetzt sucht man vor allem das Menschenleben zu erhalten: dies giebt unserer Cultur den Anstrich der Feigheit und der Alten-Manns-Gier nach langem Leben; ehemals, wo man das Leben viel zufälliger verlieren konnte, als jetzt, gehörte es zum Wesen der Tugend, daß man das Leben leicht wegwarf und sehr viele Dinge für höher im Preise hielt.

3 [112]

180. Das moderne Leben will so sehr wie möglich vor allen Gefahren geschützt sein: mit den Gefahren aber geht viel Munterkeit, Übermuth und Anregung verloren, unsere groben Remeduren sind Revolutionen und Kriege.

3 [113]

181. Mit dem Almosen unterhält man den Zustand, der als Motiv des Almosens wirkt, man giebt also nicht aus Mitleiden, denn dieses würde den Zustand nicht unterhalten wollen.

3 [114]

181. Der Kraftüberschuß sucht den Kampf und wird darin böse; das Bösesein ist aber hier doch nur Mittel (zum Zweck der Entladung) und deshalb harmloser, als beim Schwachen, der böse ist, um weh zu thun.

3 [115]

183. Will man behaupten, daß der Germane für das Christenthum vorgebildet und vorbestimmt gewesen sei, so darf es Einem nicht an Unverschämtheit fehlen, denn das Gegentheil ist nicht nur wahr, sondern auch handgreiflich. Woher sollte auch die Erfindung zweier ausgezeichneter Juden, des Jesus und des Saulus, der zwei jüdischesten Juden, die es vielleicht gegeben hat, gerade die Germanen mehr anheimeln, als andere Völker? (Beide meinten, das Schicksal jedes Menschen und aller Zeiten, vorher und nachher, nebst dem Schicksal der Erde, der Sonne und der Sterne, hänge von einer jüdischen Begebenheit ab: dieser Glaube ist das jüdische Non plus ultra.) Wie reimt sich die höchste moralische Subtilität, welche ein Rabbiner- und nicht ein Bärenhäuter-Verstand so geschärft hat, und welcher die Erfindung des heiligen Gottes und der Sünde an ihm zuerst gelungen ist, das Gefühl der Unfreiheit und Knechtschaft in einem grenzenlos ehrsüchtigen Völkchen, sein Ausschauen nach dem Erlöser und Vollender aller Hoffnungen, die priesterliche Hierarchie und das volksthümlichere Asketenthum, die überall fühlbare Nähe der Wüste, und nicht die des Bärenwaldes,—wie reimt sich dies alles zum faulen, aber kriegerischen und raubsüchtigen Germanen, zum sinnlich kalten Jagdliebhaber und Biertrinker, der es nicht höher als bis zu einer rechten und schlechten Indianer-Religion gebracht hat und Menschen auf Opfersteinen zu schlachten noch vor zehnhundert Jahren nicht verlernt hatte?

3 [116]

184. Nicht die Sittenverderbniß—diese beschränkte sich auf fünf bis zehn Städte des ungeheuren Reiches—, sondern die Ermüdung, welche überall eintrat, weil man am Ziele zu sein glaubte, in Betreff der Cultur und der staatlichen Formen, führte die alte Welt in die Schlinge des Christenthums; die Menschen wollen lieber untergehen, als sich am Ende wissen, das Ausleben als einziger Zweck des Lebens ist ihnen ein unerträglicher Gedanke; man war seiner selbst und der Welt müde: das Christenthum machte Alles wieder interessant, indem es alle Werthurtheile umdrehte und hinter das Ende aller Dinge ein Gericht setzte.

3 [117]

185. Das Christenthum erscheint als eine epidemische Panik; es war prophezeit worden, daß in Kürze die Erde untergehen würde. An den Gedanken dieser furchtbaren Gefahr rankten sich benachbarte Gedanken an,—Untergang warum? um unserer Sünden halber? also vielleicht ein Gericht? und wo ein Fürsprecher? usw. Zuletzt erschien es als das allgemein Rathsamste, in gewohnter antiker Weise vor die Richtstätte zu treten, das heißt in dem denkbar erbärmlichsten und mitleiderweckendsten Zustande. Dieses Bild des antiken Angeklagten halten später die Anachoreten fest,—sie wollen jeden Augenblick bereit sein und die Vorstellung des plötzlich hereinbrechenden Gerichtes ließ sie Alles ersinnen, wodurch ein Mensch bejammernswürdig erscheint; Gott solle es, wie ein römischer Prätor, nicht aushalten, ein so verkümmertes und entsetzlich leidendes Wesen als schuldig zu behandeln. Das Christenthum kennt nur den würdelosen Schuldigen.

3 [118]

187. Der Dichter läßt den erkennenwollenden Trieb spielen, der Musiker läßt ihn ausruhen,—sollte wirklich Beides neben einander möglich sein? Sind wir ganz der Musik hingegeben, so giebt es keine Worte in unserem Kopfe,—eine große Erleichterung; sobald wir wieder Worte hören und Schlüsse machen, das heißt sobald wir den Text verstehen, ist unsere Empfindung für die Musik oberflächlich geworden: wir verbinden sie jetzt mit Begriffen, wir vergleichen sie mit Gefühlen und üben uns im symbolischen Verstehen,—sehr unterhaltend! Aber mit dem tiefen seltsamen Zauber, der unsern Gedanken einmal Ruhe gab, mit jener farbigen Dämmerung, welche den geistigen Tag einmal auslöschte, ist es vorbei.— Sobald man freilich die Worte nicht mehr versteht, ist Alles wieder in Ordnung: und dies ist glücklicherweise die Regel; immerhin sind billigerweise schlechte Texte den besseren vorzuziehen, weil sie kein Interesse auf sich lenken und überhört sein wollen.— Die Oper will die Augen zugleich beschäftigen, und weil bei der großen Menge die Augen größer sind, als die Ohren, was viel sagen will, so richtet sich die Musik der Oper nach den Augen und begnügt sich, charakteristische Fanfaren zu blasen, sobald etwas Neues zu sehen ist,—Anfang der Barbarei.

3 [119]

189. Ein Mädchen, das ihre Jungfernschaft hingiebt, ohne daß der Mann feierlich vorher vor Zeugen geschworen hat, das ganze Leben nicht mehr von ihr zu lassen, gilt nicht nur für unklug: man nennt sie unsittlich. Sie folgte nicht der Sitte, sie war nicht nur unklug, sondern auch ungehorsam, denn sie wußte, was die Sitte gebietet. Wo die Sitte nicht so gebietet, wird das Betragen eines Mädchens in jenem Falle auch nicht als unsittlich bezeichnet, ja es giebt Gegenden, wo es sittlich genannt wird, seine Jungfernschaft vor der Ehe zu verlieren.— Also den Ungehorsam trifft der Kern des Vorwurfs, dieser ist unsittlich; ist dies genug? Ein solches Mädchen gilt als verächtlich,—aber welche Art des Ungehorsams ist es, die man verachtet? (Die Unklugheit verachtet man nicht.) Man sagt von ihr: sie konnte sich nicht beherrschen, deshalb war sie ungehorsam gegen die Sitte; man verachtet also die Blindheit der Begierde, das Thier im Mädchen. Insofern sagt man auch: sie ist unkeusch—denn damit kann ja nicht gesagt sein, daß sie das thut, was die ehelich angetraute Gattin auch thut, und welche man deshalb doch nicht unkeusch nennt.— Die Sitte fordert demnach, daß die Unlust des unbefriedigten Bedürfnisses ertragen werde, daß die Begierde warten könne. Unsittlich heißt also hier, eine Unlust trotz des Gedankens an die vorschriftengebende Macht nicht ertragen können. Es soll ein Gefühl durch einen Gedanken niedergerungen werden, genauer: durch den Gedanken der Furcht (sei dies die Furcht vor der heiligen Sitte oder vor der Strafe und Schande, welche die Sitte androht). An sich ist es nun keineswegs schimpflich, sondern natürlich und billig, daß ein Bedürfniß sofort befriedigt werde; somit liegt das eigentlich Verächtlich ein jenem Mädchen in der Schwäche ihrer Furcht. Sittlich sein heißt: in hohem Grade der Furcht zugänglich sein; Furcht ist die Macht, von welcher das Gemeinwesen erhalten wird.— Erwägt man andererseits, daß jedes ursprüngliche Gemeinwesen in anderen Stücken auf ’s Höchste gerade die Furchtlosigkeit seiner Mitglieder nöthig hat, so ergiebt sich, daß, was im Falle des Sittlichen schlechterdings gefürchtet werden soll, im höchsten Grade furchtgebietend sein muß, deshalb hat sich die Sitte überall als göttlichen Willen eingeführt und sich unter die Furchtbarkeit von Göttern und dämonischen Strafmitteln zurückgezogen: so daß unsittlich sein bedeutete das unbegrenzt Furchtbare nicht fürchten.— Von Einem, der die Götter leugnete, war man Alles gewärtig, es war dadurch der fürchterlichste Mensch, den kein Gemeinwesen ertragen konnte: weil er die Wurzeln der Furcht ausriß, auf denen das Gemeinwesen gewachsen war. Man nahm an, daß in einem solchen Menschen die Begierde schrankenlos walte: man hielt jeden Menschen ohne diese Furcht für grenzenlos böse.— Nun geht aber völlige Furchtlosigkeit auf einen Mangel an Phantasie zurück; der böse Mensch in diesem Sinne wird immer ein Mensch ohne Phantasie sein. Die Phantasie der Guten war eine Phantasie der Furcht, eine böse Phantasie,—eine andere kannte man noch nicht. Die böse Phantasie sollte die böse Begierde niederhalten, das war das alte Sittengesetz; die beständige Herrschaft der Furcht über die Begierde machte den sittlichen Menschen aus. Daraus entsteht als Anzeichen des Sittlichen die Asketik: Ertragenkönnen, Wartenkönnen, Schweigenkönnen, Hungernkönnen—das ist zum Beispiel die Moralität der Indianer.— Man leitete die verhältnißmäßige Sicherheit der Gemeinschaft von der Fähigkeit ab, sich oft und stark unangenehme Bilder vor die Seele zu stellen, vermöge deren man sich der sofortigen Befriedigung schmerzhafter Bedürfnisse enthalten konnte. Es sind die Bilder der Strafen und der Schande, und zwar vor allen die unbestimmteren, unheimlicheren Strafen von Göttern und Geistern: während bei den Strafen der weltlichen Gerechtigkeit nicht zuerst an die abschreckende Wirkung gedacht werden darf (zumeist handelt es sich bei ihnen um Bußgelder, vermöge deren ein Schaden wieder gut gemacht werden soll). Selbst die Aussicht auf die schmerzhaftesten Strafen der weltlichen Gerechtigkeit, auf Tod mit Martern und dergleichen, thut in wilderen Zeiten lange nicht die Wirkung, wie die Aussicht auf Götter- und Geister-Strafen: man fürchtete damals den Tod viel weniger, als heute, und war im Ertragen von Martern geübt und stolz; um solcher Gründe willen sein Rachegelüst, sein Raubgelüst, seine Wollust in Schranken zu halten, würde man kaum für männlich gehalten haben; anders ist es, wenn mit Wahnsinn, Furien, Ausschlag, weißen Haaren, mit plötzlichem Altwerden, mit nächtlichen Schrecken gedroht wird: die Drohung solcher Strafen wirkt. Kurz gesagt, die Furcht, auf der damals die Sittlichkeit ruhte, war die abergläubische Furcht: unsittlich sein hieß ohne abergläubische Furcht sein.— Je friedlicher der Zustand eines Gemeinwesens ist, je feiger seine Bürger werden, je weniger sie an das Ertragen von Schmerzen gewöhnt sind, um so mehr werden die weltlichen Strafen als Abschreckungsmittel schon genügen, um so schneller erweisen sich die religiösen Drohungen als überflüssig. Der Friede also verdrängt die Religion, die unbestimmten Angstmittel der Phantasie werden nicht mehr nöthig; denn die Ängstlichkeit vor den bekannten Strafen des Staates und der bürgerlichen Achtung ist schon groß genug. In hoch cultivirten Völkern dürften endlich selbst die Strafen höchst überflüssige Schreckmittel werden; schon die Furcht vor Schande, das Erzittern der Eitelkeit ist so beständig wirksam, daß daraufhin die unsittlichen Handlungen unterbleiben.— Die Verfeinerung der Sittlichkeit nimmt mit der Verfeinerung der Furchtsamkeit zu. Jetzt ist die Furcht vor unangenehmen Empfindungen anderer Menschen fast die stärkste unserer unangenehmen Empfindungen. Man möchte gar zu gerne so leben, daß man nichts mehr thue, als was Anderen angenehme Empfindungen macht und selber an nichts mehr Vergnügen habe, bei dem nicht diese Bedingung mit erfüllt wird.

3 [120]

190. Wir begreifen den allerkleinsten Theil dessen, woraus sich jede Handlung zusammensetzt, und die lange Kette von strenge in einander greifenden Nerven- und Muskelvorgängen dabei ist uns sogar ganz unbekannt. So nehmen wir denn die Handlung als einen momentanen Akt des Willens in der Art wie ein hebräischer Schriftsteller es von Gott sagt: er gebeut und es steht da, das heißt wir machen eine Zauberei daraus und fühlen uns als Zauberer frei. Unsere Unwissenheit spielt uns den angenehmen Streich, daß sie unsern Stolz aufrecht erhält. Gelingt es einmal nicht, was wir wollen, so muß es wohl an einem feindlichen Wesen liegen, welches, wiederum durch Zauberei, zwischen unsern Willen und die That ein Hemmniß legt. Das Gute wollen und das Verkehrte thun—das schiebt der Eine dem Teufel zu, der Andere der Sündhaftigkeit, ein Dritter sieht darin die Strafe für die Schuld früherer Lebenszeiten: alle fast legen es moralisch und dämonisch aus. Kurz, nachdem wir den Wilden-Glauben an die Wunder als die Regel der Natur aufgegeben haben, hat derselbe Glaube sich in Bezug auf unsere psychologischen Vorgänge festgesetzt; hier gilt noch immer das Wunder als die Regel. In Wahrheit heißt etwas wollen ein Experiment machen, um zu erfahren, was wir können; darüber kann uns allein der Erfolg oder Mißerfolg belehren.

3 [121]

191. Einige zeigen Geist, Andere verbergen und beweisen ihn.

3 [122]

192. Das allgemeine Glück oder die allgemeine Nächstenliebe sind Resultate, welche vielleicht durch fortwährendes Wachsen der Moralität erreicht werden können (vielleicht auch nicht!). Nichts von den menschlichen Errungenschaften wieder fahren lassen und immer die jeweilige Höhe der Menschheit festhalten, das ist vielleicht eine Folge der allgemeinen Moralität (eine Begleit-Erscheinung); aber das, was die Menschen zu moralischen Handlungen treibt, jetzt treibt, sind nicht jene Resultate, noch weniger diese Folgen, auch etwas anderes, als das, was ursprünglich die Anerkennung moralischer Prädikate erzeugt hat. Der Ursprung der Moralität kann nicht im Moralischen liegen. Man hat also nicht zu verwechseln: erstens Resultate der Moral, zweitens Folgen der Moral, drittens Motive moralischer Handlungen, viertens Motive der Entstehung moralischer Begriffe. Und doch soll in den bisherigen Moralen Ein Ding, das “Princip,” für so verschiedene Dienste genügen.

3 [123]

193. Wir verehren, wo wir nicht begreifen, zum Beispiel bei alten Sitten, bei Worten, die mit feierlichem Tone gesprochen werden usw. Aber wir sollten unser Urtheil zurückhalten, wo wir nicht begreifen, damit der aufgethürmten Verehrung ohne Kern nicht noch mehr auf Erden werde: sieht doch unsere geistige Welt noch sehr ägyptisch aus, Wüste und ungeheure Pyramiden darin—und in den Pyramiden, meist unzugänglich, ein erbärmlicher Leichnam.

3 [124]

195. Plato mußte es noch erleben, daß die Lehre von den Ideen von einem helleren und umfänglicheren Geiste, als er war, widerlegt wurde: und der Widerlegende war noch jüngst sein Schüler gewesen. So lange die Denker ihre Erkenntnisse als ihre Erzeugnisse betrachten, so lange noch jene lächerliche Vater-Eitelkeit in ihnen wüthet, wird die Widerlegung die Dornenkrone der Philosophen sein—wie viele haben sie schon tragen müssen!—während ein Freund der Wahrheit, das heißt ein Feind des Betrogenwerdens, das heißt ein Freund der Unabhängigkeit, bei einer Widerlegung ausrufen sollte: ich bin einer großen Gefahr entronnen, fast hätte ich mich in meiner eigenen Schlinge erdrosselt. Einem so ingrimmigen und herrschsüchtigen Menschen, wie Schopenhauer war, kann man Glück wünschen, daß er es nicht errathen hat, wie kurz der Triumph seiner Philosophie sein solle und wie bald alle Prachtstücke seiner Erfindung als Trugbilder erkannt würden.

3 [125]

196. Sobald die Schulweisheit es sich träumen läßt, giebt es ein Ding mehr zwischen Himmel und Erde; wenn aber eine Wahrheit erkannt ist, so nimmt die Zahl solcher Dinge ab, und eine Anzahl angeblicher Sterne löscht aus. Freilich nicht etwa sogleich! sondern wie man von Sternen spricht, deren Lichtstrahlen uns erst erreichen nachdem sie längst schon zerfallen sind, so strahlen die Irrthümer noch lange ihren Glanz fort, nachdem sie widerlegt sind. Denkt man an die Kürze des Menschenlebens, so reicht auch wohl ein Irrthum aus, um das Leben vieler Geschlechter ganz in Licht zu tauchen; wenn endlich sein Glanz verbleicht und stirbt, so sind sie längst dahin und haben die äußerste Bitterkeit, die es giebt, nicht erfahren: den Stern erlöschen zu sehen.

3 [126]

197. Ein Übel geschehen lassen, das man hindern kann, heißt beinahe es thun, deshalb retten wir das Kind, das spielend auf den offenen Brunnen zuläuft, nehmen den Stein aus dem Wege, der auf eine glatte Bahn gefallen ist, stellen einen Stuhl zurecht, der umzufallen droht,—Alles nicht aus Mitleid, sondern weil wir uns hüten, Schaden anzurichten. Daran haben wir uns gewöhnt; was auch die Motive für diese Gewohnheit sein mögen, jetzt handeln wir nach Gewohnheit und nicht mehr nach jenen Motiven.

3 [127]

199. Wir können manches Wort einer fremden Sprache nicht nachsprechen, ja nicht einmal richtig hören; wir können manche Dinge nicht sehen, wenn wir nicht gelernt haben, die Theile zu sehen. Auch das Sprechen, Hören und Sehen muß gelernt werden; aber bei unserer ungenauen Beobachtung des Lernvorganges glauben wir in allen drei Fällen, der gute Wille genüge und setzen bei einem jungen Menschen, dem es mißlingt, bösen Willen voraus. Wie böse hat man sich die Menschheit dadurch gemacht, daß man ihr Unvermögen in den Willen verlegte.

3 [128]

201. Europa hat einen Exceß von orientalischer Moralität in sich wuchern lassen, wie die Juden ihn ausgedacht und ausempfunden haben. Man wird nicht das glücklichste und besonnenste Volk sein, wenn man derart im Moralischen ausschweift und es in’s Göttliche, Menschen-Unmögliche hineinverlegt. Sie sind viel gefangen und unterworfen gewesen, sie haben die orientalische Verachtung kennen gelernt dafür, daß sie in ihrem Glauben hartnäckig waren; sie haben sich gegen diesen Glauben so benommen wie asiatische Völker gegen ihre Fürsten, kriechend ergeben und voller Angst, auch nicht frei vom Gelüst der Unabhängigkeit: so bekamen sie eine unruhige, begehrliche, im Heimlichen sich schadlos haltende Phantasie, die Brutstätte jener sublimen anklägerischen Moralität und jenes wilden Heroismus, der sich ebenso in der Hingebung an ihren Heerführer Gott als in der Verachtung gegen sich selbst kund giebt. Das Christenthum hat vermöge seiner jüdischen Eigenschaften den Europäern jenes jüdische Unbehagen an sich selber gegeben, die Vorstellung von der inneren Unruhe als der menschlichen Normalität: daher die Flucht der Europäer vor sich selber, daher diese unerhörte Thätigkeit; sie stecken Kopf und Hände überallhin. Zudem ist es dem Christenthum gelungen, die rein orientalischen Gegentypen, den Anachoreten und den Mönch, als, die Vertreter eines “höheren Lebens” in Europa auftreten zu lassen; dadurch hat es eine falsche Kritik über alles andere Leben ausgesprochen und das Griechische in Europa unmöglich gemacht. Die Athener fühlten sich zwar als die unruhigsten Griechen: aber wie ruhig, wie voll von sich und anderen guten Dingen erscheinen sie neben uns! Sie wußten niemanden über sich und brauchten sich selbst nicht zu verachten.

3 [129]

202. Was ist denn die Phantasie? Eine gröbere, ungereinigte Vernunft,—eine Vernunft, die bei Vergleichungen und Einordnungen große Fehler macht, unstät im Tempo ist und von den Affekten hin- und hergegängelt wird: eine wilde und malerische Art der Vernunft, die Mutter der Scheinerkenntnisse und der “plötzlichen Erleuchtungen” (wo der Glanz einer Idee mit dem Lichte der Wahrheit verwechselt wird); beide, die Vernunft und die Phantasie sind gebärend, aber letztere wird leichter befruchtet und setzt vielmehr Mißgeburten und Mondkälber in die Welt. Vernunft ist eine Phantasie, welche durch Schaden klug geworden ist, vermöge des zunehmend besseren Sehens, Hörens und Sich-erinnerns.

3 [130]

203. Das allgemeine Gebot aller Sitten und Moralen heißt: denke nach und fürchte dich, beherrsche dich, verstelle dich.

3 [131]

204. Für die bisweilen sichtbar werdende Verdüsterung der Welt giebt es folgende Veranlassung: erstens die Kreuzung der Culturen, aus welcher viel Häßlichkeit entsteht; der beständige Anblick des Häßlichen macht düster: zweitens die moralische Phantastik des Christenthums, welche den menschlichen Handlungen nur die bösen Prädikate gelassen hat und eine Verherrlichung von Leben, Menschen, Handlungen eigentlich unmöglich machen wollte; wenn man niemals verherrlichen darf, wird man düster; drittens das Barbarische und Thierhafte, das uns zeitlich noch nicht fern genug liegt; viertens die Angst vor dem Individuellen und die Beargwöhnung desselben, weil die Gesellschaft ihrer selber nicht mehr sicher ist; fünftens die Angst vor dem Natürlichen, welche an die Stelle der früheren Angst vor der Natur getreten ist; sechstens die Vergleichung des Lebens mit imaginären Seligkeiten, von denen das Christenthum und die Dichter gesprochen haben; siebentens das übertriebene Gefühl der Verantwortlichkeit, welches alle indifferenten, kleinen und harmlosen Dinge wegstreicht und in jedem Falle so gehandelt wissen will, daß man damit einem Ankläger Stand halten kann.

3 [132]

205. Hat die Moral den Menschen wirklich mehr Glück oder Unglück gegeben? Und selbst, wenn man an Stelle von Glück “mehr Schmerzlosigkeit und geringere Schmerzen” setzt, kann man noch zweifelhaft bleiben; sie ist das Erzeugniß jener Zeiten, wo, dem Andern mit That und Urtheil wehe zu thun, eine viel größere Befriedigung brachte, als ihm eben damit wohl zu thun: die Zeit, wo man an böse Gottheiten glaubte. Die Freude an dem Wehethun durch moralische Urtheile stärkte immer den Hang zu schädlichen und grausamen Handlungen und wurde so selber die Veranlassung größeren Wehes, als das moralische Urtheil zu thun vermag.

3 [133]

206. Den moralischen und den religiösen Urtheilen ist gemeinsam: erstens der Glaube, die Erkenntniß der menschlichen Natur und des menschlichen Innern zu besitzen; zweitens beide leugnen es, nur einen lokalen und relativen Werth zu haben: wo sie auch nur erscheinen, so benehmen sie sich als absolute, allzeitlich gültige Urtheile; drittens beide glauben an Zugänge zur Erkenntniß, welche verschieden von denen sind, die die Wissenschaft kennt; viertens beide imaginiren Wesen, die nicht existiren, die religiösen Urtheile Götter, die moralischen Urtheile gute und böse Menschen und dergleichen; fünftens beide hassen die Untersuchung und sprechen von Schamlosigkeit und Schlimmerem, wenn man sie nackt sehen will; sechstens sie sind einander selber gemeinsam, sie haben sich mit einander verbunden, um sich zu stützen, und trennt man sie, so doch nie vollständig: die einen leben in den anderen weiter.

3 [134]

207. Höflich (hübsch), gentile, edel, vornehm, noble, généreux, courtoisie, gentleman—dies bezeichnet die Eigenschaften, welche man an der obersten Kaste wahrnahm und nachahmte; somit stammt ein guter Theil der Moralität wahrscheinlich aus den Instinkten dieser Klasse, als aus dem persönlichen Stolz und der Lust am Gehorsam gegen einen Chef, der Auszeichnung verleiht; sie verachten nach unten hin, sie achten nach oben hin und bei ihres Gleichen, sie verlangen selber aber von aller Welt (Ober-, Mittel- und Unterwelt) Achtung, sie gebärden sich als die bessere Hälfte der Menschheit. Dagegen bedeutete im Deutschen der schlichte Mann ehemals den schlechten Mann: so weit gieng das Mißtrauen gegen den, welcher nicht die künstlicheren Gebärden und Ausdrücke der guten Gesellschaft besaß.

3 [135]

208. Das Christenthum (und nicht nur die katholische Kirche) fährt fort, sich zu stellen, als ob es alles forderte, aber es ist sehr zufrieden, sehr dankbar, wenn es nur etwas erhält. In dieser Genügsamkeit ist jetzt auch der beste Christ, nach christlichem Maaße gemessen, schlimmer als ein Heide; er will weder für seinen Glauben leben, noch mit seinem Glauben sterben; er ist zufrieden, wenn man ihnen beiden ein Almosen giebt.

3 [136]

209. Stark empfinden, eine starke Empfindung lange anhalten lassen können und auf Einer Saite viele Melodien spielen—das macht die großen Pathetiker unter den großen Schriftstellern, zu denen auch Schopenhauer gehört: sie unterscheiden sich von den Philosophen, ob sich schon Schopenhauer zu diesen rechnete: sie wollen nämlich nicht um jeden Preis erkennen, sonder um jeden Preis ihr Lied singen.

3 [137]

210. Das Christenthum ist aus dem Judenthum hervorgegangen und aus nichts Anderem, aber es ist in die römische Welt hineingewachsen und hat Früchte hervorgetrieben, welche sowohl jüdisch als römisch sind. Dieses gekreuzte Christenthum hat im Katholicismus eine Form gefunden, bei der das römische Element zum Übergewicht gekommen ist: und im Protestantismus eine andere, bei der das jüdische Element vorherrscht; dies liegt nicht daran, daß die Germanen, die Träger der protestantischen Gesinnung, den Juden verwandter sind, sondern daß sie den Römern ferner stehen, als die katlolische Bevölkerung Süd-Europas.

3 [138]

211. Die moralischen Vorstellungen sind Genußmittel und Würzen, um derentwillen wir die nöthigen Handlungen leichter thun; ohne sie wären uns diese Handlungen widerlich oder langweilig.

3 [139]

212. Nicht an den Anderen denken, alles strengstens um seiner selber willen thun ist auch eine hohe Moralität. Der Mensch, hat so viel für sich zu thun, daß er immer fahrlässig ist, wenn er etwas für Andere thut. Weil so viel für Andere gethan wird, deshalb sieht die Welt so unvollkommen aus.

3 [140]

213. Ist nicht unsere Denkfreigeisterei als ein übertriebenes einseitiges Handeln aufzufassen, dem das Gegengewicht abhanden gekommen ist? Wird nicht auch der Künstler häufig durch sein künstlerisches Schaffen aus seinem Centrum geworfen? Sind nicht Sich-verhehlen, Sich-vergessen, Sich-verleugnen die Gefahren des fruchtbaren Einsamen?

3 [141]

214. Es ist selten, daß Einer, der berühmt geworden ist, nicht eben dadurch feige und närrisch geworden ist; die Anhänger als Masse hängen sich immer an seine Schwächen und Übertriebenheiten und haben leichtes Spiel, ihn zu überreden, daß hier seine Tugend, seine Bestimmung zu sehen sei. Ist jemals ein großer Mann von seinen Zeitgenossen darin erkannt worden, worin er groß ist? ist jemals ein berühmter Mann der Feind seiner Anhänger gewesen?— Schopenhauer war zum Narren seines Ruhmes geworden, bevor er ihn hatte.

3 [142]

218. Die größte Masse des Bösen wird aus Schwäche und Krankheit gethan, um sich das Gefühl der Überlegenheit zu schaffen (durch Wehethun), zum Ersatz des physischen Kraftgefühles. Schwäche und Krankheit aber haben ihre Wurzeln zumeist in der Unkenntniß.

3 [143]

219. Wenn uns die Freude der Anderen wehe thut, zum Beispiel wenn wir uns in tiefer Trauer befinden, so verhindern wir diese Freude, wir verbieten dann zum Beispiel den Kindern das Lachen. Sind wir dagegen froh, so ist uns der Schmerz der Anderen peinlich. Was ist denn Sympathie?

3 [144]

220. Die Gleichheit läßt das Glück der Einzelnen abnehmen, aber bahnt den Weg zur Schmerzlosigkeit Aller. Am Ende ihres Zieles stünde freilich neben der Schmerzlosigkeit auch die Glückslosigkeit.

3 [145]

221. Die Lüge und die Verstellung, welche innerhalb der Gemeinde groß gezüchtet werden, zur Herstellung der Gleichheit, ergeben zuletzt einen freien Überschuß, der sich in der Erzeugung von Dichtern und Schauspielern entladet. Man denke, welche Lust eine Gemeinde an der Aufschneiderei, Schimpferei, Taschenspielerei und ähnlichen Urkünsten hat.

3 [146]

226. Die Vaterlandsliebe nimmt ab, wenn das Vaterland aufhört, unglücklich zu sein.

3 [147]

227. Die Fanatiker haben zwar keine moralischen, wohl aber intellektuelle Gewissensbisse; sie nehmen an allen Andersdenkenden dafür Rache, daß sie selbst im Grunde und heimlich und unter ingrimmigem Schmerzgefühl—anders denken.

3 [148]

228. Die Natur benutzt das Gehirn, um dem Unterleibe eine Funktion zu erleichtern und umgekehrt.

3 [149]

229. Es giebt keine unmittelbare instinktive Furcht vor dem Tode; man flieht vor dem Schmerz, der an der Pforte des Todes steht, vor dem Unbekannten, zu dem der Tod führt und das er selber ist; man will sich noch oft freuen, deshalb will man leben, deshalb erträgt man auch das Leiden. Auch der Selbsterhaltungstrieb ist ein Stück Mytlologie.

3 [150]

230. Hier sind Menschen, welche alle Welt mit Musik trunken machen möchten und vermeinen, dann käme die Cultur; bisher aber kam auf die Trunkenheit immerdar etwas Anderes, als die Cultur.

3 [151]

232. Das Glück liegt in der Zunahme der Originalität, weshalb andere Zeiten als die unsere reichlicher davon gehabt haben mögen.— Die Wissenschaft ist das Mittel, die Nothwendigkeit der Erziehung zur Originalität zu beweisen.— Wenn das Herkommen und das cos fan tutti die Moralität ausmachen, so ist diese der Hemmschuh des Glücks.— Die Lehre, daß die Moralität das rechte Mittel zur Schmerzlosigkeit des Lebens sei, ist gewiß das Produkt sehr schmerzlicher Zeiten.— Wenn die Originalität tyrannisiren will, so legt sie die Hand an ihr eigenes Lebensprincip.— Freude an fremder Originalität haben, ohne der Affe derselben zu werden, wird vielleicht einmal das Zeichen einer neuen Cultur sein.

3 [152]

233. Keine Mythologie hat schädlichere Folgen gehabt, als die, welche von der Knechtschaft der Seele unter dem Körper spricht.

3 [153]

237. Die Moralität wirkt malerisch, wenn sie lange durch Unmoralität aufgestaut war.

3 [154]

238. Der Intellekt der jetzigen Menschen reichte wohl aus, um aus einem Chaos ein geordnetes Sonnensystem herzustellen, aber es fehlt ihm vielleicht die dazu nöthige Zeit und vor allem das Chaos; sicherlich wäre die Welt unendlich weiter, wenn der menschliche Intellekt an Stelle des Zufalls hätte schalten und walten dürfen, auch hätte er Milliarden von Jahren gespart.

3 [155]

240. Wer sich jetzt auf die Sitte beruft, als den Grund seiner Handlungsweise, sagt beinahe: ich bin abergläubisch, oder: ich bin tolerant,—aber ehemals hieß es: ich bin klug und gut.

3 [156]

241. Das Ziel der christlichen Moralität ist nicht das irdische Glück, sondern die irdische Unseligkeit. Das Ziel des praktischen Christen, der in der Welt steht, ist nicht der Welterfolg, sondern das Nicht-mehr-handeln-müssen oder sogar der Mißerfolg. Jene Unseligkeit und diese Mißerfolge sind die Mittel und Stufen zur Entweltlichung. Giebt es noch Christenthum? Es scheint, es ist schon am Ziele seiner Entweltlichung, nämlich zur Welt hinaus. Aber es hat, bevor es schied, an die Wand seine Schrift gemalt, und diese ist noch nicht verschwunden: die Welt ist verächtlich, die Welt ist böse, die Welt ist das Verderben.

3 [157]

242. Es vollzieht sich eine Reduktion des Gefühls von Moral: alle Faktoren dieses Gefühls, welche aus Einbildungen stammen, aus Verehrungen, wo nichts zu verehren war, aus Anhäufung der Achtung, weil die Kritik gegen das Geachtete fehlte, aus der nachbarlichen Dämmerung der Religion—alles dies wird allmählich subtrahirt werden und das Resultat wird sein, daß die Verbindlichkeit der Moral für die Thörichten abnimmt. Daraus ergiebt sich die Aufgabe, mit allen Kräften danach zu streben, daß die Thörichten abnehmen.

3 [158]

243. Gewiß ist unsere gegenwärtige Bildung etwas Erbärmliches, eine faulriechende Schüssel, in der lauter geschmacklose Brocken durch einander schwimmen, Brocken von Christenthum, von Wissen, von der Kunst, an denen sich nicht einmal Hunde satt essen könnten. Aber die Mittel gegen diese Bildung etwas aufzustellen, sind kaum weniger erbärmlich, nämlich christlicher Fanatismus oder wissenschaftlicher Fanatismus oder künstlerischer Fanatismus von Leuten, die kaum auf ihren Beinen stehen können, es ist, als ob man einen Mangel durch ein Laster curiren wolle. In Wahrheit erscheint aber die gegenwärtige Bildung erbärmlich, weil eine große Aufgabe vor ihr am Horizont aufgestiegen ist, nämlich die Revision aller Werthschätzungen; dazu bedarf es aber, noch bevor die sämmtlichen Dinge auf die Wage gelegt werden, der Wage selber—ich meine jene höchste Billigkeit der höchsten Intelligenz, welche im Fanatismus ihren Todfeind und in der jetzigen “allseitigen Bildung” ihren Affen und Vortänzer hat.

3 [159]

245. Wenn wir überall, wo der Christ sich seinen Gott wirkend denkt, den Zufall an die Stelle Gottes setzen, so bekommt man einen Überblick, wie sehr der Christ in der Summe seines Handelns die Welt entgeistet und dem Zufall wieder preisgiebt (zum Beispiel wenn er in Krankheiten den Arzt ablehnt). Die Religionen haben das Reich des Zufalls verlängert, das heißt dem Geiste seine Zeit und Kraft beschränkt.— So lange wir moralisch handeln, lassen wir den Zufall, daß wir in diesem Lande geboren sind und diese Menschen um uns haben, zum Gesetz über uns werden und entziehen uns dem Geiste, welcher nur das individuelle Beste sucht.

3 [160]

246. Wir Fliegen von einem Tage wollen nicht allzugefährlich und ängstlich mit unsern Gedanken thun; man kann ja mit ihnen nicht mehr die Seele eines Andern in ewige Gefahr bringen,—was das Mittelalter glaubte. Das Princip der Gedanken- und Preßfreiheit ruht auf dem Unglauben an die Unsterblichkeit.

3 [161]

247. Welches auch immer die Stufe der Gesittung, die Lage der Gesellschaft, der Grad der Erkenntniß sei: für das Individuum ist immer dabei eine Art glücklichen Lebens möglich,—das wollen ihm die Religion und die Moral aus der Nähe zeigen und anempfehlen. Ob das Gefühl des Glücks und die Unvermischtheit desselben mit Leid wirklich wächst mit Zunahme der Erkenntniß, Verbesserung der gesellschaftlichen Lage, Erleichterung des Lebens, ist zu bezweifeln, denn es gehen bei diesem Wachsthum immer Kräfte verloren oder werden schwach, denen man ehemals das Glücksgefühl vornehmlich dankte: die Sicherheit und die Verlängerung des Lebens, worauf sich unsere moderne Welt als ihre Errungenschaften so viel zu Gute thut, sind vielleicht durch Abnahme des Glücksgefühls als durch Zunahme erkauft worden. Die Cultur um des Glücks der Einzelnen willen fördern—das wäre dem nach eine sehr zweifelhafte und vielleicht thörichte Sache!—aber sind wir einmal irgendwie im Glück, so können wir gar nicht anders als die Cultur fördern! Das neue hohe Vertrauen auf uns, die Befriedigung an unserer Kraft, das Aufhören der Furcht vor Anderen, das Verlangen nach ihrer Nähe, der Ringkampf mit ihnen im Guten, der Überschuß an Vermögen, Werkzeugen, Kindern, Dienern, dessen wir bewußt werden,—in summa: jede Art von Glücksgefühl treibt uns in die Bahnen der höheren Cultur und in ihnen vorwärts. Noth dagegen bildet uns zurück, macht uns defensiv, argwöhnisch, in der Sitte abergläubisch und überstreng. Die Cultur ist eine allmähliche Folge vom Glück zahlloser Einzelner, nicht die Absicht dieser Einzelnen!— Je individueller der Einzelne wird, um so produktiver für die Cultur wird sein Glück sein, selbst wenn dessen Zeitdauer kürzer und dessen Intensität geringer und gebrochener sein sollte, als das Glück auf niedrigeren Culturstufen. Wenn man die Förderung der Cultur dem Glücklichen versagen wollte, um das Glück im Allgemeinen auf einem hohen Grade zu erhalten, so wäre das so thöricht als dem Seidenwurme das Spinnen zu verbieten um des Glücks der Seidenwürmer willen. Was hat man denn vom Glück jeder Art, wenn nicht eben aus ihm etwas zum Besten der Cultur thun zu müssen?— Glück ist gar nicht zu erhalten weder hoch, noch niedrig, wenn man seine nothwendigen Äußerungen unterbinden wollte. Also: die Cultur ist die Äußerung des Glücks.

3 [162]

248. Die Entstehung des kategorischen Imperativs ist nichts Erhebliches. Gewiß wollen die Meisten einen unbedingten Befehl, ein unbedingtes Gebot lieber als etwas Bedingtes: das Unbedingte erlaubt ihnen, den Intellekt aus dem Spiele zu lassen und ist ihrer Faulheit gemäßer; häufig entspricht es auch einem gewissen Hange zur Hartnäckigkeit und gefällt den Personen, welche sich ihres Charakters rühmen. Überhaupt gehört es in den Bereich des blinden militärischen Gehorsams, zu welchem die Menschen durch ihre Fürsten gezüchtet worden sind: sie glauben, daß es mehr Ordnung und Sicherheit giebt, wenn der Eine absolut herrscht, der Andere absolut gehorcht. So will man auch, daß der moralische Imperativ kategorisch sei, weil man meint, daß er so der Moralität am nützlichsten sei. Man will den kategorischen Imperativ: das heißt, es soll ein absoluter Herr durch den Willen Vieler geschaffen werden, welche sich vor sich und vor einander fürchten: er soll eine moralische Diktatur ausüben. Hätte man jene Furcht nicht, so hätte man keinen solchen Herrn nöthig.

3 [163]

249. Die Werke des deutschen Genie’s halten sich nicht, wenn sie in’s Ausland kommen: sie müssen wie die italiänischen Weine an Ort und Stelle getrunken werden.

3 [164]

250. Es ist die europäische Art des moralischen Idealismus, sich die moralischen Vorstellungen so hoch und so fein auszudichten, daß, wenn der Mensch von ihnen aus auf sein Handeln zurückblickt, er sich gedemüthigt fühlt. Diese Art Idealismus verträgt sich vorzüglich mit einem gewinnsüchtigen, rücksichtslosen, ehrgeizigen Leben, die Minute der Demuth ist Abschlagszahlung für ein Leben, welches mit jenem Idealismus nichts zu thun hat.

3 [165]

251. Was haben die Philosophen vom Glücke derer phantasirt, welche die Welt überwunden haben! Welche Wunder hat sich Schopenhauer über jenen Zustand eingeredet, wo der Mensch nicht mehr von seiner Geschlechtlichkeit incommodirt wird.

3 [166]

253. Geistesgegenwart: das heißt die Fähigkeit sich seine Worte und Handlungen durch die Umstände diktiren lassen,—ist also eine Fähigkeit zu lügen und zu heucheln.

3 [167]

254. Wenn die Lüge zu unserm Charakter stimmt, lügen wir am besten.

3 [168]

257. Es gab Götter, die das Unglück wollten, andere, die vor Unglück schützten, noch andere, die im Unglück trösteten.

3 [169]

259. Wo die Moralität am größten ist, da geht der Intellekt zu Grunde. Die Voraussetzung, daß der Nachbar uns betrügt, wo er kann, hält unsern Kopf in Spannung, und dies kann wie in italiänischen Städten mit Schelmerei geschehen, ohne daß wir dem Nachbar gram sind.

3 [170]

260. Die Ehrlichkeit verlangt, daß man anstatt der unbestimmten moralischen Worte von edlem Klange, wie sie üblich sind, nur die erkennbaren und in der Mischung überwiegenden Elemente bei Namen nenne, trotz dem Fehler der Unvollständigkeit und trotz dem, daß diese überwiegenden Elemente bisher einen bösen Klang hatten; aber wenigstens wird so ein falscher Heiligenschein zerstört. Man soll ein Ding a potiori nennen, und nicht a nihilo.

3 [171]

261. Wie soll man handeln? So, daß der Einzelne möglichst erhalten bleibt? Oder so, daß die Rasse möglichst erhalten bleibt? Oder so, daß durch unsere Rasse eine andere Rasse möglichst erhalten bleibt? Oder so, daß möglichst viel Leben erhalten bleibt? Oder so, daß die höchsten Gattungen des Lebens erhalten bleiben?

3 [172]

262. Die vollkommene Moralität ist die der Gerechtigkeit, welche jedem Ding das Seine giebt und nichts von Lohn, Strafe, Lob und Tadel weiß. In jeder ganzen Erkenntniß vollzieht sich diese vollkommene Moralität, jede Übung der Erkenntniß ist eine Übung dieser Moralität, und wenn sich selbst die Erkenntniß mit der gefährlichsten Kritik der moralischen Handlungen abgiebt, so ist sie dennoch ferne davon, dieselbe zu untergraben. Im Augenblick, da eine Erkenntniß zu Stande kommt, ist der Erkennende moralisch absolut vollkommen, an einer mangelhaften Erkenntniß sind gewöhnlich moralische Fehler mitbetheiligt, wie Ungeduld, Ungerechtigkeit, Neid, Hochmuth.— Aber verbergen wir es uns nicht: es giebt keine anderen als mangelhafte Erkenntnisse!

9, 3[1-172] Frühjahr 1880

3 [1]

Предисловие

Когда я недавно попытался ознакомиться со своими старыми, уже забытыми мною сочинениями, меня ужаснуло одно общее для них свойство: все они говорят языком фанатизма. Почти повсюду, где речь идет об инакомыслящих, явственно видны та кровожадность поношения и то упоение злобными выпадами, которые являются первыми признаками фанатизма, — признаками столь отвратительными, что я по одной только этой причине не смог бы дочитать до конца эти сочинения, если бы их автор был мне чуть менее знаком. Фанатизм портит характер, вкус и, в конце концов, здоровье — а тот, кто искренне желает вернуть себе все упомянутое, должен заранее готовиться к длительному лечению.

Рассказав о себе так много, да к тому же еще и не самого похвального (что хотя и не приветствуется, но все же традиционно дозволяется в предисловии), я, по крайней мере, имею право надеяться, что мои самые новые идеи, излагаемые мною в настоящей книге, будут прочитаны не без осторожности.

3 [2]

1. Нас легче приводят к краху наши преимущества, нежели наши недостатки, ведь в отношении последних мы ведем себя рассудительно, совершенно не так, как в отношении наших преимуществ.

3 [3]

2. В нас подходит к завершению один вид миросозерцания и одновременно начинается другой: ведь наше туманное воспитание в одно и то же время знакомит нас с разными типами миросозерцания, каждый из которых стремится в нас утвердиться.

3 [4]

3. Свою любовь к истине мы отчетливее всего проявляем в своем отношении к тем «истинам», которые другие считают таковыми; тут-то и обнаруживается, что мы любим на самом деле: истину или всего лишь самих себя.

3 [5]

5. Вот какова градация сострадания по мере его убывания: на первом месте сострадание к тому, что является нашей собственностью (ребенок; продукт нашего труда, имущество, женщина, слуга), на втором — к тому, чем мы жаждем обладать, на третьем — к тому, что похоже на нас, на четвертом — к тому, что нам знакомо. Характерная черта, отличающая сострадание от страдания, это горькая обида за то, что нашей собственности или тому, что выглядит как наша собственность, наносят какой-либо ущерб. Страдание врага доставляет нам удовольствие, как признак убывания силы нашей враждебности; по отношению к страданию чужака, не похожего на нас, мы испытываем нечто близкое к удовольствию, поскольку он кажется нам почти врагом, в то время как схожее с нами и знакомое нам вызывает в нас чувство, родственное чувству обладания.

3 [6]

8. Для грядущей эпохи, которую нам хотелось бы назвать пестрой и которой предстоит провести множество экспериментов над жизнью, будут характерны: во-первых, отказ от окончательных решений (в принципе, как только мы поймем, отчего мы прежде столь чудовищно переоценивали их, они тотчас же перестанут казаться нам значимыми); во-вторых, пристрастность по отношению ко всем традициям и ко всему, что связывает нас наподобие традиций; в-третьих, большая честность в выявлении так называемых пороков.

3 [7]

10. Существует предрассудок, будто пища, считающаяся целесообразной, является для человека и самой естественной и с самого начала должна была доставлять ему удовольствие; вероятно, многое из того, что человеку приходилось есть из нужды, изначально имело дурной вкус и было для него «неестественным» — но по мере привыкания такая пища стала привлекательной и приятной. Точно так же дело обстоит и со многими другими вещами, не имеющими отношения к пище: сначала имеет место принуждение — и лишь затем рождается удовольствие, причем зачастую достаточно поздно.

3 [8]

11. Человек самоуверенный притворяется гордым, но как раз гордость и лишена притворства (в отличие от тщеславия); следовательно, самоуверенность есть лишь лицемерие, скрывающее своеобразное отсутствие притворства, а в тех случаях, когда игра ведется мастерски, самоуверенность часто путают с гордостью.

3 [9]

12. Очевидно, люди по-прежнему стремятся ко всяким удовольствиям, но все же испытывают сомнения в тех случаях, когда такие удовольствия неизбежно влекут за собой пресыщенность и изнеможение; к таким дурманящим и изнуряющим видам удовольствия можно отнести, в зависимости от типа человека, такие чувства, как восторг, сострадание, экстаз, гнев, месть или опьянение алкоголем, опиумом, сексуальными удовольствиями и т.д. В конце концов, к числу самых ценных и желанных удовольствий относят не те, которые обладают высшей или очень слабой степенью интенсивности, а удовольствия среднего уровня, т.е. такие, которые длятся долго и не влекут за собой отвращения и, с другой стороны, более интенсивны, чем те, что дают небольшое удовольствие. В этом смысле правы Платон и Аристотель, считавшие радость познания наиболее желанной, — при условии, что они таким образом отразили свой собственный, а не некий обобщенный опыт: ведь для большинства людей удовольствие от познания относится к самым малым и ценится намного ниже, чем удовольствие, связанное с приемом пищи.

3 [10]

13. До того, как мы научились подходить к физиологическим состояниям с точки зрения физиологии, люди считали, что имеют дело с состояниями моральными. Следовательно, область морального чрезвычайно сузилась — и все еще продолжает сужаться: точно так же, как религия у древних охватывала более широкие сферы жизни, нежели у христиан-католиков, а протестанты, в свою очередь, еще больше сузили сферу влияния религии.

3 [11]

18. Природа зла, утверждает христианство; не следует ли из этого, что христианство противоречит природе? В противном случае оно, согласно своему собственному суждению, тоже должно быть злом.

3 [12]

21. В человеческих страстях проявляется зверь; для людей нет ничего более интересного, чем это возвращение в область непредсказуемого. Похоже, что разум изрядно наскучил им.

3 [13]

22. Мы заботливо защищаем и охраняем то, чем владеем; в свою очередь, то, что мы любим, к чему стремимся, т.е. чем жаждем обладать, мы защищаем с еще большим воодушевлением, потому что обладание еще не привело нас к разочарованию, мы им еще не пресытились. Чувство любви предполагает наличие чувства собственности.

3 [14]

25. Мы можем помочь своему ближнему, лишь отнеся его к определенной категории (больные, узники, нищие, художники, дети) и, таким образом, унизив; индивидууму помочь невозможно.

3 [15]

26. В Ризано (Далмация) падших женщин побивали камнями; еще в 1802 году австрийцы предотвратили подобный акт: тогда именно отец, предводительствовавший толпой, первым бросил камень. В городе Бискра, расположенном в Сахаре, все девушки из живущих по соседству племен, желая обогатиться, некоторое время занимаются проституцией; заработанные таким образом деньги они отдают своим родителям, и там сочли бы безнравственным, более того, непростительным, если бы кто-то не выказал таким способом свой пиетет.

3 [16]

27. Поскольку сострадание увеличивает одно горе в этом мире вдвое, в сто и даже в тысячу раз, то в глазах тех богов, которым поклоняются каннибалы и аскеты, оно, наверное, считается величайшей добродетелью.

3 [17]

30. Осуждающий отмежевывается от нас; он не питает к нам добрых чувств и не желает выказывать нам свое расположение: он предоставляет нам свободу, тогда как человек, восхваляющий нас, желает завладеть нами. Это должен иметь в виду всякий, кто желает познать самого себя и при этом сохранить независимость.

3 [18]

32. Образ ближнего, каким он нам обычно представляется, есть либо производное от той полноты чувств, которая жаждет разрядки, либо от пустоты, стремящейся к заполнению — это именно физиологическое состояние, для определения которого у нас нет точного слова.

3 [19]

33. Новым в нашем современном отношении к философии является убеждение, которого еще не было ни у одной эпохи: мы не владеем истиной. Люди всех предыдущих поколений «владели истиной», даже скептики.

3 [20]

34. Как же получилось, что в течение истории христианства к нищим духом, среди которых и из-за которых оно возникло, в конце концов присоединились умные и даже богатые духом? Христианство, как массовое движение плебса в римской империи, представляет собой восстание простых людей, необразованных, угнетенных, безумных, нищих, рабов, старых баб, трусливых мужчин и вообще всех тех, кто мог бы иметь причины для самоубийства, но не обладал мужеством для этого; они страстно искали средства, которое помогло бы им терпеть такую жизнь, считать ее достойной своего терпения, они нашли такое средство и предъявили его миру как свой собственный, новый вариант счастья. Счастье, возникшее таким образом, было величайшим парадоксом древнего мира; тогдашнее образование было слишком падким на парадоксы, чтобы не найти его весьма привлекательным. «Спасение идет от иудеев» — вот постулат, против которого ни один богатый духом человек Древнего мира не мог устоять. «Что ж, попытаем счастья с евреями», — сказал их внутренний голос, призвавший дух встать на сторону великого движения.

3 [21]

35. Наши близкие играют роль случайных причин в круговороте наших телесных и душевных функций, чтобы ускорить необходимые нам физиологические процессы.

3 [22]

37. Когда один человек зевает — а это неприятно — и другой человек тоже начинает зевать, мы имеем дело с простым примером проявления феномена сострадания. Но действительно ли при этом нарушается principium individuationis?

3 [23]

38. Та мораль, которой строжайшим образом требуют от каждого, почитают и провозглашают священной, мораль как основа социальной жизни — разве она не притворство, необходимое людям для того, чтобы сосуществовать без страха? (Так что один человек ведет себя как равный другому и одновременно позволяет себя использовать, как и сам использует другого.) По большей части подобное притворство уже вошло в нашу плоть и кровь, в наши мышцы, мы уже не ощущаем это как притворство, точно так же как не считаем притворством приветливые слова и вежливое выражение лица — хотя это и есть притворство. Самые распространенные виды притворства: первый — когда приспосабливаются к окружению, как бы скрываясь в нем; второй — когда подражают другому человеку, пользующемуся уважением и успехом, и выдают себя за нечто более высокое, чем в действительности. В первом случае мы следуем обычаю и становимся «нравственными», во втором — следуем за авторитетом и становимся «верующими»; в любом случае мы уже не вызываем страха: ведь теперь мы имеем множество «себе подобных».

3 [24]

43. Мы узнаем о притязаниях и мнениях других людей раньше, чем о своих собственных: последние становятся частью нашего организма благодаря длительной тренировке. Позднее, когда мы обретаем большую самостоятельность, мы тем не менее продолжаем соотносить свои осознанные суждения и поступки с тем, что в нас заложено, сравнивая или противясь этому, восставая или же примиряясь с ним.

3 [25]

45. Мораль и цивилизация имеют целью «меньше страдания», но отнюдь не «больше счастья».

3 [26]

46. Сердцу, наполненному мужеством и весельем, время от времени требуется некоторая толика опасности, в противном случае мир станет для него невыносим.

3 [27]

48. Сочинитель музыкальных драм должен всецело быть актером не только как поэт, но и как музыкант. Это неумолимо отделяет его от настоящего поэта и настоящего музыканта: в сравнении с каждым из них он представляет менее высокий жанр. Но как актер он может возвыситься до гениальности и стать вровень с ними.

3 [28]

53. Один человек, истолковывая свои поступки определенным образом, придает им в конце концов самоуверенный характер, другой же изначально поступает самоуверенно. Первый, дающий себе свободу и лишь под конец своих действий оглядывающийся на других, более высокомерен, нежели второй, но меньше него знает о сущности высокомерия.

3 [29]

56. Невозможно любить то, чего не знаешь, в противном случае любишь нечто иное, т.е. фантом, как это обычно и происходит. Разумеется, любовь — это все что угодно, но только не способ познания.

3 [30]

67. Чтобы фантазировать о сострадании так, как это делает Шопенгауэр, нужно быть знакомым с ним не на собственном опыте. Как раз в том, чем человек обделен, его идеалы приобретают фантастический характер.

3 [31]

68. Германия трижды оказывала влияние на Францию: в третьем столетии она принесла с собой дикие обычаи и варварское невежество; в эпоху Монтеня она принесла второе, возрожденное средневековье и религиозные войны, и в этом столетии она дала Франции немецкую философию, романтизм и пиво.

3 [32]

70. Светлый ум часто увлекал его на путь одиночества, где он был избавлен от людей; однако его сердце было для этого чересчур робким и нестерпимо сильно билось в его груди. Когда он уступал своему сердцу, он вновь смешивался с людьми, а его ум приходил в жалкое состояние.

3 [33]

74. Все, что мы делаем для себя, мы делаем ради других; но также и все, что мы делаем для других, мы делаем ради них. – Но это не «альтруизм»!

3 [34]

75. Подражание, обезьянничанье есть древнейшая, исконно присущая человеку привычка, доходящая до такой степени, что мы едим лишь те блюда, которые другие находят приятными. — Ни в одном животном нет столько от обезьяны, как в человеке. — Возможно, сюда же следует отнести человеческое сострадание, поскольку оно есть невольное внутреннее подражание.

3 [35]

77. Самые стеснительные девушки разгуливают полуголыми, если того требует мода, и даже увядшие старые женщины не рискуют противостоять требованиям моды, как бы умны и благонравны они ни были во всем прочем.

3 [36]

78. Сила желания, которой некоторые люди и культуры обладают в более высокой степени, чем другие, заключается в том, что мы располагаем приблизительно одинаковым количеством привычных внутренних механизмов и ценностных оценок: как только выдвигается на первую позицию какая-либо подвергаемая оценке вещь, тотчас же включается и соответствующий ей механизм. У других людей и эпох отсутствует такое количественное согласование механизмов и ценностных оценок. Они производят куда больше оценок, из которых ничего не вытекает, чем таких, которые, как принято говорить, оказывают «воздействие». При этом не следует забывать, что ценностная оценка никогда не бывает причиной действия: скорее уже существующие ассоциации автоматически приводят механизм в движение в тот момент, когда в мозгу возникает подвергаемое оценке представление; это закономерная последовательность, а не причина и следствие, точно так же как слово не является причиной понятия, возникающего в нашей голове, когда звучит это слово. — До настоящего времени эпохи, которым была свойственна воля, всегда были бедны идеями, хотя это и не обязательное правило.

3 [37]

79. Видимость данности и устойчивости в индивиде, видимость произвольных поступков, видимость абсолютного характера поступков, видимость абсолютной ценности определенных поступков (т.е. безгранично высокой ценности), — эти четыре заблуждения больше всего способствовали дальнейшему развитию морали.

3 [38]

80. Многие объясняли, почему религиозная вера уже не может быть устойчивой, однако еще никто не продемонстрировал, почему вера в мораль тоже утратила свою силу.

3 [39]

81. Брак дает людям, относящимся к различным типам, повод проявить различные виды морального героизма; я не знаю точно, не в этом ли следует видеть его высшую ценность. Одни не вступили бы в брак даже с любимым человеком, если бы церковь не дала на то своего благословения, другие, наоборот, отказались бы от брака, если бы вступление в него было поставлено в зависимость от церковного благословения, третьи находят повод для героизма в мысли, что однажды заключенный брак нерасторжим; Жорж Санд, напротив, вложила свое самое суровое и нравственное чувство в требование, чтобы брак обязательно длился лишь до тех пор, пока плотское единение обоих супругов сочетается с духовным восхищением друг другом.

3 [40]

82. Ошибка церковного отпущения грехов (а нередко и государственного наказания) состоит в том, что здесь «однажды» должно превратиться в «никогда». Если память о вине уже больше не мучит нас, тогда намного легче вступает в действие выработанный этой виной внутренний механизм, и уже нет препятствий для повторения старой песни. Поэтому среди католиков нередко встречаются благочестивые и неверные жены, ежедневно грешащие и ежедневно получающие отпущение грехов.

3 [41]

83. То неописуемое неудовольствие, которое столь часто вызывают у окружающих люди продуктивные, следует выдвинуть как ответный счет, после того как пройдут радость и душевный подъем, которыми отвечают на их труды. Их неумение владеть собой, завистливость, злонамеренность и неустойчивость характера превращают их в злых гениев человечества с той же легкостью, с какой они могли бы стать его благодетелями. В особенности отношение гениев друг к другу представляет собой одну из самых мрачных страниц в истории. Поклонение гению часто бывало не чем иным, как неосознанным поклонением дьяволу. Стоило бы подсчитать, скольким людям их принадлежность к ближнему кругу гения испортила характер и вкус. Великие люди, не совершающие великих дел, может быть, более необходимы, чем великие дела, ради которых приходится расплачиваться ценой человеческих душ. Впрочем, пока мы вряд ли понимаем, что такое великий человек без великих дел.

3 [42]

84. Шопенгауэр слишком рано заметил свою славу и был недостаточно горд, чтобы продолжать свое развитие вопреки провозглашенным им принципам. Он боялся потерять свою славу и предпочел сравнительную бесплодность постыдной необходимости противоречить самому себе.

3 [43]

87. Хваля или порицая, мы испытываем при этом страх. Порицая кого-то, мы хотим заставить других бояться нас; своей похвалой мы втайне желаем расположить к себе другого человека, примирить его с собой или же хотим сами перейти на сторону той силы, перед которой мы испытываем страх. — Однако похвала или порицание очень редко бывают искренними, прямо выражающими наш страх по отношению к какому-то лицу: куда чаще мы выражаем свой страх перед другими людьми не так, как ощущаем его, — из страха, который мы испытываем по отношению к третьему лицу. Обычно похвала и порицание — это страх, помноженный на страх.

3 [44]

91. Нравственность мужчин с возрастом убывает; в детском возрасте мы нравственны в высшей степени, так как не испытываем страха, окружены любовью и далеки от высокомерия. Нравственность женщин, которые всю свою жизнь проводят в таких же условиях, как и дети, именно по этой причине с годами скорее усиливается, чем убывает.

3 [45]

93. То, чего мы ожидаем, мы называем справедливым и уместным; то, что нас удивляет, представляется нам необычным, мы хвалим или порицаем. Первое, что мы ощущаем, испытывая удивление, — страх: похвала и порицание суть продукты страха. Напротив, все, что справедливо и уместно, заставляет нас испытывать удовлетворение, для ощущений оно нейтрально и способствует нравственному здоровью. — То, чего каждый ожидает от себя и других в любой ситуации, т.е. нечто в целом обычное для определенной культуры, не является таковым для другой культуры и вызывает удивление у ее представителей, побуждая к похвале или порицанию и в любом случае становясь предметом чересчур сильных чувств. Одни культуры не способны понять то, что сохраняет здоровье других культур. Ожидаемое, привычное, здоровое, нейтральное для ощущений — вот большая часть того, что любая культура считает для себя нравственным.

3 [46]

94. Если предположить, что мы постоянно ожидаем зла и внезапных неприятностей, из этого следует, что мы постоянно пребываем во враждебном напряжении, становимся невыносимы для окружающих и сами наносим урон своему здоровью; подобные натуры вымирают. Выжили в целом более довольные, исполненные надежд расы. — Тот, кто всегда ждет лишь дурного, сам становится злым, враждебным, недоверчивым, беспокойным; таково влияние пессимистического мышления.

3 [47]

95. Наука, желающая упразднить похвалу и порицание, хочет таким образом устранить удивление и заставить людей всегда ожидать только уместных и справедливых вещей; все кончится тем, что даже если начнется извержение вулкана, им придется говорить себе: это уместно и справедливо, иначе и быть не может; чему же тут удивляться?

3 [48]

96. Когда мы чувствуем, что делаем что-то с чрезмерной силой, тогда мы ощущаем себя свободными; когда само действие доставляет наслаждение и совершается не только ради приносящей удовольствие цели, появляется чувство свободы воли: хотя мы и желаем добиться цели, но эта цель не овладевает нами полностью, она лишь предоставляет нашей силе возможность для самостоятельного применения, и мы знаем, что для этого существует множество других возможностей. Поскольку мы несколько произвольно и не очень высоко оцениваем свою цель, мы не ощущаем себя ее рабами, т.е. мы ощущаем свое желание добиться цели, но при этом чувствуем себя свободными по отношению к ней.

3 [49]

99. На людей, часто сталкивающихся с неожиданностями – как возникающими изнутри, так и приходящими извне, – все, чего они могут спокойно ожидать, производит гуманизирующее воздействие; так, сюда можно отнести любую привычку, управляющую этими людьми и обществом, в котором они живут: ведь привычное не вызывает резкого напряжения и не требует немедленных ответных мер. Спонтанные, порывистые действия имеют почти такой же полудикий характер, как и резкое, энергичное преодоление – для таких состояний морально все привычное, спокойствие, терпение, обдумывание. Однако в другие эпохи, когда эти качества оказываются в избытке, страсти и порывистые поступки кажутся более моральными; можно сказать, что живущим в такие времена людям как бы дозволено заглянуть в глубины природы, отчего они чувствуют себя более смелыми, свободными, испытывают подъем; таким образом, спонтанность представляется им гуманизирующим началом, в то время как для других упомянутых выше людей она имеет обратное значение.

3 [50]

101. Существуют ли люди, которые восхищаются аффектами, презирают разумность и отметают моральные оценки? Среди людей деятельных, разумеется, нет; однако здесь и там иногда встречается художник, находящий рассудительность и нравственность недостаточно живописными: ему требуются люди с сильными контрастами.

3 [51]

102. Моральные суждения — это способ дать выход нашим аффектам более интеллектуальными средствами, в отличие от жестов или поступков. Бранное слово лучше, чем удар кулаком или плевок; лесть (похвала) лучше, чем поглаживание или облизывание (поцелуй); проклятие переадресует божеству или духу ту самую месть, которую зверь совершает по отношению к своему врагу самостоятельно. Посредством моральных суждений человек облегчает свою душу, дает выход аффекту. Уже одно только использование форм, присущих разуму, приносит определенное успокоение нашим нервам и мускулам; моральное суждение возникает в такие времена, когда аффекты начинают воспринимать как нечто излишнее, а жесты как чересчур грубое средство для выхода эмоций.

3 [52]

103. Внезапные аффекты — вот то, что со временем делает человека отвратительным. Христианство дало свободу внезапным аффектам, следовательно —

3 [53]

106. Простые католики низкого звания, ничего не знающие о добровольном воздержании, но зато очень много о вынужденном — отчего они и боготворят жизненные удовольствия, — видят в святых противоположность такого образа действий, в которой они ничего не понимают: они верят в святых, quia absurdus est. В наших протестантских странах, где в настоящее время моральное воспитание почти отсутствует или проводится совершенно бездумно, к святым относятся почти с таким же благоговением; люди думают об аскетизме как о чем-то сверхчеловеческом и забывают при этом, что составной частью всякой античной морали, не исключая эпикурейской, является аскетизм.

3 [54]

107. В первую очередь мы обучаемся не проникновению в суть вещей и людей, но лишь оценочным суждениям о вещах и людях, что препятствует доступу к истинному познанию. Для того чтобы обрести свободу, нужно было бы сначала опрокинуть все оценочные суждения с помощью радикального ценностного скепсиса.

3 [55]

108. Изысканная придворная культура эпохи Людовика XIV во многом требовала стоицизма; люди вынуждены были утаивать в своем сердце многочисленные душевные бури, скрывать усталость, прикрывать боль веселостью. Нашим привыкшим к удобству современникам подобный образ жизни показался бы слишком суровым.

3 [56]

109. Евреям свойственно прибегать к любым приемам в отношениях с людьми, при этом они доходят до самой границы личности и дают понять, что знают о ней. Это делает их назойливыми: ведь нам хотелось бы быть недосягаемыми для других и к тому же показать беспредельность своей личности. Евреи противодействуют этому несбыточному желанию непостижимости, свойственному как отдельным личностям, так и нациям, вызывая их чрезвычайную ненависть.

3 [57]

110. Теория познания — предмет страсти тех умников, которые слишком мало учились и мнят, что по крайней мере здесь каждый может начать все с чистого листа и что для этого достаточно «самоанализа».

3 [58]

113. Когда мы, несмотря на все свои усилия, уже не способны обозреть то благо, которое дает нам обладание, возникает любовь: безбрежное чувство в отношении чего-то безграничного; любовь не способна понять всю ценность какой-либо вещи или личности, потому что нет столь больших весов, на которых эту ценность можно было бы взвесить. Самое высокое из того, что нам известно, мы постоянно подвергаем сравнению; когда мы любим, мы постоянно думаем о самом высоком, а поскольку такие мысли всегда приходят нам на ум, когда мы думаем о предмете нашей любви, то мы, разумеется, путаем одно с другим.

3 [59]

114. Вместо того чтобы желать, чтобы другие знали нас такими, каковы мы есть, мы желаем, чтобы они думали о нас как можно лучше; таким образом, мы хотим, чтобы другие в нас обманывались, — значит, мы вовсе не гордимся своей неповторимостью.

3 [60]

115. Деградация многих людей имеет своей причиной то, что эти люди постоянно думают о представлении, сложившемся о них в умах других, т.е. принимают всерьез то, какое воздействие они оказывают, а не то, что оказывает такое воздействие: самих себя. Однако воздействие, которое мы оказываем, зависит от того, на что оно должно быть оказано, а следовательно, оно не в нашей власти. Отсюда и все многочисленные тревоги и недовольство.

3 [61]

116. Мрачные и горькие мысли не возникают без физиологических причин. Чтобы стать главным обвинителем эпохи или жизни вообще, нужно препарировать собственную печень.

3 [62]

117. Наши первые пылкие решения «за» или «против», принимая которые, мы с юности направляем свой жизненный челн, обыкновенно свидетельствуют о скверном воспитании, незрелости вкуса и скудности размышлений, в которой мы жили до сих пор.

3 [63]

121. Большие, широко открытые глаза имеет тот, кто привык сразу охватывать взглядом многое, т.е. ребенок, который часто удивляется, любящий, который хотел бы объять взглядом свое счастье, мыслитель, имеющий дело с множеством важных вещей и желающий их классифицировать; у других, думающих в основном о вещах малых, суженные острые глаза, они хотят видеть все как можно более точно, будто следя за движениями насекомого, – таков и человек недоверчивый. У страха глаза велики, так как в них отражается удивление, страх заставляет зоркий взгляд быстро менять свое направление, встревоженно ища источник опасности.

3 [64]

122. Наши ценностные оценки определяют наш образ жизни (место жительства, род занятий, круг общения и т.д.), а наш образ жизни определяет то, насколько сильно или слабо мы ощущаем боль или наслаждение, не только в вещах тонких и духовных, но даже и в самых низких, телесных. Кто изменяет ценностные оценки, тот опосредованно изменяет виды и градацию человеческих удовольствий и неудовольствий.

3 [65]

123. К средствам, способным умерить пылкие, несдержанные характеры, относится трагедия; она рекомендует ожидать покоя и внутренней свободы только в потустороннем мире — и таким образом попутно устраняет моральную неудовлетворенность подобных натур в отношении самих себя, будто говоря: не нужно огорчаться из-за того, что не удается достичь невозможного.

3 [66]

125. Все, что мы в наше время называем неморальным, уже считалось когда-то и где-то моральным. Кто же поручится нам, что оно не изменит когда-нибудь свое название еще раз?

3 [67]

128. Существует забавное определение комического: согласно Винэ, это наивность греха.

3 [68]

129. Общество должно быть уверены в себе настолько, чтобы переносить некоторое количество преступлений, не разрушаясь при этом как целое; точно так же государство должно быть устроено столь разумно и прочно, чтобы многочисленные неудачи и глупости его слуг не могли причинить ему существенного вреда.

3 [69]

130. Моральные оценки в отношении людей и вещей — средство утешить страждущих, угнетенных, терзаемых внутренними муками: своеобразный вид мести.

3 [70]

131. В течение целого тысячелетия свободомыслящие умы были не в состоянии представить себе нерелигиозное мышление; в настоящее время мы обладаем таким мышлением и, в свою очередь, не можем представить себе внеморальное мышление; люди следующих эпох, вероятно, будут обладать и таким мышлением.

3 [71]

132. Наука постоянно выдвигает требования, например к здоровью и воспитанию: она обосновывает их ссылкой на вредные последствия в случае пренебрежения ими; точно так же в прежние времена законодатели морали обосновывали свои требования, с той лишь разницей, что последствия от пренебрежения ими проистекали не из естественных причин, но были, как предполагалось, произвольным актом божественного наказания. По отношению к последствиям человеческих поступков народная мораль не различает естественной причинной связи, она знает лишь чудеса.

3 [72]

133. Тот, кому общепринятые предрассудки не начинают казаться парадоксальными, недостаточно предавался размышлениям.

3 [73]

134. Достойно сожаления, что Иисус Христос не прожил дольше; возможно, он стал бы первым отступником от своего учения и тогда, быть может, научился бы смеху и не плакал бы так часто.

3 [74]

135. Средства утешения, которые придумали для себя нищие и рабы, суть идеи, возникшие в умах людей плохо питавшихся, изнуренных или чрезмерно раздраженных; сообразно с этим и следует судить о христианстве и социалистических фантазмах.

3 [75]

136. во-первых: покончить с наказанием; во-вторых: покончить с грехом; в-третьих: покончить с моральными измерениями и взвешиваниями.

3 [76]

137. Похоже, что многочисленные преступления порождает та же сила, из которой рождается пессимистический образ мышления; и то, и другое есть высвобождение этой силы через поступки.

3 [77]

138. Сколько болезней все еще существует на свете! Сколько изнеможения вследствие чрезмерных усилий! Сколько злобной скуки!—и во всех этих состояниях размышляют и судят — о самих себе, о других людях, о ценности всего сущего. Вывод: сколько же еще должно быть пессимизма!

3 [78]

139. Как? истина проста? — Правдивый человек прост, но истина очень, очень сложна.

3 [79]

140. В исключительных обстоятельствах человек полагает, что стоит ближе к истине, в минуты высшего возбуждения он приписывает себе сверхчеловеческие способности — и все же такие состояния и волнения менее всего пригодны для познания какого-либо предмета, но зато человека посещают видения, он видит духов, седьмое небо и адские пропасти. Вот откуда религия и большая часть метафизики. — И с такими вот порождениями полубезумного ума наука должна примириться?

3 [80]

141. Мы забыли диких зверей: были целые тысячелетия, когда люди думали о них во сне и наяву.

3 [81]

143. В будущем появятся: 1. многочисленные учреждения, куда человек будет время от времени отправляться, чтобы полечить свою душу; здесь будут вести борьбу с гневом, там — со сластолюбием и т.д.; 2. разнообразные средства от скуки; в любое время можно будет послушать чтецов и тому подобное; 3. праздники, в которых для общей цели соединится множество отдельных изобретений, поскольку люди, собирающиеся на праздник, должны будут и сами привнести в него свою долю изобретательности; 4. отдельные люди и целые группы дадут клятву никогда не прибегать к помощи суда.

3 [82]

145. Суммы всех духовных сил, которые люди тратят на борьбу со злом, им не хватает для изобретения радости, поэтому до наших дней человечество в целом не добилось большего, чем изобретение средств утешения; возможно, науке удастся наконец-то уничтожить монстров, а напоследок придется еще и ликвидировать те средства утешения, которые за долгое время своего существования сами превратились в монстров.

3 [83]

146. Пессимистические воззрения сдерживают выражение чувств с помощью жестов, они рекомендуют притворство, в частности симуляцию невероятного искажения (чтобы вызвать страх), они требуют того, чтобы душа, находящаяся в состоянии возбуждения, не искала своего выражения в слове, короче говоря, пессимизм обезображивает человека в его жестах и речи. Презрение обезображивает точно так же, как и страх.

3 [84]

148. То, чего в наше время требует воспитание — не обнаруживать наши душевные переживания, — является долговременным последствием страха: люди не должны видеть то, что происходит внутри нас; при этом предполагается, что происходящее внутри нас всегда дурно, или что тем самым мы даем хороший шанс своим врагам. Изысканное притворство, стоицизм, выражающиеся в застывшей учтивой мимике, связаны с нашим предположением о том, что окружающие злы: они не должны узнать о нас, иначе это принесет нам вред.

3 [85]

149. Чтобы не делать ошибки, рассматривая отношение родителей к своим детям, т.е. инстинкт сохранения рода, как исходный пункт совершенно новой цепочки так называемых неэгоистических мотивов, следует предъявить следующие гипотезы: низшая форма инстинкта сохранения вида обнаруживается у некоторых видов рыб, охраняющих свою икру и отгоняющих врагов. Я предполагаю, что здесь, как и в других случаях из жизни животного мира, родители видят в икре и мальках пищу, которую необходимо сохранять и защищать; часто бывает, что животные действительно питаются ими. Те виды, которые более всего охраняют и заботятся о пище такого рода, имеют наилучшие перспективы для размножения, а привычка заботиться о кладке и молодняке, передается по наследству и проявляется все сильнее, превращаясь в конечном итоге в могучий и самостоятельный инстинкт, тогда как первоначальный его мотив уходит в забвение.

3 [86]

150. Сострадание усиливается, если его первостепенным результатом являются приятные ощущения; оно уменьшается, если приносит больше страданий, чем удовольствия. Если постоянно видеть страдающих людей, сострадание неуклонно уменьшается, и наоборот, мы становимся более чувствительными к чужому страданию, чем больше мы разделяем чужую радость. — Наибольшее сострадание испытывают те люди, которые часто ощущают внутреннее удовольствие: всякое противоречие причиняет им боль; неудачники и воины жестоки.

3 [87]

151. Кто окрасил мир в такие краски, кто окунул его в пылающий свет? Это сделали люди, испытывавшие духовные судороги, предельный страх и восторг и глубокую подавленность: медики, трагики, святые и т.д.; их боялись; им верили, потому что они того хотели, ведь они были ужасны.

3 [88]

152. Животные одного вида часто щадят друг друга, не потому что ими движет бесподобный инстинкт сочувствия, а потому что они чувствуют, что обладают равной силой, и не рассматривают друг друга как гарантированную добычу; они стараются жить, употребляя в пищу животных другого вида и воздерживаясь от поедания своих. Так вырабатывается привычка не принимать друг друга во внимание, в конечном счете начинается сближение и тому подобное. Уже само намерение привлечь к себе самку или самца может заставить животных вести себя в отношении своего вида так, чтобы казаться не страшным, а безобидным. В рыцарские времена чем более высокомерно вел себя мужчина по отношению к другим мужчинам, чем больший страх внушал им, тем более учтивым и благосклонным он был с женщинами; только так он привлекал самку.

3 [89]

153. Тот безудержный, фантастический пафос, с которым мы даем оценки самым необычным поступкам, оборачивается абсурдным равнодушием и презрением, которыми мы встречаем поступки незначительные и заурядные. Мы помешаны на редком и тем самым обесцениваем наш насущный хлеб.

3 [90]

154. У большинства хватает духа лишь тогда, когда они находятся в воинственном настроении, т.е. при нападении, когда они чувствуют страх, защищаются, мстят, — но как только такое состояние проходит, они впадают в отупение. Требуются огромные душевные силы, чтобы их достало и на благополучные состояния.

3 [91]

155. То, что существует, не может иметь волю к существованию; то, чего не существует, также не способно на это. Следовательно, нет никакой воли к существованию. Это всего лишь дурной и противоречивый набор слов. Скорее стоило бы понимать это так: воля к долгому, или высшему, или к иному существованию. — Воля есть представление о ценимом нами предмете в сочетании с надеждой на то, что мы сможем завладеть им. «Struggle for existence»?

3 [92]

156. Если бы не продолжалось действие древнего jus talionis, то казни подвергали бы, разумеется, не убийцу, а, соответственно тезису, что честь дороже жизни, человека, посягнувшего на честь, клеветника. Точно так же болезненное увечье и подобные ему вещи приносят более тяжкие страдания, чем смерть; поэтому следовало бы казнить скорее жестокого человека, чем убийцу, а также недобросовестного врача, повивальную бабку и т.д. Итак, поскольку человек, повинный во многих смертях, опасней, чем убийца, то казни следовало бы подвергнуть всех правителей, министров, народных ораторов и газетных писак, разжигающих и поддерживающих войны; разумеется, я имею в виду несправедливые войны, хотя мне могут и возразить, что несправедливых войн не бывает.

3 [93]

157. Моральные предписания возникли в те времена, когда о природе, народах и человеке было известно куда меньше, чем в наше время. Невежество и ложные предпосылки причислены, благодаря торжественной неприкосновенности морали, к прочим святыням.

3 [94]

158. Когда говорят: это полезно, а то вредно — этот тезис должен быть доказательным в своих последствиях, т.е. он постоянно подвергается проверке и, в зависимости от ее результатов, совершенствуется или отбрасывается. Когда же мы говорим: это нравственно — мы полагаем, будто сказали нечто такое, что не только не требует доказательств, но и не может быть доказано тем, что из этого следует. Поэтому вещи вредоносные столь долго сохраняются под вывеской «нравственности».

3 [95]

159. Некоторые чересчур трусливые государственные мужи могут делать все, что угодно, — на них всегда останется пятно: точно так же, как некоторые люди не могут разбить яйцо, не запачкавшись.

3 [96]

160. Жизнь ради будущего — вот вывод из той морали, для которой вся жизнь, т.е. сумма всех настоящих моментов, есть глупость, суета и неприятности. Жизнь ради других — итог такой морали, которая позволяет произвольно распоряжаться другими людьми, в то время как сам человек ради достижения своей благой цели, не раздумывая, предается всем слабостям своего ума и сердца.

3 [97]

161. Почему мораль оказывала вредное воздействие? Потому что она, в своем аскетизме долга, мужества, прилежания, верности и т.д., презирала телесное. Я имею в виду неразрывно связанное с религией положение, что стремление к удовольствию божеству неугодно, а стремление к страданию ему угодно. Проповедь страдания, отказ от удовольствий — во всех типах морали (за исключением эпикурейской), это значит, что до наших дней мораль была средством, предназначенным для того, чтобы помешать развитию физиологической основы человека, — лишь из-за своей слабости морали не удалось разрушить эту основу; она была ужасной игральной костью в большой игре. — Мы должны забыть о совести в том виде, какому нас учили. — В целом великой сохраняющей силой, одержавшей верх над моралью, было то, что они называли злом, стремление индивидуума самостоятельно утвердиться, не считаясь ни с какими учениями, чувствовать себя комфортно, искать наслаждений, подчинять сиюминутные потребности более отдаленным, тогда как мораль не только различает среди них потребности высокие и низкие, но и учит нас презирать, а нередко и проклинать эти последние (так называемые чувственные удовольствия).

3 [98]

162. Чем шире распространяется чувство единства с ближними, тем большей унификации подвергаются люди, тем сильнее они воспринимают любую непохожесть как нечто неморальное. Так неизбежно возникает человечество, состоящее из песчинок: все чрезвычайно одинаковы, чрезвычайно малы, чрезвычайно округлы, чрезвычайно миролюбивы, чрезвычайно скучны. До сих пор христианство и демократия далее всего продвинули человечество на его пути к песку. Мелкое, слабое, едва брезжащее, равномерно охватывающее всех чувство комфорта, улучшенная и доведенная до крайности форма китайства — не такую ли картину могло бы в конечном счете являть собой человечество? На том пути моральных ощущений, которым оно шло до сих пор, это неизбежно. Следует серьезно подумать, не должно ли человечество подвести черту под своим прошлым; может быть, ему стоит создать новые принципы, адресованные каждому в отдельности: будь не таким, как все остальные, радуйся тому, что каждый не похож на другого; конечно, при господстве прежней морали были истреблены самые ужасные чудовища — в этом и заключалась ее задача; мы же не желаем бездумно жить дальше под властью страха перед дикими зверями. Долго, слишком долго существовало правило: один как все, один за всех.

3 [99]

163. Что бы ни произошло, говорить: бог этого не допустил бы, если бы это не шло мне на пользу, — из-за такого чудесного ребячества человечество уже не единожды могло бы погибнуть. По счастью всегда существовали люди, которые были недостаточно христианами, чтобы успокаивать себя столь наивным способом.

3 [100]

164. Если бы целью каждого поступка было всеобщее счастье, то каждому человеку в отдельности пришлось бы отказаться по-настоящему совершить в своей жизни хотя бы один поступок: мысль о том, будет ли его намерение способствовать высшему благу всех современных и будущих поколений, поглотила бы всю его жизнь. Христианство объявило ближнего конечной целью наших поступков и предоставило богу решать, кто должен быть нашим ближним; тот, для кого такой религиозный путь решения вопроса закрыт, должен был бы сказать: я не желаю удовольствоваться первым попавшимся ближним в качестве объекта для своих поступков, но хочу отыскать тех, для кого мои поступки больше всего подходят, кому они действительно могут принести пользу. Правда, для этого следовало бы знать своего ближнего так же хорошо, как самого себя, а это, в свою очередь, могло бы поглотить всю жизнь.

3 [101]

165. Предписания, указывающие как нужно поступать, тем менее подлежат обсуждению, чем сильнее сознание предписывающего преобладает над сознанием совершающего поступки. Поскольку никто, кроме предписывающего, не знает точно, каких результатов он ожидает от поступков, значит и те результаты, которые в действительности следуют из предписаний, также не подлежат обсуждению. Так относится религиозный человек к заповеди бога, а человек моральный к нравственному закону — наследие тех времен, когда существовал один предводитель и беспрекословно подчиняющиеся ему сторонники, видевшие в нем свой разум и без него не имевшие такового.

3 [102]

166. Метафизический пессимист, бегущий от удовольствий и надежности и придающий несчастью и страданию высшую ценность — чтобы подчеркнуть, сколь малоценна жизнь, — отчего бы ему испытывать сострадание, когда страдает другой? Ему следовало бы лишь радоваться этому, точно так же, как он должен был бы отвергнуть сострадание, если бы сам был в беде; с другой стороны, ему следовало бы, увидев радость другого человека, лишь скорбеть о нем и постараться отравить ему удовольствие, — вот так должна была бы выглядеть практическая мораль Шопенгауэра. Сострадание, как его описывает Шопенгауэр, с его точки зрения есть не что иное, как перверсия в чистом виде, наиболее основательная из всех возможных глупостей.

3 [103]

168. Я не могу объяснить, как получилось, что из всех наций именно евреи превыше всего ценили нравственное превосходство как теоретически, так и практически. Только им удался Иисус из Назарета, святой бог и грехопадение. Вдобавок и пророк, и спаситель — все это их изобретения.

3 [104]

169. Римлянам была ненавистна в евреях не их раса, а подозрительный в их глазах вид суеверия и прежде всего энергия веры (римляне, как все южане, относились к вере небрежно или скептически и строги были лишь в соблюдении обрядов). В евреях их возмущало то же, что и в христианах: отсутствие изображений божества, так называемая одухотворенность их религии, сама религия, страшащаяся света, с богом, который не может показаться людям, — все это вызывало недоверие, а еще больше — распространявшиеся слухи о пасхальном агнце, о том, что они едят плоть, пьют кровь и т.п. — In summa: образованные люди в то время думали, что евреи и христиане тайные каннибалы. Кроме того считалось, что они искренне верят во всякую чушь, римляне презирали неумеренность евреев и христиан в вере; именно еврей в Христе в первую очередь и требовал веры; образованные люди того времени, из-за которых перессорились все философские системы, находили это требование веры несносным. «Credat Judaeus Apella» (Гораций).

3 [105]

170. Христианство 1) считает возможным основательно усовершенствовать природу человека, не совершенствуя его знаний и не улучшая состояния общества; 2) его цель — отказ от мира, а не развитие мира; 3) оно предпочитает страдание и уныние и возбуждает неприязнь к довольству; 4) знанию оно предпочитает веру, а пониманию — непостижимость и внушает недоверие к разуму; 5) оно не принимает во внимание пол, сословие, народ, для него эти различия несущественны; если же эти различия являются причиной бедствий, тогда оно предпочитает сохранить их ради самих бедствий и их благого воздействия; 6) оно не сомневается в глубокой испорченности всех вещей и людей и считает их гибель неизбежной; оно не желает предотвращать эту гибель и хочет внушить себе отвращение к миру. — Если бы христианство во всей его силе стало господствующей религией, если бы ему не противодействовали никакие силы, то оно за короткий промежуток времени привело бы к гибели весь род человеческий: ведь оно отнимает у человека здоровье, радость, доверие, мечты о будущем мира (а значит, и деятельность). С этими выводами согласны и некоторые отцы церкви: в этом они не видят повода для упреков или возражений.

3 [106]

172. Христианское сострадание, в отличие от сострадания индийцев и их ученика Шопенгауэра, возникает при мысли о вечном проклятии другого, немилости бога, недостатке веры, наслаждении земным, изобилии дьявольских уловок, незримо окружающих не-христиан, к примеру, некрещеных варваров; это жалость по отношению к обманчивости счастья или к заблуждению, в которое впадают другие, оплакивая свое несчастье; одним словом, это сострадание к невежеству и заблуждению, но не к страданию — то есть не со-страдание как таковое.

3 [107]

173. Почти повсюду на земле, где стоит или стояла церковь или храм, когда-то происходило чудо, я хочу сказать, гриб сакральной архитектуры бурно прорастает везде, где религиозный человек сталкивался с мелким помешательством. Сооружал ли когда-нибудь человек свои постройки там, где его впервые озарил свет великой истины? полагаю, что нет; да и зачем, ведь такая истина жаждет критики, а не поклонения.

3 [108]

175. Кажется, будто поэт постоянно открывает пути к новому или лучшему познанию природы и вещей, связанных с человеком: прежде чем мы успеваем как следует понять, что в данный момент нас так привлекает всего лишь обманчивый свет, наше сознание уже дразнит следующий. Сравнения, метафоры поэта используются им вовсе не как таковые, но как новые, доселе неслыханные тождества, при помощи которых будто бы открывается царство познания. Чем меньше ясности в том, что доказуемо и действительно существует в природе, тем сильнее влияние поэта, тем большее артистическое искусство требуется от него, чтобы на время принять облик первооткрывателя тайн природы. Вопрос о том, насколько высказывания поэта соответствуют истине, — это вопрос педанта. Вся ценность заключается как раз в том, что сказанное всего лишь на одно мгновение кажется истинным, это относится ко всему его взгляду на мир, его моральному строю, его моральным сентенциям в той же степени, как и к его сравнениям, характерам и сюжетам. Пытаться подкрепить свойственное науке серьезное мнение тем аргументом, что какой-то автор трагедии сказал нечто похожее — глупость: в вещах, имеющих отношение к познанию, поэты всегда неправы, потому что они, как художники, желают ввести в заблуждение, и, будучи художниками, вообще не понимают стремления к высшей правдивости; когда же они случайно говорят нечто соответствующее истине, то их авторитет все же не того свойства, чтобы заставить верить или даже не верить. Какое наслаждение, что жажда познания тоже временами играет сама с собой и скачет с ветки на ветку в уборе из приятных мелодий и пестрых перышек, — а мы должны оставаться в дураках и ждать оракула там, где поет и выводит рулады птичка!

3 [109]

176. Здесь один поступок ценится за то, что совершающему его он дается с трудом, там — другой за то, что он дается ему легко, там — потому что он редок, а там — потому что отвечает правилу, там — потому что судящий втайне считает его неосуществимым, тут — потому что судящий считает его в принципе невозможным (чудо), там — потому что он считается полезным, тут — потому что не считается с выгодой, там — потому что человек заботится о своем благе, тут — потому что он о нем не заботится, там — потому что он отвечает долгу, тут — потому что он соответствует склонностям человека, там — потому что был совершен без оглядки на них, тут — потому что он инстинктивен, там — потому что он проявление истинного разума, — и все это при случае называют нравственным! В наше время мы одновременно пользуемся мерками самых разных культур и благодаря этому можем назвать едва ли не любую вещь нравственной или безнравственной, как нам заблагорассудится, в зависимости от того, проявляем ли мы по отношению к окружающим или к самим себе добрую или злую волю; сейчас мораль являет собой большой ареал для похвалы и порицания — но зачем же вечно хвалить и порицать? Если бы можно было от этого отказаться, то не было бы больше нужды и в этом ареале.

3 [110]

177. Мрачная серьезность, напряженность и страх свойственны всем страстям: в них нет избытка жизни, более того, кажется, что им ее не хватает.

3 [111]

179. Теперь заботятся прежде всего о сохранении человеческой жизни, это придает нашей культуре оттенок малодушия и свойственной старикам жажды долгой жизни; в прежние времена, когда можно было лишиться жизни при гораздо более случайных обстоятельствах, чем сейчас, добродетель состояла в том, что люди легко расставались с жизнью, а многие другие вещи ценились куда выше.

3 [112]

180. Современная жизнь стремится как можно лучше защититься от любых опасностей — но вместе с опасностями пропадает столько живости, задора и инициативы; наши грубые вспомогательные средства — революции и войны.

3 [113]

181. С помощью подаяния мы поддерживаем состояние, действующее как мотив для него, следовательно, мы подаем не из сострадания, ведь сострадание не пожелало бы сохранять такое состояние.

3 [114]

182. Избыток сил жаждет битвы и в ней обретает злость; но злость здесь всего лишь средство (для разрядки), и поэтому она более безвредна, чем у слабого человека, который зол для того, чтобы причинить боль.

3 [115]

183. Тот, кто желает утверждать, будто германец был создан и изначально предназначен для христианства, должен иметь изрядную долю наглости, ведь не только верно, но и очевидно обратное. С какой стати изобретение двух превосходных евреев, Иисуса и Савла, двух, быть может, самых еврейских из когда-либо живших евреев, должно было именно германцам стать более близким, чем другим народам? (Оба считали, что судьба каждого человека во все времена до и после них, равно как и судьба земли, солнца и звезд, зависит от одного еврейского события; эта вера есть еврейский non plus ultra.) Как сочетается высшая моральная изощренность, отточившая разум раввинов, а не бездельников-варваров, и сумевшая выдумать святого бога и грех перед ним, как сочетается чувство несвободы и рабства в безмерно тщеславном народце, его ожидание спасителя и исполнителя всех надежд, иерархия священников и простонародный аскетизм, ощущаемая во всем близость пустыни, а вовсе не населенного медведями леса, — как сочетается все это с ленивым и одновременно воинственным и алчным германцем, с этим чувственно холодным любителем охоты и пива, который смог подняться лишь до уровня плохой религии индейцев и еще десять столетий назад убивал людей на жертвенных камнях?

3 [116]

184. Не развращенность нравов — она распространялась лишь на пять-десять городов огромной империи, — а повсеместная усталость и разочарование в отношении культуры и государственных форм, ввиду того, что цель считалась достигнутой, привели старый мир в ловушку христианства: люди предпочитают скорее погибнуть, чем сознавать близость конца, мысль о выживании как единственной цели в жизни для них невыносима; они устали от мира и самих себя. Христианство вновь сделало все интересным, перевернув все представления о ценностях и назначив суд после конца всех вещей.

3 [117]

185. Христианство похоже на панику, вызванную эпидемией; было предсказано, что в скором времени земля погибнет. За мысль об этой страшной опасности цеплялись другие, связанные с этим мысли: погибель — за что? за наши грехи? значит, будет суд? но где же защитник? и пр. В конце концов сочли наиболее благоразумным явиться на место казни так, как это было принято в античности, т.е. в самом жалком и вызывающем сострадание виде. Этот образ обвиняемого времен античности позднее заимствуют отшельники: они желают быть готовыми к суду в любое мгновенье, а представление, что суд может нагрянуть внезапно, заставило их выдумать все, что помогло бы человеку выглядеть достойным жалости; подобно римскому претору, бог не сможет вынести такого зрелища и счесть виновным столь жалкое и безмерно страдающее существо. Христианство знает лишь виновного, лишенного чувства собственного достоинства.

3 [118]

187. Поэт заставляет жажду познания играть, музыкант же дает ей отдохнуть,— может ли действительно существовать одновременно и то, и другое? Когда мы полностью находимся во власти музыки, слова в нашей голове исчезают,— безмерное облегчение; как только мы вновь начинаем слышать слова и строить умозаключения, т.е. как только мы начинаем понимать текст, наше восприятие музыки становится поверхностным: мы уже связываем ее с понятиями, сверяем ее с чувствами и упражняемся в понимании символов,— весьма занимательно! Но странное, глубокое очарование, однажды давшее отдохновение нашим мыслям, тот красочный полумрак, который на мгновение заставил померкнуть дневную ясность мыслей, исчезли. — Правда, как только мы перестаем понимать слова, все снова приходит в порядок: к счастью, это входит в правило; все же скверные тексты предпочтительнее хороших, поскольку они не привлекают к себе внимания и их легко пропускать мимо ушей. — Опера стремится также дать пищу для глаз, а поскольку у большинства людей глаза больше, чем уши, что говорит о многом, то оперная музыка подлаживается под зрительное восприятие и ограничивается характерными фанфарами при появлении на сцене чего-то нового,— вот начало варварства.

3 [119]

189. Девушка, отдающая свою невинность прежде, чем мужчина торжественно, при свидетелях поклянется, что не расстанется с ней всю свою жизнь, считается не только неблагоразумной: ее называют безнравственной. Ведь она не следовала обычаю, она была не только неблагоразумна, но и непослушна, поскольку знала, чего требует обычай. Там, где обычай этого не требует, поведение девушки в подобном случае не считается безнравственным, более того, есть местности, где нравственной называют потерю невинности до брака. — Значит, упрек в первую очередь относится к непослушанию, именно оно безнравственно — и только? Такая девушка считается достойной презрения — но какого рода непослушание подвергается презрению? (Неблагоразумие не презирают.) О ней говорят: она не смогла удержаться и поэтому проявила непослушание, презрев обычай; следовательно, мы презираем слепое вожделение, животное начало в девушке. Потому и говорят: она нецеломудренна, — ведь нельзя сказать, что она делает то же, что и законная супруга, хотя последнюю не называют за это нецеломудренной. — Следовательно, обычай требует, чтобы человек терпел неудовольствие от неудовлетворенной потребности, считая, что вожделение может подождать. Чувство должно быть побеждено мыслью, точнее говоря: идеей страха (будь то страх перед священным обычаем или страх позора и наказания, которыми обычно угрожает обычай). То, что потребность удовлетворяется немедленно, само по себе нисколько не предосудительно, а напротив, вполне естественно и правильно; таким образом, в упомянутой девушке в действительности презирают слабость ее страха. Быть нравственным означает: быть в высшей степени открытым для страха; страх — это сила, способствующая сохранению общества. — С другой стороны, если принять во внимание, что всякому первобытному обществу в других вещах прежде всего требуется как раз бесстрашие его членов, получается, что то, чего следует безусловно опасаться в нравственном отношении, должно вызывать страх в высшей степени; по этой причине обычай повсеместно вошел в обиход в виде божественной воли и спрятался за внушающими страх богами и демоническими способами наказания, так что быть безнравственным означало не испытывать ужаса перед безгранично ужасным. — От того, кто отрицал существование богов, ожидали чего угодно, а потому он был самым страшным человеком, которого общество не могло терпеть: он вырывал корни страха, из которых оно произросло. Считалось, что таким человеком безгранично владеет вожделение; вообще всякого человека, не имеющего этого страха, считали безгранично злым. — В наше же время совершенное бесстрашие связано с отсутствием фантазии; в этом смысле злой человек — это всегда человек, лишенный фантазии. Фантазия добрых людей была фантазией страха, злой фантазией, — иная была пока еще неизвестна. Злая фантазия была призвана сдерживать злые страсти, таков был древний закон нравственности; вечное господство страха над чувственностью — вот что было сутью нравственного человека. Из этого возникает аскетизм как проявление нравственности: умение терпеть, умение ждать, умение молчать, умение голодать — такова, к примеру, мораль индейцев. — Относительную безопасность общества связывали со способностью часто и отчетливо демонстрировать своей душе неприятные картины, при помощи которых люди могли удержаться от немедленного удовлетворения мучительных потребностей. Это картины позора и наказаний, и в первую очередь неясных, жутких наказаний, насылаемых богами и духами, тогда как наказания, налагаемые светским правосудием, не ставят своей первой целью устрашение (прежде всего речь здесь идет о денежных штрафах, которые должны возместить нанесенный ущерб). Даже вероятность самых болезненных наказаний, налагаемых светским правосудием в виде мучительной смерти и других вещей такого рода, в менее цивилизованные времена не оказывает такого воздействия, как перспектива наказаний, насылаемых богами и духами: в те времена люди боялись смерти меньше, чем теперь, они привыкли к пыткам и умели с гордостью их переносить; в силу этих причин обуздание своей жажды мести, алчности, похоти вряд ли сочли бы тогда достойным мужчины. Совсем иначе дело обстоит, когда грозят безумием, фуриями, болячками, седыми волосами, внезапной старостью, ночными кошмарами: угроза таких наказаний весьма действенна. Короче говоря, страх, бывший в то время основой нравственности, был страхом суеверным: быть безнравственным означало не иметь суеверного страха. — Чем более мирным бывает состояние общества, тем более трусливы его граждане, тем меньше они привыкли переносить страдания, тем в большей степени способны светские наказания служить средством устрашения и тем скорее угрозы религиозные оказываются излишними. Таким образом, мир оттесняет религию на задний план, а неопределенные страхи, как средства воздействия фантазии, оказываются более не нужны: ведь боязнь известных наказаний со стороны государства и страх изгнания из общества и так достаточно велики. Наконец, у высокоцивилизованных народов сами наказания, очевидно, станут совершенно ненужным средством устрашения: сам по себе страх позора, дрожь тщеславия, средство столь действенное и неизменное, что благодаря ему безнравственные поступки не состоятся вовсе. — Нравственность становится более изощренной вместе с изощрением боязни. В наше время страх перед неприятными ощущениями, испытываемыми другими людьми, есть едва ли не сильнейшее из наших неприятных ощущений. Многие весьма охотно хотели бы жить, не делая ничего иного, как только лишь доставляя другим приятные ощущения, а то, что не соответствовало бы этому условию, не доставляло бы удовольствия и им самим.

3 [120]

190. Мы понимаем лишь самую малую долю того, из чего складывается любой поступок, а длинная цепь тесно связанных друг с другом нервных и мускульных процессов остается для нас абсолютно непонятной. Поступок, как совершаемый в данный момент волевой акт, мы воспринимаем точно так же, как один иудейский писатель говорит о боге: он повелевает, и все свершается, иными словами, мы превращаем поступок в волшебство и сами чувствуем себя могущественными, как волшебники. Наше невежество подыгрывает нам, позволяя сохранять свое высокомерие. Если же вдруг не получается так, как мы хотим, то вина за это лежит, скорее всего, на враждебном нам существе, которое, опять же волшебным образом, ставит преграду между нашей волей и поступком. Желать добра и делать противоположное: один приписывает это дьяволу, другой греховности, третий видит в этом наказание за вину в прошлой жизни — и почти все толкуют это с точки зрения морали и демонологии. Короче говоря, с тех пор как мы отказались от свойственной дикарям веры в чудеса как в закон природы, эта наша вера переместилась на происходящие внутри нас психологические процессы; здесь чудо все еще считается законом. В действительности желать чего-то означает совершать эксперимент с целью узнать, на что мы способны; дать нам ответ может лишь успех или неудача эксперимента.

3 [121]

191. Некоторые проявляют ум, другие скрывают и доказывают его наличие.

3 [122]

192. Всеобщее счастье или всеобщая любовь к ближнему есть результаты, которые, возможно, могут быть достигнуты благодаря постоянному росту нравственности (а возможно, и нет!). Не отказываться ни от одного из достижений человечества и постоянно удерживать человечество на достаточной высоте — таков, вероятно, вывод из всеобщей нравственности (сопутствующее явление); однако к моральным поступкам людей побуждают, и побуждают сейчас, не вышеупомянутые результаты и уж тем более не выводы, равно как и не то, что первоначально привело к признанию моральных предикатов. Истоки нравственности не могут заключаться в морали. Прежде всего не следует смешивать: во-первых, результаты морали, во-вторых, последствия, производимые моралью, в-третьих, мотивы моральных поступков, в-четвертых, мотивы возникновения моральных понятий. И тем не менее в существовавших доныне моралях одной вещи, а именно — «принципа», оказывалось достаточно для столь различных функций.

3 [123]

193. Мы почитаем то, чего не понимаем, например древние обычаи, торжественно произносимые слова и т.п. Однако нам следовало бы держать при себе свое суждение там, где мы не понимаем, чтобы не умножать на земле горы бессмысленного почитания, ведь наш духовный мир и так все еще довольно сильно похож на Египет: пустыня, и в ней огромные пирамиды, а в пирамидах, чаще всего недоступных, — жалкий труп.

3 [124]

195. Платону пришлось еще при жизни увидеть, как его учение об идеях было опровергнуто умом более ясным и широким, чем его собственный; а ведь совсем недавно ниспровергатель был его учеником. До тех пор, пока мыслители будут рассматривать накопленные ими знания как свои собственные создания, пока в них будет свирепствовать смехотворное отцовское тщеславие, опровержение останется терновым венцом философов — сколь многим из них пришлось носить его! А ведь друг истины, то есть враг обмана, то есть друг независимости, должен был бы, столкнувшись с опровержением, воскликнуть: я избежал великой опасности, чуть было не задохнувшись в собственной петле. Человека желчного и властолюбивого, каким был Шопенгауэр, можно только поздравить с тем, что он так и не догадался, каким кратким будет триумф его философии и как скоро все его великолепные выдумки будут признаны миражами.

3 [125]

196. Едва лишь школьная премудрость примется об этом грезить, тут же между небом и землей становится одной вещью больше; но когда истина познана, число таких вещей убывает и некоторое количество мнимых звезд гаснет. Но, разумеется, не тотчас же! Подобно звездам, свет которых, как говорят, доходит до нас тогда, когда сами они уже давно рассыпались в пыль, заблуждения также не теряют свой блеск еще долгое время после того, как были опровергнуты. Если же учесть, как коротка человеческая жизнь, то достаточно, пожалуй, и одного заблуждения, чтобы залить светом жизнь многих поколений; когда же этот блеск наконец померкнет и пропадет, то все эти поколения давно сгинут и так и не познают жесточайшей горечи, какая только есть на свете: видеть, как гаснут звезды.

3 [126]

197. Позволить совершиться злу, которое можно предотвратить, значит почти то же, что совершить его, поэтому мы спасаем заигравшегося ребенка, бегущего к открытому колодцу, убираем камень, свалившийся на ровную дорогу, подхватываем стул, который того гляди упадет, — и все это не из сострадания, а потому что мы опасаемся причинить вред. Мы к этому привыкли; каковы бы ни были мотивы для этой привычки, теперь мы совершаем поступки, следуя привычке, а отнюдь не в силу упомянутых мотивов.

3 [127]

199. Мы можем не воспроизвести какое-нибудь слово из чужого языка или даже не услышать его правильно; мы можем не увидеть некоторых вещей, если не научились различать их отдельные элементы. Говорить, слышать и видеть тоже нужно учиться; однако, не очень точно наблюдая за процессом обучения, мы все же смеем полагать, что во всех трех случаях достаточно доброй воли, а в молодом человеке, у которого с этим ничего не получается, предполагаем злую волю. Сколько зла было причинено человечеству тем, что его неспособность приписывали воле.

3 [128]

201. Европа допустила, чтобы в ее недрах избыточно разрослось порождение восточной морали в том виде, как ее выдумали и прочувствовали евреи. Нельзя быть самым счастливым и рассудительным народом, если настолько не знаешь чувства меры в морали и переносишь такие вещи на божественное и для человека невозможное. Им часто приходилось сносить плен и порабощение, они испытали восточное презрение за свое упорство в вере; они вели себя по отношению к этой вере так же, как азиатские народы по отношению к своим владыкам, — были раболепно преданы и исполнены страха, но в то же время не лишены стремления к независимости. Отсюда их беспокойная, чувственная, втайне вознаграждающая себя фантазия, вскормившая их утонченную обличающую мораль и дикий героизм, проявляющийся как в беззаветной преданности своему предводителю — богу, — так и в презрении к себе. В силу своего еврейского происхождения христианство передало европейцам это еврейское недовольство собой, представление о нормальности внутреннего беспокойства человека; вот откуда это бегство европейцев от самих себя, отсюда же проистекает их неслыханная деятельность: они всюду суют свои руки и голову. Кроме того, христианству удалось поспособствовать появлению в Европе таких чисто восточных фигур, как отшельник и монах, в качестве представителей «высшей жизни»; таким образом оно подвергло огульной критике все другие способы жизни и сделало невозможным существование греческого в Европе. Хотя афиняне и считали себя самыми беспокойными из греков — но какими спокойными, какими наполненными собой и другими добрыми вещами кажутся они рядом с нами! Они не чувствовали никого над собой, им не было нужды презирать себя.

3 [129]

202. Что же такое фантазия? Грубая, неочищенная форма разума — разум, совершающий крупные ошибки при сопоставлении и классификации, неровный в своем темпе, сотрясаемый аффектами, дикий и красочный вид разума, мать ложного познания и «внезапных озарений» (когда блеск идеи ошибочно принимают за свет истины); и разум, и фантазия продуктивны, но последнюю легче оплодотворить, а семя ее порождает намного больше уродцев и ублюдков. Разум — это фантазия, выучившаяся на ошибках благодаря все улучшающейся способности видеть, слышать и вспоминать.

3 [130]

203. Общая для всех обычаев и типов морали заповедь гласит: размышляй и бойся, владей собой, притворяйся.

3 [131]

204. Существуют следующие причины порою все более очевидного помрачнения мира: во-первых – пересечение культур, что порождает множество уродств; постоянное лицезрение уродств делает нас угрюмыми; во-вторых – моральные фантазии христианства, присвоившие человеческим поступкам только негативные предикаты и в сущности вознамерившиеся сделать невозможным прославление жизни, человека, его поступков; если нам запрещено прославлять, мы становимся угрюмыми; в-третьих – варварские и звериные черты, от которых мы не так уж далеко ушли; в-четвертых – страх перед индивидуальным и подозрительное к нему отношение, поскольку общество более не уверено в себе; в-пятых – страх перед естественным, сменивший прежний страх перед природой; в-шестых – сравнение жизни с воображаемыми наслаждениями, о которых твердили как христианство, так и поэты; в-седьмых – преувеличенное чувство ответственности, отметающее все индифферентные, мелкие и безобидные вещи и всегда желающее знать, что совершаемые поступки устоят перед обвинителем.

3 [132]

205. Действительно ли мораль принесла людям больше счастья, чем несчастья? Даже если мы на место счастья поставим «отсутствие страдания и меньше боли», все равно останется повод для сомнений; мораль есть продукт тех эпох, когда причинить делом или суждением боль другому человеку было куда приятней, чем теми же средствами принести ему пользу: это время, когда верили в злых богов. Удовольствие от того, что посредством моральных суждений можно было причинить боль другому, постоянно усиливало склонность к вредным и жестоким поступкам и само по себе принесло еще больше страданий, чем моральные суждения.

3 [133]

206. И моральным, и религиозным суждениям свойственны: во-первых – вера в то, что они обладают знанием человеческой натуры и внутреннего мира человека; во-вторых – они не признают, что имеют лишь локальную и относительную ценность: где бы они ни появились, они ведут себя как абсолютные, действующие во все времена суждения; в-третьих – и те, и другие верят в подходы к познанию, отличные от известных науке; в-четвертых – и те, и другие выдумывают несуществующие сущности: религиозные суждения – богов, моральные суждения – добрых и злых людей и тому подобное; в-пятых – и те, и другие ненавидят исследования и говорят о бесстыдстве и еще худших вещах, как только их желают увидеть без одежд; в-шестых – сами они сродни друг другу, они заключили между собой союз, чтобы поддерживать друг друга, как ни пытайся, их никогда нельзя разделить полностью: одни продолжают жить в других.

3 [134]

207. Вежливый (прелестный), gentile, благородный, аристократичный, noble, genereux, учтивость, gentleman — все это обозначает качества, заимствованные у высшей касты и являвшиеся предметами подражания; таким образом, мораль в значительной мере происходит скорее из инстинктов этого класса, чем из личной гордости и желания повиноваться начальнику, раздающему награды. Они презирают тех, кто ниже их, и почитают тех, кто им равен или выше их, а сами требуют уважения от всего мира (верхнего, срединного и подземного мира), они ведут себя как лучшая половина человечества. И, напротив, в немецком языке «простой человек» означало прежде «дурной человек»: вот как далеко заходило недоверие к тому, кто не владел артистическими жестами и оборотами речи приличного общества.

3 [135]

208. Христианство (и не только католическая церковь) продолжает притворяться, будто требует всего, но оно весьма довольно и благодарно, когда получает хоть что-то. В этой своей непритязательности ныне и самый лучший христианин, если его мерить христианской меркой, хуже язычника: он не желает ни жить для своей веры, ни умереть вместе со своей верой; он доволен, когда им обоим протягивают подаяние.

3 [136]

209. Испытывать сильные чувства, уметь надолго сохранить сильное чувство и играть на одной струне много мелодий — вот из чего состоит пафос у некоторых величайших писателей, к которым относится также и Шопенгауэр; они отличаются от философов, хотя Шопенгауэр и причислял себя к последним: их главное желание не познавать любой ценой, а во что бы то ни стало пропеть свою песню.

3 [137]

210. Христианство вышло из иудаизма и ни из чего другого, но оно вросло в римский мир и дало плоды, в равной степени являющиеся римскими и иудейскими. Это полученное в результате скрещивания христианство нашло в католицизме ту форму, в которой преобладал римский элемент; протестантизм — его другая форма, где господствует иудейский элемент; дело здесь не в том, что германцам, основным носителям протестантской веры, евреи ближе, а в том, что от римлян они стоят еще дальше, чем католическое население южной Европы.

3 [138]

211. Моральные представления — это возбуждающие средства и приправы, ради которых мы с большей легкостью совершаем нужные поступки; без них эти поступки были бы нам отвратительны или скучны.

3 [139]

212. Не думать о другом, неизменно делать только то, что полезно тебе самому, — это тоже высокая мораль. Человек должен сделать для себя столь многое, что он всегда проявляет небрежность, делая что-то для других. Наш мир выглядит столь несовершенным оттого, что слишком многое делается для других.

3 [140]

213. Не следует ли рассматривать нашу свободу мышления как деятельность чрезмерную и одностороннюю, лишенную противовеса? Разве собственное творчество зачастую не лишает художника равновесия? И разве бегство от себя, забвение себя, измена себе не те опасности, которые подстерегают продуктивного одиночку?

3 [141]

214. Редко бывает так, чтобы человек, сделавшись знаменитым, не стал трусом и не сошел с ума; масса его приверженцев постоянно цепляется за его слабости и гипертрофии и с легкостью убеждает его в том, что здесь-то и следует видеть его достоинства, его предназначение. Разве современники великого человека когда-либо распознавали то, в чем он действительно велик? и разве бывал когда-нибудь знаменитый человек врагом своих приверженцев? — Шопенгауэр стал шутом своей славы еще до того, как она к нему пришла.

3 [142]

218. Зло причиняют по большей части из-за слабости и болезненности, для того чтобы обеспечить себе чувство превосходства (причиняя боль) и тем компенсировать отсутствие ощущения физической силы. Слабость же и болезненность коренятся главным образом в невежестве.

3 [143]

219. Когда радость других причиняет нам боль, например, если мы пребываем в глубокой скорби, мы препятствуем этой радости, например, запрещаем детям смеяться. Напротив, если мы счастливы, то страдания других нам неприятны. Что же тогда симпатия?

3 [144]

220. Равенство уменьшает счастье отдельного человека, но прокладывает путь к отсутствию страданий для всех. Правда, в конце этого пути их ожидает не только отсутствие страданий, но и отсутствие счастья.

3 [145]

221. Ложь и лицемерие, культивируемые в обществе для установления равенства, в конечном итоге оказываются в значительном избытке, который находит для себя выход, порождая поэтов и актеров. Стоит лишь вспомнить, сколько удовольствия доставляют обществу хвастовство, брань, трюкачество и прочие первобытные искусства.

3 [146]

226. Любовь к отечеству ослабевает, если отечество перестает быть несчастным.

3 [147]

227. Фанатики не знают моральных, но, пожалуй, хорошо знакомы с интеллектуальными угрызениями совести; всем инакомыслящим они мстят за то, что сами в сущности тайно, испытывая жестокие муки, — думают иначе.

3 [148]

228. Природа использует мозг, чтобы помочь работе чрева, и наоборот.

3 [149]

229. Не существует непосредственного, инстинктивного страха смерти; мы бежим от страдания, стоящего на пороге смерти, от неведомого, к которому ведет смерть и которое есть она сама; люди все еще хотят чаще радоваться, поэтому они хотят жить и поэтому они терпеливо переносят страдания. Инстинкт самосохранения тоже является частью мифологии.

3 [150]

230. Вот люди, желающие с помощью музыки повергнуть весь мир в состояние опьянения и полагающие, что тогда придет культура; однако до сих пор вслед за опьянением всегда приходила не культура, а нечто другое.

3 [151]

232. Счастье заключается в увеличении оригинальности; возможно, поэтому другие эпохи были более оригинальны, чем наша. — Наука есть средство, призванное доказать необходимость взращивания оригинальности. — Если традиции и прочие cosi fan составляют мораль, тогда она лишь помеха для счастья. — Учение о том, что мораль — верное средство для устранения страданий из человеческой жизни, разумеется, является продуктом эпох, наполненных страданием. — Когда же оригинальность желает тиранить, она посягает на свой собственный жизненный принцип. — Испытывать удовольствие от чужой оригинальности, не подражая ей словно обезьяна, — вот что станет когда-нибудь признаком новой культуры.

3 [152]

233. Никакая мифология не имела более губительных последствий, чем та, которая утверждает, будто душа пребывает в рабстве у тела.

3 [153]

237. Мораль выглядит живописно, если ее долгое время перекрывала неморальность.

3 [154]

238. Интеллекта нынешних людей было, по всей видимости, вполне достаточно, чтобы из хаоса создать упорядоченную солнечную систему, хотя ему, может быть, и не хватает необходимого для этого времени и прежде всего хаоса; мир был бы наверняка бесконечно шире, если бы управлять им мог не случай, а человеческий интеллект, к тому же это сэкономило бы миллиарды лет.

3 [155]

240. Тот, кто в наше время ссылается на традицию как причину своего поведения, почти что говорит: я суеверен, или: я терпим, — но прежде это означало: я умен и добр.

3 [156]

241. Цель христианской морали не земное счастье, а земное неблагополучие. Цель практического христианина, живущего в миру, не земной успех, а возможность ничего больше не делать и даже неудача. И упомянутое выше неблагополучие, и неудачи суть средства и ступени к отрешению от мира. Существует ли еще христианство? Складывается впечатление, что оно уже подошло к цели своего отрешения от мира, а именно: готово покинуть этот мир. Но прежде чем уйти, оно начертало на стене свои письмена, и они еще не исчезли: мир достоин презрения, мир зол, мир — это погибель.

3 [157]

242. Происходит сокращение морального чувства: все составляющие этого чувства, обязанные своим происхождением фантазиям, почитанию того, что не достойно почитания, нагромождению пиетета, вследствие отсутствия критики, попутно совершающемуся закату религии — все это постепенно будет вычитаться, и в результате получится, что обязательность морали для глупцов ослабнет. Следовательно, наша задача в том, чтобы всеми силами постараться уменьшить число глупцов.

3 [158]

243. Конечно, наше современное образование есть нечто убогое, пропахшая тухлятиной миска, в которой плавают лишь всякие несъедобные куски, огрызки христианства, знаний, искусства, которыми бы не насытились даже собаки. Однако средства, с помощью которых пытаются что-нибудь противопоставить этому образованию, едва ли менее убоги, это христианский фанатизм, или же фанатизм научный, или художественный фанатизм людей, еле-еле способных удержаться на ногах; создается впечатление, что изъян хотят лечить с помощью порока. В действительности современное образование представляется жалким, потому что на горизонте перед ним маячит грандиозная задача: пересмотр всех ценностных оценок; однако, прежде чем положить все вещи на весы, необходимо иметь сами весы — я имею в виду ту высшую справедливость высшего интеллекта, которая видит в фанатизме своего смертельного врага, а в современном «всестороннем образовании» обнаруживает обезьяну, своего жалкого подражателя.

3 [159]

245. Если мы везде, где христианин видит влияние своего бога, поставим на место бога случай, у нас составится общее представление о том, в какой степени христианин всей суммой своих поступков отнимает у мира разум и вновь отдает его на волю случая (например, когда он, будучи больным, отказывается от врача). Религии продлили царство случая, т.е. ограничили время и силу разума. — Пока мы совершаем моральные поступки, мы позволяем той случайности, благодаря которой появились на свет в этой стране и окружены этими людьми, стать законом над нами и бежим от разума, который ищет лишь индивидуальной пользы.

3 [160]

246. Мы, мухи-однодневки, не хотим подвергать опасности и запугивать кого-либо своими мыслями; с их помощью уже нельзя подвергнуть душу другого вечной опасности — как верили в средневековье. Принцип свободы мысли и прессы основывается на неверии в бессмертие.

3 [161]

247. Какими бы ни были уровень цивилизованности, состояние общества и степень познания, для индивидуума при этом всегда существует возможность счастливой жизни,—вот что хотят показать и предложить ему религия и мораль. Вызывает сомнения, действительно ли чувство счастья и несовместимости последнего со страданием возрастает с ростом познания, улучшением состояния общества и облегчением жизни, поскольку этот рост всегда сопровождается утратой или ослаблением тех сил, которым в прежние времена преимущественно были обязаны ощущением счастья: безопасность и удлинение жизни, которыми, как своими достижениями, так хвалится наш современный мир, оплачены скорее ценой ослабления чувства счастья, чем его усиления. В этом смысле способствовать развитию культуры ради счастья отдельного человека было бы весьма сомнительным, а то и просто глупым предприятием!—Но коль скоро мы тем или иным образом стали счастливы, то нам не остается ничего другого, как способствовать развитию культуры! Новое, высокое доверие к нам, удовлетворенность собственными силами, исчезновение страха перед другими, желание быть с ними рядом, соревнование с ними в добре, осознаваемый нами избыток способностей, орудий, детей, слуг—in summa, чувство благополучия любого рода направляет нас на путь более высокой культуры и заставляет двигаться вперед. Нужда же ведет к отставанию, делает нас инертными, недоверчивыми, суеверными и чрезмерно суровыми в соблюдении обычаев. Культура есть постепенно складывающееся следствие счастья бесчисленных одиночек, но не их замысел!—Чем большей индивидуальностью обладает каждый в отдельности, тем более продуктивным будет для культуры его счастье, даже если оно будет продолжаться недолго, а его интенсивность будет менее постоянной и значительной, чем счастье на низших стадиях культуры. Отказать счастливому человеку в возможности развития культуры только ради того, чтобы сохранить на высоком уровне счастье в целом, было бы столь же нелепо, как запретить шелковичному червю прясть свою нить ради счастья всех шелковичных червей. Что же еще может дать нам счастье какого бы то ни было рода, если не обязанность использовать его для блага культуры?—Счастье нельзя удержать ни на высоком, ни на низком уровне, если постоянно пресекать его необходимые проявления. Итак: культура есть проявление счастья.

3 [162]

248. Возникновение категорического императива не представляет собой ничего необычного. Естественно, большинство людей предпочитает безусловный приказ, безусловную заповедь чему-то условному: безусловность позволяет им не использовать свой интеллект, к тому же она больше сообразуется с их леностью; нередко она хорошо сочетается с известной склонностью к упрямству и приходится по вкусу людям, похваляющимся своим характером. В целом она относится к сфере слепого армейского послушания, в котором воспитывали людей их властители: они верят, что порядок и безопасность возможны более всего тогда, когда один господствует абсолютно, а другой абсолютно подчиняется. Оттого-то и желают сделать моральный императив категорическим, полагая, что в таком качестве он более всего полезен для нравственности. Люди жаждут категорического императива; это значит, что абсолютный властитель должен быть создан волей многих, тех, кто испытывает страх перед собой и друг перед другом: он должен осуществлять моральную диктатуру. Не было бы этого страха, не понадобился бы и такой властитель.

3 [163]

249. Произведения германского гения не выдерживают переноса за рубеж: как итальянские вина, их нужно пить на месте.

3 [164]

250. Европейская разновидность морального идеализма имеет свойство выдумывать моральные представления столь высокие и утонченные, что человек, оценивающий свои поступки, исходя из этих представлений, чувствует себя униженным. Такой идеализм прекрасно сочетается с жизнью корыстолюбивой, бесцеремонной, тщеславной, минута унижения есть плата за жизнь, ничего общего с этим идеализмом не имеющую.

3 [165]

251. Чего только не сочиняли философы о счастье тех, кто преодолел земное! Какие чудеса воображал себе Шопенгауэр о том состоянии, когда сексуальность больше не доставляет человеку неудобств.

3 [166]

253. Присутствие духа: это значит способность позволять обстоятельствам управлять словами и поступками — то есть способность лгать и лицемерить.

3 [167]

254. Лучше всего мы лжем, когда ложь соответствует нашему характеру.

3 [168]

257. Были боги, желавшие несчастья, боги, хранившие от несчастья, и боги, утешавшие в несчастье.

3 [169]

259. Где существует наибольшая нравственность, там гибнет интеллект. Предположение, что сосед обманывает нас, где только может, держит наш ум в напряжении; то же самое происходит, например, в итальянских городах с жульничеством, но при этом мы не держим зла на соседа.

3 [170]

260. Честность требует, чтобы вместо неопределенных благородно звучащих слов морального характера, какие принято говорить, мы называли лишь хорошо узнаваемые, преобладающие в смешении элементы, несмотря на некоторую их неполноту и на то, что до сей поры эти преобладающие элементы имели дурной смысл; это, по крайней мере, разрушит ложный ореол святости. Вещь следует называть a potiori, а не a nihilo.

3 [171]

261. Как следует поступать? Так, чтобы по возможности сохранялся отдельный человек? Или же так, чтобы по возможности сохранялась раса? Или так, чтобы благодаря нашей расе по возможности сохранялась другая раса? Или же так, чтобы сохранялось как можно больше жизни? Или так, чтобы сохранялись высшие формы жизни?

3 [172]

262. Совершенная мораль есть мораль справедливости, воздающая каждой вещи по ее заслугам и ничего не знающая о вознаграждении, наказании, похвале и порицании. В каждом истинном познании действует эта совершенная мораль, каждое упражнение в познании есть упражнение в этой морали, и если даже познание занимается самой опасной критикой моральных поступков, оно все же далеко от того, чтобы навредить им. В то мгновение, когда осуществляется познание, познающий в моральном отношении абсолютно совершенен, в недостаточном познании содержатся обычно и моральные ошибки, например нетерпение, несправедливость, зависть, высокомерие. Но не будем скрывать от самих себя: не бывает другого познания, кроме недостаточного.

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